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Mitläufer. Alles im Fluss?

Lot, ein "Angehöriger" des Glaubens (1. Mose 13-14)
21.04.2025
SerieTeil 4 / 6Genesis – Stunde Null, das Leben beginnt
In unseren Gemeinden gibt es Mitläufer. Das sind Leute, die ihr Fähnchen in den Wind hängen, aber keine wirkliche Überzeugung haben. Opportunisten, die sich jeder Lage anpassen, wenn sie ihnen nützlich erscheint ...

Einleitung und thematische Hinführung

Ich habe den Text 1. Mose 12,4-5 bekommen, und da steht: Abraham folgte dem Befehl des Herrn und brach auf. Lot ging mit ihm. Abraham war fünfundsiebzig Jahre alt, als er seine Heimatstadt Haran verließ. Seine Frau Sarai und Lot, der Sohn seines Bruders, begleiteten ihn. Sie nahmen ihren ganzen Besitz mit, auch die Menschen, die sie in Haran in Dienst genommen hatten. So zogen sie in das Land Kanaan.
Halt an dem Richtigen fest, das hat uns gerade Hendrik gesagt. Da gibt es diese beiden Schnüre, so eine rote, die ist uns leider nur zu vertraut. Da gibt es diese weiße Schnur. Um die ging es bei den Kindern, bei den Jugendlichen und bei uns Erwachsenen: um Jesus. Wir wollen festhalten an Jesus, und trotzdem sind wir oft so hin- und hergerissen.
Da gibt es vielleicht auch unter uns so manche, die nicht so die wirklichen Überzeugungen haben. Die lassen sich auf die eine und auf die andere Seite ziehen, so wie sich Lars Olsson am Anfang auf die Seite derer hat ziehen lassen, die meinten, das Geld auf unrechtmäßige Art und Weise in die Tasche spielen zu können. Und so sind wir eben in einer Welt voller roter Schnüre. Es ist ziemlich verwirrend, sich in dieser Welt zu orientieren. Und wie gut, dass wir Ostern feiern dürfen: von Jesus, der den Tod und die Sünde besiegt hat.
Nun, es geht heute Morgen um so jemanden, der auch hin- und hergerissen ist. Es geht um Lot. Wir haben ja gestern schon über 1. Mose 12 gesprochen, und wir haben über Abraham gesprochen. Aber jetzt wird eben in diesen Versen auch Lot erwähnt, und der spielt so heute Morgen die Hauptrolle.
Ich möchte das gliedern in drei Punkten, nämlich erstens: Lot kam, zweitens: Lot sah und drittens: Lot verlor. Er kam, sah und na ja, er siegte leider nicht, sondern Lot verlor am Ende. Aber eines nach dem anderen.

Herkunft, Umfeld und erste Prägungen

Erster Punkt
Lot kam aus einer hochzivilisierten Stadt. Von dieser Stadt, nämlich Ur, diesem südbabylonischen Ur, gehen ganz starke kulturelle Einflüsse aus, auch religiöse und wirtschaftliche Einflüsse. Lot ist also ein Junge der Großstadt, das muss man sich erst einmal bewusst machen. Die Welt der Graffitis, der Megakonzerte und des U-Bahn-Surfens ist ihm bestens vertraut.
Dann ein weiteres: Lot kam aus einer wohlhabenden Familie. In Kapitel 13, Vers 2 steht, dass Abraham sehr reich war an Vieh, an Silber und an Gold. Wo Honig ist, da sammeln sich Bienen, wo Tauben sind, da fliegen Tauben zu. Bei Familie Abraham kommt ein Stück Vieh zum anderen. Er, Abraham, wird reich und reicher. Für jedes verkaufte Schaf kassiert er Silber, für jeden strammen Bullen Gold, und nach Abzug der Löhne für seine Cowboys bleibt immer noch eine ganze Stange Geld übrig. Und genauso betreibt Lot diesen lukrativen Viehhandel. Die Preise spricht er vorher mit seinem Onkel ab, und auf diese Weise füllen sich seine Kassen nicht minder.
Allerdings hat Lot nur ein halbes Elternhaus. Sein Vater Haran war früh gestorben, er war der Bruder von Abraham gewesen. Und es ist naheliegend, dass sich das kinderlose Paar, Abraham und Sarah, nun um diesen vaterlosen Jungen kümmert.
Lot kam nach Kanaan. Er hat einen Wanderstab dabei, und er hat einen Maßstab dabei. Und das ist eben sein Onkel Abraham, über den wir gestern gesprochen haben, der in der Bibel auch der Vater des Glaubens genannt wird. Ein wirkliches Vorbild, ein Mensch, der Gott in jeder Beziehung vertraut hat, bedingungslos.
So, jetzt steht also Abraham mit Gott in Verbindung, Lot steht lediglich mit Abraham in Verbindung. Aber immerhin hat er in ihm einen Vaterersatz, einen, zu dem er aufblicken kann.
Hast du Vorbilder? Kennst du solche Leute, die dir im Glauben etwas vormachen, im positiven Sinne, die eine wirklich greifbare Beziehung zu Gott haben und wo du manchmal denkst: So möchte ich auch werden? Wenn du solche Vorbilder hast in deiner Familie oder auch unter deinen Freunden, dann lebst du unter guten Bedingungen.
Allerdings musst du dir Vorbilder auch aktiv zum Vorbild nehmen. Und zum Vorbild nehmen heißt auch, etwas dafür zu tun, ihnen ein wenig ähnlich zu werden, von ihnen zu lernen. Sie zu fragen: Wie machst du das? Wie betest du eigentlich? Wie verbringst du deine Zeit mit Gott? Ich möchte von dir lernen.
Das scheint mir bei Lot nicht so gelungen zu sein. Er hatte dieses Vorbild, aber er ist ihm nicht wirklich in dem Sinne nachgefolgt. Es waren nur Schritte, die er auf der Wanderschaft mit ihm gegangen war, nicht unbedingt Schritte des Glaubens.
Und so ist er irgendwie ein Angehöriger des Glaubens, ja, er ist ja der Neffe. Abraham ist der Vater des Glaubens, also gehörte er irgendwie zur Familie, zum großen Dunstkreis dazu. Aber er trottet irgendwie hinterher wie so ein Gaul, den man an der Leine führt. Ob die Leine rot oder weiß war, das weiß ich jetzt nicht. Aber wohin das führt, das sehen wir nachher. Er ist jedenfalls der erste Mitläufer, den die Bibel erwähnt.

Der Ruf Jesu und die Frage nach echter Nachfolge

Lot kam. Lot kam zum Glauben. Nun, nach neutestamentlichem Verständnis kommt zum Glauben derjenige, der zu Jesus kommt. Jesus hat einmal gesagt: Matthäus 11,28.
Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig seid und die ihr unter euren Lasten fast erdrückt werdet; ich will sie euch abnehmen, ich will euch Ruhe geben.
Kommt her, ihr Mühseligen und Beladenen, ich werde euch Ruhe geben. Das ist ein Vers, den Jana gleich mit den Kindern auch noch ein bisschen einstudieren will, weil es eine so wichtige Aussage von Jesus ist, diese Einladung: Kommt zu mir. Und das, was euch an Sünde bedrückt, das, was in der Nachfolge Jesu stört, das will ich euch nehmen und euch Ruhe geben für euer Herz.
Leider hat man nicht den Eindruck, dass Lot zur Ruhe kam. Nun, zur Ruhe kommen, ich werde euch Ruhe geben, das heißt ja auch nicht Bettruhe. Vielleicht klingt das für manche ein bisschen langweilig: Ich will euch Ruhe geben. Nun, es geht ja nicht darum, ich werde euch in den Schlaf singen, sondern ganz im Gegenteil: Ich werde euch herausholen, ihr sollt euch erholen. „Ich will euch erquicken“, so hat es Martin Luther übersetzt, Matthäus 11,28.
Lot kam. Kam Lot zurecht?
Nun, ich möchte mal die nächste Textleserin nach vorne rufen. Wir wollen jetzt mal ins dreizehnte Kapitel reinschauen, und die Jemina liest uns jetzt mal aus Kapitel dreizehn die Verse fünf bis dreizehn vor.
Ich lese 1. Mose 13,5-13:
Auch Lot, der mit ihm zog, hatte viele Schafe, Ziegen und Rinder und viele Zelte, in denen seine Hirten mit ihren Familien lebten. Das Weideland reichte nicht aus für die Viehherden der beiden; sie konnten auf die Dauer nicht zusammenbleiben. Es gab immer Streit zwischen den Hirten Abrams und den Hirten Lots. Außerdem wohnten damals noch die Kanaaniter und Perisiter im Land.
Da sagte Abram zu seinem Neffen: Es soll doch kein Streit zwischen uns sein, auch nicht zwischen unseren Hirten; wir sind doch Brüder. Das Beste ist, wir trennen uns. Das ganze Land steht dir offen. Du kannst nach Norden gehen, dann gehe ich nach Süden. Du kannst auch nach Süden gehen, dann gehe ich nach Norden.
Lot schaute sich nach allen Seiten um. Er sah, dass es in der Jordanebene reichlich Wasser gab. Bevor der Herr Sodom und Gomorra zerstörte, war es dort wie im Garten Gottes oder wie am Nil in Ägypten, bis hinab nach Zoar. Deshalb entschied sich Lot für die Jordangegend und zog nach Osten. So trennten sich die beiden. Abram blieb im Land Kanaan, Lot ging ins Gebiet der Jordanstädte und kam im Lauf der Zeit mit seinen Zelten bis nach Sodom. Die Bewohner Sodoms aber führten ein schändliches Leben, das dem Herrn missfiel.

Konflikt, Entscheidung und der Blick auf das Sichtbare

Der zweite Punkt ist Lot. Lot sah ein wenig erschöpft aus. Wegen einer Hungersnot musste Abraham mit seinem Gefolge einen Abstecher nach Ägypten machen. Und in Ägypten, da pulsierte das Leben, da gab es keine Ruhe, so wie in Kanaan.
Aber jetzt sind sie wieder im verheißenden Land, aber auch da finden sie keine Ruh, denn eine Kuh macht Mu. Und viele Kühe machen Mühe. Es gab also Stress. Mit wem? Nun, man hätte meinen können, es gab Stress mit der einheimischen Bevölkerung, dass die so langsam ein bisschen neidisch werden: Da kommen doch zwei Ausländer, die investieren ihr mitgebrachtes Kapital, die sahnen ab, die nisten sich ein, die verfremden alles. Aber das ist gar nicht das Problem. Zwar wird hier erwähnt, dass die Kanaaniter und die Perisiter im Land wohnten, aber der Ärger entsteht in den eigenen Reihen. Wie so oft.
Es gibt tatsächlich Stress wegen der vielen Kühe. Für die beiden tüchtigen Viehzüchter ist einfach nicht genug Platz da. Die riesigen Herden fressen sich gegenseitig das Futter weg, und immer wieder kommt es zu Krawallen wegen des Weidelandes. Die Cowboys von Abraham prügeln sich mit denen von Lot. Die meisten Auseinandersetzungen finden innerbetrieblich statt.
Kennst du das? Aus der eigenen Familie vielleicht? Dass man ständig irgendwo aneckt, dass man dem anderen in die Quere kommt? Manchmal sind es ja nur Kleinigkeiten, die Auslöser dafür sind, dass man plötzlich verbal oder noch mehr aufeinander losgeht. Jeder ist gereizt, jeder ist im Recht, jeder sieht auch manchmal ein: So kann es nicht weitergehen, also muss etwas passieren. Aber was?
Nun, ich sage in jedem Falle: verhandeln, miteinander reden. Familienkrach ist keine Schande, und Meinungsverschiedenheiten, die gibt es überall, sogar unter Menschen, die sich lieben. Also, ich habe jedenfalls noch nie ein Paar kennengelernt, die sagen: Wir haben noch nie miteinander gestritten. Aber leider gibt es massenhaft Paare, die auseinanderlaufen, sobald es Schwierigkeiten gibt.
Und ich wende mich mal an die ganz da hinten, die Jugendlichen: Wenn du es schon vor der Ehe nicht hinkriegst, es trotz Meinungsverschiedenheiten mit dem anderen auszuhalten, wenn du nicht vorher schon versuchst, alles zu tun, miteinander klarzukommen und die Beziehung zu retten, ohne bei jeder Schwierigkeit direkt auseinanderzugehen, abzuhauen, dann sehe ich für deine spätere Ehe schwarz. Wer gleich an Scheidung denkt, glaube ich, macht sich die Sache zu einfach, und tausende Kinder haben die Folgen zu tragen. Das ist nicht nur unverantwortlich, das ist auch unnormal.
Normal ist, dass es überall auch einmal Krach gibt. Ganz egal, mit wem du zusammen bist, du wirst immer etwas finden, mit dem du dich abfinden musst. Aber statt von vornherein zu kapitulieren, solltest du erst einmal probieren, mit der Schwierigkeit fertig zu werden, das Problem mit dem anderen und vor allem mit Gottes Hilfe zu lösen und nicht immer gleich zu sagen: Ich kann nicht, und ich kann nicht mehr, und so.
Allerdings muss ich eines zugeben: Es gibt Menschen, mit denen kann man tatsächlich nicht diskutieren. Mit manchen Leuten ist jede Unterhaltung sinnlos, und mit manchen kann man auch einfach nicht zusammenleben. Und in einem solchen Fall gibt es nur eines: die Trennung. Da gibt es dann nur noch das Letzte, was wir vermeiden sollten, aber was manchmal unvermeidlich zu sein scheint.

Weisheit, Trennung und die Gefahr falscher Maßstäbe

Jetzt sind wir mal ganz ehrlich: Wir sind ja ganz, ganz unterschiedliche Leute hier. Wir kommen aus verschiedenen Orten, die einen können Hochdeutsch, die anderen nicht, und die einen haben diese theologische Überzeugung, die anderen eine andere. Es gibt also viele verschiedene Denominationen. Das ist bereichernd, und der Garten Gottes ist sehr bunt. Das stellen wir hier, glaube ich, bei Camping und der Gottesworte auch sehr schön dar.
Allerdings kann die Devise „Einheit um jeden Preis“ leicht auch zu Krampf und zu Heuchelei führen. Ich glaube, der Conny war es, der mal dieser Tage gesagt hat, also so diese vierzehn Tage, das geht gut, aber wenn wir länger zusammenbleiben würden, dann könnte es hier und da doch auch ein bisschen schwierig werden. Gott hat nun mal sehr unterschiedliche Charaktere geschaffen, Geschmäcker, Lebensweise, und ich sage mal: Was Gott so unterschiedlich geschieden hat, das soll der Mensch nicht zusammenfügen.
Manchmal ist es gut, dass der eine diesen einen Weg geht, der andere einen anderen Weg, der eine eher zu einer konservativen Gemeinde gehört, der andere zu einer Gemeinde gehört, die also auch mehr den Auftrag hat, irgendwelche Randgruppen mit dem Evangelium zu erreichen, usw. usf. So, und jetzt: Ich sage deswegen, es gibt auch unterschiedliche Wege, und es gibt manchmal keinen anderen Weg als den der Trennung, weil das ja bei Abraham und Lot auch so dargestellt ist, eindrücklich sogar.
Ich nehme an, dass Abraham alles versucht hat, die Sache mit Lot wieder ins Lot zu bringen. Aber es war nichts zu machen, und dann macht Abraham einen Vorschlag: Lass doch keinen Streit sein zwischen mir und dir und zwischen meinen Hirten und deinen Hirten. Wir sind doch Brüder. Ist nicht das ganze Land vor dir? Trenne dich doch von mir. Das steht in der Bibel: Trenne dich doch von mir. Willst du nach links, dann gehe ich nach rechts; und gehst du nach rechts, dann gehe ich nach links.
Das ist ein weises und, ich würde sagen, ein sehr bescheidenes Angebot: eine Trennung, um Krieg zu verhindern. Für Abraham war der Vorschlag ein Risiko, und augenscheinlich hatte er mit dem Ganzen ein schlechtes Geschäft gemacht. Doch die Beziehung ist Abraham wichtiger als der Besitz. Frieden ist Abraham wichtiger als Felder und Weiden. Abraham setzt lieber Hab und Gut aufs Spiel, als einen Freund zu verlieren.
Und Lot? Er sieht die Sache nicht nur lockerer, sondern er sieht diese fetten Koppeln in der Jordanebene. Lot hob seine Augen auf und sah – das ist ja unser Punkt. Lot sah. Er sah die reiche Vegetation, saftige Weiden, da wuchs kein Gras, da wuchs Kopfsalat. Wie der Garten des Herrn, so hat uns die Jemina eben gelesen, das Paradies wie am Nildelta, saftig.
Das ist die eine Seite. Auf der anderen Seite sieht er Abraham in seinem Ziegenhaarmantel und den Rindviechern. Auf der einen Seite betrieb in Ägypten heiße Rhythmen, schummrige Bars, DJs mit Geschmack, Tanz mit schönen Frauen ohne Ziegenhaarmantel. Und Party ohne Ende. Und auf der anderen Seite, da sah er Abraham im Ziegen-Talar vor dem Altar, alles sehr schlicht irgendwie.
Auf der einen Seite Sportspiel, Spaß, Spannung, Fortschritt, Mystik, Ausschweifung. Lot ist an die alten Zeiten in Ur erinnert. Und auf der anderen Seite sieht er Abraham und seine Zelte, demnächst dann eine Zeltmission an, aber irgendwie peinlich. Er sah die Schafherden und die Kühe, und die machten immer noch Mühe.
Nun, manche Entscheidung ist leicht getroffen, oder? Wenn du das eine mit dem anderen vergleichst, ja, das ist so ein qualitativ riesiger Unterschied. Das eine spannend, das andere irgendwie so gewöhnlich, das Kante-Lot alles schon. Nun, und er trifft eine Entscheidung. Weil er sich selbst als das Maß aller Dinge sieht, Lot – ihr wisst ja, was ein Lot ist, ein Lot ist ein Senkblei, gell – und Lot ist ein Mensch, der sich selbst als das Maß aller Dinge sieht. Und dann triffst du Entscheidungen nach deinen Überzeugungen, nach menschlich-fleischlichen Gesichtspunkten.
Was nicht im ersten Moment deine Aufmerksamkeit sofort fesselt, das wird weggesappt. Ob das Bücher sind, ob das Gottesdienste sind oder Menschen, die dir mal Vorbild waren: das Selbstzüge weg, weil du plötzlich so fasziniert bist von diesem roten Seil, von der Versuchung, wieder mal zu schummeln oder was auch immer dir die Welt an attraktiven Vorteilen anbietet.
Übrigens war Lot gerade noch einfielig: Könnte ja dort auch ein Segen sein, wenn ich da hingehe. Vielleicht kann ich ja irgendwie auch noch für Gott was Gutes bewirken. Das war also ein weiterer guter Grund, diesen neuen Grund und Boden zu betreten. Was er nicht bedachte, ist, dass nur der ein Segen sein kann, der auch gesegnet ist. Das heißt es ja von Abraham: Ich will dich segnen, und du sollst ein Segen sein. Diese Voraussetzung, das ist natürlich bemerkenswert, und das darf man nicht aus dem Auge verlieren.
Also, von rein wirtschaftlichem Standpunkt her trifft Lot eine vorzügliche Wahl. Aber man sollte Lebensentscheidungen, und damit meine ich noch mal die, die auch noch viele solcher Entscheidungen zu treffen haben, hinten aus der letzten Reihe, man sollte Lebensentscheidungen nicht nur aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten fällen, denn davon hängt das Glück deines Lebens nicht ab.

Geistliche Wahrnehmung und die Verheißung für Abraham

Lot schaut ins Land. Das war etwas fürs Auge, das war auch etwas für seine Frau. Aber es gibt auch Dinge, die er übersehen hatte. Er hat nämlich die Wirklichkeit übersehen, und die Wirklichkeit ist nicht in erster Linie das, was wir mit unseren natürlichen Augen sehen.
Der Apostel Paulus hat im Epheserbrief geschrieben: „Er gebe euch erleuchtete Augen eures Herzens, damit ihr seht, zu welch großartiger Hoffnung er euch berufen hat, und damit ihr wisst, wie reich das herrliche Erbe ist, das auf euch die Heiligen wartet, damit ihr erkennt, wie überwältigend groß die Kraft ist, die in uns Gläubigen wirkt.“ Erleuchtete Augen eurer Herzen.
Gläubige haben zwei Paar Augen. Die einen, die gucken mich jetzt zum Teil an, einige wenige sind geschlossen, weil es so hell ist. Aber dann gibt es noch ein zweites, und das ist hoffentlich bei euch allen offen: das zweite Paar, das erblickt mit der Wiedergeburt das Licht der unsichtbaren Welt. Bei der Geburt sagen wir ja, da hat jemand das Licht der Welt erblickt. Aber wenn ein Mensch wiedergeboren wird, mit Jesus beginnt, ist das ein Neuanfang. Und dann erblickt man das Licht der unsichtbaren Welt, der Welt, in der Gott Geschichte macht. Und wir haben eine ganz neue Wirklichkeit vor Augen.
Und der Herr sprach zu Abraham, nachdem Lot sich von ihm getrennt hatte: „Erhebe doch deine Augen.“ Gott sagt zu Abraham: Jetzt benutzt du mal deine Augen. Du bist doch dieser Vater des Glaubens, also diese Augen des Glaubens. Erhebe deine Augen und schaue von dem Ort aus, wo du bist, nach Norden und nach Süden, nach Osten und nach Westen. Denn das ganze Land, das du siehst, dir will ich es geben und deinen Nachkommen für ewig. Und ich will deine Nachkommen machen wie den Staub der Erde.
Abraham bückt sich, er nimmt ein wenig von dem Staub der Erde dieses Landes, und dann fragt er sich vielleicht: Staub der Erde, aber es ist ja niemand da. Deine Nachkommen wie der Staub der Erde. Jetzt hatte sich ja selbst sein Neffe aus dem Staub gemacht. Und damit gab es rein gar nichts Nachkommenähnliches mehr.
Doch es gibt Dinge, die man zwar nicht sehen kann, die aber trotzdem Wirklichkeit sind. Glauben ist ein Überzeugtsein von Dingen, die man nicht sieht. So ist es definiert in Hebräer Kapitel elf. Glauben ist ein Überzeugtsein von Dingen, die man nicht sieht.
Und ich frage dich: Mit welchen Augen liest du die Bibel? Einige von euch haben so einen Bibelleseplan mitgenommen, Plan B. Vielleicht haben einige schon angefangen, damit die Bibel zu lesen. Jetzt frage ich dich zusätzlich: Mit welchen Augen liest du die Bibel, auch wenn du nicht diesen Plan nimmst? Mit welchen Augen liest du die Bibel?
Ich glaube, dass Lars Ohlsson diese Augen von Gott geöffnet bekommen hat. Der hat da nicht nur eine Bibel, ein Buch, gedruckt auf Papier, in die Zelle gebracht bekommen, sondern er hatte ganz offensichtlich die Erwartung: Hier steckt mehr dahinter. Und er hat diese inneren Augen geöffnet für Gottes Absichten.
Merkst du, wenn du in der Bibel liest, dass da etwas steht von dem, was Gott dir schenken will? Liest du die Bibel wie ein Erbe, der das Testament liest, das für ihn bestimmt ist? Oder liest du die Bibel wie ein Notar, der Schriftstücke beglaubigt und beurkundet, und sucht nach Fehlern, fragt, was nicht stimmt und was unlogisch ist?
Versteht ihr, man kann die Bibel so und so lesen. Man kann sie als Erbe lesen oder man kann sie als Notar lesen, kritisch herangehen. Dann wird es wahrscheinlich dein Herz nicht erreichen.
Abraham nimmt die Verheißung Gottes wie einer, der überreich erben soll: Was bekomme ich? Was hat mein himmlischer Vater für mich unternommen, um mich und alle seine Kinder reich zu beschenken? Und dann wird plötzlich aus einem langweiligen Juristenpapier ein hoch spannendes Testament, etwas, das dich über dein Erbe aufklärt, aber auch über die Bedingungen, unter denen du dieses Erbe antreten darfst.
Gott wirft niemandem sein Erbe einfach so hinterher. Das ist nicht für Mitläufer, sondern für Nachfolger von Jesus bestimmt, für die, die ihn lieben, für Gottes Kinder.

Das Ende des Weges und die Folgen falscher Orientierung

Lot sah mit seinen natürlichen Augen die Welt der Schönen und der Reichen. Die Gegend um Sodom war zwar äußerlich schön, aber die Menschen dort waren gottlos, schlecht, sexuell hemmungslos und brutal gewalttätig. Das benachbarte Gomorra war keinen Funken besser. Wie schnell lässt man sich blenden! Nicht alles, was schön ist, und nicht jeder, der schön ist, ist auch schön für Gott.
Als Jesus die Augen emporhob, betete er. So steht es bei Johannes 11: Er hob seine Augen auf und betete. Und Abraham blieb vor dem Herrn stehen und betete. Er betete für Sodom und Gomorra.
Und ich komme jetzt zum letzten Punkt: Lot verlor am Ende das Gesicht. Als Abraham mit Gott über dessen Gericht über Sodom handelt, stellt sich heraus, dass nicht einmal zehn Gerechte in der Stadt waren. Was heißt das? Lot ist kein Segen gewesen, obwohl er vielleicht gedacht hat: Ich kann ja vielleicht ein Segen sein. Nicht einmal zehn Gerechte waren da. Er verlor das Gesicht.
Sodom lag am Meer, am Toten Meer. Mit 392 Metern unter dem Meeresspiegel stellt es den tiefsten Punkt der Erdoberfläche dar. Der Jordan fließt hinein ins Tote Meer, der Arnon fließt hinein, aber es gibt keinen Abfluss im Toten Meer. Der Salzgehalt beträgt dreißig Prozent. Im Vergleich dazu liegt der Salzgehalt des Mittelmeeres bei etwa drei Prozent. Dreißig Prozent, kein Abfluss – das heißt also: Von da, von dieser Gegend, ist nichts zu erwarten.
Und es gibt Christen, in die wird immer nur hineininvestiert. In die fließt vieles hinein, der Jordan und der Arnon und so, aber es kommt nichts heraus. Das sind Sackgassenchristen, weißt du. Die sind tot wie Lot, die sind tot wie das Tote Meer. Und so jemand scheint mir dieser Mann und manche in unseren Gemeinden zu sein. Du investierst und investierst in diese Leute und hoffst, irgendwann kommen sie in Bewegung. Die sind wie kleine Raben im Nest, die werden gefüttert, gefüttert, aber sie lernen nie das Fliegen. Die kommen nicht in die Pötte.
Lot verlor den Boden unter den Füßen. Aus Sodom rettet Gott nur sein blankes Leben. Vieles andere verlor er. Er verlor seine Jugendfreunde, er verlor sein Ansehen und er verlor seine Frau, weil sie ihr Herz an die Stadt Sodom verloren hatte. Lots Frau sah sich um und starb auf der Stelle. Gestern habe ich gesagt: Niemand, der die Hand an die Lenkstange legt und zurückschaut, ist tauglich für das Reich Gottes. Dafür ist Lots Frau ein tragisches Beispiel.

Schlussappell und geistliche Zusammenfassung

Ich komme zum Schluss und fasse noch einmal diese drei Punkte zusammen.
Wir haben gesagt: Lot kam zuerst, Lot sah, und Lot verlor. Jetzt machen wir es einmal im Positiven.
Der erste Punkt in meiner Zusammenfassung lautet: Komm zu Jesus. Kehre um, orientiere dich neu an ihm und folge ihm nach. Nach dieser Zeit reisen einige von euch heute ab. Nehmt das mit und geht mit Gott. Wie sagt man manchmal: Geh mit Gott. Aber geht so, dass ihr wirklich mit ihm geht. Kommt, sagt er.
Der zweite Punkt lautet: Sieh. Öffne dir die Augen, damit du siehst, wozu du berufen bist, worauf du hoffen kannst und welch unvorstellbar reiches Erbe auf alle wartet, die Jesus glauben. Ich wünsche dir das, dass du diese geöffneten Augen hast und dieses Erbe für dich in Anspruch nimmst. Dass du mit neuen Augen die Bibel liest und dass das dein Leben und deinen Alltag bereichert. Nicht nur für zehn Tage oder vierzehn Tage, die wir hier zusammen verbringen, sondern auch in deinem Alltag.
Drittens: Gewinne. Gewinne Gott und seine Maßstäbe mehr und mehr lieb. Lass dich segnen und gewinne auch andere für Jesus, so wie Lars Olsson das gemacht hat. Das war dann im zweiten Teil seines Lebens seine Mission: hinzugehen, den Auftrag von Jesus auszuführen und Menschen für Christus zu gewinnen.
Gewinne andere für Jesus. Sei nicht wie das Tote Meer, sondern lass es zu, dass von deinem Leib Ströme lebendigen Wassers ausgehen. Also nicht so ein Sackgassen-Christ, sondern es soll abfließen, so wie Jesus sagt: Wer an mich glaubt, aus dessen Leib werden, wie die Schrift sagt, Ströme lebendigen Wassers fließen.
Herr Jesus, danke für dein Wort, danke für gute Vorbilder wie Abraham. Aber wir haben auch manche schlechte Vorbilder in der Bibel, und das ist Lot. Wir wollen nicht am Ende als Verlierer dastehen. Lass uns alle miteinander gut abschneiden.
Ich bete für die, die heute nach Hause fahren müssen, dass du sie begleitest, dass sie das mitnehmen, dass sie zu dir kommen. Vielleicht sind sie hier zu dir gekommen und haben manches ganz neu festgemacht. Dass sie sehen und die Bibel lieben und das sehen, was du für sie bereit hältst. Dass wir alle miteinander gewinnen, dich lieb gewinnen und andere für dich gewinnen.
Danke, Herr, dass du uns segnen willst. Amen.