Einordnung des Gleichnisses und Rückblick auf die bisherige Stelle
Gott wird Mensch, Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist.
Episode 698: Das Gleichnis von den Weingärtnern, Teil 3, Markus 12, die Verse 1-9.
Und er fing an, in Gleichnissen zu ihnen zu reden: Ein Mensch pflanzte einen Weinberg, setzte einen Zaun darum, grub einen Keltertrog und baute einen Turm. Dann verpachtete er ihn an Weingärtner und reiste außer Landes.
Und er sandte zur bestimmten Zeit zu den Weingärtnern einen Knecht, um von den Weingärtnern etwas von den Früchten des Weinbergs zu empfangen. Sie aber nahmen ihn, schlugen ihn und sandten ihn leer fort.
Und wieder sandte er einen anderen Knecht zu ihnen. Den verwundeten sie am Kopf und beschimpften ihn. Und er sandte einen anderen, und den töteten sie. Und viele andere: Die einen schlugen sie, die anderen töteten sie.
Noch einen hatte er, einen geliebten Sohn. Den sandte er als Letzten zu ihnen, indem er sprach: Sie werden sich vor meinem Sohn scheuen.
Jene Weingärtner aber sprachen zueinander: Dies ist der Erbe. Kommt, lasst uns ihn töten, und das Erbe wird unser sein! Und sie nahmen und töteten ihn und warfen ihn zum Weinberg hinaus.
Was wird der Herr des Weinbergs tun? Er wird kommen und die Weingärtner umbringen und den Weinberg anderen geben.
An dieser Stelle waren wir stehen geblieben.
Unterschiede in den Evangelienberichten
Es gibt hier kleine Unterschiede in der Berichterstattung. Bei Markus klingt es so, als würde Jesus eine rhetorische Frage stellen: Was wird der Herr des Weinbergs tun? Eine rhetorische Frage, die er dann selbst beantwortet.
Ganz ähnlich bei Lukas. Lukas 20,15-16: Was wird nun der Herr des Weinbergs ihnen tun? Er wird kommen und diese Weingärtner umbringen und den Weinberg anderen geben. Als sie aber das hörten, sprachen sie: „Auf keinen Fall!“ Hier reagieren die Zuhörer auf die Erklärung Jesu, also auf die Idee, dass der Herr des Weinbergs die Weingärtner umbringen und den Weinberg anderen geben wird, ablehnend: „Auf keinen Fall!“
Ganz anders bei Matthäus, wo es im Gegenteil die Zuhörer sind, die die Frage beantworten. Matthäus 21,40-41: Wenn nun der Herr des Weinbergs kommt, was wird er jenen Weingärtnern tun? Sie sagen zu ihm: Er wird jene Übeltäter übel umbringen, und den Weinberg wird er an andere Weingärtner verpachten, die ihm die Früchte zu ihrer Zeit abgeben werden.
Wie man die Reaktionen der Zuhörer versteht
So, wenn wir uns fragen, was denn nun stimmt, ob es die Zuhörer sind, die die Frage beantworten, oder ob es stattdessen Jesus ist, der das tut, oder ob die Zuhörer sich mit der Antwort Jesu schwer tun oder nicht, dann noch einmal der Hinweis: Wir müssen davon ausgehen, dass die Evangelienberichte, gerade bei Reden, Zusammenfassungen und Kürzungen darstellen.
Und noch etwas ist wichtig: Gerade wenn eine rhetorische Frage im Raum steht, wird es solche Zuhörer geben, die diese beantworten wollen. Und es wird solche Zuhörer geben, die verstanden haben, dass es sich um eine rhetorische Frage handelt, und die dementsprechend auf die Antwort warten. Dieses Phänomen kann man bei fast jeder Predigt beobachten, wenn der Prediger eine rhetorische Frage nur etwas zu lange unbeantwortet im Raum stehen lässt.
Dasselbe gilt für die Reaktion der Zuhörer. Es gibt solche, die dem Urteil Jesu zustimmen: Ja, es ist völlig richtig, dass die Weingärtner umgebracht werden. Und dann gibt es anscheinend auch solche, denen es langsam dämmert, was hier gespielt wird, die immer mehr sich selbst in der Rolle der Weingärtner sehen und natürlich auch verstehen, dass der Besitzer des Weinbergs Gott selbst ist. Und die gerade nicht zustimmen wollen, ganz einfach, weil sie merken, dass sie sich damit selbst verurteilen würden.
Die Unterschiede in der Berichterstattung sind also dem Rahmen geschuldet und deuten für mich auf eines hin: Hier liegen die Nerven langsam blank. Es ist für den Herrn Jesus deshalb Zeit, zum Schluss zu kommen.
Der Stein aus dem Psalm als Schlüsselbild
Und das tut er mit einem Zitat aus Psalm 118, Matthäus 21,42. Jesus spricht zu ihnen: „Habt ihr nie in den Schriften gelesen: Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, dieser ist zum Eckstein geworden; vom Herrn her ist dies geworden, und es ist wunderbar in unseren Augen.“
Ich mag es, wenn Jesus formuliert: „Habt ihr nie in den Schriften gelesen?“ Ganz losgelöst von der Situation hier wird eines deutlich. Jesus erwartet von seinen Gegnern, dass sie ihre Bibel kennen. Und wenn er es von seinen Gegnern erwartet, dann wohl auch von uns, die wir ihn Herr nennen.
Das Christentum ist eine Buchreligion, und wir tun gut daran, das Buch, das Gott uns geschrieben hat, so gut zu kennen, wie es uns persönlich möglich ist. Ich weiß, dass dies gerade für junge Christen, deren Lesekompetenz und deren Textverständnis nicht genügend geschult wurden, eine echte Herausforderung sein kann. Und ich frage mich, welche Unterstützung Gemeinden hier geben müssen, damit in Zukunft christliche Nachfolge nicht an der Schulbildung scheitert.
Auf alle Fälle kommt da ein Problem auf uns zu, dem wir uns nicht verschließen dürfen.
Der Gerechte im Psalm und seine Erfüllung in Jesus
Aber kommen wir zu Psalm 118 zurück. Hier das Zitat im Original: Psalm 118,22-23. Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden. Vom Herrn ist dies geschehen, es ist ein Wunder vor unseren Augen.
Wer spricht hier im Psalm, oder anders gefragt: Wer identifiziert sich mit diesem Stein, den die Bauleute erst als unbrauchbar verwerfen, um dann festzustellen, dass sie ihn als Eckstein brauchen? Der Eckstein ist dabei der wichtigste Stein des Gebäudes. Auch wenn wir nicht genau wissen, ob er das Fundament ausrichtet oder den Schlussstein bildet, es handelt sich um den wichtigsten Stein im Gebäude.
Also, wer redet in Psalm 118? Antwort: Es ist der Gerechte, der Gottes Gnade erfahren hat. Er hat aus der Bedrängnis zu ihm gerufen und wurde gerettet. Von den Menschen wird er gehasst, verfolgt und umgestoßen, aber immer wieder erfährt er Gott selbst als einen, der auf seiner Seite steht, als einen Zufluchtsort, als Retter und als den, der züchtigt, aber den Gerechten nicht dem Tod überlässt.
In Psalm 118 feiert der Gerechte seinen treuen Gott: Psalm 118,6. Der Herr ist für mich, ich werde mich nicht fürchten; was könnte ein Mensch mir tun?
Wir kennen den Psalm schon, weil Vers 26 von den Pilgern zitiert wurde, als Jesus in Jerusalem einzog: Gesegnet sei, der da kommt im Namen des Herrn. Und genau der, der da im Namen Gottes kommt, der ist auch der Stein, den die Bauleute verworfen haben.
Der Stein ist also ein Mensch, ein Mensch, der gehasst und verfolgt wird, weil man ihn zu Fall bringen will, ein Mensch, der nur deshalb noch steht, weil er Gott fürchtet und sich bei ihm birgt. Der Stein, den die Bauleute verwerfen, ist Jesus, ein Stein, an dem sich die Geister scheiden. 1. Petrus 2,6-7: Denn es ist in der Schrift enthalten: Siehe, ich lege in Zion einen auserwählten, kostbaren Eckstein, und wer an ihn glaubt, wird nicht zu Schanden werden. Euch nun, die ihr glaubt, bedeutet er die Kostbarkeit. Für die Ungläubigen aber gilt: Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, dieser ist zum Eckstein geworden.
Merkt ihr? Für die einen ist Jesus ein auserwählter, kostbarer Eckstein, das Objekt ihres Glaubens, eine Kostbarkeit. Für die anderen ist er nur ein unbedeutender Rabbi, den man hassen und verfolgen und für die eigenen Pläne opfern kann.
Schlussgedanken und praktische Anwendung
Was könntest du jetzt tun? Nimm dir heute Zeit, um Jesus ausgiebig anzubeten. Bewundere ihn als den auserwählten, kostbaren Eckstein. Er ist es wirklich wert.
Das war’s für heute. Denke darüber nach, wie du jungen Christen dabei helfen kannst, Lesekompetenz zu entwickeln. Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.