Einleitung
Der Krieg hat begonnen. Kaum jemand glaubte daran, dass dieser Krieg
noch aufgehalten werden könnte. Obwohl – hätte Sadam Hussein sich
ergeben – hätte es eine ganze andere Wende genommen.
Das beherrschende Thema dieser Tage ist der Krieg, so entschloss ich
mich kurzfristig, Euch einige Gedanken weiterzugeben, in der Hoffnung,
dass sie uns etwas helfen können.
Krieg ist und bleibt eine ganz schlimme menschliche Tragödie. Was
sich in einem Krieg für schreckliche Szenen abspielen, ist auch wenn
man schon viele Kriegsfilme gesehen hat, immer noch in seinem ganzen
Ausmass unvorstellbar.
Unsägliches menschliches Leid hat er zur Folge. Darum kann man auch
die vielen Menschen gut verstehen, die nun auf die Strassen gehen und
mit ihren Demonstrationen dem Krieg Einhalt gebieten wollen. Sie
möchten sagen, dass sie mit Gewaltanwendung nicht einverstanden sind
und sie eine friedliche Lösung des Problems wünschen. Ob das möglich
ist, ist eine andere Frage, auf die ich noch eingehen werde.
Sie möchten, so sagte eine Schülerin, sich mit dem irakischen Volk
solidarisieren. Sie möchten zeigen: Wir fühlen mit Euch, es tut uns
leid, dass ihr nun so leiden müsst. Auch das ist eine beachtenswerte
Haltung, ein Ausdruck von Menschenfreundlichkeit, aber ist es nicht
doch etwas zu kurz gegriffen?
Auf der anderen Seiten nehmen wir bei diesem Krieg an einem medialen
Spektakel teil. Von meinem Wohnzimmer aus kann ich den Krieg
verfolgen, kann sehen, wie Bagdad bombardiert wird. Und unaufhörlich
versuchen Journalisten von Kommentatoren herauszufinden, was man noch
nicht wissen kann. Ein seltsames und etwas befremdliches Szenario.
Die Schrecken des Krieges werden uns also franko Haus geliefert und
wir sind Bildern und Kommentaren ausgeliefert, die wir nie wirklich
auf ihre Korrektheit überprüfen können. Plötzlich heisst es, dass das,
was man gesehen hat nicht das Geschehen darstelle, sondern ein
vorfabriziertes Video sei, das zur psychologischen Kampfführung
eingesetzt wird.
Wie sollen wir als Christen mit all dem umgehen, was sich um uns
herum ereignet? Wie können wir im Wirr Warr von Meinungen eine
Position finden? Das solle uns heute Morgen beschäftigen.
Jesus sagte seinen Jüngern:
Erschreckt auch nicht, wenn ihr von Kriegen und Unruhen hört. Diese
Dinge müssen geschehen, bevor das Ende kommt, aber es kommt noch nicht
sofort danach. Lk.21,9 Jesus meint, wir sollen nicht überrascht sein, wenn es Kriege und
Unruhen gibt.
Zuerst möchte ich einige grundsätzliche Gedanken zum Krieg sagen.
Dann einige Gedanken zur aktuellen Situation und zum Schluss, wie wir
uns als Christen verhalten können.
Grundsätzliches zum Krieg
1. Kriege wird es immer geben
Eine Tatsache, die uns nicht gefallen mag: Kriege wird es immer
geben. Das Grundproblem liegt genau dort, was wir im Lied gehört
hatten: Beim Menschen, der sich von Gott gelöst hat.
Im Sündenfall wurde aus dem Menschen, der mit Gott in enger und
liebender Verbindung lebte, ein Mensch, der sich verselbständigte und
sich selber Gesetze gibt, so wie es ihm gefällt und er meint es sei
für ihn gut.
Die erste Kriegshandlung finden wir beim Bruderpaar Kain und Abel.
Kain ermordete Abel, Johannes sagte dazu:
Warum hat er ihn ermordet? Weil seine eigenen Taten schlecht waren,
aber die seines Bruders gut. (1.Joh 3,12) Er hielt es nicht aus, dass sein Bruder besser sein sollte, also
wurde er beseitig.
Auch nach der Sintflut ging es nicht lange, da riss schon wieder
einer die Macht an sich.
Nimrod war der erste, der Völker seiner Herrschaft unterwarf. (Gen
10,8)
Man könnte hier natürlich durch die ganze Menschheitsgeschichte
gehen und würde sehen, dass es immer wieder Menschen gibt, die Macht
und Gewalt über andere ausüben. Solange der Mensch sich selbst Gesetze
gibt und von Gott losgelöst lebt wird es Kriege geben und Kriege geben
müssen. Deshalb sagte Jesus seinen Jüngern:
Erschreckt auch nicht, wenn ihr von Kriegen und Unruhen hört. Diese
Dinge müssen geschehen, bevor das Ende kommt, aber es kommt noch nicht
sofort danach. Lk.21,9
Jesus will den Jüngern sagen, sie sollen nicht überrascht sein, als
ob sich in diesen Kriegen etwas ereignen würde, über das Gott die
Kontrolle verliert. Es wird eben das geschehen, was geschehen muss,
wenn Menschen die Kontrolle übernehmen wollen.
Ein Volk wird sich gegen das andere erheben und ein Reich gegen das
andere. Lk.21,10.
2. Gott selbst führt Kriege
Im Alten Testament sehen wir ganz deutlich, dass Gott selbst Kriege
führt. Wenn Gott Kriege führt, dann geht es nicht um persönliche
Bereicherung und Macht, sondern dann geht es immer um Gericht und
Gerechtigkeit.
Als Israel das Land Kanaan erobern musste, war das, dass Gericht
Gottes über diesem Volk. Bevor Gott dieses Gericht über diese Völker
kommen liess, wartete er damit noch 400 Jahre. Eine Gnadenzeit von 400
Jahren.
Selbst gegen sein eigenes Volk liess Gott eine Armee aufmarschieren.
Nebukadnezar besiegte Jerusalem und verschleppte das Volk nach
Babylon. Es war das Gerichtshandeln Gottes an seinem eigenen Volk.
Das ist für Gott auch immer das letzte Mittel, nachdem er auf
vielfältige Weise versuchte, die Menschen zur Einsicht zu führen.
Ich möchte aber davor warnen, dass wir zu eilig einen Krieg als
gerecht oder ungerecht bezeichnen. Wir werden bei einem Krieg, wenn er
im Gange ist, kaum sagen können, dass dieser Krieg richtig und im
Namen Gottes geführt wird. Dieses Urteil steht Gott allein zu.
Auch den Krieg der jetzt im Gange ist, können wir nur sehr begrenzt
beurteilen. Ob er wirklich unabdingbar ist und ob es wirklich keine
andere Lösung gegeben hätte, können wir nur durch abwägen mit grosser
Vorsicht sagen und müssen dabei wissen, dass wir auch bei sorgfältiger
Abwägung zu einem falschen Resultat kommen könnten. Mich erstaunt wie
schnell und sicher viele Menschen sofort die Schuldzuweisungen machen.
3. Mit Gewalt löst man keine Probleme
Ein Gedanke, den man in Zusammenhang mit dem Krieg hört ist, dass
man mit Gewalt keine Probleme lösen kann, sondern nur weitere schaffen
würde.
Da muss ich einfach ganz offen sagen, dass das schlicht und
ergreifend nicht stimmt. Es klingt zwar schön und heroisch, aber es
entspricht ganz und gar nicht unserer Wirklichkeit.
Unser ganzes Rechtssystem basiert gerade auf dem Prinzip von Gewalt.
Wenn jemand einen Diebstahl begeht, dann wird er die Gewalt des
Staates zu spüren bekommen, er wird verurteilt und weggesperrt.
Wenn wir als Volk offenbar so für friedliche Lösungen sind, erstaunt
es doch sehr, dass man feststellte, dass Nachbarschaftskriege
zunehmen. Es gibt ja eine Bewegung, die versucht solche Zwiste
zwischen Nachbarn aussergerichtlich, durch Mediation zu lösen. Das sei
jedoch sehr unerwünscht. In einem Artikel lass ich:
Diese Erfahrung hat auch der Zürcher Anwalt und Mediationsspezialist
Peter Bösch gemacht. Er begleitete im Sommer 2001 ein Projekt des
Bezirksgerichts Zürich, das zum Ziel hatte, streitende Parteien
aussergerichtlich zu versöhnen. Bösch: Über tausend Streitfälle wurden
als mediationstauglich qualifiziert. Man wählte siebzig davon aus und
lud die Beteiligten zu einer kostenlosen Beratung ein. Raten Sie, wie
viele Interesse gezeigt haben! Fast niemand. Sieben Parteien meldeten
sich. Ein einziger Fall konnte schliesslich ausgerichtlich bereinigt
werden." (TagiMagi 06,03)
Kann mir mal jemand sagen wie wir unter Völkern einen echten und
beständigen Frieden haben können, der aufgrund von Gesprächen erzeugt
werden sollte, wenn wir es nicht einmal in den kleinen Dingen
schaffen?
Es braucht Gewalt um in dieser Welt einigermassen Ordnung zu halten.
Denn es stimmt, was Gott über uns Menschen sagt:
Alles, was aus den Herzen der Menschen kommt, ihr ganzes Denken und
Planen, ist nun einmal böse von Jugend auf. (Gen 8,21) Das Böse kann nur durch Gewaltandrohung und Gewaltausübung in Schach
gehalten werden.
Bsp.
Paulus sagt in Bezug auf den Staat:
Denn die staatliche Macht steht im Dienst Gottes, um dich zum Tun des
Guten anzuspornen. Wenn du aber Böses tust, musst du dich vor ihr
fürchten. Ihre Vertreter tragen nicht umsonst das Schwert. Sie stehen
im Dienst Gottes und vollstrecken sein Urteil an denen, die Böses tun.
(Röm 13,4) Wir Europäer sollten nicht vergessen, dass wir zweimal im letzten
Jahrhundert die Amerikaner bemühten, um den Krieg zu beenden. Wer
hätte sonst das Hitler Regime beseitigen können und wer hätte beim
Aufbau Europas so tatkräftig mitgeholfen?
Auch im Kosovo mussten die Amerikaner kommen, weil Europa sich nicht
zu helfen wusste.
So ist das, ob es uns gefällt oder nicht.
Zur aktuellen Situation
Was ich nun zur aktuellen Situation sage, ist keine Rechtfertigung
für diesen Krieg, aber es soll uns dazu animieren nicht einfach
unbesehen Meinungen zu übernehmen.
Natürlich ist es einfach, wenn man jetzt mit allen mitmarschiert und
sagt, man soll den Krieg sofort einstellen. Auch die meisten Kirchen
gehen diesen Weg und sagen den Leuten, dass eben nur der kampflose
Weg, der richtige Weg sei. Bush, der jeden Tag seine Bibel liesst und
sich Zeit zum Beten nimmt, dessen Glaube wird kurzerhand als
fundamentalistisch und unglaubwürdig hingestellt. Selbst ein Bischof
der Kirche, zu der Bush gehört distanzierte sich von ihm in aller
Öffentlichkeit.
Nun möchte kurz einige Vorwürfe ansprechen.
Das verletzte Völkerrecht
Ein Vorwurf ist, Bush hätte das Völkerrecht gebrochen, weil er ohne
UNO Mandat den Krieg eröffnet hat.
Dabei vergisst man, dass Sadam Hussein seit 1991 17 Uno-Resolutionen
missachtet, er verletzte die Waffenstillstandsbedingungen des ersten
Golfkriegs usw. Die Uno hatte weder die Kraft noch den Willen, ihren
eigenen Satzungen nachzuleben.
Es war auch Sadam Hussein, der zwei Kriege entfesselte und sich
nicht scheute Giftgas einzusetzen. Er hat über eine Million Tote auf
dem Gewissen.
Saddam Hussein übertrifft bei weitem sogar die Lebensleistung des
früheren jugoslawischen Regierungschefs Milosevic, der ohne Uno-
Mandat, unter französischem Beifall und mit amerikanischen
Streitkräften aus seinem Amt gebombt wurde.
Übrigens Kofi Annan sagte nach dem schrecklichen Massacker von
Srebrenica, wo 7000 Jungen und Männer abgeschlachtet wurden:
Durch Irrtum, Fehleinschätzung und die Unfähigkeit, das Ausmass des
Bösen zu erkennen, mit dem wir konfrontiert waren, haben wir es
versäumt, unseren Teil zu tun, um die Menschen zu retten.
Zivilisten, die umkommen werden
Was die Menschen beschäftigt ist die Zivilbevölkerung, die unter dem
Krieg furchtbar zu leiden haben wird. Das will ich gar nicht
bestreiten und das ist auch wirklich schlimm.
Aber, wer ging in den letzten Jahren auf die Strassen, weil Sadam
Hussein sein eigenes Volk unterdrückt und die Menschen sterben lässt.
Laut Unicef sterben im Irak rund 60'000 Babys im Jahr, bis heute
sind das 700'000 Babys. Würde man Hussein weitere 10 Jahre an der
Macht lassen, wären das nach Unicef-Berechnungen nochmals eine Million
Menschen, die umkommen.
Laut Schätzungen von der Menschenrechtsorganisation, Human Rights
Watch, waren es im ersten Golfkrieg etwa zweitausend Menschen, die
umgekommen waren. Das sind viele, aber weniger als bei den Twin Towers
und weit weniger, wie durch Sadams Regime jährlich umkommen.
In einem kürzlich im Spiegel veröffentlichten Artikel über Sadam
Hussein war zu lesen:
Dies ist ein Regime, das Kindern die Augen aussticht, um von Eltern
oder Grosseltern Geständnisse zu erpressen. Ein Regime, das alle
Fussknochen eines zweijährigen Mädchens einzeln zerbricht, um seine
Mutter zu zwingen, den Aufenthaltsort ihres Mannes preiszugeben. Dies
ist ein Regime, das einen Säugling auf Armeslänge von seiner Mutter
entfernt hält und das Kind verhungern lässt, um seine Mutter zu einer
Aussage zu bewegen. Es ist ein Regime, das seine Opfer langsam in
riesige Kessel von Säure herablässt, entweder, um ihren Willen zu
brechen, oder einfach nur als Hinrichtungsart. Dies ist ein Regime, das
seinen Opfern Elektroschocks verabreicht, vor allem an den Genitalien,
und bei dieser Tortur grosse Kreativität entwickelt. Ein Regime, das im
Jahre 2000 als Strafe für jede Kritik – und da reicht es schon, darauf
hinzuweisen, dass Saddams Kleidung nicht zusammenpasst – festsetzte,
das dem Delinquenten die Zunge abgeschnitten wird. Dies ist ein Regime,
das eine Frau, eine Tochter oder andere weibliche Verwandte wiederholt
vor den Augen eines Mannes vergewaltigt. Dies ist ein Regime, das seine
Opfer mit rot glühenden Eisenstäben pfählt. Ein Regime, das eine junge
Mutter auf der Strasse vor ihrem Haus und in Anwesenheit ihrer Kinder
enthauptet, weil ihr Mann in Verdacht steht, ein Gegner eben dieses
Regimes zu sein. Dies ist ein Regime, das biologische und chemische
Kampfstoffe an seinen iranischen Kriegsgefangenen erprobte, um
herauszufinden, auf welche Weise diese Gifte ihre grösste Wirkung
erzielen. Der Spiegel, 5/2003, S. 94.
Wer ist in den letzten Jahren für diese Menschen, die in
fürchterlicher Art und Weise sterben mussten auf die Strasse gegangen.
Leider ist es so, dass ohne den Krieg im Irak das Sterben von
Zivilpersonen kein Ende nehmen wird. Nicht umsonst hören wir von
Irakern, die im Exil leben, dass sie nichts sehnlichster wünschen, als
dass dieses Regime ein Ende nimmt.
Doppelmoral
Was mich in dieser Sache auch noch beschäftigt ist unsere
Doppelmoral. Wir beklagen uns, dass so viele Menschen im Krieg
umkommen werden. Gleichzeitig sind wir dafür, dass massenhaft Kinder
abgetrieben werden dürfen.
6000 Menschen sterben täglich, hörte ich heute Morgen am Radio und
zwar wegen dem schlechten Wasser. Schon vor drei Jahren gab es zu
diesem Problem von der UNO eine Konferenz, aber nicht ist geschehen,
ausser dass gestern eine weitere Konferenz zu Ende ging.
Täglich verhungern tausende von Menschen.
Wir lassen es zu, dass Menschen unter dem Stichwort Sterbehilfe,
tödliches Gift bekommen. Wir sind in der Schweiz diesbezüglich so
lasch, dass die Menschen, die sterben wollen nach Zürich kommen, um
sich umbringen zu lassen.
Wir produzieren Kriegsmaterial und sind erstaunt darüber, wenn es
zum Einsatz kommt.
Was sollen wir tun
1. Gott vertrauen, er behält die Kontrolle
Wir sollen uns ganz auf unseren Herrn ausrichten und sein Wort ernst
nehmen.
Wir sollten nicht überrascht sein, als ob das etwas ungewöhnliches
wäre. Wir sollen das einfach zur Kenntnis nehmen. Es ist eine Folge
des sündigen Menschen.
Wir sollen nicht daran zweifeln, dass Gott nicht zu seinem Ziel
kommen würde. Es ist immer noch so, wie Daniel betete:
Er verändert das Bestehende und gibt allem seine Frist; er setzt Könige
ab und setzt Könige ein. Er gibt den Weisen ihre Weisheit und den
Klugen ihren Verstand. (Dan 2,21)
2. Verständnis zeigen
Wir sollten den Menschen, die innerlich zerrissen sind und über
diesem Geschehen geschockt sind Verständnis entgegenbringen und ihnen
nicht gleich eine aufklärende Predigt halten.
In einem Gespräch kann man sie auf Verschiedenes aufmerksam machen.
3. Beten für die Menschen und Regierungen
Was wir tun sollten sagt Paulus dem Timotheus:
Das Erste und Wichtigste, wozu ich die Gemeinde aufrufe, ist das Gebet,
und zwar für alle Menschen. Bringt Bitten und Fürbitten und Dank für
sie alle vor Gott! (1.Tim 2,1) Für alle Menschen sollen wir beten. Für die Amerikaner und für die
Iraker. Und er fährt fort:
Betet für die Regierenden und für alle, die Gewalt haben, damit wir in
Ruhe und Frieden leben können, in Ehrfurcht vor Gott und in
Rechtschaffenheit. (1.Tim 2,2) So ist es gut und gefällt Gott, unserem Retter. (1.Tim 2,3) Beten wir doch besonders in diesen Tagen für unsere Regierung, aber
auch für die anderen Regierungen.

