Gott wird Mensch – Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist.
Episode 376: Das Bekenntnis des Petrus, Teil 5.
Die Verheißung der ewigen Gemeinde und die Schlüsselgewalt
In der letzten Episode haben wir gesehen, dass Jesus seiner Gemeinde – also den Menschen, die ihm folgen – die Verheißung gibt, dass der Tod sie nicht aufhalten kann. Die Gemeinde Jesu Christi ist von Anfang an als eine Gemeinschaft für die Ewigkeit gedacht und gemacht.
Bevor wir das Bekenntnis des Petrus verlassen, müssen wir noch einen letzten Punkt besprechen: Matthäus 16, die Verse 18 und 19.
„Aber auch ich sage dir: Du bist Petrus, und auf diesem Felsen werde ich meine Gemeinde bauen, und das Haar der Pforten wird sie nicht überwältigen. Ich werde dir die Schlüssel des Reiches der Himmel geben, und was immer du auf der Erde binden wirst, wird in den Himmeln gebunden sein. Und was immer du auf der Erde lösen wirst, wird in den Himmeln gelöst sein.“
Vers 19 ist nicht ganz einfach. „Ich werde dir die Schlüssel des Reiches der Himmel geben.“ Schon in der letzten Episode haben wir gesehen, dass das Bild vom Schlüssel etwas mit Vollmacht, mit Schlüsselgewalt zu tun hat.
Jesus hat den Schlüssel des Todes und des Hades. Das heißt, er hat das Recht, Menschen aus dem Totenreich herauszurufen. Er ist der Herr über den Tod. Und...
Die Bedeutung von Schlüsseln in biblischem Kontext
So gibt es verschiedene Schlüssel in der Bibel. Von den Gesetzesgelehrten wird gesagt, dass sie den Schlüssel der Erkenntnis weggenommen haben. Das bedeutet, sie haben den Zugang zu echtem geistlichen Wissen unmöglich gemacht.
In der Offenbarung begegnen wir einem Engel, der den Schlüssel zum Abgrund hat. Der Abgrund ist eine Art Dämonengefängnis. Der Schlüssel steht hier als Bild für die Vollmacht, Dämonen aus dem Abgrund freizulassen beziehungsweise den Teufel in den Abgrund hineinzuwerfen.
Von Jesus wird gesagt, dass er den Schlüssel Davids hat. Der Begriff „Schlüssel Davids“ ist eine Formulierung, die Jesaja verwendet. Im Kontext des Kapitels, in dem dieser Begriff vorkommt, wird Eljakim, der Hofbeamte von König Hiskia, erwähnt. Ihm wird die Autorität über das Haus Davids verliehen, symbolisiert durch das Bild vom Schlüssel Davids. Dieser Schlüssel gibt ihm das Recht, zu öffnen und zu schließen.
Dieses Bild impliziert die Befugnis, Entscheidungen zu treffen und den Zugang zum König zu gewähren oder zu verweigern. Wenn wir das Bild vom Schlüssel Davids auf Jesus anwenden, steht der Schlüssel Davids als Symbol für die Vollmacht, im Auftrag Gottes zu handeln und Menschen die Tür zu Gott zu öffnen.
Petrus und die Schlüssel des Himmelreichs
Kommen wir mit diesem Wissen zu Petrus. In Matthäus 16,19 heißt es: „Ich werde dir die Schlüssel des Reiches der Himmel geben, und was immer du auf der Erde binden wirst, wird in den Himmeln gebunden sein, und was immer du auf der Erde lösen wirst, wird in den Himmeln gelöst sein.“
Petrus erhält also die Schlüssel des Reiches der Himmel. Damit bekommt er die Vollmacht, Menschen den Weg ins Reich Gottes zu öffnen. Die Frage ist: Wie tut er das?
Dazu möchte ich kurz die Menschen betrachten, die genau das Gegenteil tun. In Matthäus 23,13 steht: „Wehe aber euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr verschließt das Reich der Himmel vor den Menschen, denn ihr geht nicht hinein, und die, die hineingehen wollen, lasst ihr auch nicht hineingehen.“
Hier sehen wir die Leute, die das Reich der Himmel vor den Menschen verschließen. Während Petrus aufsperrt, verschließen die Schriftgelehrten und Pharisäer.
Die Frage ist: Wie verschließen sie? Die Antwort lautet: Durch ihr falsches Vorbild und vor allem durch ihre falsche Lehre. Besonders durch die falsche Betonung von Geboten, die Gott nie gegeben hatte. Das haben wir bereits beim Thema „Überlieferung der Ältesten“ kennengelernt.
Aus dieser falschen Lehre entspringt auch ein falsches Leben. Eine solche falsche Lehre verschließt das Reich der Himmel vor den Menschen. Übrigens gilt das bis heute. Deshalb warnt Jesus auch vor dem Sauerteig, der die Lehre der Pharisäer, Sadduzäer und Herodianer symbolisiert.
Die Vollmacht des Bindens und Lösens als Lehrautorität
Wenn die falsche Lehre der Schriftgelehrten und Pharisäer das Reich der Himmel verschließt, bedeutet das wohl, dass Petrus, wenn er die Schlüssel des Reiches der Himmel erhält, derjenige ist, der gute Lehre bringt. Ein Schlüssel öffnet gute Lehre, also das Evangelium, und ermöglicht es den Hörern, sich zu bekehren und in das Reich der Himmel einzutreten.
Doch es geht um mehr als nur das Evangelium. Deshalb sagt der Herr Jesus: „Und was immer du auf der Erde binden wirst, wird in den Himmeln gebunden sein, und was immer du auf der Erde lösen wirst, wird in den Himmeln gelöst sein.“ Was ist mit diesem Binden und Lösen gemeint?
Lasst es mich so erklären: Im mosaischen Gesetz gibt es das Gebot, am Sabbat nicht zu arbeiten. Das Gebot ist klar, doch die Frage, was genau Arbeit ist, wird von Gott nicht explizit beantwortet. Man könnte annehmen, dass dies genau so von Gott gewollt war. Dennoch werden in der rabbinischen Literatur aus der Zeit Jesu Sabbatregeln aufgestellt. Bestimmte Handlungen, die das Sabbatgesetz nicht erwähnt, werden nun entweder gebunden, also verboten, oder gelöst, das heißt erlaubt.
Die Begriffe binden und lösen beschreiben also im Blick auf die rabbinische Lehre, welche Gebote gelten und welche nicht. Wenn ich etwas binde, sage ich, das ist verboten. Wenn ich etwas löse, sage ich, das ist erlaubt. In diesem Sinn ist auch Jesu Aussage zu verstehen: Es geht ihm um Lehre.
Wir müssen die Tragweite der Ereignisse verstehen. Eine neue, noch nie dagewesene Bewegung, das Christentum, die Gemeinde Jesu Christi, ist im Entstehen. Es handelt sich nicht um ein Judentum 2.0, sondern um etwas ganz Neues mit neuen Regeln. Wer wird diese Regeln festlegen? Die Antwort lautet: Petrus.
Wie wir noch sehen werden, ist es nicht Petrus allein, denn es heißt in Matthäus 18,18: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, wenn ihr etwas auf der Erde bindet, wird es im Himmel gebunden sein, und wenn ihr etwas auf der Erde löst, wird es im Himmel gelöst sein.“ Die gleiche Formulierung wie in Matthäus 16, aber hier sind alle Jünger gemeint, womöglich sogar die ganze Gemeinde.
Dennoch können wir sagen, dass Petrus in Bezug auf die Entwicklung der neuen Lehre eine ganz herausragende Rolle spielen wird.
Petrus’ prägende Rolle in der frühen Gemeinde
Lasst mich euch drei Punkte zeigen.
Petrus predigt an Pfingsten und erklärt, wie man von nun an gerettet wird. In Apostelgeschichte 2,38 sagt Petrus zu ihnen: „Tut Buße, und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden, und ihr werdet die Gabe des Heiligen Geistes empfangen.“
Dann geht Petrus zu Cornelius und tauft ihn, weil er versteht, dass auch Heiden Teil des neuen Bundes werden können. In Apostelgeschichte 10,34 und 10,35 heißt es: „Petrus aber öffnete den Mund und sprach: In Wahrheit begreife ich, dass Gott die Person nicht ansieht, sondern in jeder Nation ist, wer ihn fürchtet und Gerechtigkeit wirkt, ihm angenehm.“
Schließlich erkennt Petrus, dass die enge Bindung des Judentums an den Staat im Neuen Bund nicht fortgesetzt wird. Der König ist nicht qua Amt Beschützer der Religion. In Apostelgeschichte 12,11 steht: „Und als Petrus zu sich kam, sprach er: Nun weiß ich in Wahrheit, dass der Herr seinen Engel gesandt und mich gerettet hat aus der Hand des Herodes und aller Erwartung des Volkes der Juden.“ Die Erwartung war, dass der König das Recht hat, diese Häretiker umzubringen. Doch das ist nicht der Fall.
An diesen drei Beispielen sehen wir, dass Petrus definiert, wie Menschen gerettet werden, wer zum Reich der Himmel dazugehört und wie diese neue Gemeinschaft zum jüdischen Staat steht. Drei ganz wichtige Punkte – und alle drei ganz anders als im Alten Bund, ganz anders als im Judentum.
Petrus legt also Lehre fest. Allerdings tut er das nicht einfach so. Dazu mehr in der nächsten Episode.
Abschluss und Ermutigung zum Nachdenken
Was könntest du jetzt tun? Du könntest dir Zeit nehmen, um Gott dafür zu danken, dass er jemanden geschickt hat, der den Weg zum Thronsaal Gottes für dich freigemacht hat.
Das war's für heute. Engagierte Christen machen oft zu viel. Achte darauf, dass in deinem Leben genug Freude und Ruhezeiten vorhanden sind.
Nimm dir einen Ruhetag. Christsein ist ein Marathonlauf, kein Sprint.
Der Herr segne dich, lass seine Gnade erfahrbar werden und lebe in seinem Frieden. Amen.
