Einleitung
Liebe Freunde,
Vor einem Jahr bin ich hier in diesem Gottesdienst öffentlich von jemandem
aufgefordert worden, zum nächsten Muttertag über eine Frau zu predigen.
Euer Wunsch ist mir Befehl, allerdings rede ich nicht nur über eine Frau,
sondern – wenn schon denn schon – ich rede gleich über mehrere. Es lässt
sich aber nicht ganz vermeiden, dass auch ein paar Männer mit erwähnt
werden. Daran müssen sich die Vertreter der Frauenbewegung und
Quotenregelung gewöhnen, dass es auch noch so etwas wie Männer gibt – ich
kann es euch nicht ersparen. Wobei ich natürlich zugeben muss, dass die
Männer nicht immer solche nette Erscheinungen sind, wie die, die ihr heute
hier auf dieser Bühne gesehen habt, sondern es gibt im Einzelfall auch
ziemlich miese Exemplare.
Ramses II. – Urvater aller Antisemiten.
Mit so einem miesen Verräter der Macht und des männlichen Geschlechts fange
ich an; und zwar ist das der Pharao. Das war der König von Ägypten. In
Ägypten nannte man den König nicht König sondern eben Pharao. Aber ob nun
Pharao oder König, am Schluss ist es mit diesen Leuten immer dasselbe.
Eines Tages sterben die. Und dann kommt ein neuer, und jedes Mal fängt dann
eine neue Zeit an. Vor 4000 Jahren kam in Ägypten wieder mal ein neuer, es
war Ramses II., genannt Der Große", der den Thron bestieg[1].
Wie der nun von da oben aus, von seinem Thron aus sein Volk betrachtete, da
fiel ihm etwas auf, und zwar auf den Wecker. Da waren welche in seinem
Volk, die waren gar nicht aus seinem Volk, gar keine richtigen
Volksgenossen. Beim Palast gleich links um die Ecke, wo der Ortsteil Gosen
anfing, da wohnten die. Sie hatten eine andere Sprache, sie hatten andere
Sitten, das fing schon an der Nasenspitze an, dass die anders waren. Sie
hatten nämlich so eine gebogene Nase, mit einem Wort: Fremde, Ausländer.
Und das passte dem Herrn Ramses nicht, ich weiß auch nicht warum.
Jedenfalls fragte der immer: Was wollen denn die eigentlich hier, wer sind
denn die, wo kommen denn die her?" Das waren die Nachkommen von Josef und
seinen Brüdern. Josef war aus Kanaan gekommen; er war zum
Wirtschaftsminister aufgestiegen, hatte das Volk der Ägypter vor der
Hungersnot bewahrt, er war von Pharao belohnt worden, und als Belohnung
durfte er seine Familie nach Ägypten nachkommen lassen. Und da waren also
seine elf Brüder mit ihren Frauen und die ganze Mischpoke, eine Hucke von
siebzig Mann angereist. Fleißige Leute, sie haben ihren Besitz und sich
selber fleißig vermehrt, waren angeschwollen zu einem großen Volk, dem Volk
Israel.
Der Pharao aber, so heißt es von ihm in der Bibel (2. Mose 1), wusste
nichts von Josef. Er hatte keine Ahnung von den Verdiensten dieses Mannes.
Er hatte keine Ahnung, was sein eigenes Volk dem Volk Israel verdankte. Er
sah nur, dass die immer zahlreicher wurden, und das wurde ihm zu viel. Und
er sprach zu seinem Volk: Das Volk Israel ist mehr und stärker als wir.
Wohlan, wir wollen sie mit List nieder halten, dass sie nicht noch mehr
werden[2].
Zum ersten Mal in der Geschichte wird hier das Volk Israel als ein
Fremdkörper empfunden. Zum ersten Mal taucht der unbegründete Hass gegen
das Volk Israel auf. Zum ersten Mal wird der Versuch gemacht, dieses Volk
zu unterdrücken. Und man setzte Fronvögte über sie, die sie mit schweren
Diensten bedrücken sollten[3].
Der Erfinder des Konzentrationslagers: eine Schrumpelmumie – und Israel
lebt!
Das erste Konzentrationslager mit Zwangsarbeit war erfunden. Und es beginnt
der 4000 Jahre lange Marsch des jüdischen Volkes nach Auschwitz. Aber auch
nach Ausschwitz und Buchenwald ist dieses Volk immer noch da. Auch heute
noch, trotz allem. Wenn ich hier von dem Volk Israel rede, dann meine ich
nicht bloß den Teil, der jetzt im Staat Israel lebt, sondern ich meine das
jüdische Volk als Ganzes. Die Geschichte und Existenz der Juden ist die
größte Attraktion der Weltgeschichte. Israel lebt. Der Pharao, der dieses
Volk schon im Keim ersticken wollte, der ist tot. Der liegt jetzt als
keimfreie Mumie im Museum in Kairo. Dort ist der Ramses für billiges
Eintrittsgeld von jedermann zu besichtigen. Nichts weiter als eine billige
Attraktion für Touristen. Der ist ganz einfach der dürre Beweis für die
geschichtliche Tatsache, wer sich an Israel vergreift, ist museumsreif.
Ramses ist also der erste, der den Versuch macht, mit der ganzen Macht des
Staates dieses kleine Volk zu unterdrücken. Der steckt das Volk zunächst in
Zwangslager und hofft, dass sie sich dort durch die barbarische
Knochenarbeit selber kaputt machen. Aber er muss die Erfahrung machen, je
mehr man dieses Volk unterdrückt, umso mehr wächst es. Die Verfolgung macht
es nicht schwächer, sondern stärker. Bisher war den Ägyptern das Volk
Israel fremd, und jetzt wird es Ihnen unheimlich. Aber je mehr sie das Volk
bedrückten, desto stärker vermehrte es sich und breitete sich aus. Und es
kam sie ein Grauen an vor Israel[4].
Ramses begreift überhaupt nicht, wenn er hier vor sich hat. Israel ist doch
nicht irgendein Volk, sondern es ist das einzigartige Volk, das Gott
auserwählt hat aus allen Völkern der Geschichte. Das auserwählte Volk
Gottes, das er hütet wie seinen Augapfel. Denn, so heißt es in der Bibel:
So spricht der Herr: wer euch antastet, der tastet meinen Augapfel an[5].
Wer sich an den Juden vergreift, greift Gott selber an.
Deshalb geht der Kampf gegen die Juden immer ins Auge. Die letzten, die das
erfahren mussten sind ja wir, die Deutschen gewesen. In zwei Punkten sind
sich Ramses und seine Nachfolger alle gleich gewesen. Sie erkennen nicht,
dass sie nicht gegen ein x-beliebiges Volk, sondern gegen das Volk Gottes
kämpfen und zweitens, sie wenden im Kampf gegen Israel die barbarischsten
Methoden an. Hitlers Verbrennungsöfen waren der absolute Gipfel des
Judenmordes, der damals mit dem Ramses angefangen hat. Ramses erkennt, dass
er die lebende Generation nicht ausschalten kann. Und da sagt er sich: Dann
muss ich eben den Nachwuchs abschneiden.
Bewahrerinnen des Lebens: die Hebammen, die Gott mehr fürchten als Pharao.
In den nächsten Tagen erhalten die beiden Hebammen Israels[6] eine
Vorladung zwecks Klärung eines Sachverhalts. Seine Majestät persönlich sagt
den beiden Hebammen: Wenn ihr den hebräischen Frauen helft und bei der
Geburt seht, es ist ein Sohn ist, so tötet ihn. Die Töchter könnt ihr Leben
lassen.[7] Das ist ein Befehl. Das ist ein Befehl zum Mord. Ab sofort
sollen die Hebammen, die Hüterinnen des Lebens, die Rolle des Henkers
übernehmen. Aber, so lesen wir in Vers 17: Die Hebammen fürchteten Gott und
taten nicht, wie der König von Ägypten ihnen gesagt hatte, sondern ließen
die Kinder leben.
Wer Gott fürchtet, der verliert die Furcht vor den Menschen. Der bekommt
den Mut, bei Schweinereien nicht mit zu machen, gegen die Ungerechtigkeiten
aufzustehen und Unrecht zu verhindern. Das erste der zehn Gebote heißt: Ich
bin der Herr, dein Gott, du sollst keine anderen Götter haben neben mir[8].
Die Erklärung von Luther heißt dazu: Wir sollen Gott über alle Dinge
fürchten, lieben und vertrauen. Gottesfurcht, Gehorsam, das ist der erste
Schritt des Glaubens. Glaube ist ein Gehorsam, der mit Gott rechnet, auch
wenn es wie heller Wahnsinn aussieht.
Im Falle der Hebammen konnte ja die Befehlsverweigerung gegenüber der
staatlichen Mordpolitik Selbstmord bedeuten; zumindest Berufsverbot. Die
Hebammen, die gegen die Fristenlösung waren, liefen die Gefahr, dass sie
fristlos aus dem Gesundheitswesen entlassen werden, vielleicht in die
Brigade von einer Ziegelei gesteckt wurden, wenn sie überhaupt mit dem
Leben davon kamen. Sicher haben die Hebammen auch irgendwelche
Strafmaßnahmen befürchtet. Aber was sie noch mehr fürchten, das ist Gott.
Und deswegen können sie sich an der Tötung von neugeborenen Kindern nicht
beteiligen.
Das Verbrechen der Abtreibung in unserem Land.
Gäbe es in unserer Welt mehr gottesfürchtige Menschen, gottesfürchtige
Frauen, gottesfürchtige Hebammen und gottesfürchtige Ärzte und
gottesfürchtige Mütter und Krankenschwestern, dann würden nicht so viele
ungeborene Kinder durch Abtreibung getötet. In der Bundesrepublik sind es
300.000. In der DDR sind es nach der offiziellen Zahlen 90.000, es gibt
aber Schätzungen von 200 bis 250.000. In den Friedenszeiten, seit
Beendigung des Krieges 1945 hat unser deutsches Volk an die 10 Millionen
Kinder getötet.
Das sind mehr als die Nazis Juden in den Gasöfen umgebracht haben, und das
Wahnsinnige ist, dass dieser Massenmord nicht auf Befehl eines
übergeschnappten Diktators passiert, sondern von wohl-standsgierigen Frauen
ausgeführt wird, die, um nur ja nicht Mutter werden zu müssen, lieber zur
Mörderin werden. Wenn Mütter töten, stirbt die Welt. Und wenn die Menschen,
die von Berufs wegen zur Erhaltung des Lebens da sind, sich am Geschäft der
Tötung des Lebens beteiligen, zumal wenn die Opfer unschuldige Kinder sind,
dann ist eines Tages überhaupt keiner mehr seines Lebens sicher.
Außer der Diskussion um den Umtausch eins zu eins[9], ist der Hauptpunkt
der Diskussion jetzt in beiden Teilen Deutschlands: Wie geht es weiter mit
der Abtreibung[10]. In vier Wochen wird eine Demonstration in Bonn
stattfinden, und da werden Frauen aus der DDR und aus der Bundesrepublik
gemeinsam demonstrieren wollen, dass das Modell der DDR übernommen wird,
und manche wollen ja, dass es überhaupt keine Vorschriften mehr gibt,
sondern dass jeder abtreiben kann, wie er will.
Leute, unsere Volk geht mit einer Hypothek von 10 Millionen getöteten
Kindern in die Wiederver-einigung hinein, das ist eine schwere Last die auf
unserem Volk lieg. Und wenn so weitergemacht wird, dann habe ich Angst,
dass aus dem Einheitsprozess, den wir alle so begrüßen und auf den wir alle
so viel Hoffnung setzen, am Ende nicht viel Gutes raus kommt. Wenn unser
Volk auf dieser Linie weitermacht, dann nimmt das kein gutes Ende. Wenn
Mütter töten, stirbt die Welt. Wo die Gottesfurcht aufhört, hört die
Ehrfurcht vor dem Leben auf.
Lieber Gottes Geboten gehorchen statt spitzfindig über komplizierte Probleme zu diskutieren.
Für die beiden Hebammen damals, da war klar, weil sie Gott fürchteten (also
erstes Gebot), konnten sie keine Kinder töten (also fünftes Gebot). In
diesen, wie in den meisten Fällen, da sind überhaupt gar keine
spitzfindigen Diskussionen nötig, ob und unter welchen Umständen es
vielleicht gerecht-fertigt sein könnte, dass man vielleicht ein Kind tötet.
Gottes Wille ist in dem Fall eindeutig und klar. Und der einfache Gehorsam
ist der beste Weg, um mit den komplizierten Problemen unseres Lebens fertig
zu werden. Die beiden einfachen Frauen machen das Unrecht nicht mit,
einfach weil sie an Gott glauben.
Glaube an Gott ist eben nicht eine innere Angelegenheit der Seele, das ist
keine Privatsache, sondern das ist eine Angelegenheit mit
Öffentlichkeitscharakter, mit öffentlichen, gesellschaftlichen Folgen.
Glaube hat Konsequenzen. Jedenfalls hat Glaube immer mit Taten zu tun. Und
deswegen lernst du nur dann, was Glaube ist, wenn du Gott gehorchst machst
und tust was er sagt.
Wenn du das machst, Gottes Willen gehorchst, dann wirst du erleben, dass du
mit manchen Menschen Schwierigkeiten kriegst. Vertraue darauf, dass Gott
mit allen Schwierigkeiten, in die du deswegen reinkommst, fertig werden
wird. Vertraue darauf, dass Gott dich nicht hängen lässt. Vertraue darauf,
dass Gott den, der seinen Willen tut, segnet.
Ich habe gesagt, Glaube hat unter allen Umständen mit Tat zu tun. Es ist
vielleicht nötig, dass du etwas ganz bestimmtes tust. Es ist vielleicht
nötig, dass du etwas ganz bestimmtes nicht tust. Die Hebammen, die tun das,
was der Pharao ihnen befohlen hat, nicht. Sie leisten passiven Widerstand.
Aber die Hebammen fürchteten Gott und taten nicht, wie der König von
Ägypten ihnen gesagt hatte, sondern ließen die Kinder leben. Es dauert
natürlich nicht lange, da erhalten die beiden eine zweite Vorladung beim
Pharao. Und jetzt kriegen es die beiden Frauen mit der Angst zu tun. Und da
greifen Sie zu einer Ausrede. Sie sagen nämlich: Ehe die Hebammen zu den
israelitischen Frauen kommen, da haben die schon geboren.[11] Vielleicht
ist es manchmal vorgekommen, dass das Kind eher schon da war als die
Hebamme, aber sicher war es nur die Ausnahme. Fakt ist jedenfalls, der
Befehl, die Jungs zu töten, ist nicht ausgeführt worden. Eine staatliche
Anordnung wurde nicht befolgt, also ist eine Bestrafung zu erwarten. Die
beiden Frauen sind ins offene Messer gerannt.
Die Stimme der Vernunft und die unbegründete Furcht vor den Menschen.
Ihre Freunde haben die natürlich vorher gewarnt mit der Stimme der
Vernunft. Sie haben gesagt, das geht schief, ihr könnt doch als einzelne
sowieso nichts machen. Einem staatlichen Gesetz muss man gehorchen, Befehl
ist Befehl. Und ihr als kleine Bürger, ihr könnt das doch sowieso nicht
beurteilen, die Verantwortung trägt der Staat. Und wenn ihr euch mit dem
Staat anliegt, dann zieht ihr auf alle Fälle den Kürzeren. So ungefähr
waren die Argumente der Freunde. Und die Frauen selber rechneten inzwischen
mit dem allerschlimmsten. Und dann erleben sie, was glaubende Menschen
immer wieder erleben: Es passiert gar nichts. Nichts von dem, was sie
befürchtet haben, tritt ein. Kein Haar wird ihnen gekrümmt. Im Gegenteil:
Der Pharao lässt sie einfach laufen und Gott überschüttet die beiden Frauen
und ihre Familien mit seinem Segen.
Die Kommunisten, die sich jetzt zu verantworten haben bringen immer wieder
ein Argument, auf dass sich auch die Kriegsverbrecher in der Nazizeit wir
rufen haben, sie haben gesagt: Wir haben ja nur einem Befehl gehorcht, wir
haben ja nur den staatlichen Gesetzen gehorcht. Wir haben zwar gewusst,
dass das nicht in Ordnung war, aber wir mussten gehorchen. Und wenn wir
nicht gehorcht hätten, hätten wir vielleicht eine Strafe bekommen oder
unseren Posten verloren oder sogar unser Leben riskiert." Ich habe einmal
gelesen, dass kein Beispiel bekannt ist, dass im zweiten Weltkrieg jemand
wegen Befehlsverweigerung getötet worden wäre. Selbst wenn mir jemand so
ein Beispiel nennen könnte, wäre es nur die Ausnahme, die die Regel
bestätigt.
Hier haben wir jedenfalls ein Beispiel, wo zwei Frauen wegen
Befehlsverweigerung nicht getötet werden. Der Plan des mächtigen Pharao
scheitert an zwei schwachen Frauen. Einfach deswegen, weil die beiden an
Gott glauben. Da hamse's, Herr Ramses. Als der Herr Ramses merkt, dass die
Hebammen sich nicht für seine Pläne missbrauchen lassen, geht er zum
offenen Vernichtungskampf über. Er ordnet an: Alle Jungs, die geboren
werden, sind in den Nil, den Krokodilen zum Fraß vorzuwerfen.
Bis hierher hat der biblische Bericht nur die allgemeine Situation
beleuchtet. Jetzt, ab Kapitel zwei wird der Scheinwerfer schärfer
eingestellt und beleuchtet jetzt einmal eine Familie. Eins von den vielen
jungen Ehepaaren, die ein Kind erwarten. Wir erfahren von diesem Ehepaar
fast nichts. Aber schon die Tatsache, dass sie ein Kind warten, ist ja
bedeutungsvoll. Sicherlich haben die sich damals gefragt: kann man sich
eigentlich in der Zeit, wo die Jungs einfach getötet werden noch ein Kind
leisten, kann man das verantworten, ein Kind in die Welt zu setzen?
Das ist ja die Frage, die sich heute auch sehr viele stellen. Und viele
beantworten sie so wie Peter Maffay. Dieser hat gesagt (er redet von sich
und seiner Frau Chris): Wir haben eine Schwanger-schaft bei Chris
unterbrechen lassen, um unserem Kind diese Welt zu ersparen." Das sagt
einer der bestverdienensten Schlagersänger aus einem der reichsten Länder
dieser Erde. Übrigens kann man eine Schwangerschaft gar nicht unterbrechen.
Schon das Wort Unterbrechung", wie es ja auch in unserem Gesetzt von 1972
heißt, schon dieses Wort ist eine Lüge. Dann befindet sich Peter Maffay
noch in einem ganz besonders großen Irrtum. Nach der Abtreibung hat seine
Frau ein Lied gesungen, und Peter Maffay singt dieses Lied, in dem es
heißt: Ich weiß, mein Kind, du stehst vor mir an einem fernen Tag, und
fragst mich: Warum habe ich dir das alles nicht erspart."
Keine Lebensangst wie Peter Maffay. Wie die Eltern des kleinen Mose handeln.
Die Sache ist so, dass Peter Maffay und jeder, der ein Kind abgetrieben
hat, vor Gott steht und dass Gott dann fragt: Warum hast du dein Kind
abgetrieben?" Das Elternpaar, von dem ich euch hier erzähle wird diese
Frage nicht beantworten müssen. Die haben ihr Kind nicht getötet. Sicher
haben die sich Gedanken gemacht Was machen wir denn, wenn das ein Junge
wird?" – es stand ja 50:50. Wenn das nun ein Junge wird – und es wird ein
Junge! – der sollte laut Gesetz in den Nil, den Krokodilen zum Fraß
vorgeworfen werden.
Drei Monate lang gelingt es den Eltern, das Kind im Hause zu verstecken.
Als das nicht länger geht, so ein Kind schreit ja, und die Spitzel des
Pharao könnten das ja hören, wird beschlossen: Das Kind muss aus dem Haus.
Die Mutter will aber unter allen Umständen, dass das Kind am Leben bleibt.
Sie bastelt einen kleinen Kasten aus Rohr und verklebt das Ding mit Erdpech
und Harz, legt den Jungen rein und setzt das ganze am Nilufer in das
Schilf.
Das ist so grotesk und so irre, dass jeder vernünftige Mensch natürlich
sagt: So kann man doch kein Kind retten! Denn" – so sagt die Stimme der
Vernunft – der Kasten geht aus dem Leim oder er geht unter. Wenn er nicht
untergeht, wird das Kind verhungern oder verdursten. Wenn es nicht verhun-
gert, kriegt es eine Lungenentzündung oder einen Sonnenstich. Wenn das
alles nicht passiert, fressen es die Krokodile. Jedenfalls sind die
Chancen, das Kind auf diese Art und Weise zu retten, gleich Null."
Das alles wird sich die Mutter auch gesagt haben. Aber diese Frau hatte
nicht nur einen gesunden Menschenverstand, sondern sie hatte auch ein
gesundes Gottvertrauen. Vielleicht hat sie die Ge-schichte von der Arche
Noah gekannt. Gegen die konnte man ja auch solche Argumente vorbringen:
Wird der Kasten überhaupt schwimmen? Kriegen die alle da drin Luft?" – die
Mutter baut ihrem Kind eine kleine Arche, setzt es rein, setzt es ans
Flussufer und geht nach Hause. Ab jetzt überlässt sie ihr Kind nicht seinem
Schicksal, sondern seinem Schöpfer – dem lebendigen Gott. Dieses völlige
Überlassen an Gott, das nennen wir Glauben. Vorher ging es um Glauben als
Gehorsam: Da musst du etwas tun, und jetzt geht es um Glauben als
Vertrauen: Da musst du Gott handeln lassen.
Die Mutter des Jungen hatte alles getan, was sie tun konnte. Sie hat mehr
getan, als alle anderen Mütter zur damaligen Zeit. Aber jetzt kann sie und
jetzt weiß sie auch nicht mehr weiter. Es gibt Situationen, da kannst du
einfach nichts mehr tun. Du bist am Ende, du kannst nichts machen. Aber
Gott kann etwas draus machen. Deshalb ist es in diesen Situationen ganz
wichtig, dass du Vertrauen zu Gott hast. Gib nie auf, gib alles in seine
Hände und überlass Gott das Handeln. Der kennt den Weg, Er weiß die Lösung.
Er hat die Macht. Deine Verlegenheiten sind seine Gelegenheiten. Gott fällt
immer noch was ein, und wenn es eine badelustige Prinzessin ist.
Die wunderbare Rettung des Mose – Regisseur: Gott!
Nämlich hat der Herr Ramses eine Tochter. Und an dem Tag hat die Lust, im
Nil zu baden. Und bevor sie mit der zwitschernden Herde ihrer Freundinnen
ins Wasser einfällt, wird noch eine Runde Federball gespielt, und bei
dieser Gelegenheit – nein so ein Zufall aber auch! – fällt der Ball ins
Schilf und bei dieser Gelegenheit wird das ulkige Kästchen entdeckt.
Prinzesschen lässt sich die Schatulle ans Land ziehen, klappt den Deckel
auf – und ist hin und weg. Sieht sie doch im Karton so ein kleines,
putziges Kerlchen, dem aus schwarzen Augen die Tränen über die Backen
kullern. Sie wird sofort von mütterlicher Liebe überwältigt, und
beschließt, dass Bürschlein zu adoptieren.
In diesem Moment schießt die Schwester von dem Kleinen aus dem Gebüsch
hervor (sie hatte nämlich die ganze Zeit dort luki-luki gemacht, um zu
sehen, was aus ihrem Brüderchen wird) und die fragt jetzt die Prinzessin,
ob sie ihr eine Amme besorgen soll, die das Kind stillen kann. Damit ist
Prinzesschen einverstanden, das Mädchen holt die Mutter des Kindes, diese
kriegt ihren Jungen wieder, kriegt es außerdem noch gut bezahlt, und so
wächst der Junge unter dem persönlichen Schutz der Tochter des Pharao auf.
Das Kind ist gerettet!
So erlebt der Glaube Wunder. Gottes Wunder gehen so einfach und so
natürlich vor sich, dass der Unglaube sie ganz natürlich erklären kann mit
Hilfe des Zufalls und der Psychologie und so. Das ist ja mit dem Unglauben
komisch. Vorher sagt er: Das, was du erwartest, ist unmöglich, was du
machst ist sinnlos!" Hinterher, wenn das Unmögliche eingetreten ist, wenn
das angeblich sinnlose sich als das einzig Vernünftige erwiesen hat, will
der Unglaube von seinen vorherigen Zweifeln nichts mehr wissen. Da heißt es
dann auf einmal: Na, das war doch kein Wunder. Das ging doch alles ganz
natürlich zu!"
Natürlich! So ist das bei den Wundern Gottes. Es geht alles ganz natürlich
zu. Denn Gott tut seine Wunder durch Menschen und durch Umstände und durch
die natürlichen Gegebenheiten. Er selber hält sich dabei völlig im
Hintergrund. Er selber tritt überhaupt nicht in Erscheinung! Wenn ihr das
einmal nachlest in der Bibel, 2.Mose 2, da werdet ihr sehen, dass der Name
von Gott überhaupt nicht vorkommt. Es spielt sich alles auf dem Vordergrund
der Bühne ab und es ist für jeden Zuschauer ganz vernünftig und logisch zu
erklären. Das Ganze ist weiter nichts als eine Reihe von Zufällen. Erst hat
Prinzesschen den Einfall, Federball zu spielen, dann fällt der Ball ins
Schilf, dann fällt denen das Kästchen auf und so weiter.
Und nur das Auge des Glaubens erkennt hinter den Kulissen die Hand Gottes,
die hier Regie führt. Denn mit diesem Kind hat Gott noch was ganz großes
vor. Als das Kind größer wird, wird es zur Tochter des Pharaos an den Hof
gebracht, und wird bei ihr am königlichen Hof als Prinz erzogen. Als erstes
gibt sie dem Kind einen Namen, nämlich den Namen Mose. Mose ist der Mann,
der später das Volk Israel einmal aus der ägyptischen Sklaverei
herausführen soll. Das ist der Mann, der außer Jesus Christus der
bedeutendste Mann auf dieser Erde gewesen ist und der wie kein anderer
Jesus Christus nahesteht. Es steht in der Bibel, Buch der Offenbarung,
Kapitel 15: Wenn die Aufrechten, die sich den Mächten dieser Welt nicht
gebeugt haben, vor Gott stehen, werden Sie das Lied des Mose singen und das
Lied von Jesus.[12] Ich hab euch die Geschichte erzählt, weil ich euch
wünsche, dass ihr dann mit dabei seid.
_
[1] Ramses II (1303 v.Chr. – 1213 v.Chr.). Einer der bedeutendsten
Pharaonen des alten Ägypten. Ihm gelang es durch diplomatisches Geschick,
Ägypten aus Konflikten v.a. mit den Hethitern heraus zu halten.
Bibelkritische Forscher weisen darauf hin, dass der Exodus sich nicht in
den ägyptischen Annalen wiederfinde. Gelegentlich wird sogar die
Historizität des Exodus als solche in Frage gestellt. Zu bedenken ist aber,
dass der Exodus eine für das ägyptische Reich äußerst schmachvolle
Niederlage darstellte, die womöglich aus der ägyptischen
Geschichtsschreibung getilgt wurde. Bereits die Niederlage gegen die
Hethiter bei der Schlacht um Kadesch in Nordsyrien wurde von Ramses II. in
einen Sieg umgemünzt. – Anm. des Schreibers.
[2] 2. Mose 1, 9-10
[3] Vers 11
[4] Vers 12
[5] Sacharja 2, 12
[6] Die beiden Hebammen hießen Siphra und Pua. – Anm. des Schreibers.
[7] 2. Mose 2, 16
[8] 2. Mose 20, 2-3
[9] Theo Lehmann bezieht sich auf die damalige Diskussion um den
Umtauschkurs DDR-Mark zu D-Mark. – Anm. des Schreibers.
[10] Es ging um die Debatte wg. des Paragraphen 218. Bundeskanzler Kohl
bezeichnete es damals als unerträglich, dass in einem der reichsten Länder
der Erde Frauen wegen einer angeblichen sozialen Notlage abtreiben ließen.
Ziel einer jeden Reform müsse sein, dass es am Ende weniger Abtreibungen
gebe. – Anm. des Schreibers.
[11] 2. Mose 2, 19
[12] Frei zitiert nach Offenbarung 15, 2-3

