Begrüßung und Platzfindung im Versammlungslokal
Es sind noch Plätze frei, besonders an den Ecken. Heben Sie bitte die Hände, wo noch Platz ist. Winken Sie den Leuten hinten zu. Sehen Sie, hier ist überall Platz.
Liebe Leute, orientieren Sie sich an den Händen. Drehen Sie sich um und winken Sie denen zu, die noch stehen. Helfen Sie sich christlich gegenseitig. Hier habe ich Schwestern, die kommen im letzten Moment von der Krankenpflege.
Verstehen Sie mich alle gut? Wer versteht mich nicht? Es gibt Leute, die behaupten, hier wären nur Auswärtige. Jetzt wollen wir das doch mal feststellen.
Lieber, lauf! Soll ich „lauf“ sprechen? Lauf doch, so! Bitte, was bedeutet der Arm? Dass Sie mich nicht verstehen oder dass noch Platz ist? Es ist noch Platz.
Melden Sie sich, wenn Sie mich nicht verstehen. Nach einer Versammlung kam mal eine Frau und sagte: Es war sehr schön, aber ich habe nichts verstehen können. Ohne Mikrofon wäre ich viel besser dran. So würden Sie mich viel besser verstehen, oder?
Ohne Mikrofon – wer versteht mich jetzt nicht? Sehen Sie, die Technik macht noch nicht alles möglich.
Lieber, melden Sie sich gleich mitten in der Rede und sagen: Halt, Pastor Busch, wir verstehen nicht, nicht wahr? Bitte? So geht es besser – mit Lautsprecher!
Also doch, manche sagen mit Lautsprecher, andere ohne. Dann sehen Sie, wie es in der Welt zugeht, nicht wahr? Da kommen doch Leute. Wenden Sie sich bitte mit dem Platz zu!
Wenn wir doch gleich hierher gekommen wären – so ein schönes Versammlungslokal gibt es nicht wieder! Und endlich haben wir mal frische Luft. Die letzten Tage bin ich immer beinahe umgekippt, nicht?
Wir danken der Polizei für ihre Hilfe und den polizeilichen Schutz da hinten! Polizei, dein Freund und Helfer – du musst mal angesprochen werden. Sie mögen mich sonst gar nicht so, aber ich mag Sie.
Beginn des Gottesdienstes und kulturelle Beobachtungen
Ja, also, liebe Freunde, jetzt können wir, glaube ich, da kommen die Posaunen, schalten wir den vierten Gang ein. Männer, wir haben schon lange angefangen. Wir wollen jetzt mit dem Lied zehn weitermachen, nicht? Wir haben Vers eins und zwei gesungen, jetzt singen wir Vers drei und vier.
Meine Freunde, bei uns in Essen war vor zwei Jahren – oder war es voriges Jahr? – ein berühmter amerikanischer Rock'n'Roll-Sänger namens Bill Helle. Die Schwäbisch Gmünd steht hier an der Spitze, bitte. Schwäbisch Hall meine ich, die an der Spitze aller kulturellen Städte steht. Aber ich glaube, Bill Helle war bei Ihnen noch nicht. Seien Sie froh! Wissen Sie, so einen Wagnersänger mit Gitarre und Begleitung, die liegen auf dem Boden, strecken die Beine in die Luft und blasen drauflos.
Da war eine Halle mit acht jungen Leuten voll, und bitte, versteht ihr ja. Als der seinen dritten Song losgelassen hat, da wurde alles verrückt. Da tanzten sie in den Gängen, und dann fingen sie an, die ganze Halle kaputtzuschlagen. Ein junger Schützmann erzählte mir, ich war zum Dienst eingesetzt, ich habe mich festhalten müssen, dass ich nicht auch losgewackelt habe. Das ist unheimlich, das ist unheimlich! Das sind finstere Mächte, die da den Menschen packen, ohne dass er es will.
Und dann wurde also die Halle verdemoliert, so dass rund 60 Mark Schaden entstanden sind. Daraufhin hat die Polizei alle rausgeschmissen. Am nächsten Tag bin ich über die Hauptstraße gegangen mit einem Freund. Könnt ihr trotz des Echos verstehen? Das Echo hindert, gell? Wer der zurückgeht, da besser. So? Ei ei, jaja.
Da gehe ich über die Hauptstraße mit einem Freund, und da stehen so drei junge Burschen zusammen, die man sonst so unfreundlich mit Halbstarken bezeichnet – als ob die Erwachsenen ganz stark wären. Ich würde sagen, wenn die halbstark sind, dann ist die vorherige Generation ganz wach. Ich hoffe, dass die Halbstarken mir daraufhin nicht mehr böse sind.
Da stehen also so drei beieinander, und ich sage zu meinem Freund: Pass mal auf, wir machen jetzt eine Probe. Ich gehe auf die drei zu, ich kann sie nicht, und sage: Ich mache jede Wette, ihr wart gestern bei Bill Helle. Ja klar, sagen sie, selbstverständlich, Herr Pastor. Nun, in Essen ist es so, dass viele junge Leute mich kennen, die ich nicht kenne, verstehen Sie? Die wussten also, wer ich war.
Dann habe ich zu ihnen gesagt: Ja, ihr Räuber, es ist ja schön, dass ihr so musikalisch seid und zu so einem Sänger geht, aber ich verstehe nicht ganz, warum ihr alles da kurz und klein schlagen müsst.
Und da kam eine Antwort, meine Freunde, die hat mich beinahe umgeschmissen. Da sagt einer von den dreien: Ach, Pastor Busch, das ist doch alles nur Verzweiflung.
Die Grundstimmung der Verzweiflung in der Jugend
Ein paar Wochen später erzählte ich diese Geschichte in Norwegen in einer großen Versammlung von älteren Schülern. Ich fragte die Jungen und Mädchen: Versteht ihr die Geschichte? Sie riefen laut und direkt: Nein. Da wurde mir klar, dass viele in der älteren Generation noch gar nicht begriffen haben, dass die Grundstimmung in den Herzen heute Verzweiflung ist.
Das ist eine große und ernste Lehre!
Wenn ich einen Jungen fragen würde: Warum rast du heute mit deinem Moped ohne Sinn und Verstand durch Schwabenland? – und er bei klarem Verstand wäre, würde er wahrscheinlich sagen: Aus Verzweiflung. Mein Leben ist so leer und sinnlos.
Wenn ich ein Mädchen fragen würde: Warum bist du so verrückt hinter Jungs her? – dann würde sie ebenfalls antworten: Aus Verzweiflung. Mein Leben ist so leer und sinnlos.
In russischen Versammlungen fragen sie: Habe ich richtig gesprochen, Genossen? Auch ich muss fragen: Habe ich richtig gesprochen, Genossen? Als diese Jungen mir sagten, dass alles Verzweiflung sei, fiel mir eine Geschichte ein von dem großen Philosophen, Theologen, Dichter und Schriftsteller Søren Kierkegaard, einem bedeutenden Dänen, der im vorigen Jahrhundert lebte.
Er erzählt in seinem Buch „Stadien“ folgende Geschichte: Es war einmal ein Knabe und ein Vater. Oft, wenn die beiden zusammen spazieren gingen, blieb der Vater stehen und sah den Knaben nachdenklich an. Dann sagte er: „Armes Kind, du gehst in einer stillen Verzweiflung!“
Er sprach dabei von sich selbst, denn er war der Knabe. Als der Vater tot war und der Knabe ein Mann geworden war, hörte er oft noch die Stimme des Vaters, die sagte: „Armes Kind, du gehst in einer stillen Verzweiflung!“
Und er wusste, dass der Vater der Einzige war, der ihn wirklich verstanden hatte.
Die Ursache des Unglücks: Leben in einer Scheinwelt
Wie kommt es, dass wir Menschen so unglücklich sind? Wie kommt das?
Meine Freunde, ich möchte Ihnen heute Abend einen ganz wichtigen Grund nennen. Der Hauptgrund ist, glaube ich, der, dass wir nicht mehr in der Welt der Wirklichkeit leben, sondern in einer Traum- und Scheinwelt.
Wenn ein Mensch nicht mehr auf dem Boden der Wirklichkeit steht, ist es schlimm. Es ist, als würde das Seil hinten im Abgrund reißen. Er stürzt sich entweder ins Chaos oder verletzt sich selbst. Wie soll es einem da gut gehen?
Wenn ein Mensch nicht mehr auf dem Boden der Wirklichkeit steht, sondern in einer Schein- und Traumwelt lebt, dann stimmt sein ganzes Leben nicht. Verstehen Sie, dann stößt er überall an.
Und heute leben die allermeisten Menschen in einer Traum- und Scheinwelt. Sie sehen die Wirklichkeit nicht mehr.
Ich möchte Ihnen zwei Aspekte der Wirklichkeit zeigen, die der Mensch nicht mehr sieht. Genau deshalb ist er unglücklich.
Die erste Wirklichkeit: Der lebendige Gott
Die erste Wirklichkeit, die wir wieder sehen lernen müssen, ist der lebendige Gott.
Neulich sprach ich mit einem dicken Kerl, der seit hundert Jahren keine Kirche mehr besucht hatte. Ach doch, an Weihnachten geht er hin, aber sonst nicht. Ich sagte zu ihm: „Mensch, du lebst ohne Gott, du solltest umkehren, sonst kommst du in die Hölle.“ Da lächelte er mich breit an – so richtig breit, fast kottlitzbreit – und sagte: „Herr Bufarr, Sie müssen auf dem Boden der Wirklichkeit bleiben.“
Darauf antwortete ich ihm: „Mein lieber Freund, das möchte ich Ihnen zurückgeben. Gott ist eine ganz große und gefährliche Wirklichkeit. Dass Sie leben, als ob er nicht da wäre, das ist unrealistisch. Kommen Sie endlich mit den Beinen auf den Boden der Wirklichkeit, Sie Träumer, Sie Mann der Scheinwelt! Wir leben so, dass wir mit dem großen und schrecklichen Gott rechnen.“
Vor einiger Zeit hatte ich in einem großen Zelt in Augsburg eine Versammlung, nachts um zwölf, in der Nacht von Samstag auf Sonntag, für Nachtschwärmer. Ich kann Ihnen sagen, das war eine besondere Versammlung. Autos fuhren herum, aus den Bars und Nachtlokalen hörte man Musik. Auf den Straßen wurden Leute aufgeladen. Alle zehn Minuten kamen wieder ein paar Frauen dazu. Schließlich waren wir ungefähr zweihundert Leute. Es lag ein Alkoholgeruch in der Luft. Es war eine bunte Mischung aus Typen und Mädchen, deren einziger Schmuck oft die Ringe um die Augen waren.
Direkt vor mir saß so ein dicker Kerl mit einer Art „Bombe“ – einem harten Deckel, so eine Art Brasilzigarre, die er alt und zerkaut im Mund hatte.
Ich fing an zu reden, und als ich zum ersten Mal „Gott“ sagte, fuhr der Dicke auf, schob seinen Deckel zurück und sagte: „Gibt’s ja gar nicht.“
Da beugte ich mich vor und sagte: „Wissen Sie das ganz genau?“ Es herrschte große Stille.
Dann schob er seine Brasilzigarre in den anderen Mundwinkel und sagte: „Na ja, so ganz genau weiß ja keiner, was.“
Ich antwortete ihm: „Mann, ich weiß es hundertprozentig genau, dass Gott lebt. Und es ist schauerlich, dass Sie leben, als ob er nicht da wäre. Das ist eine Scheinwelt, eine Traumwelt. Das wird eines Tages ein schauerliches Erwachen geben – hier oder in der Hölle oder am Gericht Gottes.“
Gott ist auch nicht in einem fernen Himmel, wo die Engel sind, er ist hier, hier! Die Bibel sagt: „Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.“
Alle ihre Sünden haben sie vor das Angesicht Gottes gebracht. Wachen Sie endlich auf und nehmen Sie Gott ernst!
Der Kerl in Augsburg fragte: „Woher wollen Sie hundertprozentig genau wissen, dass Gott lebt?“
Da sagte ich ihm: „Weil Gott die Mauer, die ihn von uns trennte, durchbrochen hat und in Jesus, seinem Sohn, zu uns gekommen ist. Seit Jesus gekommen ist, kann man hundertprozentig wissen, dass Gott lebt. Und nun sollten Sie anfangen, ihn als Wirklichkeit ernst zu nehmen.“
Die Entwicklung der Gottlosigkeit und deren Folgen
Ein Schweizer Arzt, Doktor Bovet, hat vor einiger Zeit eine interessante Erörterung angestellt. Er sagt: Ihr Menschen in Europa habt zweihundertfünfzig Jahre lang versucht, gottlos zu werden. Es gab Philosophien wie die von Nietzsche und andere. Es gab Theologen, die die Bibel verleugnet haben. Es gab Massenbewegungen von Freidenkern. Es wurde eine Menge Tinte verschwendet, um zu schreiben, dass es keinen Gott gibt. Naturwissenschaftliche Erkenntnisse sollten dazu dienen, gottlos zu werden. Verstehen Sie, gottlos zu werden.
Doch heute, nach 250 Jahren, sind wir Gott nicht losgeworden. Jeder weiß heute, dass Gott lebt. Und nachdem wir Gott nicht losgeworden sind, bleibt doch nur eines: dass wir endlich umkehren und sagen, wir müssen Frieden mit Gott machen. Aber das tun wir nicht. Stattdessen legen wir die Frage nach Gott jetzt auf Eis.
Wir zahlen Kirchensteuern, lassen unsere Kinder taufen und unsere Großmutter beerdigen, und damit hat es sich. Ist das richtig? Habe ich richtig gesprochen, Genossen? Ja, so ist es doch. Verstehen Sie, Gott sind wir nicht losgeworden. Statt jährlich umzukehren und Frieden mit Gott zu machen, legen wir Gott beiseite. Meinen Sie, das ginge?
Verstehen Sie, das ist ein Traum und ein Scheinwerk. Ein Mensch, der die Wirklichkeit Gottes so ignoriert, kann nicht richtig leben. Er liegt schief, er reimt sich überall. Er ist so unglücklich und verzweifelt, wie die Menschen heute sind. Haben wir das verstanden?
Also: Heraus aus der Traumwelt! Sie müssen die Wirklichkeit Gottes erkennen – den Richter, den Schöpfer der Welt.
Die zweite Wirklichkeit: Die Wirklichkeit unserer Sünde und Schuld
Es gibt eine zweite Wirklichkeit, die wir erkennen sollten: die Wirklichkeit unserer Sünde und Schuld.
Als Pfarrer, wenn ich von Haus zu Haus gehe und die Menschen besuche, höre ich oft Folgendes: In jedem zweiten Haus sagt man mir, „Na ja, Herr Pfarrer, wir sind zwar nicht sehr kirchlich, aber wir glauben auch an den Herrgott. Mein Wahlspruch ist: Ich tue Recht und scheue niemand. Mir kann niemand etwas nachsagen.“
Neulich im Schwabenland habe ich einem Mann gesagt: „Du brauchst einen Heiland.“ Da antwortete er: „Oh Herr Pfarrer, ich wäre ein hoher Herr. Ich schaue nur schwedische Wälder an, Ibechore und meine Freunde. Ich stamme zur Hälfte oder ganz aus Schweden, darum kann ich nur Schwedisch, nicht?“
Sehen Sie, darum ist der Mensch heute so verzweifelt, weil er in einer Scheinwelt lebt. Wir tun so, als seien wir nicht vor Gott verlorene Menschen. Wir tun so, als wären wir nicht auf dem Weg in die Hölle. Wir tun so, als gäbe es in unserem Leben keine Sünde. Wir tun so, als seien unser Streit, unsere Selbstsucht, unsere Launen, unsere entheiligten Sonntage, unsere Unkeuschheit, unsere Ehebrüche – als sei all das in Ordnung.
Und dann steht einer da, dessen Sünden bis zum Himmel schreien, und sagt: „Ich bin es oberer!“
Liebe Freunde, das bedeutet, die Wirklichkeit nicht zu erkennen. Sehen Sie, jetzt passen Sie gut auf, ich komme an eine ganz wichtige Stelle. Hören Sie mir alle richtig zu. Ich sehe Sie gar nicht mehr, ich bin im Hellen und Sie sind im Dunkeln. Sind Sie noch da? Ja? Das ist jetzt sehr wichtig.
Wenn ich als zehnjähriger Junge gelogen habe, denke ich vielleicht als fünfzigjähriger Mann, ich hätte das vergessen. In Wirklichkeit aber liegt diese Lüge als Realität, als Wirklichkeit in meinem Leben, auf meinem Gewissen.
Verzeihen Sie, dass ich das Bild noch einmal klar mache, das ich so oft benutzt habe: Stellen Sie sich vor, Sie tragen einen Ring um den Hals, an dem ein Kettenglied angeschmiedet ist. Jedes Mal, wenn Sie sündigen, kommt ein weiteres Kettenglied dazu.
Sie sind mal so richtig selbstsüchtig und setzen sich durch – heimlich kommt ein eisernes Kettenglied dazu. Sie lügen, eine nette kleine runde Notlüge – es klappt. So ein Schüler in der Schule hat seinen Lehrer richtig hereingelegt – ein Kettenglied. Ein Mann hat seine Frau belogen, ging einen dunklen Weg und kam nach Hause und sagte: „Sie hatte eine Sitzung.“ – Kettenglied. Eine falsche Steuererklärung, die tagelang anerkannt wurde – Kettenglied. Streit mit dem Nachbarn, der Nachbar ist schuld, aber Sie haben mitgemacht – Kettenglied.
Liebe Freunde, überlegen Sie mal: Jede Übertretung der Gebote Gottes ist so ein Kettenglied. So wirklich ist die Sünde!
Und nun verstehe ich, warum die Menschen verzweifelt sind. Wir schleppen alle eine unsichtbare, riesige Kette mit uns herum. Man sieht sie nicht, und doch bildet sie in einer Eichablage eine Last und sagt ihm: „Bischo recht!“ Dabei können sie auf die Kette treten, so groß ist sie.
Wie sollen wir noch glücklich sein, wenn wir solche Schuldketten mit uns schleppen?
Persönliches Erlebnis mit einem alten Mann im Altersheim
Ah, liebe Freunde, ich habe als junger Mann ein Erlebnis gehabt, als ganz junger Pfarrer im ersten Jahr meines Amtes, das mir unvergesslich geblieben ist. Das habe ich schon tausendmal erzählt, aber ich darf es noch einmal erzählen. Nehmen Sie es mir nicht übel, wer sich langweilt, darf gerne wegschlafen.
Da war ich also ganz junger Pfarrer in Essen, 27 Jahre alt, und sollte unter anderem mein Altersheim versorgen. Ich dachte an die lieben Alten – doch ich habe mich geirrt. Junge, Junge, so viel Krach habe ich selten erlebt, wie in einem Altersheim möglich ist. Und schlechte Launen gab es dort zuhauf.
Da war ein alter Herr, der jetzt im Himmel ist und das Angesicht Jesu sieht. Er hat nichts dagegen, dass ich seinen Namen nenne: Er hieß Held, mein lieber Vater Held. Aber am Anfang war er nicht mein lieber Vater Held, da war er ein harter Kerl. Wissen Sie, wenn der aufkreuzte, wurde die Milch sieben Kilometer im Umkreis sauer – so war er. Können Sie sich so einen Typen vorstellen? Ein unerschrockener Mensch.
Eines Tages kam ich mal zu ihm ans Bett. „Oh“, sagte ich, „Herr Held, sind Sie krank?“ „Ja“, sagte er, „wenn man mal so achtzig ist, kann man ja ruhig sterben.“ „Stopp“, sagte ich, „das ist nicht wahr. Ob man ruhig sterben kann, hängt nicht vom Alter ab.“
Ich erzählte ihm: „Neulich habe ich einen vierzehnjährigen Jungen im Frieden Gottes heimgehen sehen, weil er Vergebung seiner Sünden und den Heiland hatte. Und ich habe alte Männer in ihren Sünden in die Hölle fahren sehen. Es hängt nicht vom Alter ab.“ Da schaute mich der Alte groß an und fragte: „Wovon hängt das denn ab?“ Ich antwortete: „Das hängt davon ab, ob man Frieden mit Gott hat.“
„Oh“, sagte er, „das habe ich. Sehen Sie, ich war immer ein guter Mensch. Mein Wahlspruch war: ‚Ich tue recht und scheue niemand.‘ Ich habe niemandem etwas Böses getan.“ Dabei kratzte er immer so auf der Bettdecke, als wollte er alle seine guten Werke zusammenkratzen.
„Sehen Sie“, sagte er, „ich habe niemanden umgebracht, ich hatte nichts mit der Polizei zu tun, ich bin auch in die Kirche gegangen.“ Und dann zog er sich schnell zurück. Doch am Karfreitag wäre er immer gegangen. Kurz kratzte er also alles zusammen, und ich hatte auf einmal das Gefühl, da liegt ein Häufchen guter Werke auf der Bettdecke. Man saß förmlich davor und dachte: Verstehst du mich noch, Kalla?
Als er so weit war, sagte ich: „Lieber Vater Held, da sind Sie gut dran, wenn Sie sterben und vor das Angesicht des heiligen Gottes mit so einem Häufchen Werke treten können und sagen: ‚Lieber Gott, da ist Elvis ein Gutenberg.‘ Also, ich bin nicht so gut dran.“ Ich sagte ihm damals: „Ich bin noch nicht halb so alt wie Sie, aber in meinem Leben ist so viel Sünde. Mein Herz ist so böse, es hat Gott so lang und oft widerstrebt. Ich könnte jetzt keine Sekunde vor Gott stehen, wenn nicht der Sohn Gottes am Kreuz für mich gestorben wäre, der Herr Jesus, der meine Sünde ans Kreuz genommen hat und mir seine Gerechtigkeit und Gnade schenkt.“
Wie ich das gesagt hatte, wurde der Alte unruhig und sagte: „Na ja, wenn man es genau überlegt, habe ich natürlich in meinem Leben auch so mancherlei…“ „Poppoppop“, sagte ich, „Sie haben hier so ein Häufchen guter Werke hingebaut und erklärt, ‚Ich tue recht und scheue niemand.‘ Bleiben Sie dabei?“
„In der Bibel steht, dass ein Mörder ein Sünder war und nicht ins verheißene Land kam, dass ein Freund Gottes, Abraham, Sünder war. Und Maria, die Mutter Jesu, eine Sünderin war. So steht es in der Bibel. Und bloß Sie sind ausgenommen? Bleiben Sie dabei, ich bin recht.“ Da wurde er noch unruhiger und sagte: „Also, offen gestanden, wenn ich es recht überlege, ist in meinem Leben auch manches…“
„So so“, sagte ich, „dann würde ich jetzt beißen, mein Lieber, dann rücken Sie mal raus.“ Und er erleichterte sein Gewissen. Dann kam eine der Stunden meines Lebens, die zu den schrecklichsten gehören.
Der alte Mann packte aus: von der Jugend an, Kindersünden, Jungmänner-Sünden, Männersünden – große und kleine, in unseren Augen. Auf einmal ging ihm auf: „Oh Gott, ist alles schrecklich, alles verkehrt, eine Schande mein Leben.“ Während er sprach, baute sich neben seinem Häufchen guter Werke ein Himalaya aus Sünde und Schuld auf.
Als er fertig war, war ich ein junger Mann und wusste nicht, wie viel Schuld und Schmutz im Leben eines Menschen sein kann. Dann stand ich da und sagte mir: „Ist alles in Ordnung?“ Mir liefen die Tränen vor Erschütterung herunter. Wie ich vor diesem Berg von Schuld stand, konnte ich nur sagen: „Und so wollen Sie sterben? Sie gehen vor Gott. Und wenn Sie es nicht glauben, warten Sie es ab: Sie stehen vor Gott mit dem Berg von Schuld!“
Liebe Freunde, Sie alle sind so und ich auch! Und darum leben wir in einer Scheinwelt, wenn wir erklären: „Ich habe keine Sünde.“
Die Folgen der Verkennung der Wirklichkeit Gottes und der eigenen Schuld
Und sehen Sie, hier liegt das Unglück unserer Zeit, das Unglück unseres Lebens, unsere Traumwelt. Die Wirklichkeit Gottes und die Wirklichkeit unserer Schuld wollen wir nicht sehen.
Die Bibel erzählt einige Geschichten von Menschen, Städten und Ländern, die so lebten, dass sie die Wirklichkeit Gottes und die Wirklichkeit ihrer Sünde nicht anerkannten. Da ist zum Beispiel die Stadt Sodom. Dort stand ein Mann namens Lot und sagte: „Kehrt um, kehrt um, Leute, Gott ist schrecklich, Gott hält Gericht.“ Doch sie antworteten: „Ach Mann, langsam, wir sind auch religiös, und Sünde haben wir nicht.“
Eines Morgens in der Dämmerung heißt es in der Bibel, fielen Feuer und Schwefel vom Himmel. Meine Freunde, ich habe im Krieg erlebt, wie es ist, mit seinen Kindern in Todesnot in Kellern zu sitzen. Gott kann das auch ohne amerikanische Flugzeuge tun. Wissen Sie, wie die Leute in Kellern sitzen und plötzlich sagen: „Gott ist Wirklichkeit, jetzt muss man beten, lieber Gott, hilf, lieber Gott, hilf!“ Und dann brennt Feuer und Schwefel herab. Es wird ihnen zu heiß. Gott hört nicht mehr.
Da ballen sie die Fäuste gegen Gott. „Wie kann Gott so etwas zulassen? Wie kann Gott so etwas zulassen?“ Gott hört nicht. Er ruft nicht, bis alles in Asche ist. Sie dürfen fluchen oder beten, Gott hat nichts mehr zu sagen. Wissen Sie, sie haben die Wirklichkeit Gottes und die Wirklichkeit ihrer Schuld nicht anerkennen wollen – bis es zu spät war.
Die Bibel erzählt von einem reichen Mann, einem netten Kerl. Er ließ sogar einen Bettler direkt an seiner Haustür sitzen und gab seinem Diener den Befehl, ihm immer etwas Gutes hinzugeben. Ansonsten konnte er natürlich jede Rotweinmarke am Geschmack erkennen, wusste, welcher Jahrgang das war, und lebte nach dem Motto: „Für dein Leben und Leben lassen.“
Dann stirbt er. Wissen Sie, wie die Bibel weitergeht? Als er in der Hölle war – ja, in der Hölle –, sah er von dort aus nach oben. Jetzt will ich Ihnen etwas sagen: Es gibt viele, die sagen, es gibt keine Hölle. Gut, bleiben Sie dabei. Ich möchte Ihnen sagen, denn ich muss ein bisschen ausholen.
Sehen Sie, wenn meine Schuhe kaputt sind, gehe ich zum Schuhmacher. Geht es Ihnen auch so? Dann gehe ich nicht zum Schlosser, sondern zum Schuhmacher. Wenn ich Blumen kaufen will, gehe ich nicht in den Metzgerladen, sondern in den Blumenladen. Wenn mein Auto eine Panne hat, gehe ich nicht zum Bäcker, sondern zur Autogarage. Ich gehe immer zum Fachmann.
Und wenn ich wissen will, ob es die Hölle gibt oder nicht, dann gehe ich zum Fachmann. Das ist der Einzige, der Bescheid weiß, und der heißt Jesus. Er kommt von drüben und weiß mehr als jeder Professor. Den ganzen Abend lang könnte man ihn fragen: „Herr Jesus, gibt es eine Hölle?“
„Tja“, sagt er, „wer Gott und seine Schuld nicht anerkennt, der fährt dahin.“ Jesus sagt: „Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten; fürchtet euch vor dem, der Leib und Seele verderben kann in der Hölle.“
Als der reiche Mann in der Hölle war, merkte er, wo es gefehlt hatte. Eine Scheinwelt. Gott war eine Wirklichkeit, und er lebte, als sei Gott nicht da. Seine Sünde war eine Wirklichkeit, und er tat so, als sei sie nur eine Kleinigkeit, als sei das nichts.
Die Botschaft der Vergebung und des Friedens mit Gott
Und wenn Sie das heute Abend begreifen: Gott lebt, Gott ist schrecklich, Gott hält Gericht, Gott kann in die Hölle schicken, und mein verlorener Zustand ist auch eine Wirklichkeit, dann sind Sie jetzt bereit, die herrliche Botschaft des Evangeliums zu hören.
Gott will, dass allen Menschen geholfen wird und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Darum, ach, ich bin lauter als die Motorräder – lassen Sie sich nicht stören, nicht wahr? – Gott will, dass allen Menschen geholfen wird, auch Ihnen, auch Ihnen. Da sitzt so ein einsamer junger Kerl, Sie, hören Sie, der lebendige Gott will heute Abend, dass Ihnen geholfen wird.
Und darum hat er seinen Sohn geschickt. Damit kommt Gott ganz nah auf uns zu, und zwar, um uns zu retten und um die Frage unserer Sündenkette endlich zu lösen.
Jetzt muss ich von Jesus reden, das tue ich am allerliebsten. Gehen Sie mit mir vor die Tore Jerusalems hinaus auf den Hügel Golgatha. Da ist eine große Volksmenge, aber die kümmert uns nicht. Unterragen drei Kreuze, und die rechts und links kümmern uns jetzt auch nicht. Zwei Verbrecher, die es verdient haben, aber der in der Mitte – du edles Angesicht! Da vor das Reich der Welt erschrickt und wird zunichte. Wie bist du so entstellt? Da hängt der Sohn Gottes! Heiland dabei!
Warum, meine Freunde? Ich könnte stundenlang reden, und wir verstehen es nicht, aber ich will ihm was sagen: Gehen Sie im Geist zu Jesus, dem Gekreuzigten, und sagen: Heiland, ich kann meine Schuldkette nicht mehr tragen. Soll ich die tragen bis zum jüngsten Gericht und mich Gott nicht verdammen? Herr Jesus, du hast von meiner Schuld bezahlt, nimm mir die Sündenkette ab!
Wie erfahren wir, Jesus nimmt die ehrenlange Schuldkette ab. Verstehen Sie? Jesus nimmt die Schuldkette ab. Jesus schenkt Vergebung der Sünden. Dafür ist er gestorben.
Wenn ich Ihnen in Schwäbisch Hall nichts sagte, als ich ließ: Jesus schenkt Vergebung der Sünden, die Eichenkette kommt weg.
Sehen Sie, ich muss Ihnen jetzt noch mal von dem alten Vaterheld erzählen. Ich hatte abgebrochen, dass der Alte im Bett lacht, und mir und ihm liefen die Tränen runter. So standen wir vor dem Berg von Schuld, und ich sagte: So wollen Sie in die Ewigkeit gehen?
Oh, ich frage euch junge Leute, die in Sünden leben, Alte, die in Sünden leben: Wollt ihr so sterben und in die Ewigkeit gehen? Und wenn ihr sagt, das gibt alles nicht, dann sage ich: Wir warten ab, ob Sie recht haben, an die Bibel.
Es ist den Menschen gesetzt, einmal zu sterben, danach das Gericht. Wollen Sie mit Ihrem Sündenbild in die Ewigkeit gehen, ohne vorher den Erlöser der Sünder zu suchen? Jesus, der für uns starb, der auferstanden ist?
Ich beschwöre Sie um Ihres Willens: Ruhen Sie jetzt nicht, bis Sie Jesus finden. Er wartet übrigens erst gar nicht weit weg.
Ich habe dem alten Mann damals im Altersheim gesagt, in aller Schwachheit Mensch: Jetzt kann bloß noch einer helfen, nämlich Jesus. Der hat gesagt: Ob eure Sünde wie blutrot ist, soll sie schneeweiß werden.
Schneeweiß, Mensch! Die haben Berge von Schuld, Philipp. Ich glaube, Jesus nimmt das auch weg.
Ich bin in dem Bett niedergekniet und habe gesagt: Herr Jesus, du hast gesagt, wer zu mir kommt, den stoße ich nicht hinaus. Jetzt nimm den alten Mann hier an.
Ich ging und ließ den Alten zurück in großer Verzweiflung. Er kapierte es nicht. Und dann kam ich eine Woche lang nicht hin. Es war im ersten Jahr meines Amtes und eine sehr eindrückliche Erlebniss.
Nach einer Woche komme ich hin, trete das Zimmer von dem alten Mieselbitter, von dem Knieselbrim da, und erkenne mich wieder: Da liegt ein Mann mit einem friedevollen Gesicht im Bett.
Ich muss erst genau zusehen, dass dieser Vater hält, sage ich: Wie geht’s?
Und er zeigt da das Testament auf seinem Nachttisch und sagt: Ich bin durch die Hölle gegangen, er hat alle meine Schuld an mir eingesucht, aber ich bin gelandet bei Jesu Kreuz, und er hat mich angenommen und mir alles vergeben. Und jetzt habe ich Frieden mit Gott.
Da kam das Wort „Frieden mit Gott“. Meine Freunde, es war überwältigend schön: Ein Mann, der Vergebung seiner Sünden hat durch Jesu Blut und Frieden mit Gott.
Schlusswort: Leben auf dem Boden der Wirklichkeit mit Freude und Frieden
Und nun muss ich heute Abend schließen. So schade, es ist schön hier. Wir könnten stundenlang weitermachen, aber da schlafen Sie mir ein. Das wäre für mich todunglücklich. Da müssten Sie mich sofort pensionieren lassen. Nehmen Sie das bitte mit.
Warum sind die Menschen, warum sind wir so unglücklich? Wir sind unglücklich, solange wir in der Scheinwelt leben, als wäre es mit Gott nicht so schrecklich und als wäre es mit unserer Sünde nicht so schlimm.
Kommen wir aber wirklich als ernüchterte Menschen zum Kreuz des Sohnes Gottes, der für uns starb, werfen unser Herz hin und bekehren uns zu hundert Prozent. Bekehrt euch zu hundert Prozent, Freunde! Das ist kein Kinderspiel.
Wenn ein Mann sich bekehrt oder eine Frau, ein Mädchen oder ein junger Mann, geben sie uns Erleben und Glauben an ihn, der die Gottlosen gerecht macht, dann haben wir Frieden mit Gott. Dann stehen wir auf dem Boden der Wirklichkeit – als glückliche Menschen, meine Freunde, als glückliche Menschen.
Ich schließe mit einem Wort, das ist das letzte Wort des Alten Testaments, beinahe das letzte Wort. Da heißt es: „Euch, die meinen Namen fürchten, soll die Sonne der Gerechtigkeit aufgehen.“ Das ist Jesus. Und heil unter ihren Flügeln die Vergebung der Sünden.
Und dann geht es weiter: „Ihr werdet aus- und eingehen und hüpfen wie die Mastkälber.“ Ich verstehe nicht viel von Landwirtschaft, aber ich kann mir denken, dass Mastkälber vorn und hinten ausgelassen sind.
Menschen, die Frieden mit Gott haben und auf dem Boden der Wirklichkeit angekommen sind, können wieder Vitalität haben, sich freuen, jausen und singen. Und das wünsche ich Ihnen.
