Zum Inhalt

Ratschläge an Jünger – Teil 5

Jesu Leben und Lehre, Teil 600/652
17.08.2025Lukas 17,7-10
SERIE - Teil 600 / 652Jesu Leben und Lehre

Gott wird Mensch: Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter ist, Weg, Wahrheit und Leben.

Episode 599: Ratschläge an Jünger, Teil 5

Einführung in das Thema Glaube und die Bitte der Jünger

Kommen wir zu einem Gleichnis mit einer Anwendung, das unser Thema Glaube abschließt. Im Hintergrund steht immer noch der Wunsch der Jünger, wie er in Lukas 17,5 zu finden ist: „Und die Apostel sprachen zu dem Herrn: Mehre uns den Glauben.“

Wir können nur vermuten, warum sie darum bitten. Die Antwort des Herrn Jesus lässt jedenfalls darauf schließen, dass sie sich mehr Glauben für sich selbst, für ihre Reputation beziehungsweise ihren geistlichen Erfolg wünschen.

Beim Glauben gibt es nämlich zwei Seiten. Auf der einen Seite sind dem Glaubenden alle Dinge möglich. Dabei sollte man jedoch die Einschränkungen bedenken, die bei so einer Aussage immer mitschwingen – Episode 598 lässt grüßen.

Auf der anderen Seite ist alles, was wir im Glauben erreichen, auch nur das, wozu Gott uns befähigt hat. Oder anders gesagt: Mit dem Glauben kommt auch die Schuldigkeit vor Gott, dieses Vertrauen mit Leben zu füllen.

Einerseits ist ein Glaubensleben also eine große Chance, andererseits aber auch eine Bindung. Wenn wir uns, wie die Jünger, mehr Glauben wünschen und Gott uns dann darin unterstützt, dass unser Glaube tatsächlich reif wird, handelt es sich dabei immer noch um ein Vertrauen in Gott.

Der reife Glaube ist also ein Glaube, der mehr auf Gott vertraut und sich dadurch intensiver an Gott bindet. Reifer Glaube lässt es zu, dass Gott mich mehr für seine Ziele gebraucht.

Dieses Wissen – also das Wissen, dass ich bei allem Erfolg nur ein Werkzeug Gottes bin – soll mich als Jünger Jesu nachhaltig prägen.

Die Geisteshaltung im Dienst für Gott

Die Frage, die Jesus hier behandelt, lautet also: In welcher Geisteshaltung sollen wir Gott dienen?

Dies gilt besonders dann, wenn wir ein reifes Glaubensleben besitzen und Gott uns tatsächlich gebraucht, um sein Reich sichtbar zu bauen.

Das Gleichnis vom Sklaven und seinem Herrn

 Lukas 17, Verse 7 bis 9:

Wer aber von euch hat einen Sklaven, der für ihn pflügt und hütet? Wenn dieser vom Feld hereinkommt, wird er zu ihm sagen: „Komm und leg dich sogleich zu Tisch!“?

Nein, vielmehr wird er zu ihm sagen: „Richte zu, was ich zu Abend essen soll, und gürte dich und diene mir, bis ich gegessen und getrunken habe. Danach kannst du selbst essen und trinken.“

Dankt er dem Sklaven etwa dafür, dass er das Befohlene getan hat? Ich meine nicht.

Dieses Beispiel wirkt auf uns vielleicht etwas befremdlich, weil der Herr hier – zumindest nach meinem persönlichen Verständnis – etwas unhöflich erscheint. Auch wenn die Lebenswirklichkeit dieses Gleichnisses uns heute fremd ist, verstehen wir dennoch, worum es geht.

Hier wird ein Sklave beschrieben, der seine täglichen Aufgaben erfüllt und abends nach Hause kommt. Wird der Herr ihn auffordern, sofort zu essen? Nein, das wird er nicht tun. Das wäre völlig untypisch, denn es gibt noch mehr zu tun.

Zuerst muss der Sklave das Essen für den Herrn herrichten, ihn bedienen, und erst danach hat er selbst Zeit zu essen und zu trinken. Die Bedürfnisse des Herrn haben Vorrang.

 Lukas 17, Vers 9 sagt: Dankt er dem Sklaven etwa dafür, dass er das Befohlene getan hat? Ich meine nicht.

Diesen Vers finde ich merkwürdig, einfach deshalb, weil es dem Herrn ja kein Zacken aus der Krone brechen würde, wenn er höflich wäre und sich bei seinem Sklaven dafür bedankte, dass dieser nur seine Pflicht tut.

Aber gut, wir befinden uns hier in einem Gleichnis. Jesus will damit das normale Verhältnis eines Herrn zu seinem Sklaven darstellen. Und in diesem Verhältnis stand Dank nicht auf dem Plan.

Das liegt einfach daran, dass der Sklave ja nicht mehr als das tat, was ihm befohlen wurde.

Wichtig ist: Wenn Jesus sagt „Ich meine nicht“, fordert er uns nicht dazu auf, unhöflich zu sein. Wir dürfen uns zum Beispiel bei der Frau an der Kinokasse bedanken, auch wenn sie nur ihren Job macht.

Liebe ist höflich. Paulus sagt, sie benimmt sich nicht unanständig. Deshalb ist es so wichtig, dass unser Umgang mit anderen von Lob, Dank, Respekt und Ehrerbietung geprägt ist.

Liebe ist höflich. Aber hier im Gleichnis beschreibt Jesus, wie ein typischer Herr zu seiner Zeit mit seinem Sklaven umging – und dieser Herr bedankte sich eben nicht.

Sein Sklave hatte kein Recht auf eine Extraportion Anerkennung für die Erfüllung seiner Pflichten.

Nun zur Anwendung des Gleichnisses auf das Leben der Jünger.

Anwendung des Gleichnisses auf das Leben der Jünger

 Lukas 17,10: „So sprecht auch ihr, wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen ist: Wir sind unnütze Sklaven, wir haben getan, was wir zu tun schuldig waren.“

Worum geht es hier? Es geht darum, Glaubensgehorsam richtig einzuordnen. Ein Leben im Glauben ist immer ein Leben unter den Befehlen des Herrn Jesus. Er ist der Herr, von dem wir lernen, und der uns sagen darf, wie wir leben sollen.

Ein Leben im Glauben ist deshalb kein Grund, hochmütig zu werden. Der größte Erfolg in Glaubensdingen ist aus der Perspektive unserer Abhängigkeit vom Herrn Jesus nur das Ergebnis unseres Gehorsams. Gott ist es, der uns beruft, begabt, kräftigt und das Gelingen schenkt.

Wir sind die unnützen Sklaven, die getan haben, was sie zu tun schuldig waren.

Bitte versteht gut, worum es hier geht: Es geht um eine Haltung, die wir im Dienst für Gott einnehmen sollen, damit wir nicht hochmütig werden. Vor allem dann, wenn wir reifen Glauben besitzen und auch schon mal, im Bild gesprochen, einen Maulbeerfeigenbaum ins Meer pflanzen.

Frage: Warum sollen wir uns als unnütze Sklaven bezeichnen?
Antwort: Weil wir das im Hinblick auf Gott sind.

Achtung: Dabei geht es nicht um unseren Wert, sondern um unsere Funktion. Es ist wichtig, dass wir das nicht durcheinanderbringen. Wir sind Gott so viel wert, dass der Herr Jesus sein Leben für uns am Kreuz gegeben hat. Aber für unseren Dienst als Sklaven Jesu sieht das anders aus.

Wir bringen aus uns heraus nichts mit, was irgendwie von Wert wäre. Dass ich einen Podcast schreibe, einen Chatbot prompten oder eine Predigt halten darf, liegt nicht daran, dass ich eine so coole und begabte Person bin.

Und genau dann, wenn ich Lob und Anerkennung bekomme, muss ich in mich gehen und mir sagen: „Du unnützer Knecht, bilde dir bloß nichts darauf ein. Du hast nur das getan, was dein Job war. Denke bloß nicht, dass Gott dich braucht. Bleib mal schön auf dem Teppich.“

Das ist es, was Jesus seinen Jüngern vermitteln will: Demut und gesunde Selbsteinschätzung.

Der Jünger Jesu im Vergleich zu den Pharisäern

Letzte Frage: Wie passen die Themen aus Lukas 17,1-10 – also kein Anstoß sein, gern vergeben, Glaube als Vertrauen und nicht groß von sich denken – zum Kontext?

Antwort: Diese Themen beschreiben den Jünger Jesu im Vergleich zu den Pharisäern. Ein Jünger Jesu verführt nicht zur Sünde, sondern deckt Sünde auf und vergibt sie gern. Die Pharisäer sind das genaue Gegenteil. Sie verführen die Schwachen zur Selbstgerechtigkeit. Statt Sünde aufzudecken, rechtfertigen sie ihr böses Tun und verdrehen das Wort Gottes.

Beim Glauben verhält es sich genauso. Wo die Pharisäer an sich selbst glauben und sich viel auf ihre Frömmigkeit einbilden, begreifen sich die wahren Jünger Jesu als Werkzeuge Gottes. Sie begnügen sich demütig mit einem „Wir sind unnütze Sklaven, wir haben getan, was wir zu tun schuldig waren.“

Abschluss und Ermutigung zum persönlichen Nachdenken

Was könntest du jetzt tun? Denke darüber nach, wie du über dich selbst und deinen Dienst denkst. Verstehst du, was Jesus dir sagen möchte?

Das war es für heute.

Mein bester Tipp: Lerne Bibelverse auswendig – zwei pro Woche – und wiederhole sie regelmäßig. Das Wort muss ins Herz.

Der Herr segne dich, schenke dir seine Gnade und lasse dich in seinem Frieden leben. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

Seine App "Frogwords" gibt's für Android und iOS.

Jürgens aktuellste Gebets-Infos gibt's hier zum Lesen und Abonnieren.