Einleitung und Einladung zum Geist Gottes
Unsere jungen Leute sind jetzt bei den Pfingstkonferenzen. Dort haben sie ein reiches Programm. Ich freue mich, dass wir wenigstens in diesen Festtagen mehrfach die Gelegenheit haben, mehr zu hören von dieser kostbarsten Gabe, die der Herr gibt: sich selbst in seinem Geist, Verheißung seiner Gemeinde, sein Kommen, sein Wohnen in uns.
Ich habe nur ein paar Worte zusammengeschrieben, mit denen ich Sie heute grüßen will. Es sind ein paar Worte aus der Bibel: Der Geist des Herrn kam über Bileam, und er redete Gottes Wort. Der Geist des Herrn kam über Gideon, und er blies die Trompete. Der Geist des Herrn geriet über Simson, und er zerriss den Löwen, wie man ein Böcklein zerreißt, und er hatte doch nichts in seiner Hand.
Der Geist des Herrn geriet über David von dem Tag an und weiterhin. Darum spricht der Heilige Geist heute: „Wenn ihr hören werdet seine Stimme, so verstocket eure Herzen nicht.“
Wir wollen miteinander singen das Lied um die Bitte des Kommens des Heiligen Geistes: „O komm, du Geist der Wahrheit“, 108, Verse 1-4.
Herr, dir können wir nur danken für deine großen Verheißungen, dass du deine Gemeinde nicht allein lässt, sondern dass du selbst durch deinen Geist Wohnung bei uns machst. Das ist so groß!
Vergib uns, dass wir so oft klagen, auch über die Missstände, über die Untreue in deinem Volk, über das Versagen. Wir strecken uns so wenig aus und bitten so wenig darum, dass du deine Gemeinde erneuerst und erfüllst mit deinem Geist.
Da dürfen wir dich jetzt einfach bitten, dass du zu uns kommst und uns die Fülle deines Geistes schenkst. Die wir brauchen zum Zeugnis, zum Bekennen vor der Welt, zum unerschrockenen Mut.
Lass es doch geschehen, dass in unserem Land, in unserer Stadt wieder viele Menschen dich suchen, zum Glauben kommen, auch durch unser Zeugnis, durch unser Bekenntnis und durch unser Wort.
Hilf uns, dass unser ganzes Leben umgestaltet wird durch deinen Geist, dir ähnlich wird.
Wir wollen dir in der Stille jetzt alles sagen, was uns bedrückt und bekümmert. Wir beten in der Stille:
Dein guter Geist, Herr, leite uns auf!
Ebenerbahn.
Amen!
Die Bedeutung des Heiligen Geistes in der Schrift
Es gibt so viele Worte der Schrift, die wir alle noch nicht berührt haben, obwohl wir jetzt schon drei Predigten nacheinander gehört haben. Zuerst ging es gestern um das Amt des Geistes, dass die Worte „Jesu, Geist und Leben“ verbinden. Denkt auch daran zurück, dass wir eine Freizeit gemacht haben – vier Tage lang nur mit dem einen Thema, was die Bibel uns vom Geist Gottes sagt.
Ich habe jetzt einfach einige Schriftstellen aneinandergereiht. Das darf man ja, solange man den Sinn nicht verfälscht. Wir sollen den verheißenen Geist durch den Glauben empfangen. Gott hat den Heiligen Geist denen gegeben, die ihm gehorchen.
„Lasst euch von dem Geist Gottes erfüllen!“ Das Wasser, das ich ihm geben werde, sagt Jesus, wird in ihm eine Quelle des Wassers sein, das in das ewige Leben quillt. Und sie wurden alle mit dem Heiligen Geist erfüllt und redeten das Wort Gottes mit Freimut.
Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt? Wenn wir im Geist leben, so lasst uns auch im Geist wandeln. Gott hat uns nicht berufen zur Unreinheit, sondern zur Heiligung. Wer das nun verachtet, der verachtet nicht Menschen, sondern Gott, der seinen Heiligen Geist in euch gibt.
Die Frucht aber des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Keuschheit. Der Gott der Hoffnung aber erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Heiligen Geist. Er gebe euch Glauben, dass ihr immer reicher werdet an Hoffnung durch die Kraft des Heiligen Geistes.
Er gebe euch Kraft nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit, stark zu werden durch seinen Geist an dem inwendigen Menschen. Das Gesetz des Geistes, das lebendig macht in Christus Jesus, hat mich frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes. Der Herr ist der Geist; wo aber der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit.
Wir haben gestern so schöne Pfingstlieder aus unserem Gesangbuch gesungen. Ich habe gemerkt, manche von Ihnen kennen sie gar nicht. Das ist die schönste Auslegung auch der vielen Schriftaussagen.
Wir wollen heute das schöne Lied von Paul Gerhard singen. Leider können wir nicht alle Verse singen – „Zieh ein zu deinen Toren“, die Einladung: „Komm, heiliger Geist, zu uns!“ Wir singen von diesem Lied 105 die Verse 5 bis 7 und dann die beiden letzten, zwölf und dreizehn.
Ich singe so gern die Lieder in unseren Tagen, aber die anderen bewährten Lieder durch die Jahrhunderte hindurch wollen wir darüber nicht verlieren. Und so eine Formulierung sollen Sie ein Leben lang nicht vergessen können, wie Paul Gerhard sie hier geprägt hat vom fröhlichen Sterben – das ist der Sieg des Glaubens: „Ich will mal fröhlich sterben.“
Aber auch toll, wenn Sie die anderen Verse noch anschauen. Dort wird aufgerufen zur Fürbitte, dass der Geist Gottes doch unsere Obrigkeiten beschirme. Die haben es heute auch nötig, den Geist Gottes. Und wie das durch unsere Gesellschaft gehen soll.
Ich denke, Gott hat dieses Gebet erhört. In der Wüstenzeit des Dreißigjährigen Krieges gab es etwa nur in unserem Land eine so wahnsinnig tolle Liebestätigkeit in jedem Dorf. Fast im ganzen Gegensatz zu diesem schrecklichen Morden und Töten und zu diesem Sterben in der Pest wachte so ein Liebeseifer in den Menschen auf.
Das kann Gott oft schenken auf ganz wunderbare Weise. Und das ist in unseren Zeiten auch nötig, wo wir so viel bedauern und so viele Missstände in unserer Zeit sehen.
Das lebendige Wasser des Heiligen Geistes
Nun wollen wir heute noch einmal dieses Wort aus Johannes 7 lesen, und zwar Johannes 7, Verse 37-39. Wir haben gestern schon gesagt, dass dieses Wort eigentlich an den Anfang unserer drei Predigten gehört hätte. Denn hier gibt Jesus die erste Aufforderung, dass wir ihn aufnehmen sollen. Dann wird der Geist Gottes aus unserem Leben in großen, weiten Strömen fließen.
Am letzten Tag des Festes, der der höchste war, trat Jesus auf und rief: „Wer da dürstet, der komme zu mir und trinke! Wer an mich glaubt, wie die Schrift sagt, von dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen.“
Damit wir verstehen, was Jesus gemeint hat, müssen wir jetzt auch noch den letzten Vers lesen. Jesus sagte dies aber von dem Geist, den die empfangen sollten, die an ihn glaubten.
Sind wir wieder am gleichen Punkt, dass wir durch den Glauben den Geist Gottes empfangen? Das ist die einzige Voraussetzung, die auch Paulus im Galaterbrief immer wieder erwähnt. Gestern haben wir zitiert: „Habt ihr den Geist empfangen durch irgendwelche Praktiken oder durch die Predigt vom Glauben?“ Denn der Geist war noch nicht da, weil Jesus noch nicht verherrlicht war.
Das Bild des Durstes als Lebenssehnsucht
In meiner Jugend hat mich ein Buch ungemein begeistert. Das kann ich bis heute nicht vergessen. Es hieß Flug in die Hölle. Es handelt von einem Flieger namens Hans Bertram. Er hatte den Plan, mit einer einsitzigen Junkers mit Wasserkufen die Welt zu umrunden.
Das Unternehmen ist dann gescheitert. An der Wüstenküste Australiens, irgendwo in der Wildnis, musste er notlanden. Er war nun fünfzig Tage in dieser glutheißen Hitze.
Ich habe versucht, mir als junger Kerl so richtig vorzustellen, wie das ist: fünfzig Tage ohne Wasser und doch im Wasser zu sitzen – aber das war ja nur Salzwasser. Wie er dann schließlich von den Tragflächen den Tau geleckt hat, wie er vor der brütenden Sonnenhitze Zuflucht gesucht hat – im Schatten unter den Flügeln – und wie ihn diese Halluzinationen dauernd täuschten.
Er begann plötzlich wie wild zu kichern und zu lachen, weil er Wasserplätschern hörte. Dann lief er ein paar Schritte, fiel aber hin. Da war gar kein Wasser, das waren nur Sinnestäuschungen. Er sah plötzlich vor sich, wie er an eine frische Quelle kommt. Und doch saß er hier in der Wüste und hatte kein Wasser.
Endlich fand ihn einer der Eingeborenen, und eine beispiellose Rettungsaktion kam in Gang. Sein Leben wurde gerettet. Aber das mit dem Durst habe ich seitdem nie mehr vergessen können. Denn das ist mir immer wieder ein Bild für den riesigen Durst, den heute die Menschheit nach Leben hat.
Alle Menschen laufen los, und sie haben nur eine Sehnsucht. Sie schaffen, sie mühen sich, sie rackern sich ab, sie haben Pläne. Bei uns, die wir im Überfluss und in der Fülle leben, kommt das noch zu den merkwürdigsten Blüten.
Man spürt es ja in unseren Tagen: Eigentlich kann keiner um uns herum sagen, ich habe das Leben gefunden. Alle sagen, ich suche es noch. Wenn ich mal nicht mehr im Arbeitsprozess drinstehe, dann – aber die, die im Ruhestand sind, sagen auch: Du könntest ja froh sein, wenn du arbeitest, das erleben sie. Nein, das ist nicht Leben. Ich suche Leben. Und wir dürsten danach.
Die Jungen sagen: Wenn ich mal älter bin und wenn ich mal meine Wohnung habe – wenn man eine Wohnung hat, dann will man verreisen. Dann sucht man irgendwo im Ausland, dann will man an Palmenstränden suchen. Dann kommt man wieder unerfüllt zurück. Wo ist denn das Leben?
Man sucht in einer rastlosen Gier nach Lebenserfüllung und findet das Leben nicht. Und wenn man oft die klagenden Leute anhört, muss man den Eindruck gewinnen, dass die Menschen in einer Wüste leben, obwohl sie eigentlich alles haben, was das Herz begehrt.
Aber das Leben ist so schwer, das Leben ist so traurig, ich bin so unerfüllt. Darum kann sich auch keiner mehr festlegen. Da sagen Menschen plötzlich nach Jahrzehnten Ehe: Jetzt stinkt mir das, ich will nochmal ausbrechen, ich will nochmal allein sein, ich will mein Leben nochmal selber gestalten.
Und die, die allein sind, sagen: Mir fällt die Decke auf den Kopf, ich suche einen Menschen, an den ich mich hinhängen kann. Wir merken, alles, was wir aufnehmen, kann unseren Durst nicht stillen.
Die Güter, das sagen wir dann immer so: Ach, das ist ja eigentlich gar nicht wichtig. Und man nimmt ja später nichts mit, wenn man stirbt. Trotzdem haben wir so viel zusammengesammelt.
Der Durst ist so schlimm. Man sucht und sucht und sucht. Das ist ganz ähnlich wie bei der Alkoholsucht. Warum trinkt man denn? Weil der Durst nicht zu stillen ist. Der Durst ist nur kurze Zeit zu stillen.
Und wenn dann Menschen aus dem Delirium wieder aufwachen und eine kurze Zeit vergangen ist und der Kater verrauscht ist, dann wacht der Durst wieder auf. Das Schlimme ist, dass er unstillbar ist.
Da gibt es so einen Schlager, der das ganz super beschreibt: Ich wünsche mir einen Biersee so groß wie der Schliersee, und ich wäre ein Fisch. Mein Durst ist so groß, dass das, was mich füllen sollte, nicht weit genug sein kann. Besser kann man es nicht beschreiben.
In einem Dorf auf der Schwäbischen Alb war ein notorischer Säufer. Er hat einmal ganz traurig gesagt: Ich weiß gar nicht, was die Leute haben. Die reden immer von meinem Trinken, aber keiner kümmert sich darum, dass ich so einen großen Durst habe.
Das ist das Problem: der Durst, jetzt trinken, durstig sein und dass es nichts gibt, was hier eine Sättigung bietet. Und das ist nur ein Teil des großen Lebensgefühls, der Sehnsucht.
Die Ursache des Durstes und die Antwort Jesu
Und jetzt tritt Jesus hinzu und sagt: Wer Durst hat – ganz allgemein, wer Durst hat – komme zu mir und trinke. Ja, das ist unerhört. Das sind doch zwei Ebenen, sagen wir. Das geht doch nicht ineinander. Die Leute suchen doch etwas ganz anderes. Und wir Christen haben uns längst auf den Leim gekrochen und gesagt: Ja, ja, das sind zwei verschiedene Ebenen – der Glaube auf der einen Seite und die praktischen Lebensnöte auf der anderen.
Wir haben gar nicht mehr begriffen, dass das eine und das andere doch ganz eng zusammengehören. Die Menschen suchen sich nur Ersatzbefriedigung, weil ihre ganze Lebensfülle nicht mehr da ist. Was ist denn die Ursache unseres Durstes? Dass wir von Anfang an, von unserer Geburt her, von Gott getrennte Leute sind. Wenn wir mit anderen darüber reden, dann fängt es schon wieder an: Ja, da müssen wir davon reden, das ist die Ursache unseres Unerfülltseins, unseres Sehnens.
Am eindrücklichsten ist das im Psalm beschrieben, Psalm 42, wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser. Das kann man nur verstehen in den heißen, wüsten Ländern, wo Tiere Durst haben und schreien in ihrem Durst. Ich weiß nicht, ob Sie schon mal richtig Durst gehabt haben, wo Sie sagen: Ich halte es nicht mehr aus, die Zunge ist geschwollen, mein Mund ist trocken, ich brauche jetzt irgendetwas, ich muss jetzt einfach nur trinken, trinken, trinken.
Es ist heute fast schon ein Rezept, es ist typisch, dass wir vielen jungen Leuten einfach sagen: Man muss eben seine Sehnsüchte ausleben. Die jungen Leute sollen ihre großen Wunschträume versuchen zu verwirklichen, obwohl wir wissen, dass es oft utopische Halluzinationen sind, die nichts bringen. Und bei uns ist es so, dass man meint, man könne es hektischer gar nicht mehr steigern. Man sagt, man darf alle Tabus brechen, alle Gebote zerbrechen, man darf alles auf den Kopf stellen – alle Lebensziele. Vielleicht finden es die Jungen, was die Alten nicht gefunden haben.
Und immer noch die heimliche Sehnsucht: Unsere Jungen sollen es ein bisschen besser haben, als wir es gehabt haben. Vielleicht kommen sie dem Geheimnis des Lebens auf die Spur. Nein, das, was der Psalm sagt, ist richtig: Meine Seele dürstet nach dem lebendigen Gott. Wann werde ich dahin kommen, dass ich das Angesicht Gottes sehen darf?
Es gibt keine Erfüllung aller Menschenträume, wohin wir auch gehen. Wir werden überall nach kurzer Zeit enttäuscht und leer zurückkommen und Neues suchen – außer wenn Gott uns Befriedigung schenkt. Und das hat Jesus so einmalig in diesem Wort beschrieben.
Es war beim Laubhüttenfest, und Jesus wartet bis zu diesem höchsten Festtag, dem siebten Festtag. Das war für jüdische Festpilger schon etwas Besonderes. Wir haben heute zwar einen zweiten Feiertag, aber sie wollten sieben feiern. Sie lebten dort mit ihrem ganzen Herzen, mit ihrem ganzen Gefühl im Heiligtum, wenn die Priester die Gebete darbrachten, wenn Gott angebetet und gepriesen wurde, wenn die Psalmlieder erklangen.
Am letzten Tag gab es immer noch die Erinnerung an den Wüstenzug des Volkes Gottes durch die Wüste dieser Welt. Da sahen sie all die Bedrängnisse, die Leiden, die Ängste, die ihnen zu Hause wieder begegnen. So müssen wir doch durch die Welt gehen. Und viele hatten schon wieder Angst vor morgen: Was kommt da?
Dann ging die Prozession hinunter zum Teich Siloah. Es war ein glutheißer Tag. Oben auf dem Berg gibt es nicht viel Wasser, aber unten im Teich Siloah fließt die Gihon-Quelle hinein. Dort schöpfte der Priester eine Kanne Wasser. Dann lief man hinauf. Der Priester schüttete die Kanne Wasser über dem Brandopferaltar aus.
Dann schrie das Volk begeistert: „Ihr werdet mit Freuden Wasser schöpfen aus dem Heilsbrunnen!“ Das ist die alte Gottesverheißung. Unser Gott hat Wassers Fülle. Bei Gott bekomme ich Sättigung, bei Gott bekomme ich Befriedigung. Er ist die Antwort auf mein Sehnen. Dann war der Gottesdienst zu Ende.
Da herrschte eine Stille – so wie bei uns kurz bevor die Orgel mit dem Nachspiel beginnt. Und da ruft Jesus hinein, weil er spürt, jetzt gehen die Menschen nach Hause. Da bleibt das Herz unerfüllt und leer. Da kommen all die alten Sehnsüchte wieder hervor: das, was im Leben einem nicht geschenkt wurde, das, was Gott einem vorenthalten hat, die Enttäuschungen, die ganze Bitterkeit, der innere Ärger und der Missmut.
Das haben die Chöre nicht stillen können, und das hat auch der Tempelgottesdienst nicht wegnehmen können. Da bleibt eben dieser schreckliche Bruch zwischen Sonntag und Werktag. Jetzt ist das Fest zu Ende. Und dann sagt Jesus: Wer jetzt noch Durst hat, der komme zu mir und trinke.
Da bietet Jesus an, diesen Durst zu stillen. Ich kann es Ihnen jetzt nur verkündigen und Ihnen vorlegen. Nehmen Sie Jesus so in Ihr Leben auf, trinken Sie, wie man einen Schluck Wasser nimmt und trinkt – durstig und erquickt.
Die Kraft des Geistes und das Zeugnis der Christen
Es ist gut, dass in der Bibel mehrfach davon gesprochen wird, besonders im Johannesevangelium. Mich hat dieser nordirische Missionar, der gestern zu Besuch war, sehr gefreut. Seine dringendste Bitte war, Johannesevangelien für Mazedonien zu bekommen. Da habe ich gesagt: Das ist prima, denn im Johannesevangelium steht genau das drin – vom Durst und davon, dass man Jesus aufnehmen muss.
Zum Beispiel die Geschichte, in der Jesus mit der Samariterin am Brunnen sitzt – ist das nicht schön? Eine Frau mit einem schwierigen Lebenslauf, bei der alles zerbrochen ist. Jesus hält sich gar nicht dort auf, wo wir uns oft aufhalten: bei der Problemanalyse. Wir fragen uns ständig, warum die Frau so unerfüllt ist und wie man ihr zu einem vernünftigen Liebesleben verhelfen kann. Wir sind ja schon fast Sexualtherapeuten geworden. Aber Jesus sagt einfach: „Trinkt von dem Wasser!“ Und dann lösen sich die anderen Fragen.
Haben Sie noch den Mut, das so simpel zu sagen? Wer von dem Wasser trinken wird, das ich ihm gebe, wird in Ewigkeit nie mehr dürsten. Wer Jesus in seine Not aufnimmt – und das ist zuerst einmal unsere Gottesferne –, wird erfrischt. Unsere Gottesferne zeigt sich in den Wunden, die das Leben geschlagen hat, weil wir oft ohne Führung des lebendigen Gottes und gegen seinen Willen gehandelt haben. Das sind die schlimmen Dinge, die geschehen sind und unser Leben vergiften.
Wenn Jesus heute in unser Leben kommt und Heilung sowie Vergebung zuspricht, werden wir wunderbar erquickt und erfrischt. Dann werden wir nicht mehr dürsten. Und das ist wahr, was Jesus sagt – allen menschlichen Theologien und Meinungen zum Trotz. Viele haben schon gespottet, doch es ist nur das eine, was wirklich nottut: dass ich Jesus aufnehmen muss, von ihm nehme, von seinen Gaben.
Er kommt zu mir mit durchbohrten Händen und sagt: „Ich habe für dich gelitten und gebe dir meine Vergebung. Jetzt ist alles Alte weggetan. Ich halte dich fest an meiner Hand und bin bei dir.“ Das ist besonders wichtig für Menschen, die vom Gottesdienst zurück an den Platz ihres Lebens gehen müssen – einen Platz, der ihnen oft schwerfällt und sich anfühlt wie eine Wüste.
Jesus sagt: „Ich gehe mit dir.“ Er verheißt, dass die, die an ihn glauben, die sich fest mit ihm verbinden und ihm ganz vertrauen, zu einem Brunnen werden. Ein Brunnen, aus dem Ströme lebendigen Wassers fließen.
Die Wirkung des lebendigen Wassers im Leben der Gläubigen
So könnte keiner von uns denken. Wahrscheinlich waren all unsere Erwartungen viel kleiner. Wir hätten sagen können: Herr Jesus, ich wollte gern hier und da ein Segen sein. Ich wollte gern meinen Kindern oder vielleicht den Menschen, vor die du mich gestellt hast, oder den Leuten, denen ich begegne, etwas Positives geben.
Jesus aber sagt: Nein, Ströme müssen sein! Ich will Ströme geben. Wissen Sie, was ein Strom ist? Nicht ein Fluss, sondern ein Strom! Schauen Sie sich den Rio de la Plata an, kilometerweit den Amazonas. Das hat Gott immer wieder bei Menschen gemacht, die ganz fest seinem Sohn Jesus vertrauen und zu ihm gekommen sind. Da sind Ströme frischen Quellwassers ausgegangen, Ströme lebendigen Wassers, die sich in unsere dürre, kalte, dürstende Welt ergossen haben.
Können Sie ahnen, was dort geschehen könnte, wo Sie wohnen, unter den Menschen, mit denen Sie arbeiten? Ganz einfach, weil Sie da sind und der Geist Gottes in Ihrem Leben wirkt.
Ich habe mich zuerst gefreut, als Jesus davon spricht, dass unser Leib die Ströme lebendigen Wassers gibt – der Leib. Wir reden ja wenig von unserem Leib. Damit sind doch unsere Hände, unsere Füße, unsere Erscheinung gemeint, die ja vielen nur ein Ärgernis ist. Unsere Worte, unsere Blicke – die sollen lebendiges Wasser vermitteln.
Können Sie es schon, mit Ihren Augen Menschen Mut zusprechen? Durch Ihre Gastfreundschaft, durch Ihr aufmunterndes Wort, durch Ihr Grüßen? Das ist wunderbar. Es geht ja manchmal so, wie man hört, immer wieder so: Wir sind oft Menschen begegnet, die einfach uns erquickt haben. Diese Menschen waren eine Freude, wenn man sie traf. Da war gar nichts Besonderes, sondern man spürte eine Nähe Gottes, die durch ihr ganzes Wesen hindurchstrahlte.
Dass unser ganzes Haus und all das, was wir tun, geheiligt ist dem Herrn und brauchbar wird, hat Exupery einmal erzählt. Er musste notlanden in einem Wüstengebiet. Er war Kurierflieger im Zweiten Weltkrieg und litt zusammen mit seinem Co-Piloten schrecklich unter Durst. Erst nach Tagen fanden sie dort Nomaden, Wüstenbewohner, die ihnen von dem Wasser, das sie dabei hatten, nur ein paar Schlucke gaben.
Exupery, der das so gut beschreiben kann, sagt: Was ist Wasser eigentlich? Wasser, das ist doch gar nichts, da ist nichts drin. Wasser ist eigentlich nur das, was das Leben zusammenhält. Genau das ist es, was Jesus uns gibt.
Da bleibt unser kranker Leib, da bleibt unser schwacher Leib. Ich wünsche Ihnen, dass Sie gesund werden und wieder wie ein Vierzehnjähriger stark werden. Aber Gott lässt Sie oft in der alten Schwachheit. Auch Christen haben oft mit Problemen zu tun. Und dennoch ist das wie beim Wassertrunk, den man trinkt: Der ganze Leib wird plötzlich von einer neuen Frische, von einer neuen Lebendigkeit erfüllt. Von diesem Leib gehen Ströme lebendigen Wassers aus in eine Welt hinein, die dürstet nach Leben.
Das dürfen die Älteren wissen: Unsere jungen Leute haben ganz genau ein Auge darauf. Sie können sehr wohl unterscheiden, wenn sie die Bilder der Staridole der Musik anschauen und an das Gesicht mancher älteren Frau oder mancher älteren Christen denken.
Plötzlich spürt man: Da ist mehr von der Lebensvitalität drin, auch wenn der Rücken schon gebeugt ist und man am Stock geht. Da ist eine solche Lebensfrische, eine solche Fröhlichkeit, eine solche mutmachende Freude drin, die Jesus denen gibt, die an ihn glauben. Menschen, die nicht mehr an den vergänglichen Schätzen dieser Welt hängen, sondern deren Blick weit hinausrichtet ist und die fröhlich der Ewigkeit zuwandern.
Die Herausforderung des Glaubens in der heutigen Welt
Vor ein paar Tagen war ein afrikanischer Staatspräsident in Stuttgart und hielt eine Ansprache, die mich schockierte. Es war der Staatspräsident von Uganda, Museveni. Er sagte, dass er von den Christen eigentlich nie etwas Gutes erwartet habe. In den sechziger Jahren, als in seinem Land Idi Amin herrschte, hätten die Christen immer nur von der Ewigkeit geredet. Seitdem hasse er die Christen, denn er habe viel lieber mit der Waffe in der Hand gekämpft.
Ich war erschrocken und dachte: Das ist der Mann, der mitschuldig ist an dem großen Blutbad von Ruanda. Er hat über Jahrzehnte hinweg die Tutsis ausgerüstet und bewaffnet. Danach sagte er, er wolle auch gern mit den Christen zusammenarbeiten, wenn man real sehe, dass man die Welt umgestalten müsse.
Ja, wir wollen die Welt umgestalten, aber nicht mit den tödlichen Mitteln dieser Welt. Nein, das ist es nicht. Als der Staatspräsident diese Worte sagte, war ich erst erschrocken und dachte: War es uns Christen nicht auch oft so? Mir selbst ging es so, dass wir immer wieder meinten, zu all den Lösungen, die heute in der Welt da sind, auch noch unser Ja geben zu müssen – nur damit es Anerkennung findet.
Wir haben den jungen Leuten gesagt: Ja, das ist wichtig, dein Beruf, das ist wichtig, deine Gefühle, und das ist wichtig, all das, was du willst. Aber wir haben ihnen auch gesagt: Nur was du für die Ewigkeit lebst, das ist wichtig. Und jeder Tag heute ist ein Tag, der auf die Ewigkeit zuläuft.
Ich habe gedacht, ich möchte ganz neu anfangen, wieder die Weltfremdheit zu predigen – Weltfremdheit im besten Sinn. Diese wird sich nie auflösen im Christenleben, trotz der erfüllten Träume und Sehnsüchte, die man hat. Aber wer Jesus gefunden hat, der hat für diese Welt genug gefunden.
Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde, wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet. So bist du doch alle Zeit meines Herzens Freude und mein Trost. Da wird man frei, um die Not anderer mitzutragen, frei, um sich zu verschenken, damit Ströme von unserem Leben ausgehen.
Zeugnis und Ermutigung zum Glauben
Wir haben gestern unsere Tochter besucht. Im Gespräch kam das Thema zur Sprache, und sie sagte: „Mir fällt auf, dass die meisten Christen gar nicht mehr wollen. Sie haben eine Scheu, über Jesus zu reden.“
Auf die Frage, warum das so sei, antwortete sie: „Sie sagen, sie können ja nicht mit der Tür ins Haus fallen. Sie wollen erst warten, bis sich eine passende Gelegenheit ergibt.“
Dann erzählte sie, dass sie als Mutter von Kindern sich mit ihren Nachbarn über alles unterhält. Sie sprechen darüber, was gerade besonders günstig im Einkaufsmarkt zu kaufen ist oder wie schön die Blumen im Garten nebenan blühen.
Warum aber sagen wir nicht mit der gleichen Freude allen Menschen, wie schön dieser Tag ist, weil Jesus da ist? Warum teilen wir nicht mit, wie wunderbar es ist, dass er meine Schuld weggenommen hat? Warum erzählen wir nicht, wie fröhlich ich bin, dass er meine Todesfrage geklärt hat und wie sicher ich unter seinem Schutz leben kann?
Wir sollen Ströme lebendigen Wassers weitergeben. Der Geist Gottes will das durch unseren Leib hindurch tun – ganz gleich, ob dieser schon von Falten durchzogen ist oder ob es ein jugendlicher Leib ist. Wie alt jemand ist, spielt keine Rolle, ebenso wenig, ob Mann oder Frau, verheiratet oder ledig.
Was bedeutet es, wenn Ströme lebendigen Wassers von unserem Leib fließen und viele Menschen durch uns satt werden? Die Sehnsucht wird erst in der Ewigkeit richtig gestillt werden – auch das möchte ich Ihnen sagen.
Solange wir leben, wird der Durst nur größer werden. Ich will mich an Lebensbächen laben – einmal in der Ewigkeit. Der Strom, der reine, lautere Strom, der vom Thron Gottes fließt, wird all meine Sehnsüchte stillen. Aber schon heute darf ich die Fülle davon haben.
Ich will immer mehr von ihm haben, damit ich weitergeben kann in eine hungernde Welt. Es gibt so viele Bedrückte, Leidende, Zweifelnde, Zagende und Mutlose unter uns – Menschen, die nicht mehr weiterwissen.
Diesen Menschen dürfen wir sagen: „Er führt mich zum frischen Wasser. Ich habe es erlebt, und ich darf dich mitnehmen. Komm, trink doch.“ Amen.
Gemeinsames Gebet und Segen
O Heiliger Geist, kehr bei uns ein.
Wir singen die Verse 1 bis 3 und beten: Herr Jesus Christus, du lädst die Durstenden ein, und das sind wir. Nicht nur, weil wir unerfüllte Sehnsucht haben oder unbefriedigt sind, sondern weil wir besonders unter unserem unheiligen Leben leiden, unter unserem Ungehorsam und unserer Untreue.
Auch weil wir deinem Namen so viel Schande machen und so wenig Leben weitergeben können. Doch das kommt nur daher, dass wir nicht zu dir kommen. Darum kommen wir jetzt zu dir, damit du dein Lebenswasser gibst, dein Geist unser Leben erfüllt und du uns brauchbar und tüchtig machst.
Du kannst deine Liebe in uns ausschütten, damit wir Liebe weitergeben können – deinen Frieden, deine Güte, deine Sanftmut und deine Barmherzigkeit. Wir danken dir, dass du nicht nur Schuld vergibst, sondern uns durch Reinigung und Erfüllung mit deinem Geist zu neuen Menschen machst, zu neuen Kreaturen.
Herr, wir wollen immer mehr von dir. Lass uns immer mehr umgestalten, erneuern und verändern. Wir wollen ein Segen sein, auch dort, wo du uns hingestellt hast. Du willst jeden zum Segen setzen – auch die Kranken, die Behinderten, die Alten, die Jungen und die Kinder unter uns.
Und du machst das wahr – durch alle Widerstände und Hindernisse hindurch. Wir freuen uns, dass dein Geist so mächtig ist und bitten dich, auch unsere Gemeinde zu beleben: mit all dem, was wir tun, mit den Gruppen und Kreisen, mit allen Besuchen, die gemacht werden, mit allem Zeugnis, das auch jetzt geschieht, mit allem, was wir weitersagen, auch wenn wir von hier weggehen.
Geh du mit uns und setze uns zum Segen.
Lasst uns gemeinsam beten:
Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name,
dein Reich komme,
dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute,
und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.
Nun singen wir noch einen Gebetsvers vom Heiligen Geist, den Sie alle kennen. Er ist im wunderschönen Sommerlied „Geh aus, mein Herz, und suche Freude“ enthalten, Vers 14:
„Mach in mir deinem Geiste Raum“ (371, Vers 14).
Die weltweite Bedeutung von Pfingsten und Mission
Gestern sagte ich, dass Pfingsten eigentlich ein Tag der Weltevangelisation und der Mission ist. Wir vergessen so leicht, wie dunkel Europa als Kontinent in Bezug auf die Verkündigung des Evangeliums ist. Unter den Ländern, die am wenigsten vom Evangelium erreicht sind, gehören die französischsprachigen Länder dazu. Vielleicht ist das eine Folge der schrecklichen Hugenottenverfolgung, bei der eine Million Menschen ums Leben kamen – ein Martyrium.
Ganz besonders gilt das für Belgien. Dort wurde das Evangelium schon früh in der Reformationszeit verkündet. Doch dann wurden die Zeugen des Evangeliums mit brachialer Gewalt verfolgt. Es gab schreckliche Todesurteile und Verbrennungen, durch die viele ausgerottet wurden.
Aus unserer Familie stammt Berthold Lamparder mit seiner Frau, geboren in Kümmel, Belgien. Sie arbeiten dort als Missionare der belgischen evangelischen Mission. Wir freuen uns, dass sie immer wieder neue Aufgaben anpacken. Berthold Lamparder ist in einer Stadt tätig, in der es nur eine ganz kleine Gemeinde gibt.
Nun müssen sie ihren bisherigen Ort verlassen. Die Miete wurde so stark erhöht, dass die Gemeinde sie nicht mehr bezahlen konnte. Deshalb müssen sie umziehen. Dabei haben sie die Gelegenheit, etwas Neues zu bekommen. Gleichzeitig baten sie uns um außerordentliche Hilfe für den Ausbau des kleinen Gemeindesaals.
Wir wollen sie dabei auch in der Fürbitte unterstützen. Wenn Sie einmal in Belgien sind, denken Sie daran, diese verstreuten kleinen Gemeinden aufzusuchen und Gemeinschaft mit den dortigen Christen zu pflegen.
Heute wollen wir für diesen neuen Gemeindesaal in Belgien spenden, für unseren aus der Gemeinde entsandten Missionar Berthold Lamparder.
Abschluss und Segenswünsche
Und nun will der Herr auf Sie seinen Segen legen. Ich hoffe, dass Sie nicht mehr im Unklaren sind, ob Sie den Geist Gottes haben.
Sie dürfen sich ausstrecken. So wie Kinder ihren leiblichen Vater um Brot bitten, dürfen Sie den himmlischen Vater darum bitten, dass er Ihnen seinen Geist gibt. Dieser Geist ist sieghaft, ein Geist der Kraft und der Stärke.
Herr, segne uns und behüte uns. Herr, lass dein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Herr, hebe dein Angesicht auf uns und gib uns deinen Frieden!
