Gnade sei mit uns und Friede von dem, der da ist, der da war und der da kommt. Amen.
Wir hatten uns vorgenommen, in der Epiphanias-Zeit die Geschichte vom zwölfjährigen Jesus im Tempel zu besprechen, wie sie im Lukas-Evangelium Kapitel 2 berichtet wird. Seine Eltern gingen jedes Jahr zum Osterfest nach Jerusalem. Da Jesus zwölf Jahre alt war, begleiteten sie ihn auf dem Weg nach Jerusalem.
Als das Fest vorüber war und sie wieder nach Hause gingen, blieb der Knabe Jesus in Jerusalem zurück, ohne dass seine Eltern es bemerkten. Danach wird erzählt, wie sie ihn suchen. Hier kommt der heutige Text aus Lukas 2,46:
„Und es begab sich, nach drei Tagen fanden sie ihn im Tempel sitzen, mitten unter den Lehrern. Er hörte ihnen zu und stellte ihnen Fragen. Alle, die ihm zuhörten, verwunderten sich über seinen Verstand und seine Antworten.“
Herr, heilige uns in deiner Wahrheit; dein Wort ist die Wahrheit. Amen.
Das Leben aus biblischer Perspektive verstehen
Stellen Sie sich vor, Sie bekämen den Auftrag, das Leben Ihres verstorbenen Großvaters zu schildern. Was würden Sie tun? Sie würden beschreiben, was der Mann zwischen seiner Geburt und seinem Tod erlebt hat. Das nennen wir das Leben. Das Leben des Großvaters ist das, was zwischen dem Geborenwerden und dem Sterben passiert ist. So verstehen wir das Leben eines Menschen.
Meine Freunde, in der Bibel sieht das ganz anders aus. Ich muss etwas sagen, was ich schon ein paarmal gesagt habe und nicht müde werde, es einzuschärfen: Den Weg zwischen Wiege und Grab bezeichnet die Bibel höchstens als Dasein, als Existieren. Gott hat uns ins Dasein gerufen, das ist klar. Aber Leben, meine Freunde, ist nach der Bibel etwas ganz anderes.
Leben ist etwas Zusätzliches zu meiner bloßen Existenz. Leben kommt vom Himmel. Leben ist ein Geschenk Gottes. Es gibt viele Menschen, die dieses Leben nicht kennen und nicht haben. Leben ist etwas anderes als die Ereignisse zwischen Wiege und Grab. Leben ist etwas Wunderbares, das mein ganzes Dasein verändert. Leben führt mich sogar durch den physischen Tod hindurch in die Ewigkeit, in die Arme Gottes.
Denn meine Freunde, die unter Ihnen erfahren haben, was Leben ist, so wie es die Bibel meint, den brauche ich es jetzt nicht zu erklären. Sie verstehen mich mit einem Augenzwinkern. Und die, die dieses Leben nicht kennen, denen kann ich es jetzt auch nicht erklären. Wie sollen lebendige Tote erklären, was Leben ist?
Da ist es besser, wenn wir fragen: Wie bekommen wir eigentlich dieses Leben? Kann also jemand durchs Leben gehen, der Orden und Ehrenzeichen bekommt, Titel und alles Mögliche, und trotzdem keine Ahnung hat von dem Leben Gottes, von dem die Bibel spricht? Verstehen Sie? Keine Ahnung.
Wie bekommt man so etwas? Die Bibel gibt eine merkwürdige Antwort, die wir mit Vernunft nicht verstehen würden. Wir würden sagen: Christ sein bedeutet, ein guter Mensch zu sein, und wenn du in der Wahrheit stehst, dann ist alles schön und gut. Aber die Bibel sagt etwas anderes.
So wichtig das alles ist, die Bibel sagt also eine merkwürdige Antwort. Hören Sie gut zu: Das ewige Leben ist, dass du, der du allein wahrer Gott bist, um den du Jesum Christum gesandt hast, erkennst. Jesum erkennen, hinter ihm Gott – das ist Leben, da fängt es an.
Sehen Sie, da kommt im Trubel und Nebel der Welt eine Gestalt auf mich zu. Im Augenblick, in dem ich erkenne: Das ist der Sohn Gottes, mein Heiland, in diesem Moment hat das Leben begonnen. Das ist das ewige Leben: Jesum Christum erkennen.
Ich habe zuletzt Personengedächtnis. Ich gehe an vielen Leuten vorbei, sie grüßen mich, und ich sage: „Ach, entschuldigen Sie, Sie kennen mich wohl nicht mehr.“ Ja, also entschuldigen Sie, ich bin schon über sechzig, da ist alles entschuldigt. Nein, dann erkenne ich sie nicht.
So kann man an Jesus vorübergehen, ohne ihn zu erkennen. Jesum Christum erkennen – da beginnt das Leben. Das ist das Leben.
Darum kommt alles darauf an, meine Freunde, alles, alles ist wichtiger als eines: Jesum Christum erkennen. Sehen Sie, um Jesus zu erkennen, ist die Geschichte des zwölfjährigen Jesus außerordentlich nützlich. Das haben wir wohl bisher schon gemerkt. Wir wollen also weiter Jesus ansehen. Wir beschreiben den Text. Wir wollen Jesus erkennen.
Jesus als der Knecht Gottes
Ich lese noch einmal: "Und es begab sich nach drei Tagen, dass sie ihn im Tempel fanden sitzen, mitten unter den Lehrern, dass er ihnen zuhörte und sie fragte." Sie sagten: "Was, Lehrer, nicht?" Und alle, die ihm zuhörten, verwunderten sich über seinen Verstand und seine Antwort.
Wir wollen Jesus erkennen. Dazu möchte ich drei Dinge sagen.
Erstens: Er ist der Knecht Gottes. Das klingt jetzt so einfach, aber Sie werden gleich sehen, dass da eine Menge dahintersteckt.
Zunächst ist er der Knecht Gottes – das geht hier hervor. Ich muss dazu etwas weiter ausholen. In unserem Text sehen wir den Herrn Jesus, diesen zwölfjährigen Knaben, in einer Halle des Tempels sitzen. Er führt nun schon seit drei Tagen ein außerordentlich geistvolles Gespräch mit den klügsten und fremdsten Leuten Israels.
Hier steht die Lehre. Man hat Respekt vor den Lehrern – das hat sich mir seit dem sechsten Lebensjahr, als ich in die Schule kam, eingeprägt. Aber hier sind nicht die gemeint, die wir im Alltag Lehrer nennen, sondern es sind die Schriftgelehrten. Diese Lehrer, die im Tempel in Jerusalem waren, waren bestimmt bedeutende Leute, darf ich es so sagen? Wenn Bildung, Geist und Frömmigkeit zusammenkommen, entsteht eine bezaubernde Menschlichkeit. Solche Persönlichkeiten sind das.
Mit solchen Persönlichkeiten führt der zwölfjährige Jesus ein dreitägiges Gespräch. Ihr versteht, da beginnt seine Tätigkeit, die Tätigkeit des Vaters insgesamt.
Nun machen wir einen kleinen Sprung. Gehen Sie mit: Als sein Lauf auf Erden endete und er am Kreuz hing, da hatte er auch ein Gespräch. Wissen Sie, mit wem? Mit dem Raubmörder, der neben ihm am Kreuz hing, einem verurteilten Mörder. Wir nennen ihn den Schächer.
Mit der Prominenz und der geistigen Elite fängt Jesus seine Laufbahn an, und er endet sie mit dem Verbrecher. Das ist eine Niveausenkung, nicht wahr? Ist das nicht eine erschütternde Niveausenkung? Das Erdenwerk Jesu beginnt mit diesen geistvollen Männern und schließt mit dem Schächer am Kreuz.
Diese Niveausenkung ist doch eine bedenkliche Beobachtung, oder? Geht ihr mit? Freunde, wir sind hier an einer der wichtigsten Stellen, wenn wir Jesus verstehen oder erkennen wollen.
Indem Jesus bei der geistigen Elite beginnt und beim Sünder endet, erweist er sich als das, was er nach Gottes Willen sein soll und was er auch sein will – nämlich der Knecht Gottes. Das muss ich Ihnen jetzt nachweisen.
Sehen Sie, in der Bibel wird das Reich Gottes manchmal mit einem Festmahl verglichen. Ein König veranstaltet ein Festmahl – das Reich Gottes ist ein Festmahl. Ach, wie eine Qual so ein Festmahl! Hör dir an, wie eine Peitsche so ein Festmahl.
Der König, das ist der himmlische Vater, und dann heißt es in der Bibel: Der König sendet seinen Knecht aus, um die Gäste einzuladen. Zuerst geht er zu denen, die auf der Liste stehen.
Sie kennen die Geschichte, wie der eine nach dem anderen sagt: "Ich habe keine Lust." Die Essener-Parole: "Ich habe keine Lust." Wenn die Gäste später Besucher machen, sollen sie mal hören, wie oft sie sagen: "Ich habe keine Lust." Im Gleichnis heißt es: "Ich bitte dich, entschuldige mich." Und keiner der Erstgeladenen kommt.
Doch der König gibt sein Fest nicht auf. Er sendet seinen Knecht auf die Gassen, lädt ein, wen er findet. Der Knecht geht hinaus und lädt ein, wen er findet. Jedermann darf kommen.
Und da ist immer noch Platz. Daraufhin sendet er den Knecht erneut aus, zu den Hecken und Zäunen, zu den Sträuben, zu den verlorenen Söhnen und Töchtern, und lädt sie ein.
Sehen Sie, dieser Knecht ist Jesus. Er beginnt sein Werk bei den Erstgeladenen – das waren die Lehrer im Tempel, die Erstgeladenen. Und als er am Kreuz dem Schächer das Himmelreich öffnet, da ist er bei den Hecken und Zäunen angekommen.
Werden Sie, wie dieser zwölfjährige Jesus das Programm Gottes im Kopf hat – das Programm Gottes mit den Erstgeladenen, den Gassen, jedermann, und den Verlorenen – und wie er es getreu ausführt, schon als Zwölfjähriger.
Hier erweist er sich als der gehorsame Knecht Gottes, schon als Zwölfjähriger.
So, und jetzt muss ich noch ein Stück weitergehen. Kommt ihr noch mit? Heute wird abgeschwenkt, bitte entschuldigt.
Seht, ihr wisst, das Alte Testament ist voll von Verheißungen auf den kommenden Heiland, und dort wird er sehr oft genannt: der Knecht. "Siehe, mein Knecht wird weise handeln." So erweist sich Jesus hier als der, der im Alten Testament verheißen ist – der Knecht Gottes.
Er ist die Erfüllung aller alttestamentlichen Verheißungen. Jesus, der Zwölfjährige, ist der, auf den die Väter warteten, und er ist der, nach dem sich die Völker sehnen und nach dem sie herzlich verlangen. Es heißt, sie haben keinen Frieden, ehe sie ihm gehören.
Er ist der Knecht, der im Alten Bund verheißen ist.
Jetzt möchte ich am liebsten all die Bibelstellen aus dem Alten Testament vorlesen, in denen vom Knecht Gottes die Rede ist. Man muss beinahe hebräisch sagen: der Ebed JHWH – jeder Theologe weiß das. Ein tolles Rollenspiel: der Knecht Gottes.
Das ist sehr umfassend in diesem Jesus. Ich möchte nur kurz etwas sagen: Zum Beispiel heißt es vom Knecht, dass er nicht rufen und schreien wird auf den Gassen, dass er seine Stirn hinhält denen, die ihn schlagen, dass er das Werk des Herrn zum Sieg führt, dass die Inseln auf ihn warten.
Ich möchte aber von den alttestamentlichen Stellen, die vom Knecht sprechen, jetzt nur eine herausgreifen.
Vom Knecht, als der Jesus sich hier erweist und das Gottesprogramm durchführt, heißt es: "Er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsere Schmerzen. Er ist um unserer Missetat willen verwundet, so kennen wir ihn am Kreuz, und um unserer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe lag auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt."
Das ist der Knecht Gottes. Und als solcher fängt er hier an, sich zu erweisen.
Jesus als Gottes und Mariens Sohn
Und nun zum Zweiten: Ich hoffe, Sie haben diesen kleinen Gang durch die Bibel mit mir gemacht. Wir wollen Jesus erkennen.
Ein zweites Ich fragte mich einmal beim Predigen: Sind Sie nicht aktueller? Und da habe ich ihm geantwortet: Es ist nicht meine Aufgabe, Ihnen Aktualitäten vorzuspielen, sondern Ihnen zu helfen, dass Sie selig werden und Kinder Gottes. Und das können Sie nur werden, wenn Sie Jesus Christus erkennen. Darum rede ich von ihm.
Wir wollen Jesus erkennen, denn das ist das Leben. Das ist aber das ewige Leben: dass du Jesus Christus, den du gesandt hast, erkennst.
Da hat der Apostel Paulus, der etwas verstand von der Sache seiner Gemeinde, gesagt: Wachset in der Erkenntnis Jesu Christi! Wachset in der Erkenntnis Jesu Christi! Schrecklich, ein Baby, das nicht wächst! Babys entzücken, aber da werden alle flitzig geworden: Es ist immer noch ein Baby – der Grausamkeit! Und es gibt Menschen, die geistlich Babys geblieben sind, ein Leben lang. Wachsende Erkenntnis Jesu Christi!
Darum wollen wir Jesus erkennen. Sehen wir ihn also noch einmal an.
Da möchte ich als Zweites sagen: Er ist Gottes und Mariens Sohn. Gottes und Mariens Sohn! Da sitzt er im Tempel, ein Kind. Ein zwölfjähriges Kind, das wirkt nicht anders. Er ist denselben biologischen Wachstumsgesetzen unterworfen wie Sie und ich. Es heißt ein paar Verse weiter von ihm: Er nahm zu an Alter und Weisheit. Das könnte man von jedem Jungen sagen. Gott sei Dank könnte man das von jedem Jungen sagen! Siehe, dort am Nachmittag werden siebenhundert Jungen hier sein, Schätz, vielleicht doch achthundert. Da passiert manches, wo der Hausmeister und ich nur den Kopf schütteln können. Und dann trösten wir uns, dass sie alle zunehmen an Alter und Weisheit, nicht? Gott sei Dank! Und ihr habt schon mächtige Fortschritte in Alter und Weisheit gemacht, die hier so rechts und links vor mir sitzen, nicht?
Das heißt, dieser Jesus ist ein Mensch wie Sie und ich. Also zwei Dateien haben Sie vergriffen: Gottes und Mariens Sohn, hat alle bei, Mensch wie Sie und ich. Und dieses Kind sitzt in der Halle des Tempels mit der geistigen Elite des Volkes zusammen. Und die bewundern ihn nie als frühreifes Wunderkind, keine Rede davon. Sondern sie haben ein richtiges Gespräch. Heutzutage pflegt man zu sagen: ein echtes Gespräch.
Was gehört zum Gespräch? Er hört ihnen zu, er fragt sie, sie fragen ihn, und sie hören ihm zu. Das steht alles hier. Das ist ein Gespräch. Es gibt Leute, die reden allein und meinen, es wäre ein Gespräch. Das ist keines. Nichts. Die Leute wissen alles, sie haben nichts zu fragen. Es ist auch kein Gespräch.
Er hört ihnen zu, er fragt, er antwortet und er spricht. Hat etwas zu sagen.
Meine Freunde, der zwölfjährige Knabe in der geistigen Prominenz – das ist ja unfassbar. Das kann man nur begreifen, wenn man weiß: Hier ist nicht irgendein Junge, sondern der Sohn Gottes, also nicht ein Mensch wie wir.
Und sehen Sie, das lehrt uns die Bibel: Jesus ist Gottes und Mariens Sohn, oder wie Luther sagt: in seiner Fähigkeit wahrer Mensch und wahrer Gott. Sie sagen: Huch, was für ein Dokument heute! Sie werden schon merken, das ist sehr wichtig für uns.
Als wir noch im Unterricht waren, im Konfirmandenunterricht, da haben die meisten von Ihnen die Erklärung vom zweiten Artikel nach Luther gelernt. Könnt ihr euch vielleicht an diese grauen Zeiten erinnern? Da hieß es: Jesus Christus, wahrhaftiger Gott vom Vater geboren, und auch wahrhaftiger Mensch von der Jungfrau Maria geboren.
Mein Herr, wir sagen diese zwei Naturen: wahrhaftiger Gott und wahrhaftiger Mensch von diesem Jesusleben. Das ist etwas, was die Vernunft nicht kapiert. Aber die Vernunft, meine Freunde – das möge ich auch Theologen sagen, die zufällig hier sitzen – hat sich unter die Wirklichkeit zu beugen. Die Vernunft hat sich der Wirklichkeit zu beugen.
Und bitte lesen Sie alle Berichte über Jesus. Sehen Sie, alle in der Linie: wahrer Mensch und wahrer Gott. Nehmen Sie eine Geschichte mal heraus. Hier: Nehmen Sie den zwölfjährigen Knaben, ein Dschungel wie er, nein, die Jungs, Herr Jungs, und alle verwunderten sich seiner Antworten. Wir sehen: wahrer Mensch und wahrer Gott.
Nehmen Sie die Geschichte vom Sturm auf dem Meer. Ich denke, die kennen Sie nicht. Wie das Schifflein da auf dem Galiläischen Meer in Not gerät. Da liegt Jesus in der Kabine, erschöpft – erschöpft zu Tode, erschöpft – und schläft. Er schläft, dass nicht mal ein Sturm ihn wecken kann. Ein elender, erschöpfter Mensch, so unsagbar menschlich. Hingeworfen der Erschöpfung, und schläft im Sturm.
Und ein paar Minuten später steht er am Deck und bedroht den Sturm und die Wellen, und es wartet eine große Stille. Gott, doch Herr der Schöpfung!
Oh, meine Freunde, sogar am Kreuz wird es offenbar. Am Kreuz ist Jesus am allerniedrigsten. Ich möchte das Kreuz vor sich stellen, das am allerniedrigsten. Ein Leidender, ein Sterbender. Er quält sich, die Glut der Sonne dürstet hinaus. „Mich dürstet“, ein elendes Menschenbündel. Und doch heißt es von ihm: Gottes Lamm, das der Welt Sünde wegträgt.
Wir haben einen hohen Priester, der mit seinem Opfer verleiht, dass wir geheiligt werden. In dem Augenblick wirft Gott alle Sünden auf ihn, den Sohn, der sein Leid tragen kann. Wahrer Mensch und wahrer Gott.
Meine Freunde, mir liegt sehr viel daran, dass uns diese biblische Wahrheit nicht vermasselt und verbessert wird von vernünftigen Reden. Und ich will Ihnen sagen, warum.
Ich will Ihnen sagen, warum: Sehen Sie, seit dem Sündenfall ist eine tiefe Kluft zwischen dem heiligen Gott und uns Sündern. Und unsere Sünde hat die Kluft noch schrecklicher gemacht. Unsere Sünde und der heilige Gott – dessen Abgrund dazwischen.
Im Propheten Amos heißt es: Deine Sünden scheiden dich von deinem Gott. Und den Abgrund überbrückt keiner. Und wir bleiben in Ewigkeit von Gott verworfen und getrennt, wenn ich mir Brücke und Abgrund gebaue.
Und nun kommt Gott der Sohn, Mensch und Gott. Er ist die Brücke zwischen der uns verlorenen Welt Gottes und unserer. Er kommt vom Vater und wirkt in der Fülle der Zeit Mensch. Er ist die Brücke über den Abgrund der Schuld, oder dass ich mal biblisch ausdrücke: Er ist die Himmelsleiter, in der Gott zu uns herabsteigt und wir zu Gott hinaufsteigen können.
Darum kann ich jetzt gar nicht ernst genug reden: Jesus ist die einzige Möglichkeit, Frieden mit Gott zu haben, die einzige Himmelsleiter, die einzige Brücke über den Abgrund. Es kann nicht anders werden nach seiner Fasson selig werden.
Jesus sagt majestätisch: Niemand kommt zum Vater denn durch mich.
Und darum muss ich Sie fragen: Gehören Sie Jesus? Spielen Sie nicht mit ihm! Haben Sie ihm Leben gegeben oder haben Sie – um es mit anderen Worten zu sagen – ihn aufgenommen? Die ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden, die an seinen Namen glauben.
Jesus als der göttliche Fachmann
Gottes und Marien Sohn, lassen Sie mich kurz noch ein Drittes sagen: Er ist der göttliche Fachmann. Sehen Sie, die Geschichte ist eigentlich merkwürdig. Es fängt so an: Er fragt. Jesus, der Zwölfjährige, also drittens der göttliche Fachmann – ich habe schon viel darüber gesprochen, aber Sie müssen mir doch noch zuhören.
Der göttliche Fachmann sitzt zwölfjährig im Tempel. Es beginnt mit der Schilderung, dass er fragt, dass sie antworten, dass er ihnen zuhört. Doch ständig verwundern sich alle, die ihm zuhören. Alle, die ihm zuhören, sind erstaunt. Letzte Woche, das heißt am Ende, spricht er allein. Jesus, der zwölfjährige Knabe, spricht, und alle, die ihm zuhören, verwundern sich über seine Antworten.
Jetzt fragen sie ihn nur noch, und er antwortet. Es ist doch fantastisch: Da sitzt der zwölfjährige Knabe, und die Gelehrten des Reiches Gottes hören ihm zu, stellen Fragen, und er antwortet. Wie ist das möglich? Es ist möglich, weil der Sohn Gottes am besten Bescheid weiß über Gott, Himmel, Hölle, Ewigkeit und den Weg zur Seligkeit. Darum!
Meine Freunde, ein Mann, der in China geboren und in China groß geworden ist, weiß über China und dieses ganze verschlossene Land besser Bescheid als 25 Professoren, die viel über China gelesen haben. Und der Sohn Gottes, der beim Vater war von Anfang an und durch die Zeit Mensch wurde, weiß mehr über göttliche Dinge, über Gott, Himmel und Hölle als alle Gelehrten, Denker und Theoretiker.
Welche Konsequenzen hat das? Darum ist mir jedes Wort Jesu so wichtig. Ich beschwöre Sie: Lassen Sie sich Jesu Wort nicht wegnehmen. Wenn Jesus sagt: „Fürchte den, der Leib und Seele in die Hölle verderben kann“, dann fürchte ich die Hölle, auch wenn zwanzigtausend Professoren beweisen, dass es keine Hölle gibt. Denn der Fachmann Jesus, der aus der Ewigkeit kommt, weiß es besser.
Und wenn dieser Jesus sagt: „Ich gebe mein Leben zur Erlösung“, dann eile ich zu seinem Kreuz und umklammere es im Glauben, auch wenn dieses Kreuz für die ganze Welt eine Torheit ist. Und wenn dieser Jesus sagt: „Wer an mich glaubt, wird nimmermehr sterben“, dann möchte ich, je älter ich werde, in ihn hineingeschliffen werden, um am Leben teilzuhaben.
Und wenn dieser Jesus sagt: „In meines Vaters Haus sind viele Wohnungen, und ich gehe hin, sie euch zu bereiten“, dann freue ich mich, mitten in dieser Welt, in der ich gerne bin und meine Aufgabe erfülle, auch auf die Wohnung, die bereitet ist – wozu ich keinen Wohnungsamt befragen muss, nicht wahr?
Meine Freunde, die Gelehrten im Tempel verwunderten sich über seine Antworten, aber sie nahmen ihn nicht an, sie glaubten ihm nicht. Am Ende riefen sie, ihn kreuzigen zu lassen. Nun stehen sie alle vor der Frage, ob sie die Reden und Worte dieses Jesus als das Allerwichtigste studieren und ihm Glauben schenken wollen – und so ihr Leben nach ihm ausrichten – oder nicht. Das ist nun ihre Entscheidung.
Ich kann von Jesus nicht hören, ohne plötzlich vor einer großen Entscheidung zu stehen. Das möchte ich Ihnen klar machen. Am Ende kommt es darauf an, wie ich zu ihm stehe, wie er zu mir steht – der am Kreuz klagt und den größten Sünder liebt. Aber nun ist die Frage: Wie stehe ich zu ihm?
Wir wollen beten: Herr, unser Heiland, wir bitten Dich: Wenn das ewige Leben darin besteht, Dich zu erkennen, dann gib uns offene Augen des inneren Menschen, dass wir Dich wirklich erkennen und sagen können: Mein Herr und mein Gott! Amen!
