Serie•Teil 1 / 2Einführung in das Buch des Propheten Jona
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Ein gemeinsamer Anfang im Gebet
Wir wollen noch zusammen beten.
Gott, unser Vater, wir möchten dich preisen im Namen des Herrn Jesus Christus, dass wir heute Nachmittag auch wieder so zusammen sein dürfen, um dein Wort zu studieren. Hilf du uns, dass wir dein Wort verstehen, dass dein Wort unser Leben verändert und es umgestaltet in das Bild deines geliebten Sohnes. Und hilf uns, dass wir auch das ausleben können, was wir heute Nachmittag lernen, und dass die Erkenntnis deines Wortes uns dazu bringt, dass wir dich mehr lieben und dich anbeten.
Wir danken dir dafür. Amen!
Der Einstieg in das Thema und die erste Lesung
Ja, jetzt kommen wir zum Thema von heute Nachmittag: Einführung in das Buch des Propheten Jona. Haben alle das Skript bekommen? Wer noch nicht? Hand hoch!
Zu Beginn lesen wir aus Kapitel 1. Auf Seite 2 und folgende habe ich eine möglichst wörtliche Übersetzung des Propheten aus dem Hebräischen gemacht.
Und es geschah das Wort des Herrn zu Jona, dem Sohn Amittais, indem er sagte: Steh auf, geh nach Ninive, der großen Stadt, und rede gegen sie. Denn ihre Bosheit ist vor mein Angesicht aufgestiegen.
Da stand Jona auf, um nach Tarsis zu fliehen, von dem Angesicht des Herrn weg. Und er ging hinab nach Jaffo, und er fand ein Schiff, das im Begriff stand, nach Tarsis zu fahren. Und er bezahlte seinen Fahrpreis, und er ging hinab, um mit ihnen nach Tarsis zu fahren, weg von dem Angesicht des Herrn.
Der Herr aber warf einen großen Wind auf das Meer, und so entstand ein großer Sturm auf dem Meer. Und das Schiff drohte auseinanderzubrechen. Und die Schiffsleute fürchteten sich, und dann schrie jeder zu seinem Gott. Und sie warfen die Geräte, die im Schiff waren, in das Meer, um es von ihnen zu erleichtern.
Jona jedoch war in den unteren Schiffsraum hinabgestiegen, hatte sich hingelegt und war in einen Tiefschlaf gefallen. Und es nahte zu ihm der Kapitän, und er sprach zu ihm: Was ist mit dir, o Tiefschläfer? Steh auf, ruf zu deinem Gott. Vielleicht wird der Gott, das bedeutet der wahre oder höchste Gott, an uns denken, und so werden wir nicht umkommen.
Und sie sprachen einer zum anderen: Kommt und lasst uns Lose werfen, damit wir erkennen werden, um wessen Willen dieses Unglück uns trifft. Und sie warfen Lose, und das Los fiel auf Jona. Und sie sprachen zu ihm: Sag uns doch, um wessen Willen uns dieses Unglück trifft. Was ist deine Arbeit, und woher kommst du, und welches ist dein Land, und aus welchem Volk bist du?
Und er sprach zu ihnen: Ich bin ein Hebräer, und ich fürchte den Herrn, den Gott des Himmels, der das Meer und das Festland gemacht hat.
Da fürchteten die Männer sich mit großer Furcht und sprachen zu ihm: Warum hast du dies getan? Denn die Männer wussten, dass er von dem Angesicht des Herrn weg auf der Flucht war, denn er hatte es ihnen erzählt.
Da sprachen sie zu ihm: Was sollen wir dir tun, damit sich das Meer gegen uns beruhigen wird? Denn das Meer wurde immer stürmischer.
Und er sprach zu ihnen: Hebt mich auf und werft mich in das Meer, und so wird sich das Meer gegen euch beruhigen. Denn ich weiß, dass dieser große Sturm um meinetwillen gegen euch tobt.
Und die Männer ruderten hart, um das Schiff zum Festland zurückzubringen, aber sie vermochten es nicht, denn das Meer wurde immer stürmischer gegen sie.
Da riefen sie zu dem Herrn, und nun kommt ein poetischer Text. Alles bisher ist in Jona Prosa, und jetzt kommt Poesie. Darum habe ich das hier in Verszeilen abgedruckt:
Ach Herr, lass uns doch nicht umkommen wegen der Seele dieses Mannes und lege nicht unschuldiges Blut auf uns. Denn du, Herr, hast gehandelt, wie es dir gefallen hat.
Sie hoben Jona auf und warfen ihn ins Meer. Da stand das Meer still von seinem Wüten. Da fürchteten die Männer den Herrn mit großer Furcht und schlachteten dem Herrn Schlachtopfer und gelobten Gelübde.
Bis dahin. Wir gehen zu Seite eins, der Zeitpunkt der Entstehung des Buches.
Die geschichtliche Einordnung und die Zeit des Propheten
Wann lebte der Prophet Jonah? Dies erfahren wir aus 2. Könige 14,25. Es geht hier um die Zeit von Jerobeam dem Zweiten, König über das Nordreich der zehn Stämme, das Nordreich Israel. Er stellte die Grenze Israels wieder her, vom Eingang Hamats bis an das Meer der Ebene. Das ist das Tote Meer, nach dem Wort des Herrn, des Gottes Israels, das er geredet hatte durch seinen Knecht Jonah, den Sohn Amiteis, den Propheten, der von Gat-Hefer war. Denn der Herr sah, dass das Elend Israels sehr bitter war und dass dahin war der Gebundene und dahin der Freie, und dass kein Helfer da war für Israel. Und der Herr hatte nicht gesagt, dass er den Namen Israels austilgen würde unter dem Himmel hinweg. So rettete er sie durch die Hand Jerobeams, des Sohnes Joas.
Jerobeam herrschte nach der korrekten Datierung der Königszeit von 825 bis 785 v. Chr. In der Fußnote habe ich erklärt, so nach korrekter biblischer Datierung. Das ist also die Datierung, die man in dem bereits heute Morgen empfohlenen Buch von Floyd Nolan Jones, The Chronology of the Old Testament, nachlesen kann. Wie heute Morgen, wenn irgendwelche Fragen zu den Zahlen bei den Königen aufkommen, die wir so schnell und in Übersicht behandelt haben, dann findet man hier alles beantwortet. Es gibt auch eine CD dazu. Da kann man eine große Karte ausdrucken, auf der man all diese Schwierigkeiten und besonderen Zählweisen nachvollziehen kann. Ich möchte das also sehr, sehr empfehlen.
Thiele hatte Jonah und die Zeit Jerobeams etwas später datiert, nämlich von 782 bis 753 v. Chr.
Die Botschaft des Buches und der Blick auf die eigene Zeit
Nun, das Thema dieses Buchs kann man mit einem Titel umschreiben: Gottes Gnade gilt nicht nur Israel, sondern auch den Heidenvölkern.
Wir haben gleich gelesen in 2. Könige 14, dass die Zeit Jerobeams eine Zeit war, in der Gott sich über das Elend der zehn Stämme erbarmt hatte. Und darum gab es unter Jerobeam II. ein ganz neues Aufleben, einen wirtschaftlichen Aufschwung in diesem Königreich, das von Anfang an, seit der Spaltung im Jahr 976 vor Christus, immer im Götzendienst verharrte. Es gab nie eine Reformation. Im Südreich gab es unter verschiedenen Königen Reformationen, im Norden nie, nicht einmal dort. Und trotzdem hat sich Gott über Israel erbarmt und Gnade gegeben.
Jerobeam hat also vierzig Jahre lang geherrscht. Und über diese vierzig Jahre hinweg gab es einen richtigen Aufschwung. Aber traurig ist, dass wir zum Beispiel im Buch Amos erfahren, dass man all diesen Aufschwung benutzt hat, um im Luxus zu schwelgen und sich überhaupt nicht zu sorgen um die Zukunft und um das angekündigte Gericht.
Wir können das sehr schön mit unserer Zeit vergleichen. Ab dem Zweiten Weltkrieg hat Europa nach der Katastrophe einen Aufschwung erlebt, wie man ihn in der ganzen Weltgeschichte zuvor noch nie gesehen hat. Und die Leute sind immer reicher geworden. In den 50er Jahren waren viele aus unseren Familien noch arme Leute, und auch in den 60er Jahren noch viele, wenn auch etwas weniger als in den 50er Jahren. Aber sie wurden immer reicher, und diesen Wohlstand, den wir heute in unserer Zeit genießen, der ist sensationell.
In dem Sinn, dass ganz gewöhnliche Leute heute so leben wie früher Fürsten. Ja, sie haben kein Privatorchester, wie die früheren Fürsten auf ihrer Burg ein Streichorchester für schöne Anlässe hatten. Nein, sie haben vier, fünf Stunden Musik mit dem iPod. Und sie haben sich tausend Lieder heruntergeladen. Man stelle sich vor: Sie haben alles. Und natürlich fließend warmes und kaltes Wasser, das ist ja sowieso selbstverständlich. Aber was man da alles zur Verfügung hat: eine Mobilität. Und eben, man kann essen, was man will.
Früher hat man Brot gekauft, heute kann man Kartoffelbrot kaufen, man kann Bauernbrot kaufen, man kann zwanzig verschiedene Sorten Brot kaufen. Also etwas Unglaubliches.
Und warum ist das so? Wir erleben einen Frieden in Europa wie noch nie zuvor. Warum ist Europa so toll geworden, gar nicht so gottlos wie noch nie, und trotzdem geht es so gut? Das ist wie in der Zeit von Jona. Gott hat sich erbarmt und wollte seine Güte zeigen und wollte durch Güte uns zur Buße leiten. Aber viele haben diese Sprache nicht verstanden.
Und wenn dann einmal die Katastrophe über Europa kommt, dann werden sie Gott anklagen: Wie kannst du so etwas zulassen? Aber Gott hat die Möglichkeit, mit uns zu sprechen, in Güte und in Strenge. So steht es in Römer 11: Siehe die Güte und die Strenge Gottes.
Also, so müssen wir auch unsere Zeit sehen. Das ist nicht eine Bestätigung, dass wir auf dem richtigen Weg sind, sondern es ist Gottes Güte, die uns zur Buße leiten will. Aber viele haben es verstanden und haben seit dem Zweiten Weltkrieg wirklich zur Bekehrung gefunden und Gottes Güte erfasst.
Die weltweite Gnade Gottes und der Auftrag an Jona
Ja, also das Prophetenbuch Jona zeigt, dass Gottes Gnade nicht nur für Israel gilt. Das war in seiner Zeit besonders aktuell, sondern auch für die weit entfernten Heidenvölker. Ich möchte das Buch in kurzen Sätzen so zusammenfassen:
Obwohl Gott Israel als sein Volk auserwählt hat, siehe 5. Mose 7,6, will er auch den anderen Völkern seine Gnade erweisen. Jona muss lernen, die weltweiten Gnadenabsichten Gottes voll zu akzeptieren. Die Tatsache, dass Gott bereit war, den assyrischen Niniviten zu vergeben, zeigt: Auch für den grössten Feind Israels gibt es Gnade, wenn er reuig umkehrt.
Nun wollen wir uns das Buch ein bisschen der Reihe nach vergegenwärtigen. Ganz am Anfang haben wir Gottes Berufung des Propheten zu einem Missionsdienst an die Niniviten. Aber Jona dachte: Oh nein, ich gehe nicht dorthin. Ich weiss ganz genau: Wenn ich dort predige und diese Leute das annehmen, dann wird Gottes Gnade über sie kommen, anstatt dass diese bösen Assyrer endlich gerichtet werden.
Aber wir müssen uns vergegenwärtigen, wer diese bösen Assyrer waren. Ab dem neunten Jahrhundert vor Christus stiegen die Assyrer zur Weltmacht Nummer eins auf. Sie eroberten ein Land im Nahen Osten nach dem anderen, ausgehend vom Nordirak. Da waren Ninive, Assur und andere alte assyrische Städte. Sie unterwarfen ein Volk nach dem anderen, und mit ihren Gegnern gingen sie nicht zimperlich um. Es war üblich, dass man Feinden die Nase abschnitt, dass man sie lebendig häutete, die Zunge herausschnitt und so weiter. Abscheuliche, brutale, heute würde man sagen menschenrechtsverletzende, kriegsverbrecherische Taten waren schlicht das Normale.
Das heisst: Der ganze Nahe Osten zitterte vor den Assyrern. Das war etwa so wie im Kalten Krieg die Angst vor der Sowjetunion. Wann schlagen die mal bei uns zu? Und manche haben ja geahnt, was sich nachher herausgestellt hat. Man hat im Osten bereits den Atomkrieg gegen Westeuropa geübt. Der Plan war da: Ein Drittel wird mit Atomwaffen zusammengeschlagen, und dann wird in kürzester Zeit der Rest von Europa erobert. Man hat in Ostdeutschland geübt, und dann kam der Zusammenbruch. Der Plan wurde nie ausgeführt. Aber wir haben gemerkt: Wenn die kommen, das sind ja nicht die russischen Freunde der SP und so, das sind keine Freunde, sondern wirklich Feinde, die hätten uns alles zusammengeschlagen. Und so haben viele gezittert vor dieser Grossmacht der Sowjetunion. So hat man damals gezittert vor der Grossmacht Assyrien.
Und jetzt wird Jona berufen, dorthin zu gehen und zu den Assyrern zu predigen. Jona hatte Angst. Die gerichtsreifen Assyrer sollen das Gericht Gottes spüren und nicht Gnade finden. Und so flieht er von Gott weg. Der Auftrag in Jona 1,2 war klar: Steh auf, geh nach Ninive, der grossen Stadt, und rede gegen sie, denn ihre Bosheit ist vor mein Angesicht aufgestiegen. Sie waren wirklich böse.
Nun steht Jona auf, wie Gott es befohlen hat. Ja, steh auf. Und dann heisst es in Vers 3: Da stand Jona auf, aber nicht um nach Ninive zu gehen, sondern um nach Tarsis zu fliehen. Tarsis war eine phönizische Kolonie in Südspanien, ein bisschen weiter gelegen als die Brücke von Gibraltar. Die Phönizier, das waren die Kanaaniter im heutigen Libanon mit den wichtigen Städten Tyrus und Sidon. Also sagte sich Jona: Ich gehe nicht nach Ninive im heutigen Nordirak, sondern ich gehe, anstatt in den Osten, nach Westen, und zwar so weit wie möglich bis nach Spanien. Von Amerika wusste er wohl nichts, darum reichte Spanien.
Ich habe unter charakteristischen Ausdrücken und Besonderheiten auf Seite 1 bei Punkt 6 bemerkt: Die Distanz Jaffo–Ninive beträgt etwa tausend Kilometer. Man muss ja ein bisschen über den fruchtbaren Halbmond den Umweg machen, nach Norden, dann ein bisschen abbiegen, über den Nordirak. Das geht etwa tausend Kilometer. Die Distanz Jaffo–Tarsis beträgt etwa 3600 Kilometer. Also er geht in die gegenteilige Richtung, sagen wir mal drei- bis viermal weiter.
Jaffo muss ich noch erklären. Das liegt südlich des heutigen Tel Aviv. Jaffo, im Neuen Testament Joppe, war der grosse Schiffshafen Israels im Altertum. Es war noch nicht Haifa. In der modernen Zeit ist Haifa der grosse Schiffshafen Israels am Mittelmeer geworden. Übrigens ist in diesem Zusammenhang noch interessant: Wenn einmal der Westen in der Endzeit ganz kurz vor dem Wiederkommen des Herrn seine Truppen nach Israel verschiebt, dann müssen die Kriegsschiffe nach Haifa gehen. Im Hinterland von Haifa liegt die Ebene Har Magedon, Jesreel genannt. Das bietet sich dann richtig an als Aufmarschort Har Magedon. Aber das ist erst so, seit der Schiffshafen eben in Haifa liegt. Zur Zeit, als Johannes prophezeit hat, 95 nach Christus, in der Offenbarung, war der Schiffshafen nach wie vor südlich, das heisst also Joppe oder dann der Schiffshafen von Caesarea, schon ein bisschen weiter, aber nicht Haifa. Schon interessant, das ist Prophetie.
Und nebenbei gesagt, das ist jetzt ein kleiner Exkurs: Wenn man vom Karmel herunter eine schöne Sicht in die Har-Magedon-Ebene, die Jesreel-Ebene, hat, dann sieht man einen der grössten Militärflugplätze Israels mit Abflugpisten in alle Himmelsrichtungen. Also ideal, wenn der Westen in Israel aufmarschieren muss: Die Kriegsschiffe können nach Haifa und die Flugzeuge können gerade direkt in Har Magedon landen.
Ja, wir sind jetzt immer noch bei Jaffo. Das liegt also südlich von Tel Aviv. Heute ist das zusammengewachsen mit Tel Aviv, also eine Einheit. Tel Aviv gibt es im Alten Testament noch nicht, nur ein Tel Aviv im Irak, im Buch Ezechiel, aber es ist nicht das Gleiche. Tel Aviv wurde 1909 von den frühen Siedlern gegründet. 1882 sind ja die ersten Juden in grosser Menge nach Palästina zurückgekehrt. 1909 haben sie auf dem Wüstensand Tel Aviv gebaut. Das ist heute das grosse Zentrum, wo man das Vergnügen sucht. In Haifa arbeitet man, das ist das erste Ballungszentrum, und in Tel Aviv hat man Vergnügen. In Jerusalem betet man. Das sind so die drei grossen Zentren. Ja, nur einfach, dass man weiss, wo Jaffo liegt.
Und da hat also Jona ein Schiff gefunden, und zwar war das ein Schiff der Phönizier. Denn die Kanaaniter im Libanon, das waren die führenden Schifffahrtsexperten im ersten Jahrtausend vor Christus. Das steht unter Punkt fünf: charakteristische Ausdrücke und Besonderheiten. Die Phönizier, das bezeichnet die Kanaaniter im Libanon, waren die führenden Schifffahrtsexperten im ersten Jahrtausend vor Christus. Deshalb stiegen sie zur grössten Wirtschaftsmacht der alten Welt auf. So wurde Tyrus eben der Umschlagplatz der Welt. Das war also das New York damals. Wenn man Aktienkurse gehabt hätte, dann wäre das Zentrum bei den Phöniziern in Tyrus gewesen. Das waren die besten Schifffahrer der Welt. Man vergleiche dazu die Prophetie über Tyrus in Hesekiel 26. Da wird diese Wirtschaftsmacht ins Visier des Propheten genommen, und das Gericht wird angekündigt, das sich dann alles wörtlich erfüllt hat. Und dann, ganz eindrücklich, im nächsten Kapitel, in Hesekiel 27, hat man ein ganzes Kapitel, das eine wunderbare Beschreibung von einem solchen modernen, damals hochmodernen phönizischen Handelsschiff gibt. Aber am Schluss geht das Ganze unter. Ein Handelsschiff wird beschrieben, das am Schluss im Meer ertrinkt, aber ganz, ganz eindrücklich beschrieben. Das muss man einmal nachlesen. Da bekommt man einen kleinen Eindruck davon, was das für ein Schiff war, mit dem Jona aufs Mittelmeer ging, um eben nach Europa zu fliehen.
Das war also eine andere Europareise als die von Paulus. In Apostelgeschichte 16 war Paulus noch in der heutigen Türkei. Dann hat er sich gefragt: Wo sollen wir weiter in die Mission gehen? Und dann kam dieser Traum vom mazedonischen Mann, der rief: Komm herüber und hilf uns! Und dann hat Paulus mit seinen Freunden zusammen beschlossen, am nächsten Tag: Das ist ein Ruf Gottes. So kam der Heidenapostel nach Europa, um das Evangelium hier zu verkündigen. Aber Jona, lange Jahrhunderte vor ihm, ging auch nach Europa, aber eben, um vor dem Angesicht des Herrn zu fliehen.
Schrecklich: Ein Prophet war er, und zwar ein beglaubigter Prophet, denn wir haben in 2. Könige 14 gelesen, wie seine Prophetie sich erfüllt hat. Damals traf alles genau so ein, wie Jona vorausgesagt hatte. Und dieser Mann will jetzt von Gott fliehen. Also wir haben es hier nicht mit einem Ungläubigen zu tun, der vor Gott flieht, sondern mit einem Gläubigen, der vor Gott flieht, weil er einfach nicht gehorchen will. Er weiss, was Gottes Wille für sein Leben ist, aber er will nicht. Und so geht er auf die Reise.
Dieser Ausdruck, den wir wiederholt gelesen haben, „er floh von dem Angesicht des Herrn weg“, kommt zum ersten Mal in der Bibel vor in 1. Mose 4. Das ist die Geschichte von dem gottlosen Kain, dem Brudermörder. Das war kein Atheist, denn er hat sogar mit Gott gesprochen. Er wusste um die Existenz Gottes. Aber 1. Mose 4,16 sagt: Und Kain ging weg von dem Angesicht des Herrn und wohnte im Lande Nod, östlich von Eden, weg vom Angesicht des Herrn. Schrecklicher Ausdruck!
Im Judasbrief wird darauf angespielt. Dort geht es um die abgefallene Christenheit. Von dieser abgefallenen Christenheit wird gesagt in Judas 10-11: Diese aber lästern, was sie nicht kennen. Was sie aber von Natur wie die unvernünftigen Tiere verstehen, darin verderben sie sich. Also keine Gottesfurcht, das Gegenteil, Lästerung. Und das, was sie verstehen wie die unvernünftigen Tiere, das ist übrigens das Triebleben, die Sexualität. Das verstehen sie so wie unvernünftige Tiere, und darin verderben sie sich. Das spricht schon in unsere Zeit hinein. Und dann wird erklärt: Wehe ihnen! Denn sie sind den Weg Kains gegangen. Das ist der Weg weg vom Angesicht des Herrn. Das entspricht diesem Abfall von Millionen von Menschen seit den Sechzigerjahren, wo man die sexuelle Revolution eingeläutet hat. Da haben sie begonnen, wie die unvernünftigen Tiere sich in den Dingen, die sie natürlicherweise verstehen, zu verderben, weg von dem Angesicht des Herrn.
Aber bei Jona ist es ein Gläubiger, der weggeht vom Angesicht des Herrn, nicht nur ein Bekenner. Schrecklich übrigens: Judas 11 sagt: Wehe ihnen! Denn sie sind den Weg Kains gegangen und haben sich für Lohn dem Irrtum Bileams überliefert und in dem Widerspruch Korahs sind sie umgekommen. Der Weg Kains geht weg von Gott. Der Irrtum Bileams war dieser Irrtum: Es ist möglich, Israel zu verfluchen. Das war völlig unmöglich. Gott lässt das nie zu, dass sein errettetes Volk einfach verflucht wird. Das war der Irrtum Bileams, und er meinte, damit Geld zu kassieren. Also das ist ein Bild von den Menschen, die versuchen, mit Religion Geld zu machen. Und ich kann schon erklären: Das kann man auf ganz einfache Art machen. Viele haben das auch gemacht. Wir haben zum Beispiel in Zürich an der Uni Theologie studiert, weil sie nicht wussten, was sie sonst studieren sollten. Echt, das ist kein böser Spruch, das ist so. Auch in den sechziger Jahren waren das viele Linke. Die haben sich gesagt: Wie könnte ich aktiv sein und gut unterstützt sein? Ja gut, ich studiere Theologie, kriege eine Wohnung, zehntausend Franken Gehalt, und dann muss ich ja nicht unbedingt Seelsorge machen, sondern habe eine gute Plattform für meine linke Propagandaarbeit. Also, das ist der Irrtum Bileams.
Und dann der Widerspruch Korahs: Korah hat sich aufgelehnt gegen die Autorität von Mose, der das Wort Gottes brachte, und gegen die Autorität Aarons, der als Priester das Opfer in Israel brachte. Und so haben wir diese Rebellion gegen Gottes Wort als Autorität und die Rebellion gegen das stellvertretende Opfer Christi. Dieser Vers ist genau die Umkehrung von Johannes 14,6, wo der Herr Jesus sagt: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater als nur durch mich. Ich bin der Weg zum Vater, hier haben wir den Weg Kains weg vom Angesicht des Herrn. Ich bin der Weg, die Wahrheit, da haben wir als Gegensatz: Sie haben sich für Lohn dem Irrtum Bileams überliefert. Irrtum ist das Gegenteil von Wahrheit. Und der Herr Jesus sagt: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Aber hier steht: In dem Widerspruch Korahs sind sie umgekommen, gestorben im Gericht, das Gegenteil vom Leben.
Ja, also das einfach zur Vertiefung dieses schrecklichen Ausdrucks: Jona floh vor dem Angesicht des Herrn. Wir haben oft in der Bibel diesen Ausdruck „das Angesicht des Herrn“. Das bedeutet nichts anderes als in die Gegenwart Gottes kommen, vor ihm treten. Aber Jona wollte weg, weil er diesen Auftrag nicht erfüllen wollte. Bewusster Ungehorsam im Leben eines Gläubigen.
Der Abstieg des Propheten und die Bewegung nach unten
Ja, und dann haben wir einen ganz traurigen Niedergang im Leben von Jona. Also, er steht auf, Jona 1,3, aber in dem zweiten Satz: „Und er ging hinab nach Jaffo.“ Natürlich, er wohnte in Galiläa, denn wir haben ja gelernt aus 2. Könige 14, dass er von Gat-Hefer war. Das ist einige Kilometer entfernt von Nazareth, wo später der Erlöser die längste Zeit seines Lebens wohnen sollte.
Von Gat-Hefer ging er hinab nach Jaffo. Das ist natürlich weiter unten, weil es ja auf Meereshöhe ist. Ja, ungefähr. Da ging er hinab nach Jaffo. Aber dieses geografische Hinabgehen entsprach auch seinem Weg, seinem geistlichen Weg, der hinabging.
Und dann heißt es dort in Jaffo: „Und er fand ein Schiff, das im Begriff stand, nach Tarsis zu fahren, und er bezahlte seinen Fahrpreis, und er ging hinab in es.“ Ja, er muss also vom Westland in Jaffo hinabsteigen. Im Schiff ist er dann noch weiter unten, um mit ihnen nach Tarsis zu fahren, weg von dem Angesicht des Herrn.
Aber da war noch nicht genug weit unten. Es kommt da ein Wind, Vers 4, ein Sturm. Alle fürchten sich, außer einem. Denn wir lesen in Vers 5: Am Schluss war Jona jedoch in den unteren Schiffsraum hinabgestiegen. Also, er war nicht nur jetzt unten im Schiff, sondern er ging noch weiter bis in den unteren Schiffsraum. Und das war auch noch nicht tief genug. Er hatte sich hingelegt. Also, er lag da unten dann noch flach. Der Kopf war also nicht so, sagen wir, 60 oder 70 Zentimeter über dem Boden. Er hat sich noch flachgelegt, und auch das war noch zu wenig tief.
Er fiel in einen Schlaf, und zwar sagt die Bibel in dem hebräischen Wort nicht einfach einen Schlaf, sondern einen Tiefschlaf. Das hebräische Wort Tardemar ist das gleiche Wort, das wir zum ersten Mal in der Bibel bei der Operation von Adam finden. Gott hatte Adam in einen Tiefschlaf fallen lassen. In dem Fall war das eine echte Narkose, und dann hat Gott eine Rippe herausoperiert, um daraus Eva zu bilden. Ja, zu klonen, kann man sagen, ja.
Ja, und wir können das auch nachdenken. Natürlich, es war Gottes Wunderwerk, aber in jeder Zelle von Adam stand ja, wie man Adam bauen muss. Aber die Chromosomen sind XY, und es musste ja eine Frau gebaut werden. Gott baute aus der Rippe eine Frau, ihm entsprechend. Da muss man einfach theoretisch überlegen: das Y abstreichen, das X verdoppeln, dann ist es eine Frau. Aber sie entspricht ihm ganz, denn Gott hat gesagt: Ich will ihm eine Hilfe machen, ihm entsprechend.
Ja, also da finden wir zum ersten Mal diesen Tiefschlaf, und Jona fällt also in einen tiefen, tiefen Schlaf. Es war keine Narkose, aber ein sehr gründlicher Schlaf. Aber auch das war noch nicht genügend tief. Er wird ja geweckt und muss den Phöniziern, diesen kanaanitischen Götzen, erklären, warum eigentlich dieser Sturm gekommen ist. Und er sagt: Das ist wegen mir, wegen meinem Ungehorsam. Und er sagt: Ihr müsst mich einfach über Bord werfen.
Und da warfen sie ihn aus dem Schiff ins Wasser hinunter. Da kam er noch tiefer als in seinen Tiefschlaf. Aber im Wasser blieb er nicht einfach so da oben im Bereich des Meeresspiegels, sondern er wurde von einem Fisch verschluckt und kam in den Bauch eines Fisches. Und dieser Fisch, wie wir dann noch sehen werden im weiteren Text, schwamm dann hinab in die Tiefen des Meeres.
Also, schon eindrücklich dieses Absteigen des ungehorsamen Propheten. Und so ist es, wenn wir vom Herrn weggehen, dann geht es abwärts, und es entsteht eine Dynamik. Das bleibt nicht stehen, es geht immer weiter abwärts. Erst wenn die Buße und die Umkehr kommt, gibt es eine Wende.
In Kapitel 2 werden wir dann Jonas Bußgebet anschauen, und Gott bringt ihn wieder hinauf bis aufs Festland. Dann ist er sogar bereit, nach Nordirak zu reisen, um Gottes Auftrag zu erfüllen.
Die Grundstruktur des Buches
Ich habe auf Seite zwei unter dem Titel Der Aufbau des Buches folgende Einteilung notiert:
Das ganze Buch Jona ist sehr einfach einzuteilen. Diese vier Kapitel bestehen aus zwei grossen Teilen: Kapitel 1–2 und Kapitel 3–4.
In Kapitel 1–2 haben wir römisch I: Gottes Werk an Jona im Westen. Jona floh ja in den Westen, aufs Mittelmeer, Richtung Tarsis, und Gott tut sein Werk an dem Propheten, um ihn zur Umkehr und Busse zu führen. Aber nachdem er umgekehrt war, war er bereit, in den Osten zu gehen. So haben wir römisch II: Gottes Werk an Ninive im Osten. Also ganz eindrücklich, diese Entsprechung.
Römisch I lässt sich so aufteilen:
Erstens: Jonas Abkehr und der grosse Sturm, Kapitel 1.
Zweitens: Jonas Umkehr und der grosse Fisch, Kapitel 2.
Römisch II lässt sich so einteilen:
Erstens: Jonas Demut und die grosse Erweckung, Kapitel 3.
Zweitens: Jonas Unmut und Gottes grosse Gnade, Kapitel 4.
Gottes Handeln in Natur, Zufall und Ordnung
Was weiter in Kapitel eins zu denken gibt, ist, wie Gott in der Natur handelt. Ich habe bei charakteristischen Ausdrücken und Besonderheiten beim drittletzten Punkt notiert: Gottes Walten über die Natur.
Er wirft einen heftigen Wind aufs Meer. So haben wir das gelesen in Kapitel 1, Vers 4: Der Herr aber warf einen grossen Wind auf das Meer.
Dann werden wir in Kapitel 2 davon lesen, dass er dem Fisch befiehlt, Jona auszuspeien. Ja, 2,11, das ist eigentlich hier in der Zählung 3,1: Und der Herr gab dem Fisch einen Befehl, und da spie er Jona an das Festland.
Weiter lesen wir davon, wie Gott Dinge bestellt. Es heisst schon in Kapitel 2, Vers 1, dass er einen grossen Fisch bestellt: 2,1, und der Herr entbot, oder bestellte kann man auch übersetzen, einen grossen Fisch, um Jona zu verschlingen.
Weiter liest man in Kapitel 4, Vers 6, wie er einen Wunderbaum, eine Rizinusstaude, einen Wurm und einen schwülen Ostwind bestellt. 4,6 lese ich vor, ich meine natürlich 4,6: Und der Herr, Gott, entbot eine Rizinusstaude und liess sie zugunsten von Jona über ihm emporwachsen, um ein Schatten über seinem Haupt zu sein, um ihn von seinem Übel zu retten. Das ist das Gebot für den Baum.
Und dann der Wurm und der Ostwind, Verse 7 und 8: Und der höchste Gott, der wahre Gott, entbot am folgenden Morgen beim Aufgang der Morgenröte einen Wurm. Und es stach die Rizinusstaude, und so vertrocknete sie. Vers 8: Und es geschah, als die Sonne aufging, da entbot Gott einen glühend heissen Ostwind, und die Sonne stach auf den Kopf Jonas, und so sank er schlaff nieder und bat, dass seine Seele sterben möge.
Also ganz eindrücklich, wie Gott über die Natur verfügt und aktiv da einwirkt. Wir können übrigens noch mehr dazu aus dem Buch Jona entnehmen. Ich habe beim Bibeltext Fussnote 8, das ist auf Seite drei, dort habe ich noch hingeschrieben: Gottes Macht über die Natur. Er wirft einen Wind aufs Meer, 1,4, entbietet einen grossen Fisch, um Jona zu verschlingen, 2,1, und befiehlt dem Fisch, Jona auszuspeien. Ferner entbietet er eine Rizinusstaude, 4,6, einen Wurm, 4,7, und einen glühend heissen Ostwind, 4,8.
Er hat auch Macht über den Zufall. Davon haben wir in Kapitel 1 ja gelesen. Diese Phönizier haben das Los geworfen, um herauszufinden, wer der Schuldige an diesem Sturm ist. Und es ist uns klar: Nach Zufallsprinzip wird man sicher nicht den Schuldigen so finden. Das geht nur, wenn der Zufall in der Hand Gottes ist. Und so hat Gott das geführt, dass dieses menschlich geworfene Los auch den Richtigen traf. Also Gott ist der Gott, der auch den Zufall in der Hand hat.
Der Gott der Bibel ist nicht der Gott der Aufklärung. In der Aufklärungszeit hat man sich ja ganz bewusst von der Bibel als Autorität distanziert, im siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert. Und da hat man nicht gesagt: Es gibt keinen Schöpfer, weil den Leuten war völlig klar, von irgendwoher muss ja die Ordnung der Welt kommen, also einen Schöpfer brauchen wir. Aber man hat sich gesagt: Wir glauben nicht an einen Gott, wie das in der Bibel steht, der eingreift und Wunder tut. Das gibt es gar nicht, Wunder gibt es gar nicht.
Sie haben sich Gott so vorgestellt: Gott hat am Anfang die Welt geschaffen, wie eine Uhr aufgezogen, und jetzt tickt sie völlig unabhängig vom Schöpfer, und sie läuft ab. Das war der Gott der Deisten, aber das war nicht der Gott der Bibel. Der Gott der Bibel ist nicht nur Schöpfer, sondern auch Erhalter der Welt.
Christus als Schöpfer und Erhalter
Und so lesen wir in Kolosser 1,16 über den Herrn Jesus, den Sohn Gottes. Ja, Vers 16: Denn durch ihn sind alle Dinge erschaffen worden, die in den Himmeln und die auf der Erde, die sichtbaren und die unsichtbaren, es seien Throne oder Herrschaften oder Fürstentümer oder Gewalten. Alle Dinge sind durch ihn und für ihn geschaffen.
Also wird hier erklärt, dass der Sohn Gottes es war, der die Welt erschaffen hat. Gott, der Vater, hat den Plan gefasst, und der Sohn hat den Plan ausgeführt, so wie später Gott, der Vater, den Ratschluss zur Erlösung gefasst hat, und der Sohn hat ihn ausgeführt. Darum ist der Sohn am Kreuz gestorben als Mensch und nicht der Vater.
Aber dann heißt es im nächsten Vers, in Kapitel 1, Vers 17: Und er ist vor allem, und alle Dinge bestehen zusammen durch ihn. Es heißt nicht: Er war vor allem, sondern: Er ist vor allem. Von der Grammatik her würden wir im Deutschen schreiben: „Er war vor allen.“ Aber hier steht: „Er ist vor allen“, weil der Herr Jesus der ewige Gott ist, Jahwe, der sagen kann: Ich bin. Er steht über Raum und Zeit. Er ist vor allen, und alle Dinge bestehen zusammen durch ihn. Das heißt, er hält die ganze Welt zusammen.
Im Mikrokosmos, in der ganzen Welt der Atome und ihrer Bestandteile, Elektronen, Neutronen, Protonen, hält der Sohn Gottes alles zusammen. Das ist die große Frage in der Physik, in der modernen Physik: Was hält die Welt im Innersten zusammen? Das ist der Sohn Gottes. Er hält alles zusammen. Und auch im Makrokosmos, wenn man an die unerforschlichen Weiten des Weltalls denkt, an diese Milliarden von Sternen und Galaxien, hält der Sohn Gottes, Jesus Christus, alles zusammen.
Und es wird einmal der Zeitpunkt kommen, wo er es nicht mehr zusammenhält. Darum sagt Petrus in 2. Petrus 3, dass dann die Elemente aufgelöst werden und im Brande zerschmelzen. Kernfusion, im Brande werden die Elemente zerschmelzen, und dann auch Kernspaltung: Die Elemente werden aufgelöst werden. Übrigens ist das sehr erstaunlich, denn die alten Griechen haben ja gemeint, die Atome könne man nicht spalten. Darum haben sie sie Atomon genannt, das Unteilbare, Atomon. Und wir brauchen immer noch dieses falsche Wort. Wir sprechen immer noch von Atomen, dabei wissen wir ganz genau, dass das Wort falsch ist. Es ist ja spaltbar, und es wird unerhörte Energie frei, genauso wie Petrus schreibt: 2. Petrus 3, dass dann alles im Brande vergehen wird, wenn die Elemente aufgelöst werden.
Und was die alten Griechen auch nicht wussten, ist, dass man die Elemente zerschmelzen kann. Auch das wissen wir erst seit diesen blitzgescheiten Köpfen im zwanzigsten Jahrhundert, die die Kernfusion entdeckt haben. Wenn Elemente zerschmelzen, kann man auch Energie gewinnen. Im Brande, sagt Petrus, werden die Elemente zerschmelzen.
Man vermutet ja, dass die Sonne ihre Energie durch Kernfusion bildet, durch Verschmelzung. Aber man weiß es nicht, weil es irgendwie nicht passt. Man misst ja dauernd diese Neutrinos, die von der Sonne herkommen. Das sind Elementarteilchen, die durch alles hindurchgehen. Da muss man also in die Tiefsee hinuntergehen. Dann macht man jetzt eine neue Station, um Neutrinos vereinzelt doch beobachten zu können. Und was man bisher gesehen hat: Es gibt viel zu wenig von diesen seltsamen Teilchen, wenn die Sonne wirklich durch Kernfusion arbeitet. In anderen Worten: Wir wissen gar nicht, wie die Sonne funktioniert, und sind trotzdem froh über jeden Tag mit Sonnenschein und über diese Sonnenenergie usw. Vielleicht ist es Kernfusion, aber es geht nicht ganz auf. Wir wissen gar nicht, wie die Sonne funktioniert.
Aber eben, das Prinzip der Kernfusion versteht man, und Petrus spricht darüber, dass der Herr Jesus einmal eben die Welt vergehen lassen wird. Und dann wird er sie nicht mehr zusammenhalten. Aber heute hält er alles zusammen.
Und der Prophet Daniel sagte Belsazar, der so Gott gelästert hat, dass er den Gott gelästert hat, der seinen Odem in seiner Hand festhält. Warum konnte Belsazar diese Party feiern? Weil Gott seinen Odem festhielt, da konnte er leben. Aber noch in derselben Nacht ließ der Sohn Gottes den Odem los. Und Belsazar wurde durch die Perser mit einem Schlag getötet.
Ja, das ist der Sohn Gottes, das ist Gott nach der Bibel. Er hat alles erschaffen und erhält alles zusammen. Aber Gott ist ein Gott der Ordnung, nicht der Unordnung. Das lernen wir eigentlich auch schon aus 1. Korinther 14 am Schluss. Da geht es im Zusammenhang um das Gemeindeleben, dass Gott nicht ein Gott des Chaos ist. Sobald Chaos in der Gemeinde ist, dann ist es nicht mehr der Gott der Bibel, der am Wirken ist. Wenn alles durcheinandergeht und man durcheinander betet und durcheinander spricht, dann ist es nicht mehr dieser Gott des Friedens, der Ordnung, der echte Ordnung wirkt.
Und darum, weil Gott eben ein Gott der Ordnung ist, des Friedens, der Harmonie, hat Gott Prinzipien, wie er handelt und die Welt festhält. Wir können ziemlich sicher sein, dass wir, wenn wir aus dem Fenster springen, zur Erde fallen. Wir können ziemlich sicher sein, dass es sehr gefährlich ist, von weit oben herunterzuspringen, denn das Gesetz vom Fall, das Gesetz der Anziehung, die Gravitation, ist die Umschreibung des üblichen Handelns Gottes.
Und wir müssen ja nicht meinen, dass Gott schnell eine Ausnahme macht, nur weil wir es wollen. Aber in der Zeitung lesen wir dann immer wieder einmal: Ein kleines Kind ist auf den fünften Stock gefallen und wie durch ein Wunder hat es überlebt und fast keine Verletzungen. Das ist so doof. Warum schreiben die immer „wie durch ein Wunder“, wenn es ein Wunder war? Ja, eben, weil nach Aufklärungsprinzipien gibt es keine Wunder. Und wenn ein Wunder geschieht, dann ist es eben „wie ein Wunder“. Aber die Bibel zeigt uns einen Gott, der Wunder tut. Das ist aber gerade nicht das Normale, sondern die Ausnahme. Darum müssen wir normalerweise nicht mit Wundern rechnen. Gott kann ein Wunder tun, wann er will. Aber wir können nicht damit rechnen, sondern müssen damit rechnen, dass es normalerweise nach den Naturgesetzen geht. Das ist auch wichtig beim Autofahren, dass wir damit rechnen, dass es normalerweise nach den Naturgesetzen geht und nicht nach einem Wunder.
Aber wir preisen diesen Gott wie David in Psalm 72, der für Salomo schreibt. Psalm 72,18: Gepriesen sei der Herr, Gott, der Gott Israels, der Wunder tut, er allein! Und gepriesen sei sein herrlicher Name in Ewigkeit, und die ganze Erde werde erfüllt mit seiner Herrlichkeit. Amen, ja, Amen.
Ja, Gott kann Wunder tun, und das sehen wir auch im Buch Jona. Aber Wunder sind sehr selten, und darum sind auch in der Bibel Wunder nicht das Normale. Mose hat Wunder getan in Ägypten und in der Wüste. Aber von der Erschaffung Adams bis zum Auszug aus Ägypten, 1606 v. Chr., da finden wir keinen einzigen Glaubensmann oder keine Glaubensfrau, die Wunder tut. Natürlich hat Gott immer in der Natur gehandelt. Er hat die Sintflut bewirkt, er hat immer wieder eingegriffen. Alles ist Gottes Handeln. Aber Wunder sind sehr selten. Und dann, nach dieser Konzentration von Wundern in Ägypten und in der Wüste, wurde es wieder sehr ruhig im Land.
Und in der Richterzeit liest man von einem Gideon, der sagt: Wo sind die Wunder geblieben, von denen unsere Väter gesprochen haben? Das war sehr unüblich in seiner Zeit. Man hat immer von den Wundern von früher gesprochen, aber was ist heute noch? Ja, Gott handelt üblicherweise eben nach den Naturgesetzen, und es gibt Ausnahmen, mit denen er seine Macht und seine Größe zeigt, die uns zur Anbetung führen soll.
Und wenn uns dann jemand fragt: Gibt es moderne Leute, die sagen, ja, den Wundern in der Bibel, erklär mir mal die Wunder? Und wir sagen: Was, wenn ich ein Wunder erklären kann, ist es ja gar kein Wunder mehr. Die Frage ist ja schon völlig daneben. Ein Wunder ist eben gerade etwas Wunderbares, das unsere Erklärung übersteigt und nur darin besteht, dass der Gott, der alles kann, handelt, wie er will. Aber er handelt eben nicht chaotisch, so wie die Götter der Griechen angeblich völlig chaotisch gehandelt haben. Da gab es einen Gott der Quelle und einen Gott der Bäume und einen Gott der Kaufleute usw. Die konnten jeder eigensinnig wirken, wie sie wollten, völlig chaotisch.
Aber wenn wir uns die Welt anschauen, sehen wir: Es ist gar nicht so chaotisch. Es geht nach ganz klaren Prinzipien. Aber die Naturgesetze sind nicht einfach von Gott unabhängig und starr, sondern sie umschreiben Gottes übliches Handeln. Und wenn wir das so sehen, von der Bibel her, dann bekommen wir natürlich ein völlig anderes Weltbild als die Leute um uns her. Aber dann können wir eben mit Wundern umgehen. Wir können auch Augen dafür haben, wie der Herr in unserem Leben wirkt und eingreift, so wie in Sprüche 3,6, wo es heißt: Erkenne ihn auf allen deinen Wegen, und er wird gerade machen deine Pfade.
Und da sehen wir Gottes Handeln in Kleinigkeiten, wo wir merken, dass es genau so gegangen ist, wie doch wunderbar, wie alles geleitet wurde. Und auch dann, wenn wir Misserfolg um Misserfolg haben. Manchmal erleben wir das, dass wir plötzlich eine Periode haben, wo alles schiefgeht, oder? Also, es ging mir so: Ich war auf der Autobahn, und dann sollte ich zu einem Seminar gehen, um zehn Uhr in Deutschland. Dann platzt mir der Reifen. Warum? Und dann konnte mir der ADAC helfen, ja, der kam und hat mir geholfen. Dann fand er allerdings nicht den Schlüssel, mit dem man das Ersatzrad lösen kann. Bei Opel gibt es einen speziellen Schlüssel, den nur Opel hat. Er hat gesagt: Ja, wo haben Sie den Schlüssel? Im Werkzeugkasten war nichts. Schauen Sie mal vorne drin. Ja, ich wusste ja, dass vorne drin nichts war. Aber ihm zuliebe habe ich dann doch geschaut, und er war dort verstaut.
Und dann kam ich mit etwas Verspätung doch zum Seminar, und diese Deutschen waren so flexibel, dass sie mit den Pausen ein bisschen gemogelt haben. Und am Schluss konnte das ganze Programm durchgezogen werden. Aber alles fing schon dort an: Mein Laptop funktionierte nicht. Und da habe ich mich gefragt: Jetzt muss das noch sein? Konnte ich da nicht rechtzeitig beginnen? Es gab also nochmals eine Verzögerung. Dann haben sie alles eingeholt und haben sich gemerkt: Der braucht einen Laptop, einen neuen Laptop. Der war schon ziemlich am Ende. Und dann waren sie überzeugt, dass ich einen Laptop brauche. Dann haben wir einen Laptop gekriegt.
Aber noch bevor ich den neuen Laptop hatte, hatte ich noch einen Vortrag an einem anderen Ort, und da ging es halt wieder schief. Das gab eine Verzögerung des Vortrags von zwanzig Minuten. Aber ich war dann schon so erfreut, dass ich später erfuhr: Da ist ein ungläubiger Mann gekommen, der kam um Viertel nach acht anstatt Viertel vor. Der hat sich dann bei jemandem gemeldet, beim Gläubigen, und gesagt, das war offensichtlich Führung, dass es diese Verschiebung gab, denn ich habe dann genau das gehört, was ich noch hören musste.
Ja, es ist doch schön: irgendwie ein Misserfolg um den anderen, und dann sieht man doch irgendwie einen Plan darin. Erkenne ihn auf allen deinen Wegen, und er wird gerade machen deine Pfade.
Ja, also das war so ein kleiner Exkurs, um eben ein richtiges Verhältnis zu haben, ein biblisches Verhältnis zur Natur, zu den Naturgesetzen, zu Wundern, zum Leben mit dem Herrn, der wirklich da ist und aktiv in unserem Leben wirkt, und wir sind nicht bloßem Zufall anheimgestellt. Und das lernen wir aus dem Buch Jona: Der Wind, die Tiere, Fische und Würmer gehorchen dem Befehl des Ewigen.
Der Tiefpunkt des Ungehorsams und die Reaktion der Seeleute
Ja, dann kommt man ganz anders klar mit Ameisen im Haus und so, ja.
Nun, wir gehen da weiter in Kapitel 1. Also, diese Phönizier kommen in grosse Not, obwohl das die grossen Schifffahrtsexperten waren, während Jonah, der davon nichts verstand, so ruhig schlafen konnte. Und das ist so erschreckend. Normalerweise ist das Gewissen sehr beunruhigt bei einem Gläubigen, der ungehorsam ist. Aber Jonah hat bereits eine Abstumpfung erlebt, sodass er tief schlafen konnte. Sehr ungewöhnlich, oder? Sonst kann man eben gar nicht gut schlafen.
Und es ist auch eigenartig: Jonah hat mit den Leuten gesprochen auf dem Schiff, schon vor dem Sturm. Denn wir haben ja gelesen, dass er ihnen kundgetan hätte, dass er vor dem Angesicht des Herrn flüchtete. Und dann den ungläubigen Leuten, da muss man sich vorstellen, die Götzendiener aus, die an Baal glaubten und an Astarte und all diese furchtbaren Götzen, den hat er erzählt, dass er vor dem Gott, der Himmel und Erde erschaffen hat, vor Yahweh, das ist immer, wenn es hier steht im Text Herr mit Grossbuchstaben, ist es Yahweh, der Ewige, der Unwandelbare, dass er vor ihm floh. Er konnte den so erzählen: Ich bin ein ungehorsamer Gläubiger.
Und sie wecken ihn also und sagen ihm, er soll auch beten. Die haben also zu allen möglichen Göttern, der Kananitter, geschrien zu Baal, zu Asherad, Astarte, zu Horon vielleicht und so weiter, wie die Götter alle heissen. Und dann sagen sie ihm in Vers 6: Was ist mit dir, o Tiefschläfer, steh auf, ruf zu deinem Gott! Sie haben also Baal nicht mit dem Gott Jonas gleichgesetzt, ja, so töricht waren die nicht. Wie manche liberale Theologen heute, die setzen den Gott der Bibel gleich mit Allah und mit allen möglichen Göttern auch im Hinduismus und Buddhismus. Ja, aber hier steht: Ruf zu deinem Gott, vielleicht wird der Gott an uns denken, und so werden wir nicht umkommen.
In der Fussnote habe ich ihnen geschrieben: sehen Gott mit bestimmten Artikeln, ha Elohim. Das bedeutet immer wieder „der wahre oder der höchste Gott“. Wie schon in 1. Könige 18,39. Dort geht es um Elija. Auf dem Karmel sollte erwiesen werden, ob Baal Gott ist oder Yahweh, der Gott Israels. Und weil Baal von den Phöniziern als Blitz- und Regengott, als Sturmgott verehrt wurde, hat Elija gesagt, sie sollen beten, dass ihr präpariertes Opfer durch einen Blitz Feuer vom Himmel entzündet werde. Aber sie schrien und haben auch ein grausames, lautes Ritual aufgeführt. Baal hat nicht geantwortet. Und dann betet Elija so schlicht, und Feuer kommt vom Himmel, und ganz Israel sagt: Der Herr ist der Gott, Yahweh ha Elohim! Er ist der Gott, das heisst der wahre Gott.
Es ist auch klar: Die Phönizier haben damit rechnen müssen, dieser grosse Sturm auf dem Meer, der kommt von Baal, denn er ist ja dafür verantwortlich, für Sturm. Sie haben geschrien, es hat nichts genützt. Und jetzt haben sie gesagt: Ruf zu deinem Gott. Und sie sagen nicht: Vielleicht wird dein Gott, sondern sie sagen: Vielleicht wird ha Elohim, der Gott, an uns denken, und so werden wir nicht umkommen. Wir haben also eine Ahnung gehabt, dass eigentlich der wahre Gott keiner der Götter der Kananiter ist, sondern es ist der Gott Israels.
Und Jonah muss ihnen schliesslich sagen: Ja, ich bin schuld, ich fliehe vor diesem wahren Gott. Wenn ihr mich ins Meer werft, werdet ihr verschont werden. Und sie haben das gemacht. Und der Sturm hört auf, und so haben sie erkannt, dass der wahre Gott, der über allem steht, nicht nur über Blitz und Regen und Sturm, das ist der Gott Israels.
Und so lesen wir in Kapitel 1, Vers 14: Da riefen sie zu dem Herrn, Yahweh, nicht, da riefen sie zu Gott, das wäre sehr allgemein, denn die Kananiter brauchten auch das Wort Gott, zum Beispiel El. Ja, aber da heisst es wirklich: da riefen sie zu Yahweh. Und zweimal dann in diesem Gedicht als Gebet kommt dieser Name vor: Ach, Yahweh, lass uns doch nicht umkommen wegen der Seele dieses Mannes und lege nicht unschuldiges Blut auf uns, denn du, Yahweh, hast gehandelt, wie es dir gefallen hat.
Das Gebet wird sogleich erhört, und darum lesen wir in Vers 16: Da fürchteten die Männer den Herrn, Yahweh, mit grosser Furcht und schlachteten dem Yahweh Schlachtopfer und gelobten Gelübde. Also diese kananitischen Götzendiener aus dem Libanon sind durch diese Erfahrung zur Erkenntnis gekommen, dass der Gott Israels der einzige Gott ist. Ist das nicht überwältigend, diese Gnade Gottes? Er benutzte die Flucht Jonas für ein missionarisches Werk an den Libanesen. Er hatte zwar ein missionarisches Werk vor für die Iraker, die Nordiraker, aber nun hat Gott das Gleiche benutzt, um ein missionarisches Werk zu tun, im Westen, auf dem Mittelmeer, an den schifffahrenden Libanesen. Dadurch wurde deutlich erwiesen: Die ganze Religion der Kananiter ist falsch! Der wahre Gott ist bei dem auserwählten Volk Israel zu finden.
Das Gebet aus dem Fisch und die Frage nach dem Wunder
Nun gehen wir weiter zu Kapitel 2. Und der Herr entbot einen großen Fisch, um Jona zu verschlingen. Und Jona war im Bauch des Fisches drei Tage und drei Nächte.
Da betete Jona zu dem Herrn, seinem Gott, aus dem Bauch des Fisches, und er sprach:
Ich rief aus meiner Drangsal zu dem Herrn,
und da antwortete er mir.
Aus dem Bauch des Scheols,
das ist der hebräische Ausdruck für Totenreich,
schrie ich,
du hörtest meine Stimme.
Du hattest mich geworfen in die Tiefe,
im Herzen des Meeres,
und die Strömung umfloss mich.
Alle deine Brandungen und deine Wellen
fuhren über mich hin.
Wir sehen, dieses Gebet ist auch wieder ein Gedicht. Darum habe ich es auch so wieder abgedruckt, mit den Verszeilen wie im Originaltext, sodass deutlich wird: Das ist ein Gedicht auf Hebräisch.
Ich rief aus meiner Drangsal, bis dahin, wo wir gelesen haben. Jetzt Vers 5:
Und ich, ich sprach:
Ich bin verstoßen von deinen Augen hinweg,
doch ich werde weiter hinblicken
zu dem Tempel deiner Heiligkeit.
Es umfingen mich die Wasser bis zum Hals,
die rauschende Wassertiefe umgab mich.
Seetang war um mein Haupt gebunden.
Zu den Gründen der Berge ging ich hinab.
Die Erde, ihre Riegel waren hinter mir auf ewig.
Aber du führtest mein Leben aus dem Grab hinauf,
Herr, mein Gott.
Als meine Seele in mir verzagte,
gedachte ich des Herrn,
und es kam mein Gebet zu dir,
zu dem Tempel deiner Heiligkeit.
Die dann nutzlose Nichtse verehren,
verlassen ihre Bundestreue.
Ich aber, mit der Stimme des Danks
werde ich dir Schlachtopfer darbringen.
Was ich gelobt habe, will ich bezahlen.
Das Heil ist bei dem Herrn.
Nun, das ist ja Anlass für viel Spott gewesen: Jona im Bauch des Fisches. Und da hat man gespottet: Das ist ja klar, dass es ein Märchen ist, eine Legende, ein Mythos. So etwas geht ja gar nicht. Ein Mensch von einem Fisch verschluckt? Ja, erst einmal: Von einem Walfisch kann man gar nicht verschluckt werden. Diese Riesenblauwale, die so bis dreißig Meter lang werden, die größten Säugetiere der Welt, die haben ja vorne so ein Rächchen im Maul. Und dann gehen sie mit offenem Maul schwimmend durchs Meer, und da kommt Plankton, kleine Krebse, hinein. So füllen sie so eine Art Staubsauger im Wasser, ja, ernähren sich täglich von Unmengen. Aber wenn da ein Mensch käme, der würde im Rechen hängen bleiben, ja, der geht nicht in den Bauch runter.
Nun wird gespottet. Nun, in der Bibel steht ja gar nicht, dass Jona von einem Walfisch, also gar nicht von einem Blauwal oder Grönlandwal, wie er auch heißt, verschluckt wurde, sondern es heißt: ein großer Fisch. Ja gut, und dann sagt man: Ja, natürlich, es gibt auch noch andere Walfische, die Menschen verschlucken könnten. Zum Beispiel der Pottwal könnte. Aber dann würde man sagen: Das ist ja Unsinn, der Pottwal ist ja gar kein Fisch. In der Bibel steht, er wurde von einem Fisch verschluckt.
Ja gut, ich streite mich manchmal mit meinem Sohn wegen dem Walfisch. Er will mir immer wieder beibringen, dass Walfische keine Fische sind. Und dann sage ich ihm quasi, dass er sich ja selber widerspricht. Da spricht man vom Walfisch und sagt, das ist kein Fisch. Ja, das ist eine reine Definitionsfrage. Was ist ein Fisch? Man kann sagen, Fische sind eben diese Tiere, die so wie Fische aussehen und im Wasser herumschwimmen, ja? Und da kann man definieren: Ja nein, ein Fisch ist jedenfalls nie ein Säugetier. Dann sind Walfische keine Fische, weil sie Säugetiere sind, im Gegensatz zu den anderen Fischen.
Nun, auf Hebräisch heißt „Dag“ Fisch. Aber es ist nicht so definiert im Hebräischen, dass „Dag“ nicht ein Walfisch sein könnte. Also, das ist kein Problem. „Dag“ kann alles bezeichnen. Aber die Bibel sagt prinzipiell nicht, was es für ein Fisch war, auch im Neuen Testament nicht, in Matthäus 12. Es ist einfach ein großer Fisch. Also, es kommt Verschiedenes in Frage. Es könnte zum Beispiel auch ein sogenannter Haifischwal sein. Das ist kein Säugetier. Es gibt verschiedene Tiere, die könnten also Menschen verschlucken. Der Pottwal ist besonders geeignet. Der wird also bis 23 Meter lang, und der hat nur im Unterkiefer Zähne. Und die Abstände zwischen den Zähnen sind weit auseinander, und bei den Alttieren fallen sie sogar noch aus. Gut, also prinzipiell ist Verschiedenes möglich.
Aber man sagt dann weiter: Selbst wenn das geht mit dem Verschlucken, es ist unmöglich, dass ein Mensch überlebt in diesen grausamen Magensäften. Und da gibt es keinen Sauerstoff dort drin, das ist also absolut undenkbar, es ist wissenschaftlich nicht möglich. Ja gut, das ist auch sehr einleuchtend und sehr wissenschaftlich argumentiert. Aber trotzdem sind im zwanzigsten Jahrhundert mehrere Fälle bekannt von Menschen, die von Fischen verschluckt wurden und wieder lebendig herauskamen. Ein Fall wurde sogar in der nationalsozialistischen Zeitung 1939 veröffentlicht, und die Nazis waren ja nicht besonders interessiert, zu belegen, dass die Bibel Recht haben könnte. Trotzdem beschreiben sie einen solchen Fall. Und Walter Smith beschreibt in seinem Buch, das einen Naturwissenschaftler auf der Kanzel schildert, einen eidesstattlich bezeugten Fall aus dem zwanzigsten Jahrhundert wie folgt. Ja, ich habe es doch da. Das lohnt sich, das kurz vorzulesen.
Auf Seite 81:
Eine Mannschaft war mit einem kleinen Boot von dem Mutterschiff hinausgefahren, um Wale zu harpunieren. Sie erspähten ein sehr großes Tier und harpunierten es erfolgreich. Das Tier wurde wütend, schoss auf das Boot zu und schlug um sich, wobei das Boot kenterte. Die ganze Mannschaft fiel ins Wasser und schwamm dem Mutterschiff zu, von wo aus man alles beobachtet hatte. Aber das wütende Tier griff erneut an, und ein Mann verschwand.
Dieser Mann berichtete unter Eid, dass er auf einmal von einer mächtigen Welle ergriffen wurde, wonach es um ihn herum plötzlich stockfinster und entsetzlich warm wurde. Also, U steht nicht drin, ja? Er merkte, wie er glatte, elastische Wände hinabglitt, und nach einigen Sekunden landete er in einem scharfen, heißen Brei, welcher ihn sehr angriff. Er tastete um sich, um nach Halt zu suchen, wobei er allerlei halbfeste Gegenstände gewahrte, die oft auf seine Bewegungen reagierten. Er berichtete, dass der Gestank in dieser schwülen Luft unaushaltbar sei. Schrecken ergriffen ihn. Kann man auch verstehen, nicht?
Als er erkannte, wo er sich befand, nämlich im Bauch des harpunierten, wütenden Tieres, haben Sie jemals einen Hühnermagen geöffnet? Wissen Sie, wie es dort aussieht, wissen Sie, wie es dort riecht, möchten Sie sich darin befinden? Der Matrose befand sich in einer wahrhaftigen Totenhöhle, in dem Scheol, ja, wo lauter halbtote, halbverdaute Gegenstände im Brei um ihn herum schwammen. Jona beschreibt den Bauch als einen Schoß des Scheols. Der Matrose lebte in einer echten toten Höhle, in einer toten Hölle, im Schoß des Scheols, wie der Prophet Jona seine eigene Lage treffend beschrieb.
Er versuchte verzweifelt, die glatten Wände hinaufzuklettern. Hätte ich auch gemacht, um herauszugelangen zu können. Jedoch gelang es ihm nicht. Er arbeitete sich ein wenig hoch und glitt jedes Mal wieder zurück. Der scharfe Brei und die erstickende Luft griffen ihn derart an, dass er bald wahnsinnig und ohnmächtig wurde.
Das Tier tauchte nach einiger Zeit wieder an die Oberfläche und wurde dort von dem wartenden Schiff getötet. Beim Aufschneiden fand man den vermissten Mann. Er lag bewusstlos da, lebte aber noch. Seine Haut war sehr gelb, seine Augen und Ohren stark angegriffen. Als er nach langer Zeit zu sich kam, war er wahnsinnig. Aber nach einigen Monaten genas er, und auf Wunsch anderer gab er eine eidesstattliche Erklärung über seine schrecklichen Erlebnisse ab. Diese eidesstattliche Erklärung kann man in dem Buch von Doktor Rimmer lesen.
Also, die biblische Geschichte von Jona ist tatsächlich möglich. Sie hat sich sogar mehrmals, wie Rimmer berichtet, in letzter Zeit wiederholt. Ja, also, man kann schon annehmen, dass Jonas Haut ein bisschen anders aussah als so gepflegte Haut von heute, ja? Gegerbte Gesichtshaut, gelbe Hände. Und so kam er dann später nach Ninive. Und der Herr Jesus sagt: Jona war ein Zeichen den Niniviten. Die haben sich schon gefragt: Was ist das für ein komischer Mann? Die haben sich nicht gesagt: Kommt der vom Mars? Sondern sie haben sich gesagt: Ja, woher kommst du? Ich komme aus dem Fisch.
Ja, jetzt machen wir Pause, eine halbe Stunde.
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