Generierte Mitschrift
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Einleitendes Gebet und Schriftlesung
Ich möchte zum Beginn noch kurz mit uns beten.
Unser Gott und Vater, wir danken dir, dass wir diesen Nachmittag zusammen verbringen dürfen, und das unter deinem Wort. Wir bitten dich, dass du durch deinen Geist in unseren Herzen wirkst, uns dein Wort aufschließt und uns deinen Segen schenkst. Steh uns bei und schenke uns geöffnete Herzen und auch die Gnade, dieses Wort in unserem Leben zu deiner Ehre umzusetzen. Amen.
Zu Beginn lese ich einige Verse aus Jakobus 1:
Jakobus, Knecht Gottes und des Herrn Jesus Christus, den zwölf Stämmen, die in der Zerstreuung sind, seinen Gruß. Achtet es für lauter Freude, meine Brüder, wenn ihr in mancherlei Versuchungen fallt, da ihr wisst, dass die Bewährung eures Glaubens Ausharren bewirkt. Das Ausharren aber habe ein vollkommenes Werk, damit ihr vollkommen und vollendet seid und in nichts Mangel habt. Wenn aber jemandem von euch Weisheit mangelt, so bitte er von Gott, der allen willig gibt und nichts vorwirft; und sie wird ihm gegeben werden. Er bitte aber im Glauben, ohne irgend zu zweifeln, denn der Zweifelnde ist gleich einer Meereswoge, die vom Wind bewegt und hin und her getrieben wird. Denn jener Mensch denke nicht, dass er etwas von dem Herrn empfangen werde. Er ist ein wankelmütiger Mann und unbeständig in allen seinen Wegen. Der niedrige Bruder aber rühme sich seiner Erhöhung, der Reiche aber seiner Erniedrigung; denn wie des Grases Blume wird er vergehen. Denn die Sonne ist aufgegangen mit ihrer Glut und hat das Gras gedörrt, und seine Blume ist abgefallen, und die Zierde seines Ansehens ist verdorben. Glückselig ist der Mann, der die Versuchung erduldet; denn nachdem er bewährt ist, wird er die Krone des Lebens empfangen, welche er denen verheißen hat, die ihn lieben.
Zunächst bis dahin.
Den Jakobusbrief habe ich so in wenigen Sätzen zusammengefasst, wie er auf dem Skript am Anfang umschrieben wird. Der Jakobusbrief zeigt, dass sich der echte Glaube in konkreten Taten auswirkt. Ein Glaube, der nur ein Lippenbekenntnis ist, muss als tot bezeichnet werden. Dieser Brief zeigt sehr konkret, was in Gottes Augen gute Werke sind.
Jakobus richtete diesen Brief an jüdische Christen in der Anfangszeit des Christentums. Diese Epoche war eine Übergangszeit, in der die Judenchristen noch allgemein nebeneinander sowohl die Synagoge als auch die christliche Gemeinde besuchten. Damit wird gleich deutlich, dass die Atmosphäre, die im Jakobusbrief vor uns steht, ganz den ersten Jahrzehnten des Christentums entspricht, so wie sie in der Apostelgeschichte beschrieben wird. Wir sehen ja dort auch, wie der Apostel Paulus regelmäßig in die Synagoge ging und daneben auch Gemeinden gründete.
Dieses Nebeneinander finden wir eben auch im Jakobusbrief. In Kapitel 2 wird vom Synagogenbesuch gesprochen, aber in Kapitel 5, Vers 14 lesen wir über die Ältesten der Gemeinde, der Ekklesia, das griechische Wort für Gemeinde oder Kirche.
Nun, gleich am Anfang wird uns gesagt, wer den Jakobusbrief geschrieben hat: Jakobus, Knecht Gottes und des Herrn Jesus Christus. Die frühchristliche Überlieferung gibt uns ja viele Informationen darüber, wer welches Buch im Neuen Testament geschrieben hat. Das war nämlich ganz, ganz entscheidend. Nur solche, die Apostel Jesu Christi waren, also zu den Zwölfen gehörten, die der Herr eingesetzt hatte, oder so wie Paulus als Apostel für die Heiden vom Herrn direkt eingesetzt war, konnten als Verfasser in Frage kommen. Und nur Propheten, die durch diese Apostel als Propheten anerkannt waren, konnten Bücher schreiben, die zum Wort Gottes gehörten.
In Epheser 2,20 wird uns ja gesagt, dass die Gemeinde aufgebaut war auf der Grundlage der Apostel und Propheten. Und so war das ganz klar die Basis für die Gemeinde. Es sind nur eben Bibelbücher, die durch diese Personen verfasst worden sind. Darum hat man in der frühen Christenheit ganz genaue Forschungen durchgeführt, um zu belegen, ob das Matthäusevangelium wirklich durch den Apostel Matthäus geschrieben worden ist, das Johannesevangelium und so weiter. Und waren diese Bücher, die durch Nichtapostel geschrieben wurden, wirklich von Propheten verfasst, die von diesen Aposteln anerkannt waren?
Zum Beispiel das Markusevangelium ist ja von Markus geschrieben. Das war kein Apostel, aber er war durch den Apostel Petrus anerkannt. Und Lukas war auch kein Apostel, aber er war durch den Apostel Paulus anerkannt.
Und nun Jakobus, der den Jakobusbrief geschrieben hat: Das war Jakobus, der Bruder des Herrn. So war er bekannt. In Galater 1,19 sehen wir, wie er anerkannt war durch die Apostel. Und die frühchristliche Überlieferung sagt uns ganz klar, dass der Jakobusbrief durch Jakobus, den Bruder des Herrn, verfasst worden ist. Und darum konnte er als Wort Gottes anerkannt werden.
Ich schlage auf im Galaterbrief. In Galater 1 schreibt Paulus, nachdem er aus Arabien zurückkam nach Damaskus, nach seiner Bekehrung, ab Vers 18: Darauf ging ich nach drei Jahren nach Jerusalem hinauf, um Kephas kennenzulernen, das ist Petrus, und blieb fünfzehn Tage bei ihm. Ich sah aber keinen anderen der Apostel, außer Jakobus, den Bruder des Herrn. Was ich euch schreibe, siehe, vor Gott, ich lüge nicht.
Und dann in Kapitel 2 beschreibt Paulus, wie er wieder später nach 14 Jahren nach Jerusalem hinaufging, zusammen mit Barnabas. Ich lese ab Vers 2: Ich zog aber hinauf zufolge einer Offenbarung und legte ihnen das Evangelium vor, das ich unter den Nationen predige, im Besonderen aber den Angesehenen, damit ich nicht etwa vergeblich laufe oder gelaufen wäre. Aber auch Titus, der bei mir war, wurde, obwohl er ein Grieche war, nicht gezwungen, sich beschneiden zu lassen. Es war aber wegen der nebeneingeführten falschen Brüder, die nebeneingekommen waren, um unsere Freiheit auszukundschaften, welche wir in Christus Jesus haben, auf dass sie uns in Knechtschaft brächten. Ihnen haben wir auch nicht eine Stunde durch Unterwürfigkeit nachgegeben, damit die Wahrheit des Evangeliums bei euch verbliebe.
Von denen aber, die in Ansehen standen, was irgend sie auch waren, das macht keinen Unterschied für mich; Gott nimmt keines Menschen Person an, denn mir haben die Angesehenen nichts hinzugefügt. Jetzt kommt’s: sondern im Gegenteil, als sie sahen, dass mir das Evangelium der Vorhaut anvertraut war, also das Evangelium für die Heiden, die Nichtjuden, gleich wie Petrus das der Beschneidung, Petrus und die zwölf Apostel waren besonders tätig unter den jüdischen Christen. Darum waren es zwölf, entsprechend den zwölf Stämmen Israels. Denn der, welcher in Petrus für das Apostelamt der Beschneidung gewirkt hat, hat auch in mir in Bezug auf die Nationen gewirkt.
Und als sie die Gnade erkannten, die mir gegeben ist, gaben Jakobus und Kephas und Johannes, die als Säulen angesehen wurden, mir und Barnabas die rechte Hand der Gemeinschaft, auf dass wir unter den Nationen, sie aber unter die Beschneidung gingen.
Jetzt sehen wir also Kephas, Petrus, Johannes, die zwei Apostel, und auch Jakobus, den Bruder des Herrn. Sie haben Paulus die rechte Hand gegeben und ihn anerkannt. Wir sehen, wie Jakobus also unter den Aposteln Kephas und Johannes auf gleicher Ebene anerkannt war. Das ist der Grund, warum eben der Jakobusbrief anerkannt werden konnte als Wort Gottes, als Basis für die Gemeinde, die aufgebaut ist auf der Grundlage der Apostel und Propheten.
Herkunft, Autorität und historische Einordnung
weiter über den Autor, also Jakobus, der Bruder des Herrn. In Matthäus 13,33 werden die Brüder, man muss sagen Halbbrüder des Herrn Jesus, erwähnt, und da wird eben auch Jakobus namentlich genannt. Das ist derselbe Jakobus, der in Apostelgeschichte 15,13 bei dem sogenannten Apostelkonzil eine ganz wichtige Rolle gespielt hatte.
Es ging dort um die grosse Frage: Wie steht es mit den Menschen, die aus den nichtjüdischen Völkern zum Glauben kommen? Müssen sie zuerst ins Judentum übertreten und beschnitten werden, oder ist das gar nicht nötig? Das war zuerst umstritten, aber die Apostel und auch Jakobus, der Bruder des Herrn, haben diese Sache eindeutig geklärt. Nein, Menschen, die sich aus den Heiden bekehren, stehen nicht unter dem Bund vom Sinai. Der Bund vom Sinai wurde nur mit Israel geschlossen. Also darf man sie nicht zwingen, irgendwelche Gebote, die zum Bund vom Sinai gehören, ihnen aufzudrängen. Das soll nicht so sein. Und da hat sich auch Jakobus ganz klar eingesetzt. Wir sehen, dass er zusammen mit Apostel Petrus und Apostel Paulus Gewicht hatte in dem, was dort gelehrt wurde.
Dann sehen wir auch in Apostelgeschichte 21,18, dass Jakobus in der Gemeinde, in der Versammlung in Jerusalem, eine führende Position innehatte. In 1. Korinther 15,7 wird er erwähnt als einer der Ersten, die den Auferstandenen gesehen hatten. Und dann die Stellen in Galater 1,19, 2,9, 2,12, die habe ich jetzt gerade eben verlesen.
Also, er war ein Führer der Gemeinde in Jerusalem, und unter dem jüdischen Volk stand er allgemein in sehr hohem Ansehen wegen seines ausserordentlichen moralischen Lebenswandels. Das sieht man bei Josephus Flavius. Dieser jüdische Geschichtsschreiber aus dem ersten Jahrhundert war geboren 37 nach Christus, war dann tätig als Priester im Tempel in Jerusalem und später ein führender Kommandant jüdischer Truppen in Galiläa. Als die Juden im Jahr 66 einen Aufstand gegen Rom machten, wurde er dann von den Römern verhaftet. Er hat dann im Kampf um Jerusalem eine Vermittlungsposition zwischen den Juden und den Römern gespielt. Darum hat er die ganze Zerstörung Jerusalems als Augenzeuge miterlebt. Später, in hohem Alter, hat er Bücher über die jüdische Geschichte geschrieben. In dieser Buchreihe, Jüdische Altertümer, erwähnt er Jakobus. Und man sieht dort, dass er vom Volk Israel eher als ein gerechter Mann anerkannt war.
Jetzt versteht man auch besser, warum der Jakobusbrief so viel Betonung auf Werke und darauf legt, wie man im Glauben leben soll. Das hängt damit zusammen, dass er selber bekannt war als einer, der ganz konsequent und treu das Wort Gottes in seinem Leben umgesetzt hatte, so dass selbst die ungläubigen Juden das anerkannten. Das kann man also nachlesen bei Josephus Flavius, Jüdische Altertümer, Buch 20, 9, 1. Allgemein war er bekannt unter dem Titel Jakobus der Gerechte.
Aber er erlitt im Jahr 62 nach Christus um seines Glaubens willen den Märtyrertod, nachdem er brutal von der Zinne des Tempels hinabgeworfen wurde. Die Zinne des Tempels, das ist die Ecke, die Südostecke des Tempelbezirks in Jerusalem. Von dort aus hatte man einen phantastischen Blick hinunter in das steil abfallende Kidrontal. Das war der höchste Punkt in den äusseren Vorhöfen des Tempels.
Wie ging das? Das habe ich hier aufgeschrieben: Die damalige Führerschaft des jüdischen Volkes befürchtete, dass durch das leuchtende Zeugnis des Jakobus grosse Volksmassen zum Glauben an den von ihnen verworfenen Messias Jesus kommen würden. So gaben sie ihm anlässlich der Passerfeier die Gelegenheit, von der Zinne des Tempels aus seinen Glauben an den Erlöser Jesus zu widerrufen. Jakobus jedoch ergriff vielmehr die Gelegenheit, um von dort aus der zum Fest gekommenen grossen Volksmenge nochmals den wahren Messias klar zu bezeugen.
Auf dem grossen Platz südlich von der Königin-Säulenhalle und ebenso von den Tempelvorhöfen aus war es für grosse Menschenmassen möglich, alles mitzuverfolgen. Man muss sich also vorstellen: Jakobus war da oben auf diesem höchsten Punkt. Man kann ja diese Ecke heute noch sehen, diese Südostecke. Als Strafe für sein Glaubenszeugnis stürzten seine Feinde ihn vom höchsten Punkt des Tempelbezirks hinunter. Er war dann aber nicht sofort tot, und dann wurde er noch gesteinigt und totgeschlagen.
Die historische Bezeugung dieses Ereignisses findet sich in der Kirchengeschichte des Eusebius von Caesarea, der von 260 bis 339 nach Christus lebte. Er konnte sich aber auf frühere Quellen berufen. Dieser bedeutende Historiker der Antike konnte sich bei seiner Berichterstattung über Jakobus auf ältere Quellen von Hegesippus, der von 110 bis 180 nach Christus lebte, und auch auf Josephus Flavius und Clemens von Alexandria berufen.
Und dieser Mann, das war eben der Schreiber des Judasbriefes, des Jakobusbriefes, und seinerseits war er der Bruder von Judas, der den Judasbrief geschrieben hat. In Matthäus 13,33 wird ein weiterer Sohn von Joseph und Maria genannt, der Judas hiess. Das war eben Judas, Bruder des Herrn, Autor des Judasbriefes.
Aber in beiden Briefen fällt auf: Sie haben sich nicht auf ihre Verwandtschaft berufen. Nicht wahr, Jakobus sagt nicht: Jakobus, Bruder des Herrn, sondern er sagt: Jakobus, Knecht Gottes und des Herrn Jesus Christus. Er nennt sich nicht Bruder des Herrn. Und in Kapitel 2 schreibt er so: Meine Brüder, habt den Glauben unseres Herrn Jesus Christus, des Herrn der Herrlichkeit, nicht mit Ansehen der Person. Wie spricht er über Jesus? Er nennt ihn unser Herr Jesus Christus und dazu den Herrn der Herrlichkeit. Das ist sehr eindrücklich, weil das Gleiche sehen wir auch bei Judas.
Im Judasbrief nennt er sich auch nicht Judas, Bruder des Herrn, sondern Judas, Knecht oder Sklave Jesu Christi und Bruder des Jakobus, den in Gott dem Vater Geliebten und in Jesus Christus bewahrten Berufenen. Interessant: In Vers 4 nennt er den Herrn Jesus unseren alleinigen Gebieter und Herrn Jesus Christus, unseren alleinigen Gebieter. Ja, sie haben eben erkannt, dass dieser Sohn der Maria und damit ihr Halbbruder nicht irgendein Mensch war, sondern dass das Gott war, der alleinige Gebieter, der Mensch geworden war. Und so war ihnen nicht wichtig, dass da eine Verwandtschaft bestand, sondern ihnen war wichtig, dass sie Knechte, Sklaven des Herrn Jesus Christus waren.
An wen schrieb Jakobus seinen Brief? Wer sind die Adressaten? Nun, das ist ganz eindeutig an die zwölf Stämme, die in der Zerstreuung sind. Zerstreuung ist das Wort Diaspora, das ist eigentlich der Fachausdruck für Juden, die im Ausland zerstreut leben. Also der Brief war gerichtet an die zwölf Stämme Israels im Ausland, mit anderen Worten: ein Rundschreiben an messiasgläubige Juden. Denn der Inhalt des Briefes macht klar, es geht um Juden, die glauben, dass Jesus der Herr der Herrlichkeit ist, der Messias.
Da kommt natürlich automatisch die Frage: Ja, aber damals gab es doch gar nicht mehr die zwölf Stämme. Im Land waren doch Juda und Benjamin und natürlich noch der Priesterstamm Levi. Aber die zehn Stämme waren doch schon längst weggeführt nach Assyrien im Jahr 722 v. Chr. Ja, da muss man gut lesen.
In 2. Chronik 15,9 haben wir die Geschichte von König Asa. Zur Zeit, als es die zehn Stämme noch gab im Land, lesen wir dort, dass viele von denen aus den zehn Stämmen erkannten, dass Gott mit den zwei Stämmen im Süden war, wo auch der Tempel war. Ich lese Vers 8 am Schluss: Und er erneuerte den Altar des Herrn, der vor der Halle des Herrn stand, und er versammelte ganz Juda und Benjamin und die Fremdlinge, die aus Ephraim und Manasse und aus Simeon bei ihnen lebten. Denn in Menge liefen sie aus Israel aus den zehn Stämmen zu ihm über, als sie sahen, dass der Herr, sein Gott, mit ihm war.
Also viele aus den zehn Stämmen, und hier werden speziell Ephraim, Manasse und Simeon erwähnt, gingen in das Südreich hinüber. Und das Gleiche sehen wir auch in der Zeit von Hiskia später in 2. Chronik 30. Er liess extra die zehn Stämme einladen. Ich lese Kapitel 30, Vers 10: Und die Läufer zogen von Stadt zu Stadt durch das Land Ephraim und Manasse und bis nach Sebulon; aber man verlachte und verspottete sie. Doch einige Männer von Asser und Manasse und von Sebulon demütigten sich und kamen nach Jerusalem. Auch über Juda kam die Hand Gottes, dass er ihnen ein einmütiges Herz gab, um das Gebot des Königs und der Obersten zu tun.
Also hier haben wir ausser Ephraim, Manasse und Simeon noch Asser und Sebulon erwähnt. Das wären schon fünf Stämme. Zu Juda, Benjamin und Levi, die sowieso schon im Süden waren, gibt das schon acht Stämme. Und wir können sogar sagen, dass es aus allen zwölf Stämmen Überläufer gab, und die gingen später mit dem Stamm Juda und Benjamin und Levi in die babylonische Gefangenschaft und kehrten mit ihnen wieder zurück ins Land. Das heisst also, zur Zeit des Herrn Jesus gab es aus allen zwölf Stämmen Israeliten im Land.
Und jetzt versteht man, warum in Lukas 2 die Prophetin Hanna, die auch mit anderen wartete, bis der Messias kommt und die Erlösung käme, Lukas 2,36, aus dem Stamm Asser war. Die war also aus einem der zehn Stämme! Und in Apostelgeschichte 26,7, als Paulus vor König Agrippa stand, sagte er: Unser zwölfstämmiges Volk dient Gott Tag und Nacht, wir sagen im Tempel. Er spricht von einem zwölfstämmigen Volk. Also, die waren alle da präsent, und wenn eben Jakobus an die zwölf Stämme schrieb, war das nicht einfach so etwas Symbolisches, sondern die waren wirklich präsent.
Das Problem kam dann im Jahr 70, als die Römer Jerusalem zerstörten und abbrannten. Da verbrannte man auch das zentrale Archiv der Geschlechtsregister. Und von da an konnte man normalerweise nicht mehr beweisen, aus welcher Linie man genau kommt. Und dann hat man eben das, was man Juden nannte, aber das waren aus allen zwölf Stämmen, hat man sich vermischt. Und normalerweise kann also heute kein Jude mehr sagen, aus welchem Stamm er ist, ausser Leuten, die im Geschlecht oder im Familiennamen die Tradition bewahrt haben, dass sie aus der Linie von Levi kommen. Das sind Leute, die eben Levi, Lewin, Lewinsky und so weiter heissen, oder viele wissen auch, dass sie von Aaron, dem Hohen Priester, abstammen. Das sind die, die Kohen heissen, das heisst Priester, oder Khan, Kahane, Kohn, es gibt verschiedene Varianten, oder Kogut. Das sind alles Nachkommen von Aaron. Und heute kann man das für die meisten auch mit Gentests zeigen, denn die aus dieser Linie haben ganz spezielle Markierer in ihrem Erbgut, die auf einen gemeinsamen Vorfahren zurückführen, etwa auf eine statistische Berechnung von ungefähr 104 Generationen vor heute. Und das bestätigt übrigens auch die Chronologie der Bibel. Das ist interessant.
Und es gibt gewisse Familien, die eben Traditionen haben und sehr genau wissen, woher sie kommen. Es gibt sogar Leute, die wissen, dass sie aus der Linie von David kommen, aus dem Stamm Juda. Aber das sind die wenigsten. So hat es also eine Vermischung gegeben, aber wir können sagen: Unter den Menschen, die man als Juden bezeichnet, sind effektiv alle zwölf Stämme vertreten.
So, das gibt dem Ganzen eben noch mehr Profil, wenn man da liest: den zwölf Stämmen in der Diaspora seinen Gruss. Nun, wir müssen ja immer, wenn man ein Bibelbuch betrachtet, Grundfragen beantworten: Wer ist der Autor, an wen wurde es ursprünglich gerichtet, und dann auch die Frage nach Zeit und Ort der Abfassung.
Nun ist klar, es war vor 62 nach Christus, denn dann starb Jakobus. Und es war natürlich nach der Auferstehung des Herrn, das ist 32 nach Christus. Aber wir können nicht sagen, in welchem Jahr der Brief geschrieben wurde, einfach zwischen 32 und 62. Das ist übrigens exakt die Zeitspanne der Apostelgeschichte. Die Apostelgeschichte behandelt das Jahr 32 in Kapitel 1 bis 62. Das sind doch diese zwei vollen Jahre von Paulus im Gefängnis in Rom des 62. Irgendwo dazwischen. Aber das reicht.
Aufbau des Briefes und seine Hauptthemen
Wie ist der Brief aufgebaut? Die grobe Struktur kann man so angeben:
Kapitel 1: Der Glaube in der Prüfung. Davon haben wir ja gerade gelesen. Eingangs heißt es: „Achtet es für lauter Freude, meine Brüder, wenn ihr in mancherlei Versuchungen fallet“, da ihr wisst, dass die Bewährung eures Glaubens Ausharren bewirkt. Der Glaube in der Prüfung.
Kapitel 2: Der Glaube und seine guten Werke. Da zeigt Jakobus: Wenn jemand einfach sagt: Ich glaube, aber das wirkt sich nicht aus in Taten, dann ist es kein richtiger Glaube. Dann ist es ein Glaube, den auch die Dämonen haben. Die Dämonen sind keine Atheisten. Sie glauben, dass es einen Gott gibt, und zittern vor ihm. Und Jakobus sagt: Wenn jemand glaubt, aber keine guten Werke zeigt, dann ist das nichts anderes als das, was die Dämonen auch tun.
Kapitel 3: Der Glaube und die Zunge. Da zeigt Jakobus, dass sich der Glaube besonders in einem Punkt zeigt, in dem wir Menschen alle sehr anfällig sind: in unserer Zunge. Sie kann mit ganz wenig Mitteln unglaubliches Unheil bewirken. Aber gerade der Glaube hilft, dass man die Zunge zügelt und zügeln lernt.
Kapitel 4: Der Glaube und die Trennung von der Welt. Jakobus sagt: Wer ein Freund dieser Welt ist, die Gott und sein Wort in dem Herrn Jesus verworfen hat, der ist ein Feind Gottes. Da ist eine ganz klare Trennung zwischen der Welt, die ihren Weg geht unter der Führung Satans, und dem Reich Gottes. Der Glaube und die Trennung von der Welt.
Dann Kapitel 5, Verse 1 bis 12: Der Glaube und das geduldige Ausharren. Da spricht er über das Wiederkommen des Herrn, und er zeigt: Der Glaube wartet geduldig, bis der Herr kommt. Aber es braucht Geduld. Und wir können das natürlich heute noch besser verstehen, wenn wir denken: Oh ja, jetzt ist es schon bald zweitausend Jahre her, seit der Herr in den Himmel gegangen ist, und er ist noch nicht zurückgekommen. Der Jakobusbrief spricht in diesem Zusammenhang von den letzten Tagen, von der Endzeit: „Habt nun Geduld, Brüder!“
Und schließlich Verse 13 bis 20: Der Glaube und das wirksame Gebet. Das ist dieser Abschnitt, wo auch gezeigt wird, wie Elija, obwohl er ein Mensch war, mit gleichen Gefühlen und Gefühlsschwankungen wie wir, ernstlich gebetet hat, und das Gebet hat Gewaltiges bewirkt. Damit macht Jakobus Mut zu einem Gebet, das wirklich aus einem tiefen Glauben herauskommt.
Das ist eine grobe Einteilung, aber man kann den Brief in zwölf Abschnitte aufteilen, die genau den zwölf Stämmen entsprechen. Nicht wahr, in 1. Mose 49 haben wir den Segen von Jakob über die zwölf Stämme. Es beginnt mit Ruben, und alle zwölf Stämme werden durchgenommen, prophetisch und unter Gottes Segen gestellt. Dasselbe hat Mose gemacht in 5. Mose 33. Kurz vor seinem Tod hat er den Segen ausgesprochen über alle zwölf Stämme. Und nun ist es interessant, dass man den Jakobusbrief, der ja an die zwölf Stämme gerichtet ist, in zwölf Abschnitte aufteilen kann. In jedem Abschnitt sieht man einen Bezug zu einem der Stämme im Segen von Jakob und im Segen von Mose. Aber das werden wir ganz am Schluss anschauen, denn zuerst muss man wissen, was im Jakobusbrief steht. Dann kann man diese Verbindungen ziemlich schnell herstellen.
Am Schluss habe ich noch eine Liste gemacht mit charakteristischen Ausdrücken und Besonderheiten. Darauf werden wir immer wieder zurückgreifen, wenn wir jetzt schön der Reihe nach durch den Text des Jakobusbriefes hindurchgehen.
Noch ist zu sagen: Der Jakobusbrief gehört zu den sieben sogenannten allgemeinen Briefen. Diese sieben sind die zwei Petrusbriefe, dann die drei Johannesbriefe, der Judasbrief und eben auch der Jakobusbrief. Sie stehen im Gegensatz zu den zweimal sieben paulinischen Briefen. Paulus hat vierzehn Briefe geschrieben, dazu gehört natürlich auch der Hebräerbrief. Und es ist so: In 2. Petrus 3 spielt Petrus direkt auf den Hebräerbrief an, und er sagt den Juden, denen er schreibt, dass unser geliebter Bruder Paulus ihnen geschrieben habe, auch ein Rundschreiben an Juden, und darin habe er nach der ihm von Gott gegebenen Weisheit geschrieben. Da hat er darüber geschrieben, dass man die Geduld des Herrn, dass er nicht sofort kommt, eben als Chance zur Rettung betrachten soll. Der Hebräerbrief sagt immer wieder: „Heute, wenn ihr seine Stimme höret, verhärtet euer Herz nicht.“ Immer wieder wird das wiederholt. Und so haben wir also vom zweiten Petrusbrief her ein sehr direktes Zeugnis, dass der Hebräerbrief von Paulus stammt.
Übrigens: In der ältesten Paulusbrief-Handschrift, die datiert worden ist auf das erste Jahrhundert, 75 bis 100 nach Christus, da sind alle Paulusbriefe zusammengebunden, und da ist der Hebräerbrief eingebunden zwischen Römer und Erstem Korinther. Das zeigt also, dass die ägyptischen Christen im ersten Jahrhundert wussten, dass der Hebräerbrief von Paulus geschrieben worden war.
Ja, also da haben wir die sieben allgemeinen Briefe. Dazu gehört der Jakobusbrief und dann die zweimal sieben paulinischen Briefe. Das gibt zusammen diese 21 Briefe der Apostel und Propheten, wo wir die Lehre als Grundlage für die Gemeinde haben. Ja, wir werden also da immer wieder darauf zurückkommen. Jetzt gehen wir einfach schön der Reihe nach durch den Brief.
Jakobus sagt in Vers 1 den zwölf Stämmen: „Seinen Gruß.“ Das ist ein bisschen frei übersetzt, weil da steht auf Griechisch einfach „chairein“. Das heißt freuen. Der Gruß im Altgriechischen war „chaire“, also „freue dich“. So hat man auf Griechisch gegrüßt, wie man auf Hebräisch sagt „Schalom“. Und er sagt also den zwölf Stämmen in der Zerstreuung: Sie sollen sich freuen, das ist der Gruß.
Und jetzt sehen wir: Dieses Stichwort nimmt er gleich auf und sagt in Vers 2: „Achtet es für lauter Freude, meine Brüder, wenn ihr in mancherlei Versuchungen fallet.“ Also jemand fragt sich vielleicht, wenn er den Jakobusbrief zum ersten Mal liest: Ja, worüber soll ich mich denn freuen? Und er gibt schon die Antwort. Es gibt so viele Arten von Versuchungen, das heißt in mancherlei, alle möglichen Arten von Versuchungen. Aber Jakobus sagt: Das ist jedes Mal ein Grund, sich zu freuen. Nicht weil Versuchungen so etwas Schönes sind. Der Herr hat uns ja gelehrt in seinem Gebet: „Und führe uns nicht in Versuchung.“ Ja, aber Jakobus sagt: Wenn ihr durch Versuchung getestet werdet, dann könnt ihr euch darüber freuen, wenn der Glaube bewährt wird in der Versuchung. Dann bewirkt das eine Vermehrung von Ausharren, der Fähigkeit, auf den Herrn zu vertrauen, auch wenn es schwierig ist. Das wird dadurch eben verstärkt. Und so ist das ein Grund der Freude. Nicht die Versuchung selbst, aber die guten Auswirkungen, wenn man die Versuchung bestanden hat. Da wird der Glaube geprüft und eben auch verstärkt und befestigt.
Jetzt könnte jemand sagen: Ach gut, wenn das so eine Freude ist, wenn man da in mancherlei Versuchung fällt, dann kann ich ja an Orte hingehen, wo ich weiß, dass ich dann versucht werde. Aber die Bibel spricht ganz anders. In 1. Korinther 6 am Schluss sagt Paulus: „Flieht die Hurerei!“ Das heißt, wenn man vor seinem eigenen Bösen, dem Fleisch in uns, flieht, zum Beispiel ins Kloster, dann kommt das immer mit, kann gar nicht anders. Aber wenn es heißt: „Flieht die Hurerei“, dann heißt das: Flieht diese Orte und diese Gelegenheiten, wo man eben in Versuchung kommen könnte. Ihr müsst diese Dinge umgehen. Ich meine, das ist auch sehr praktisch heute mit dem Internet. Man muss ganz klare Richtlinien setzen: Das kommt nie, gar nie in Frage. Das heißt: Flieht die Hurerei. Man muss ganz klare, feste Richtlinien haben, und dort und dort gehe ich gar nie hin.
Jakobus sagt nämlich: Wenn ihr in mancherlei Versuchungen fallet, das ist nicht geplant, nicht wahr? Wir müssen also da, wo wir vorausschauend uns absichern können, das müssen wir machen. Aber es gibt ja noch genügend Versuchungen. Und dann sagt Jakobus: Und dann könnt ihr euch freuen, weil der Test, die Bewährung des Glaubens, weiteres Ausharren bewirkt. Und er sagt, das bewirkt ein vollkommenes Werk, und das Endziel ist, dass ihr vollkommen und vollendet seid und in nichts Mangel habt. Der Glaube macht Fortschritte, das sollen wir anstreben. Das ist das Endziel unseres Glaubenslebens.
Dann hat er schon wieder ein Stichwort verwendet: Mangel haben, nicht wahr? Und das gibt das nächste Thema. „Wenn aber jemandem von euch Weisheit mangelt“, ja, was ist dann? Dann soll man Gott bitten, dass man Weisheit bekommt. Und man kann sicher sein: Das ist eine Bitte, die Gott entspricht, und man wird das bekommen. Aber es ist ganz wichtig, wie man betet. Man muss wirklich im Glauben beten, ohne Zweifel. Er sagt: Zweifelhafte Menschen, das sind so unstete Menschen wie Meereswogen, die hierhin und dorthin geworfen werden. Das ist nicht das wahre Glaubensleben, das Unstabile. Gott will Gläubige, die stabil werden im Glauben. Und er sagt: Solche, die einfach so hin und her geworfen sind, wankelmütig sind, die können nichts erwarten im Gebet. Also der Glaube muss sich eben da im Gebetsleben auszeichnen. Wir dürfen Gott bitten um Weisheit, wenn wir merken, sie mangelt uns, und sie wird uns gegeben. Aber wir sollen wirklich vertrauen, dass Gott sie uns auch geben will.
Und dann, Vers 9: Da sagt er den niedrigen Gläubigen, die keine hohe Position in dieser Welt einnehmen, die sollen sich darüber freuen, dass sie eine so hohe Stellung haben im Glauben in Christus. Und die Gläubigen, die von Natur aus in dieser Welt eine hohe Position einnehmen, Reiche, die sollen sich eigentlich so richtig bewusst sein, wie Gott sie niedrig gemacht hat. Denn man kann sich ja nicht bekehren, ohne dass man wirklich ganz klein wird. Darum ist er aus einem Saulus, das heißt der Begehrte, und die Eltern hatten ihm den Namen gegeben in Anspielung an König Saul, der war einen Kopf größer als alle. Als er sich bekehrt hatte, nannte er sich später Paulus, der Kleine. Die, die eine hohe Position haben, die müssen ganz klein werden. Und so sagt Jakobus: Die Niedrigen sollen sich freuen, in Christus habt ihr eine so hohe Position. Und die, die eine hohe Position haben, die sollen immer wieder daran denken: Oh, wie klein bin ich eigentlich. Ich muss nämlich vor Gott vollständig beugen.
Und dann zeigt er weiter, dass wir Menschen so sehr den Blumen auf der Wiese gleichen. Die sind so schön, aber nur eine ganz kurze Zeit. Das vergeht so schnell, dass die Blumen verblühen. Und das ist einfach eine Tatsache. In unserer Welt, in unserer Gesellschaft gilt das Schönsein unwahrscheinlich viel. Und Jugend, das ist alles. Alter, das zählt nicht. Es ist mir so richtig aufgefallen: In Israel ist das ganz anders. Ein alter Mann, vor dem hat man Respekt. Man fragt ihn nicht aus, was er alles weiß, aber es ist automatisch so: Man weiß, der Mann hat Lebenserfahrung. Ein alter Mann gilt etwas. Bei uns ist das überhaupt nicht so. Und der Jakobusbrief zeigt: Das Ganze geht so schnell. Ich meine, da kann man als Jungaufbrühender, Teenie, zwanzig, einundzwanzig, zweiundzwanzig sein, und ich sage ja nicht, wann es vorbei ist. Es geht so schnell, es ist so vergänglich. Aber das gilt eben für den Menschen. Er ist wie das Gras, denn wie des Grases Blume wird er vergehen. Denn die Sonne ist aufgegangen mit ihrer Glut und hat das Gras gedörrt, und seine Blume ist abgefallen, und die Zierde seines Aussehens ist verdorben. Und so wird auch der Reiche vergehen in seinen Wegen.
Ja, und wir wissen auch, wie vergänglich der Reichtum ist. Da kann man hoch sein, und plötzlich geschieht etwas, und alles ist weg. Das ist eine Anspielung auf Jesaja 40, Vers 8: „Alles Fleisch ist wie des Grases Blume“ und so weiter, und es vergeht. Und dann wird erklärt: Aber das Wort unseres Herrn bleibt in Ewigkeit. Also wir sehen, wie Jakobus im Alten Testament verankert ist, auch wenn er nicht sagt: „Wie geschrieben steht.“ Die Gedanken sind ständig mit dem Alten Testament in Verbindung.
Und dann sagt er in Vers 12: „Glückselig der Mann, der die Versuchung erduldet, denn nachdem er bewährt ist, wird er die Krone des Lebens empfangen, welche er denen verheißen hat, die ihn lieben.“ Krone, hier Stephanos, hat den Sinn von Siegeskranz. Das war also die Auszeichnung für den Sportler damals. Jakobus sagt: Eben das Endziel ist, der, der die Versuchung aushält, der wird den Siegeskranz des Lebens empfangen. Das ist übrigens dieselbe Belohnung wie in Offenbarung 2, im Sendschreiben an Smyrna, die Märtyrer bekommen, die um ihres Glaubens willen in den Tod gehen müssen. Und das ist ja etwas ganz anderes als im Islam. Der Märtyrer im Islam, das ist einer, der möglichst viele andere Menschen ins Unglück stürzt und sie tötet. Aber der christliche Märtyrer ist jemand, der getötet wird, aber den anderen nichts antut. Und die Krone des Lebens? Da könnten wir, wir können ja nicht sprechen über Martyrium, könnten wir sagen: Was ist mit uns? Und der Jakobusbrief sagt: Wir können die gleiche Belohnung bekommen, wenn wir in der Versuchung standhalten. Das war viel einfacher.
Das ist so eindrücklich, wenn man viel zu tun hat mit den Russlanddeutschen, dann erfährt man, wie die Russlanddeutschen in der Zeit der Sowjetunion standgehalten haben gegen diese Diktatur, diese ständige Plage bis hin zum Martyrium. Aber jung und alt sind dort zusammengestanden. Und dann ging die Sowjetunion unter, und Tausende von Russlanddeutschen sind in den Westen gekommen, aus Russland, aus Tadschikistan, Usbekistan, Kirgisistan usw. Und jetzt im Westen plötzlich: Wow, da sieht man plötzlich, wie junge Leute durch die Versuchungen da im Westen angezogen werden. Also nicht allgemein, ich habe das erlebt in Deutschland, wie da Gemeinden sind, wo man wirklich eine gesunde Jugend sieht, entschieden, die mit dem Herrn geht und so weiter. Aber es gibt auch das andere. Und da muss man irgendwie sagen: Wow, die haben so gegen ein Regime bestanden, das sie verfolgt hat in der Sowjetunion, und jetzt hier, das ist viel gefährlicher, was wir hier erleben. Und darum verstehen wir, dass hier eben die Krone des Lebens, der Siegeskranz des Lebens, verheißen wird, die da die Versuchung aushalten. Und das kommt eben daraus, wenn man den Herrn liebt. Das ist der Punkt. Wenn man es aus purer Gesetzlichkeit macht, das macht man nicht, dann ist das zu wenig, das gibt keine Kraft. Aber man kann bestehen, wenn man den Herrn wirklich liebt und sein Wort. Dann geht es. Das gibt die Kraft, um zu bestehen.
Dann sagt Jakobus: „Niemand sage, wenn er versucht wird: Ich werde von Gott versucht.“ Denn Gott kann nicht versucht werden von dem Bösen, und selbst versucht er niemanden. Ein jeder aber wird versucht, wenn er von seiner eigenen Lust fortgezogen und gelockt wird. Danach, wenn die Lust empfangen hat, gebiert sie die Sünde; die Sünde aber, wenn sie vollendet ist, gebiert den Tod.
Also Versuchung zum Bösen, das kommt nie von Gott. Jetzt kann man sagen: Aber in 1. Mose 22 steht doch, dass Gott den Abraham versucht hatte. Ist das ein Widerspruch? Nein, es ist eben so. Das Wort Versuchung hat zwei verschiedene Bedeutungen. Versuchen kann bedeuten: verleiten zum Bösen, und versuchen kann auch bedeuten: testen. Gott hat Abraham versucht im Sinn von testen. Er wollte deutlich machen, dass der Glaube, den Abraham schon hatte in Kapitel 15 – Abraham glaubte der Verheißung Gottes, und es wurde ihm zur Gerechtigkeit gerechnet –, dass das nicht nur ein theoretischer Glaube war, sondern ein Glaube, der sich in Taten auswirkt. Und in Kapitel 22 hat Gott diesen Glauben im Herzen Abrahams getestet, so dass er für alle, auch für die Menschen, sichtbar wurde. Abraham war bereit, sogar auf das Liebste hier auf Erden, den Sohn der Verheißung, zu verzichten, wenn Gott ihn nehmen wollte. Und so hat Gott getestet, aber nicht zum Bösen verleitet. Und hier benutzt nun Jakobus das Wort versuchen in dem Sinn: verleiten zum Bösen. Und das macht Gott nie.
Und dann erklärt er: Diese Versuchung kommt von uns heraus, aus dieser sündigen Natur, die wir von Adam geerbt haben. Römer 5, Vers 12 und folgende sagt, dass Adam durch seinen Fall ein Sünder wurde, der eine sündige Natur hatte, und diese sündige Natur wird von Generation zu Generation über den Vater weitergegeben. Der Herr Jesus hatte keine sündige Natur, darum sagt 1. Johannes 3: Sünde ist nicht in ihm. Und darum durfte er auch keinen menschlichen Vater haben. Und er war als der Sohn des Menschen eben Sohn nur von einer Menschenmutter. Wir sind alle Söhne und Töchter der Menschen, wie wir in Epheser 3, Vers 6 genannt werden, weil wir von zwei Menschen abstammen, aber der Herr nur von einem Menschen, von Maria, der Sohn des Menschen. Und darum haben wir alle diese sündige Natur in uns. Der Römerbrief nennt sie einfach in der Einzahl „die Sünde“. Das ist also nicht eine bestimmte Tat in Römer 5, Vers 12 und folgende, sondern das ist diese sündige Natur, die nichts anderes kann als Sünden, das sind dann die Tatsünden, zu bewirken.
Und so erklärt Jakobus: „Ein jeder aber wird versucht, wenn er von seiner eigenen Lust fortgezogen und gelockt wird.“ Ganz wichtig: Das Neue Testament sagt nirgends, dass wir durch die Bekehrung diese sündige Natur verlieren. Nein, aber durch die Bekehrung, durch die Wiedergeburt, bekommen wir ein neues Leben, und dieses neue Leben, das ist der Herr Jesus selbst, der sagen konnte: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“ Und darum kann Paulus sagen in Galater 2, Vers 20: „Ich bin mit Christus gekreuzigt, und nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir.“ Dieses Leben aus Gott, das Christus selbst ist, das gibt uns die Kraft, gottgemäß zu leben. Aber wir haben das Fleisch noch in uns. Es wird genannt das Fleisch oder die Sünde, also nicht unser Körper, der ist nicht schlecht, aber in unserem Körper ist diese sündige Natur, die eben unsere Hände braucht, unsere Füße, unsere Augen, unsere Ohren und so weiter, unser Gehirn, um zu sündigen. Und darum wird es einfach genannt das Fleisch oder eben die Sünde. Das haben wir noch bis zu unserem Tod oder bis der Herr wiederkommt, um unseren Leib zu verwandeln.
Und jetzt gilt: „Ein jeder aber wird versucht, wenn er von seiner eigenen Lust fortgezogen und gelockt wird. Danach, wenn die Lust empfangen hat, gebiert sie die Sünde; die Sünde aber, wenn sie vollendet ist, gebiert den Tod.“ Das sind drei Generationen. Das wäre eine gute Frage für ein nächstes Bibelquiz, die Jungschau oder so: Wie heißt die Großmutter des Todes? Wenn sie empfangen hat, gebiert die Sünde – das ist deine Tochter – und die Sünde, wenn sie vollendet ist, gebiert den Tod. Das ist der Sohn, ein scheußlicher Sohn. Ja, aber es sind drei Generationen. Und diese Stelle hilft, um zu sehen, wenn das böse Verlangen in uns wach wird, und das merken wir jeden Tag. Die Sünde in uns macht sich immer bemerkbar durch böse Gedanken, Eifersucht, Geiz, Hochmut, alles Mögliche. Und das ist aber noch nicht die Sünde. Erst wenn die Lust empfangen hat, gebiert sie die Sünde, hier ist die Tatsünde in der Einzahl. Das ist sehr wichtig, weil manche Gläubige, die ernsthaft sind, merken: Da kommt ein schlechter Gedanke, und die denken: Ich habe schon gesündigt. Dann bekennen sie diese Sünde, und der nächste schlechte Gedanke kommt schon, und die kommen in Bedrängnis, und so kann man am Schluss durchdrehen. Aber wenn man feststellt: Das Fleisch ist in uns, und diese Gedanken kommen, aber das ist noch nicht die Sünde. Jetzt kommt es darauf an, was wir damit machen.
Nicht wahr, Luther hat gesagt: Wenn er spazierte und ein Vogel machte ihm auf den Kopf, da kann ich nichts dafür. Ich habe das effektiv mal erlebt in einer Gemeinde. Da saßen wir am Sonntagmorgen in der Gemeinde, Anbetungsstunde und Abendmahl, und es war ziemlich heiß da im Sommer, und dann hat man die Türe offen gelassen. Kam ein Vogel rein, hat einige Runden gedreht, und wirklich, der hat voll getroffen. Mich auf meinen Anzug. Ja, aber da konnte ich nichts dafür, oder? Aber Luther sagte: Dafür kann ich nichts, außer wenn der Vogel auf meinem Hut ein Nest macht. Das ist der Unterschied. Also das heißt: Der böse Gedanke kommt, aber wenn ich jetzt an diesem Gedanken Gefallen bekomme und das weiter spinne, dann wird es zu Gedankensünde. Das ist Sünde. Wir können in Gedanken sündigen, und ein weiterer Schritt ist dann, wenn der Gedanke noch in Tat umgesetzt wird, dann wird es zur Tatsünde. Aber diese Stelle hilft uns allen zu verstehen: Nein, es ist nicht das Gleiche. Die Lust ist da, jetzt kommt es darauf an, was wir machen.
Jesus hat gesagt: „Wer mir nachfolgen will, der nehme sein Kreuz auf sich und verleugne sich selbst.“ Sich selbst verleugnen heißt: Ich gehe auf das Böse gar nicht mehr ein. Wenn ich jemanden, den ich kenne, im Bahnhof von Zürich irgendwo sehe und ich tue so, als wenn ich ihn noch nie gesehen hätte, dann verleugne ich ihn. Das ist nicht so schön, aber ja gut, es kann schon mal vorkommen, wenn man im Stress ist und weiß, es gibt ein Viertelstundengespräch und ich muss jetzt gehen. Aber ich sage nur: Das ist Verleugnen. Und der Herr Jesus sagt: Er verleugne sich selbst. Und Titus 2 sagt: Die weltlichen Lüste in uns verleugnend, das heißt, überhaupt nicht darauf eingehen, gar nicht reagieren. Und dann ist das wie mit dem TGV. Dieser schnelle Zug ist ja fantastisch, wenn man da nach Paris fährt, wie schnell das geht, ja, und der kann ja im höchsten Fall über 500 Stundenkilometer fahren. Ja, und es ist ja klar: An einem kleinen Bahnhof geht der einfach vorbei, und wir sind alles kleine Bahnhöfe. Und wenn der TGV kommt, dann winken wir ab. Und so wird es nicht zur Sünde.
Und dann sehen wir die dritte Generation: Schlussendlich ist der Lohn der Sünde der Tod. Drei Generationen, aber die müssen wir unterscheiden. Da hilft uns der Jakobusbrief.
Dann geht er weiter: „Irret euch nicht, meine geliebten Brüder. Jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt von oben herab, von dem Vater der Lichter, bei welchem keine Veränderung ist noch ein Schatten von Wechsel. Nach seinem eigenen Willen hat er uns durch das Wort der Wahrheit gezeugt, auf dass wir eine gewisse Erstlingsfrucht seiner Geschöpfe seien.“
Also Gott ist es nicht, der uns zum Bösen versucht. Aber im Kontrast dazu sagt er: Von Gott kommt alles Gute. Alles Gute kommt von ihm. Er ist der Vater der Lichter, das heißt, in Gott gibt es keine Spur von Finsternis, alles ist Licht. Und Gott ist auch der Ewige, da gibt es keine Veränderung, keinen Wechsel, er bleibt immer gleich, er wird sich nie untreu. Und dieser Gott ist es, der uns wiedergeboren hat, wiedergezeugt durch das Wort der Wahrheit. Und jetzt sind wir eben neue Geschöpfe, und diese neuen Geschöpfe nennt er eine Erstlingsfrucht seiner Geschöpfe. Gott hat uns erneuert, hat uns ein neues Leben gegeben, das eben im Kontrast steht zu dem Bösen, das noch in uns ist.
Ja, und jetzt hat das natürlich Konsequenzen. Wenn wir so sowohl das Böse in uns haben als auch das neue Leben durch die Wiedergeburt, durch das Wort Gottes gezeugt, jetzt sagt Jakobus daher: Das ist eine Schlussfolgerung. „Daher, meine geliebten Brüder, sei jeder Mensch schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn.“ Besonders an Männer gerichtet ist das, denn eines Mannes Zorn wirkt nicht die Gerechtigkeit Gottes. Deshalb legt ab alle Unsauberkeit und alles Übermaß von Schlechtigkeit und empfanget mit Sanftmut das eingepflanzte Wort, das eure Seelen zu erretten vermag.
Also, es ist eine Gefahr, dass man sehr schnell denken kann: Ich habe einen heiligen Zorn. Ja, das ist ja so, dass wir vom Herrn Jesus lesen in Markus 3: Also die Verstocktheit der Pharisäer in der Synagoge, da war er zornig. Das war ein heiliger Zorn, der hat gar nichts mit Sünde zu tun. Und es gibt für Gläubige einen heiligen Zorn. Darum sagt Epheser 4: „Zürnet und sündigt nicht.“ Und wenn es Dinge in dieser Welt gibt, wenn der Herr und sein Wort gelästert wird, das darf uns nicht einfach kalt und indifferent lassen. Da sollen wir eine innere emotionale Abneigung dagegen haben. Aber dann sagt der Epheserbrief gleich im Anschluss: „Und die Sonne soll nicht untergehen über eurem Zorn.“ Das ist dann eben nicht der Zorn, der heilige Zorn, euer Zorn. Wir sind schnell geneigt, dass man denkt: Wie da meine Kinder sich verhalten haben, da muss man mit einem heiligen Zorn antworten. Aber das war nicht ein heiliger Zorn, sondern unser Zorn. So ist diese Stelle wirklich eine Hilfe. Wenn es da heißt: „Denn eines Mannes Zorn wirkt nicht die Gerechtigkeit Gottes“, muss man sagen: Das ist nicht aus dem neuen Leben gekommen, sondern das kam eben aus dieser Lust, die dann die Sünde hervorbringt. Und darum ermahnt Jakobus zur praktischen Heiligung: Legt alle Unsauberkeit, alles Übermaß von Schlechtigkeit ab. Und es ist so wichtig, dass das Wort Gottes in unser Herz eingepflanzt wird. Und da nimmt er dieses Thema an: unser Verhältnis zum Wort Gottes, das uns hilft, eben gottgemäß zu leben.
„Seid aber Täter des Wortes und nicht allein Hörer, die sich selbst betrügen. Denn wenn jemand ein Hörer des Wortes ist und nicht ein Täter, der ist einem Mann gleich, welcher sein natürliches Angesicht in einem Spiegel betrachtet. Denn er hat sich selbst betrachtet und ist weggegangen, und er hat alsbald vergessen, wie er beschaffen war. Wer aber in das vollkommene Gesetz, das der Freiheit nahe, hineingeschaut hat und darin bleibt, indem er nicht ein vergesslicher Hörer, sondern ein Täter des Werkes ist, dieser wird glückselig in seinem Tun.“
Also, wir sollen auf das Wort achten, aber nicht einfach, dass wir es gerne hören. In Hesekiel 33 sehen wir: Es gab viele Leute, die haben Hesekiel sehr geschätzt, wenn er gepredigt hat. Die fanden: Der hat eine so schöne Stimme. Ja, es klingt so. Man sieht das manchmal in Amerika, es gibt Leute, die schwärmen immer von ihrem Pastor. Und eine Frau sagt: Wenn mein Pastor dieses geistliche Wort Babylon sagt, dann kommen ihr gleich die Tränen. Die hören so gerne Predigten! Aber das erinnert richtig an Hesekiel 33: Du hast eine schöne Stimme, und sie kommen und hören zu, aber sie tun es nicht. Und so gibt es Leute, die wollen gar nicht auf die Bibel hören, aber es gibt Leute, die hören so gerne auf die Bibel, aber sie setzen es nicht um. Und darum sagt Jakobus: Seid aber Täter des Wortes, nicht allein Hörer. Und hier vergleicht er die Bibel mit einem Spiegel. Also wenn wir die Bibel lesen, wenn wir die Bibel hören in der Predigt, dann ist es wie ein Spiegel, der uns zeigt, wie wir eigentlich sind. Und schonungslos, ja, deckt alle Pickel auf und noch Schlimmeres. Und das muss Konsequenzen haben. Und Jakobus sagt: Aber einer, der nur hört, aber nicht tut, das ist einer, der sich im Spiegel anschaut, und dann vergisst er schon wieder alles. Und so ist es: Die Bibel zeigt uns schonungslos auf, wie wir sind, aber dann muss es eben Auswirkungen haben, dass wir alle Unsauberkeit ablegen, Vers 21.
Und dann sagt er: Wer aber in das vollkommene Gesetz, das der Freiheit nahe, hineingeschaut hat und darin bleibt, indem er nicht ein vergesslicher Hörer, sondern ein Täter des Werkes ist, dieser wird glückselig in seinem Tun. Es ist so schön, wie Jakobus die Gebote des Herrn nennt. Übrigens unter charakteristische Ausdrücke und Besonderheiten habe ich aufgeführt etwas unter der Mitte: Da steht 108 Verse, 54 Befehle. Der Jakobusbrief besteht aus 108 Versen, und wir finden 54 Befehle, ganz klare Gebote des Herrn. Es gibt ja manchmal Leute, die sagen: Ja, im Alten Testament hatte man Gebote, aber im Neuen Testament da ist Freiheit. Natürlich ist Freiheit da. Aber das heißt nicht, dass wir nicht ganz konkrete Anordnungen haben, die wir im Gehorsam umsetzen müssen. Und Jakobus nennt das das vollkommene Gesetz, das der Freiheit. Das ist ein wunderbarer Ausdruck. Es gibt Leute, die haben Schokolade gern. Und wenn man denen sagt: Nimm hier, und dann nehmen sie, dann sind sie gehorsam, nicht wahr? Aber das ist für sie nicht etwas Schweres, das ist für sie ein Gesetz der Freiheit. Das ist sowieso das, was sie wollen. Und wenn Jakobus sagt: das Gesetz der Freiheit, dann sagt er: Der Mensch, der eben eine neue Schöpfung ist und dieses neue Leben hat, dieses neue Leben, das Christus ist, das will gar nichts anderes als Gottes Willen. Und es ist ihm eine Freude, das zu tun, was Gott sagt. Und so ist dieses Gesetz das Gesetz der Freiheit.
Nicht wahr, das Problem ist, dass wir eben das Fleisch in uns haben, und das gibt einen inneren Konflikt. Aber wenn wir eben nicht mehr auf das Fleisch hören, sondern es verleugnen, den TGV durchlassen oder wie früher die Jäger, wenn sie Füchse gejagt haben mit den Hunden, plötzlich hat der Fuchs sehr schlau sich hingelegt wie tot, und die Hunde rannten weiter über ihn hinweg. Also, der hat sich für tot gehalten. So sagt auch Römer 6: Haltet euch in Bezug auf die Sünde für tot. Ja, wir sind wie Christus gestorben. Und darum müssen wir in Bezug auf die Sünde nicht mehr reagieren, nicht kämpfen. Wer nämlich, wenn das Böse sich irgendwie in uns bemerkbar macht, dagegen kämpft, es verkrampft sich, und das Böse, die falschen Gedanken, werden noch stärker. Das ist normal so. Es gibt manchmal Leute, die denken, das ist nur bei mir so. Das ist bei allen so. Aber wir müssen gar nicht mehr darauf eingehen wie der Fuchs. Dann lassen wir die Hunde vorbei, dann stehen wir wieder auf. Ja, es heißt: Haltet euch der Sünde für tot, Gott aber lebend in Christus Jesus, denn wir sind ja mit Christus auferweckt. Also im Blick auf Gott sind wir Auferweckte, im Blick auf die Sünde sind wir Tote.
Das kann man auch so vergleichen: Wenn jemand, der Alkoholiker war, begraben ist. Ich hatte mal die schwere Aufgabe, ich musste einen Alkoholiker und Drogensüchtigen beerdigen. Es war ziemlich schwierig, da eine Abdankung zu halten. Tragisch, ganz schlimm. Wenn man einem solchen Menschen Whisky aufs Grab tut, geschieht nichts. Er ist tot in Bezug auf die Sünde. Und wenn wir tot sind, unsere Sünde für tot halten, dann sind wir so wie Gestorbene, die reagieren nicht auf die Versuchung, und dann geschieht auch nichts. Das ist Gottes Belehrung zu diesem Thema.
Also: Wir sollen Täter sein, die nahe in das Gesetz der Freiheit hineinschauen und das umsetzen, und dann werden wir glückselig gepriesen. Das Wort glückselig, wenn man das auf Schweizerdeutsch übersetzen sollte, es lohnt sich ja manchmal, die Bibel, die wir normalerweise auf Hochdeutsch lesen, für uns auf Schweizerdeutsch zu übersetzen, dann können wir nämlich kontrollieren, ob wir es wirklich verstanden haben oder nicht. Wie würden wir das auf wirklich Schweizerdeutsch sagen? Und die Frage: Wie sollen wir glückselig übersetzen auf Schweizerdeutsch? Das ist kein schweizerdeutsches Wort. Ich würde es übersetzen mit überglücklich. Wir werden überglücklich gepriesen, wenn wir so eben das Wort Gottes in Tat umsetzen.
Und dann heißt es weiter: „Wenn jemand sich dünkt, er diene Gott und zügelt nicht seine Zunge, sondern betrügt sein Herz, dessen Gottesdienst ist eitel.“ Jetzt kündigt Jakobus schon das Thema an, das er dann in Kapitel 3 ganz ausführlich behandelt. Die Zunge ist ein Riesenproblem für uns Gläubige. Und da kann man sich natürlich betrügen und sich Dinge einreden: Ja, das war, weil der und der Sohn so und so unangenehm ist und so, dann muss man halt so reagieren. Aber dann wird gesagt: So kann man Gott nicht dienen. Das geht nicht. Dieser Gottesdienst ist inhaltslos für Gott.
Und dann sagt er auf der anderen Seite: „Ein reiner und unbefleckter Gottesdienst vor Gott und dem Vater ist dieser: Waisen und Witwen in ihrer Drangsal besuchen, sich selbst von der Welt unbefleckt erhalten.“ Also ganz konkret solchen Menschen, die in Not sind, nachgehen, sich um die kümmern, um Frauen, die ihren Mann verloren haben, um solche, die keine Familie haben. Da zeigt sich echter Dienst für Gott. Und dazu kommt, sich von dieser Welt, die sich gegen Gott und sein Wort stellt, ganz klar fernzuhalten, nicht verunreinigt lassen durch diese Welt.
Ja, nun gehen wir schon weiter zu Kapitel 2:
„Meine Brüder, habt den Glauben unseres Herrn Jesus Christus, des Herrn der Herrlichkeit, nicht mit Ansehen der Person! Denn wenn in eurer Synagoge ein Mann kommt mit goldenem Ring in prächtigem Kleid, es kommt aber auch ein Armer in unsauberem Kleid herein, und ihr seht auf den, der das prächtige Kleid trägt, und sprecht: Setze du dich bequem hierher! Und zu dem Armen sprecht ihr: Stehe du dort oder setze dich hier unter meinen Fußschemel! Habt ihr nicht unter euch selbst einen Unterschied gemacht und seid Richter mit bösen Gedanken geworden? Hört, meine lieben Brüder: Hat nicht Gott die weltlich Armen auserwählt, reich zu sein im Glauben und Erben des Reiches, des Königreiches, welches er denen verheißen hat, die ihn lieben? Ihr aber habt den Armen verachtet. Unterdrücken euch nicht die Reichen und ziehen nicht sie euch vor die Gerichte? Lästern nicht sie den guten Namen, der über euch angerufen worden ist? Wenn ihr wirklich das königliche Gesetz erfüllt nach der Schrift: ‚Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst‘, so tut ihr wohl. Wenn ihr aber die Person anseht, so begeht ihr Sünde, indem ihr von dem Gesetz als Übertreter überführt werdet. Denn wer irgend das ganze Gesetz halten, aber in einem straucheln wird, ist aller Gebote schuldig geworden. Denn der, der das sprach: ‚Du sollst nicht ehebrechen‘, sprach auch: ‚Du sollst nicht töten.‘ Wenn du nun nicht ehebrichst, aber tötest, so bist du ein Gesetzesübertreter geworden. Also redet und also tut, als die durchs Gesetz der Freiheit gerichtet werden sollen. Denn das Gericht wird ohne Barmherzigkeit sein gegen den, der nicht Barmherzigkeit geübt hat. Die Barmherzigkeit rühmt sich wider das Gericht.“
Also hier sehen wir die Übergangszeit sehr deutlich. Jakobus spricht zu diesen messiasgläubigen Juden über den Synagogengottesdienst, und der wurde damals eben noch neben dem Gemeindegottesdienst gepflegt. Dieser Aufruf zur Absonderung vom orthodoxen Judentum, der kam erst später, im Jahr 62 nach Christus durch Hebräer 13,11-14. Ich lese: Paulus spricht über den Jom Kippur, denn von den Tieren, deren Blut für die Sünde in das Heiligtum hineingetragen wird durch den Hohen Priester, werden die Leiber außerhalb des Lagers verbrannt. So hat das das Gesetz Mose angeordnet. Und in Jerusalem hat man immer das umgesetzt. Die Stadtmauer um Jerusalem, die markiert das Lager. Und also diese Sündopfer, die mussten außerhalb der Stadtmauern an einem bestimmten Ort verbrannt werden. Und jetzt die Schlussfolgerung aus dem Jom Kippur: „Darum hat auch Jesus, auf dass er durch sein eigenes Blut das Volk heiligte, außerhalb des Tores gelitten.“ Darum war Golgatha außerhalb der Stadtmauer, draußen vor dem Genator. Der Herr Jesus ist dort als unser Sündopfer hinausgetan worden, verworfen aus dem Tempel hinaus, dann aus der Stadt hinaus nach Golgatha. Deshalb: „Lasst uns zu ihm hinausgehen außerhalb des Lagers, seine Schmach tragend; denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern wir suchen die zukünftige.“ Durch ihn nun lasst uns Gott stets ein Opfer des Lobes darbringen, das ist die Frucht der Lippen, die seinen Namen bekennen.
Jetzt erklärt Paulus also, wie wir die Konsequenzen ziehen müssen: Wenn der Herr Jesus in diesem System keinen Platz mehr hatte und er wurde außerhalb des Tores hinausgetan, dann haben wir als Gläubige, als seine Nachfolger, auch keinen Platz mehr dort. Dann müssen wir jetzt das Lager verlassen und uns absondern von dem Gottesdienst im Tempel. Bis dahin gingen die Gläubigen weiterhin. Wir sehen auch, wie Paulus in Apostelgeschichte 21 bereit war, die Kosten für Opfer von jüdischen Brüdern zu übernehmen. Das war nicht falsch. Als Jude hat er das weiter getan. Er sagt ja in 1. Korinther 10, dass er dem Juden wie ein Jude geworden ist und denen, die unter Gesetz sind, wie unter Gesetz, obwohl er selber nicht mehr unter Gesetz war, damit er die Juden gewinne.
Aber der Punkt kam, wo der Hebräerbrief sagt: Und jetzt müssen wir uns absondern, wir können nicht mehr zusammen. Und das war natürlich eine schwierige Sache, denn das bedeutete Schmach. Und darum sagt der Brief: „Deshalb lasst uns zu ihm hinausgehen außerhalb des Lagers, seine Schmach tragend.“ Das hat Paulus im Jahr 62 geschrieben, und er sagt: „Wir haben hier keine bleibende Stadt“, aber wir haben eine zukünftige, das himmlische Jerusalem, die Stadt im Himmel. Und acht Jahre später war Jerusalem dem Erdboden gleichgemacht, und es ist von keinem messiasgläubigen Juden bekannt, dass er umgekommen wäre, denn die haben alle im Jahr 68, wie Lukas 21 voraussagte, wenn ihr die Heerlager um Jerusalem aufgestellt seht, dann sollen die Judäer auf die Berge fliehen, die nicht mehr nach Jerusalem gehen, die in Jerusalem sind, sollen aus der Stadt hinausgehen auf die Berge. Und dann kommt die Katastrophe. Die sind alle gegangen, und so kam keiner von ihnen um. Wir haben hier keine bleibende Stadt. Aber sie wussten: Wir haben das himmlische Jerusalem. Aber es bedeutet Schmach.
Nun, der Jakobusbrief wurde noch vorher geschrieben, und darum spricht er über den Synagogenbesuch. Aber die Grundsätze, die bleiben. Denn wir können zu allen Zeiten daraus lernen. Das Gleiche ist natürlich auch in der Gemeinde: dass wir einen Unterschied machen zwischen denen, die gut gekleidet sind und so etwas in der Gesellschaft gelten, Herr Doktor und so. Aber das sagt Jakobus: Das sind böse Gedanken. Da wird ein Unterschied gemacht, den Gott nicht will, dass man bei denen so und bei anderen anders handelt. Andere, da geht man überhaupt nicht auf sie zu, und wenn die ganz neu in die Gemeinde kommen, interessiert sich niemand für sie, eben weil sie nicht so etwas darstellen. Das wird also hier ganz messerscharf uns vor Augen gehalten, eben wie ein Spiegel, dass wir da grundsätzlich anders handeln und eben uns klar sind: Das sind falsche Gedanken, da urteilen wir, indem wir die Person ansehen. Und das will Gott nicht.
Und dann nennt er das Gesetz das königliche Gesetz: „Du sollst den Nächsten lieben wie dich selbst.“ Und da macht man nicht einen Unterschied, ob das ein Angesehener ist oder ein Armer oder was auch immer. Und dann erklärt Jakobus noch etwas Wichtiges: Das Gesetz ist eine Einheit. Man kann nicht sagen: Ja, ich habe das eingehalten. Er hat das zwar nicht erklärt, aber wenn man ein Gebot bricht, dann ist man in allen Geboten schuldig geworden. Das ist also sehr wichtig, man kann das Gesetz nicht irgendwie auseinanderdividieren. Es ist eine Einheit, alles gehört zusammen, alles oder nichts. Wir sollen gegen andere barmherzig sein, und dann werden wir erfahren, dass Gott auch gegen uns barmherzig ist.
Nun, im nächsten Vers kommt wieder etwas ganz Praktisches zur Sprache: „Was nützt es, meine Brüder, wenn jemand sagt, er habe Glauben, hat aber nicht Werke? Kann etwa der Glaube ihn erretten?“ Es hat eigentlich kein Artikel dort, nicht der Glaube, sondern: Kann etwa Glaube ihn retten? Sehr wichtig! „Wenn aber ein Bruder oder eine Schwester nackt ist“ – übrigens gymnos im Griechischen bezeichnet oft auch ohne Oberkleid. Also das Oberkleid, das war das, was man zuhause gewöhnlich ausgezogen hat. Und auch schon das wird in der Bibel gymnos genannt. Darum also, wenn gesprochen wird von nackt, muss man ein bisschen aufpassen, denn der Sprachgebrauch ist in der Bibel ganz anders. Wenn man zum Beispiel auch liest von David, der nackt vor der Bundeslade tanzte, das war ohne Oberkleid, aber der war völlig sittlich gekleidet. Und das ist noch wichtig, denn manche haben da falsche Schlüsse daraus gezogen. Aber man kann die Parallele ziehen: Wenn ein Bundespräsident in der Öffentlichkeit auftritt ohne Kittel und Freudentänze ausführt und ein bisschen springt, dann ist das schon sehr speziell. Und das war sehr speziell, was David dort getan hatte, aber das war für ihn ein Höhepunkt im Leben. Das war ja sein Ziel, einmal die Bundeslade in Zion zu haben, an dem Ort, den Gott auserwählt hat, damit die Bundeslade von all ihren langen Reisen endlich definitiv zur Ruhe käme. Darum hat der Mann wirklich ungewöhnliche Freude gehabt. Das war nicht einfach so etwas, das man jede Woche wiederholte, das war ein Höhepunkt im Leben.
Also, das war nur so ein Klammersatz, eben wenn sie zu wenig anhaben, so dass sie kalt haben: „Wenn aber ein Bruder oder Schwester nackt ist und der täglichen Nahrung entbehrt und jemand unter euch spricht zu ihnen: Geht hin in Frieden, wärmt euch und sättigt euch“, ihr gebt ihnen aber nicht die Notdurft des Leibes, was nützt es? Also, einfach irgendetwas sagen, das bringt nichts, da, wo Taten notwendig sind. Und so will er erklären: Der Glaube, der einfach ein Bekenntnis ist, dem keine Taten folgen, dann kann man nicht sagen, das sei ein rettender Glaube.
Vers 17: Also ist auch der Glaube, wenn er nicht Werke hat, an sich selbst tot. Es wird aber jemand sagen: Du hast Glauben, und ich habe Werke. Zeige mir deinen Glauben ohne Werke, und ich werde dir meinen Glauben aus meinen Werken zeigen. Du glaubst, dass Gott einer ist, und tust wohl. Auch die Dämonen glauben und zittern. Willst du aber wissen, o eitler Mensch, dass der Glaube ohne die Werke tot ist? Ist nicht Abraham, unser Vater, aus Werken gerechtfertigt worden, da er Isaak, seinen Sohn, auf dem Altar opferte? Du siehst, dass der Glaube zu seinen Werken mitwirkte und dass der Glaube durch die Werke vollendet wurde. Und die Schrift wurde erfüllt, welche sagt: „Abraham aber glaubte Gott, und es wurde ihm zur Gerechtigkeit gerechnet.“ Das ist 1. Mose 15. Und er wurde Freund Gottes genannt. Ihr seht also, dass ein Mensch aus Werken gerechtfertigt wird und nicht aus Glauben allein. Ist aber gleicherweise nicht auch Rahab, die Hure, aus Werken gerechtfertigt worden, da sie die Boten aufnahm und auf einem anderen Weg hinausließ? Denn wie der Leib ohne Geist tot ist, also ist auch der Glaube ohne die Werke tot.
Ja, es ist Zeit für die Pause, eine halbe Stunde. Wir haben gesehen, wie Jakobus erklärt, dass der wahre Glaube nicht einfach ein Bekenntnis ist, das sich in den Taten nicht auswirken würde, sondern umgekehrt: Es ist ein Bekenntnis, das eben durch die Auswirkungen im Leben bestätigt wird.
Interessant ist ja, er sagt: Abraham ist gerechtfertigt worden durch Werke, und weist auf die Geschichte der Darbringung Isaaks hin, 1. Mose 22. Aber im Römerbrief wird erklärt, dass Abraham durch Glauben gerechtfertigt worden ist, und da wird in Römer 4 darauf hingewiesen, dass Abraham glaubte, und es wurde ihm zur Gerechtigkeit gerechnet, und das war 1. Mose 15. Wichtig ist aber: 1. Mose 15 war zuerst. Abraham hat geglaubt, und er wurde durch Glauben gerechtfertigt. Aber die Menschen, die konnten das nicht sehen. Gott, der die Herzen kennt, wusste, dass dieser Glaube echt war. Aber in 1. Mose 22, da wurde auch vor den Menschen klar, dass Abrahams Glaube nicht ein leeres Bekenntnis war, sondern ein echter Glaube, denn das hat sich darin gezeigt, dass er bereit war, das Größte auf Erden herzugeben, den Sohn der Verheißung. Und so wurde er gerechtfertigt. Das Wort rechtfertigen heißt ja: als gerecht erklärt vor den Menschen. Wir können Abrahams Glauben jetzt wahrnehmen an seinen Taten, und so hat also die Auswirkung eben die Echtheit seines Glaubens in Kapitel 15 erwiesen, bestätigt.
Es gibt also eine Rechtfertigung aus Glauben vor Gott, und es gibt eine Rechtfertigung aus Werken vor den Menschen. Und es braucht beides. Es braucht eben die Erweisung in den Taten des Glaubens im Herzen. Und so ist eben der Jakobus- und der Römerbrief nicht ein Gegensatz. Ich habe das unter charakteristischer Ausdruck und Besonderheiten unter Punkt 2 aufgeführt. Der Römerbrief sagt: Errettung allein aus Glauben, ohne eigene Leistung. Der Jakobusbrief sagt: Der echte rettende Glaube wird an seinen praktischen Auswirkungen erkannt. Die Briefe stellen keinen Gegensatz dar, aber vielmehr eine absolut notwendige Ergänzung.
Luther hatte ein Problem mit dem Jakobusbrief, und zwar einfach, weil man ihn scheinbar leicht angreifen konnte, von katholischer Seite her, mit dem Jakobusbrief, wenn er die Betonung legte auf das, was er im Römerbrief entdeckt hatte. Aber das war bei Jean Calvin ganz anders. Er hat wunderschön dargelegt: Der Römer- und der Jakobusbrief sind in völliger Harmonie miteinander, und er hat ganz klar gezeigt: Der Glaube nach Römerbrief allein führt zur Errettung, wir konnten dazu nichts beitragen. Aber wenn jemand errettet ist, dann wird man an seinen Auswirkungen, an seinen Werken erkennen, dass dieser Mensch einen wirklich rettenden Glauben hat, und das zeigt der Jakobusbrief.
Und wichtig dazu ist: Jakobus anerkannte Paulus. Darum ist diese Bemerkung in Galater 2, Vers 9, die wir anfangs gelesen hatten, so wichtig: Jakobus gab Paulus die rechte Hand der Gemeinschaft. Das war nicht ein Konflikt zwischen diesen beiden. Sie haben sich gegenseitig anerkannt, und so steht der Jakobusbrief hundert Prozent neben dem Römerbrief. Es besteht auch kein Konflikt zum Galaterbrief beziehungsweise zu Apostelgeschichte 15. Dort hat Jakobus sich ja selber eingesetzt und gesagt: Menschen, die aus den Heidenvölkern zum Glauben gekommen sind, die dürfen ja nicht unter den Bund von Sinai gestellt werden. Die stehen zwar unter dem Bund von Noah, denn der Bund mit Noah wurde ja erst in 1. Mose 9 geschlossen mit der ganzen Erde und gilt, solange die Erde besteht. Im Bund von Noah wurde festgelegt, dass der Mensch Fleisch essen darf, aber das Blut nicht, das soll er abfließen lassen bei der Schlachtung. Und darum sagt dann Apostelgeschichte 15: Die Heidenchristen, die müssen einfach die notwendigen Dinge einhalten, sie sollen sich des Blutes enthalten und der Götzenopfer usw. Das war aber nicht eine Konzession an den Bund von Sinai, der war ja nur mit Israel geschlossen, sondern das war eben der Bund von Noah, der für die ganze Erde galt, solange die Erde besteht, und darum wiederholt Apostelgeschichte 15 1. Mose 9, der Bund von Noah, der steht.
Aber die Gemeinde ist also nicht irgendwie eine jüdische Untergruppierung. Die sollen nicht ins Judentum hineingeführt werden, aber Judenchristen sollten darauf achten, den Juden wie ein Jude zu sein, um so viele wie möglich zu gewinnen. Das sagt 1. Korinther 9,20-23. Darum hat Paulus auch zum Beispiel Timotheus beschnitten, um der Juden willen. Das kommt gerade nach dem Apostelkonzil von Apostelgeschichte 15, in Kapitel 16. Warum hat Paulus das getan? Es heißt dort, dass Timotheus eine jüdische Mutter hatte, und damit war er als Jude anerkannt, und er hat das getan um der Juden willen. Aber Titus zum Beispiel, der war ja ein Heidenchrist, der wurde nie beschnitten. Also diese Unterscheidung muss man ganz klar einhalten. Es ist absolut falsch nach dem Galaterbrief, wenn man Gläubige, die nicht aus dem Judentum kommen, eben einlädt, sie sollen Passa feiern, Laubhüttenfest feiern usw. Das ist im Widerspruch zum Galaterbrief. Aber wenn solche, die jüdische Abstammung haben, das tun, um Juden zu gewinnen, dann ist das etwas ganz anderes, um ihnen nicht ein Ärgernis zu sein. Und Paulus sagt aber in Römer 7,1-6, dass jüdische Gläubige, die sind ja auch mit Christus gestorben, und darum sind sie nicht mehr unter Gesetz. Das Gesetz gilt ja nur so lange, wie jemand lebt. Wenn ein Bankräuber verfolgt wird von der Polizei, dann ist das Gesetz eben in seiner vollen Härte anwendbar. Aber wenn er auf der Flucht in eine Mauer rast und stirbt, nachher verfolgt man ihn nicht mehr. Das Gesetz gilt nur, solange jemand lebt. Und so ist es mit dem Gesetz vom Sinai auch: Es ist nur gültig, solange ein Jude lebt. Aber wenn ein Jude zum Glauben kommt an den Herrn Jesus, wird der Tod des Herrn Jesus auf ihn angewendet, er wird mit Christus identifiziert, und er kann sagen: Ich bin mit Christus gekreuzigt, nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir. Er ist dann nicht mehr unter dem Gesetz vom Sinai. Aber um Juden nicht zu brüskieren, kann er nach 1. Korinther 9 dem Juden ein Jude sein, damit er so viele wie möglich gewinnt, denen, die unter Gesetz sind, wie unter Gesetz, obwohl ich nicht unter Gesetz bin. Also das ist sehr wichtig, diesen Unterschied zu verstehen, und dann versteht man auch, warum Jakobus eben zu Juden im Jakobusbrief auf andere Weise spricht als der Galaterbrief zu Nichtjuden. Also kein Konflikt in diesen Fragen. Auch Jakobus und Paulus waren völlig auf einer Linie.
Nun, ein zweites Beispiel: Neben Abraham wird in Jakobus 2 erwähnt, das ist Rahab, die Hure. Bei ihr wurde der Glaube auch sichtbar, dass diese Kanaaniterin wirklich umgekehrt war, indem sie eben praktisch gehandelt hat und diese Israeliten, diese Spione, in Frieden aufnahm und sich so zum Volk Gottes bekannt hatte. Das sind zwei Beispiele für Werke, die aus dem Glauben hervorgekommen sind.
Die Macht der Zunge und die wahre Weisheit
Wir gehen weiter zu Kapitel 3.
Seid nicht viele Lehrer, meine Brüder, da ihr wisst, dass wir ein schweres Urteil empfangen werden. Denn wir alle straucheln oft. Wenn jemand nicht im Wort strauchelt, der ist ein vollkommener Mann, fähig, auch den ganzen Leib zu zügeln.
Siehe, den Pferden legen wir die Gebisse in die Mäuler, damit sie uns gehorchen, und lenken ihren ganzen Leib. Siehe auch die Schiffe, die so groß sind und von heftigen Winden getrieben werden, werden durch ein sehr kleines Steuerruder gelenkt, wohin irgendein der Trieb des Steuermanns will. So ist auch die Zunge ein kleines Glied und rühmt sich großer Dinge.
Siehe, ein kleines Feuer, welch einen großen Wald zündet es an! Und die Zunge ist ein Feuer, die Welt der Ungerechtigkeit. Die Zunge ist unter unseren Gliedern gesetzt, als die den ganzen Leib befleckt und den Lauf der Natur anzündet und von der Hölle angezündet wird. Denn jede Natur, sowohl der Tiere als der Vögel, sowohl der Kriechenden als auch der Meerestiere, wird gebändigt und ist gebändigt worden durch die menschliche Natur. Die Zunge aber kann keiner der Menschen bändigen; sie ist ein unruhiges Übel, voll tödlichen Giftes.
Mit ihr preisen wir Gott und Vater, und mit ihr fluchen wir den Menschen, die nach dem Bilde Gottes geworden sind. Aus demselben Mund geht Segen und Fluch hervor. Dies, meine Brüder, sollte nicht so sein. Die Quelle sprudelt doch nicht aus derselben Öffnung das Süße und das Bittere. Kann etwa, meine Brüder, ein Feigenbaum Oliven hervorbringen oder ein Weinstock Feigen? Auch kann salziges Wasser nicht süßes Wasser hervorbringen.
Der hier eingeführte Gedanke der Zunge, die gezügelt werden soll, wird ausführlich behandelt. Jakobus sagt, dass wir nicht so vorschnell Lehrer sein sollen, denn wenn wir das Wort Gottes lehren, dann haben wir eine umso größere Verantwortung. Das soll natürlich nicht bedeuten, dass wir das Wort Gottes nicht lehren sollen, aber mit einer Zurückhaltung, die uns auch Demut und Schlichtheit auferlegt, damit wir uns bewusst sind, wie schnell wir selbst zu Fall kommen können. Und dabei kann gerade die Zunge uns so schnell zu Fall bringen. Das können nur kleine, giftige, spitze Bemerkungen sein. Es braucht ja nur ein Zündholz, und man kann einen ganzen Wald zerstören. Und so ist es auch mit der Zunge: Es braucht so wenig, und man kann unglaubliches Verderben anrichten.
Wir sehen, wie Jakobus die Natur liebt, all diese vielen Bilder aus der Natur, die er verwendet. Das hat auch dazu geführt, dass man ihn den Amos des Neuen Testaments nannte. Amos war ja ein Feigen- und Kleinviehbauer. Und sein Buch ist auch voll von Bezügen zur Natur. Aber bei Jakobus sehen wir das auch, so viele Bezüge zur Natur. Das hat auch dazu geführt, dass Kritiker gesagt haben: Also der Jakobusbrief, das ist ein so schönes Griechisch, das kann unmöglich von Jakobus, dem Bruder des Herrn, geschrieben sein. Das kann doch nicht von einem Juden aus dem Land Israel, der das ja als Fremdsprache geredet hat, geschrieben sein. Darum sei der Brief nicht echt.
Was wissen die, wie gut ein Jude Griechisch sprechen konnte? Das wäre ja wie anmaßend zu sagen, ein Schweizer könne doch unmöglich gut Englisch sprechen. Ja, es gibt Schweizer, die können sehr, sehr gut Englisch sprechen. Also, das ist überhaupt kein Argument. Aber es ist eine Tatsache: Es ist ein wunderschönes Griechisch und mit sehr vielen Wörtern angereichert, die man sonst im Neuen Testament nirgends findet. Viele Wörter, die nur einmal im Neuen Testament vorkommen, das sind Wörter aus dem Jakobusbrief.
Ja, und es kommt ja noch dazu: Die Jünger des Herrn konnten ja am Pfingsttag in allen möglichen fremden Sprachen sprechen. Diese Gabe hatte Gott gegeben, und das bewirkte natürlich auch, dass ein Petrus, ein Andreas und so weiter, und auch Paulus, der in Sprachen reden konnte, viele fremde Sprachen beherrschten, ohne sie zu lernen. Am Pfingsten war es sogar so, dass sie die Dialekte sogar richtig gesprochen haben. Das ist natürlich etwas ganz anderes als dieses Zungenreden heute, wo man ja sogar am Reden heraushören kann, welche die Muttersprache ist. Ja, weil die typischen Laute, die für eine Sprache typisch sind, darin vorkommen.
Es gibt auf Spanisch bestimmte Laute, da haben andere Mühe, das zu sagen. Bei mir würde man sofort merken: Oh, das R da hinten, das ist nicht Spanisch, ja? Das muss man vorne sprechen. Und so kann man schnell herausfinden, wo ich sprachlich geprägt worden bin. Es ist ein französisches R da hinten. Und beim Sprachenreden kann man auch herausfinden: Ah, der hat englische Sprache. Und da merkt man, da kommt zum Beispiel nicht das arabische عين vor, das sind so schwere Laute, die Europäer kaum sprechen können. Da muss man viel üben, weil ein in der Grammatik steht. Das sind diese Muskeln, die man da braucht, die Europäer nur brauchen beim Sichübergeben. Ja, also da muss man viel üben, aber zuhause, wenn das niemand hört, dann kann man عين und غ üben.
Ja, aber beim biblischen Sprachenreden war das so, dass die Aussprache perfekt war. Die haben sogar Dialekte gesprochen, wo es wirklich auf den Klang ankommt. Und es heißt in Apostelgeschichte 2, wie der Heilige Geist ihnen gab, auszusprechen. Apophthengomai heißt aussprechen mit Bezug auf die richtige klangliche Eigenheit. Und das kommt dazu, dass die Jünger des Herrn alle möglichen Sprachen und auch eingeborene Sprachen sprechen konnten. Darum sagt Paulus den Korinthern: Ich rede mehr in Sprachen als ihr alle. Der hatte die Möglichkeit, mit allen möglichen Barbaren zu sprechen, mehr als die Korinther. Und darum braucht es nicht zu erstaunen, wenn diese Jünger, die ungebildet waren, korrekt Griechisch sprachen, sogar schönes Griechisch.
Es ist ja das Erstaunliche, dass man in diesen Briefen ihnen nicht Schreibfehler nachweisen kann, offensichtliche Schreibfehler und offensichtliche Grammatikfehler. Das ist erstaunlich, nicht wahr? Selbst wenn wir gut Deutsch können und ein Buch schreiben, dann kommt ein Lektor und korrigiert: Das ist voller Fehler. Ja, das ist so. Ich kenne niemanden, der Bücher schreiben kann und sie einfach fehlerfrei abgibt. Das gibt es kaum. Und warum stimmen die einfach? Das Griechisch ist einfach korrekt.
Natürlich, man sagt in der Offenbarung, da gibt es Schreibfehler, Grammatikfehler, jawohl, ja. Da steht doch zum Beispiel in Kapitel 1 nicht der richtige Fall. Und ich kann in jedem Fall dort zeigen: Johannes hat extra die Namen des Herrn Jesus nicht im Genitiv, sondern im Nominativ geschrieben, damit eben die Namensform nicht irgendwie durch den Fall verändert wird, sondern in der vollen Kraft, ohne Änderung, bewusst so hingeschrieben. Ja, das gibt es. Aber man kann genau zeigen, das ist wortschöpferisch gewollt in diesen ganz speziellen Fällen. Ja, also das zum schönen Griechisch von Jakobus.
Die konnten eben in Sprachen reden. Und wie! Aber das sage ich ja immer, wenn Leute sagen heute: Ich kann in Zungen reden. Gut, kannst du Albaner auf der Straße evangelisieren? Nein. Ja, aber das wär’s doch. Oder ich habe einem Koreaner gesagt, der in Tadschikistan wohnt, habe ich gesagt: Kannst du Tadschikisch? Nein. Ja, aber der konnte Zungen reden. Eben als Koreaner auf Tadschikistan und kann in Zungen reden, aber man kann nicht zu den Tadschiken reden in ihrer Sprache. Das wäre doch der Punkt. Nein, gut, also Zungenreden so, das kann ich jetzt auch. Aber das ist nicht eben das biblische Sprachenreden. Kinder, kleine Kinder können das sehr gut, wenn sie so fremde Sprachen nachmachen wollen. Ja, das nur so nebenbei.
Jetzt sehen wir: Die Zunge ist ein Übel, und Jakobus lehrt uns hier, wir sollen zurückhaltend sein, im Bewusstsein, wie schnell wir zu Fall kommen. Wir sollen sehen: Wir Menschen haben alle möglichen Dinge, die wir in der Natur beherrschen können. Er spricht von Schiffen, er spricht von den Tieren, die man bändigen konnte, die Natur, die wilden Tiere, die man eben zu Haustieren machen konnte. Aber so ein kleines Glied da im Mund, das kann keiner wirklich zügeln. Und so will er uns beibringen: Das ist eine ganz wichtige Auswirkung des Glaubens, dass wir lernen, diese Zunge mit der Kraft des neuen Lebens zu bändigen.
Vers 13:
Wer ist weise und verständig unter euch? Er zeige aus dem guten Wandel seine Werke in Sanftmut der Weisheit. Wenn ihr aber bitteren Neid und Streitsucht in euren Herzen habt, so rühmt euch nicht und lügt nicht gegen die Wahrheit. Dies ist nicht die Weisheit, die von oben herabkommt, sondern eine irdische, seelische, teuflische. Denn wo Neid und Streitsucht ist, da ist Zerrüttung und jede schlechte Tat. Die Weisheit aber von oben ist aufs Erste rein, sodann friedsam, gelinde, folgsam, voll Barmherzigkeit und guter Früchte, unparteiisch, ungeheuchelt. Die Frucht der Gerechtigkeit aber wird in Frieden denen gesät, die Frieden stiften.
Nun, hier nimmt Jakobus wieder das Thema auf, das er schon in Kapitel 1 angedeutet hatte: Weisheit. Wenn uns Weisheit mangelt, sollen wir darum beten. Und jetzt erklärt er: Es gibt zwei verschiedene Arten von Weisheit. Es gibt die Weisheit von oben, und es gibt die Weisheit, die irdisch, sinnlich und teuflisch ist. In 1. Korinther 1 und 2 wird diese Weisheit der Welt ausführlich dargelegt, und sie ist Torheit bei Gott. Also der Kontrast ist die Weisheit Gottes und die Weisheit der Welt, und das wirkt sich eben aus im praktischen Leben.
Man muss mal mit Evolutionisten reden, das ist Weisheit dieser Welt, und mit Atheisten und Agnostikern. Dann muss man über ethische Fragen sprechen: Wie sieht das aus mit dem Thema Abtreibung? Dann merkt man: Das ist nicht die Weisheit, die von oben herabkommt, das ist eine sinnliche, irdische, teuflische Weisheit. Vierzig Millionen Babys jedes Jahr werden weltweit abgetrieben, und trotzdem sind das Abtreibungsbefürworter? Das geht doch nicht! Und man kann sprechen: Und wie sieht es aus mit dem Thema der Sexualität? Und dann merkt man plötzlich: Diese Weisheit der Welt, die führt einen wirklich in so schlimme Dinge. In der Seelsorge sieht man, wie Menschen durch falsche Wege auf diesem Gebiet wirklich kaputtgehen. Aber es ist die Folge dieses Denkens, wo Gott und sein Wort keine Rolle spielen.
So wird uns gezeigt: Die Weisheit aber von oben, Vers 17, ist aufs Erste rein. Das erinnert uns an Daniel. Er kam nach Babylon, in eine sehr stolze Welt, wo es viele Weise gab in Babylon, am Hof von Nebukadnezar. Und Daniel sagte sich: Ich will mich nicht am Tisch des Königs verunreinigen. Er nahm sich in seinem Herzen vor, sich nicht zu verunreinigen, und dann hat Daniel von Gott Weisheit bekommen. Am Schluss war er weiser als alle Weisen von Babel an der Prüfung.
Aber die Weisheit von oben ist aufs Erste rein. Daniel hat nach Reinheit in seinem Leben gestrebt, und dann hat Gott Weisheit gegeben. Und diese Weisheit, weil es die wahre Weisheit ist, die nicht aufbläht, hat ihn dazu geführt, auch später dem Herrn treu zu sein, Kapitel 2 und so weiter durch das Buch Daniel hindurch. Aufs Erste rein, das deutet an: Jetzt bitte zähl mal, wie viele Kennzeichen die Weisheit hat. Erstens rein, dann friedsam, gelinde, folgsam, dann voll Barmherzigkeit und guter Früchte – das muss man zusammennehmen –, und unparteiisch, ungeheuchelt. Sieben Kennzeichen. Das erinnert an Sprüche 9, wo wir lesen, von der Weisheit dargestellt als eine Frau, weil Chochmach auf Hebräisch, auch wie auf Deutsch, Weisheit weiblich ist. Da heißt es: Die Weisheit hat ihr Haus gebaut, sie hat ausgehauen ihre sieben Säulen. Und will man wissen, welche Inschriften auf diesen Säulen stehen? Da sind sie: rein auf der ersten Säule, friedsam, gelinde, folgsam, eben langsam durch das Wort Gottes geformt, voll Barmherzigkeit und guter Früchte, unparteiisch, indem man eben nicht unterscheidet zwischen Reichen und Armen, ungeheuchelt.
Ja, und dann wird eine Verheißung gegeben: Die Frucht der Gerechtigkeit aber wird in Frieden denen gesät, die Frieden stiften. Und dann das Thema Frieden löst ein neues Thema aus. Was ist das Gegenteil von Frieden? Krieg.
Kapitel 4:
Woher kommen Kriege und woher Streitigkeiten unter euch? Nicht daher aus euren Lüsten, die in euren Gliedern streiten? Ihr gelüstet und habt nichts, ihr tötet und neidet und könnt nichts erlangen, ihr streitet und kriegt. Ihr habt nichts, weil ihr nicht bittet. Ihr bittet und empfangt nichts, weil ihr übel bittet, auf dass ihr es in euren Lüsten vergeudet.
Jetzt kommt eben der Gegensatz: Die Weisheit von oben, die hilft uns, Frieden zu stiften. Aber es gibt doch Krieg, Streitigkeit. Und wenn es hier heißt, von töten, müssen wir daran denken, dass der Herr Jesus in der Bergpredigt erklärt: Das Gebot, du sollst nicht töten, ist bereits gebrochen, wenn man jemanden im Herzen hasst und ihm üble Schimpfwörter anhängt. Im Grundsatz ist das Gebot bereits dann gebrochen. Und wenn ich sage, der Herr sagt das in der Bergpredigt, möchte ich vielleicht noch betonen: Es gibt sehr viele direkte Bezüge zwischen Jakobusbrief und der Bergpredigt. Das ist ganz, ganz erstaunlich. Das nur so als Anregung zum weiteren Studium des Jakobusbriefes.
Nun, diese Frage wird uns immer wieder gestellt: Wenn es einen Gott gäbe, ja, warum gibt es dann diese Kriege in der Welt? Und Jakobus 4 gibt uns die Antwort: Das ist nicht Gottes Schuld. Nicht er ermutigt uns, in dieser Welt Kriege zu führen, sondern es wird hier erklärt: Das hat die Ursache in unserem Herzen, in unseren bösen Begierden. Daher kommt es. Darum gibt es Kriege in dieser Welt.
Und dann ein wichtiger Punkt: Er sagt: Ihr habt nichts, weil ihr nicht bittet. Es gibt manchmal Gläubige, die denken: Wieso sollen wir eigentlich beten? Gott ist doch souverän, er macht, was er will. Gott steht über allem und er führt seinen Willen aus. Aber diese Stelle zeigt uns: Ihr habt nichts, weil ihr nicht bittet. Das bedeutet, dass es Dinge gibt, die Gott nicht tun wird, wenn wir ihn nicht darum bitten. Natürlich zeigen uns andere Stellen, dass Gott einen Ratschluss hat und dass er ausführt, was er will, und das unabhängig davon, ob wir beten oder nicht beten. Gott tut das. Aber hier wird klar: Es gibt Dinge, die Gott nur tut, wenn seine Kinder ihn darum bitten. Und das ist schon eine Motivation zum Gebet. Das Beten verändert wirklich etwas.
Aber dann wird auch erklärt: Ihr bittet und empfangt nichts, weil ihr übel bittet, auf dass ihr es in euren Lüsten vergeudet. Auf dem Zürcher Bahnhof, ich musste ja oft auf den Zug warten, als ich von der Schule nach Hause kam und nach Hause ging, dann habe ich die Zeit so ausgenutzt, um mit den Leuten zu sprechen und Traktate zu verteilen. Und dann habe ich mal jemanden bei der Imbissecke angesprochen, wollte ihm etwas geben, und der wollte nichts. Da sage ich: Ja, haben Sie irgendwelche Gründe, warum Sie das ablehnen? Irgendwie habe ich das oft gesagt, und dann sagt er: Ja, er sei enttäuscht worden. Er hat gesagt, er ist enttäuscht worden. Der wollte an ihm nicht sprechen. Da habe ich gesagt: Ja, enttäuscht worden, nicht wahr, wenn in der Bibel steht, man kann um etwas Falsches bitten und Gott gibt es nicht. Und dann sagt man, man ist von Gott enttäuscht worden. Das war genau das richtige Wort. Dann begann er zu sprechen.
Er ist einmal so in eine Gemeinde gegangen, und dann hat eine Frau dort gefallen, und die wollte er heiraten, aber der war gar nicht bekehrt. Und dann hat er gebeten, dass er diese Frau kriegt, und hat sie nicht gekriegt. Und jetzt: Ich bin enttäuscht von Gott. Und dann konnte ich ihm eben erklären, das Wort Gottes sagt das ganz klar. Wenn wir Dinge beten, die gar nicht im Plan Gottes sind, Gott will das gar nicht, dass ein Ungläubiger eine Gläubige heiratet, dann muss man nicht Gott die Schuld geben, dass er nicht hört. Das sagt die Bibel, dass er dann nicht hört.
Vers 4:
Ihr Ehebrecherinnen, wisst ihr nicht, dass die Freundschaft der Welt Feindschaft gegen Gott ist? Wer nun irgendein Freund der Welt sein will, stellt sich als Feind Gottes dar. Hier muss man erklären, was die Welt bedeutet. Das griechische Wort Kosmos hat etwa zehn verschiedene Bedeutungen im Neuen Testament. Es kann bedeuten das Universum, es kann bedeuten die Erde, es kann bedeuten alle Menschen, also: Gott hat die Welt geliebt, da er einen einzigen Sohn gab, das ist auch Kosmos. Es kann bedeuten alle Völker im Gegensatz zum Volk Israel, im Römerbrief, wo es heißt, die Annahme Israels bedeutet die Versöhnung der Welt. Und in 1. Petrus 3 bedeutet es sogar Schmuck, auch Kosmos. Und in 1. Johannes 2, Vers 18: Liebe nicht die Welt noch was in der Welt ist. Da bezeichnet es dieses System, das von Satan regiert wird, das die Menschen abhalten soll, Gott und seinem Wort zu gehorchen. Also alle Einrichtungen dieser Welt, die falschen Religionen und die Philosophie und widergöttliche Wissenschaft usw., alles, was uns irgendwie von Gott wegbringt, das gehört zum Bereich der Welt.
Und da sagt Jakobus: Wer ein Freund dieser Welt sein will, der macht sich automatisch zum Feind Gottes. Das ist wie Ehebruch, das geht nicht zusammen. Nun kann jemand sagen: Aber es heißt doch von dem Herrn Jesus in Lukas 7, er sei ein Freund der Sünder. Ja, aber das ist nicht ein Freund der Welt. Also, wir sollen Freunde der Sünder sein, dass wir die Menschen lieben und sie auf den Herrn Jesus und seine Erlösung hinweisen, aber wir können nicht mit dieser Welt gemeinsame Sache machen in den Dingen, die Gott und seinem Wort widersprechen. Das wäre Freundschaft mit dieser Welt, das sind zwei verschiedene Dinge. Die Sprache ist klar: Wer nun irgendein Freund der Welt sein will, stellt sich als Feind Gottes dar.
Oder meint ihr, dass die Schrift vergeblich rede: Begehrt der Geist, der in uns wohnt, mit Neid? Er gibt aber größere Gnade. Deshalb spricht er: Gott widersteht den Hochmütigen, den Demütigen aber gibt er Gnade. Unterwerft euch nun Gott, widersteht dem Teufel, und er wird von euch fliehen. Naht euch Gott, und er wird sich euch nahen. Säubert die Hände, ihr Sünder, und reinigt die Herzen, ihr Wankelmütigen. Seid niedergebeugt und trauert und weint. Euer Lachen verwandle sich in Traurigkeit und eure Freude in Niedergeschlagenheit. Demütigt euch vor dem Herrn, und er wird euch erhöhen.
Hier wird klargemacht: Diese Dinge wie Neid und Hochmut, das sind eben Dinge, die gehören zu dieser Welt. Und damit wollen wir nichts zu tun haben. Und der Geist, der in uns wohnt, der begehrt nicht mit Neid. Das ist eine ganz klare Trennung zu dieser Welt. Und diese Welt unterwirft sich Gott nicht, aber hier wird von uns gesagt: Unterwerft euch nun Gott. Und der, der an der Spitze dieser Welt steht, er wird in Johannes 12,31 genannt der Fürst dieser Welt, das ist der Teufel. Und da heißt es: Widersteht dem Teufel, und er wird auch von euch fliehen.
Und dann wird erklärt, dass eben der wahre Glaube auf eine echte Umkehr und Buße zurückgeht. Er sagt: Säubert die Hände, ihr Sünder, reinigt die Herzen, ihr Wankelmütigen, seid niedergebeugt und trauert und weint. Das ist das Problem heute, dass oft Menschen, wenn sie zur Bekehrung geführt werden sollen, nicht wirklich zur Bekehrung geführt werden, sondern zu einem oberflächlichen Schritt. Wissen Sie, wie das geht? Man sagt einfach: Du musst Jesus aufnehmen. Das wird gemacht, und es geschieht dann nichts im Leben, es ändert gar nichts. Das sind so Scheinbekehrungen. Aber hier sehen wir etwas: Dass innerlich ein Zerbruch geschehen muss. Eine Bekehrung ist ein wirklicher innerer Zerbruch vor Gott, eine wirkliche Sündenerkenntnis.
Wie war das bei Frau Horowitz, der Frau eines der größten Pianisten der Welt? Horowitz, leider, er hat oft, er hat immer wieder vom Evangelium gehört, aber er hat sich offensichtlich nicht bekehrt bis zum Schluss. Er ist dann mit 87 gestorben. Aber seine Frau war auch eine Pianistin, allerdings hat sie nie mehr Klavier gespielt, nachdem Horowitz ihr Mann geworden war. Komisch. Das war übrigens auch bei Maurizio Pollini, auch einer der größten Pianisten. Seine Frau ist auch eine Pianistin, aber als sie ihn geheiratet hat, hat sie nie mehr Klavier gespielt.
Aber Frau Horowitz, nach dem Tod ihres Mannes, die ist richtig tief runtergefallen. Noch beim letzten Konzert, das war ja auch interessant: Der Mann hat drei Zugaben gespielt, und er ging ins Künstlerzimmer, saß auf dem Sofa, und die Leute haben gestampft, die wollten noch mehr hören. Er hat gesagt: Ich kann nicht mehr, kann nicht mehr, er machte nicht mehr. Und Frau Horowitz sagt: Wenn das der Sinn des Lebens ist, diese Ehre, dann lohnt es sich nicht, dafür zu leben. Und nach dem Tod hat sie geweint die ganze Zeit, und sie hat gesagt: Das Leben hat keinen Sinn usw.
Und der Klaviertechniker von Steinway, der ein gläubiger Mann war, lebt immer noch, und er hat dann ihr gesagt: Doch, es gibt einen Sinn im Leben. Und er hat sie dann auf den Herrn hingewiesen, hat gesagt, sie müsse beten. Und sie hat gesagt: Ich kann nicht beten. Und da hat er gesagt, er könne ihr helfen, und hat dann ein Gebet ihr vorgesagt, eben das, was so gefährlich ist. Ja, und dann hat sie das nicht nachgesprochen, die hat das nachgeschrien. Er hat gesagt: Herr, du weißt, dass ich ein Sünder bin. Und die hat geschrien. Und die hat eine solche Not, die hat ihn noch vorher gefragt: Gibt es Vergebung? Natürlich gibt es Vergebung. Weißt du, ich meine nicht einfach so Vergebung. Ich meine wirklich für schlimme Sünden, gibt es Vergebung? Ja, es gibt Vergebung. Und die Frau hat ausgeschrien: Ja, du weißt, dass ich ein Sünder bin. Und die hat sich echt bekehrt. Und nach drei Wochen wieder am Telefon sagt sie: Es funktioniert mit dem Gehörchen. Ja, eben, das ist so ein richtiger Zerbruch gewesen, so wie das Jakobus hier beschreibt: Demütigt euch vor dem Herrn, und er wird euch erhöhen.
Wir gehen weiter:
Redet nicht gegeneinander, Brüder. Wer wider seinen Bruder redet oder seinen Bruder richtet, redet wider das Gesetz und richtet das Gesetz. Wenn du aber das Gesetz richtest, so bist du nicht ein Täter des Gesetzes, sondern ein Richter. Einer ist der Gesetzgeber und Richter, der zu erretten und zu verderben vermag. Du aber, wer bist du, der du deinen Nächsten richtest?
Also hier geht es um das Thema, dass Gläubige einfach so leichtfertig übereinander herunterschimpfen. Und das wird hier wirklich gegeißelt. Das ist ein Unrecht! Und wer sind wir eigentlich, dass wir uns solche Urteile anmaßen? Es ist nur einer, der gerecht beurteilt, der auch die Herzen kennt, das ist der Gesetzgeber und Richter.
Und dann Vers 13:
Wohlan denn, die ihr sagt: Heute oder morgen wollen wir in die und die Stadt gehen und da ein Jahr zubringen und Handel treiben und Gewinn machen – die ihr nicht wisst, was der morgende Tag bringen wird. Denn was ist euer Leben? Ein Dampf ist es, der eine kleine Zeit sichtbar ist und dann verschwindet. Statt dass ihr sagt: Wenn der Herr will und wir leben, so werden wir auch dieses oder jenes tun. Nun aber rühmt ihr euch in euren Großtuereien, alles solches Rühmen ist böse. Wer nun weiß, Gutes zu tun, und tut es nicht, dem ist es Sünde.
Hier wird erklärt, dass eben wahre Demut, wir haben ja vorhin das Thema gehabt, wer sich vor Gott demütigt, wahre Demut sich darin ausdrückt, dass wir uns bewusst sind, dass wir nichts in der Hand haben. Wir können zwar Pläne, Projekte schmieden, was wir tun möchten, aber wir müssen uns immer wieder bewusst werden: Wenn wir einfach denken, wir machen unsere Projekte, das geht nicht. Wir müssen eben nicht einfach so als tote Formel sagen: Wenn der Herr will und wir leben. Nein, ganz bewusst: Wenn Gott das will, wenn das sein Wille ist, dann werden wir das tun. Aber immer wieder im Bewusstsein: Wir haben keinen einzigen Tag in unserer Hand. Das zeigt wahre Demut.
Und so ist es eben ganz gut, wenn man bewusst sagt: Wenn der Herr will, ja, dann wollen wir das und das unternehmen. Oder wie andere manchmal sagen, aber so geschwollen muss es ja nicht sein: sub condicione Jacobi, unter der Bedingung des Jakobus. Das ist eben diese Bedingung hier: Wenn der Herr will und wir leben. Aber das ist dann schon wieder ein bisschen Großtuerei, wenn man so sagt, oder könnte so sein.
Warnung vor Reichtum und Geduld im Leiden
Jakobus 5,1 Wohlan nun, ihr Reichen! Jetzt geht es wieder eben um die, die in dieser Welt in hoher Position sind und eben Mühe haben, diesen Weg der Demut zu gehen. Weint und heult über euer Elend, das über euch kommt. Euer Reichtum ist verfault, und eure Kleider sind mottenfressig geworden. Euer Gold und Silber ist verrostet, und ihr Rost wird zum Zeugnis sein gegen euch und euer Fleisch fressen wie Feuer. Ihr habt Schätze gesammelt in den letzten Tagen.
Das ist ein prophetisches Wort für die Endzeit, die letzten Tage. Das ist die Zeit, wenn das jüdische Volk heimkehrt ins Land der Väter und der Herr Jesus kommen wird. Und hier geht es um Schätze sammeln in der Endzeit. Jakobus sagt voraus: Das wird alles ein Fraß der Motten werden. Und wir merken schon, wie das ganze Wirtschaftssystem so verrostet und verrottet ist. Es braucht nicht viel, und alles bricht zusammen, und alles ist weg. Das war so ein kleiner Vorgeschmack da 2003. Viele haben ihr Vermögen verloren, ihre Aktien sind nichts mehr gewesen und ihre Fonds usw.
Und dann gab es so schlaue Leute. Ich habe mal mit einem gesprochen, einem Bekannten in der französischen Schweiz, der mir gesagt hat: Ja, man muss nur wissen, wo die Dinge sind. Ihm hat das nichts ausgemacht. Der wusste ganz genau, wo anlegen, und der hat für eine Bank gearbeitet. Das war so ein Spezialist auf dem Gebiet. Ja, ihn hat das nicht so beeindruckt. Aber das war so ein Vorzeichen. Der Knall kommt noch. Und diese Stelle zeigte uns: In der Endzeit wird das kommen, dass alles auf diesem Gebiet zusammenbricht. Und Jakobus sagt: Ihr Reichen, heult! Dieser Reichtum wird kaputtgehen, letztendlich.
Und dann Vers 4: Siehe, der Lohn der Arbeiter, die eure Felder geschnitten haben, der von euch vorenthalten ist, schreit, und das Geschrei der Schnitter ist vor die Ohren des Herrn Zebaoth gekommen. Hier sehen wir, dass Gott gerechte Löhne will und dass er darauf achtet, wenn Menschen, die Arbeit tun, als Angestellte, nicht korrekt entlöhnt werden. Das ist Unrecht. Diese Stelle ist also sehr wichtig, auch gerade für Arbeitgeber, dass man sich bewusst ist: Gott will gerechte Löhne. Das ist nicht das Domain der Linken und der SP, das ist das Domain der Christen: gerechte Löhne.
Ihr habt in Üppigkeit gelebt auf der Erde und geschwelgt, ihr habt eure Herzen gepflegt wie an einem Schlachttag, ihr habt verurteilt, ihr habt getötet den Gerechten. Er widersteht euch nicht. Und interessant: Jakobus selber hat das dann erlebt. Er wurde ja genannt Jakobus der Gerechte und wurde dann getötet, und er hat nicht widerstanden, wurde da von den Zinnen des Tempels runtergeschmissen. Also was er da geschrieben hat, hat er dann später selber so erlebt.
Vers 7: Habt nun Geduld, Brüder, bis zur Ankunft des Herrn. Siehe, der Ackersmann wartet auf die köstliche Frucht der Erde und hat Geduld ihretwegen, bis sie den Früh- und Spätregen empfange. Habt auch ihr Geduld, befestigt eure Herzen, denn die Ankunft des Herrn ist nahegekommen. Nun müssen wir wissen: Die Propheten der Bibel, die haben sich in der Prophetie in gewisse Zeiten versetzt, und hier ist Jakobus als Prophet eben in die letzten Tage versetzt. Und darum hat dieses Wort heute eine ganz besondere Bedeutung für uns. Nicht wahr, wenn er sagt: Die Ankunft des Herrn ist nahegekommen.
Seufzt nicht miteinander, Brüder, auf dass ihr nicht gerichtet werdet. Siehe, der Richter steht vor der Tür. Und das ist so wichtig. Wir leben jetzt in dieser Zeit der Endzeit, und darum müssen wir den Menschen sagen: Der Richter steht vor der Tür. Es geht nicht mehr lange. Aber wir müssen geduldig sein, den Herrn jeden Tag erwarten für die Gemeinde und eben nicht ungeduldig werden, wenn es nicht heute ist, wenn es nicht morgen ist. Aber der Herr ist nahe.
Und dann, Vers 10: Nehmt, Brüder, zum Vorbild des Leidens und der Geduld die Propheten, die im Namen des Herrn geredet haben. Siehe, wir preisen die glückselig, welche ausgeharrt haben. Von dem Ausharren Hiobs habt ihr gehört und das Ende des Herrn habt ihr gesehen, dass der Herr voll innigen Mitgefühls und barmherzig ist. Hier wird aufs Alte Testament verwiesen, wie gezeigt wird, wie viele Zeugen des Herrn, die Propheten, gelitten haben. Diese Geschichten sollen uns Mut machen, dass wir auch durchhalten. Ganz besonders wird Hiob erwähnt.
Ihr habt von den Aussagen Hiobs gehört. Man muss Hiob 1 und 2 lesen, da sieht man, wie sechs Prüfungen über Hiob kamen, und alle diese Prüfungen hat Hiob bestanden. Dann kam die siebte Prüfung: Seine drei Freunde kamen, die haben nichts gesagt. Und mit der Zeit hat Hiob gemerkt: Aber die denken etwas. Da wusste er genau, was sie denken. Die denken, Hiob ist ein Heuchler. Der hat uns immer vorgemacht, als sei er so gerecht, aber jetzt leidet er. Und wer leidet? Menschen, die für die Konsequenzen ihrer Sünden zur Rechenschaft gezogen werden. Und das hat er nicht ertragen, und darum hat er dann in Kapitel 3 seinen Geburtstag verflucht.
Und dann kommt die Diskussion. Die Freunde werden immer härter gegen ihn, und er verteidigt sich, bis er wirklich sündigt und Dinge gegen Gott sagt, die man wirklich niemals sagen dürfte. Aber dann kam der Jüngste, Elihu, und seine Rede war wirklich gut. Er hat genau erklärt: Nein, der Gerechte kann vom Herrn gezüchtigt werden zur Erziehung. Das ist nicht immer ein Beweis, dass jemand in der Sünde lebt, wenn er leidet. Und Hiob antwortet nicht. Und dann spricht Gott aus dem Sturm und zeigt Hiob die Wunder der Natur und seine Grösse. Und dann beginnt Hiob zu schmollen, und er sagt: Du bist grösser, und ich habe sowieso nichts zu sagen, ich halte die Hand auf meinen Mund. Das war keine Busse.
Und Gott fährt weiter, und er spricht über Dinosaurier wie Behemoth und den Leviathan und zeigt diese Wunder der Schöpfung Gottes. Und dann, Kapitel 42, kommt Hiob zur Busse: Ich verabscheue mich in Staub und Asche. Und dann wird Hiob wiederhergestellt, alles bekommt er doppelt, alles bekommt er doppelt. Und das ist dann eben Kapitel 42, wo es heisst: Und das Ende des Herrn habt ihr gesehen, dass der Herr voll innigen Mitgefühls und barmherzig ist. Also das Ausharren Hiobs, Hiob 1 und 2 bis fast zum Schluss und dann Kapitel 42. Das soll uns Mut machen.
Übrigens hat er wirklich alles doppelt bekommen. Er lebte dann nochmals so lange, wie? Die Kinder nicht, er bekam nur noch zehn Kinder, nicht zwanzig. Aber sonst hat er alles doppelt bekommen. Und das führt natürlich zu einem interessanten Gedanken: Die Esel, die Kamele und alles hat er verloren, aber er hat alles doppelt bekommen. Die Kinder nicht, weil zehn Kinder, die verstorben waren, hatte er im Himmel und zehn auf der Erde, was doch das Doppelte ist.
Ja, und ich lese jetzt weiter, kommen wir noch zum Schluss. Vor allem aber, meine Brüder, schwört nicht, weder bei dem Himmel noch bei der Erde noch mit irgendeinem anderen Eid. Es sei aber euer Ja, ja, und euer Nein, nein, auf dass ihr nicht unter Gericht fallt. Das Schwören ist eben auch ein Ausdruck, dass man über seine Möglichkeiten hinausgeht. Wir haben die Zukunft nicht in der Hand, und darum können wir nicht schwören. Und so sagt Jakobus in Übereinstimmung mit der Bergpredigt: Wir sollen gar nicht schwören. Es reicht, wenn wir ja sagen, dann muss das ja bedeuten.
Die Lügner müssen ja immer sagen, das haben wir schon als Kinder gelernt: Wenn Lügner wirklich etwas sagen wollten, das gelten soll, dann haben sie gesagt: Ich schwöre dir, ich schwöre dir. Da wusste man, das sind eben die, die man sowieso nicht glauben kann, oder? Ja soll einfach ja bedeuten. Damit ist allerdings nicht gemeint das Schwören vor Gericht. Wir sehen, das ist eine Ausnahme. Der Herr Jesus in Matthäus 27 hat geschwiegen vor dem Sanhedrin, und dann hat der Hohepriester nach 3. Mose 5 ihn unter Schwur gestellt: Ich beschwöre dich bei Gott. Und dann hat der Herr Jesus geantwortet, weil beim gerichtlichen Schwur musste man antworten, sonst wurde man schuldig. Und das zeigt also: In diesen Fällen ist der Schwur erlaubt. Also wenn wir in eine Situation kommen, wo wir vor Gericht einen Schwur ablegen müssten, dann müssen wir nicht Angst haben wegen dieser Stelle. Das geht um das Alltagsleben. Da soll unser Ja Ja bedeuten.
Aber es gibt Fälle vor Gericht, zum Beispiel nach dem Zweiten Weltkrieg. Da gab es ja einige Flüchtlingsehepaare, die hatten keine Papiere mehr, wo sie nachweisen konnten, dass sie ein Ehepaar waren. Nicht wahr, heute wird das in Festungen ein Doppel angelegt, so dass man dann auch nach dem Krieg belegen könnte, man ist verheiratet. Und wir haben das gemacht: Die mussten vor Gericht einen Schwur ablegen, dass sie verheiratet sind, und das wurde dann anerkannt, dann wurden sie als Ehepaare anerkannt. Das sind so spezielle Fälle.
Ja, und dann möchte ich noch schliessen. Vers 13: Leidet jemand unter euch Trübsal, der bete. Ist jemand gutes Mutes, er singe Psalmen. Das bedeutet nicht, dass man auch Psalmen singen darf, wenn man traurig ist, aber es ist sehr schwierig, dass man das kann. Aber beten, man kann einfach beten. Und wenn man fröhlich ist, singen!
Ist jemand krank unter euch, er rufe die Ältesten der Versammlung zu sich, und sie mögen über ihn beten und ihn mit Öl salben im Namen des Herrn. Und das Gebet des Glaubens wird den Kranken heilen, und der Herr wird ihn aufrichten, und wenn er Sünden begangen hat, wird ihm vergeben werden. Bekennt einander die Vergehungen und betet füreinander, damit ihr geheilt werdet. Das inbrünstige Gebet eines Gerechten vermag viel.
Nun, warum heisst es hier nicht: Ist jemand krank, dann sollen die Ältesten zu ihm gehen? Nein, der Kranke selber. Er muss die Ältesten rufen, aber nicht irgendeinen Heiler, der da herumreist. Ich weiss mal von einer Schwester im Herrn, die war krank, und dann kam so ein Heiler, der herumreist, zu ihr und hat gesagt, er möchte sie gerne heilen. Dann hat sie gesagt: Ja, sie hätte ihn nicht gerufen. In Jakobus 5 steht: Der rufe die Ältesten. Und zweitens, er war gar kein Ältester. Drittens: Hier geht es gar nicht um die Gabe der Krankenheilung, hier geht es um Gebet. Das ist etwas anderes. Diese Stelle wird ständig heute missbraucht mit den modernen Heilern: Oh, wir haben die Gabe der Heilung! Das geht gar nicht um die Gabe des Heilens, das geht um das Gebet. Und das haben die Christen zweitausend Jahre lang vertreten, dass wenn wir krank sind, dass wir beten können und dass man erleben kann, wie der Herr eingreift. Aber das ist ja mit der Gabe der Krankenheilung so wie bei Petrus, der sagt: Im Namen Jesu, des Messias, stehe auf und wandle. Das ist nicht das. Hier geht es um Gebet.
Und warum die Ältesten? Die Ältesten als Seelsorge in der Gemeinde sollten die Geschwister seelsorgerlich kennen und wissen, zu beurteilen, ob diese Krankheit vielleicht mit Sünde zu tun hat. Das kann ja sein und ob da Dinge in Ordnung zu bringen sind. Und das wird dann eben auch hier ins Visier genommen, wenn es heisst: Und wenn er Sünden begangen hat, wird ihm vergeben werden. Vers 16: Bekennt einander die Vergehungen und betet füreinander, damit ihr geheilt werdet. Da geht es um diese Möglichkeit. Also diese Ältesten, die mögen über ihn beten. Das muss man nicht verstehen als ein Befehl, sie sollen. Sie mögen. Die müssen die Situation anschauen und geistlich einschätzen. Und dann heisst es: ihn mit Öl salben im Namen des Herrn.
Ich weiss noch, als ich in Indien war, habe ich Vorträge gehalten, und nach dem Vortrag kamen die Leute, die haben schon die Ölfläschchen mitgenommen, und dann sollte ich die salben. Da habe ich gesagt: Ich bin nicht euer, ich bin nicht Ältester in der Gemeinde. In Jakobus steht quasi, dass man die Ältesten rufen soll. Und die haben gemeint, wenn man das Öl dann mit dem Öl salbt, dann geschieht ein Wunder. Jetzt habe ich aber hierbei charakteristische Ausdrücke und Besonderheiten noch hingeschrieben.
Letzter Punkt: Es gibt im Neuen Testament zwei verschiedene Wörter für Salben. Erstens rituell salben, zum Beispiel König salben, chrio, und zweitens medizinisch salben, aleifo. Nun, in Jakobus 5,14 steht aleifo. Das ist also nicht das rituelle Salben, sondern das medizinische Salben. Und in der damaligen Medizin waren eigentlich Öl und Wein die wichtigsten Hilfsmittel. Man denke an Lukas 10, barmherziger Samariter: Was tat er auf die Wunden? Öl und Wein. Die Ältesten sollen ihn salben, das heisst also, diese Stelle ist eine klare Stelle dafür, dass wir medizinische Mittel gebrauchen dürfen. Wie in 1. Timotheus 5,23: Timotheus hatte viel Bauchschmerzen und es war ihm oft übel, und da sagt Paulus, er soll auch ein bisschen Wein nehmen. Also auch therapeutisch Wein und da Öl. Und das ist also etwas, was immer noch zu allen Zeiten gültig war, aber es ist eine seelsorgerliche Angelegenheit in der örtlichen Gemeinde.
Und dann Vers 17: Elias war ein Mensch von gleichen Gemütsbewegungen wie wir, und er betete ernstlich, dass es nicht regnen möge, und es regnete nicht auf der Erde drei Jahre und sechs Monate. Und wiederum betete er, und der Himmel gab Regen, und die Erde brachte ihre Frucht hervor. Hier wird deutlich gemacht, dass wir wirklich damit rechnen dürfen, wenn der Herr uns zeigt, da müssen wir ernsthaft beten, dass jemand gesund wird, dass wir da grosse Dinge erleben dürfen. Und wie ein Elia, der hatte die gleichen Gefühlsschwankungen wie wir, nicht wahr, der war aber ganz hoch oben auf dem Kamel. Und dann im nächsten Kapitel, unter dem Ginsterstrauch, da sagt er: Nimm meine Seele hinweg. Ganz unten, tack! Ja, so schnell geht das auch bei uns. Und trotzdem, das war ein Mann, der gebetet hat, ihm vertraut auf den Herrn und konnte erleben, wie Gott wirklich Dinge tut, die er sonst nicht getan hätte.
Und schliesslich: Meine Brüder, wenn jemand unter euch von der Wahrheit abirrt und es führt ihn jemand zurück, so wisse er, dass der, welcher einen Sünder von dem Irrtum seines Weges zurückführt, eine Seele vom Tod erretten und eine Menge von Sünden bedecken wird. Also hier geht es nochmals um solche, die abirren, und wir müssen ja bedenken: Jakobus schreibt an die zwölf Stämme, er schreibt nicht an die Auserwählten oder an die Gerechtfertigten. Das ist also ganz ähnlich wie im Hebräerbrief, wo der Schreiber davon ausgeht, dass es einige unter den bekennenden messianischgläubigen Juden gab, die gar nicht echt bekehrt waren, aber äussere Bekenner waren, und die werden zur wirklichen Bekehrung aufgerufen im Hebräerbrief. Und auch im Jakobusbrief musste er damit rechnen, dass unter diesen messianischen Juden solche waren, die nicht wirklich bekehrt waren, die gar nie einen inneren Zerbruch vor Gott erlebt hatten.
Und da wird also gezeigt: Wenn man dann erlebt, wie so jemand von der Wahrheit abirrt, dann muss man ihnen unbedingt nachgehen und sie zurückführen und kann so ein wunderbares Erlebnis machen, wie es hier steht. So wisse er, dass der, welcher einen Sünder von dem Irrtum seines Weges zurückführt, eine Seele vom Tod erretten und eine Menge von Sünden bedecken wird. Ein überraschender Schluss, aber das finden wir wiederholt auch im Ersten Johannesbrief plötzlich am Schluss: Kinder, hütet euch vor den Götzen. So richtig am Schluss noch eine Überraschung. Oder im Kolosserbrief: Verschiedene Grüsse werden ausgerichtet, und der Leser lehnt sich vielleicht ein bisschen zurück, und dann plötzlich, wie heisst es dort in Kolosser 4,17: Und sagt Archippus: Siehe auf den Dienst, den du im Herrn empfangen hast, dass du ihn erfüllst. Der ist natürlich aufgeschreckt, das hätte er nicht erwartet beim ersten Mal Vorlesen in Kolosser, nicht wahr? So ein Fokus auf einen Bruder in der Versammlung: Archippus, du hast deine Aufgabe nicht vergessen. Und so haben wir das wiederholt eben in Briefen ganz am Schluss plötzlich eine überraschende Wendung. Aber das hilft uns umso mehr, auf dieses Wort zu achten, eben solchen, die abirren, nachzugehen und ihnen zurückzuhelfen.
Ja, die Zeit ist vorüber, und wir haben jetzt noch nicht die Zusammenfassung gemacht mit der Struktur entsprechend der zwölf Stämmen Israels. Jetzt kann man vielleicht mit den Stichworten selber versuchen, durchzugehen und diese Bezüge erkennen. Vielleicht ganz kurz: Der erste Abschnitt 1,2-18, das ist der Stamm Ruben. Ruben, von ihm wird gesagt, er sei überwallend wie Wasser. Das erinnert an Jakobus 1,6 von dem Unsteten, der wie eine Woge ist, vom Wind hin und her getrieben. So war genau Ruben. Und 1. Mose 49, da sagt Jakob zu Ruben: Du bist der Vorzug an Hoheit, aber du sollst keinen Vorzug haben. Und in Jakobus soll sich der Reiche bewusst sein seiner Erniedrigung. Und dann spricht 1. Mose 49,4 über die böse Lust von Ruben, der hat ja eine der Frauen seines Vaters missbraucht. Und genau in diesem Abschnitt haben wir dieses Thema von der Lust, die die Sünde gebiert. 1. Mose 49,3, da nennt Jakob seinen Erstgeborenen „mein Erstgeborener“, und Jakobus 1,18 wird von den Gläubigen gesprochen als einer Erstlingsfrucht. Ruben heisst auf Hebräisch „siehe, ein Sohn“, und wir haben in Jakobus 1 gehabt: Die Sünde aber, wenn sie vollendet ist, gebiert den Tod. Dieser schreckliche Sohn.
Und dann kommt Simeon, Verse 19 bis 21. Simeon heisst hören, und da heisst es, dass wir alle schnell zum Hören sein sollen und langsam zum Zorn. Und von Simeon heisst es in 1. Mose 49,7: Verflucht sei ihr Zorn. Simeon und sein Bruder Levi, die waren ja zornig auf die Hethiter und haben ein furchbares Massaker angerichtet. Sie meinten, das sei heiliger Zorn, und Jakobus sagt: Verflucht sei ihr Zorn! Das erinnert an Jakobus 1,20: Eines Mannes Zorn bewirkt nicht die Gerechtigkeit Gottes.
Und dann möchte ich noch zum Schluss erwähnen Levi 1,22-27. Vom Stamm Levi heisst es in 5. Mose 33,9: Sie haben dein Wort beobachtet. In diesem Abschnitt spricht Jakobus darüber, dass die Gläubigen Täter des Wortes sein sollen, nicht nur Hörer. Und Levi war ja der Stamm des Gottesdienstes, und in Jakobus 1,27 lesen wir: Ein reiner und unbefleckter Gottesdienst ist dies. Und so kann man also durch den ganzen Brief hindurchgehen, und Jakobus, der ja den gleichen Namen hat wie sein Stammvater Jakob, der die zwölf Söhne gesegnet hatte, macht hier Anspielungen auf alle zwölf Stämme, und das geht wirklich auf bis zum Schluss.
Ja, dann wollen wir zum Schluss noch zusammen beten. Herr Jesus, wir danken dir, dass wir dein Wort in Händen haben dürfen. Es ist dein Wort, und es ist so wunderbar, und wir dürfen immer wieder neue Dinge darin erkennen, und wir finden dich darin. Und so bitten wir dich, dass auch dieser Brief, den wir so miteinander ganz durchgelesen haben heute Nachmittag, dass dieses Wort in unsere Herzen eingepflanzt wird und uns prägt und zu dir hinzieht und uns Gnade schenkt, dass wir nicht einfach Hörer dieses Wortes sind, sondern Täter. Und dass dieser Jakobusbrief uns wirklich verändert, verwandelt, dass wir dir treu sind in einer Welt, die dich ablehnt. Und hilf uns, dass wir Freunde der Sünder sind, so wie du, Herr Jesus, aber keine Freunde dieser Welt. Amen.
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