Gott wird Mensch: Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist.
Episode 324: Der Tod des Täufers, Teil 2.
Die Herausforderung der wahren Umkehr
In der letzten Episode waren wir bei der Entwicklung stehen geblieben, die zum Tod von Johannes dem Täufer führte. Mir war es wichtig, darauf hinzuweisen, dass Herodes Antipas ein Prototyp des Menschen ist, der von Gottes Wort irgendwie fasziniert ist, vielleicht sogar angesprochen wird, dem es aber an der letzten Konsequenz fehlt, darauf zu reagieren.
Spirituelle Menschen hören gerne von Bach die Matthäuspassion, besuchen im Frankreichurlaub Kathedralen oder lesen tief bewegt die Brüder Karamasow von Dostojewski. Das Religiöse berührt sie, bewegt sie und bringt sie zum Staunen. Doch es gibt eine Grenze, die das Heilige nicht überschreiten darf. Es darf nur kurz ins Leben hineinsprechen, so wie Johannes der Täufer im Leben von Herodes. Er hörte ihn gern, haben wir gelesen, aber es durfte nicht mehr sein.
Und genau das ist das Problem. Es reicht nicht, dass Gottes Wort uns in Verlegenheit bringt und uns mit der Realität der Sünde konfrontiert, die wir tun. Wir müssen den nächsten Schritt wagen: Buße tun, umkehren, Gott um Gnade anflehen – Glaube und Bekehrung, das volle Programm.
Wenn wir dazu nicht bereit sind, dann ist Religiosität nicht genug. Und schlimmer noch: Dann wird uns das Leben dazu bringen, eine Entscheidung zu treffen, egal ob wir das wollen oder nicht – genauso wie es bei Herodes war.
Das verhängnisvolle Gastmahl
Und als ein geeigneter Tag kam, nämlich Herodes' Geburtstag, gab er ein Gastmahl für seine Großen, die Obersten und die Vornehmsten von Galiläa. Da kam die Tochter der Herodias herein und tanzte. Sie gefiel Herodes und denen, die mit ihm zu Tisch lagen.
Der König sprach zu dem Mädchen: „Bitte mich um, was du willst, und ich werde es dir geben.“ Er schwor ihr: „Was du mich auch bitten wirst, ich werde es dir geben, sogar bis zur Hälfte meines Reiches.“
Herodias wollte den Johannes tot sehen, doch Herodes schützte ihn. Deshalb wartete sie auf einen passenden Moment.
Herodes feierte seinen Geburtstag. Eingeladen waren die Großen, das heißt hohe Verwaltungsbeamte, die Obersten, also militärische Befehlshaber, und die Vornehmsten, die Aristokratie. Jeder von Rang und Namen war anwesend.
Die Feier verlief mit Essen und Trinken. Plötzlich betrat die Tochter der Herodias aus erster Ehe, Salome, den Saal. Sie tanzte auf eine Weise, die Herodes und seinen vermutlich männlichen Gästen sehr gefiel. Man kann sich den Rest denken: Alkohol und Erotik.
So ließ sich Herodes hinreißen, dem Mädchen ein Versprechen zu geben: „Bitte mich um, was du willst, und ich werde es dir geben.“
Als er dann schwor: „Was du mich auch bitten wirst, ich werde es dir geben, bis zur Hälfte meines Reiches“, war das nicht ernst gemeint. Es ist eine Übertreibung, wie Könige sie verwenden, wenn sie großzügig gestimmt sind.
Ein ähnliches Beispiel aus dem Alten Testament findet sich in Esther 5,2-3: „Und es geschah, als der König die Königin Esther im Hof stehen sah, erlangte sie Gunst in seinen Augen. Der König reichte Esther das goldene Zepter entgegen, das in seiner Hand war. Da näherte sich Esther und berührte die Spitze des Zepters. Der König sagte zu ihr: ‚Was ist dir, Königin Esther, und was ist dein Begehren? Bis zur Hälfte des Königreiches, ja, sie soll dir gegeben werden.‘“
Wir dürfen diese Formulierung „die Hälfte des Reiches“ also nicht wörtlich nehmen. Dennoch war ein Schwur geleistet, an den Herodes gebunden war.
Die verhängnisvolle Bitte
Markus Kapitel 6, Verse 24 und 25:
Und sie ging hinaus und sagte zu ihrer Mutter: „Um was soll ich bitten?“ Die aber sprach: „Um das Haupt Johannes des Täufers.“
Und sie ging sogleich mit Eile zu dem König hinein, bat und sagte: „Ich will, dass du mir sofort auf einer Schale das Haupt Johannes des Täufers gibst.“
Die Tatsache, dass das Mädchen sich erst mit ihrer Mutter berät, zeigt, dass die Gelegenheit zur Ermordung des Täufers spontan entsteht. Sie war nicht geplant.
Wir sehen aber auch, wie Salome zur Komplizin ihrer Mutter wird. Sie geht eilig zu Herodes hinein und äußert vor allen Gästen ihre Bitte. Diese Bitte hat es in sich: sofort will sie das Haupt von Johannes dem Täufer.
Sie lässt Herodes keine Chance, auf Zeit zu spielen und sich später, nachdem alle Gäste gegangen sind, doch noch gegen die Enthauptung seines prominentesten Gefangenen auszusprechen.
Kaum ist die Bitte geäußert, hat Herodes ein echtes Problem. Er hat etwas versprochen. Das Mädchen hat einen Wunsch geäußert, keinen allzu großen Wunsch. Jeder der Anwesenden wusste um Johannes und auch, warum er eingesperrt worden war.
Keiner von den Gästen dürfte für diesen etwas schrägen Wanderprediger mit seinen apokalyptischen Predigten sonderlich viel Sympathie aufgebracht haben.
Der Wunsch war okay, etwas blutig vielleicht, eher morbide und ziemlich düster, aber akzeptabel. Nichts, was man als König nicht tun kann, wenn man ein Versprechen einlösen muss.
Die Erfüllung des verhängnisvollen Schwurs
Und der König wurde sehr betrübt. Doch um der Eide und um derer willen, die mit zu Tisch lagen, wollte er sie nicht zurückweisen.
Sogleich schickte der König einen Henker und befahl, das Haupt zu bringen. Der Henker ging hin und enthauptete Johannes im Gefängnis.
Er brachte das Haupt auf einer Schale und gab es dem Mädchen. Das Mädchen reichte es ihrer Mutter.
Als die Jünger davon hörten, kamen sie, nahmen den Leichnam und legten ihn in ein Grab.
Herodes ist durch die Eide gebunden und will nicht sein Gesicht verlieren. Deshalb gibt er nach und beauftragt den Henker.
Herodes ist zwar betrübt, aber nicht so sehr, dass er für die Wahrheit Partei ergreifen würde. Er ist damit eine Art Antithese zu Johannes.
Johannes war bereit, für die Wahrheit ins Gefängnis zu gehen. Und genau dort wird er jetzt enthauptet.
Herodias hat ihr Ziel erreicht: Das Wort Gottes ist tot.
Die Konsequenzen des Verharrens in der Selbstliebe
Ich hatte gesagt, dass Herodes der Prototyp eines Menschen ist, der durchaus fromm ist und sich von religiösen Themen angesprochen fühlt, ohne jedoch eine endgültige Entscheidung zu treffen. Er zeigt keine Liebe zur Wahrheit, aber sehr viel Liebe zu sich selbst, zu seinem eigenen Traum vom Leben, zu seinen selbstgestrickten Idealen und zu dem Schein, den er aufbaut, damit alle sehen können, wie sehr er das Leben verstanden hat und genießt.
Wenn jemand so lebt, wird der Teufel irgendwann dafür sorgen, dass dieses Lebenskonzept zusammenbricht. Der Teufel wird mich an den Punkt bringen, an dem ich nicht länger vor der Entscheidung davonlaufen kann. Auf der einen Seite steht dann die Wahrheit des Evangeliums, auf der anderen Seite mein eigenwilliger Lebensweg. Ich werde mich entscheiden müssen.
Wehe denen, die sich dann dafür entscheiden, das Wort Gottes mundtot zu machen. Es wird ihnen wie Herodes ergehen, der einige Monate später auf Jesus trifft. Lukas 23,9 berichtet: "Er befragte ihn aber mit vielen Worten; er, Jesus, jedoch antwortete ihm nichts."
Wir sollten nicht davon ausgehen, dass wir bis zum letzten Atemzug die Chance haben, Gottes Stimme zu hören. Wenn wir Gottes Wort erst einsperren und dann auslöschen, sind wir verloren.
Ein Aufruf zum Gebet und zur Wachsamkeit
Was könntest du jetzt tun? Du könntest für ungläubige Freunde beten, die das Wort Gottes in ihrem Leben nicht hören wollen – genau wie Herodes.
Das war es für heute. Ende der Woche verschicke ich wieder drei Gebetsanliegen, sowohl über die App als auch per E-Mail. Du kannst dich dafür anmelden. Den Link findest du im Skript.
Der Herr segne dich, lasse dich seine Gnade erfahren und schenke dir seinen Frieden. Amen.
