
Weihnachten ist krass
Weihnachten? Unglaublich!
Manchmal denkt man, man hat keine so gewaltige Bekehrungsgeschichte. Bei Taufen wird das manchmal besonders deutlich. Dann sagen Leute: „Ja, ich möchte ein Bekehrungszeugnis erzählen, aber ich habe ja kaum etwas zu erzählen. Ich bin in einem christlichen Elternhaus aufgewachsen usw.“
Aber wisst ihr, das Problem dieser Menschen – und vielleicht auch von dir und mir – ist gar nicht, dass wir keine großartige Bekehrungsgeschichte haben. Das Problem ist, dass wir denken, unsere Bekehrung wäre nichts Großartiges gewesen. Das ist eigentlich das viel größere Problem.
Vielleicht geht es manchen von uns auch mit Weihnachten so. Da ist es ähnlich, vielleicht sogar noch ein bisschen problematischer. Manchmal denken wir: „Ja, Weihnachten, das ist normal.“ Wir haben uns an die Geschichten gewöhnt. Für Kinder ist klar: Weihnachten ist toll. Aber für uns Erwachsene ist Weihnachten... Ja, natürlich, wir sind in der christlichen Gemeinde. Da versuchen wir natürlich zu sagen: „Na, Moment, Jesus steht im Zentrum“ und so weiter.
Aber wisst ihr, auch hier – gerade wir als Gläubige – sind manchmal in Gefahr zu denken: „Ja, ist doch normal. So ist es halt mit der Krippe, den Hirten und was Gott sich da halt ausgedacht hat.“ Wie unglaublich ungewöhnlich und, ich möchte mal sagen, krass Weihnachten ist, ist uns oft nicht mehr bewusst.
Wir versuchen ja hier immer wieder – ihr merkt es ja auch, händeringend – das deutlich zu machen. Heute Morgen ist ein nächster Versuch, uns klarzumachen, wie krass Weihnachten ist. Ich möchte es auf eine etwas andere Art und Weise tun.
Ich hoffe, es gelingt mir, uns heute Vormittag deutlich zu machen, wie unglaublich es ist, was Gott sich ausgedacht hat, als er sich auf den Weg gemacht hat, auf dieser Erde.
Götter wie Menschen?
Weißt du, unser Land, unsere Region, unser Landstrich – ja, eigentlich ganz Mittelwesteuropa – wurde früher das christliche Abendland genannt. Ich weiß nicht, ob dir dieser Begriff etwas sagt, aber wie sehr sind wir heute noch christlich geprägt?
Manchmal neigen wir dazu zu sagen, dass in Deutschland nicht mehr viel vom Christentum übrig ist. Doch oft ist uns gar nicht bewusst, wie stark wir noch vom abendländischen Christentum beeinflusst sind.
Schauen wir mal kurz zurück, wie die Menschen vor ungefähr 2000 Jahren, also zur Zeit, als Weihnachten stattgefunden hat, über Gott gedacht haben – oder vielleicht auch schon etwas früher.
Die Menschen dachten damals eigentlich nicht über „Gott“ im Singular nach. Dieser Satz ist schon falsch formuliert, denn die meisten Menschen jener Zeit dachten über Götter im Plural nach. Sie glaubten an mehrere Götter, wenn sie über das Übersinnliche oder eine höhere Macht nachdachten.
Es gab eine kleine Gruppe von Juden, die die Vorstellung hatten, es gäbe nur einen Gott. Aber die meisten Menschen hatten eine andere Ansicht. Sie glaubten nicht an einen einzigen Gott, sondern an ein ganzes Universum von Gottheiten und Göttern.
Im Römischen Reich zum Beispiel gab es den Jupiter, den Mars und die Juno – oder Dijuna, ich glaube, das ist eine Göttin. Die Griechen hatten ähnliche Gottheiten, die Zeus, Hera und Ares hießen. Das waren im Grunde dieselben Götter, nur mit anderen Namen. Darauf sind wir nicht näher eingegangen.
Je nach Ort und Landstrich wurden weitere Gottheiten integriert. Dort, wo wir heute wohnen, waren diese römischen und griechischen Götter nicht so angesehen. Stattdessen gab es andere Gottheiten. Manchmal wurde die Natur verehrt. Dort gab es weniger Tempel, sondern mehr heilige Orte wie Wälder, Quellen, Flüsse und Seen.
Die Druiden waren dort die Priester. Man glaubte, die Natur habe eine Seele, alles sei irgendwie göttlich durchdrungen. Auch Grabbeigaben wurden gefunden, was zeigt, dass die Menschen auf das Jenseits vorbereitet sein wollten.
Natürlich gab es auch dort verschiedene Gottheiten und Götter. Da die Überlieferung meist mündlich erfolgte, entwickelten sich die Vorstellungen unterschiedlich. Manche dieser Gottheiten wurden sogar als furchtbar dargestellt.
Ich wollte nur kurz verdeutlichen: Die Menschen vor 2000 Jahren hatten Vorstellungen von einer übersinnlichen Welt. In den meisten Landstrichen der Welt glaubte man an viele Götter.
Was für Götter waren das? Eigentlich waren sie wie Menschen, nur extremer. Wenn wir uns die Charaktere dieser Gottheiten anschauen, waren sie wie Menschen, aber mit stärkeren Eigenschaften.
Sie waren zornig, neidisch und eifersüchtig. Die Geschichten dieser Gottheiten sind voll von Intrigen, Täuschungen und sexuellen Begierden. Manchmal hatten bestimmte Gottheiten spezielle Zuständigkeiten: Der eine war für das Wetter zuständig, der Donnergott, ein anderer für Fruchtbarkeit, ein weiterer für Gerechtigkeit oder Krieg, und wieder ein anderer für Licht oder Schutz.
Im Prinzip waren diese Gottheiten also überzeichnete Menschen – so ähnlich wie Superhelden. Normale Menschen, die aber fliegen konnten, heilen oder besonders viel zerstören konnten, wie zum Beispiel der eine Typ mit dem großen Hammer.
Außerdem lebten sie ewig – das war die Vorstellung von Göttern und Gottheiten.
Marvel verdient heute noch viel Geld mit Geschichten über solche Superhelden. Viele dieser Helden in Filmen sind tatsächlich an die Götter und Gottheiten von vor einigen tausend Jahren angelehnt. Manchmal tragen sie sogar noch dieselben Namen.
Aber es ist keineswegs so, dass diese Gottheiten den Menschen immer wohlgesonnen waren. Ganz im Gegenteil: Oft waren sie willkürlich. Die Menschen waren Spielball der Launen dieser Götter. Die Götter taten nicht immer das, was den Menschen guttat.
Unsere begrenzte Fantasie - und die Notwendigkeit von göttlicher Offenbarung
Wie kommen Menschen auf so etwas? Ganz einfach: Sie stellen sich das vor, was sie kennen, oder? So sind Menschen nun mal. Und wir können uns Dinge, die wir kennen, noch etwas extremer vorstellen. Aber wir können nicht über Dinge hinausdenken, die wir nicht kennen. Unsere Fantasie kann noch so blühend sein, sie kann sich nur Dinge vorstellen, die sie sich vorstellen kann. Darüber hinaus kommt sie nicht hinaus.
Stell dir einfach mal eine Farbe vor, die es nicht gibt. Merkst du, wie schwierig das ist? Oder einen Geschmack, den du noch nie gekannt hast. Wir orientieren uns immer an Dingen, die wir kennen, die wir wahrgenommen haben. Diese können wir uns vorstellen – und wir können sie auch extremer machen. So können wir sagen: „Das ist so scharf, dass dein ganzer Mund wie Feuer brennt und dir ein Loch in die Kehle brennt.“ So können wir es ins Extreme treiben, das können wir uns vorstellen.
Aber etwas wirklich Neues zu erfinden, ist sehr schwierig.
Ich erzähle euch das heute Morgen, weil ich uns ganz neu begeistern und sensibilisieren möchte für das, wie unglaublich es ist, was Gott getan hat und wie er ist. Es gibt immer wieder Leute – und wir sind umgeben von vielen Menschen, gerade auch hier in Deutschland –, die denken, das, was in der Bibel steht, sei das Ergebnis einer religionsgeschichtlichen Entwicklung. Sie sagen, Menschen hätten sich etwas ausgedacht, das habe sich dann entwickelt, und irgendwann sei daraus das Christentum entstanden. Dann hätten sie irgendetwas aufgeschrieben.
Abgesehen davon, dass solche Behauptungen ohne jeden Beweis daherkommen – denn es gibt keine lückenlose Historie von Dokumenten, in denen man diese Entwicklungsschritte nachvollziehen könnte –, müssen wir einfach feststellen: Der Gott, so wie er sich im Wort Gottes, in der Bibel, präsentiert, ist absolut einzigartig. Er ist keine Variante irgendeiner anderen Gottheit, sondern durch und durch anders und so außergewöhnlich, dass ich persönlich davon überzeugt bin, dass sich kein Mensch das ausdenken kann.
Wir haben uns daran gewöhnt. Viele von uns sind christlich sozialisiert, im gläubigen Kreis aufgewachsen, sind schon länger hier in der Gemeinde. Da denkt man: „Ja, das ist ja normal.“ Nein, es ist überhaupt nicht normal.
Wir können uns nur Dinge vorstellen, die wir kennen, die wir gesehen, geschmeckt, erlebt oder beigebracht bekommen haben. Aber alles andere – Achtung, jetzt kommt ein besonderer Begriff – muss von außen durch Offenbarung zu uns kommen. Offenbarung bedeutet, dass uns etwas von außen aufgedeckt wird. Dann können wir dazulernen.
Was sich unserem Erfahrungshorizont nicht erschließt, das müssen wir von außen offenbart bekommen, wenn wir es begreifen sollen. Das ist etwas, das wir uns nicht selbst ausdenken können. Es ist nicht etwas, das wir uns vorstellen oder das sich irgendwie entwickelt hat. Es muss uns geoffenbart werden.
Paulus hat das in einem Brief an die Gläubigen in Rom so formuliert. Das lesen wir in Römer 1. Ihr könnt gerne in eurer Bibel nachschlagen. Für die anderen habe ich es hier vorne mitgebracht: Römer 1.
Dort heißt es in Vers 19 – wir werden später noch weitere Verse daraus lesen: „Denn das, was von Gott erkennbar ist, ist unter ihnen offenbar, weil Gott es ihnen offenbart hat.“
Wir wissen: Gott ist unsichtbar, nicht wahrnehmbar mit unseren fünf Sinnen. Er ist Geist. Deshalb muss alles, was wir von Gott wissen können, uns offenbart werden. Dinge sind offenbar, weil Gott sich geoffenbart hat. Er hat gesagt: „Ich möchte, dass Menschen begreifen, wie ich bin.“
Er hätte sich auch verstecken können, sagen können: „Ich bin der Unsichtbare, der Unnahbare, der Unerkennbare.“ Hat er aber nicht. Er hat sich erkennbar gemacht. Er wollte sich zeigen, wollte, dass wir ihn kennenlernen, seinen Charakter entdecken. Er wollte uns mit hineinnehmen in seine Gedanken, in seine Welt, in die Realität, wie sie wirklich ist.
Paulus sagt in Römer 1, dass wir, wenn wir die geschaffenen Werke anschauen – Bäume, Blumen, Berge und so weiter –, schon daran sein unsichtbares Wesen erkennen und Rückschlüsse ziehen können. Und zwar auf was? Auf seine ewige Macht, seine Kraft und sein göttliches Wesen.
Hört mal, wie es dort heißt, Römer 1, Vers 19-20: „Denn das, was von Gott erkennbar ist, ist unter ihnen offenbar, weil Gott es ihnen offenbart hat. Denn sein unsichtbares Wesen, nämlich seine ewige Kraft und Gottheit, wird seit Erschaffung der Welt an den Werken durch Nachdenken wahrgenommen, so dass sie keine Entschuldigung haben.“
Die Menschen haben also keine Entschuldigung. Sie können nicht sagen: „Ja, Gott, das hätte mir auch mal jemand sagen können, aber ich kann es ja nicht wissen.“ Doch, du kannst es wissen. Das Anschauen und Studieren der Natur weist darauf hin.
Das führt nicht unbedingt dazu, dass man an einen guten Gott glaubt – noch nicht zwangsläufig –, denn die Natur ist oft sehr grausam. Aber es müsste dazu führen, dass wir demütig werden. Das sollte passieren.
Wir sollten erkennen, wie klein wir eigentlich sind, wenn wir seine göttliche Majestät, seine Macht und Größe sehen. Wir sollten merken: Da gibt es jemanden, der so groß und gewaltig ist. Ich bin so groß, mit Hut, und begreife, wie wenig ich vom Leben verstehe, wenn ich versuche, die großen Zusammenhänge nur in meinem Kopf zu erfassen.
Denk mal über das Universum nach, über diese Dimensionen. Denk kurz darüber nach, wo das Universum aufhört. Hast du es im Kopf? Sagst du ja? Doch, okay. Was kommt dahinter? Wie geht es weiter?
Wenn wir über große Dinge nachdenken, merken wir, dass es in unseren Kopf gar nicht richtig hineinpassen will.
Oder denk an die Desoxyribonukleinsäure – wer weiß noch aus der Schule, was das ist? Die DNA oder DNS, unsere Erbinformation. Du hast viele davon, diese Doppelhelix, wie sie genannt wird. Ganz viele in deinem Körper.
Was denkst du, wie lang die DNA in deinem Körper wäre, wenn man sie aneinanderreihen würde? Ich habe es nicht ausprobiert, aber ich habe es nachgelesen: Kilometerlang.
Genauer gesagt: Zwei Meter pro Körperzelle. Und in deinem Körper hast du ungefähr 30 Billionen Zellen. Das heißt, die DNA eines Menschen ist etwa 60 Milliarden Kilometer lang. Nur mal als Relation: Damit könnte man 400 Mal die Entfernung von der Erde zur Sonne zurücklegen – und die beträgt läppische 150 Millionen Kilometer.
Wenn wir die Natur anschauen und diese Zusammenhänge studieren, sollte uns das eigentlich bewusst machen, wie wenig wir wissen, wie wenig wir schaffen, wie wenig wir können und wie klein wir sind.
Wenn Menschen Religionen erfinden
Aber wir Menschen haben ein Problem, und genau darüber schreibt Paulus im Römerbrief Kapitel 1.
Wisst ihr, was unser Problem ist? Dass wir denken, wir seien schlau, wirklich sehr schlau. Wir sind stolz und glauben, keine Offenbarung zu brauchen. Wir haben ja Augen im Kopf, Verstand und können nachdenken. Wir können vieles gut analysieren. Das kriegen wir schon hin – die Umwelt, die Welt um uns herum, die Wissenschaft. Die haben doch was drauf, die können doch was.
Wenn wir aber so an die Dinge herangehen, entstehen Vorstellungen wie diese Göttergestalten. Im Nordischen ist das der Thor, der mit dem roten Bart, Hammer und als Donnergott mit brachialem Auftritt. Oder irgendein Zeus, so ein Göttervater, Chef von Olympia, mit Blitz in der Hand, notorisch untreu. Dann Hera, die griechische Ehegöttin, chronisch eifersüchtig. Bei den Ägyptern gab es den Ra, den Sonnengott mit Falkenkopf, oder Pan mit Oberkörper eines Menschen, Beinen und Hörnern von einem Ziegenbock.
Versteht ihr? Solche Vorstellungen entstehen, wenn Menschen sich Gedanken machen und denken: „Okay, ich kann mir das schon irgendwie selbst zusammenreimen.“ Oder eben auch die ganzen Systeme dahinter, also insgesamt die Weltreligionen. So etwas kommt dabei heraus.
Paulus schreibt in Römer 1 dazu, und ich möchte noch ein paar Verse aus diesem Kapitel lesen. Seit der Erschaffung der Welt, heißt es in Vers 20, sind Gottes Werke ein sichtbarer Hinweis auf ihn, den unsichtbaren Gott, auf seine ewige Macht und sein göttliches Wesen. Die Menschen haben also keine Entschuldigung.
Denn trotz allem, was sie über Gott wussten, erwiesen sie ihm nicht die Ehre, die ihm zukommt, sondern blieben ihm den Dank schuldig. Sie verloren sich in sinnlosen Gedankengängen, und in ihren Herzen, denen jede Einsicht fehlte, wurde es finster.
Jetzt kommt ein Satz, den ich sehr markant und treffend finde: "Weil sie sich für klug hielten, sind sie zu Narren, zu Dummköpfen geworden. An die Stelle der Herrlichkeit des unvergänglichen Gottes setzen sie das Abbild des vergänglichen Menschen und Abbilder von Vögeln, vierfüßigen Tieren und Kriechtieren."
So sahen die Gottheiten ja auch aus, so haben sie sich das ausgedacht: irgendwelche Abbilder von Vögeln, vierfüßigen Tieren und Kriechtieren. Deshalb heißt es, dass Gott sie den Begierden ihres Herzens überlassen und der Unsittlichkeit preisgegeben hat, sodass sie ihre eigenen Körper entwürdigten.
"Denn sie vertauschten die Wahrheit, die Gott ihnen hatte erkennen lassen und offenbart hatte, mit der Lüge. Sie verehrten das Geschaffene und dienten ihm statt dem Schöpfer, der doch für immer und ewig zu preisen ist. Sie verehrten das Geschaffene."
Wenn du heute mal Kinderhörspiele hörst, sind wir gar nicht so weit weg von den komischen Gottesvorstellungen von vor ein paar tausend Jahren. „Oh, das hat das Wiesel aber gut hingekriegt“, „oh, das hat sich der Berg gut ausgedacht, dass er so ist“, „oh, das hat die Natur prima gemacht“ – so hört sich das heute an, wenn dem Geschaffenen Ehre gegeben wird.
In Vers 27 schreibt Paulus dann, dass Gott diese Menschen ihrem eigenen Denken, ihrer Gesinnung und ihrem Verstand preisgegeben hat. Wie es auch in Vers 24 heißt, sind sie ihrem eigenen Denken und ihren nichtigen Gedanken ausgeliefert.
Damit beschreibt Paulus, was das bedeutet und wohin das führt. Das ist ungefähr das, was wir sehen, wenn wir die Nachrichten einschalten: Mord, Totschlag, Unmoral, Gewalt, Hinterlist, Neid, Intrigen und so weiter. Das ist der Normalzustand unseres Planeten.
Gott zeigt uns Menschen etwas von seinem Wesen. Wir können uns Bäume, Blumen, uns selbst, den Mikrokosmos und das Universum anschauen. Wir können all das betrachten. Und was machen wir Menschen? Anstatt es anzuschauen und zu sagen: „Boah, ich bin so winzig“, sagen wir: „Mensch, so eine kleine Zecke oder irgendein winzig kleiner Virus, den man nicht mal sieht, kann uns Menschen und unser Leben fertig machen.“
Du musst dir mal vorstellen, wir denken immer, wir wären so kräftig. Aber so ein kleiner Virus reicht aus, um uns zu bedrohen. Aber anstatt demütig zu werden, sagen wir: „Ja, das kriegen wir wissenschaftlich schon irgendwie auf die Kette. Das kriege ich in meinen Kopf schon irgendwie rein.“
Umdenken: es gibt mehr, als in meinen Kopf reinpasst
Und weißt du, das ist der Punkt, an dem du, wenn du gläubig bist, anfangen musst umzudenken, umzukehren, Buße zu tun. Das ist der erste Schritt, um Jesus Nachfolger werden zu können: dass ich eingestehe, es gibt mehr, als ich mit meinem Verstand erfassen kann.
Es gibt Dinge, die ich mit meinen fünf Sinnen nicht begreifen kann, die zu groß sind für mein Denken. Ich lasse zu, dass die Realität größer ist als das, was in meinen Kopf passt. Und eigentlich wissen wir Menschen das.
Die Ewigkeit ist eigentlich in unser Herz gelegt. Wenn wir nur nicht so stolz wären, könnten wir es zugeben. Die Griechen im alten Athen hatten schon damals einen kleinen Ansatz davon, eine Ahnung – und ich möchte fast sagen, in manchen sogar mehr Bereitschaft, einzugestehen, dass sie vielleicht nicht alles wissen, als wir heute oft in unserer Gesellschaft haben.
Deshalb haben sie in diesem Anflug von Demut damals gedacht: „Also vor knapp zweitausend Jahren, wir kennen ja echt schon viele Götter und Gottheiten, aber vielleicht kennen wir noch nicht alle.“
Übrigens: Es waren damals Hunderte bis wahrscheinlich sogar Tausende von Göttern, denen sie dienten, die sie darstellten und denen sie opferten. Aber für den Fall, dass es noch einen geben sollte, den sie noch nicht kannten, waren sie demütig genug, das zumindest für möglich zu halten.
Für diesen Fall hatten sie einen Altar gebaut, auf den sie geschrieben hatten: „Für den unbekannten Gott.“ Also, falls wir einen vergessen haben, möge er nicht sauer sein.
Paulus’ Rede in Athen: der eine, echte Gott
Und genau hier setzt Paulus an, als er in die Vielgötterstadt Athen kommt. Er sagt: „Okay, hier kann ich ansetzen, denn was diese Menschen brauchen, ist Offenbarung. Sie brauchen Informationen von außen, jemanden, der ihnen diesen Gott näherbringt und von ihm erzählt.“
Sie kennen ihn ja nicht. Und dieser Gott ist anders und größer, als sie sich je hätten ausdenken können. Man kommt nicht einfach mit eigenem Verstand dahinter. Deshalb stellt sich Paulus, als er die Weltstadt Athen besucht, ans Rednerpult. Das können wir in der Apostelgeschichte 17 nachlesen.
Ich lese euch einfach mal vor, damit ihr es auf euch wirken lassen könnt, als ob Paulus gerade so dastehen würde und ihr zufällig in Athen vorbeigelaufen seid und ihm zuhört.
Da sagt er: „Männer“, man könnte auch sagen: Bewohner von Athen, „nach allem, was ich sehe, seid ihr ungewöhnlich religiöse Leute. Denn als ich durch die Straßen ging und eure Heiligtümer betrachtete, stieß ich auf einen Altar mit der Inschrift ‚dem unbekannten Gott‘. Und diesen Gott, den ihr ohne zu kennen verehrt, den verkündige ich euch.“
Jetzt macht Paulus den Leuten in Athen klar, wie anders dieser echte, wahre Schöpfergott ist als alles, was sie sich bisher an Gottheiten ausgedacht haben und vorstellen konnten. Hört mal, was er sagt:
„Meine Botschaft handelt von dem Gott, der die Welt geschaffen hat und alles, was dazugehört.“ Damit hat er schon mal das Fundament klargemacht.
Als Herr von Himmel und Erde wohnt er natürlich nicht in Tempeln, die Menschen gebaut haben. Er braucht auch keine Bedienung von Menschen, so als ob er noch etwas nötig hätte. Denn er ist es ja, der uns das Leben, die Luft zum Atmen und überhaupt alles gibt.
Aus einem einzigen Menschen hat er alle Völker hervorgehen lassen. Er wollte, dass sie die Erde bewohnen. Er bestimmte die Zeit ihres Bestehens und die Grenzen ihres Gebietes. Er wollte, dass sie nach ihm fragen, dass sie sich bemühen, ihn irgendwie zu finden, obwohl er keinem von uns wirklich fern ist.
In einer anderen Übersetzung heißt es: „Damit sie den Herrn suchen sollten, ob sie ihn wohl umhertastend finden möchten.“ Paulus macht ihnen deutlich: Leute, der echte Gott will, dass ihr euch nach ihm ausstreckt. Aber nicht, weil er Verstecken spielen möchte oder sich im Verborgenen halten will. Er ist, so sagt Paulus, keinem von uns fern.
Sondern weil er möchte, dass Menschen ihn wollen, dass sie sich die Beziehung zu ihm wünschen, dass sie sich um Gemeinschaft mit ihm bemühen. Denn er will sich nicht aufdrängen.
So sagt er weiter: „Denn durch ihn leben und bestehen und sind wir.“ Oder wie es einige eurer Dichter ausgedrückt haben: „Denn auch wir sind von seiner Art.“
Wenn wir nun von Gott abstammen, weil er uns geschaffen hat, sollten wir nicht denken, dass das Göttliche wie ein goldenes, silbernes oder steinernes Gebilde sei, das menschliche Erfindungskunst hervorgebracht hat.
Gott hat zwar über die Unwissenheit vergangener Zeiten hinweggesehen, doch jetzt fordert er alle Menschen überall auf, ihre Einstellung zu ändern.
Das war die Rede, die Ansprache von Paulus dort auf dem Areopag, dem öffentlichen Rednerpult, wo er die Philosophen, Wissenschaftler und Bürger der Stadt herausgefordert hat.
Offenbarung hat ihn dorthin gebracht – Dinge, die sich die Menschen nie vorstellen konnten, weil dieser Gott so ganz anders war, als sie ihn sich vorgestellt hatten.
Menschen sollten anhand der Schöpfung merken: Da ist mehr. Und zwar so viel mehr, dass ich es nicht aus eigener Kraft begreifend erklären könnte.
Ich brauche Informationen von außen, sonst bleibe ich unwissend, sagt Paulus. Gott hat über die Zeit der Unwissenheit hinweggesehen.
Der Mensch soll umhertastend nach diesem Schöpfer suchen, merken, dass er alleine nicht klarkommt und nicht weiterweiß.
Und dann wollte Gott dem Menschen, der umhertastet wie ein Blinder, das Licht anknipsen – Offenbarung. So hat Gott sich das vorgestellt.
Warum die Botschaft "von außen" kommen muss
Um das noch einmal etwas zu verdeutlichen: Es gibt Dinge, die kein Mensch über dich weiß. Nicht einmal dein Ehepartner. Es gibt Gedanken, die nur du selbst kennst.
Dazu gibt es ein Lied: „Die Gedanken sind frei. Wer kann sie erraten? Sie fliegen vorbei wie nächtliche Schatten. Kein Mensch kann sie wissen, kein Jäger kann sie erschießen."
Das stimmt – kein Mensch kann deine Gedanken wissen. Was musst du jetzt tun, damit jemand deine Gedanken weiß oder kennenlernt? Was musst du machen? Nun, du musst dich offenbaren, oder? Du musst deine Gedanken aufdecken und erkennbar machen.
Und wie geht das? In der Regel, indem du Dinge sagst oder aufschreibst. Durch Worte.
Genau das hat Gott von Anfang an gemacht. Über Jahrtausende hinweg hat Gott zu Menschen gesprochen, Worte benutzt, sich geoffenbart und gesagt, was ihm wichtig ist, damit Menschen über ihn wissen. Denn sie können es nicht von selbst wissen. Sie können den unsichtbaren Gott nicht sehen, erst recht nicht wissen, was er denkt.
Gott hat Menschen beauftragt, dieses Wissen, das er ihnen geoffenbart hat, weiterzutragen und aufzuschreiben. Propheten – so lesen wir im Hebräerbrief 1, viele Male und auf verschiedenste Weise sprach Gott in der Vergangenheit durch die Propheten zu unseren Vorfahren.
Manche wissen schon, wie es weitergeht im nächsten Vers, aber bevor wir dazu kommen, lassen wir uns kurz innehalten: Gott hat gesprochen und er hatte echte Propheten. Also Menschen, die wirklich vom lebendigen Gott gehört haben, erkannt haben, wie er ist, was er denkt und was er möchte.
Diese Propheten haben die göttlichen Offenbarungen, diese göttlichen Worte, diese Informationen von außen, die sie sich nicht selbst ausgedacht haben, weitergegeben. Sie haben erzählt, wie Gott ist – und das war ganz anders als die von Menschen erfundene Götterwelt.
Sie haben gesagt: Wisst ihr, es gibt nur einen einzigen Gott. Wie, nur einen? Ja, es gibt nur einen einzigen. „Ich bin der Herr, und sonst keiner“, schreibt Jesaja.
Nicht eine regionale Gottheit, nicht jede Gottheit mit ihrem Spezialgebiet. Ein Gott – das ist auch im jüdischen Glaubensbekenntnis verankert: „Höre, Israel, der Herr, unser Gott, der Herr ist einer.“
Jesaja und die anderen Propheten zeigen, dieser Gott ist nicht manipulierbar, nicht bestechlich. Er ist absolut gerecht. Er ist nicht launisch – nicht mal so, mal so.
Und obwohl er absolut gerecht ist, ist er keineswegs gefühllos. Er spielt nicht einfach so mit den Menschen, weil er Lust dazu hat. Er hat Erbarmen, er hat Mitleid, er ist barmherzig. Er hat keinen Gefallen am Tod des Gottlosen.
Er ist treu: Wenn er etwas verspricht, dann hält er das auch.
Das sind alles Eigenschaften, die sich nicht Menschen ausgedacht haben. Die Gottheiten, die Menschen sich ausgedacht haben, waren ganz anders. Ganz anders.
Diese Art, dieses Wesen kommt von außen. Es entspricht nicht unserem Erfahrungshorizont als gefallene, sündige Menschen.
Gott wird dargestellt als der Herr, als der Lenker der Geschichte, als der Schöpfer, als der Allmächtige. Er benutzt sogar fremde Mächte als Werkzeuge. Er gebraucht Katastrophen und politische Ereignisse souverän, um seine Ziele zu erreichen.
Das haben die Propheten deutlich gemacht. Sie zeigten, dass dieser Gott eine Beziehung zu den Menschen haben möchte. Er liebt sie.
Wenn sie sich von ihm abwenden und nichts mit ihm zu tun haben wollen, dann ist er traurig. Er setzt alle Hebel in Bewegung, um diese Beziehung wieder möglich zu machen.
Diesen Weg, diese Beziehung wieder zu ermöglichen, haben die Propheten immer wieder beschrieben. Sie sprachen von der Person, die das einmal wieder möglich machen wird – von dem Messias, von dem Retter, der kommen wird und alles in Ordnung bringt.
Das waren wahre Worte von einer göttlichen Realität, die sich uns Menschen auf unserem eigenen Gedankenkarussell nicht erschließen würde.
Die Gefahr vom weiter-denken
Und wisst ihr, mit all diesen Worten ist etwas Dramatisches passiert – mit diesen Informationen von außen. Und genau das ist bis heute das gleiche Problem.
Die Menschen hatten diese Informationen schon damals und haben sie bis heute. Wir besitzen Worte von Gott, wir haben die Schöpfung. Wir haben göttliche Offenbarungen. Wir können sie anschauen, entdecken, nachlesen und nachforschen. Doch wir können all diese göttlichen Informationen nehmen und sie menschlich weiterdenken.
Genauso ist es beim Betrachten der Natur, der Schöpfung. Ich schaue sie mir an und denke mir: Okay, ich mache mir daraus jetzt einen Reim. Ich sehe mir das an und denke, das ist ja gewaltig, das ist wirklich erstaunlich. Und dann sage ich vielleicht: Also, ich glaube, das ist von selbst entstanden. Versteht ihr? Das geht. Das geht wirklich. Das ist doch krass, oder?
So können wir das mit der Natur, also mit der von Gott erkennbaren Schöpfung, machen. Aber genauso können wir das auch mit dem von Gott geoffenbarten Wort machen – also mit den Dingen, mit den Informationen, die Gott über sich selbst gesagt und weitergeben hat. Wir können diese nehmen und sagen: Ah ja, okay, alles klar, ich checke das schon. Gott ist so und so. Und dann denken wir das menschlich weiter.
Ich glaube wirklich, dass das ein Grund dafür ist, warum das erste der zehn Gebote lautet: Du sollst dir kein Bildnis machen. Natürlich heißt das auch, dass wir keine Götzenstatuen basteln sollen und uns keine Götter ausdenken. Aber ich glaube, es bedeutet auch, dass wir uns nicht einbilden sollen, dass wir uns Gott vorstellen können, ihn definieren können, ihn auf menschliche Weise weiterdenken können.
Wir dürfen nicht denken: Jetzt weiß ich genug, jetzt brauche ich keine Offenbarung mehr. Jetzt kann ich mir den Rest ja denken. Gott muss so und so sein, es geht ja gar nicht anders. Wir sollen nicht glauben, dass wir ihn mit unseren eigenen Gedanken erfassen, begreifen oder erklären können.
Denn wenn wir das tun, dann kann uns dasselbe passieren wie vielen Juden damals zur Zeit des Römischen Reiches. Sie hatten Worte Gottes, echte Worte Gottes – die Propheten, die von Gott gesandt waren, hatten gesprochen. Sie sagten: Oh ja, schau mal, Gott ist mächtig, er ist stärker als die Feinde, er ist der Herr der Geschichte und er ist gerecht.
Und auf diesem Fundament der echten, wahren, guten Informationen haben sie dann ihre menschlichen Schlussfolgerungen gezogen: Ah, okay, Gott ist mächtig, er ist stark, er besiegt seine Feinde. Also macht er die Römer platt. Versteht ihr? So haben sie weitergedacht. Ist doch klar, so muss es sein.
Die Juden, im Besitz der göttlichen Worte der Tora, der Schriftrollen der Propheten, warten bis heute auf den angekündigten Messias. Viele von ihnen warten bis heute, obwohl es im Hebräerbrief 1 heißt: Viele Male und auf verschiedenste Weise sprach Gott in der Vergangenheit durch die Propheten zu unseren Vorfahren. Und dann geht es weiter: Jetzt aber, am Ende der Zeit, hat er durch seinen eigenen Sohn zu uns gesprochen.
Nach einigen Jahren, nach Jahrtausenden Menschheits- und Erdgeschichte, da ist die Zeit erfüllt – und Weihnachten passiert.
Weihnachten passt nicht ins Schema
Wir sind in Gefahr, bis heute zu denken: Ah ja, Weihnachten, klar, kenne ich – Krippe, Ochse, Esel, Hirten, Weisen, stille Nacht usw. Aber denkt mal kurz mit mir darüber nach.
In der Vergangenheit des jüdischen Volkes, das als Beispiel dienen soll – wie ein Schauspiel, eine lehrreiche Geschichte für die ganze Welt –, hat Gott sich das so gewünscht. In der Vergangenheit dieses Volkes hat Gott immer wieder Götzenbilder niederreißen lassen müssen. Er musste menschliche Vorstellungen und Bilder im Kopf zerstören, damit Menschen frei werden für die Wahrheit und offen werden für Offenbarung.
Aber immer wieder haben sich Menschen dieser Offenbarung verschlossen, diesen göttlichen Worten. Sie sagen: „Ja, ja, ja, ich habe das jetzt schon gelesen, das ist ja die Wahrheit, und ich habe die Wahrheit. Da kann ich jetzt selber weiterdenken. Ich bin schlau genug, ich brauche jetzt keine weiteren Infos mehr, den Rest reime ich mir selber zusammen.“
Und weißt du, mit solchen Menschen, die so mit göttlicher Information umgehen, da kann es sein, dass der Schöpfer höchstpersönlich neben ihnen steht – und sie checken es nicht. Sie begreifen es nicht, sie sehen ihn nicht, weil er nicht in ihr Schema passt. Sie sagen: „Das kann nicht sein, das kann nicht sein, ich habe ja die richtigen Informationen, ich habe da meine logischen Schlüsse daraus gezogen, das kann nicht sein.“ Weil sie ihre eigenen Gottesbilder haben.
Dann sagen sie: „Das kann nicht sein, dass Gott sich selbst in einem mit Tierspucke und pieksenden Grashalmen ausgekleideten Futtertrog legt. Das kann nicht sein, dass man ihm Windeln anziehen muss.“ Aber genau das tut Gott. Genau das tut Gott!
Er arbeitet mit den Gastarbeitern von der Baustelle nebenan – die hören es zuerst. Ok, heute wären es vielleicht Bauarbeiter, damals waren es Hirten. Leute, die als die Letzten in der Gesellschaft gelten. Aber zu diesen Letzten sagt Gott: Ihr seid die Ersten, die es mitbekommen.
Und übrigens: Das Erkennungszeichen, an dem ihr erkennt, wenn ihr Gott begegnet, das sind Windeln und ein Futtertrof. Die Theologen, wenn du sie gefragt hättest, da wären viele Sachen rausgekommen, aber garantiert nicht Futtertrog und Windeln, oder?
Sie wären auf viel gekommen als Symbol für den menschgewordenen Gott - aber auf Futtertrog und Windeln als Erkennungszeichen für den Schöpfer, für den Retter, für den Messias wäre keiner gekommen. Und das finde ich persönlich so faszinierend. Deswegen lese ich die Bibel, weil ich überzeugt bin: Das kann sich kein Mensch ausdenken. Das ist Offenbarung. Das ist so krass - so drückt Gott selber aus in seinem Wort - weil er absichtlich die Weisheit der Weisen zunichte machen will.
So ist Gott. Er pulverisiert die klugen Gedanken der Gelehrten. Er hat es den Hirten gezeigt. Und wir denken: Wenn du willst, dass die Leute etwas mitbekommen, dann suchst du dir den Kanal mit der größten Reichweite aus, oder? Aber die Engel singen für ein paar Schafaufpasser in der Nachtschicht. So etwas würde sich kein Mensch ausdenken!
Und dann, ein paar Monate später, da benutzt er das Interesse von irgendwelchen Gelehrten, von Astronomen – vielleicht waren es sogar Astrologen –, knappe tausend Kilometer, weiß man nicht so genau, weit weg von Bethlehem, vielleicht sogar noch deutlich weiter. Also eine Reisestrecke von ein bis drei Monaten weit weg. Da waren Menschen, die in die Sterne geschaut haben und daraus Dinge abgeleitet haben.
Wir haben uns daran gewöhnt: „Oh ja, die Weisen aus dem Morgenland.“ Ja, aber mal ganz ernsthaft: Glaubst du, jemand wird sich ausdenken, dass Gott sich irgendeiner Wahrsagetante offenbart, die Horoskope studiert, durch eine Sternenkonstellation? Merkt ihr schon selbst, da würden wir sagen: Das kannst du nicht machen! Aber Gott tut es.
Ich habe versucht, es ein bisschen in den heutigen Kontext zu bringen. Aber versteht ihr, wie schnell wir dabei sind zu sagen: Das geht jetzt aber nicht, das darf er nicht machen, das würde mein Gott nicht machen.
Diese Weisen, heute nennt man sie manchmal Magier, abgeleitet vom griechischen Begriff „Magoia“. Sie haben in die Sterne geschaut, weil sie das so gemacht haben, um Informationen von außen zu bekommen. Sie waren zumindest demütig genug, sich nicht alles selber auszudenken, sondern zu denken: Wenn die unsichtbare Welt mit uns Kontakt aufnehmen und uns irgendwas zeigen will, dann vielleicht durch die Sternkonstellation.
Da haben sie hochgeschaut, und Gott hat dieses Interesse benutzt, um sie zum Stall zu führen. Und sie waren demütig genug, sich zu bücken in diesen dreckigen Stall und da reinzugehen.
Manfred Siebald hat das mal in einem Lied so ausgedrückt – ich habe mich daran erinnert und lese euch kurz einen Ausschnitt daraus vor. Da sagt er:
„Alle schauen auf das große Tor, denn wenn er kommt, dann kommt er sicher hier. Nur die Dummen und die Armen stehen verloren an der Hintertür. Große Leute gehen durchs große Tor, sehen keine kleinen Leute mehr. Gott kommt nicht zur Welt durchs große Tor, durch die Hintertür kommt er. Keiner vorne am großen Tor glaubt, dass der reiche Gott so arm sein kann wie ein Kind in einem kalten Stall. Doch Gott kommt bei den Menschen an. Gottes Reich ist nicht von dieser Welt, er kehrt alle unsere Maße um: arm ist reich und reich ist plötzlich arm, dumm ist klug und klug ist dumm. Kleine Leute gehen durch das Gottestor, und große Leute werden klein. Kommt, wir gehen zu dem Kind im Stall, nur wer klein ist, passt hinein.“
Ich fand das gut ausgedrückt, da ist viel Wahrheit dahinter.
Bist du klein genug - für Gottes Realität?
Deswegen möchte ich uns heute Morgen eine Frage stellen: Bist du klein genug? Bin ich klein genug? Sind wir klein genug für Gottes Realität?
Gott hat gesprochen – durch Propheten und durch das, was sie aufgeschrieben haben. Dann hat er die Geschichte gewendet und durch den Sohn gesprochen. Deshalb nennt der Apostel Johannes in seiner Biografie von Jesus, dem Johannesevangelium, Jesus „das Wort“. Warum? Weil Jesus offenbart hat, was in Gottes Gedanken ist. Ohne ihn hätten wir keine Chance, daran heranzukommen. Jesus macht deutlich, wie Gott denkt. Er lebt so, wie Gott sich Menschsein vorstellt – in jeder Sekunde.
Heute Morgen sind wir hier zusammen, die meisten von uns gläubig. Wir haben die Bibel, wir können nachlesen. Aber ich möchte uns fragen: Was tun wir mit dieser Information? Die Gefahr ist, dass wir uns heute hier ein Bild von Jesus machen – mit all den richtigen Informationen, die wir haben. Wir denken logisch und menschlich weiter: „Ja klar, Jesus würde so und so über Politik denken. Ich weiß genau, was er gut findet und was schlecht ist, wie er handeln würde.“
Doch wir sollten niemals vergessen: In dem Moment, in dem wir nur mit unserer menschlichen Vernunft weiterdenken und meinen, wir könnten auf göttliche Offenbarung und die Leitung seines Geistes verzichten, da werden wir Schiffbruch erleiden. Es könnte sein, dass Gott neben uns steht – und wir ihn vielleicht sogar am liebsten loswerden wollen, weil er nicht in unser Schema passt und unbequem ist.
Mal ganz praktisch gefragt: Würdest du Jesus heute erkennen, wenn er wiederkommen würde? Wenn er hier unter uns sitzen würde? Würdest du ihn erkennen, wenn du ihm vielleicht auf dem Weihnachtsmarkt begegnen würdest? Stell dir vor, er wäre der tätowierte, bärtige Mann auf dem Motorrad. Du würdest sagen: „Das kann niemals Jesus sein, ich würde ihn erkennen.“ Oder stell dir vor, er wäre die geschiedene alte Frau mit Rollator, die dem Waffelverkäufer absichtlich den Teig auskippt. Das kann nicht sein, das darf nicht sein.
Und wenn er heute Mittag bei dir klingelt und nicht sehr höflich wirkt, sondern dich an der Haustür kritisiert, obwohl deine Verwandtschaft zu Besuch ist und alles mithört – würdest du dann sagen: „Nein, das würde er nicht machen“? Würdest du Gott in Menschengestalt erkennen?
Vielleicht denkst du jetzt: „Das grenzt an Blasphemie.“ Doch ich möchte dir nur ein Gefühl dafür geben, was die Pharisäer und Schriftgelehrten damals empfanden, als sie Jesus begegneten. Sie dachten auch: „Das kann er nicht sein, das darf er nicht sein.“ Da konnte er noch so viele Wunder tun, aber so wie er redete und gegen alle Vorstellungen von Gesetz, Gerechtigkeit und Heiligkeit verstieß – das durfte nicht sein.
Wisst ihr, was Gott getan hat, als er seinen Sohn sandte, als die Zeit erfüllt war? Das war nicht nur revolutionär. Für viele Menschen war es unangenehm, theologisch unkorrekt, anstößig und abstoßend. Weihnachten ist krass, ihr Lieben. Jesus ist ganz anders, Gott ist ganz anders, als wir Menschen ihn uns ausgedacht hätten.
Wenn Menschen sich Dinge ausdenken, schaut euch nur die Symbole der Weltreligionen an: Sterne, Blumen, Augen, Hände, Tore, Kreise, Löwen, Statuen. Und was sind die Symbole des Christentums? Ein Babybett vom Sperrmüll und ein elektrischer Stuhl – oder besser gesagt: die Krippe und das Kreuz. Die Krippe ist ärmlich, das Kreuz erbärmlich. So spricht unser Gott, so offenbart er sich. Das denkt sich kein Mensch aus.
Ich möchte uns heute Morgen einladen, wieder wirklich klein zu werden. All die theologischen Erkenntnisse, die wir meinen zu haben, legen wir mal beiseite. Alle Lehrmeinungen, alle Weltanschauungen, alle politischen Überzeugungen. Kommen wir zu Jesus wie ein Kind. Jesus selbst hat gesagt: „Wer nicht kommt wie ein Kind, für den wird es sehr schwierig.“
Ein Kind ist offen für Offenbarung, es lernt ständig, es ist daran gewöhnt, sein Weltbild immer wieder zu korrigieren, weil neue Informationen von außen kommen. Ich lade uns ein, auch in dem Jahr, das vor uns liegt, wieder ganz neu klein zu werden – mehr wie Kinder zu sein.
In einem Brief an die christliche Gemeinde in Ephesus schreibt Paulus: „Werdet nun Gottes Nachahmer als geliebte Kinder.“ Das wünsche ich mir für uns: klein, bedürftig, Menschen, die Fehler machen und wissen, dass sie Weisung brauchen.
Ich wünsche mir, dass wir im nächsten Jahr weniger darauf achten, wie wir andere mit unserem Wissen beeindrucken können – mit unseren richtigen theologischen Einsichten. Stattdessen sollten wir in ehrlicher Demut miteinander und voneinander lernen. Gemeinsam immer wieder staunen über das, was Gott uns offenbart, was er uns zeigt von sich, was er uns durch seinen guten Geist erkennen lässt, was er aufdeckt – auch wenn es ganz anders ist, als Menschen es sich ausdenken.
Vielleicht ist es ganz anders, als wir es uns vorstellen. Manchmal kommen wir mit den Informationen gar nicht klar, weil sie anders sind. Auch wenn es uns unangenehm ist, vielleicht peinlich oder naiv oder abgehoben erscheint. Lasst uns offen sein für Offenbarung.
Lasst uns am liebsten jeden Tag im nächsten Jahr darum bitten, dass Gott uns lehrt, die Welt mit seinen Augen zu sehen. Wenn er sich entscheidet, uns durch Menschen zu lehren – vielleicht sogar durch Menschen, die wir nicht mögen oder für inkompetent halten – dann sollten wir daran denken, dass Gottes Gedanken immer viel höher sind als unsere.
Als Jesaja ernst zu den Einwohnern Jerusalems sprach, sagte er: „Fügt nur Jahr zu Jahr und feiert eure Feste.“ So spricht er dort zu ihnen. Aber mit all diesen Festen und Feiern, so göttlich und schriftgemäß sie auch sein mögen, spielt das keine Rolle. Mit all diesen Festen und ihrer Frömmigkeit ist für sie alle Offenbarung wie ein versiegeltes Buch geworden.
Warum kann uns das passieren? Warum kann es Menschen passieren, dass göttliche Offenbarung plötzlich wie ein versiegeltes Buch ist? Gott spricht durch Propheten, durch Worte, Botschaften – und für uns nach dem Jahr Null sogar durch den Sohn persönlich. Trotzdem sagen viele: „Ich habe keine Ahnung, was Gott will. Er soll sich zeigen, wenn er mir etwas sagen will. Aber das ist für mich ein Buch mit sieben Siegeln.“
Jesaja erklärt den Leuten, warum das so ist. Ich möchte mit Jesaja Kapitel 29, Vers 13 abschließen:
„Der Herr hat gesagt: Dieses Volk ist nur mit dem Mund nah bei mir, es ehrt mich mit den Lippen, aber sein Herz ist weit von mir entfernt. Ihre Gottesfurcht ist nur angelerntes Menschengebot. Deshalb will ich auch in Zukunft seltsam handeln an diesem Volk, wunderlich und wundersam, sodass die Weisheit seiner Weisen vergeht und der Verstand ihrer Verständigen verfliegt.“
Das ist göttlich, das war schon immer so. Das ist der Grund für Weihnachten. Es kommt von diesem Gott, der ganz bewusst und absichtlich einen Plan schmiedet und durchführt, der wunderlich, wundersam, seltsam und sehr krass ist – so, wie es sich kein Mensch ausdenken würde.
Die Schlauen und Klugen sehen das und sagen: „Das kann nicht sein, so ein Blödsinn.“ Die Großen sagen: „Das geht nicht.“ Aber wer sich bückt und klein macht, wer sich angelernten Menschengeboten verweigert, weil ihm nicht so wichtig ist, was Menschen über ihn denken, wer demütig ist und von ganzem Herzen Gott sucht, dem wird Gott sich offenbaren.
Deshalb hat er damals Hirten auf dem Feld ausgesucht. Deshalb hat er Sterndeuter von weit her kommen lassen. Deshalb hat ihn eine Witwe erkannt, die nach nur sieben Jahren Ehe wieder allein war und ständig im Tempel ein- und ausging. Deshalb hat ein alter Mann, der sein Leben lang auf den Erlöser gewartet hatte, ihn erkannt, als er plötzlich neben ihm stand.
Das waren die kleinen Leute, denen Gott sich offenbaren konnte. Kann er sich auch dir und mir offenbaren – auch im neuen Jahr? Kann er uns an die Hand nehmen und führen, wohin er will? Kann er uns Dinge lehren, offenbaren – vielleicht durch eine Predigt, vielleicht durch ein Wort, das uns in der Stille trifft, vielleicht durch einen Gedanken beim Autofahren?
Vielleicht auch durch Menschen, vielleicht sogar durch unangenehme Menschen, die er uns schickt. Vielleicht durch einen Schicksalsschlag oder eine Situation, die wir uns nie ausgesucht hätten und uns nie vorstellen könnten, dass Gott genau so etwas benutzt.
Lasst uns klein genug sein, damit Gott groß sein darf und sich uns zeigen kann. Dass wir ihn erkennen und seinen Weg erkennen – auch wenn es Wege sind, die für den Rest der Welt seltsam und wunderlich sind. Lasst uns offen sein für das, was er uns zeigen und offenbaren möchte. Und lasst uns staunen, was er mit uns erreicht, wenn wir uns von ihm führen lassen.
Lass uns beten. Ja, lieber Vater im Himmel, die großen Leute stehen am großen Tor, machen sich ihre eigenen Gedanken und halten sich dabei für klug. Du weißt, wie oft ich einer von ihnen war.
Herr, wir wollen dich wirklich um Vergebung bitten, wo wir auf einem wackeligen Fundament gebaut haben. Wir haben mit unserem eigenen Verstand und unserer eigenen Logik gedacht, wir könnten dich ergründen.
Herr, wir wollen ganz neu klein werden vor dir. Wir wollen staunen über die Dinge, die du geschaffen hast, dich in der Natur bewundern und ganz klein werden, wenn wir sehen, wie gewaltig die Zusammenhänge dort sind. Dabei wollen wir uns nicht verleiten lassen, eigene Schlüsse zu ziehen, sondern uns an dich wenden.
Herr, wir brauchen dich, wir brauchen deine Offenbarung, wir brauchen deinen Geist, der uns leitet und führt in alle Wahrheit. Wir können uns das niemals selbst ausdenken. Aber ich danke dir so sehr, dass du es tust, dass du dich offenbarst, dass du dich zeigst und dich den Demütigen zu erkennen gibst, denen du Gnade schenkst.
Herr, lass uns solche sein, wenn wir auf das neue Jahr zugehen. Schenk uns die Gnade dazu, wir bitten dich von ganzem Herzen. Amen.