Einführung: Die Suche nach Gewissheit in religiösen Fragen
Das Thema heute Abend lautet: Gibt es Gewissheit in religiösen Dingen? Nach dem, was ich Ihnen gestern Abend gesagt habe, gibt es in religiösen Dingen keine Gewissheit. Besser gefragt wäre: Gibt es im Christentum Gewissheit? Gibt es im Christentum Gewissheit? So würde ich es besser formulieren.
Zunächst möchte ich sagen, dass wir Menschen von heute eigentlich komische Typen sind. Neulich gehe ich über die Straße und treffe eine Frau mit ihrem Jungen. Ich sage: Guten Tag, wo gehen Sie hin? Die Frau antwortet: Zum Arzt. Ich frage: Warum gehen Sie zum Arzt? Sie sagt: Ja, wissen Sie, wenn der Junge den Arm hochhebt, tut ihm das immer so weh. Ich antworte: Lass ihn doch den Arm unten lassen, dann tut es nicht weh. Darauf sagt sie: Tja, wissen Sie, man möchte doch wissen, ob es etwas Schlimmes ist.
Da dachte ich: Sehen Sie, wenn jemand so ein kleines Wehwehchen hat, dann rennt er zum Doktor. Er will genau wissen, wo er dran ist, nicht wahr? „Tut hier so weh, Herr Doktor, habe ich Krebs oder nur eine kleine Verrenkung?“ Man will wissen, woran man ist. So ist es nicht nur auf dem Gebiet unseres Körpers, sondern auf allen Gebieten. Wir wollen wissen, wo wir dran sind.
Ich habe neulich folgende nette Geschichte gehört: Bei uns im vornehmen Viertel von Essen sucht eine Familie eine Hausgehilfin. Eine bewirbt sich. Die Frau sagt: „Was verdienen Sie denn?“ Sie antwortet: „Ja.“ Die Frau erklärt: „Sie haben ein eigenes Zimmer, fließend warmes und kaltes Wasser, Fernsehapparat, Musiktruhe, einmal die Woche ganz frei.“ Die Bewerberin sagt: „Ja, schön und gut, aber ich will wissen, was ich verdiene, also ein paar Geld.“ Die Frau sagt: „Was wir außerdem allen geben, müssen wir noch klären. Ich muss sehen, was Sie leisten.“ Darauf sagt die Bewerberin: „Die Stelle nehme ich nicht an. Ich möchte von vornherein wissen, was ich kriege.“ Haben Sie Recht? Sie sehen, zu Recht.
Wir wollen wissen, wo wir dran sind. Wir wollen wissen, was hier im Portemonnaie drin ist, nicht wahr? Da dulden wir keine Ungewissheit. Auf allen Gebieten wollen wir wissen, wo wir dran sind – nur auf dem allerwichtigsten Gebiet, nämlich Gott gegenüber, dem lebendigen Gott gegenüber, halten wir es in einer merkwürdigen Unklarheit aus.
Die Unklarheit im Glauben vieler Menschen
Ich bin überzeugt, wenn ich durch die Kirche gehe und frage: „Sagen Sie bitte mit Ja oder Nein, lebt Gott oder lebt Gott nicht?“, dann sagt etwa ein Drittel: „Ja, genau weiß man es nicht.“
Und wenn ich die gläubigen Christen frage: „Sind Sie ein Kind Gottes? Können Sie bis zum Schwören sagen, dass Ihr Schuldbrief zerrissen und die Zahl nicht vollbracht ist?“ Dann antworten sie: „Ja, ich hoffe doch.“
Sehen Sie, so kommt es, dass Christen und Heiden es erträglich finden, in großer Ungewissheit und Unsicherheit zu leben. Jedes Verbrechen am Körper muss genau festgestellt werden, was es ist. Körperlich muss alles klar sein, aber Gott gegenüber herrscht Unklarheit.
Wenn ich durch Schriesheim gehe und die Männer anspreche, die heute Abend nicht gekommen sind, und frage: „Glauben Sie, dass ein Gott lebt?“, sagen sie: „Ja, wird wohl einer sein.“ Frage ich weiter: „Gehören Sie ihm?“, antworten sie: „Weiß ich nicht.“
Sehen Sie, welche unerhörte Unklarheit sich auch stabile, richtige Männer auf dem Gebiet leisten, dass sie so leben. Neulich erlebte ich es bei einem meiner jungen Freunde. Er ist Student und verdient sich sein Geld auf dem Bau, als Hilfsmaurer, während er sein Semester studiert.
Eines Tages kommen die Kollegen dahinter, dass er in der evangelischen Jugendarbeit mitarbeitet. Dann geht es los: „Du bist ja bei Pastor Wusch! Sicher gehst du sonntags in die Kirche?“ – „Ja, jeden Sonntag.“ – „Jeden Sonntag? Bist du wahnsinnig?“ – „Ich gehe sogar unter der Woche in die Bibelstunde.“
Dann beginnt der große Spott: „Du musst verrückt sein! Die Pfaffen machen die Leute nur dumm. Die verdienen im Monat, ich weiß nicht, zwei Millionen oder acht Millionen oder so. Das ganze Christentum hat versagt. Es hatte zweitausend Jahre Zeit und hat versagt. Außerdem ist die Bibel großer Unsinn.“
Kurzum, ein riesiger Spott geht über den jungen Mann los. Er hat ein Fell wie ein Elefant und lässt das alles über sich ergehen. Als die Brüder fertig sind, sagt er: „Tja, wo ihr so zum Christentum steht, kann ich ja wohl annehmen, dass ihr alle aus der Kirche ausgetreten seid.“
Es herrscht Schweigen in der Runde. Dann sagt einer, ein Älterer: „Was heißt hier aus der Kirche ausgetreten? Ich glaube auch an den Herrgott. Du tust, als ob du allein ein Christ wärst. Ich bin auch ein Christ, ich glaube auch an den Herrgott.“ Die anderen stimmen zu: „Überhaupt diese Art von dir, dass du dich besser fühlst als wir. Wir sind auch Christen, wir glauben auch an den Herrgott.“
Plötzlich war der ganze Spott umgedreht. Auf einmal riefen sie unisono: „Wir glauben auch an den Herrgott, wir sind auch Christen!“
Mein Freund sagt: „Als sie fertig waren, fragte ich: Warum verspottet ihr mich denn so?“
Sie antworteten: „Ach, du machst einen nur verrückt, mit dir kann man nicht reden.“
Verstehen Sie, stabile Männer, die auf einem Satz drei Flaschen Bier austrinken können, wenn sie ordentlich geschwitzt haben auf dem Bau, spotten zuerst mit großem Getöse über das Christentum. Wenn man dann sagt: „Mensch, dann mach doch endgültig Schluss!“ sagen sie: „Moment, ich bin auch ein Christ.“
So könnte es in Schriesheim genauso passieren, nicht wahr? Oder in Weinheim? Die Geschichte zeigt: Aus dem Gebiet erlaubt man sich die größte Ungewissheit, die größte Unsicherheit. Auf allen Gebieten wollen wir wissen, woran wir sind. Nur Gott gegenüber bleibt alles offen.
Da sind wir bald christlich, bald heidnisch. Wenn die Nazis kommen und sagen: „Raus!“, dann treten alle aus der Kirche aus. Wenn dann wieder 1945 Konrad kommt, dann wieder rein. Wenn eines Tages die Roten kommen, dann wieder raus. Alles ist im Fluss, nur keine Sicherheit, nicht wahr?
Ja, meine Freunde, habe ich Recht? Und ich fürchte, dass die allermeisten von Ihnen auch in dieser Ungewissheit, Unsicherheit und Unklarheit leben.
Die verbreitete Meinung über Glaubensgewissheit
Jetzt ein zweites: Sie werden mir vielleicht ganz erstaunt entgegnen: Ja, Pastor Busch, hat der christliche Glaube denn wirklich mit Gewissheit zu tun? Ist das nicht gerade der Witz am Christentum, dass man dort nichts weiß und alles bloß glauben muss?
Vor kurzem sagte mir ein Mann wieder einmal den schönen Satz, den ich in meinem Leben vielleicht zehntausendmal gehört habe: "Wissen Sie, dass zweimal zwei vier ist, das weiß ich. Aber im Christentum, da weiß man nicht, da muss man eben glauben."
Da ist also die Vorstellung: "Zweimal zwei ist vier, das weiß ich ganz sicher. Aber die christlichen Dinge – da muss ich meinen Verstand in den Koffer packen, in der Garderobe abgeben und einfach so ins Ungewisse, Unbestimmte irgendetwas glauben." Das ist die Überzeugung der meisten.
Oder da steht einer vor mir und sagt: "Ja, Pastor Busch, ihr Christen seid euch ja selber nicht einig. Nicht wahr, da gibt es Katholiken, da gibt es Evangelische, Lutheraner, Reformierte und Baptisten. Wer hat denn Recht? Mensch, da hat ja kein Mensch eine Ahnung, was richtig ist."
Ich glaube, dass die ganze Christenheit im Grunde überzeugt ist, dass der christliche Glaube das ungewisseste und unsicherste ist, was es gibt. Und sehen Sie, das ist ein riesengroßer Unsinn.
Die biblische Gewissheit im Christentum
Und was ich jetzt sage, das bitte ich Sie mitzunehmen. Ich muss Sie bewundern, dass Sie bei dieser schwülen Temperatur gekommen sind. Ich kann mir vorstellen, dass Ihnen hier sehr warm ist und Sie tagsüber gearbeitet haben. Vielleicht schlafen Sie deshalb leicht ein.
Deshalb bitte ich Sie, die nächsten Sätze jetzt ganz wach in sich aufzunehmen.
Sehen Sie, was Christentum ist, das erfahre ich doch nur aus dem Neuen Testament, oder nicht? Da darf ich nicht Herrn Schulz oder Herrn Meyer fragen. Da schaue ich ins Neue Testament, und jede Zeile ist erfüllt mit strahlender Gewissheit. Bitte nehmen Sie mir das ab!
Es ist lächerlich, dass die Christenheit so in Unklarheit lebt, aber am Christentum liegt das nicht. Nein, das ganze Neue Testament ist erfüllt mit strahlender Gewissheit. Ich will Ihnen das kurz zeigen.
Da ist eine ganz große Gewissheit, dass Gott lebt – nicht ein höheres Wesen, nicht die Vorsehung, nicht das Schicksal, nicht in Herbert, sondern Gott, der Vater Jesu Christi, ist da!
Und woher wissen wir das? Er hat sich in Jesus geoffenbart. Nun wissen wir das hundertprozentig. Es gibt so ein Lied: „Gott lebt!“ Ausrufezeichen. Sein Name ist Leben und Stärke, er heißt der ewigen Sonne und Schild.
Gott lebt, sein Name gibt Leben und Stärke, Gott lebt!
Schlagen Sie die Bibel auf, wo Sie wollen: Dort werden keine religiösen Probleme erst geschaffen, sondern bezeugt, dass Gott lebt, Gott lebt, der sich in Jesus geoffenbart hat.
Und der Mensch, der ohne dieses Wort lebt, der lebt schräg, verkehrt, falsch. Er ist so närrisch wie jemand, der beim dicksten Verkehr um die Autobahn geht und sagt: „Was geht mit dem Verkehr?“
Es ist lauter Gewissheit in der Bibel. Da ist ebenso die Gewissheit, dass dieser Gott der Völker vernichten kann, dass er Gericht halten wird und dass er mich brennend liebt. Das wird nicht vermutet, sondern lesen Sie mal Römer 8: „Ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben mich kann trennen von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.“
Die Liebe Gottes kam in Jesus zu uns. Da vermuten wir nicht, dass Gott uns lieb hat. Da ist ein Mann namens Paulus. Den haben sie eines Tages verhauen, völlig ungerecht, mitgegeißelt und dann in ein häusliches Gefängnis geworfen, zusammen mit seinem Kollegen.
Um Mitternacht fangen die beiden an zu singen. Sind die verrückt geworden? Nein, im Gegenteil! Sie halten sich mehr aus vor Freunden an der Liebe Gottes, die in Jesus kam. Müssen sie singen? So gewiss ist ihnen das.
Da könnte jemand sagen: „Ja, er liegt im Gefängnis, der muss ja wahnsinnig sein.“ Wo ist die Liebe Gottes? Er hat uns in Jesus geliebt.
Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unser Herz, und wir müssen singen vor Freude.
Kennen Sie das? Haben Sie eine Ahnung davon? Haben Sie eine Ahnung davon?
Es ist gewiss, dass Gott lebt, es ist gewiss, dass Gott mich liebt. Die Menschen der Bibel sind gewiss geworden, dass sie ihm gehören.
Da sagt einer im 50. Psalm: „Er wird mich erlösen von der Hölle Gewalt, denn er hat mich angenommen.“ Ich hoffe, ich werde mal selig oder so? Nein, ich weiß, er hat mich angenommen.
Oder ich zitiere nur so: „Er hat uns errettet von der Obrigkeit der Finsternis und versetzt in das Reich seines lieben Sohnes.“
Wir haben eine Existenzveränderung erlebt durch Jesus, und wir wissen das. Wir wissen, dass wir vom Tod zum Leben gekommen sind. Können Sie das sagen? Wir wissen, dass wir vom Tod zum Leben gekommen sind.
Ich weiß, dass mein Erlöser lebt.
Die Bibel ist voll von lauter Gewissheit.
Woher kommt in unserem Volk dieser unsinnige Satz: „Zweimal zwei ist vier, das weiß ich, aber am Christentum muss ich glauben“?
Zweimal zwei ist vier, das weiß ich. Aber dass Gott lebt, weiß ich noch viel gewisser.
So sagt die Bibel: „Zweimal zwei ist vier, das weiß ich. Aber dass Jesus uns lieb hat, das weiß ich noch viel gewisser.“
Und die Menschen der Bibel, die sich bekehrt haben zum lebendigen Gott, sie sagen: „Zweimal zwei ist vier, das wissen wir. Aber dass wir Kinder Gottes geworden sind, das wissen wir noch viel gewisser.“
Die Notwendigkeit der Rückkehr zum Neuen Testament
Jetzt frage ich Sie: Wo findet man in der heutigen Christenheit eine solche strahlende Gewissheit? Wo?
Daran merken Sie, dass wir ein bisschen weit vom Neuen Testament weggekommen sind. Und da müssen wir wieder hin zurück. Hören Sie doch auf mit so einem bisschen Christentum! Wissen Sie, es lohnt sich nicht, nur ein bisschen Christentum zu haben. Es lohnt sich nur, wirklich einen neutestamentlichen Christenstand zu haben. Das lohnt sich.
Gewiss sein, dass man ein Kind Gottes ist, gerettet und versöhnt, den Heiligen Geist hat und es weiß – das lohnt sich. Alles andere lohnt sich nicht.
Sehen Sie, dieselbe strahlende Gewissheit klingt uns entgegen aus dem ganzen Gesangbuch. Ich will nur mal so zitieren: „Nun weiß und glaub ich's feste, ich rühm’s auch ohne Scheu, dass Gottes Höchst und Beste mein Freund und Vater sei.“
Ich habe das meinen Konfirmanden immer so aufsagen lassen. Nun, beim Glauben bin ich beste, und bei der Konfirmandenprüfung brüllten sie los, als alle Eltern zusammenzuckten und aufschauten. Ich wollte das ihnen gern beibringen: Christenstand ist nicht ein Wandern im feuchten Nebel, sondern wirklicher Christenstand ist ganz feste und strahlende Gewissheit.
Oder: „Der Grund, da ich mich gründe, ist Christus und sein Blut.“ Oder: „Ich weiß, woran ich glaube, ich weiß, was festbesteht, wenn alles hier im Staube wie Staub und Rauch verweht.“
Ah, meine Freunde, das möchte ich den Weltmenschen sagen und allen Halbbekehrten und halben Christen: Christenstand hat nichts mit Ungewissheit und Unsicherheit zu tun.
Nehmen Sie mal ein solches Wort: „Sein Geist gibt Zeugnis meinem Geist, dass ich ein Kind Gottes bin.“ Sehen Sie, das gibt ein anderes Bild, als wenn man so gemein hinhackt, nicht?
Sehen Sie, das kommt daher, dass man das Wort „Glauben“ so verkehrt versteht. Also: Da treffe ich einen auf der Straße, meine Uhr ist stehen geblieben, ich sage: „Verzeihen Sie, wie viel Uhr ist es?“ Er sagt: „Ich glaube, es ist jetzt halb vier.“ Das heißt so viel wie: Genau weiß ich es nicht.
Man hat also aus dem Wort „Glaube“ etwas gemacht, was man nicht ganz genau weiß. Und das Gegenteil ist richtig: Christlicher Glaube ist feste Gewissheit.
Und jetzt lassen Sie mich es nochmals anders sagen: festeste Gewissheit, dass objektiv Gott lebt und seine Offenbarung in Jesus Wahrheit ist, auch wenn die ganze Welt sie ablehnt; dass Jesus zur Versöhnung starb und Sünder errettet, und wenn keiner von Gebrauch macht, ist das wahr; dass Jesus von den Toten auferstanden ist.
Der Gläubige weiß das, wenn zehn Professoren aufsteigen und einem gläubigen kleinen Jungen erklären, dass Jesus nicht auferstanden ist. Nicht! Dann sagt der am Schluss, verehrte zehntausend Professoren, ich sage mit Hiob: „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt.“ So spricht der Glaube, in großer Gewissheit.
Die Kraft des Glaubens im Widerstand
Ich habe einmal eine nette Geschichte erlebt. Ich war in einem badischen Regiment im Ersten Weltkrieg, bei den Fünfzigern in Karlsruhe. Wir waren damals einmal in Ruhestellung. Zu Ehren des Geburtstags des Großherzogs – damals gab es noch einen Großherzog, die ganz Alten erinnern sich – machten wir eine Parade.
Es wurde furchtbar gebimst, und ich konnte meine Beine noch so hoch werfen. Mit dem Säbel haben wir Leutnants herumgefuchtelt, es war alles dabei.
Nach der herrlichen Parade mit Schinkterra und Bumsasa zog das Offizierskasino ins Offizierskorps-Casino ein, und dort fand eine Besprechung statt.
Eine köstliche Geschichte vergesse ich nicht. Der Kommandeur sagte zu einem Oberleutnant: „Hören Sie mal, Herr Oberleutnant Schneider, ich muss leider bemerken, Sie haben einen falschen Tritt gehabt.“
Darauf richtete sich der Oberleutnant auf und antwortete: „Verzeihen Sie, Herr Major, das ganze Regiment hat einen falschen Tritt gehabt, ich habe den richtigen gehabt.“
Da habe ich gedacht: Das ist ein stolzes Wort.
Meine Freunde, so spricht der Glaube. So spricht der Glaube! Und wenn die ganze Welt ihm widerspricht, dann sagt der Glaube: „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt, ich weiß, woran ich glaube.“
Und wenn sie mich mit einer kirchenwissenschaftlichen Widerlegung überschütten, dann sage ich: „Ich weiß es besser.“
Und wenn die ganzen Leute abfielen, dann würde ich sagen: „Die ganze Welt hat einen falschen Tritt, ich habe den richtigen.“ So spricht der Glaube.
So gewiss ist er, meine Freunde, so gewiss ist ein christlicher Glaube, wie er mir im Neuen Testament entgegentritt.
Die Herausforderung zur persönlichen Gewissheit
Und nun muss ich Sie fragen: Haben Sie so etwas schon erlebt? Fehlt es noch, wenn Sie heute Abend alle nach Hause gehen und sagen: „Ich habe gemeint, ich wäre ein Christ, aber ich bin keiner. Bei mir ist ja noch alles unklar.“ Dann habe ich nicht umsonst gesprochen.
Ich erinnere mich an eine Freizeit, die ich einmal mit jungen Männern in Holland hatte. Nachts um zwei Uhr klopfte es an meine Stuckentür. Ich machte auf, und da stand die ganze Gruppe in Schlafanzügen. „Was wollt ihr?“, fragte ich. Einer sagte: „Wir haben geglaubt, wir wären Christen. Jetzt haben wir gemerkt, dass wir es nicht sind.“ Es hatte sie so unruhig gemacht, dass sie mitten in der Nacht Klarheit haben wollten.
Das ist schon etwas wert, wenn wir erkennen, dass unser ganzer Christenstand weit entfernt ist von dem, was uns im Neuen Testament gezeigt wird. Dort herrscht strahlende Gewissheit. Spörtchen, ein englischer Erweckungsprediger, hat es einmal so ausgedrückt. Er war ein großer Prediger und sagte: „Der Glaube ist ein sechster Sinn.“
Sehen Sie, wir haben fünf Sinne, um diese Welt wahrzunehmen: sehen, hören, fühlen, schmecken und riechen. Mit diesen fünf Sinnen können wir die dreidimensionale Welt erkennen. Ein Mensch, der nicht erleuchtet ist, sagt: „Wo soll Gott sein? Ich sehe ihn ja gar nicht. Und Jesus sehe ich auch nicht. Ich glaube nicht an Auferstehung und sein Kreuz.“
Wenn uns nun Gott durch seinen Heiligen Geist Erleuchtung gibt – darauf kommt es an – dann bekommen wir einen sechsten Sinn. Wir haben dann nicht nur sehen, hören, schmecken, fühlen und riechen, sondern auch einen sechsten Sinn, der die Wunder der Welt erkennt. Das ist das ewige Leben, das Jesus Christus offenbart hat: den wahren Gott, den du gesandt hast.
Der sechste Sinn ist die sichere Gewissheit.
Die Suche nach Klarheit im Gespräch mit einem Industriellen
Ich habe schon so viele Vorträge gehalten, dass ich jetzt nicht mehr genau weiß, ob ich Ihnen hier schon einmal die Geschichte von dem Großindustriellen erzählt habe. Kurz vor meiner Abreise war ich in Essen bei einem einflussreichen Mann der Industrie. Sein Bürohaus war wie ein Turm, ringsum von Glas umgeben, von dem man einen Blick über die halbe Stadt Essen hatte.
Man musste durch ein Vorzimmer, dann noch ein Vorzimmer, und noch eines, bis man schließlich vor einer Polstertür stand. Dahinter saß er. Ich saß ihm also gegenüber, und was ich von ihm wollte, war bald erledigt. Dann kamen wir ins Gespräch.
Ich sagte, es sei doch interessant, so einen Pfarrer bei sich zu haben. Sicher, das sei toll und interessant. Er antwortete: „Sagen Sie mal, ich habe nach dem Krieg einige Tagungen mitgemacht, aber ich habe den Eindruck – ja, den Eindruck –, dass das Christentum doch eine sehr unklare Sache ist.“
Er fuhr fort: „Man hat uns Vorträge gehalten über das Thema ‚Der Christ und die Wirtschaft‘, ‚Der Christ und die Aufrüstung‘, ‚Der Christ und die Abrüstung‘, ‚Der Christ und das Geld‘ und sogar ‚Der Christ und seine Großmutter‘. Aber sachlich gibt es ja Vorträge über all das, über das Christsein, Gesangbuch, Kirche. Aber man hat mir gar nie gesagt, was ein Christ ist. Das wissen die Leute offenbar selbst nicht.“
Da saß ich also in diesem schönen Büro und bekam das schonungslos vor die Stirn gesagt – oder wie wir sagen: vor die Schwarte. „Das wissen die Leute selbst nicht.“
Ich sagte: „Sie irren sich! Können Sie mir sagen, was ein Christ ist? Können Sie mir das sagen?“
Er antwortete: „Oh ja.“
Ich sagte: „Das möchte ich Ihnen klipp und klar sagen. Das ist nichts Unklares.“
Er meinte: „Die einen sagen, ein Christ ist, wer mit der Polizei nicht in Konflikt kommt. Der andere sagt, ein Christ ist, wer an Gott glaubt. Und der dritte sagt, ein Christ ist, wer kirchlich getauft und beerdigt ist. Was ist ein Christ?“
Ich setzte mich hin und sagte: „Halten Sie sich gut fest, Herr Generaldirektor. Die Antwort ist ganz klar, gar nichts Ungewisses: Ein Christ ist ein Mensch, der aus Herzensgrund sagen kann: ‚Ich glaube, dass Jesus Christus wahrhaftiger Gott ist, vom Vater in Ewigkeit geboren, und auch wahrhaftiger Mensch, geboren von der Jungfrau Maria, mein Herr.‘“
„Kennen Sie diesen Satz? Oder haben Sie den reformierten Katechismus hier? Haben Sie die Erklärung schon einmal gelernt?“
Er schaute mich entgeistert an.
Ich fuhr fort: „Ein Christ ist, der sagen kann: ‚Ich glaube, dass Jesus Christus mein Herr ist, der mich verlorenen und verdammten Menschen erlöst hat.‘“
Da nickte er. Er verstand das.
Ich sagte weiter: „Verlorene und verdammte Menschen, das sind wir. ‚Der mich erlöst hat, erworben und gewonnen von allem: von Sünde, vom Tod und von der Gewalt des Teufels.‘“
Er nickte erneut, denn davon kennt er einiges.
„Nicht mit Gold oder Silber, sondern mit seinem heiligen, teuren Blut und seinem unschuldigen Leiden und Sterben. Und dass ich sein Eigentum bin.“
„Sehen Sie, wer das sagen kann, ist Eigentum Jesu. Er hat mich erkauft von Sünde, Tod und Hölle durch sein Blut. Ich weiß es, ich bin jetzt sein Eigentum. Wer das sagen kann, Herr Generaldirektor, der ist ein Christ.“
Das ist eine große Gewissheit.
Es entstand eine kurze Stille im Büro, dann fragte er: „Wie komme ich da hin? Wie komme ich dahin?“
Ich sagte ihm: „Ich erfahre gerade von Ihrer Sekretärin, dass Sie bald in Urlaub fahren. Ich schicke Ihnen heute Nachmittag ein Neues Testament zu. Das würden Sie mitnehmen und jeden Tag ein Stück im Johannesevangelium lesen und darüber beten. So kommen Sie dahin.“
Ich möchte Ihnen auch sagen: Wer nicht jeden Tag seine stille Viertelstunde mit dem Neuen Testament verbringt, ein bisschen im Johannesevangelium oder Lukas-Evangelium liest und darüber betet, bei dem ist das Christentum überhaupt nicht lebendig. So kommen Sie klar hin.
Ihm wurde deutlich: Der Satz „zweimal zwei ist vier“ ist gewiss, aber das Christentum sei alles andere als unklar. Das ist Blödsinn.
Ich hätte es gerne noch stärker ausgedrückt, aber er hat nicht so gute Nerven.
Nein, aber Sie verstehen mich: Das Christentum, wie es mir im Neuen Testament entgegentritt, ist Gewissheit. Es sind objektive Wahrheiten, die wahr sind, und subjektiv darf ich sie im Glauben ergreifen, errettet werden und es dann wissen.
Und, meine Freunde, diese ganze unsichere Christenheit – das sind ja gar keine Christen.
Die Notwendigkeit der Gewissheit im Glauben
Wenn ich jetzt durch die Reihen gehe und sage: „Moment mal, Mutti, wenn Sie heute Abend überfahren werden, sind Sie tot. Kommen Sie dann in den Himmel?“, dann bekomme ich zu hören: „Ja, ich hoffe doch.“
Ach Mutti, das muss man doch wissen, finden Sie nicht? Ich könnte nicht leben, wenn ich nicht wüsste, ob Gott mich angenommen hat.
Da frage ich einen jungen Menschen: „Hast du Jesus lieb?“ – „Ja.“ „Hat er dich angenommen? Bist du sein Eigentum?“ – „Ja, ich weiß nicht genau, es gibt noch so viele Kämpfe.“
Oh Mann, sage ich, so könnte ich nicht leben. Das muss ich wissen, ob er mich angenommen hat.
Ihr unsicheren Christen, die ihr nicht einmal wisst, ob Gott da ist oder nicht, die ihr über euer Glaubensleben nicht genau Bescheid wisst – ihr seid ja gar keine Christen. Nach dem Neuen Testament sind das Christen, die sagen können: „Ich glaube, dass Jesus Christus mein Herr geworden ist.“
Ich muss eine schöne Geschichte erzählen, die kennen Sie vielleicht, die der General Pfuibern einmal erzählt hat. Er berichtete, wie er mal im Manöver durch den Wald geritten ist und an einem Baum hängen geblieben ist. Dabei hat er sich einen Winkel in den Rock gerissen – so ein Loch. Und das ist für so einen Major oder Oberst, was er war, nicht schön.
Als er abends in einem Quartierdorf reitet, sitzen auf einer Mauer ein paar Soldaten. Er hält sein Pferd an und ruft: „Ist unter euch ein Schneider?“ Da flitzt einer heran, stellt sich auf und sagt: „Jawohl, Herr Major, ich bin Schneider.“
Der Major sagt: „Dann kommen Sie gleich mal in mein Quartier im Gasthof zum Lamm und flicken Sie meinen Rock.“
Der Soldat antwortet: „Das kann ich aber nicht.“
„Wieso können Sie das nicht? Sind Sie doch Schneider?“
„Verzeihen Sie, Herr Major“, sagt er, „ich heiße Schneider, aber ich bin kein Schneider.“
Da hat der General Pfuibern sehr schön dazu gesagt: So kann man von den allermeisten Christen sagen, wenn man sie im Fragebogen bei Religion mit „christlich, evangelisch“ einträgt: „Ich heiße Christ, aber ich bin kein Christ.“
Oh, erbärmlicher Zustand und gefährlicher Zustand, meine Freunde, weil man ja dann überhaupt noch gar nicht errettet ist.
Der Weg zur Glaubensgewissheit
Und nun muss ich noch einen Schritt weitergehen. Oh, die Zeit vergeht! Ich rede zu lang, und man merkt, dass ich alt werde.
Meine Freunde, Sie dürfen mich fragen: Wie kommt man zu solcher Gewissheit? Nun, es gäbe noch viel zu sagen. Bitten Sie Gott darum! Fangen Sie an, regelmäßig in der Bibel zu lesen, jeden Tag eine stille Viertelstunde!
Aber ich möchte Ihnen jetzt etwas Wichtiges sagen: Man kommt zur Glaubensgewissheit nicht über den Verstand, sondern über das Gewissen. Ich bin bei einer sehr wichtigen Sache. Bitte, mein Herr, ich höre Ihnen gut zu. Man kommt zur Glaubensgewissheit nicht über den Verstand, sondern über das Gewissen.
Also sehen Sie, wenn man heute mit Männern ins Gespräch kommt über das Christentum, dann fangen sie an: "Ja, Herr Pastor, ich kann nicht gut glauben, in der Bibel sind so viele Widersprüche." Widersprüche? Ja, da wird zum Beispiel erzählt, Adam und Eva hatten zwei Söhne, Kain und Abel. Kain schlug Abel tot, da war er allein noch übrig. Und dann ging er in ein fremdes Land und suchte ein Weib.
"Ja, wenn das die einzigen Menschen waren, da konnte er doch keine Frau suchen dort." Herr Pfarrer, das kann ich gar nicht verstehen. Haben Sie die Geschichte auch schon gehört? Mit dieser Geschichte retten sich die deutschen Männer vor Gott.
Ich pflege in solchen Fällen zu sagen: "Das ist ja interessant, hier haben Sie eine Bibel. Wo steht das eigentlich, dass Kain in ein fremdes Land ging und ein Weib suchte?" Da kriegen Sie so schlaue Antworten. Ja, ich sage: "Wenn Sie die ganze Bibel ablehnen, so wie Sie es von tausenden Leuten gehört haben, die glauben, um noch gescheiter zu sein, dann werden Sie ja wohl studiert haben, wo das eigentlich steht." Ja, dann stellt sich heraus, Sie wissen es nicht.
Und dann schlage ich die Bibel auf: "Das steht da gar nicht! Das steht da gar nicht! Sondern es steht, kein Kind ging in ein fremdes Land und suchte sein Weib, sondern er hat eine mitgenommen."
Wer war denn die Frau? Es heißt vorher, dass Adam und Eva viele Söhne und Töchter hatten. Das war eine Schwester. In der Bibel steht ausdrücklich, Gott wollte, dass von einem Geschlecht alle Menschengeschlechter abstammen. Zuerst mussten die Geschwister heiraten, später verbot Gott die Geschwisterehen. Alles klar, alles klar.
Ich sah, ihr ganzes dummes Geschwätz fällt in sich zusammen.
So, jetzt passt auf: Ist der Mann jetzt zum Glauben gekommen? Ach, keine Rede! Er hat sofort eine neue Frage bereit. "Herr Pastor, sagen Sie mal..." Und dann geht es weiter.
Und dann wird deutlich: Ich könnte so einem Mann hunderttausend Fragen beantworten, und er ist nachher noch genau so verfinstert wie vorher.
Der Glaube kommt nicht durch den Verstand, sondern durchs Gewissen.
In Essen war einer meiner Vorgänger Pfarrer Dammern, ein gewaltiger Erweckungsprediger. Zudem kam mal ein junger Mann und stellte die Fragen nach Kains Weib und all so Zeug. Und da hat der Mann das vom Tisch gewischt und gesagt: "Junger Mann, Jesus Christus ist nicht gekommen, um spitzfindige Fragen zu beantworten, sondern um Sünder selig zu machen. Und wenn Sie mal armer Sünder sind, dann kommen Sie wieder."
Wollen Sie diesen Satz mitnehmen? Ich habe Ihnen neulich schon mal gesagt: Jesus Christus ist nicht gekommen, um spitzfindige Fragen zu beantworten, sondern um Sünder selig zu machen.
Leute mit unruhigem Gewissen, Leute, die wissen, mein Leben stimmt nicht, ich werde mit mir selber nicht fertig, die können an Heilern Glauben lernen. Da kommt der Verstand hinterher.
Die Bedeutung des Gewissens im Glaubensprozess
Oh, sehen Sie, ich habe eine Geschichte erlebt, die ich Ihnen gerade noch erzählen muss. Ich komme in ein Krankenzimmer, in dem sechs Männer liegen. Als ich hineinkomme, empfangen sie mich erfreut: „Ach, Herr Pastor, wie schön, dass Sie kommen! Wir haben eine Frage.“
Ich sage: „Eine Frage? Was für eine Frage?“ Und ich merke sofort, dass sie eine Falle für mich vorbereitet haben. Dann sagt einer, während die anderen gespannt zuhören: „Sie glauben doch, dass Gott allmächtig ist, oder?“ – „Ja, das glaube ich.“ – „Kann Ihr Gott einen Stein schaffen, der so schwer ist, dass er ihn selbst nicht mehr aufheben kann?“
Ist Ihnen der Witz klar? Ich sage: „Ja.“ – „Ist Gott nicht allmächtig?“ – „Nein, ist er auch nicht allmächtig. Ich kann mir keinen Stein vorstellen, der so schwer ist, dass Gott ihn nicht aufheben kann.“ Im Moment überlege ich, ob ich ihm das erklären soll, aber dann kommt es mir zu dumm vor.
Da sage ich: „Junger Mann, ich werde Ihnen erst eine Frage stellen. Haben Sie wegen diesem Stein schon mal schlaflose Nächte gehabt?“ – „Schlaflose Nächte?“ sagt er, „Nein.“
Da sage ich: „Sehen Sie, seit ich sechzig geworden bin, muss ich meine Kräfte sparen, und ich kann nur Fragen beantworten, über die die Leute schlaflose Nächte haben.“
„Junger Mann, nun frage ich Sie: Seien Sie doch so gut und sagen Sie mir, worüber Sie schlaflose Nächte haben.“ Darauf antwortet der junge Mann: „Ach, die Sache mit meinem Mädel. Die armen Kinder, wir können doch nicht heiraten.“
„So,“ sage ich, „darüber haben Sie schlaflose Nächte?“ – „Ja.“ – „Dann lassen Sie uns doch darüber reden!“ – „Hat das denn etwas mit dem Christentum zu tun?“ fragt er.
„Oh,“ sage ich, „die Sache mit dem Stein hat nichts mit dem Christentum zu tun. Aber die Sache ist die: Sie sind schuldig geworden. Sie haben Gottes Gebot übertreten, ein Mädchen verführt, und jetzt überlegen Sie, wie Sie sich durch größere Sünde wieder retten könnten. Sie sind festgefahren in Schuld und Sünde.
Sie können nur geholfen bekommen, wenn Sie umkehren zum lebendigen Gott, Buße tun und sagen: ‚Ich habe gesündigt.‘ Und da ist ein Heiland, der Ihnen zu Recht helfen kann.“
Der junge Mann hörte zu, er war in großer Not. Und auf einmal fing er an zu verstehen: „Jesus kann mir helfen. Hier wäre eine Rettung für mein verkorkstes Leben.“
Verstehen Sie, er wollte über den Verstand gehen und sagen, dass alles so dumm sei. Aber als sein Gewissen angerührt wurde, wurde es ihm noch einmal klarer. Es wurde ihm deutlich: Wir kommen zur Gewissheit des Heils nicht über die Verantwortung von spitzbübischen Fragen, sondern indem wir unserem Gewissen Recht geben und Gott einmal sagen: „Ich habe gesündigt.“
Dann ruft ein Heiland, der am Kreuz hängt, und man kann erfahren: „Dir sind deine Sünden vergeben.“ Und man kann erfahren: „Du bist angenommen.“ Über das Gewissen geht der Weg und nicht über die Vernunft.
Der entscheidende Schritt zum Glauben
Und nun muss ich schließen. Zum Schluss erzähle ich eine kleine biblische Geschichte.
Sehen Sie, wenn man zur Gewissheit des Heils kommen will, dann muss man etwas riskieren – darf ich das mal so ausdrücken – etwas riskieren. Hier sind bunte Glasfenster. Bitte schauen Sie sie sich bei hellem Tageslicht von außen an. Dann sehen sie so dunkel aus wie jetzt; man erkennt kaum etwas. Wenn Sie aber in die Kirche hineingehen, dann leuchten sie auf einmal.
Genauso ist es mit dem christlichen Glauben: Solange ich mich nur von außen betrachte, verstehe ich ihn einfach nicht. Es ist dunkel, alles wirkt verschlossen. Ich muss hineingehen, ich muss es mit Jesus wagen. Ich muss mich diesem Heiland anvertrauen, ich muss in den Bau hineingehen. Dann wird alles klar.
Dieser Schritt hat mich vom Tod zum Leben geführt, in die Arme Jesu. Und da verstand ich auf einmal das ganze Christentum. Verstehen Sie: Von außen kann man den notwendigen Schritt nicht tun.
Nun zur biblischen Geschichte: Der Herr Jesus hat einmal gepredigt, und Tausende hörten ihm zu. Plötzlich sagt er ein schreckliches Wort: So, wie ihr seid, könnt ihr nicht ins Reich Gottes kommen. Ihr müsst wiedergeboren werden. Eure Natur – auch die beste – taugt nicht fürs Reich Gottes!
Da stehen hinten ein paar Männer und sagen: „Komm, wir gehen, das ist ja unverschämt, was er sagt.“ Und sie gehen. Dann sehen das sechs Frauen und sagen: „Die Männer gehen, komm, wir gehen auch.“ Und sie gehen ebenfalls. Einige junge Männer sagen: „Die Männer gehen, komm, wir gehen auch.“ Und sie gehen.
Auf einmal bröckelt es ab. Das muss schrecklich gewesen sein. Stellen Sie sich vor, während meiner Rede stünden Sie auf und alle anderen gehen weg. Plötzlich bleibe nur ich übrig, wie ein erster Junge. So war das damals: Schrecken. Jesus war allein, die Menge war weggelaufen, während er sprach. Sie wollten nicht mehr zuhören.
Da standen nur noch die zwölf Jünger. Wenn Jesus nicht gewesen wäre, hätte ich gesagt: „Bleiben wir wenigstens noch hier.“ Aber der Herr Jesus sagte etwas anderes. Wissen Sie, was er sagt? Er sagt: „Ihr dürft auch gehen, wenn ihr wollt.“ Im Reich Gottes gibt es keinen Zwang. Es ist das einzige Reich ohne Polizei und ohne Gesetze. Ihr dürft gehen – bitte.
Sechstausend Menschen sind weggelaufen. Da läuft man doch gern mit, oder? So wollten die Jünger auch gern gehen. Aber Jesus sagt: „Bitte, ihr dürft gehen.“ Er macht die Türen weit auf. Ihr dürft gehen, ihr dürft verloren gehen, ihr dürft gottlos sein, ihr dürft in die Hölle gehen, was ihr wollt.
Da sieht Petrus nach einem überlegten Augenblick: Wohin soll ich denn gehen? Wohin? Ein Leben mit Arbeit und Mühe wie ein Pferd oder ein Leben im Schmutz der Sünde? Es ist doch alles nichts, nur am Ende steht der Tod, die Hölle.
Dann fällt sein Blick auf Jesus, und ihm wird eins ganz gewiss: Es lohnt sich nur, ein Leben mit Jesus zu leben. Da sagt er: „Herr Jesus, wohin sollen wir denn gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens. Wir haben geglaubt und erkannt, dass du Christus bist, der Sohn des lebendigen Gottes. Bei dir bleiben wir.“
Meine Freunde, so kommt man zur Gewissheit. Man schaut auf die Lebenswege und erkennt: Jesus ist die einzige Chance für uns. Ich wünsche Ihnen, dass Sie auch solche strahlende Gewissheit bekommen: „Wir haben geglaubt und erkannt, dass du Christus bist, der Sohn des lebendigen Gottes.“
Schlusswort und organisatorische Hinweise
So, nun wollen wir mit dem Lied Nummer C beginnen.
Darf ich vorher sagen, dass das Opfer am Ausgang bestimmt ist für die Essener Jugendarbeit?
Diejenigen, die den Zug erreichen müssen, werden gebeten, während dieses Liedes die Kirche zu verlassen. Nur die, die den Zug nehmen müssen, sollten jetzt gehen, damit sie ihn rechtzeitig bekommen.
Lied Nummer zehn, Vers drei und der letzte Vers:
„Der Grund, da ich mich gründe und mein Herz geht in Sprünge.“
Nun muss ich Ihnen noch ein paar Dinge bekanntgeben:
Morgen früh haben wir hier um halb zehn den Gottesdienst. Sie werden gebeten, die Liederblätter auf den Bänken liegen zu lassen. Bitte lassen Sie die Liederblätter auf den Bänken liegen.
Morgen Nachmittag um sechzehn Uhr findet die Jugendversammlung statt. Bitte laden Sie alle jungen Leute herzlich dazu ein. Die Versammlung wird von meinen Essener Jugendlichen gestaltet.
Und morgen Abend haben wir den letzten Vortrag zum Thema „Weiterwursten oder Leben“. Ich lade Sie noch einmal herzlich dazu ein.
Das Opfer am Ausgang ist, wie gesagt, für die Essener Jugendarbeit bestimmt.
Bitte beachten Sie auch den Büchertisch. Darf ich Sie auf das Buch „Magier, Zöllner, Jünger“ hinweisen? Darin habe ich einige meiner kurzen Predigten zusammengestellt, die ich in der Essener großen Gemeinde halten durfte.
Nach dem Schlussgebet singen wir, stehend, Lob 15,3 aus dem Liederblatt:
„Lob, Ehr und Preis sei Gott.“
Lassen Sie uns beten!
