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Salomos Weisheit und die ersten Risse

1. Könige 3,1-918.03.2026
SerieTeil 6 / 9Das 1. Buch der Könige – Bibelwoche
Adonia will nicht Frieden, sondern den Thron zurück. Als Salomo den Trick durchschaut, zeigt sich: Machtgier endet nicht im Versteckspiel – und Schuld holt einen früher oder später ein.

Rückblick auf den Beginn der Ereignisse

Wir sind stehen geblieben bei 1. Könige 2 und lesen jetzt weiter ab Vers 13:
Und Adonia, der Sohn Haggits, kam zu Batseba, der Mutter Salomos. Und sie sprach: Ist dein Kommen in Frieden? Und er sprach: Frieden.
Eine sehr überraschende Sache, nicht wahr? Salomo hat Adonia trotz seines Aufstands, seiner Revolution und seines Versuchs, den Vater vom Thron zu stoßen und das Thronrecht Salomos an sich zu reißen, verschont. Das war der Schluss von 1. Könige 1. Aber er hat ihm ganz klar gesagt: Wenn er sich als ein tüchtiger Mann erweisen wird, soll von seinem Haar keines auf die Erde fallen. Wenn aber Böses an ihm gefunden wird, dann soll er sterben.
Nun überrascht es schon, dass dieser Adonia plötzlich zu der Mutter Salomos kommt. Er war ja nur ein Halbbruder von Salomo, der Sohn einer anderen Mutter, der Sohn Haggits. Und Batseba ist skeptisch, darum stellt sie die Frage: Ist dein Kommen in Frieden? Und er bestätigt gewissermaßen: Frieden.

Ein verdeckter Anspruch auf Macht

Vers 14: Und er sprach: Ich habe ein Wort an dich. Und sie sprach: Rede.
Also, ziemlich stockende Kommunikation, ja? Wenn wir so miteinander sprechen. Er hat die Kommunikation begonnen, und da muss ich noch sagen: Rede. Komisch.
Und er sprach: Du weißt ja, dass das Königtum mein war und dass ganz Israel sein Angesicht auf mich gerichtet hatte.
Das stimmt gar nicht. Gewisse waren auf seiner Seite, und zu sagen, das Königtum war mein, ist natürlich ein unglaublicher Anspruch. Er hat es versucht, an sich zu reißen, und man hat ihn als König ausgerufen. Aber das war’s dann. Dass ganz Israel sein Angesicht auf mich gerichtet hatte, dass ich König sein sollte.
Aber das Königtum hat sich gewandt und ist meinem Bruder zuteil geworden. Warum hat es sich gewandt? Woher kommt das? Das wird einfach so sprachlich ausgelassen. Also schon ein Kommunikationsspezialist.
Das Königtum war sein, aber eben, er sagt: Aber das Königtum hat sich gewandt. Das Königtum hat gar nichts gemacht. Aber das Königtum hat sich gewandt und ist meinem Bruder zuteil geworden, denn von dem Herrn aus gehörte es ihm.
Oh, er wusste das und hat bewusst gegen den Herrn gehandelt. Also: Was steckt dahinter?
Und nun erbitte ich eine Bitte von dir. Also jetzt muss etwas kommen, das ihm unwahrscheinlich wichtig ist. Weise mich nicht ab.
Und sie sprach zu ihm: Rede. Wieder dieses Stockende. Sie muss noch Spezialgas geben: Rede.
Und er sprach: Sprich doch zum König Salomo, denn er wird dich nicht abweisen.
Aha, das ist der Trick. Er versucht es über die Mutter, die er beeinflusst und die ein bisschen Arges ahnte, aber während sie doch ziemlich arglos ist. Denn er wird dich nicht abweisen, dass er mir Abischag, die Sunamitin, zur Frau gebe.
Wie bitte geht’s dem noch? Das war die Frau seines Vaters. Das geht gar nicht. Die Tora ist ja ganz klar: Das ist eine Verbindung, die ein absolutes No-Go ist. Wir haben auch diesen schrecklichen Fall in 1. Korinther 5, dass einer seines Vaters Frau habe. Gut, dort ging es dann sogar darum, es war ja gar keine Ehe, es war Hurerei außerhalb der Ehe. Aber doch so, dass der Apostel Paulus sagt: eine Art von Hurerei, die man selbst unter den Heiden nicht akzeptiert.
Er will die Frau von seinem Vater. Und das hat natürlich alles einen Hintergrund.

Die Vorgeschichte von Machtansprüchen durch Frauen

 2. Samuel 3,7, das war ja nach dem Tod von Saul. Ich lese ab Vers 6:
Und es geschah, während der Kampf zwischen dem Haus Sauls und dem Haus Davids war, da stand Abner dem Haus Sauls mutig bei. Abner, der Heeroberste Sauls, war entschlossen, gegen David und sein Königtum zu kämpfen, auf der Seite der Familie Sauls.
Und Saul hatte eine Nebenfrau, ihr Name war Rizpa, die Tochter Ajas. Man muss vielleicht noch erklären: Eine Nebenfrau war nicht einfach eine Konkubine. Eine Nebenfrau war wirklich verheiratet. Wir haben aber gesehen, Polygamie war in der Bibel nie erlaubt und von Anfang an völlig gegen Gottes Gedanken, von der Schöpfung an. Es ist in der Bibel dennoch ein Unterschied zwischen Geschlechtsverkehr außerhalb der Ehe und Polygamie, wo die Frauen als verheiratet gelten, mit einem Ehebund. Die Nebenfrau war also ebenfalls angeheiratet, aber ohne Erbrecht. Das war eine erbrechtliche Sache, quasi ein Ehevertrag, dass sie zwar Ehefrau ist, aber auf das Erbe verzichtet.
Jetzt wird hier erwähnt: Es gab da diese Nebenfrau, ihr Name war Rizpa, die Tochter Ajas. Und Ischboschet sprach zu Abner, also dem Sohn Sauls: Warum bist du zu der Nebenfrau meines Vaters eingegangen? Da ergrimmte Abner sehr über die Worte Ischboschets und sprach: Bin ich ein Hundskopf, der es mit Juda hält? Heute erweise ich Güte an dem Haus deines Vaters Saul, an seinen Brüdern und an seinen Freunden, und ich habe dich nicht in die Hand Davids überliefert, und du wirfst mir heute das Vergehen mit dieser Frau vor.
So möge Gott Abner tun und so ihm hinzufügen, wenn ich nicht, wie der Herr David geschworen hat, ihm so tun werde, das Königtum vom Haus Sauls abzuwenden und den Thron Davids aufzurichten über Israel und über Juda, von Dan bis Beerscheba. Er konnte Abner kein Wort mehr erwidern, weil er ihn fürchtete.
Abner hat sich also in schwerer Weise vergangen, aber ausgerechnet an einer Frau von Saul. Und da kann eben die Absicht dahinter stecken, dass er dadurch ein Anrecht auf den Thron Sauls für sich ableiten wollte. Und Ischboschet hat ihm das vorgeworfen. Das hat ihn so wütend gemacht, dass er sofort die Seite gewechselt hat und gesagt hat: Jetzt setze ich mich ein für David, jetzt ist es aus.
Aber eben diese Sache, quasi die Frau eines Königs zu nehmen, um damit ein Anrecht auf den Thron zu erwerben, ist etwas, was in der üblen Geschichte des Nahen Ostens eben nicht ein Einzelfall war. Das war eine Schiene, um sich Rechte auf den Thron zu erwerben. Und darum noch ein weiteres Beispiel: 2. Samuel 16,7. Das ist so schrecklich, das ist eben die Sache mit der Revolution von Absalom und was er da gemacht hat, ist so schlimm.

Die Schändung als politisches Signal

 2. Samuel 16,20 Er hatte ja diesen teuflischen Ratgeber, der übermenschlich intelligent war: Ahitophel.
Und Absalom sprach zu Ahitophel: Schafft Rat, was wir tun sollen. Und Ahitophel sprach zu Absalom: Geh ein zu den Nebenfrauen deines Vaters, die er zurückgelassen hat, um das Haus zu bewachen. So wird ganz Israel hören, dass du dich bei deinem Vater stinkend gemacht hast, und die Hände aller derer, die mit dir sind, werden erstarken.
Da schlug man für Absalom ein Zelt auf dem Dach auf, und Absalom ging ein zu den Nebenfrauen seines Vaters vor den Augen von ganz Israel.
Der Rat Ahitophels aber, den er in jenen Tagen gab, war, wie wenn man das Wort Gottes befragte. So war jeder Rat Ahitophels sowohl für David als auch für Absalom. Aber es war teuflisch. Und trotzdem: Der Mann war so intelligent, dass man im Allgemeinen immer dachte, wenn Ahitophel etwas entscheidet, ist es richtig.
Und es ist so scheußlich, was er hier Absalom vorschlägt. Aber er schlägt eben diese Schändung vor, um damit auch den Anspruch von Absalom auf den Thron zu festigen.
Und jetzt kommt dieser Adonia, und er will Abischak, diese Frau von David. Und wir schauen, was weiter geschieht.

Die Königinmutter als Vermittlerin

Vers 18: Und Batseba sprach: Gut, ich will deinetwegen mit dem König reden. Da hätte sie gerade sagen können: Das geht gar nicht.
Und Batseba ging zum König Salomo hinein, um wegen Adonia mit ihm zu reden. Und der König stand auf, ihr entgegen, beugte sich vor ihr nieder und setzte sich auf seinen Thron. Sieht man diese Achtung vor der Mutter als Sohn: Er beugte sich nieder, dann setzte er sich auf den Thron. Und jetzt kommt noch etwas: Er ließ einen Thron für die Mutter des Königs hinstellen. Jetzt kriegt sie auch noch einen Königsthron als Königsmutter. Und sie setzte sich zu seiner Rechten, das ist die Seite der Ehre.
Darum heißt es ja auch in Psalm 110: Der Herr sprach zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis ich lege zum Schemel deiner Füße deine Feinde. Aber auch dort ist rechts eben die besondere Ehrenstellung. Sie sitzt rechts auf dem Thron.
Und sie sprach: Ich habe eine kleine Bitte an dich. Wie bitte? Das ist keine kleine Bitte. Ich habe eine kleine Bitte an dich, weise mich nicht ab. Ja, das hat sie schon von Adonia übernommen. Der hat sich schon beeinflussen lassen können. Er hat gesagt: Wenn du gehst, wird er dich nicht abweisen. Und sie sagt ihm noch: Bitte weise mich nicht ab.
Und der König sprach zu ihr: Bitte, meine Mutter, denn ich werde dich nicht abweisen. Er weiß gar nicht, was kommt. Und sie sprach: Möchte Abischag, die Sunamitin, deinem Bruder Adonia zur Frau gegeben werden.
Da antwortete der König Salomo und sprach zu seiner Mutter: Und warum bittest du um Abischag, die Sunamitin, für Adonia? Bitte für ihn auch um das Königtum, der ist mein älterer Bruder. Er realisiert sofort, was er will. Der nächste Punkt ist dann, dass er auch König werden soll. Und schließlich ist er ja sowieso noch der ältere Bruder. Dann könnte er sagen, er hätte mehr Erbrecht. Also: Er durchschaut sofort, was dahintersteckt. Denn er ist mein älterer Bruder.
Sowohl für ihn als auch für Abjatar, den Priester, und für Joab, den Sohn der Zeruja. Als Nächstes wirst du auch noch für diesen abtrünnigen Hohenpriester eintreten und für Joab, diesen abtrünnigen General, für Joab, den Sohn der Zeruja.

Das Gericht über den zweiten Umsturzversuch

Und der König Salomo schwor bei dem Herrn und sprach wieder ein Wortspiel. Es geht um Batschewa, die Tochter des Schwures. Salomo schwört, aber nicht in Übereinstimmung mit dieser kleinen Bitte, die sie bringt: So soll mir Gott tun und so hinzufügen. Also ein Schwur, quasi: Wenn ich jetzt eben hier nicht eingreifen werde, als Richter, dann möge Gott mich richten.
Das ist jetzt eigentlich, wir haben gesagt, beim Schwur ist es typisch, dass man nur den Wenn-Satz sagt und das andere weglässt. Hier haben wir jetzt eigentlich den Wenn-Satz weggelassen und gerade den Dann-Satz als Schwur: Dann soll mir Gott tun und so hinzufügen, nämlich ein Gericht über ihn bringen.
Und jetzt sagt er: Um sein Leben hat Adonia dieses Wort geredet. Das ist ein zweiter Versuch für einen Umsturz. Und nun, so wahr der Herr lebt, der mich befestigt hat und mich hat sitzen lassen auf den Thron meines Vaters David und der mir ein Haus gemacht hat, so wie er geredet hat: Heute soll Adonia getötet werden.
Und der König Salomo sandte hin durch Benaja, den Sohn Jojadas, wieder dieser Held, der der Anführer der Drei war, die vor allen Dreißig Helden waren. Durch ihn lässt er es ausführen. Der König Salomo sandte hin durch Benaja, den Sohn Jojadas, und er stieß ihn nieder, und er starb.
Und damit starb das vierte Schaf. David hatte gesagt in 2. Samuel 12, dieser böse Mann, der das Schaf geraubt hat, soll es vierfach erstatten. Und David musste es erstatten mit dem Kind von Batschewa, das nach der Geburt starb, dann mit Amnon, der von Absalom ermordet wurde, beziehungsweise er ließ ihn ermorden und hatte ihm Alkohol geben lassen, und dann wurde er umgebracht. Dann kam aber Absalom um. Joab hatte ihn, als er da mit den Haaren im Baum hing, durchbohrt, und hier Adonia. Ein unglaubliches Drama.

Absetzung des untreuen Priesters

Vers 26: Und zu Abjatar, dem Priester, sprach der König: Geh nach Anatot auf deine Felder, denn du bist ein Mann des Todes.
Er setzt ihn also als Hohepriester ab. Er soll nach Anatot gehen, wo er Grundbesitz hatte. Anatot war überhaupt ein Ort, an dem viele Priester wohnten. Übrigens auch Jeremia, der ja die Königsbücher geschrieben hat. Ich habe das schon gestern erklärt, im Traktat Baba Batra im Talmud. Dort gibt es wichtige Informationen über die Autorschaft des Alten Testaments. Denn die Bücher der Bibel wurden nicht anonym akzeptiert. Alle Propheten, alle Bibelschreiber mussten den Prophetentest bestehen. Und nur solche, die als Propheten in der Nahzeitprophetie sich nie, auch nicht ein einziges Mal, geirrt hatten, und nur solche Propheten, die auch in ihrer Lehre mit dem Gesetz Mose übereinstimmten, konnten als Bibelschreiber akzeptiert werden.
Nun, Jeremia war gemäß Baba Batra der Autor von 1. und 2. Könige. Ich habe auch schon gesagt, nur als Erinnerung: 2. Könige 24, das letzte Kapitel, ist fast identisch mit Jeremia 52. Das liegt daran, dass Jeremia das Prophetenbuch Jeremia geschrieben hat und das Königsbuch ursprünglich ein Buch war. Er hat es später erst aufgeteilt. Das ist also eine menschliche Aufteilung, aber er ist der Autor, und natürlich auch des Buches Klagelieder.
Nun, von Jeremia wird gesagt, er sei aus Anatot gewesen, auch von priesterlicher Abstammung. Das hatte für ihn eine besondere Bedeutung, als da gesagt wurde: Abjatar soll gehen auf seine Felder nach Anatot, er ist ein Mann des Todes.
Dann fügt Salomo hinzu: Aber an diesem Tag will ich dich nicht töten, weil du die Lade des Herrn, des Ewigen, vor meinem Vater David getragen und weil du gelitten hast in allem, worin mein Vater gelitten hat.
Also vergisst er nicht all das Gute, das Abjatar David gegenüber getan hat. Es ist traurig, dass er das nicht bis zum Schluss durchgezogen hat, aber das wird anerkannt. Und es wird anerkannt, dass er eben eine ganz besondere Aufgabe hatte: Er hat die Bundeslade getragen.

Die Erfüllung eines alten Gerichtswortes

Und weiter, Vers 27: Und so verstieß Salomo Abjatar, damit er nicht mehr Priester des Herrn wäre, um das Wort des Herrn zu erfüllen, das er in Silo über das Haus Elis geredet hatte.
Jetzt sehen wir: Jeremia, als Schreiber der Königsbücher und als Prophet, war ganz besonders darauf aus, zu zeigen, wie sich das prophetische Wort in der Heilsgeschichte stets erfüllt hat. Darum wird sich das nun wie ein roter Faden durch die Königsbücher hindurchziehen, dass immer wieder gezeigt wird: Das, was Gott durch seine Propheten voraussagt, das geht auch wirklich so in Erfüllung.
Und hier wird betont: Diese Verwerfung Abjatars ist nichts anderes als die Erfüllung von Gottes Wort in Silo.
 1. Samuel 2,31. Nicht 2. Samuel, sondern 1. Samuel. Ja, das ist diese wunderbare Geschichte von Samuel. 1. Samuel 1: Wir erinnern uns, wie Elkanah mit seiner Familie jedes Jahr nach Silo kam, zur Stiftshütte. Es war eine Zeit des Niedergangs. Das war etwas Besonderes, dass sie regelmäßig nach Silo gingen. Das war im Volk nicht mehr üblich. Aber sie gingen noch.
Wir sehen dort Hanna, die sehr viel gelitten hat. Sie hatte einen Wunsch: Sie hätte gerne ein Kind gehabt, einen Sohn. Und diesen Sohn würde sie dann völlig dem Herrn zur Verfügung stellen. So wird Samuel geboren, und nachdem er entwöhnt war, bringt Hanna ihn zur Stiftshütte. Dort wächst er auf, aber unter ganz schwierigen Umständen.
Eli, der Hohepriester aus der Linie von Itamar, war als oberster Richter Israels untreu, denn er hatte bei seinen beiden schlimmen Söhnen einfach die Augen geschlossen. Es war so schrecklich, dass Gott eingreifen musste. Er sandte einen Propheten, in 1. Samuel 2,27:
Und es kam ein Mann Gottes zu Eli und sprach zu ihm: So spricht der Herr: Habe ich mich dem Haus deines Vaters nicht deutlich offenbart, als sie in Ägypten waren, im Haus des Pharao, das heißt dem Haus Aarons? Und ich habe ihn aus allen Stämmen Israels mir zum Priester erwählt, um auf meinem Altar zu opfern, eben Aaron, um Räucherwerk zu räuchern, um das Ephod vor mir zu tragen; und ich gab dem Haus deines Vaters alle Feueropfer der Kinder Israel.
Also: Aaron und seine Familie bekamen das Vorrecht des Priestertums. Und jetzt sagt Gott: Warum tretet ihr mit Füßen mein Schlachtopfer und mein Speisopfer, die ich in der Wohnung geboten habe, und du ehrst deine Söhne mehr als mich? Diese Söhne waren so schrecklich unmoralisch und wirklich gefährliche Männer für Frauen. Und du ehrst deine Söhne mehr als mich, dass ihr euch mästet von den Erstlingen aller Opfergaben Israels, meines Volkes.
Darum spricht der Herr, der Gott Israels: Ich habe allerdings gesagt, dein Haus und das Haus deines Vaters sollen vor mir wandeln in Ewigkeit. Aber nun spricht der Herr: Fern sei es von mir! Denn die, die mich ehren, werde ich ehren, und die, die mich verachten, werden gering geachtet werden.
Siehe, Tage kommen also noch in der Zukunft, da werde ich deinen Arm und den Arm des Hauses deines Vaters abhauen, dass es keinen Greis mehr in deinem Haus geben wird. Und dieses Abhauen kann man noch weiter lesen, was der Prophet gesagt hat und wie er es durch die spätere Prophetie dann bestätigt hat, nämlich dass die beiden schlimmen Söhne nächstens im Krieg sterben sollten: Hofni und Pinehas.
Und dann wird in Vers 35 angekündigt: Und ich werde mir einen treuen Priester erwecken, der wird tun, wie es in meinem Herzen und in meiner Seele ist, und ich werde ihm ein beständiges Haus bauen, und er wird vor meinem Gesalbten wandeln alle Tage.
Damit war diese Linie von Eli aus der Abstammung von Itamar, also Aaron, Itamar, abgeschnitten. An die Stelle dieser Linie soll eine andere Linie kommen, in der Person eines treuen Priesters. Und uns ist klar, wer das ist. Das war eine Prophetie auf Zadok, aber so lange Zeit im Voraus, nicht wahr? Da waren dann nach Eli 40 Jahre Saul, dann 40 Jahre David, und jetzt sind wir am Anfang der Regierung Salomos, und die Erfüllung kommt. Das Wort Gottes geht in Erfüllung.
Aber eben dieser Prophet war als wahrer Prophet erwiesen, denn er hat gesagt, als Zeichen dafür, dass diese Prophetie so in Erfüllung gehen wird, ein Nahzeitzeichen, Vers 34: Und dies soll das Zeichen sein, das über die beiden Söhne kommen wird, über Hofni und Pinehas: An einem Tag sollen sie beide sterben. Und das geschieht in der Folge.
Da ist also Zadok prophezeit. Und in Kapitel 3 sehen wir, wie Samuel aufwächst, und der Herr beginnt dann mit ihm zu sprechen und teilt ihm eben mit, dass dies die Bestätigung ist, dass Gott das Gericht über das Haus Elis bringen wird. Und nun sehen wir: Dieses Wort aus Silo hat sich nun erfüllt, da wurde diese Linie abgeschnitten.
Ich muss erklären: Zadok war aus der Linie von Eleazar. Aaron hatte ja vier Söhne, und zwei starben, weil sie fremdes Feuer gebracht hatten. Das steht in 3. Mose 10. Und gleich nach dem Ereignis in 3. Mose 10 kommt das Verbot, dass Priester überhaupt keinen Alkohol trinken dürfen, wenn sie Priesterdienst haben. Das zeigt, dass sie offensichtlich nicht nüchtern waren in ihrem Urteil, als sie gedacht haben: Wieso können wir nicht normales Feuer nehmen? Warum müssen wir fürs Räuchern im Heiligtum unbedingt das Feuer vom Himmel auf dem Brandopferaltar nehmen? Und dann starben sie.
Dann blieben eben noch Itamar und Eleazar übrig. Und aus beiden Linien kamen in der folgenden Zeit Hohepriester. Aber eben diese Linie von Itamar als Hohepriesterlinie wurde abgeschnitten, und dann blieb nur noch die Linie von Zadok, wie ich das schon erklärt habe. Darum waren im ersten Tempel alle Hohepriester Zadokiden, und auch im zweiten Tempel, bis dann eben diese Untreue kam in der Zeit der Makkabäer, im zweiten Jahrhundert vor Christus.
Ja, so viel zu Vers 27. Wir gehen weiter.

Joabs Flucht zum Altar

Und die Nachricht kam zu Joab, denn Joab hatte sich Adonia zugeneigt. Da floh Joab zum Zelt des Herrn und erfasste die Hörner des Altars. Er macht es genau gleich wie Adonia. Und wieder, wie schon erklärt, auf Grundlage eben dieser Asylmöglichkeit nach 2. Mose 21. Wenn man in Gefahr war, getötet zu werden, aus nicht berechtigten Gründen, konnte man eben zum Altar gehen, dem Ort der Vergebung, der Versöhnung, dem Ort des Opfers. Dort war man sicher. Und so geht er und erfasst die Hörner.
Da floh Joab zum Zelt des Herrn und erfasste die Hörner des Altars. Und es wurde dem König Salomo berichtet: Joab ist im Zelt des Herrn. Er ist zum Zelt des Herrn geflohen, und siehe, er ist neben dem Altar. Da sandte Salomo Benaja, den Sohn Jojadas, und sprach: Geh hin, stoß ihn nieder. Benaja kam zum Zelt des Herrn und sprach zu Joab: So spricht der König: Geh hinaus! Und er sprach: Nein, sondern hier will ich sterben.
Der wollte natürlich, dass Benaja etwas tut, was natürlich ein Gräuel gewesen wäre, wenn er da am Altar eben das Gericht ausgeübt hätte. Und darum sagt Benaja: Geh weg. Und er sagt frech: Ich gehe nicht weg. Aber eben, man muss festhalten: 2. Mose 21 zeigt, dass eben diese Rettungsmöglichkeit, diese Asylmöglichkeit, für Totschläger war, nicht für Mörder. Aber Joab hatte eben Blut an seinem Gürtel und an seinen Schuhen, wie wir gesehen haben. Und das war eben Mord und nicht Totschlag. Darum sagte er ihm: Geh hinaus!
Und Benaja kam zum Zelt des Herrn und sprach zu Joab: So spricht der König: Geh hinaus! Und er sprach: Nein, sondern hier will ich sterben. Und Benaja brachte dem König Antwort und sprach: So hat Joab geredet, und so hat er mir geantwortet.
Man muss sich vorstellen, der ging also nach Gibeon, eine ziemliche Distanz. Am besten mit dem Auto nach Norden fahren, in das nördliche, sogenannte Westjordanland, man sagt heute Samaria. Und dann musste er wieder zurück in die Davidstadt und mit König Salomo sprechen. Der weigert sich, den Altar loszulassen.
Und der König sprach zu ihm, Vers 31: Tu, wie er geredet hat, und stoß ihn nieder, und begrabe ihn. Und so tu das Blut, das Joab ohne Ursache vergossen hat, von mir und vom Haus meines Vaters weg. Also Salomo macht klar: Würden wir einfach neutral bleiben in dieser Sache, machen wir uns mitschuldig. Und der Herr wird sein Blut auf seinen Kopf zurückbringen, weil er zwei Männer niedergestoßen hat, die gerechter und besser waren als er, und sie mit dem Schwert ermordet hat, ohne dass mein Vater David es wusste: Abner, den Sohn Neers, den Heerobersten Israels, und Amasa, den Sohn Jeters, den Heerobersten Judas.
Und ihr Blut wird zurückkehren auf den Kopf Joabs und auf den Kopf seiner Nachkommen auf ewig. Aber David und seinen Nachkommen und seinem Haus und seinem Thron wird Frieden sein auf ewig vonseiten des Herrn.
Und Benaja, der Sohn Jojadas, ging hinauf und stieß ihn nieder und tötete ihn, und er wurde begraben in seinem Haus in der Wüste. Und der König setzte Benaja, den Sohn Jojadas, an seiner Stelle über das Heer, und Zadok, den Priester, setzte der König an die Stelle Abjatars.
Also es wird nicht gesagt, wie er das jetzt gemacht hat, ob er ihn einfach zuerst weggezerrt hat vom Altar und dann außerhalb der Stiftshütte getötet hat. Es wird einfach gesagt, er hat ihn getötet. Und das hat dazu geführt, dass er ernannt wurde zum General anstelle von Joab, der eben treulos wurde gegenüber David. Und Zadok bekommt jetzt eben diese Stelle als hoher Priester, und Abiatar ist abgesetzt.

Die Bedeutung der Hörner und des Heiligtums

Nun, das mit den Hörnern muss man noch weiter erklären. In 3. Mose 4 sieht man zum Beispiel, dass bei gewissen Opfern vorgeschrieben war, dass das Blut der Opfer an die Hörner des Altars gestrichen werden sollte. Wovon spricht das?
Wir können in den Psalmen nachschlagen. In einem Psalm von David heißt es in Vers 2:
Und er sprach: Ich liebe dich, Herr, meine Stärke! Der Herr ist mein Fels und meine Burg und mein Retter, mein Gott, mein Schutz, zu ihm werde ich Zuflucht nehmen, mein Schild und das Horn meines Heils, meine hohe Festung.
Wir haben hier eine wunderbare Konzentration von Namen Gottes. Es lohnt sich, die Namen Gottes in der Bibel speziell anzustreichen, all die Hunderte von Namen. Und hier haben wir eine Konzentration: zuerst Herr, mit Großbuchstaben. Das ist Yahweh, der Ewigseiende, der Unwandelbare. Dann: meine Stärke. Neunmal steht hier mein, um die persönliche Beziehung zu zeigen. Meine Stärke. Dann nochmals: der Herr ist mein Fels. Das ist Sela, das ist das Felsmassiv, also der erhöhte Christus. Meine Burg und mein Retter. Mein Gott, und zwar hebräisch El, das heißt Gott im Sinn von: der starke Gott. Mein Schutz!
Nun, im Hebräischen steht wörtlich Fels, das sagt die Fußnote der Elberfelder. Aber um die deutschen Leser nicht zu verwirren, weil schon oben steht: Der Herr ist mein Fels, und hier nochmals mein Fels, wird es entsprechend wiedergegeben. Aber hier ist es Zur, Zuri, mein Fels. Das ist der Felsblock, das ist also der erniedrigte Christus. Ein solcher Fels wurde von Mose geschlagen, in 2. Mose 17, und dann kam der Segen. Und in 4. Mose 20 musste er den Sela, das Felsmassiv, eben nicht schlagen, sondern reden: der erhöhte Christus, mit dem wir im Gebet reden. Beides ist da drin.
Und dann heißt es: zu ihm werde ich Zuflucht nehmen, mein Schild und, nebst meiner hohen Festung, am Schluss das Horn meines Heils. Und jetzt ist klar: Das Horn meines Heils, das ist eben das Horn am Altar. Das Horn symbolisiert Stärke. Wenn man einmal ein Problem gehabt hat mit einem Widder oder noch schlimmer mit einem Stier, dann weiß man wirklich für das ganze Leben, dass Hörner ein Bild der Stärke und der Kraft sind. Hörner wurden mit Blut bestrichen. Das verbindet den Gedanken der Stärke mit der Rettung: das Horn meines Heils.
Und es sind beim Altar vier Hörner, entsprechend den vier Himmelsrichtungen, den vier Winden. Das bedeutet, dass eben das Heil in Christus, das Heil, das durch die Opfer auf dem Altar symbolisiert wird, im Blick auf die ganze Welt gedacht ist. Also: Gott hat die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab. In 1. Timotheus 2,4 heißt es, dass Gott will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.
Wobei zu sagen ist: Will ist dort thelo, das ist nicht dasselbe wie boulomai. Boulomai ist wollen im Sinn von als Ratschluss beschlossen. Aber dort steht thelo, und das kann man auch übersetzen mit wollen und gern haben, gern haben wollen. Und darum steht in der Schlachter in der Fußnote: möchte. Stimmt es, die die Schlachter haben? Gut, wir müssen es schon offen haben, 1. Timotheus 2,4. Jens, bestätigst du? Ja, okay, also das ist korrekt.
Das heißt nicht, dass Gott es durchzieht, dass alle Menschen gerettet werden. Denn man muss sich bekehren. Und man muss seine persönliche Schuld Gott bekennen, bereuen und ihm glauben, das Opfer in Anspruch nehmen. Sonst geht man eben verloren. Aber Gott bietet das Opfer des Herrn Jesus allen an, und er möchte, dass alle errettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Also nicht nur gerade bekehrt und dann kann man so knapp in den Himmel, sondern zur Erkenntnis der Wahrheit. Gott möchte auch, dass ein gesundes geistliches Wachstum geschieht, durch das ganze Leben hindurch.
Aber eben, das ist die tiefe Bedeutung von diesen Hörnern. Und jetzt versteht man auch, warum eben da Menschen in großer Not Zuflucht nahmen zum Horn. Aber eben: Ein Joab war nicht bußfertig, und ein Adonia war nicht bußfertig, und so nützte ihm diese Symbolik nichts.

Simeis begrenzte Freiheit und sein Ungehorsam

Wir fahren weiter in 1. Könige 2, Abwehr 36.
Und der König sandte hin und ließ Simei rufen, eben diesen grausamen Lästerer von Vater David. Und er sprach zu ihm: Baue dir ein Haus in Jerusalem und wohne dort. Und du sollst nicht von dort hinausgehen, dahin oder dorthin. Und es soll geschehen: An dem Tag, an dem du hinausgehst und den Bach Kidron überschreitest, so wisse bestimmt, dass du sterben musst. Dein Blut wird auf deinem Kopf sein.
Also, er kommt in eine Art Halbgefangenschaft. Keine elektronische Fußfessel, aber es ist klar festgelegt: ein Haus in Jerusalem, und er muss in diesem Haus bleiben. Das ist die Strafe. Und wehe, wenn er dann von Jerusalem eben über den Bach Kidron geht. Das ist das Wadi, also der Winterbach, der den Ölberg vom Tempelberg trennt, und nicht nur vom Tempelberg, sondern vom Tempelplatz. Dann verläuft er entlang des Südabhangs. Das Kidrontal geht übrigens runter bis ins Tote Meer.
Wenn man von Norden her beim Toten Meer auf der Westseite nach Süden fährt, kommt sehr bald ein großes Wadi die Berge herunter und mündet ins Tote Meer. Und das ist das Wadi Kidron. Es ist also noch das gleiche Tal bei Jerusalem. Es führt dann runter durch die Wüste bis zum Toten Meer. Also: Wenn du hinausgehst und den Bach Kidron überschreitest, Kidron heißt übrigens Schwarz, also Bach Kidron, das ist der Schwarzenbach, so wisse bestimmt, dass du sterben musst. Dein Blut wird auf deinem Kopf sein.
Wieder dieser Ausdruck, den wir wiederholt gefunden haben, schon bei Joab, dass das Blut zurückkehrte auf seinen Kopf. Diese Ausdrucksweise muss man gut beachten, denn dann versteht man den Jom Kippur viel besser. In 3. Mose 16 heißt es ja von diesem unschuldigen Ziegenbock, 3. Mose 16,20. Es geht um den Azazel, also den Bock, der dann beladen mit der Schuld Israels in die Wüste gehen musste, um dort zu sterben und die Sünden auf Nimmerwiedersehen wegzutragen.
 3. Mose 16,20: Und hat er die Sühnung des Heiligtums und des Zeltes der Zusammenkunft und des Altars vollendet, er, der Hohepriester, so soll er den lebenden Bock herzubringen. Und Aaron lege seine beiden Hände auf den Kopf des lebenden Bockes und bekenne auf ihn alle Ungerechtigkeiten der Kinder Israel und alle ihre Übertretungen nach allen ihren Sünden. Und er lege sie auf den Kopf des Bockes und schicke ihn durch einen bereitstehenden Mann fort in die Wüste, damit der Bock alle ihre Ungerechtigkeiten auf sich trage in ein ödes Land. Und er schicke den Bock fort in die Wüste.
Also, ein Ziegenbock kann nicht sündigen. Tiere sündigen nicht. Und darum ist eben dieses Opfer ein Bild des Herrn Jesus, der vollkommen war, ohne Sünde. Aber all die Sünde Israels sollte auf den Kopf des Bockes getan werden, und so, mit der Schuld auf dem Kopf, sollte der Bock in die Wüste, um dort zu sterben, um nie mehr mit der Sünde zurückzukommen. Er sollte also weggesendet werden in die Wüste.
Und an dieser Stelle ganz schön: Das Wort Vergebung oder Vergeben auf Hebräisch heißt wegschicken. Und Vergebung bedeutet Wegsendung. Und das versteht man so wunderbar mit dem Jom Kippur. Alle Sünden weggeschickt, auf immer weg. Aber eben der, der das Gericht trägt und in den Tod gehen muss, der hat die Sünden auf dem Kopf.
Und hier sehen wir aber Menschen, die wegen ihrer eigenen Sünde sterben mussten, und die Sünde kam auf ihren Kopf. So wurden sie gewissermaßen für sich selber der Sündenbock, wenn man nicht den Stellvertreter für sich in Anspruch nimmt, den Messias, Jesus.
Also, wir gehen zurück zu 1. Könige 2,37 am Schluss: So wisse bestimmt, dass du sterben musst, dein Blut wird auf deinem Kopf sein. Und Simei sprach zum König: Das Wort ist gut. So wie mein Herr, der König, geredet hat, so wird dein Knecht tun.
Also, er akzeptiert das. Jetzt wird sich zeigen, wie verlässlich dieser Lästerer ist.

Das Ende von Simeis Weg

Und Simei wohnte lange Zeit in Jerusalem. Es geschah aber am Ende von drei Jahren, da flohen zwei Knechte Simeis zu Achis, dem Sohn Maakas, dem König von Gad. Da sind also zwei abgehauen und sind übergelaufen zu den Philistern, zum Philisterkönig, nach Gad.
Und man berichtete es Simei und sprach: Siehe, deine Knechte sind in Gad. Da machte sich Simei auf und sattelte seinen Esel und ging nach Gad zu Achis, um seine Knechte zu suchen. Ja, und wie geht man von Jerusalem nach Gad? Über den Kidron, dann den Ölberg hinauf und dann durch die Wüste? Ja, es ist nicht unbedingt dieser Weg, aber er hat den Weg so gewählt, dass er offensichtlich eben doch über den Kidron ging, und das hätte er anders machen können.
Aber wir lesen weiter: Er ging nach Gad zu Achis, um seine Knechte zu suchen, und Simei ging hin und brachte seine Knechte von Gad zurück. Und es wurde Salomo berichtet, dass Simei von Jerusalem nach Gad gegangen sei und zurückgekommen sei. Da sandte der König hin und ließ Simei rufen, und er sprach zu ihm: Habe ich dich nicht bei dem Herrn beschworen und dir beteuert und gesagt: An dem Tag, an dem du hinausgehst und gehst dahin oder dorthin, so wisse bestimmt, dass du sterben musst?
Also er macht ihm klar: Ob über den Bach Kidron oder einfach aus deinem Haus hinaus, das geht nicht. Und in diesem Fall sagt er nicht, er sei über den Bach Kidron gegangen, aber er sagt: Du bist aus dem Haus gegangen, und das war ungehorsam. Und gehst dahin oder dorthin, so wisse bestimmt, dass du sterben musst. Und du sprachst zu mir: Das Wort ist gut, das ich gehört habe. Und warum hast du den Schwur des Herrn nicht beachtet und das Gebot, das ich dir geboten hatte?
Und der König sprach: Du, Simei, du selbst weißt all das Böse, dessen dein Herz sich bewusst ist, dass du meinem Vater David getan hast. Und er hat dieses Lästern nie bereut. Und jetzt kommt es auf ihn, und so bringt der Herr deine Bosheit auf deinen Kopf zurück. Wieder dieser Ausdruck. Aber der König Salomo wird gesegnet sein, und der Thron Davids wird feststehen vor dem Herrn auf ewig.
Und der König gebot Benaja, dem Sohn Jojadas, und er ging hinaus und stieß ihn nieder, und er starb. Es war seine Schuld, dieses Unrecht, das David so großmütig damals ertragen hat und hat sich einfach darunter gestellt. Er war innerlich so zerbrochen, und dann kommt dieser Mann, der hat Steine auf ihn geworfen, gegen ihn geworfen und ihn dauernd gelästert und geschmäht, dass jetzt eben das über ihn kommt, was er verdient hat. Und David hat das so getragen, aber jetzt ist da Gerechtigkeit getan worden, und Simei musste sterben.
Aber eben, ich habe das so betont mit dem Hinausgehen, und dann dieser Zusatz in Vers 37: „Und den Bach Kidron überschreitest, so wisse bestimmt, dass du sterben musst.“ Und in Johannes 18 sehen wir jemanden, der über den Bach Kidron ging und dann sterben musste.

Der Weg Jesu über den Kidron

 Johannes 18,1: Als Jesus dies gesagt hatte, ging er mit seinen Jüngern hinaus auf die andere Seite des Baches Kidron, wo ein Garten war, in den er hineinging, er und seine Jünger.
Jesus war im Obersaal auf dem Südwesthügel der Altstadt von Jerusalem, der heute Zion heißt. Das ist nicht der biblische Berg Zion, denn das wäre der Tempelberg, sondern der benachbarte Südwesthügel der Altstadt von Jerusalem. Dort war der Obersaal.
Dort hat der Herr das Passahlamm gegessen und das Abendmahl eingesetzt. Dann sind sie hinausgegangen. Die Straßen und Gassen von Jerusalem waren leer, und sie gingen durch Jerusalem weiter in Richtung Kidrontal. Dort hat der Herr Jesus dann das Gebet in Johannes 17 gebetet. Das war nicht im Obersaal; sie waren schon hinausgegangen. Es war aber eben im Bereich dieses Weges.
Nach diesem Gebet kommt Johannes 18,1, und da geht der Herr dann mit den Jüngern hinunter über den Bach Kidron nach Gethsemane am Westabhang des Ölbergs. Danach geht Jesus ans Kreuz.
Also ging er über den Bach Kidron, aber nicht, weil er schuldig war, sondern als Unschuldiger. Er hat aber unsere Schuld auf sich genommen, sie auf seinen Kopf genommen.
Dazu können wir noch aus den Psalmen lesen. Es gibt ja eine ganze Reihe von messianischen Psalmen, die die Leiden des Herrn beschreiben. Besonders bekannt sind Psalm 22 und Psalm 69. Es gibt aber noch mehr, und ich möchte zuerst aus Psalm 38 lesen. Das ist ein messianischer Psalm, aber das kann man nicht einfach so sagen, ohne wichtige Erklärungen. Die will ich dazugeben.
In Vers 11 heißt es übrigens: Mein Herz pocht, verlassen hat mich meine Kraft, und das Licht meiner Augen ist auch nicht bei mir. Und meine Genossen stehen fernab von meiner Plage, und meine Verwandten stehen von fern.
So war der Herr am Kreuz. Alle seine Lieben, alle seine Jünger haben ihn verlassen, und auch seine Angehörigen haben ihn verlassen und standen fernab von seinen Leiden am Kreuz.

Die Last der Schuld im Licht der Psalmen

Und dann lese ich ab Vers 1, ab Vers 2: Herr, strafe mich nicht in deinem Zorn und züchtige mich nicht in deinem Grimm; denn deine Pfeile sind in mich eingedrungen, und deine Hand hat sich auf mich herabgesenkt. Nichts Heiles ist an meinem Fleisch wegen deines Zürnens, kein Frieden in meinen Gebeinen wegen meiner Sünde.
Jetzt haben wir einen Schock, das geht ja nicht. Wie kann man sagen, das ist ein messianischer Psalm? Hier spricht der Psalmist von meiner Sünde.
Nun, in Psalm 69, das ist ein messianischer Psalm, den das Neue Testament direkt auf den Herrn Jesus bezieht. Aus diesem Psalm wird in Römer 15 zitiert und auf Christus bezogen: Die Schmach derer, die dich schmähen, ist auf mich gefallen. Das wird dort auf Christus bezogen. Und in Johannes 2, der Vers aus Psalm 69: Der Eifer um dein Haus hat mich verzehrt, wird direkt auf den Herrn Jesus bezogen.
Nun, in diesem Psalm 69 sehen wir den Herrn Jesus in seinen Leiden am Kreuz. Vers 2: Rette mich, o Gott, denn die Wasser sind bis an die Seele gekommen. Ich bin versunken in tiefem Schlamm, und kein Grund ist da. In Wassertiefen bin ich gekommen, und die Flut überströmt mich.
Und in Vers 21: Der Hohn hat mein Herz gebrochen, und ich bin ganz elend. Und ich habe auf Mitleid gewartet, und da war keins, und auf Tröster, und ich habe keine gefunden. Und sie gaben in meine Speise, oder als meine Speise, Galle, und in meinem Durst tränkten sie mich mit Essig, so korrekt in der alten Elberfelder.
Jetzt ist ja das genau so in Erfüllung gegangen. Die Evangelien zeigen: Sie gaben dem Herrn, boten ihm da Essig mit Galle vermischt. Und der Ausdruck Galle bezeichnet dort etwas Bitteres, und zwar eine Droge. Das war so quasi eine gnädige Geste von rauen römischen Soldaten, wenn sie jemandem noch Schmerzmittel gaben am Kreuz.
Und der Herr hat das abgelehnt, nicht weil der Herr gegen Schmerzbehandlung ist bei uns. Aber am Kreuz wollte er kein Schmerzmittel. Er wollte den ganzen Schmerz, den der Zorn Gottes auf die Sünde über ihn brachte, auf sich nehmen.
Aber es heißt dann eben wörtlich in der alten Elberfelder: „In meinem Durst tränkten sie mich mit Essig.“ Dem Herrn wurde dann auch Essig allein, ohne Galle, gereicht, und das hat er getrunken. So genau ist die Prophetie.

Der Unschuldige trägt die Schuld der anderen

Und jetzt steht in diesem Psalm eben auch Folgendes: Vers 6: Du, o Gott, weißt um meine Torheit, und meine Vergehungen sind dir nicht verborgen.
Wie kann das ein messianischer Psalm sein? Die Erklärung gibt Vers 5: Mehr als die Haare meines Hauptes sind derer, die ohne Ursache mich hassen. Es gibt keinen Grund, ihn zu hassen; er ist sündlos. Und dann heißt es: Mächtig sind meine Vertilger, die ohne Grund mir Feind sind. Es gibt keinen Grund, ihm feind zu sein. Und dann sagt er: Was ich nicht geraubt habe, muss ich dann erstatten. Das heißt, er hat sich nicht verschuldet, aber er bezahlt es.
Und am Kreuz hat der Jesus sich mit uns, denen, die an ihn glauben, identifiziert. Und da nennt er unsere Sünden seine Sünden. Das ist 1. Petrus 2, dass er unsere Sünden an seinem Leib auf dem Holz getragen hat. Und in diesem Sinn ist das jetzt eben auch gemeint in Psalm 38, wenn es da heißt: Kein Friede, Vers 4, in meinen Gebeinen wegen meiner Sünde. Und hier wird gesagt: Nichts Heiles ist an meinem Fleisch. Das ist eine Wiederaufnahme, oder eine Entsprechung muss ich sagen.
Jesaja schreibt später in Jesaja 1 über den sündigen Menschen: Es gibt nichts Heiles an ihm. Ich lese das ganz kurz vor: Jesaja 1,5. Warum solltet ihr noch weiter geschlagen werden, da ihr nur den Abfall mehren würdet? Und jetzt wird der verlorene Mensch beschrieben: Das ganze Haupt ist krank, und das ganze Herz ist siech. Von der Fußsohle bis zum Haupt ist nichts Gesundes an ihm, Wunden und Striemen und frische Schläge; sie sind nicht ausgedrückt und nicht verbunden und nicht mit Öl erweicht worden.
Geistlich ist der Mensch vollkommen krank, sündenkrank. Aber der Herr Jesus hat das auf sich genommen, und darum beschreibt er sich eben so bildlich: Nichts Heiles ist an meinem Fleisch wegen deines Zürnens, kein Friede in meinen Gebeinen wegen meiner Sünde. Aber es ist unsere Sünde.
Und jetzt der langen, langen, langen Rede kurzer Sinn: Und dann heißt es, denn meine Ungerechtigkeiten sind über mein Haupt gegangen; wie eine schwere Last sind sie zu schwer für mich. Es stinken, es eitern meine Wunden wegen meiner Torheit. Nichts Heiles. Nicht wahr, der Herr Jesus hatte nicht Krankheit an sich, an seinem Körper, auch am Kreuz nicht. Ich habe einmal eine Malerei gesehen, da wurde Christus dargestellt am Kreuz mit Wunden, wie man sie kennt vom Aussatz her. Aber das ist natürlich alles aufgrund eben solcher Stellen. Aber der Herr war nie krank. Am Kreuz hat er eben unsere Sünden auf sich genommen, und darum beschreibt er sich in dieser Art.
Und was mir jetzt eben wichtig ist: Dieser Ausdruck Meine Ungerechtigkeiten, also unsere Ungerechtigkeiten, sind über mein Haupt gegangen. Die sind auf sein Haupt gekommen, damit wir frei ausgehen konnten. Und so ging er über den Kidronbach, aber nicht als Unschuldiger, um dann schließlich all die Sünden von uns auf seinen Kopf zu bekommen.
Ja, dann wollen wir hier schließen.

Vielen Dank an Roger Liebi, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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