Zum Inhalt

Der besiegte Tod

Wir betrachten den Römerbrief, Teil 20/33
31.08.2025Römer 5,12-21
SERIE - Teil 20 / 33Wir betrachten den Römerbrief
Warum sterben wir alle, und was steckt wirklich hinter dem Tod? Der Text zeigt: Der Tod ist nicht nur unser Schicksal, sondern eine Folge der Sünde, die durch Adam in die Welt kam. Doch es gibt Hoffnung – Jesus ist der „zweite Adam“, der den Tod besiegt hat und Leben schenkt. Wie verändert sich dein Blick auf den Tod, wenn du verstehst, dass Jesus für dich den Sieg errungen hat?

Schönen guten Morgen! Ich heiße euch alle herzlich willkommen hier bei uns in der Halle. Auch alle, die sich eingeschaltet haben – schön, dass ihr dabei seid.

Ich freue mich, dass wir heute mit dem Römerbrief weitermachen. Wir sind jetzt in Kapitel zwölf. Es ist wichtig, dass ihr eure Bibeln dabei habt. Wenn wir den Text gemeinsam lesen, hilft das sehr, den Gedankengang des Apostels besser zu verstehen.

Ich lade euch ein, mit mir aufzustehen zur Textlesung: Römer 5,12-21.

Einführung in den Text und Lesung aus Römer 5,12-21

Darum, gleichwie durch einen Menschen die Sünde in die Welt gekommen ist und durch die Sünde der Tod, so ist der Tod zu allen Menschen gelangt, weil sie alle gesündigt haben.

Denn schon vor dem Gesetz war die Sünde in der Welt. Wo aber kein Gesetz ist, da wird die Sünde nicht angerechnet. Dennoch herrschte der Tod von Adam bis Mose auch über die, welche nicht mit einer gleichartigen Übertretung gesündigt hatten wie Adam. Er ist ein Vorbild dessen, der kommen sollte.

Aber es verhält sich mit der Gnadengabe nicht wie mit der Übertretung. Denn wenn durch die Übertretung des einen die vielen gestorben sind, wie viel mehr ist die Gnade Gottes und das Gnadengeschenk durch den einen Menschen, Jesus Christus, in überströmendem Maß zu den vielen gekommen!

Und es verhält sich mit dem Geschenk nicht so wie mit dem, was durch den einen kam, der sündigte. Das Urteil führt aus der einen Übertretung zur Verurteilung, die Gnadengabe aber führt aus vielen Übertretungen zur Rechtfertigung.

Denn wenn infolge der Übertretung des Einen der Tod zur Herrschaft kam durch den Einen, wie viel mehr werden die, welche den Überfluss der Gnade und das Geschenk der Gerechtigkeit empfangen, im Leben herrschen durch den Einen, Jesus Christus!

Also: Wie nun durch die Übertretung des Einen die Verurteilung für alle Menschen kam, so kommt auch durch die Gerechtigkeit des Einen für alle Menschen die Rechtfertigung, die Leben gibt.

Denn gleichwie durch den Ungehorsam des einen Menschen die vielen zu Sündern gemacht worden sind, so werden auch durch den Gehorsam des einen die vielen zu Gerechten gemacht.

Das Gesetz aber ist daneben hereingekommen, damit das Maß der Übertretung voll würde. Wo aber das Maß der Sünde voll geworden ist, da ist die Gnade überströmend geworden.

Damit, wie die Sünde geherrscht hat im Tod, so auch die Gnade herrsche durch Gerechtigkeit zu ewigem Leben durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen!

Überblick über den Text und thematische Einordnung

Nochmal kurz zu dem gelesenen Text: Er ist kompakt und enthält einen wichtigen Hinweis. Vers 12 leitet einen Gedanken ein, den Paulus hier darlegt. Dieser Gedanke wird dann in Vers 18 wieder aufgenommen und fortgesetzt.

Deshalb ist in einigen Übersetzungen auch eine Klammer gesetzt, die die Verse 13 bis 17 einschließt. Diese Verse sind ein eingeschobener Gedanke, der zum großen Ganzen gehört. Wenn man den Text noch einmal in Ruhe liest, merkt man, dass diese Verse eingeschoben sind. Der Hauptgedanke wird in Vers 12 eingeführt und ab Vers 18 weitergeführt.

Ich habe die Predigt aufgrund dieses Textes überschrieben mit den Worten „Der besiegte Tod, der besiegte Tod“. In vielerlei Hinsicht wird heutzutage der Tod in unserer Gesellschaft beiseitegeschoben. Er findet meistens in Altenheimen oder Krankenhäusern statt, aber immer weniger im familiären Umfeld.

Ich erinnere mich an den Tod meines Großvaters mütterlicherseits. Er konnte am Ende seines Lebens mit 89 Jahren sich selbst nicht mehr helfen, deshalb wohnte er bei uns. Er war kein schwerer Pflegefall, sodass wir es schaffen konnten. Ich erinnere mich, als 18-Jähriger rief meine Mutter von unten: „Christian, komm mal!“ Schon an ihren Worten und in ihrer Stimme hörte ich, dass jetzt etwas anders ist.

Ich fragte: „Was ist denn, Mama?“ Sie öffnete die Tür zum Zimmer von Opa und sagte: „Ich glaube, er ist gestorben.“ Ich ging hinein, schaute ihn an und sagte: „Mama, ich glaube, du hast Recht.“ Es war ein ganz besonderer Moment. Opa hatte viel Gnade, war relativ gesund, nur altersschwach. Beim Anziehen seines Sockens fiel er tot nach hinten um und lag so da.

Was dann passierte: Der Bestatter kam und man hat damals den Opa im Flur noch einmal aufgebahrt. Die Schwestern, die Leiblichen, wurden gerufen. Sie kamen und nahmen bei uns im Flur Abschied. Das mag heute hier und da noch so sein, aber die Gesellschaft insgesamt verlagert das Sterben und delegiert es an Institutionen und Einrichtungen. Das ist manchmal aufgrund der Schwere von Krankheiten auch nicht anders möglich.

Sichtbare Auseinandersetzungen mit dem Tod sind in unserer Zeit selten geworden. Stattdessen herrscht eine Kultur der Tabuisierung. Über den Tod zu sprechen gilt als unpassend und bedrückend. So wird der Tod aus Gesprächen ausgeschlossen.

Auch die Medizin, der wir viel zu verdanken haben, trägt zur Verdrängung des Todes ein Stück weit bei. Sie versucht, den Tod technisch hinauszuzögern, wodurch der Tod am Ende als Störung erscheint. Die Bibel macht das nicht so.

Auch wenn sich unser Umgang mit dem Tod über die Jahrhunderte verändert hat, bleibt die Heilige Schrift klar, deutlich und unmissverständlich. Sie ist nicht den Veränderungen der Zeit unterworfen. Unser Predigttext ist dafür das beste Beispiel.

Der gelesene Abschnitt behandelt den Tod beziehungsweise die Hoffnung trotz der Realität des Todes. Mehrfach spricht Paulus hier vom Sterben. In Vers 12 heißt es: „Darum, gleichwie durch einen Menschen die Sünde in die Welt gekommen ist und durch die Sünde der Tod, und so ist der Tod zu allen Menschen gelangt.“

In Vers 14 heißt es: „Dennoch herrschte der Tod.“ Vers 15: „Denn wenn durch die Übertretung des einen die Vielen starben.“ Vers 17: „Denn wenn infolge der Übertretung des einen der Tod zur Herrschaft kam.“ Und Vers 21: „Damit wie die Sünde geherrscht hat im Tod.“

Wer diesen Text liest und nicht merkt, dass es hier um den Tod geht, hat nicht richtig gelesen. Nachdem der Apostel in den Versen 1 bis 11 dargelegt hat, dass die Rechtfertigung aus Glauben Frieden und Versöhnung mit Gott bringt, zeigt er nun, dass die Gnade die Sünde mehr als ausgleicht.

Sie hebt nicht nur die Auswirkungen der Sünde, nämlich den Tod, auf, sondern sie schenkt sogar ewiges Leben.

Dreiteilige Gliederung des Textes

Ich möchte versuchen, diesen Abschnitt so aufzubereiten, dass wir ihn besser aufnehmen und verstehen können. Dabei gliedere ich den Text in drei Punkte:

  1. Wir sehen das Ausmaß des Todes.
  2. Wir erkennen die Ursache des Todes.
  3. Wir erfahren die Niederlage des Todes.

Erstens: Das Ausmaß des Todes.

1. Das Ausmass des Todes

Wer ist vom Tod betroffen?

Vers 12: So ist der Tod zu allen Menschen hingelangt.
Vers 17: Der Tod kam durch die Übertretung des einen zur Herrschaft.

Zwei Dinge lernen wir hier:
a) Alle sind vom Tod betroffen. Wenn Jesus nicht zuvor wiederkommt, wirst auch du sterben, und ich werde sterben.
b) Der Tod herrscht, sagt die Bibel hier. Er ist ein schrecklicher, ein furchtbarer Tyrann, der absolute Macht ausübt.

Das ist die Realität, die wir auch in der Gemeinde erleben. Ich erinnere an das letzte Jahr, als wir eine Vielzahl älterer Glaubensgeschwister verabschieden mussten und Beerdigungen feierten. Aber wir mussten auch aus menschlicher Sicht viel zu früh Abschied nehmen von Bianca, der Mutter eines jungen Kindes.

Jedes Mal, ob jung oder alt, ist Sterben ein schmerzhafter Eingriff in unsere Welt. Der Tod ist ein Angriff auf das Leben.

Was können wir tun? Wie gehen wir damit um? Wie gehst du damit um, wenn dieses Thema so nah an dich herankommt? Wenn du einen Moment innehältst, alles, was dich beeinflusst und beschäftigt, beiseiteschiebst und sagst: Okay, auch ich bin betroffen.

Typischerweise gibt es zwei Reaktionen: Die einen verdrängen es, die anderen stellen sich dem Thema. Wer auf das Verdrängen setzt, hofft, dem Tod zu entkommen – zumindest gedanklich. Aber die Bibel sagt hier, er ist zu allen Menschen hingelangt und herrscht.

Unser Verdrängen findet Ausdruck in verschiedenen Formen. Ich habe gelesen, dass einige ihren verstorbenen Körper einfrieren lassen. Sie hoffen, dass irgendwann eine Methode gefunden wird, mittels derer sie nach dem Auftauen weiterleben können. Und das Ganze kostet eine Menge Geld – falls du diesen Gedanken hast: Spende lieber an die Arche, da ist das Geld besser angelegt.

Medizinisch sind wir hochgerüstet. Wir lagern das Sterben aus und verdrängen es auf diese Weise. Alt werden, abbauen, sterben – all dies ist in unserer auf Jugend ausgerichteten Gesellschaft tabu. So versuchen wir, dem Tod zu entrinnen. Doch er ist, wie Vers 12 sagt, zu allen Menschen hingelangt.

Weil wir Angst vor ihm haben, beschönigen wir ihn und machen Witze über Himmel und Hölle. Aber egal, wie sehr wir uns bemühen, dem Tod die Angst zu nehmen – er bleibt. Wir können ihm nicht entkommen.

Wenn er dann über uns hereinbricht, verstehen wir die Welt nicht mehr, weil unser Leben in den Grundfesten erschüttert wird. Wir haben versucht, ihn zu verleugnen, aber er holt uns auf die eine oder andere Weise doch ein.

Deswegen ist es wichtig, dass die Bibel dieses Thema aufgreift. Wir bekommen heute Morgen, jetzt gerade, die Gelegenheit, uns mit dem Sterben auseinanderzusetzen.

Die Heilige Schrift sagt, wie es ist: Der Tod ist universal. Alle sind von ihm betroffen. Statistisch gesehen gibt es keinen Ausreißer.

Vielleicht würdest du jetzt sagen: Mathematisch gesehen gibt es immer eine kleine Menge von Ausreißern, eine kleine Fehlerquote, die dann doch irgendwie durchrutscht. Beim Tod ist es nicht so.

Auch damals gaben einige zu bedenken, dass die Menschen, die in der Zeit zwischen Adam und Mose lebten, noch kein Gesetz hatten. Das gab es ja erst am Berg Sinai, die zehn Gebote. Wenn es kein Gesetz gab, dann gab es auch keinen Grund zur Anklage, war ihr Argument.

Paulus schreibt das in Vers 13: "Denn schon vor dem Gesetz war die Sünde in der Welt; wo aber kein Gesetz ist, da wird die Sünde nicht in Rechnung gestellt." Also wird auch der Tod nicht präsentiert.

Wieso gibt es dann nicht doch eine Ausnahme? Die Antwort steht in Vers 14: "Dennoch herrschte der Tod von Adam bis Mose auch über die, welche nicht mit einer gleichartigen Übertretung gesündigt hatten wie Adam, der ein Vorbild dessen ist, der kommen sollte."

Und so war es auch. 1. Mose beschreibt, dass auch die, die ohne das Gesetz lebten, weil es noch nicht erschienen war, sterben mussten. Deshalb lesen wir in 1. Mose 5: "Und die ganze Lebenszeit Adams betrug neunhundertdreißig Jahre, und er starb. Und die ganze Lebenszeit Sets betrug neunhundertzwölf Jahre, und er starb. Und die ganze Lebenszeit Enoschs betrug neunhundertfünf Jahre, und er starb."

Und so geht es weiter: Mahalaleel wurde 859 Jahre alt, er starb; Jared starb; Methusalem starb; Lamech starb. Das macht deutlich: Der Tod ist universal.

Frage an dich: Wie gehst du mit ihm um? Verdrängst du ihn oder stellst du dich dieser Frage? Bist du dir bewusst, dass auch du sterben musst?

Zweitens: Die Ursache des Todes.

2. Die Ursache des Todes

Nun, wir haben gesehen, dass der Tod herrscht. Aber warum ist das so? Natürlich können wir medizinische Gründe für einen bestimmten Todesfall anführen. Das kann ein Herzinfarkt sein, Organversagen oder ein Herzstillstand. Es gibt biologische Mechanismen, die den Tod erklären. Doch das ist nicht die Antwort, die wir jetzt suchen. Denn tief in unserem Innern spüren wir alle, dass der Tod im Leben fehl am Platz ist. Er ist ein Eindringling in diese Welt.

Auch Jesus war erschüttert über den Tod und seine Folgen. Am Grab seines Freundes Lazarus weinte Jesus, weil der Tod nicht in diese Welt gehört. Die Hässlichkeit des Sterbens bewegte ihn und ließ ihn nicht gleichgültig sein. Wir empfinden genau dieselbe Emotion, wenn uns ein geliebter Mensch genommen wird. Deshalb wollen wir wissen, warum das alles so ist. Was ist die Ursache für den Tod?

Paulus schreibt in Vers 12: „Darum, gleichwie durch einen Menschen die Sünde in die Welt gekommen ist und durch die Sünde der Tod, so ist der Tod zu allen Menschen gelangt, weil sie alle gesündigt haben.“ Hier sehen wir zunächst den ersten Teil der Antwort auf die Frage, warum der Tod in dieser Welt ist. Wir sterben wegen der Sünde, sagt Paulus hier. Der Tod kam durch die Sünde.

Es gibt also einen grundlegenden Zusammenhang zwischen Sünde und Tod. Wir sterben, weil wir Sünder sind. Paulus betont das immer wieder in den folgenden Versen: „Denn wenn durch die Übertretung – das ist die Sünde – des einen die vielen gestorben sind“ (Vers 15) und „Denn wenn infolge der Übertretung des einen der Tod zur Herrschaft kam“ (Vers 17). Wir sterben wegen der Sünde.

Das unausweichliche, universelle Problem des Todes soll uns daran erinnern, dass es eine tiefere, unausweichliche Problematik der Sünde gibt. Du stirbst, ich sterbe, weil wir Sünder sind. Unser Problem mit dem Tod beruht auf unserem Problem mit der Sünde. Deshalb ist es ganz wichtig: Wir werden das Problem des Todes – in unserem Herzen, in unserer Seele, in unserer Unruhe und in unseren Fragen darüber – niemals lösen können, wenn wir uns nicht mit dem Problem der Sünde auseinandersetzen.

Denn der Tod ist aufgrund der Sünde da. Wir behandeln nur das Symptom und wollen den Tod beiseiteschieben, unser Leben verlängern, sind aber selten bereit, auf die Ursache zu schauen. Genau das macht Paulus hier.

Nun denkst du vielleicht: „Okay, dann habe ich es. Ich höre einfach auf zu sündigen, dann werde ich nicht sterben, dann verliert der Tod seine Macht.“ Das ist gar nicht so schlecht als Ansatz, aber nicht zu Ende gedacht. Denn Paulus macht deutlich – und jetzt kommt der zweite Teil der Antwort auf die Frage, warum der Tod da ist –, dass das Problem der Sünde noch viel tiefer geht, als dass es durch ein verändertes Verhalten unsererseits aufgelöst werden könnte.

Er sagt, dass die Sünde durch einen Menschen in die Welt kam. Der Kontext macht klar, wer dieser Mensch war: Adam. Die Sünde kam durch einen Menschen in die Welt.

Wie ist das zu verstehen? War es deswegen, weil alle ihre sündige Natur von Adam erbten und deshalb sündigten? Ja, das ist sicherlich wahr. Das ist die sogenannte Erbsünde, die von Generation zu Generation weitergereicht wird. Doch es gibt noch einen viel direkteren Weg, wie durch einen Menschen die Sünde in die Welt gekommen ist.

Gott hat nämlich Adam zum Oberhaupt und Vertreter der Menschheit ernannt. Er ist das, wie es in der Theologie heißt, Bundeshaupt der gefallenen Menschheit. Nicht lange bevor Paulus den Römerbrief verfasste, schrieb er an die Korinther folgende Worte, die das noch deutlicher machen:

 1. Korinther 15,22: „Denn gleichwie in Adam alle sterben, so werden auch in Christus alle lebendig gemacht werden.“ Und in Römer 5,15 schreibt er: „Wegen der Übertretung des einen Adams sind die vielen gestorben.“

Das heißt Folgendes: Die gesamte Menschheit war in Adam enthalten und repräsentiert, sodass als Adam sündigte, gleich zu Beginn alle sündigten. Noch bevor du überhaupt lebtest, warst du in Adam schon der Sünde verfallen. Als der Prozess des Todes begann, Adam zu ruinieren, betraf das unmittelbar die gesamte Menschheit.

Adam war wie ein Botschafter, der im Namen seines Volkes handeln konnte. Wenn ein Botschafter ein Dokument unterzeichnet oder eine Handlung vornimmt, tut er dies für jeden einzelnen Bürger seines Landes, und diese sind daher an seine Handlungen gebunden. So war Adam bestimmt als das Haupt der Menschheit. So wie die Sünde durch den einen kam, so kam der Tod zu allen, die dieser eine repräsentierte.

Martin Lloyd-Jones drückt es so aus: Adams Sünde wird uns genauso zugerechnet wie die Gerechtigkeit Christi, von der wir in den letzten Wochen und Monaten gehört haben. Natürlich erben wir von Adam eine sündige Natur – das ist die Erbsünde. Natürlich ist jeder verantwortlich, weil du ein Sünder bist, schon aufgrund deines Erbes, das du angetreten hast, und aufgrund deines eigenen Verhaltens.

Aber es geht weiter. Lloyd-Jones sagt: Das ist nicht das, was uns verurteilt. Was uns verurteilt und uns dem Tod unterwirft, ist die Tatsache, dass wir alle in Adam gesündigt haben und dass wir alle der Sünde schuldig sind. Es ist unsere Vereinigung mit Adam, die für all unsere Probleme verantwortlich ist. Es ist unsere entsprechende Vereinigung mit Christus, die für unsere Erlösung verantwortlich ist.

Adam handelte also nicht nur für sich selbst, sondern auch für alle seine Nachkommen. Die gesamte Menschheit, die durch Fortpflanzung von ihm abstammt, hat in ihm gesündigt und ist mit ihm in seiner ersten Übertretung gefallen.

Jetzt denk einmal darüber nach: Was heißt das für dich und für mich? Eine ganz wichtige Sache: Das bedeutet, dass die Sünde nicht nur eine Frage unseres Verhaltens ist. Die Antwort, die du dir vielleicht vorhin gegeben hast – „Ah, dann höre ich jetzt auf zu sündigen, dann wird der Tod beiseitegeschoben“ – ist nicht gültig. Denn du bist schon in Adam ein Sünder.

Das bedeutet, dass die Sünde nicht nur eine Frage unseres Verhaltens ist. Wenn das alles wäre, wenn es nur auf unser Verhalten ankäme, dann könnten wir die Sünde mit harter Arbeit, ein wenig Muskelkraft und vielleicht guten Anreizen bekämpfen. Aber eine bloße Verhaltensänderung reicht nicht aus, da die ursprünglichen Wurzeln der Sünde nicht in uns, sondern in Adam liegen. Sie sind außerhalb, wir können tatsächlich sagen, sie sind außerhalb unserer Reichweite.

Selbst wenn es theoretisch möglich wäre, dass du ab jetzt alles richtig machst, wirst du die Sünde Adams, die dir aufgrund seiner Repräsentation zugerechnet wird, nicht los. Das ist die Ursache der Sünde und des Todes. Durch die Sünde kam der Tod zu allen, und durch die Sünde des Einen kam der Tod auch zu dir.

Das befreit uns nicht von unserer Verantwortung, dass wir selbst vor Gott Rechenschaft ablegen müssen für alles, was wir getan, gedacht, gesagt und wie wir gelebt haben. Aber es macht eins deutlich: Wir brauchen Hilfe von außen, sonst werden wir das Problem nicht los.

Drittens: Das ist das Beste – die Niederlage des Todes, oder wie ich es überschrieben habe, der besiegte Tod.

3. Die Niederlage des Todes

Das ist jetzt wieder die Frage: Was machen wir jetzt? Verdrängen wir den Tod oder stellen wir uns ihm?

Die Griechen galten als eine Kultur, die den Tod akzeptierte, und dennoch fürchteten sie sich vor ihm. Heute leben wir in einer Kultur, die den Tod ignoriert, und doch haben auch wir Angst davor. Christen hingegen leben in einer Kultur, die den Tod besiegt hat. Deshalb haben sie Hoffnung angesichts des Sterbens.

Die gute Nachricht lautet: Es gibt noch einen anderen Repräsentanten. Es gibt nicht nur Adam als Vertreter der gefallenen Welt, sondern auch Jesus als Bundeshaupt der Erlösten. So wie Paulus in diesem Abschnitt immer wieder auf den Ungehorsam des einen, nämlich Adams, hinweist, so verweist er auf der anderen Seite immer wieder auf den Gerechten, der nicht Tod bringt, sondern Leben schenkt.

Schauen wir noch einmal in den Text:

Vers 15: „Denn wenn durch die Übertretung des einen, das ist Adam, die vielen gestorben sind, wie viel mehr ist die Gnade Gottes und das Gnadengeschenk durch den einen Menschen, Jesus Christus, in überströmendem Maß zu den vielen gekommen.“

Vers 18: „Also wenn nun durch die Übertretung des einen, das ist Adam, die Verurteilung für alle Menschen kam, so kommt auch durch die Gerechtigkeit des einen, und das ist Jesus, für alle Menschen die Rechtfertigung, die Leben gibt.“

Wir sehen, dass wir nicht nur Adam als Repräsentant der gefallenen Welt haben, sondern auch einen besseren Adam, einen zweiten Adam: Jesus Christus als Repräsentant der erlösten Welt. Im Gegensatz zu Adam war Jesus dem Vater vollkommen gehorsam bis zum Tod am Kreuz. Das sichert uns, die wir an ihn glauben, einen gerechten Stand vor dem Gericht der himmlischen Gerechtigkeit.

Jesus hat gehorcht, er hat geblutet, er ist gestorben und auferstanden. Der Tod konnte ihn nicht halten, weil die Sünde in ihm keinen Halt fand. Weil er lebt, können auch wir leben. Weil er gehorcht hat, können auch wir vor Gott als gerecht gelten.

Vers 19 sagt: „Denn gleichwie durch den Ungehorsam des einen Menschen die vielen zu Sündern gemacht worden sind, so werden auch durch den Gehorsam des einen die vielen zu Gerechten gemacht.“

Verstehst du das? Verstehst du das jetzt? Seien wir ehrlich: In Adam bist du zum Sünder gemacht worden, wie es in Vers 19 heißt: „Denn gleichwie durch den Ungehorsamen des einen die vielen zu Sündern gemacht worden sind.“

Du kannst dich durch deine Taten aus diesem Zustand nicht befreien. Aber jetzt wartet eine neue Identität auf dich. Du darfst in Jesus Christus sein. Durch den Glauben an ihn wird er zu deinem Stellvertreter, deinem Botschafter, deinem Repräsentanten – ja, er wird zu deinem König. Und durch den Gehorsam dieses einen wirst du gerecht gesprochen.

Was Jesus erwirbt, ist dein. So wie Adam die Sünde erworben hat und sie zu dir kam, gilt für Jesus: Was er erworben hat, ist jetzt dein. Weil er den Tod besiegt hat, ist sein Sieg auch dein Sieg, weil du in ihm bist.

Diese Gewissheit des Lebens im Angesicht einer sterbenden Welt hat die Gläubigen in der Bibel schon immer erfasst. Im Alten Testament haben sie auf diesen Jesus, auf den Messias, gewartet. Wenn du nur an Hiob denkst: „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt, und zuletzt wird er sich über den Staub erheben. Nachdem diese meine Hülle, also mein Leib, zerbrochen ist, werde ich meinen Gott schauen. Das heißt, ich werde leben. Ja, ich selbst werde ihn schauen, und meine Augen werden ihn sehen, ohne ihm fremd zu sein.“

Auch Paulus blickte hoffnungsvoll in die Zukunft, wenn er schreibt in 1. Korinther 15: „Wenn aber dieses Verwesliche Unverweslichkeit anziehen und dieses Sterbliche Unsterblichkeit anziehen wird, dann wird das Wort erfüllt werden, das geschrieben steht: Der Tod ist verschlungen in Sieg. Wo ist dein Stachel, Tod? Totenreich, wo ist dein Sieg? Der Stachel des Todes aber ist die Sünde, die Kraft der Sünde aber ist das Gesetz. Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unseren Herrn Jesus Christus.“

Wie kam der Apostel zu dieser Antwort? Wie konnten er und Hiob unerschütterliche Hoffnung und Freude trotz des Todes bewahren? Die Antwort lautet: Durch ihren Repräsentanten, Jesus Christus.

Das ist die Lösung, die Hiob vorausgesehen hat und die Paulus mit ganzer Hingabe verkündigt. Wir haben einen Repräsentanten, der für uns den Tod besiegt hat. Und wenn du durch den Glauben in ihm bist, ist das ewige Leben dein.

Halleluja!

Die Bedeutung des Gnadengeschenks

Und dann, ihr Lieben, möchte ich noch auf eine Sache hinweisen. Wer das auch nur ansatzweise erfasst, der weiß, wie bedeutsam es ist. Hier sitzen Hunderte, die jetzt sofort aufstehen könnten und Zeugnis ablegen könnten über genau diesen Vorgang in ihrem Leben.

Die Furcht vor dem Tod, die Angst vor dem, was kommt, wenn wir sterben, ist verwandelt in eine großartige Hoffnung. Viele haben es erlebt. Es ist so essenziell, wenn wir die Ängste sehen, die sich auch in dieser Welt aufgrund des Todes breitmachen.

Aber das Großartige ist – und das macht dieser Abschnitt auch noch deutlich, darauf möchte ich noch hinweisen – diese Realität eines neuen Repräsentanten, der für dich in die Schlacht gezogen ist und für dich den Sieg über den Tod erlangt hat. Diese Realität ist, und das macht Paulus ab Vers 15 deutlich, ein absolutes Geschenk, ein Gnadengeschenk.

Schau noch einmal in Vers 15 und folgende und achte darauf, wie oft dort von Gnadengeschenk, von Gnade und von Geschenk die Rede ist:

„Aber es verhält sich mit der Gnadengabe nicht wie mit der Übertretung; denn wenn durch die Übertretung des einen die vielen gestorben sind, wie viel mehr ist die Gnade Gottes und das Gnadengeschenk durch den einen Menschen, Jesus Christus, in überströmendem Maß zu den vielen gekommen! Und es verhält sich mit dem Geschenk nicht so wie mit dem, was durch den einen kam, der sündigte; denn das Urteil führt aus der einen Übertretung zur Verurteilung. Die Gnadengabe aber führt aus vielen Übertretungen zur Rechtfertigung. Denn wenn infolge der Übertretung des Einen der Tod zur Herrschaft kam, wie viel mehr werden die, welche den Überfluss der Gnade und das Geschenk der Gerechtigkeit empfangen, im Leben herrschen durch den Einen, Jesus Christus.“

Es ist wie der Refrain eines Liedes, wie ein roter Faden, der sich durch diesen Abschnitt hindurchzieht. Es ist das Geschenk der Gnade, des Lebens, der Rechtfertigung. Die Rechtfertigung, die dich vor Gott bestehen lässt und die uns der Repräsentant Jesus bringt, ist ein Gnadengeschenk.

Sie kann nicht erarbeitet werden, sie kann auch nicht erworben werden. Sie kann nur im Glauben empfangen werden – aus Gnade, reiner, purer, schierer, werkefreier, gesetzesfreier, in Freiheit erworbener Gnade.

Einst standen wir in Adam verurteilt vor Gott. Wir waren in dem ersten Menschen. Als er fiel, kam die Sünde auch zu uns und mit ihr der Tod. Aber nun darfst du durch den schlichten Glauben an den wahren Repräsentanten, der dir Leben bringt, in Christus sein.

Vers 21 sagt: „Damit, wie die Sünde geherrscht hat im Tod, so herrsche auch die Gnade durch Gerechtigkeit zu ewigem Leben durch Jesus Christus, unseren Herrn.“

Einst herrschte der Tod, aber jetzt, wenn du ein Kind Gottes bist, herrscht die Gnade des ewigen Lebens. Halleluja!

Schlussfolgerung: Hoffnung im Angesicht des Todes

Wo also findest du Hoffnung im Angesicht des Todes? Nicht im Glauben an die ewige Jugend, nicht in der Realitätsflucht, nicht in den Fortschritten der Technik und Medizin.

Deine und meine einzige Hoffnung, die uns angesichts des Todes zur Verfügung steht, liegt in der freien Vergebung unserer Sünden durch den, der den Tod besiegt hat: Jesus Christus.

Wenn du Hoffnung für das Leben, Hoffnung für den Tod und Hoffnung für das Leben nach dem Tod haben möchtest, dann setze dein Vertrauen voll und ganz auf den, der die Fesseln des Todes gesprengt hat.

Zu Martha sagt er am Grab des Lazarus: „Ich bin die Auferstehung und ich bin das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt. Und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird in Ewigkeit nicht sterben.“

Dann fügt Jesus hinzu: „Glaubst du das?“ Diese Frage reiche ich an dich weiter: Glaubst du das? Wenn du es glaubst, hast du großen Grund zur Dankbarkeit. Alles ist neu, du bist raus aus Adam und rein in Christus – im doppelten Sinn.

Vielleicht hörst du es zum ersten Mal oder findest jetzt eine Antwort auf die Fragen, die du hast. Jesus ist hier, und er lädt dich ein zu glauben. Er ist für dich gekommen, um das Todesproblem zu lösen.

Das ist die Botschaft dieses Abschnitts: Jesus gehorchte, starb und stand als gerechter Retter für ungerechte Sünder auf – aus dem Tod. Jetzt darfst du dieses kostenlose Gnadengeschenk, dieses freie Gnadengeschenk annehmen, indem du glaubst.

Er hat über das Grab triumphiert. Und jeder, der lebt und an ihn glaubt, wird niemals sterben. Eine größere Hoffnung gibt es gar nicht – im Leben und im Tod.

Amen.

Gebet zum Abschluss

Vater, du lehrst uns hier ewige Wahrheiten, und wir sind von Herzen dankbar, dass du uns den Vorhang beiseite schiebst und uns erklärst, wie es mit dem Tod steht und warum er da ist.

Ich möchte dich für Menschen bitten, die diese Predigt jetzt gehört haben und ihr Leben dir noch nicht übergeben haben. Erwecke sie, mache ihre Seele lebendig, damit sie ganz tief im Innern begreifen und verstehen, dass dein Wort die Wahrheit ist. Dein Wort ist die Wahrheit.

Ich bitte dich, Herr, dass sie sich im Glauben und mit einem bußfertigen Herzen dir zuwenden. Halleluja, du weist niemanden ab: Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid. Wenn wir mit Sünden beladen sind, lädst du uns ein zu kommen. Du willst uns erquicken und uns Ruhe für unsere Seelen geben, auch in unseren Ängsten bezüglich des Lebensendes.

Ich bitte dich, dass du Seelen rettest und dass Menschen sagen: Herr, ich glaube! Danke für dein lebensspendendes Werk, das du jetzt durch die Kraft deines Heiligen Geistes vollbringst.

Herr, ich bete auch für meine Glaubensgeschwister, besonders für diejenigen, die immer wieder von der Angst vor dem Tod heimgesucht werden. Menschlich gesehen ist das eine dunkle Zeit, auf die man zusteuert. Wir wissen nicht, wie unser individuelles Ende sein wird. Wird es schmerzhaft sein? Wird es einsam sein? Wird es glaubensvoll sein?

Herr, du siehst auch die verzagten Herzen, die immer wieder mit dieser Frage kämpfen. O Herr, ich bitte dich, erfülle uns immer wieder neu mit der in dein Wort verbrieften Wahrheit, dass wir in Christus Leben haben. Unser Leib mag zwar sterben, aber unsere Seele geht vom Leben zum Leben über.

Ich bitte dich um Trost und Glaubensstärke, besonders für solche Geschwister, die durch ärztliche Diagnose den Tod bereits nah vor sich haben. Wir alle wissen nicht, wann wir sterben müssen, aber bei einigen scheint es sehr nahe zu sein. Ich bitte dich besonders um Glaubensstärke und um deine mächtige Hand, die sie durch das Tal des Todesschattens führt. Denn du bist der gute Hirte, der uns auch im Moment des Sterbens nicht alleine lässt.

So wie du Mitgefühl hattest und am Grab des Lazarus weintest, bist du ein Gott, der fühlt und mit uns geht. Lass die Hoffnung auf das ewige Leben in meinem Herzen leuchten und in den Herzen meiner Geschwister.

Darum bitte ich dich. Amen.