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Jesus macht glücklich

12.06.1983Römer 5,1-11

Und nun lesen wir aus dem Römerbrief, Kapitel 5. Das befindet sich im Neuen Testament auf Seite 162 bei den ausgelegten Bibeln. Es handelt sich um Römer 5,1-11.

Frieden durch Glauben und Gnade

Da wir nun durch den Glauben gerecht geworden sind, haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus. Durch ihn haben wir im Glauben auch Zugang zu dieser Gnade, in der wir stehen. Wir rühmen uns der Hoffnung auf die zukünftige Herrlichkeit, die Gott geben wird.

Aber nicht nur das: Wir rühmen uns auch der Bedrängnisse, weil wir wissen, dass die Bedrängnis Geduld bewirkt. Die Geduld aber führt zur Bewährung, die Bewährung aber zur Hoffnung. Und die Hoffnung lässt nicht zu Schanden werden. Denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.

Denn Christus ist bereits zu der Zeit, als wir noch schwach waren, für uns Gottlose gestorben. Nun wird kaum jemand für einen Gerechten sterben; für einen guten Menschen wagt vielleicht einer sein Leben.

Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren. Es ist klar, wie Paulus argumentiert: Es gibt Menschen, die ihr Leben für idealistische Ziele opfern – für ihre Befreiungskämpfe, für das Vaterland oder für etwas anderes. Aber schon wenn es darum geht, für einen anderen Menschen zu sterben, ist das selten.

Warum sollte ich mein Leben für einen anderen, für einen Gerechten, hingeben? Wer wird denn für einen sterben, der das Leben gar nicht verdient hat, für einen Schuldigen, für einen Missetäter? Genau das hat Christus getan.

Versöhnung und Rettung durch Jesus Christus

Um wie viel mehr werden wir durch ihn vor dem Zorngericht bewahrt, nachdem wir jetzt durch sein Blut gerecht geworden sind?

Denn wenn wir durch den Tod seines Sohnes mit Gott versöhnt wurden, als wir noch Feinde waren, wie viel mehr werden wir dann durch sein Leben gerettet werden, nachdem wir nun versöhnt sind!

Aber nicht nur das: Wir rühmen uns auch Gottes durch unseren Herrn Jesus Christus, durch den wir jetzt die Versöhnung empfangen haben.

Herr, mach dieses Wort konkret und persönlich zugespitzt für uns. Amen!

Die Bedeutung des Friedens in der heutigen Zeit

Also heute kommen wir nicht daran vorbei. Paulus stellt das Wort Frieden ganz vorne an den Abschnitt. Das ist ein Wort, bei dem heute viele gespannt hinhören und sagen: Jetzt darf man sich nicht daran vorbeidrücken. Die Friedensfrage ist heute das Thema, das auf die Tagesordnung gehört.

Das Schlimme ist nur, dass bei dem Thema Frieden schon viele ganz fest wissen, mit welchen Methoden man heute den Frieden erreichen kann. Sie sind sich bombensicher und sagen: Meine Methode führt zum Ziel, die anderen nicht. Und die anderen sagen: Nein, meine Methode, und deine nicht.

Nun möchte ich Sie ganz kurz bitten, damit wir auch auf dieses Wort des Paulus neu hinhören können. Ich habe den Eindruck, dass wir in unseren Tagen das Wort Frieden sehr leichtfertig gebrauchen. Ist das wirklich Frieden, der als Ziel vor uns steht, wenn wir alle Waffen verschrottet haben? Wird dann wirklich Frieden sein?

Die Abrüstung ist ein dringendes Problem, aber das heißt Abrüstung und nicht Frieden. Damit wird nichts von der Wichtigkeit abgebrochen, dass es eine Lebensfrage ist. Frieden ist mehr!

Dazu gehört, dass zwischen Menschen kein böses Wort mehr gesprochen wird, dass Menschen einander verstehen und Zeit füreinander haben. Menschen müssen umgewandelt und neu werden.

Der umfassende Frieden mit Gott als Grundlage

Wenn Paulus das zu Beginn so klar und herausfordernd sagt, möchte ich das nur unterstreichen: Wir haben Frieden!

Damit meint er Frieden im umfassenden Sinn. Denn Frieden bedeutet – so wird es in der Bibel immer gebraucht – Glück, Seligkeit. Es heißt: Ich lebe ohne Angst, ich mache mir keinen Kummer mehr, ich bin frei von allem, was auf meiner Seele lastet. Das ist doch Frieden: ein glückliches, gelöstes Leben.

Und genau das ist in der Tat unser Ziel.

In diesem Zusammenhang möchte ich sagen: Wir haben viel mitzureden, wenn es um den Frieden geht. Das soll keinesfalls die Dringlichkeit anderer Fragen schmälern. Aber wir wollen betonen: Das allein genügt noch nicht. Wir wollen weiter vordringen zum ganzen Frieden.

Die Menschen heute haben eine Sehnsucht nach Frieden, davon bin ich überzeugt. Sie sehnen sich nach Frieden. Paulus sagt: Wir haben Frieden.

Ohne Gerechtigkeit kein Frieden

Ich habe es erneut versucht, den Text etwas zu gliedern, damit die Gedanken nicht durcheinandergeraten. Zuerst möchte ich darüber sprechen, dass es ohne Gerechtigkeit keinen Frieden gibt.

Oft haben wir ein ungutes Gefühl, wenn heutzutage Friedensschlüsse verkündet werden. Die Älteren unter uns erinnern sich noch an den Frieden von Versailles im Jahr 1919. Das war ein eigenartiger Frieden, der bereits die Spaltung der Zukunft in sich trug. Bei vielen Vermittlungen im Nahen Osten oder an anderen Orten spürt man, dass es sich um kunstvoll zugeschmierte Kompromisse handelt. Dabei wird das eigentlich Anstößige, das die Ursache der Spaltung ist, nur verdeckt. Es kommt später mit neuer Wucht wieder hervor.

Wenn Frieden sein soll – und wir wollen Frieden –, dann muss das, was den Frieden verhindert, wirklich beseitigt werden. Paulus spricht vom Frieden mit Gott. Das bedeutet nicht, dass dieser Frieden nichts mit dem Frieden hier auf der Welt zu tun hat. Ganz im Gegenteil: Es hängt sehr viel damit zusammen. Umgekehrt können alle menschlichen Friedensschlüsse, so wichtig sie auch sind und so sehr wir sie herbeisehnen, keinen wirklichen Frieden bringen. Oft können sie nicht berücksichtigen, dass unsere Spannungen und Feindschaften untereinander daher rühren, dass wir nicht mehr mit Gott in Ordnung sind.

Dieses zerbrochene Verhältnis zu Gott führt dazu, dass auch unser Verhältnis zu den Mitmenschen nicht mehr funktioniert. Schon auf den ersten Seiten der Bibel wird beschrieben, wie das Verhältnis zwischen Brüdern auseinandergeht, wo Feindschaft entsteht und böse Worte ausgesprochen werden, weil Gott nicht mehr das Leben der Menschen bestimmen kann. Dort gibt es keinen umfassenden Frieden.

Paulus sagt, es kann wirklich nur Frieden geben durch eine umfassende Versöhnung mit Gott.

Der historische Kontext des Friedens im Römerbrief

Nun hat er diesen Brief nach Rom geschrieben. Die Römer waren damals ein kriegslüsternes Volk, kampfbereit und beherrschten sowie beuteten sie die damalige Welt aus. Dennoch gab es auch bei den Römern eine Sehnsucht nach Frieden.

Vergil besang in seiner vierten Ekloge bereits, dass ein paradiesisches Friedensreich kommen würde. Als der Kaiser Octavian endlich gekrönt war, sagten die Menschen, dass nun die Zeit dafür gekommen sei. Sie schlossen die Türen des Kriegstempels Janus und verkündeten eine Friedensära.

Dies war wichtig, denn für die Ausbreitung des Evangeliums war dies sogar die entscheidende Phase. Man könnte die Mission des Paulus nicht ohne dieses große römische Friedensreich im äußeren Sinn vorstellen. Paulus wird jedoch nicht müde, den römischen Bürgern das Evangelium zu verkünden. Er sagt ihnen, dass der Friede, den er bringt, noch viel weiter reicht und andere mit einschließt.

Gott stiftet ein neues Verhältnis zwischen ihm und uns. Das Anklagende und Belastende wird weggenommen, damit wir alle unsicher und zugleich geborgen unter dem Schutz Gottes leben können. Denn anders lässt sich kein Frieden leben.

Frieden als Lebenswirklichkeit trotz äußerer Bedrängnisse

Wir sind gerecht geworden und haben nun Frieden mit Gott. Paulus meint damit nicht nur einen innerlichen Seelenzustand. Für ihn war dieser Frieden der Raum, in dem er sich bewegte, als man ihn in Philippi gefangen nahm. Dort lag er mit zerschlagenem Körper in der Haftzelle.

In solchen Momenten kommen oft Gedanken von Bitterkeit und Hass auf. Doch Paulus konnte darüber nachdenken, wie man den Leib Jesu zerschlagen hat. Diese Wunden Jesu machen es ihm leicht, auch seinen Feinden zu vergeben und diejenigen zu segnen, die ihn hassen und schlagen.

Als es in der Gemeinde viel Widerspruch gab und böse Menschen kamen, die Partei ergriffen, hatte Paulus Angst, was aus der Gemeinde werden würde. Dennoch konnte er vollkommenen Frieden haben. Er sagt, das Verhalten dieser Menschen sei schmutzig, aber Gott wird es gerecht machen.

Paulus ist so gelassen und frei. Frieden bedeutet für ihn wirklich ein Leben, das frei und fröhlich ist, weil er weiß, dass Gott seine Sache zu Ende führt. Er hat alles in Gottes Hand gelegt und muss nicht mit falschen Mitteln kämpfen.

Als Paulus jahrelang im Gefängnis war und seine wichtigen Aufgaben nicht ausführen konnte, wurde er sicher unruhig und dachte: „Ich muss raus, ich muss weitermachen.“ Doch er bewahrte diese Ruhe, weil er wusste, dass Gott weiß, wofür die Zeit gut ist. Deshalb konnte er sogar die komplizierten und bösartigen Gefängniswärter lieben.

Die Notwendigkeit der Schuldvergebung für den Frieden

Es gibt Frieden nur, wenn das Unrecht beseitigt ist. Wir spüren genau, wie zwischen uns und Gott eine belastende Last liegt. Deshalb fehlt uns auch der Trost und die Geborgenheit in Gott.

Paulus wird nicht müde, immer wieder auf den gekreuzigten Jesus hinzuweisen. Darin liegt der Grund, warum wir heute Frieden haben. Wir können diesen Frieden leben. Der Frieden ist angebrochen, und wir tragen ihn hinein in die Familien und in die Häuser.

Man sollte nicht sagen, dass das wirkungslos bleibt. Wir haben das schon so oft erzählt. Wie in Russland allmählich, nach Jahrzehnten der Revolution, die Bevölkerung des Friedensgeschreis müde wird und merkt: Das ist ja nur ein Blabla. Bei uns ist das vielleicht noch ein bisschen neuer. Dort merkt man es nur nicht so schnell, aber nach Jahrzehnten wird es auch so, dass man sagt: Durch Worte entsteht kein Friede.

Doch dann hören sie wieder hin und sagen: Da leben die Christen den Frieden in ihren Familien und in ihren Häusern. Das kommt nur daher, dass ich mit Gott Frieden habe. Ich kann meine Sorgen, Ängste, Feindschaften und das Böse, das mir widerfährt, einfach Gott hinlegen. So werde ich ruhig und vertraue ihm.

Ohne Gerechtigkeit gibt es keinen Frieden. Wir sind gerecht geworden.

Frieden als Geschenk für alle Menschen

Dieser Frieden steht jedem offen. Auch wir Christen laufen Gefahr, viel über Frieden zu reden und fromme Worte darüber zu sprechen, ohne ihn tatsächlich zu leben. Deshalb ist es wichtig, dass wir uns kritisch selbst prüfen. Vielleicht sind heute bei uns schon böse Worte gefallen oder es sind Spannungen entstanden, die in den letzten Tagen nicht ausgeräumt wurden.

Wir sollten uns selbst beim Schopfe packen und nicht über andere reden. Es ist billig, über Frieden zu sprechen und ihn nicht zu leben. Oft machen wir den Fehler zu glauben, dass Frieden eine Frage des Gefühls sei. Besonders unter Christen ist dieser Missbrauch verbreitet. Viele meinen, der Glaube sei eine Gefühlssache und sagen dann: „Ich fühle mich gar nicht so.“

Ich möchte Ihnen immer wieder und nachhaltig sagen, bis Sie es verstehen können: Glaube geschieht meist gegen das Gefühl. Vielleicht sind wir heute morgen Menschen, die ganz umgetrieben hierher kommen. In unserem Inneren, in der Seele oder im Herzen ist es wie ein aufgewühltes Meer mit wildem Wogen hin und her. In uns klingen noch Worte nach, die wir gehört haben und die wir nicht abschütteln konnten.

Friede ist nie eine Frage des Gefühls. Wir haben Frieden durch eine objektive Tatsache, auf die unser Glaube gründet: Gott vergibt uns in Jesus durch das Opfer Jesu. Dann will ich, dass mein Gefühl, mein Glaube und meine Nerven in Gottes Hand liegen und ganz ruhig werden.

Wir sind von Natur aus keine Friedensmenschen. Wir wollen Friedensmenschen werden. Das steht aber jedem offen, weil es nicht vom Gefühl oder von unseren natürlichen Anlagen abhängt, sondern vom Vertrauen auf das, was Gott uns anbietet und sagt. Er sagt uns immer wieder, dass er unsere Schuld durchstreicht, dass er uns segnen will und dass er heute an diesem Tag seine Hand auf unser Haupt legt und uns nicht loslässt.

So habe ich Sie begrüßt: Gott ist für uns, und er will für uns eintreten. Es ist wichtig, dass alles in Ordnung kommt, was zwischen Gott und uns nicht in Ordnung ist.

Der Zugang zur Gnade als Trost in Bedrängnissen

Paulus hat noch einen sogenannten Schleichweg gefunden. So möchte ich es nennen. Dieser Weg hilft ihm, seinen Glauben auch im Alltag zu leben. Wir wissen nicht viel über die innersten Zweifel und Fragen des Apostels Paulus. Doch ich kann mir gut vorstellen, dass es ihm im Kerker von Philippi nicht leichtfiel. Vielleicht musste er eine Stunde oder zwei ringen, bis er Frieden fand trotz der rasenden Schmerzen.

Auch heute haben viele Kranke an heißen Tagen im Krankenhaus nicht so einfach Frieden. Darüber sollte man nachdenken. Paulus sagt, wir haben Zugang zur Gnade. Gerade wenn unsere inneren, unruhigen Fragen uns müde machen und unser Glaube immer wieder schwach ist, bleibt für reife und gestandene Christen oft nur dieser Trost: Jesus starb für mich. So haben wir es bei der Hofacker Konferenz wieder gehört: Jesus starb für mich. Die Gnade gilt mir. Deshalb will ich ruhig sein – egal, was morgen die Ärzte mit mir machen, egal, wie meine Mitmenschen mit mir umgehen, egal, was die Zukunft bringt.

Ich weiß nicht, wohin der Weg führt, aber Gott ist da. Das ruht felsenfest, auch wenn ich es nicht immer fühle. Es steht fest, und ich kann mich darauf verlassen. Dann werden die irdischen Sorgen wirklich sehr klein. Paulus sagt: Wir rühmen uns der zukünftigen Herrlichkeit. Wir haben schon den Blick auf die Ewigkeit Gottes und freuen uns darauf, wie es einmal sein wird, wenn wir vor Gott stehen.

Ich habe überlegt, wie ich Ihnen das in einem Bild verdeutlichen kann. Vielleicht verstehen Sie es am besten an unseren Hofmeistern, die jetzt nach Nairobi ausgereist sind, oder an unserer Frau Hofmeister, die noch nachreist. Sie hatten in den letzten Wochen hier, wenn ich es richtig weiß, nur noch ein paar Kaffeelöffel, ein Buttermesser und eine Kaffeetasse. Im Haushalt war noch ein Nachthemd, aber dann war es so ziemlich fertig. Der ganze Haushalt war schon in Nairobi im Container und lag im Hafen. Das Schiff transportierte alles pünktlich, während es mit den Visa noch Verzögerungen gab.

Jetzt leben sie dort. Doch ich habe nie gehört, dass sie gesagt hätten: „Das ist so kompliziert.“ Sie sagten vielmehr: „Das ist ja nur für kurze Zeit.“ Ihre Gedanken waren darauf gerichtet, wie sie einmal ihre neue Wohnung einrichten werden.

Liebe Schwestern und Brüder, ich wünsche mir, dass Sie viel mehr ewigkeitsbezogen leben. Dann werden die Fragen des Lebens hier in der richtigen Größenordnung betrachtet. Das, was uns heute bekümmert und Angst macht, relativiert sich. Wir rühmen uns der zukünftigen Herrlichkeit. Sicher, es geht noch durch manche dunkle Wegstrecke hindurch, die wir nicht abschätzen können, wie sie weitergeht. Aber wir rühmen uns, dass wir dort einmal neu gestaltet vor Gott stehen und er alles Schwache von uns abstreifen wird. Wir rühmen uns der zukünftigen Herrlichkeit, die Gott geben wird.

Doch nun kommt ein weiteres Problem: Christen sagen gerne, es ist doch komisch. Jetzt diene ich Gott so treu, viele Jahre, ich versuche, nach seinen Geboten zu leben. Ich habe viel Geld für ihn geopfert und Zeit in seinen Dienst gestellt. Und jetzt lässt Gott das zu, dass ausgerechnet mich dieses Leid trifft. Meine Frau stirbt, mein Kind wird krank, ich verliere meinen Arbeitsplatz. Ich habe Gott doch treu gedient. Ist Gott eigentlich ein Schuft, dass er mir so heimzahlt?

Wir sind so verankert in diesem Denken, als ob wir mit Gott Handel treiben würden. Wir bringen ihm Gaben, und jetzt muss er uns etwas zurückgeben. Doch es ist immer Gnade. Vielleicht hat Sie der Spruch schon manchmal geärgert, wenn Ihre Oma früher sagte: „Es ist Gnade.“ Manchmal klingt das komisch. Aber sie hat es wirklich eingeübt: Es ist alles Gnade. Ganz unverdient gibt Gott uns das Ziel der zukünftigen Herrlichkeit, auf das wir zuleben.

Deshalb sagt Paulus, Christen müssen Bedrängnisse erfahren. Sie müssen hindurch durch Anfechtungen. Das ist furchtbar, da möchte man gar nicht mehr Christ sein. Aber die anderen haben das auch. Man sieht immer wieder, wie unsere Zeitgenossen durch das Meer der Gleichgültigkeit fahren, wie mit einem Luxusdampfer. Fröhlich, laut, singend – alles scheint wunderbar und schön. Doch irgendwann laufen sie auf einen Eisberg auf, und das Schiff sinkt im Meer der Gleichgültigkeit.

Glauben Sie nicht, dass das Leben der Gottlosen heute wirklich irgendeine Hoffnung und Sicherheit hätte. Darum ist es gut, sich früh dem zu stellen, was unsere Welt prägt: Bedrängnisse, Leiden, Angst. Auch Christen müssen hindurch. Paulus sagt, wir sind stolz darauf, dass wir das haben. Wir rühmen uns der Bedrängnisse und erzählen davon voreinander. Nicht nur die Siegesgeschichten der Krankenheilungen und Gebetserhörungen, sondern auch die schweren Lasten, die wir tragen.

Wir sagen voreinander: „Ich trage schon jahrelang eine schwere Last mit mir. In diesen Prüfungen lerne ich ganz neu, wie Gott mich stärkt und mir seinen Frieden gibt.“ Paulus nennt eine Reihenfolge, die man sich merken muss: Aus der Bedrängnis kommt Geduld. Wenn Sie wüssten, wie schlecht ich da noch drin bin in der Geduld! Aber Gott hat das schon vorgemerkt in seinem Terminkalender. Das muss ich noch lernen.

Mit dem Mund genügt es nicht: Geduld lernen heißt warten, warten, warten – oft ohne sichtbaren Erfolg. Das ist eine Frucht des Glaubens. Aus der Geduld kommt Bewährung, aus der Bewährung Hoffnung. Hoffnung bedeutet, dass nicht alles in schönen Geschichten dieser Welt endet, sondern dass man sehnsüchtig auf die neue Welt Gottes wartet, ohne zu verzweifeln.

Paulus fügt hinzu, dass es allen offensteht, die ins Leid geführt sind – auch denen, die es in ihrem Gefühl nicht fassen können. Er spricht davon, dass die Liebe Gottes ausgegossen ist in unser Herz. Das ist eine ungewöhnliche Bibelsprache: Ausgießen, als würde Gott mit Eimern seine Liebe in unser Leben schütten, bis es überläuft und überschwappt.

Noch einmal: In den Bedrängnissen kann man kaum etwas anderes fassen als die Liebe Jesu. Darum wollen wir die Predigten immer auf diesen Punkt führen: die Liebe Jesu, die mir gilt, die Liebe Gottes, die ich fassen kann. Ich sehe Sie sonst nirgendwo in der Anfechtung. Aber dass Jesus für mich gestorben ist, das ist so überwältigend groß, und das kann ich fassen. Das soll das Letzte sein, was uns durch unsere Todesstunde begleitet.

Wir haben doch vor ein paar Wochen erlebt, wie das furchtbare Hochwasser im Moseltal oder in Köln durch die Straßen geflutet ist. So soll die Flut der Liebe Jesu unser Leben durchströmen. Glauben ist nicht nur ein Verstandesproblem, sondern das Aufnehmen der Liebe Gottes. Er liebt mich, ich will ihn lieben. Ich will das festmachen – auch in Bedrängnissen – und mich freuen, dass ich den Frieden Gottes habe und fühle.

Noch ein Letztes: Jetzt kann das Leben erst richtig beginnen. Paulus spricht das oft doppeldeutig. Er sagt, es geht bei einem Christen einmal darum, das Alte zu bewältigen. Die Schuldfrage und das Anklagende, das uns von frühester Kindheit verfolgt. Wenn jemand zum Glauben kommt, ist der erste wunderbare Schritt: Mit Gott Frieden zu haben, das Gewissen nicht mehr anklagt und die alten Lasten in Vergebung weggelegt sind.

Doch dann kommt der zweite Schritt: Das neue Leben ergreifen. Diesen Frieden Gottes nun in diese Welt hineinzutragen. Ein Dienst, auf den die Welt wartet. Sie sucht heute Menschen, die den Frieden Gottes haben – nicht nur darüber reden, sondern ihn wirklich besitzen. Menschen, die sagen können: „Wenn alles über meinem Kopf zusammenbricht, macht das nichts, ich bin in Gott geborgen.“

Was bedeutet das im Krankenzimmer, wenn andere sagen: „Sagen Sie mal, Sie sind gar nicht nervös?“ Sie wissen ja, wie es in mir aussieht. Dann können Sie das erzählen und weitersagen. Wenn eine schlimme Nachricht Sie erreicht, wenn Böses geschieht oder Ihnen Unrecht widerfährt: Haben Sie den Frieden. Gehen Sie zur Gnade und ergreifen Sie sie.

Darum spricht Paulus hier zweimal „wie viel mehr“. Er betont den zweiten Schritt. Das eine war die Schuldvergebung, die Jesus mit seinem Tod erworben hat. Nun sagt Paulus: Jesus ist auferstanden, er lebt. Wenn er schon durch seinen Tod so viel für uns gewirkt hat, wie kann er uns dann nicht auch jetzt stärken? Wie kann er uns seinen Frieden schenken, wenn wir nur einen Augenblick in einer schwierigen Besprechung aufblicken und sagen: „Herr Jesus, Amen!“?

Er ist doch da als der Lebendige. Wie viel mehr wird er uns retten durch sein Leben, heißt es in Vers 10 am Ende. Und das andere Mal, wenn Paulus sagt „wie viel mehr“, meint er, dass Gott uns schon so viel Gutes geschenkt hat, als wir böse waren und uns gegen ihn versündigt haben. Wie viel mehr wird er uns jetzt beistehen, wo wir versöhnte Kinder Gottes sind.

Wir gehen nun in eine Woche hinein, die unter großem Segen Gottes steht. Nun sind wir gerecht geworden. Ich muss Sie fragen: Sind Sie mit Gott ganz klar? Ist alles in Ihrem Leben bereinigt und bewältigt? Das muss das Erste sein. Natürlich müssen wir hindurchgehen, bis kein Stückchen Schuld mehr übrig bleibt. Sind all die Dinge geklärt, vergeben und losgelassen?

Jesus will Ihnen jetzt zusprechen, dass Sie gerecht sind. Dann haben wir Frieden. Frieden, auch wenn unser Herz noch ängstlich schlägt und sich aufwühlt, auch wenn wir äußerlich nervös sind und hin und her wackeln. Wir haben Frieden. Wir wollen singen, danken und im Lobpreis immer wieder dafür danken.

Jesus will, dass wir das ins Leben hinein umsetzen und zeigen: Wir haben Frieden! Wie sehr wartet die Welt darauf, dass Menschen Zeugnis geben vom großen, tiefen Frieden Gottes! Darauf wartet die Welt! Amen.

Die Bedeutung von Bedrängnissen im Glaubensleben

Aber nun kommt ein weiteres Problem. Christen sagen gerne: Es ist doch komisch. Jetzt diene ich Gott so treu, viele Jahre lang. Ich versuche, nach seinen Geboten zu leben, habe viel Geld für ihn geopfert und Zeit in seinen Dienst gestellt. Und jetzt lässt Gott zu, dass ausgerechnet mich dieses Leid trifft. Meine Frau stirbt, mein Kind wird krank, ich verliere meinen Arbeitsplatz. Ich habe doch Gott treu gedient. Ist Gott eigentlich ein Schuft, der mir so heimzahlt?

Wir sind ja so verankert in diesem Denken, als ob wir mit Gott Handel treiben würden. Wir bringen ihm die Gaben, und jetzt muss er uns das zurückgeben. Doch es ist immer Gnade. Vielleicht hat dieser Spruch manche schon geärgert, wenn die Oma früher sagte: „Es ist Gnade.“ Und man dachte, das sei ein komischer Spruch. Aber sie hat es wirklich eingeübt: Es ist alles Gnade. Ganz unverdient gibt uns Gott das Ziel der zukünftigen Herrlichkeit, auf das wir zuleben.

Deshalb sagt Paulus, dass Christen Bedrängnisse erfahren müssen. Sie müssen hindurch durch die Anfechtungen. Das ist ja furchtbar, da möchte man gar nicht mehr Christ sein. Aber die anderen haben das doch auch. Man sieht immer wieder, wie heute unsere Zeitgenossen durch das Meer der Gleichgültigkeit fahren wie mit einem Luxusdampfer. Fröhlich, lärmend, singend – es ist alles wunderbar und schön. Doch da ist der Eisberg. Irgendwann laufen sie auf den Eisberg auf, und dann sinkt das Schiff im Meer der Gleichgültigkeit.

Glauben Sie doch nicht, dass das Leben der Gottlosen in unseren Tagen wirklich irgendeine Hoffnung und Sicherheit hätte. Darum ist es gut, dass man sich zeitig dem stellt, was unsere Welt kennzeichnet und prägt. Dazu gehören Bedrängnisse, Leiden und Angst. Auch Christen müssen hindurch. Paulus sagt, wir sind richtig stolz darauf, dass wir das haben. Wir rühmen uns der Bedrängnisse und erzählen das voreinander.

Und nicht nur das: Wir erzählen nicht bloß die Siegesgeschichten der Krankenheilungen, die wir erlebt haben, und der Gebetserhörungen. Wir sagen auch voreinander: „Du, ich trage schon jahrelang eine schwere Last mit mir. Denn in diesen schweren Prüfungen lerne ich ganz neu, wie Gott mich stärkt und mir seinen Frieden gibt.“

Die Glaubensentwicklung durch Geduld und Hoffnung

Paulus nennt hier eine bestimmte Reihenfolge, die man sich gut merken sollte. Aus der Bedrängnis entsteht die Geduld. Wenn Sie wüssten, wie schwer es mir noch fällt, geduldig zu sein. Aber Gott hat das bereits in seinem Plan vorgesehen. Er weiß, dass auch das „Chefbuch“ noch geschrieben werden muss und dass ich Geduld lernen muss.

Es reicht nicht, nur mit dem Mund davon zu sprechen. Geduld bedeutet, immer wieder zu warten – warten ohne sofortigen Erfolg. Das ist eine Frucht des Glaubens. Aus der Geduld entsteht die Bewährung, und aus der Bewährung wächst die Hoffnung. Diese Hoffnung zeigt, dass nicht alles in dieser Welt nur schöne Geschichten bleiben, sondern dass man eine sehnsüchtige Erwartung auf die neue Welt Gottes hat. Dabei bleibt die Hoffnung, nicht enttäuscht oder zu Schanden zu werden.

Paulus fügt noch etwas Wichtiges hinzu, das zu diesem Zusammenhang gehört: Diese Erfahrung steht jedem offen, auch denen, die gerade ins Leid geführt werden. Selbst denen, die sagen, sie können es in ihrem Gefühl nicht fassen. Paulus spricht davon, dass die Liebe Gottes in unser Herz ausgegossen ist.

Die Liebe Gottes als Kraftquelle in der Anfechtung

Das ist keine klassische Bibelsprache, dieses Ausgießen, dieses Eimerweise Hineinschütten. Gott will uns seine Liebe, die er uns in Jesus zeigt, so mächtig in unser Leben hineingießen, dass sie überläuft und überschwappt.

Noch einmal: In den Bedrängnissen kann man kaum etwas anderes fassen als die Liebe Jesu. Darum wollen wir die Predigten immer auf den Punkt bringen – auf die Liebe Jesu, die mir gilt und die ich fassen kann.

Ich sehe diese Liebe sonst nirgendwo in der Anfechtung. Aber dass Jesus für mich gestorben ist, das ist so überwältigend groß, und das kann ich fassen. Das soll das Letzte sein, was uns durch unsere Todesstunde hindurch begleitet.

Wir haben das doch vor ein paar Wochen erlebt, als dieses furchtbare Hochwasser im Moseltal durch die Straßen geflutet ist, oder auch in Köln. So soll die Flut der Liebe Jesu unser Leben durchströmen.

Darum ist Glauben nicht bloß ein Verstandesproblem, sondern ein Aufnehmen der Liebe Gottes. Er liebt mich, ich will ihn wieder lieben, und ich will das festmachen, auch in den Bedrängnissen. Ich will mich freuen, dass ich den Frieden Gottes habe und fühle.

Das neue Leben im Frieden Gottes

Noch ein letztes: Jetzt kann das Leben erst richtig beginnen. Paulus spricht davon immer in einer doppelten Weise. Er sagt, es geht bei einem Christen zunächst darum, das Alte zu bewältigen.

Das bedeutet die Bewältigung der Schuldfrage und des Anklägers, der mich von frühen Kindertagen an verfolgt. Wenn jemand zum Glauben kommt, ist der erste wunderbare Schritt, dass er mit Gott Frieden hat. Das Gewissen kann ihn nicht mehr anklagen, und er kann die alten Dinge in der Vergebung loslassen.

Aber dann folgt der zweite Schritt: Ich soll das neue Leben auch ergreifen. Ich trage den Frieden Gottes nun in diese Welt hinein. Das ist ein Dienst, auf den die Welt heute wartet. Sie sucht nach Menschen, die den Frieden Gottes haben – nicht nur darüber reden, sondern ihn wirklich besitzen. Menschen, die sagen können: „Selbst wenn alles über meinem Kopf zusammenbricht, macht das nichts, denn ich bin in Gott geborgen.“

Was bedeutet das im Krankenzimmer? Wenn andere sagen: „Sagen Sie mal, Sie sind gar nicht nervös?“ Und Sie wissen ganz offen, wie es in Ihnen aussieht. Dann können Sie das erzählen und weitergeben.

Wenn eine schlimme Unglücksnachricht Sie erreicht, wenn Böses geschieht oder wenn Ihnen Unrecht widerfährt, haben Sie den Frieden. Gehen Sie dann zur Gnade und ergreifen Sie sie.

Die Kraft des lebendigen Christus

Darum spricht Paulus hier zweimal: „Wie viel mehr“. Er betont dies besonders im Hinblick auf den zweiten Schritt. Das erste war die Schuldvergebung, die Jesus durch seinen Tod erworben hat. Nun aber sagt Paulus: Jesus ist auferstanden. Er lebt!

Wenn Jesus schon durch seinen Tod so viel für uns bewirkt hat, wie kann er dann erst morgen, wenn die Menschen im Büro sitzen, nicht mehr aus- und eingehen, sie nicht stärken und ausrüsten? Wie kann er ihnen seinen Frieden schenken, wenn sie nur einen Augenblick in einer komplizierten Besprechung aufblicken und sagen: „Herr Jesus, Amen!“?

Er ist doch da als der Lebendige. Wie viel mehr wird nun er, der durch sein Leben rettet, dies tun – wie es im Vers 10 am Ende heißt: „Wir werden durch sein Leben gerettet.“

Das andere Mal, wo „wie viel mehr“ vorkommt, ist dort, wo Paulus sagt, dass Gott uns schon so viel geschenkt hat, als wir böse Menschen waren, die sich gegen Gott versündigt hatten. Gott hat uns schon so viel Güte erwiesen.

Wie viel mehr wird er uns jetzt beistehen, wo wir versöhnte Kinder Gottes sind!

Die Aufforderung zur Klärung mit Gott

Wir gehen nun in eine Woche hinein, die unter dem großen Segen Gottes steht.

Wir sind gerecht geworden. Jetzt muss ich Sie fragen: Sind Sie mit Gott ganz klar? Ist in Ihrem Leben alles bereinigt und bewältigt? Das muss das Erste sein.

Natürlich müssen wir hindurchgehen, bis kein Stückchen übrig bleibt. Sind all die Dinge geklärt, vergeben und ausgelöst? Jesus will Ihnen jetzt zusprechen, dass Sie gerecht sind. Dann haben wir Frieden.

Wir haben Frieden, auch wenn unser Herz noch ängstlich schlägt und sich erregt. Auch wenn wir äußerlich nervös hin und her wackeln, haben wir Frieden.

Wir wollen singen und sagen und im Lobpreis immer wieder dafür danken. Denn Jesus will jetzt, dass wir das ins Leben hinein umsetzen, dass wir dies im Leben zeigen: Wir haben Frieden!

Wie sehr wartet die Welt darauf! Oh, wenn sie doch ein Zeugnis des großen, tiefen Gottesfriedens geben könnte! Darauf wartet die Welt! Amen!