
Die 5 Säulen des Calvinismus im prüfenden Licht der Bibel – 1. Säule: Totale Verdorbenheit (Vortrag 2)
Serie•Teil 2 / 4Die 5 Säulen des Calvinismus im prüfenden Licht der Bibel
Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Einführung und Ausgangspunkt der Betrachtung
Wir fahren weiter, wie angekündigt, vor der Pause. Titus 2,11: Denn die Gnade Gottes ist erschienen, heilbringend für alle Menschen, und unterweist uns, damit wir die Gottlosigkeit und die weltlichen Begierden verleugnend, besonnen und gerecht und gottselig leben in dem jetzigen Zeitlauf.
Also, diese Aussage ist wiederum gewaltig: Die Gnade Gottes ist erschienen, heilbringend für alle Menschen. Und wichtig: Es heißt hier nicht, dass alle Menschen errettet werden. Das wäre ja wieder eine Irrlehre, denn die Bibel macht klar, dass errettet werden nur die, die sich bekehren und dadurch auch wiedergeboren werden. Aber die Gnade Gottes ist erschienen, indem der Herr Jesus eben in diese Welt kam, um sich am Kreuz hinzugeben. Und zwar mit der Absicht, dass das Heil für alle Menschen möglich werden sollte.
Darum heißt es heilbringend für alle Menschen in dem Sinn, dass ihnen dieses Heil angeboten wird und alle die Möglichkeit hätten, dieses Heil zu bekommen. Aber wichtig, wieder ein Wort, das für Calvinisten ein Problem ist: dieses Alle, alle Menschen. Und es gibt vom Kontext her keinen Grund, keinen Hinweis, hier alle nicht vollständig für die ganze Menschheit zu verstehen.
Es ist ja so, dass Sprachen von Gott so konzipiert sind, dass die einzelnen Wörter Zeichen sind, die an sich vieldeutig sind. Es ist ganz normal, dass einzelne Wörter mehrere Bedeutungen haben. Aber je nach Zusammenhang wird dann eben eine der Bedeutungen herausgestellt, und darum ist der Zusammenhang so wichtig. Man kann sagen, dass die Sprache in ihrer Struktur viele Möglichkeiten hat, um die Vieldeutigkeit von einzelnen Wörtern zu neutralisieren. Ein linguistisches Prinzip ist, dass eben kontextuelle Faktoren normalerweise die Vieldeutigkeit der Wörter neutralisieren.
Übrigens, so funktioniert KI. Ja, das ist alles eine Sache von Statistik, Wahrscheinlichkeitsrechnung, also Mathematik, die ständig berechnet wird: Was ist die Wahrscheinlichkeit, wenn diese drei Wörter da sind, wie das nächste Wort lautet? Und es funktioniert. Das ist die Sache, es hat funktioniert. Das wird aber nur maschinell gemacht, es gibt nichts, was da denkt dahinter.
Aber bei uns ist es anders. Wir wissen auch, wenn das und das und das Wort da ist, dann ist das nächste Wort eben das zu Erwartende und nicht ein anderes. Darum können wir auch Lückentexte füllen, da brauchen wir keine KI, das reicht da oben. Aber ebenso funktioniert das: Wir lesen einen Text und sehen, da ist aber ein Hinweis. Mit alle ist da jetzt wirklich in Römer 3 alle Menschen gemeint, aber sicher nicht Jesus Christus, nicht wahr? Und hier: Die Gnade Gottes ist erschienen, heilbringend für alle Menschen, und nicht nur eben für eine Auswahl, die die Bibel nennt, die Auserwählten.
Die Weite des Heils und die Frage nach dem Zusammenhang
Gut, wir gehen weiter auf unserem Blatt, und direkt darauf aufbauend führt uns die Aussage von Titus 2,11 zu Johannes 3,16, wo Jesus sich nachts Zeit nimmt und mit einem der großen Bibellehrer und führenden Richter Israels spricht, mit Nikodemus vom Sanhedrin. Und ihm macht er klar, dass die Liebe Gottes nicht beschränkt ist auf ein Volk, das er auserwählt hat, von dem er ausdrücklich sagt in 5. Mose 7, dass Gott Israel erwählt hat wegen der Liebe des Herrn zu Israel.
Aber Jesus macht klar: Im Blick auf das Heil gilt Johannes 3,16, denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe. Jesus benutzt hier das Wort Welt. Das ist umfassend, eben nicht nur Israel, sondern die ganze Menschheit. Kosmos heißt hier die ganze Menschheit.
Und Calvinisten, also richtige Calvinisten, es gibt eben auch halbe Calvinisten und Viertel-Calvinisten und Dreiviertel-Calvinisten und so weiter. Oder man müsste es besser mit Viertel, mit Fünftel sagen: Drei Fünftel-Calvinisten und Zwei-Fünftel- und Vier-Fünftel-Calvinisten und so weiter. Aber ein richtiger Calvinist würde sagen: Ja, Gottes Liebe gilt allen Menschen, aber man müsse unterscheiden zwischen der Retterliebe Gottes und der allgemeinen Menschenliebe. Dass er die Sonne aufgehen lässt über Gerechten und Ungerechten, dass er regnen lässt für alle Menschen, das ist Gottes allgemeine Liebe. Aber die Retterliebe, sagt ein richtiger Calvinist, die gilt nur einem Teil der Menschheit, genannt die Auserwählten.
Und da muss man sagen: Das stimmt nicht. Hier in Johannes 3,16 geht es nicht um die allgemeine Menschenliebe, sondern um die Retterliebe. Denn so hat Gott die Welt geliebt, nicht, dass er die Sonne aufgehen lässt am Morgen, sondern dass er seinen einzigen Sohn gab, die Gabe des Sohnes zum Opfer. Und es geht um das Opfer, nicht wahr? In Vers 14 davor sagte der Herr Jesus: Und wie Mose in der Wüste die Schlange erhöhte, so muss das, ein göttliches Muss, der Sohn des Menschen erhöht werden, damit jeder, der in ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe.
Denn also, es geht darum, dass Menschen ewiges Leben bekommen. Darum wird der Satz angeschlossen: Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er einen einzigen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe. Der Einzelne aus dieser Fülle der Menschheit, der Welt, muss sich entscheiden, muss sich bekehren und muss an den Sohn Gottes glauben. Das ist an die andere Seite.
Darum werden nicht alle errettet, aber das Heil gilt der ganzen Menschheit. Und das dürfen wir uns nie nehmen lassen durch den Calvinismus, der sich eben massiv in den vergangenen Jahren ausgebreitet hat, von Amerika hier kommend in Europa und nicht nur da. Ich reise viel herum, und dann sehe ich: Überall haben sie die gleichen Probleme, ob das jetzt in Thailand ist oder ob das irgendwo ist. Das ist universell, dass sich der Calvinismus ausbreitet. Und da muss man sagen: Stopp, das geht nicht. Wir wollen bei der Schrift bleiben, und diese Aussagen, die gegen die Schrift gehen, die lehnen wir ab.
Gottes Wesen: Gerechtigkeit, Liebe und Stellvertretung
Ja, wir gehen weiter nach Johannes 3,16 zu 1. Johannes 1,5 und 1. Johannes 4,8. Da wird Gottes Wesen beschrieben.
1. Johannes 1,5: Und dies ist die Botschaft, die wir von ihm gehört haben und euch verkündigen, dass Gott Licht ist und gar keine Finsternis in ihm ist. Gott ist vollkommen gerecht und vollkommen sündlos. Er hat gar nichts zu tun mit dem Bösen. Eben: Gott ist Licht.
Ergänzend wird gesagt in 1. Johannes 4,8: Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt; denn Gott ist Liebe. Liebe gehört zum Wesen Gottes. Und das ist kein Widerspruch, sondern das passt vollkommen zusammen: die völlige Gerechtigkeit Gottes und die Ablehnung von allem, was böse ist, und auf der anderen Seite die Liebe Gottes. Aber man könnte denken, das sei ein Widerspruch.
Nun, alle Menschen sind Sünder, und weil Gott gerecht ist, weil er Licht ist, muss er Sünde bestrafen. Aber Gott hat den Ausweg geschaffen durch Stellvertretung. Der Herr Jesus hat das Gericht, das wir verdient haben, auf sich genommen. Und aufgrund dieser Stellvertretung kann Gott, obwohl er gerecht ist, dem Sünder vergeben und gerecht bleiben.
Und das ist so schön, wenn man die Beschreibung der Stiftshütte in 2. Mose 25-40 liest. Da gibt Gott ja genaue Anweisungen zu allen Details dieses transportablen Tempels. Und in Verbindung mit dem Brandopferaltar wird ausdrücklich gesagt, er muss quadratförmig sein, fünf auf fünf Ellen die Oberfläche.
Warum quadratförmig? Weil im Kreuz die Liebe Gottes in völligem Ebenmaß mit seinem Wesen Licht ist. Gott ist gerecht, er hat das Böse bestraft, aber weil er Liebe ist, hat er an einem Stellvertreter gehandelt. Und jeder, der den Stellvertreter in Anspruch nimmt, wird gerettet. Darum ist diese Betonung, dass der Altar quadratförmig ist, ganz, ganz entscheidend.
Darum ist es eben falsch zu sagen, dass die Rettung nur für einen Teil der Menschheit bestimmt ist. Nein, sie ist für die ganze Menschheit bestimmt. Aber es ist auch falsch zu sagen, die ganze Menschheit werde einmal gerettet werden, weil eben nur die gerettet werden, die den Stellvertreter im Glauben in Anspruch nehmen. Und so ist Allversöhnung falsch, aber auch diese kalvinistische Lehre ist falsch.
Der Ruf Jesu und die Verantwortung des Menschen
Und dann kommen wir zu Matthäus 23,37. Es ist Dienstag vor Karfreitag, und der Herr Jesus hat an diesem Tag, an dem es ganz viele Diskussionen im Tempel gab, mit den verschiedensten Gruppen des Judentums zu tun gehabt. Sie sind ihm begegnet und haben versucht, ihn in der Rede zu Fall zu bringen. Er hat sie aber alle widerlegt, bis sie schließlich aufgehört haben zu fragen.
Und er ist dann weitergefahren und hat schließlich gesagt in Matthäus 23,36: „Wahrlich, ich sage euch: Dies alles wird über dieses Geschlecht kommen.“ Jerusalem, Jerusalem, die du die Propheten tötest und die zu dir gesandt sind steinigst, wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne ihre Küken versammelt unter ihre Flügel; und ihr habt nicht gewollt.
Hier wird wieder deutlich, dass nicht nur ein Teil der Menschheit gezogen und gerufen wird von Gott, sondern alle, auch die, die verloren gehen. Und die Verantwortung liegt nicht bei Gott, wenn jemand nicht gerettet wird, sondern beim Menschen. Also sagt der Herr: Wie oft habe ich euch versammeln wollen. Und das sagt er zu solchen, die unter das Gericht kommen. Er sagt ja in Vers 36: „Wahrlich, ich sage euch: Dies alles wird über dieses Geschlecht kommen.“ Das Gericht Gottes wird kommen. Aber er sagt: Ich habe versucht, euch vor dem Gericht zu verschonen und habe versucht, wie eine Henne, die die Küken schützend unter ihre Flügel nimmt, euch so vor dem Gericht zu schützen.
Interessant ist: Wenn die Henne das tut, dann breitet sie ihre Flügel aus. Anatomisch entsprechen ja die Knochen in den Flügeln unseren Armen, ausgebreitete Arme, so wie der Herr am Kreuz seine Arme ausbreitete, um uns zu retten. So die Henne, die die Küken unter ihren Flügeln schützt.
Und dann sagt der Herr: „Und ihr habt nicht gewollt.“ Nicht: Gott hat nicht gewollt. „Ihr habt nicht gewollt.“ Da wird der Mensch verantwortlich gemacht.
Und da kommen wir zum Kern der Falschaussage bei der ersten Säule, in der behauptet wird, es gehe alles von Gott aus, der Mensch sei völlig verdorben, und in dem Sinn könne er sich gar nicht bekehren. Ja, aber dann würde der Herr nicht sagen: „Ihr habt nicht gewollt.“ Ja, wir können ja gar nicht. Wie kann man jemandem einen Vorwurf machen, der nicht kann? Jemandem, der gelähmt ist, einen Vorwurf machen, warum geht der nicht? Ja, er kann nicht gehen. Aber der Herr macht hier einen Vorwurf.
Und übrigens, wer das noch alttestamentlich haben will: Jesaja 30,15. Dort finden wir den gleichen Ausdruck: „Ihr habt nicht gewollt.“ Alt- und neutestamentlich: Die Verantwortung des Menschen ist da.
Erleuchtung, Erkenntnis und die Grenze zwischen Hören und Glauben
Ja, aber jetzt könnte jemand sagen: 1. Korinther 2,14. Die Stelle steht nicht auf dem Blatt. Ich lese 1. Korinther 2,14:
Der natürliche Mensch aber nimmt nicht an, was des Geistes Gottes ist; denn es ist ihm Torheit, und er kann es nicht erkennen, weil es geistlich beurteilt wird. Der Geistliche aber beurteilt alles, er selbst aber wird von niemand beurteilt.
Also, jetzt kann jemand argumentieren: Ja, da steht es ja, er kann es nicht erkennen. Also können die Nichtauserwählten nicht, und darum gibt es gar keine Möglichkeit, sich zu bekehren. Und trotzdem sagt der Herr: Ihr habt nicht gewollt.
Was ist die Auflösung? Ganz einfach: Wir haben gesehen, der Mensch sucht Gott nicht von sich aus, aber Gott zieht. Und sein Ziehen macht es möglich, dass der Mensch dann, wenn Gott zieht, die Fähigkeit hat, zu erkennen. Von sich aus erkennt er nicht, er kann es nicht erkennen. Aber dann, wenn Gott zieht, und man kann wirklich Menschen begegnen, die nicht bekehrt sind und die sagen: Ich weiß, die ganze Bibel stimmt. Das geht.
Aber hier steht: Er kann es nicht erkennen. Ja, er ist verblendet und blind, aber Gottes Wirken bewirkt eben die Erleuchtung. Und die Erleuchtung ist noch nicht die Bekehrung. Die Erleuchtung ist der Moment, wo Gott einem, der nicht erkennen kann, die Möglichkeit gibt, zu erkennen. Und so kann man vor der Bekehrung zur Klarheit kommen: Die ganze Bibel stimmt. Aber man ist doch nicht bekehrt. Darum ist es wichtig, zu verstehen, was erleuchten heißt.
Ich lese jetzt auch Hebräer 6,4 noch vor. Dort heißt es:
Denn es ist unmöglich, diejenigen, die einmal erleuchtet worden sind und die himmlische Gabe geschmeckt haben und des Heiligen Geistes teilhaftig geworden sind und das gute Wort Gottes und die Wunderwerke des zukünftigen Zeitalters geschmeckt haben und abgefallen sind, wieder zur Buße zu erneuern.
Jetzt sieht man hier: Dieser Ausdruck, die einmal erleuchtet worden sind, das ist eben noch nicht die Bekehrung, sondern sie ist vor der Bekehrung. Jetzt ist es klar. Und die haben die himmlische Gabe geschmeckt, die haben also schon einen Vorgeschmack bekommen auf das, was im Himmel kommen wird. Das haben sie noch nicht erlebt, aber geschmeckt haben sie es schon. Da geht es also um den Vorgeschmack.
Und weiter wird gesagt: und des Heiligen Geistes teilhaftig geworden sind. Wer eine Elberfelder hat, sieht, dass der Artikel bei Heiligen Geistes kleingedruckt ist, um dem deutschen Leser klarzumachen, dass der bestimmte Artikel im Griechischen nicht steht und hier ergänzt wurde, damit es deutsch klingt. Nicht wahr, wenn man eine deutsche Bibel macht. Wenn man auf Deutsch übersetzt, dann muss man Deutsch schreiben. Da gibt es halt Unterschiede zum Griechischen, und das kann man zum Beispiel so machen, wie man andeutet, dass der Artikel fehlt.
Und wenn eben steht des Heiligen Geistes, ist das nicht dasselbe, wie wenn steht Heiligen Geistes. Wenn der Artikel steht, ist die Betonung darauf, dass der Heilige Geist eine Person ist, er ist Gott. Und wenn der Artikel fehlt, wird die Betonung auf die Kraft gelegt, etwa Geist. Auf Griechisch heißt Pneuma Geist und Wind. Wind kann ja sehr kräftig wirken, aber man sieht nichts. Und darum betont das Wort Geist eben das Wirken von Gott, dem Heiligen Geist.
Und wenn jetzt eben hier der Artikel fehlt, Heiligen Geistes teilhaftig geworden, dann bedeutet das, dass sie an der Wirkung des Heiligen Geistes teilgehabt haben, dass sie das erlebt haben, dass ihnen das geschenkt wurde. Und zwar nach Johannes 16,8: Der Heilige Geist wird die Welt überführen von Sünde. Und wenn ein Mensch eben durch den Heiligen Geist überführt wird, sodass er sieht: Ich bin schuldig vor Gott, dann ist er noch nicht bekehrt. Dann muss er diese Schuld auch bereuen und Gott bekennen, aber er ist, indem er überführt ist, teilhaftig am Wirken des Heiligen Geistes.
Und dann ist noch wichtig: Es ist das Wort Medecho für teilhaftig, nicht Koinoneo. Im Neuen Testament bedeutet Koinoneo eine innere Gemeinschaft, Medecho ist einfach Teilhaberschaft, man kriegt etwas mit. Und so bedeutet das nicht, dass die jetzt den Heiligen Geist besitzen. Der Heilige Geist wird nach der Bekehrung gegeben, Epheser 1,13-14. Nachdem man dem Evangelium geglaubt hat, wird man versiegelt mit dem Heiligen Geist und bekommt so den Heiligen Geist. Aber die haben einfach Anteil bekommen an dem Wirken des Heiligen Geistes, der eben erleuchtet hat.
Und weiter: Sie haben das gute Wort Gottes und die Wunderwerke des zukünftigen Zeitalters geschmeckt. Auch da haben die gemerkt: Die Bibel ist wunderbar. So wie sie einen Vorgeschmack vom Himmel bekommen haben, haben sie gemerkt, einen Geschmack bekommen, sind auf den Geschmack der Bibel gekommen, des Wortes Gottes. Und die Wunderwerke in der apostolischen Zeit haben ihnen klargemacht: Das ist von Gott bestätigt als Wahrheit, was diese Verkündiger uns da weitergeben.
Also, die sind nicht wiedergeboren, aber sie standen vor der Wiedergeburt.
Warnung vor dem endgültigen Verwerfen der Wahrheit
Dasselbe gilt in Hebräer 10, und diese Stelle darf man niemals auf Kinder Gottes beziehen. Das widerspricht der direkten Aussage der Heiligen Schrift in Hebräer 10,26. Denn wenn wir mit Willen sündigen, nachdem wir die Erkenntnis der Wahrheit empfangen haben, so bleibt kein Schlachtopfer für Sünden mehr übrig, sondern ein gewisses, furchtvolles Erwarten des Gerichts und der Eifer eines Feuers, das die Widersacher verzehren wird. Jemand, der das Gesetz Moses verworfen hat, stirbt ohne Barmherzigkeit auf die Aussage von zwei oder drei Zeugen. Wie viel schlimmere Strafe, meint ihr, wird der Wert geachtet werden, der den Sohn Gottes mit Füßen getreten und das Blut des Bundes, durch das er geheiligt worden ist, für unrein oder gemein erachtet und den Geist der Gnade geschmäht hat?
Sehr wichtig ist hier die Aussage in Vers 26: „nachdem wir die Erkenntnis der Wahrheit empfangen haben“. Das ist noch nicht die Bekehrung. Das entspricht dem Ausdruck „erleuchtet“ in Hebräer 6,4. Man erkennt: Das ist die Wahrheit. Aber dann muss man sich auch bekehren.
Hier bedeutet „mit Willen sündigen“ übrigens nicht, dass jemand eine Sünde begeht und im Voraus weiß, dass es Sünde ist. Das wird im Hebräerbrief mit diesem Ausdruck nicht bezeichnet. Das ist schlimm, aber das ist hier nicht gemeint. „Mit Willen sündigen“ wird durch Vers 28 erklärt: „Jemand, der das Gesetz Moses verworfen hat“. In 4. Mose 15 wird erklärt, was damit gemeint ist, wenn jemand mit erhobener Hand sündigt. Gemeint ist jemand in Israel, der genau weiß, dass die Tora, das Gesetz Mose, Gottes Wort und verbindlich für jeden Israeliten ist. Wer mit erhobener Hand gesündigt hat, war ein Rebell, der ganz bewusst Gott und sein Wort verworfen hat. Dafür stand nach 4. Mose 15 die Todesstrafe.
Und nun wird hier neutestamentlich gesagt: Wenn jemand vor der Bekehrung steht und schließlich ganz bewusst die Rettung definitiv verwirft, dann gibt es keine Möglichkeit zur Rettung, weil ohne Jesus Christus keine Rettung möglich ist. Wenn er Jesus Christus, den Sohn Gottes, mit Füßen tritt und sein Blut als unrein bezeichnet und indem er dann auch den Geist der Gnade schmäht, dann gibt es keine andere Möglichkeit. Dann geht er verloren, denn nur auf diesem Weg kann man gerettet werden.
Aber wenn jemand denkt: Ich habe so übel vom Heiligen Geist gesprochen, ich habe den Herrn damals abgelehnt, aber jetzt tut mir das alles so leid, dann kann man sagen: Dann gehörst du nicht zu dieser Gruppe. Denn denen kann es gar nicht leidtun. In Hebräer 6 steht, dass sie nicht zur Buße kommen können. Also tut es ihnen nicht leid. Wenn es jemandem leidtut, ist der Beweis eindeutig: Du gehörst sicher nicht zu dieser Gruppe.
Aber das ist nicht unser Thema. Was ich sagen wollte, ist: Erleuchtet sein, die Erkenntnis der Wahrheit empfangen haben, das ist vor der Bekehrung. Und natürlich sagt 1. Korinther 2,14, dass der natürliche Mensch es nicht erkennen kann. Das ist der natürliche Zustand des Menschen, der Gott nicht sucht. Aber wenn Gott zieht, dann führt er ihn zu dem Punkt, dass er es erkennt.
Ich habe das selbst erlebt. Ich hatte einen Mitschüler, einen jüdischen Mitschüler. Seine Mutter ging damals noch mit Rabin, dem späteren Ministerpräsidenten von Israel, in die Schule. Nach vielen, vielen Diskussionen über die Bibel sagte mein Mitschüler zu mir: Weißt du, ich würde es auch nicht glauben, wenn alles stimmt. Da wusste ich: Er will nicht. Es ist nicht so, dass es nicht klar ist oder dass er es nicht erkennen kann, sondern er macht deutlich, dass er auch die Wahrheit verwirft.
Und dann bleibt in diesem Zusammenhang noch die Aufgabe, auch 2. Petrus 2 aufzuschlagen. Dort geht es ebenfalls um fast Bekehrte. Aber fast ist eben überhaupt nicht.
Fast bekehrt ist nicht bekehrt
Wenn Kinder irgendetwas Blödes machen und der Vater sagt: Jetzt wäre fast etwas Schlimmes passiert, dann können sie ihm sagen: Aber glücklicherweise ist fast überhaupt nicht. Und das beruhigt dann auch den Vater. Wirklich: Fast ist überhaupt nicht.
Also, ich hätte vor kurzem fast einen tödlichen Unfall gehabt auf dem Weg von Tel Aviv nach Arad. Aber eben, wir hatten überhaupt keinen Unfall. Im letzten Moment habe ich noch das Steuerrad herumgerissen. Ich habe mir gar nichts gedacht, das war einfach die richtige Reaktion im richtigen Moment. Aber da wäre einer von rechts gekommen. Mit voller Wucht, sagen wir mit 110 oder 120 Stundenkilometern, wäre er reingefahren, dann hätte er wohl meine Frau getötet. Aber eben: Fast ist gar nicht.
Und jemand, der fast bekehrt ist, ist eben auch gar nicht bekehrt.
2. Petrus 2,20 Denn wenn sie entflohen den Befleckungen der Welt durch die Erkenntnis des Herrn und Heilandes Jesus Christus, aber wieder in diese verwickelt und überwältigt werden, so ist für sie das Letzte schlimmer als das Erste. Denn es wäre besser für sie, den Weg der Gerechtigkeit nicht erkannt zu haben, als, nachdem sie ihn erkannt haben, sich abzuwenden von dem ihnen überlieferten heiligen Gebot. Es ist ihnen aber nach dem wahren Sprichwort ergangen: Der Hund kehrte um zu seinem Gespei, und die gewaschene Sau zum Wälzen im Kot.
Also, hier steht von solchen, die zu den Gläubigen gekommen sind und aufgehört haben, weltlich zu leben. Sie sind entflohen der Befleckung der Welt. Wodurch? Nicht durch die Bekehrung, nicht durch die Wiedergeburt, sondern allein durch die Erkenntnis des Herrn und Heilandes Jesus Christus.
Und dann sagt Petrus: Wenn die aber später das alles wieder verwerfen, dann wird es später noch schlimmer. Solche, die einmal die Wahrheit erkannt und dann verworfen haben, die sind schlimmer als sonstige Ungläubige.
Und dann heißt es eben hier: Es ist ihnen nach dem Wort gegangen: Der Hund. Und der Hund ist eben nach 3. Mose 11 nicht koscher, das ist unrein. Natürlich kann man sagen: Hunde sind so wunderbare Tiere, so etwas von Treue und Loyalität, nicht wahr? Die sind nicht wie Katzen. Katzen sind nicht loyal. Die lieben dich solange, wie du ihnen zu fressen gibst. Aber der Hund liebt dich auch, wenn du ihm nichts zu fressen gibst. Das ist Treue.
Und hier wird aber gesagt: Der Hund kehrt zu seinem eigenen Gespei zurück. Und ich meine, wer das schon erlebt hat, das ist so widerlich, wenn ein Hund sogar das Erbrochene wirklich ohne Problem wieder zu sich nimmt. Und eben, die sind nicht plötzlich reine Tiere geworden wie ein Schaf oder wie eine Ziege oder wie eine Turteltaube, sondern die sind Hunde geblieben. Und die gehen wieder zurück, und man sieht: Das Wesen hat sich nicht geändert.
Und die Sau ist nicht koscher, nach 3. Mose 11. Und Gott hat die extra so geschaffen, als gutes Geschöpf Gottes, um uns das Prinzip zu erklären, was es bedeutet, wenn jemand es liebt, sich im Dreck zu wälzen; jemand, der die Sünde liebt. Davon ist das Schwein ein Bild.
Und wenn man dieses Tier wäscht und wirklich sauber macht, hindert das die Sau nicht daran, wieder zurückzukehren und sich wieder zu wälzen. Natürlich braucht das Schwein aus bestimmten biologischen Gründen den Dreck. Das ist ja nur ein Bild, aber eben, damit wir es besser verstehen. Die gewaschene Sau geht wieder zurück.
Und hier geht es nicht um Bekehrte, sondern sie sind unreine Hunde gewesen und sind es geblieben. Und sie werden mit dem Schwein verglichen: Sie waren es und sind es geblieben. Der Unterschied ist: Der Moment kam, in dem sie die Erkenntnis Jesu Christi hatten. Das entspricht der Erleuchtung. Das entspricht Hebräer 10, nachdem wir die Erkenntnis der Wahrheit bekommen haben.
Und wenn jemand ganz bewusst und definitiv Jesus Christus ablehnt, dann gibt es keinen anderen Weg zur Rettung. Aber das erklärt, das ist eine lange Rede, kurzer Sinn, warum in 1. Korinther 2,14 steht, er kann es nicht erkennen, von sich aus.
Der Ruf zur Umkehr für alle Menschen
Jetzt Apostelgeschichte 3,19. Das habe ich ja schon längst erwähnt, aber nur gesagt: Apostelgeschichte 3, natürlich in der Erwartung, dass man dann hingeht und den Vers für sich heraussucht. Das mache ich immer wieder so. Aber jetzt möchte ich wirklich aufschlagen.
Die Predigt von Petrus ist evangelistisch, und er sagt: So tut nun Buße und bekehrt euch, damit eure Sünden ausgetilgt werden. Denn so werden Zeiten der Erquickung kommen vom Angesicht des Herrn, und er wird den euch zuvorbestimmten Christus Jesus senden.
Also hier sagt er als Befehl: So tut nun Buße. Das heißt: Bereut eure Sünden. Und das sagt er ja allen, und da sind ja nicht alle nachher zur Bekehrung gekommen. Und trotzdem sagt er es allen. Er sagt es auch denen, die eben nicht zu den Auserwählten gehören. Warum? Weil Gott alle ruft und alle zu sich ziehen will. Und es ist ein Befehl an sie gerichtet. Nicht Gott muss das bewirken. Und dann bekehrt sich der Mensch durch unwiderstehliche Gnade. Durch Gnade bekehrt er sich, aber nicht durch unwiderstehliche.
Und zweiter Befehl: Bekehrt euch. Dreht euch hundertachtzig Grad um in eurem Leben. Und das Ziel ist, damit eure Sünden ausgetilgt werden. Aber das wird allen gesagt. Tut Buße, damit das Ziel ist, damit eure Sünde wettgemacht wird.
Und dann lesen wir dazu noch Apostelgeschichte 17,30. Paulus spricht in Athen auf dem Areopag zu diesem Richtergremium, das da ein Konsultativverfahren eingeleitet hatte, und er sagt: Nachdem nun Gott die Zeiten der Unwissenheit übersehen hat, gebietet er jetzt den Menschen, dass sie alle überall Buße tun sollen, weil er einen Tag festgesetzt hat, an dem er den Erdkreis richten wird in Gerechtigkeit durch einen Mann, den er dazu bestimmt hat. Und er hat allen den Beweis davon gegeben, indem er ihn aus den Toten auferweckt hat.
Die Zeiten der Unwissenheit sind die Zeiten ab dem Turmbau von Babel und der Sprachenverwirrung. Dort sind die Menschen, die von Noah noch wussten über den wahren Gott, ausgewandert und haben geschichtlich in den weiteren Jahrtausenden alle fünf Kontinente besiedelt. Und nach und nach, über die Generationen, wurde der wahre Gott mehr und mehr vergessen. Und sie sind in tiefe geistliche, moralische Dunkelheit abgesunken.
Aber Paulus sagt: Gott hat jetzt diese Zeiten der Unwissenheit übersehen, und jetzt hat die neue Zeit begonnen, wo das Evangelium ausgebreitet wird in der ganzen Welt. Und Gott, sagt er, gebietet jetzt den Menschen, nicht den Auserwählten, sondern den Menschen, dass sie alle, nicht nur einige, nicht nur an gewissen Orten, sondern wirklich auf allen Kontinenten überall Buße tun sollen. Also das heißt: ihre Sünden bereuen und Gott bekennen. Das ist in dem Wort Buße mit beinhaltet. Weil es dann einmal ein letztes Gericht geben wird.
Nun, dieser Befehl richtet sich an die ganze Menschheit auf dem ganzen Planeten. Und er richtet sich an die Verantwortlichkeit des Menschen: Er muss sich bekehren. Also ist diese erste Säule des Calvinismus falsch, wenn man unter totaler Verdorbenheit versteht, der Mensch kann gar nicht reagieren, wenn Gott ruft. Wir werden das jetzt noch stärker sehen.
Hören, Leben und die geistliche Auferstehung
Und zwar nehmen wir Johannes 5,25 dazu. Da spricht der Herr Jesus zu führenden Juden im Tempel in Jerusalem, und er sagt in Vers 25 — ich lese aber schon Vers 24:
Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und dem glaubt, der mich gesandt hat, hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern ist aus dem Tod in das Leben übergegangen.
Wahrlich, wahrlich übrigens im Griechischen immer: Amen, Amen. Also: Wahrlich, wahrlich, Amen, Amen, ich sage euch: Es kommt die Stunde, und ist jetzt, da die Toten die Stimme des Sohnes Gottes hören werden; und die, die sie gehört haben, werden leben. Denn wie der Vater Leben in sich selbst hat, so hat er auch dem Sohn gegeben, Leben in sich selbst zu haben. Und er hat ihm Gewalt gegeben, Gericht zu halten, weil er des Menschen Sohn ist. Wundert euch nicht darüber, denn es kommt die Stunde, in der alle, die in den Gräbern sind, seine Stimme hören und hervorkommen werden: die das Gute getan haben, zur Auferstehung des Lebens, die aber das Böse verübt haben, zur Auferstehung des Gerichts.
Zuerst, bevor wir auf den Punkt kommen, merken wir: Es geht zweimal um Auferstehung. Aber es ist nicht dasselbe. In Vers 25 heißt es: Es kommt die Stunde und ist jetzt. Also nicht erst in der Zukunft. Da werden die Toten die Stimme des Sohnes Gottes hören, und die, die sie gehört haben, werden leben.
Das ist nicht dasselbe wie Vers 28. Dort heißt es: Wundert euch darüber nicht, denn es kommt die Stunde. Nun steht aber nicht: und ist jetzt. Es kommt die Stunde. Hora bedeutet Stunde oder Zeitepoche. Es kommt also die Stunde, nämlich in der Endzeit, in der alle, die in den Gräbern sind, seine Stimme hören und hervorkommen werden: die das Gute getan haben, zur Auferstehung des Lebens, die aber das Böse verübt haben, zur Auferstehung des Gerichts.
Da geht es um die Auferstehung der Toten, die im Grab sind und aus dem Grab hervorkommen werden. Aber in Vers 25 geht es um die geistlich Toten im Sinn von Epheser 2,1: „Und euch aber, die ihr tot wart in den Sünden und Vergehungen.“
Und zwar ist das eben jetzt so, dass es da eine Auferstehung gibt aus dem geistlichen Tod. Die körperliche Auferstehung, die ist noch zukünftig. Und was sagt der Herr Jesus? Es kommt die Stunde und ist jetzt, da die Toten die Stimme des Sohnes Gottes hören werden, und die, die sie gehört haben, werden leben.
Jetzt muss man verstehen: Kalvinisten, die an die erste Säule des Kalvinismus glauben, sagen, der verlorene Mensch sei gar nicht in der Lage, Gottes Botschaft zu hören. Das sagen nicht alle Kalvinisten, aber diverse. Und zwar nenne ich ja in Vorträgen nicht gerne bestimmte Eigennamen. Wenn man konfrontiert wird, dann weiß man es selber. Aber man muss ja nicht unbedingt jetzt die Namen rausstreichen.
Aber wirklich bekannte Leute und im evangelikalen Raum sehr beliebte Leute kann man da finden, die sagen: Der Mensch wird zuerst wiedergeboren, und dann bekehrt er sich, weil er so verdorben ist, dass er sich gar nicht bekehren kann. Er muss zuerst wiedergeboren sein, und dann wird er sich bekehren können, weil er neues Leben hat.
Aber die Bibel lehrt uns: Man bekommt neues Leben, ewiges Leben, erst wenn man sich bekehrt hat. Das ist Gottes Antwort auf die Bekehrung des Menschen: die Wiedergeburt. Aber die Lehren, nochmals — ich betone nicht alle, man kann das nicht jetzt allen unterstellen — aber gewisse, und die Lehren: Der Mensch wird zuerst wiedergeboren, eben durch die unwiderstehliche Gnade. Und dann bekehren sie sich automatisch, die können nicht anders, sie sind ja wiedergeboren. Und dann glauben sie alles und verstehen alles.
Aber hier lesen wir etwas anderes: Die Toten werden die Stimme des Sohnes Gottes hören. Das heißt: der Mensch, von dem es heißt, er sucht Gott nicht, Römer 3; der Mensch, von dem es heißt, er kann es nicht erkennen, 1. Korinther 2,14, hört die Stimme. Und dann heißt es: Und die, die gehört haben — als Tote, als geistig Tote — werden leben, bekommen das ewige Leben.
Das ist biblische Lehre. Das andere ist wirklich falsch, und das darf man nicht akzeptieren und die Dinge einfach auf den Kopf drehen: zuerst Wiedergeburt und dann Bekehrung. Das geht, das geht gar nicht! Und es ist wirklich klar im Widerspruch zu den Aussagen des Wortes Gottes.
Ein Bild aus dem Wiederaufbau Jerusalems
Und dann schlagen wir auf Nehemia 3. Da geht es um das wunderbare Bauprojekt: Die Mauer von Jerusalem wurde auf Initiative von Nehemia wieder aufgebaut. Plötzlich werden alle aktiv, und viele Namen werden genannt. Es gibt einen Rundgang vom Norden her, bei der Nordmauer des Tempels, bis hinunter in die Davidstadt, also bis zum Siloteich unten, wo das Aschbott, das Misttor, war, biblisch gesprochen. Dann geht es auf der anderen Seite im Osten wieder hinauf, die Mauer entlang, bis wieder zur Nordmauer mit dem Schaftor des Tempels. Und da wird gesagt, wer Mauerabschnitt für Mauerabschnitt gearbeitet hat. Die Namen werden konkret genannt.
Jetzt beginnen wir ganz oben bei der Nordmauer des 500 Ellen großen Quadrats des Tempelplatzes.
Nehemia 3,1: Und Eljaschib, der Hohe Priester, und seine Brüder, die Priester, machten sich auf und bauten das Schaftor. Sie heiligten es und setzten seine Flügel ein. Sie heiligten es bis an den Turm Mea, bis an den Turm Hanan-El. Und ihm zur Seite bauten die Männer von Jericho, und ihm zur Seite baute Sakkur, der Sohn Imris.
Es geht uns jetzt um den Namen des Hohen Priesters, Eljaschib. Das ist so ein schöner Name. El heißt Gott, und zwar Gott im Sinn von Gott, der Starke, im Gegensatz zu Elohim, das bedeutet auch Gott, meint aber Gott den Verehrungswürdigen.
Nun, Eljaschib, das ist dritte Person, Einzahl, von dem Hif’il-Stamm, von der Wurzel Schuv. Schuv heißt umkehren, umkehren. Aber Jaschib, das ist der Hif’il. Was ist das? Das gibt es überhaupt nicht im Deutschen. Das ist eine Verbalform, wo der Stamm verändert wird und die Bedeutung hat, dass jemand bewirkt, dass ein anderer etwas tut. Es ist also der Verursachungsstamm.
Und Hif’il kennt man aus anderen Beispielen. Zum Beispiel heißt es in Psalm 23 in der King-James-Übersetzung: „He maketh me to lie down in green pastures“ – er lässt mich auf grüner Aue lagern. Wörtlich: „He maketh me to lay down“, also „Er macht, dass ich mich niederlege“. Das ist richtig übersetzt, das ist nämlich Hif’il. Das heißt, der Hirte bewirkt, dass das Schaf, das immer unruhig ist und immer aktiv ist, sich endlich einmal niedersetzt. Und das ist wichtig, dann muss man wieder kauen und sich ausruhen. Es braucht Aktivität, und es braucht auch wieder Ruhe, ein gutes Verhältnis von beidem. Man kann bis an die Grenze gehen, und ich mache es manchmal sogar noch ein bisschen darüber, aber dann muss es wieder Ruhe geben, und dann geht das. Aber wenn man immer an die Grenze geht, dann gibt es vielleicht einmal einen Herzinfarkt.
Gut, also „He maketh me to lay down“, er macht, dass ich mich niederlege, das ist diese Hif’il-Form.
Einmal habe ich in London über diesen Psalm gesprochen und über die sieben Verben des guten Hirten. Danach habe ich einen Engländer gefragt, nicht wahr, das ist eigentlich kein Englisch, wenn man sagt: „He maketh me to lay down.“ Nein, das ist nicht Englisch. Aber das ist ja die englische Übersetzung, die King James, und die hat England und die Sprache Englands über Jahrhunderte geprägt. Das ist eine sehr, sehr gute Übersetzung. Aber sie wollten den Hif’il zum Ausdruck bringen, und darum haben sie es ein bisschen unenglisch gemacht, aber genau richtig.
Und in der alten Elberfelder Übersetzung kommt in der Geschichte der Könige wieder der Ausdruck vor: Der König, der immer noch in den Sünden Jerobeams wandelte, mit dem goldenen Kalb in Dan und in Bethel, machte Israel sündigen. Da muss man auch sagen: Wenn uns jemand fragt, ist das eigentlich nicht Deutsch? Nein, das ist nicht Deutsch, aber es ist Elberfelder Deutsch. Man wollte diesen Hif’il ausdrücken, dass eben der König verursachte, dass die Israeliten sündigten.
Und hier heißt Jaschib also wörtlich übersetzt: „Er bewirkt, dass er sich bekehrt.“
Jetzt haben wir beide Seiten. Der Mensch ist so verdorben, dass er Gott von sich aus nicht sucht. Aber Gott, der dreieine Gott, wirkt: Der Vater zieht, der Sohn sucht, der Heilige Geist überführt. Das führt dazu, dass der Mensch erleuchtet wird, zur Erkenntnis der Wahrheit kommt und sich dann entscheiden kann: Ja, ich will mich beugen, ich will mich jetzt bekehren. Und dann ist es eben seine Verantwortung. Er bewirkt, dass er sich bekehrt. Aber das ist nicht ausgeschaltet, dass er – das ist eben die andere Seite – und es braucht beides. Es braucht das Wirken Gottes, aber dieses Wirken ist an allen Menschen. Und wer diesem Ziehen Gottes widersteht, geht verloren. Und wer sich entscheidet: Jetzt will ich mich bekehren, das ist eine Entscheidung.
Ich weiß noch, einer kam immer längere Zeit in den Bibelkreis, und dann hatte ich einmal ein Gespräch mit ihm und merkte: Oh, der ist nahe dran, sich zu bekehren. Und dann habe ich aber nicht gedrängt. Das wäre zu früh gewesen. Man kann jemandem dann, wenn man merkt, jetzt kann man drängen, drängen, drängen, nein, man muss sehen: Wenn er nicht bereit ist, dann kann es eine Scheinbekehrung geben.
Und da habe ich ihm gesagt: Weißt du was, du sagst mir, wenn du dich bekehren willst, dann können wir zusammen beten, quasi. Und dann vergingen einige Zeit, und dann sagt er mir: Ich möchte mich jetzt bekehren. Das war der Moment. Er wollte sich bekehren, weil der Herr gezogen hat.
Das Ziehen Gottes in Liebe und das Ende der Betrachtung
Und da möchte ich noch aufschlagen, Jeremia, wie auf dem Blatt angegeben, 31,18. Welch ein Gebet, das genau dem Namen El-Jaschiv entspricht. Ich sage nicht Jaschib, weil im Neuhebräischen das B weich ausgesprochen wird als W, wenn vorher ein Vokal ist. Also El-Jaschiv.
Und in Jeremia 31,18 heißt es: Wohl habe ich Ephraim klagen hören: Du hast mich gezüchtigt, und ich bin gezüchtigt worden wie ein nicht ans Joch gewöhntes Kalb. Und jetzt kommt es: Bekehre mich, damit ich mich bekehre; denn du bist der Herr, mein Gott.
Israel: Gott hat mit ihnen einen Bund geschlossen, er wollte der Gott Israels sein. Aber das bedeutet nicht, dass man, wenn man Israelit ist, dann auch bekehrt ist. Und hier betet der Israelit: Bekehre mich, damit ich mich bekehre.
Und ganz zum Schluss noch ein Vers aus Hosea. Da wird so schön zum Ausdruck gebracht, was wir in Römer 2,4 gefunden haben: der Reichtum Gottes in seiner Güte, wie er Menschen zur Buße leitet. Hosea 11,4: Mit Menschenbanden zog ich sie, mit Seilen der Liebe, und ich wurde ihnen wie solche, die das Joch auf ihren Kinnbacken emporheben, und sanft gegen sie gab ich ihnen Nahrung.
Also Gott spricht hier zu Israel. Er hat ein Seil an sie gebunden, aber dieses Seil wird genannt: Seil der Liebe. Oder in der Mehrzahl: Seile der Liebe. Und nicht wahr, wenn man Seilziehen gemacht hat, dann weiß man, am Anfang ist man richtig motiviert: Die andere Gruppe, die werden wir bezwingen. Und dann ist man vielleicht während des Seilziehens überrascht, wie stark die auf der anderen Seite sind. Und man merkt: Jetzt wirklich ein ganz kritischer Punkt. Aber der Wille ist immer noch klar da: Nein, wir ziehen die runter!
Und dann geht das so weiter, und dann erreicht man einen Punkt, wo man plötzlich merkt, dass der eigene Wille bröckelt. Kennt man das Gefühl? Es ist ein ganz besonderes, aber sehr unangenehmes Gefühl, wenn der eigene Wille bröckelt und man merkt, es geht nicht. Dann gibt man nach. Und dann ist man nicht ein Held.
Und so ist es auch. Manche sagen: Ja, aber wenn der Mensch sich bekehrt, dann ist es ja etwas zum Rühmen. Nein, es ist so wenig zum Rühmen wie beim Seilziehen, wenn man verloren hat und man sagen kann: Der Herr hat gewonnen, er hat so gezogen. Aber das ist so eine wunderbare Stelle: Mit Menschenbanden zog ich sie, mit Seilen der Liebe.
Und der Jesus sagt in Matthäus 11,28: Kommet her zu mir alle. Nicht nur: Kommet her, ihr Auserwählten. Er ruft alle: Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch Ruhe geben. Und im gleichen Abschnitt sagt er: Nehmet auf euch mein Joch. Und dann sagt er: Mein Joch ist sanft, meine Last ist leicht.
Und warum? Wenn man das Joch trägt, es kann schwer sein, aber der Herr macht es wie hier: das Joch auf ihren Kinnbacken emporheben. Ich wurde ihnen wie solche, die das Joch auf ihren Kinnbacken emporheben. Wenn man da ein eingespanntes Tier eben ziehen lässt und als Bauer das Joch hebt, damit es ja nicht zu schwer ist für den Ochsen, so ist der Herr mit uns.
Also er zieht uns zur Bekehrung, und dann auf dem Weg der Nachfolge hebt er dieses Joch, damit es uns nicht zu schwer ist, damit es sanft ist. Ja, dann wollen wir hier schließen.
Vielen Dank an Roger Liebi, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
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