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Wie werde ich ein Kind Gottes?

01.03.1965

Einführung in die Frage nach der Gottes-Kindschaft

Wie werde ich ein Kind Gottes? Kriegt mein Leben Sinn und Verstand? Wie werde ich ein Kind Gottes?

Hier möchte ich am liebsten eine kleine Atempause machen und sagen: Jetzt kommt also der zweite große Abschnitt. Wie werde ich ein Kind Gottes?

Neulich sagte mir ein Mann: „Kinder Gottes sind wir doch alle.“ Da habe ich gesagt: „Nee, nee, nee, nee, nee, nee.“ Das wäre ja noch schöner, wenn alle angeben und behaupten würden, sie seien meine Kinder. Nein, nein, bloß die Buscheisen – und die nicht mal alle.

Wir sind auch nicht alle Kinder Gottes. Oh nein, es gibt am Anfang der Menschengeschichte eine schreckliche Tragödie, bei der der Mensch sich von Gott losriss und hinausgetrieben wurde. Von Natur aus sind wir alles andere als Kinder Gottes. Dabei ist es ganz egal, ob wir an Herrn Gott glauben – das tut der Teufel auch –, ob wir getauft sind oder ob wir christlich sind. Damit sind wir noch nicht Kinder Gottes.

Sie sind ein bisschen zart beseitet, sonst möchte ich Ihnen gern mal sagen, was die Bibel über unseren natürlichen Zustand sagt. Soll ich es mal sagen? Haben Sie gute Nerven?

Sie sagt, dass wir von Natur Kinder des Teufels sind. Sie sagt, dass wir von Natur Kinder des Zornes Gottes sind. Sie sagt, dass wir von Natur Kinder des Unglaubens sind, dass wir Gefangene von Fleisch und Blut sind, dass wir Knechte der Sünde sind. Das sehen wir von Natur.

Muss ich eigentlich so laut reden? Ich bin nicht ganz klar, es ist da hinten ein bisschen problematisch. Hauptsache, Sie verstehen mich alle, ja?

Sehen Sie, ich vergesse nicht den Augenblick, als ich als junger Leutnant im Feld auf einmal schlagartig begriff, dass wir von Natur verlorene Leute und nicht Kinder Gottes sind.

Die Dringlichkeit der Erkenntnis und das Aufnehmen Jesu

Wie werde ich ein Kind Gottes?

Ich habe das einmal in einem Vortrag in Württemberg gesagt. Am nächsten Tag traf meine Schwester eine vornehme Dame, die ihr erzählte: „Ich war gestern bei Ihrem Bruder im Vortrag, aber heute komme ich nicht mehr.“

Da fragte meine Schwester: „Warum nicht?“

Die Dame antwortete: „Ich brauche jeden Abend ein Schlafmittel, und gestern Abend habe ich sogar zwei gebraucht.“

Da habe ich mich gefreut und gedacht: Wenn ein Mensch endlich begreift, dass er vor Gott ein ganz armer, verlorener Mensch ist, dann kann er wohl...

Es gibt aber keine Schlafmittel, die die Situation ändern. Ob man sich bedrängt oder sich in Arbeit stürzt – das ändert nichts.

Wie werde ich ein Kind Gottes?

Oh, meine Freunde, wenn ich doch ganz anders sprechen könnte, um Ihr Gewissen und Herz zu bewegen! Es gibt ein ganz einfaches Wort in der Bibel: Der Sohn Gottes, Jesus, kam in diese Welt als sein Eigentum. Die Seinen aber nahmen ihn nicht auf, nahmen ihn nicht an.

Und dann geht es überraschend weiter: Wie viele ihn aber aufnahmen, Jesus, den Sohn Gottes, denen gab er die Vollmacht, Gottes Kinder zu heißen.

Da sagt man: So einfach ist das? So einfach ist das, Jesus aufzunehmen?

Es gibt Leute, die sagen zu mir: Jesus war nur ein Mensch wie wir. Dann antworte ich: Da meinen Sie einen anderen. Ich meine Jesus, den Sohn Gottes, der aus der Welt Gottes zu uns kam, verstehen Sie?

Wie viele ihn aufnahmen, denen gab er gleichsam einen Bürgerbrief, Gotteskinder zu werden. Ihnen gab er die Vollmacht dazu.

Darum ringe ich darum, dass Sie Jesus aufnehmen.

Die Einladung zum Leben und die Kraft Jesu

Zu dem großen Erweckungsprediger Spörtchen kam nach einem Vortrag ein junger Mann und sagte: „Herr Prediger, es war schön, was Sie gesagt haben, und ich will mir das auch zu Herzen nehmen. Eines Tages möchte ich auch Jesus aufnehmen.“

Daraufhin fragte Spörtchen: „Warum denn nicht gleich?“

Der junge Mann antwortete etwas verlegen: „Ich will vorher noch etwas vom Leben haben.“

Spörtchen entgegnete: „Du bist aber ein bescheidener junger Mann, du willst etwas vom Leben haben. Als ich jung war, war mir das zu wenig. Ich wollte das Leben haben. Und Jesus sagt: ‚Ich bin das Leben. Er ist gekommen, damit wir das Leben in Fülle haben sollen.‘ Junger Mann, sei nicht so kümmerlich, dass du nur etwas vom Leben willst. In Wirklichkeit hast du ja nur etwas vom Tod. Nimm den Heiland auf, das Leben! Ich bin gekommen, damit sie das Leben in Fülle haben sollen.“

Sehen Sie, ich muss Ihnen jetzt von Jesus ein wenig reden, auf den alles ankommt. Ich habe keine Lehren, keine Dogmen, keine Philosophien, sondern ich predige den von Gott gekommenen Heiland, der Ihr ganzes Leben mit Sinn erfüllt.

Drei Geschichten zur Veranschaulichung des Heils

Ich möchte Ihnen nur drei Geschichten von ihm erzählen.

Die Begegnung mit dem Aussätzigen

Da war er zum ersten Mal auf Erden und redete zu vielen Menschen – viel mehr, als hier sitzen, und das ohne Mikrofon, denken Sie nur! Es gibt eine Geschichte von der Speisung der 5000. Wie viele Leute waren da? 5000? Nein, nein, das heißt 5000 ohne Frauen und Kinder. Ziehen Sie mal die Frauen hier ab, was bleibt übrig? 5000 ohne Frauen und Kinder. Der Heiland muss eine Stimme gehabt haben wie eine Glocke, nicht wahr?

Da redet er vom Reich Gottes, und auf einmal entsteht hinten eine Unruhe. Eine solche Unruhe, dass er schließlich aufhören muss! Und diese Unruhe hat einen guten Grund. Da war ein Aussätziger gekommen. Aussätzige sind Menschen, die bei lebendigem Leib verfaulen. Das ist schauerlich. Da fallen die Ohren ab, die Nase, die Lippen und die Finger. Alles ist voller Eiter, und der Atem steckt an, sodass man sie hinaustreibt.

Jetzt kommt so ein Aussätziger und will zu Jesus. Ich kann verstehen, wie die Leute geschrien haben: "Geh du weg!" Aber sie machen ihm trotzdem Platz. Er will ja schon angesteckt werden, und so gibt es einen Weg mitten durch die Menge. Da kommt dieser arme Mensch, und dann ist er vor Jesus. Er fällt nieder – ich sehe das Elendsbild vor mir, vom Staub der Straße und des Eides, und die Tränen laufen ins Gesicht. Ein grässliches Bild, so liegt er vor Jesus.

Und so ist es in Ordnung, meine Freunde: Unser Elend muss vor Jesus kommen, dazu ist er gekommen. Nun, Sie können sich denken, dass Jesus ihn geheilt hat, aber das ist noch gar nicht so wichtig. Ich könnte mir vorstellen, wie Jesus vor diesem Mann auch einen Schritt zurückweicht, wie alle anderen. Stattdessen steht in der Bibel etwas Wundervolles: Jesus rührte ihn an.

Die Leute schrien vor Entsetzen: "Man fasst doch keinen Aussätzigen an!" Aber die Heilandshand liegt auf dem kranken, verzweifelten Haupt. Wenn hier ein Mensch sitzt, von dem keiner etwas wissen will – jetzt legt dir Jesus in dieser Stunde die Hand auf und sagt: "Ich habe dich erlöst, du sollst mein sein!"

Wenn du einer bist, der aussätzig ist von Schmutz und Sünde, dann legt dir Jesus jetzt in dieser Stunde die Hand auf!

Das Kreuz und die Auferstehung

Wenn ich wirklich mit dem Maler Wilhelm Busch verwandt wäre – was ich nicht bin – und so malen könnte wie er, dann würde ich die Heilandshand auch diesem Verzweifelten aufmalen. Dieser Herr wird eines Tages ans Kreuz geschlagen.

Wir gehen heute Abend gemeinsam hinaus auf den Hügel vor den Toren Jerusalems. Dort ragen die drei Kreuze empor. Wir sehen den in der Mitte an, den Gekrönten mit der Dornenkrone, die seine Stirn zerreißt. Seine mächtigen Hände sind angenagelt, sodass er wehrlos da hängt.

„Seht, da ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt.“

Und die dritte Geschichte: Man legt ihn in ein Felsengrab, wählt eine Steinplatte davor und stellt sogar Soldaten auf, die darauf achten sollen, dass er tot bleibt.

Und diese Geschichte mag ich besonders: Im Morgengrauen des dritten Tages wird es hell, als explodiere eine Atombombe in der Nähe. Ein Licht, das die Soldaten ohnmächtig werden lässt – nicht die Jünger, sondern Soldaten, die auf allen Schlachtfeldern gekämpft hatten. Sie kippen um, so entsetzt sind sie über das, was sie sehen: wie der Stein wegfliegt und der Tote glorreich herauskommt. Da schwinden ihnen die Sinne.

Von diesem Jesus rede ich, der durch Spiel geht und durch Oder Chasel, wie ich noch weiß. Und durch Twannowit in Nestl – alle heißen hier Städte und Dörfer.

Von diesem Jesus rede ich, dem so viele Menschen begegnet sind. Ihm gab Gott die Macht, Kinder Gottes zu werden.

Die Bedeutung der Gottes-Kindschaft für das Leben

Wozu bin ich auf der Welt? Du bist umsonst auf der Welt, wenn du nicht ein Kind Gottes geworden bist.

Nun kannst du sagen: Ja, ich kann mich doch so zu Gott wenden, wozu brauche ich Jesus? Dann antworte ich: Du kannst dich nicht zu Gott wenden, denn deine Sünden jagen dich zurück. Nur Jesus gibt dir Vergebung deiner Sünden, und diese Vergebung brauchen wir dringend.

Jesus ist die Tür zur Gotteskindschaft. Er ist derjenige, den wir aufnehmen müssen; ohne ihn geht es nicht. Nun möchte ich einige Bibelworte nennen.

Wollen Sie es besser wissen? Wer den Sohn Gottes hat, der hat das Leben; wer den Sohn Gottes nicht hat, der hat das Leben nicht. So steht es im Wort Gottes. Nehmen Sie Jesus auf, und Sie werden ein Kind Gottes.

Jetzt muss ich noch am Rande sagen: Wenn wir Jesus aufnehmen, dann gibt es in unserem Leben eine große Revolution. Er gibt mir Anteil an seinem Tod, damit der alte Mensch stirbt. Ich darf mit ihm auferstehen zu einem ganz neuen Leben als Kind Gottes.

Er gibt mir seinen Geist, sodass ich plötzlich anders denken kann und einen neuen Geschmack bekomme. Aber das erleben Sie schon. Nehmen Sie nun erst einmal Jesus auf – eins nach dem anderen. Wir nehmen es eins nach dem anderen, sagen die Schweizer. Erstmal Jesus aufnehmen, dann kommt das Weitere.

Aber das möchte ich Ihnen gleich sagen: Dann bekommen wir eine neue Existenz. Kind Gottes zu werden ist nicht nur eine Veränderung des Denkens, sondern eine neue Existenz.

Persönliche Beispiele und Ermutigung zur Aufnahme Jesu

Also, bei uns in der Gegend, da oben im Westfälischen, lebte im vorigen Jahrhundert ein Schuhmacher namens Rahlenbeck. Man nannte ihn nur den Beatistenpfarrer – ein gewaltiger Mann.

Eines Tages kam ein junger Pfarrer zu ihm und besuchte ihn. Da sagte Herr Rahlenbeck: „Herr Pfarrer, Ihr Theologiestudium garantiert noch nicht, dass Sie ein Kind Gottes sind. Sie müssen den Heiland aufnehmen.“

Der junge Pfarrer antwortete: „Ja, den habe ich. Ich habe sogar ein Bild von ihm im Studierzimmer hängen.“ Darauf sagte der alte Rahlenbeck: „He ja, an der Wand ist der Heiland ganz ruhig und friedlich. Aber wenn ich ihn in mein Herz und Leben aufnehme, dann gibt es Rumor. Ich wünsche Ihnen, dass Sie diesen herrlichen Rumor erleben, bei dem das Alte stirbt und man ihn als Kind Gottes preisen kann. So können Sie ein Beispiel auf der Welt sein und den Vater mit Werken, Worten und Gedanken ehren.“

Liebe Freunde, ich kann bei so einem Vortrag nur eine grobe Richtung vorgeben. Sie müssen selbst studieren. Fangen Sie zum Beispiel an, im Neuen Testament das Johannesevangelium zu lesen. Lesen Sie es unvoreingenommen, wie einen Tatsachenbericht oder eine Illustrierte. Lassen Sie es auf sich wirken!

Forschen Sie selbst weiter, wie man ein Kind Gottes wird!

Die Geschichte von Maria aus Magdala als Beispiel der Verwandlung

Ich möchte Ihnen zum Schluss eine kleine biblische Geschichte erzählen. Es wird von einem Mädchen berichtet, von Maria aus Magdala, die Jesus nachfolgte. Über ihr Leben wird nur ein merkwürdiger, geheimnisvoller Satz gesagt: Jesus hatte von ihr sieben Teufel ausgetrieben. Was das genau bedeutet, wissen wir nicht.

Aber ich weiß, hier sitzen Menschen, die genau wissen, dass auch aus ihrem Leben Teufel ausgetrieben werden müssten. Früher war ihr Leben geprägt von Gebundenheit und Dunkelheit. Dann kam Jesus, und sie folgte ihm nach. In seiner Gegenwart fand ihr Leben einen Sinn. Sie sagt: „Ich bin Kind Gottes.“

Dann erlebt sie, wie Jesus gekreuzigt wird. Sie versteht es nicht. Am dritten Morgen will sie zu seinem Grab gehen, um ein Blümchen niederzulegen. Doch das Grab, ein Felsengrab, ist aufgerissen und leer. Da kniet sie im Gras und weint herzzerreißend. Sie sagt: „Ich verstehe das nicht. Jetzt ist er weg. Jetzt sinke ich zurück in die alte Sinnlosigkeit meines Lebens, in den alten Schmutz. Es wird so getan, als wäre alles in Ordnung, dabei ist nichts in Ordnung. Die Friedlosigkeit in der Brust, diese schrecklichen Triebe, die einen mitreißen – all das Alte ist wieder da.“

Plötzlich hört sie eine Stimme hinter sich: „Maria!“ Sie fährt herum und sieht den Auferstandenen. „Mein Herr, Rabbi, mein Herr, mein Meister!“ Sie stürzt sich förmlich auf ihn, weil sie begriffen hat, dass er ihrem Leben Sinn und Inhalt gibt. Er macht sie zum Kind des lebendigen Gottes.

Sie verstehen, was ich Ihnen vortrage, ist kein religiöses Hobby. Es ist nicht die Idee eines Pfarrers. Für Sie hängen Leben und Tod daran – ewiges Leben und ewiger Tod. Gott mache Sie zu Kindern des lebendigen Gottes.

Abschluss und Hinweise auf weiterführende Literatur

Und nun wollen wir unser Liederblatt aufschlagen? Wer ein anderes Ziel sucht, wird hier nicht fündig.

Da hinten ist ein Büchertisch mit einer Menge Bücher von mir. Manchmal werde ich gefragt: „Was empfehlen Sie?“ Dann antworte ich: „Alles, sonst hätte ich es nicht geschrieben.“

Darf ich Sie auf ein Andachtsbuch hinweisen? Ich weiß meinen eigenen Titel schon nicht mehr, verzeihen Sie. Es ist ein Andachtsbuch mit dem Titel „Gott lasse ein Heil uns schauen“. Darin habe ich für jeden Tag eine kurze Bibelauslegung, also eine kurze Andacht.

Ich habe mir vorgestellt, dass ein Hausvater oder eine Hausmutter mit der Familie ein kurzes Wort Gottes liest. Dabei sitzen heranwachsende Kinder dabei, die das vielleicht langweilig finden. Für genau solche Familienandachten habe ich das Buch geschrieben.

Schauen Sie sich den Büchertisch an!