
Versteckte Sünden und der Ruf zur Umkehr
Die Bedeutung von Gottes Treue in einer unbeständigen Welt
In der vergangenen Woche ging die Allianz-Gebetswoche zu Ende. Ich gehe davon aus, dass auch ihr Teil dieser großen Gemeinschaft von Gläubigen wart, die gemeinsam zum Beten zusammengekommen sind. Das Motto der diesjährigen Allianz-Gebetswoche lautete: Gott ist treu.
Das ist für uns ein Fundament – die Gewissheit, dass Gott zu uns steht und treu zu seiner Gemeinde bleibt. Treue ist in der heutigen Welt zu einem seltenen Gut geworden. Wenn man darüber nachdenkt, wie viele Verträge gebrochen werden, Versprechen vergessen werden und Beziehungen aufgegeben werden, sobald sie schwierig werden, entsteht der Eindruck, dass in unserer Gesellschaft eine gewisse Skepsis herrscht. Man weiß oft gar nicht mehr, wem man überhaupt noch vertrauen kann.
Das scheint mir auch in Glaubensfragen ähnlich zu sein. Die Menschen glauben zwar, aber oft an ein Schicksal, an eine Kraft oder eine Energie aus dem Universum. Es gibt eine gewisse spirituelle Vorstellung. Doch das, was unsere Gesellschaft früher geprägt hat – dass es selbstverständlich war, sonntags zum Gottesdienst zu gehen oder vor einer Mahlzeit ein Tischgebet zu sprechen, egal ob die Menschen wirklich gläubig waren oder nicht – das ist in Vergessenheit geraten.
Diese Treue ist aufgegeben worden, und der Glaube an einen persönlichen Gott scheint für viele eine überholte Vorstellung zu sein. Dabei wollen wir nicht nur nach außen schauen und auf diejenigen herabblicken, die scheinbar gottlos geworden sind. Vielmehr betrifft das auch uns selbst. Auch wir sind vielleicht an mancher Stelle skeptisch geworden.
Gerade in dieser Zeit und in einer Welt voller Unsicherheit und Entfremdung ist Gottes Treue wie ein Anker, der uns Halt gibt.
Gottes Treue trotz menschlicher Untreue verstehen
Wenn wir die Präsentation einschalten, spricht die Bibel davon, dass Gott auch dann treu bleibt, wenn wir untreu sind. So lesen wir es im zweiten Timotheusbrief Kapitel 2: „Wenn wir untreu sind, bleibt er treu, denn er kann sich selbst nicht verleugnen.“
Gottes Treue bedeutet jedoch nicht, dass er unsere Verfehlungen einfach übersieht. Man könnte diesen Vers leicht missverstehen und als eine Art Freifahrschein für geistliches Nachlassen auslegen. Dann liest man das und denkt: „Super, dann kann ich mir ja mal eine Auszeit gönnen.“ So wie es in einem Lied zum Ausdruck kam, in dem es um das „Stummschalten“ geht – dass Gott für mich redet. Man könnte sagen: „Ich gehe einfach mal eine Zeit lang nicht mehr zur Gemeinde, gönne mir eine Pause vom regelmäßigen Bibellesen und Beten.“ Was habe ich zu befürchten, wenn hier steht, dass Gott mein Freund bleibt und mir die Treue hält?
Doch Vorsicht: Paulus sagt nicht, dass Untreue egal ist. Untreue ist real, auch in der Gemeinde und unter Mitarbeitern. Der Vers spricht vor allem von Gottes Zuverlässigkeit, darf aber niemals unsere Nachlässigkeit fördern. Der Zusammenhang deutet jedenfalls nicht auf geistliches Mittelmaß hin.
Schauen wir uns den Zusammenhang einmal genauer an, wenn wir ab Vers 11 lesen: „Wenn wir mitgestorben sind, werden wir auch mitleben. Wenn wir ausharren, werden wir auch mitherrschen. Wenn wir verleugnen, wird auch er uns verleugnen. Wenn wir untreu sind, bleibt er treu, denn er kann sich selbst nicht verleugnen.“
Man muss einen Vers immer im Zusammenhang sehen. Wenn hier steht „wenn wir verleugnen“, dann meint das meiner Auffassung nach nicht eine momentane Schwäche, in der ich in einer bestimmten Situation den Mund gehalten habe, obwohl ich eigentlich hätte etwas sagen sollen. Vielmehr geht es hier um ein bewusstes, dauerhaftes Abweichen vom Weg mit Jesus.
Achten wir auch auf Vers 19: „Jeder, der den Namen des Herrn nennt, wende sich ab von der Ungerechtigkeit.“ Jeder, der Lieder mitsingt, wie wir das gerade getan haben, und den Namen des Herrn darin nennt, soll sich von der Ungerechtigkeit abwenden.
Die Konsequenzen des Stehenbleibens auf dem Glaubensweg
Stellen wir uns einmal vor, zwei Freunde verabreden sich zu einer Wanderung. Sie treffen sich und ziehen gemeinsam los. Plötzlich sagt der eine: „Ich habe keine Lust mehr“, und bleibt einfach stehen. Der andere bleibt seinem Vorsatz treu und geht den Weg weiter.
Nun hat der Stehengebliebene nicht etwa ungeeignete Schuhe oder irgendwelche Kreislaufprobleme, sondern er will einfach nicht mehr. Was wird passieren? Der Abstand zwischen den beiden vergrößert sich von Minute zu Minute. Zuerst sind sie noch in Rufweite, doch es dauert nicht lange, bis der Blickkontakt verloren geht.
Können wir ahnen, warum heute so viele nur noch eine schwache Vorstellung von Gott haben? Sowohl in der Gesellschaft als auch in unseren eigenen Reihen. Warum viele nur noch eine schwache Vorstellung von seiner Größe, seiner Liebe und seiner Heiligkeit haben? Ich glaube, viele haben den Anschluss verloren. Viele empfinden Gott als fern, vielleicht als klein, als nicht mehr relevant für ihr Leben, ja sogar als unrealistisch.
Sie vernachlässigen das Beten und das Bibellesen, was die Distanz zu Gott noch größer macht. Darum gilt es, Gottes Nähe wieder zu suchen. Das gilt nicht nur für die Menschen draußen in der Welt, sondern natürlich auch für mein eigenes Leben und für uns als Gemeinde von Jesus.
Das mag sich wie ein Eingeständnis anfühlen, wenn wir jetzt von Rückkehr und Umkehr sprechen. Doch in Wahrheit ist Buße – das alte Wort, das das Neue Testament für diesen Sachverhalt benutzt – der Beginn des Heimweges. Und das ist etwas Wunderschönes: nach Hause zu kommen, wieder dahin zu gelangen, wo wir hingehören – in seine Nähe.
Die Bedeutung von Treue für die Gemeinde und die nächste Generation
Ich möchte einen kleinen Exkurs machen. Es zeigt sich hier, warum Gottes Treue nicht nur persönlich, sondern auch gemeindlich für eine Gemeinde, wie ihr es seid, bedeutend ist.
Das Kapitel beginnt mit den Worten: „Was du von mir in Gegenwart vieler Zeugen gehört hast, das vertraue treuen Menschen an, die tüchtig sein werden, auch andere zu lehren.“ Lasst uns treu sein! Lasst uns festhalten an dem, was uns einmal gepackt hat – das Evangelium, die frohe Botschaft von Jesus Christus.
Lasst uns treu in der Nachfolge sein und dieses Vokabular aufgreifen: Lasst uns tüchtig sein, die junge Generation authentisch und liebevoll zu lehren. Erzählt von dem, was ihr mit Jesus erlebt habt und warum es sich lohnt, auch in der heutigen Zeit Jesus zu folgen. Gerade heute, wo vielen eingeredet wird, man könne sich von der klassischen christlichen Ethik verabschieden.
Wie schön, dass zwei junge Leute hier erzählt haben, dass sie auf dem Weg mit Jesus vorangehen.
Die zeitlose Wahrheit des Evangeliums und Zeichen neuer Erweckung
John Chesterton, G. T. Chesterton, dieser originelle britische Journalist und Autor, dessen Texte ich sehr schätze, hat sich neulich zu einem Thema geäußert, das mich beeindruckt hat. Er sprach über Menschen, die stehen geblieben sind und meinen, wir seien heute schon weiter. Sie glauben, der alte, überholte Glaube sei Schnee von gestern.
Chesterton sagt, in der heutigen Auseinandersetzung habe sich die Gewohnheit herausgebildet, zu verkünden, dass dieser oder jener Glaube in ein bestimmtes Zeitalter passe, in ein anderes jedoch nicht mehr. Ein bestimmtes Dogma, so erklärt man uns, sei im zwölften Jahrhundert glaubwürdig gewesen, habe aber im zwanzigsten und auch im einundzwanzigsten Jahrhundert keine Überzeugungskraft mehr.
Genauso gut könnte man sagen, eine bestimmte Ansicht sei am Montag vertretbar, am Dienstag dagegen nicht. Was einem Menschen glaubwürdig erscheint, hängt von seiner Grundeinstellung ab, nicht von der Uhrzeit oder dem Jahrhundert. Das Evangelium ist wahr zu jeder Zeit, an jedem Ort dieser Welt und gilt für jeden einzelnen Menschen.
Aus dem Vereinigten Königreich erreichen uns inzwischen hoffnungsvolle Zahlen. Ob ihr es gehört habt oder nicht: Es zeigt sich ganz offensichtlich in Gemeinden von England und Wales, dass seit einigen Jahren ein, wie es heißt, dramatischer geistlicher Aufschwung zu verzeichnen ist. Besonders unter der Generation Z und vor allem unter jungen Männern, die einen Hunger nach geistlicher Nahrung haben. Sie stellen gute, tiefgehende Fragen und finden Antworten in Gottes Wort.
Man spricht von the quiet revival, einer stillen Erweckung. Wie ich in einem säkularen Bericht gelesen habe, ist dies nicht nur ein regionales Phänomen. Dort schreibt man von einem Flächenbrand, der große Teile des Landes und der dortigen Kirche betrifft – eine wirkliche Erweckung. Ähnliches hört man auch aus Frankreich.
Deshalb habe ich Hoffnung für unsere Gesellschaft, und wir dürfen auch Hoffnung für Deutschland haben. Bei der deutschen Evangelistenkonferenz, die einmal im Jahr zusammenkommt, hat unser Vorsitzender, David Kröker, gefragt: Wer von euch hat im vergangenen Jahr wahrgenommen, dass eine neue Offenheit unter den Leuten zu merken ist, denen wir bei unseren Veranstaltungen begegnet sind?
Von den 130 Evangelistinnen und Evangelisten, die zusammenkamen, meldeten sich 34. Das ist noch keine überwältigende Mehrheit. Ich selbst konnte mich auch noch nicht melden, aber ich möchte die Hoffnung nicht aufgeben, dass Gott Erweckungen schenkt in unserer Zeit. Gott wirkt auch heute, manchmal leise, aber real.
Du hast den Iran angesprochen: Seit 15 Jahren sind Millionen von Menschen im Iran zum Glauben an Jesus Christus gekommen. Wenn wir für den Iran beten, dann beten wir für einen großen Teil unserer Glaubensgeschwister. Erweckung beginnt immer im Herzen Einzelner. Sie ist nicht etwas, das Gott plötzlich über das Land ausstreut. Er nimmt Einzelne und erweckt sie zunächst in ihrem Inneren, sodass das Kreise ziehen kann.
Die Einladung zur Umkehr und Erneuerung im Glauben
Beten wir also, dass Jesus uns zunächst selbst erforscht, unsere Herzen durchschaut und uns von Götzen befreit. Er möge uns von versteckten Lügen befreien und andere Sünden aufdecken, von denen wir umkehren sollten. Vielleicht macht er uns auch bewusst, wem wir vergeben sollten.
Gott bleibt treu, aber nicht, indem er über unsere Untreue hinwegsieht. Er bleibt treu in seinem Wesen und zu seinem Wesen. Weil Gott sich selbst nicht verleugnen kann, wird er Sünde und Ungehorsam niemals gutheißen. Gleichgültigkeit wird er nicht ignorieren. Doch er wird auch niemanden aufgeben, der zu ihm zurückkehrt.
Das Problem vieler Christen heute ist nicht immer offener Widerspruch. Manchmal ist es Müdigkeit, manchmal Enttäuschung. Oft ist es eine schleichende Anpassung: Man betet weniger und gewöhnt sich daran. Man hört Gottes Wort regelmäßig, lässt sich aber nicht mehr verändern. Man weiß, was richtig wäre, schiebt es aber auf morgen – vielleicht, aber jetzt nicht.
Irgendwann merkt man, dass man vom Weg abgekommen ist. Dass man Gott immer weniger fragt, was er eigentlich von uns will. Manche rechtfertigen sich und sagen: „Ich bin halt so, Gott versteht das schon.“ Doch wo bist du? Wo bin ich stehen geblieben auf dem Weg?
Gott ist treu. Das heißt, er will uns nicht einfach so lassen, wie wir sind. Seine Treue bedeutet, dass er zu sehr liebt, um uns einfach zurückzulassen. Ja, er ist treu, er geht den Weg mit uns. Er möchte mitnehmen, wer auch immer dazu bereit ist. Er möchte uns nicht zurücklassen.
Die umfassende Verführung der Sünde und die Notwendigkeit der Buße
In 1. Mose Kapitel 3 bleibt Eva stehen. Bewundernd steht sie vor dem verbotenen Baum, und in diesem Moment ist Gott für sie vergessen. Wie Bonhoeffer einmal sagte: In solchen Augenblicken wirkt Gott ziemlich unwirklich, wenn die Lust das Fleisch ergreift.
Bonhoeffer beschreibt, wie Eva von der Lust erfasst wird – und zwar dreifach. Zunächst sieht sie, dass der Baum gut zur Speise ist. Das bedeutet, ihr Appetit, ihr körperliches Verlangen wird geweckt. Der Baum ist eine Lust für die Augen, ihre Seele, ihr Sinn für Schönheit, wird angesprochen. Drittens ist der Baum begehrenswert, er verspricht Einsicht, ihr Verlangen nach dem Göttlichen, ihr Geist wird angeregt.
Die Lust erreicht also den ganzen Menschen: Körper, Seele und Geist.
Es gibt Menschen, die meinen, wenn sie erst einmal ihren Körper im Griff haben, also ihre Triebe beherrschen, dann hätten sie das Problem der Sünde gelöst. Doch das stimmt nicht. Andere sagen, das Denken sei das Problem, denn aus dem Denken entstehe der Zweifel. Deshalb hören sie auf zu denken. Doch auch das ist nicht ratsam. Wieder andere glauben unbewusst, die Gefühle seien das Problem.
All das ist falsch. Der ganze Mensch ist Sünder – ganzheitlich und universell.
In 1. Mose 3 steht die ganze Menschheit symbolisch für Adam und Eva. Die beiden repräsentieren uns alle. Bei Eva war eine raffinierte Taktik der Verführung nötig, während Adam einfach wie ein Trottel hinterherläuft. Ganz gleich, ob man sich als Opfer unserer Zeit und Gesellschaft sieht – wie man es vielleicht Adam zuschreiben könnte – oder ob man selbst aktiv wird, wie Eva, ist eigentlich zweitrangig.
Der ganze Mensch mit Haut und Haaren ist in Sünde gefallen. Die gesamte Menschheit, alles, was Mensch heißt, sitzt in einem Boot.
Das müssen wir uns zunächst einmal eingestehen: Wir sind alle von Sünde betroffen, ob jung oder alt, ob gebildet oder eingebildet, ob wir zur Freien Willensgemeinschaft gehören oder zu einer Brüdergemeinde wie ich. Wir sind alle Sünder.
Jeder von uns weiß, wie Sünde uns beeinflussen kann. Bilder und Filme können uns verführen. Wenn unser Gewissen uns dann warnt: „Lass es!“, hören wir oft weg, schalten auf stumm.
Das ist ein schöner Text in deinem Lied, doch dann siehst du dir den Dreck an und bist anschließend tief enttäuscht. Die Seifenblase ist geplatzt, so schön sie auch vorher schillerte. Und drei Wochen später kommt die nächste Gelegenheit – mit derselben Faszination.
Die persönliche Erfahrung von Umkehr und der Weg zur Erneuerung
Ein Mädchen wurde gefragt, wie ihr Leben vor und nach ihrer Bekehrung war. Sie antwortete: „Ich glaube, früher war ich eine Sünderin, die der Sünde nachlief. Jetzt bin ich eine Sünderin, die vor der Sünde davonläuft.“
Sie gab zu, dass sich an ihrem Herzen nicht so viel verändert habe. „Ich war damals Sünderin, und ich bin es heute noch. Aber jetzt laufe ich davon, weil Gott unser Gewissen sensibilisiert hat. Wir wollen die Sünde nicht mehr, weil wir wissen, was es Jesus gekostet hat, unsere Sünden am Kreuz zu bezahlen.“
Gott ruft uns zur Umkehr. Dabei laufen wir jedoch nicht nur vor etwas davon, sondern wir laufen zu jemandem hin – nämlich zu Jesus Christus.
Wenn du in der Nachfolge stehen geblieben bist oder dich sogar auf dem Rückweg befindest, dann kehre um. Folge Jesus ganz neu nach. Umkehr ist kein Zeichen von Schwäche, sondern Ausdruck lebendigen Glaubens.
Wenn Menschen so tun, als sei alles in Ordnung, bin ich immer etwas skeptisch. Doch wenn jemand, so wie ihr es getan habt, ehrlich zu seinen Fehlern steht – zu seiner Vergangenheit, wie Lena es gemacht hat – und wenn Jan ebenso zugibt, dass Dinge passiert sind, die nicht in Ordnung waren und für die er sich schämt, dann habe ich vor solchen Menschen viel mehr Achtung.
Das gilt mehr als bei denen, die alles relativieren oder versuchen, sich irgendwie herauszureden. Umkehr ist ein Zeichen lebendigen Glaubens. Sie ist der Beginn eines erneuerten Glaubens.
Umkehr bedeutet nicht nur, etwas zu bereuen. Es heißt auch, sich Gott neu zur Verfügung zu stellen, wieder in seiner Nähe aufzuatmen und sich neu einsetzen zu lassen in seinem großen Reich.
Die Gefahr geistlicher Mittelmäßigkeit und der Ruf zur Erneuerung
Der amerikanische Pastor und Autor A. W. Tozer schrieb einmal treffend: Wir haben angehalten und unser Zelt auf halbem Wege zwischen dem Sumpf und dem Gipfel errichtet. Wir sind mittelmäßige Christen.
Sollte das ein Kennzeichen unserer Zeit und unserer Gesellschaft in Deutschland sein? Geht deshalb geistlich so wenig voran? Spüren wir deshalb so wenig von Erweckung in unseren Gemeinden und in unserem persönlichen Leben?
Paulus schreibt von Opfern. Er sagt: Gebt euer Leben als ein Opfer hin und stellt euch nicht dieser Welt gleich. So geht es weiter in Römer 12: Werdet verwandelt oder lasst euch verwandeln. So kann man es auch übersetzen, durch die Erneuerung eures Sinnes. Es geht also nicht darum zu sagen: Ich muss mich ändern, sondern darum, dass ich mich in seiner Gegenwart verändern lasse. Ich werde verändert von Jesus.
Schon Eva hat den Fehler gemacht, als sie der Schlange gegenüber sagte: Wir dürfen die Früchte jenes speziellen Baumes nicht einmal berühren. Das hatte Gott niemals gesagt. Zuvor hat sie Gott richtig zitiert, aber „ihr sollt sie nicht berühren“ – das kam nicht von Gott, das war ihre Idee. Und es ist eine typisch menschlich gesetzliche Idee.
Das wird im Kolosserbrief deutlich, wo Paulus schreibt: Wenn ihr mit Christus den Elementen der Welt gestorben seid, was unterwerft ihr euch Satzungen, also diesen menschlichen Ideen, als lebtet ihr noch in der Welt? „Berühre nicht, schmecke nicht, betaste nicht.“
Es geht nicht um das bloße Vermeiden von Sünde – das will ich heute Morgen nicht predigen. Es geht nicht um ein „Nur nicht anfassen“ oder „Reiß dich zusammen“. Sondern es geht um Sünder, die zu Jesus hinlaufen und die von seiner Gegenwart geprägt und verändert werden.
Die Herausforderung der Verharmlosung von Sünde und die Bedeutung der Ehrlichkeit
Vielleicht denkst du: Markus, ich bin schon so lange Christ, erzähl mir nichts. Vielleicht sagst du: Ach, weißt du, andere haben größere Baustellen als ich. Oder du meinst: So schlimm ist es bei mir gar nicht.
Vielleicht sagst du auch: Ich schade doch niemandem. Wenn du von Sünde redest, dann denkst du vielleicht an Situationen, in denen jemand betrogen wird, um seinen Besitz gebracht wird oder enttäuscht wird. Dann ist es doch etwas anderes, aber es kriegt ja niemand mit.
Oder zwei Menschen sagen: Wenn es doch beide wollen, kann das Sünde sein? Das ist eine Verharmlosung, denn Sünde ist immer auch Sünde gegen Gott. So hat es Joseph gesagt, als die Frau des Potifar nach seinem Kleid griff und zu ihm sagte: „Liege bei mir!“ Da antwortete Joseph: „Wie kann ich diese Sünde gegen Gott tun?“
Sünde ist immer Sünde gegen Gott. Gott ruft uns nicht, um uns bloßzustellen, sondern er ruft uns, damit wir heil werden. Er will, dass unser geistliches Leben erneuert wird – in unserem Herzen, in unseren Gemeinden und hoffentlich auch an einem Ort wie Niedertresselndorf, da, wo wir zu Hause sind, in unserem Landkreis, in unserem Bundesland und in unserer Republik.
Seine Treue wartet nicht mit Vorwürfen, sondern mit offenen, liebenden Armen.
Die umfassende Umkehr als völlige Lebenswende
Charles Haden Spurgeon, der große britische Baptistenprediger, sagte: Ein Mensch kann seinen Kopf drehen und sich dabei im Ganzen nur wenig umkehren. Probier es mal, wenn er einigermaßen beweglich ist – ohne zu knacken. Wir bewegen uns dadurch aber nicht wirklich in eine andere Richtung.
Er kann seine Hand umkehren, und dabei braucht er den Leib kaum zu bewegen. Aber wenn er seine Füße umkehrt, dann kehrt er vollständig um.
Die Umkehr, die wir Sünder alle bedürfen, ist eine völlige Umkehrung der Gesinnung und des ganzen Wandels. Wir reden hier also nicht, wie in der Physik, von einem Drehmoment, sondern von einem Umkehrmoment – etwas, das den ganzen Menschen betrifft.
Es geht nicht nur um unseren Kopf. Es geht nicht darum, zu verstehen, was ich hier heute Morgen sage, und es vielleicht auch einzusehen. Das wäre Kopfglaube. Es geht darum, die Richtung zu korrigieren und wieder auf Jesus Christus zuzugehen, der heute Morgen greifbar unter uns ist.
Es geht darum, sich bei dieser Gelegenheit heute Morgen an ihn zu wenden und sich von ihm erneuern zu lassen. Vielleicht ist das heute Morgen dein Umkehrmoment, sodass du deine Beziehung zu Jesus erneuerst, dich ihm neu hingibst und deine Prioritäten neu ordnest.
Die entscheidende Frage heute Morgen ist nicht: Was habe ich gehört? Die entscheidende Frage ist: Wo bin ich stehen geblieben?
Versteckte Sünden sind die Räume unseres Lebens, in denen wir aufgehört haben, Gott wirklich reinzulassen und mitreden zu lassen. Vielleicht ist es geistliche Bequemlichkeit, vielleicht Unversöhnlichkeit. Vielleicht ist es ein Bereich, den du seit langem vor Menschen und vor Gott schützt.
Dann sag nicht: So schlimm ist es nicht. Genau da beginnt die Gefahr.
Gestehe deine Fehler und kehre zurück zu Jesus. Und vermeide Heimlichkeiten.
Praktische Schritte zur geistlichen Erneuerung und Befreiung
Ich selbst pflege seit einem Jahr eine Rechenschaftsbeziehung zu einem Glaubensbruder, der zehn Jahre älter ist als ich. Wenn wir uns treffen, reden wir über Fortschritte in unserem geistlichen Leben, aber auch über Niederlagen und darüber, wie wir frei werden können von Sünde.
Was helfen kann, sind natürlich Maßnahmen zur Verhaltensveränderung, zum Beispiel ein Internetfilter. Für sich allein genommen bleiben solche Maßnahmen jedoch Symptombehandlungen, die nur an der Oberfläche kratzen. Darum kann es nicht allein darum gehen, diese zu vermeiden.
Diese Methoden verlassen sich auf unsere menschliche Stärke, auf unsere Selbstdisziplin und das Bemühen, sich ein bisschen mehr anzustrengen. Doch das Bedürfnis hinter allen Sünden in unserem Leben – dazu gehört auch Pornokonsum – kann nur aus Gottes großem Tank der Liebe und Gnade gestillt werden. Aus diesem unversiegbaren Tank seiner Zuwendung zu uns – das ist Gnade.
Gnade ist mehr als nur ein Wort. Philipp Jensey hat einmal ein Buch mit diesem Titel herausgegeben. Er musste, wie wir in der vorletzten Ideausgabe lesen konnten, auch eine schwere Sünde in seinem Leben eingestehen. Dabei wurde ihm ganz neu bewusst, wie sehr er auf diese Gnade angewiesen ist, von der er schon vor Jahrzehnten geschrieben hat.
Wenn wir dann von Gnade reden und uns bewusst wird, wie Gnade verändern kann und uns ganz neu beflügeln kann in unserem geistlichen Leben, dann ist das für mich wie eine zweite Bekehrung gewesen. Vor Jahrzehnten wurde ich durch solche Bücher, auch von Charles Spurgeon („Zeit der Gnade“), ganz neu darauf aufmerksam, dass es nicht meine Anstrengung ist, sondern sein Wirken in meinem Leben. Er muss der Mittelpunkt sein.
Dann ergibt sich vieles fast von ganz allein. Das kann der Beginn von etwas ganz Neuem sein. Und hier kann Seelsorge, wenn wir darüber reden, und auch solche Rechenschaftsbeziehungen – statt bloßem Abstinenztraining – wirklich Heilung bewirken und Befreiung bringen.
Gott liebt uns zu sehr, um uns auf halbem Wege stehen zu lassen.
Einladung zur persönlichen Umkehr und Erneuerung vor Gott
Ich komme zum Schluss und möchte dich einladen, am Ende dieser Predigt einmal still zu werden. Komme demütig und ehrlich vor Gott.
Bitte den Herrn in deinem Herzen während einer Zeit der Stille: Herr, zeige mir, wo ich stehen geblieben bin. Zeig mir, wo ich mich angepasst habe und wo ich dir ausweiche.
Wenn dir Gott heute Morgen in dieser stillen Zeit etwas zeigt – vielleicht eine bestimmte Haltung oder eine versteckte Sünde – dann bringe sie ihm in wenigen einfachen, ehrlichen Worten im Gebet. Sage es ganz konkret.
Jesus heilt, Jesus erneuert. Lass dies jetzt dein Umkehrmoment sein.