Einführung in die Verantwortung der Jünger
Gott wird Mensch – Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist.
Episode 530: Feuer, Leid und Entzweihung.
Wir haben uns einige Episoden lang mit der Aufforderung beschäftigt, dass Christen auf die Wiederkunft Christi vorbereitet sein sollen. Jesus schließt damit, dass er seine Jünger, die Leitungsverantwortung tragen, noch einmal besonders auf die Konsequenzen ihres Verhaltens hinweist.
In Lukas 12,48 heißt es: „Jedem aber, dem viel gegeben ist, von dem wird viel verlangt werden. Und wem man viel anvertraut hat, von dem wird man desto mehr fordern.“
Das sind die Spielregeln des geistlichen Lebens. Wir suchen uns das Leben nicht aus, indem wir uns wiederfinden. Aber wir wählen, was wir mit den Möglichkeiten anfangen, die wir vorfinden.
Gott wird von denen, die viel anvertraut bekommen haben, umso mehr fordern. Das ist nur fair und auch leicht zu verstehen.
Die Notwendigkeit der Vorbereitung und die Realität von Konflikten
Aber warum legt Jesus überhaupt so großen Wert auf das Vorbereitetsein? Sollte sich sein Angebot von Sündenvergebung, Erlösung und Frieden mit Gott nicht einfach so in der Welt durchsetzen? Die Antwort lautet leider nein, das wird es nicht tun.
In Lukas 12,49 sagt Jesus: „Ich bin gekommen, Feuer auf die Erde zu werfen, und wie wünschte ich, es wäre schon angezündet.“ Feuer ist bei Lukas meist ein Bild für Gericht. Gericht ist hier nicht im Sinne eines abschließenden Endgerichts gemeint, sondern als etwas, das Trennung verursacht.
Menschen hören das Evangelium und müssen sich entscheiden. Weil sich nicht alle für Gottes Angebot entscheiden, kommt es zu Streitereien und Entzweiungen. Es entstehen schmerzhafte Trennungen.
In Lukas 12,51-53 heißt es: „Denkt ihr, dass ich gekommen sei, Frieden auf der Erde zu geben? Nein, sage ich euch, sondern vielmehr Entzweiung. Denn es werden von nun an fünf in einem Haus entzweit sein, drei mit zweien und zwei mit dreien. Es werden entzweit sein Vater mit Sohn und Sohn mit Vater, Mutter mit der Tochter und Tochter mit der Mutter, Schwiegermutter mit ihrer Schwiegertochter und Schwiegertochter mit der Schwiegermutter.“
Das Paradox von Frieden und Entzweihung
Vielleicht wundern wir uns an dieser Stelle. Warum sagt Jesus, dass er nicht gekommen ist, um Frieden auf die Erde zu bringen, obwohl er doch der Friedefürst ist?
An anderer Stelle sagt er doch: „Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch“ (Johannes 14,27). Und Paulus spricht davon, dass Jesus Frieden gemacht hat durch das Blut seines Kreuzes. Ist Jesus nicht der Inbegriff dessen, der Frieden bringt?
Wie kann er dann in Lukas 12,51 sagen: „Denkt ihr, dass ich gekommen sei, Frieden auf der Erde zu geben? Nein, sage ich euch, sondern vielmehr Entzweihung“? Wie passt das zusammen?
Die Antwort ist ganz einfach. Der Friede, den Jesus bringt, ist nicht universell. Er kommt nicht automatisch zu allen Menschen. Schon die Engel formulieren zu Weihnachten: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens“ (Lukas 2,14).
Es sind die Menschen seines Wohlgefallens, also diejenigen, an denen Gott Wohlgefallen hat, die auch Gottes Frieden erleben. Und wer gefällt Gott? Das sind diejenigen, die das Evangelium im Glauben annehmen.
Der Friede Gottes als Geschenk des Glaubens
Wir brauchen uns nur anzuschauen, zu wem Jesus sagt: „Geh hin in Frieden“. Im Lukasevangelium lesen wir das zweimal.
Einmal ist angesprochen eine stadtbekannte Sünderin, zum anderen eine Frau, die von einer schwersten Krankheit geheilt wurde.
In Lukas 7,50 sagt Jesus zu der Frau: „Dein Glaube hat dich gerettet, geh hin in Frieden.“
In Lukas 8,48 spricht er zu der Frau: „Tochter, dein Glaube hat dich geheilt, geh hin in Frieden.“
Man merkt, der Friede Gottes begleitet die Glaubenden. Leider geschieht das oft auf Kosten innerfamiliärer Spannungen.
Entzweihung als Folge der Nachfolge
Lukas 12,52-53: Denn von nun an werden fünf in einem Haus entzweit sein: drei gegen zwei und zwei gegen drei. Vater wird sich mit dem Sohn entzweit haben und Sohn mit dem Vater, Mutter mit der Tochter und Tochter mit der Mutter, Schwiegermutter mit der Schwiegertochter und Schwiegertochter mit der Schwiegermutter.
Diese Entzweihungen entstehen, weil der Friede Gottes mit dem Glauben verbunden ist, also mit einer Beziehung zu Gott. Wenn ich mich entscheide, mein Vertrauen auf Jesus zu setzen, verlieren andere Dinge an Bedeutung. Dazu gehören die Familie, der Clan, die Religion meiner Vorfahren, die Erwartungen der Gesellschaft oder meine persönliche Lebensplanung. All das verliert an Einfluss.
Ich folge jetzt Jesus; er ist mein Herr. Doch diesen Herrschaftswechsel nehmen nicht alle Menschen gut auf. Manche werden sich von mir distanzieren, und es kommt zu Entzweiungen.
Im Umkehrschluss gilt auch: Wenn ich diese Entzweihung mit Menschen, die mir nahestehen, auf jeden Fall vermeiden will, dann darf ich kein Christ werden. Nachfolge ist eine Frage der Loyalität. Wem gehört mein Herz? Wessen Willen will ich tun? Ist mir die Beziehung zu Jesus wichtiger als die Beziehung zu meinen Kindern, meinen Eltern oder Schwiegereltern?
Lasst uns das gut verstehen: Nachfolge und Entzweiung gehören zusammen. Nicht jeder, der mich vor meiner Bekehrung mochte, wird mich auch danach noch mögen. Viele Menschen werden es nicht gut finden, dass ich jetzt Christ bin.
Jesus selbst erlebte diese Entzweiung in seiner eigenen Familie und noch mehr von seinem Volk. Er wurde nicht gekreuzigt, weil alle ihn mochten oder sein Evangelium toll fanden.
Die Leidenstaufe Jesu als Vorbild
Lukas 12,50: „Ich habe aber eine Taufe, womit ich getauft werden muss, und wie bin ich bedrängt, bis sie vollbracht ist.“
Was meint Jesus hier mit „Taufe“? Eines ist klar: Er spricht nicht von der Wassertaufe, wie wir sie als Gläubige nach der Bekehrung erfahren haben. Der Herr Jesus meint hier die Leidenstaufe, die vor ihm liegt.
Die Wogen des göttlichen Gerichts werden über ihm zusammenschlagen, wenn er am Kreuz hängt. Mit dieser Taufe muss Jesus getauft werden. Es gibt keinen Weg am Kreuz vorbei. Doch der Weg bis dorthin ist von unglaublichem emotionalem Stress geprägt.
„Wie bin ich bedrängt“, sagt Jesus. Auf ihm liegt die ganze Verantwortung, eine Welt zu retten. Aber er weiß, dass dieser Druck ein Ende finden wird, „bis sie vollbracht ist“. Der Herr Jesus weiß, dass er sterben muss, aber er weiß auch, dass sein Leiden ein Ende haben wird.
Es wird den Moment am Kreuz geben, wenn er sprechen wird: „Es ist vollbracht.“
Ermutigung für das christliche Leben
Und auch damit wird er für uns zum Vorbild. Wie er müssen wir in dieser Welt Ablenkung, Entzweigung und vielleicht sogar Verfolgung erleben.
Doch diese Welt hat nicht das letzte Wort. Auch wir dürfen eines Tages sagen: Es ist vollbracht.
Nein, nicht die Rettung der Welt – damit haben wir nichts zu tun – sondern dieses Leben. Dieses Leben mit der Berufung, die Gott uns gegeben hat.
Wenn Gott uns auffordert, auf die Wiederkunft Christi vorbereitet zu sein, dann deshalb, weil er weiß, wie herausfordernd es sein kann, als Christ zu leben, bis auch wir sagen können: Es ist vollbracht.
Abschluss und praktische Anregung
Was könntest du jetzt tun? Überlege, wo du Opfer bringen musstest, um als Christ zu leben.
Das war es für heute.
Bete in dieser Woche viel für Politiker und für die Entwicklung unseres Landes. Der Herr segne dich, lass dich von seiner Gnade erfahren und lebe in seinem Frieden. Amen.
