Familie des Herrn, der Sämann und das Geheimnis des Reiches
Markus 3,31-4,2020.05.2026
Serie•Teil 10 / 13Bibelseminar: Vollkommener Diener – der Herr Jesus im Markusevangelium
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Die Grenze zwischen bewusster Verwerfung und Unwissenheit
Der Wahrheit und schliesslich den Herrn definitiv bewusst verwerfen. Und es ist unvergebbar, weil es ausserhalb des Herrn keine Möglichkeit für Vergebung gibt, nur sein Opfer. Und wer das definitiv ablehnt, der hat keinen anderen Weg zur Vergebung.
Und wir haben gesehen: Das waren Schriftgelehrte, die von Jerusalem herabgekommen waren, Markus 3,22. Die haben den Herrn ganz bewusst verworfen, ihn als Messias, und den Heiligen Geist, also diesen Geist, der ihnen die Augen geöffnet hat, sodass sie die Erkenntnis der Wahrheit bekommen haben. Genau so, wie das in Hebräer 10 gesagt wird, die erleuchtet worden sind, wie das Hebräer 6,4 sagt, und dann den Herrn verworfen haben. Also sie haben den Geist gelästert, der ihnen die volle Erkenntnis gegeben hat, und sie wollten diese Erkenntnis nicht.
Jetzt ist es aber wichtig, daran zu denken: Die Bibel sagt, dass Schriftgelehrte von Jerusalem herabkamen, und die haben das getan. Das bedeutet, nicht alle aus Israel haben den Herrn damals bewusst verworfen, sondern das war eine Gruppe.
Es ist sehr wichtig, weil wir kurz, um das noch zu vervollständigen vom letzten Mal, aufschlagen Lukas 23. Da finden wir das erste Wort des Herrn am Kreuz. In den Evangelien, in allen vier zusammen, finden wir sieben Worte des Herrn am Kreuz. Und das erste, das findet sich nur in Lukas, also Lukas 23. Nathanael, liest du die Verse 33 und 34.
Und als sie an den Ort kamen, der Schädelstätte genannt wird, kreuzigten sie ihn dort und die Übeltäter, den einen zu seiner Rechten und den anderen zu seiner Linken. Jesus aber sprach: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun. Sie verteilten aber seine Kleider unter sich und warfen das Los darüber.
Also ist es nicht erstaunlich? Der Herr wird gekreuzigt und gibt da noch die Möglichkeit, dass es Vergebung gibt. Und er bittet: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun. Das war noch nicht die bewusste, vollständige, definitive Verwerfung, sondern der Herr sagt sogar, sie tun es aus einer Blindheit heraus.
Jetzt könnte jemand sagen: Ja gut, aber das bezieht sich jetzt hier einfach auf die römischen Soldaten, die ihren, wie man so sagt, militärischen Job machten. Aber wenn wir jetzt noch aufschlagen in Apostelgeschichte 3, nach Pfingsten, in einer weiteren Predigt an das Volk, an die Masse des Volkes im Tempel, nach der Pfingstrede in Apostelgeschichte 2, nämlich Kapitel 3, da sagt Petrus etwas ganz, ganz Interessantes in dem Zusammenhang. Könntest du lesen, Nathanael, Kapitel 3 in der Apostelgeschichte, Verse 17 und 18?
Und jetzt, Brüder, ich weiss, dass ihr in Unwissenheit gehandelt habt, so wie auch eure Obersten. Gott aber hat es so erfüllt, was er durch den Mund aller Propheten zuvor verkündigt hat, dass sein Christus leiden sollte.
Nun ist es erstaunlich: Er sagt in Vers 17: „Ich weiss, dass ihr in Unwissenheit gehandelt habt.“ Da sagt er so zur Volksmenge, und da konnten auch solche eingeschlossen sein, die vor Pilatus riefen, er werde gekreuzigt. Und dann sagt er aber ausdrücklich: „So wie auch eure Obersten.“ Und da attestiert er also in Unwissenheit den Herrn verworfen, in einer Blindheit. Deswegen könnte man sagen: Ja, aber die haben die messianischen Prophezeiungen gehabt, die haben die Erfüllung gesehen, und trotzdem wird das genannt: Blindheit.
Und da gibt es also die Möglichkeit, dass das Gebet des Herrn, das erste Wort am Kreuz, erfüllt werden konnte: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun. Also müssen wir ganz klar aufpassen, nicht einfach denken, wenn jemand Christus verwirft, dann ist das quasi die definitive Sünde. Nein, der Herr weiss, wo das der Fall ist. Und er wusste: Bei diesen Schriftgelehrten, die da von Jerusalem herabgekommen waren, beschrieben in Markus 3, dort war das ganz bewusst und definitiv, aber lange nicht für alle. Und sogar da gab es für die Obersten, also sogar für die Mitglieder des Sanhedrins, die damals zusammen mit dem höchsten Richter, mit dem Hohen Priester Kaiphas, den Beschluss gefasst haben, er muss sterben und den Römern überliefert werden, noch die Möglichkeit zur Vergebung.
Und nun muss man auch beachten: Petrus sagt, wenn er das Volk Israel anspricht, in Vers 17: „Und jetzt, Brüder, ich weiss, dass ihr in Unwissenheit gehandelt habt.“ Also alle, die zum Volk Israel gehören, werden als Brüder gesehen, durch gemeinsame Abstammung von Abraham, Isaak und Jakob.
Familie, Zugehörigkeit und geistliche Nähe
Ist es so, wenn wir jetzt zurückgehen zu Markus 3, nachdem das war mit der Lästerung des Geistes, der definitiven Verwerfung des Herrn, sehen wir in Markus 3, Vers 31, wie wir das gelesen haben: Und es kommen seine Mutter und seine Brüder, und draussen stehend sandten sie zu ihm und riefen ihn.
Also hier sehen wir jetzt Brüder noch enger. Alle im Volk sind schon Brüder, natürlich meint das Brüder und Schwestern. Im Begriff Brüder, im Hebräischen Achim und auch im Griechischen Adelphos, Adelphoi in der Mehrzahl, da sind auch die Schwestern mit eingeschlossen, und im Normalfall. Und im Deutschen haben wir das Wort Geschwister, das meint eindeutig Schwestern und Brüder. Aber auch da muss man wissen: Geschwister kommt eigentlich nicht von Brüdern, sondern von Schwester, Geschwister, also die Kollektivvorsilbe „G“. Da haben wir Gemeinde und so weiter, das bedeutet immer etwas Kollektives, und Geschwister, da sind aber nicht nur die Schwestern drin, sondern auch die Brüder. Ja, das ist von Sprache zu Sprache unterschiedlich.
Aber ich will einfach sagen: Alle im Volk Israel sind Brüder und Schwestern, und hier haben wir seine Mutter Maria und seine Brüder. Und von diesen Brüdern erfahren wir in Johannes 7, dass die damals nicht an ihn glaubten als Messias. Das war ein besonderer Schmerz für den Herrn, in der eigenen Familie diese Ablehnung. Und andere, die eben weiter weg waren und sogar solche ausserhalb von Israel, sehen wir in den Evangelien, die ihn erkannt hatten. Man denke nur zum Beispiel an den Zenturion, an den Hauptmann von Kapernaum, das war ein Römer. Das war ein grosser Schmerz für den Herrn, und wir lesen in Johannes 7 des Zusammenhangs wegen Vers 2 bis 5:
Es war aber das Fest der Juden nahe, das Laubhüttenfest. Da sprachen seine Brüder zu ihm: Zieh von hier weg und geh nach Judäa, damit auch deine Jünger deine Werke sehen, die du tust; denn niemand tut etwas im Verborgenen und sucht dabei selbst, öffentlich bekannt zu sein. Wenn du diese Dinge tust, so zeige dich der Welt. Denn auch seine Brüder glaubten nicht an ihn. Da spricht Jesus zu ihnen: Meine Zeit ist noch nicht da, eure Zeit aber ist stets bereit.
Ja, also ganz klar, seine Brüder glaubten nicht an ihn. Und das waren mehrere. In Matthäus 13 werden sie namentlich aufgelistet. Wir können das kurz aufschlagen: Matthäus 13. Nathanael, du könntest lesen Verse 54 bis 56:
Und er kam in seine Vaterstadt und lehrte sie in ihrer Synagoge, so dass sie sehr erstaunten und sprachen: Woher hat dieser solche Weisheit und die Wunderwerke? Ist dieser nicht der Sohn des Zimmermanns? Heisst nicht seine Mutter Maria und seine Brüder Jakobus und Joseph und Simon und Judas? Und seine Schwestern, sind sie nicht alle bei uns? Woher hat nun dieser das alles?
Ja, und da haben wir also vier Brüder namentlich genannt: Jakobus, Joseph, Simon und Judas. Der Herr ist ja als Auferstandener verschiedenen erschienen, und da wird ausdrücklich in 1. Korinther 15,7 erwähnt, dass er Jakobus erschienen ist. Und das ist gemeint: Jakobus, der Bruder des Herrn. Ausserbiblisch wird bezeugt, dass er damals durch das Auferstehungsereignis zum Glauben gekommen war, und später wurde er ein Führer der Gemeinde in Jerusalem. In der Apostelgeschichte wird Jakobus erwähnt und immer wieder hervorgehoben: Jakobus und die Ältesten in Jerusalem. Dieser Jakobus hat dann auch den Jakobusbrief geschrieben in der Bibel. Und weiter Judas hier: Auch er kam zum Glauben, und er hat später den Judasbrief geschrieben in der Bibel.
Das waren also Halbbrüder des Herrn. Aber interessant: Sie beide schreiben das nicht über sich, dass sie quasi Brüder des Herrn waren. Von Jakobus wird das so ausdrücklich gesagt im Galaterbrief: Jakobus, der Bruder des Herrn. Aber er selber sagt das nicht, sondern er nennt den Herrn Jesus in Jakobus 2 den Herrn der Herrlichkeit. Und Judas nennt ihn den alleinigen Gebieter. In einigen Mehrheitstexten: den alleinigen Gebieter, Gott und Herrn Jesus Christus. Also, die haben wirklich erkannt, wer er ist, aber damals noch nicht.
Und jetzt sehen wir: Die kommen da. Und nochmals zurück zu Markus 3, lesen wir nochmals Vers 32:
Und eine Volksmenge sass um ihn herum, und sie sagten zu ihm: Siehe, deine Mutter und deine Brüder draussen suchen dich.
Man könnte ja denken, das ist ja schon eine einzigartige Beziehung zu dem Messias, dem Sohn Gottes, der Mensch geworden ist. Das waren seine Halbbrüder und seine Mutter, die ihn als Jungfrau geboren hatte, Maria. Und darum sagt die Volksmenge, als die Familie dazukam: Siehe, deine Mutter und deine Brüder draussen suchen dich.
Und er gibt die erstaunliche Antwort, Vers 33 nochmals:
Und er antwortete ihnen und spricht: Wer ist meine Mutter und meine Brüder?
Ja, das spielt gar nicht so eine Rolle, der Verwandtschaftsgrad. Und wir wissen, dass die Beziehung des Glaubens sogar tiefer sein kann als die Beziehung durch Abstammung, dass Gläubige einem sogar näher sein können als Verwandte. Und genau das sagt der Herr hier. Er blickt herum, Vers 34, auf die im Kreis um ihn herum Sitzenden und spricht: Siehe da, meine Mutter und meine Brüder! Denn wer irgend den Willen Gottes tut, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter.
Also er macht klar: Das Wichtigste ist nicht die Abstammung und Verwandtschaftsbeziehung. Und das bedeutet das einerseits als Wahrheit für diese Familie, aber im Weiteren auch für das Volk Israel. Also wenn man jüdische Vorfahren hat, ist es nicht so, dass wir dadurch eine besondere Beziehung zum Herrn hätten. Und diejenigen, die aus anderen Völkern sind, dass die irgendwie etwas weiter weg wären, überhaupt nicht. Sondern es kommt darauf an, welche persönliche Beziehung wir zu dem Herrn Jesus haben und ob wir eben bereit sind, sein Wort zu tun.
Also im Kreis um ihn herum da, also Prediger waren genau Jünger da, die eben wirklich dem Herrn nachfolgten und ihm dienten. Und darum sagte er: Das ist die nähere Beziehung. Und das wird eigentlich auch bestätigt, wenn wir aufschlagen: Sprüche 17,17:
Der Freund liebt zu aller Zeit, und als Bruder für die Bedrängnis wird er geboren.
Also ein Freund, da ist jetzt nicht ein Verwandter gemeint, sondern eben weiter weg. Aber ein Freund kann eben eine Beziehung haben, die tiefer ist als Verwandtschaft, das heisst beziehungsweise er ist quasi wie von der Verwandtschaft, von der Familie selbst, und ist ein Bruder für die Bedrängnis und nach Gottes Plan sogar geboren für eine bestimmte spätere Zeit, wo er seinem Freund in Not beistehen soll.
Und dazu noch Kapitel 18, auch in den Sprüchen, Vers 24:
Ein Mann vieler Freunde wird zugrunde gehen; doch es gibt einen, der liebt und anhänglicher ist als sein Bruder.
Ja, wir haben zwei Verszeilen, das ist alles poetisch geschrieben. Die erste Verszeile habe ich mir an den Rand geschrieben: Facebook. Ein Mann vieler Freunde wird zugrunde gehen. Ja, das sind so 824 Facebook-Freunde. Aber dann wird der Kontrast gezeigt: Doch es gibt einen, der liebt und anhänglicher ist als ein Bruder.
Auch da wird die Verwandtschaftsbeziehung überboten durch eine andere Beziehung, eine Freundschaft, die eben durch den Glauben gewirkt wird. Und so zeigt also der Herr, da wo er von seinem eigenen Volk, von Führern so massiv abgelehnt worden war, das Wichtige ist nicht die Verwandtschaft, denn die waren aus seinem eigenen Volk, sondern die Beziehung des Glaubens und des Gehorsams ihm gegenüber. Das macht die enge Beziehung aus. Das ist jetzt ganz wichtig für das, was folgt.
Das Gleichnis vom Sämann als Schlüssel zum Verständnis
Jetzt gehen wir nämlich zu Kapitel vier und betrachten das als direkten Zusammenhang. Du kannst uns vorlesen, Nathanael, Kapitel vier, ab Vers eins bis einschließlich neun.
Und wieder fing er an, am See zu lehren. Und eine sehr große Volksmenge versammelte sich bei ihm, so dass er in ein Schiff stieg und auf dem See saß. Und die ganze Volksmenge war am See auf dem Land. Und er lehrte sie vieles in Gleichnissen. Und er sprach zu ihnen in seiner Lehre: Hört! Siehe, der Sämann ging aus, um zu säen. Und es geschah, als er säte, fiel einiges an den Weg, und die Vögel kamen und fraßen es auf. Und anderes fiel auf das Steinige, wo es nicht viel Erde hatte. Und sogleich ging es auf, weil es keine tiefe Erde hatte. Und als die Sonne aufging, wurde es verbrannt, und weil es keine Wurzel hatte, verdorrte es. Und anderes fiel in die Dornen, und die Dornen schossen auf und erstickten es, und es gab keine Frucht. Und anderes fiel in die gute Erde und gab Frucht, indem es aufschoss und wuchs, und eins trug dreißig, und eins sechzig, und eins hundertfach. Und er sprach: Wer Ohren hat zu hören, der höre.
Ja, jetzt könnte man denken: Gut, diese Schriftgelehrten, Kapitel drei, Vers zweiundzwanzig, die haben den Herrn bewusst verworfen. Aber es gibt da doch sehr viel Interesse. Und zwar lesen wir hier von einer sehr großen Volksmenge, also nicht nur von Volksmenge, auch nicht nur von großer Volksmenge, sondern von einer sehr großen Volksmenge. Wir haben auch zellenmäßige Hinweise im Lukasevangelium. Das konnten also Abertausende sein, die kamen. Das macht auch deutlich, dass der Herr offensichtlich eine sehr kräftige Stimme gehabt haben muss.
Aus der Kirchengeschichte wissen wir das. Es gab also zu Zeiten ohne Mikrophon wirklich Phänomene, zum Beispiel George Whitefield, der ja eine große Rolle spielte in der Erweckung im letzten Jahrhundert in Amerika und in England. Der hat vor 30 Leuten gesprochen, ohne Mikrofon, und sogar noch deutlich mehr. Wie ist das möglich? Aber es ist möglich.
Natürlich hat man dann auch geachtet, wo diese Versammlungen durchgeführt wurden: im Freien. Denn da kann man akustisch natürlich einiges erreichen. Je nachdem, wenn im Hintergrund ein Hügelabhang ist, gibt das Echo. Das ist übrigens ganz genau das, was der Herr ausgenutzt hat bei der Bergpredigt. Da war er oben auf dem Berg, Matthäus 5,1, und die Volksmenge war auf einem ebenen Platz. Das erfahren wir aus der Parallelstelle in Lukas 6, wo die Bergpredigt aufberichtet wird. Dort wird ein ebener Platz erwähnt. Und tatsächlich, bei dem Har Ha Osher, also bei dem Hausberg von Kapernaum, gerade unterhalb der Bergeshöhe, gibt es einen großen Platz, immer noch auf dem Berg, aber eben unterhalb des Gipfels. Und wir haben das ausprobiert. Also wenn man dort oben spricht, ohne mit der Stimme zu drücken, natürlich sprechen, unten auf dem Platz, man hört jedes Wort, außer man hat Gegenwind. Das haben wir auch erlebt. Dann hat es nicht mehr gleich funktioniert. Also der Wind muss auch noch stimmen, aber es ist grandios, wie das möglich ist.
Nun, aber hier ist der Herr am See. Und zwar lesen wir: Es kamen so viele Menschen, so dass er in ein Schiff stieg und auf dem See saß. Und dann hat er so gelehrt. Wir staunen vielleicht, dass er sitzt, aber da muss man nicht staunen, wenn man den jüdischen Hintergrund berücksichtigt. Auch in Matthäus 5,1, wo die Bergpredigt beschrieben wird, heißt es, dass der Herr sich dort auf den Berg gesetzt hat und lehrte. Im Judentum sitzt man in der Synagoge, um zu lehren. Man steht zum Vorlesen, aber man sitzt zum Lehren. Das sehen wir dann auch in Lukas 4, wo beschrieben wird, wie der Herr Jesus die Prophetenlesung gemacht hat an einem Sabbatgottesdienst in Nazareth. Und nach der Lesung sitzt er und lehrt. Darum steht auch hier, dass er da sitzt.
Aber eben, er ging mit einem Schiff etwas hinaus. Und vor Jahren gab es einen interessanten Artikel in der NZZ von einem Akustiker aus Dübendorf, ein bekannter Akustiker, also ein Spezialist, der weiß, wie man solche Räume gestaltet, damit es nicht ein schalltoter Raum wird, wie in vielen Gemeinden, sondern dass da ein Echo ist, aber nicht zu viel für den Gemeindegesang. Dieser Akustiker schreibt dort in der NZZ, dass es sehr interessant sei: Als Jesus Christus predigte, ging er mit dem Schiff hinaus. Und es ist so: Wenn der Direktschall, also vom Schiff aus, aus der Herr spricht, gibt es einen Direktschall hinüber zur Volksmenge am Ufer. Aber es gibt eben gleichzeitig auch einen Indirektschall. Der Schall geht auf die Wasseroberfläche und dann zur Volksmenge. Und so haben wir also D. Das ist ja Direktschall. Und dann eben den Umweg, nennen wir das U. Wenn der Unterschied U zu D größer ist als zwölf Meter, wird die Stimme merklich verstärkt. Da sehen wir: Der Herr hat darauf geschaut, dass die Menschen hören können. Denn das ist die Voraussetzung, um zu verstehen. Und genau das wird hier Thema.
Wir haben dann gelesen, in Vers 2, er lehrte sie vieles in Gleichnissen und sprach zu ihnen in seiner Lehre. Und jetzt ein Imperativ, nämlich: Hört! Das ist nicht eine Option, Gott befiehlt: Hört! Das ist das Erste. Man muss wirklich hören, akustisch. Und im gleichen Kapitel, das werden wir dann später nochmals betonen, in Vers 23, spricht der Herr da nochmals über ein anderes Gleichnis. Und da sagt er in Vers 23: Wenn jemand Ohren hat zu hören, der höre. Also auch das ist wieder ein Befehl, das ist ein Imperativ in der dritten Person: Er höre. Das ist ein Befehl. Hört, das ist Imperativ, zweite Person, Plural. Also es ist ein Befehl.
Und da ist vielleicht noch interessant: Im Griechischen hat akouo eine größere Bedeutungsbreite. Da kann also akouo bedeutend hören, aber dann auch verstehen. So müssen wir das sehen. Der Herr sagt: Hört akustisch, aber quasi versteht es auch. Beides braucht es. Aber eben, man muss akustisch zuerst hören. Erst dann kann man verstehen, und dann drittens kann man, ja, das wird auch noch Thema werden, tun. Diese drei Schritte braucht es: hören, verstehen, tun, umsetzen. Und das ist auch interessant: Akouo kann im Griechischen auch bedeuten gehorchen. Also hören, verstehen, gehorchen ist alles darin enthalten. Hört!
Und dann erzählt der Herr ein Gleichnis. Das wird betont, Vers 2: Er lehrte sie vieles in Gleichnissen. Und das erste Gleichnis ist das Gleichnis vom vierfachen Ackerfeld. Der Sämann geht aus, damit meint er sich selbst. Der Sämann ging aus, der Sämann geht aus seinem Bauhaus, nicht wahr, hinaus zum Acker, und dann wirft er die Samen über den Acker. Aber in Johannes 13,3 lesen wir, dass der Herr Jesus von dem Vater ausgegangen ist und in diese Welt gekommen ist. Da steckt also sehr viel drin.
Der Sämann ging aus, um zu säen. Er kam, um das Wort Gottes zu säen. Und das ist interessant, ich habe jetzt einfach so behauptet, der Same bedeutet das Wort Gottes. Aber schauen wir, wie begründet wird, in Lukas die Auslegung ein bisschen vorweg, Verse 13 und 14: Und er spricht zu ihnen: Begreift ihr dieses Gleichnis nicht? Und wie werdet ihr dann all die Gleichnisse verstehen? Der Sämann sät das Wort. Also: Der Sämann sät das Wort. Der Same wird also verglichen mit dem Wort Gottes.
Und das ist natürlich für uns ganz besonders interessant, die wir alle nach 1950 leben. Ja, so in den 1950er-Jahren, da wurde diese große Entdeckung gemacht: der DNA in den Zellen. Das heißt also, dieses Riesenmolekül, bei Menschen in den Zellen ist es ein Meter lang, aber es ist zusammengeknäuelt im Zellkern der Zelle. Und die Zellen sehen wir nicht einmal mit bloßem Auge, wir können es nicht sehen, wir brauchen ein Mikroskop. Und dort im Zellkern ist dieses Riesenmolekül drin. Das war die großartige Entdeckung anfangs der 1950er-Jahre, dass das eigentlich ein Computercode ist mit vier Buchstaben, also eine riesenlange Verkettung von Atomen. Und zwei Atome bilden vier verschiedene Basen, also vier kleinere Moleküle. Und diese vier Basen wirken eigentlich wie Buchstaben. Also man könnte sie nennen A, B, C, D.
Und nicht wahr, wir brauchen zum Schreiben deutlich mehr Buchstaben als zwanzig. Aber das ist von Sprache zu Sprache unterschiedlich. Auf Hebräisch braucht man nur 22, also weniger Buchstaben. Und dann ist es so, man kann auch schreiben und alles ausdrücken mit zum Beispiel drei Zeichen. Welches System kann das? Morse, ja. Nämlich: Strich, Punkt. Das heißt, wenn man es mit Licht macht, langes Licht, kurzes Licht, oder mit Ton, langer Ton, kurzer Ton, da, da, da, zum Beispiel. Ja, das wäre zu einem Buchstabe gewesen. Da, da, da. Und dann eben auch noch Pause, ist wichtig. Das sind eigentlich drei Zeichen. Und mit denen kann man alles ausdrücken.
Man kann es aber auch mit zwei Binärzeichen. Ja, das kommt wie aus der Maschine, aus dem Maschinengewehr geschossen, ja. Und du arbeitest viel mit Computer, und da geht alles mit Null und Eins. Man kann damit alles ausdrücken, alles programmieren, alles schreiben, es funktioniert. Aber jetzt bei der DNA sind es vier Zeichen. Und bei mir in jeder Zelle steht dort drauf, wie man Milch bauen muss. Und bei jeder Rübe ist in der Zelle drin, wie man die Pflanze, also Rübe, nicht nur die Wurzel, sondern auch die Pflanze oben bauen muss. Und bei jedem Krokodil steht, wie man ein Krokodil bauen muss. Der Bauplan ist da drin.
Was man herausgefunden hat: Je nach Code braucht man mehr Platz, und das Optimale, also höchste Menge an Information mit möglichst wenig Zeichen, ist mit vier Code, mit vier Zeichen. Also die DNA, das ist das Optimum. Aber jetzt verstehen wir plötzlich, warum Enkel so ihrem Großvater gleichen oder Kinder der Mutter und gewisse dem Vater mehr. Woher kommt das? Ja, das hängt eben zusammen, weil da ein Code in den Zellen ist, der alles programmiert: die grünen Augen oder die blauen Augen, und die Ohren, das Gehirn, alles. Einfach alles ist so programmiert, aufgeschrieben.
Und jetzt haben wir natürlich ein ganz anderes Verhältnis zu diesem Ausdruck: Der Sämann sät das Wort, dass also der Same mit Wort verglichen wird. Ja, das ist so. In jedem Samen ist die DNA drin, die ganze Information, wie man eben zum Beispiel den Weizen baut oder Gerste oder was es auch immer ist. Und in der Bibel haben wir genau das: Der Same ist das Symbol für das Wort Gottes.
Die vier Reaktionen auf das Wort
Jetzt haben wir in Vers 13 gelesen, und da ist etwas sehr Interessantes. Der Herr, nachdem er das Gleichnis vom vierfachen Ackerfeld gesagt hat, erklärt: Begreift ihr dieses Gleichnis nicht? Und wie werdet ihr dann all die Gleichnisse verstehen?
Wir haben ja schon in Vers 2 gelesen, dass er sie vieles in Gleichnissen lehrte. Und wir werden gleich nachher noch mehr Gleichnisse sehen und anschauen. Aber dieses Gleichnis, sagt der Herr, wenn man das nicht versteht, dann kann man die anderen auch nicht verstehen. Also ist das Gleichnis mit dem vierfachen Ackerfeld das Basisgleichnis, auf dem alles Weitere aufbaut.
Jetzt gehen wir der Reihe nach. In Vers 4 sagt der Herr: Beim Säen kommt es so, dass einiges von dem Samen eben nicht auf den Acker kommt, sondern daneben auf den Weg. Und die Vögel kamen und fraßen es auf. Dann fällt anderes auf das Steinige, wo es nicht viel Erde hatte. Das geht dann schnell auf, hat aber keine Wurzel, und die Sonne wird heiß, je mehr sie hochgeht, und es wird verbrannt, es verdorrt. Dann gibt es anderes, das fällt unter die Dornen, und die Dornen wachsen und ersticken es. Es gibt also auch keine Frucht. Und nur das, was eben auf die gute Erde fällt, bringt Frucht. Und wie vielfältig? Ja, also enorme Vermehrung, bis hundertfach.
Der Herr macht also hier klar, dass zwar der Befehl ist: „Hört!“ Das bedeutet: Hört akustisch, versteht es und gehorcht. Aber er sagt, dass es vier verschiedene Arten von Menschen gibt, und nur bei einer Art kommt es zum Ziel. Da war nicht nur eine Volksmenge, sondern eine große Volksmenge, und wir haben gesehen: eine sehr große Volksmenge. Aber wer in der Volksmenge gehört zu welcher Gruppe? Das ist die große Frage.
Man kann also sagen: Nur da, wo es auf die gute Erde fällt, gibt es Frucht. Nur diese entsprechen denen, die sich bekehren und wiedergeboren werden. Und bei den anderen, ja, zum Beispiel beim Steinigen, da erklärt der Herr das. Lies Nathanael ab Vers 13.
Und er spricht zu ihnen: Begreift ihr dieses Gleichnis nicht, und wie werdet ihr dann all die Gleichnisse verstehen? Der Sämann sät das Wort. Diese aber sind die an dem Weg, wo das Wort gesät wird. Und wenn sie es hören, sogleich kommt der Satan und nimmt das Wort weg, das in sie gesät war. Und diese sind es ebenso, die auf das Steinige gesät werden, die, wenn sie das Wort hören, es sogleich mit Freuden aufnehmen. Und sie haben keine Wurzel in sich, sondern sind nur für eine Zeit. Dann, wenn Drangsal entsteht oder Verfolgung um des Wortes willen, nehmen sie sogleich Anstoß. Und andere sind es, die in die Dornen gesät werden. Das sind solche, die das Wort gehört haben, und die Sorgen der Welt und der Betrug des Reichtums und die Begierden nach den übrigen Dingen kommen hinein und ersticken das Wort, und es bringt keine Frucht. Und diese sind es, die auf die gute Erde gesät sind, die das Wort hören und aufnehmen und Frucht bringen, dreißigfach und sechzigfach und hundertfach.
Danke, bis dahin. Also der Herr legt gleich aus und erklärt das Gleichnis. Und zwar sagt er: Auf dem Weg, das sind solche, die das Wort zwar hören, aber der Satan kommt und nimmt das Wort weg. Im Gleichnis: Wer nimmt das Wort weg vom Weg? Die Vögel. Also die Vögel sind da, und man kann besonders denken an schwarze Vögel, Raben, Krähen, die eben spezialisiert sind auf Samen. Die kommen und fressen das weg.
Und in dem Zusammenhang ist interessant, dass gewisse Vögel ein Bild sind für Satan und seine Dämonen. Das finden wir auch in Offenbarung 18, da geht es um die falsche Kirche Babylon. Und dort lesen wir, wenn sie dann in der Zukunft zusammenbrechen wird, als religiöses, wirtschaftliches Bollwerk, Offenbarung 18,2:
Und er rief mit starker Stimme und sprach: Gefallen, gefallen ist Babylon, die Große, und ist eine Behausung von Dämonen geworden und ein Gewahrsam jedes unreinen Geistes und ein Gewahrsam jedes unreinen und gehassten Vogels.
Ja, man sieht hier also: In diesem System sind Dämonen zu Hause, und das wird in Verbindung gebracht mit „jedem unreinen und gehassten Vogel“, also nicht koscheren Vögeln, die den Samen wegpicken. Das ist ein Bild von Satan.
Satan hat also ein Interesse daran, wenn das Wort verkündigt wird, es wieder wegzunehmen. Wie kann das geschehen? Ganz konkret. Welche Erfahrungen hat man auf dem Gebiet schon gemacht? Sehr aktuell: YouTube kann seinen Beitrag liefern. Einerseits können evangelistische oder gesunde Lehrbotschaften weitergegeben werden, aber die Vorschläge können dann wieder ganz verdrehte Lehre, Irrlehre, weitergeben. Und so kann der Satan das gute Wort mit einem Folgevideo wegnehmen. Genau. Sehr modern.
Aber es gibt auch ganz altmodische Methoden, wie das Wort weggenommen werden kann. Also auch ganz konkret, dass zwei an die Türe kommen und eine Irrlehre bringen. Und jemand, der vielleicht von dem Wort schon berührt worden ist, kann so auf Abwege geführt werden.
Ja, und es kann auch sein, zum Beispiel in einer Jugendfreizeit: Das Wort Gottes wird am Abend verkündigt und klar auf die Bekehrung hingewiesen. Und wenn danach so riesig Action gemacht wird, etwas völlig anderes, kann das einfach wie verschüttet werden, was man gehört hat. Es braucht auch nach dem Hören Zeit, wo man darüber nochmals nachdenken kann, es verinnerlichen kann. Und wenn diese Nacharbeit nicht geschieht, dann kann vieles, was man gehört hat, einfach weggenommen werden.
Und das gilt natürlich grundsätzlich jetzt hier in Bezug auf solche, die dann eben nicht zum Glauben kommen. Aber wir können das anwenden, also übertragen, natürlich auf jede Situation. Auch für Gläubige kann das so sein, dass das Wort eben da plötzlich vom Feind weggenommen wird. Dann sind sie wie die auf dem Weg. Oder auch die anderen Dinge können da eine solche Rolle spielen. Aber wir müssen unterscheiden zwischen dem, was der Bibeltext direkt sagen will. Es geht wirklich um diese große Volksmenge, die vor die Entscheidung gestellt wird, den Messias, Jesus, anzunehmen und nicht abzulehnen wie diese Führer, die das vorgemacht haben in Kapitel 3. Aber eben auch dort kann es sein, dass das Wort nicht zum Ziel kommt. Es wird geraubt.
Und dann haben wir die zweite Gruppe, die auf das Steinige. Da haben wir gelesen, Vers 16: Wenn sie das Wort hören, nehmen sie es sogleich mit Freuden auf. Und sie haben keine Wurzel in sich, sondern sind nur für eine Zeit. Dann, wenn Drangsal entsteht oder Verfolgung um des Wortes willen, nehmen sie sogleich Anstoß.
Und bei dieser Gruppe könnte man denken, die sind bekehrt. Wenn jemand das Wort Gottes mit Freuden aufnimmt und sagt: Das ist so spannend, die Bibel, wirklich grandios, also mir ist die Bibel ganz etwas Neues geworden, könnte man denken, da hat er sich bekehrt. Aber das kann eben gerade ein Zustand vor der Bekehrung sein. Dann sollte es zur Bekehrung kommen. Aber jetzt ist es wichtig, dass das Herz nicht so ist wie das Steinige hier, dass man dieses Wort nur mit Freuden aufnimmt. Es hat keine Wurzel. Und wenn dann eben Schwierigkeiten kommen, Drangsal, Verfolgung, plötzlich wird alles über den Haufen geworfen.
Und so kann man das immer wieder erleben: Leute, die werden durch das Wort Gottes, durch die Verkündigung sehr stark angesprochen und sind begeistert, und plötzlich sind sie nirgends mehr. Aber da muss man nicht denken, das waren Wiedergeborene, denn das ist nicht die gute Erde, sondern das Steinige. Aber es waren Gläubige. In der Parallelstelle, in Lukas 8, da ist es sehr interessant, dass der Herr noch zusätzlich sagt, Lukas 8,13:
Die aber auf dem Felsen sind die, welche, wenn sie es hören, das Wort mit Freuden aufnehmen; und diese haben keine Wurzel, die für eine Zeit glauben und in der Zeit der Versuchung abfallen.
Jawohl, aber es sind Gläubige. Die Bibel sagt nicht Wiedergeborene, aber Gläubige. Darum, wenn mich jemand fragen würde: Können Gläubige verloren gehen? Ja. Aber können Wiedergeborene wieder verloren gehen? Nein. Aber jetzt hast du gerade gesagt, Gläubige können verloren gehen. Ja, Gläubige, die das Wort mit Freuden aufgenommen haben. Und interessant ist hier, es steht gar nichts von Buße und von Reue, von einer wirklichen Umkehr, von einer Verabscheuung der Sünde im eigenen Leben und von einem Bitten um Vergebung, so wie der Zöllner im Gleichnis in Lukas 18 sagt: Gott sei mir, dem Sünder, gnädig. Nichts davon. Einfach das Wort mit Freuden aufgenommen. Aber es gibt keinen Zerbruch.
Die sind aber gläubig, und die gehen verloren. Aber wenn jetzt jemand mich fragen würde: Kann ein Gläubiger wieder verloren gehen? Nein. Jetzt hast du ja vorhin gerade gesagt: Kann ein Gläubiger verloren gehen? Ja. Wenn man sagt, kann ein Gläubiger wieder verloren gehen, dann heißt das, dass er nicht mehr verloren war. Dann war er wiedergeboren und errettet. Und die Errettung ist eine ewige Errettung. Hebräer 2 spricht von der Errettung des Herrn Jesus als von einer ewigen Errettung, nicht einer zeitlichen Errettung. Das gibt es gar nicht. Zeitlich errettet durch das Blut des Herrn Jesus? Nein. Durch sein Opfer am Kreuz? Nein. Sondern eine ewige Errettung.
Darum: Ein Gläubiger, der das Wort eben nur mit Freuden aufgenommen hat, keine Buße getan hat, darum nicht wiedergeboren ist, der kann dann später verloren gehen. Aber wenn jemand wirklich Buße getan hat, dann entspricht er eben der guten Erde, und dann kann er nicht mehr verloren gehen. Das müssen wir ganz klar unterscheiden.
Also wichtig ist: Wenn Drangsal entsteht oder Verfolgung um des Wortes willen, nehmen sie sogleich Anstoß. Ein praktisches Beispiel aus der Bibel: Paulus hat in Thessalonich gepredigt, Apostelgeschichte 17, und es kamen viele zum Glauben. Dann gab es aber plötzlich eine Verfolgung in Thessalonich gegen die Gläubigen, und Paulus musste um seines Lebens willen fliehen, auch Timotheus. Große Sorge: Was geschieht jetzt mit diesen Jungbekehrten? Fallen die jetzt wieder ab?
Man muss sich vorstellen: Konkret hieß das, denen ging es nach der Bekehrung schlechter als vorher. Und wenn wir das eben sehen bei gewissen Menschen, die haben nach ihrer Bekehrung mehr Nöte, Schwierigkeiten, Druck und was auch immer, und wir bleiben dem Herrn trotzdem treu, das ist ein interessantes Zeichen.
Und zwar war das so: Paulus hat dann wirklich innere Not gehabt um die Thessalonicher, und dann schickte er Timotheus zurück nach Thessalonich, weil der konnte viel auffälliger nochmals zurück. Paulus konnte nicht mehr. Wer da hingegangen wäre, das hätte sein Leben kosten können. Timotheus geht, und dann kam er zurück und sagt Paulus: Die Thessalonicher sind alle festgeblieben im Glauben. Paulus ist so überwältigt von Freude, er schreibt den ersten Thessalonicherbrief. Da erfahren wir all diese Dinge, was ich jetzt erzählt habe. Das muss man aus dem Brief herausschälen.
Er schreibt den Brief und er sagt, dass er eben, können wir das aufschlagen, dass er ständig an sie denkt, für sie betet. Lies 1. Thessalonicher 1,2-4:
Wir danken Gott allezeit für euch alle, indem wir euch erwähnen in unseren Gebeten, unablässig gedenkend eures Werkes des Glaubens und der Bemühung der Liebe und des Ausharrens der Hoffnung auf unseren Herrn Jesus Christus, vor unserem Gott und Vater, wissend, von Gott geliebte Brüder, eure Auserwählung.
Das ist doch interessant. Paulus sagt gleich am Anfang des Briefes, dass es klar ist, dass sie auserwählt sind. Der Begriff „Auserwählte“ ist in der Bibel der Ausdruck für die, die wirklich bekehrt und wiedergeboren sind. Und es ist so: Gott will ja, dass alle Menschen gerettet werden, aber in seiner Vorkenntnis weiß er, wer einmal auf den Ruf und das Ziehen Gottes antworten wird und wer nicht. Die Gläubigen hat er nach seiner Vorkenntnis auserwählt. Die will ich als meine Kinder.
Nun, wie kann man wissen, ob man zu den Auserwählten gehört, also zu den echten Gläubigen? Nun, für Paulus war klar: Die Thessalonicher haben so gelitten, und es ging ihnen viel schlechter nach der Bekehrung, und trotzdem sind sie so treu geblieben und auch eifrig, haben dem Herrn gedient und haben durchgehalten. Und dann sagt er: „Wissend, von Gott geliebte Brüder, eure Auserwählung.“ Das ist ein ganz wichtiges Kennzeichen von echten Wiedergeborenen.
Aber eben, das sehen wir: Mit Freuden aufgenommen, sie glauben für eine Zeit, und dann, wenn es schwierig wird, alles weg, fort, wie nichts gewesen wäre.
Dornen, Sorgen und die Frage nach echter Frucht
Jetzt gehen wir weiter. Vers 18 liest er nochmals in Markus 4: „Und andere sind es, die in die Dornen gesät werden. Das sind solche, die das Wort gehört haben, und die Sorgen der Welt und der Betrug des Reichtums und die Begierden nach den übrigen Dingen kommen hinein und ersticken das Wort, und es bringt keine Frucht.“
Ja, da haben wir das Problem mit den Dornen. Es sind auch Menschen, die das Wort hören. Aber dann gibt es besondere Schwierigkeiten, die wir zusammentragen können.
Was bedeuten die Dornen? Sorgen. Sorgen der Welt. Das Wort für Welt ist hier Aion. Das bedeutet hier Zeitlauf oder eben den Ablauf des Lebens, die Sorgen des Lebens, wie das so ist, die großen Lebenssorgen, könnte man sagen.
Und zweitens: Reichtum. Das ist etwas, aber hier spricht der Herr über den Betrug des Reichtums. Der Reichtum kann uns betrügen. Und zwar ist das jetzt interessant, das sind eigentlich Gegensätze. Man könnte sagen: Sorgen der Welt, das hat zum Beispiel zu tun oder kann zu tun haben mit Armut, wenn man zu wenig hat, wenn man Existenzsorgen hat, zum Beispiel. Aber es gibt noch viele andere Sorgen, die sind auch da gemeint. Aber dann haben wir den Kontrast: Reichtum. Da hat man menschlich gesprochen keine Sorgen, wenn man saniert ist oder man meint es eben. Und beides ist gefährlich.
Und denken wir an Agur Ben-Jake, schlagen wir auf Sprüche 30. Dieser Mann sah zwei Gefahren, noch viel mehr, aber er erwähnt am Anfang seines Weisheitsbuches, das das ganze Kapitel 30 umfasst, zwei besondere Gefahren. Lies 30,7 und 8.
Zweierlei erbitte ich von dir, verweigere es mir nicht, ehe ich sterbe: Eitles und Lügenwort entferne von mir, Armut und Reichtum gib mir nicht, speise mich mit dem mir beschiedenen Brot, damit ich nicht satt werde und dich verleugne und spreche: Wer ist der Herr? Und damit ich nicht verarme und stehle und mich vergreife an dem Namen meines Gottes.
Ihm ist es wichtig, dass er nie wirklich reich wird und nie wirklich arm, weil beides ganz besondere Gefahren hat. Wenn man verarmt, kann es sein, dass man sehr versucht wird, zu stehlen und auf krummen Wegen an Geld heranzukommen. Und wenn man reich ist, ist die Gefahr, dass man denkt: Es geht so gut, ich brauche Gott nicht, ich brauche den Herrn nicht. Und das ist gefährlich.
Eigentlich sollte es ja so sein, dass Gott uns in allem Gelingen gibt, es geht uns gut, wir haben keine Existenzsorgen, und dann sagen wir: Gott ist so freundlich, also dann muss ich ihn erst recht suchen. Aber es ist eigenartig: Wenn man eine ganze Serie von Christen fragt: Wie bist du zum Glauben gekommen?, dann sprechen die meisten von großen Existenzsorgen oder Schwierigkeiten im Leben. Und das hat sie dazu gebracht, zu kapitulieren.
Und eigentlich sagen gar nicht so viele: Es ging mir so gut, dass ich mir gesagt habe: Also dieser Gott ist so ein freundlicher Gott, dass es mir so unverdient gut geht, zu dem will ich umkehren. Es ist komisch, dass es mehr geschieht durch Not und durch Schwierigkeiten, durch Schmerzen, durch Leiden, durch Krankheit. Aber es könnte doch genauso sein, dass man gerade, wenn es einem gut geht und man keine menschlichen Sorgen hat, erst recht den Herrn sucht.
Aber Agur sagt: Das ist genau das Problem, und darum möchte ich nie reich werden. Das war seine persönliche Entscheidung, nicht wahr? Wir sehen in der Bibel Arme, die treu waren. Wir sehen Reiche, die treu waren. Der Reichtum selber ist nicht das Problem, sondern der Umgang mit dem Reichtum ist das Problem. Darum sagt 1. Timotheus 6, dass die Geldliebe eine Wurzel alles Bösen ist. Nicht das Geld, aber die Geldliebe ist das Problem.
Hier sehen wir eben, dass die Sorgen des Lebens das Wort ersticken können. Kein Platz mehr. Man ist so fokussiert nur noch auf die Probleme und sieht gar nicht mehr den Herrn, der helfen könnte in der Not, um hindurchzukommen, sogar durch das Tal des Todesschattens, wie David sagt in Psalm 23.
Und der Betrug des Reichtums kann eben das Wort auch wegnehmen. Und die Begierden nach den übrigen Dingen, also Begierden, Verlangen nach Dingen, die man meint, man braucht sie, um Erfüllung zu haben, die können von dem Wort ablenken. Das sind Dornen, die das Wort ersticken.
Und dann bleibt eben noch die gute Erde. Das sind jetzt die wahren Gläubigen, die Wiedergeborenen. Und von denen heißt es, dass sie das Wort hören, zweitens aufnehmen und drittens Frucht bringen. Aber es ist auch nicht bei allen gleich. Bei gewissen ist es dreißigfach, bei anderen sechzigfach, bei anderen hundertfach.
Woran liegt das? Manchmal fragt man sich bei Gläubigen, die das Wort Gottes so gut verstehen und es auch umsetzen, und bei anderen, die es ein bisschen verstehen und es auch ein bisschen umsetzen: Woher kommen diese Unterschiede?
Was wir sagen können, ist anhand des Beispiels von Daniel, der als Teenager nach Babylon kam. Und dann heißt es in Daniel 1,8: Daniel nahm sich in seinem Herzen vor, sich nicht zu verunreinigen. Er hat also den Entschluss gefasst: Ich möchte dem Herrn auch in einer ganz schwierigen, götzendienerischen, dunklen Umgebung die Treue halten, um jeden Preis. Und er hat sich auch überlegt, wie kann ich das machen, dass ich da diese Klippe umschiffen kann.
Und dann heißt es: Der Herr gab ihm Gnade. Und dann bekamen Daniel und auch seine drei Freunde, die die gleiche Sendung hatten wie er, von Gott Weisheit. Und diese Weisheit war nicht eine Weisheit, die stolz macht. Nach 1. Korinther 8 bläht Erkenntnis auf, aber es ist eben die falsche Erkenntnis, erklärte Apostel Paulus. Die wahre Erkenntnis bei Daniel hat dazu geführt, dass er noch treuer wurde.
Da geht es so im Kapitel 2 weiter. Und dann hat diese Weisheit ihn auch zu Treue geführt in neuen Schwierigkeiten, und in diesen Schwierigkeiten hat Gott wieder Erkenntnis gegeben. Und so ist es im Buch Daniel: Es ist wie eine Spirale. Wahre Erkenntnis führt zu Treue, und diese Treue führt dazu, dass er noch mehr Erkenntnis bekommt, aber eben wahre Erkenntnis, nicht die, die aufbläht. Und so geht die Spirale weiter.
Also es hängt von uns ab, was wir mit dem Wort machen. Das ist unsere Verantwortung: ob es dreißig-, sechzig- oder hundertfältig ist.
Das Geheimnis der Gleichnisse und die Trennung zwischen Innen und Aussen
Jetzt haben wir noch nicht alles gelesen, Nathanael. Wir haben die Verse zehn bis zwölf unterschlagen.
Was ein war, fragten ihn die, die um ihn waren, mit den Zwölfen, über die Gleichnisse. Und er sprach zu ihnen: Euch ist es gegeben, das Geheimnis des Reiches Gottes zu erkennen; denen aber, die draußen sind, wird alles in Gleichnissen zuteil, damit sie sehend sehen und nicht wahrnehmen und hörend hören und nicht verstehen, damit sie sich nicht etwa bekehren und ihnen vergeben werde.
Ja, also, es gibt eine Scheidung. Der Herr ist mit den Zwölfen zusammen und sagt auf die Frage, warum er jetzt plötzlich in Gleichnissen spricht. Das war vorher nicht der Fall. Also, hier hat es eine Wende gegeben, und wir wissen, was die Wende war: Das Volk Israel hat den Herrn bewusst verworfen, und das war ein Schnitt.
Wir sind jetzt schon, eben über ein Jahr, mit dem öffentlichen Dienst des Herrn hier unterwegs gewesen. Und da kommt diese grundsätzliche Verwerfung, und das Volk lässt sich eben beeinflussen. Und jetzt gibt es eine Entscheidung. Solche, die wollen, verstehen das Wort noch besser. Der Herr spricht in Gleichnissen, um eben Dinge mit Vergleichen noch verständlicher zu machen. Aber für die, die nicht wollen, die verstehen wegen der Gleichnisse gar nichts mehr. Sie verstehen nur noch Bahnhof, wie man heute sagt.
Aber das ist diese Trennung, die der Herr gebracht hat. Und er sagt den Zwölfen: Euch ist es gegeben, die Geheimnisse des Reiches Gottes zu erkennen. Und da macht er einen Unterschied: Die draußen sind, die können es nicht. Und zwar erfüllt sich so das Wort aus Jesaja 6. Wir kommen da nächstes Mal nochmals darauf zurück, aber nur schon, damit man das schon einmal gehört hat.
Dort wird prophezeit, dass Gott über Israel eine Verblendung bringen wird. Und diese Verblendung ist nicht einfach Schicksal, sondern sie kommt über die, die eigentlich nicht wollen. Die sollen gar nicht mehr verstehen. Und die, die wollen, wie die Jünger, die sollen noch besser verstehen. Und darum hat der Herr ihnen dann speziell nochmals die Dinge erklärt. Liest du schon mal vorweg noch, Nathanael, Vers 34?
Ohne Gleichnis aber redet er nicht zu ihnen; seinen eigenen Jüngern aber erklärt er alles besonders.
Ja, also, die, die wollen, die bekommen noch Zusatzunterricht. Und die, die nicht wollen, die hören, die kommen einfach nicht daraus, verstehen das Wort nicht. Das ist ein Gericht.
Ganz interessant: Der Erfinder einer Rechenmaschine, Blaise Pascal, das war ein Denker in der Aufklärungszeit, der aber vor den Aufklärungsphilosophen warnte. Er hat sich Gedanken gesammelt, um ein Buch gegen die Aufklärungsphilosophen zu schreiben. Übrigens ist das auch dieser Pascal, der das Pascaldreieck in der Mathematik erfunden hat. Und er hat dann diese Gedankensammlung zusammengefasst in seinem Buch mit dem Namen Pensées, Gedanken. Da schreibt er ganz interessante Dinge. Das gehört übrigens zur französischen Literatur, Les Pensées de Blaise Pascal.
Da schreibt er zum Beispiel auch: Ein wichtiger Beweis für den Glauben ist die Erfüllung der messianischen Prophetie. Und er macht eine Zusammenstellung über die Prophetie: Der Messias soll in Bethlehem geboren werden, Micha 5; der Messias soll nach so und so vielen Jahrwochen kommen, nämlich im ersten Jahrhundert, nach Daniel 9; und so weiter. Er stellte alles Schönes zusammen.
Und in diesem Buch schreibt er: Es gibt genügend Licht, um zu sehen, und es gibt genügend Finsternis, um nicht zu sehen. Das hilft uns im Umgang mit den Menschen. Man begegnet Menschen, die so offen für das Wort sind und es auch verstehen. Man kann ihnen erklären, und sie haben Freude daran, dass es diese Erklärungen zu diesen Fragen gibt.
Und anderen ist alles zu, alles unlogisch, nein, stimmt doch gar nicht, alles wird abgewiesen. Und die begründen dann schon aus dem und dem Grund und dem und dem Grund, dass diese Finsternis da ist. Es gibt genügend Finsternis, um nicht sehen zu können, aber es gibt genügend Licht, um sehen zu können. Und das hängt von uns ab. Das ist nicht einfach ein Schicksal. Die waren nicht einfach bestimmt: Die sollen nicht erkennen, und die sollen erkennen. Nein, die, die wollten, bekamen noch mehr Licht, und die, die nicht wollten, die bekamen noch mehr Unklarheit.
Übrigens, an meiner mündlichen Matura, in Deutschland sagt man Abitur, da hat meine Französischlehrerin, mit der ich viele Diskussionen hatte oder immer wieder im Unterricht über Glaubensfragen, mir einen Text von Blaise Pascal gebracht, und zwar ausgerechnet den Text über messianische Prophetie. Das war wirklich eine wunderbare Matura-Prüfung. Da gehe ich noch gerne heute zurück und bin ihr von Herzen dankbar.
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