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Berufung der 12, Unverständnis der Angehörigen, Lästerung des Geistes

Markus 3,13-3013.05.2026
SerieTeil 9 / 9Bibelseminar: Vollkommener Diener – der Herr Jesus im Markusevangelium

Einleitung und Rückblick auf den bisherigen Abschnitt

Guten Abend, ich begrüsse alle herzlich zu diesem Bibelseminar.
Wir stehen in Markus 3. Letztes Mal haben wir mit dem zweiten Teil des Markus-Evangeliums begonnen, mit Teil 1, Markus 1,1 bis 3,6. Wir haben das Kommen des vollkommenen Dieners in diese Welt gesehen und die Verwerfung durch die Führer seines Volkes.
Letztes Mal haben wir ab Kapitel 3, Vers 7 bis 12 gelesen und gesehen, wie der Herr Jesus nun beginnt, sich den Nationen zuzuwenden, nachdem er von wichtigen Vertretern der Führerschaft Israels verworfen worden war. Wir haben gesehen: Der Herr hat gepredigt, und es kamen Leute nicht nur aus ganz Israel, sondern auch aus dem heutigen Libanon, aus Tyrus und Sidon. Wir haben auch gesehen, dass Menschen aus dem heutigen Jordanien kamen, und zwar aus dem nördlichen Teil und auch aus dem südlichen Teil.
Verschiedene Nationen waren damit vertreten, und die Menschen haben förmlich nach ihm gesucht, in einer drängenden Weise, sodass er sogar mit dem Schiff hinausfahren musste, um diesem Druck der Volksmassen etwas zu entgehen.

Die Berufung der Zwölf und ihre besondere Stellung

Und jetzt kommen wir zu Kapitel 3, Vers 13, und da sehen wir, wie der vollkommene Diener zwölf Apostel als Diener mit einer besonderen Stellung beruft. Darf ich bitten?
Und er stieg auf den Berg und rief zu sich, welche er wollte. Und sie kamen zu ihm. Und er bestimmte zwölf, die bei ihm sein sollten und die er aussandte, um zu verkündigen, und die Vollmacht haben sollten, die Krankheiten zu heilen und die Dämonen auszutreiben:
Simon, dem er den Beinamen Petrus gab, und Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und Johannes, den Bruder des Jakobus, denen er den Beinamen Boanerges gab, das heißt Donnersöhne, und Andreas, Philippus, Bartholomäus, Matthäus, Thomas, Jakobus, den Sohn des Alpheus, Thaddäus, Simon den Kananiter und Judas Iskariot, der ihn auch verriet.

Die Überforderung des Dienstes und die erste Ablehnung

Und sie traten in das Haus, und es kam nochmals eine Volksmenge zusammen, sodass sie nicht einmal Speise zu sich nehmen konnten.
Und als die, welche um ihn waren, es hörten, gingen sie aus, um ihn zu ergreifen. Denn sie sagten: Er ist von Sinnen.
Und die Schriftgelehrten, die von Jerusalem herabgekommen waren, sprachen: Er hat den Belzebul, und durch den Obersten der Dämonen treibt er die Dämonen aus.
Da rief er sie zu sich und sprach in Gleichnissen zu ihnen: Wie kann der Satan den Satan austreiben? Und wenn ein Reich in sich selbst uneins ist, so kann ein solches Reich nicht bestehen. Und wenn ein Haus in sich selbst uneins ist, so kann ein solches Haus nicht bestehen. Und wenn der Satan gegen sich selbst auftritt und entzweit ist, so kann er nicht bestehen, sondern er nimmt ein Ende.
Niemand kann in das Haus des Starken hineingehen und seinen Hausrat rauben, es sei denn, er bindet zuvor den Starken. Dann erst wird er sein Haus berauben.
Wahrlich, ich sage euch: Alle Sünden sollen den Menschenkindern vergeben werden, auch die Lästerungen, womit sie lästern. Wer aber gegen den Heiligen Geist lästert, der hat in Ewigkeit keine Vergebung, sondern er ist einem ewigen Gericht verfallen, denn sie sagten: Er hat einen unreinen Geist.

Die wahre Familie des Herrn

Da kamen seine Brüder und seine Mutter. Sie blieben aber draußen, schickten zu ihm und ließen ihn rufen. Die Volksmenge saß um ihn her.
Sie sprachen zu ihm: Siehe, deine Mutter und deine Brüder sind draußen und suchen dich.
Und er antwortete ihnen und sprach: Wer ist meine Mutter, oder wer sind meine Brüder?
Und indem er ringsumher die ansah, die um ihn saßen, sprach er: Siehe da, meine Mutter und meine Brüder. Denn wer den Willen Gottes tut, der ist mein Bruder und meine Schwester und Mutter.

Der Berg bei Kapernaum und die Bedeutung des Ortes

Jetzt geht der Herr hier auf den Berg, nicht auf einen Berg in Vers 13. Welcher Berg ist das? Ist das nicht klar? So klar, welcher Berg in Galiläa, der eben so heißt.
Schlagen wir auf Matthäus 4. Da wird erklärt, wie der Herr Jesus, bevor er seinen öffentlichen Dienst von drei Jahren begann, von Nazareth umzog nach Kapernaum. Kapernaum liegt am Nordende des Sees Genezareth, am Fuß von welchem Berg? Ja, dazu sind wir ja da, um das zu lernen: am Fuß des Berges der Seligpreisungen.
Das ist auch der Grund, warum, nachdem das beschrieben ist, der Herr dann nach Kapernaum kommt. In Matthäus 4 heißt es in Kapitel 5, Vers 1: Bitte liest du Samuel: Als er aber die Volksmenge sah, stieg er auf den Berg, und als er sich setzte, traten seine Jünger zu ihm.
Ja, auch wieder der Berg ohne weitere Bezeichnung. Das ist der Hausberg von Kapernaum. Heute nennt man ihn auf Hebräisch Har ha-Oscher, das heißt Berg der Seligpreisungen. Denn in Matthäus 5 hat der Herr sich ja gesetzt auf den Berg und hat die Volksmenge gelehrt. Er beginnt mit neun Seligpreisungen in Vers 2: Und er tat seinen Mund auf und lehrte sie und sprach: Glückselig die Armen im Geist usw. Vers 4: Glückselig die Trauernden.
Darum nennt man diesen Berg Har Haoscher, den Berg der Seligpreisungen. Und ganz typisch: Wenn der Herr eben in Galiläa ist und er spricht von dem Berg, dann weiß man sofort, das ist der Berg der Seligpreisungen.
Und jetzt eben hier auch Matthäus 3,13: Und er steigt auf den Berg und ruft Herrn zu. Damit wissen wir, dort auf diesem Berg hat der Herr die zwölf Apostel aus der Menge von Nachfolgern, von Jüngern ausgewählt. Er hat sie zu Aposteln gemacht, das wird jetzt hier nicht gesagt, sondern es wird einfach gesagt, er hat zwölf bestellt.

Auftrag, Nähe und Autorität der Apostel

Was ist das Ziel jetzt hier im Text? Sie sollen bei ihm sein. Das ist das erste Ziel: Sie sollen bei ihm sein. Das heißt, diese Jünger hatten ein ganz besonderes Vorrecht. Sie durften eine besondere, ständige Nähe zum Herrn haben und ihn in besonderer Weise begleiten.
Und zweitens: Sie sollen ausgesandt werden, um zu verkündigen. Das ist die zweite Beauftragung. Sie sollen predigen und verkündigen.
Und drittens: Sie sollen Vollmacht haben, Krankheiten zu heilen und Dämonen auszutreiben. Ja, und mit dieser Gewalt, dieser Autorität über Dämonen, sehen wir: Sie haben die gleiche Autorität wie der Herr Jesus. Wenn wir zurückdenken, in Markus 1 wird ja der Dienst des Herrn Jesus beschrieben, ab Vers 14. Aber bereits in den Versen 23 bis 28 finden wir den Herrn in der Synagoge in Kapernaum. Dort treibt er den Dämon eines Besessenen aus, und alle staunen: Woher hat er diese Autorität?
Der Herr, sehen wir, hat Autorität. Er hat Autorität über alle finsteren Mächte. Und hier sehen wir: Diese Jünger sollen Diener sein, aber auch mit Autorität ausgestattet. Und so sehen wir: Dienen und Führen, das ist kein Gegensatz. Und der Herr ist auch der Führer all dieser Jünger, die ihm nachfolgen. Und trotzdem war er der vollkommene Knecht, der sich so tief erniedrigt hat. Philipper 2,5 und folgende zeigen, dass der Herr, der von Ewigkeit her Gott ist, es nicht für einen Raub achtete, Gott dem Vater gleich zu sein. Er hat sich erniedrigt, und zwar sieben Stufen, bis zum Tod, und schliesslich nicht irgendein Tod, sondern der Tod am Kreuz. Sieben Stufen der Erniedrigung.
Aber er war gleichzeitig Führer, und wir sehen hier: Der Herr macht eben diese zwölf Jünger zu Dienern und gleichzeitig eben zu Führern. Und das ist sehr wichtig. Das Führungsverständnis in der Bibel ist so anders als in der Welt.

Biblische Leiterschaft als Hirtendienst

Wenn wir kurz 1. Petrus 5 aufschlagen, wird dort erklärt, wie Gott Führerschaft in der Gemeinde sieht. Liest du 1. Petrus 5,1?
Die Ältesten, die unter euch sind, ermahne ich als Mitältester und Zeuge der Leiden des Christus, aber auch als Teilhaber der Herrlichkeit, die geoffenbart werden soll: Hütet die Herde Gottes bei euch, indem ihr nicht gezwungen, sondern freiwillig Aufsicht übt, nicht nach schändlichem Gewinn strebend, sondern mit Hingabe, nicht als solche, die über das ihnen Zugewiesene herrschen, sondern indem ihr Vorbilder der Herde seid. Dann werdet ihr auch, wenn der oberste Hirte offenbar wird, den unverwelklichen Ehrenkranz empfangen.
Danke.
Also: Älteste sind Führer in der örtlichen Gemeinde, nicht überörtlich. Im Neuen Testament haben Älteste nur die Führungsaufgabe in der örtlichen Gemeinde. Und Petrus sagt hier, dass er die Ältesten als Mitältester anspricht. Das heißt, er war auch Ältester in einer örtlichen Gemeinde, obwohl er als Apostel einen überörtlichen Dienst hatte.
Man könnte sich manchmal fragen, ob ein überörtlicher Dienst und ein örtlicher Dienst sich grundsätzlich ausschließen. Und wir sehen: Nein, Petrus hat beides gemacht.
Dann erklärt er, wie diese Führerschaft aussieht. In Vers 2: Was ist der erste Befehl? Hüten. Und was soll gehütet werden? Eine Herde. Ja, eine Schafherde, genau. Es ist also das Ideal des Hirten, nicht des Jägers.
In der Welt sehen wir das anders. Der erste Herrscher nach der Sintflut, der in der Bibel erwähnt wird, ist Nimrod. Und sein Name heißt schon etwas. Weiß das gerade jemand? Ja, Gewaltherrscher. Das heißt, Nimrod ist wirklich eine Verbform, und sie bedeutet: „Lasst uns rebellieren.“ Er wurde ein Gewaltherrscher, genau. Von ihm heißt es in 1. Mose 10, dass er ein gewaltiger Jäger war. Er hat Tiere gejagt, und das war für ihn gewissermaßen das Übungsfeld, um zu wissen, wie man Menschen führt: als Jäger, der sie jagt und unter Druck setzt.
Aber das göttliche Ideal der Führung ist eben nicht der Jäger, sondern der Hirte. Darum hat Gott Mose 40 Jahre lang Schafe hüten lassen in der Wüste von Midian, im heutigen Nordwest-Saudi-Arabien, und dann später auf der anderen Seite des Golfs von Aqaba in der Wüste Sinai 40 Jahre lang das Volk Israel zu führen. Eben nicht als Tyrann, sondern als Hirte.
Und dann sagt Petrus hier in 1. Petrus 5,2: nicht um schändlichen Gewinns willen. Schon vorher sagt er: nicht aus Zwang, sondern aus einer inneren Freiwilligkeit und Freudigkeit heraus muss das geschehen. Und eben nicht, weil man das Geld liebt, auch nicht um schändlichen Gewinns willen, sondern bereitwillig.
Und dann ist sehr wichtig: nicht als solche, die über ihre Besitztümer herrschen. Eben nicht solche, die sich selbst dienen, sondern die der Herde dienen. Ein Hirte geht auf die einzelnen Schafe ein und dient ihnen, obwohl er der Führer ist, der Führer der Herde. Aber er dient ihnen. So sind Dienen und Führen eben kein Kontrast und kein Gegensatz.
Und er sagt weiter: sondern Vorbilder der Herde seid. Das heißt also, Führung geschieht dadurch, dass man durch Beispiel vorangeht. So ist der Herr Jesus als vollkommener Knecht vorangegangen und hat die zwölf Jünger mit sich genommen, damit sie dann wieder Vorbilder für andere sein sollten und auf diese Weise durch Vorbild führen und leiten.

Die Namen der Zwölf und ihre Besonderheiten

Ja, dann gehen wir zurück zu Markus 3. Wir haben diese Liste der zwölf Namen gelesen, und bei einigen Personen gibt es noch Zusatzbemerkungen. Können wir die zusammentragen?
Ja, Simon, so hieß er ja von zu Hause aus, und der Herr hat ihm den Beinamen Petrus gegeben, was so viel bedeutet wie Stein, Petros, Stein. Also bitte nicht übersetzen mit Fels. Denn in Matthäus 16, in einem anderen Zusammenhang, spricht Jesus über die Gemeinde, die er bauen wird, auf den Felsen. Und da sagt er eben auf diese Petra, auf diesen Felsen, Matthäus 16. Und zu Petrus sagt er: Du bist Petros. Das ist eben im Kontrast. Wenn man im Griechischen die Vokabeln Petra und Petros abgrenzen muss, dann ist Petra Fels und Petros ein Stein, nämlich ein Baustein. Er sollte ein Baustein werden für die Gemeinde.
Und da wird schon ein Hinweis gegeben, dass dieser Mann schließlich wichtig werden wird, wenn an Pfingsten die Gemeinde entstehen sollte. Und er selber wird ein Stein sein, wie alle Gläubigen. Im 1. Petrus 2 lehrt Petrus, dass alle Gläubigen Steine sind an diesem geistlichen Haus der Gemeinde, die verglichen wird mit einem Haus, einem Tempel, bestehend aus lebendigen Steinen. Also da haben wir schon diesen Hinweis.
Wer wird weiter umschrieben? Jakobus, der Sohn des Zebedäus. Genau, und dann gleich noch Johannes, sein Bruder. Ja, da wird also diese Verwandtschaftsbeziehung sehr betont, und wir sehen, dass dann auch im Weiteren in den Evangelien diese beiden Brüder immer wieder zusammen eine Rolle spielen.
Und dann haben wir aber noch mehr, zu denen wird noch mehr gesagt, noch zu Jakobus und Johannes noch mehr: ja, Boanerges. Das ist die griechische vereinfachte Aussprache von Beneiregesch, das ist aramäisch für „Söhne des Donners“. Wie kommt es dazu, dass die diesen Namen bekommen? Was können wir daraus ableiten? Nichts.
Ja, man muss sich ja selber überlegen: Wenn Leute uns so bezeichnen würden, als Söhne oder Töchter des Donners, dann würde das hinweisen, dass man vielleicht südländisches Blut oder was auch immer hat. Auf jeden Fall ein Temperament, das sehr leicht knallt.
Wir sehen in den Evangelien auch, es waren wirklich diese beiden Donnersöhne. Sie hatten den Vorschlag gemacht, dass der Herr im Gebiet von Samaria war und man wollte ihn nicht aufnehmen. Da haben sie gesagt: Sollen wir wie Elisa Feuer auf sie regnen lassen? Und der Herr sagt: Ihr wisst nicht, welches Geistes Kinder ihr seid. Also, die waren schon im Charakter nicht ganz einfach.
Aber was wir eben in den Evangelien sehen, ist, wie diese zwei verändert wurden durch den Herrn. Erstens durch ihre Bekehrung, da bekamen sie neues Leben, eine neue Natur. Aber das allein reicht noch nicht. Dadurch, dass sie dem Vorbild des Herrn Jesus nachgefolgt sind, in seinen Fußstapfen als Diener, haben sie gelernt, auch damit umzugehen.
Darum ist es schon interessant, so in der Geschichte: Als was ist Johannes bekannt? Viele, auch die, die die Bibel kaum kennen, die wissen wenigstens über Johannes vielleicht, dass er der Apostel, der Jünger war, den Jesus liebte. Aber er wird dann auch genannt der Apostel der Liebe. Denn er schreibt so viel über dieses Thema. Im Johannesevangelium, dann aber auch im 1. Johannesbrief, aber auch im 2. und 3. Johannesbrief sehen wir das so schön.
Und das zeigt uns, dass der Herr aus einem Donnersohn eben durch Formung des Charakters jemanden machen konnte, der wirklich über das Thema Lieben, Liebe zu Gott, Liebe zu den Gläubigen mit Überzeugung und mit Glaubwürdigkeit sprechen konnte.
Ja, so verändert der Herr, ohne dass der Grundcharakter ausgelöscht werden sollte. Ich meine, es hat schon auch Vorteile, wenn man ein Temperament hat. Es hat auch Vorteile, wenn man etwas zurückhaltender ist im Temperament. Der Herr kann alles gebrauchen, aber er kann eben auch Donnersöhne gebrauchen.

Weitere Namen, Herkunftsangaben und die Frage nach Judas

Weiter, welche Jünger werden noch besonders bezeichnet? Jawohl, Jakobus, der Sohn des Alpheus, damit er klar unterschieden werden kann von Jakobus, dem Sohn des Zebedäus. Darum werden die Vaternamen erwähnt.
Weiter? Genauso bei Simon, dem Kananiter. Jawohl, ja, was heißt das? Simon der Kananiter heißt es bei dir. In der Elberfelder: der Kananeer. War das ein Kananiter und kein Israelit? Nein, es ist so: Anderswo in den Evangelien wird er genannt Simon der Zelot, und Zelot heißt Eiferer. Wenn man das auf Hebräisch übersetzt, dann haben wir eben dieses Wort Kananer, das heißt Eiferer. Also ist es einfach die hebräische Version von griechisch Zelot.
Aber wer waren die Zeloten? Eine Sekte, ja, und zwar politisch, und zwar richtig problematisch. Das war also eine Sondergruppe im damaligen Judentum, die dachten: Wir müssen Rom widerstehen. Natürlich war Israel das Volk Gottes, und die Römer haben die Macht übernommen. Aber das hatte schon seinen Grund, denn das war eine Zucht Gottes über sein Volk. Und die dachten: Aber da müssen wir nachhelfen, noch bevor der Messias kommt.
Und die waren also bereit, auch Morde durchzuführen, zum Beispiel in der Volksmenge, dass plötzlich irgendeiner heruntergestochen wurde und niemand merkte, wer das war. Also das waren Terroristen! Wie? Dort wird nicht unbedingt gesagt, dass er ein Zelot ist, aber er war kriminell und er war ein Mörder. Also das ist durchaus möglich, aber muss nicht unbedingt sein. Aber da wird ausdrücklich gesagt, und das ist schon interessant, dass jemand mit einer so üblen Vergangenheit sich bekehrt hat. Und er konnte auch ein Nachfolger des Herrn werden, ein Diener, den der Herr auch völlig veränderte.
Es ist also sehr ermutigend, dass man nicht denkt: Wenn man irgendeine Vergangenheit hat, jetzt ist man in der Schublade. Nein, der Herr konnte auch einen Simon, den Kananäer, brauchen und wollte ihn auswählen für diesen besonderen Dienst.
Dann bleibt noch Judas, und er wird genannt, eben als Zusatz: Wir tragen ja immer noch zusammen, Iskariot. Ja, das ist eine Ortsbezeichnung, also aus welcher Ortschaft er kam, und Iskariot heißt eigentlich der Mann von Kariot. Und damit wird er eben unterschieden von Judas, dem Sohn des Jakobus, der kommt in Lukas 6 vor, in der anderen Auflistung der Apostel.
Ja, und ich will dir sagen, in Bezug auf Judas: Du meinst, wir können ja gerade aufschlagen Lukas 6, welchen Vers meinst du? Vers 16. Ja, ach so, du meinst Bruder des Jakobus. Es ist so, im Griechischen heißt es einfach Judas des Jakobus. Und jetzt ist die Frage, ob man einsetzen muss Sohn oder Bruder. Und die Elberfelder hat hier Judas, Bruder des Jakobus. Aber damit wird eben, wie du sagst, Judas unterschieden von diesem Jünger, der also auch noch diesen Namen hat.
Nicht wahr, wenn man vergleicht auch mit Matthäus 10, dann gibt es oder auch im Johannesevangelium gibt es gewisse Jünger, die unter mehr als einem Namen bekannt waren. Jetzt hier haben wir also Judas des Jakobus und im Gegensatz Judas Iskariot. Und was ich eben noch sagen wollte, ist Judas, der Bruder des Herrn, das ist der, der den Judasbrief geschrieben hat. Auch das war eben in der frühen Christenheit ein bekannter Name, und darum musste man die unterscheiden mit solchen Zusatzbezeichnungen.
Aber dann ganz schrecklich: der auch sein Verräter wurde. Und damit wird klar, dass der Herr also einen Mann auserwählt hatte, von dem er wusste, dass er sich am Schluss in übelster Weise gegen ihn wenden würde. Und trotzdem hat er ihn gewählt. Und diese drei Jahre, oder einfach: er war ja nicht ganz von Anfang da, aber diese lange Zeit während des dreijährigen öffentlichen Dienstes des Herrn war eine ständige Chance für diesen Mann, dass er eine echte Umkehr erleben würde.
Also der Herr hat ihm eine ganz, ganz außergewöhnliche Chance gegeben zur Umkehr, aber wusste, dass er sich schließlich gegen ihn wenden würde. Nicht weil er dazu bestimmt worden wäre, das hat er selber gewählt, aber Gott wusste es in seiner Vorkenntnis ihm voraus, dass er das sehr wohl tun würde. Und da sehen wir verborgene Leiden des Herrn, dass er von einem Freund schließlich so grausam betrogen werden sollte, dass ein Freund sich so gegen ihn wenden würde, das war ein ganz besonderer Schmerz. Und trotzdem hat der Herr im Wissen, dass es so herauskommen würde, ihn ausgewählt.

Gebet, Erwählung und der Unterschied zwischen Markus und Lukas

Und da wollen wir gleich sehen. Lies nochmals Lukas 6,12. Da sehen wir einen wichtigen Unterschied, der in Markus 3 nicht gesagt wurde. Ja, bitte:
Es geschah aber in jenen Tagen, dass er hinausging auf den Berg, um zu beten; und er verharrte die Nacht hindurch im Gebet zu Gott.
Jawohl, das wird ja nicht gesagt, dass der Herr vor dieser Wahl gebetet hatte. Und das ist wieder im Zusammenhang mit dem Charakter der Evangelien. Das Markus-Evangelium beschreibt den Herrn als Diener und wie er Diener in seine Nachfolge beruft. Aber das Lukas-Evangelium stellt den Herrn Jesus vor als den vollkommenen Menschen, und seine Abhängigkeit als Mensch kommt durch das Gebet zum Ausdruck. Darum wird in keinem anderen Evangelium so oft das Gebet gesehen wie im Lukas-Evangelium.
Weiß jemand, wie viele Stellen es gibt, wo der Herr im Lukas-Evangelium betet? Aber wirklich mit Abstand mehr als in allen anderen Evangelien. Ja, wir hatten mal Vers für Vers Lukas durchgenommen, und da haben wir auch alle diese siebzehn Stellen behandelt.
Aber das ist eben, um zu betonen: Im Lukas-Evangelium war der Herr Jesus abhängig, und auch in dieser Wahl und auch in der Wahl von Judas war er abhängig vom Vater. Und die Entscheidung war so wichtig, dass die Bibel uns sagt, dass der Herr da die ganze Nacht im Gebet verharrt hat. Ein ganz besonderes Anliegen, darum auch ein ganz besonders intensives Beten.

Die Überlastung des Dienstes und das Missverstehen durch Angehörige

Gehen wir zurück zu Markus 3 und lesen nochmals Verse 20 und 21. Und sie traten in das Haus, und es kam nochmals eine Volksmenge zusammen, so dass sie nicht einmal Speise zu sich nehmen konnten. Und als die, welche um ihn waren, es hörten, gingen sie aus, um ihn zu ergreifen, denn sie sagten: Er ist von Sinnen.
Ja, also wir haben gesehen, dass der Herr von der Elite abgelehnt wurde. Und nach einem Jahr Dienst hatten sie den ersten Mordbeschluss gefasst, Markus 3,6. Und jetzt sehen wir: Der Herr hat Jünger ausgewählt als besondere Nachfolger, auch Judas Iskariot, der ihn überliefern würde. Ein besonderer Schmerz. Und übrigens hat der Herr ihm Gelegenheit gegeben, zum Beispiel hat er ihm etwas anvertraut, die Kasse. Und das Johannesevangelium, Johannes 12, macht klar, dass er immer wieder Geld abzweigte.
Wir können sagen: Alles, was uns eben an Aufgaben und Verantwortung anvertraut ist, ist Testmaterial. Und dieses Geld war Testmaterial. Es machte deutlich, was in Judas war, was mit ihm nicht in Ordnung war. Aber das war alles, um Judas auch zu zeigen: Siehst du, du hast ein Problem. Und wenn du ein großes Problem hast, dann musst du deswegen zu dem Herrn Jesus gehen. Und er ging nicht zu ihm. Und das Problem wurde immer größer, bis die Sünde ihn vollkommen im Griff hatte.
Ab jetzt sehen wir da in den Versen 20 und 21 wieder so ein Leiden, das man nicht unbedingt auf den ersten Blick sieht. Der Dienst war intensiv. Der Diener, wissen wir von Anfang an, war der Herr Jesus so eifrig in seinem Dienst, aber jetzt auch seine Nachfolger sind eifrig. Es heißt von ihnen nämlich, dass sie nicht einmal Brot essen konnten. Es war also nicht irgendwie so ein geplantes Fasten von so viel Uhr bis so viel Uhr, sondern das war einfach automatisch im Dienst. Da ergibt sich das, dass man manchmal einfach keine Zeit hat zum Essen. Später kann man dann auch wieder essen, aber so intensiv war der Dienst.
Und dann kommen Angehörige des Herrn, und die sind der Meinung, er ist irgendwie von Sinnen. Sie haben seinen Dienst nicht verstanden. Also genau so, wie es in Apostelgeschichte 7 in der Rede von Stephanus bezüglich Mose heißt. Als Mose sich mit 40 Jahren nach seinem Volk umsah und er als Pharaonensohn den Entschluss fällen konnte, da hatte er einen Aufseher mit der Todesstrafe aus der Welt geschafft, der die Israeliten schlug. Aber später, als Mose dann wieder mit diesen Israeliten zu tun hatte, haben sich zwei gerade gestritten, und Mose wollte das schlichten. Und da sagen sie zu ihm: Wer hat dich zum Herrscher über uns gesetzt? Dann sagt Stephanus in Apostelgeschichte 7: Sie verstanden nicht, was der Auftrag von Mose war. Sie haben es nicht verstanden.
Das ist ein großer Schmerz. Und hier sehen wir das: Das hat der Herr genau so erlebt, dass Angehörige nicht verstanden, was seine Aufgabe war. Sie haben ihn so eingestuft, als wäre er, gerade weil er so eifrig war, dass er eben nicht einmal gegessen hat, irgendwie von Sinnen. Das war das. Das war, kann man sagen, eine Lästerung, aber wirklich blind.

Der Vorwurf der Schriftgelehrten und die Antwort des Herrn

Und jetzt sehen wir in den folgenden Versen eine Lästerung, die ganz bewusst war. Liest du nochmals Vers 22? Und die Schriftgelehrten, die von Jerusalem herabgekommen waren, sprachen: Er hat den Beelzebul, und durch den Obersten der Dämonen treibt er die Dämonen aus.
Genau, also da kommen führende Rabbiner aus Jerusalem. Und jetzt wird nicht mehr untersucht. Das haben wir gesehen in Markus 2, nicht wahr? Nach der Heilung des Aussätzigen wurde eine Untersuchung durchgeführt: zuerst einfach mit Zuhören und Beobachten. Dann haben wir gesehen, dass sie begannen, Fragen zu stellen, an die Jünger und an den Herrn selbst, um schliesslich zu dem Schluss zu kommen: Er ist nicht der Messias, er muss sterben.
Aber jetzt sehen wir keine Untersuchung. Sie kommen und sagen: Er ist besessen von Beelzebul. Das ist ein Name für den Satan. Und was er eben tut: Diese messianischen Wunder sind keine messianischen Wunder, sondern Wunder des Teufels.
Der Herr zeigt dann auf, dass das vollkommener Unsinn ist. Denn das würde ja bedeuten, dass der Satan sich selber bekämpft. Der Herr macht klar, liest du Vers 24: Und wenn ein Reich in sich selbst uneins ist, so kann ein solches Reich nicht bestehen. Und wenn ein Haus in sich selbst uneins ist, so kann ein solches Haus nicht bestehen.
Jawohl, also der Herr nimmt zwei Beispiele. Reich ist das Wort für Königreich, und der Teufel wird ja beschrieben als König über die Dämonen. Wenn also dieses Königreich quasi in sich zerstritten ist, so dass Satan Dämonen austreibt, anstatt sie in ihrem bösen Werk zu fördern, dann würde sein Reich gar nicht bestehen können. Es würde zusammenbrechen.
Ein völliger Unsinn, denn die Weltgeschichte zeigt genau das Gegenteil: dass dieses satanische Reich eine Einheit ist und eben schrecklich wirksam ist. Und dann sagt der Herr auch: In einem Haushalt, wenn in einem Haushalt Streit ist, dann funktioniert das Zusammenwirken nicht, und es geht alles nur noch abwärts. Es kann nicht bestehen, das Haus.
Also zeigt er: Es ist vollkommen unlogisch, völlig gegen jegliche Logik, ihre Behauptung.

Der wahre Hintergrund der Lästerung und die Warnung vor der unvergebbaren Sünde

Was hier nicht gesagt wird, erfahren wir aber aus Matthäus 12. Was war nämlich der Anlass, dass diese Schriftgelehrten das sagten? Auswendig bewusst? Ja, also auch wieder, das sagen Sie auch hier, nicht wahr? Er hat den Beelzebul, das wäre eine Bezeichnung für Satan.
Aber in Matthäus 12 erfahren wir eben noch die genauen Umstände, warum sie das sagten. Er heilte einen Besessenen, der blind und stumm war. Ja, Matthäus 12,22-23, du kannst gerade vorlesen, 22, 23.
Da wurde ein Besessener zu ihm gebracht, der blind und stumm war. Und er heilte ihn, so dass der Blinde und Stumme sowohl redete als auch sah. Und die Volksmenge staunte und sprach: Ist dieser nicht etwa der Sohn Davids?
Ja, das ist nun sehr interessant. Das war nicht einfach ein Besessener, sondern ein Besessener, der blind und stumm war. Und es ist so: Die Rabbiner haben gelehrt, und das findet man auch in der rabbinischen Überlieferung im Talmud, dass, wenn man einen Dämon austreiben will, man zuerst möglichst den Namen erfahren müsse und dann diesen Dämon mit Namen austreiben könne, und das natürlich möglichst im Namen Gottes oder im Namen einer besonderen Persönlichkeit in der Bibel, zum Beispiel im Namen von König Salomo. Ich sage nicht, dass sie das irgendwo richtig gemacht hätten, sondern ich sage nur, was gelehrt wurde.
Wir haben ja zum Beispiel ein Beispiel bei einem führenden Priester, Skepha, und seine Söhne. Die werden beschrieben in Apostelgeschichte 19. Die haben auch versucht, Exorzismus zu betreiben, und dann haben sie eine neue Idee gehabt. Die haben gesagt: Ich beschwöre dich bei dem Jesus, den Paulus predigt. Das ging dann ziemlich schief. Der Besessene ging auf sie los und riss ihnen die Kleider vom Leib. Aber eben, das war genau nach dieser Lehre: irgendein besonders wichtiger Name. Und sie waren gar nicht gläubig, aber sie dachten: im Namen von Jesus, den Paulus predigt. Und das ging schief.
So wurde das gemacht. Und dann weiter haben die Rabbiner gesagt: Aber eben, das Problem ist ein stummer Besessener. Da wird man nie erfahren, wie der Name des Dämons ist. Und dann hat man ein Problem. Wie will man den Namen sagen und gebieten? Und damit war klar: Besessene, die stumm waren, die waren ein besonderes Problem.
Und tatsächlich, in Markus 9 können wir das kurz aufschlagen, wird das auch bestätigt durch den Herrn selbst. Da geht es um einen anderen Fall von Besessenheit: ein Kind, und die Jünger konnten den Dämon nicht austreiben. Aber wir lesen dann in Markus 9,28-29:
Und als er in ein Haus getreten war, fragten ihn seine Jünger für sich allein: Warum konnten wir ihn nicht austreiben? Und er sprach zu ihnen: Diese Art kann durch nichts ausfahren, außer durch Gebet und Fasten.
Also Gebet und Fasten, so ist das im Mehrheitstext bezeugt. Und er sagt: diese Art. Und im Zusammenhang geht es eben auch um einen Stummen, nicht wahr? In Vers 25:
Als aber Jesus sah, dass eine Volksmenge zusammenlief, gebot er dem unreinen Geist ernstlich, indem er zu ihm sprach: Du stummer und tauber Geist, ich gebiete dir, fahre von ihm aus und fahre nicht mehr in ihn.
Also ganz eindrücklich: Der Herr konnte das, ohne dass er sich auf einen Namen berufen musste. Er sagte hier nämlich: Ich gebiete dir. Und im Griechischen ist „ich“ betont, ego wird noch zusätzlich gesagt: „ich gebiete dir“. In der Elberfelder ist das kenntlich gemacht durch Kursivdruck: „Ich gebiete dir“. In seiner eigenen Autorität konnte er das. Und er hat diesen stummen Besessenen befreit.
Also, diese Art ist ganz besonders hartnäckig, und der Herr sagt: Diese Art fährt gar nicht aus ohne intensives Gebet, in diesem Fall Gebet und Fasten. Fasten bedeutet eben, dass man auf das Essen verzichtet, damit man noch mehr Zeit hat, um intensiv für die Angelegenheit zu beten.
Und nun die Volksmenge in Matthäus 12, wir sind ja da ausgegangen, die reagiert absolut korrekt. Was sagen die nämlich? Er ist der Messias. Ja, also sie stellen es als Frage: Dieser ist doch nicht etwa der Sohn Davids. Also sie können es ja fast nicht fassen. Das müsste ja eigentlich so sein. Aber wie geht das? Die Führer sagen, das ist durch den Teufel geschehen, obwohl sie eigentlich von den Führern gelernt haben: Das ist ja genau das, was niemand kann. Und er kann es.
Und das war eben nicht Blindheit, sondern diese Führer, die da gekommen waren, die hatten das ganz bewusst gemacht. Die haben den Herrn wirklich in ihrem Hass vollkommen und definitiv abgelehnt. Und darum sagt der Herr dann in der Folge, Vers 28 und 29, wenn du nochmals liest:
Wenn ich aber die Dämonen durch den Geist Gottes austreibe ...
Nein, jetzt bin ich schon zurückgekehrt zu Markus 3, Verzeihung.
Wahrlich, ich sage euch: Alle Sünden sollen den Menschenkindern vergeben werden, auch die Lästerungen, womit sie lästern. Wer aber gegen den Heiligen Geist lästert, der hat in Ewigkeit keine Vergebung, sondern er ist einem ewigen Gericht verfallen. Denn sie sagten: Er hat einen unreinen Geist.

Die Verbindung zu Hebräer 10 und die Bedeutung der bewussten Verwerfung

Also, hier spricht der Herr von einer unvergebbaren Sünde. Das kann einen erschrecken, aber es muss einen nicht erschrecken. Das ist einfach vollkommen logisch. Wenn jemand den Herrn definitiv ablehnt und damit auch das Opfer am Kreuz definitiv ablehnt, dann gibt es keinen anderen Weg, wie man Vergebung bekommen kann. Denn Jesus und sein Opfer sind der einzige Weg, wie wir mit Gott ins Reine kommen können, wie wir mit Gott versöhnt werden können. Und wenn man diesen Weg ablehnt, und zwar definitiv und bewusst, dann gibt es keinen Ausweg. Dann ist man ewiger Sünde schuldig, wie es hier in Vers 29 heißt.
Ist das das, was in Hebräer 6 beschrieben wird? Ja, sehr gut, dass du das jetzt erwähnst. Wir finden dieses Phänomen eben in den Evangelien, bei diesen Stellen, wo es um die Lästerung des Geistes geht. Das ist aber nicht einfach blindes Schlechtreden über den Heiligen Geist, sondern das ist eben diese bewusste Ablehnung, obwohl man genau weiß: Er ist der Retter. Und man will es nicht und lehnt ihn definitiv ab. Und das entspricht tatsächlich dem, was wir in Hebräer 6 und 10 finden.
Du hast Hebräer 6 erwähnt. Ich würde vorschlagen, dass wir gerade mit Kapitel 10 beginnen. Dann wird nämlich noch klarer, worum es sich hier handelt. An wen wurde der Hebräerbrief geschrieben? Das ist jetzt bewusst eine dumme Frage, aber man muss sie beantworten, bevor man das anschaut. Und ganz dumm ist sie nicht. Denn wenn wir auf Deutsch Hebräer sagen, ist das ein bisschen seltsam, weil wir normalerweise sagen: das ist der Brief an die Juden. Im Italienischen sagt man nicht Judeo für einen Juden, sondern Hebräer, wie Hebräi. Das sind die Juden, aber man sagt immer die Hebräer, das ist der normale Ausdruck auf Italienisch. Und für Jelena ist, wenn man über den Hebräerbrief spricht, sofort klar: Das ist eben der Judenbrief. Auf Deutsch muss man das noch ein bisschen erklären.
Also, im Hebräerbrief geht es um Juden, die glaubten, dass Jesus der Messias ist. Aber der Hebräerbrief macht klar, dass eben nicht bei allen klar war, ob sie sich wirklich bekehrt hatten, ob sie völlig durchgedrungen waren oder nicht. Darum erklärt der Hebräerbrief: Es gibt eine Gefahr. Es kann sein, dass jemand erkannt hat: Jesus ist der Messias, sich aber nicht wirklich bekehrt hat, sodass er schließlich zu dem Punkt kommt, wo er Jesus Christus als Messias bewusst und definitiv verwirft.
Und das sehen wir jetzt in Kapitel 10. Lies nochmals Vers 26:
Denn wenn wir mutwillig sündigen, nachdem wir die Erkenntnis der Wahrheit empfangen haben, so bleibt für die Sünden kein Opfer mehr übrig, sondern nur ein schreckliches Erwarten des Gerichts und ein Zorneseifer des Feuers, der die Widerspenstigen verzehren wird.

Hebräer 10 und das alttestamentliche Vorbild des vorsätzlichen Ungehorsams

Ja, also hier wird gesagt, dass wir willentlich sündigen, und damit ist gemeint, dass wir Jesus Christus ganz bewusst verwerfen. Ich beweise das nachher noch mit weiteren Versen. Er sagt hier im Hebräerbrief: nachdem wir die Erkenntnis der Wahrheit empfangen haben. Er sagt nicht: nachdem wir Kinder Gottes geworden sind. Er sagt nicht: nachdem wir von Neuem geboren worden sind. Sondern er sagt: nachdem wir die Erkenntnis der Wahrheit empfangen haben.
Und das ist das Erste. Jesus sagt in Johannes 16,8, dass der Heilige Geist die Welt überführen wird von Sünde und von Gerechtigkeit und Gericht. Der Heilige Geist wirkt an Menschen, damit ihnen überhaupt die Augen über ihre eigene Sünde aufgehen. Aber damit sind sie noch nicht bekehrt. Es gibt Leute, die sagen: Ja, ich bin wirklich ein Sünder. Und ja, ich glaube eigentlich, dass Jesus Christus die einzige Antwort darauf ist. Aber sie haben das nicht bewusst für sich in Anspruch genommen. Sie sind erst erweckt oder, man könnte sagen, erleuchtet.
Nachdem wir die Erkenntnis der Wahrheit empfangen haben. Und dann sagt er: So bleibt kein Schlachtopfer für Sünden mehr übrig, sondern ein gewisses furchtvolles Erwarten des Gerichts. Das heißt: Wenn wir Jesus Christus und sein Opfer ablehnen, dann gibt es kein anderes Opfer mehr. Es gibt nur das eine. Aber wenn man das verwirft, dann ist man verloren. Das ist logisch.
Und dann kommt ein ganz wichtiges Beispiel aus der Tora, aus dem Gesetz. Liest du Verse 28 und 29? Wenn jemand das Gesetz Moses verwirft, muss er ohne Erbarmen sterben, auf die Aussage von zwei oder drei Zeugen hin. Wie viel schlimmere Strafe, meint ihr, wird derjenige schuldigerachtet werden, der den Sohn Gottes mit Füßen getreten und das Blut des Bundes, durch das er geheiligt wurde, für gemein erachtet und den Geist der Gnade geschmäht hat?
Ja, jetzt geht es hier um das Verwerfen des Gesetzes Mose. Es gibt ein Kapitel im Alten Testament, das behandelt ganz speziell das Sündigen mit erhobener Hand. Weiß jemand gerade, welches Kapitel das ist? 4. Mose 15. Und ganz wichtig: Das ist übrigens das Kapitel direkt vor 4. Mose 16. Das ist normal, das ist mathematisch so bedingt. Aber 4. Mose 16, da muss es einem gerade eben läuten. Das ist das Kapitel von diesem Aufstand, diesem frechen Aufstand von Korah und seiner Rotte, die dann unter das Gericht Gottes gekommen sind.
Also, in 4. Mose 15 wird klargemacht, dass, wenn jemand aus Versehen sündigt, er ein Opfer bringen kann. Und dieser Ausdruck, man kann sich das merken, vielleicht aufschreiben und dann mit einer Konkordanz zusammensuchen, eben „sündigen aus Versehen“, so in der Elberfelder übersetzt, wird eigentlich von allen Sünden gesagt, von den Israeliten, wenn sie dann ein Opfer bringen können und Vergebung bekommen: Sünden aus Versehen. Aber das meint nun nicht, dass nur dann, wenn jemand gesündigt hat und er eigentlich gar nicht merkte, dass es Sünde war. Also, Hand aufs Herz, das gibt es ja, wo wir wirklich nicht richtig im Klaren waren: Ist das jetzt richtig, ist das falsch? Man merkt trotzdem, er hat gesündigt. Aber auch eindeutige Dinge werden in der Bibel als Sündigen aus Versehen genannt.
Der Kontrast dazu ist Sündigen mit erhobener Hand. Und das bedeutet in 4. Mose 15, dass jemand das Gesetz Mose, den Gott Israels, ganz bewusst und definitiv verwirft, wirklich ein Frevler, der bewusst nichts mehr damit zu tun haben will. Und der musste sterben. Hier wird gesagt im Hebräerbrief: Jemand, der das Gesetz Moses verworfen hat, stirbt ohne Barmherzigkeit auf die Aussage von zwei oder drei Zeugen. Und dann sagt er: Aber jetzt ist es alles noch viel schlimmer. Wenn jemand das Gesetz Moses verworfen hat, das war sehr schlimm, aber wenn jemand den Sohn Gottes mit Füßen tritt, und das haben diese Pharisäer, diese Gesetzesgelehrten aus Jerusalem in diesem Fall gemacht. Das waren nicht alle Rabbiner, sondern das waren die, die von Jerusalem herabgekommen waren. Die haben den Herrn definitiv verworfen, und der Herr sagt: Dann gibt es keine Vergebung mehr. Und hier wird gesagt: Wenn sie so den Sohn Gottes mit Füßen treten und den Geist der Gnade schmähen, dann gibt es eben keine Vergebung mehr.
Aber diese Stelle dürfen Kinder Gottes nicht auf sich beziehen. Da geht es um solche, die eben nicht wiedergeboren sind, die nur erleuchtet waren und auch nichts mehr von Jesus Christus wissen wollen. Aber jedes Kind Gottes, das meint: Ja, ich habe das wahrscheinlich gemacht, diese Sünde, jetzt habe ich keine Vergebung mehr. Und wenn man sie fragt: Ja, möchtest du zum Herrn? Ja, natürlich. Ja, und hast du um Vergebung gebetet? Ja, natürlich, mehr als einmal. Ja, aber das sind nicht die, die den Herrn definitiv verworfen haben. Die wollen ihn auch gar nicht mehr.
Und das führt uns jetzt zu Hebräer 6, muss aber noch ein kleines schwieriges Detail erklären. In Vers 29 heißt es: den Sohn Gottes mit Füßen getreten und das Blut des Bundes, durch das er geheiligt worden ist, für gemein erachtet. Aber da wird doch gesagt, die sind nicht nur erleuchtet, haben die Erkenntnis der Wahrheit, und wie gesagt, die waren geheiligt durch das Blut des Bundes. Jetzt könnte man sagen, dann waren die doch gerettet. Aber es ist ganz wichtig: Heiligen in der Bibel oder heilig sein, was bedeutet das ganz genau?
Das hebräische Wort „kadosch“ heißt heilig und heißt abgesondert, also vom Bösen weg, vom Bösen abgesondert. Und das griechische Wort „hagios“ hat genau die gleiche Grundbedeutung: abgesondert vom Bösen. Und jetzt ist es so: Die wahren Gläubigen, die werden auch geheiligt genannt, natürlich. 1. Korinther 1, der Brief geht an die Korinther, den Geheiligten in Christus Jesus. Aber heilig bedeutet in der Bibel nicht immer gerettet. Wo haben wir im Neuen Testament heilige Menschen, die verloren sind? 1. Korinther 7. Wie ein Maschinengewehr: 1. Korinther 7.
Der Apostel Paulus sagt zu einer Frau, die einen ungläubigen Mann hat, oder im umgekehrten Fall, dass der Ehepartner eben geheiligt ist, der Ungläubige durch den Gläubigen. Was heißt jetzt das? Ja, Paulus sagt in demselben 1. Korinther 7, dass eure Kinder ja auch heilig sind. Das heißt also: Kinder von gläubigen Eltern. Die sind heilig, auch wenn sie noch nicht bekehrt sind, und zwar heißt das abgesondert. Die haben ein besonderes Vorrecht. In einer christlichen Familie aufzuwachsen, ist ein besonderes Vorrecht, um sich bekehren zu können. Die kommen unter so einen starken Einfluss des Wortes Gottes, des Wirkens des Heiligen Geistes, das Beispiel und Vorbild von Gläubigen, dass sie eben in einer besonderen Weise abgesondert sind.
Und ein ungläubiger Ehemann genau gleich: Der steht ständig unter dem Einfluss, nicht dass die Frau ständig reden sollte. Das wird gerade gesagt in 1. Petrus 3, nachdem man eben schon genug geredet hat, dass man auch ohne Worte den ungläubigen Mann gewinnen soll durch den Wandel. Aber eben, er hat eine besondere Chance und ist darum geheiligt.
Und jetzt die Hebräer: Das waren also messiasgläubige Juden, und die haben sich bereits zu Jesus Christus als Messias bekannt. Aber dann passiert etwas. Also wenn man in einer orthodoxen Familie aufwächst und es kommt der Tag, wo man den Eltern oder den Geschwistern eröffnet: Ich glaube, dass Jeschua der Maschiach ist, der Messias, was passiert? Ja, das ist die Katastrophe. Dann wird man eben die Familie verlassen müssen. Oder wenn man im Studium ist: Ich hatte einen Freund, der ist aufgewachsen in einer orthodoxen Familie in Zürich. Als Zahnmedizinstudent hat er sich bekehrt, und die Eltern haben das erfahren, und dann konnte er selber schauen, wie er das Studium finanziert. Da wird man abgesondert.
Also, das Bekenntnis reicht. Dann ist man geheiligt. Wenn man sagt, das Blut war nicht das Blut von einem Verbrecher am Kreuz, den der Sanhedrin eben verwerfen musste, weil er ein falscher Messias war, sondern sagt: Nein, das war der Messias, dann ist man sofort durch das Blut geheiligt, abgesondert. Diese Hebräer haben sich eben dazu bekannt, und der Hebräerbrief warnt ab jetzt: Ihr müsst wirklich zur Bekehrung durchdringen, sonst kann der Tag kommen, wo ihr euch definitiv entscheidet, den Messias zu verwerfen.

Hebräer 6: Erleuchtung, Geschmack und Teilhabe als Vorstufen

Jetzt gehen wir zu Hebräer 6,4. Denn es ist unmöglich, die, welche einmal erleuchtet worden sind und die himmlische Gabe geschmeckt haben und teilhaftig geworden sind des Heiligen Geistes und das gute Wort Gottes geschmeckt haben, dazu die Kräfte der zukünftigen Weltzeit, und die dann abgefallen sind, wieder zur Buße zu erneuern, da sie für sich selbst den Sohn Gottes wiederum kreuzigen und zum Gespött machen.
Danke. Also, hier wird über Leute gesprochen, die waren. Können wir es zusammentragen? Erstes Kennzeichen: erleuchtet. Merken wir wiederum: nicht wiedergeboren, nicht Kinder Gottes geworden. Das wären eindeutige Ausdrücke, sondern erleuchtet. Das entspricht genau Hebräer 10,26, da wir die Erkenntnis der Wahrheit bekommen haben, erleuchtet.
Zweiter Punkt: himmlische Gabe geschmeckt. Drittens: teilhaftig des Heiligen Geistes. Genau. Und drittens nein, noch Feuer. Noch vorher, nochmals: geschmeckt. Ja, also was haben sie geschmeckt? Das gute Wort Gottes. Zweitens: die Kräfte der zukünftigen Weltzeit, ja, Kräfte oder die Wunderwerke des zukünftigen Zeitalters. Und dann abgefallen.
Ja, jetzt ist wichtig: Es geht ständig um so eine halbe Sache, so einen Anfang. Erleuchten ist der Anfang, aber noch nicht die Bekehrung und Wiedergeburt. Und dann schmecken, die himmlische Gabe schmecken. Also beim Essen kommt ja, bevor man isst, schmeckt man. Und Gott hat es so eingerichtet, wenn wir essen, dass wir zuerst schmecken mit unserem Geschmacksorgan, der Zunge und des Gaumens. Wunderbar eingerichtet, dass man zuerst mal prüft, ob das, was man isst, wirklich essbar ist. Und zweitens, dass man an dem, was eben gut ist, sogar noch Freude hat.
Gott hätte es einrichten können, dass wir einfach so einen Schlauch, schon aus Fleisch, hätten, so einen Sack, und da kann man dann einfach stopfen. Das macht keine Freude. Aber Gott wollte, dass das Essen Freude macht. Darum hat er uns das gegeben, die Möglichkeit eben zu schmecken und dann zu essen. Aber im Fall, wenn etwas eben doch auffällt, das entspricht nicht, dann hat man die Möglichkeit, das alles noch auszuspeien.

Der Unterschied zwischen bloßem Mitbekommen und echter Aneignung

Ja, Samuel, du wolltest schon längst etwas sagen. Du hast jetzt gesagt, das seien nur so halbe Sachen. Aber beim Schmecken ist es ja so, dass es in Hebräer 2,9 heißt, dass Jesus den Tod geschmeckt hat, und zwar mit demselben griechischen Wort. Und das war auch keine halbe Sache.
Genau, in Hebräer 2,9 heißt es, dass der Herr Jesus den Tod in seiner ganzen Schrecklichkeit und Bitterkeit geschmeckt hat. Das heißt, der Herr Jesus ist nicht nur gestorben, sondern er hat das Sterben in seiner ganzen Schrecklichkeit erlebt, indem die Menschen ihn gekreuzigt haben und was das alles mit sich brachte. Und indem Gott sein Gericht über ihn ausgoss, sein Zorngericht in den drei Stunden der Finsternis, und ihn verlassen hatte.
Der Herr hat also den Tod wirklich geschmeckt, in seiner ganzen Schrecklichkeit, und ist dann auch in den Tod gegangen. Und das wollte ich ja sagen: Das ist das Normale beim Essen, dass wir schmecken und dann essen. Das gehört zusammen. Aber das ist nicht zwingend. Wir können eben auch nur schmecken und dann ausspeien.
Und jetzt in Hebräer 6 geht es eben darum, dass jemand etwas mitbekommen hat. Er ist erleuchtet. Aber das ist eben nur ein Anfangsteil, das ist nicht das Ganze. So müsste es heißen: erleuchtet, bekehrt, Buße, Wiedergeburt. Aber es heißt nur erleuchtet.
Und dann haben die eben auch mitbekommen, wie wunderbar die himmlische Herrlichkeit ist mit dem Messias Jesus. Die haben eine Ahnung davon bekommen, geschmeckt die himmlische Gabe. Dann haben sie auch diese machtvolle Verkündigung, das Wort Gottes von dem Messias Jesus, geschmeckt und mitbekommen. Und sie haben mitbekommen, wie die Apostel Zeichen und Wunder getan haben.
Die Wunderwerke des zukünftigen Zeitalters, all diese Krankenheilungen und so weiter und Totenauferweckungen, waren eben ein Hinweis auf das tausendjährige Friedensreich. Wenn der Messias einmal regieren wird, dann wird es keine Kranken mehr geben. Im tausendjährigen Reich wird man die Spitäler abschaffen, nicht mehr nötig.
Und die Wunder im Neuen Testament, in der Apostelgeschichte, die waren ein Vorgeschmack von dem künftigen Zeitalter. Das heißt also nicht, dass mit den Aposteln und mit dem Neuen Testament plötzlich Spitäler nicht mehr nötig sind. Darum sind die Spitäler geblieben durch alle Jahrhunderte, auch durch das Christentum hindurch bis heute, weil das nicht das Eigentliche war. Diese Wunder waren nur der Hinweis auf das tausendjährige Reich. Dann wird es normal werden.
Aber das haben sie alles mitbekommen, geschmeckt. Und darum hat hier eben Schmecken wirklich im Zusammenhang den Sinn, nicht, dass sie das völlig gegessen haben, sondern dass sie es mitbekommen haben. Aber im Fall des Herrn, in Kapitel 2, da hat er die Schrecklichkeit des Todes in seiner ganzen Bitterkeit empfunden und ist in den Tod gegangen.
Aber hier geht es eben nur um Erleuchtung, und darum betont Schmecken die himmlische Gabe: etwas davon mitbekommen. Und jetzt wird es noch deutlicher: teilhaftig Heiligen Geistes.
Es gibt auf Griechisch zwei Wörter für teilhaben. Das eine ist innerlich verbunden, und metecho, wie hier, das ist Anteilhaben. Das ist also viel schwächer, dieses Anteilhaben, als koinoneo. Beides kommt im Neuen Testament vor. Es ist ganz wichtig, den Unterschied zu beachten.
Hier ist es noch so, dass vor Heiligen Geist der Artikel nicht steht, nicht der Heilige Geist, sondern einfach Heiliger Geist. Darum ist es in der Elberfelder kursiv: „Heiligen Geistes teilhaftig geworden sind“, nicht kursiv, sondern kleingedruckter Artikel. Den kann man weglassen und lesen: „und Heiligen Geistes teilhaftig geworden sind“.
Wenn steht „der Heilige Geist“, ist die Betonung stark auf der Person, Gott, der Heilige Geist. Wenn steht „Heiliger Geist“ ohne Artikel, wie oft im Neuen Testament, dann wird die Betonung anders gesetzt. Sie waren erleuchtet, haben die Erkenntnis der Wahrheit bekommen. Und so sind sie teilhaftig Heiligen Geistes.
Das bedeutet nicht, dass sie mit dem Heiligen Geist versiegelt worden sind und dass der Heilige Geist innewohnend ist, wie das nach der Bekehrung geschieht. Nach der Bekehrung antwortet Gott mit der Versiegelung, Epheser 1,13-14. Das ist jetzt wichtig, das ist also nur dieser Anfang.
Dann heißt es, dass sie, wenn sie dann abgefallen sind, nicht wieder eine Erneuerung bewirken können zur Buße und den Sohn Gottes für sich selber kreuzigen, ihn zur Schau stellen. Das heißt also wirklich: Die sagen, Jesus Christus hat die Kreuzigung verdient, er war ein falscher Messias. Das ist dieses definitive, bewusste Verwerfen.
Und darum sagt der Apostel hier, sie können dann nicht wieder zur Buße erneuern. Warum? Die wollen auch gar nicht.

Seelsorge, Gewissensnot und die Einladung zum Kommen

Und jetzt ist es ganz wichtig, wenn man mit wahren Gläubigen konfrontiert ist, die an dieser Stelle kämpfen. Und es gibt ganz viele. Das hat sogar zugenommen. Gerade in der Corona-Zeit habe ich das gemerkt. Da sind seelsorgliche Anfragen gekommen wie noch nie. Irgendeine Verunsicherung sonst in der Gesellschaft und im Leben, und dann plötzlich auch eine Verunsicherung in anderen Gebieten.
Da muss man einfach ganz logisch argumentieren. Wenn man das nicht macht, kriegt man Leute nicht mehr aus der Klinik. Aber ich habe das zum Beispiel mit einem gemacht. Er war in der Klinik und hat gesagt, das bezieht sich auf mich. Ich habe gesagt: Hast du es bereut? Ja. Mir war ja klar, dass er es bereut hat, aber in der Seelsorge muss man Dinge fragen, die man schon weiß, manchmal. Also: Hast du es bereut? Ja, ja, und mehrmals. Klar, die bekennen das dauernd, so läuft das, und immer dreht sich das im Kreis. Ja, und dann konnte ich ihm sagen: Das geht dir gar nicht, du kannst dir gar nicht Buße tun. Hier steht, die Königin könne Buße tun, und du kannst. So kann man das erklären.
Und dann kommt noch dazu: In Römer 3,10 heißt es, da ist keiner, der Gott sucht. Keiner von uns wäre je auf die Idee gekommen, Gott zu suchen. Und trotzdem haben wir begonnen, Gott zu suchen. Woher kommt das? Ja, Römer 2,4 sagt, dass die Güte Gottes, seine Langmut, uns zur Buße leitet. Gott zieht zur Buße hin. Und dann kann man beweisen: Siehst du, der Herr will dich, er hat dich nicht verworfen. Sonst könntest du gar nicht das Verlangen haben, zu ihm zu kommen.
Und dann gilt Johannes 6,37: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen. Da steht es. Also, wer kommt, der wird nicht verloren gehen, der wird angenommen. Aber wer nicht kommt, geht verloren, das ist logisch. Und wer das Opfer nicht will, der geht verloren, denn einen anderen Weg gibt es nicht. Es ist eigentlich ganz einfach.
Aber wenn man eben mal schon da drin ist, dann nützt das Logische fast nichts mehr. Da muss man es halt wiederholen, nochmals, und ja, es braucht dann viel Geduld. Aber der kam aus der Klinik raus, und auch andere haben das erlebt, dass sie aus diesem Karussell wirklich aussteigen können. Und man muss ihnen sagen: Das ist nicht biblisch, was du sagst. Das widerspricht der Schrift. Du hast Buße getan, und du sagst, ich kann nicht mehr Buße tun. Natürlich, hier geht es um solche, die den Herrn auch gar nicht wollen. Und wenn man ihn will, dann muss man überhaupt nicht verzweifeln, sondern eben zu dem Herrn kommen.

Schluss

Ja, wollen wir hier schließen?

Vielen Dank an Roger Liebi, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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