Serie•Teil 40 / 90Das Matthäusevangelium mit Roger Liebi
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Heilsgeschichtlicher Rahmen und Übergang zum neuen Abschnitt
Wir haben gesehen, dass das Gleichnis vom Schalksknecht eine wichtige heilsgeschichtliche Bedeutung in Bezug auf Israel hat. Wir haben auch den Zusammenhang zwischen 70 mal sieben und Daniel 9 gesehen. Interessant ist: Nach 70 mal sieben Jahren wird nach Daniel 9 die völlige Vergebung für Israel kommen.
Da haben wir eben diesen Schalksknecht. Er ist nicht für immer in der Pein, sondern das ist begrenzt, bis er ihm die ganze Schuld bezahlt habe. Jesaja 40,2 sagt aber, Israel habe quasi das Schuldgeld der Zucht Gottes abbezahlt. So gibt es eine Wiederherstellung für Israel und auch eine völlige Vergebung.
Jetzt kommen wir zu Kapitel 19, und da beginnt der sechste Teil im Matthäusevangelium. Sieben Teile gibt es, und der Heilige Geist hat das mit einer bestimmten Formulierung als Refrain klargemacht.
Lesen wir zunächst einmal die Verse 1 und 2: Und es geschah, als Jesus diese Reden vollendet hatte, begab er sich weg von Galiläa und kam in das Gebiet von Judäa jenseits des Jordan. Und große Volksmengen folgten ihm, und er heilte sie dort.
Ja, also diese Formulierung Und es geschah, als Jesus diese Reden vollendet hatte, hat der Heilige Geist benutzt, um im Matthäusevangelium einen neuen Teil zu markieren. Was wir vorhin in Kapitel 18 hatten, gehört ja zu einem größeren Teil, der seinen Anfang in Kapitel 13, Vers 53 genommen hatte.
Kannst du gerade auch noch vorlesen? Und es geschah, als Jesus diese Gleichnisse vollendet hatte, begab er sich von dort weg.
Jawohl, also sieht man diesen Refrain: Und es geschah, als Jesus diese Gleichnisse vollendet hatte. Und hier: Und es geschah, als Jesus diese Reden vollendet hatte. In Kapitel 13,53 begann der fünfte Teil. Da ging es um die Gottheit des Messias und die Autorität der Gemeinde. Das ist ein ganzer Block von Abschnitten, zusammengefasst.
Gehen wir noch ein bisschen zurück: Wo begann der vierte Teil? Das war Kapitel 11,1. Und es geschah, als Jesus seine Befehle an seine zwölf Jünger vollendet hatte, ging er von dort weg, um in ihren Städten zu lehren und zu predigen.
Ja, also auch da wieder: Und es geschah, als Jesus seine Befehle ... An der anderen Stelle hatten wir Gleichnisse, und an der anderen Stelle Reden vollendet hatte. Aber es ist ein klar erkennbarer Refrain mit kleinen Variationen. Da begann der Abschnitt Das Reich Gottes und seine Geheimnisse.
Ich will jetzt nicht alle sieben Teile noch aufzeigen, sondern einfach darauf hinweisen, wie klar das so gegliedert ist. Ab Kapitel 19, Vers 1 beginnt jetzt das Thema Dienst und Lehre in Jerusalem. Dieser Teil geht dann bis Kapitel 25 am Schluss.
Kannst du noch 26,1 lesen, wo der Teil sieben beginnt? Und es geschah, als Jesus alle diese Reden vollendet hatte, sprach er zu seinen Jüngern: Ihr wisst, dass nach zwei Tagen das Passa ist, und der Sohn des Menschen wird überliefert, um gekreuzigt zu werden.
Genau, also da beginnt es wieder damit: Und es geschah, als Jesus diese Reden vollendet hatte. Ab da haben wir das Thema der Verhaftung, Kreuzigung, Tod und Auferstehung. Und Lehre in Jerusalem. Darum wird auch hier gesagt, dass er von Galiläa weggeht, er kommt in das Gebiet von Judäa. Und da gibt es zunächst eine gewisse Konfrontation mit den Pharisäern.
Die Frage nach der Scheidung und ihr jüdischer Hintergrund
Lesen wir also Verse drei bis zwölf.
Und die Pharisäer kamen zu ihm, versuchten ihn und sprachen: Ist es einem Mann erlaubt, aus jeder Ursache seine Frau zu entlassen?
Er antwortete und sprach: Habt ihr nicht gelesen, dass der, der sie schuf, sie von Anfang an als Mann und Frau machte und sprach: Deswegen wird ein Mann den Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhangen, und die zwei werden ein Fleisch sein? Also sind sie nicht mehr zwei, sondern ein Fleisch. Was nun Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden.
Sie sagen zu ihm: Warum hat denn Mose geboten, einen Scheidebrief zu geben und sie zu entlassen?
Er spricht zu ihnen: Mose hat euch wegen eurer Herzenshärte gestattet, eure Frauen zu entlassen. Von Anfang an aber ist es nicht so gewesen. Ich sage euch aber: Wer irgendeine Frau entlässt, nicht wegen Hurerei, und eine andere heiratet, begeht Ehebruch. Und wer eine Entlassene heiratet, begeht Ehebruch.
Seine Jünger sagen zu ihm: Wenn die Sache des Mannes mit der Frau so steht, dann ist es nicht ratsam zu heiraten.
Er aber sprach zu ihnen: Nicht alle fassen dieses Wort, sondern die, denen es gegeben ist. Denn es gibt Verschnittene, die von Mutterleib so geboren sind, und es gibt Verschnittene, die von Menschen verschnitten worden sind, und es gibt Verschnittene, die sich selbst verschnitten haben um des Reiches der Himmel willen. Wer es zu fassen vermag, der fasse es.
Die Pharisäer kommen und fordern den Herrn heraus, und zwar in einer bestimmten Lehrfrage. Es geht um die Frage der Ehescheidung. Da muss man den Hintergrund kennen. Unter den Pharisäern gab es zwei verschiedene Meinungen über dieses Thema. Und zwar gab es unter den Pharisäern zwei Schulen: die Schule von Hillel und die Schule von Schammai.
Hillel war der Großvater von Gamaliel. Aus der Apostelgeschichte wissen wir ja, zum Beispiel aus dem Zeugnis von Paulus in Apostelgeschichte 22, dass er ein Schüler von Gamaliel war. Gamaliel war einer der größten Rabbiner in der Vergangenheit. Er kommt natürlich auch im Talmud vor, und Paulus war sein Schüler. Dieser Gamaliel war also der Enkel von Hillel, und das war die liberalere Richtung unter den Pharisäern.
Paulus kam von seinem Hintergrund her also nicht aus der strengsten Richtung der Pharisäer, sondern innerhalb der Pharisäer aus der liberaleren Schule. Und diese hatten einen Auslegungskonflikt über 5. Mose 24. Das müssen wir lesen, um das Problem zu verstehen, um das es hier geht.
Das Gesetz des Scheidebriefs und die Streitfrage der Auslegung
5. Mose 24,1-4
Wenn ein Mann eine Frau nimmt und sie heiratet und es geschieht, dass sie keine Gnade in seinen Augen findet, weil er etwas Anstößiges an ihr gefunden hat, dass er ihr einen Scheidebrief schreibt und ihn in ihre Hand gibt und sie aus seinem Haus entlässt, und sie aus seinem Haus geht und hingeht und die Frau eines anderen Mannes wird, und der andere Mann sie hasst und ihr einen Scheidebrief schreibt und ihn in ihre Hand gibt und sie aus seinem Haus entlässt, oder wenn der andere Mann stirbt, der sie sich zur Frau genommen hat, so kann ihr erster Mann, der sie entlassen hat, sie nicht wiedernehmen, dass sie seine Frau sei, nachdem sie verunreinigt worden ist. Denn das ist ein Gräuel vor dem HERRN, und du sollst das Land nicht in Sünde bringen, das der HERR, dein Gott, dir als Erbteil gibt.
Ja, hier haben wir also einen Gesetzestext über Ehescheidung. Und ganz wichtig, wie so oft im Gesetz Mose: Es ist ein Wenn-dann-Gesetz. Es geht also von einem bestimmten Fall aus. Wenn ein Mann eine Frau nimmt und sie heiratet, und es geschieht, dass sie keine Gnade in seinen Augen findet, weil er etwas Anstößiges an ihr gefunden hat, dass er ihr einen Scheidebrief schreibt. Also es wird eine bestimmte Situation beschrieben, und es wird nicht gesagt, diese Situation sollte sein, sondern: Wenn so etwas geschehen ist, was dann folgen muss.
Da gibt es ganz viele solche Gesetze. Und da kann man dann eben nicht ableiten: Ach so, das und das ist eigentlich von der Bibel hier erlaubt. Sondern es wird gesagt: Wenn das so und so ist, dann muss es so und so sein. Es ist ganz wichtig, dass man darauf achtet.
Es gibt Gebote im Gesetz, die sagen, so und so muss etwas sein. Und dann gibt es eine ganze Reihe von Gesetzen, die wurden gegeben, um einem Volk, das zuvor ein Sklavenvolk war, in einem heidnischen Land und moralisch orientierungslos war, klare Orientierung zu geben. Und da werden eben, wird manchmal ausgegangen von schlimmen Zuständen. Aber Gott regelt, wie in solchen schlimmen Zuständen dann gehandelt werden soll.
Und haben wir gemerkt: Wenn man das beachtet, wenn ein Mann ... dann wird hier nicht gesagt, er soll ihr einen Scheidebrief geben oder er soll sie entlassen. Sondern es wird gesagt: Wenn ein Mann eine Frau nimmt und er schreibt ihr einen Scheidebrief und sie geht weg und dann heiratet sie wieder, Vers 2, und sie geht aus seinem Haus und geht hin und wird die Frau eines anderen Mannes, und der andere Mann hasst sie, ist also immer noch die Fallbeschreibung, ja, und der andere Mann hasst sie, schreibt ihr einen Scheidebrief, jetzt bekommt sie schon einen zweiten, gibt ihn in ihre Hand und entlässt sie aus seinem Haus. Oder wenn der andere Mann stirbt, der sie zur Frau genommen hatte.
Und dann wird aber klargemacht: So kann ihr erster Mann, der sie entlassen hat, sie nicht wiedernehmen. Die ganze Gesetzesaussage ist: Wenn da eine Scheidung geschehen ist und falls diese Frau sich wieder verheiratet hat, dann aber der zweite Mann stirbt, dann darf sie nicht meinen, jetzt kann ich dann später vielleicht wieder zurück zum Ersten. Damit wird also hier eine Barriere geschoben, dass das Scheiden und Wiederverheiraten nicht beliebig werden kann. Also sie muss sich klar sein, und der Mann, der sie geheiratet hat, muss sich klar sein: Wenn er sie entlässt und sie heiratet jemand anderen, gibt es keine Situation mehr, wo es jemals wieder eine Wiederherstellung geben könnte. Das ist eigentlich die Gesetzaussage.
Aber jetzt gab es das Problem bei der Auslegung. Es heißt hier: Wenn ein Mann eine Frau nimmt und sie heiratet und es geschieht, wenn sie keine Gnade in seinen Augen findet, weil er etwas Anstößiges an ihr gefunden hat. Wörtlich steht im Hebräischen, sagt die Elberfelder CSV, die Blöße einer Sache. Also etwas Schändliches.
Und jetzt haben sie sich gefragt, diese Pharisäer: Was ist gemeint mit etwas Schändlichem? Die Schule von Schammai hat gesagt, damit ist gemeint, wenn sie außerehelichen Verkehr hatte, also wenn sie, die Bibel sagt, Hurerei begangen hat. Die Bibel nennt außerehelichen Verkehr Hurerei im Alten und Neuen Testament. Das Wort sanah im Alten Testament und das Wort porneia im Neuen Testament bezeichnet einfach außerehelichen Verkehr. Also: Etwas Anstößiges, sagt Schammai, das bedeutet, sie hat die Ehe in Tat gebrochen mit einem anderen Mann, und darum entlässt dieser Mann die Frau, die des Ehebruchs in Tat schuldig geworden ist, und schreibt einen Scheidebrief.
Aber die Schule von Hillel sagte: Nein, etwas Anstößiges ist doch eigentlich schon, wenn eine Frau das Essen verbrennt. Und im Prinzip könnte der Mann sie dann entlassen. Also irgendetwas im Alltag, was sie fanden, das ist eigentlich schändlich für eine Frau, und dann kann sie gehen.
Und das ist der Hintergrund, warum diese Pharisäer die Frage stellen. Er liest nochmals 19, Vers 3 in Matthäus:
Und die Pharisäer kamen zu ihm, versuchten ihn und sprachen: Ist es einem Mann erlaubt, aus jeder Ursache seine Frau zu entlassen?
Ja, also die Frage ist mit anderen Worten ausgedrückt: Hat Hillel Recht, oder müsste man sich doch eher nach Schammai ausrichten, dass eine Ehescheidung nicht möglich ist, mit der Ausnahme von Ehebruch?
Jesu Antwort: Rückkehr zum Schöpfungswillen Gottes
Und dann ist es interessant, wie der Herr Jesus auf diese Frage eingeht. Liest du nochmals Vers vier? „Er aber antwortete und sprach: Habt ihr nicht gelesen, dass der, der sie schuf, sie von Anfang an als Mann und Frau machte und sprach: Deswegen wird ein Mann den Vater und die Mutter verlassen und seiner Frau anhangen, und die zwei werden ein Fleisch sein?“
Da geht es um zu wenig Bibelkenntnis. Er sagt: „Habt ihr nicht gelesen?“ Also: Habt ihr die Bibel nicht richtig studiert, was da steht? Dieser Ausdruck kommt im Matthäusevangelium sechsmal vor. Der Herr machte nämlich diesen Vorwurf auch schon in Matthäus 12. Wenn wir kurz aufschlagen, da hatten Pharisäer die Jünger des Herrn verurteilt, weil sie am Sabbat Ähren abgepflückt hatten auf der Wanderung und das gegessen haben. Und da sagte der Herr Jesus in Matthäus 12,2-4: „Als aber die Pharisäer es sahen, sprachen sie zu ihm: Siehe, deine Jünger tun, was am Sabbat zu tun nicht erlaubt ist. Er aber sprach zu ihnen: Habt ihr nicht gelesen, was David tat, als ihn und die bei ihm waren hungerte? Wie er in das Haus Gottes ging und die Schaubrote aß, die er nicht essen durfte, noch die, die bei ihm waren, sondern allein die Priester?“
War das nicht erlaubt, am Sabbat zu ernten, Ähren abzubrechen? Das haben die Pharisäer gleichgesetzt mit Ernten. Und dann musste man sie ja noch zerreiben, das war dann schon Dreschen, und indem sie es noch in den Mund hatten, das war noch Speichern. Also sagen sie: Warum tun die Jünger etwas am Sabbat, was nicht erlaubt ist? Aber der Umstand war ja, die Jünger hatten Hunger. Es war in dem Sinne eine gewisse Notsituation. Und der Herr Jesus macht klar, es gibt eine Hierarchie der Gebote. Ein Gebot kann durch ein anderes Gebot überboten werden, nämlich das Gebot, die Sabbatruhe zu halten, kann überboten werden durch das Gebot, dass Leben erhalten werden muss.
Darum sagt der Herr: Habt ihr nicht gelesen? Und damit bezieht er sich auf 1. Samuel 21, was David tat, als ihn und die, die bei ihm waren, hungerte. Er ging nämlich zur Stiftshütte, und der Hohepriester hat ihm dann die Schaubrote gegeben, die nach der Tora, 3. Mose 24, nur gegessen werden durften von Priestern. Ja, aber das war ja ein Gebotsbruch. Ja, dieses rituelle Gebot, dass nur Priester Schaubrote essen durften, hat der Hohepriester überboten durch das Gebot, Leben zu erhalten. Und darum durften in der Notsituation David und seine Freunde das Brot essen.
Um diese Dinge zu erkennen, muss man die Schrift studieren. „Habt ihr nicht gelesen, was David tat?“ Und dann ein weiteres Mal, Vers fünf: „Oder habt ihr nicht in dem Gesetz gelesen, dass am Sabbat die Priester im Tempel den Sabbat entheiligen und doch schuldlos sind?“ Habt ihr nicht 3. Mose studiert? Dort ist es ja so, dass die Anweisungen in 3. Mose 24 und 4. Mose 28 klar machen, dass Priester auch am Sabbat arbeiten müssen. Ja, in 4. Mose 28 geht es ja um die Sabbatopfer. Die müssen arbeiten. Warum? Weil eben der Priesterdienst in der Hierarchie der Gebote höher steht als das Gebot des Sabbats. Und solche Dinge erkennt man nur, wenn man eben die Schrift studiert. Darum sagt er: Habt ihr nicht im Gesetz gelesen?
Eine ähnliche Situation hatten wir letztes Jahr zu behandeln. Da ging es um die Frage, wenn der Staat sagt, man dürfe jetzt eine gewisse Zeit nicht mehr im Gottesdienst singen, um möglichst nicht Aerosole stark zu verbreiten, war das eine Sünde, wenn Gemeinden sich an die Vorgabe der Obrigkeit hielten? Da gab es Leute, die gesagt haben: Das ist falsch, das ist Sünde, wenn man sich da der Obrigkeit beugt. Und da muss man sagen: Das Argument, nicht zu singen, war nicht, weil die Christen irgendwie bedrängt und zurückgedrängt werden sollten. Es war keine Christenverfolgung, sondern die Argumentation war: Regierungen suchten nach Möglichkeiten, wie kann man Leben retten? Sie kamen zur Überzeugung, das ist eine Methode, um Leben zu retten und schwere Krankheitsverläufe bei den gefährdeten Menschen zu vermeiden. Und da muss man sagen: Nein, das konnten wir ohne schlechtes Gewissen tun, denn das Gebot, Leben zu retten, ist höher als das Gebot, dass wir im Gottesdienst singen können.
Aber die haben uns nicht verboten, wir dürfen nicht mehr beten. Das geht gar nicht. Der König hat in Daniel 6, der medische Unterkönig, verboten, man darf so viele Tage lang nicht mehr zu Gott beten. Das geht gar nicht. Und nur noch vom König etwas erwarten, das ist Götzendienst. Dann wird der König gewissermaßen an die Stelle Gottes gesetzt. Das geht gar nicht. Aber die Überlegung, ja, wir verzichten da, damit wir Leben retten können, das entspricht dieser Hierarchie der Gebote. Und da kamen wirklich manche in Gewissensnot, und da konnte man helfen. Nein, man muss einfach die Schrift studieren. Es gibt diese Hierarchie der Gebote, und das steht da.
Der Herr hat also diesen Gegnern, diesen Pharisäern, den Vorwurf gemacht: Ihr studiert die Schrift nicht genug. Sonst hättet ihr es gewusst und hättet diese unschuldigen Jünger nicht verurteilt, als würden sie etwas Falsches machen. Denn sie sagten, die Jünger sündigen, und der Herr sagt: Nein, sie sündigen nicht.
Natürlich kann jemand sagen: Ja, aber Leben retten mit Singverbot, das geht ja gar nicht. Gut, das ist eine Frage der medizinischen Einschätzung. Dann hätten die, die dagegen sind, zuerst einmal Ärzte werden sollen, und zweitens hätten sie eben eine Position einnehmen sollen, wo sie die Regierung beraten können. Aber diese Autorität hatten sie nicht. Also war es eben an denen, die in dem Moment am Schalthebel waren und das ebenso bestehen konnten. Aber es geht um das Grundprinzip zu sehen, dass eben Gebote übergeordnet sein können.
Kann man noch eine Frage von da? Also, ich wiederhole die Frage: Wie kam es überhaupt, dass man sich da nicht im Klaren war über diesen Ausdruck anstößig in 5. Mose 24? Wir kommen gleich darauf zurück, das ist ja nur ein kurzer Exkurs, um zu sehen: Diese Stellen, wo der Herr sagt: „Habt ihr nicht gelesen?“
Eine weitere Stelle, wo der Herr sagt: „Habt ihr nicht gelesen?“, ist Kapitel 19, Vers 4, nämlich die, an der wir dran sind. Und da führt der Herr jetzt nicht zurück auf 1. Samuel 21, auch nicht auf 3. Mose, sondern auf welches Buch? 1. Mose. Er sagt: „Habt ihr nicht gelesen, dass der, der sie schuf, sie von Anfang an als Mann und Frau schuf?“ Also er nimmt Bezug auf 1. Mose 1, und 1. Mose 1 beginnt ja mit dem Wort auf Hebräisch Bereschit, ein Wort: „Im Anfang“. Und der Herr sagt, dass er sie schuf von Anfang an, das ist Bereschit, auch ein Wort auf Hebräisch. Also er sagte da Bereschit und bezieht sich eben auf das Buch, das man in der hebräischen Bibel nennt: Bereschit. Habt ihr das nicht studiert, dann würdet ihr eigentlich da schon mal die grundsätzlichen Dinge wissen.
Und eine weitere Stelle: Kapitel 21,16. Da haben sich die Schriftgelehrten geärgert, dass Kinder im Tempel geschrien haben: „Hosianna dem Sohn Davids!“ Sie haben also den Herrn Jesus als Messias begrüßt, Kinder im Tempel. Und dann sagt der Herr auf die Frage der Pharisäer: „Hörst du, was diese sagen?“ Sie wurden unwillig und waren gegen diese Kinder. Und der Herr unterstützt die Kinder und sagt: „Jesus aber spricht zu ihnen: Ja, habt ihr nie gelesen: Aus dem Mund der Unmündigen und Säuglinge hast du dir Lob bereitet?“ Ja, er zitiert aus einem Psalm, ein messianischer Psalm, wo eben steht, dass Kinder den Messias loben werden. Und genau das ist geschehen da im Tempel.
Ja, nächste Stelle, Vers 42, im gleichen Kapitel: „Jesus spricht zu ihnen: Habt ihr nie in den Schriften gelesen: Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, dieser ist zum Eckstein geworden. Von dem Herrn ist dies geworden, und es ist wunderbar in unseren Augen.“ Ja, also der Herr macht den Vorwurf: Habt ihr die Psalmen zu wenig genau gelesen? Dort steht ja: „Der Stein, den die Bauleute verworfen haben.“ Und zwar geht es im Zusammenhang darum, dass der Herr Jesus im Gleichnis beschreibt, wie er, der Sohn Gottes, von seinem Volk verworfen werden sollte. Und dann zitiert er hier Psalm 118.
Und man muss Folgendes wissen: Die Bauleute, das war damals, vor zweitausend Jahren in Israel, ein Ausdruck zur Beschreibung von Bibellehrern. Das waren die Bauleute. Wir sprechen bei einer guten Predigt von Auferbauung. Ja, warum? Weil eben eine Predigt die Arbeit eines Bauenden ist. Bauleute sind solche, die bauen, Bibellehrer. Und dann sagt der Herr: „Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, dieser ist zum Eckstein geworden.“ Da macht er klar, dass also gerade diese Bibellehrer damals, die sich gegen den Herrn Jesus gestellt haben, daran waren, den Messias, den Stein, zu verwerfen.
Dann gibt es noch eine Stelle in Kapitel 22, Vers 31: „Was aber die Auferstehung der Toten betrifft, habt ihr nicht gelesen, was zu euch geredet ist von Gott, der spricht: Ich bin der Gott Abrahams und der Gott Isaaks und der Gott Jakobs? Gott ist nicht Gott der Toten, sondern der Lebendigen.“ Da geht es also um eine Auseinandersetzung mit den Sadduzäern, und die haben ja behauptet, es sei mit dem Tod alles aus. Es gibt kein Weiterleben nach dem Tod, und es gibt auch keine Auferstehung. Und weiter haben die Sadduzäer gesagt, nur die fünf Bücher Mose seien von Gott inspiriert, alle anderen Bücher des Alten Testaments nicht.
Und jetzt geht es da im Zusammenhang dieser Diskussion um die Frage der Auferstehung. Jetzt konnte der Herr Jesus natürlich nicht aus Daniel 12 zitieren, wo steht, wie die Toten auferstehen werden, oder aus dem Buch Hiob, wo Hiob sagt: „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt, und ist diese Haut da zerstört, so werde ich Gott aus meinem Leib anschauen.“ Da spricht er gerade über das Sterben und dann auch die Auferstehung. Und das war für sie alles kein Beweis. Er konnte auch nicht Jesaja 27 anführen: „Deine Toten werden aufstehen.“ Und so hat er sich eben darauf eingelassen und nur aus den fünf Büchern Mose argumentiert. Er hat gesagt: „Habt ihr nie gelesen, in 2. Mose 3 hat Gott zu Mose gesagt: Ich bin der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs.“
Ja, aber das war ja einige Jahrhunderte, nachdem die schon gestorben waren. Und wenn also seit Jahrhunderten Abraham nicht mehr existent war, also nicht nur sein Leib im Grab, sondern auch keine Seele, kein Geist im Paradies, keine Existenz, dann kann Gott nicht Jahrhunderte später sagen: Ich bin der Gott Abrahams, ich bin der Gott Isaaks und der Gott Jakobs. Er sagt: Gott ist nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebendigen. Und hier meint also lebendig: die noch existieren. Und so kann der Herr also aus 2. Mose 3 den Beweis antreten, es gibt ein Weiterleben nach dem Tod. Aber da muss er sagen: Habt ihr das nie gelesen? Und dann nicht einfach darüber hinweglesen, sondern überlegen: Ach so, wenn Gott da sagt: Ich bin der Gott Abrahams, und Abraham existiert nicht mehr. Das geht gar nicht!
Ja, und haben wir gemerkt: Alle diese Stellen zusammen, da hat der Herr in Matthäus 12 aus den Propheten zitiert. Das Alte Testament ist ja eingeteilt in Tora, das Gesetz, dann die Nevi'im, die Propheten, das sind die vorderen Propheten: Josua, Richter, Samuel, Könige. Und dann sind die hinteren Propheten unsere eigentlichen Prophetenbücher: Jesaja, Jeremia usw. Und dann der dritte Teil, die Ketuvim, das sind die Schriften. Das beginnt mit Psalmen, aber da ist auch Hiob drin und Sprüche und Hohes Lied usw. Und der Herr zitiert also in all diesen Stellen aus der Tora, dem Gesetz, aus den Nevi'im, den Propheten, und aus den Ketuvim, nämlich den Schriften, den Psalmen, wie wir gesehen haben.
Interessant also: Im Zusammenhang mit dem gesamten Alten Testament sagt der Herr: „Habt ihr nicht gelesen?“
Die Schöpfungsordnung als Maßstab für die Ehe
Und da geht er jetzt zurück zu Matthäus 19. Er geht also zurück auf die Schöpfung und klärt die Sache der Ehescheidung vom Ursprung her. Dabei macht er klar: Gott hat von Anfang an den Plan gehabt, Mann und Frau zusammenzufügen.
Und zwar schon im Schöpfungsbericht selbst. In Vers 5 heißt es: Deswegen wird ein Mann den Vater und die Mutter verlassen und seiner Frau anhangen, und die zwei werden ein Fleisch sein. Also Gott hat geplant, dass zwei Menschen, und zwar ein Mann und eine Frau, zusammen ein Fleisch werden.
Interessant ist, dass Elberfelder noch eine Fußnote bei „Mann und Frau“ hat. Wörtlich sieht das jemand? Der Herr und die Frau? Hast du eine andere Fußnote da? Das stimmt: männlich und weiblich. Ja, wörtlich: männlich und weiblich.
Das ist übrigens dasselbe in 1. Mose 1, wo es heißt, dass Gott sie schuf, Mann und Frau. Es steht eigentlich nicht das Wort Mann und das Wort Frau, „Isch“ und „Ischah“, sondern es steht das Wort Sachar und Nekewa, das ist männlich, weiblich. Also die Betonung wird wirklich auf das biologische Geschlecht gelegt. Das wird betont.
So hat Gott die Menschheit erschaffen: männlich und weiblich. Und die Verbindung, die sexuelle Verbindung, geht nur zwischen männlich und weiblich nach der Bibel. Da steht es. Und der Herr macht das ihnen klar und sagt: Die zwei werden ein Fleisch sein, nicht die drei. Damit ist alles andere von der Schrift hier verurteilt, also keine Polygamie. Jegliche Abweichung davon widerspricht Gottes Schöpfungsplan.
Das stellt der Herr hier vor. Und dann kommt der Grundsatz in Vers 6: Also sind sie nicht mehr zwei, sondern ein Fleisch. Und die Folge ist: Was nun Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden. Er sagt damit, Ehescheidung ist eigentlich in Gottes Ratschluss kein Thema. Schon erledigt.
Und die sind ja ausgegangen: Kann ein Mann aus jeder Ursache die Frau entlassen? Ganz grundsätzlich will Gott gar keine Ehescheidung. Das ist sein Plan. Das darf der Mensch nicht wieder trennen.
Und „zusammengefügt“ heißt nicht, dass jemand sagen kann: Ja gut, also ich war damals so jung und unüberlegt, und ich hätte die Frau eigentlich nie heiraten dürfen. Und zwar aus ganz klaren Gründen: Sie ist schon rein menschlich auf einer völlig anderen Ebene. Da gibt es eigentlich nichts, was uns verbindet. Aber ich war halt damals so dumm und hätte nie geheiratet. Aber das war ja eben nicht Gottes Wille, und Gott hat uns nicht zusammengefügt, und darum kann man das wieder scheiden.
Das geht gar nicht. Denn was hier gemeint ist mit „was nun Gott zusammengefügt hat“, das heißt eben das, was Gott in seinem Ratschluss bestimmt hat: dass ein Mann, der männlich ist, eine Frau, die weiblich ist, heiraten, ein Fleisch werden, und dass das gewissermaßen zusammengefügt ist nach Gottes Plan, nach dem Schöpfungsplan.
Also auch eine Ehe, wo man sagen müsste, im Nachhinein: Das hatte ich aus Unüberlegtheit gemacht. Oder das hatte ich damals gemacht, weil der Mann so überzeugt war, dass wir zusammengehören. Ich war nie überzeugt. Ja, trotzdem gilt der Grundsatz: Sie sind zusammengefügt von Gott, und eine geschlossene Ehe ist vor Gott geschlossen und gültig.
Die Grenze der Erlaubnis und die Härte des menschlichen Herzens
Ja, und dann sind sie nicht zufrieden. Das hat der Herr einfach so zuerst als Grundsatz vorgestellt. Und dann sagen sie: Liest du nochmals Vers sieben? Sie sagen zu ihm: Warum hat denn Mose geboten, einen Scheidebrief zu geben und sie zu entlassen?
Und die Antwort des Herrn? Er spricht zu ihnen: Mose hat euch wegen eurer Herzenshärte gestattet, eine eurer Frauen zu entlassen. Von Anfang an aber ist es nicht so gewesen.
Aha, sehen wir, wie falsch sie die Bibel gelesen haben. Sie sagen: Warum hat denn Mose geboten, einen Scheidebrief zu geben? Und wir haben doch genau gelesen, 5. Mose 24, und wir haben darauf geachtet: Es ist ein Wenn-dann-Gesetz. Und es gab keinen Befehl von Mose: Ihr schreibt einen Scheidebrief, und dann könnt ihr sie gehen lassen. Sondern er sagt: Wenn ein Mann eine Frau nimmt und er findet etwas Schamwürdiges und er entlässt sie, gibt ihr einen Scheidebrief, dann ist das nicht ein Befehl.
Also, Mose hat nicht befohlen. Aber er sagt dann in Vers 8: Mose hat euch wegen eurer Herzenshärte gestattet. Also, man muss anstreichen: Vers 7 geboten und Vers 8 gestattet, und das ist der Gegensatz. Sie meinen, das sei geboten, und der Herr sagt: Nein, das ist quasi zugelassen. Er sagt: Wenn das so ist, dann aber, dann nicht anders. Das sind die Verhältnisse.
Man muss wirklich genau lesen, sonst kommt man auf ganz verheerend falsche Schlüsse. Und jetzt kommt noch die Frage von Christoph: Warum war das überhaupt eine so offene Frage? Nun, das Wort etwas „Schamwürdiges“ ist vielleicht vom Wort her nicht so eindeutig, und darum gab es dann diese Diskussionen. Aber man muss sagen: Wenn man die ganze Schrift studiert, ist es eindeutig, dass man eine Frau nicht aufgrund von irgendetwas entlassen kann, sondern der Herr sagt: aufgrund von Ehebruch. Und er unterstützt die pharisäische Ansicht von Schamaj, von der strengen Schule.
Schauen wir uns das nochmals an: Matthäus 19,9. Ich sage euch aber: Wer irgendeine Frau entlässt, nicht wegen Hurerei, und eine andere heiratet, begeht Ehebruch; und wer eine Entlassene heiratet, begeht Ehebruch.
Ja, also das ist genau die Lehre von Schamaj. Eine Entlassung geht nur aufgrund von Hurerei, also vollzogenem Ehebruch. Und jetzt geht es um die Frage der Wiederverheiratung. Wir haben gesehen, in 5. Mose 24: Eine Frau wird entlassen aufgrund von etwas Schamwürdigem, aber das ist Ehebruch, und sie geht weg und heiratet einen anderen. Und der Herr sagt: Wer irgendeine Frau entlässt, nicht wegen Hurerei, also sagen wir wegen des verbrannten Essens, und dann denkt: Jetzt bin ich geschieden, jetzt kann ich wieder heiraten, dann begeht er Ehebruch. Das ist klar. Das kann er nicht.
Und das war natürlich vor zweitausend Jahren sehr verbreitet. Ehebruch war nicht verbreitet, weil diese Generation damals von der Bibel geprägt war. Und: Du sollst nicht ehebrechen – in den Zehn Geboten – das war eigentlich jedem klar. Also, dass der außereheliche Verkehr eine Sünde war, eine schwere Sünde war und nicht möglich war, ja. Aber durch diese falsche, durch diese Irrlehre, muss man sagen, von Hillel kam sie auf die Idee, man kann ziemlich locker die Ehe wieder auflösen und dann wieder heiraten. Und dann, je nachdem, man wieder so etwas Falsches im Haushalt macht, kann man ja wieder eine andere heiraten.
Und darum sagt der Herr hier: Wer seine Frau entlässt, nicht wegen Hurerei, und eine andere heiratet, begeht Ehebruch; und wer eine Entlassene heiratet, begeht Ehebruch. Also es war der Normalfall, dass die entlassenen Frauen, die geschiedenen Frauen damals, aus einem von der Bibel her nicht haltbaren Grund entlassen worden waren. Und darum, wenn man eine solche geheiratet hat, sagt der Herr, hat man durch diese neue Verbindung, durch diesen Geschlechtsverkehr in der neuen Ehe, grundsätzlich die Ehe, die vor Gott eigentlich eben nicht aufgelöst ist, gebrochen.
Aber wichtig ist eben, dass der Herr sagt, als Ausnahmeklausel: nicht wegen Hurerei. Also, wir können den Satz nochmals lesen ohne die Klausel: Wer irgendeine Frau entlässt und eine andere heiratet, begeht Ehebruch. Ist klar, geht nicht. Wiederverheiratung unmöglich. Aber der Herr sagt: Wer irgendeine Frau entlässt, nicht wegen Hurerei, und eine andere heiratet, begeht Ehebruch. Damit sagt er: Wenn Hurerei vorliegt, dann ist der Fall von Schamaj vorhanden. Dann wäre grundsätzlich die Wiederverheiratung nicht ein Ehebruch.
Und in der Bergpredigt hatten wir das ja schon früher: Matthäus 5,31. Lies bitte, Vers 31, Sven.
Es ist aber gesagt: Wer irgendeine Frau entlässt, gebe ihr einen Scheidebrief. Ich aber sage euch: Jeder, der seine Frau entlässt, außer aufgrund von Hurerei, bewirkt, dass sie Ehebruch begeht; und wer irgendeine Entlassene heiratet, begeht Ehebruch.
Ja, also da sagt der Herr: Es ist aber gesagt. Und da kommt nicht ein Bibelzitat, sondern das wird so allgemein gesagt: Wer irgend seine Frau entlässt, gebe ihr einen Scheidebrief. Also sie dachten, das Wichtigste ist einfach die Sache mit dem Scheidebrief, und dann kann man scheiden, wie man will. Und dann stellt sich der Herr dagegen und sagt: Ich aber sage euch: Jeder, der seine Frau entlässt, außer aufgrund von Hurerei, bewirkt, dass sie Ehebruch begeht.
Also, das heißt: Wenn jemand seine Frau entlässt und es liegt keine Unzucht vor, dann macht er, dass sie das Gefühl hat: Ja, jetzt bin ich frei, weil ich bin geschieden, jetzt kann ich einen anderen heiraten. Und darum sagt der Herr: Wer das macht, die Frau entlässt, bewirkt, dass sie Ehebruch begeht, weil sie meint, jetzt bin ich frei, heiratet einen und bricht die Ehe, die ja vor Gott Gültigkeit hat.
Und sehen wir, da sind eigentlich sogar zwei Seiten gezeigt. Hier in Matthäus 5 geht es um die Frau: Jeder, der seine Frau entlässt, außer aufgrund von Hurerei, bewirkt, dass sie Ehebruch begeht. Und in Matthäus 19 ist die andere Seite: Wer aber irgendeine Frau entlässt, nicht wegen Hurerei, und eine andere heiratet, begeht Ehebruch.
Die seltene Anwendung der Todesstrafe und die Frage nach 1. Korinther 7
Wie ist es normalerweise? Es wäre doch gemäß dem Gesetz so, dass, wenn ein Ehebruch stattfindet, die beiden gesteinigt werden müssen. Das ist eine Sünde zum Tode. Also eigentlich dürfte das mit dieser Wiederverheiratung und dann Wiederzurückheiratung ja überhaupt kein Thema sein. Man würde also denken: Weil das Gesetz Moses sagt, auf Ehebruch steht die Steinigung, dann müsste das eigentlich gar kein Thema sein.
Aber es war doch ein Thema. Und zwar muss man wissen: Auch vor zweitausend Jahren wissen wir um die Verhältnisse des Sanhedrins sehr genau Bescheid. Im Talmud zum Beispiel wird gesagt, dass eine Steinigung sehr, sehr selten vorkam. Damit man eine Todesstrafe aussprechen konnte, mussten die Beweise ganz klar da sein. Es mussten mindestens zwei Augenzeugen vorhanden sein. Und es gab noch mehr Dinge, die eine Todesstrafe ganz leicht verhindern konnten.
So muss man sich das also ganz konkret vorstellen: Die Todesstrafe wurde nicht an der Tagesordnung eingesetzt, sondern sehr selten. Und wenn das dann eben nicht ganz klar nach diesen juristischen Vorgaben belegt werden konnte, waren die Hände gebunden. Dann war das eben doch ein Thema.
Ja, und so stellt sich dann aber noch die Frage: Ja, aber in 1. Korinther 7 klingt das ganz anders. In 1. Korinther 7 spricht der Apostel Paulus über Ehe und auch über Eheprobleme. Auch über Ehescheidung. Und was steht da in Kapitel 7, Vers 10? Den Verheirateten aber gebiete nicht ich, sondern der Herr, dass eine Frau nicht vom Mann geschieden werde. Wenn sie aber auch geschieden ist, so bleibe sie unverheiratet oder versöhne sich mit dem Mann, und dass ein Mann seine Frau nicht entlasse.
Ja, jetzt müssen wir also sehen: Der Apostel Paulus sagt genau das Gleiche wie der Herr Jesus, das kann ja nicht anders sein, in Vers 10. Also: Ehescheidung geht nicht. Und das ist auch ganz wichtig. In Maleachi 2 sagt Gott auch schon im Alten Testament, diese Stelle sollte man sich auch aufschreiben, dass Gott Ehescheidung hasst. Maleachi 2,16: Denn ich hasse Entlassung, spricht der Herr, der Gott Israels.
Also: Gott hasst, Gott will Ehescheidung nicht.
Paulus, konkrete Gemeindefragen und der Weg zur Versöhnung
Jetzt aber: In Vers 11 von 1. Korinther 7 sagt der Apostel Paulus: Wenn sie aber auch geschieden ist, so bleibe sie unverheiratet oder versöhne sich mit dem Mann.
Jetzt muss man sich natürlich klar vorstellen: Der Apostel Paulus kam in diese heidnische Welt von Korinth, und da kamen ganz viele zum Glauben. Und die hatten eben ein sehr schwieriges Leben in der Vergangenheit. Und jetzt eine Frau, die eben geschieden war, und jetzt ist sie aber gläubig: Wie soll sie sich jetzt verhalten?
Und da sagt Paulus, und zwar als Antwort auf konkrete Fragen. In 1. Korinther 7, Vers 1 wird das Kapitel nämlich so eingeleitet: Was aber das betrifft, wovon ihr mir geschrieben habt: So ist es gut für einen Menschen, keine Frau zu berühren. Danke! Also, sie haben ihm einen Brief geschrieben und hatten konkrete Fragen gestellt, und auf diese konkreten Fragen geht der Apostel Paulus ein.
Und jetzt sagt er im Blick auf eine Frau: Wenn sie aber auch geschieden ist, so bleibe sie unverheiratet oder versöhne sich mit dem Mann.
Jetzt kommt die Frage auf: Also hier gibt es gar keine Möglichkeit für eine Wiederverheiratung? Entweder sie bleibt so ehelos als Geschiedene, oder es gibt eine Versöhnung mit dem Mann.
Ja, wenn eben im konkreten Fall die Frau entlassen worden war, nicht aufgrund von Ehebruch, dann gab es eben keine Möglichkeit für eine Wiederverheiratung. Und darum sagte er: Dann soll sie eben ehelos bleiben oder eine Versöhnung anstreben.
Und das gibt es, das gibt es, dass also Ehen, die so in zwei gegangen sind, dass die wieder geheilt wurden, was dann beim zweiten Mal funktioniert hat. Man muss eben investieren, sonst geht es nicht. Und wenn einem das so vor Augen steht, eben: Gott hasst Ehescheidung, dann kommt man eben auch nicht auf die Idee, wenn es irgendwelche Schwierigkeiten gibt, eben der Mann denkt nicht gleich wie die Frau. Übrigens, das Umgekehrte gibt es auch. Und da ist es gar keine Option, gar kein Gedanke, überhaupt könnten wir auseinandergehen. Nein, da gibt es nur eines: jetzt arbeiten und zusammenbringen und das Problem lösen und so weiter. Und eben auch vergeben, wenn jemand Klage hat gegen den anderen. Auch vergeben, wenn der Ehemann das im Moment nicht einsieht oder die Frau das im Moment etwas nicht einsieht. Aber mit diesen Hilfsmitteln, die uns das Wort gegeben hat, können wir eben zerrüttete Ehen sogar retten. Und da ist also überhaupt kein Thema Ehescheidung.
Aber grundsätzlich zeigt uns das Wort: Jawohl, es gibt den Fall von vollzogenem Ehebruch, also nicht in Gedanken, sondern vollzogen. Und das ist eigentlich ein Angriff auf die Grundlage der Ehe. Das ist so, kann man sagen, eine Sünde, die so zutiefst gegen die bestehende Ehe geht, dass Gott sagt: In diesem Fall ist es möglich. Aber auch da sagt er nicht, es soll. Auch eine solche Situation kann gerettet werden. Und auch das haben wir erlebt, gesehen, wie das wirklich geht, dass auch da Vergebung und Wiederherstellung möglich ist.
Aber was uns das Wort eben grundsätzlich zeigt: Wenn es zu einer Ehescheidung kommt, dann muss dieser Tatbestand vorliegen. Das muss vorliegen, sonst ist es absolut unmöglich. Das ist die einzige Ausnahme, die uns das Wort so klar vorstellt.
Die Reaktion der Jünger und die Bedeutung der Ehelosigkeit
Und schlimm ist dann die Reaktion in Vers 10 von den Jüngern. Ja, David? Die Frage sei korrekt tätig, so dass keine Influcht vorliegt, wegen dieser ungenotliebigen oderstigen Persönlichkeit. Es könnte ja auch sein, wenn es Hurei gsi ist und entscheidend, dann ist es immer noch so mit der Persönlichkeit.
Aber du sagst, 1. Korinther 7, die Möglichkeit wäre, es lag effektiv Unzucht vor, und jetzt wäre ja die Möglichkeit, dass die Frau wieder zurückgeht. Aber der Apostel Paulus sagt eben hier nur diese Option: entweder ehelos oder Versöhnung. Aber die dritte Option, die grundsätzlich möglich wäre, ohne die jetzt zu ermutigen, wäre nach Matthäus 19 und Matthäus 5: Wenn Ehebruch vorliegt, dann wäre es im Prinzip möglich, dass diese Frau sich wieder verheiraten könnte. Aber diese Option ist eben nicht da. Und warum? Man darf nicht die Stellen gegeneinander ausspielen, sondern es muss am Schluss wie ein Puzzle aufgehen. Und es geht auf, wenn man daran denkt: Die haben Fragen gestellt über konkrete Situationen, der Apostel Paulus gibt Antwort und sagt: ehelos oder versöhnen. Und dann ist klar, da lag eben nicht vollzogener Ehebruch vor.
Und wenn es vollzogener Ehebruch vorlag, dann wäre mitheiraten sind immer gemeint für denjenigen, der nicht Ehebruch vollzogen hatte, sondern der betrogen wurde. Der darf sich wieder verheiraten. Und der andere, der früher mal überdurchging, das wird es auch schlimm, die dann wieder verheiratet hat.
Also es ist so: Du sagst also, hängt das jetzt ab von der Schuldfrage. Also darf nur der Unschuldige teil, wobei, das ist ja klar, in jedem Ehekonflikt gibt es immer zwei Schuldige. Aber hier geht es ja um die Schuldfrage des Ehebruchs, und da gibt es einen Unschuldigen, einen Schuldigen. Der Herr sagt aber nicht: Der Unschuldige darf, der Schuldige darf nicht. Sondern er macht vielmehr klar: Durch die Sünde des Ehebruchs ist das Eheband im Grundsatz verletzt, aber nicht aufgelöst. Darum sage ich immer: verletzt, im Grundsatz verletzt. Aber dann besteht also die Möglichkeit, dass eben die Ehe aufgelöst werden kann, und diese Auflösung ist vor Gott anerkannt.
Aber wenn eben eine Auflösung stattfindet aus anderen Gründen, Streit oder Unerträglichkeit, dann ist es nicht etwas, was vor Gott gilt. Und darum gäbe es nur die Möglichkeit der Versöhnung und dass die Sache wieder ganz neu auch vor dem Standesamt geklärt wird und festgemacht wird.
Ja, und die Jünger reagieren, als wären sie Jünger von Hillel. Seine Jünger sagen zu ihm: Wenn die Sache des Mannes mit der Frau so steht, dann ist es nicht ratsam zu heiraten. Was ist das für ein Einfluss der Welt, und zwar der religiösen Welt von damals. Ja, wenn das also so ist, dass die Frau nicht aufgrund von irgendetwas gehen lassen kann, nur wenn Ehebruch da wäre, würde man besser eigentlich gar nie eine Ehe eingehen. Furchbar!
Aber eben, sie waren in der Schule des Herrn, und der Herr hat sie in diesen drei Jahren eines öffentlichen Dienstes geschult. Und dann waren sie wirklich in der Apostelgeschichte Diener, die die klare Lehre des Herrn, die Lehre der Apostel, verkündigt haben. Aber da sehen wir, wie man so schnell vom Zeitgeist und vom Empfinden des Zeitgeistes als Gläubiger beeinflusst werden kann oder beeinflusst ist.
Und dann sagt der Herr nicht: Alle fassen dieses Wort, sondern die, denen es gegeben ist. Und dann spricht er über drei Möglichkeiten von Verschnittenen: von Mutterleib an, von den Menschen und selber um des Reiches Gottes willen. Was ist da gemeint?
Das Wort Verschnittener, es gibt Verschnittene, ist im Griechischen das Wort Oinuch. Was waren Oinuchen im Altertum? Das waren Diener, Diener oder die man entmannt hatte, die entmannt waren, kastriert. Und da waren Diener, und oft gerade bei Königen in hohen Positionen. Durch die Kastration, das heißt also die Entfernung der Hoden, da geht dann eben auch das männliche Hormon eben hat man dann nicht mehr in dieser Weise wie vorher. Das heißt also, auch die männliche Aggression, die geht zurück, die wird ein Charakter ganz anders. Viel weicher, nachgiebiger, und der Geschlechtstrieb geht weg. Und darum wurden die gerne von Königen eingesetzt, dass die quasi für das Harem besorgt waren. Der König musste keine Angst haben, dass die irgendwie da etwas Schlimmes tun könnten. Und die haben also zum Teil ganz hohe Positionen bekommen.
Bei den alten Chinesen war es übrigens noch schlimmer. Die haben nicht nur die Hoden entfernt, sondern sogar das Geschlechtsteil, das männliche, abgeschnitten. Furchtbar, und viele sind gestorben. Aber die, die überlebt haben, die haben zum Teil eben eine sehr hohe Karriere gemacht, also ganz übel.
Aber wir finden ja auch im Alten Testament Eunuchen, eben das waren solche hohen Beamte von heidnischen Königen. Die Tora hat das verboten, also Kastration ist in 5. Mose verboten, 5. Mose 23, das geht gar nicht. Aber der Herr sagt, es gibt solche, die sind Eunuchen von Mutterleib an. Und das Wort Eunuch hat dann übrigens auch die allgemeine Bedeutung von jemandem, der eben ehelos ist, eheloser, aber weil er auch eher unfähig ist. Ja, jetzt hat man es verstanden, das Wort verschnitten heißt eigentlich eher unfähiger.
Und der Herr sagt, es gibt drei Gründe hier: von Mutterleib an, so geboren, oder Menschen sind daran schuld, oder es ist eine Entscheidung für das Reich Gottes. Und von Mutterleib an heißt also, es gibt Gebrechen von Mutterleib an, die machen es unmöglich, dass jemand schließlich eine Ehe eingehen kann. Das sind ganz verschiedene Gründe, die es da gibt. Und der Herr sagt, das ist ein Grund, aber es gibt auch Menschen, die sind durch Schuld von anderen Menschen z. B. eheunfähig geworden. Und das ist ein ganz schreckliches Thema, wenn man denkt, was da für Schuld auch in unserer Gesellschaft im Verborgenen da ist, dass Menschen schließlich eben, weil sie verführt worden sind oder eben so als Kind missbraucht worden sind, dass sie nicht mehr fähig wären, eine Ehe zu führen.
Und dann gibt es eben solche, wie der Apostel Paulus in 1. Korinther 7 von sich selber sagt, dass er, weil er die Befähigung von Gott bekommen hat, ohne da übermäßig zu leiden, sich für die Ehelosigkeit entschieden hat, um eben mehr Kraft und Zeit für das Reich Gottes einsetzen zu können. Und das ist dann die, die sich um des Reiches der Himmel willen verschnitten haben.
Und das sagt der Herr als Antwort auf die Jünger, die sagen: Heiraten wir nicht. Aber dort ist es, weil sie dachten: Also wenn man Probleme hat, dann muss man doch irgendwie sich scheiden können. Das ist kein Grund, um nicht den Weg der Ehe zu gehen. Das ist Faulheit, um Probleme zu lösen. Aber es gibt eben handfeste Gründe für Ehelosigkeit.
Israel als Bild der Ehescheidung und der Wiederherstellung
Ja, also so viel zu dem traurigen Thema. Aber hier zeigt der Herr auch Perspektiven, die wir vor Augen haben müssen.
Obwohl Gott von Anfang an die Ehe geplant hat, als Verbindung zwischen einem Mann und einer Frau, gibt es doch verschiedene Gründe, die dazu führen, dass jemand nicht diesen Weg geht. Und das ist auch ein positives Thema: eben ehelos den Weg zu gehen, aber dafür umso mehr die Kraft und Energie, die man hat, dem Herrn zur Verfügung zu stellen.
Aber noch etwas Wichtiges: zwei Stellen, die ich noch angeben möchte, zum Aufschreiben: Jesaja 50,1 und Jeremia 3,8.
Im Alten Testament wird Israel ja bildlich als die Frau Gottes gesehen. Gott hat Israel aus Ägypten herausgeführt, und der Bund am Sinai wird bildlich gesehen als ein Ehebund verstanden. Aber Israel ist in Götzendienst verfallen, hat sich also mit anderen Göttern verbunden. Das wird zum Beispiel im Buch Hosea sehr oft genannt: Hurerei. Israel hat Hurerei getrieben, das heißt also, die Ehe gebrochen.
Und dann lesen wir in Jesaja 50 und in Jeremia 3,8, dass Gott Israel einen Ehescheidungsbrief gegeben hat. Gott hat Israel entlassen. Und in Hosea 1 wird gesagt, dass Gott sein Volk, das früher Ammi hieß, jetzt Lo-Ammi nennt: nicht mein Volk.
Also wird das aus 5. Mose 24 effektiv aufgenommen und anhand von Israel gezeigt, dass Gott selber die Ehescheidung gewählt hat und Israel seinen Weg gehen ließ. Aber das Wunderbare ist, dass Gott sagt, dass er sie wieder zurückholt. In Jesaja 54 sagt er zu ihr, als sturmbewegter, verlassener Frau, die dann eben in Einsamkeit gekommen ist, dass er sie wieder zurückholt.
Also sie hat in der Zwischenzeit nicht nochmals geheiratet, ja, aber sie war entlassen, und wir sehen: Es gibt eine Wiederherstellung. Aber das ist sehr wichtig, um zu zeigen, dass Gott selber diesen Weg der Ehescheidung gegangen ist aufgrund des schrecklichen Götzendienstes von Israel. Aber er zeigt auch den Weg der Wiederherstellung Israels.
Ja, dann wollen wir hier für heute schließen.
Vielen Dank an Roger Liebi, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
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