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Über die Größe Christi und den Anlass des Briefes
zeigt die überragende Herrlichkeit der Person Jesu als wahrer Gott und wahrer Mensch auf. Wer den Sohn Gottes kennt und die Stellung des Christen in ihm versteht, darf deutlich feststellen, dass all die verführenden Angebote mystischer und judaisierender Bewegungen als völlig wertlos verblassen müssen, neben dem, was ein Gläubiger in Christus als reines Geschenk besitzt.
Der Autor dieses Briefes ist Paulus, wie aus der Begrüßung hervorgeht: Kolosser 1,1-2. Paulus, Apostel Jesu Christi durch den Willen Gottes, und der Bruder Timotheus an die heiligen und treuen Brüder in Christus in Kolosse. Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus!
Also, der Brief ist von dem Apostel Paulus. Seine apostolische Autorität wird in diesem Brief gleich zu Beginn betont. Die Adressaten, das wäre Punkt zwei auf unserem Blatt, sind die Kolosser, die Gemeinde in Kolosse.
Die Entstehungsgeschichte dieser Gemeinde ist so, dass diese Gemeinde offensichtlich nicht durch den Dienst des Paulus entstanden ist, sondern durch Epaphras.
Wie die Gemeinde in Kolossä entstanden ist
Ich lese die Verse drei bis acht, und hier haben wir ein Gebet. Es ist ein Dankgebet des Paulus für die Kolosser.
Wir danken dem Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, indem wir allezeit für euch beten, da wir gehört haben von eurem Glauben an Christus Jesus und von eurer Liebe zu allen Heiligen, um der Hoffnung willen, die euch aufbewahrt ist im Himmel. Von ihr habt ihr zuvor gehört durch das Wort der Wahrheit des Evangeliums, das zu euch gekommen ist. Wie es auch in der ganzen Welt ist und Frucht bringt, so wie auch in euch, von dem Tag an, da ihr von der Gnade Gottes gehört und sie in Wahrheit erkannt habt. So habt ihr es ja auch gelernt von Epaphras, unserem geliebten Mitknecht, der ein treuer Diener des Christus für euch ist, der uns auch von eurer Liebe im Geist berichtet hat.
Also, dieser Epaphras hat offensichtlich das Evangelium dort verkündigt, und so ist die Gemeinde entstanden. Colossae befindet sich in der Provinz Asia, der heutigen Westtürkei. Das ist eine Provinz etwa so groß wie die Schweiz.
Paulus hat auf seinen Missionsreisen dort einen besonders intensiven Dienst getan, aber eben nicht in Kolossä, sondern in Ephesus, Apostelgeschichte 19. Da sind wir auf der dritten Missionsreise, und da lese ich etwas über diesen Dienst des Paulus dort: Apostelgeschichte 19,9. Als aber etliche sich verhärteten und nicht glaubten – es geht um Juden in Ephesus, hundertfünfzig Kilometer entfernt von Kolossä – und vor der Menge übel redeten von dem Weg, trennte er sich von ihnen ab und sonderte die Jünger ab, indem er sich täglich in der Schule des Tyrannus unterredete. Dies aber geschah zwei Jahre lang, so dass alle, die in Asia wohnten, sowohl Juden als Griechen, das Wort des Herrn hörten.
Also, Paulus hatte seine Missionsaufgabe in der Stadt Ephesus, in dieser Provinz Asia. Dort hat er tagtäglich, kann man sagen, Bibelklasse gegeben, biblischen Unterricht in der Schule des Tyrannus. Und das hat nun nicht dazu geführt, dass die Christen dadurch etwa passiv geworden wären im Blick auf Evangelisation, sondern diese systematische Unterweisung hat sie so motiviert, dass in zwei Jahren ganz Asia, die ganze Provinz so groß wie die Schweiz, evangelisiert wurde, sowohl Juden als Griechen haben das Wort des Herrn gehört.
Und so kann man sich eben auch die Entstehung der Kolossergemeinde als eine Folge von dem Dienst des Paulus in Ephesus erklären. Andere haben dann eben gewirkt in der ganzen Provinz. Epaphras hat in Kolossä gewirkt.
Die Verbindung der Gemeinden in der Provinz Asia
Dieser Epaphras wird dann auch in Kapitel 4, Vers 12 im Kolosserbrief weiter erwähnt, und zwar in den Grüßen: Es grüßt euch Epaphras, der einer der Euren ist, ein Knecht des Christus, der allezeit in den Gebeten für euch kämpft, damit ihr feststeht, vollkommen und zur Fülle gebracht in allem, was der Wille Gottes ist; denn ich gebe ihm das Zeugnis, dass er großen Eifer hat um euch und um die in Laodicea und in Hierapolis.
Hier wird deutlich: Die Kolossergemeinde ist durch Epaphras entstanden, wie es in Kapitel 1 angedeutet wird, und Epaphras war dort in der Gemeinde in Kolossä tätig. Aber sein Dienst war auch überörtlich. Er hat auch im Blick auf die Gemeinden in Laodicea und Hierapolis gewirkt.
Nun haben wir gesehen, wie in Kolosser 1,3-6 der geistliche Zustand der Kolosser gelobt wird. Das ist die Frucht der Arbeit von Epaphras. Aber Epaphras hat eben auch in anderen Städten gewirkt. So kann man sagen, dass diese drei Städte, Kolossä, Laodicea, erwähnt in Kapitel 2,1 und 4,13 sowie zweimal in 4,16, und Hierapolis, erwähnt in 4,13, eine Städtedreiheit im Lykustal in der Provinz Asia bildeten. Sie lagen also ziemlich nah beieinander.
Über den Dienst von Epaphras bestand deshalb eine überörtliche Gemeinschaft unter diesen Gemeinden. Das ist ein wichtiger Punkt, weil hier deutlich wird, dass im Neuen Testament Gemeinden nicht einfach unabhängig für sich dastehen, sondern dass es eine überörtliche Gemeinschaft von Gemeinden gibt. Nicht als eine Organisation, sondern durch diesen lebendigen Bezug und die Sorge füreinander. Und eben gerade auch durch diesen überörtlichen Dienst von Epaphras.
Zeit, Ort und Übermittlung des Briefes
Nun fragen wir uns einiges in Bezug auf Zeit und Ort der Abfassung. Man kann sagen, dass der Kolosserbrief etwa um 62 nach Christus geschrieben worden ist, das heißt anlässlich der ersten Gefangenschaft des Paulus in Rom. Das ist die Gefangenschaft, die am Ende der Apostelgeschichte in Apostelgeschichte 28,16-31 beschrieben wird.
Und tatsächlich sehen wir im Kolosserbrief, dass Paulus als Gefangener schreibt. In 4,3 heißt es:
Betet zugleich auch für uns, damit Gott uns eine Tür öffne für das Wort, um das Geheimnis des Christus auszusprechen, um dessen willen ich auch gefesselt bin, damit ich es so offenbar mache, wie ich reden soll.
Und weiter in Vers 10:
Es grüßt euch Aristarchus, mein Mitgefangener, und Markus, der Vetter des Barnabas.
Also wird hier von einem Mitgefangenen gesprochen. Und in Vers 18 heißt es:
Der Gruß mit meiner, des Paulus, Hand. Gedenkt an meine Fesseln. Die Gnade sei mit euch. Amen.
Paulus ist gefangen. Es geht hier um die Gefangenschaft in Rom. Wir haben bereits von Aristarchus gelesen, und das war in Vers 10. Aber auch Lukas wird erwähnt. In Vers 14 heißt es:
Es grüßt euch Lukas, der geliebte Arzt, und Demas.
Wenn wir in Apostelgeschichte 27,1-2 schauen, dann beginnt dort die Romreise des Paulus, die schließlich zur Gefangenschaft in Rom, zur ersten Gefangenschaft in Rom, führt. Dort werden Lukas und Aristarchus ausdrücklich als Begleiter des Paulus erwähnt. Nun werden sie hier auch im Kolosserbrief als Grüßende genannt.
Vergleichen wir noch eine Bemerkung im Philemonbrief. In Philemon 24 heißt es:
Es grüßen dich Epaphras, mein Mitgefangener in Christus Jesus, Markus, Aristarchus, Demas, Lukas, meine Mitarbeiter.
Wir werden gleich noch sehen: Der Philemonbrief richtet sich an einen Gläubigen in Kolossä, dessen Sklave Onesimus entlaufen war, mit Paulus in Rom in der Gefangenschaft zusammenkam und so zum Glauben geführt werden konnte. Dieser Onesimus wurde nun zurückgeschickt, und als Begleitbrief schrieb Paulus den Philemonbrief.
Nun sehen wir: Philemonbrief und Kolosserbrief haben eine enge Beziehung zueinander. Dazu gleich mehr. Aber zunächst unser zweiter Punkt unter Zeit und Ort der Abfassung: Der Übermittler dieses Briefes war Tychikus.
Tychikus, Philemon und die Briefe aus Rom
In Kolosser 4,7 wird er genannt: „Alles, was mich betrifft, wird euch Tychikus mitteilen, der geliebte Bruder und treue Diener und Mitknecht im Herrn, den ich eben deshalb zu euch gesandt habe, damit er erfährt, wie es bei euch steht, und damit er eure Herzen tröstet, zusammen mit Onesimus, dem treuen und geliebten Bruder, der einer der Euren ist. Sie werden euch alles mitteilen, was hier vorgeht.“
Der Kolosserbrief wurde durch Tychikus übermittelt. Tychikus nahm aber nicht nur den Kolosserbrief mit, sondern auch den Philemonbrief. Onesimus, den entlaufenen Sklaven, bringt er ebenfalls zurück. Das war also eine ganz sensible Mission: Ein entlaufener Sklave wird zusammen mit dem Kolosser- und dem Philemonbrief in die Heimat zurückgeführt.
Sensibel war das deshalb, weil Onesimus nach römischem Recht die Todesstrafe verdient hatte. Er wird jedoch zurückgebracht, um eine ganz neue Beziehung zu seinem früheren Herrn zu bekommen.
Auch der Epheserbrief wurde durch Tychikus übermittelt. Das zeigt nun, wie einige Briefe im Neuen Testament sehr eng miteinander verbunden sind.
Epheser 6,21: „Damit aber auch ihr wisst, wie es mir geht und was ich tue, wird euch Tychikus alles mitteilen, der geliebte Bruder und treue Diener im Herrn, den ich eben darum zu euch gesandt habe, dass ihr erfahrt, wie es um uns steht und dass er eure Herzen tröstet.“
Also brachte dieser Tychikus den Epheserbrief nach Ephesus, den Kolosserbrief, 150 Kilometer entfernt, nach Kolossä und eben auch den Philemonbrief.
Briefe aus der ersten Gefangenschaft und die spätere Chronologie
Unter dem vierten Punkt habe ich hier Briefe der ersten Gefangenschaft aufgeführt. Das ist also der Epheserbrief. Paulus stellt sich auch dort als Gefangener vor, Epheser 3,1, 4,6, 20.
Aber auch der Philipperbrief wurde in der Gefangenschaft in Rom geschrieben. Philipper 1,7 sowie die Verse 12 bis 13 und 17 zeigen Paulus als Gefangenen in Rom, von wo aus er dann den Philipperbrief geschrieben hat.
Beim Kolosserbrief haben wir die Stellen über die Gefangenschaft schon gesehen. Zusätzlich kommt noch Kolosser 1,24 hinzu: Jetzt freue ich mich in meinen Leiden, die ich um euretwillen erleide, und ich erfülle meinerseits in meinem Fleisch, was noch an Bedrängnissen des Christus aussteht, um seines Leibes willen, welcher die Gemeinde ist.
Paulus hat also seine Gefangenschaft und sein Leiden in Rom als ein Leiden im Dienst für die Gemeinden, für die Gemeinde, gesehen. Und zwar deshalb: Paulus kam ja ins Gefängnis nach Rom, weil man ihm in Jerusalem unterstellt hatte, er habe Heiden in den inneren Bereich des Tempels hineingeführt. Also gewissermaßen, er hätte Heiden ins Judentum hineingeführt, ohne dass sie Juden geworden wären.
Das hat er allerdings nicht gemacht, wie wir deutlich in Apostelgeschichte 21 und 22 sehen. Das war eine Verleumdung. Aber der Kern der Sache war eben: Paulus hat das Evangelium unter den Heiden verkündigt, sie kamen zur Bekehrung, und er hat sie nicht ins Judentum hineingeführt. Er hat also nicht gesagt: Ihr müsst euch jetzt beschneiden, und jetzt könnt ihr anfangen, die jüdischen Feste zu feiern und den Sabbat zu beobachten usw. Das hat er alles nicht gemacht. Er hat es ganz grundsätzlich abgelehnt. Das sehen wir im scharfen Galaterbrief, wo er deutlich zeigt: Menschen, die außerhalb des Judentums zum Glauben kommen, dürfen sich auch nicht unter diese Dinge des Gesetzes stellen. Diese Position verteidigt er im Galaterbrief ganz scharf.
Dadurch wurde deutlich: Die Gemeinde ist nicht eine Bewegung innerhalb des Judentums. Sie ist nicht jüdisch, aber sie ist auch nicht heidnisch. Sie ist etwas ganz Neues im Ratschluss Gottes. Darum war es sehr wichtig, dass die Heiden eben nicht ins Judentum hineingeführt wurden.
Aber das war ein Ärgernis für die Juden damals. Hätte er das gemacht, wäre es kein Problem gewesen. Dann wären neben Pharisäern, Sadduzäern und Essenern und so weiter die Nazaräer eine Bewegung innerhalb des Judentums gewesen, mit so besonderen Ansichten. Es wäre alles geschluckt worden. Aber das hat er nicht getan, und darum musste er diese Verfolgung erleiden und kam deswegen auch ins Gefängnis nach Rom.
Aber das war gewissermaßen ein Leiden für das Evangelium, das Menschen aus den Heidenvölkern einen direkten Zugang zu Gott ermöglicht, ohne Vermittlung oder Umweg über das Judentum zu gehen. Das war völlig neu. Denn im Alten Testament war es normal, dass Heiden, die wirklich voll und ganz dem Gott Israels dienen wollten, ins Judentum als Proselyten übertraten.
Das also zu diesen Leiden in Rom.
Paulus, Onesimus und die Hoffnung auf Freilassung
Im Philemonbrief sehen wir in 1,9: So will ich um der Liebe willen vielmehr eine Bitte aussprechen, in dem Zustand, in dem ich bin, nämlich als der alte Paulus und jetzt auch als ein Gefangener Jesu Christi, also gefangen für Jesus Christus.
Und dann heißt es im selben Brief weiter: Ich bitte dich für mein Kind, das ich in meinen Fesseln gezeugt habe, Onesimus, der dir einst unnütz war, jetzt aber dir und mir nützlich ist. Ich sende ihn hiermit zurück; du aber nimm ihn auf wie mein eigenes Herz.
Paulus ist gefesselt. Onesimus kam in Rom zum Glauben. Sein Name bedeutet nützlich, aber er war einst unnütz, und jetzt ist er durch die Bekehrung nützlich geworden.
Schließlich heißt es im selben Brief in 1,22: Zugleich aber bereite mir auch eine Herberge, denn ich hoffe, dass ich euch geschenkt werde durch eure Gebete.
Paulus stand also hier am Schluss der Gefangenschaft in Rom von zwei Jahren und rechnete bereits damit, dass er bald freikommt und dann nach Kolossä kommen würde. Man sollte schon eine Herberge für ihn bereit machen.
Es ist nämlich so: In der Apostelgeschichte steht am Schluss, dass Paulus zwei volle Jahre gefangen war in Rom. Und dieser Ausdruck „zwei volle Jahre“ war ein wichtiger juristischer Begriff. Im römischen Recht kannte man diese Gefangenschaft von zwei vollen Jahren. Wenn im Verlauf dieser Zeit die Ankläger nicht vor Gericht auftraten, wurde der Angeklagte freigesprochen.
Es war so, dass die führenden Priester in Jerusalem, die Paulus eben umbringen wollten, nie nach Rom gekommen sind, um vor Kaiser Nero Anklage zu erheben. Nach Verlauf dieser zwei Jahre war für Paulus klar: Jetzt kommt der Tag, an dem ich frei werde, und dann komme ich nach Kolossä.
Aber noch zuvor sollten der Kolosserbrief, der Philemonbrief, der Epheserbrief und der Philipperbrief versandt werden. Ich habe das letztes Mal ein wenig ausführlicher in Verbindung mit dem Epheserbrief erklärt, auch den Hebräerbrief. Aber darauf gehe ich jetzt nicht näher ein.
Weitere Briefe, spätere Reisen und das Ende des Paulus
Hebräer 13,24 wird nämlich deutlich, dass dieser Brief auch aus Italien geschickt wurde. Wir können den Vers noch lesen: Hebräer 13,23. Dort heißt es: Ihr sollt wissen, dass der Bruder Timotheus freigelassen worden ist. Wenn er bald kommt, will ich euch mit ihm besuchen. Grüßt alle eure Führer und alle Heiligen. Es grüßen euch die von Italien.
Ja, auch aus Italien geschrieben, und der Schreiber will dann die Hebräer besuchen. Nun ist es so, dass die älteste Paulusbrief-Handschrift, der P46, nach neuester Datierung aus dem letzten Viertel des ersten Jahrhunderts, also etwa 75 bis 100 nach Christus, eingeordnet ist. Dort ist der Hebräerbrief nach dem Römerbrief und vor dem Ersten Korintherbrief eingeordnet. Das ist ein klares Zeugnis dafür, dass die Handschrift aus Ägypten stammt. Im ersten Jahrhundert wusste man ganz klar, dass dieser Brief von Paulus stammte.
Auch diesen Hebräerbrief muss man auf die Zeit um 62 nach Christus ansetzen. Er hat also ebenfalls einen Zusammenhang mit dieser ganzen Briefgruppe. Paulus ist offensichtlich wieder frei geworden und konnte dann seinen Wunsch erfüllen, den er in Römer 15,24 geäußert hatte, nämlich die Reise nach Spanien, die er dort erwähnt. Es gibt auch ein frühchristliches Zeugnis, das davon spricht, dass Paulus das Evangelium bis ans äußerste Ende des Westens verkündigt habe, und das war Spanien. Ob er das tatsächlich noch erfüllt hat, wissen wir nicht sicher. In der Apostelgeschichte, in den vier Missionsreisen, spielt Spanien keine Rolle. Das muss also nach der ersten Gefangenschaft geschehen sein.
Im Titusbrief spricht er darüber, wie er Titus in Kreta zurückgelassen hat. Titus 1,5 kann man nicht unterbringen in der Apostelgeschichte, in den vier Missionsreisen. Also gehört auch das in die Zeit nach der ersten Gefangenschaft. Titus 1,5. Dann erwähnt Paulus in Titus 3,12 sein Vorhaben, in Nikopolis zu überwintern. Das ist ebenfalls eine Ortschaft, in der er in der Apostelgeschichte nie überwintert hat. Das gehört also in diese Zeit der Missionstätigkeit nach der ersten Gefangenschaft in Rom.
Auch in 1. Timotheus 1,3, dieser Moment, wo er Timotheus in Mazedonien zurückgelassen hat, in Ephesus zurückgelassen hat, ich kann das kurz aufschlagen: 1. Timotheus 1,3. Ich habe dich ja bei meiner Abreise nach Mazedonien ermahnt, in Ephesus zu bleiben. Auch diese Verhältnisse beziehen sich auf die Zeit nach der ersten Gefangenschaft. Paulus geht nach Ephesus, Timotheus bleibt in Mazedonien, und offensichtlich wurde Paulus dann ein zweites Mal verhaftet und nach Rom geführt.
In 2. Timotheus 4,13 spricht er noch von dem Mantel, den er in Troas zurückgelassen hat, also verfasst er seinen Brief aus der Todeszelle. Das deutet darauf hin, dass Paulus in Troas verhaftet wurde, dann erneut in die Gefangenschaft nach Rom kam. Das war um 66, 67 nach Christus, und schliesslich erlitt er dort den Märtyrertod durch Enthauptung. Kaiser Nero hat ihn geköpft. Davon schreibt Paulus in 2. Timotheus 4,6-8, dass jetzt sein Lauf vollendet ist und dass er damit rechnet, dass der gerechte Richter ihm zur Vergeltung die Krone der Gerechtigkeit geben wird.
Also, das hilft uns so ein bisschen, diese Briefe in der Chronologie des Neuen Testaments einzuordnen.
Der Aufbau des Kolosserbriefes
Einen Strukturplan des Kolosserbriefes.
Der Kolosserbrief zerfällt in zwei große Hauptteile, also vier Kapitel. Der erste Teil ist: Die Lehre von der Erhabenheit des Sohnes Gottes, Kapitel 1 bis 2. Der zweite Teil behandelt die praktischen Konsequenzen dieser Lehre, Kapitel 3 und 4.
Also zuerst die reine Belehrung und dann die Frage: Wie muss man diese Belehrung auf das praktische Christenleben anwenden? Das ist ein Prinzip, das man im Neuen Testament durchgehend immer wieder findet: zuerst die reine Belehrung und dann die Anwendung.
Und zwar muss man beachten, in Kolosser 3 ein Wörtchen, Vers 1: Wenn ihr nun mit Christus auferweckt worden seid, so sucht das, was droben ist, wo Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes, trachtet usw. Wenn ihr nun – das Wörtchen nun ist die Schlussfolgerung aus der Belehrung von Kapitel 1 und 2. Also: Wenn das so ist, dann hat das folgende Bedeutung: Sucht, was droben ist, trachtet nach dem, was droben ist, Vers 2. Und dann Vers 5: Tötet daher eure Glieder. Vers 8: Nun aber legt auch ihr das alles ab. Vers 9: Lügt einander nicht an. Und Vers 12: So zieht nun als Gottes Auserwählte, Heilige und Geliebte herzliches Erbarmen usw. an. Vers 13: Ertragt einander, vergebt einander.
Also ein Befehl nach dem andern, ein praktischer Befehl. Das ist alles die Schlussfolgerung aus der reinen Belehrung von Kapitel 1 und 2.
Das ist sehr wichtig, weil viele Christen heute sagen: Mich interessiert Belehrung nicht, ich will Praxis. Aber die Praxis folgt aus der Belehrung. Alles, was wir tun, hat hinter sich eigentlich eine Lehre, ein System. Ich mache mich ein Beispiel aus dem Leben gegriffen.
Als ich Musik studierte, da sollte ich einen Kurs besuchen über Euthonie. Das ist eine Entspannungslehre, die Ähnlichkeit mit Yoga hat und so weiter. Und weil ich nie Stunden geklemmt habe, bin ich hingegangen, obwohl mich das von Anfang an angeekelt hat. Dann hat die Lehrerin gesagt: So, jetzt könnten mal alle auf dem Boden liegen und so weiter. Und da begann das mit der Praxis.
Da bin ich zu ihr gegangen und habe gesagt: Ich habe gedacht, es sei eine Information über das, was Euthonie ist und so weiter. Also ich kann das aus ideologischen Gründen, wegen der ideologischen Gründe dahinter, nicht praktizieren. Dann sagt sie: Es hat keine Ideologie dahinter. Sie hat gesagt: Ja, alles, was man macht, hat immer zuerst eine Lehre dahinter. Es geht nicht einfach um die Praxis, sondern die Praxis kommt immer aus einem System.
Da hat sie gesagt: Ja, gut, entweder machen Sie mit oder dann gehen Sie. Dann war es klar, dann konnte ich gehen. Hatte dann später Konsequenzen. Der Direktor hat dann nach einer Pädagogikprüfung, bei der ich durchgefallen war, gesagt: Ja, bei der Nachbesprechung, Sie sind ja sowieso gegen Yoga und Euthonie. Aber gegen Yoga hat er gesagt. Also da hat man hintendurch natürlich darüber gesprochen.
Gut, das hat ein Semester dann mehr gekostet, aber das habe ich bis heute überwunden. Also: Hinter jeder Praxis steht eine Belehrung, und das ist auch im Christentum so. Aus der biblischen Belehrung wissen wir, was wir zu tun haben und warum wir etwas tun und nicht anders.
Belehrung und Anwendung im Römer- und Epheserbrief
Nun haben wir das auch zum Beispiel in Römer 12,1. Nachdem Paulus im Römerbrief die ganze Lehre des Heils systematisch entfaltet hat und auch im Zusammenhang damit die Stellung Israels im Heilsplan, Kapitel 9 bis 11, kommt dann der praktische Teil ab Kapitel zwölf, Vers eins: Ich ermahne euch nun, ihr Brüder, angesichts der Barmherzigkeit Gottes.
Diese Barmherzigkeit Gottes wurde in Kapitel eins bis elf aufgezeigt. Und nun kommt die Ermahnung, aber eben als Schlussfolgerung. All diese konkreten praktischen Anweisungen und Befehle. Da könnte man einmal einen Katalog zusammenstellen: Was gibt es da alles an praktischen, konkreten Anweisungen und Befehlen?
Es gibt viele Christen, die sagen: Was muss man eigentlich tun? Es gibt ja keine Gesetze im Neuen Testament. Denen muss man nur einmal all diese Befehle zusammen erzählen. Es heißt nicht einfach: Du sollst, du sollst. Es ist eine ganz andere Sprache: tötet, legt ab, zieht an.
Ja, das „du sollst“ hat nämlich einen Unterton. Das Gesetz richtet sich ja an Menschen, von denen die größte Zahl gar nicht wiedergeboren war. Du sollst, das sollte der Mensch. Aber Gott weiß, dass der Mensch es aus sich heraus gar nicht kann. Die Sprache des Neuen Testaments an Wiedergeborene ist: zieht an, trachtet, suchet. Denn Gott erwartet, dass man es kann, durch seine Kraft, durch das neue Leben.
Also so muss man einmal Römer 12 bis 16 lesen. Aber das Wörtchen „nun“ zeigt die Schlussfolgerung. Desgleichen im Epheserbrief: Nachdem der Apostel diese erhabenen Lehren über die Gemeinde und ihre Stellung vorgetragen hat, kommt Kapitel 4, Vers 1: So ermahne ich euch nun. Kapitel 4, Vers 6 ist die praktische Schlussfolgerung aus der Belehrung von Kapitel 1 bis 3.
Also eine sehr wichtige Sache.
Gebet um Wachstum und die vollendete Rettung
Wir haben im Kolosserbrief bereits bis Kapitel 1, Vers 8 gelesen. Wir hatten als Unterstruktur unter Punkt 1 die Lehre von der Erhabenheit des Sohnes Gottes, Kapitel 1 bis 2. Dabei hatten wir die Begrüssung, 1,1 bis 2, dann ein Gebet, den Dank für die Kolosser, 1,3-8. Und jetzt kommt wieder ein Gebet: Bitte um geistliches Wachstum der Kolosser, 1,9-15.
Deshalb hören wir auch seit dem Tag, da wir es vernommen haben, nicht auf, für euch zu beten und zu bitten, dass ihr erfüllt werdet mit der Erkenntnis seines Willens in aller geistlichen Weisheit und Einsicht, damit ihr des Herrn würdig wandelt und ihm in allem wohlgefällig seid, in jedem guten Werk fruchtbar und in der Erkenntnis Gottes wachsend, mit aller Kraft gestärkt gemäß der Macht seiner Herrlichkeit, zu aller Standhaftigkeit und Langmut mit Freuden, indem ihr dem Vater Dank sagt, der uns tüchtig gemacht hat, teilzuhaben am Erbe der Heiligen im Licht. Er hat uns errettet aus der Herrschaft der Finsternis und hat uns versetzt in das Reich des Sohnes seiner Liebe, in dem wir die Erlösung haben durch sein Blut, die Vergebung der Sünden.
Also Paulus dankt für die Bekehrung der Kolosser, 3 bis 8, und betet jetzt, dass sie geistlich wachsen und vorwärtskommen. Und dieses geistliche Wachstum ist wichtig, um dem Herrn würdig zu wandeln.
Dieser Punkt des geistlichen Wachstums ab der Bekehrung ist ganz wichtig in Verbindung mit dem Kolosserbrief, weil wir sehen werden: Die Kolosser waren konfrontiert mit einer Irrlehre, die im Grunde erklärte: Es ist toll, dass ihr bekehrt seid, aber das reicht nicht. Ihr müsst noch in eine höhere geistliche Sphäre aufsteigen, ihr braucht noch eine zweite Erfahrung. Ja, und das wird nun gründlich zerschlagen, widerlegt durch den Kolosserbrief, in dem hier gezeigt wird: Nein, der Erlöste hat mit der Bekehrung und Wiedergeburt alles in Christus. Er braucht keine zweite Erfahrung. Er hat bereits alles.
Aber das steht nicht im Widerspruch dazu, dass wir geistlich tagtäglich wachsen müssen im Glauben. Das schon, aber nicht irgendwie ein zweites Erlebnis, eine zweite Erfahrung, eine Einweihung in höhere Erkenntnis – das auf keinen Fall. Darum ist dieses Gebet hier ganz wichtig. Paulus betet um das gesunde, fortschreitende geistliche Wachstum der Kolosser. Und dieses Wachstum ist begründet in der Tatsache der völligen Errettung.
Darum wird gedankt in Vers 12, indem ihr dem Vater Dank sagt, der uns tüchtig gemacht hat, teilzuhaben am Erbe der Heiligen im Licht. Und dann Vers 13: Und hat uns errettet aus der Herrschaft oder Gewalt der Finsternis und hat uns versetzt in das Reich des Sohnes seiner Liebe. Im Griechischen sind das Aoristformen, die eine vollendete Handlung in der Vergangenheit beschreiben.
Das ist so wichtig: Der Gläubige muss wissen, dass ich durch die Bekehrung und Wiedergeburt als abgeschlossener Akt in der Vergangenheit errettet bin aus der Gewalt der Finsternis. Das Reich der Schlange hat überhaupt kein Anrecht mehr an ihm. Das ist abgeschlossen. Und das ist sehr wichtig zu betonen, weil viele Gläubige verunsichert sind und denken: Ja, irgendwie habe ich noch Bindungen, die müssen zuerst gelöst werden durch meine Vorfahren und so weiter. Es sind noch Flüche da und so weiter. Ich bin irgendwie noch im Reich der Finsternis teilweise gefangen.
Aber der Vers sagt hier: Nein, ihr sollt dem Vater danken. Er hat uns errettet, vollendet, abgeschlossen aus der Herrschaft der Finsternis. Und das Nächste ist auch ein Aorist, also abgeschlossen: und hat uns versetzt in das Reich des Sohnes seiner Liebe. Das ist nicht ein Prozess, wir kommen langsam ins Reich des Sohnes seiner Liebe hinein, sondern der Gläubige ist herausgerettet aus dem Reich der Schlange, und er gehört jetzt ins Reich des geliebten Sohnes Gottes.
Der Sohn der Liebe und die Gewissheit der Erlösung
Übrigens, das bedeutet: Der Sohn seiner Liebe bedeutet der geliebte Sohn. Warum sagt dann Paulus nicht einfach: der geliebte Sohn? Das ist eine Redewendung, die dem Hebräischen entspricht.
Im Hebräischen gibt es im Vergleich zum Deutschen oder zum Griechischen sehr wenige Adjektive. Es gibt sie schon, aber eben nur wenige. Dadurch ist man im Ausdruck eingeschränkt. Stattdessen umschreibt man mit Hauptwörtern im Genitiv. Zum Beispiel das Wort seiner Macht: Das ist sein mächtiges Wort. So heißt es in Hebräer 1, dass Christus alles durch das Wort seiner Macht trägt, also durch sein mächtiges Wort.
Und hier: der Sohn seiner Liebe. Das bedeutet sein geliebter Sohn. Aber für das damalige Sprachgefühl hatte das etwas Feierliches. Es ist also irgendwie würdiger, wenn man sagt: der Sohn seiner Liebe, anstatt nur: der geliebte Sohn. Darum drückt sich der Apostel Paulus auch an anderen Stellen oft so aus, mit diesem Hauptwort im Genitiv, das die Bedeutung eines Adjektivs hat.
Also: Diese Errettung, diese vollständige Errettung, ist geschehen durch den geliebten Sohn des Vaters. In ihm haben wir die Erlösung als gegenwärtigen Besitz, Vers 14, indem wir die Erlösung haben, durch sein Blut die Vergebung der Sünden. Also ganz wichtig: Wir haben die Befreiung, wir haben die Vergebung.
Ja, aber dann schreibt mir jemand: Aber es heißt doch in 2. Mose 20, dass Gott doch reicht bis ins dritte und vierte Glied. Ja, das steht dort. Worauf bezieht sich das? 2. Mose 20,5. Es geht um Götzendienst, und das ist ein wichtiger Teil des Okkultismus, ja? Bete sie nicht an und diene ihnen nicht, denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott, der die Schuld der Väter heimsucht an den Kindern bis in das dritte und vierte Glied.
Aber bitte: Wer jetzt stoppt, liest die Bibel nicht genau. Der, der mich hassen. Also wenn jemand auf demselben Weg wie seine Vorfahren weitergeht, im Götzendienst, in der Gottlosigkeit, im Okkultismus usw., dann erfüllt sich dieses Wort. Der, der mich hassen. Aber weiter geht es: der aber Gnade erweist an vielen Tausenden, oder auf Tausende hin, das heißt über Tausende von Generationen. So viele gab es gar nicht seit Adam, die mich lieben und meine Gebote halten.
Also dieses Rächen bis ins dritte, vierte Glied bezieht sich auf Menschen, die in der Gottlosigkeit weitergehen. Aber wer sich bekehrt hat, der ist aus dem Reich der Finsternis errettet. Und er ist versetzt in das Reich des Sohnes seiner Liebe. Und nun bildet das den Ausgangspunkt für eigentlich den Höhepunkt des Kolosserbriefes.
Die Erhabenheit Christi als Schöpfer, Erhalter und Erlöser
Und das sind die Verse sechzehn bis dreiundzwanzig, nächster Abschnitt auf unserem Strukturplan: „Die Erhabenheit Christi als Gott und Mensch“.
Jetzt zeigt der Apostel Paulus, wer denn dieser Sohn der Liebe des Vaters ist, der uns ein so vollkommenes und vollendetes Heil geschenkt hat, das wir heute in Besitz haben. Und es gilt, das auch wirklich im Glauben zu ergreifen. Jemand, der denkt, da sei immer noch ein Fluch, und da sei immer noch etwas anderes, wird wackelig, obwohl er gerettet ist. Er ist dann wackelig auf seinen Beinen. Und da hat der Feind natürlich einen gelegenen Ansatzpunkt. Aber dem dürfen wir nicht nachgeben, sondern wir müssen uns da ganz klar auf Kolosser 1,12-13 abstützen.
Das sind Stellen, die ich immer wieder in der Seelsorge benutze, gerade für Gläubige, die auf diesem Gebiet Probleme haben. Da müssen sie sich festklammern. Das steht hier: errettet, abgeschlossen, versetzt, abgeschlossen. Wir haben die Erlösung, also keine Bindung mehr, und dafür sollen wir danken, Vers 12, indem wir dem Vater Dank sagen. Aber das ist alles geschehen durch diesen wunderbaren Sohn seiner Liebe. Und wer dieser Sohn ist, das wird nun erklärt.
Ich habe auf der Rückseite einen neuen Titel gesetzt: Kolosser 1,16-20, die gewaltige Größe des Sohnes Gottes. Das ist also nach der Elberfelder, der alten Elberfelder, etwas von mir bearbeitet. Zusätzlich habe ich alle Wörter, die im Grundtext betont sind, die man aber im Deutschen nicht unbedingt als solche erkennt, hier fett und schwer gedruckt.
Wenn man den Text so liest, wie er im Griechischen zu bestehen ist, wird deutlich, welcher Akzent darauf gelegt wird: auf die Erhabenheit und Größe der Person Jesu Christi, die einzigartig dasteht.
Der Schöpfer aller Mächte und der Ursprung der Welt
Unter dem Titel Besonderheiten, erster Punkt, heißt es, der Name Kolosse, wo die Gemeinde war, heiße auf Griechisch Kolossai. Dieses Wort kommt von dem griechischen Adjektiv kolossaios. Es bedeutet riesengroß, gigantisch, gewaltig.
In Kolosse gibt es gigantische Felsformationen. Das hat wohl den Namen der Stadt geprägt. Aber ausgerechnet im Kolosserbrief finden wir diese Beschreibung der gewaltigen Größe des Herrn Jesus Christus. Also kommt unser Wort „kolossal“ von kolossaios.
Gehen wir so durch den Text, wie er auf dem Blatt abgedruckt ist. Denn durch ihn sind alle Dinge erschaffen worden. Das „in ihm“ ist betont. Dieser Sohn der Liebe ist der Schöpfer, und kein anderer. Er ist es.
Durch ihn sind alle Dinge erschaffen worden, die in den Himmeln und die auf der Erde, die sichtbaren und die unsichtbaren, es seien Throne oder Herrschaften oder Fürstentümer oder Gewalten. Alle Dinge sind durch ihn und für ihn geschaffen. Also ist er der Schöpfer aller Dinge, sichtbar und unsichtbar.
Und es ist so: Wir haben hier drei Ausdrücke. „Alle Dinge sind in ihm“ – so bin ich wörtlich bei Vers 16, denn „durch ihn“ steht in der Fußnote, wörtlich „in ihm“. Das heißt: in der Kraft seiner Person. In ihm. Und dann am Schluss des Verses: „durch ihn“, das ist ein anderes Wort, dia auf Griechisch, durch ihn.
Was bedeutet das? „In ihm“ bedeutet, es ist in der Kraft seiner Person geschehen. Er hat in seiner Macht in der Schöpfung gewirkt. „Durch ihn“ bedeutet, dass der Sohn Gottes auch wirklich der Ausführende war in der Schöpfung. Und „für ihn“ bedeutet, dass die ganze Schöpfung zur Verherrlichung seiner Person ins Dasein gerufen worden ist.
Und jedes Mal habe ich betont: in ihm, durch ihn, für ihn. Kein anderer. Das ist der Sohn seiner Liebe, also wirklich gewaltig.
Engelwelt, Irrlehre und die Einzigkeit Christi
Es wird bei den unsichtbaren Dingen betont, es seien Throne oder Herrschaften oder Fürstentümer oder Gewalten. Das sind Ausdrücke, die öfters im Neuen Testament an verschiedenen Stellen vorkommen. Sie bezeichnen Engel, aber in verschiedenen Abstufungen und mit verschiedenen Funktionen.
Zum Beispiel: Throne. Das bezeichnet die Cherubim, die Gottes Thron flankieren. In der Stiftshütte wurde die Bundeslade ja so hergestellt als Fußschemel Gottes, dass zwei Cherubimengel aus einem Stück Gold mit dem Versöhnungsdeckel der Bundeslade verbunden waren. Und im Salomonstempel gab es dann noch zwei weitere Cherubim aus Olivenholz, überzogen mit Gold. So waren hier vier lebendige Wesen, die Gottes Thron flankierten.
Gott thronte zwischen den Cherubim, Psalm 80, der Thron zwischen den Cherubim, strahle hervor. Und in der Offenbarung finden wir den Thron Gottes im Himmel, Offenbarung 4, und da finden wir wieder vier lebendige Wesen. Das sind also Cherub-Gestalten, die Gottes Thron gewissermaßen flankieren und Gottes Ehre in seiner Herrschaft verteidigen. Das sind diese Thronengel.
Aber dann wird auch gesprochen über Herrschaften, Fürstentümer, Gewalten. Also die ganze Engelwelt ist das Werk des Sohnes Gottes. Das war wichtig, weil diese Irrlehre, die nach Kolossä gekommen war, die Engelverehrung mitgebracht hatte. Kapitel 2, Vers 18: Lasst nicht zu, dass euch irgendjemand um den Kampfpreis bringt, indem er sich in Demut und Verehrung von Engeln gefällt und sich in Sachen einlässt, die er nicht gesehen hat, wobei er ohne Grund aufgeblasen ist von seiner fleischlichen Gesinnung und nicht festhält an dem Haupt, von dem aus der ganze Leib und so weiter unterstützt und zusammengehalten wird.
Also: Verehrung von Engeln. Und Paulus sagt, die Engel sind einfach Geschöpfe Gottes. So mächtig die Engel auch sein mögen, es sind einfach Geschöpfe des Sohnes Gottes. Und Engel dürfen nicht verehrt und nicht angebetet werden.
Aber es ist so eindrücklich, wenn man das Neue Testament einmal nur studiert, um zu sehen, welche Dinge, die später in der kirchlichen Geschichte gekommen sind, im Neuen Testament bereits widerlegt sind. Das ist eindrücklich. Durch die ganze kirchliche Geschichte kann man nicht hindurchgehen, aber auf jedem Irrweg hat man bereits im Neuen Testament vorweggenommen die Antwort und Widerlegung.
Und in der katholischen Kirche ist ja die Lehre, das Dogma, der Engelverehrung aufgebracht worden. Bis heute, dass Engel angerufen werden können, ein abscheulicher Götzendienst. Und der Kolosserbrief zerschlägt ihn gleich, bereits im ersten Jahrhundert, im Jahr 62, noch lange bevor die römische Kirche überhaupt entstanden ist. Das ist das Eindrückliche.
Sperren Sie uns den Rest auf für nach der Pause. Wir haben jetzt die große Pause. Ach nein, wir haben ja erst 15.30 Uhr. Nein, wir machen noch weiter.
Christus vor allem und als Erhalter der Schöpfung
Kolosse 1,17: Und er ist vor allem, und alle Dinge werden durch ihn zusammengehalten.
In der deutschen Übersetzung ist das im Allgemeinen nicht unbedingt so sichtbar, dass hier speziell betont wird: nicht einfach nur „Und er ist vor allem“, sondern: „Er ist vor allem“, um ihn abzugrenzen gegen alle anderen, die irgendwie konkurrieren möchten.
Nun, was bedeutet „und er ist vor allen“? Ja, wir würden vielleicht so schreiben: „Und er war vor allen.“ Es geht um seine Präexistenz. Aber weil er der ewige Sohn Gottes ist, der ewige Gott, wird die zeitlose Gegenwart verwendet. Er ist schlicht der Seiende. Er ist vor allen.
Also: Er hat alles erschaffen, es gibt nichts, was nicht durch ihn erschaffen worden wäre. Aber er selbst ist der Ewige, der der Zeit nicht unterworfen ist. Und das entspricht ja genau der Bedeutung des Gottesnamens Yahweh im Alten Testament. Yahweh, der häufigste Gottesname, kommt circa siebentausend Mal im Alten Testament vor. Man schreibt auf Hebräisch J H W H, und diese drei Konsonanten H W H, Hawa, bedeuten Sein, Sein, to be. Also bedeutet Yahweh: der Seiende, der Da-ist, der ewig Seiende und Unwandelbare, der eben nicht Raum und Zeit unterworfen ist.
Auch die Engel sind ja Raum und Zeit unterworfen. Gott stellt Satan die Frage in Hiob 1: Woher kommst du? Vom Durchstreifen der Erde. Also, er machte Weltreisen, war aber nicht überall gleichzeitig. Ein Engel in Daniel 10 entschuldigt sich, nachdem Daniel drei Wochen gebetet und gefastet hat, dass er nicht schon am ersten Tag gekommen war. Das Gebet war von Anfang an erhört, aber er sagt, der Fürst von Persien habe ihm Widerstand geleistet, und jetzt sei er gekommen. Das war also ein Engelfürst, der an der Spitze von Persien steht, ein gefallener Engel. Der hatte diesem Engel Gottes drei Wochen lang Widerstand geleistet, und darum kam er zu spät.
Also: Engel sind Raum und Zeit unterworfen, wenn sie sich auch viel schneller bewegen können als wir. Ja, zum Beispiel der gefallene Engel, der zum Satan geworden war, sagt in Jesaja 14,12, er wollte aufsteigen zum Thron Gottes, und er wollte aufsteigen zu den Sternen. Also zeigt auch die Beweglichkeit im Weltall, und diese haben wir nicht. Wir sind ein bisschen über die Erde gesprungen in der Weltraumfahrt, nicht wahr?
Engel sind auch Raum und Zeit unterworfen. Aber vom Herrn Jesus heißt es: „Und er ist vor allem.“ Er ist Yahweh. Und weiter: „Und alle Dinge werden durch ihn zusammengehalten.“
Der Erhalter des Lebens und die wahre Sicht auf die Welt
Also, der Herr Jesus ist nicht nur der Schöpfer aller Dinge, hier sehen wir, er ist auch der Erhalter aller Dinge. In diesem üblen Buch, Doktor Faust von Goethe, wird die Frage gestellt, was denn die Welt im Innersten zusammenhält. Ja, das war die große Frage der Philosophie, und man kann sie nicht beantworten ohne die Offenbarung des Wortes Gottes. Was die Welt im Innersten zusammenhält, das ist der Sohn Gottes. Und das bedeutet, dass die Atome, die Materie, durch ihn zusammengehalten wird.
In 2. Petrus 3 sagt Petrus, dass der Tag kommen wird, an dem die Elemente, Stochäa, aufgelöst werden. Die Griechen meinten ja, die Elemente seien atomos, atomoi, unteilbar. Aber der Petrusbrief braucht nicht das falsche Wort Atom, das wir immer noch brauchen. Obwohl wir heute wissen, dass die Grundelemente ja spaltbar sind, braucht er das Wort Stochäja, das bedeutet Grundelemente der Materie. Und er sagt, die werden aufgelöst, und Himmel und Erde werden in Brand zerschmelzen. Da ist sogar die Kernfusion drin. Vor 2000 Jahren schreibt ein Fischer aus Galiläa unter Inspiration des Heiligen Geistes.
Also, wir wissen heute, dass die Atome spaltbar sind, aber heute wird die Welt zusammengehalten, und der Tag wird kommen, an dem alles aufgelöst wird, an dem der Sohn Gottes sie nicht mehr zusammenhalten wird. Das wird der Weltuntergang sein, aber erst nach dem Tausendjährigen Reich. Und wir warten nicht auf den Weltuntergang, wir warten auf die Wiederkunft Christi. Aber er hält alles zusammen.
Heute wissen wir, welche kleineren Teile in den Atomen wirken. Man weiß genau, wie groß die Ladung eines Elektrons ist. Aber kein Physiker kann uns erklären, was ein Elektron ist. Das Wesen dieser Dinge ist uns völlig unbekannt, man kann nur damit rechnen und arbeiten. Aber im Grunde genommen, was das ist, weiß niemand. Völlig unbekannt. Aber wir wissen, das sind Kräfte, die zusammenhalten. Aber im Innersten ist das das aktive Wirken des Sohnes Gottes.
Darum können wir auch sagen, die Naturgesetze sind nicht so zu verstehen, dass Gott am Anfang alles geschaffen hat und jetzt die Welt selbständig ist. Das war der Wunsch der Deisten in der Aufklärungszeit. Die Deisten haben gesagt: Natürlich gibt es Gott, irgendwie muss ja das alles begonnen haben. Aber Gott hat sich zurückgezogen, hat nichts mehr mit dieser Welt zu tun, und darum gibt es auch keine Wunder. Und die Wunder in der Bibel können wir alles vergessen, das gibt es gar nicht. Es gibt nur natürliche Abläufe, die sind alle fix festgelegt. Aber die Bibel sagt: Nein, der Sohn Gottes hält alles fortdauernd zusammen. Das heißt, die Naturgesetze sind nichts anderes als die Umschreibung des üblichen Handelns des Sohnes Gottes in der Natur.
Gottes Handeln, das Kreuz und die Macht des Sohnes
Gott ist ein Gott der Ordnung. Darum können wir damit rechnen, dass es nicht gut für unsere Gesundheit ist, wenn wir aus dem dritten Stock springen. Das sollen wir nicht tun, weil diese Naturgesetze wirklich das übliche Handeln Gottes beschreiben. Aber es ist nicht so, als hätte sich Gott zurückgezogen. Er hält alles zusammen.
Es ist auch so, dass Daniel dem König Belsasza sagen konnte: Du hast Gott geschmäht, den Gott, dessen Hand dein Odem ist. Gott hat unseren Lebensatem in der Hand, und wenn er loslässt, dann sterben wir. Und da kann man immer noch sagen: Ja, da hat man ein falsches Herz erwischt. Aber es ist wirklich so, dass Gottes Sohn bestimmt, dass die Todesstunde in seiner Hand ist und unser Odem von ihm abhängt. Natürlich gibt es das menschliche Versagen, aber über allem steht der Sohn Gottes.
Wenn man die Natur so sieht, sieht man sie ganz anders. Wir sind in der Schule beeinflusst worden durch die Aufklärung, durch die Deisten und Atheisten und so weiter. Das können wir also abstreifen und können wieder eine wahre Weltsicht gewinnen, aus dem Lesen des Kolosserbriefes, aus dem Lesen der Bibel. Alle Dinge werden durch ihn zusammengehalten.
Das bedeutet, ich habe das auch schon einmal erklärt: Als der Herr Jesus als kleines Kind in den Armen von Maria war, abhängig von seiner Mutter, da war er gleichzeitig der, der Maria die Kraft gab, ihn hinzutragen. Er hat nie aufgehört, Gott, der Schöpfer und Erhalter des Weltalls, zu sein. Gott ist Mensch geworden, aber er konnte seine Gottheit nicht aufgeben, sonst wäre er ja nicht Gott. Gott ist Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Und was noch eindrücklicher ist: Als der Sohn Gottes am Kreuz hing und die Menschen ihn schmähte, indem sie sagten: Wenn du Gottes Sohn bist, so steige vom Kreuz herab, war er im gleichen Moment der, der den Atomen des Holzes die Kraft gab, ihn zu tragen, und den Atomen der metallenen Nägel die Kraft gab, ihn zu halten. Wenn man das so sieht, ist das sehr beeindruckend.
Er wollte am Kreuz bleiben, weil anders die Erlösung nicht möglich geworden wäre, durch sein Leiden in den drei Stunden der Finsternis. Das, was die Menschen ihm angetan haben, hat ja keine Sünde weggebracht. Das war nur die Offenbarung der Bosheit der Menschen. Aber das sühnende Leiden war nur das Leiden vonseiten Gottes in den drei Stunden der Finsternis, wo Gott ihn, den mit Schuld Beladenen, verlassen hat: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?
Und dieses Leiden ist unvergleichbar mit allen körperlichen Leiden, die die Menschen ihm zugefügt haben. Aber Gott hat eine Finsternis darübergezogen, weil er nicht wollte, dass die Menschen das schmerzentstellte Gesicht des Sohnes Gottes sehen würden, als er der Sündenträger war und Gott ihn verlassen hatte. Und gleichzeitig war er der, der den Elementen die Kraft gab, ihn am Kreuz zu halten.
Das ist schon eindrücklich. Das ist unser Herr, das ist eben dieser Sohn seiner Liebe, dem wir diese volle Erlösung verdanken.
Die Antwort auf Irrlehren: Christus vor Augen stellen
Darum ist es Paulus so wichtig zu zeigen, wer er ist, weil die Kolosser so dumme Lehren zugespielt bekommen haben.
Ich habe die Erfahrung mit Kleinkindern gemacht. Wir haben ja einige zuhause gehabt. Wenn sie etwas Ungünstiges in der Hand haben und man es ihnen aus Sicherheitsgründen entwenden muss, ist es nicht unbedingt das Idealste, wenn wir es ihnen einfach aus der Hand reißen. Dann machen sie ein Gezeter. Obwohl wir natürlich versucht haben, sie gut zu erziehen, weinen und heulen sie. Es ist so schrecklich. Man muss ihnen nur etwas Besseres geben, dann lassen sie das Dumme fallen.
Und so ist es auch: Wie werden ihre Lehren im Neuen Testament widerlegt? Immer und immer wieder sehen wir, dass dann die Größe des Sohnes Gottes gezeigt wird, damit wir sehen, wie unsinnig, wie unsinnig das ist. Darum ist es wichtig, in allen Aufklärungen, die wir tun, immer die Größe des Sohnes Gottes vor die Herzen zu stellen, damit die Herzen über ihn bewegt werden. Dann sind sie bereit, all den Unsinn auch wegzugeben.
Das ist genau das, was wir hier im Kolosserbrief finden, aber auch anderswo im Neuen Testament gezeigt werden kann.
Christus als Haupt der Gemeinde und Erstgeborener aus den Toten
Wir fahren weiter mit Vers 18, und er ist das Haupt des Leibes, der Gemeinde. Wieder wird betont: kein anderer. Nicht der Papst von Rom, nicht die Königin von England. Ja, sie ist ja das Oberhaupt der englischen Kirche. Man vergisst das oft, aber das ist antichristlich.
„Anti“ heißt ja nicht nur gegen, sondern auch anstelle von. Also: Wer sich als Haupt der Kirche bezeichnet, nimmt den Platz von Christus ein oder will ihn einnehmen. Das ist antichristlich. Darum ist der Vicarius Dei und das Oberhaupt der Kirche antichristlich. Und eben auch die Stellung der Königin von England ist antichristlich.
Er ist das Haupt der Gemeinde, nur er hat das Sagen in der Gemeinde, niemand anders. Hier wird nun über den Leib Christi gesprochen. Wir haben letztes Mal hier in Reckenbach doch den Epheserbrief behandelt, und dort haben wir sehr viel über den Leib Christi gefunden. Zwischen dem Kolosserbrief und dem Epheserbrief, die ja zur gleichen Zeit geschickt wurden, bestehen sehr, sehr viele inhaltliche Parallelen. Sogar bis in die Wortwahl hinein. Es lohnt sich, die beiden einmal nebeneinander zu vergleichen, um all diese Parallelen zu sehen. Aber dabei muss man auch auf die Unterschiede achten.
Wir müssen also nicht jetzt eine Synopsis machen, so wie man die vier Evangelien in einen Einheitsbrei zusammenführen möchte. Das soll man nicht, höchstens zum Studium. Aber man soll die Eigenart jedes Evangeliums sehen, und ebenso auch die des Epheser- und des Kolosserbriefes.
Der Epheserbrief legt die Betonung auf den Leib. Er gibt die Belehrung darüber, was der Leib Christi ist: bestehend aus allen wahren Gläubigen aus den Juden und den Gläubigen aus den nichtjüdischen Völkern, zusammengeführt zu einem Leib. Im Kolosserbrief aber wird die Betonung auf das Haupt gelegt. Wer ist das Haupt dieses Leibes? Das ist das Hauptthema im Kolosserbrief. Darum wird hier betont: Und er ist das Haupt des Leibes, der Gemeinde, welcher der Anfang ist.
„Anfang“ hat im Griechischen verschiedene Bedeutungen: Anfang oder Ursprung. Der Herr Jesus ist, wie wir in Kolosser 1,16 sehen, der Ursprung aller Dinge in der Schöpfung und dann auch in der Erlösung, der Ursprung der Gemeinde. Alles kommt aus ihm hervor. Er ist der Anfang, der Ursprung.
Und dann der Erstgeborene aus den Toten.
Der Vorrang Christi und die Fülle der Gottheit
Zuerst der Begriff des Erstgeborenen. Der Erstgeborene im Alten Testament war derjenige, der in der Familie eine besondere Stellung hatte und auch das größere Erbe bekam. Der Erstgeborene hatte immer Anspruch auf den doppelten Anteil. Aber man konnte auch Erstgeborener werden. Es war nicht unbedingt immer derjenige, der als Erster in der Familie geboren war. Das war üblicherweise so, aber nicht unbedingt.
Zum Beispiel war der älteste Sohn von Adam Kain, der seinen jüngeren Bruder Abel ermordete. Aber der Fortführer der messianischen Linie, der Erbe, war dann Seth. Ja, nicht Kain. Und bei Noah: Noah hatte drei Söhne. Der Älteste war Japheth, der Jüngste Ham, aber Sem wurde der Fortführer der messianischen Linie, also der Zweite.
Und später finden wir bei Isaak die Söhne Esau und Jakob, Zwillinge. Aber Esau war der Erste, der herauskam. Vollständig, ja. Er war der Erstgeborene, aber schließlich hat Gott Jakob zum Erstgeborenen gemacht. Und später hatte Jakob zwölf Söhne. Der Erstgeborene war Ruben, aber weil er sich so übel verhalten hatte, bis hin zur Blutschande, wurde er enterbt. Und so bekam Joseph das Erstgeburtsrecht.
Was das doppelte Erbe anbetrifft, wurden seine Nachkommen immer als zwei Stämme gerechnet: Ephraim und Manasse. So bekamen sie das doppelte Erbteil im Land. Und das Vorrecht der Herrschaft bekam der Stamm Juda. Das Vorrecht des Priesterdienstes in der Familie bekam der Stamm Levi. Dort wurde es sogar aufgesplittet, ja?
Aber wir sehen: Das hat sogar ein System in der Bibel. Es muss nicht unbedingt der zeitlich Erste sein, der Erstgeborene. Also heißt Erstgeborener derjenige, der den ersten Rang hat, den Vorrang. Es kann zeitlich sein, muss aber nicht das Zeitliche bedeuten. Im Vordergrund steht jedenfalls immer der Vorrang.
Denn der Herr Jesus ist der Erstgeborene aus den Toten. Vielleicht ist es auch zeitlich: Er ist der erste Mensch, der auferstanden ist und nicht mehr stirbt. Römer 6 sagt, er stirbt nicht mehr. Alle, die früher schon auferweckt worden waren im Alten Testament, sind alle wieder gestorben. Auch im Neuen Testament ist Lazarus wieder gestorben. Und darum wird in Hebräer 11 von Menschen gesprochen, die eine bessere Auferstehung suchten. Das ist also die Auferstehung, nach der man nicht wieder stirbt, sondern bleibend auferstanden ist.
Und so ist der Herr Jesus der Erstgeborene aus den Toten, aber er ist auch der Erstrangige von allen, die je auferstehen werden, denn er hat sich selber auferweckt.
Die Auferstehung Christi und besondere Titel im Kolosserbrief
So steht es doch in Johannes 10, sagt der gute Hirte. Johannes 10,17: Darum liebt mich der Vater, weil ich mein Leben lasse, damit ich es wiedernehme. Niemand nimmt es von mir, sondern ich lasse es von mir selbst. Ich habe Gewalt, es zu lassen, und habe Gewalt, es wiederzunehmen.
Als Gekreuzigter ist der Herr Jesus nicht irgendwie in Schwäche gestorben, wie so viele eben auf diese Weise am Kreuz verendet sind. Er stieß noch kurz vor seinem Tod einen lauten Schrei aus. Das kann man nicht mehr. Jemand, der völlig am Verenden ist, am Kreuz, kann nicht mehr einen lauten Schrei ausstoßen. Und so war es, dass der Jesus schließlich sein Leben selber hingelegt hat. Ich habe gewollt, es zu lassen, und habe gewollt, es wiederzunehmen. Und so hat er sich am dritten Tag wieder selber auferweckt.
Natürlich finden wir in Römer 6, dass Christus auferweckt worden ist durch die Herrlichkeit des Vaters. Und wir finden in 1. Petrus 3, dass der Herr Jesus in der Kraft des Heiligen Geistes auferweckt worden ist. Der dreieine Gott war am Wirken, und es war auch der dreieine Gott, der gewirkt hat in der Schöpfung. Aber wir finden eben den Herrn Jesus als den Ausführenden in der Schöpfung, der auch in seiner eigenen Kraft gehandelt hat. Und wir finden in der Erlösung eben: Der Herr hat sein Leben selber hingelegt, und er hat es wiedergenommen.
Das Johannesevangelium betont eben die Gottheit Christi und seine Gottessohnschaft. Darum finden wir das hier so ausdrücklich. Und so ist er der Erstgeborene aus den Toten.
Wir haben unter Besonderheiten, zweiter Punkt, Titel und Namen Jesu Christi, die nur im Kolosserbrief vorkommen: der Sohn seiner Liebe, 1,13; das Bild des unsichtbaren Gottes oder das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, 1,15; der Erstgeborene aller Schöpfung, 1,15; das Haupt des Leibes, der Gemeinde, 1,18. Und dann der Erstgeborene aus den Toten. Soll das heißen: der Erstgeborene aus den Toten?
Aber ein Vergleich dazu in der Fußnote: Offenbarung 1,5. Ja, der Erstgeborene der Toten, der Erstgeborene der Toten, das bedeutet nicht genau das Gleiche wie in Kolosser 1,18. Der Erstgeborene aus den Toten, Kolosser 1,18, bedeutet: Er ist der Herrlichste von denen, die je auferstanden sind. Aber der Erstgeborene der Toten, das heißt: Er ist der Herrlichste, der je gestorben ist, weil er nicht wegen seiner eigenen Schuld gestorben ist, sondern als Stellvertreter. Und niemand konnte ihm das Leben nehmen, sondern er hat es gewissermaßen als Opfer vor Gott auf den Altar gelegt. Also sehr kostbare Titel.
Und dann haben wir weiter auf dem Blatt: Der Christus Jesus, der Herr. Auch das ist ein Titel, der nur da vorkommt. Die Fußnote erklärt: Das bedeutet der Messias Jesus, der Herr. Dann das Haupt jedes Fürstentums und jeder Gewalt, Kolosser 2,10. Es ist also nicht nur das Haupt der Gemeinde, sondern die ganze unsichtbare Engelwelt steht unter ihm. Und schließlich haben wir Christus, unser Leben, Kolosser 3,4, und dann der Herr Christus, Kolosser 3,24, also der Herr Messias.
Das finden wir im Kolosserbrief, und gerade da in unseren Versen, die wir behandeln, finden wir ein Konzentrat von solchen ganz besonderen, einzigartigen Titeln im Neuen Testament.
Der Vorrang Christi in allem und die Versöhnung der Schöpfung
Also, wir stehen immer noch in Kolosser 1,18, und er ist das Haupt des Leibes, der Gemeinde, welcher der Anfang ist, oder der Ursprung, der Erstgeborene aus den Toten, auf dass er in allem den Vorrang habe. Das ist Gottes Wille. Christus hat in allem den Vorrang und soll ihn haben. Also darf durch niemanden und durch nichts Streit darüber entstehen.
Das sind alles Schläge gegen diese Irrlehre, die nach Kolossä gekommen war, wo Engel und Engelmächte und geistige Mächte eine wichtige Rolle spielen sollten, neben Christus als weitere Vermittler. Genauso hat sich das später in der katholischen Kirche ausgeprägt entwickelt, mit all diesen Heiligen, die wie Götter verehrt werden, oder mit dem ganzen Marienkult. In Wirklichkeit verbergen sich hinter diesen Heiligen gefallene Engel, Dämonen, die so verehrt werden. Überhaupt stehen hinter dem Götzendienst immer Dämonen. Aber der Herr Jesus hat in allem den Vorrang, das ist Gottes Wille.
Gehen wir weiter zu Vers 19: Denn es war das Wohlgefallen der ganzen Fülle, in ihm zu wohnen. Wieder betont das „in ihm“. Was ist die Fülle? Der Ausdruck kommt noch einmal vor in Kapitel 2, Vers 8. Die Fußnote erklärt das. Dort heißt es: die Fülle der Gottheit. Die Fülle der Gottheit ist der dreieine Gott. Es gibt nur einen Gott, aber in der Gottheit offenbart uns die Bibel drei Personen: den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist, vollkommen gleich von Ewigkeit her, ewig, allwissend, allgegenwärtig.
Nun wird hier gesagt, es war das Wohlgefallen der ganzen Fülle der Gottheit, des dreieinen Gottes, in ihm zu wohnen. Das heißt: in dem Menschen Jesus zu wohnen. Also begegnete man, indem der Herr Jesus hier als Mensch war, dem dreieinen Gott. Es geht ja hier um die Herrlichkeit Christi als Gott und Mensch in diesen Versen, und darum wird hier so betont: in ihm. Es gibt keinen anderen.
Und dann Vers 20: Und durch ihn alle Dinge mit sich zu versöhnen, indem er Frieden gemacht hat durch das Blut seines Kreuzes, durch ihn, es seien die Dinge auf der Erde oder die Dinge in den Himmeln. Nur er ist der Erlöser, keiner, der irgendwie Erlöser oder Miterlöser oder Miterlöserin ist. Das ist ja auch eine Lehre, die man in der katholischen Kirche findet: Maria als Miterlöserin. Nein, durch ihn, niemand anders, nur durch ihn, alle Dinge zu versöhnen, indem er eben als Mensch sein Blut am Kreuz gegeben hat.
Da wird nochmals betont: durch ihn, seien die Dinge auf der Erde oder die Dinge in den Himmeln. Was bedeutet das? Die Versöhnung aller Dinge. Nun, wir müssen das gut lesen, das heißt nicht die Versöhnung aller Menschen, aller Dinge.
Die neue Schöpfung und die Bedeutung der Versöhnung
Und wenn wir in Hebräer 1 aufschlagen: Und die Himmel sind Werke deiner Hände. Sie werden untergehen, du aber bleibst. Und sie alle werden veralten wie ein Kleid, und wie ein Gewand wirst du sie zusammenwickeln, und sie werden verwandelt werden. Du aber bist derselbe, und deine Jahre werden nicht vergehen.
Also ist hier Christus der Schöpfer, aber alle Dinge, die er erschaffen hat, werden einmal verwandelt werden. Ich habe schon erklärt: 2. Petrus 3, die Auflösung der Schöpfung. Und was tut Gott dann, wenn die Erde aufgelöst ist? Dann erfolgt die Verwandlung zum neuen Himmel und zur neuen Erde. Davon mehr nach der Pause.
Die Pause ist sehr nützlich, weil da manche Dinge geklärt werden.
Also nochmals: der Erstgeborene der Toten. Hier auf dem Blatt steht bei Besonderheiten, zweiter Punkt, zweite Linie: der Erstgeborene der Toten. Es sollte aber heißen: in Kolosser 1,18 der Erstgeborene aus den Toten. Aber in der Fußnote haben wir die gleiche Offenbarung 1,5, und dort sollte es heißen: der Erstgeborene der Toten. Also einfach austauschen. Und was es bedeutet, habe ich erklärt.
Aber um die Verwirrung noch ein bisschen zu vergrößern: Es ist so, in der Schlachterversion 2000 ist ja der Textus receptus verwendet. Und der Textus receptus ist eigentlich ein Mehrheitstext, aber er hat gewisse Nuancen, Unterschiede zum Mehrheitstext, und das ist ein Unterschied. Also in der Schlachter steht in Offenbarung 1,5 der Erstgeborene aus den Toten, jawohl. Aber durch die Fülle der Handschriften, die wir haben, wird eigentlich nahegelegt, dass es hier heißen muss: der Erstgeborene der Toten.
Nur, das ist für die, denen es jetzt etwas bringt. Und die anderen sollen sich nicht verwirren lassen.
Vorfahren, Schuld und die Erneuerung der Schöpfung
Gut, und dann noch etwas: Eine gute Frage wurde mir gestellt, ja, aber im Zusammenhang mit Fluch und Belastung.
Wenn jemand sich bekehrt hat, aber selber okkulte Dinge und was es auch immer ist getrieben hat und das noch nicht vor Gott geordnet hat, dann muss er natürlich, sobald ihm das bewusst wird, diese Dinge ordnen und die Vergebung und Befreiung in Anspruch nehmen. Aber das, was ich selber getan habe, wird uns nirgends im Neuen Testament gelehrt, dass wir die Vorfahrenschuld als Last auf uns vor Gott bringen sollten.
Natürlich gibt es in Daniel 9, Nehemia 9 und Esra 9 diese Gebete, wo auch die Schuld der Vorfahren bekannt wird. Aber da geht es um das auserwählte Volk Gottes. Und die Betenden machen sich eins mit dem Volk Gottes. Also wenn wir zum Beispiel, um praktisch und konkret zu sein, in einer örtlichen Gemeinde einen Fall haben, wo jemand unter Gemeindezucht gestellt werden muss, dann muss die ganze Gemeinde sich vor Gott beugen. Denn da besteht insofern eine Mitschuld, dass wir dem nicht früher so helfen und beistehen konnten oder ein Beispiel sein konnten, dass es überhaupt so weit kam.
Darum wird in 2. Korinther 7 den Korinthern der Vorwurf gemacht, dass sie in 1. Korinther 5 überhaupt nicht Leid getragen haben, obwohl so ein schwerer Fall von Unzucht in der Gemeinde geschehen ist. Also da muss man sich mit der Gemeinde eins machen. Aber wir müssen uns nicht eins machen mit den Vorfahren, die ihren Weg in der Gottlosigkeit gegangen sind. Denn als Erlöste sind wir ja herausgerufen. Die Gemeinde heißt Ekklesia, die Herausgerufene. So sind wir aus den Heidenvölkern oder auch aus dem jüdischen Volk durch die Bekehrung herausgenommen, und die Vorfahren werden uns nicht mehr angerechnet.
Also um das noch ein bisschen präziser zu sagen, damit es nicht Verwirrung stiftet: Das war Hebräer 1,10 gewesen. Das Universum wird ein Ende haben, zusammengewickelt wird es wie ein Gewand. Das entspricht 2. Petrus 3: Die Elemente werden aufgelöst, und alles wird im Brand zerschmelzen. Aber was geschieht dann daraus? Es ist nicht so, dass Gott das in nichts auflöst, sondern hier wird gesagt: Und sie werden verwandelt werden. Hebräer 1,12 nach der Elberfelder.
Nun, das Wort verwandeln, alasso, wird auch gebraucht für austauschen, umtauschen, auswechseln. Als Beispiel: Geld wechseln heißt alasso oder Kleider wechseln. Sie werden verwandelt werden.
Wenn wir jetzt zu Kolosser 1 zurückkehren, da haben wir die Versöhnung aller Dinge. Was heißt versöhnen auf Griechisch? Apokatalasso. Das ist auch alasso, umwandeln, und ist dann noch verstärkt durch die Vorsilbe weg, herab. Umwandeln, ja, das bedeutet nichts anderes. Aber nur, damit man sich im Klaren ist, dass also versöhnen eigentlich auf das gleiche Grundwort zurückgeht wie umwandeln.
Versöhnen bedeutet, dass Feinde umgewandelt werden in Freunde, so wie man Geld wechselt, von einer Währung in die andere. Und die Versöhnung aller Dinge, ja, das sind jetzt nicht Feinde, die zu Freunden gemacht werden, aber da geht es um die Schöpfung, die umgewandelt wird in eine neue Schöpfung. Und so spricht dann 2. Petrus 3 nicht nur über die Auflösung, sondern über die verheißenen neuen Himmel und die neue Erde.
Gott wird also die ganze Materie umwandeln, und diese Erneuerung der Schöpfung geschieht auf der Grundlage des Erlösungswerkes des Herrn Jesus. Die ganze Natur wird neu werden. Das ist eine Botschaft für die Grünen. Ja, wir müssen ja immer uns überlegen, wo wir in unserer Kultur die Augenöffner haben. Paulus hat den Altar für den unbekannten Gott in Athen gefunden, und wir müssen auch suchen, wo wir anschließen können.
Also die Bibel hat das zum Thema, was geschieht mit dieser zerstörten Schöpfung. Sie wird völlig neu, von Grund auf neu gemacht.
Verwandlung bei der Entrückung und die Versöhnung der Gläubigen
Und nun noch etwas Schönes in 1. Korinther 15. Dort geht es um die Auferstehung und die Verwandlung des Körpers bei der Entrückung.
Ja, und da lese ich Vers 51: Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden zwar nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden, in einem Nu, in einem Augenblick, bei der letzten Posaune. Denn die Posaune wird erschallen, und die Toten werden auferweckt werden, unverweslich, und wir werden verwandelt werden.
Dieses Verwandeln ist alasso. Das heißt: Die Gläubigen, die bis zur Entrückung übrig bleiben, ihr Körper wird verwandelt, umgewandelt. Also dieselbe Materie, die wir haben, wird umgewandelt zum neuen Körper, zum Auferstehungskörper. Und die schon Gestorbenen, ihr Körper, die Atome sind ja nicht verloren gegangen.
Sogar wenn sie verbrannt sind, im Unfall oder was auch immer, kann Gott die Atome wieder sammeln. Bei der Verbrennung geht ja kein einziges Atom verloren. Viel geht in die Luft oder ins Wasser. Wenn der Mensch zu 70 Prozent aus Wasser besteht, dann verdampft einiges. Das ist klar. Aber kein Atom geht verloren. Und der Herr der Atome sammelt alles, was es braucht, und macht den neuen Körper aus der Grundmaterie des alten.
Es wird verwandelt. Das heißt: Bei der Entrückung geschieht mit den Erlösten körperlich, materiell genau dasselbe, was einmal mit der Schöpfung geschehen wird, im Ganzen. Und das hängt zusammen mit dieser Versöhnung aller Dinge.
Also, wir schicken die alten Söhne wieder heim, mit Eins. Wenn Sie sagen: Ja, die Versöhnung aller Dinge heißt, alle, alles, alle Menschen werden versöhnt, Satan und seine Engel werden versöhnt, nein, es geht um die Versöhnung aller Dinge. Das heißt, die geschaffenen Dinge werden von Grund auf erneuert, auf der Grundlage des Erlösungswerkes Christi.
Und dann in Vers 21 geht es weiter, Kolosser 1,21: Auch euch, jetzt geht es um Personen. Vorher geht es um alle Dinge schlechthin, das, was auf der Erde ist, was im Himmel ist. Auch euch, die ihr einst entfremdet und feindlich gesinnt wart in den bösen Werken, hat er nun versöhnt in dem Leib seines Fleisches durch den Tod, um euch heilig und tadellos und unverklagbar darzustellen vor seinem Angesicht.
Die Echtheit des Glaubens und das Festhalten bis zum Ende
um die Versöhnung von Menschen. Und das sagt er euch, Kolosser: Ihr habt euch bekehrt, und so seid ihr versöhnt worden mit Gott. Aus Feinden wurden Freunde Gottes.
Aber wie kann man erkennen, ob der Glaube, ob die Bekehrung echt ist? Das geht weiter in Vers 23: wenn ihr nämlich im Glauben gegründet und festbleibt und euch nicht abbringen lasst von der Hoffnung des Evangeliums, das ihr gehört habt, das verkündigt worden ist in der ganzen Schöpfung, die unter dem Himmel ist, und dessen Diener ich, Paulus, geworden bin.
Also: Die wahre Bekehrung und die Wiedergeburt erweisen sich daran, dass ein Gläubiger seinen Glauben bis zum Ende festhält.
Wir finden im Gleichnis vom vierfachen Ackerfeld verschiedene Böden. Es gibt nur einen guten Boden, die gute Erde. Und der Herr erklärt in Lukas 8, dass der Same, der auf die gute Erde fällt, wirklich Frucht bringt. Aber er kann auch auf das Steinige fallen. Dort lesen wir, dass der Same auf dem Steinigen aufgeht, aber keine Wurzel hat. Sie glauben für eine Zeit. Und wenn dann Verfolgung kommt, ärgern sie sich und fallen wieder ab. Es hat keine Wurzel. Es war nur ein enthusiastisches Aufnehmen, aber sie haben geglaubt. Aber das ist nicht die Wiedergeburt.
In Johannes 8 haben wir Menschen, die gläubig geworden sind. Johannes 8,31: Jesus sprach nun zu den Juden, welche ihm geglaubt hatten: Wenn ihr in meinem Wort bleibet, so seid ihr wahrhaftig meine Jünger, und ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch freimachen.
Sie haben geglaubt, es sind Gläubige. Und der Herr sagt: Wenn ihr in meinem Wort bleibt, dann seid ihr wahrhaftige Jünger. Wenn sie nicht bleiben, waren sie nicht wahrhaftige Jünger. Und diesen gleichen Leuten sagt er dann in Vers 44: Ihr seid aus dem Vater, dem Teufel, und die Begierden eures Vaters wollt ihr tun. Das sind Kinder des Teufels, keine Kinder Gottes.
Die Menschheit wird in der Bibel mit scharfem Messer, mit dem Schwert, eingeteilt in Kinder Gottes und Kinder des Teufels.
Kinder Gottes, Kinder des Teufels und das Beharren der Wiedergeborenen
Und so finden wir noch eine Stelle dazu: 1. Johannes 3,8. Wer die Sünde tut, ist aus dem Teufel; denn der Teufel sündigt von Anfang an. Hierzu ist der Sohn Gottes geoffenbart worden, damit er die Werke des Teufels vernichte. Jeder, der aus Gott geboren ist, tut nicht Sünde; denn sein Same bleibt in ihm, und er kann nicht sündigen, weil er aus Gott geboren ist.
Hieran sind offenbar die Kinder Gottes und die Kinder des Teufels. Also hier wird zwischen Kindern Gottes und Kindern des Teufels unterschieden. Man kann also ein Kind des Teufels sein und an Christus glauben, Johannes 8, ja? Und nun: Was ist das? Wie kann man das unterscheiden? Gott weiß es ganz genau. Wie können Menschen den Unterschied sehen? Wie wird es erklärt? Hieran sind offenbar die Kinder Gottes und die Kinder des Teufels. Woran?
Nun, in Vers 8 heißt es: Wer die Sünde tut, ist aus dem Teufel. Da erschreckt doch jeder. Ja, wo sind die Christen, die nicht Sünde begehen? Nun, es ist ganz einfach. Johannes hat Griechisch geschrieben. Und die griechischen Verben haben die Eigenheit, dass man den Verlauf der Taten beschreibt. Es gibt eine Form, die beschreibt die Tat als etwas Fortdauerndes oder ständig Wiederholtes. Es gibt eine andere Form, die bezeichnet die Tat als eine Aktion, eine punktuelle Handlung. Und eine dritte Form bedeutet: Das ist der Resultativ. Eine Handlung in der Vergangenheit, und das Resultat hält an. Zum Beispiel, wenn es heißt in 1. Korinther 15: Christus ist auferstanden. Ja, er ist an einem bestimmten Punkt auferstanden, am dritten Tag, und jetzt lebt er und ist heute immer noch der Lebendige. Also, das ist der Resultativ. Dann haben wir den Punktualen, und dann haben wir den Durativen, das Fortdauernde.
Und hier ist es so: Wer fortdauernd Sünde tut, also in der Sünde lebt, ist aus dem Teufel; denn der Teufel sündigt von Anfang an. Und dann Vers 9: Jeder, der aus Gott geboren ist, als vollendete Tatsache, die jetzt da ist, tut nicht fortdauernd Sünde; denn sein Same bleibt in ihm, und er kann nicht fortdauernd sündigen, weil er aus Gott geboren ist.
Also, es geht darum: Wenn jemand in der Sünde verharrt und nicht bereit ist umzukehren, dann haben wir keinen Grund mehr anzunehmen, dass jemand wiedergeboren war. Denn der Wiedergeborene hasst die Sünde. Er kann aber Sünde begehen, und das ist auch die Realität. Das haben wir in 1. Johannes 2,1: Meine Kinder, ich schreibe euch dieses, auf dass ihr nicht sündigt, will sagen, damit ihr nicht Sünde begeht, als punktuelle Handlung. Und wenn jemand sündigt, punktuell Sünde begeht, als Gläubiger, haben wir einen Sachwalter bei dem Vater, Jesus Christus den Gerechten, und er ist die Sühnung für unsere Sünden.
Also begeht der Gläubige Sünde, der wiedergeborene Gläubige, ja. Aber er lebt nicht in der Sünde, sondern ist bereit umzukehren. Und das ist das Entscheidende: dass wir bußfertig sind, dass wir bereit sind umzukehren und wieder aufzustehen und uns ganz neu auf das Wort Gottes auszurichten.
Die Bewahrung durch Gottes Macht und die Gewissheit des Heils
Aber wie schaffen wir das bis zum Schluss? Und da ist es wichtig, dass wir die, die wiedergeboren sind, von Gott die Gabe des Beharrens bekommen.
1. Petrus 1,3: Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der nach seiner großen Barmherzigkeit uns wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi aus den Toten.
Also, da geht es ganz klar um Wiedergeborene. Der Text sagt das ausdrücklich. Es heißt nicht einfach nur, wir seien gläubig, sondern: Wiedergeboren zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi aus den Toten, zu einem unverweslichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbteil, welches in den Himmeln aufbewahrt ist für euch, die ihr durch Gottes Macht durch Glauben oder mittels des Glaubens bewahrt werdet zur Errettung, die bereit ist, in der letzten Zeit geoffenbart zu werden.
Die Wiedergeborenen dürfen wissen: Da ist Gottes Macht. Und Gottes Macht bewahrt, dass wir das Ende auch erreichen.
Und hier in Kolosser 1 sehen wir: Die wahren Gläubigen, die wahren wiedergeborenen Gläubigen, die Kinder Gottes, kann man sagen, erweisen sich dadurch, dass sie versöhnt worden sind und bleiben.
Kolosser 1,23: wenn ihr nämlich im Glauben gegründet und festbleibt und euch nicht abbringen lasst von der Hoffnung des Evangeliums, das ihr gehört habt, das verkündigt worden ist in der ganzen Schöpfung, die unter dem Himmel ist, und dessen Diener ich, Paulus, geworden bin.
Noch ein Punkt: Hebräer 3.
Hebräer 3,14: Denn wir sind Genossen des Christus geworden, wenn wir wirklich den Anfang der Zuversicht bis zum Ende standhaft festhalten.
Also, wann sind wir Genossen des Christus geworden? In der Vergangenheit. Wir sind es in der Vergangenheit geworden, wenn wir wirklich die Zuversicht des Glaubens bis zum Ende standhaft festhalten. Und wenn wir es nicht tun bis zum Ende, dann waren wir nie Genossen des Christus. Das ist die Logik.
Es heißt hier nicht: Wir sind Genossen des Christus, aber wenn wir es nicht bis zum Ende festhalten, dann sind wir es nicht mehr. Nein, dann waren wir es nie. Wir sind Genossen des Christus geworden, wenn wir bis zum Ende festhalten.
Wem das nicht reicht, der nehme noch Kapitel 3, Vers 6 dazu:
Christus aber als Sohn über sein Haus, dessen Haus wir sind, wenn wir die Freimütigkeit und den Ruhm der Hoffnung bis zum Ende standhaft festhalten.
Christus ist der Sohn über das Tempelhaus der Gemeinde, Sohn über sein Haus. Und dann wird hinzugefügt: Wir sind sein Haus.
Wir Gläubigen aber, der Text geht weiter, wenn wir wirklich die Freimütigkeit und den Ruhm der Hoffnung bis zum Ende standhaft festhalten. Ja, und wenn wir das nicht tun bis zum Ende, dann sind wir aber nicht sein Haus. Wir sind nur sein Haus, wenn wir den Glauben bis zum Schluss festhalten. Aber nicht so, dass wir sein Haus sind und wenn wir nicht bis zum Ende festhalten, dann sind wir nicht mehr sein Haus. Nein, dann waren wir nie sein Haus. Das ist die Logik des Textes.
Und das ist ja wunderbar. Es ist also Gottes Macht, die den Wiedergeborenen bewahrt. Sonst müssten wir verzweifeln, wir sind so unbeständig, so wankelmütig. Aber wenn wir wiedergeboren sind, dann bewahrt uns Gott.
Das hat auch schon Augustin gelehrt. Er hat manche falsche Dinge gelehrt, aber Augustin hat ganz schön gelehrt: Die Gabe des Beharrens gibt Gott den Auserwählten. Da sind die wirklich Wiedergeborenen gemeint.
Übrigens, wer denkt: Ja, vielleicht bin ich wiedergeboren, aber in zehn Jahren hört dann mein Glaube auf und dann gehe ich wieder verloren, weil ich mich schließlich in zehn Jahren anders entscheiden kann. Ich kann doch sagen: Jetzt will ich nicht mehr. Ja gut, und wie ist es dann in zehntausend Jahren?
Es gibt das schöne Lied Amazing Grace, erstaunliche Gnade. Und dann heißt es doch sehr ungewöhnlich in einem Lied: Und wenn dann zehntausend Jahre vergangen sind. Ja, da wird über die Ewigkeit gesprochen. Glauben wir, dass es dann immer wieder einen Abfall gibt? Und dass die Erlösten immer wieder in die Hölle kommen können? Nach einer Million Jahren, nach zwei Milliarden Jahren? Diese Aussicht ist grauenhaft.
Ich habe überhaupt keine Gewissheit des Heils, denn ich kann in zwei Milliarden Jahren vielleicht doch noch abfallen. Denn ich habe ja immer noch meinen Willen. Oder hört der Wille auf, in der Ewigkeit? Und wir haben nur jetzt: Nein, Gott will nicht.
Gott will nicht von Marionetten angebetet werden, sondern von Menschen, die sich wirklich unter Gottes Willen gebeugt haben, aber weil sie Gott dienen wollen, ihm gehören wollen.
Also ist es nur die bewahrende Macht Gottes, die uns im Leben heute, aber auch in alle Ewigkeit festhalten wird in der Rettung.
Der Dienst des Apostels Paulus und das Geheimnis Christi
So, das zu Kolosse. I.
Wir gehen zurück zum Text. Also, wir haben bis Vers 23 die Erhabenheit Christi als Gott und Mensch, als Schöpfer, als Erhalter und auch als Erlöser und Versöhner. Und nun kommt ein neuer Unterabschnitt: Der Dienst des Apostels Paulus. 1,24 bis 2,3.
Auch euch, die ihr einst entfremdet ... Nein, Vers 24: Jetzt freue ich mich in meinen Leiden, die ich um euretwillen erleide, und ich erfülle meinerseits in meinem Fleisch, was noch an Bedrängnissen des Christus aussteht, um seines Leibes willen, welcher die Gemeinde ist.
Das hat also nichts zu tun mit dem Fegefeuer. Paulus wird hier nicht als Kronzeuge für die Lehre des Fegefeuers in der katholischen Kirche herangeführt. Paulus muss jetzt noch Leiden ergänzen, und das gehört quasi mit zur Erlösung, was noch an Bedrängnissen oder Leiden des Christus aussteht, um seines Leibes willen.
Aber das bedeutet nichts anderes, als dass Paulus als Gläubiger Leiden im Dienst ertragen muss. Und Gott hat für seine Gemeinde hier auf Erden ein ganz bestimmtes Maß von Leiden festgelegt, das nie überschritten werden kann. Paulus hat ein Maß, einen Teil von diesem Maß, das Gott festgelegt hat, persönlich an Leiden durchmachen müssen im Dienst für Christus. Das hat aber nichts zu tun mit Miterlöserschaft, als hätte der Mensch irgendwie Anteil am Leiden Christi und müsste damit leiden in der Erlösung.
Vers 25: Es geht um die Gemeinde, deren Diener ich geworden bin, gemäß der Haushalterschaft, die mir von Gott für euch gegeben ist, dass ich das Wort Gottes vollenden soll oder, in der alten Elberfelder, auf das Vollmaß bringen soll. Nämlich das Geheimnis, das verborgen war, seitdem es Weltzeiten und Geschlechter gibt, nun aber seinen Heiligen offenbar gemacht worden ist.
Ihnen wollte Gott bekannt machen, was der Reichtum der Herrlichkeit dieses Geheimnisses unter den Heiden ist, nämlich Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit. Ihn verkündigen wir, indem wir jeden Menschen ermahnen und jeden Menschen lehren in aller Weisheit, um jeden Menschen vollkommen in Christus darzustellen, in Christus Jesus darzustellen.
Dafür arbeite und ringe ich auch gemäß seiner wirksamen Kraft, die in mir wirkt mit Macht. Ich will aber, dass ihr wisst, welch großen Kampf ich habe um euch und um die in Laodizea und um alle, die mich nicht von Angesicht gesehen haben, damit ihre Herzen ermahnt, in Liebe zusammengeschlossen und mit völliger Gewissheit im Verständnis bereichert werden, zur Erkenntnis des Geheimnisses Gottes, des Vaters und des Christus, in welchem alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis verborgen sind.
Geheimnisse des Neuen Testaments und die Antwort auf mystische Irrlehren
Also spricht Paulus hier über seinen Dienst, und er sagt, dass es in diesem Dienst darum geht, das Wort Gottes zur Vollendung zu bringen. Paulus hatte also den Auftrag, ganz wesentlich an der Vollendung des geschriebenen Wortes mitzuwirken. Er hat im Neuen Testament vierzehn Briefe geschrieben, wenn man den Hebräerbrief dazuzählt.
Und da schreibt er über das Thema Geheimnis auf Seite zwei, und die Besonderheiten des vierten letzten Punktes. Da haben wir das Geheimnis: Christus in euch, 1. Korinther 1,27. Und in diesem Geheimnis Gottes und des Christus sind alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis verborgen.
Ich habe hier eine Fußnote bei „das Geheimnis“. Was ist ein Geheimnis? Das ist eine Wahrheit, die im Alten Testament verborgen war und erst im Neuen Testament geoffenbart wurde. Hier haben wir ja in Kolosser 1,27 gesehen: Dieses Geheimnis war in den früheren Zeitaltern und in den früheren Generationen verborgen, und jetzt ist es geoffenbart worden.
Also sind Geheimnisse im Neuen Testament Wahrheiten, die wir im Alten Testament vergeblich suchen, weil Gott sie geheim gehalten hat. Und erst im Neuen Testament, mit dem Kommen des Erlösers und dann der Ausgießung des Heiligen Geistes, hat Gott diese Geheimnisse geoffenbart. Paulus hat in seinen Briefen ganze acht Geheimnisse mitgeteilt. In Fußnote neun habe ich diese acht zusammengestellt.
Erstens: das Geheimnis der Vollzahl aus den Nationen, Römer 11,25.
Zweitens: das Geheimnis der Verwandlung, 1. Korinther 15,51.
Drittens: das Geheimnis seines Willens, Epheser 1,9.
Viertens: das Geheimnis der Einverleibung der Nationen, Epheser 3,4.
Fünftens: das Geheimnis der Frau des Christus, Epheser 5,32.
Sechstens: das Geheimnis Christus in euch, Kolosser 1,25-26.
Siebtens: das Geheimnis der Gottseligkeit, 1. Timotheus 3,16.
Und das Geheimnis der Gesetzlosigkeit, 2. Thessalonicher 2,7.
Ein geheimnisvolles Thema, ja? Also, das sind alles Dinge, die im Alten Testament verborgen waren und jetzt geoffenbart worden sind. Und Paulus hat im Neuen Testament in seinen Briefen am meisten von diesen Geheimnissen geoffenbart.
So sollte er das Wort Gottes ganz wesentlich zur Vollendung bringen. Nach ihm kam dann noch wenig dazu, zum Beispiel der Judasbrief. Die Offenbarung wurde später geschrieben, aber er hat die Offenbarung Gottes ganz wesentlich zur Vollendung gebracht. Und nun ist die Bibel abgeschlossen mit Offenbarung 22. Wer da noch etwas hinzufügt, dem wird Gott die Plagen hinzufügen; wer etwas wegnimmt, dem wird Gott seinen Teil wegnehmen.
Die Gefahr von Philosophie und Gesetzlichkeit
Und warum diese Betonung der Geheimnisse? Diese Irrlehrer waren mystische Irrlehrer, die den Kolossern beibringen wollten: Es ist gut, ihr seid bekehrt, aber jetzt müsst ihr in eine höhere Sphäre kommen, gelangen. Jetzt müsst ihr noch in weitere Dinge eingeweiht werden, von denen ihr vorher noch nichts wusstet.
Und jetzt sagt Paulus: Was erzählen die von Geheimnissen? Wir haben schon längst die Geheimnisse Gottes. Sie sind geoffenbart, und für die Gläubigen, für die Heiligen, sind sie jetzt offenbart worden. Früher waren sie verborgen. Wir wissen schon längst um die Geheimnisse Gottes. Wir müssen nicht noch in eine höhere Sphäre kommen, keine höheren Erfahrungen machen. Wir haben alles durch die Offenbarung im geschriebenen Wort Gottes.
Was uns vielleicht auffällt: Im Kolosserbrief wird die falsche Lehre nicht so ausführlich beschrieben. Vieles enthält Anspielungen auf die falsche Lehre, aber der Akzent liegt auf dem Richtigen. Das ist auch noch eine wichtige Belehrung: Die Hauptsache unserer Verkündigung darf nicht das Ausmalen, das Erklären, das Vorstellen des Irrtums sein. Das ist auch wichtig. Aber die Hauptsache muss die Darstellung des Richtigen sein, sodass dieses dann den Irrtum erschlägt.
Und so zeigt Paulus: Das brauchen wir nicht, wir haben all die Geheimnisse schon längst. Und in diesen Geheimnissen sind alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis verborgen. Wenn wir diese Geheimnisse wirklich erfassen, dann erfassen wir auch das Alte und das Neue Testament im richtigen Vollmaß. Denn das war im Alten Testament nicht in dieser Weise enthalten. Darum kann ein Jude mit dem Alten Testament allein nie den Ratschluss Gottes erfassen, weil er diese Geheimnisse noch nicht hat. Aber wir haben sie neutestamentlich, und so kommen wir zur vollen Offenbarung Gottes in der Heiligen Schrift.
Die Ordnung der Gemeinde und die Warnung vor Verführung
Jetzt fährt Paulus weiter in 2,4. Ich sage aber das, auf dass niemand euch verführe durch überredende Worte.
Denn wenn ich auch dem Fleisch nach abwesend bin, so bin ich doch im Geist bei euch. Ich freue mich und sehe eure Ordnung und die Festigkeit eures Glaubens an Christus.
Merkt mir: Er sagt, ich spreche über diese Dinge im Blick auf die, die euch verführen, damit ihr da nicht hineinfallt. Und was eigentlich noch erschütternder ist: In Vers 5 sagt er dann plötzlich, so im Geist sehe ich eure Ordnung in der Gemeinde in Kolosse. Also äußerlich sah die ganze Gemeinde sehr ordentlich aus, und trotzdem war sie in Gefahr, ganz katastrophal verführt zu werden.
Und das zeigt: Eine chaotische Gemeinde ist sowieso gefährdet für die Verführung, das ist klar. Aber es kann sogar sehr geordnet zu und her gehen, und trotzdem ist man in der Gefahr, verführt zu werden. Also die äußere Ordnung ist noch nicht die Garantie, dass man dadurch nicht in die Verführung hineinfällt.
Das ist kein Wort gegen Ordnung. Gott ist nicht ein Gott der Unordnung, das lernen wir in 1. Korinther 14. Aber selbst wenn alles so geordnet aussieht, ist das noch kein Schutz, keine Garantie gegen den Irrtum.
Die Widerlegung der Irrlehre durch die Fülle in Christus
Jetzt gehen wir weiter. Nun sehen wir auf unserem Strukturplan den letzten Teil im ersten großen Abschnitt: die Lehre von der Erhabenheit des Sohnes Gottes, 1–2, nämlich die Widerlegung der Irrlehre in Kolosse 2,4-23.
In diesen weiteren Versen finden wir mehr Details über diese Irrlehre. Interessant ist aber: Er begann nicht mit der Darstellung des Irrtums. Er begann im ersten Kapitel mit der Darstellung der Wahrheit. Wer ist Jesus Christus? Wer ist dieser Erlöser? Und was beinhaltet unsere Erlösung?
Jetzt geht er auf den Irrtum ein und sagt in Kolosse 2,8: Seht zu, dass nicht jemand sei, der euch als Beute wegführe durch die Philosophie und durch eitlen Betrug nach der Überlieferung der Menschen, nach den Elementen der Welt und nicht nach Christus.
Hier wird von Philosophie gesprochen. Das zeigt, dass diese Irrlehre also griechisch-philosophische Elemente enthielt. Wir werden aber nachher noch sehen, dass sie gleichzeitig sehr jüdisch war. Geht das zusammen? Jawohl, das geht zusammen.
Es ist nämlich so: Die Handschriften von Qumran am Toten Meer haben eine jüdische Gemeinschaft ans Licht gebracht, die sehr streng gesetzestreu lebte, aber gleichzeitig viele verschiedene mystische Elemente aus der griechischen Philosophie enthielt. Das hängt damit zusammen, dass im zweiten Jahrhundert vor Christus Antiochus Epiphanes, dieser syrische König griechischer Kultur, in Israel gewütet hat. Er brachte einen unwahrscheinlichen Einfluss griechischer Ideen nach Israel.
Das hat sich in dieser Qumran-Gemeinschaft ausgewirkt, die sich dann in dieser Zeit abgesondert hat ans Tote Meer, vom übrigen Judentum getrennt. Aber sie haben viele dieser griechisch-mystischen Elemente mitgenommen. Später im Christentum geschieht das Gleiche wieder. In den frühen Jahrhunderten der Christenheit kamen sehr starke philosophische Elemente, besonders aus der Lehre Platons, ins Christentum hinein: Verachtung des Irdischen, Verachtung der Materie, nur das Geistige, das Höhere ist gut, das Körperliche, und damit auch die Ehe, ist minderwertig.
All diese Gedanken kamen ins Christentum hinein und haben dann zum Mönchtum, zum Einsiedlertum usw. geführt. Aber das hat im Judentum schon früher gewirkt, und darum sind die Qumranleute eben ab dem zweiten Jahrhundert vor Christus solche Mönchsleute geworden. Also eine Mischung von Philosophie und jüdischen Gesetzen.
Und da wird ganz eindringlich gewarnt: Das ist eitler Betrug. Das geht auf die Überlieferung der Menschen zurück, nach den Elementen oder Denkgrundsätzen der Welt, und es ist nicht christusgemäß.
Vollendet in Christus und frei von menschlichen Satzungen
Dann wird der Gegensatz deutlich gemacht, denn in ihm, dem Sohn Gottes, wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig. Und ihr seid vollendet in ihm.
In Christus haben wir alles. Und ihr, die ihr an ihn geglaubt habt und euch bekehrt habt, ihr seid vollendet in ihm. Ihr braucht keine höhere Einführung in eine höhere Stufe. Ihr seid bereit; das ist wieder abgeschlossen. Das ist bereits Vergangenheit: Ihr seid vollendet in ihm. In Christus haben wir alles, wir brauchen keine Einführung in höhere Stufen.
Aber dieser kurze Satz in Vers 9 nimmt das Ganze, was wir in Kapitel 1 gelernt haben, wieder auf. Jetzt wissen wir ja, wer er ist. Und in ihm haben wir alles, nicht in uns, alles in ihm.
Und so wird wieder gezeigt, was der Tod Christi für uns bedeutet. Ich lese noch Vers 14, wir machen ja eine Einführung und nicht eine Vers-für-Vers-Auslegung des Kolosserbriefs bis zum Schluss. Vers 13 am Schluss:
Indem er uns alle Vergehungen vergeben hat, als er die uns entgegenstehende Handschrift in Satzungen ausgetilgt hat, die gegen uns war, hat er sie auch aus der Mitte weggenommen, indem er sie an das Kreuz nagelte.
Da wird gesagt: Als Christus am Kreuz angenagelt war, da hat Gott uns alle Vergehungen vergeben, in der Vergangenheit. Ja, jetzt verstehe ich das ganz Entscheidende. Am Kreuz auf Golgatha hat der Herr Jesus unsere Schuld getragen. Wie viel von unserer Schuld? Ja, alle Schuld. Ja, bis zur Bekehrung? Nein, alle Schuld. Wir haben ja damals noch gar nicht gelebt.
Also hat Gott in seiner Allwissenheit unsere konkrete Schuld unseres Lebens, unsere Vergehungen, auf seinen Sohn gelegt und ihn so zu Sünde gemacht. Und er hat die Schuld unseres ganzen Lebens getragen, also die Schuld bis zur Bekehrung und auch die Vergehungen nach der Bekehrung bis zum Schluss, alle.
Also wenn es hier heißt: alle Vergehungen vergeben hat, dann ist es wichtig zu sehen, was das Wort alles hier bedeutet. Ich habe das schon einmal erklärt in einem anderen Zusammenhang, aber es ist ein so schönes Beispiel, dass es einem bleibt. In einem amerikanischen Gerichtsprozess musste das Wort „alles“ definiert werden, das Wort „all“. Da hat man erklärt: „The word all includes everything but includes nothing.“ Das Wort „alles“ schließt jedes Ding ein und schließt kein Ding aus.
Das heißt, der Herr Jesus ist am Kreuz für jede Sünde meines ganzen Lebens von neunzehnhundertfünfzig bis heute gestorben und hat die Strafe dafür getragen. Und jetzt weiß ich, dass Gott mich nicht mehr richten wird, denn Gott wird ja nach Offenbarung 20 die Menschen nach ihren Taten richten. Aber Gott ist gerecht. Er bestraft keine Tat zweimal: nicht an seinem Sohn und dann auch noch an mir.
Das Opfer Christi und die Frage nach dem Umfang der Sünde
Ja gut, da kann jemand sagen: Aber halt, halt, halt, halt, es werden doch Menschen verloren gehen. Natürlich, die Bibel bezeugt die ewige Pein, das ewige Gericht. Ohne Ende!
Ja, aber Christus hat doch die Sünden aller Menschen getragen. Wieso kann Gott diese Menschen dann in der Ewigkeit noch nach ihren Taten richten? Wo steht in der Bibel, dass der Herr Jesus die Sünden aller Menschen getragen hat? Es steht gar nicht.
In Hebräer 9,28 heißt es: Also wird auch der Christus, nachdem er einmal geopfert worden ist, um vieler Sünden zu tragen, zum zweiten Mal denen, die ihn erwarten, ohne Sünde erscheinen zur Seligkeit. Da steht: um vieler Sünden zu tragen, nicht aller.
In Jesaja 53, in diesem fundamentalen Kapitel über den verheißenden Erlöser im Alten Testament, steht am Schluss, Jesaja 53,12 in der Mitte, dass er seine Seele ausgeschüttet hat in den Tod und den Übertretern beigezählt worden ist. Er aber hat die Sünde vieler getragen und für die Übertreter Fürbitte getan. Wieder: vieler, nicht aller.
Nun, Gott will, dass alle Menschen gerettet werden, 1. Timotheus 2,4, und Gott hat die Welt geliebt und seinen Sohn gegeben, Johannes 3,16. Also hat Gott seinen Sohn in diese Welt geschickt im Blick auf jeden Menschen. Und er wollte das Heil für jeden Menschen.
Aber da Jesus dann am Kreuz in den drei Stunden der Finsternis konkret von Gott mit fremder Schuld beladen wurde, hat Gott in seiner Allwissenheit, weil er Raum und Zeit nicht unterworfen ist, die Sünden von all denen, die im Alten Testament zur wahren Bekehrung gekommen sind, und von allen, die je zur Bekehrung kommen würden, auf seinen Sohn gelegt und ihn dafür gerichtet. Und so hat er die Sünden vieler getragen.
Nun, entweder hat der Herr alle meine Schuld getragen, und dann bin ich ewig errettet, oder er hat keine Schuld getragen, dann gehe ich verloren. Aber dann bin ich selber schuld, weil Gott jeden Menschen nach Römer 2,4 zu sich zieht. Und nach unserer eigenen Störrigkeit laden wir uns Gottes Sohn im Moment noch mehr auf.
Also: Gottes Liebe ist im Blick auf alle Menschen, aber in Gottes Allwissenheit sind die Sünden nur derer, die erlöst werden, auf Christus gelegt worden in den drei Stunden der Finsternis.
Aber der wirklich Bekehrte darf jetzt wissen: indem er alle unsere Vergehungen vergeben hat, ist vor fast zweitausend Jahren die Schuld meines Lebens ausgetilgt worden. Und wenn ich das jetzt weiß, bringt mich das nicht dazu, dass ich sagen kann: Jetzt lebe ich so, wie ich will. Will ich gar nicht. Ein Wiedergeborener sagt nicht so etwas. Ein Wiedergeborener hasst die Sünde und weiß, was das für Christus bedeutet hat, als er von Gott getrennt war. Das ist so verwerflich und übel, eine solche Sprache.
Aber wenn ich das sehe, dann muss ich nie mehr Depression bekommen im Blick auf meine Schuld. Man wird wirklich im Gewissen vollkommen frei: alle Vergehungen vergeben, damals, als gewissermaßen das Gesetz, das gegen mich stand, diese Handschrift ans Kreuz genagelt wurde. Und da hat Christus in seinem Werk alle finsteren Mächte besiegt.
Der Triumph Christi über die Mächte und die Freiheit von Gesetzlichkeit
Vers 15: Als er die Fürstentümer und Gewalten völlig entwaffnet hatte, stellte er sie öffentlich zur Schau, indem er durch dasselbe über sie einen Triumph hielt. Gottes Triumph in der Erlösung: Alle Vergehungen sind vergeben, und alle finsteren Mächte sind total besiegt und zur Schau gestellt worden. So völlig ist der Sieg Christi.
Jetzt gehen wir weiter zu Vers 16, Kolosser 2,16: So lasst euch von niemand richten wegen Speise oder Trank oder wegen bestimmter Feiertage oder Neumondfeste oder Sabbate, die doch nur ein Schatten der Dinge sind, die kommen sollen, wovon aber Christus das Wesen hat.
Hier wird also gesagt: Wenn jetzt jemand zu euch kommt und sagt, ihr müsst jüdische Feste und den Sabbat halten, und wenn ihr das nicht macht, sagt er, ihr macht etwas falsch, das müsstet ihr, das sind doch Feste Gottes. Jawohl, Feste Gottes für Israel, aber nicht für die Gemeinde. Und darum sagt der Kolosserbrief: Lasst euch also von niemandem verurteilen im Blick auf Speise. Wenn ihr Schweinefleisch esst, na gut, ob das gesund ist oder nicht, das ist eine andere Frage. Aber aus religiösen Gründen Schweinefleisch nicht essen, das ist nicht mehr nötig. Niemand kann euch im Blick auf die Speisegebote, die Israel gegeben waren, verurteilen.
Trank, bestimmte Feiertage, Neumondfeste, Sabbate: Nichts davon. Das Neue Testament lehrt nichts vom Sabbat halten für die Gemeinde. Das war ein Zeichen für Gott in Verbindung mit Israel, ja. Aber der Apostel Paulus hat doch diese Feste gefeiert und wollte noch zum Pfingstfest in Jerusalem sein. Und er hat Timotheus beschnitten. Ja, das erklärt er ja in 1. Korinther 9, warum er das macht, 1. Korinther 9,19: Denn wiewohl ich von allen frei bin, habe ich mich allen zum Sklaven gemacht, damit ich so viele wie möglich gewinne. Und ich bin ein Jude geworden wie ein Jude, auf dass ich die Juden gewinne; denen, die unter Gesetz sind, wie unter Gesetz, wiewohl ich selbst nicht unter Gesetz bin; auf dass ich die, welche unter Gesetz sind, gewinne; denen, die ohne Gesetz sind, wie ohne Gesetz, wiewohl ich nicht ohne Gesetz vor Gott bin, sondern Christus gesetzmäßig unterworfen; auf dass ich die, welche ohne Gesetz sind, gewinne. Den Schwachen bin ich geworden wie schwach usw. Vers 23: Ich tue aber alles um des Evangeliums willen, auf dass ich mit ihm teilhaben möge.
Also Paulus hat als Jude weiterhin die Gebote des Gesetzes von Sinai beobachtet und solche Feste gefeiert, weil er Jude war. Das war kein Problem. Aber das hat er gemacht, um die Juden für das Evangelium zu gewinnen. Denn das muss man wissen, wenn man mit Juden zu tun hat: Die größte Angst, die ein Jude hat, wenn man mit ihm über das Evangelium spricht, ist, er könnte seine Identität verlieren. Das ist eine tiefsitzende Angst. Und wenn nun messianische Juden in Israel jüdische Feste feiern, um ihren Volksgenossen die Angst zu nehmen, dass sie, wenn sie an Christus glauben würden, nicht den Glauben ihrer Vorfahren einfach über Bord werfen, denn sie kommen ja zur Erfüllung des Glaubens ihrer Vorfahren, dann kann das so eine Hilfe sein.
Aber die Gemeinde steht nicht unter dem Gesetz von Sinai. Und wenn messianische Juden das tun, im Blick auf die noch nicht erretteten Juden, dann ist das eine Sache. Aber der Galaterbrief macht ganz klar: Wehe, wenn man Menschen ohne jüdischen Hintergrund hineinzieht. Dann muss man diesen schärfsten Brief des Paulus lesen. Das geht nicht. Und da müssen wir ganz klar die Linie ziehen, und da hilft auch der Kolosserbrief, der das deutlich macht.
Die letzte Warnung vor menschlichen Satzungen
Und dann wird eben diese Irrlehre noch weiter beschrieben, in Vers 18: Lasst niemand euch um den Kampfpreis bringen, der seinen eigenen Willen tut, in Niedrigkeit oder in Demut und Anbetung der Engel, indem er auf Dinge eingeht, die er nicht gesehen hat, heiterweise aufgeblasen.
Also, die wollten da mit der unsichtbaren Welt zu tun haben. Herr Paulus sagt: Die haben sie ja nicht einmal gesehen, und die tun so, als wären sie demütig, aber in Wirklichkeit sind sie tief aufgeblasen und meinen, sie wüssten mehr als die anderen.
Und in Vers 20: Wenn ihr mit Christus den Elementen der Welt gestorben seid, was unterwerft ihr euch Satzungen, als lebtet ihr noch in der Welt?
Und jetzt zitiert er diese Irrlehre und ihre Leitsätze: Berühre nicht, koste nicht, betaste nicht. Also, sie wollten auch solche Verunreinigungsgesetze aus dem Alten Testament den Christen auferlegen, die nur für Israel waren. Berühre nicht, koste nicht, betaste nicht, Dinge, welche alle zur Zerstörung bestimmt sind durch den Gebrauch nach den Geboten und Lehren der Menschen.
Welche zwar einen Schein von Weisheit haben in eigenwilligem Gottesdienst und in Demut und im Nichtverschonen des Leibes, also als Käse und nicht in einer gewissen Ehre zur Befriedigung des Fleisches.
Also, Paulus nimmt diese Lehren auf und sagt: Was habt ihr eigentlich mit dem alles noch zu tun? Ihr seid doch mit Christus gestorben. Was heißt das?
Ja, wenn ich wirklich glaube, der Herr ist für mich und die Schuld meines Lebens gestorben, dann bin ich eigentlich vor Gott ein Gestorbener. Das ganze alte Leben ist vorbei. Ich bin auch mit Christus auferweckt, das ist eine andere Seite, aber ich bin gestorben.
Nun, wenn ich gestorben bin und jetzt kommen die mit diesen Irrlehren und Philosophien und judaisierenden gesetzlichen Lehren, wenn ich gestorben bin, wie reagiere ich darauf? Gar nicht. Das ist wie wenn man eine Flasche Whisky auf das Grab legt von einem ehemaligen Alkoholiker, der reagiert kein bisschen. Wir sind tot, mit dem haben wir nichts mehr zu tun. Tschüss, und nicht mal Tschüss, gar nichts.
Das neue Leben des Christen und die praktische Konsequenz
Und dann kommt nun die Schlussfolgerung in Kapitel 3: Wenn ihr nun mit Christus auferweckt worden seid, so sucht, was droben ist. Nun können wir abschließen.
Verse 1 bis 17 beschreiben das neue Leben des Christen mit ganz konkreten Befehlen: nicht du sollst, sondern sucht, tötet, legt ab. Dann Kapitel 3, Vers 18 bis 4,1: der Christ in Ehe, Familie und Arbeit. Keine entrückten Menschen, die in höhere Sphären entrückt sind, sondern ganz konkret Menschen, die mit Gottes Hilfe eine Ehe führen möchten, die Gott ehrt, eine Familie haben möchten, die Gott ehrt, alles mit Gottes Hilfe, und auch in der Arbeit sich so verhalten wollen, dass sie Gott ehren.
Dann kommt der letzte Punkt: Kapitel 4, Vers 2 bis 18, abschließende Ermahnungen und Grüße. Das klingt so wenig sagend, aber das ist eine Fundgrube, diese Grüße. Und ich möchte nur, weil wir mit der Zeit eigentlich durch sind, noch die große Überraschung in diesem Brief zeigen. Vielleicht noch eine kleine Perle daraus: Vers 14: Es grüßt euch Lukas, der hochberühmte Arzt. Nein, so steht es nicht, oder? Es grüßt euch Lukas, der geliebte Arzt. Lukas war Arzt, aber nicht, um eine Karriere zu seiner Ehre zu machen. Jeder soll in dem, in dem Gott ihn berufen hat, treu sein. Er war der geliebte Arzt. Das genügt, oder? Und so sollen wir auch in dem, was wir sind, eben Geliebte sein. Also wunderbar, dieses Beispiel von Lukas.
Und dann muss man sich vorstellen: Es wurde so vorgelesen in Kolossä, alle hören zu in der Gemeinde, und plötzlich zum Schluss, Vers 17, Vers 16: Und wenn der Brief bei euch gelesen ist, so macht, dass er auch in der Versammlung der Laodizeer gelesen werde, und dass auch ihr den aus Laodizea leset. Und sagt Archippus: „Siehe auf den Dienst, den du im Herrn empfangen hast, dass du ihn erfüllst.“ Der wird wohl zusammengezuckt sein. Plötzlich kommt noch sein Name, Archippus, aus allen in Kolossä noch eine Spezialermahnung. Du hast eine Aufgabe, jetzt musst du schauen, dass du die Aufgabe zu Ende bringst.
Und dann kommt der Gruß mit Paulus’ eigener Hand. Also Vers 18: Paulus hat nicht mehr diktiert, sondern eigenhändig geschrieben. Ich habe das auf dem Blatt aufgeführt bei den Besonderheiten am Schluss. Das war das Zeichen in allen seinen Briefen nach 2. Thessalonicher 3,17, dass der Brief erkannt werden konnte als echter Paulusbrief, weil es gab auch Fälschungen, die kursierten.
Aber am Schluss noch diese Überraschung: Archippus, ein ganz persönlicher Aufruf, den jeder für sich persönlich reden kann, so zum Schluss, dem Herrn treu zu dienen, bis zum Schluss. Ja, dann sind wir am Ende für heute.
Vielen Dank an Roger Liebi, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
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