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Gott sucht die Verlorenen

Lukas 15,1-3217.05.2020
Gott freut sich nicht über die, die alles im Griff haben, sondern über die, die sich finden lassen. Die eigentliche Frage: Stehst du draußen und urteilst – oder gehst du mit ins Fest?

Die Freude Gottes an den Verlorenen

Worüber kannst du dich so richtig freuen? Dir fallen bestimmt ein paar Dinge ein, zum Beispiel ein Frühlingsspaziergang an der Isar bei schönstem Sonnenschein, ein gutes Essen mit lieben Freunden, vielleicht in diesen Tagen Fußball-Bundesliga oder ein gemütlicher Abend zu Hause auf dem Sofa.
Es gibt viele Dinge, über die wir uns freuen können und für die wir dankbar sein können. Wir müssen nur kurz darüber nachdenken, und uns wird viel einfallen.
Im heutigen Predigttext sehen wir, worüber Gott sich freut und was er tut, um sich diese Freude zu machen. Es ist ganz erstaunlich, was wir da sehen: Gott freut sich darüber, verlorene Menschen zu finden. Und er setzt alles in Bewegung, er tut alles dafür, um verlorene Menschen zu finden.
Es ist die beste Botschaft dieser Welt, die gute Nachricht. Und wenn wir das wirklich verstehen, wenn uns das packt, dann wird das auch uns zu einer riesengroßen Freude im Leben. Dann werden wir uns auf dieser Mission beteiligen. Dann werden wir nach dieser Freude streben, die Gott so eine große Freude ist.
Den Anfang dieses Textes lesen wir in Lukas 15,1-2. Dort wird uns berichtet, was der Anlass für die Gleichnisse war, die Jesus in Lukas 15 erzählt. Da heißt es: Es nahten sich ihm allerlei Zöllner und Sünder, um ihn zu hören, und die Pharisäer und Schriftgelehrten murrten und sprachen: Dieser nimmt die Sünder an und ist mit ihnen.
Vater, wenn wir jetzt darüber nachdenken, über diese Gleichnisse und über diese Situation, in die Jesus sie hineinspricht, dann beten wir, dass wir uns das nicht distanziert anschauen und interessiert beobachten, sondern dass wir uns wiederfinden in deinem Wort und dass es unser Herz bewegt. Und dass uns dein Anliegen, Verlorene zu finden, bewegt.
Herr, schenke, dass wir nicht sind wie diese Pharisäer und Schriftgelehrten, sondern dass wir Jesus auf seinem Weg folgen. Amen!

Anstoss und Missverständnis

Ja, das ist die Situation. Jesus sitzt zum Abendessen. Er sitzt zu Tisch mit Menschen, die damals nicht beliebt waren, nicht angesehen waren: Sünder und Zöllner, heißt es da.
Zöllner – das ist heute ein ehrenwerter Beruf. Aber damals war das wirklich der Abschaum. Es waren Menschen, die mit den römischen Besatzern zusammengearbeitet haben, mit dem Feind. Sie haben sich gegen ihr eigenes Volk, gegen die Juden, gestellt. Sie haben die Zölle eingenommen und dabei immer noch ordentlich draufgeschlagen, um sich selbst zu bereichern. Und dementsprechend waren sie auch geachtet im Volk, nämlich gar nicht. Man hat sie verachtet, man wollte nichts mit diesen Zöllnern zu tun haben.
Und dass Jesus sich mit denen abgibt, ja, dass er sogar mit ihnen ist, das war für die Pharisäer und Schriftgelehrten bestimmt nicht nur höchst anstößig. Das können wir in unserem säkularen Land vielleicht besser verstehen, wenn wir auf die politischen Geschehnisse schauen. Bei uns gibt es das so im Religiösen nicht mehr in dieser Weise. Aber wenn wir zum Beispiel nach Ostdeutschland schauen, manche mögen sich erinnern, da gab es diese Pegida-Demonstrationen. Und dann sind in dieser Zeit, als das losging, ab und zu Politiker aus Berlin, aus der Bundespolitik, dorthin gefahren und haben mit diesen Leuten geredet. Es ist noch gar nicht so, dass sie das irgendwie gut geheißen haben oder gut fanden, aber sie haben mit ihnen geredet.
Es gab einen Aufschrei. Medien waren entsetzt, andere Politiker waren entsetzt: Wie könnt ihr euch mit denen an einen Tisch setzen? Ganz ähnlich war das bei Jesus. Jesus, wie kannst du dich mit diesen Zöllnern an einen Tisch setzen? Damit billigst du, was sie tun. Damit machst du dich gemein mit ihrer Sache. Du wirst unrein, weil du mit diesem unreinen Pack zusammensitzt.
Und Jesus möchte diese Pharisäer und Schriftgelehrten auf etwas Wichtiges hinweisen. Er möchte sie auf seine Mission hinweisen. Und das Problem ist, wenn wir diese Texte lesen, dass wir uns da ganz oft distanziert hinstellen und sagen: Ach, die Pharisäer und Schriftgelehrten, wie dumm waren die, wie hartherzig. Aber wir finden uns oft da nicht drin wieder.
Deshalb ist es gut, bevor wir die Gleichnisse hören, wenn wir kurz einen Schritt zurücktreten oder kurz in uns gehen und uns mal fragen: Gibt es denn Menschen, die wir vielleicht sehr offen oder auch nur im Geheimen, im Herzen verachten? Vielleicht Politiker, vielleicht politische Bewegungen, seien sie linksextrem oder seien sie rechtsextrem, auf die wir herabschauen. Vielleicht andere Religionen, die Muslime. Vielleicht die Araberclans in den Großstädten. Vielleicht Obdachlose, Prostituierte. Und wenn dir das alles zu weit weg ist, vielleicht einfach die nervigen Familienmitglieder oder die nervigen Mitarbeiter auf der Arbeit, Menschen, auf die du herabschaust.
Wie wäre das, wenn Jesus heute kommen würde und mit denen viel mehr Zeit verbringen würde als mit dir? Wenn er viel mehr bei denen wäre, vielleicht bei der Pegida-Demonstration in Ostdeutschland, als in unserer schönen Gemeinde, wäre das anstößig vielleicht?
Wir müssen uns diese Fragen stellen, um zu verstehen, wozu Jesus gekommen ist. Jesus erzählt das jetzt denen. Er sagt das den Pharisäern und Schriftgelehrten. Er blockt das nicht einfach ab, sondern er sagt ihnen Gleichnisse. Er sagt: Versteht, warum ich gekommen bin.

Verloren und gefunden im Bild des Hirten

Und ich will uns die ersten beiden Gleichnisse lesen. Sie stehen in den Versen 3 bis 10.
Er sagte aber zu ihnen dies Gleichnis und sprach: Welcher Mensch ist unter euch, der hundert Schafe hat und, wenn er eins von ihnen verliert, nicht die neunundneunzig in der Wüste lässt und geht dem Verlorenen nach, bis er es findet? Und wenn er es gefunden hat, so legt er es sich auf die Schultern, voller Freude. Und wenn er heimkommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn und spricht zu ihnen: Freut euch mit mir, denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war. Ich sage euch: So wird auch Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut, mehr als über neunundneunzig Gerechte, die der Buße nicht bedürfen.
Oder welche Frau, die zehn Silbergroschen hat und einen davon verliert, zündet nicht ein Licht an und kehrt das Haus und sucht mit Fleiß, bis sie ihn findet? Und wenn sie ihn gefunden hat, ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen und spricht: Freut euch mit mir, denn ich habe meinen Silbergroschen gefunden, den ich verloren hatte. So sage ich euch: Es wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.
Jesus nutzt Gleichnisse aus dem Alltag. Er spricht über verlorenen Besitz, zuerst über ein verlorenes Schaf. Und er sagt: Stellt euch vor, ihr habt eine ganze Schafherde und ihr verliert ein Schaf. Was würdet ihr machen? Denkt mal darüber nach. Würdet ihr doch nicht sagen: Ach, ich habe ja noch 99 andere, auf das eine Schaf kommt es wirklich nicht an. Nein, ihr würdet alles in Bewegung setzen. Ihr würdet euch auf die Suche machen.
Der Bauer, der Hirte in diesem Gleichnis, er macht sich auf die Suche, bis er dieses Schaf wieder hat, damit die Herde wieder vollständig ist. Ich habe das immer wieder gern gelesen in einem Kinderbuch, das meine beiden Kinder haben. Dort macht sich der Hirte auf die Suche nach diesem Schaf, und das wird ganz anschaulich mit Bildern illustriert. Wie sich dieser Hirte abmüht über Berge, aber er gibt nicht auf. Er schwimmt durch Flüsse, aber er gibt nicht auf. Er kämpft sich durch Disteln und Dornen, und ganz zerkratzt gibt er nicht auf, bis er dann dieses Schaf findet.
Ja, so ist das mit Schafen. Die kommen nicht zurück wie die Brieftauben. Die sind dumm, orientierungslos, verlaufen sich, und ihre einzige Hoffnung ist, dass da ein guter Hirte ist, der sie suchen kommt.
Und es ist interessant, was die Moral von der Geschichte ist, was Jesus sagt in Vers 7. Da sagt er: So wird auch Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut, mehr als über neunundneunzig Gerechte, die der Buße nicht bedürfen. So wie sich dieser Hirte freut, wenn er sein Schaf endlich hat, wie er es sich um den Nacken packt, auf den Rücken packt und dann nach Hause läuft und zu Hause sagt: Leute, diese ganze Anstrengung, sie hat sich gelohnt, ich hab’s endlich wieder, freut euch mit mir! So wird man sich im Himmel freuen. So freut sich Gott, so freut sich Gott mit allen seinen Engeln über einen Sünder, der Buße tut.
Und Jesus spricht hier über Buße so anders, als die Pharisäer das verstanden haben. Buße, das ist Umkehr zu Gott. Die Pharisäer haben gesagt: Weißt du, was Buße ist? Du musst Gottes Gebote einhalten, du musst unsere Regeln einhalten. Und wenn du all das gut machst, so dass wir dir ein gutes Zeugnis ausstellen können, dann kannst du hoffen, dass Gott dich auch lieb hat.
Jesus geht einen ganz anderen Weg. Jesus sagt: Buße tun heißt, du musst dich finden lassen. Du musst dich in deiner Verlorenheit finden lassen vom guten Hirten. Der gute Hirte, das ist Jesus selbst. Er sagt das an anderer Stelle im Johannesevangelium: Ich bin der gute Hirte. Der Hirte, der seine verlorenen Schafe suchen kommt, der alles in Bewegung setzt, der alles auf sich nimmt, um diese Schafe wiederzufinden.
Und Jesus möchte diesen Pharisäern damit sagen, und auch uns: Ihr überseht etwas, wenn ihr mit Verachtung auf sie herabschaut. Auf diese Sünder, auf diese Zöllner. Denn für mich sind das verlorene Schafe. Ich bin nicht bei ihnen, weil ich ihren Lebensstil billige, überhaupt nicht. Ich sehe schon, dass das Sünder sind. Ich sehe, dass diese Zöllner Dinge tun, die ungerecht sind, die gegen Gottes Willen sind. Aber ich suche diese Verlorenen. Die können sich selber nicht da rausziehen, die finden den Ausweg nicht mehr, die finden den Weg zurück zur Herde nicht mehr. Ich bin gekommen, um sie zu suchen.
Das ist Gottes Mission, und der Himmel freut sich, die Engel freuen sich mit Gott, wenn sie gelingt, wenn Verlorene, wenn verirrte Menschen wiedergefunden werden. Hast du das erlebt? Hast du erlebt, wie Gott dich gefunden hat? Vielleicht schon vor ganz langer Zeit, vielleicht sogar zu einer Zeit, an die du dich gar nicht mehr erinnern kannst, weil das schon als kleines Kind war. Vielleicht bist du schon so lange bei der Herde, dass du dich nicht erinnern kannst, wann das losging. Vielleicht hast du aber auch genau das erlebt: Du warst verirrt, verlaufen wie so ein Schaf in einem Labyrinth, und Gott hat dich da rausgeholt.
Kannst du dich noch freuen, dass Gott dich gerettet hat? Und teilst du seinen Blick auf die Verlorenen? Erkennst du, dass er weiter auf dieser Mission ist, verlorene, verirrte Schafe, verirrte Menschen zu retten?
Die Botschaft an die Pharisäer und an uns ist: Steh nicht mürrisch daneben, als Richter. Beschwer dich nicht darüber, mit wem Jesus sich abgibt, wen Gott da sucht, sondern freu dich mit, sei dabei, such das Verirrte. Das hat Gott auf dem Herzen. Er will Menschen retten, die ganz fern von ihm sind. Freut euch, seid nicht mürrisch.
Ganz ähnlich ist das auch im zweiten Gleichnis. Da ist es jetzt eine Münze, die einer Frau verloren geht. Und damals hatten die nicht in ihren Wohnungen, in ihren Häusern so schöne Parkettböden und Fliesen, wie wir das haben. Wenn da eine Münze runterfällt, die findest du ganz schnell. Nein, das waren Steine, Quader, die irgendwie so zusammengepuzzelt waren, dass es irgendwie gepasst hat, und da ist viel verloren gegangen, wenn es runtergefallen ist.
Freuen sich die Archäologen heute, weil sie da so viel ausgraben können, was die Menschen verloren und nicht wiedergefunden haben. Die Leute waren damals nicht so happy. Sie mussten öfter mal eine Lampe anzünden und suchen gehen.
Und so auch diese Frau: Ihr fällt eine Geldmünze runter, ein Silbergroschen, etwa ein Tageslohn wahrscheinlich, eine Silberdrachme. Und sie sucht diesen Groschen. Sie macht das Licht an, sie leuchtet in jede Ritze. Es ist viel Geld. Es ist ein wertvoller Schatz, und sie will diese Münze wiederhaben.
Und das kennst du vielleicht, wenn du Dinge suchst: Diese Anspannung ist furchtbar. Weil so eine Münze, die meldet sich ja nicht und sagt: Hallo, hier bin ich. Und auch andere Gegenstände nicht. Und so sucht sie diese Münze, und endlich findet sie sie. Die Anspannung weicht großer Freude. Ich habe sie wieder. Die Freude ist so groß, dass sie ihre Nachbarinnen ruft, ihre Freundinnen: Hey, wisst ihr, was mir passiert ist? Ich habe eine Münze verloren, aber ich habe sie wiedergefunden.
Und fast wortgleich wie in dem ersten Gleichnis sagt Jesus: So sage ich euch, wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut. Die Aussage ist ganz ähnlich: Wie das Schaf, so auch jetzt diese Münze, die ihren Weg allein nicht zum Besitzer zurückfindet. Es braucht jemanden, der suchen kommt. Und Jesus ist der, der sucht. Er macht das deutlich: Gott ist der, der sich auf die Suche macht.
Da steckt eine ganz tiefe geistliche Wahrheit dahinter. Mit dieser Münze ist das noch deutlicher als beim Schaf. Das Schaf ist schon verloren, es kann aber noch wenigstens blöken und sich ein bisschen bemerkbar machen. Diese Münze ist tot, liegt stumm in der Finsternis. Gottes Wort sagt, so ist das mit uns Menschen. Paulus schreibt das den Ephesern in Epheser 2. Er sagt: Ihr wart tot in euren Übertretungen und Sünden. Ein Toter meldet sich nicht mehr: Gott, ich brauche Rettung, ich brauche dich.
Und Gott sucht. Die Frau sucht die Münze, Gott sucht die Toten, die Verlorenen, die sich nicht mehr bei ihm melden können. Er macht sich auf die Suche.
Vielleicht hat er dich schon gefunden, vielleicht durftest du das erleben. Weißt du, dass das ein großer Feiertag war, dass im Himmel gejubelt wurde, dass die Engel gesungen haben, als du, Edith, Sebastian, Mareike, setzt deinen Namen ein, als du gefunden wurdest? Da war ein Fest im Himmel. Kannst du dich noch darüber freuen? Gott hat sich gefreut. Gott freut sich, dass er diesen Schatz wiedergefunden hat.
Und teilst du seine Sicht auf andere Menschen, dass er sie nämlich auch als einen Schatz sieht, der ihm verloren gegangen ist? Er hat sie gemacht, wir sind ja sein Besitz. Wir sind ihm verloren gegangen, als wir gegen ihn rebelliert haben, aber er kommt und sucht. Teilst du Gottes Sicht? Wenn du Jesus nachfolgst, wenn du ihm vertraust, dann musst du diese Sicht teilen. Dann kannst du nicht wie die Pharisäer danebenstehen, wie die Schriftgelehrten, und sagen: Wie kann er sich nur mit denen abgeben? Dann muss dir diese Mission auch auf dem Herzen liegen, dann muss dir das auch zur Freude werden, dann darf dir das zur Freude werden, Verlorene zu finden.
Der englische Prediger Jacy Ryle hat das mal etwas herausfordernd formuliert. Er hat gesagt: Der Mensch, der ein großes Interesse an Politik und an Sport hat, an Geld und Landwirtschaft, aber sich nicht für die Bekehrung von Seelen interessiert, ist kein echter Christ.
Jesus hat später seine Jünger dazu aufgerufen, sich in diese Mission einzuklinken. Er hat gesagt: Geht bis an die Enden dieser Erde, um zu suchen. Die Verlorenen zu suchen, um ihnen das Evangelium zu bringen. Gott ist ein Gott, der rettet. Möge Gott uns das doch schenken, dass wir uns auch an dem freuen, was ihm so große Freude macht: die Verlorene zu finden, zu suchen und zu finden.

Die Rückkehr des jüngeren Sohnes

Jesus schliesst mit einem dritten Gleichnis. Wir haben vorher schon den Anfang gehört. Und jetzt geht es nicht um verlorenen Besitz, sondern um verlorene Beziehungen, um zerstörte Beziehungen. Es wird persönlicher. Und wahrscheinlich ist das auch der Grund, warum diese Geschichte vom verlorenen Sohn so beliebt und so weit verbreitet ist. Von den drei Gleichnissen wird sie am häufigsten erzählt. Weil sie uns besonders nahegeht. Und das ist auch die Absicht von Jesus: Er kommt noch näher ans Herz.
Und er erzählt dieses Gleichnis. Wir haben es gehört: von diesem Sohn, von zwei Söhnen heisst es in Lukas 15: Ein Vater hatte zwei Söhne. Und der jüngere Sohn kommt zu seinem Vater, und es beginnt mit einem Affront. Er sagt: Vater, ich will mein Erbe. Und das war schon damals anstössig. Es wäre heute komisch, wenn du zu deinem Vater kommst. Und damals war es vielleicht sogar noch anstössiger. Geerbt hast du, wenn der Vater gestorben ist, und nicht vorher.
Es ist interessant, dass dieser Vater ihm aber nicht den Kopf wäscht. Das könnte er ja machen und sagen: Mein lieber Freund, was bist denn du für einer? Noch lebe ich, und ich habe auch noch vor, noch lange zu leben. Setz dich mal wieder schön hin. Dieser Vater bezahlt ihm das Erbe aus. Und der junge Mann nimmt das, kassiert es ein, und wenig später ist er weg mit dem ganzen Geld. Er hat nämlich kein Interesse an seinem Vater, sondern nur an diesem Geld. Er will, was er leben will. Er will in die Welt raus. Und er geht, und er gibt es mit beiden Händen aus, wirft es zum Fenster raus, er verprasst es, heisst es da. Er lässt es sich richtig gut gehen, wir wissen nicht wie lang. Die Geschichte sagt nichts darüber. Aber er geniesst das Leben in vollen Zügen, bis alles weg ist.
Er verprasst es, und am Ende sitzt er da mit leeren Taschen. Das ganze Geld ist weg. Und zu allem Übel kommt jetzt noch eine Hungersnot über das Land. Das sind Zeiten, da guckt jeder auf sich selbst. Und dieser junge Mann kann nicht erwarten, dass irgendjemand für ihn sorgen wird. Er merkt: Da ist niemand, der ein Herz für mich hat. Jetzt muss ich arbeiten. Das wollte ich nie, aber alles Geld ist weg, ich muss jetzt arbeiten.
Und er sucht sich einen Job. Er findet endlich einen, und zwar bei einem reichen Bauern. Der hat eine Schweineherde, und ganz unten kommt er ganz unten an. Er sitzt im Dreck, er kümmert sich um diese Schweine. Und die Pharisäer, die das gehört haben, und eigentlich jeder Jude, der das hört, denkt sich: Das ist ja mal wirklich eklig, das ist ja furchtbar, dass sich dieser junge Mann um unreine Tiere kümmert. Es waren unreine Tiere für die Juden. Wer sie berührt hat, der war auch unrein. Aber wahrscheinlich haben sie auch gedacht: Es geschieht ihm ja auch ganz recht. Ich weiss nicht, wie es dir geht, wenn du diese Geschichte hörst. Es geschieht ihm ja auch ganz recht. Haut ab von zuhause, ist so lieblos gegenüber seinem Vater, da sieht er mal, was er davon hat.
Und als er denkt, er sei schon ziemlich tief gefallen, da geht es noch tiefer, weil der Hunger so gross ist. Und er sitzt da im Dreck bei den Schweinen, und er fängt an, diese Schweine zu beneiden. Er merkt: Diesen Schweinen geht es besser als mir. Er sieht ihnen zu beim Fressen, und er denkt sich: Wäre ich doch nur eins von diesen Schweinen, dann hätte ich auch was zu fressen. Ganz grosses Elend, eine ganz grosse Not. Er merkt: Ich habe den Karren wirklich in den Dreck gefahren.
Und da, in seiner Not, fängt er an nachzudenken. In Vers 17 heisst es: Da ging er in sich. Er hatte jetzt mal einen lichten Augenblick. Er hat mal darüber nachgedacht: Was habe ich eigentlich gemacht? Was habe ich eigentlich aufgegeben? Was habe ich verloren? Und er denkt zurück an sein Zuhause, an den Vater, der so viel hatte, der sich gut gekümmert hat um ihn und auch sogar um die Tagelöhner, heisst es da, um die Knechte. Die hatten es besser, als es ihm jetzt geht. Die hatten Essen in Fülle, Brot in Fülle.
Wir müssen jetzt nicht meinen, dass dieser Junge jetzt irgendwie Mitleid bekommt mit seinem Vater und Liebesgefühle für seinen Vater. Nein, erst mal hat er nur Hunger. Da sagt er sich: Ich gehe zurück. Ich wag’s. Ich erkenne: Ich habe einen Riesenfehler gemacht. Ich kann nicht erwarten, dass mein Papa mich wieder als seinen Sohn annimmt oder dass er mich da wieder in Amt und Würden bringt. Aber ich möchte es doch wagen, nach Hause zu gehen und ihn zu fragen, ob ich wenigstens für ihn arbeiten kann.
So schleppt er sich nach Hause, gedemütigt. Er überlegt sich seinen Spruch, den er sagen will: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel, also gegen Gott, das erkennt er wohl, und gegen dich. Ich bin nicht wert, noch dein Sohn genannt zu werden. Lass mich doch als dein Knecht arbeiten.
Er kommt da an in die Region, wo sein Vater wohnt. Das ist ganz erstaunlich. Der Vater sieht ihn von weitem, steht vor seinem Haus wahrscheinlich, vielleicht stand er da jeden Tag, hat gehofft und gebetet, dass dieser Sohn wiederkommt. Ja, eigentlich, wir kennen diese Geschichte, wir wissen, wie das Ganze ausgeht. Aber stell dir mal vor: Die Pharisäer und die Schriftgelehrten und auch dieser Sohn in der Geschichte, die wussten überhaupt nicht, wie das Ganze ausgeht. Weist er ihn ab? Sagt er: Da ist die Tür, du hast hier nichts mehr verloren. Du hast alles bekommen und du hast es verpasst, jetzt sieh, wo du bleibst.
Aber dieser Vater erwartet ihn, und er wartet nicht nur. Er sieht diesen Sohn, wie er sich anschleppt, gezeichnet von dem, was ihm widerfahren ist. Und es hält ihn nicht mehr zu Hause. Er rennt ihm entgegen. Immer schneller, immer schneller. Er rennt ihm entgegen, er fällt seinem Sohn um den Hals, er küsst ihn. Der Sohn sagt noch seinen Spruch, aber er kann ja nicht mal fertig sagen, er kann nicht mal dem Vater anbieten: Kann ich bei dir als Knecht arbeiten? Da ruft der Vater schon: Kommt her, bringt mir Kleider für meinen Sohn, bringt mir einen Ring, bringt mir Schuhe für ihn, und schlachtet bitte schnell das gemästete Kalb. Wir müssen ein grosses Fest feiern. Mein Sohn war tot, doch er ist wieder lebendig. Er war verloren, aber er ist wieder gefunden.
Was für eine Reaktion, was für eine erstaunliche Liebe, die dieser Vater seinem Sohn da zeigt. Und glaub mir, es war anstössig für manche, die das gehört haben. Seinen Sohn so sehr lieb, dass er sagt: Ich rechne dir das nicht an, was du mir angetan hast. Du hast mich für tot erklärt, du wolltest, dass ich tot bin, damit du das Erbe haben kannst. Ich rechne dir das nicht an. Ist das alles verjubelt, ist egal. Ich liebe dich viel zu sehr, als dass ich dich verstossen könnte. Ich möchte, dass du wieder mein Sohn bist. Ich freue mich, dass du zu Hause bist. Herzlich willkommen. Wir feiern ein Fest, wir rufen die Bekannten, die Nachbarn, wir rufen sie alle, und wir feiern jetzt, dass du wieder da bist, Junge!
So sucht Gott die Verlorenen. So hat sich Jesus auf die Suche gemacht nach den Verlorenen. Deshalb sass er bei diesen Sündern und Zöllnern. Wenn Gott diesen Blick auf diese Sünder und Zöllner hat, dann sind das meine verlorenen Söhne, meine verlorenen Kinder, die meine Liebe brauchen, die nur meine Liebe retten kann. Ja, Jesus ist gekommen, um die Verlorenen zu suchen, und er hat es sich alles kosten lassen.
Die Pharisäer haben das bewertet, standen daneben, waren mürrisch: Wie kann der nur? Die haben gar nicht verstanden, was für eine grosse Not diese Zöllner hatten. Jesus sah das viel klarer. Jesus sah, dass sie einen Retter brauchten. Jesus hat die Sünde dieser Zöllner sehr ernst genommen, hat das nicht einfach weggewischt. Aber er hat gesagt: Diese Sünde, sie können sie ja gar nicht selber bezahlen. Und so ist es bei jedem von uns. Wir können unsere Schuld ja gar nicht selber bezahlen.
Jesus sagt: Ich bezahle sie. Er ist ans Kreuz gegangen, er ist gestorben für unsere Schuld, er hat sie bezahlt, damit der Vater auch uns annehmen kann, in seine liebenden Arme schliessen kann, mit seiner Gnade überschütten kann. Das wird so offensichtlich bei diesem verlorenen Sohn, wie unverdient das ist. Jesus will, dass wir erkennen, auch in unserem Leben: Wir haben uns das nicht verdient. Wir können kein Bussprogramm, keine zehn Punkte durcharbeiten, und dann mag uns Gott. Nein, wir brauchen seine Gnade, seine erstaunliche Gnade, eine erstaunliche Gnade, die verlorene Söhne findet. Amazing Grace, so hat es der Sänger John Newton später genannt.
John Newton, das war einer, ein rauer Seebär, der über die Meere geschippert ist und auf Sklavenschiffen angeheuert hat. Die Sklaven aus Afrika haben sie da gefangen genommen und dann verkauft in alle Welt. Und das waren alles raue Typen, aber über den Chanioten haben sie gesagt: Das ist das Schlimmste von allen. Die haben es fast nicht mit ihm ausgehalten auf einem Schiff, so berichtet er das später, weil er so viel geflucht hat und sich so daneben benommen hat, ein richtig mieser Typ, mit dem hättest du dich nicht wohlgefühlt in einem Boot. Und er hat sich an Sklavinnen vergangen, er berichtet das, wie er sie vergewaltigt hat. Ganz eklig, schlimmer Typ, da hätten wir nichts zu tun haben wollen.
Aber Gott zeigt diesem John Newton seine Liebe. Er findet ihn mit seiner Gnade. Er holt ihn da raus aus diesem Sumpf, aus dem er nie hätte rauskommen können. Er zeigt ihm: Du bist mein verlorener Sohn, und ich habe auch für dich am Kreuz die Schuld bezahlt. Komm da raus, ich lieb dich nach Hause.
Und später schreibt dieser John Newton dann dieses Lied, und ihr kennt das vielleicht: Amazing Grace, how sweet the sound that saved a wretch like me, erstaunliche Gnade, wie süss ist dieser Klang, der einen verlorenen Menschen wie mich gerettet hat. I once was lost, ich war einst verloren, but now I'm found, jetzt bin ich gefunden, I was blind, but now I see. So ist das, wenn Gottes Gnade einen Menschen findet.
Und sie kann uns nur finden, wenn wir unsere Verlorenheit anerkennen, wenn wir anerkennen, dass wir nicht besser sind als dieser verlorene Sohn. Es mag uns so vorkommen, dass wir uns anständig vorkommen, dass wir ein gutes Leben führen, dass wir ja nicht viel falsch gemacht haben. Und doch will Jesus, dass wir erkennen: Wir sind wie dieser verlorene Sohn, und auch wir brauchen diese erstaunliche Gnade. Gott muss uns finden, aber die gute Nachricht ist: Er will uns auch finden. Genau deshalb ist er ja gekommen, deshalb ist Jesus gekommen, um das Verlorene zu suchen und zu finden.
Und du musst ihm nur glauben, du musst dein Vertrauen nur auf Jesus setzen. Und egal, was du gemacht hast, denk an John. Denk an viele andere, die ihr Leben so in den Sand gesetzt haben. Du kannst es nicht verbocken, wenn du auf Jesus vertraust. Jede Schuld bezahlt. Er liebt die Sünder, die zu ihm kommen.
Übrigens auch egal, wie alt du bist. Du hast schon manchmal gehört von alten Menschen, die dann sagen: Jetzt habe ich mein ganzes Leben so gelebt, jetzt muss ich ja nicht mehr ankommen. Nein. Gottes Gnade kann dich immer finden. Sie kann dich auch noch auf dem Totenbett sogar finden. Aber du musst nicht warten, bis du da hinkommst. Du darfst heute sagen: Lieber Vater, ich habe gesündigt gegen Gott, ich habe gesündigt gegen dich. Ich bin es nicht wert, dein Kind, dein Sohn zu sein, deine Tochter zu sein. Und er wird dich in den Arm schliessen und wird sagen: Ich habe gewartet auf dich. Herzlich willkommen zu Hause.

Der ältere Sohn und die offene Frage

Die Geschichte endet allerdings nicht mit diesem Willkommensfest. Ja, in diesem letzten Gleichnis macht Jesus etwas Überraschendes. Er macht etwas, was er in den anderen beiden Gleichnissen nicht gemacht hat: Er lässt noch eine zweite Person vorkommen, und zwar einen Pharisäer. Es ist ganz schön mutig, was Jesus macht. Er lässt hier einen Pharisäer vorkommen, der sich das Ganze anschaut.
Ich möchte uns diese letzten Verse aus Lukas 15 lesen. Es gibt diesen älteren Sohn, von dem wir ganz am Anfang gelesen haben. Lukas 15, ab Vers 25:
Aber der ältere Sohn war auf dem Feld. Und als er nahe zum Haus kam, hörte er Singen und Tanzen. Und er rief zu sich einen der Knechte und fragte, was da wäre. Der aber sagte ihm: Dein Bruder ist gekommen, und dein Vater hat das gemästete Kalb geschlachtet, weil er ihn gesund wieder hat. Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen. Da ging sein Vater hinaus und bat ihn. Er antwortete aber und sprach zu seinem Vater: Siehe, so viele Jahre diene ich dir und habe dein Gebot noch nie übertreten. Und du hast mir nie einen Bock gegeben, dass ich mit meinen Freunden fröhlich gewesen wäre. Nun aber, da dieser dein Sohn gekommen ist, der dein Hab und Gut mit Huren verprasst hat, hast du ihm das gemästete Kalb geschlachtet. Er aber sprach zu ihm: Mein Sohn, du bist alle Zeit bei mir, und alles, was mein ist, das ist dein. Du solltest aber fröhlich und guten Mutes sein; denn dieser dein Bruder war tot und ist wieder lebendig geworden, er war verloren und ist wiedergefunden.
Der ältere Sohn ist nicht in Feierlaune, der ist zornig. Wie kann das dieser Bruder wagen, noch einmal aufzutauchen nach all dem, was er gemacht hat? Wie er mit seinem Vater umgegangen ist, wie er die Familie hinter sich gelassen hat, wie kann er es denn wagen, hier angekrochen zu kommen?
Und es ist interessant, wie der Sohn mit dem Vater spricht, wie er seine Leistungen betont, wie er sagt: Ich war doch die ganze Zeit bei dir, ich habe hart gearbeitet. Wie er so diesen Katalog sagt: Was habe ich alles für dich getan? Wie er sich auch über seinen Bruder stellt. Er nennt ihn noch nicht mal meinen Bruder, sondern er sagt: Dein Sohn! Dein Sohn hat all das verprasst, was du ihm gegeben hast, und er hat es mit Huren verprasst.
Und er übertreibt, dieser ältere Sohn. Von den Huren haben wir in der ganzen Geschichte nichts gelesen. Woher weiß er das? Er übertreibt. Er unterstellt seinem Bruder das Schlechteste. Und auch seinem Vater unterstellt er das Schlechteste. Er sagt: Nie hast du mir irgendwas gegeben, du hast mir kein gemästetes Kalb geschlachtet. Nicht mal einen Bock habe ich bekommen, nichts habe ich von dir bekommen für meine Treue, für meine Liebe, die ich dir entgegengebracht habe.
Irgendwo hat auch dieser ältere Sohn eine falsche Ausfahrt genommen. Ja, es sagen manche ganz zu Recht, dass das eigentlich ein Gleichnis von zwei verlorenen Söhnen ist. Er ist zu Hause geblieben, aber auch er liebte seinen Vater gar nicht. Er hat eigentlich dort gelebt wie ein Knecht, hat gearbeitet, hat geleistet, und er hat sich erwartet, dass sein Vater das belohnt, dass er etwas dafür kriegt, sich die Liebe des Vaters verdienen wollen. Er kannte den Vater nicht.
Wir können den Kopf darüber schütteln und sagen: Wie kann man denn so herzlos sein? Soll er sich doch mitfreuen. Aber wir sollen uns auch ein paar unangenehme Fragen stellen, wie die Pharisäer und Schriftgelehrten. Denken wir nicht auch manchmal so über Gott? Gott, ich lebe schon so lange mit dir, ich gehe treu in den Gottesdienst, ich bete, ich lese meine Bibel. Warum ist mein Leben so schwer, warum ist es so hart, warum gibst du mir nicht das Gute, was du anderen gibst?
Stellen wir uns nicht auch manchmal über unsere Geschwister, werten sie ab und uns auf? Schau dir die an, schau dir den an, wie lebt denn der? Und uns stellen wir ins beste Licht. Ja, wir zeigen mit unserem Leben auch manchmal, dass wir den Vater überhaupt nicht gut kennen, der uns so sehr liebt und bei dem wir es so gut haben.
Vielleicht musst du manche dieser Fragen bejahen. Vielleicht musst du sagen: Ja, das ist in meinem Leben auch wahr. Und was hilft dann? Was rettet dich dann aus dieser Verlorenheit? Und das ist so wunderbar, dass Jesus uns zeigt: Dann rettet auch die Liebe des Vaters. Der Vater, der nicht sagt: Lass den draußen mal ein bisschen zornig sein, der wird sich schon irgendwann beruhigen, sondern der Vater, der seinen verlorenen älteren Sohn suchen kommt. Wir haben das gelesen: Da ging sein Vater heraus, Vers 28. Er ging zu ihm, er ging ihn suchen.
Er hört sich den Protest, die Beschwerden an, und er kanzelt ihn nicht dafür ab. Er wäscht auch ihm nicht den Kopf, sagt auch ihm nicht: Du undankbarer Zeitgenosse. Aber dann öffnete er seinem älteren Sohn die Augen: Schau mal, du warst die ganze Zeit bei mir, du hast alle Segnungen hier gehabt. Es ist tatsächlich so: Am Anfang des Gleichnisses teilt der Vater sein Erbe auf, er gibt es seinem jüngeren Sohn, und auch der ältere Sohn bekommt sein Erbe schon. All das, was der Vater hat, es gehört ihm. Vielleicht hat er gar nie gefragt, irgendetwas davon zu bekommen. Er hat immer gedacht: Da muss ich warten, wann rührt er sich mal, wann belohnt er endlich meine Liebe? Den Vater nicht gekannt. Und der Vater sagt ihm: Schau mal, ich lieb dich genauso, du bist mir genauso wichtig.
Und er schaut nicht auf die Pharisäer herab. Jesus ist auch nicht einer, der jetzt die Pharisäer da rund macht in diesem Gleichnis, sondern er will sie genauso gewinnen. Er will ihnen sagen: Gott liebt auch euch, Gott schenkt auch euch seinen Segen. Erkennt das doch und freut euch doch daran, wie gut dieser Gott ist.
Er lässt das Gleichnis offen am Ende, und das tut er ganz bewusst. Es ist nicht klar: Was wird dieser ältere Sohn tun? Wird er weiter zornig draußen stehen bleiben, oder wird er ins Haus gehen und mitfeiern? Wird er sich freuen, dass der verlorene Sohn gefunden worden ist?
Was tust du? Bleibst du zornig vor der Tür und ärgerst dich darüber, wie Gott dir dein Leben schwer macht und wie er dich nicht belohnt für all deine Treue? Oder erkennst du den liebenden Vater, lässt du dich von ihm finden? Gehst du mit ihm ins Haus, freust du dich über seine Mission, Verlorene zu finden und zu retten? Lässt du dich mit einspannen, wird das auch eine Freude in deinem Leben?
Ich möchte dafür beten, dass wir das als einzelne, auch als ganze Gemeinde, viel mehr aufs Herz kriegen: diesen Blick Gottes für die Verlorenen, dass uns das auch zur großen Freude im Leben wird.
Ja, Vater, wir danken dir, dass du die Verlorenen siehst und dass du sie suchst und dass du sie findest. Ich danke dir, dass du das in meinem Leben mit mir geschafft hast und für die vielen, vielen Menschen in unserer Gemeinde, die das erleben durften. Und ich bete für jeden, der das nicht erleben durfte bis hierher, dass er sich doch wiederfinden darf in dieser Geschichte vom verlorenen Sohn und erkennt, wie gut und wie gnädig und wie liebevoll du bist.
Und ich möchte beten, dass wir nicht werden wie dieser ältere Sohn, dass wir nie andere Menschen verachten, dass wir nicht auf sie herabschauen, egal wie verabscheuungswürdig sie uns erscheinen, Herr, dass wir unser Herz dir hinhalten und dass wir uns von dir füllen lassen mit deiner Liebe, die du zu den Verlorenen hast. Herr, lass uns doch darin wachsen. Du siehst das, wie bitter wir manchmal auch sein können in unseren Herzen und wie diese Pharisäer und Schriftgelehrten das nicht gut finden, deine Gnade nicht gut finden, es ungerecht finden. Wie du Menschen, die so böse sein können, wie du ihnen alles vergibst, die ganze Schuld vergibst und einen Neuanfang schenkst.
Und, Vater, ich bete für unsere Herzen: Reinige du sie, schenk du uns Freude daran, dass du die Verlorenen rettest, und mach uns bereit, in deine Mission mit einzusteigen. Immer mehr, so wie Jesus es uns aufträgt: Geht an alle Weltenden, verkündigt das Evangelium. Vater, hilf uns dazu! Und gerade in dieser Zeit beten wir, dass du in unserem Land viele Verlorene findest und rettest. Amen.