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Himmelfahrt: Die Freude Jesu

07.05.1959Psalm 21,2-3

Gnade sei mit uns und Friede von dem, der da ist, der da war und der da kommt. Amen.

Wir hören ein Wort zur Himmelfahrt aus dem 21. Psalm. Der Herr, Psalm David, heißt der Herr, der König, freut sich in deiner Kraft. Wie sehr fröhlich ist er über deine Hilfe!

Du gibst ihm seines Herzens Wunsch und verweigerst ihm nicht, was sein Mund bittet.

Verheilige uns in deiner Wahrheit; dein Wort ist die Wahrheit. Amen.

Die Bedeutung des Himmelfahrtstages im historischen und geistlichen Kontext

In meiner Himmelfahrt sehe ich den herrlichsten Festtag unter allen christlichen Festen. Unser König besteigt den himmlischen Thron. Der Vater sagt zum Sohn: „Setze dich zu meiner Rechten, bis ich alle deine Feinde zum Schemel deiner Füße lege!“

In der Hitlerzeit war das Himmelfahrtsfest abgeschafft. Es wurde damals mit Weihnachten oder einem anderen Fest zusammengelegt. Es gab diese Zeit, in der es nicht gefeiert wurde.

Ich erinnere mich an den Glanz und die Freude über das Himmelfahrtsfest 1945, trotz aller Trümmer und des Jammers. Wir durften wieder offen und ungehindert durch niedrigstirnige Menschen unsere Thronbesteigung feiern. Das war ein unbeschreiblich schöner Tag.

Darum gibt es Stunden, in denen ich wirklich heulen könnte, weil mein Volk mit diesen Tagen nichts mehr anzufangen weiß. Aus diesem unbeschreiblich herrlichen Festtag ist ein so ganz niedriges Sauch- und Narrenfest geworden. Der Karneval hat ja noch Niveau im Vergleich zu dem, was heute geschieht. Ich tröste mich einfach damit am ersten Himmelfahrtstag.

Vor zweitausend Jahren waren es ja auch nur ganz wenige Leute, die die eigentliche Sache miterlebten. Jesus nahm seine Jünger mit hinaus – elf Männer. Sie erlebten diese ganz kleine, auserwählte, armselige, aber von Gott geliebte Schar. Sie erlebten die Himmelfahrt.

Sie durften dabei sein, als die Tore der ewigen Welt sich auftaten und der Sohn zurückkehrte in – drücken wir es am besten so aus – die andere Dimension, die Welt Gottes ist. Eine Wolke nahm ihn vor ihren Augen weg.

Das Alte Testament schildert diesen Vorgang, dieses Heimkommen Jesu, mit den Worten: „Gott fährt auf mit Jauchzen und der Herr mit Posaunen.“ Wenn man die Himmelfahrtsberichte liest, diese ganz kurzen Berichte, dann hat man den Eindruck, dass diese Jünger, diese wenigen Männer, etwas gehört haben von den himmlischen Posaunen und dem Jauchzen der Engel, die den zurückkehrenden Sohn Gottes umgaben.

Ich meine, etwas von diesem Jauchzen müsste an diesem Tag heute in unseren Herzen klingen.

Die Freude Jesu am Himmelfahrtstag als zentrales Thema

Jünger lehnten vor allem etwas ab, das habe ich erst in den letzten Jahren entdeckt. Komisch, die Bibel ist so reich, man entdeckt immer wieder etwas Neues, nicht wahr?

Die Jünger erlebten die Freude Jesu, die Freude Jesu. Ich möchte heute mit Ihnen über die Freude Jesu am Himmelfahrtstag sprechen. Davon handelt nämlich unser Text.

Ich gebe zu, dass das kein Thema ist, das die Welt interessiert. Vielleicht werde ich mir sogar jeden Vorwurf gefallen lassen müssen, wenn Ihr Pfarrer so unaktuelle Dinge bespricht. Dann kommt natürlich kein Mensch. Man fordert: „Red doch mal über die Genfer Konferenz oder darüber, wie die Großmutter 90 Jahre alt wird“ oder irgendetwas ganz Aktuelles.

Mir wäre das lieber nicht. Sehen Sie, ich bin überzeugt, dass dieses Thema von der Freude Jesu zwar die Welt nicht interessiert. Gut, dann möge sie also weiße Hütchen tragen und sich betrinken. Aber die, die Jesus lieben, ihn kennen und etwas erfahren haben von seiner Erlösung, die bewegt die Freude Jesu ungeheuer. Und ich wünsche Ihnen, dass Sie zu diesen Leuten gehören.

Ich lese den Text nochmals:
„Herr, der König freut sich. Der König ist Jesus. Der König freut sich in deiner Kraft. Du gibst ihm seines Herzens Wunsch und verweigerst nicht, was sein Mund bittet.“

Die Freude Jesu in der Kraft Gottes

Die Freude Jesu – ich möchte dreierlei dazu sagen.

Erstens: Der Herr Jesus freut sich am Himmelfahrtstag in der Kraft des lebendigen Gottes. Der Herr, der König, freut sich in deiner Kraft. Ach, was war das für ein wundervoller Tag! Erstens freut sich der Herr Jesus in der Kraft Gottes. Was für ein wundervoller Tag war es, als der Herr Jesus mit seinen Jüngern auf dem Ölberg stand. Ich habe dieses Bild geistlich vor mir gesehen: tiefe Stille ringsum. Der Blick geht hinüber zur fernen Stadt Jerusalem, ins Land hinein, ins Bergland, und mitten unter ihnen steht der Auferstandene.

Es ist ihm immer noch unfassbar, dass er aus dem Tod gekommen ist. Die Jünger, die ihn am Kreuz gesehen hatten, stehen unter ihnen. Da hebt er die Hände und segnet sie. So ein wunderschöner Satz: „Und er hob die Hände auf und segnete sie.“ Das Letzte, was die Jünger sehen, sind die segnenden Hände Jesu. In diesen Händen leuchten und funkeln die Zeichen ihrer Erlösung – die Nägelmale. Dann nimmt eine Wolke, ein geheimnisvoller Vorgang, ihn vor ihren Augen hinweg, so steht es in der Apostelgeschichte.

Die Jünger sind überzeugt, dass sich in diesem Augenblick für sie gar nicht viel geändert hat. Sie wissen, dass Jesus im Geist noch genauso da ist wie vorher. Darum heißt es hier, sie beteten ihn an und gingen nach Jerusalem zurück. Für sie hat sich nicht viel verändert; sie haben noch ihren Heiland.

Aber für den Herrn Jesus hat sich jetzt viel verändert, und das möchte ich Ihnen gern deutlich machen. Für Jesus hat sich viel verändert. Sehen Sie, wenn man das Geheimnis und die Person Jesu richtig verstehen will, dann muss man wissen, dass Jesus vor seiner Menschwerdung in der ewigen Welt beim Vater war.

Hören wir endlich auf mit diesem dummen liberalen Quatsch, dass er nur ein Religionsstifter sei, eine Blüte der Menschheit oder irgendetwas Dummes. Daran habe ich gar kein Interesse. Die ganze Kirche ist voll von Blüten der Menschheit. Aber ich habe Interesse daran, dass der eine aus einer anderen Dimension zu uns gekommen ist. Das ist interessant, das ist aufregend – dass er vor seiner Menschwerdung beim Vater war.

Die Bibel schildert seine Menschwerdung mit dem seltsamen Wort: „Er entäußerte sich selbst.“ Er entäußerte sich selbst. Und sehen Sie, als er an der Schwelle der tiefsten Entäußerung steht, am Beginn seines Leidens, da tat der Herr Jesus ein aufschlussreiches Gebet. Es heißt: „Vater, nun verkläre mich du bei dir selbst mit der Klarheit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war.“ Das heißt: Vater, gib mir die Herrlichkeit zurück, deren ich mich entäußert hatte, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war.

Dieses Gebet, das am Anfang der Passion Jesu steht, wurde am Himmelfahrtstag erhört. Da verklärt ihn der Vater mit der Klarheit, die er bei ihm hatte, ehe die Welt war. Ja, Gott, der Vater, erhört dieses Gebet übermäßig. Es ist ihm viel größere Herrlichkeit gegeben als zuvor, weil er gehorsam war bis zum Tod am Kreuz, weil er gehorsam war bis zum letzten Blutstropfen, weil er der Versöhner der Welt wurde.

„Darum,“ so sagt die Bibel und sie sagt die Wahrheit, „hat ihm Gott alles unter seine Füße getan.“ Und Jesus kann sagen: „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden.“ Darf ich Ihnen sagen, meine Freunde: Die Welt lacht über diesen Satz und sagt, davon merken wir nichts. Die Welt kann sich Machtausübung immer nur in einer dummen Form vorstellen – mit Polizei, Gefängnis, Erschießen, Waffen und Krieg.

Die Welt könnte bei Jesus vielleicht mal eine neue Form der Machtausübung lernen – das nur nebenbei. Das wird die Welt nicht heilen, sie wird weiter darüber lachen. Aber wir wissen: Ihm ist alle Gewalt im Himmel und auf Erden gegeben.

Welche Freude erfüllt nun das Herz Jesu an diesem Sieges- und Ehrentag? Da freut sich der König in deiner Kraft, da verklärt ihn der Vater mit der Klarheit, die er hatte, ehe die Welt war. O Freunde, wenn wir diese Freude Jesu richtig verstehen wollen, dass er sich an der Kraft Gottes freut, dann muss ich Ihnen erst noch die ganze Kraftlosigkeit in seiner Entäußerung zeigen.

Gehen Sie mit mir noch einmal in die Passionsgeschichte, in den dunklen Garten Gethsemane. Dort liegt er auf dem Angesicht, ganz kraftlos. Er hat kaum die Kraft, Ja zu sagen zum Willen des Vaters. Unter Blut und Tränen muss er seinem Herzen den Gehorsam abzwingen. Er wimmert förmlich zu den Jüngern: „Wacht mit mir!“ Oh, welch ein kraftloser Mann!

Und dann hängt er am Kreuz, und nun ist alles, alles von ihm genommen. Da ist er in der Hölle für uns. Da ruft er: „Mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Denn meine Freunde, das ist die Hölle: dass man nicht ein Stippchen mehr von der Kraft Gottes erfahren kann, die trägt. Ich habe Angst vor der Hölle, wo nicht ein Strahlchen von der Kraft Gottes mehr hinkommt. Und da ist Jesus für mich in der Hölle, dort am Kreuz, in völliger Kraftlosigkeit!

Dieses stellvertretende Elend müssen wir ansehen, dieses stellvertretende Elend Jesu müssen wir ansehen, um zu verstehen: Am Himmelfahrtstag nimmt der Vater ihn hinein in die göttliche Kraft. Da ist er erfüllt mit der Kraft Gottes, da wird er aufgehoben und sitzt zur Rechten Gottes. Der König freut sich in deiner Kraft.

Es könnte sein, dass jemand denkt: „Pastor Wucht, das ist eine ganz schöne theologische Erwägung, aber was geht das mich an? Das geht mich gar nicht an.“ Meine Freunde, das ist sehr töricht gedacht.

Ich war in der vorigen Woche in Hannover auf der Industriemesse. Dort habe ich nicht nur Vorträge gehört, sondern mir auch sehr intensiv die Industriemesse angesehen. Für mich, der ich Laie bin in technischen Dingen, war das einfach überwältigend. Riesige Maschinen, Lokomotiven, Bagger und Kräne, dann Robotermaschinen, die in einer Sekunde zweitausend Rechenvorgänge machen oder zweihundert – ich weiß nicht genau, so fantastisch!

Oder so ein riesengroßer Kran, der schwebt, greift und läuft auf Schienen, ganz ohne Bediener. Irgendwo steht ein Mann, hat so ein Kästchen und drückt bloß drauf – und lenkt den ganzen Kran mit seiner Antenne daran. Es ging mir auf, welche Kräfte die Technik heute entfesselt und bändigt. Ungeheuer!

Aber weil ich nun doch Pfarrer bin, habe ich mir nicht nur die Maschinen angesehen, sondern auch die Menschen. Da ging mir auf: All diese Kräfte der Technik sind nicht imstande, ein Menschenherz zu verändern. Sie können keinen egoistischen Menschen, der sich immer um sich selbst dreht, vielleicht noch mit frommen Worten, aus dieser schrecklichen Drehung herausbringen.

All diese Kräfte sind nicht imstande, die Last der Schuld von ihrem und meinem Herzen wegzunehmen. Sie sind nicht imstande, die Mächte des Todes und der Sünde zu zerreißen. Alle diese Kräfte nicht. Das heißt: Diese ganze Technik, vor der man staunen kann, ist die Anbetung nicht wert, weil sie die Welt nicht wirklich verändert.

Und nun ist dies die Botschaft von Himmelfahrt: Der König freut sich in deiner Kraft. Der Herr Jesus ist dieser Welt zum Heiland gegeben. Und in ihm ist wirklich die Kraft Gottes, Schuld wegzunehmen, Ketten zu lösen, von der Hölle zu erretten, Häuser und Familien neu zu machen.

Sehen Sie, darum geht es uns an. Der König freut sich an der Kraft, Herr Jesus. Da will ich mich mitfreuen, dass mein Heiland die ganze Kraft Gottes hat, denn die brauche ich, um errettet und selig zu werden. Und Sie auch!

Die Freude Jesu über seine Gemeinde als Braut

So, und nun zum Zweiten: Wir wollten von der Freude Jesu sprechen, von der Freude Jesu am Himmelfahrtstag.

Er freut sich – ich sage, er freut sich über die Kraft Gottes, er freut sich über seine Braut. Es ist eine Gruppe junger Leute, die sich auch über ihre Braut freuen, ebenso wie Jesus. Er freut sich über seine Braut, und das muss ich Ihnen erklären.

Sehen Sie, hier steht: „Du gibst ihm seines Herzens Wunsch.“ Was ist denn der Herzenswunsch des Herrn Jesus am Himmelfahrtstag? Wenn wir das fragen, tauchen wir tief in die göttlichen Geheimnisse ein. Wir sind doch sonst so neugierig, meine Freunde: Was Adenauer in Kadernabia geflüstert hat, was Eisenauer hinter verschlossenen Türen besprochen hat – das möchten wir doch gern wissen, oder? Was die beiden Nachbarinnen getratscht haben, hätten wir eigentlich nicht so gern gewusst. Oder was in einem Brief steht – wir sind doch immer neugierig, nicht wahr?

Warum sind wir eigentlich so wenig neugierig, wenn es um göttliche Dinge geht? Wir wollen tausend Geheimnisse entschleiern, die ganze Illustriertenindustrie lebt doch davon, dass sie dauernd irgendwelche Geheimnisse enthüllt – die eigentlich gar keine sind und oft nur halb wahr. Warum also sind wir so wenig neugierig, wenn es um göttliche Geheimnisse geht? Seien wir doch neugierig: Was ist der Herzenswunsch des Herrn Jesus?

Wenn ihr still seid: „Du gibst ihm seinen Herzenswunsch.“ Meine Freunde, der Herzenswunsch des Herrn Jesus wird im Alten Testament angedeutet. Dort sagt der Herr Jesus: „Meine Lust ist bei den Menschenkindern.“ Das weist darauf hin, dass sein Herzenswunsch den Menschen gilt. Und nun sagt uns das Neue Testament ganz klar und unverblümt: Der Herzenswunsch des Herrn Jesus ist seine Gemeinde. Eine Gemeinde, die ganz ihm gehört, die ihn ural liebt, in der er der Mittelpunkt ist, Menschen, die sich um ihn drehen, eine Gemeinde, die ihn liebt und anbetet.

Das ist seines Herzens Wunsch. Um diese Gemeinde geht es ihm. Für sie hat er alles getan und tut er alles. Für diese Gemeinde ist er gekommen, für sie am Kreuz gestorben und hat bezahlt. Sie beschenkt er mit seinem Heiligen Geist, mit dem Regen und Tau seiner Gnade. Diese Gemeinde liebt er über alles. Darum nennt der Herr Jesus in der Bibel seine Gemeinde seine Braut.

Also, da haben wir letztes Mal darüber gesprochen: Gemeint ist nicht die Gemeinde Rüttenzeitgemäß oder die Gemeinde Altstadt, Gemeinde Tüterich, sondern die Gemeinde, die ihm gehört, die ihn liebt und sich um ihn dreht. Diese nennt er seine Braut.

Lesen wir mal ein Lied, wundervoll, das Gespräch Jesu mit seiner Braut. Und sehen Sie, ich stelle mir den Himmelfahrtstag noch einmal vor: Da steht Jesus, hebt die Hände auf und segnet. Er nimmt die Wolken weg, und sein Blick ruht auf diesem Häuflein von elf Jüngern. In der Welt der Verlorenheit sieht er in diesen elf Jüngern seinen Herzenswunsch, seine Gemeinde. Sie haben alles verlassen, um ihn zu folgen. Sie lieben ihn, sie glauben an ihn, sie wissen um seine Erlösung.

Er sieht in diesen elf seine Gemeinde. Und in diesen elf Jüngern sieht er die Millionenschar aus allen Völkern, Sprachen und Zungen und aus allen Zeiten, die zu seiner Gemeinde gehören. In diesen Jüngern sieht er auch die unter uns, die zu seiner Gemeinde, zu einer wirklichen gläubigen Gemeinde gehören.

Und als der Herr Jesus in seinen Jüngern seine Gemeinde sieht, da freut sich sein Herz. Der Vater hat den Wunsch erfüllt, die Braut gegeben, die Gemeinde. Der König freut sich: „Du gibst ihm seines Herzens Wunsch.“

Meine Freunde, neulich sagte mir jemand ganz höhnisch: Das Christentum hat ja zweitausend Jahre Zeit gehabt, die Welt zu verändern. Es hat es nicht geschafft, es ist bankrott, muss abtreten. Da liegt einem ja auf der Zunge zu sagen: Sie haben sich ja auch nicht verändert, oder? Wir sind gespannt, wenn Sie es besser können.

Ich finde nicht, dass irgendein System die Welt so ideal und schön gemacht hätte. Finden Sie? Finden Sie, dass der Bolschewismus die Welt schön gemacht hat? Oder hat der Hitlerismus die Welt schön gemacht? Ich finde nicht. Diesen dummen Satz könnte man nun mit Retourkutschen beantworten, aber das ist immer eine dumme Sache. Deshalb habe ich dem Mann gesagt: Wer hat Ihnen eigentlich gesagt, dass Jesus die Welt verändern wollte?

Diese Welt hat keine Verheißung und geht nur der Auflösung entgegen. Es geht Jesus nicht um die Feldreform, sondern um seine Gemeinde. Darum wurde er geboren, darum hat er bezahlt, darum wird sein Geist gesandt, damit seine gläubige Gemeinde werde. Darum geht es ihm.

Der Welt würde es passen, wenn sie zu all ihren Reformen noch ein Tröpfchen davon bekäme. Diese Welt ist nicht zu retten. Und darum ist am Himmelfahrtstag die große Frage für uns, ob wir zu dieser Gemeinde gehören, die nun allerdings das Salz der Erde ist – müssen wir eine Klammer dazusagen oder unterstreichen –, die immerhin das Salz der Erde ist.

Liebe Freunde, der König freut sich: „Du gibst ihm seines Herzens Wunsch.“ Gehören wir zur Gemeinde, zur Braut Jesu? Gehören wir dem Heiland? Ich beschwöre Sie wieder einmal: Hören Sie auf mit Ihrem Christentum und gehören Sie endlich dem Herrn Jesus Christus, dessen Unterschied klar und deutlich ist.

Es hängt alles daran, dass wir zu dieser Gemeinde der Glaubenden, Erneuerten und Wiedergeborenen gehören, denen alle Verheißungen gehören.

Die Freude Jesu über seinen Fürsprecherdienst am Himmel

Lassen Sie mich noch kurz ein drittes sagen: Die Freude des Herrn Jesus erfreut sich an deiner Kraft. Er freut sich über seine Braut, seine Gemeinde.

Und nun drittens: Er freut sich am Himmelfahrtstag über das, was kommt, über den Dienst, der vor ihm liegt. Es heißt hier: Du weigerst nicht, was sein Mund bittet.

Eine wichtige Aussage, denn man könnte denken, am Himmelfahrtstag sei Jesu Heilswerk abgeschlossen: Er wurde unser Bruder, er starb am Kreuz, er bezahlte für unsere Sünden, er ist auferstanden und hat den Tod besiegt. Und nun geht er zurück – das Werk sei vollendet. Doch das ist nicht richtig.

Das Heilswerk meines Heilandes ist nicht abgeschlossen. Im Augenblick, in dem er zum Vater zurückkehrt, beginnt die Fortsetzung seines Dienstes. Diesen Dienst drückt die Bibel so aus: Im Römerbrief heißt es, er sitzt zur Rechten Gottes und vertritt uns. Oder im ersten Johannesbrief: So wir sündigen, haben wir einen Fürsprecher beim Vater, Jesus, der auferstanden ist.

Jesus ist zur Rechten Gottes als Fürsprecher für sein Volk. Oh, welch herrlicher Himmelfahrtstag, der mir diesen Fürsprecher zur Rechten Gottes gegeben hat! Sofort würde ich mich verloren geben – verloren vor dem heiligen, schrecklichen, großen Gott in meiner Sünde, in meiner entsetzlichen Schwachheit, in allem Guten gegenüber –, wenn ich nicht diesen Fürsprecher am Thron Gottes wüsste, der mit seinem Blut für mich eintritt.

Meine Freunde, es ist ein großer Irrtum, wenn Christen meinen, sie könnten auch nur einen Schritt tun, ohne dass der Fürsprecher Jesus für sie eintritt. Aber es ist ebenso ein großer Irrtum, wenn man sich andere Fürsprecher sucht – Heilige, Maria, Engel, Menschen, Priester. Sie können dich nicht erlösen.

Es ist eine befreiende Botschaft: Der Sohn Gottes selbst ist erhöht, sitzt zu Recht zur Rechten Gottes und tritt für sein Volk ein. Eine wundervolle Botschaft.

Am Himmelfahrtstag mache ich mir immer folgendes klar: Im Alten Testament wird erzählt, dass der Hohepriester, wenn er ins Allerheiligste ging, ein besonderes Gewand trug. Auf der Brust hatte er ein Schildlein aus Gold und Edelsteinen, auf dem die Namen der zwölf Stämme Israels, des Volkes Gottes, standen.

Ich habe mich immer gewundert, mit welcher Ausführlichkeit ein ganzes Kapitel lang erzählt wird, wie mit goldenen Ketten, Ringen und Ösen dieses Schild ganz fest am Gewand des Hohenpriesters befestigt wird, sodass es nicht abgenommen werden konnte. Eines Tages wurde mir klar, dass dies alles auf Jesus hinweist.

Er trägt die Namen der Seinigen im Allerheiligsten vor dem Thron Gottes. Das Schildlein kann nicht herunterfallen, es ist ganz fest befestigt. „Deines Volkes wahre Namen“ heißt es in einem Liedvers: „Trägst du auf deiner Brust.“ Und an den geliebten Samen denkst du mit großer Lust.

Jesus sitzt zu Recht in Gottes Vertretung. Sehen Sie, diese Fürbitte Jesu ist vollmächtig. Das ist seine Freude am Himmelfahrtstag: Dass er zum Vater geht und mit Vollmacht für die Seinigen eintreten kann. Wie es hier heißt: Der König freut sich, denn du Gott weigerst nicht, was sein Mund bittet.

Jesu Fürsprache ist unendlich vollmächtig. Nur sehen Sie zu, meine Freunde, dass Ihr Name auf dem Schildlein Jesu steht – oder wenigstens auf dem derer, die zum Volk Gottes gehören.

Darf ich noch einmal sagen: Es mag sein, dass das in der Sprache unserer Zeit schrecklich fremd klingt und wir andere Sorgen haben. Gott sagt mir: „Wir haben andere Sorgen.“ Da habe ich ihm gesagt: „Passen Sie auf, in hundert Jahren leben wir alle nicht mehr. Und dann stehen wir alle vor Gott. Und dann haben wir alle nur noch eine einzige Sorge: Steht mein Name auf seinem Schild? Gehöre ich seiner Herde an oder nicht?“

Und wenn in hundert Jahren, wenn wir alle in der Ewigkeit sind, dies unsere einzige Sorge ist, dann sollte es wohl heute auch unsere allererste Sorge sein.

Schlussgebet und Dank

Wir wollen beten: Herr, wir danken Dir, dass Du als erfüllter Herr nur einen Gedanken, einen Wunsch und einen Willen hast – Deine Gemeinde zu retten, zu segnen, zu heiligen und zu schmücken.

Wir danken Dir, dass all Deine Macht uns gehören soll. So freuen wir uns in Deiner Kraft, Herr Jesus.

Wir danken Dir auch, dass der Vater Deinen Herzenswunsch erfüllt hat und die Gemeinde gegeben hat. Wir freuen uns mit Dir, Herr, dass Seine Fürsprache mächtig ist. Amen.