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1. Mose 45, 1 - 1. Mose 46, 34

28.03.2008
SerieTeil 27 / 30Das erste Buch Mose
Wenn Schuld Jahre lang trennt: Kann echte Vergebung trotzdem neu anfangen? Josef zeigt, wie Versöhnung Schuld nicht kleinredet, aber Zukunft öffnet – mitten in Angst, Hunger und Familienbruch.

Der große Bogen der Heilsgeschichte

Also, Kapitel 45: Ich möchte daran erinnern, dass wir in 1. Mose einen Machthaber namens Satan hatten, der seine List und seine Macht verwendete, um die erste Familie zu zerstören und dem himmlischen Vater seine Kinder zu berauben.
Und wir haben am Ende des ersten Buches Mose einen Machthaber, der seine ganze Macht sensibel einsetzt, um seine Brüder zur Versöhnung zu führen und dem Vater seine Söhne und die Familie zurückzugeben. Hier schließt sich der Kreis im ersten Buch Mose.
Und wir haben im Neuen Testament einen Machthaber namens Jesus Christus, der seine ganze Macht, seine ganze Gnade, seine Sensibilität und alles aufwendet, um sich stellvertretend hinzugeben und dem Vater verlorene Söhne wiederzubringen.
Die ganze Heilsgeschichte ist im ersten Buch Mose schon vorgeschattet. Und nicht nur vorgeschattet: Eigentlich ist es ja ein Teil der Heilsgeschichte selbst.

Joseph gibt sich zu erkennen

In Vers 1 lesen wir in Kapitel 45: Da konnte sich Joseph nicht mehr bezwingen. Vor allen, die um ihn herstanden, rief er: Lasst jedermann von mir hinausgehen! Und es stand kein Mensch bei ihm, als Joseph sich seinen Brüdern zu erkennen gab. Er weinte laut, sodass die Ägypter und das Haus des Pharaos es hörten.
Und er sprach zu seinen Brüdern: Ich bin Joseph. Lebt mein Vater noch? Aber seine Brüder vermochten ihm nicht zu antworten, denn sie erschraken vor seinem Angesicht. Da sprach Joseph zu seinen Brüdern: Tretet doch her zu mir! Und sie traten herzu. Er sprach: Ich bin Joseph, euer Bruder, den ihr nach Ägypten verkauft habt. Und nun macht euch nicht Kummer, und es entbrenne nicht in euren Augen, dass ihr mich hierher verkauft habt. Denn zur Rettung von Leben hat mich Gott vor euch hergesandt.
Wir haben also am Ende von Kapitel 44 gesehen, wie Juda bereit wird, genau das jetzt umzudrehen, was er selbst angerichtet hat. An Josef ist er jetzt bereit, stellvertretend für Benjamin in die ägyptische Sklaverei zu gehen. Und das zeigt Josef jetzt: Hier ist echte Buße geschehen, hier ist echtes Umdenken, und hier ist die Basis für Versöhnung.
Es ist schwer für die Brüder, sich in dem ersten Moment daran zu gewöhnen, dass dieser Großwesir von Ägypten Joseph ist. Aber Joseph hilft ihnen in seiner Feinfühligkeit, ihren Schrecken zu überwinden. Er sagt: Schaut, ihr habt zwar Böses getan, aber kümmert euch jetzt nicht. Es war Gott, der so etwas Gutes daraus gemacht hat. Es entbrenne nicht in euren Augen, dass ihr mich hierher verkauft habt, denn zur Rettung von Leben hat mich Gott vor euch hergesandt.
Und er zeigt ihnen jetzt, dass hinter allem Gottes Hand stand. Das nimmt ihnen nicht die Schuld weg, natürlich nicht. Aber es hilft ihnen, jetzt zurechtzukommen. Ihr wart schuldig, aber Gott hat aus diesem Bösen, das ihr getan habt, etwas Gutes gemacht. Und Gott hat es zugelassen. Und weil er es zugelassen hat, konnte Joseph all die Jahre rückblickend sagen: Gott hat es so geschickt, Gott hat mich vor euch hergesandt.
Also: Das hat nichts zu tun mit Vorherbestimmung zum Bösen, das wäre unsinnig. Gott hat nicht vorherbestimmt, dass die Brüder etwas Böses tun. Sie sind schuldig und verantwortlich, natürlich. Aber Gott hat das Böse verwendet, und so ist es auch oft geschehen. Gott hat die schlechten Entscheidungen von Menschen oft zum Guten verwendet. Hier zum Guten für Josef, und dann auch zum Guten für die Brüder, weil sie Buße getan haben, wird es alles für sie zum Guten.

Die Brüder werden nach Hause gesandt

Sprachlos stehen sie da, und sie brauchen jetzt Zeit, das zu verkraften. Eilt und zieht hinauf zu meinem Vater. Und sprecht zu ihm: So sagt dein Sohn Joseph: Gott hat mich zum Herrn von ganz Ägypten gemacht. Komm zu mir herab, säume nicht. Du sollst im Lande Gosen wohnen, nahe bei mir sein, du und deine Söhne und die Söhne deiner Söhne, und dein Kleinvieh und deine Rinder und alles, was du hast. Und ich will dich dort versorgen, denn noch fünf Jahre ist Hungersnot, damit du nicht verarmst, du und dein Haus und alles, was du hast. Und siehe, eure Augen sehen es, und die Augen meines Bruders Benjamin, dass mein Mund es ist, der zu euch redet.
Jetzt spricht er auf Hebräisch zu ihnen, natürlich, und berichtet meinem Vater alle meine Herrlichkeit in Ägypten und alles, was ihr gesehen habt. Und eilt und bringt meinen Vater hierher, hierher herab.
Und er fiel seinem Bruder Benjamin um den Hals und weinte, und Benjamin weinte an seinem Halse. Und er küsste alle seine Brüder und weinte an ihnen. Und danach redeten seine Brüder mit ihm.
Ja, worüber wohl? Worüber haben die jetzt geredet? Aber sie können jetzt miteinander reden, um Vergebung bitten, Schuld bekennen. Jetzt wird Gemeinschaft wiederhergestellt, jetzt wirklich. Jetzt gibt es echte Gemeinschaft. Das wäre vorher nicht der Fall gewesen, hätte Joseph sich früher zu erkennen gegeben.
Im Haus des Pharao wurde die Nachricht gehört: Josephs Brüder sind gekommen. Und es war gut in den Augen des Pharao und in den Augen seiner Diener. Also hört der Pharao davon: Josephs Brüder sind gekommen. Gut. Und alle seine Knechte sagen: Gut, das gefällt mir. Es war gut. Vielleicht denkt er: Wenn schon der eine so viel Segen gebracht hat, danke. Ja, auch wenn der wüsste.
Und dann interessiert sich der Pharao für den Vater. Der Pharao sprach zu Joseph: Sag deinen Brüdern, tut dieses, beladet eure Tiere, zieht hin, geht ins Land Kanaan, nehmt euren Vater und eure Familien und kommt zu mir. Ich will euch das Gute des Landes Ägypten geben, das Fett des Landes. Das Beste des Landes heißt das. Das Fett des Landes sollt ihr essen.
Welch ein Zeugnis! Ich kenne dich, Joseph, und jetzt möchte ich deinen Vater kennenlernen. Was ist das für ein Vater, der so einen Burschen hervorbringt? Ja, wenn der wüsste, was das für ein Vater war. Aber der Herr hat den Jakob verändert. Welcher Vater war es denn wirklich, der den Joseph zu Joseph gemacht hat in den vielen Jahren? Welcher Vater? Ein ganz anderer Vater.
Und wenn wir vielleicht nicht die idealen Väter gehabt haben in unserem Leben, es gibt einen anderen Vater, der in uns einen guten Charakter hervorbringen kann, nämlich den Charakter des Herrn Jesus, den der himmlische Vater in uns macht. Durch verschiedene Wege im Leben. Und Joseph hat auch eine lange Schule hinter sich. Was ist das für ein Vater, der einen solchen hervorbringt?
Also die Brüder möchte der Pharao bei sich haben, Josephs wegen. Genauso will Gott uns einmal in den Himmel holen, Jesu wegen. Ja, Joseph hat anders gelebt als seine Brüder. Joseph war anders als seine Brüder gewesen. Wenn Joseph auch so gelebt hätte wie seine Brüder, dann hätte überhaupt niemand überlebt, weder in Ägypten noch in Kanaan. Stellen Sie uns das einmal vor: ein Mensch. Und Gott hat Ägypten und Kanaan gerettet durch diesen einen Menschen.
Aber wenn Joseph sogar ein ganz normales Leben geführt hätte, wäre nichts passiert, gar nichts. Wenn Joseph in Ägypten ein ganz normales Leben geführt hätte, wie alle anderen Ägypter, wäre nichts passiert. Und wie war das mit dem Herrn Jesus? Wenn der ein ganz normales Leben geführt hätte, dann wäre der Himmel auch leer, menschenleer. Da gingen alle verloren, wenn der Herr Jesus nicht sich selbst hingegeben hätte.
Siehe, hier bin ich!

Die Reise nach Ägypten und die Bewahrung der Familie

Vers 19: Und du selbst, dir ist geboten: Tut dies! Nehmt euch Wagen für eure kleinen Kinder und für eure Frauen, und bringt euren Vater mit und kommt. Und eure Augen sollen eurem Hausrat nicht nachtrauern, denn das Beste des Landes Ägypten soll euer sein.
Nein, hier heißt es nicht mehr das Fett des Landes, sondern das Gute des Landes. Vorher hieß es das Fett des Landes, hier heißt es das Gute des Landes. Es ist letztlich dasselbe. Aber es geht um das Beste. Das Beste sollen sie bekommen. Sie sollen dem Hausrat in Kanaan nicht nachtrauern. Es gibt etwas Besseres für sie.
Vielleicht hätte sich der eine oder andere in Kanaan gedacht: Na, ich bleibe lieber in Kanaan, um die Seele zu bewahren. Daher hat Jesus einmal gesagt: Wenn jemand seine Seele bewahren will, wird er sie verlieren. Und wenn jemand in Kanaan geblieben wäre, hätte er sie verloren. Aber sie kamen dann.
Und er entließ seine Brüder. Also Vers 21: Die Söhne Israel taten so, und Josef gab ihnen Wagen nach dem Befehl des Pharao. Und er gab ihnen Verpflegung für den Weg. Und er gab ihnen allen, jedem Einzelnen, ein Festgewand. Aber Benjamin gab er dreihundert Silberlinge und fünf Festgewänder. Und seinem Vater sandte er diese zehn Esel, beladen mit dem Besten, dem Guten aus Ägypten, und zehn Eselinnen, beladen mit Getreide und Brot und sonstiger Speise für seinen Vater auf dem Weg.
Man fragt sich: Wieso? Denn der Vater soll heimkommen nach Ägypten. Warum gibt er ihm so viele Sachen mit? Nun, Josef weiß, welche Sprache sein Vater spricht und wie er das Herz des Vaters wachbringen kann. Er muss den Vater überzeugen, dass die Brüder nicht lügen. Wenn sie ihn zweiundzwanzig Jahre lang getäuscht haben, wie soll dann plötzlich der Vater den Brüdern, den eigenen Söhnen, glauben?
Ja, Josef weiß, dass der Vater Beweise braucht. Und deshalb lässt er ihm diese vielen Wagen und diese Sachen mitschicken, für den Vater. Und er entließ seine Brüder.
Josef war nicht so beschäftigt, dass er nicht auch einmal Urlaub hätte nehmen können. Und man fragt sich: Warum geht er eigentlich nicht mit? Warum kommt er nicht mit? Höchste Zeit, den Vater zu sehen, oder? Bitte? Ja, ein großes Ich hat auch seine Stellvertreter mal. Josef weiß genau: Es muss auch die Gemeinschaft zwischen Brüdern und Vater hergestellt werden. Und da hilft es jetzt nichts, wenn er mitreist.
Warum sendet er die Brüder? Weil also etwas geschehen muss. Man muss sich vorstellen: Das war eine schwierige Reise nach Hause für die Brüder. Wie sage ich es dem Vater, wenn ich ihm 22 Jahre lang etwas vorgelogen habe? Josef hatte auch erst jetzt erfahren, was es für eine Lüge war, mit der sie den Vater vertröstet hatten. Ja, ja, natürlich, stimmt. Man muss sich vorstellen, die Beziehung zum Vater war auf Lug und Betrug aufgebaut gewesen. Und sie hatten zusammengehalten, keiner hat ausgepackt. Und sie mussten wahrscheinlich immer wieder etwas hinzufügen oder sich irgendetwas ausdenken, wenn das Thema darauf kam.
Jedenfalls zogen sie hin, und er sprach zu ihnen: Erregt euch nicht auf dem Wege! Es könnte ja sein, dass sie sich jetzt gegenseitig Vorwürfe machen. Erregt euch nicht. Das Wort kann auch heißen: bebt nicht, entweder vor Angst oder vielleicht auch hier vor Zorn oder vor sonstigem Streit. Josef kennt diese Brüder. Die könnten unterwegs schon in Disharmonie kommen. Was wird der Vater sagen? Wer wird anfangen zu erzählen? Wer soll es sagen? Wird der Vater vergeben?

Unterwegs zur Versöhnung

Man darf hier jetzt wieder ein bisschen eine Parallele ziehen, eine Analogie zu unserem Leben. Wir sind ja auch schuldige Brüder, oder? Oder ist einer nicht schuldig vor dem Vater? Wir sind schuldige Brüder und haben Vergebung bekommen durch den eingeborenen Sohn. Und wir gehen jetzt zum Vater zurück. Wie behandeln wir uns untereinander? Behandeln wir uns so, wie Gott uns behandelt hat: mit Vergebung, mit Gnade? Oder gibt es Vorwürfe?
So war es auch bei den Christen im Neuen Testament. Philipper 2 macht meine Freude damit völlig, dass ihr derselben Gesinnung seid, dieselbe Liebe habt, in der Seele verbunden seid und auf eines bedacht seid, nicht nach Streitsucht oder leerer Ruhmsucht, sondern in einer demütigen Gesinnung einer den anderen höher achtet als sich selbst. Philipper 2,2-4. Jeder gebe Acht nicht nur auf das eigene, sondern auch auf das der anderen. Diese Gesinnung sei in euch, die auch in Christus Jesus war. Oder Epheser 4,3: Befleißigt euch, die Einheit des Geistes zu bewahren durch das Band des Friedens. Oder Kolosser 3,13: Ertragt einander und vergebt euch gegenseitig, wenn jemand eine Klage gegen den anderen hat. So wie Christus euch vergab, so auch ihr.
Zankt euch nicht, erregt euch nicht, bebt nicht auf dem Wege. Unterwegs. So zogen sie also hinauf von Ägypten, sie kamen ins Land Kanaan zu ihrem Vater Jakob, und sie berichteten ihm und sprachen: Josef lebt noch, und er ist Herrscher im ganzen Land Ägypten. Aber sein Herz blieb starr, denn er glaubte ihnen nicht. Josef lebt und ist Herrscher. Und sie redeten zu ihm alle Worte Josefs, die er zu ihnen gesagt hatte. Und als er die Wagen sah, die Josef gesandt hatte, ihn zu holen, da lebte der Geist ihres Vaters Jakobs auf.
Es dämmert ihm: Ja, wer sollte sonst die Brüder so beschenken dort in Ägypten? Wer sollte ihnen da einfach zehn Esel mitgeben, und Wagen und Getreide in Fülle? Josef weiß, welche Sprache sein Vater versteht. Wie weise von Josef, wie einfühlsam. Das sticht bei Josef heraus, dieses Feinfühlige, dieses Sich-Hineinversetzen in andere. Das kann er, das ist eine gewaltige Stärke. Im Gefängnis und in Ägypten und gegenüber den Brüdern: Er kann sich in andere hineinversetzen. Die Bibel nennt das die Gabe der Barmherzigkeit, des Mitfühlens, des Sich-Hineinfühlens.
Und Israel sprach: Genug! Josef, mein Sohn lebt noch. Ich will hin und ihn sehen, ehe ich sterbe. Weil Josef lebt, gibt es Hoffnung und Zukunft. Zukunft für eine vereinte Familie Jakob. Ohne Josef wäre nicht nur die Familie zerrissen gewesen, sondern sie wäre auch verhungert. Sie wäre auch verhungert. Ohne den Abzug nach Ägypten wäre die Familie vielleicht unter den Kanaanitern aufgegangen. Das wäre alles dahingewesen.
Hier wieder eine Anwendung, ein bisschen evangelistische Anwendung. Das ist auch mal interessant hier: Josef lebt und ist Herrscher, haben wir gelesen, Vers 26. Josef lebt und ist Herrscher. Stellen wir uns mal vor, wir sagen zu einem Menschen, der innerlich erstorben ist in Bezug auf Gott: Jesus lebt und ist Herrscher. Wie soll er das glauben? Was, Jesus lebt? Der, den sie da vor zweitausend Jahren gekreuzigt haben, meinst du den? Der lebt und der ist König? Wie soll einer das glauben? Er braucht Beweise. Beweisen, zeigen mir!
Und die Bibel sagt: Unser Leben, wir können darauf hinweisen. Schau, Jesus lebt. Schau mich an. Ich war früher so und so, und Jesus hat das in meinem Leben getan. Unser Auftrag ist es, zu bezeugen und auf uns zu verweisen. Schau, ich bin der lebendige Beweis dafür, dass Jesus Christus lebt und Herrscher ist. Ja, wer sollte, wer anders sollte mich so beschenkt haben?
Also Israel sprach, Vers 28: Genug! Josef, mein Sohn lebt noch. Ich will hin und ihn sehen, ehe ich sterbe. Wir hatten also zwei Probleme. Wir hatten zwei Probleme, ich möchte das wieder zurück ein bisschen aufrollen. Das eine Problem war: Da war die Familie, die zerrissene Familie Jakobs. Die sollte ja der Nukleus für das Volk Gottes werden, durch das der Same zu allen Völkern kommt. Kaputte Familie.
Und dann hatten wir hier das Problem: Hier lebt eine Familie mitten im Land Kanaan. Und die Söhne heiraten lauter Kanaaniterinnen. Und es ist die Gefahr, dass diese sich so vermischen mit den Kanaanitern, das heißt, dass sie auch ihre Götzen anbeten und den Jahwe vergessen. Und damit hat es sich. Alles löst sich auf. Eine doppelte Gefahr also: Einerseits die zerstörte, kaputte, zerrissene Familie, und gerade weil sie zerrissen sind, lösen sie sich natürlich unter den Kanaanitern dann auf.
Und wie geht Gott vor, um gegen diese beiden Probleme anzugehen? Nun, er verwendet Josef und das Leiden Josefs, das unschuldige Leiden Josefs, und dann die Weisheit dieses Josef, der unschuldig gelitten hat und erhöht wurde. Das verwendet er, um die zerrissene Familie wieder zusammenzubringen. Das ist das eine: diese Familie zu versöhnen.
Und das zweite: Wie kann die Familie bewahrt werden vor der Auflösung unter den Kanaanitern? Gott ist so weise, er lässt sie alle nach Ägypten ziehen. Und ich denke mir, ich habe mir gedacht: Wieso? Das ist ja so eine Dummheit, dass die da in Ägypten geblieben sind. Ich verstehe schon, wegen der Hungersnot kann man eine Zeit lang in Ägypten bleiben, aber nachher nicht. Gott schickt die Hungersnot bewusst, damit sie gezwungen sind, nach Ägypten zu ziehen. Und der Aufenthalt in Ägypten war die Rettung und die Bewahrung dieser Familie.
Denn in Ägypten haben sie sich nicht unter die Kanaaniter aufgelöst. Die sind zwar mit ihren kanaanitischen Frauen nach Ägypten gezogen, und was war dann? Die Ägypter essen nicht einmal mit den Hebräern. Den Ägyptern sind die Hebräer ein Gräuel, das heißt, die Hebräer kriegen ein Ghetto, ein Judenghetto. Da sollen sie sich jetzt vermehren, aber eine Vermischung mit den Ägyptern ist absolut undenkbar. Und sie haben ja keine kanaanitischen Frauen. Das hilft denen auch nichts dort in Ägypten.
Das heißt, wir haben hier dann die Bewahrung des Volkes Gottes. Dieser Nukleus, dieser Kern des Volkes Gottes, wird dadurch bewahrt, dass sie jetzt in Ägypten an einem gesonderten Ort dort in Goschen wohnen. Und so hält Gott dieses Volk zusammen. Und jetzt macht er das Volk zu dem Volk, das er schließlich dann aus Ägypten holen wird, zu seiner Zeit. Das ist die Weisheit Gottes. Und er verwendet die Leiden auch dieses Volkes, dass sie zusammenbleiben, zusammenhalten und dass es erhalten bleibt. Das kann man sich nicht ausdenken. Das kann sich niemand ausdenken, so etwas. Das kann nur Gott.
Also gerade, man könnte sagen, dass die Familie Jakobs nach Ägypten kommt, das ist eine verhängnisvolle Entscheidung. Wenn man an die nächsten 400 Jahre denkt, wo sie so viel Furchtbares erlebt haben, dann würden wir sagen: Das war eine falsche Entscheidung. Nein, genau das war das Mittel zur Bewahrung.
Sind dazu Fragen oder Ergänzungen?
Ja, Sie haben dann dadurch ihr eigenes Gebiet. Zanken oder erregt euch nicht, bebt nicht, erkennt sie. Es gibt mehrere Möglichkeiten, entweder, dass sie untereinander, oder eben auch die Angst. Das Beben kann auch auf die Angst zurückzuführen sein. Ich weiß nicht, wie übersetzt hier Schlachter? Zanken.
Er muss es erfahren haben, er muss es erfahren haben. Es wird hier nicht berichtet über dieses Gespräch. Es geht nur so: Sie muss ihm alles erzählen, alles.
Ja, sowieso. Besser, die Brüder erzählen ihm, was Josef erzählt. So kann jetzt die Gemeinschaft mit ihrem eigenen Vater wiederhergestellt werden. Die waren auch verlorene Söhne, diese zehn. Es kann keine herzliche, gute Gemeinschaft gewesen sein in den letzten zweiundzwanzig Jahren. Und vorher war es auch nicht schön.
Nachher in der Folge blieb er ja der Herrscher. Oder meinst du das? Wahrscheinlich, ja. Er war zwar auch aus dem Volk, aber er war nun Gottes Herr.
Ah ja, ah ja, ja, ja, ja, stimmt. Es gibt viele, viele Parallelen zwischen dem Prototypus und dem Herrn Jesus selber. Es gibt ein ganzes Buch darüber. Wie heißt das? Vorbilder Jesu Christi in der Schrift.

Der Weg Jakobs nach Ägypten

Nun schauen wir uns noch Kapitel 46 an.
Und Israel brach auf mit allem, was er hatte. Wir merken hier: Es fällt auf, wenn Israel steht. Es ist irgendwie feierlich, wenn Israel steht. Der junge Jakob tat, was er wollte; der alte Jakob, der Israel, fragt nach Gottes Willen.
Er kam nach Beerscheba und opferte Schlachtopfer dem Gott seines Vaters Isaak. Dort in Beerscheba wird er unruhig: Darf ich das Land verlassen? Was sagt Gott? Er opfert, er betet, er fragt nach Gottes Willen. Wo sind unsere Beerschebas, wenn wir unterwegs sind oder irgendwelche Entscheidungen zu treffen haben? Wo sind unsere Beerschebas, wo wir uns an den Schwur Gottes erinnern, wo wir um klare Wegweisung flehen?
Wer hatte dieses Beerscheba?
Und Gott sprach zu Israel in Nachtgesichten: Jakob, Jakob! Zweimal spricht Gott hier: Jakob, Jakob. Das kommt nicht oft vor. Abraham, Abraham – da hatten wir es in Kapitel 22, bei ganz kritischen, wichtigen Gelegenheiten ruft Gott zweimal: Abraham, Abraham. Das war in 1. Mose 22,11, als Abraham das Messer nahm. Abraham, Abraham. Hier: Jakob, Jakob. Und er sagt: Hier bin ich.
Später im zweiten Mose finden wir es auch noch: Mose, Mose. Und er sagt: Hier bin ich. Wo gibt es noch so etwas? Petrus, Petrus. Samuel, Samuel. Petrus, Petrus. Saul, Saul, was verfolgst du mich? Martha, Martha. Mein Gott, mein Gott. Eli, Eli, das ist der Höhepunkt, ja. Simon, Simon, der Satan hat euer begehrt, Lukas 22,31. Simon, Simon!
Abraham, Isaak und Jakob erlebten alle drei eine Hungersnot im verheissenen Land. Abraham in Kapitel 12, wir erinnern uns zurück: Er ging nach Ägypten. Isaak in Kapitel 26, wir erinnern uns: Er wollte vielleicht nach Ägypten, aber Gott hat gesagt: Geh nicht hinab nach Ägypten. Und hier ist wiederum eine Hungersnot, und jetzt ist die Frage: Soll man nach Ägypten? Er fragt Gott, und Gott erscheint ihm und sagt: Du darfst nach Ägypten. Du darfst es wagen. Diesmal ist es ganz richtig, nach Ägypten zu gehen, aufgrund dessen, weil es um das Volk Gottes geht, um es zu bewahren.
Oft stehen wir vor einer Frage: Soll ich dorthin gehen oder soll ich nicht hingehen? Manchmal ist es ganz klar: Es ist Gehorsam, ich muss dorthin gehen, ich muss dorthin gehen, weil es ein Auftrag von Gott ist. Und es ist wichtig, dass man die Verheissung hat, dass man weiss: Ich weiss, Gott wird mit mir sein. Wenn man sich nicht sicher ist, dann soll man lieber noch warten, bevor man einen Wechsel unternimmt. Aber hier bekommt er die Verheissung, dass Gott mit ihm gehen wird. Und auch die Verheissung, dass er ihn wieder zurückbringen wird.
Also: Nur ungünstige Umstände, das ist nicht genug. Nur aus finanziellen oder wirtschaftlichen Erwägungen die Ortsveränderung vorzunehmen, das haben schon viele getan, das ist nicht genug. Man muss wirklich Klarheit haben: Ist es wirklich vom Herrn, jetzt den Ort zu verändern oder nicht? Nicht in Unabhängigkeit von Gott. Oft ist es wichtig, dass man sich das wirklich aufschreibt. Ich muss mir solche Sachen aufschreiben und ich muss mir das lange durch den Kopf gehen lassen. Lieber vorher noch bleiben, wenn nicht klare Hinweise da sind, dass man jetzt weg muss. Es geht gar nicht anders.
Er sprach: Ich bin Gott, der Gott deines Vaters. Fürchte dich nicht, nach Ägypten hinabzuziehen; denn dort werde ich dich zu einem grossen Volk machen. Ich selber ziehe mit dir nach Ägypten hinab, und ich selber führe dich wieder herauf.
„Ja, herauf“ – und Joseph wird seine Hand auf deine Augen legen. Das heisst, die Hand auf die Augen legen heisst also beim Sterben, dass man sie zudrückt, oder beim Tod. Sobald er gestorben ist, werden die Augen zugedrückt.
Und Jakob machte sich auf von Beerscheba. Und die Söhne Israels führten Jakob, ihren Vater, und ihre kleinen Kinder und ihre Frauen auf den Wagen, die der Pharao gesandt hatte, ihn zu holen. Schön, oder? Die Söhne Israels führten Jakob. Jetzt ist ja offensichtlich wieder Gemeinschaft und Harmonie hergestellt. Sie führen Jakob, den Vater, ihre Kinder, ihre Frauen, alles kommt mit. Vergebung, sie haben Vergebung auf Basis von Schuldbekenntnis, Busse, echte Busse.
Sie nahmen ihr Vieh, ihre Habe, alles nach Ägypten. Jakob und all sein Gut mit ihm, seine Söhne und die Söhne seiner Söhne mit ihm, seine Töchter und die Töchter seiner Söhne. Hier haben wir wieder die Töchter. Ich habe noch keine Klarheit: Sind es jetzt weitere Töchter, oder sind Enkelinnen gemeint, oder sind andere? Hat jemand da inzwischen schon Klarheit? Seine Töchter und die Töchter seiner Söhne und allen seinen Samen brachte er mit sich nach Ägypten. Ich hätte gesagt: seine Tochter, aber nicht seine Töchter.
Dies sind die Namen der Söhne Israels, die nach Ägypten kamen. Interessanterweise werden bei Benjamin zehn Kinder aufgeführt, zehn Kinder. Habt ihr es gemerkt? Bei Vers 21 die Söhne Benjamins: Bela, Becher, Aschbel, Gera, Naaman, Ehi, Rosch, Muppim und Huppim und Ard – zehn Söhne.
Ich meine, er war ja in dem Moment, als sie jetzt hier nach Hütten kommen, wir brauchen 27 Jahre. Unmöglich, unmöglich, zehn Kinder zu haben. Und darüber hat Perez schon zwei Söhne. Richtig, also mir kommt es vor, das ist genauso, wie wir bei der letzten Geschlechtsregister gesehen haben, wo ja auch das sind die Söhne, die in Paddan-Aram geboren hatte, oder? Da war Benjamin dabei. Also mir kommt es auch so vor, dass es hier um eine Zusammenfassung geht. Anders kann man sich das nicht erklären. Also auch Benjamin kann unmöglich zehn Kinder gehabt haben im Alter von 25 Jahren. Das geht nicht.
Ich habe mal darüber gelesen bei Karl Delitzsch, aber ich habe es jetzt nicht mehr nachgeschaut. Er hat da auch in etwa so argumentiert. Er hat auch gesagt, es ist unmöglich, dass die dort alle geboren sind. Interessant war in beiden Fällen, die Magd genau gewählt wurde, wer Nachkommen hat, als die eine auf sieben und David auf vierzehn, die Lea auf zweiunddreissig zehn und Elke auf siebenunddreissig zehn. Interessanterweise geht das auch über die Enkelkinder und Urenkelkinder weiter.
Übrigens, da wäre es jetzt interessant, solche Kommentatoren, wie ich jetzt gestern an die Tafel geschrieben habe, nachzuschauen. Übrigens, ich habe jetzt einige, die meisten, die wichtigeren, habe ich einem Bruder auf den Computer überspielt. Die kann er weitergeben, wer das haben möchte, für seinen Computer. Das wäre das Alter nachzulesen, zu lesen. Bitte.
Ja, auch bei Juden. Der Schäler hat schon Kinder. Das passt noch mit Dharma. Aber dass der Schäler dann jetzt auch schon Kinder hat. Ja, wie gesagt, das gibt es schon Schwierigkeiten.
Mir scheint, das ist ein zusammenfassendes Geschlechtsregister, beziehungsweise ja.

Ankunft in Goschen und die Rolle Judas

Und sie kamen in das Land Gosen. Vers 29: Da spannte Josef seinen Wagen an und zog hinauf, seinem Vater Israel entgegen, nach Gosen. Und als er ihn sah, fiel er ihm um den Hals und weinte lange an seinem Halse. Da sprach Israel zu Josef: Nun will ich gerne sterben, nachdem ich dein Angesicht gesehen habe.
Übrigens, die Tränen Josefs, das ist ja auch ein eigenes Thema, die Tränen Josefs. Josef weint an mehreren Orten, und es sind sehr interessante Orte. Das kann man selber studieren, diesem Thema einmal nachzugehen. Ich habe es in meiner Bibel angezeichnet, denn es ist kein schweres Thema, aber da könnte man darüber predigen. Es gibt eine ganze Predigt über die Tränen Josefs. Nur als Hinweis.
Die Kleider Josefs, darüber haben wir schon gesprochen. Da sprach Israel zu Josef: Nun will ich gerne sterben. Und Josef sprach zu seinen Brüdern, Vers 31, und zum Hause seines Vaters: Ich will hinaufziehen und Pharao berichten und zu ihm sprechen: Meine Brüder und das Haus meines Vaters, die im Lande Kanaan waren, sind zu mir gekommen. Und die Männer sind Schafhirten, denn sie sind Viehzüchter. Ihre Schafe und ihre Rinder, alles, was sie haben, haben sie mitgebracht. Wenn euch dann der Pharao ruft und sagt: Was ist eure Tätigkeit?, dann sollt ihr sagen: Deine Knechte waren Viehzüchter von unserer Jugend auf bis jetzt, sowohl wir als auch unsere Väter, damit ihr wohnen mögt im Lande Gosen. Denn alle Schafhirten sind den Ägyptern ein Gräuel.
Wie Bruder Gerhard Wolk vorher gesagt hat, das ist auch ein Schutz gewesen für das Volk, dass sie jetzt abgesondert leben mussten, weil die Schafhirten ihnen ein Gräuel sind. Vers 28 habe ich schon aufmerksam gemacht, auf Vers 28: Er sandte Juda vor sich hin zu Josef. Wieder ist es Juda, der als Haupt agiert. Juda war bereit, sein Haupt hinzuhalten. Und jetzt ist Juda das Haupt der Brüder, und er ist der, der das Vorrecht hat, den Vater dem Josef entgegenzuführen. Er hat gelernt, der Juda.
Also auch hier: Wir hatten vorher ein Gespräch, wie ist das mit Gottes Vorherbestimmung, was hat Gott vorherbestimmt vom Charakter eines Menschen und so weiter? Juda ist eigentlich ein schlechter Charakter gewesen, oder? Wirklich ein schlechter Charakter. Und er hat sich, also bis er so etwa zwanzig Jahre alt war, wirklich, da ging es nur bergab. Aber dann hat Gott ihn züchtigen können, und Juda hat sich züchtigen lassen. Juda hat gelernt. Es gibt solche, das ist ein Geheimnis: Es gibt solche, die lassen sich nicht züchtigen. Die erleben Schlag auf Schlag und bleiben trotzdem stur und wollen sich von Gott nichts zeigen lassen und nichts sagen lassen. Oder es gibt andere wie Juda, die sich beugen und ihre Schuld zugeben. Das ist ein Geheimnis, wieso es der eine macht und der andere nicht. Aber das hängt auch mit dem Willen des Menschen zusammen. Wieso es dahin kommt, es ist einfach so. Aber geworben hat Gott um alle, werben tut Gott um jeden Menschen. Es wäre undenkbar, dass Gott sagt: Diesen Menschen bestimme ich für die Hölle, und jenen bestimme ich für den Himmel. Das wäre undenkbar von dem, was wir lernen, wie Gottes Herz ist in der Bibel, wenn wir den ganzen Kontext der Bibel beachten.
Also Juda hat sich bewährt und hat das Vertrauen des Vaters sich erworben, und jetzt bringt Jakob dieses Vertrauen zum Ausdruck, indem er den Juda bestätigt. Und hier zeichnet sich schon die zukünftige Führungsrolle Judas ab. Ruben hat versagt, Simeon hat versagt, Levi hat versagt, Juda nicht. Juda hat anfangs versagt, aber er hat sich bekehrt. Juda, du bist es, sagt der Vater später. Und der Herrscherstab wird nicht weichen aus dem Hause Juda.
Er war der Führer, Juda war der Führer gewesen in der Sache, dem Vater den Sohn zu entziehen. Und Juda wird der Führer in der Sache, den Vater zum Sohne hinzuführen. Beide, Josef und Juda, sind also ein Prototyp auf Jesus Christus. Josef ein Prototyp auf den Herrn Jesus, der ja auch der Erstgeborene ist, der Herr Jesus, der auch in die Grube geworfen wurde, in die Grube des Todes, und der auch unschuldig gelitten hat. Und Juda, der Prototyp auf den Herrn Jesus, dem die Königsherrschaft gehört, der als König nach Jerusalem kam, und sie haben ihm gesagt: Wir wollen nicht, dass dieser über uns herrsche. Und er war bereit, stellvertretend für das Volk zu leiden. Er war bereit, er war nicht nur bereit, stellvertretend zu leiden, sondern er hat es auch getan, stellvertretend gelitten, der König für das Volk, der Bruder für die Brüder.
Also ein doppelter, wir haben hier einen doppelten Prototyp auf den Herrn Jesus, Josef und Juda. Und so wird der Josef im Kleinen, der seine Brüder zur Buße geführt hat, so wird der Herr Jesus im Großen seine jüdischen Brüder eines Tages zur Buße führen, die da noch leben, wenn sich die Juden bekehren bei der Wiederkunft Jesu Christi. Es ist auch natürlich ein bekanntes Bild, dass Josef auch da ein Prototyp ist auf den Herrn Jesus. Ich habe mal gezählt: über fünfzig Parallelen zwischen Josef und Jesus. Ich denke, wir machen hier jetzt Pause.