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Entdecke Gottes großes Geheimnis

Predigtserie zum Kolosserbrief, Teil 1/6
05.06.2016Kolosser 1,24-2,5
SERIE - Teil 1 / 6Predigtserie zum Kolosserbrief
Kennst du das Gefühl, dass dein Leben nicht so aussieht, wie es Gottes Wort beschreibt? Muss ich mich einfach mehr anstrengen? Oder gibt es einen anderen Weg? Entdecke das große Geheimnis: Nicht du allein bist verantwortlich – Christus lebt in dir und macht dein Leben lebendig. Wie kann das Geheimnis „Christus in dir, die Hoffnung der Herrlichkeit“ deinen Alltag verändern?

Vielleicht geht es dir manchmal auch so, dass du dir sehr wünschst, dass das Leben, von dem die Bibel spricht, in deinem Alltag sichtbar wird. Doch du merkst, dass dein Denken und Handeln teilweise weit entfernt sind von dem, was Gottes Wort sagt.

Mir jedenfalls geht es oft so. Die Frage ist: Wie gehe ich mit diesem großen Unterschied zwischen meinem eigenen Leben und dem Maßstab um, den Gottes Wort mir gibt? Soll ich mich noch mehr anstrengen? Instinktiv weiß ich, dass das nicht die Lösung ist.

Den Kopf in den Sand zu stecken bringt mich auch nicht weiter. Und wenn ich heuchle, also den anderen vorspiele, alles sei im grünen Bereich, obwohl nichts im grünen Bereich ist, dann belüge ich mich nur selbst.

Die Suche nach einem echten Leben mit Gott

Vielleicht fühlst du dich manchmal auch so wie dieser Handschuh, der manches anpacken möchte. Du versuchst ihm gut zuzureden, aber irgendwie passiert nichts. Dann überlegst du, wie das funktionieren kann, dass dieses Leben, von dem die Bibel spricht, in deinem Alltag sichtbar wird.

Manchmal versucht man noch, von außen etwas am Handschuh zu bewegen. Es sieht gut aus, aber eigentlich ist das auch nicht wirklich die Lösung. Praktisch gesehen versuche ich, ein bisschen freundlich zu sein und nicht immer nach der Pfeife zu tanzen, die mir mein Egoismus vorgibt. Doch ich merke, dass das mal schlecht und mal recht funktioniert.

Ich glaube, es ist gut, dass ich mich auf meinem Weg mit Jesus nicht selbstgefällig zurücklehne, sondern auf der Suche nach einem tieferen Leben mit Gott bin. Die Frage ist natürlich: An welcher Stelle suche ich? Wie kann ich das in meinem Leben umsetzen?

Die Kolosser, deren Brief wir gleich anschauen werden, bekommen auf ihrer Suche nach einem tieferen Leben mit Gott viele Angebote – von der Philosophie bis zur Esoterik. Auch du kannst dir heute einiges aussuchen, an welchen Stellen du suchst: vielleicht im Gebet bei bestimmter Musik, bei spirituellen Erlebniswochen oder beim Versuch, Gerechtigkeit in diese Welt hineinzubringen. Das sind einige Angebote, die der Markt der Möglichkeiten bietet.

Als Menschen sind wir einfach so gestrickt, dass wir nach Methoden Ausschau halten. Diese Methoden sollen uns helfen, ein tieferes Leben mit Gott zu führen. Paulus geht in dem Text, den wir gleich lesen werden, einen anderen Weg. Willi hat es uns schon gesagt: Paulus verrät hier Gottes großes Geheimnis, von dem die Bibel spricht.

Dieses Geheimnis ist so wichtig, damit das Leben, das ich mir so sehr wünsche, Wirklichkeit wird in meinem Alltag.

Gottes Geheimnis offenbart: Christus in uns

Wir betrachten nun den Text von Kolosser 1,24 bis Kolosser 2,5. Ihr seht ihn hinter mir.

Paulus sagt: „Jetzt freue ich mich in den Leiden für euch und ergänze in meinem Fleisch, was noch aussteht von den Bedrängnissen des Christus für seinen Leib, das ist die Gemeinde. Euch bin ich zum Diener geworden nach der Verwaltung Gottes, die mir im Blick auf euch gegeben ist, um das Wort Gottes zu vollenden.“

Das Geheimnis, das von den Weltzeiten und von den Geschlechtern her verborgen war, ist jetzt aber seinen Heiligen offenbart worden. Gott wollte ihnen zu erkennen geben, was der Reichtum der Herrlichkeit dieses Geheimnisses unter den Nationen sei. Und das ist Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit.

Ihn verkündigen wir, indem wir jeden Menschen ermahnen und jeden Menschen in aller Weisheit lehren. Das geschieht, um jeden Menschen vollkommen in Christus darzustellen. Darum bemühe ich mich auch und kämpfe mit aller Kraft, gemäß seiner Wirksamkeit, die in mir wirkt.

Denn ich will, dass ihr wisst, welchen großen Kampf ich für euch und die in Laodizea habe – für alle, die mein leibliches Angesicht nicht gesehen haben. Damit ihre Herzen getröstet werden, vereinigt in Liebe und zu allem Reichtum an Gewissheit des Verständnisses. So sollen sie zur Erkenntnis des Geheimnisses Gottes gelangen, das ist Christus, in dem alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis verborgen sind.

Dies sage ich, damit niemand euch durch überredende Worte verführt. Denn wenn ich auch dem Leib nach abwesend bin, so bin ich doch im Geist bei euch. Ich freue mich und sehe eure Gesinnung und die Festigkeit eures Glaubens in Christus.

Ich habe diese Sätze mit dem Titel „Entdecke Gottes großes Geheimnis“ überschrieben.

Die Bedeutung des Geheimnisses Gottes

Das sagt Paulus hier: Entdecke Gottes großes Geheimnis. Es ist spannend, wenn ich in diesen Text eintauche, dass Gott ein Geheimnis hat.

Aber weißt du, was ich daran faszinierend finde? Wenn du zu Gott sagst: „Gott, zeige mir bitte dein Geheimnis“, dann will er das tun. Paulus sagt in Vers 26, dass es ein Geheimnis ist, das Gott bisher gut versteckt hatte. Jahrhundertelang konnte man dieses Geheimnis nicht entdecken. Denn wenn Gott mir das Geheimnis nicht sagt, kann ich es logischerweise auch nicht herausfinden.

Aber jetzt hat Gott sein Geheimnis, so lesen wir es hier, seinen Heiligen offenbart. Wenn du diesen Vers liest, drehst du dich vielleicht nach links oder nach rechts um und fragst dich: Wen spricht Gott hier an? Wo sitzen die Heiligen?

Wenn du Gottes Vergebung erlebt hast, dann sitzt so ein Heiliger oder eine Heilige genau auf deinem Stuhl. Da sitzt ein Heiliger oder eine Heilige. Du bist ein Heiliger, nicht weil du so perfekt bist, sondern weil die Bibel es sagt.

In 1. Korinther 6,9 spricht Paulus einmal offen aus, was alles zu meinem „Betriebssystem“ gehört. Da redet der Apostel von Unzucht, von Götzendienst, von Habgier, von Ungerechtigkeit – all das steckt in mir. Dann sagt er in 1. Korinther 6,11: „Das liegt hinter euch, ihr seid abgewaschen, ihr seid gerecht, ihr seid geheiligt, ihr seid also Heilige.“

So werden diejenigen, die an Jesus glauben, vor allem im Neuen Testament immer wieder angesprochen. Wenn ich Gott meine Schuld bekannt habe und seine Vergebung erlebt habe, wird er mir meine Schuld nicht mehr vorhalten. Gott wird mich nicht mehr zu einem Leben in der Hölle verdammen.

Joel hat es gesagt: Das ist eine Botschaft, die mal wieder abgestaubt werden muss. Ja, man muss sie neu verstehen und neu begreifen. Jesus ist für meine Schuld gestorben, meine Anklageschrift ist leer.

Das heißt, heilig zu sein – das ist die Stellung, die Gott mir gibt. Das will ich nicht kleinreden, sondern genau das möchte ich annehmen, auch wenn ich in meinem Leben noch so viel Unheiliges sehe, das nicht zu der Stellung passt, die Gott mir gegeben hat.

Gott selbst sagt es: Ich bin ein Heiliger. Und ihm kann ich doch glauben. Wenn ich ihm nicht glauben kann, wem sollte ich dann glauben?

Die Herrlichkeit Gottes sichtbar machen

Und jetzt will mir Gott sein Geheimnis verraten, wie die Herrlichkeit Gottes in mein Leben kommt, denn das ist ja meine Sehnsucht. Herrlichkeit kann hier natürlich auch bedeuten – Paulus redet von dem, worauf ich mich freuen kann. Er spricht vom Himmel, auch das kann hier gemeint sein.

Aber meiner Ansicht nach liegt hier ein anderer Schwerpunkt im Text, wenn Paulus von Herrlichkeit redet. Herrlichkeit heißt eigentlich nichts anderes, als dass Gott sich in seiner Macht offenbart. Das ist Herrlichkeit: Gott offenbart sich in seiner Macht.

Und du siehst das im Leben von Menschen und entdeckst plötzlich, dass es nicht nur der Mensch ist, der da steht. Hinter dessen Leben entdecke ich Gottes Macht, hinter dessen Leben entdecke ich seine Größe. Vollkommen sehen wir das im Leben des Herrn Jesus, als er Mensch wurde.

In Johannes 1,14 heißt es: „Das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns, und wir haben seine Herrlichkeit angeschaut.“ Da geht es nicht um den Himmel, sondern darum, die Herrlichkeit des Vaters im Leben des Herrn Jesus zu sehen.

Und Jesus sagt in Johannes 14,8: „Wer mich gesehen hat, der hat den Vater gesehen.“ Wer in das Angesicht des Herrn Jesus schaut, begreift, wie Gott ist.

Oder wir entdecken das auch in der Briefliteratur, zum Beispiel in Hebräer 1,3: „Der Herr Jesus ist die Ausstrahlung der Herrlichkeit des Vaters.“ Wow! Ausstrahlung der Herrlichkeit des Vaters und Abdruck seines Wesens.

Und diese Herrlichkeit will Gott in mein Leben legen. Das ist eine gute Nachricht heute Morgen. Wer mit mir zu tun hat, der soll spüren, dass hinter seinem Leben Gottes Größe steht.

So ging es den Leuten im antiken syrischen Antiochia. Wir lesen in Apostelgeschichte 11, dass die Jünger dort zuerst Christen genannt wurden. Es ist anzunehmen, dass sie sich nicht selbst ein Schild ans Haus gehängt haben mit der Aufschrift: „Hier wohnen die Christen.“ Sondern dass ihre Zeitgenossen sie so nannten. Der Name kommt von außen. Der Name ist nicht etwas, das sie erfunden haben. Und der Name kommt von außen, weil sie das Wesen Christi in ihrem Leben gehabt haben.

Deshalb war den Leuten klar: „Das sind Christen!“ Auch hier entdecken wir etwas von dieser Herrlichkeit.

Oder in Apostelgeschichte 5 lesen wir: Das Volk rühmt die Christen. So ist der Zusammenhang des Textes. Das heißt, sie sprechen gut von ihnen. Aber viele dieser Nichtchristen wollen sich nicht zu den Christen halten, weil sie merken: Hier ist Gottes Gegenwart da. Nein, wir wollen an der Sünde festhalten, und wir merken, dass das nicht funktioniert. Deswegen haben sie sich der Gemeinde nicht angeschlossen.

Wow, das war denen von außen klar: „Dazu passe ich nicht, weil hier ist das Wesen Christi.“ Oder um es mit unserem Text zu sagen: Hier ist die Herrlichkeit Gottes.

Gott ist ein Gott der Herrlichkeit, das ruft Stephanus in Apostelgeschichte 7 den Pharisäern vor, die vor ihm stehen. Gott ist ein Gott der Herrlichkeit – also ein Gott, der sich in seiner Macht offenbart.

Auch bei Stephanus, in dieser Szene, steht er kurz vor seiner Steinigung. Sein Angesicht ist wie das Angesicht eines Engels. Das haben die Leute um ihn herum gemerkt, das haben sie gespürt: Hier ist eine andere Macht im Spiel.

Wie die Herrlichkeit Gottes in unser Leben kommt

Und wenn ich das lese, frage ich mich natürlich: Ja, okay, das kann ich immer wieder sehen. Die Herrlichkeit Gottes leuchtet im Leben der Menschen auf. Aber wie kommt diese Herrlichkeit Gottes in mein Leben hinein? Und wie leuchtet diese Herrlichkeit aus meinem Leben heraus?

Paulus beantwortet diese Frage in diesem Text, indem er uns Gottes Geheimnis zeigt. Damit macht er uns Hoffnung, diese Herrlichkeit auch in unserem Leben zu erleben. Gottes Geheimnis ist keine Methode, sondern eine Person: Christus in euch – das ist die Hoffnung der Herrlichkeit.

Jetzt ist es raus, jetzt kennen wir Gottes großes Geheimnis. Paulus sagt hier also: Du als Handschuh musst dich gar nicht anstrengen, das Leben des Herrn Jesus zu kopieren. Du musst dich nicht anschreien und sagen: „Jetzt beweg dich doch mal“ oder „Ich helfe dir mal so ein bisschen nach.“

Gottes Geheimnis ist, dass Jesus in dein Leben kommt wie eine Hand, die in den Handschuh schlüpft, und er lebt in dir sein Leben. Plötzlich kann die Hand etwas tun, was vorher nie möglich gewesen wäre. Sie kann Dinge anfassen, sie kann Dinge tragen, sie kann – auch wenn das unhöflich ist – vielleicht die Hand geben.

Es kommt nicht auf den Handschuh an, sondern auf die Kompetenz der Hand, die im Handschuh steckt. Dieser Handschuh könnte den Weltcup gewinnen. Es kommt nur darauf an, wer hier seine Hand hineinsteckt.

Beim Skifahren zum Beispiel: Wenn ich diese Hand drin habe, komme ich auf der blauen Piste gerade mal hoffentlich auf den Brettern ins Tal. Das war’s, fernab jeder Zeitvorgabe. Aber dieser Handschuh könnte den Weltcup gewinnen, wenn einer der berühmten Skifahrer ihn anziehen würde.

Es kommt auf die Hand an. Und das ist es, was Paulus hier deutlich machen will – durch das Geheimnis Christi.

Paulus formuliert dieses Geheimnis, das er im Kolosserbrief anspricht, auch an anderen Stellen. Zum Beispiel in Galater 2,20 sagt er: „Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir.“ Das ist genau dasselbe: Christus kommt in mein Leben hinein und lebt in mir sein Leben.

Jesus selbst spricht in Johannes 14,10 von diesem Geheimnis. Er sagt: „Der Vater, der in mir wohnt, tut seine Werke.“ Weil das so ist, kann Jesus auch sagen: „Ihr werdet größere Werke tun als ich.“ Denn eigentlich ist es sein Leben in uns, das fortgesetzt wird, und er tut diese Werke in uns.

Das ist die theologische Grundlage, die du quer durchs Neue Testament entdecken kannst. Auch der Hebräerbrief spricht davon: „Es ist Christus in mir.“ Das wurde dem Schreiber durch Gottes Leitung klar.

Wenn du es mitschreiben willst: Hebräer 13,21. Dort lesen wir manchmal ein Segenswort, das heißt: „Der Gott des Friedens vollende euch in allem Guten, damit ihr seinen Willen tut.“ Da sage ich: Okay, das will ich ja.

Und wie kommt das in meinen Alltag? Der Gott des Friedens vollende euch in allem Guten. Die Antwort ist: Indem er in uns schafft, was ihm gefällt. Und wie wird das Wirklichkeit? Durch Jesus Christus.

Dann stellst du die Frage: Warum? Und der Text fährt fort: „Dem sei die Herrlichkeit von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.“ Also: Er schafft es, und es dient seiner Ehre. Gott schafft es durch Jesus in mir.

Es gibt viele Verse im Neuen Testament, die das deutlich machen. Und...

Die Ohnmacht anerkennen und Gottes Kraft empfangen

Wir sind sozusagen die christlichen Heimwerker, die versuchen, alles irgendwie selbst zu machen. Wir schieben unser Auto den Berg hoch, anstatt uns einfach reinzusetzen und zu fahren. Doch die Bibel sagt das sehr deutlich. Paulus versucht es ihnen hier anhand des Kolosserbriefes zu zeigen.

Ich wünsche mir, dass wir dieses Geheimnis Gottes noch viel tiefer verstehen. Der Herr Jesus selbst ist also das Leben in mir. Nicht der Handschuh ist das Entscheidende, sondern die Hand, die in dem Handschuh steckt.

Wenn eine Änderung in meinem Leben stattfindet, dann ist das kein Appell an meine eigene Kraft. Der Weg ist folgender: Ich muss meine Ohnmacht zugeben. Ich muss begreifen, dass ich es nicht schaffe, das Leben des Herrn Jesus in meinen Alltag hineinzubekommen. Aber die gute Nachricht ist, dass ich das auch nicht schaffen muss.

Das Einzige, was ich tun muss, ist, Gott meine Glieder zur Verfügung zu stellen. Ich sage hier: Ich bin der Handschuh. Du darfst dein Leben in mir leben. Das steht in Römer 6,19: „Stell Gott deine Glieder zur Verfügung.“

Gott kann mich erst wirklich gebrauchen, wenn ich aufhöre, selbst die Hand im Handschuh sein zu wollen, und wenn ich sage: Hier bin ich, bitte gebrauche mich für dich.

Das setze ich praktisch um, indem ich bete: Herr Jesus, du weißt, ich finde es gar nicht schlimm, andere zu hassen oder meine Gedanken in ausserehelicher Sexualität schweifen zu lassen. Aber Jesus, danke dafür, dass du in mir anders bist. Danke, dass du in mir die Kraft bist, das nicht leben zu müssen. Ich darf Nein zur Sünde sagen.

Oder ich darf beten und sagen: Herr Jesus, du siehst, mein Leben ist absolut von Habsucht bestimmt. Es fällt mir schwer, irgendetwas herzugeben – mein Geld, meine Zeit, meine Kraft. Am liebsten hätte ich alles für mich. Aber ich weiß, du bist in mir, du bist anders. Danke, dass du dieses andere Leben in mir lebst, sodass ich jetzt nicht mit mir selbst rechnen muss, sondern mit dir.

Wenn ich so bete, dann rechne ich mit dem Christus in mir. Ich rechne damit, dass er seine Größe und seine Herrlichkeit in meinem kleinen Leben sichtbar macht. Und genau das will Gott ja.

Deshalb lass dich darauf ein: Lass den Herrn Jesus in dir leben, indem du deine Ohnmacht immer wieder zugibst und mit seiner Vollmacht rechnest.

Paulus als Vorbild im Glaubenskampf

Paulus kennt nicht nur das Geheimnis Gottes, er lebt es auch. Vielleicht unterscheidet ihn das manchmal von uns.

In Vers 29 sagt Paulus: „Es ist seine Wirksamkeit, die in mir wirkt in Kraft.“ Das ist der Beweis für diese Aussage. Es ist der Herr, der in mir wirkt. Wenn Paulus kämpfend ringt, dann kommt es nicht auf ihn an. Das widerspricht sich hier nicht. Es ist Christus in mir.

Der Apostel weiß, dass echte geistliche Veränderung nur dadurch kommt, dass der Herr Jesus in mir lebt. Deshalb zeigt Paulus in seiner Verkündigung ständig auf Jesus.

Wenn man Paulus gefragt hätte: „Sag mal Paulus, was sind denn so die Inhalte deiner Verkündigung? Erzähl mal, gib mir eine Themenliste, was du so alles gepredigt hast.“ Dann hätte Paulus geantwortet: „Weißt du, meine Themenliste? Ihn verkündigen wir.“ So steht es da.

Ich predige Christus, ich stelle ihn in den Mittelpunkt, damit er in mir und durch mich leben kann. Um es mit den Worten von 1. Korinther 1,30 zu sagen – darüber habe ich auch vor einiger Zeit hier schon mal gepredigt:

Ich verkündige Jesus als deine Gerechtigkeit. Nur durch ihn wirst du vor Gott gerecht. Ich verkündige Jesus als deine Heiligung. Nur er kann in dir das Leben leben, von dem die Bibel redet. Ich verkündige Jesus als deine Erlösung. Nur er kann dir die Freiheit von der Macht der Sünde schenken und dir die Freiheit geben, nach dem Willen Gottes zu leben.

Und schließlich sagt Paulus: Ich verkündige Jesus als die Weisheit, die du brauchst, um gute Entscheidungen treffen zu können.

Also klar, ihn verkündigen wir. Das ist der absolute Mittelpunkt.

Christus als Quelle aller Weisheit

Dass Jesus mir von Gott zur Weisheit gemacht ist, haben wir bereits im Rahmenprogramm gehört. Davon spricht Paulus auch hier im Kolosserbrief.

Er betont es in Kolosser 2,2: Das Geheimnis Gottes ist Christus – eine Wiederholung von 1,27. Dann sagt er: In ihm sind alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis verborgen. Du brauchst nichts anderes, wird er in Vers 4 noch sagen.

Den Kolossern wird später in ihrem Brief noch viel Philosophie angeboten. Es geht um ganz grundlegende Fragen: Warum lebe ich überhaupt? Es geht um praktische Fragen, etwa wie ich gute Entscheidungen treffe oder an welchem ethischen Fundament ich mich festhalte.

Paulus sagt: Halte dich bei komplexen Fragen, gerade bei komplexen Fragen, an Jesus fest. Bei ihm bekommst du gute Antworten, auch auf schwierige Fragen.

Was ich persönlich besonders schön finde: Der Herr Jesus hat einigen seiner Kinder von dieser Weisheit weitergegeben. Ich fand es schön zu hören, dass mir letztens jemand sagte, er habe ein Buch von Timothy Keller zur biblischen Berufsethik gelesen, und es habe ihm enorm geholfen.

Andere Christen, wie Michael Kotsch, der hier auch zu Gast ist, schreiben zu biblischen Prinzipien, zum Beispiel zur Gentechnologie. Ich wüsste gar nicht, was ich dazu sagen sollte. Aber wenn du sein Buch liest, denkst du: Stimmt, das sagt die Bibel dazu, das sind Grundsätze, von denen die Bibel redet.

Es gibt gute Bücher über Ehe und Erziehung. Von Daniela habe ich gehört, dass es nicht nur gute Bücher, sondern auch gute Seminare gibt. Es ist super, dass Leute hier etwas von Gottes Weisheit in mein Leben hineintragen können.

Ich bin immer wieder beeindruckt, wenn ich Bücher von Timothy Keller oder Don Carson in der Hand habe. Wow, sind die Leute schlau! Aber im Grunde haben sie ein Thema, und sie kennen sich darin gut aus. Ich muss vielleicht erst mal bei Wikipedia nachlesen, was das überhaupt für ein Thema ist. Dann können sie mir einen biblischen Kompass geben.

Diese Weisheit kommt von Christus. Deshalb ist sie so beeindruckend: Bei ihm liegen verborgen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis.

„Das ist ein bisschen schlecht“, sagte mein ehemaliger Kirchengeschichtslehrer, „dass sie verborgen sind.“ Aber wenn ich danach suche, will Gott mir zeigen, wie seine Weisheit ist. Und wenn Antworten wirklich biblisch sind, dann kommen sie eben von Christus, weil in ihm alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis verborgen sind.

Deshalb ist Jesus für Paulus auch der Mittelpunkt seiner seelsorgerlichen Gespräche. Das lesen wir in Kolosser 1,28: „Wir ermahnen jeden Menschen und lehren ihn mit Weisheit, damit er vollkommen in Christus wird.“

Manche Seelsorgeschulungen haben sich diesen Satz auf die Fahne geschrieben, und das meiner Meinung nach zu Recht.

Das Ziel eines Seelsorgegesprächs ist nicht nur die Frage: Wie löse ich das Problem? So läuft das manchmal: „Da kommen wir hin, das muss gelöst werden, zack, alles klar, danke, du hast mir sehr geholfen.“

Das eigentliche Ziel eines Seelsorgegesprächs ist die Frage: Wie kann ich mit diesem Problem so umgehen, dass das Leben Christi in meinem Alltag noch sichtbarer wird?

Das ist eigentlich die Antwort, die Paulus hier gibt. Sonst ist die Krise zwar überstanden, aber ich bin Jesus nicht ähnlicher geworden – und damit habe ich eine ganz große Chance verpasst.

Gemeinschaft und gegenseitige Ermutigung

Ich wünsche uns als Gemeinde, dass wir ganz offen über unsere Schwächen sprechen können. Dass wir über das reden können, was wir nicht schaffen, oder über das, was uns auf dem Weg mit Jesus immer wieder zum Stolpern bringt.

Das Gute daran ist: Dabei müssen wir nicht stehenbleiben. Wir können uns gegenseitig ermutigen, auf Jesus zu schauen und mit ihm zu rechnen. Aus diesem Text kennen wir jetzt Gottes Geheimnis. Damit kennen wir die Quelle für ein verändertes Leben, in dem Gottes Herrlichkeit in meinem Alltag sichtbar wird.

Dieses Geheimnis können wir in Anspruch nehmen: Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir. Ich bin nicht vollkommen in mir selbst, aber ich bin vollkommen in Christus, der in mir lebt.

Das war die paulinische Seelsorge, und davon hat Paulus immer wieder gesprochen. In meiner Stellung vor Gott, aber auch in meinem Alltag sollte Herr Jesus immer sichtbarer werden.

Hör auf mit deinen christlichen Heimwerkerversuchen und lass den Profi selbst ran. Er kann es wirklich besser als du.

Leiden als Teil des Glaubensweges

Wenn ihr aufmerksam mitgelesen habt, ist euch sicherlich aufgefallen, dass ich den ersten Vers übersprungen habe. Nun komme ich zu diesem Vers. Paulus sagt: „Ich freue mich in den Leiden und ergänze in meinem Fleisch, was noch aussteht von den Bedrängnissen des Christus für seine Gemeinde.“

Das ist ein Vers, bei dem du fünf Kommentare liest und sechs verschiedene Antworten bekommst. Dann weißt du, okay, dieser Vers ist schwierig. Was meint Paulus damit, wenn er sagt: „Ich ergänze in meinem Fleisch, was noch aussteht an den Bedrängnissen“?

Zunächst einmal habe ich diesen Vers erst jetzt auf die Agenda gesetzt, weil ich glaube, ich kann diese Worte nur sprechen, wenn ich Gottes großes Geheimnis entdeckt habe. Wenn ich verstanden habe, dass der Herr Jesus selbst in mir lebt, dann ist mir auch klar, warum ich leide. Dann macht das Leiden Sinn.

In der Bergpredigt bereitete Herr Jesus mich darauf vor: Die Menschen werden mich schmähen, sie werden mich verfolgen. Sie werden Lügen und Böses über mich reden, weil sie wissen und hoffentlich sehen, dass ich zu Jesus gehöre. Das wird so sein, sagte Herr Jesus.

Er sagt mir voraus, dass Christen in großer Zahl gehasst und sogar umgebracht werden, nur weil sie zu Jesus gehören. Das ist der einzige Grund. Und genau das erleben wir heute. Noch nie in der Geschichte sind so viele Christen verfolgt und getötet worden wie heute. Es gab das durch alle Jahrhunderte hindurch nicht. In dieser Zeit leben wir.

Ich habe gerade in dieser Woche darüber nachgedacht: Wenn man diskutiert, ob die Gemeinde durch die Trübsal geht oder nicht, dann bekommst du von vielen Christen in dieser Welt auf diese Frage nur ein müdes Lächeln. Sie sagen: „Das ist mir egal, das ist die Situation, die ich jahrelang erlebe.“

Dass wir in Deutschland auf einer Insel der Bewahrten leben, ist die Ausnahme, nicht die Regel. Gott sendet – und das steht hinter diesem Vers – seine Kinder wie Schafe unter die Wölfe. Das ist menschlich gesprochen keine gute Strategie. Die Schafe werden unter den Wölfen nicht überleben. Es ist klar, was mit ihnen passiert.

Ich muss euch sagen: Ich weiß nicht, warum Gott diese Strategie wählt, aber der Herr Jesus redet ganz deutlich davon. Die Apostelgeschichte spricht davon, und die Tagesschau zeigt es. Gott sendet seine Kinder in leidvolle Situationen, die aus menschlicher Sicht sinnlos erscheinen. Vielleicht liegt das auch nur daran, dass wir so auf diese Erde fixiert sind und meinen, wir müssten hier unten schon alles bekommen.

Ich glaube, gerade im Umgang mit leidvollen Erfahrungen kann es uns helfen, das Geheimnis Gottes im Auge zu behalten. Das heißt, den Herrn Jesus selbst im Blick zu haben. Petrus sagt uns das einmal: „Schau auf Christus, der auch gelitten hat.“

Wenn ich Christ bin, dann weiß ich, dass Leiden auch zu meinem Programm gehört. Vielleicht verstehe ich es dann besser: Es stimmt, Christus ist Gottes großes Geheimnis. Wenn ich zum Beispiel bei der Arbeit massiv unter Druck gesetzt oder ungerecht behandelt werde und dann erlebe, dass Jesus in mir in dieser Situation anders reagiert, als ich es normalerweise tun würde, hilft mir das, mehr zu verstehen.

Ich erkenne: Es ist Gott, der mir seine Kraft gibt, selbst in solchen Situationen so zu handeln, wie er es möchte. Dann merke ich, der Jesus in mir ist ganz anders als ich. Deshalb kann ich diese Erlebnisse in schwierigen Situationen auch auf andere Lebensbereiche übertragen.

Ich will lernen, zur Seite zu treten und Jesus in mir leben zu lassen. Ich will Jesus nicht mit meinen emotionalen und egoistischen Reaktionen im Weg stehen. Wenn Gott Leiden in mein Leben einbaut, dann soll es mir helfen, sein großes Geheimnis tiefer zu erfassen.

So verstehe ich diesen Vers hier im Kolosserbrief. Wie gesagt, es ist nicht ganz klar, was Paulus mit dem zweiten Teil des 24. Verses meint: „Ich ergänze etwas von den Bedrängnissen des Christus für seine Gemeinde.“ Was heißt das?

Manche denken, es gibt ein Maß an Leiden für die Gesamtgemeinde. Wenn meine fünf Leidenstropfen in den Leidenseimer fallen, dann müssen das nicht mehr so viele Tropfen von jemand anderem sein. Also leide ich buchstäblich für einen anderen mit. Ich ergänze an meinem Fleisch, was noch aussteht, bis der Eimer voll ist. Ich leide für euch.

Ich persönlich favorisiere aber eher die Auslegung, dass Paulus betonen will: Leiden gehört zum Christsein. Der Herr Jesus hat gelitten, als er auf dieser Erde war. Und wenn heute seine Kinder gequält werden, dann wird der Herr Jesus auch gequält, denn seine Gemeinde ist sein Leib.

Zu Saulus, dem Christenverfolger, sagt der Herr Jesus nicht: „Sag mal, warum verfolgst du meine Jünger?“, sondern: „Saul, warum verfolgst du mich?“ So eng ist der Herr Jesus mit seiner Gemeinde verbunden.

Jemand hat einmal gesagt, das ist wie bei einer Dornenhecke: Das Haupt geht durch, und bis der Leib durch die Dornenhecke auch hindurchkommt, wird es noch einiges an Verletzungen und Schmerzen geben. Deshalb ist für Paulus völlig klar: Für den Leib stehen noch Bedrängnisse des Christus aus. Es sind Bedrängnisse, die zu ihm gehören.

Paulus sagt: „Ich freue mich in den Leiden für euch.“ Ich denke, er meint hier seine Haft und alles, was damit zusammenhängt. Das dient dazu, die Christen aus Kolossä und die Christen aus Laodizea, die er hier namentlich erwähnt, zu befestigen auf ihrem Weg mit Jesus.

Immerhin haben die Kolosser jetzt einen neuen Mitbruder, den Onesimus, der durch Paulus an Jesus gläubig geworden ist. Die beiden hätten sich wahrscheinlich nie getroffen, wenn Paulus nicht in Haft gewesen wäre, wenn er nicht bereit gewesen wäre zu leiden. Das war die Grundlage dafür, dass sie sich getroffen haben.

Was ich sehr spannend finde an dieser Aussage „Ich freue mich in den Leiden für euch“ ist, dass ich letztens mit einer Frau gesprochen habe, die als Nichtchrist genau das beobachtet hat. Sie sagte: „Das gibt es doch nicht. Da leidet jemand als Christ und freut sich noch daran – wie masochistisch ist das denn? Was haben die Leute geraucht? Welches Hasch haben sie intus, dass sie sich freuen, dass sie völlig weg sind?“

Irgendwann hat sie verstanden: Es geht nicht darum, dass ich mich an dem Leid freue, sondern dass ich mich in dem Leid an Jesus freue. Das war für sie der erste Schritt, sich auf die Suche nach diesem Jesus zu machen, der das möglich macht. Und sie hat ihn gefunden. Sie sprach als Christ zu mir, aber sie sagte, so ging es ihr damals: Sie dachte, was haben die geraucht, das geht doch gar nicht.

Das könnte man vielleicht Paulus auch vorwerfen oder ihn fragen. Aber er hat ganz sicher auch nichts geraucht. Er hatte auch keine Freude am Leid selbst. Aber wenn ich Gottes großes Geheimnis entdeckt habe, Christus in mir, dann verstehe ich: Eigentlich verfolgen die Leute gar nicht mich. Sie sind wütend auf den Christus in mir, und deswegen verfolgen sie mich.

Da muss ich mich auch nicht zusammenreißen, um Jesus zu beweisen, wie treu ich bin. Ich darf ihm sagen: Herr Jesus, du weißt ganz genau, ich habe nicht die Kraft, zu dir zu stehen, wenn Druck kommt. Aber danke, dass du in mir dich diesem Druck nicht beugst, dass du in mir das Leben bist.

Und das ist es, was mich freut, gerade auch in schwierigen Situationen zu erleben: Es ist Christus, der in mir lebt. Das ist Gottes großes Geheimnis, das wir heute Morgen entdeckt haben.

Ich wünsche uns, dass dieses Geheimnis unser Leben mit Jesus, aber auch unser Leiden für Jesus bestimmt. Amen.

Wir nehmen uns nun eine kurze Zeit, um persönlich dem Herrn Antwort zu geben, wo er uns durch sein Wort angesprochen hat.