Einleitung
Die Ehe ist harten Zerreissproben ausgesetzt. Das zeigen nicht zuletzt
die hohen Scheidungsraten. Viele vermeiden sogar eine Heirat, weil sie
die spätere Scheidung umgehen wollen.
Martin Walser schreibt in seiner Dichtung Zimmerschlacht" über die Ehe:
Ehe, das ist, wie wenn zwei Chirurgen ständig aneinander herumoperieren
an den Stellen, wo es am wehesten tut. Bsp.949.
Viele Ehen beginnen vielversprechend und enden in Verbitterung und Hass.
Wie soll man Ehe leben? Diese Frage lässt sich nicht so leicht
beantworten. Es gibt keine Patentrezepte, die für alle gelten und leicht
zu befolgen sind. Jedes Paar ist eben anders. Zudem wurden die alten
Rollenmodelle aufgebrochen. Unserer Gesellschaft fehlt es je länger je
mehr an Modellen, auf die man zurückgreifen und an denen man sich
orientieren könnte. Jeder muss sich selbst zurechtfinden.
Die deutsche Buchautorin und Psychoanalytikerin Maja Storch wird in
Bezug auf das Rollenverständnis von Mann und Frau befragt, sie sagt:
Man muss sich bewusst machen, dass es keine gültigen Rollenmodelle mehr
gibt. Die muss man heutzutage selber basteln. Jeder Mensch, der sich
mit einem anderen zusammentun will, muss sein eigenes Liebes- und
Lebensmodell entwickeln.[1]
Da gibt es wirklich viel Verunsicherung. Wie soll Ehe gelebt werden? Der
Antwort können wir uns nur annähern, wenn wir uns klar darüber werden,
wie sich Gott die Ehe vorstellt. Welche Rollen er für Mann und Frau
vorsah.
Er als Konstrukteur des Lebens weiss am besten wie es funktioniert,
damit Frau wie Mann ihrer Bestimmung entsprechend Leben und ihr Leben so
zur Entfaltung bringen.
Betrachten wir nun, was Paulus den Kolossern diesbezüglich sagt:
Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter! So ist es der Gemeinschaft
mit dem Herrn angemessen. (Kol 3,18) Ihr Männer, liebt eure Frauen und seid nicht rücksichtslos gegen sie.
(Kol 3,19)
I. Drei Vorbemerkungen
Erstens: Betrifft die Ehe
Diese Verse beziehen sich auf die Ehe. Wenn hier von Unterordnung die
Rede ist, so meint das nicht, dass sich die Frau grundsätzlich jedem Mann
unterordnen soll, sondern lediglich ihrem eigenen Mann.
In unserer Gesellschaft kann sie sich diesen Mann sogar selber
auswählen.
Der Mann muss auch nicht jeder Frau diese Liebe erweisen, sondern in
erster Linie seiner eigenen Frau.
Zweitens: Unterordnung gehört zum Leben
Wenn wir von Unterordnung sprechen, dann sprechen wir von einer
ureigenen christlichen Tugend.
Paulus fasste dies einmal so zusammen.
Ordnet euch einander unter, wie es die Ehrfurcht vor Christus verlangt.
(Eph 5,21)Jeder soll sich unterordnen und den anderen höher achten als sich
selbst, ganz unabhängig ob Mann oder Frau.
Ich würde es sogar so sagen: Wer sich selbst nicht unterordnen kann,
der kann nie wirklich im guten Sinn übergeordnet sein.
Oder an einem anderen Beispiel: Wer sich nicht leiten lassen kann, der
kann nie ein guter Leiter sein.
Drittens: Das Modell für die Ehe
Wir könnten uns jetzt zerfleischen, indem wir mit viel Raffinesse
herausfinden, was das nun exakt und praktisch bedeutet, wie sich die Frau
unterzuordnen hat. Und wie der Mann zu lieben hat. Das haben schon
unzählige Bücher getan und es werden noch unzählige geschrieben werden.
Viel wichtiger ist es die Gesinnung zu verstehen und sie zu
verinnerlichen. Paulus hilft uns mit einer interessanten Aussage
gegenüber den Ephesern. Das sagt er, nachdem er sich viel ausführlicher
über das Verhalten der Eheleute äusserte als gegenüber den Kolossern. Er
schreibt:
In diesem Wort liegt ein tiefes Geheimnis. Ich beziehe die Aussage auf
Christus und die Gemeinde. (Eph 5,32)Mit anderen Worten soll sich das Verhältnis von Mann und Frau so
gestalten wie das Verhältnis von Christus und der Gemeinde. Das ist der
eigentliche Leitgedanke, der uns hilft, die Herausforderung Ehe zu
verstehen.
So habe ich das ganze Konzept Ehe nach Gottes Plan an zwei Fragen
kristallisiert.
Eine Frage für die Frauen: Würde ich Jesus so begegnen?
Und eine Frage für die Männer: Würde Jesus so handeln?
II. Würde ich Jesus so begegnen? (18)
Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter! So ist es der Gemeinschaft
mit dem Herrn angemessen. (Kol 3,18)Diese Unterordnung der Frau unter ihren eigenen Mann entspricht der
Idee Gottes, als er Mann und Frau geschaffen hatte. Paulus wendet sich
mit dieser Aufforderung an die Frauen. Er apelliert an ihre Einsicht. Er
verlangt nicht von den Männern, dass sie dafür sorgen müssen, dass sich
die Frauen unterordnen.
Paulus denkt an Jesus, den Erstgeborenen aller Schöpfung", der doch
selber den Weg der Unterordnung ging und seine einzigartige Herrlichkeit
dadurch nicht verloren, sondern gerade empfing.
Unterordnung ist für Paulus keine Herabwürdigung dessen, der sich
unterordnet.
Wenn auf einem Schiff zwei gleichtüchtige und gleichrangige
Seeoffiziere sind – Kapitän" kann immer nur einer sein!
Jede Gemeinschaft hat solche Ordnungen ob sie bezeichnet werden oder
nicht. Wenn in einer Gruppe gesagt wird, dass es keine Leitung gibt, so
sagt man eigentlich nur, dass man sie nicht bezeichnet hat.
So ist es auch in Beziehungen. Wenn in einer Beziehung nicht geregelt
ist, wer sich wem unterordnet, dort wird es ohne es zu bezeichnen
irgendwie passieren. Entweder ordnet sich der Mann der Frau oder
umgekehrt unter. Oder keiner ordnet sich dem andern unter, dann wird die
Beziehung eher auseinanderdriften.
Paulus meint aber, dass es richtig ist, dass sich die Frau dem Mann
unterordnet.
Wir könnten jetzt hin und her verschiedene Gesichtspunkte zur
Unterordnung betrachten. Wer trifft wann den letztgültigen Entscheid usw.
Man könnte ein ausgeklügeltes Reglement erstellen, das sicher im
Ernstfall" versagen wird.
Es geht eben um eine Haltung und Haltungen lassen sich bekanntlich
nicht reglementieren. Reglemente und Gesetze braucht es da, wo die
Haltung fehlt.
Da Paulus die Ehe als ein Abbild der Beziehung von Jesus zur Gemeinde
sieh, gibt es eine Frage, die in jeder Situation der Beziehung hilft. Sie
lautet:
Würde ich Jesus so begegnen?
Wenn wir uns diese Frage stellen, dann müssen wir uns nicht mehr gross
detailliert über die verschiedenen Aspekte der Unterordnung unterhalten.
Jesus würde ich keinesfalls respektlos begegnen.
Jesus will ich Ehre erweisen und dankbar sein für alles, was er getan
hat und tut.
Jesus hat in meinem Herzen einen besonderen Ehrenplatz.
## III. Würde Jesus so handeln? (19)
Ihr Männer, liebt eure Frauen und seid nicht rücksichtslos gegen sie.
(Kol 3,19)Nun werden auch die Männer ganz deutlich herausgefordert. Nicht, dass
Sie sich über die Frauen stellen sollen. Sie sollen ihre Frauen lieben.
Hier ist nicht von der erotischen Liebe die Rede. Dazu müssten die
meisten Männer nicht aufgefordert werden, das läuft in der Regel
automatisch.
Paulus spricht von der selbstlosen Liebe. Er verbietet den Männern,
rücksichtslos mit ihren Frauen umzugehen. Auch wenn sie der Frau
kräftemässig überlegen sind, ist es ihnen nicht erlaubt diese Kraft zu
Missbrauchen.
Wie wichtig diese Ermahnung ist zeigt uns, dass wir heute verschiedene
Häuser für geschlagene Frauen benötigen.
Die Männlichkeit, die Paulus uns hier zeigt, ist nicht dadurch
bestimmt, dass die Männer ihre körperliche Überlegenheit ausspielen.
Es ist eine andere Männlichkeit. Eine Männlichkeit, die Jesus selbst
zum Vorbild hat.
Männer die sich für Ihre Frauen aufopfern, Männer denen es wichtig ist,
dass es ihren Frauen gut geht. Männer die eben nicht nur das eine von
ihren Frauen wollen, sondern die sich um sie sorgen, die Verantwortung
übernehmen, wie Paulus das ganz praktisch ausdrückt:
So müssen auch die Männer ihre Frauen lieben wie ihren eigenen Körper.
Denn ein Mann, der seine Frau liebt, liebt sich selbst. (Eph 5,28) Niemand hasst doch seinen Körper; im Gegenteil, er ernährt und pflegt
ihn. So tut es auch Christus mit der Gemeinde. (Eph 5,29)
Für die Männer habe ich eine Frage, die immer beschäftigen sollte:
Würde Jesus so handeln?
Stellen sich Männer diese Frage, so werden sie Ihre Frauen weder
schlagen noch ihnen irgendwelches Leid zufügen.
Sie werden ihre Frauen als Persönlichkeiten wahr- und ernstnehmen.
IV. Wie das Funktioniert?
Ehe, so wie sich Gott das vorstellt kann nur funktionieren, wenn beide
in der Abhängigkeit von Jesus leben und sich Jesus unterordnen.
Funktionieren kann das nur, wenn jeder seine Frage ernst nimmt. Wenn
sich jeder auf seinen Teil konzentriert.
Wir werden in unserer Zeit gelernt, dass wir für uns schauen müssen,
dass wir nicht zu kurz kommen. Im Vordergrund steht die Frage, was der
Partner mir bringt. Wenn er mir nicht mehr das bringen kann, was ich
erwarte und was ich zu brauchen meine, dann wird es schwierig. So ist es
für uns Christen manchmal gar nicht so einfach uns diesem Sog zu
entziehen. Die Frage muss aber lauten, was kann ich in die Beziehung
einbringen.
Die verheiratet sind können sich selber testen, indem ihr euch fragt,
was hat mich am meisten beschäftigt, als ich bei diesen Gedanken zuhörte?
Wenn Dich das, was Dein Partner beachten sollte mehr beschäftigte, als
das, was Du zu beachten hast, dann musst Du Deine Haltung ernsthaft
überprüfen, vielleicht gibt es Punkte bei denen Du Busse tun musst.
Seien wir nicht vorschnell im sagen: Wenn der andere sich so verhalten
würde, dann wäre es für mich einfach mich anders zu verhalten. Es könnte
ja sein, dass sich Dein Partner nicht so verhält wie Du Dir vorstellst,
weil Du Dich nicht so verhältst, wie es sein müsste.
Schluss
Die Frauen müssen sich dessen bewusst sein, dass ihre Unterordnung
unter die Männer der Grundidee entspricht, die Gott bei der Schöpfung
hatte. Egal wie unsere Gesellschaft das beurteilt, in Gottes Augen ist
das keineswegs altmodisch. Zudem ist es wirklich sehr fraglich, ob das
heutige Rollenwirrwarr wirklich besser ist. Im Anbetracht der vielen
zerbrochenen Beziehungen eher nicht. Ordnet euch so unter, dass es für
den Mann eine Freude ist euch zu lieben.
Die Männer sollen ihre Frauen lieben. Haltet nicht an einer männlichen
Arroganz gegenüber den Frauen fest. Liebt Eure Frauen und nur eure. Tragt
die Verantwortung für die Frau so, dass es für die Frau eine Freude ist,
sich euch unterzuordnen.
Bringen wir es mit Paulus auf einen Nenner:
Die brüderliche Liebe untereinander sei herzlich. Einer komme dem
andern mit Ehrerbietung zuvor. (Röm 12,10)
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[1] FACTS, Nr. 23, 8. Juni 2000, S. 109.

