
Römer 8,26-2701.03.2026
Serie•Teil 37 / 47Wir betrachten den Römerbrief
Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Einleitung: Gebet in einer zerrissenen Welt
Schönen guten Morgen, liebe Gemeinde, und auch allen, die sich über den Livestream eingeschaltet haben. Schön, dass wir heute gemeinsam in das Wort Gottes hineinschauen.
Björn hat es eben im Gebet schon anklingen lassen. Unsere Gedanken sind natürlich auch bei all den Menschen, die nicht nur in Israel, sondern auch in den anderen betroffenen Ländern leben, und besonders dort auch bei unseren Glaubensgeschwistern. Wir wollen beten für die Christen im Iran, auch in Saudi-Arabien und in Dubai sowie in all den Ländern, die dort jetzt in diese Kriegsaktivitäten unmittelbar verwurzelt, verbunden und betroffen sind.
Lasst uns auch für die Menschen beten, die im Laufe ihres Lebens gerade im Iran schon hier und dort etwas von Jesus gehört haben, aber ihr Herz noch nicht Christus geweiht haben. Mögen alle Ereignisse, die wir menschlich gesehen nicht einordnen können, weil wir die Kapazität dazu gar nicht haben, dazu dienen, dass Menschen zum Glauben kommen.
Wir beten auch für alle Iraner unter uns und besonders für eure Angehörigen, dass Gott sich ihrer erbarmen möge. Und natürlich beten wir auch weiter für Israel, für unsere Geschwister in der Grace and Truth Gemeinde.
Lasst uns zusammen aufstehen. Römer 8 ist heute wiederum unser Text, aber zwei Verse weiter vorne. Römer 8, die Verse 26 und 27:
Ebenso kommt aber auch der Geist unseren Schwachheiten zu Hilfe. Denn wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie sich’s gebührt; aber der Geist selbst tritt für uns ein mit unaussprechlichen Seufzern. Der aber die Herzen erforscht, weiß, was das Trachten des Geistes ist; denn er tritt so für die Heiligen ein, wie es Gott entspricht.
Amen. Nehmt gerne Platz.
Die seufzende Schöpfung und die Hoffnung der Kinder Gottes
Ja, überall sehen wir Zeichen der verlorenen Welt. Wir haben Krieg in Europa seit gestern, wie gesagt Krieg im Nahen Osten. Wir sehen gesellschaftliche Spannungen, politische Uneinigkeit, Gewalt, Verbrechen – alles Zeichen der gefallenen Welt.
Und Kapitel 8 des Römerbriefes erklärt uns, dass sogar die Schöpfung unter dieser Verlorenheit der Welt seufzt. Die Schöpfung, schreibt Paulus, liegt in Wehen und wartet auf die Erlösung durch Jesus Christus. Nicht nur die Schöpfung sehnt die Erlösung herbei, sondern auch die Kinder Gottes.
Vers 23: Auch wir erwarten seufzend die Sohnesstellung, die Erlösung unseres Leibes. Die Schöpfung seufzt, und auch die Kinder Gottes seufzen.
Das Elend der Welt und die furchtbaren Auswirkungen der Sünde sollen uns aber nicht niederdrücken. Wir haben es am letzten Sonntag gehört. Was haben wir nämlich? Hoffnung. Wir haben gehört von dem Helm der Hoffnung. Wir sind auf Hoffnung hin erlöst. Und das Bild vom letzten Sonntag hat sich bei mir eingeprägt aus der Predigt: Unsere Füße sind auf Erden, aber unser Kopf ist schon im Himmel. Könnt ihr euch erinnern? Ja, Herr Yannick, das ist gut, ihr habt aufgepasst.
Das ist das Zeichen der Hoffnung. Inmitten einer seufzenden Schöpfung und auch inmitten unserer eigenen Nöte, die wir haben, dürfen wir hoffen. Werden wir also auf der einen Seite seufzen und nach der Erlösung Ausschau halten, gleichzeitig erwartungsvoll und hoffnungsvoll auf die Wiederkunft Jesu warten. Während wir in diesem Prozess sind, hat Gott uns ein mächtiges Mittel gegeben, das uns unterstützt und durch diese Zeit trägt. Und das ist das Gebet.
Das ist es, was Paulus jetzt in den Versen 26 und 27 zum Thema macht: das Gebet, dein Gebet. Wir wissen, dass Gott ein sprechender, ein redender Gott ist. Er redet durch sein Wort, aber er möchte auch hören. Er möchte auch hören, was du sagst.
Gebet ist Ausdruck einer innigen Gemeinschaft, die wir mit Gott durch Jesus Christus haben. Es ist, wie soll ich sagen, ein unglaublich großes Geschenk, das Gott uns gibt. Wir folgen keiner Religion, die auf Distanz zu einem weit entfernten Jehova ist oder auf Distanz zu einem weit entfernten Allah ist, sondern wir haben Jesus Christus als Mittler zwischen uns und dem Vater, der sein Blut für uns vergossen hat, sodass wir durch den Glauben Zutritt zum Thronsaal des Höchsten haben. Und das erfolgt und das lebt durch dein persönliches Gebet.
Wir haben keinen Gott auf Distanz, sondern er ist uns nahe gekommen durch seinen Sohn Jesus Christus. Und er schenkt dir das Gebet als ein Mittel, das dich trägt. Während du seufzt und während du hoffst, darfst du beten.
Und doch sagt uns hier dieser Bibelabschnitt, dass wir einerseits zu schwach sind zum Beten, aber andererseits durch den Heiligen Geist Hilfe für das Beten bekommen. Wenn uns also die rechten Worte zum Beten fehlen, haben wir den Heiligen Geist, der uns hilft.
Das sind die zwei Punkte meiner Predigt. Erstens: Wenn uns die Worte fehlen. Zweitens: Doch der Geist für uns eintritt. Wenn uns die Worte fehlen, doch der Geist für uns eintritt.
Wenn die Worte im Gebet fehlen
Unsere Schwachheit im persönlichen und gemeinsamen Gebet
Schauen wir uns zunächst den ersten Punkt an, wenn uns die Worte fehlen.
Zunächst stellte Apostel Paulus fest, dass wir, wenn es um das Thema Gebet geht, kraftlos sind. Er schreibt in Vers 26: „Ebenso kommt aber auch der Geist unseren Schwachheiten zu Hilfe; denn wir wissen nicht, was wir beten sollen und wie es sich gebührt.“ Unsere Schwachheiten beziehen sich also auf unser Gebet. Und tatsächlich haben wir in unserem Gebetsleben oft mit solchen Schwächen zu tun. Ich glaube, das wird vermutlich den meisten von uns bekannt sein.
Du setzt dich zum Beispiel hin oder du kniest dich hin, um dir Zeit für das Gebet zu nehmen, aber deine Gedanken gehen auf Reisen. Eigentlich wolltest du dein Herz vor Gott ausschütten, aber statt mit ihm zu sprechen, grübelst du über die Probleme, die dich gerade umtreiben. Nach einigen Minuten stellst du frustriert fest: Das war ja gar kein Beten. Das war Grübeln.
Denken wir an unsere Gebetsstunden am Dienstagabend. Im Vergleich zur Größe der Gemeinde ist der Besuch sehr spärlich, und ich muss feststellen: Wir sind als Gemeinde schwach, wenn es ums Gebet geht. Ich kann mich erinnern, als der Krieg in der Ukraine vor vier Jahren losbrach. Da war hier unten der Saal fast voll, mitten in der Woche, und wir haben gebetet.
Und dann sind da noch die Probleme, die wir beim Gebet haben, besonders beim öffentlichen Gebet, sei es in der Gebetswoche oder am Dienstag, wenn dann die Mikrofone stehen, aber irgendwie doch immer dieselben beten. Beim Gedanken daran, dorthin zu gehen, bekommst du schweißnasse Hände, stimmt’s? Und dein Herz schlägt, das siehst du hier schon an der Ader. Du überlegst dir schon, wie du das Gebet formulieren wirst, was du gleich beten wirst. Und während du so viel in deinem Kopf formulierst, ist die Gebetsstunde schon vorbei, und du hast es nicht einmal zum Mikrofon geschafft.
Wir sind schwach. Unsere Gebetsschwachheit kann auch körperlicher Natur sein. Wir sind schlicht zu müde, um zu beten. Im Garten Gethsemane ging es den Jüngern genauso. Während Jesus seinen schwersten Gebetskampf hatte, musste er feststellen, dass seine Kompagnons eingeschlafen waren. „Könnt ihr nicht eine Stunde mit mir wachen? Wacht und betet“, sagt er, „damit ihr nicht in Versuchung kommt. Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach.“
Wenn es um das Gebet geht, dann sind wir in vielerlei Hinsicht schwach. Aber ich glaube, der wesentliche Grund, den Paulus hier in Vers 26 hinsichtlich unserer Schwachheit beim Beten anführt, ist noch ein etwas anderer. Paulus nennt ihn wie folgt: „Denn wir wissen nicht, was wir beten sollen und wie es sich gebührt“, oder wie es angemessen ist. Wir wissen es nicht. Das ist unsere Schwachheit. Mit anderen Worten: Es mangelt uns an Erkenntnis. Wir wissen nicht, wie wir oder worum wir beten sollen. Das ist unsere eigentliche Schwachheit.
Du kennst das doch auch. Einerseits wissen wir, wir sollen im Willen Gottes beten; das hat Jesus uns gelehrt. Andererseits fragen wir uns: Ja, was ist denn der Wille Gottes in dieser Situation oder in jener Situation? Uns fehlt es an Erkenntnis, wir sind zu schwach.
Paulus selbst ist ein Beispiel dafür. Er betete um etwas, aber Gott hatte etwas ganz anderes vor. Es ist passiert. Im zweiten Korintherbrief beschreibt er den bekannten Pfahl in seinem Fleisch. Was das war, wissen wir nicht, aber es muss für ihn sehr lästig gewesen sein. Es war offensichtlich ein anhaltendes Problem, eine Last, vielleicht eine Krankheit. Deswegen betete er: Herr, nimm diesen Pfahl aus meinem Fleisch. Und das betete er dreimal. Er schien der Meinung gewesen zu sein, dass die Entfernung dieses Pfahls ihm einen effektiveren Dienst für Jesus ermöglichen würde. Aber Gottes Antwort war eine andere, nämlich: „Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft wird in der Schwachheit vollkommen.“
Ja, wie sollen wir denn beten? Nimm den Pfahl weg? Oder: Gib mir Kraft zum Ausharren in meiner Not? Nimm den Pfahl weg oder stärke mich, Herr? In diese fehlende Erkenntnis, was wir und wie wir beten sollen, schließt Paulus sich selbst mit ein. Der große Apostel bekennt, dass auch er schwach ist, wenn es ums Gebet geht, denn er schreibt hier im Plural: „Ebenso kommt aber auch der Geist unseren Schwachheiten zu Hilfe“, nicht euren, sondern unseren, „denn wir wissen nicht, was wir beten sollen“.
Selbst den großen Männern und Frauen Gottes fehlen häufig die Worte. Auch sie stochern im Dunkeln, so wie du und ich, und wissen nicht, wie sie beten sollen in dieser oder jener Lage. Und wenn sie beten, beten sie oft nicht so, wie Gott es eigentlich erhören will.
Zum Beispiel Elija, ein großer Prophet, ein mutiger Mann. Auf dem Berg Karmel besiegte er die mächtigen Propheten des Baals. Sein Opfer war mit Wasser getränkt. Er betet, und Gott sendet Feuer vom Himmel, verzehrt alles, und die Propheten des Baals sind besiegt. Doch nach dem Kampf, diesem geistlichen Kampf auch, war er emotional und körperlich so erschöpft, dass er sich in die Wüste zurückzog, aus Angst vor Isebel, die ihm mit dem Tod gedroht hatte.
Und was betete er? Was betete Elija? Es heißt in 1. Könige 19: „Er selbst aber ging hin in die Wüste eine Tagereise weit, und er kam und setzte sich unter einen Ginsterstrauch; und er erbat für sich den Tod und sprach: Es ist genug, so nimm nun, Herr, mein Leben; denn ich bin nicht besser als meine Väter.“
Lass mich sterben, Herr! Er bat Gott um seinen Tod. Er war sehr schwach, auch was sein Gebet anging, denn er hatte nicht die Erkenntnis darüber, dass der Herr noch weitere Aufgaben für ihn vorgesehen hatte. Sogar der mutige Prophet Elija war zu kraftlos, um Gottes Willen zu erkennen und dementsprechend auch zu beten.
Mich tröstet das. Es nimmt den Druck von mir. Ich muss nicht unbedingt alles wissen, denn auch wir wissen nicht, wie wir beten sollen im Angesicht von schweren Krankheiten, besonders wenn es um Details und auch persönliche Nöte geht, im Angesicht von Leiden, im Angesicht von Kriegen, im Angesicht von Ungerechtigkeiten, von politischen Instabilitäten, von wirtschaftlichen Fragen, von Zerrüttungen in Ehen und Familien.
Wie oft haben wir schon gesagt: Herr, mir fehlen die Worte. Ich weiß nicht, was ich beten soll. Und wenn ich bete, weiß ich nicht, ob es mit deinem Willen im Einklang ist. Ich weiß es nicht. Da sind Tränen, die jedes Wort wegschwimmen, da sind Ereignisse, die dich auf die Knie treiben, und doch weißt du nicht, was du Gott sagen sollst.
Schwachheit offen bekennen statt verbergen
Was machen wir mit diesen Schwachheiten? Nun, in unserer Gesellschaft haben solche Schwachheiten keinen Platz, und in manchen triumphalistischen Kreisen christlicher Gemeinden auch nicht. Da wird nur ein Sieg nach dem anderen proklamiert: Halleluja, wir gehen von Sieg zu Sieg. Aber ist das so?
Nein, in unserer Gesellschaft und in manchen christlichen Kreisen haben Schwachheiten keinen Platz. Alle müssen stark sein, alle müssen sich etwas vormachen, jeder will den anderen übertrumpfen. Wenn du etwas werden willst, dann verberge deine Schwächen. Aber nicht so bei Gott. Er kommt gerade in unseren Schwachheiten uns zur Hilfe.
Als Juda durch die Moabiter und Ammoniter bedroht wurde, kamen Boten zu König Josaphat und meldeten: „Eine große Menge rückt gegen dich heran von jenseits des Toten Meeres.“ Da versammelte Josaphat das ganze Volk und betete: „Keine Kraft gegen diesen Haufen, der gegen uns heranrückt, und wir wissen nicht, was wir tun sollen.“
Ist das Schwachheit? Klar. Ist das Verbergen von Schwachheit? Nein, es ist das Bekennen zur Schwachheit. Muss man den König dafür nicht kritisieren? Wer kann sich das erlauben als Leiter eines Landes? Ist das Leiterschaft, vor dem versammelten Volk zu bekennen, dass keine Kraft da ist? Muss man da nicht aufstehen und an den Mut und Charakter der Soldaten appellieren und den Eindruck vermitteln, das Heft des Handelns in der Hand zu halten? Nach solchen Leiterfiguren wird heute Ausschau gehalten. Keine Schwachheit erlaubt.
„In uns ist keine Kraft gegen diesen Haufen, und wir wissen nicht, was wir tun sollen.“ Und wie lautet der nächste Vers? 1. Chronik 20,14: Da kam der Geist des Herrn. Da kam der Geist des Herrn, als bekannt wurde: Wir können nichts. Da kam Gott selbst zur Hilfe.
Weißt du, wann der Geist des Herrn in dein Leben kommt? Weißt du, wissen wir, wann der Geist des Herrn in unserer Gemeinde wirkt? Wenn wir bekennen: Wir sind schwach. Dann gelangen wir an den Punkt, an dem der Geist Gottes uns in unserer Schwachheit hilft.
Wenn du also in der Nacht aufwachst und du hast Angst, deine Gedanken kreisen, du hast Sorgen, du bist traurig, leer, einsam, und du kannst nur noch flüstern: Vater, hilf mir, dann gibt es eine gute Nachricht für dich: Der Geist hilft uns in unserer Schwachheit. Amen, das ist unsere Schwachheit, wenn uns die Worte fehlen.
Der Beistand des Geistes in unserer Schwachheit
Der Geist trägt mit und tritt ein
Zweitens: Dann tritt der Geist für uns ein.
Nachdem wir jetzt ausführlich über unsere Schwachheiten gesprochen haben und über die Probleme, bin ich dankbar, dass der Vers an dieser Stelle nicht endet. Er beschreibt nun, wie Gott uns mittels seines Geistes in unseren Schwachheiten zu Hilfe kommt.
Schauen wir uns noch einmal Vers 26 an:
Ebenso kommt aber auch der Geist unseren Schwachheiten zu Hilfe. Denn wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie sich’s gebührt, aber der Geist selbst tritt für uns ein mit unaussprechlichen Seufzern.
Wir haben also hier eine Unterstützung durch den Heiligen Geist, und diese Unterstützung erfolgt auf dreierlei Weise gemäß Vers 26.
a) Die Unterstützung ist, dass der Geist uns zur Hilfe kommt. Vers 26: Ebenso kommt aber auch der Geist unseren Schwachheiten zu Hilfe. Das griechische Wort an dieser Stelle bezeichnet eine Person, die sich neben eine andere stellt, um einen schweren Lastanteil mitzutragen, um die Last mitzuschultern. Der Heilige Geist also kommt zu dir und hilft, deine Last zu tragen.
Unsere Unwissenheit darüber, wie wir beten sollen, alles, was uns bedrückt, ist eine schwere Last. Aber der Geist kommt und stellt sich mit dir unter diese Last. Nicht nur, dass er uns hilft zu tragen, sondern
b) Ein zweiter Weg, wie er uns hilft, ist, dass er für uns eintritt. Wie heißt es in unserem Vers? Denn wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie sich’s gebührt, aber der Geist selbst tritt für uns ein.
Er schultert deine Lasten, indem er deine Anliegen vor Gott bringt, stellvertretend, eintretend für dich. Wir sind zu schwach, um überhaupt Worte zu finden. Wir wissen nicht, wie wir beten, wofür wir beten, wie es sich gebührt zu beten und was wir sagen sollen. Aber der Geist weiß, was zu beten ist. Deshalb betet er und tritt für uns ein. Er kann es, und er weiß, wie es sich gebührt zu beten, auch in deiner Notlage. Denn Vers 27: Der aber die Herzen erforscht, weiß, was das Trachten des Geistes ist; denn er tritt so für die Heiligen ein, wie es Gott entspricht.
Die Hilfe Gottes beim Beten erfolgt also durch den Heiligen Geist, der für uns eintritt, der unsere Lasten mitträgt und für uns vor dem Vater eintritt.
Das Interessante an dieser Stelle ist, dass es nicht nur der Heilige Geist tut, der für uns eintritt, sondern Paulus im Gesamtkontext auch von Jesus Christus schreibt, der für uns eintritt. Wir haben eine doppelte Gebetsunterstützung.
Schaut mal in Vers 34, ich greife jetzt kurz mal vor, da kommen wir ja dann noch hin in den nächsten Wochen: Christus, heißt es dort, ist es doch, der auch zur Rechten Gottes ist, der auch für uns eintritt.
Der Herr Jesus tritt für uns im Himmel ein, und der Heilige Geist tritt für uns in unseren Herzen ein. Gott ist also sehr daran interessiert, lieber Bruder, liebe Schwester, dir beim Beten zu helfen. Verstehst du das? Er will dir begegnen in deinen Gebetsschwachheiten.
Gebet ist nichts Nebensächliches für Gott, ach übrigens, dann könnt ihr noch mal ein bisschen beten. Nein, sondern der dreieinige Gott ist involviert in unserem Gebetsleben. Wenn wir zu schwach sind, kommt der Geist und unterstützt uns und tritt für uns ein, und sogar der Sohn tritt für uns vor dem Vater ein. Das heißt, der Himmel ist engagiert, wenn wir beten.
Diese beiden Fürsprecher sind sich einig, Geist und Sohn. Sie ziehen in dieselbe Richtung, es gibt bei ihnen keinen Konflikt in ihren Fürbitten. Der Heilige Geist nimmt unsere unzulänglichen Bitten, die wir in unserer Schwachheit formulieren, von denen wir nicht wissen, ob sie im Willen Gottes sind oder nicht. Was hast du vor, Herr? Ich habe keine Ahnung, Herr, ich weiß nicht, was ich beten soll. Es kommt aus deinem Herzen. Der Heilige Geist nimmt diese Bitten und deine Gebete und heiligt sie so sehr, dass sie im Einklang mit den Gebeten Jesu für dich vor den Thron Gottes kommen und vom Vater gehört werden.
Ermutigung zu neuem Eifer im Gebet
Was lernen wir daraus?
Ihr wisst, dass Predigten häufig auch eine Dimension der Ermahnung haben, und ich glaube, hier liegt eine Ermahnung für uns alle vor, auch für mich. Wenn es so ist, dass der Heilige Geist und der Sohn sich für uns verwenden, so dass unsere Gebete vor dem Thron Gottes Erhörung finden, dann hat das eine Bedeutung für uns. Wir müssen unsere Haltung zum Gebet überprüfen.
Neigen wir nicht zu sehr dazu, Gebet als eine Nebensächlichkeit zu betrachten? Na ja, dann ist ja wieder Zeit, ich muss beten. Gott hat dazu eindeutig eine andere Meinung. Für ihn ist das Gebet wesentlich, denn Vater, Sohn und Heiliger Geist sind in der Entstehung, in der Reinigung und Darbringung unserer Gebete vor dem Thron Gottes involviert. Der Vater sandte den Sohn und den Geist auch dazu, damit wir beten.
Weil wir zu schwach sind, heiligt der Geist deine Gebete. Sie vereinigen sich mit den Gebeten des Sohnes im Himmel für uns und gelangen so vor den Thron des Vaters. Also lasst uns unsere vielleicht manchmal zu lockere Haltung dem Gebet gegenüber überprüfen.
Und noch etwas lernen wir: Die Tatsache, dass Gott sich selbst so stark in unser Gebetsleben einbringt, sollte uns ermutigen. Sie sollte einen neuen Eifer entfachen, nicht nur im Privaten, sondern auch in den Hauskreisen und auch in den Gebetstunden am Dienstag, dass wir mit großer Zuversicht und Freude vor Gottes Angesicht treten.
Wie oft ist das nicht der Fall? Wie oft zweifeln wir oder haben das Gefühl, dass unsere Gebete ja doch nichts bringen? Wir hören einen Bruder oder eine Schwester laut beten, und sie benutzen viele Bibelstellen, mit größter Eloquenz, mit viel Herzblut beten sie, rhetorisch einwandfrei. Und du sitzt auf deinem Platz und sagst: Das kann ich nicht, das kriege ich nicht hin.
Aber wenn wir diese beiden Verse verstehen, dann verstehen wir, dass selbst der schwächste Ruf aus deinem zerbrochenen Herzen vom Geist Gottes schön gemacht wird, mächtig gemacht wird. Darum bete weiter, auch wenn dir die Worte fehlen, auch wenn die Grammatik nicht stimmt, auch wenn du meinst, inhaltlich sei es nicht auf hohem Niveau. Der Geist Gottes macht selbst die schwächsten Rufe deines zerbrochenen Herzens schön vor Gott.
Bete deswegen mit einer neuen Kühnheit, bete in der Erwartung, dass Gott dich hört. Bete, weil du weißt, dass der Heilige Geist dein Fürsprecher ist. Und nicht nur er ist es, sondern auch Jesus Christus. Sie ziehen beide an einem Strang und sind mit dir. Und so wird Gott die Gebete seines Geistes, die er durch dich betet, nicht abweisen. Der Geist kommt zur Hilfe, und er tritt ein für dich. Und er tut dies, wie es hier heißt, mit unaussprechlichen Seufzern.
Das Seufzen des Geistes und die Gewissheit göttlicher Erhörung
Was ist das für ein Seufzen? Nun, ich glaube nicht, dass dieses unaussprechliche Seufzen das Zungengebet ist. Denn das ist gemäß 1. Korinther 12,30 nicht allen Christen gegeben, während die Zusage hier aus Römer 8 allen Gläubigen gilt.
Paulus beschreibt in diesem Kontext ein dreifaches Seufzen: die Schöpfung seufzt, wir haben es gesagt, die Kinder Gottes seufzen und warten auf die Wiederkunft Jesu, und jetzt seufzt hier noch der Heilige Geist.
Was bedeutet das? Sicherlich nicht, dass der Heilige Geist nicht weiß, was er sagen soll. Das weiß er schon. Aber wenn wir in diesem Bild bleiben, dass er ein Helfer ist, der sich mit unter unsere Lasten stellt, dann kann dieses unaussprechliche Seufzen Ausdruck seines Mittragens sein.
In einem Kommentar habe ich eine Illustration gefunden, die ich sehr hilfreich fand. Ich weiß nicht, wer von euch schon mal umgezogen ist, wahrscheinlich die meisten. Aber ich weiß nicht, wer von euch schon mal einen Flügel getragen hat beim Umzug. Ein Klavier reicht schon, ein Klavier reicht schon.
Stell dir vor, du trägst ein Klavier mit jemand anderem zusammen, zu zweit. Du bist stark, und der andere auch. Und der andere erzählt die ganze Zeit: Ja, also die Klaviere heutzutage, die sind aber auch schwer. Meine Zeit, könnte man die nicht leichter bauen? Ist die Technik noch nicht fortgeschritten? Und überhaupt diese Stufen hier. Und er redet die ganze Zeit und redet, und du bist die ganze Zeit am Seufzen unter der Last. Dann sagst du irgendwann zu deinem Helfer: Jetzt halt mal den Mund, ich kann das nicht mehr ertragen, ich kann das nicht mehr ertragen.
Etwas anderes ist es, wenn dein Helfer mit dir seufzt als Zeichen: Ich trage die Last mit, ich bin da. Wir machen das hier gemeinsam. So kann dieses Seufzen verstanden werden.
Der Heilige Geist ist ein Helfer, der mitträgt, der dich vertritt mit unaussprechlichen Seufzern. Es kann auch heißen, dass der Geist unsere schwachen Seufzer vor Gottes Thron bringt und uns dort entsprechend vertritt.
Wenn du sprachlos vor Gott bist, dann denke nicht, dass dein Schreien, deine Seufzer oder deine Tränen nicht vor seinen Thron gelangen. Das Gegenteil ist der Fall. Er kennt dein Herz, Vers 27. Er erforscht es, und er weiß, was das Trachten des Geistes ist, denn er tritt so für die Heiligen ein, wie es Gott entspricht.
Jesus kennt dein Herz, und im Einklang mit dem Geist werden alle deine Tränen und Seufzer vor die Ohren Gottes gebracht. Wenn du also nichts anderes zu rufen weißt als: „Herr, ich brauche Hilfe. Herr, ich weiß nicht, welchen Weg ich gehen soll. Herr, ich weiß nicht, wie die Zukunft aussieht. Ich weiß im Moment nicht einmal, wo oben und unten ist“, dann kommt in solchen Momenten der Geist dir zu Hilfe. Er hilft tragen, er seufzt, und auch dein schwaches Seufzen transportiert er vor den Thron Gottes, so dass dein Seufzen übersetzt wird und der Vater es hört: kraftvoll, deutlich und seinen Arm bewegt.
Es gibt kein Seufzen und es gibt keine Träne, die du vergießt, die nicht im Thronsaal des Himmels widerhallt. Denn der Heilige Geist vertritt dich, er vertritt uns, und auch der Sohn tritt für dich ein. Und der Geist tut dies mit unaussprechlichem Seufzen.
Möge uns dies in unserem Gebetsleben ermutigen und stärken. Amen.
Schlussgebet
Herr, so danken wir dir für das mächtige Werkzeug des Gebets. Wir bekennen, dass wir in diesem Bereich schwach sind. Deshalb bitten wir um eine neue Erweckung unserer Herzen, um ein neues Erkennen, wie wichtig das Gebet ist, und dass es eben keine Nebensächlichkeit ist.
Ich bitte dich, Herr, dass du uns das in unseren Herzen neu bewusst machst, auch nicht zuletzt durch diesen Textabschnitt, und dass wir verändert nach Hause gehen. Lass uns neu erkennen, dass wir privilegiert sind, weil wir beten dürfen. Und selbst wenn wir nicht wissen, was wir beten sollen, bist du da.
In diesem Kontext beten wir besonders für alle, die in unserer Gemeinde und auch hier jetzt in der Halle oder am Livestream leiden und sich in einer Situation befinden, in der ihnen die Worte fehlen. Herr, diene du ihnen doch jetzt auch durch deinen Heiligen Geist. Hilf du ihnen, die Lasten zu tragen. Lass sie ermutigt sein, dass ihre Gebete nicht umsonst sind und dass du sie immer liebst, auch wenn wir deine Wege nicht verstehen.
Ich danke dir, Herr, dass du da bist und dass du uns hilfst, dir in unseren Schwachheiten zu vertrauen und zu beten. Amen.
