
Einführung in die Fortsetzung des Römerbriefs
Ja, nun setzen wir unsere Betrachtung im Römerbrief fort, liebe Gemeinde. Wie ihr wisst, ist Paulus manchmal nicht leicht zu verstehen.
Mit Gottes Hilfe wollen wir heute Morgen Kapitel 3, die Verse 1 bis 8, in den Mittelpunkt stellen. Wir bitten Gott, zu uns zu sprechen – und er wird es tun.
Ich lade euch ein, aufzustehen und den Text in euren Bibeln aufmerksam mitzulesen: Römer 3,1-8.
Die Bedeutung des jüdischen Vorzugs und der Beschneidung
Was hat nun der Jude für einen Vorzug? Oder was nützt die Beschneidung? Viel, in jeder Hinsicht. Vor allem sind ihnen die Aussprüche Gottes anvertraut worden.
Wie denn, wenn auch etliche untreu waren, hebt etwa ihre Untreue die Treue Gottes auf? Das sei ferne! Vielmehr erweist sich Gott als wahrhaftig. Jeder Mensch aber als Lügner, wie geschrieben steht, damit du Recht behältst in deinen Worten und siegreich hervorgehst, wenn man mit dir rechtet.
Wenn aber unsere Ungerechtigkeit Gottes Gerechtigkeit beweist, was sollen wir sagen? Ist Gott etwa ungerecht, wenn er das Zorngericht verhängt? Ich rede nach Menschenweise. Das sei ferne! Wie könnte Gott sonst die Welt richten, wenn nämlich die Wahrhaftigkeit Gottes durch meine Lüge überströmender wird zu seinem Ruhm?
Weshalb werde ich dann noch als Sünder gerichtet? Müsste man dann nicht so reden, wie wir verleumdet werden und wie etliche behaupten, dass wir sagen: „Lasst uns Böses tun, damit Gutes daraus komme“? Ihre Verurteilung ist gerecht. Amen, nehmt gerne Platz.
Rückblick und Kontextualisierung im Römerbrief
Okay, zur Erinnerung: Wo sind wir hier im Römerbrief?
Bisher hat Paulus gezeigt, dass alle Menschen, sowohl Juden als auch Griechen oder Heiden, schuldig vor Gott sind. Alle brauchen einen Erlöser. Niemand kann sich selbst retten. Dabei hilft auch keine Kirchenmitgliedschaft für den Christen und auch dem Juden nicht seine Abstammung, denn in Kapitel 2, Vers 11 heißt es: Bei Gott gibt es kein Ansehen der Person.
Zum Ende des zweiten Kapitels, unmittelbar vor unserem gelesenen Text, macht Paulus zudem deutlich, dass auch das äußere Zeichen der Beschneidung bei den Juden nicht ausreicht, um vor Gott zu bestehen. Wir lesen noch einmal die beiden Verse direkt vor Kapitel 3, Vers 28 und 29 des zweiten Kapitels:
„Denn nicht der ist ein Jude, der es äußerlich ist, auch ist nicht die Beschneidung, die äußerlich am Fleisch geschieht; sondern der ist ein Jude, der es innerlich ist, und seine Beschneidung geschieht am Herzen, im Geist, nicht dem Buchstaben nach.“
Das geistliche Israel besteht also aus Juden und Heiden, die durch den Glauben an Jesus Christus am Herzen beschnitten sind. Das ist der Punkt, den Paulus hier macht.
Weder die äußere Beschneidung der Juden noch für uns, die wir im christlichen Kontext leben, das äußere Zeichen der Taufe ist entscheidend, sondern ein verändertes Herz. Es kommt weder auf die Abstammung noch auf Tradition an, sondern auf die wiedergeborene Seele.
Die theologische Debatte um den Bund und die Beschneidung
Ja, einige wenden ein: Wenn es so ist, Paulus, wie du sagst, dass Gott keinen Unterschied zwischen dem Volk Israel und den Heiden macht, sondern beide durch ein beschnittenes Herz die Segnungen des Bundes empfangen – was nützt es dann noch, ein Jude zu sein?
Wir können es auch anders ausdrücken: Warum hat Gott mit Israel einen Bund der Verheißung geschlossen und die Beschneidung als Zeichen dieses Bundes eingeführt, wenn es am Ende auf dieses Zeichen gar nicht ankommt? Wozu das Ganze? Die Frage steht im Raum.
Paulus, stellst du mit deiner Theorie nicht das ganze Alte Testament in Frage? Ist nicht der Bund Gottes mit Israel am Sinai überflüssig, wenn sogar Heiden durch die Beschneidung ihres Herzens zum Volk Gottes gehören können?
Solche Debatten führte Paulus landauf, landab in den Synagogen – mit den Schriftgelehrten, mit den Pharisäern. Er war tief drin in der theologischen Diskussion und Debatte. Denn seine Gegner wollten das von ihm gepredigte Evangelium von Jesus Christus natürlich als falsch abstempeln. Sie hatten kein Interesse daran, dass sein Evangelium, das er jetzt mit Macht und Kraft in die Welt hinaus trug, irgendeinen Einfluss auf die Menschen hat, die es hören.
So zogen sie alle Register und brachten Argumente vor, dass das ganze Evangelium wie ein Kartenhaus sei, das, wenn man es nur ein bisschen antippt, in sich zusammenbricht.
Hier, in unserem Predigttext – und darum geht es jetzt – lässt sich der Apostel auf diese Debatte ein. Das ist eine Debatte, die er hier mit einem, ich sage mal, imaginären Opponenten führt, der durch Fragen versucht, sein Evangelium in Frage zu stellen.
Paulus beantwortet die Fragen, die ihm hier jetzt entgegengeworfen werden. Seine Antworten darauf – und das ist mein Gebet – ich bin fest davon überzeugt, dass seine Antworten auch dir und mir heute im Hier und Jetzt ganz viel zu sagen haben.
Erster Einwand: Der Vorzug der Juden
Schauen wir uns die erste Frage an, die ihm gestellt wurde, nämlich: Welchen Vorzug haben die Juden?
Vers 1: Was hat nun der Jude für einen Vorzug, oder was nützt die Beschneidung? Nach dem, was Paulus bis dahin argumentiert hat, müssten wir eigentlich die Antwort erwarten: keinen Vorzug. Die Beschneidung nützt nichts. Doch das ist nicht seine Antwort. Er antwortet mit dem Gegenteil, Vers 2: viel in jeder Hinsicht.
Und dann nennt er zunächst einen Vorzug, nämlich Vers 2: „Denn vor allem sind ihnen die Aussprüche Gottes anvertraut worden.“ Nun müssen wir verstehen: Hier fängt Paulus an, etwas darzulegen, was er später in Kapitel 9, Vers 4 und 5 fortsetzt.
Vorzüge, ein Jude zu sein: „Vor allem sind ihnen die Aussprüche Gottes anvertraut worden“, sagt er hier in Kapitel 3, Vers 2. Später in Kapitel 9 bringt er weitere Argumente der Vorzüge vor, denn, schreibt er dort, ihnen ist die Sohnschaft gegeben, den Juden, die Herrlichkeit, die Bündnisse, die Gesetzgebung, der Gottesdienst, die Verheißungen. Ihnen gehören die Väter an, von ihnen stammt dem Fleisch nach der Christus, der über alles hochgelobte Gott.
Es gibt also eine Vielzahl von Vorzügen und Segnungen, die das Volk Israel von Gott geschenkt bekam. Doch, Vers 2: vor allem sind ihnen die Aussprüche Gottes anvertraut worden. Im Gegensatz zu allen anderen Nationen der Erde bekam Israel damals die alttestamentlichen Schriften. Sie mussten Gott nicht in der Natur suchen, obgleich er sich in der Schöpfung offenbart, damit niemand am Ende sagen kann: „Ich wusste nicht, dass es Gott gibt.“ Doch Israel bekam mehr als alle anderen Völker und Nationen. Ihnen vertraute Gott seine Aussprüche an.
Das bedeutet, dass er sich selbst mit seinem Wort ihnen offenbart und gezeigt hat. Er sprach zu Abraham, er redete mit Isaak, er kommunizierte mit Jakob, er sprach mit Mose am brennenden Busch, und er sprach zu den Propheten. Er redete mit David durch sie. All diese Aussprüche Gottes wurden schriftlich festgehalten, und durch sie konnte Israel den Willen Gottes erkennen.
Sie erfuhren, wie die Welt geschaffen ist, woher der Mensch kommt, was die Absichten Gottes mit dem Menschen sind. Sie lernten seine Gebote. In den Aussprüchen Gottes erhielten sie Prophezeiungen vom kommenden Messias. Sie hatten den Heiden gegenüber einen riesigen Vorteil, einen immensen Vorsprung, eine Offenbarung Gottes, wie kein anderes Volk dieser Welt bis dato hatte.
An dieser Stelle sollten wir darauf achten, was ihnen offenbart wurde. Es sind die, wie nennt er es, die „Aussprüche Gottes“. Es sind die Worte Gottes, das bedeutet die alttestamentlichen Schriften und aus heutiger Perspektive können wir sagen auch die neutestamentlichen Schriften. Die ganze Heilige Schrift ist ein Ausspruch Gottes.
Sie enthält nicht Gottes Wort, sondern sie ist Gottes Wort. Sie ist nicht eine Mischung aus Gottes Wort und Menschenwort, sie ist auch nicht eine Sammlung menschlicher Ideen, sondern sie ist Gottes Wort. Israel hat den Vorzug, dass ihnen die Aussprüche Gottes anvertraut wurden.
Der Kirchenvater Irenäus von Lyon sagte, dass wir am besten sicher sein sollten, dass die Heilige Schrift in der Tat vollkommen ist, da sie durch das Wort Gottes und seinen Geist gesprochen wurde. Luther sagte: Die Heilige Schrift, obwohl auch von Menschen geschrieben, ist nicht von Menschen und nicht aus Menschen, sondern von Gott.
Jemand anders hat gesagt: Nicht die Kirche schuf die Bibel, sondern die Bibel schuf die Kirche. Was für ein Vorzug, die Heilige Schrift zu haben! Ohne die Aussprüche Gottes sind wir aufgeschmissen, ohne sie haben wir nicht die Antworten auf die drängendsten Fragen unseres Lebens.
Gibt es für deine Seele, jetzt mal ehrlich, stell dir mal die Frage: Gibt es für deine Seele etwas Wertvolleres als die Heilige Schrift? Ohne sie hättest du keine Ahnung von Gott, ohne sie wäre dir Christus unbekannt, ohne sie wüsstest du nicht, woher du kommst und wohin du gehst. Wüsstest du nicht, dass der Mensch im Ebenbild Gottes geschaffen ist?
Ohne sie hättest du keinen moralischen und ethischen Kompass. Ohne sie wüsstest du nichts von dem Sohn Gottes, der die Herrlichkeit des Vaters verlassen hat, um für dich Mensch zu werden und um deine Schuld auf sich zu nehmen und als ein Opfer für deine Sünden am Kreuz zu bezahlen, so dass du durch den Glauben an diesen Christus frei von aller Anklage bist.
Gibt es etwas Wertvolleres für deine Seele als die Offenbarung Gottes in seinem Wort? Wir wüssten nichts von Gnade und Erlösung, wir wüssten nichts von Freiheit, wir wüssten nichts von der Liebe Gottes. Der Baum erzählt es uns nicht, die Sonne verkündet es nicht, aber die Aussprüche Gottes tun es.
Auch dir, mein Freund, wenn ich das mal so sagen darf heute Morgen, mein Bruder, meine Schwester und mein Freund, der du so an der Peripherie allen Christlichen dich aufhältst: Auch dir sind die Aussprüche Gottes anvertraut. Wusstest du das? Die Bibel kam auch zu dir. Denk mal drüber nach. Hat deine Oma dir nicht die Geschichten aus der Bibel vorgelesen?
Ich kann nicht mehr zählen, wie viele Begegnungen ich im Laufe meines Christenlebens mit anderen hatte, die in ihrem Zeugnis ihre Oma erwähnt haben. Ist dir das mal aufgefallen? Ja, meine Oma hat, meine Oma hat, meine Oma, meine Oma – überall Omas, die haben die Aussprüche Gottes dem Enkel oder der Enkelin nahegebracht.
In der Kinderstunde hörtest du auch bei deinen Kirchenbesuchen, auch heute Morgen kamen und kommen die Aussprüche Gottes zu deinen Ohren. Unser gesamtes Land ist gesegnet mit den Aussprüchen Gottes. Unser gesamtes Land!
Jedes Jahr zu Weihnachten schmettern wir alle selig fröhlich: „O du Fröhliche, O du Selige!“ Ja, was denn? „Gnadenbringende Weihnachtszeit, Welt ging verloren, Christ ist geboren, freue dich, freue dich, o Christenheit, Christ ist erschienen, uns zu versühnen, freue dich, freue dich, o Christenheit!“ Die ganze Nation singt es, und es lallt aus den Lautsprechern unserer Einkaufspassagen.
Sind wir uns darüber im Klaren, dass die Aussprüche Gottes unserem Volk anvertraut sind? Du hast einen Vorteil. Wir haben einen Vorteil gegenüber denen, die all dies nicht haben. Es ist ein Vorzug, in christlichen Kreisen zu verkehren.
Dabei dürfen wir nicht vergessen, dass unterschieden wird in der Theologie, auch in der Bibel letztlich, zwischen der sichtbaren und der unsichtbaren Kirche, was Paulus ja in den Versen vorher auch tut.
Zur sichtbaren Gemeinde, zur sichtbaren Kirche gehört die Institution mit ihren Mitgliederverzeichnissen. Darunter fallen die getauften Mitglieder und solche, die sich im christlichen Abendland mit biblischen Grundsätzen identifizieren und die auch Weihnachten feiern. Ihnen wurden die Aussprüche Gottes anvertraut.
Aber die unsichtbare Gemeinde, die unsichtbare Kirche, die wahre Kirche, die, die wirklich am Herzen beschnitten sind, die Jesus Christus im Glauben angenommen haben, die bekennen: „Ohne diesen Christus bin ich verloren.“
Um zur wahren Gemeinde Jesu zu gehören, müssen wir die Aussprüche Gottes, die er auch dir anvertraut hat, im Glauben annehmen. So wie die Juden am Herzen beschnitten sein müssen, müssen auch die Heiden am Herzen beschnitten werden.
Religiöse Praktiken genügen nicht. Taufe, Abendmahl, Kirchenbesuch reichen nicht aus. All dies ist wichtig, aber am Ende musst du glauben.
Du kommst zur Gemeinde, auch das ist gut so, denn durch das Hören der Schrift, durch die Verkündigung, die du aufnimmst, kann Gott dich am ehesten retten. Es ist ein Privileg, Gottes Wort zu hören, denn durch das Wort kommst du in den Wirkungskreis der rettenden Gnade Gottes.
Denn der Weg der Rettung verläuft immer über das Wort, denn der Glaube kommt aus der Verkündigung, die Verkündigung aber durch das Wort Gottes. Jakobus schreibt, dass Gott uns nach seinem Willen gezeugt hat durch das Wort der Wahrheit.
Deswegen ist es gut, dass du da bist, gut, dass du kommst, vielleicht sogar Sonntag für Sonntag oder einschaltest Sonntag für Sonntag. Setz dich dem Einflussbereich des Wortes Gottes aus, aber wisse zugleich: Du brauchst eine Beschneidung am Herzen.
Das ist die anvertraute, offenbarte Wort. Es ist ein Segen, aber es muss angenommen werden. Glaube an Christus!
Hier also der erste Einwand: Was nützt es, ein Jude zu sein? Antwort: viel! Denn ihnen sind die Aussprüche Gottes anvertraut worden.
Zweiter Einwand: Die Treue Gottes trotz Unglauben
Zweite Frage: Ist Gott untreu? Vers 3: Wie denn, wenn auch etliche untreu waren, hebt etwa ihre Untreue die Treue Gottes auf?
Wie folgt könnte man übersetzen: Wie denn, wenn auch etliche ungläubig waren, hebt etwa ihr Unglaube die Treue Gottes auf?
Wir befinden uns immer noch in der Diskussion von jüdischer Seite, die das Evangelium des Paulus von Jesus Christus angreifen wollten, und der Apostel verteidigt sich. Diese zweite Frage, die ihm gestellt wird, betrifft die Treue Gottes. Ihr liegt ein versteckter Vorwurf zugrunde, nämlich: Paulus, gemäß deiner Theorie ist Gott unzuverlässig. Hatte Gott Israel nicht versprochen: „Ich werde euer Gott sein, und ihr werdet mein Volk sein“?
Und jetzt sagst du, Paulus, dass an vielen Juden dieses Versprechen Gottes nicht erfüllt wird aufgrund ihres Unglaubens, und das, obwohl sie das Zeichen der Beschneidung, das Zeichen des Bundes, hatten. Paulus, stellt das nicht die Loyalität und die Beständigkeit Gottes in Frage? Paulus, dein Evangelium kann nicht wahr sein, denn es stellt Gott als Lügner dar.
Die Antwort des Apostels auf diesen Einwand könnte deutlicher nicht ausfallen. Vers 4: Das sei ferne! Gott ist immer treu. Der Unglaube Israels kann die Treue Gottes nicht zunichte machen. Wenn wir untreu sind, können wir Gott nicht der Untreue anklagen.
Israel hatte den Bund gebrochen, mehrfach. Sie beteten auf den Höhen an, sie schnitzten sich Figuren und fielen vor ihnen nieder. Sie hatten die Prophetie, dass der Same der Frau kommen wird, um der Schlange den Kopf zu zertreten – Jesus Christus. Sie wussten, dass der Gottesknecht, Jesus, leiden und sterben wird zur Vergebung ihrer Sünden. Doch sie glaubten nicht, lehnten ihn ab, schlugen ihn sogar ans Kreuz.
Ändert das irgendetwas an Gottes Charakter? Nein, das sei ferne! Gott bleibt derselbe. Die Sünden der Menschen können seine Pläne nicht durchkreuzen, und sie verändern auch nichts an seinem Wesen. Er steht zu seinem Bund, trotz mehrfacher Übertretungen und feindlicher Attacken.
Er hatte den Bund mit Glauben und Gehorsam verknüpft, doch sie brachen ihn. Er hatte angekündigt, dass sich alle seine Worte, sei es zum Segen oder zum Fluch, erfüllen werden – und so geschah es. Warum?
Vers 4: Damit du Recht behältst in deinen Worten und siegreich hervorgehst, wenn man mit dir rechtet.
Dies ist ein Zitat aus Psalm 51, den David geschrieben hat. Das bedeutet, Paulus führt jetzt das Beispiel von König David an. Auch er hatte eine Verheißung. Gott sagte über ihn in 2. Samuel 7: „Ich will sein Vater sein, und er soll mein Sohn sein. Wenn er eine Missetat begeht, will ich ihn mit Menschenruten züchtigen und mit Schlägen der Menschenkinder strafen, aber meine Gnade soll nicht von ihm weichen.“
Was geschah dann später? David fiel in schwere Sünde. Er begann Ehebruch mit Bathseba und ließ den Mann von Bathseba an die Front schicken, um ihn dort umkommen zu lassen. Hat diese Sünde das Versprechen Gottes aus 2. Samuel aufgehoben? Hat die Untreue Israels die Treue Gottes aufgehoben? Nein.
Hat die Sünde Davids die Verheißungen Gottes aufgehoben? Nein. Vielmehr bestätigt sie die Verheißung. Gott züchtigte David, sandte Nathan zu ihm und brachte ihn wieder auf den rechten Weg. Denn David betete in Psalm 51: „An dir allein habe ich gesündigt und getan, was böse ist in deinen Augen.“ Und das ist jetzt, was Paulus zitiert: „Du behältst Recht, wenn du redest, und rein bist du, wenn du richtest.“
Gott ist treu gewesen mit David, und Gott ist auch mit den Juden treu. Wie angekündigt strafte er sie, und wie angekündigt wird er sie auch im großen Maß retten. Denn Paulus sagt später in Römer 9: „Nicht aber, dass das Wort Gottes nun hinfällig wäre.“
Israel hat eine Zukunft, die Verheißungen Gottes für sie gelten – für die, die im Glauben an Christus zu ihm kommen. Paulus schreibt in Römer 11: „Ich frage nun, hat Gott etwa sein Volk verstossen? Das sei ferne! Gott hat sein Volk nicht verstossen, das er zuvor ersehen hat.“
Stattdessen wird es am Ende der Tage eine gewaltige Erweckung in Israel geben. Sie werden an Christus glauben und sich ihm zuwenden. Die Untreue Gottes hat die Treue Israels nicht aufgehoben. Nur weil wir jetzt noch nicht die Vollführung und Vollziehung seiner Verheißung sehen, heißt das nicht, dass sein Versprechen ungültig ist.
Sondern es wird der Tag kommen, an dem sie ihre Knie vor Christus beugen und die Verheißungen des Bundes erfüllt werden. So heißt es in Römer 11,26: „Wird ganz Israel gerettet werden, wie geschrieben steht.“ Das sind die, die am inneren Herzen beschnitten sind, die an Jesus Christus glauben. Die Verheißung gilt für Israel – es werden noch viele kommen und sich bekehren.
Warum? Weil Gott treu ist. Er lässt seine Verheißung nicht fallen, obwohl wir ihm ins Gesicht spucken. Er ist seinen Bündnissen absolut treu. Wir können ihn nicht mit den Wortbrechern dieser Welt in eine Ecke stellen. Wir können ihn nicht des Vertragsbruchs beschuldigen. Er steht nicht in einer Ecke mit den Illoyalen der Welt – dort stehen wir.
Vers 4: Vielmehr erweist sich Gott als wahrhaftig, jeder Mensch aber als Lügner.
Täglich brechen die Menschen ihre Versprechen. Sie übertreten ihre Ehegelübde und vergessen ihre Wahlversprechen. Heute weiß man nicht mehr, wem man noch trauen kann.
Arce Sproul sagt in seinem Kommentar Folgendes dazu: Paulus macht hier auf einen Unterschied zwischen Gott und den Menschen aufmerksam. Als Menschen brechen wir von Natur aus Bündnisse. Wir sagen nicht immer die Wahrheit, wir halten nicht immer unsere Versprechen.
Bedeutet das, dass wir unsere eigene Sündhaftigkeit auf den Charakter Gottes projizieren und annehmen sollten, dass er von Zeit zu Zeit seine Versprechen brechen könnte? Es ist völlig undenkbar, dass Gott jemals ein Versprechen brechen würde. Amen!
So erkenne nun, dass der Herr dein Gott, der wahre Gott ist, der treue Gott.
„Du aber, Herr, bist ein barmherziger und gnädiger Gott, langsam zum Zorn und von großer Gnade und Treue.“ Offenbarung 19,11: „Und ich sah den Himmel geöffnet, und siehe, ein weißes Pferd. Der darauf saß, heißt der Treue und der Wahrhaftige.“
Meine Frage heute Morgen: Hast du schon einmal Gott der Untreue angeklagt? Lief dein Leben in Phasen, vielleicht gerade auch jetzt, nicht so, wie du es dir erhofft hast? Hast du schon einmal aus einer Enttäuschung heraus Gott des Wortbruchs verdächtigt? Sei dies nicht ferne!
Die fünfjährige Tochter des christlichen Sängers und Liedermachers Stephen Curtis Chapman spielte eines Tages auf der Einfahrt des Hauses der Familie. Als ihr älterer Bruder versehentlich sie mit dem Auto, dem Pickup, überrollte, versuchte er, der Kleinen noch das Leben durch Herzdruckmassagen zu retten. Doch sie verstarb.
Stephen Curtis Chapman schrieb später ein Lied, in dem er dieses schreckliche Ereignis verarbeitete. Der Text lautet so:
„In jeder Situation hat Gott mir seine Liebe bewiesen. Wenn mir das Verständnis fehlt, gibt er mir mehr Gnade. Wenn ich auf den Weg zurückblicke, den ich gegangen bin, sehe ich, dass er mich so oft getragen hat. Und wenn es eine Sache gibt, die ich in meinem Leben gelernt habe, dann ist es: Mein Erlöser ist treu und wahrhaftig. Alles, was er gesagt hat, wird er tun. Und jeden Morgen ist seine Barmherzigkeit neu. Mein Erlöser ist treu und wahrhaftig.“
Zweifelst du an seiner Treue, Bruder, Schwester? Es gibt mit Sicherheit unzählige Gründe, die aus menschlicher Sicht dich veranlassen, dies zu tun. Aber höre, was Klagelieder 3 sagt:
„Dieses aber will ich meinem Herzen vorhalten, darum will ich Hoffnung fassen: Gnadenbeweise des Herrn sind es, dass wir nicht gänzlich aufgerieben wurden; denn seine Barmherzigkeit ist nicht zu Ende, sie ist jeden Morgen neu, und deine Treue ist groß. Der Herr ist mein Teil, spricht meine Seele, darum will ich auf ihn hoffen.“
Gott ist treu, er bricht sein Wort nicht.
Dritter Einwand: Die Rolle der Ungerechtigkeit und Gottes Gerechtigkeit
Bleibt noch eine Frage: Wenn Gott trotz der Sünde Davids seine Treue zeigte, hatte dann der Ehebruch und der Mord nicht doch etwas Positives?
Wenn das Versagen Israels die Treue Gottes heller leuchten lässt, ist das dann nicht eine Hilfe für Gott? Hat unsere Ungerechtigkeit nicht etwas Gutes, weil dadurch Gottes Gerechtigkeit demonstriert wird?
In Vers 5 heißt es: "Wenn aber unsere Ungerechtigkeit Gottes Gerechtigkeit beweist, was sollen wir sagen, wenn nämlich die Wahrhaftigkeit Gottes durch meine Lüge überströmender wird zu seinem Ruhm? Weshalb werde ich dann noch als Sünder gerichtet?"
Einige meinen, dass der Rückschluss daraus sei, wie in Vers 8: "Lasst uns Böses tun, damit Gutes daraus komme." Sollen wir also mehr sündigen? Sollen wir unsere Sünde damit rechtfertigen, dass durch sie Gottes Gerechtigkeit deutlicher wird? Helfen wir ihm nicht mit unseren Übertretungen?
Das war eine weitere konfrontative Frage. Nachdem Paulus in diesem Abschnitt auf zwei Einwände zuvor mit einem klaren und deutlichen "Das sei ferne!" geantwortet hat, sagte er zu diesem letzten Vorwurf nichts mehr, außer dies:
In Vers 8 heißt es: "Ihre Verurteilung ist gerecht." Wer so redet, als ob er mit seiner Sünde Gott helfe, hat nichts anderes als Gericht verdient.
Ihre Verurteilung ist gerecht. Hier ist für Paulus eine ernsthafte Widerlegung dieser These überhaupt nicht mehr notwendig, denn dieser Vorwurf ist blasphemisch und offensichtlich abwegig.
Nirgends werden wir in der Bibel von Gott zum Sündigen ermutigt. Stattdessen heißt es: Fliehe vor der Unzucht, fliehe vor dem Götzendienst, fliehe vor den Begierden. Begib dich nicht, Sprüche 4, auf den Weg der Gottlosen und tue keinen Schritt auf dem Weg der Bösen. Meide ihn, überschreite ihn nicht einmal, weiche davon und gehe vorüber!
Hier ist ein ernster Aufruf an alle, die auf diesem Gebiet meinen, nachlässig sein zu können: Spiele nicht mit Gott, du kannst nur verlieren.
Doch wenn du zur unsichtbaren Gemeinde gehörst, Bruder, Schwester, wenn du am Herzen beschnitten bist, weil du die Gnade des Glaubens von Gott geschenkt bekommen hast und nun aber in deinem Wandel mit ihm in mancherlei Anfechtung fällst und auch manchmal der Sünde nachgibst, du aber dagegen angehen möchtest, dann halte fest am Bekenntnis der Hoffnung ohne zu wanken (Hebräer 10).
Denn "er ist treu, der die Verheißung gegeben hat." Halte an der Treue Gottes fest und laufe zu ihm!
Die Lösung in deinem Sündenkampf besteht nicht darin, dir selbst Regeln am Ende des Tages aufzulegen und aus eigener Kraft deine Sünde zu besiegen. Die Lösung besteht darin, festzuhalten an dem Versprechen Gottes, der sagt: Es hat euch bisher nur menschliche Versuchung betroffen. Gott aber ist treu. Er wird nicht zulassen, dass ihr über euer Vermögen versucht werdet, sondern er wird zugleich mit der Versuchung auch den Ausgang schaffen, so dass ihr sie ertragen könnt.
Und was ist, wenn du doch gefallen bist?
In 1. Johannes 1,9 heißt es: "Wenn wir aber unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit."
Wenn du gesündigt hast, wenn du untreu warst, wenn es dir an Glauben fehlt, dann rufe zu dem Herrn, bitte um Vergebung und Reinigung, berge dich bei ihm. Er ist treu und hält, was er verspricht.
Und wenn du heute Morgen zur sichtbaren Gemeinde gehörst, weil du im Dunstkreis der Kirche auffällst, aber nicht zur unsichtbaren Gemeinde, weil du kein beschnittenes Herz hast, dann komm zu Jesus, glaube an ihn, bring ihm deine Schuld. Er macht dich neu und er wird auch an dir seine Treue beweisen. Amen.
Schlussgebet und Bitte um Stärkung im Glauben
Vater im Himmel, wir danken dir. Wir danken dir, dass selbst unsere bösen Absichten deine guten Pläne nicht durchkreuzen können.
Ich danke dir von Herzen, dass du ein Fels bist in einer Welt, die sich ständig verändert. Du bleibst treu dir selbst und deinem Wort gegenüber.
Ich bitte dich, Herr, dass dieses Wort auch unsere Herzen seelsorgerlich aufbaut. Dass wir auch dort, wo wir das Gefühl haben, durch Lebensumstände von dir verlassen worden zu sein, dennoch an deiner Treue und Güte festhalten. Dass wir neu erkennen: Das ist nicht wahr. Du bist nicht untreu, sondern du stehst zu dem, was du deinen Kindern verheißen hast.
Du hast gesagt, dass wir nicht ertrinken werden, dass wir nicht versengt werden. Du hast gesagt, dass du bei uns bist, alle Tage bis an das Ende der Weltzeit.
Ich bete für Brüder und Schwestern, die ein beschnittenes Herz haben, aber an deiner Treue zweifeln aufgrund persönlicher Lebenserfahrungen. Herr, stärke ihren Glauben, lass sie neu deine Treue sehen.
Ich bete auch für Brüder und Schwestern mit einem beschnittenen Herzen im Glauben, dass sie dort, wo sie in der vergangenen Woche gefallen sind, ihre Schuld bekennen und erkennen, dass du treu und gerecht bist und uns unsere Sünden vergibst. Dass sie täglich aus dem Evangelium leben, wie wir es alle nötig haben.
Und Herr, ich bitte dich vor allem auch für solche unter uns oder an den Bildschirmen, die sich fromm zeigen, aber nicht beschnitten am Herzen sind. Ich bitte dich, Herr, rette du sie, erlöse du sie, gib ihnen ein klares Ja zu dir und deinem vollbrachten Werk auf Golgatha.
„Errette du viele auch in unserem Land. Wir haben gehört, wir singen: ‚O du Fröhliche‘, und doch wissen die wenigsten unseres Volkes, was das bedeutet. Darum bitten wir: Erwecke du Deutschland, erwecke du die Menschen, dass wir wirklich beschnitten am Herzen werden.
Darum bitte ich dich. Amen.