Zum Inhalt

Pharisäische Dummheit – Teil 2

Jesu Leben und Lehre, Teil 499/685
16.12.2024Lukas 11,39-42
SERIE - Teil 499 / 685Jesu Leben und Lehre

Einführung in die Auseinandersetzung mit den Pharisäern

Gott wird Mensch – Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist. Episode 498: Pharisäische Dummheit, Teil 2.

Jesus ist im Haus eines Pharisäers zum Mittagessen eingeladen. Er nutzt die Gelegenheit, um seinen Gastgeber mit seiner Sünde zu konfrontieren.

In Lukas 11,39-40 heißt es: Der Herr aber sprach zu ihm: „Nun, ihr Pharisäer, ihr reinigt das Äußere des Bechers und der Schale, euer Inneres aber ist voller Raub und Bosheit. Hat nicht der, welcher das Äußere gemacht hat, auch das Innere gemacht?“

Hier waren wir stehen geblieben.

Die Bedeutung des Toren in der hebräischen Weisheitsliteratur

In der hebräischen Weisheitsliteratur wird der Tor als jemand beschrieben, der Gottes Weisheit und Gebote verachtet und stattdessen auf seine eigene Klugheit vertraut.

Der Tor hat Freude an der Sünde und lässt sich nur ungern belehren. Genau dieses Verhalten beobachten wir bei den Pharisäern.

Man kann also religiös sein und sogar als anerkannter Theologe in der Gesellschaft gelten, und dennoch ist man in den Augen Gottes ein Dummkopf. Dies liegt einfach daran, dass man nach den eigenen Gesetzen lebt.

Es gibt also ein „sich nichts von Gott sagen lassen“ in einem frommen Gewand.

Gottes Schöpfung von Äußerem und Innerem

Hat nicht der, welcher das Äußere gemacht hat, auch das Innere gemacht?

Gott hat alles geschaffen: das Äußere, also das, was man sehen und anfassen kann, und das Innere, den Teil des Menschen, der unsichtbar ist. Wenn die Pharisäer denken, dass Gott der Herr über Becher und Schalen ist, wie viel mehr sollten sie ihn dann als den Herrn über ihr Herz anerkennen?

Aber genau darauf kommen sie nicht. Ihnen reicht das äußerliche Befolgen von Ritualen, um damit von dem Problem ihres Herzens abzulenken. Die fromme Show des Heuchlers ist nämlich in letzter Konsequenz nur ein Ablenkungsmanöver.

Genau das durchschaut Jesus und stellt es an den Pranger.

Kritik an der Heuchelei der Pharisäer

 Lukas 11,44: Gebt jedoch als Almosen, was darin ist, und siehe, alles ist euch rein.

Almosen sind Spenden an Arme. Nun gibt es ein kleines Problem mit der Übersetzung dieses Verses. Wenn man den Vers so übersetzt, wie es hier in der Elberfelder Bibel getan wurde, dann sagt Jesus zu den Pharisäern: Statt das Äußere der Schale zu reinigen, solltet ihr das Innere als Almosen geben. Wenn ihr das tut, dann seid ihr rein und müsst euch keine Gedanken mehr um das Thema kultische Reinheit vor Gott machen.

Das Problem mit der Aufforderung zu Almosen

Nun zum Problem: Jesus muss die Pharisäer nicht dazu auffordern, Almosen zu geben. Das taten sie bereits. Wir wissen das aus Matthäus 6,1-2:

„Habt Acht auf eure Gerechtigkeit, dass ihr sie nicht vor den Menschen übt, um von ihnen gesehen zu werden; sonst habt ihr keinen Lohn bei eurem Vater, der in den Himmeln ist. Wenn du nun Almosen gibst, sollst du nicht vor dir herposaunen lassen, wie die Heuchler tun in den Synagogen und auf den Gassen, damit sie von den Menschen geehrt werden. Wahrlich, ich sage euch, sie haben ihren Lohn weg.“

Hier steht zwar nicht explizit, dass Jesus über die Pharisäer redet, aber aus dem Gesamtzusammenhang des Neuen Testaments wird klar, dass genau sie gemeint sind. Pharisäer gaben Almosen.

Alternative Übersetzung und Interpretation von Lukas 11,44

Wenn Jesus also sagt: „Gebt jedoch als Almosen, was darin ist“, kann er damit nicht einfach meinen, dass sie Almosen geben sollen. Das tun sie ja bereits.

Wie wir aus der Bergpredigt lernen, liegt ihr Problem ohnehin ganz woanders. Sie geben Almosen, aber mit der falschen Haltung. Sie spenden, um gesehen zu werden.

Deshalb möchte ich zu Lukas 11, 42 eine alternative Übersetzung vorschlagen. Die Formulierung „ta enonta, was darin ist“ kann man nicht nur auf den Inhalt der Schalen und Becher beziehen. Man könnte sie auch auf das Innere des Menschen anwenden.

Die innere Haltung bei Almosen als Schlüssel zur Reinheit

Gebt Almosen mit Blick auf euer Inneres, also mit Blick auf euren Charakter, eure Sorge um Menschen und eure Geistlichkeit.

Wenn man den Vers so übersetzt, passt er gut zum Verhalten der Pharisäer, die genau das nicht tun. Den Pharisäern ist ihr Inneres egal; ihnen geht es primär um die Außenwirkung. Werden sie gesehen, werden sie für ihre Spende gefeiert? Darum geht es ihnen.

Jesus lässt sie jedoch einen Blick in ihr Inneres tun. Man könnte „taenonta“ auch adverbial übersetzen. Dann würde es heißen: „Gebt Almosen innerlich“ oder „von Herzen“. Für mich geht das in fast dieselbe Richtung.

Es geht dabei nicht darum, dass die Pharisäer Almosen geben – das tun sie –, sondern aus welcher Haltung heraus sie es tun. Ist ihnen ihre Reputation wichtig oder ihre Beziehung zu Gott? Spenden sie, um von Menschen geehrt zu werden, oder geht es ihnen um die Ehre bei Gott?

Reinheit als Herzensangelegenheit

 Lukas 11,44: Gebt jedoch als Almosen mit Blick auf euer Inneres, und siehe, alles ist euch rein.

Wenn wir geistliche Übungen mit Blick auf Gott und unsere Beziehung zu ihm tun, dann ist alles rein. Reinheit vor Gott hängt nicht an Ritualen, sondern an der Haltung, mit der wir leben.

Lebe ich für Gott, um ihm zu gefallen, ihn zu ehren und sein Reich voranzubringen? Wenn ich das bejahen kann, muss ich mir um Reinheit keine Sorgen machen. Dann bin ich genau so, wie Gott mich haben will.

Reinheit ist also keine Frage von Bechern und Schalen, sondern eine Sache des Herzens.

Vertiefende Hinweise und die Konsequenz für die Pharisäer

Wer das Thema noch einmal tiefer betrachten möchte, sollte die Skripte zu den Episoden 350 bis 359 lesen.

Pharisäer sind nicht auf echte Reinheit aus, deshalb bleibt für sie nur das Wehe. Drei Dinge wird der Herr Jesus ansprechen:

Erstens sind die Pharisäer böse, weil sie kein Interesse an Gerechtigkeit und der Liebe zu Gott haben. Zweitens sind sie stolz und wollen im Mittelpunkt stehen. Drittens stellen sie eine geistliche Gefahr für ihre Mitmenschen dar.

Fehlende Liebe und Gerechtigkeit bei den Pharisäern

Fangen wir mit Punkt eins an: kein Interesse an Gerechtigkeit und keine Liebe für Gott.

In Lukas 11,2.44 heißt es: "Aber wehe euch, Pharisäer, denn ihr verzehntet die Minze und die Raute und alles Kraut, aber ihr übergeht das Gericht, besser gesagt die Gerechtigkeit und die Liebe Gottes. Diese Dinge hättet ihr tun und jene nicht lassen sollen."

Hier geht es zunächst um die Prioritäten. Die Pharisäer sind sehr darauf bedacht, den Zehnten korrekt zu geben. Doch die wirklich wichtigen Dinge wie Gerechtigkeit oder die Liebe zu Gott spielen in ihrem Leben keine Rolle. Sie werden übergangen.

Übertriebene Gesetzestreue und ihre Grenzen

Warum werden die Küchenkräuter verzehntet?

Nun ja, es handelt sich hier wahrscheinlich um eine etwas überzogene Anwendung des Verses aus 3. Mose 27,30: „Und der ganze Zehnte des Landes, vom Samen des Landes, von der Frucht der Bäume, gehört dem Herrn, es ist dem Herrn heilig.“

In diesem Vers geht es eigentlich um Ernteerträge. Doch der Herr Jesus hat kein Problem damit, diesen Vers auch auf die Kresse, den Schnittlauch und den Basilikum anzuwenden, die auf dem Balkon wachsen.

Und nur für alle, die jetzt denken, dass ich dazu auffordere, den Zehnten zu geben: Nein, das tue ich nicht. Wir leben nicht mehr im Alten Bund. Trotzdem formuliert der Herr Jesus, dass dies eigentlich getan werden sollte.

Es ist in Ordnung, wenn die Pharisäer beim Zehnten geben etwas überpenibel sind. Problematisch wird es nur, wenn sie diese kleinliche Auslegung des Zehnten zum Hauptbestandteil ihres Glaubens machen und dabei die wirklich wichtigen Gebote aus dem Blick verlieren.

Persönliche Reflexion und Abschluss

Was könntest du jetzt tun? Überlege dir, warum du betest, warum du die Bibel liest und warum du in der Gemeinde mitarbeitest. Was ist deine Motivation?

Das war's für heute. Das Skript zu allen Episoden findest du in der App und auf www.frogwords.de.

Der Herr segne dich, lass seine Gnade erfahren und lebe in seinem Frieden. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

Seine App "Frogwords" gibt's für Android und iOS.

Jürgens aktuellste Gebets-Infos gibt's hier zum Lesen und Abonnieren.