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Der Sabbat wird gebrochen – Teil 2

Jesu Leben und Lehre, Teil 144/690
01.06.2022Johannes 5,17-18
SERIE - Teil 144 / 690Jesu Leben und Lehre

Gott wird Mensch – Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist.

Episode 144: Der Sabbat wird gebrochen. Teil zwei.

Einleitung: Die Herausforderung des Sabbatverständnisses bei Jesus

In der letzten Episode sind wir auf ein ganz merkwürdiges Phänomen gestoßen. Johannes schreibt über Jesus in Johannes 5,18: „Darum suchten die Juden noch mehr, ihn zu töten, weil er den Sabbat aufhob.“

Ich gebe gerne zu, dass mich diese Aussage selbst lange verwirrt hat. Wie kann es sein, dass Jesus den Sabbat bricht, wenn es an anderer Stelle ganz klar heißt: 1. Petrus 2,21-22: „Denn hierzu seid ihr berufen worden; denn auch Christus hat für euch gelitten und euch ein Beispiel hinterlassen, damit ihr seinen Fußspuren nachfolgt, der keine Sünde getan hat. Auch ist kein Trug in seinem Mund gefunden worden.“

Jesus ist der Gerechte, der Heilige, unser Vorbild. Dennoch merken wir, dass sein Umgang mit dem Sabbat gelinde gesagt merkwürdig ist.

Das merkwürdige Verhältnis Jesu zum Sabbat

Und das beginnt schon damit, dass Jesus seine Jünger niemals ausdrücklich zur Sabbatheiligung auffordert. Ist das nicht irgendwie merkwürdig? Der Sabbat gehört zu den Zehn Geboten. Er ist das Zeichen, mit dem Gott auf sich hinweisen will.

In 2. Mose 31,13 heißt es: „Du aber rede zu den Söhnen Israel und sage ihnen: Haltet nur ja meine Sabbate, denn sie sind ein Zeichen zwischen mir und euch, für alle eure Generationen, damit man erkenne, dass ich der Herr bin, der euch heiligt.“

Und doch findet sich bei Jesus kein Hinweis darauf, dass er von seinen Jüngern verlangt, den Sabbat zu halten. Was sie dann ja auch tatsächlich nicht tun.

Der Gottesdienst wird in der Apostelgeschichte am ersten Tag der Woche gefeiert – dem Tag der Auferstehung, dem Tag des Neuanfangs.

In Apostelgeschichte 20,7 heißt es: „Am ersten Tag der Woche aber, als wir versammelt waren, um Brot zu brechen, unterredete sich Paulus mit ihnen, da er am folgenden Tag abreisen wollte, und er zog das Wort hinaus bis Mitternacht.“

Diese Praxis eines Gottesdienstes am Sonntag findet sich dann auch durchweg bei den ersten Christen. Ein Beispiel dafür ist ein Zitat von Justinus Martyr aus dem zweiten Jahrhundert, in der Apologie I, Kapitel 67:

„Am Sonntag aber halten wir alle gemeinsam die Zusammenkunft, weil er der erste Tag ist, an welchem Gott durch Umwandlung der Finsternis und des Urstoffes die Welt schuf und weil Jesus Christus, unser Erlöser, an diesem Tage von den Toten auferstanden ist. Denn am Tag vor dem Saturnustag wurde er gekreuzigt, und am Tag nach dem Saturnustag, das heißt am Sonntag, erschien er seinen Aposteln und Jüngern und lehrte sie das, was wir zur Erwägung auch euch vorgelegt haben.“

Die Wahrnehmung Jesu durch seine Gegner und die eigene Sicht als junger Christ

Mir fällt auf, dass der Sabbat in der Lehre Jesu für seine Jünger keine Rolle spielt. Gleichzeitig beschreiben Jesu Feinde ihn als jemanden, der den Sabbat nicht hält.

In Johannes 9,16 heißt es: "Da sprachen einige von den Pharisäern: Dieser Mensch ist nicht von Gott, denn er hält den Sabbat nicht."

Als junger Christ dachte ich, dass die Pharisäer sich einfach irren. Mein Denken war ungefähr so: Wenn die Pharisäer meinen, dass der Herr Jesus den Sabbat bricht, dann beurteilen sie ihn nach ihren eigenen Maßstäben, aber nicht nach der Bibel. Es ist also ihr Pharisäer-Maßstab kontra das biblische Original.

Ich dachte, dass sie Jesus deshalb verurteilen, weil er sich nicht an ihre menschengemachten Sondergebote zum Sabbat hält. Diese Gebote spielen aber vor Gott und im Blick auf echte Sünde überhaupt keine Rolle.

In den Augen der Pharisäer war Jesus jemand, der den Sabbat bricht. Vor Gott aber war Jesus einer, der den Sabbat hält. So war mein Denken als junger Christ.

Die neue Erkenntnis über Jesu Haltung zum Sabbat

Und dann kam eben Johannes 5,17: Jesus aber antwortete ihnen: „Mein Vater wirkt bis jetzt, und ich wirke.“

Mit diesem Vers kam die Einsicht, dass der Herr Jesus überhaupt nicht vorhatte, den Sabbat in irgendeiner Weise als Ruhetag einzuhalten.

Das passt auch gut dazu, dass nirgends in den Evangelien ein Satz steht wie: „Und am Sabbat ruhte Jesus mit seinen Jüngern nahe bei Jericho am Brunnen.“ So einen Satz gibt es nicht. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass Jesus den Sabbat als Ruhetag gehalten hätte.

Man muss jetzt sehr vorsichtig sein, wenn man aus dem Schweigen der Schrift Theologie ableitet. Das ist mir auch klar.

Dennoch ist es merkwürdig, dass der Sabbat im Leben Jesu und seiner Jünger so gut wie keine Rolle spielt. Wie kann das sein?

Das Ende des mosaischen Gesetzes und seine Bedeutung für den Sabbat

Und damit kommen wir zu einer anderen Frage, nämlich: Wie lange gilt eigentlich das mosaische Gesetz, oder wann endet der alte Bund?

Eine Antwort auf diese Frage finden wir in Galater 3 und Lukas 16.

 Galater 3,19: Was soll nun das Gesetz? Es wurde der Übertretungen wegen hinzugefügt, bis der Nachkomme käme, dem die Verheißung galt.

 Lukas 16,16: Das Gesetz und die Propheten gelten bis auf Johannes. Von da an wird die gute Botschaft vom Reich Gottes verkündigt, und jeder dringt mit Gewalt hinein.

Wir halten also fest: Das mosaische Gesetz endet mit der Predigt von Johannes dem Täufer und mit dem Auftreten des Messias.

Wenn das stimmt, dann wird Jesus zwar noch unter dem Gesetz geboren, aber der alte Bund und das mosaische Gesetz verlieren ihre Gültigkeit, sobald Johannes der Täufer seinen Predigtdienst einstellt und Jesus mit seinem messianischen Lehrdienst beginnt.

Wenn ich davon spreche, dass das mosaische Gesetz in dem Moment endet, in dem Jesus seinen Lehrdienst aufnimmt, dann ist mir bewusst, dass die Menschen, mit denen Jesus zu tun hatte, das nicht so sahen. Für die jüdische Gesellschaft war der alte Bund sehr präsent.

Und doch war mit diesem Rabbi aus Nazareth etwas absolut Neues angebrochen. Obwohl das Neue noch im Werden war – Kreuz, Auferstehung, Himmelfahrt und Pfingsten standen noch aus – ist das Neue schon da.

Der Herr Jesus meint es ernst, wenn er sagt: Kommt her zu mir, all ihr Mühseligen und Beladenen, und ich werde euch Ruhe geben. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig, und ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen.

Diese Einladung, dem König zu folgen, sein Joch zu tragen und bei ihm die Seele zur Ruhe zu bringen, ist ernst gemeint und gilt bereits den ersten Zuhörern vor Pfingsten.

Merkt ihr, ein neuer Bund bricht an.

Und wenn das stimmt, dass das mosaische Gesetz nur hinzugefügt wurde und einen Anfang sowie ein Ende hat, kann es dann sein, dass das Sabbatgebot zur Zeit Jesu bereits nicht mehr existierte?

Dass Jesus das Sabbatgebot brechen konnte, weil es gar nicht mehr in Kraft war?

Dazu dann mehr in der nächsten Episode.

Abschluss und Ausblick

Was könntest du jetzt tun? Du könntest dir Galater 3 anschauen und über das Ende sowie den Zweck des mosaischen Gesetzes nachdenken.

Das war's für heute.

Wenn du noch nicht regelmäßig Bibelverse auswendig lernst, dann fang doch heute damit an.

Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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