Generierte Mitschrift
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Einleitung und biblischer Ausgangspunkt
Heute Nachmittag haben wir das Thema umschrieben mit: Wer ist ein Gott wie du?
Diese Frage stammt aus Micha 7 und gehört zu den Schlussworten des Propheten, in Vers 18. Wer ist ein Gott wie du? Es ist eine Anspielung auf seinen Eigennamen Micha. Er heißt nämlich: „Wer ist wie der Ewige?“
Wer ist ein Gott wie du, der die Ungerechtigkeit vergibt und die Übertretung des Überrestes seines Erbteils übersieht? Er behält seinen Zorn nicht auf immer, denn er hat Gefallen an Güte. Er wird sich unser wieder erbarmen, wird unsere Ungerechtigkeit niedertreten. Und du wirst alle ihre Sünden in die Tiefen des Meeres werfen. Du wirst an Jakob Wahrheit, an Abraham Güte erweisen, die du von den Tagen der Vorzeit her unseren Vätern geschworen hast.
Auf dem Einladezettel habe ich das Thema von heute Nachmittag so umschrieben. Ich möchte das wiederholen: In den ersten Jahrhunderten der Christenheit wurde die Kirche unter der Herrschaft des Römischen Reiches grausam verfolgt. Dies ist allgemein bekannt. Doch weniger bekannt ist, dass in der gleichen Zeit eine unbeschreibliche Überflutung mit den tödlichsten Irrlehren stattgefunden hat.
Diese ausgeklügelten und oft höchst subtilen Attacken zielten mit voller Wucht frontal auf die Fundamente des christlichen Glaubens: Angriffe auf die Person Jesu Christi, Leugnung seiner Gottheit, seiner Menschheit, seiner ewigen Sohnschaft, Leugnung der Trinität, Negierung der Person des Heiligen Geistes usw. usf. Alle Irrlehren der vergangenen zweitausend Jahre, die sich am Wesen Gottes vergreifen, kamen im Wesentlichen bereits in den ersten vier Jahrhunderten auf.
Doch der Herr hatte vorgesorgt. Das Neue Testament wurde so inspiriert, dass die Munition zur Vernichtung späterer Irrlehren bereits im Voraus der Gemeinde anvertraut worden war. Die meisten Irrlehren in Bezug auf die Person Christi zerschellen allein schon an Johannes 1, Kolosser 1 und Hebräer 1.
Wir erarbeiten zusammen die Lehre der Bibel über die Gottheit. Dadurch festigen wir die unumstößlichen Grundlagen des biblischen Glaubens und vertiefen das Empfinden für die absoluten Prioritäten des Christentums. C. S. Lewis hat einmal gesagt: Das große Problem ist, dass sie nicht wissen, welche Dinge die Prioritäten sind. Das ist effektiv so. Und was zu den absoluten Prioritäten des Glaubens gehört, das ist die Lehre der Bibel über Gott selbst.
Erste Grundsätze im Umgang mit Gottes Offenbarung
Heiligkeit und Distanz
Dazu einige Vorbemerkungen:
Wenn wir uns an dieses Thema herantasten, dann sollten wir an die Offenbarung Gottes im Dornbusch in der Wüste des Sinai denken, 2. Mose 3. Mose wollte in die Nähe des feurigen Busches gehen und hört die Stimme des sich offenbarenden Gottes, des Ich bin, der ich bin, 2. Mose 3,5.
Nein, nicht hierher! Ziehe deine Schuhe aus von deinen Füßen, denn der Ort, auf dem du stehst, ist heiliges Land.
Wenn wir also über die Gottheit, über das Wesen Gottes nachdenken, dann muss uns das ganz klar sein. Es muss uns auch klar sein, dass wir Distanz brauchen. Nein, nicht hierher!
Bilder aus dem Alten Testament
Zweitens: Im Alten Testament war der grösste Tempelschatz die Bundeslade. Die Bundeslade ist ein Bild auf Jesus Christus hin. Das wird ganz deutlich, denn in Römer 3,25 wird er als der Sühnedeckel, als Hilasterion, bezeichnet. Das ist der obere Deckel der Bundeslade, wo das Blut am Versöhnungstag gesprengt wurde.
Also ist Jesus Christus in der Bundeslade vorgeschattet. Sie war aus Holz, aus Akazienholz, überzogen mit reinem Gold. So ist Jesus Christus wahrer Mensch und wahrer Gott in einer Person.
Wir sehen aber im Alten Testament in 1. Samuel 6,19 und 2. Samuel 6,6, dass derjenige, der im Alten Testament aus Neugier die Bundeslade unerlaubterweise anschaute oder sie unerlaubterweise berührte, automatisch unter das Gericht Gottes kam. Übrigens kann die Übersetzung in 1. Samuel 6,19 variieren. Es gibt Übersetzungen, die sagen, sie hätten dort in die Bundeslade hineingeschaut. Es gibt andere, die übersetzen, sie hätten die Bundeslade angeschaut. Vom Hebräischen her ist beides möglich. Das Naheliegende ist jedoch, dass sie die Bundeslade angeschaut haben. Denn wenn sie ausserhalb des Heiligtums war, war sie immer bedeckt mit einer Seekuhfelldecke und darüber noch mit einem Stofftuch aus blauem Purpur. Dem normalen Israeliten kam die Bundeslade, auch wenn sie herumgetragen wurde, nie vor die Augen. Das war abgeschirmt.
Natürlich sah der Hohe Priester die Bundeslade, zum Beispiel jedes Jahr einmal am Yom Kippur, wenn er ins Allerheiligste durfte. Das war dann erlaubt. Aber unerlaubtes Anschauen, neugierig unter den Vorhang zu blicken, das war eine ganz gefährliche Sache. Oder sie unerlaubterweise anzurühren, Achtung.
Und wenn schon das Bild auf Jesus Christus hin so von Gott behandelt wurde, wie viel mehr, wenn es um seine Person selbst geht.
Ehrfurcht als Voraussetzung des Verstehens
Drittens: Ein ganz absolut wichtiges Prinzip ist, wenn wir uns mit der Bibel und mit Gott selbst beschäftigen. Sprüche 1,7: Die Furcht des Herrn ist der Weisheit Anfang. Furcht nicht im Sinn von Angst, sondern im Sinn von Ehrfurcht.
Wenn wir also eine tiefe Ehrfurcht vor der Majestät, Größe, Herrlichkeit und Gewalt Gottes haben, dann haben wir den Ausgangspunkt, um in der Weisheit zu wachsen.
Im Buch Hiob, in diesem Gespräch der weisen Männer, die miteinander diskutieren, kommt in Hiob 11,7 die Frage auf: Kannst du die Tiefe Gottes erreichen oder das Wesen des Allmächtigen ergründen? Das ist eine rhetorische Frage. Wer kann das? Niemand.
Es ist so, als ob wir mit einem Fingerhut den Ozean ausschöpfen wollten. Und selbst das ist nur noch ein kleiner Vergleich.
Die Lehre des Christus und die Schärfe des Apostels
Und ein letzter Punkt bei den Vorbemerkungen: Im zweiten Johannesbrief spricht der Apostel Johannes über die Lehre des Christus. Wir können das kurz aufschlagen. Der alte, betagte Johannes, der vielleicht gegen hundert Jahre alt war, als er diesen Brief schrieb, also etwa 97 bis 100 nach Christus, warnt hier eine Frau mit ihren Kindern vor Irrlehrern.
Er sagt dann in 2. Johannes 9: Jeder, der weitergeht und nicht bleibt in der Lehre des Christus, hat Gott nicht. Wer in der Lehre bleibt, dieser hat sowohl den Vater als auch den Sohn.
Jetzt kann man den Ausdruck „die Lehre des Christus“ so deuten: entweder als die Lehre, die Christus gebracht hat. Oder, und das nennt man in der Grammatik einen Genitivus objectivus, als die Lehre, die Christus betrifft, also die Lehre über Christus. Und das ist hier der Sinn. Es geht also um die Lehre: Wer ist Jesus Christus?
Und er sagt: Wenn also jemand die Lehre über Jesus Christus nicht bringt, der hat Gott nicht. Wer sie bringt, der hat sowohl den Vater als auch den Sohn. Das zeigt uns also, wie fundamental diese Dinge sind. Es geht um alles oder nichts. Man kann auf diesem Gebiet keine Kompromisse eingehen. Absolut fundamental.
Darum kann man besser verstehen, warum der Apostel der Liebe einen dermaßen scharfen Vers schreibt wie Vers 10: Wenn jemand zu euch kommt und diese Lehre nicht bringt. Also wenn jemand kommt, so wie wir als Evangelist, und möchte da Kontakt haben oder sogar unterstützt werden, so nehmt ihn nicht ins Haus auf und grüßt ihn nicht. Denn wer ihn grüßt, nimmt teil an seinen bösen Werken.
Diese Härte findet man zum Beispiel im Galaterbrief, wo es um die Irrlehre mit dem Gesetz geht. Denn dort geht es um eine Irrlehre über die Lehre des Heils, und hier geht es sogar noch weiter. Das ist schon fundamental, wenn die Lehre des Heils verdreht wird. Aber wenn es um die Lehre geht, die die Person Christi betrifft, dann ist wirklich der Höhepunkt an Irrlehre erreicht. Und darauf zielt diese Stelle ab.
Also die höchste Schärfe des Apostels der Liebe, wenn die Person des Herrn Jesus Christus angetastet wird. Und Johannes kündigte an, dass viele Verführer ausgegangen sind in die Welt. Das sagt er schon in Vers 7: Denn viele Verführer sind in die Welt ausgegangen, die nicht Jesus Christus im Fleisch kommend bekennen; dies ist der Verführer und der Antichrist.
Die Lage der alten Kirche und die Notwendigkeit der Kanonfrage
Aber diese vielen haben sich in der weiteren Zeit noch vermehrt, und wir sehen, dass die alte Kirche in den ersten fünf Jahrhunderten förmlich völlig überschwemmt worden ist. Von außen durch die Verfolgung durch das brutale römische Reich und von innen heraus durch die Zersetzung der Irrlehren.
Wir denken vielleicht manchmal, im zwanzigsten Jahrhundert sei es noch recht schwierig, Christ zu sein, mit all diesen verschiedenen Ansichten und Meinungen und all dem Durcheinander. Aber ich möchte sagen: Was die in den ersten fünf Jahrhunderten durchgemacht haben, das übersteigt alles.
Hinzu kommt, dass damals auch noch die Frage offen war, welche Bücher zum Neuen Testament gehören. Die Frage des Kanons war noch nicht an allen Orten geklärt, und sie war auch fundamental. Denn wenn die Römer die Christen verfolgten, in diesen etwa vor allem zehn mächtigen Verfolgungswellen von Nero 64 nach Christus bis Diokletian 312 nach Christus, dann war es oft so, dass die Bibelhandschriften verbrannt wurden. Die Christen wurden aufgefordert, alle Bibeln herauszugeben.
Und wer bereit war, die Bibel zum Verbrennen herzugeben, der wurde unter den Christen als Verräter betrachtet. Da war es sehr entscheidend zu wissen, welche Bücher zur Bibel gehören und welche nicht.
Also: Darf man den Barnabasbrief, den Hirten des Hermas, die Petrusapokalypse ruhig herausgeben? Die können sie verbrennen, oder? Aber wer den Hebräerbrief herausgibt oder die Korintherbriefe oder den Römerbrief, da kam es darauf an.
Und darum war die alte Kirche auch gezwungen, ganz klar Stellung zu nehmen in dieser Frage: Welche Bücher gehören zum Kanon? Welche Bücher sind echt von Aposteln und ihren Mitarbeitern geschrieben worden, und welche sind erst später geschrieben worden? Also, da war noch so vieles abzuklären, was heute für die Christen im Allgemeinen klar ist.
Und so sehen wir also, dass wir sehr viel lernen können über das, was in den ersten Jahrhunderten geschehen ist.
Rückfragen aus der Gemeinde und die praktische Anwendung von 2. Johannes
Patrick eine Frage stellen: Frage zur zweiten Frage des Johannes, Vers 10, und L.
Die erste Frage ist: Was ist mit dem Haus gemeint? Ist da die Versammlung gemeint? Und die zweite Frage: Hat es uns etwas zu sagen, zum Beispiel, haben solche Hausgeleber und Frauen das Grössen?
Ja, gut, das ist eine Frage, bei der du mich sicher nicht in Schwierigkeiten bringen willst, aber ich nehme da schon Stellung dazu.
Erstens: An wen richtet sich der Johannesbrief? Die Frage noch einmal wiederholen, gut. Also, in 2. Johannes 10 geht es um jemanden, der kommt, ein Irrlehrer. Man soll ihn nicht ins Haus aufnehmen. Was heisst das Haus? Ist das die Gemeinde, oder was ist das?
Und: „Wer ihn grüsst, nimmt teil an seinen bösen Werken.“ Wie ist das mit dem Grüssen aufzufassen?
Also, der Brief ist geschrieben an eine Frau, Vers 1: „Der Älteste an die auserwählte Frau und ihre Kinder.“ Es gibt Ausleger, die sagen, das sei die Beschreibung einer örtlichen Gemeinde, gesehen als Frau, und die Gemeindeglieder seien die Kinder.
Nun, als Gegenargument kann man sagen: So etwas kennen wir überhaupt nicht, sonst im Neuen Testament, dass eine Gemeinde auf diese Art angesprochen wäre. Das wäre absolut ein Novum. Und zweitens kommt dazu: Der dritte Johannesbrief wird an einen Gaius geschrieben. Die Formulierungen sind sehr, sehr ähnlich, und auch dort ist klar: Es ist ein persönlicher Brief. Und so muss man das auch als persönlichen Brief an eine Frau mit ihren Kindern auffassen.
Jetzt: Wenn ein Irrlehrer kommt, der die Lehre über Christus nicht bringt, dann heisst „nicht ins Haus aufnehmen“ nicht, ihn nicht in die Gemeinde hineinlassen, sondern ihn im Privathaus nicht aufnehmen.
Da kommt der starke Ausdruck: „Grüsset ihn nicht.“ Gut, die Frage ist: Wie soll man das Grüssen übertragen? Bedeutet das das viel ausführlichere orientalische Grüssen, oder bedeutet das den sozial anständigen Gruss?
Jedenfalls ist in Sorge zu fassen: Es ist auch hier nicht einfach die Frage angegangen, wenn wir im Betrieb einen Mitarbeiter haben, der zum Beispiel die Gottheit Christi leugnet. Sondern es kommt jemand nach Hause, möchte also seine Lehre hier anbringen. Und es kommt dazu: Das ist jemand, der möchte vielleicht auch unterstützt werden als Evangelist. Und da heisst es halt: überhaupt keinen Kontakt, nicht einmal grüssen.
Das hat jemand auch schon so erlebt, dass ein Zeuge Jehovas gekommen ist, an die Tür, und die Gottheit Christi geleugnet hat. Sie sagen: Jesus Christus ist ein Geschöpf. Und dann hat er aber erklärt: „Schauen Sie mal, aufgrund des zweiten Johannesbriefes darf ich Sie jetzt nicht einmal mehr grüssen.“ Und der war so schockiert. „Den Vers kennen Sie nämlich, den brauchen Sie nämlich für solche Leute, die von den Zeugen Jehovas abfallen, die kommen unter dieses Urteil.“
Und der war so schockiert, der ist aber später zurückgekommen und hat sich in der Zwischenzeit bekehrt. Das hat ihn so beschäftigt. Aber er hat dann eben erklärt, es geht hier um die Lehre über Christus, und das ist so fundamental, dass die Bibel sich so hart ausdrückt.
Also eine ganz vernünftige Art, das zu erklären, und das hat in diesem Fall eine schöne Wirkung gezeigt.
Die wichtigsten christologischen Irrlehren der alten Kirche
Gnosis und ihre Grundannahmen
Zum nächsten Punkt einfach eine Übersicht über die wichtigsten. Ich habe nicht alle ausgeführt, sondern die wichtigsten Irrlehren in Bezug auf Christus. Also der hochgestochene Ausdruck christologisch bedeutet nichts anderes als die Lehre über Christus, also wer Christus ist. Christologie ist die Lehre über Christus.
Die christologischen Irrlehren, so wird das in den Kirchengeschichtsbüchern immer wieder als gebräuchlicher Ausdruck verwendet, darum verwende ich ihn auch so, sind die Irrlehren über die Person Christi, die christologischen Irrlehren zur Zeit der alten Kirche. Die alte Kirche fasst man bis 500 nach Christus, das ist die alte Kirche.
Schon im ersten Jahrhundert finden wir als die grösste Gefahr für die Christen die Gnosis, eine Bewegung, die viele Gesichter hatte. Aber wichtig an dieser Irrlehre, an dieser Irrlehrerbewegung, war: Es wurde gesagt, Christus wurde nicht wirklich Mensch, er nahm nur einen Scheinleib an. Und zwar kommt das aus der Überlegung, dass die alten Griechen in ihrer Philosophie schon die Auffassung hatten, Materie sei etwas Minderwertiges. Und der Geist, das Köpfchen da oben, das ist das Einzige, was zählt. Also: Materie ist schlecht.
Die Gnostiker, die Vertreter der Gnosis, haben sogar gelehrt, dass es ein böser Gott war, ein Gegengott, der die Welt, die Materie, geschaffen hat. Und die Geister der Menschen sind durch eine Art Sündenfall gefangen worden in der Materie. Nun müssen sie wieder daraus befreit werden, und das geht, indem man sich heraufarbeitet und immer höhere Gotteserkenntnis erlangt. Ekstase spielte auch ein wichtiges Element. Es war also nicht intellektuelle Erkenntnis, sondern ekstatische Erkenntnis.
Und dann haben sie gelehrt: Es ist natürlich klar, wenn Christus gekommen ist, um uns zu erlösen, dann ist er ganz bestimmt nicht ein Mensch geworden, denn dann hätte er ja an der Materie Anteil. Aber die Materie ist ja schlecht. Also hat er nur einen Scheinkörper angenommen.
Biblische Gegenstimmen gegen die Gnosis
Und darauf zielt zum Beispiel 1. Johannes 4,1 ab, wo Johannes sagt:
1. Johannes 4,1: Geliebte, glaubt nicht jedem Geist, sondern prüft die Geister, ob sie aus Gott sind; denn viele falsche Propheten sind in die Welt ausgegangen. Hieran erkennt ihr den Geist Gottes: Jeder Geist, der Jesus Christus im Fleisch gekommen bekennt, ist aus Gott. Und jeder Geist, der nicht Jesus Christus im Fleisch gekommen bekennt, ist nicht aus Gott. Dies ist der Geist des Antichrists, von welchem ihr gehört habt, dass er komme; und jetzt ist er schon in der Welt.
Also, damit war alles erledigt von Gnosis. Wer sagt, Jesus Christus ist nicht wirklich Mensch geworden, also im Fleisch gekommen, mit einem wirklichen Körper, der ist nicht aus Gott.
Aber viele weitere Stellen im Neuen Testament geben Munition gerade im Kampf gegen die Gnosis. Gnosis heißt Kenntnis, und damit meinten sie: Alle, die Gnostiker sind, das sind alles ganz besonders gute Christen, denn sie haben ein bisschen mehr als so die normalen Durchschnittschristen, also Christen auf zwei Ebenen. Solche, die mit den ekstatischen Erkenntnissen weitergekommen sind, also das einfache Christenvolk.
Dazu noch eine Stelle: 1. Timotheus 6. Da kommt im Grundtext auch das Wort Gnosis vor. Und zwar in den ernsten Schlussversen des Briefes:
1. Timotheus 6,20: O Timotheus, bewahre das anvertraute Gut, indem du dich von den ungöttlichen Eiden und Widersprüchen der fälschlich so genannten Kenntnis, der fälschlich so genannten Gnosis, wegwendest; zu welcher sich bekennend etliche von dem Glauben abgeirrt sind. Die Gnade sei mit dir.
Was ist das Knallen? Also hier haben wir eine ganz direkte Anspielung auf die Gnosis, die fälschlich so genannte Kenntnis.
Weitere Irrlehren über Christus und die Gottheit
Jetzt gehen wir weiter auf der Liste: die Irrlehre des Monarchianismus. Man nennt das auch Adoptionismus. Nach dieser Irrlehre wurde Jesus erst bei der Taufe zum Christus und von Gott als Sohn adoptiert. Jesus Christus war also vorher nicht Gottes Sohn; erst bei der Taufe hat Gott ihn adoptiert. Daher der Name Adoptionismus.
Dazu habe ich noch einige Personen aus der Kirchengeschichte aufgeführt, die diese Irrlehre vertreten haben. Da wären Theodotus von Byzanz und Theodot der Wechsler, beide schon um 190 nach Christus.
Weiter geht es mit dem Arianismus. Er geht zurück auf einen Ältesten aus Alexandria namens Arius. Diese Lehre besagt, Christus sei das erste von Gott geschaffene Wesen, und darum dürfe Christus auch nicht angebetet werden. Das ist übrigens genau die Irrlehre der Zeugen Jehovas. Das ist also alles alt.
Ich gehe zurück auf den Arianismus. Der Eudoxianismus sagt, Christus sei ein zur Gottheit erhöhter Mensch. Es war also ein normaler Mensch wie alle anderen auch, aber dann wurde er so von Gott erhoben, dass er gewissermaßen in die Gottheit integriert wurde.
Die Markellianer sagten, der Logos, Jesus Christus, werde in Johannes 1,1 das Wort genannt. Der Logos sei nicht ewig präexistent, sondern einfach eine unpersönliche Kraft.
Dann der Photinianismus: Sie sagten, der Logos in Jesus sei keine Person, sondern nur eine unpersönliche Kraft. Es gab also sozusagen das Wort als unpersönliche Kraft, die in dem Menschen Jesus drin war.
Der Apollinarianismus geht zurück auf Apollinarius. Christus habe keinen menschlichen Geist gehabt. Sein Geist sei der Logos gewesen. Merkt man, wie spitzfindig das ist. Die haben nicht wie die Gnostiker gesagt, er habe nur einen Scheinleib gehabt. Sie sagten natürlich, er habe einen richtigen menschlichen Körper gehabt. Aber sein Geist, also sein menschlicher Geist, habe gefehlt; stattdessen sei der Logos aus Johannes 1 sein Geist gewesen. Damit leugnen sie aber, dass er ein richtiger Mensch ist. Er war dann kein wirklicher Mensch, sondern einfach der Logos in einer menschlichen Hülle. So subtil!
Weiter: Der Nestorianismus sagte, der Logos wohne in der Person Jesu. Christus sei ein gotttragender Mensch. Das führte zur Ansicht, dass eigentlich in Christus zwei Personen seien. Das wurde aber sehr spitzfindig ausgeführt, sodass man es auf den ersten Blick gar nicht so erkennen konnte. Darum haben sich manche gefragt: Ist Nestorius wirklich ein Irrlehrer gewesen? Die Leute waren nicht dumm, sondern diese Irrlehrer waren oft sehr philosophisch gebildet. Darum haben sie auch so spitzfindig argumentiert. Schlaue, gescheite Leute also, die nicht plump in die Kirchen kamen und sagten: Hört mal bitte, ich bin ein Irrlehrer, und was ich euch jetzt sage, ist eine ganz gefährliche Irrlehre. So kommt niemand.
Weiter: Der Eutychianismus sagte, die menschliche Natur von Christus sei vom Logos in sich aufgenommen und vergottet worden. Man staunt heute über diese Ideen, aber sie gingen alle auf dasselbe Ziel hin.
Dann der Monophysitismus, die Ein-Natur-Lehre: Die menschliche Natur von Christus sei durch seine göttliche Natur aufgesogen worden. So habe es also nicht eine menschliche und eine göttliche Natur gegeben, sondern die menschliche sei in der göttlichen aufgesogen worden.
Dann die Lehre, dass mit der Trinität, also dass es drei Personen in der Gottheit gibt, alles ganz falsch sei. Gott sei nur eine Person, aber diese eine Person habe gewissermaßen drei Gesichter. Mal offenbare sich diese Person als Vater im Alten Testament, dann im Neuen Testament in den Evangelien als Sohn und jetzt in der Zeit der Gemeinde als Heiliger Geist. Diese Irrlehre gibt es auch heute noch.
Die Brennhem-Anhänger, Brennhem war ja ein Exponent der charismatischen Bewegung in den sechziger Jahren, lehrten ebenfalls, es gebe keine Trinität, sondern Gott habe nur einfach drei Gesichter: mal so, mal so, mal so. Diese Lehre gibt es noch heute. Nur haben sie Mühe zu erklären, weshalb in den Evangelien der Sohn mit dem Vater sprechen kann. In Johannes 17 betet er zum Vater und sagt: Verherrliche mich mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war. Zwei Personen in einer Beziehung tiefer Liebe.
Und dann die Ultraorthodoxen, ich habe das aber in Anführungsstrichen gesagt: Sie haben nicht behauptet, in der Gottheit gebe es drei Personen, sondern sie haben offen gesagt, es gebe drei verschiedene Götter. Auch das ist gekommen: drei Götter, Vater, Sohn und Heiliger Geist.
Dann gibt es noch auf dem Blatt den Mazedonianismus, man nennt sie auch die Pneumatomachen. Alles so hochgestochen, aber ich habe die Begriffe hier. Wenn man einmal Kirchengeschichte hervorholt und nachschaut, kann man sich dann wieder ungefähr zurechtfinden. Sie sagten, der Heilige Geist sei ein geschaffenes Wesen.
Man stelle sich vor: Diese Dinge kamen massenweise in die Kirche hinein, in einer Zeit, in der man auch oft massiv verfolgt worden ist. Man wusste nicht, wo einem der Kopf stand. Worauf konnte man sich überhaupt noch verlassen? Der Bischof sagte das, der andere Bischof das, der eine Älteste dieses, und da gab es Streit, massiven Streit innerhalb der Kirche. Dazu noch die ganze Verfolgung, unwahrscheinlich. Und dann noch die Frage: Welche Bücher der Bibel sind wirklich absolut verbindlich?
Es ist ganz erstaunlich, wie in diesen chaotischen ersten Jahrhunderten, als es wie ein Dammbruch über die Kirche hereinbrach, dennoch eine ganz kräftige Abwehr gegenüber diesen christologischen und trinitarischen Irrlehren aufkam. Christologisch bedeutet die Lehre über Christus, trinitarisch die Lehre über die Dreieinheit.
Die grossen Konzilien als Antwort der Kirche
Am Konzil von Nicäa 325 wurde ein Bekenntnis festgelegt. Die Frage ist: Wie hat sich das im Leben der Christen ausgewirkt?
Es wirkte sich durch massive Streitigkeiten aus. Und das war nicht nur unter den Christen so, sondern auch die Welt interessierte sich dafür. Sogar der Pöbel auf der Straße diskutierte mit über die Fragen der Dreieinheit. Man muss sich das vorstellen: Darüber wurde mitdiskutiert, das interessierte die Leute auch auf dem Markt. Unter den Christen gab es natürlich Spaltungen und Feindschaften. Man kann sich das kaum vorstellen.
Ja? Du herrschst jetzt den Montanismus nicht als Eintracht, erhält das eine Interesse für dich? Also ich habe den Montanismus nicht erwähnt, aus dem Grund, weil dort weniger direkt eine Irrlehre in Bezug auf die Gottheit kam, wobei es subtil war. Denn Montanus hat sich sogar im Zungenreden als Gott bezeichnet, selbst. Aber im Allgemeinen wurde dort nicht irgendwie die Lehre der Dreieinheit an sich angegriffen, sondern das Problem war dort ein anderes.
Die Montanisten im zweiten Jahrhundert haben gesagt: Die Offenbarung mit dem Neuen Testament ist nicht abgeschlossen, sondern wir bekommen auch jetzt noch prophetische Botschaften. Alle, die uns nicht folgen, die haben eben keine weitere Prophetie. Aber sie haben sich dann auch entlarvt als falsche Propheten. Das war also ein Montanus, der mit zwei Frauen umherreiste und predigte, die Prophetinnen Maximilla und Priscilla. Und die haben auch verkündigt, das neue Jerusalem komme jetzt dann nächstens in die Türkei herunter. Aber sie sind eben nicht gekommen.
Also eben, ich habe nicht alle Irrlehren aufgezeigt. Es gibt also nach rechts und links dann noch viel anderes dazu. Gut, aber jetzt sollten wir zehn Minuten Pause machen, sonst schaffen wir das nicht.
Wir kommen jetzt zur Abwehr von christologischen und trinitarischen Irrlehren durch die großen Konzile der Kirche. Wenn ich jetzt etwas sage über die alten Konzile der frühkatholischen Kirche, dann heißt das nicht, dass diese Konzile irgendwie verbindlich wären für uns. Aber kirchengeschichtlich sind sie bedeutsam, weil an solchen Konzilen ganz viele massive Irrlehren abgewiesen worden sind, was für die weitere Entwicklung der Christenheit ganz entscheidende Bedeutung gehabt hat.
Wenn wir übrigens noch daran denken: In dieser Zeit wurde in der alten Kirche unter den Germanenstämmen missioniert. Ein wichtiger Mann war ja Wulfila, der ins Gotische übersetzt hatte. Diese gotische Übersetzung war ganz entscheidend für die Missionierung von vielen Germanenstämmen. Aber Wulfila war ein Arianer. Er glaubte nicht, dass Jesus Christus ewiger Gott ist. Dadurch wurden all diese vielen Germanenstämme, die den Glauben freiwillig, übrigens nicht unter Zwang und so, übernommen hatten, arianische Christen.
Im Verlauf der weiteren Kirchengeschichte ist das alles so gekommen, dass schliesslich dieses arianische Christentum durch das frühkatholische Christentum verdrängt worden ist, sodass dann die germanischen Stämme später die Dreieinheitslehre dennoch übernommen hatten. Aber man muss sich überlegen: Das waren Weichenstellungen von derart entscheidender Bedeutung. Wäre das nie so gekommen, diese Wende, dann wären gewissermaßen in den germanischen Ländern heute alle mit einem Glauben wie die Zeugen Jehovas. Man darf nicht zu Christus beten, er ist nicht der ewige Gott. Also zeigt etwas von dieser Dramatik.
Das Konzil von Nicäa 325 nahm das Bekenntnis an, dass der Sohn Gottes homoousios mit dem Vater sei. Ich habe das im Griechischen hier belassen, weil es ein Fachausdruck war damals, was bedeutet: wesensgleich. Also der Sohn ist ewig wie der Vater, er ist Gott wie der Vater.
Und eine ganz, ganz wichtige Person ist Athanasius 295-373. Er ist die wichtigste Schlüsselfigur in diesen Kämpfen. Er verteidigte mit Scharfsinn, aber auch mit praktisch seelsorgerlichen Gedanken. Er sagte: Ja, aber wenn Christus nicht Gott ist, dann hat das diese und jene Auswirkung auf unser Glaubensleben. Er hat also nicht einfach nur so theologisch hochgestochen argumentiert, sondern mit praktisch seelsorgerlichen Gedanken dazu und hat mit Löwenmut die Gottheit Christi um jeden Preis verteidigt. Eine ganz eindrückliche Person.
Wulfila auch im vierten Jahrhundert.
Dann kommt 381 das Konzil von Konstantinopel. Da wurde das nicänische Bekenntnis noch einmal bekräftigt, und da wurde auch die Streitigkeit um die Dreieinheit endgültig mit einem Punkt beendet. Verurteilt wurden die Apollinarianisten, das wissen wir jetzt alles, was es ist, die Oinomianer, die Eudoxianer, die Halbarianer, die Semiarianer, die Sabellianer, die Markellianer und Fotinianer.
Ein weiterer wichtiger Punkt: Die Gottheit des Heiligen Geistes wurde anerkannt. Der Heilige Geist ist nicht eine unpersönliche Kraft, er ist Gott.
Dann später im Konzil von Ephesus 431, da wurde der Nestorianismus als Irrlehre verurteilt. Aber wie gesagt, bei diesen Bekenntnissen ist nicht alles hundertprozentig. Also die haben auch einige Dinge hineingebracht. Zum Beispiel wurde in Ephesus auch dann beschlossen, Maria als Gottesgebärerin zu bezeichnen, und das war ganz wichtig für den weiteren Marienkult. Interessant: Ausgerechnet in Ephesus, Ephesus war ja die Stadt, die sich als Pflegerin des Kultes der Artemis betrachtete, in Apostelgeschichte 19, und ausgerechnet in Ephesus wird auch diese Lehre der Gottesgebärerin festgehalten.
Dann das Konzil von Chalkedon 451, da wird auch noch der Eutychianismus verurteilt.
Also man staunt über die Souveränität Gottes. Hinter all diesen Konzilen war so viel menschlich Böses und Fleischliches, um einen Ausdruck aus den Paulusbriefen zu gebrauchen. Aber Gott hat das einfach alles verwendet, um schliesslich massive Irrlehren dennoch ablehnen und abwehren zu können.
Die biblische Lehre von der Dreieinheit
Der Begriff und seine biblische Grundlage
Jetzt als nächster Punkt einige Bemerkungen zur Trinitätslehre der Bibel.
Wichtig: Der Ausdruck Trinität, Dreieinheit oder Dreieinigkeit kommt in der Bibel nie vor. Übrigens ziehe ich es vor, statt Dreieinigkeit Dreieinheit zu sagen, weil einig ist man sich noch schnell mal zu dritt. Aber eine Dreieinheit geht über Dreieinigkeit hinaus.
Der Ausdruck geht zurück auf Tertullian. Das war ein Jurist, der etwa von 160 bis 220 gelebt hat. Er hat lateinisch geschrieben und viele theologische Fachausdrücke geprägt. Man vermutet, dass etwa 800 Wörter durch ihn geprägt worden sind, und zum Beispiel auch das Wort Trinitas für Dreieinigkeit. Das hat er geprägt; er hat es ins Kirchenlatein eingeführt.
Er hat auch diesen Satz in Bezug auf Gott geprägt: Unum, non unus. Gott ist eins, nicht einer. Das bedeutet: Gott ist nicht eine Person, aber Gott ist eins. So sagt ja auch der Herr Jesus in Johannes 10: „Ich und der Vater sind eins.“ Er sagt nicht: „Ich und der Vater sind einer.“ Denn dann gäbe es keinen Unterschied der Personen. Aber: „Ich und der Vater sind eins.“
Und so hat er das geprägt: Trinitas. Das bedeutet, Gott ist unum, eins, eines, aber nicht einer.
Der Taufbefehl und die Einheit der drei Personen
Und dazu eine Stelle aus Matthäus 28,19, der Taufbefehl Christi, der Befehl für die christliche Taufe. Das ist nicht mehr die Johannistaufe.
Der auferstandene Herr sagt in Matthäus 28,18: Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden. Geht nun hin und macht alle Nationen zu Jüngern und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie, alles zu bewahren, was ich euch geboten habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung des Zeitalters.
Interessant ist die Formulierung: Der Herr Jesus sagt nicht, tauft sie auf die Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, sondern auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Das zeigt diese Einheit der drei Personen in der Gottheit.
Und das gehört zum Bekenntnis der Taufe. Das heißt also, das gehört zur Grundlage des Christentums. Man kann nicht Christ sein und die Lehre, dass es einen Gott gibt und drei Personen in der Gottheit, Vater, Sohn und Heiliger Geist, leugnen. Das geht nicht. Also dort ist die ganz klare Trennungswand. Wer das leugnet, kann nicht als echter Christ betrachtet werden. Das gehört also zum Taufbefehl.
Man bekehrte sich in der Apostelgeschichte und wurde sofort danach getauft, und zwar auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Also fundamental für den christlichen Glauben und daher in der Taufe verankert.
Ich habe da noch eine Reihe weiterer Stellen aufgeführt, wo die drei Personen der Gottheit so eng beieinander erwähnt werden im Neuen Testament.
Hinweise aus dem Alten Testament
Weiter zu 1. Mose 1,26. Der eine Gott, der Gott Israels, spricht in der Schöpfung: Und Gott sprach: „Lasset uns Menschen machen in unserem Bild, nach unserem Gleichnis.“ Diese Mehrzahlform „Lasset uns machen“ weist also auf eine Mehrzahl von Personen in der Gottheit hin.
Ja, das ist im Hebräischen auch so formuliert. Es gibt dann allerdings Diskussionen, in denen gesagt wird, das sei einfach ein Pluralis majestatis, also ein Plural der Majestät, und nicht etwa, weil der Papst sagt: „Wir haben beschlossen“, wenn er beschlossen hat. Aber das ist eben der Pluralis majestatis. Im Hebräischen kann man einen solchen Pluralis majestatis jedoch nicht nachweisen. Das ist noch wichtig zu wissen.
1. Mose 11,7: Auch dort bei der Turmbaugeschichte spricht Gott wieder in der Mehrzahl. Und da fehlt noch etwas: Jesaja 6,8. Dort sagt Gott: „Wen soll ich senden, und wer wird für uns gehen?“ Auch dort wieder dieser Plural.
Oft hat man vielleicht gehört, dass das Wort für Gott im Hebräischen, Elohim, eine Mehrzahlform ist. Das stimmt. -im ist die Mehrzahl. Wir kennen das auch von Cherubim: Cherubim ist die Mehrzahl von Cherub. Cherub ist ein Engel, Cherubim sind die Cherube. Oder Seraphim, das sind auch Engel: Einzahl Seraph, Mehrzahl Seraphim. -im ist die männliche Mehrzahlform.
Und dann heißt Gott im Hebräischen nicht Eloah, so heißt er auch, aber weniger häufig, sondern oft Elohim, also über zweitausend Mal, eine Mehrzahl. Aber wenn es dann im ersten Vers heißt: „Im Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde“, dann ist das Verb in der dritten Person Einzahl. Deshalb kann man nicht übersetzen: „Im Anfang schufen die Götter die Himmel und die Erde“, denn es steht: schuf Elohim. Also muss man mit Gott übersetzen.
Manche haben gesagt, das sei ein klarer Hinweis auf die Dreieinheit. Aber das ist kein gutes Argument. Man sollte das eigentlich nicht benutzen, weil auch falsche Götter in der Bibel in der Einzahl Elohim genannt werden. So sprechen zum Beispiel die Philister von ihrem Gott Dagon und sagen, dass Nathan Eloheinu et Shimshon oyvenu gegeben hat, unser Gott, aber wörtlich: unsere Götter in unsere Hand, den Simson, unseren Feind. Also wird auch ein falscher Gott mit Elohim in der Mehrzahl bezeichnet.
Das Hebräische hat hier einen Plural der Ausdehnung, der Größe. So kann man das auffassen. Ich habe gesagt: Ein Pluralis majestatis, also „wir“ für „ich“, das gibt es nicht. Aber die Mehrzahlendung, um die Größe anzudeuten, das gibt es. Also ist das kein gutes Argument. Hingegen „Lasset uns Menschen machen“ ist ein gutes Argument.
Und wir haben noch ein bisschen mehr. Ich habe da ein paar Beispiele im Alten Testament aufgeführt, wo man sieht, dass es in der Gottheit mehr als eine Person gibt.
Zeugnisse von Gesandten und Erscheinungen Gottes
Schlagen wir Sacharja 2 auf. Je nach Bibelausgabe ist es Vers 8 bis 9 oder 12 bis 13. Ich lese:
Denn so spricht der Herr der Heerscharen, oder Yahweh der Heerscharen: Nach der Herrlichkeit hat er mich zu den Nationen gesandt, die euch geplündert haben. Denn wer euch antastet, tastet seinen Augapfel an. Denn siehe, ich werde meine Hand über sie schwingen, und sie werden denen zum Raub sein, die ihnen dienten. Und ihr werdet erkennen, dass Yahweh der Heerscharen mich gesandt hat.
Sacharja 2, aber bei dir ist es vielleicht Vers 12, 12 und 13, darum habe ich es in Klammern hinzugefügt, je nach Zählung. Es steht genau gleich in deiner Bibel wie bei mir, nur die Zählung ist anders.
Man sieht in Vers 12 beziehungsweise 8, wer spricht: Denn so spricht Yahweh der Heerscharen. Und er spricht, was er tut. Dann sagt er: Und ihr werdet erkennen, dass Yahweh mich gesandt hat. Das ist doch eigenartig. Yahweh sendet Yahweh. Und Yahweh, das ist wirklich der Name für den einen wahren Gott in der Bibel. Während das Wort Elohim, also Gott, auch für falsche Götter verwendet wird, ist Yahweh wirklich die Bezeichnung für den einen wahren Gott.
Gut, mit der Ausnahme beim goldenen Kalb zum Beispiel. Dort sagt Aaron: Das ist Yahweh, der uns aus Ägypten herausgeführt hat. Aber das war dann Religionsvermischung. So haben sie das gemacht. Religionsvermischung ist also sehr alt.
Gut, also Yahweh sagt: Ich werde erkennen, dass Yahweh mich gesandt hat. Ja gut, das weist doch auf zwei Personen hin, mindestens.
Weiter in Kapitel 2, Vers 10 oder Vers 14, je nach Bibel:
Juble und freue dich, Tochter Zion, denn siehe, ich komme und werde in deiner Mitte wohnen, spricht Yahweh. Und an jenem Tag werden sich viele Nationen an Yahweh anschließen, und sie werden mein Volk sein. Und ich werde in deiner Mitte wohnen, und du wirst erkennen, dass Yahweh der Heerscharen mich zu dir gesandt hat.
Auch wieder deutlich: Yahweh wird von Yahweh gesandt. Sagt das euren jüdischen Freunden. Das gibt zum Denken. Also, da könnten wir noch weitere Stellen anfügen.
Aber jetzt wollen wir noch darüber sprechen, über diese geheimnisvolle Person im Alten Testament, die genannt wird: der Engel des Herrn, oder hebräisch der Malach Adonai. Malach heißt Engel oder Bote. Das kann für Menschen oder für Engel gebraucht werden. Das kommt gar nicht darauf an. Es heißt einfach der Gesandte des Herrn.
Jetzt sehen wir aber in diesen Erscheinungen im Alten Testament, wenn der Malach Adonai kommt, dass er selbst Gott ist.
Der Engel des Herrn als Hinweis auf Gottes Sohn
1. Mose 16,7 Da finden wir eine Frau, die Hals über Kopf aus prekären familiären Verhältnissen geflohen ist, in die Wüste, auf dem Weg nach Sur. Ja, also nicht das Sur hier bei Aarau.
1. Mose 16,7 Und der Malach Adonai, oder der Malach Yahweh, der Engel des Herrn, fand sie an einer Wasserquelle in der Wüste, an der Quelle auf dem Weg nach Sur. Und er sprach: Hagar, Magd Sarais, woher kommst du, und wohin gehst du? Und sie sprach: Ich fliehe hinweg von meiner Herrin Sarai. Und der Engel des Herrn sprach zu ihr: Kehre zu deiner Herrin zurück. Und so weiter ist das Zwiegespräch.
Und dann, Vers 13: Da nannte sie Yahweh, der zu ihr redete: Du bist ein Gott, der sich schauen lässt. Sie spricht mit dem Engel des Herrn, und dann sagt der Bibeltext, sie nannte den Herrn: Du bist ein Gott, der sich schauen lässt.
Das macht also deutlich, dass der Malach Adonai, das ist Yahweh selbst. Aber weil er heißt der Bote des Herrn, dann ist er geschickt von jemandem. Yahweh sendet Yahweh. Und der Gesandte kann gesehen werden: Du bist ein Gott, der sich schauen lässt.
Aber das ist nicht ein Sonderfall. Das Gleiche haben wir in Richter 6,11 und 6,14 in der Geschichte von Gideon. Da kommt der Engel des Herrn, und der Engel des Herrn ist Yahweh. Eigenartig.
Also, das hat auch viel zu denken gegeben unter den Rabbinern. Und hat sogar dazu geführt, dass es in einer rabbinischen Schrift, dem Buch Zohar aus dem Mittelalter, sogar die Idee von einer Dreieinheit gibt. Ganz interessant, sogar im Judentum, obwohl das wird meistens vertuscht. Aber ich kann sie Ihnen rauslassen aus dem Computer, ich habe die Schriften alle.
Die verschiedenen Wirkungsweisen Gottes in Schöpfung, Heil und Offenbarung
Gut, jetzt will ich darauf hinweisen, dass die Schrift, die Bibel, verschiedene sich ergänzende Wirkungen in der Gottheit aufzeigt. Wenn es zum Beispiel um die Pläne geht, dann steht das besonders in Verbindung mit dem Vater. Wenn es um die Ausführung der Pläne geht, besonders in Verbindung mit dem Sohn. Und wenn es um die Kraft geht, besonders in Verbindung mit dem Heiligen Geist.
Ich habe immer gesagt: besonders, um nicht irgendwie die Trennlinien starr zu ziehen. Aber schauen wir mal: Wenn es um die Schöpfung geht, heißt es in 1. Korinther 8,6, dass wir nur einen Gott und Vater haben, von welchem alle Dinge sind, und einen Herrn Jesus Christus, durch welchen alle Dinge sind. Also: Die Pläne kommen vom Vater, und der Sohn hat sie ausgeführt.
In Psalm 33,6 zum Beispiel heißt es, dass die Sternwelt durch den Hauch Gottes geschaffen worden ist. Und dieses Wort Ruach bedeutet Geist. Sogar in Hiob 33 sagt Elihu, dass der Geist Gottes ihn erschaffen hat. Interessant. Also, da sehen wir in der Schöpfung: vom Vater, durch den Sohn, in der Kraft des Heiligen Geistes.
Wenn es um die Lehre des Heils geht, heißt es in Epheser 1,3: Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns gesegnet hat mit jeder geistlichen Segnung in den himmlischen Örtern. Und dann wird gesagt, dass er uns auserwählt hat vor Grundlegung der Welt, damit wir heilig und tadellos seien usw. Gottes Pläne und Beschlüsse vor Grundlegung der Welt.
Aber dann heißt es in Epheser 1,7, dass der Herr Jesus sein Blut gegeben hat. Er ist der Ausführende der Heilspläne Gottes. Und in Hebräer 9,14 heißt es, dass Christus sich durch den ewigen Geist geopfert hat. Also: vom Vater, durch den Sohn, in der Kraft des Heiligen Geistes.
Die Analogie zum Menschen
Und dann gibt es eine ganz interessante Analogie zwischen der Dreieinheit des Menschen und der Dreieinheit Gottes. 1. Korinther 2,10
Da geht es um die Offenbarung Gottes durch die Bibel: Uns aber hat Gott es geoffenbart durch seinen Geist; denn der Geist erforscht alles, auch die Tiefen Gottes. Denken wir zurück an die Stelle in Hiob 11: Kannst du die Tiefen Gottes erforschen? Und da, wie gesagt, erforscht der Geist Gottes die Tiefen Gottes.
Denn wer von den Menschen weiß, was im Menschen ist, als nur der Geist des Menschen, der in ihm ist? Also weiß auch niemand, was in Gott ist, als nur der Geist Gottes. Da sehen wir, dass eine Parallele gemacht wird zwischen dem Geist Gottes und dem Geist des Menschen.
Nach 1. Thessalonicher 5,23 ist der Mensch eine Einheit von Geist, Seele und Körper. Jetzt haben wir eine Parallele mit dem Geist und dem Geist Gottes. Und von dieser Dreiheit des Menschen ist nur ein Aspekt sichtbar: der Körper. Und von Gott ist nur der Sohn sichtbar geworden; er ist gekommen als Mensch. Johannes sagt: Wir haben seine Herrlichkeit angeschaut, die Herrlichkeit als eines Eingeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.
Also da haben wir eine Analogie zwischen dem Sichtbaren des Menschen, dem Körper, und dem Sohn Gottes. Und dann bleibt noch die Seele: Da sitzt er, Persönlichkeit. Lobe den Herrn, meine Seele, das heißt nichts anderes als: Ich soll den Herrn loben. Und wenn ich etwas beschließe, dann beschließe eben ich etwas, oder? Und so können wir die Analogie machen zwischen dem Vater, der die Pläne fasst, und der Seele des Menschen.
Nun, das braucht nicht zu überraschen, denn nach 1. Mose 1,27 ist der Mensch ja im Bild Gottes geschaffen. Es ist nur ein Bild, es ist nicht das Gleiche. Wir sind nicht drei Personen, wir sind wirklich nur eine Person. Und wenn es nicht so ist, dann spricht man von Schizophrenie. Ja gut, und auch dann ist es ja nicht mal zwei Personen, sondern man meint das nur.
Also: Diese Analogien sind ein Abbild, ein Bild, ein Gleichnis von Gott. Aber das ist sehr beachtenswert, meine ich.
Die Gottheit und Person des Heiligen Geistes
Der Heilige Geist als Gott, Schöpfer und Gegenwart Gottes
Jetzt zur Gottheit und Person des Heiligen Geistes.
Wir haben ja auch gesehen, wie geleugnet worden ist, dass der Heilige Geist eine Person sei. Das leugnen übrigens auch heute die Zeugen Jehovas. Aber in Apostelgeschichte 5,3 und 5 sehen wir: Der Heilige Geist ist Gott. Es ist die Geschichte mit Ananias und Saphira. Die haben so getan, als wären sie ganz besonders treue Christen, als hätten sie ihren ganzen Besitz der Gemeinde zur Verfügung gestellt. Aber es war alles nur Vortäuschung.
In Apostelgeschichte 5,3 sagt Petrus zu Ananias: Warum hat der Satan dein Herz erfüllt, dass du den Heiligen Geist belogen und von dem Kaufpreis des Feldes beiseitegeschafft hast? Und die Frage wird nochmals wiederholt, eben in Vers 9. Petrus aber sprach zu ihr, zur Frau: Was ist es, dass ihr übereingekommen seid, den Geist des Herrn zu versuchen? Vers 4 meinte ich am Schluss: Was ist es, dass du dir diese Tat in deinem Herzen vorgenommen hast? Nicht Menschen hast du belogen, sondern Gott.
Du hast den Heiligen Geist belogen. Du hast nicht Menschen belogen, du hast Gott belogen. Also ist der Heilige Geist Gott.
In Hebräer 9,14 finden wir den Ausdruck, dass Christus sich geopfert hat durch den ewigen Geist. Also ist der Heilige Geist ewig. Hiob 33,4, Jesaja 40,13 und Hiob 34,14 sagen, dass der Heilige Geist Schöpfer und Erhalter ist. Der Heilige Geist ist Schöpfer.
Und in Psalm 139,7 sagt David, dass der Geist Gottes allgegenwärtig ist. Er sagt: Nehme ich die Flügel der Morgenröte und ginge bis ans Ende des Meeres, da könnte ich auch nicht von dem Geist Gottes entfliehen. Auch daselbst wirst du mich leiten. Ich habe ganz besonders an dieses Wort gedacht, als ich so am Meer stand, bei San Francisco war, vergangenen Mai. Da ist man wirklich am Ende des Meeres angekommen, weiter geht es nicht. Ich will schon wieder bald nach Hause. Also auch daselbst würde deine Hand mich leiten. Wunderbar! Und dort wird gesagt, eben der Geist Gottes wäre auch da. Er ist allgegenwärtig.
Wichtig: Der Teufel, die Dämonen sind nicht allgegenwärtig. Engel sind an Raum und Zeit gebunden. Beweis: In Hiob 1 sagt Gott, wenn Satan vor ihm erscheint, vor seinem Thron: Woher kommst du? Vom Umherwandeln auf der Erde und vom Umherstreifen auf ihr. Dauernd auf Weltreisen, aber nicht überall gleichzeitig. Natürlich dadurch, dass er ein riesiges Heer von Dämonen zur Verfügung hat, ist er in allen Ländern gleichzeitig aktiv.
Und drei Wochen später kommt ein Engel und entschuldigt sich und sagt: Schon vor drei Wochen war dein Gebet erhört, aber der Fürst von Persien hat mir Widerstand geleistet. Das ist der Engelfürst von Persien, ein dämonischer Engelfürst. Da kann man den Iranern mal erzählen, wer an ihrer Spitze ist. Gut, der Fürst von Persien hat mir Widerstand geleistet, und erst dann ist Michael, einer der ersten Fürsten, gekommen und hat mir geholfen. Dann habe ich gewonnen, und jetzt konnte ich erst zu dir kommen.
Er entschuldigt sich also für drei Wochen Verspätung. Engel sind an Ort und Zeit gebunden, nur Gott ist allgegenwärtig.
Was eine Person ist
Jetzt die Frage: Ist der Heilige Geist eine unpersönliche Kraft oder ist er eine individuelle Person?
Da müssen wir natürlich zuerst definieren, was das Wort Person heißt und in welchem Sinn wir es verstehen. Nun, die Definition, die ich gebe, ist diese: Eine Person ist ein individuelles geistiges Wesen. Es wäre also nicht unbedingt ein Körper, aber eine Individualität, ein Ich, ein individuelles geistiges Wesen, das durch Wille, Denken, Fühlen und Handeln gekennzeichnet ist.
Nun, hat der Heilige Geist einen Willen? Ja, 1. Korinther 12,11 sagt von den Wirkungen, dass der Heilige Geist sie austeilt, wie er will.
Denkt der Heilige Geist? Natürlich. Es steht sogar in 2. Mose 28, dass er den Handwerkern für die Stiftshütte die Weisheit gegeben hat, um diese Dinge tun zu können. Zum Beispiel hat auch er Bezalel, ben Uri, die Weisheit gegeben, einen siebenarmigen goldenen Leuchter mit Hammerschlägen in Schmiedearbeit herzustellen, mit hohlen Röhren. Im Hebräischen sind diese Arme Kanä, sie sind hohl. Das kann kein einziger Handwerker heute bewerkstelligen, nur gießen. Aber in Schmiedearbeit herstellen kann das niemand. Bezalel hat es vor dreieinhalbtausend Jahren gekonnt, aber der Geist Gottes hat ihm das eingegeben. Das ist wirkliche Weisheit, die wir heute nicht kennen.
Der Heilige Geist kann auch fühlen, denn er kann betrübt sein. Epheser 4,30: Betrübt nicht den Heiligen Geist.
Der Heilige Geist handelt natürlich. 1. Korinther 12,11: Der Heilige Geist wirkt und teilt aus. Hebräer 3,7: Er spricht. Hebräer 10,15: Er bezeugt. Apostelgeschichte 16,6: Er verhindert. Johannes 16,8: Er überführt. Johannes 16,13: Er führt in die ganze Wahrheit.
Also, das macht das deutlich.
Sprachliche Beobachtungen und Missverständnisse
Der Geist steht besonders in Verbindung mit dem Begriff der Kraft, das habe ich schon gesagt. Da ist es nützlich, etwas über das hebräische Wort für Geist zu sagen: Ruach. Es ist übrigens weiblich. Auf Hebräisch heißt es also die Geist.
Das hat natürlich die Feministinnen gefreut, also die theologischen Feministinnen. Und sie haben dann gesagt, man sollte in einer modernen Bibelübersetzung eigentlich von der Heiligen Geistin sprechen. Das ist Gotteslästerung. Denn im Neuen Testament haben wir das Wort Pneuma, und das ist Neutrum, also sächlich. Und was sie nicht gecheckt haben, ist, dass das grammatische Geschlecht nicht automatisch dasselbe ist wie das biologische Geschlecht.
Denn warum heißt es der Tisch? Ist das ein Mann? Nein, sagen die Franzosen, es ist eine Frau, denn es heißt la table. Und dann kommt ja die große Frage auf, und das ist sowieso ein besonderer Stein des Anstoßes: Warum heißt es das Fräulein? Es sollte doch die Fräulein sein. Ja gut, darum lässt man heute das Fräulein ganz weg. Dann gibt es nur noch die Frau, und das ist mir gleich. Oh, das finde ich gut.
Auf Hebräisch gibt es nämlich auch kein Fräulein. Es gibt nur die Qeret, und das ist eine Frau, verheiratet oder nicht verheiratet. Aber nur um zu sagen: Das ist natürlich Unsinn, wenn man daraus etwas in Bezug auf die Lehre über Gott ableiten will. Das ist Gotteslästerung.
Weiblich bedeutet Geist, Hauch oder auch Wind. Und das macht deutlich: Es ist eine Kraftwirkung, die man nicht sieht und auch nicht greifen kann. Eben darum sagt der Prediger: „Vom Haschen nach Wind.“ Das ist eben das, was man nicht kann.
Pneuma ist sächlich und bedeutet im Griechischen genauso Geist, Hauch, Wind. Und der Herr Jesus nimmt darauf Bezug in Johannes 3,8 und sagt: „Der Geist weht, wo er will.“ Er sagt, er übersetzt dieses: „Der Wind weht, wo er will, und du hörst sein Sausen, aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er geht.“ Da ist das Wortspiel, weil Wind dort dasselbe Wort ist wie Geist. Aber man muss Wind aus dem Zusammenhang übersetzen. Der Wind weht, wo er will. Und das zeigt eine unsichtbare, sanfte oder gewaltige Wirkung, die sich menschlich nicht greifbar machen lässt. Darum wird der Heilige Geist eben speziell Geist genannt.
Rückfragen zur Analogie von Geist, Seele und Leib
Es ist schon bald wieder Zeit für die Pause.
Ja, gerne.
Irgendwo habe ich den Anschluss verpasst, weil Sie gesagt haben, dass, wenn Gott sich darstellt als eben Gottes David oder so und der Heilige Geist, dann gibt es eine Parallele zum Menschen. Da haben wir auch Geist, Seele und Leib. Und der Leib, der einzig letztlich offen war, ist dieses Christliche. Das habe ich noch verstanden. Aber dann haben Sie die Seele auf Gott Vater bezogen.
Ja, die Seele verstanden im Sinn von: Das Wort Seele wird in der Bibel sehr verschieden gebraucht. Da muss man nach der Stelle unterscheiden. Aber oft im Sinn von Ich, also das Ich, das entscheidet, das plant. Und insofern besteht die Parallele, weil Gott, der Vater, besonders in Verbindung steht mit der Auserwählung, mit der Planung des Heils usw. Also insofern besteht diese Analogie.
Aber dann müsste man ja für den menschlichen Geist diese Analogie eben zu Ende denken. Dann müsste man ja für den menschlichen Geist analog den Heiligen Geist haben.
Ja, und das macht ja 1. Korinther 2 ganz direkt. Denn 1. Korinther 2 sagt: Wer weiß, was im Menschen ist, als der Geist des Menschen? Und so weiß auch nur der Geist Gottes, was in Gott ist. Darum bin ich von dort ausgegangen. Dort ist direkt die Parallele gemacht: der Geist Gottes und der Geist des Menschen, die die Tiefen des Menschen beziehungsweise Gottes erforschen. Und von daher bin ich ausgegangen und habe mich gefragt, wo können wir die Analogie weitersehen? Und dann geht es auf mit dem Körper, dem Sichtbaren, und der Seele, dem Sitz des Ichs, des Willens.
Gut, wir fangen noch ganz kurz an mit dem Thema „Die Gottheit und Menschheit Christi“.
Ja, noch eine Frage. Also die Frage war: Ist der Heilige Geist eine Kraft oder eine individuelle Person?
Die Bibel sagt doch beides. Er ist Kraft als auch Person. Das schließt sich nicht aus. Aber ich habe hier gegenübergestellt: unpersönliche Kraft oder individuelle Person. Also der Heilige Geist ist nicht eine unpersönliche Kraft, sondern er ist eine Person und steht ganz besonders in Verbindung mit der Kraft Gottes.
Jawohl, also Kraft und Person schließt sich nicht aus. Aber der Heilige Geist ist nicht unpersönlich, sondern persönlich.
Keiner würde ja auf die Idee kommen, dass der menschliche Geist keine separate Person, keine individuelle Person neben dem restlichen Menschen ist.
Ja, gut, also ich wiederhole die Frage.
Eigentlich kann das auch nicht, oder es stimmt auch mit dem Willen Gottes, des Vaters, völlig überein, insofern ist das auch nicht individuell.
Also die Frage ist: Beim Geist des Menschen kann man ja nicht sagen, der Geist des Menschen sei eine individuelle Person für sich. Nun habe ich erklärt, dass der Mensch nur im Bild Gottes geschaffen ist. Also der Mensch ist nicht eine Dreieinheit von drei Personen, aber es besteht ein Abbild von den drei Personen in der Gottheit. Also man kann es nicht einfach eins zu eins gleichsetzen.
Dennoch macht die Bibel diese Analogie. Aber des Weiteren macht die Bibel deutlich, dass der Vater nicht der Heilige Geist ist, und der Heilige Geist nicht der Sohn ist, und der Sohn auch nicht der Vater ist. Die Personen werden unterschieden, und darum sehen wir auch eine Gemeinschaft in Gott.
Und das ist sehr wichtig. Der Gott im Islam ist nur eine Person, er ist Unus, einer. Das heißt, der Gott des Islam ist nach ihrer Vorstellung ein Gott, der immer allein war und nie in Gemeinschaft gelebt hat. Es ist also nicht ein Gott der Liebe, der in einer Beziehung der Liebe gelebt hat wie der Gott der Bibel.
Denn in der Gottheit gab es von jeher eine Beziehung der Liebe. Wenn wir an Johannes 17 denken: „Vater, verherrliche mich mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war“, und dann sagt er auch: „Denn du hast mich geliebt vor Grundlegung der Welt.“ Also diese Beziehung der Liebe in Gott war da und war nicht davon abhängig, dass Gott zuerst ein Objekt, die Welt, schaffen musste, um Liebe ausüben zu können.
Gott ist völlig unabhängig von uns, von der Schöpfung, um ein Gott der Liebe zu sein. Darum hat das natürlich praktische Auswirkungen. Wenn ich an einen Gott glaube, der nicht von Ewigkeit her der Liebe ist, dann fällt es mir auch viel einfacher, brutal mit anderen Menschen zu sein. Aber wenn ich wirklich verstanden habe, wer Gott ist, und diese Liebe des Vaters und des Sohnes, und die Liebe des Geistes, davon wird ja auch gesprochen, Römer 15, die Liebe des Geistes, dann hat das Auswirkungen auch für mein Leben und für die Nächstenliebe.
Die ewige Sohnschaft Christi
Gut, wir müssen Pause machen. Wir kommen zum allerletzten Teil. Jesus Christus ist Gottes Sohn von Ewigkeit her. Wo steht das? Hebräer 7,3.
Dort spricht der Hebräerbrief über den geheimnisvollen König Melchisedek aus 1. Mose 14. Abraham ist ja nach der Schlacht ihm begegnet, hat von ihm Brot und Wein bekommen und hat dann diesem König den Zehnten gegeben. Melchisedek hat dann Abraham gesegnet.
Aber das Eigentümliche ist: Von diesem Melchisedek wird nichts darüber gesagt, von wem er abstammt. Plötzlich wird er so unverhofft in 1. Mose 14 aufgeführt, und später erfahren wir nichts mehr über ihn, auch nicht darüber, wie er gestorben wäre. So wird er beschrieben. Er ist einfach plötzlich da, oder er ist einfach da, ohne Anfang, ohne Ende.
Ich lese Hebräer 7,2: „welchem auch Abraham den Zehnten zuteilte von allem, der erstlich verdolmetscht König der Gerechtigkeit heißt, Melchisedek, König der Gerechtigkeit, sodann aber auch König von Salem, das ist König des Friedens, ohne Vater, ohne Mutter, ohne Geschlechtsregister, weder Anfang der Tage noch Ende des Lebens habend, aber dem Sohne Gottes verglichen, bleibt Priester auf immerdar.“
Also es wird nichts gesagt über seine Eltern, es wird auch kein Geschlechtsregister aufgeführt. Er ist einfach da, ohne Anfang, ohne Ende. Und dann heißt es: „aber dem Sohne Gottes verglichen“ oder man kann es auch übersetzen: ähnlich gemacht. Also die Lehre, Melchisedek sei Jesus Christus, ist falsch. Aber Melchisedek ist so beschrieben in 1. Mose 14, dass er dem Sohn Gottes ähnlich gemacht ist, ohne Anfang, ohne Ende.
Aber interessant ist: Es wird hier nicht gesagt „dem Jesus Christus verglichen“ oder „dem Logos verglichen“ oder was man auch für den Ausdruck verwenden könnte, sondern ausgerechnet „dem Sohne Gottes verglichen“. Also: Sohn ohne Anfang, ohne Ende. Er ist als Sohn ewig, ohne Anfang, ohne Ende.
Der Sohn vor der Menschwerdung
Und das wird bestätigt durch Johannes 16,28. Dort heißt es, ich lese aber schon Vers 27 dazu:
In den Abschiedsreden im Obersaal sagt der Herr den Jüngern: Denn der Vater selbst hat euch lieb, weil ihr mich geliebt und geglaubt habt, dass ich von Gott ausgegangen bin. Ich bin vom Vater ausgegangen und in die Welt gekommen; wiederum verlasse ich die Welt und gehe zum Vater.
Also: Der Herr Jesus ist vom Vater ausgegangen, in die Welt gekommen, und jetzt geht er wieder zum Vater zurück. Er hätte auch sagen können: Ich bin von Gott ausgegangen, und dann bin ich in die Welt gekommen, und dann ist er mein Vater geworden. Das sagt er aber nicht. Er sagt: Ich bin vom Vater ausgegangen. Der Vater war also schon vorher der Vater. Dann ist er in die Welt gekommen, und er ist wieder zum Vater zurückgegangen. Also ist er von dem ausgegangen, der schon vor seiner Menschwerdung sein Vater war. Somit war der Herr Jesus schon Sohn Gottes vor seiner Menschwerdung.
Und in Johannes 17,5 spricht er auch davon: Und nun verherrliche du, Vater, mich bei dir selbst mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war. Nicht nur: Verherrliche du mich, Gott, Vater, mit der Herrlichkeit, die ich bei dir, Vater, hatte, vor Erschaffung der Welt.
Und dann noch Johannes 17,24: Vater, ich will, dass die, welche du mir gegeben hast, auch bei mir seien, wo ich bin, auf dass sie meine Herrlichkeit schauen, die du mir gegeben hast; denn du hast mich geliebt vor Grundlegung der Welt. Vater, du hast mich geliebt vor Grundlegung der Welt.
Das ist der ewige Sohn, und dann nennt er ihn gerechter Vater.
Und interessanterweise wird schon in Sprüche 30,4 der Sohn Gottes im Alten Testament erwähnt, in Sprüche 30 in den Worten Agurs. Da sagt Agur in Vers 4: Wer ist hinaufgestiegen gen Himmel und herniedergefahren? Wer hat den Wind in seine Fäuste gesammelt? Wer die Wasser in ein Tuch gebunden? Wer hat aufgerichtet alle Enden der Erde? Was ist sein Name, und was der Name seines Sohnes, wenn du es weißt?
Der wird Gott genannt. Sagen wir: Was ist der Name von Gott? Das wird er nachher verraten, und in Vers 9 wird nämlich Yahweh genannt. Aber dann sagt er: Was ist der Name seines Sohnes, wenn du es weißt? Nicht: Was ist der Name eines Sohnes von ihm? Seines Sohnes hat nur einen Sohn, und schon alt ist der männlich. Nicht: Was wird der Name sein, wenn er mal einen Sohn haben wird? Nein: Was ist der Name seines Sohnes, wenn du es weißt? Der ewige Sohn.
Und dieses Verhältnis von Liebe zwischen dem Vater und dem Sohn, das ist so fundamental wichtig für das Christentum, denn darin liegt das ganze Geheimnis des Christentums verborgen. Das Johannesevangelium zeigt: Dieser ewige Sohn ist gekommen in diese Welt. Und so viele ihn aufnahmen, denen gab er das Recht, Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben. Johannes 1,12.
Also Menschen, die jetzt an den Sohn Gottes glauben, die kommen in die Position von Kindern zu dem Vater. Das heißt, sie dürfen Gott so kennenlernen, den Vater, wie der ewige Sohn ihn gekannt hat in der Ewigkeit. Und darum spricht das Johannesevangelium dauernd über den Vater, über den Vater. Weit über 110 Mal.
Und dann in Johannes 14 bekommt er eine Sehnsucht und sagt: Herr, zeige uns den Vater. So lange Zeit bin ich bei euch, und du hast mich nicht erkannt? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. Und der Herr Jesus erklärt, er geht ins Vaterhaus und wird dort eine Stätte bereiten, dann kommt er wieder, und ich werde euch zu mir nehmen, auf dass, wo ich bin, auch ihr seid. Ins Vaterhaus.
Aber interessant ist: Die Gläubigen werden im Johannesevangelium „Kinder Gottes“ genannt, und sie werden im Johannesevangelium nie „Söhne Gottes“ genannt. Nur der Herr Jesus wird „Sohn Gottes“ genannt, die Gläubigen „Kinder Gottes“. Um ganz deutlich hier den Unterschied zu zeigen: Gläubige sind durch Wiedergeburt in dieses Sohnesverhältnis gekommen, als Kinder zum Vater.
Aber der Herr Jesus ist es von Ewigkeit her. Aber wir sehen: Wenn wir die ewige Sohnschaft leugnen, dann verlieren wir den ganzen Reichtum des Christentums und damit auch den ganzen Reichtum, Gott zu kennen als Abba, Papa. Im Judentum ist es verboten, Gott Abba zu nennen, und Römer 8 und Galater 4 sagen klar, dass der Geist der Sohnschaft ruft: Abba, Vater.
Dieses intime Verhältnis, das der Herr Jesus hatte, und auch dort im Garten Gethsemane sagte er: Aber Vater, alles ist dir möglich. Er nannte ihn so. Und jetzt sehen wir dieses ewige Verhältnis von Liebe zwischen dem Vater und dem Sohn, und das wird durch die Antichristen geleugnet. Denn Johannes sagt in 1. Johannes 2,22: Wer ist der Lügner, wenn nicht der, der leugnet, dass Jesus der Christus ist? Dieser ist der Antichrist, der den Vater und den Sohn leugnet. Jeder, der den Sohn leugnet, hat auch den Vater nicht. Wer den Sohn bekennt, hat auch den Vater.
Also diese Leugnung der Sohnschaft, und wer die Sohnschaft leugnet, der leugnet auch die Vaterschaft. Islam, aber nicht nur im Islam, sondern in der Christenheit auch. Und schon in der alten Kirche ist das aufgekommen, und man findet diese Irrlehre bis heute: die Leugnung der ewigen Sohnschaft Christi.
Die Menschwerdung und die Sohnschaft des Menschen Jesus
Aber jetzt ist ganz wichtig: Jesus Christus ist als Gott von Ewigkeit her Sohn. Aber er ist Mensch geworden, und als Mensch ist er durch Zeugung Sohn Gottes.
In einer zweiten Hinsicht, so lesen wir in Lukas 1,35 in der Ankündigung des Engels an Maria, ist die Geburt des Herrn absolut einzigartig. Lukas 1,35: Und der Engel antwortete und sprach zu ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und Kraft des Höchsten wird dich überschatten.
Übrigens, das Wort überschatten: Das ist das Wort, das in der Septuaginta im Alten Testament für die Schechina gebraucht wird, wenn sie über die Stiftshütte kam oder über den Tempel. Das ist der Gedanke dahinter. Kraft Gottes will ich überschatten, die Schechina kommt über sie. Darum wird auch das Heilige, das geboren wird, Sohn Gottes genannt werden.
Also: Durch die Zeugung, durch den Heiligen Geist, ist der Herr Jesus als Mensch Sohn Gottes. Und insofern, als Mensch ist er der Sohn geworden. Also müssen wir zwei Arten von Sohnschaft unterscheiden: die ewige Sohnschaft und dann die Sohnschaft durch Zeugung.
Psalm 2,7: Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt. Und dann geht das auf. Das wird dort im Neuen Testament auch verwendet, ja, diese lichte Wolke, die überschattete, genau. Das war auch die Schechina.
Gleichheit mit dem Vater und Unterscheidung der Personen
Jesus Christus ist Gott dem Vater gleich. In Philipper 2,6 lesen wir, dass Jesus Christus, da er in Gestalt Gottes war, es nicht für einen Raub achtete, Gott gleich zu sein. Das war also für ihn nicht etwas, das er sich durch Raub aneignen sollte, so wie es der Teufel, Luzifer, getan hatte, wie in Jesaja 14,12: „Ich will mich dem Höchsten gleich machen.“ Nein, es war für ihn nicht etwas, das er als Raub zu achten hatte, Gott gleich zu sein. Aber er hat sich dann erniedrigt.
In Johannes 5,18 sagen die Juden, weil der Herr Jesus Gott seinen eigenen Vater nannte, habe er sich Gott selbst gleich gemacht. Das ist interessant, denn die Juden haben verstanden, dass Jesus Christus nicht einfach über „unser Vater“ gesprochen hat. Das ist eine jüdische Anrede: „Unser Vater, der du bist in den Himmeln.“ Er hat aber über Gott gesprochen, über seinen eigenen Vater, seinen eigenen Abba, Abba Shelley, meinen eigenen Vater. Und dann sagen sie: Dann machst du dich Gott gleich. Sie haben das verstanden.
Da sagt Gott über den Messias: „Schwert, erwache wieder gegen meinen Hirten, gegen den Mann, der mein Genosse ist.“ Und das hebräische Wort Amiti heißt Genosse im Sinn von: der mir auf der gleichen Stufe steht. Es ist interessant, dass Gott den Messias „mein Genosse“, Amiti, nennt, also meinen Gleichgestellten. Und das ist er in seinem inneren und in seinem äußeren Wesen.
Wenn es nämlich in Philipper 2,6 heißt, dass er in Gestalt Gottes war, steht für „Gestalt“ im Griechischen das Wort Morphä. Das bedeutet innere und äußere Natur, also wirklich die Gottheit in jeder Hinsicht.
Es wird aber noch klarer: Jesus Christus ist als Person vom Vater unterschieden. In Hebräer 1,3 wird er genannt: „der Abdruck seines Wesens.“ Jesus Christus ist der Abdruck seines Wesens. Für „Abdruck“ steht im Grundtext das Wort Charakter. Das hat nichts mit unserem Charakter zu tun, hängt aber damit zusammen. Es bedeutet einen Stempelabdruck.
Nun ist der Stempelabdruck absolut identisch mit der Stempelvorlage, ja, aber spiegelbildlich. Das ist unwahrscheinlich gut formuliert. Er ist in allem Abdruck des Wesens des Vaters, absolut gleich: ewig, gleich weise, gleich allgegenwärtig, gleich mächtig, gleich herrlich. Und trotzdem ist er von ihm zu unterscheiden, vom Vater, so wie der Abdruck spiegelbildlich zum Stempel ist.
Johannes 1 und die Frage nach der Gottheit des Wortes
Weiter in Johannes 1, Vers 2, da lesen wir doch: „Und das Wort war Gott.“ Sagen die Zeugen Jehovas: Seht ihr, vor Gott steht da kein Artikel. Eigentlich im Griechischen müsste es heißen: „Und das Wort war der Gott.“ Das ist normal im Griechischen, dass der Artikel viel, viel häufiger steht als bei uns. Das haben wir ja schon mal gemerkt, nicht? „Der Gott, unser und Heiland, Jesus Christus“, oder? Der Artikel steht viel, viel mehr, aber dort steht der Artikel nicht. Und dann sagen sie: Seht ihr, wenn der Artikel im Griechischen fehlt, dann bedeutet das hier unbestimmter Artikel. Das Wort war ein Gott. Er war so göttlich in der Art, aber er ist nicht gleich.
Nun, jetzt ist es folgendermaßen: Wenn dort der Artikel stehen würde, dann wäre das eine Irrlehre. Wenn nämlich stehen würde: „Das Wort war der Gott“, dann wäre der Sohn als Person identisch mit dem Vater. Ich will es erklären, ganz kompliziert zuerst, und dann wird es immer einfacher.
Was wir hier haben, das nennt man in der Grammatik einen nicht identifizierenden Nominalsatz. Ein Nominalsatz ist zum Beispiel: A ist B. Das ist ein Nominalsatz, also ein Nomen wird einem anderen Nomen gleichgestellt. Also: Der Bauer ist ein Mensch, das ist ein Nominalsatz.
Jetzt ist ein identifizierender Nominalsatz: A ist B und B ist auch A, oder man kann die Aussage umdrehen. Aber aufgepasst: Das kann zu Fehlschlüssen führen. Also wenn man zum Beispiel sagt: Schwarze sind Menschen, dann ist das richtig. Aber wenn man jetzt umkehrt und sagt: Menschen sind Schwarze, dann stimmt das nicht, denn es gibt auch solche, die weiß sind, gelb, rot und braun, und alles Mögliche noch. Also da muss man gut aufpassen, nicht jeden Satz kann man umkehren.
Jetzt haben wir hier einen Satz, der nicht umgekehrt werden kann. „Das Wort war der Gott“ – dann könnte man das umdrehen: „Der Gott war das Wort“, und dann ist der Vater und der Sohn eine Person. Aber es heißt: „Das Wort war Gott“ – Gott, aber unterschiedlich vom Vater.
Jetzt will ich das noch mal erklären an einem Beispiel, dann wird es noch klarer. In 1. Johannes 4,8 haben wir auch einen nicht identifizierenden Nominalsatz. Dort heißt es nämlich: „Gott ist Liebe.“ Natürlich heißt das auf Griechisch: „Der Gott ist Liebe.“ Der Gott ist Liebe. Aber es heißt dort nicht: „Der Gott ist die Liebe.“ Denn das wäre Hinduismus. Gott ist nicht die Liebe. Wenn Menschen sich lieben, das ist nicht Gott. Gott ist Liebe, jawohl, aber nicht: Liebe ist schlechthin Gott. Das ist Hinduismus.
Also, das Lied ist eigentlich ganz falsch: „Gott ist die Liebe.“ Aber das ist auch nicht falsch gemeint, und darum dürfen wir es weiter singen. Ja, gut, aber ich sage nur, dass man so ein Feingefühl bekommt. Ja, klar, und das wollen wir weiterhin lernen. Aber nur einfach: Wir haben Sie richtig verstanden. Niemand von uns hat gedacht: Gott ist die Liebe, dann heißt das also eben, alles, was irgendwie mit Liebe zu tun hat, das ist Gott. Nein, aber Gott ist in seinem Wesen Liebe.
In 1. Johannes 1 heißt es auch: Gott ist Licht. Das heißt nicht: Gott ist das Licht. Ja, sonst wäre die Sonne Gott, und das wäre Heidentum. Aber Gott ist Licht, sein Wesen ist Licht. Und darum muss es dort heißen: „Das Wort war Gott“, um klarzumachen, dass er unterschieden ist vom Vater.
Die Menschwerdung, Auferstehung und zukünftige Wiederkunft Christi
Wirkliche Menschwerdung und bleibende Menschheit
Also, wir können abfahren. Und weiter: Jesus Christus ist wirklich Mensch geworden. Wir haben das schon gelesen, 1. Johannes 4,1. Wir können die falschen Geister erkennen, wenn sie nicht bekennen, dass Jesus Christus im Fleisch gekommen ist.
Übrigens nicht ins Fleisch, sonst könnte man es so auffassen, als wäre der Logos irgendwie in eine menschliche Hülle hineingekommen. Nein, er ist im Fleisch, das heißt als Mensch, gekommen. Und Fleisch bezeichnet in der hebräischen biblischen Sprache den Menschen mit Geist, Seele und Leib. Das ist noch wichtig, es ist also nicht nur der Körper. Die Menschheit wird zwar als alles Fleisch bezeichnet, ja, aber da sind Seele und Geist auch noch mit eingeschlossen. Gut.
Und Johannes 1,14 sagt: Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns. Also, der Herr Jesus ist wirklich Mensch geworden. Und da er auch eine Seele gehabt hat, eine menschliche Seele, wie Matthäus 26,38 zeigt, wo er sagt: Meine Seele ist betrübt bis zum Tode. Und da er auch einen Geist hatte, einen menschlichen Geist, sagt er in Lukas 23,46: In deine Hände befehle ich meinen Geist. Johannes 11,33 zeigt am Grab von Lazarus ebenfalls, dass sein Geist in ihm erschüttert war.
Und wichtig: Jesus Christus bleibt Mensch in alle Ewigkeit, denn er ist körperlich auferstanden. In Lukas 24,37-39 erscheint der Herr, und die Jünger meinen, er sei ein Geist. Doch er sagt: Nein, ich bin kein Geist. Kommt her und seht mein Fleisch und meine Beine, Fleisch und Knochen. Er ist mit Fleisch und Knochen als wirklicher Mensch auferstanden. Darum hat er dann auch gegessen. Sie gaben ihm einen Fisch, und er nahm ihn. Das ist wirklich zu sehen: Das ist kein Scheinleib, es ist ein richtiger Mensch.
Aber in einer Zeugen-Jehovas-Kinderbibel habe ich tatsächlich gefunden, dass es heißt, Jehova hätte den Körper Jesu verschwinden lassen aus dem Grab. Die leugnen die Auferstehung Jesu. Sie sagen, er sei als Geist auferstanden. Sie leugnen also, dass er wieder als Mensch kommen würde.
Die Zukunft des Menschensohnes
Und nun aufgepasst: 2. Johannes 7.
Da sagt Johannes: Denn viele Verführer sind in die Welt ausgegangen, die nicht Jesus Christus im Fleische kommend bekennen. Dies ist der Verführer und der Antichrist.
Vielleicht steht in Ihrer Bibel: die nicht Jesus Christus im Fleische gekommen bekennen. Dann können Sie das durchstreichen und am Rand korrigieren. Es ist nämlich nicht die gleiche Zeitform wie im ersten Brief, Kapitel 4, Vers 1 bis 3. Dort steht: Jesus Christus im Fleisch gekommen. Perfekt! Und hier ist es Partizip Präsens.
Manche Übersetzer haben mit dieser Konstruktion offenbar nichts anfangen gewusst. Dann haben sie es dem ersten Brief angeglichen, natürlich nicht bösartig. Aber das Wort kommend ist ganz wichtig, denn das Partizip Präsens hat oft Zukunftsbedeutung, nicht wahr? Offenbarung 1,4: Es wird gegrüßt von dem, der da war und der da ist und der da kommt. Der, der kommt, ist dasselbe Wort: erchominos, der Kommende, im Blick auf die Zukunft.
Im Fleische kommend bedeutet, dass er als Mensch in der Zukunft wiederkommen wird. Da können wir die Zeugen Jehovas ganz klar hier nehmen, dann sind sie Antichristen, sie leugnen Jesus Christus im Fleische kommend. Er wird auch in der Zukunft als Mensch kommen. Er ist als Mensch in diese Welt gekommen, er hat als Mensch gelitten am Kreuz und ist gestorben, er ist als Mensch am dritten Tag auferstanden, als Mensch dann in den Himmel aufgefahren, als Mensch hat er sich zur Rechten der Majestät in der Höhe gesetzt, und als Mensch wird er zurückkommen, der Sohn des Menschen. Der Menschensohn auf den Wolken des Himmels, eben als Mensch, nicht als Geist.
Darum ist es auch so gewaltig. Nicht nur die Auferstehung ist so etwas Besonderes, sondern auch die Himmelfahrt. Himmelfahrt feiert man oft nicht so intensiv im Herzen wie Auferstehung. Aber was bedeutet das? Das ist das erste Mal, dass ein auferstandener, verherrlichter Mensch in den Himmel gekommen ist. Das hat es doch nie gegeben zuvor.
Also der Auferstehungsleib: Als der Herr Jesus auferstanden war, hatte er einen neuen Leib, in dem Sinn, dass der Auferstehungsleib ein verherrlichter Leib ist. Und auch die Gläubigen, die auferstehen werden, die werden einen verherrlichten Leib bekommen.
1. Korinther 15,46 lehrt: Also ist es mit der Auferstehung aus den Toten. Es wird gesät ein verweslicher Leib, es wird auferweckt ein unverweslicher Leib, es wird gesät in Schwachheit, es wird auferweckt in Kraft, es wird gesät in Unehre, es wird auferweckt in Herrlichkeit.
Aber es ist derselbe Körper, der auferweckt wird, ja? Ja, also der genau gleiche Körper. Gut, Blut wird nicht ausdrücklich erwähnt, aber das schließt sich mit ein. Was ausdrücklich vorkommt, ist in Lukas 24 Fleisch und Knochen. Ist der gleiche Leib auferweckt, die gleichen Atome, und so wird der Auferstehungsleib gebildet aus dem vorigen Leib?
Natürlich. In 1. Korinther 15 wird von einem geistigen Leib gesprochen, aber dieser Ausdruck hat nichts mit der Materie, der Beschaffenheit, zu tun. Denn der Leib, den wir von Adam haben, wird dort ein natürlicher Leib genannt, aber wörtlich im Griechischen ein seelischer Leib, psychikos. Also der Körper wird ein seelischer Leib genannt, oft mit natürlich übersetzt, aber wörtlich heißt es psychikos, ein psychischer Leib. Der ist doch wirklich körperlich, oder? Und der Auferstehungsleib wird ein geistiger Leib genannt. Warum?
Weil, so steht es in 1. Korinther 15, Adam, als er erschaffen wurde, eine lebendige Seele war, und seine Nachkommen haben einen seelischen Leib. Jesus Christus wird ein lebendig machender Geist genannt, im Gegensatz zu Adam, der eine lebendige Seele war. Und darum werden die, die zu ihm gehören, in der Auferstehung so bezeichnet, dass sie einen geistigen Leib haben.
Das hat mit der Beschaffenheit des Körpers nichts zu tun. Wenn wir einen wirklichen Körper haben, natürlich. Der Jesus konnte durch Türen hindurchgehen. Nun, die Gesetze der Physik, das ist alles in Gottes Hand. Übrigens, zwischen Atomen gibt es mehr Zwischenraum als etwas ist auch noch interessant. Nun, da wollen wir nicht spekulieren. Aber eines ist klar: Derselbe Leib des Herrn ist auferweckt worden, und derselbe Leib bei uns wird auferweckt werden.
Fragen zur Bestattung und zur Auferstehung
Ja, noch eine Frage? Ach so, ob das der Grund sei, dass viele Christen sagen, wir sollen uns nicht kremieren lassen.
Die Kremation ändert an der Auferstehung nichts, denn bei der Verbrennung geht ja kein Atom verloren. Da geht dann viel in die Luft, der Kohlenstoff bleibt zurück. Aber es geht kein Atom verloren. Das haben die Atheisten früher gemeint: Wenn man sich kremieren lässt, dann ist man, wenn es doch etwas gibt, wirklich entronnen.
Nun, der Herr der Atome holt sie von überall her. Auch die, die sie vom Flugzeug aus über die Alpen ausgestreut haben, die kommen alle wieder zusammen. Das ist kein Problem.
Aber die Kremation ist darum problematisch, weil Gott zu Adam gesagt hat: Du sollst wieder zum Staub zurückkehren. Und das wäre nicht das Zurückkehren zu Asche. Aber weiter kommt dazu, dass in der Bibel an verschiedenen Stellen Menschen verbrannt werden, und dann ist es speziell das Gericht Gottes über sie, Sodom und Gomorra. Der Judasbrief sagt, die stehen da als Beispiel für das ewige Feuer.
Also ist das Verbrennen des Körpers am Ende des Lebens eigentlich ein Bild für die Hölle. Nun, Menschen, die nicht in die Hölle kommen, die sollten doch bei ihrer Bestattung auch darauf achten, dass sie nicht bildlich quasi das Feuer über sich ergehen lassen.
Aber wenn nun jemand sich trotzdem kremiert hat, dann ändert das im Blick auf das Auferstehungsziel gar nichts, das ist klar.
Ah, dieser Brand bei den Königen, das war also nicht die Verbrennung der Gebeine, sondern das war einfach so quasi ein Gedenkfeuer bei der Bestattung. Diese Brände, die da erwähnt werden im Buch der Könige, das waren also so Gedenkfeuer, die gemacht wurden, aber nicht der Körper des Königs wurde verbrannt.
Ja gut, also das führt schon ein bisschen weiter, und wir sollten jetzt zum Schluss kommen. Vielleicht müssen manche auf den Zug. Also wer den Zug verpasst, er soll doch auch ruhig hinausgehen und sich nicht stören an uns, wenn wir jetzt noch abschließen und vielleicht ein paar wenige kurz mit uns beten.
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