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Einführung in den Römerbrief

Römer 1,1-16,2707.03.2009
 Römer 1–8 stellt die unbequeme Frage: Wie kann ein schuldiger Mensch vor Gott bestehen? Die Antwort ist radikal: nicht durch Leistung, sondern nur durch Gnade und Glauben.

Einführung in den Römerbrief und seine große Linie

Heute Nachmittag wollen wir uns im Sinne einer Einführung mit dem Römerbrief beschäftigen.
Der Römerbrief ist eine umfassende Darstellung der Bedeutung des Kreuzestodes des Herrn Jesus im Blick auf die Menschen aus allen Völkern der Welt. Er zeigt in Teil Römisch I zunächst, dass sowohl die Nichtjuden als auch die Juden ohne Ausnahme vor Gott schuldig sind. Im Anschluss daran wird die Befreiung von der Sündenlast und der Macht der Sünde im Menschen eindrücklich vor Augen gemalt. Das finden wir in den Kapiteln 1 bis 8.
Obwohl Nichtjuden und Juden ohne Unterschied als Sünder vor Gott stehen, hat Israel als irdisches Volk Gottes dennoch eine Sonderstellung auf dieser Erde. Genau deshalb wird in Teil Römisch II ausführlich über Gottes Plan mit Israel gesprochen. Das sind die Kapitel 9 bis 11.
Der Schluss, das wäre dann Teil Römisch III, zeigt, welche praktischen Auswirkungen die Erlösung im alltäglichen Leben des Gläubigen hat beziehungsweise haben muss. Das ist dann das Thema der Kapitel 12 bis 16.
Wir fragen uns ja bei jedem Bibelbuch, bei dem wir eine Einführung machen im Rahmen der Bibelstudientage, nach Verfasser, Adressaten, Ort und Zeit der Abfassung. Denn das hilft uns, besser zu verstehen, was in einem bestimmten Bibelbuch vor uns gestellt wird. Und so fragen wir ganz nach Schema: Wer ist der Verfasser des Römerbriefes, wer sind die Adressaten?
Nun, das wird uns hier gleich am Anfang mitgeteilt. Ich lese aus Römer 1. Ab Vers 1:
Paulus, Knecht Jesu Christi, berufener Apostel, abgesondert zum Evangelium Gottes, welches er durch seine Propheten in heiligen Schriften zuvor verheißen hat, über seinen Sohn, der aus dem Samen Davids gekommen ist, dem Fleisch nach, und als Sohn Gottes in Kraft erwiesen, dem Geist der Heiligkeit nach, durch Totenauferstehung, Jesus Christus, unseren Herrn, durch welchen wir Gnade und Apostelamt empfangen haben für seinen Namen, zum Glaubensgehorsam unter allen Nationen, unter welchen auch ihr seid, Berufene Jesu Christi, allen Geliebten Gottes, berufenen Heiligen, die in Rom sind:
Gnade euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus.
Eine sehr feierliche, verschachtelte Einführung, die aber klar macht: Der Verfasser ist der Apostel Paulus, Römer 1,1, und die Adressaten sind die Gläubigen in Rom. Ich sage jetzt nicht die Gemeinde in Rom. Das ist hier nicht so gestanden. Beim Korintherbrief zum Beispiel, dort wird klar, dass es an die Ortsgemeinde von Korinth geht. Aber hier wird einfach gesagt: an die Heiligen in Rom.
Und wenn wir dann noch Kapitel 16 dazunehmen, wo in einem ganz ungewöhnlichen Schlusskapitel ganz viele persönliche Grüße weitergegeben werden, da erfahren wir, dass es eben mehr als eine Gemeinde gab in Rom. Und so können wir dann eben sagen: Die Adressaten sind die Gemeinden in Rom.
Schlagen wir mal auf Römer 16,5. Da sagt der Apostel Paulus, ich lese des Zusammenhangs wegen ab Vers 3:
Grüßt Priska und Aquila, meine Mitarbeiter in Christus Jesus, welche für mein Leben ihren eigenen Hals preisgegeben haben, denen nicht allein ich danke, sondern auch alle Gemeinden der Nationen, und die Versammlung oder die Gemeinde in ihrem Haus.
Also hier wird speziell von der Gemeinde in dem Privathaus von Priska und Aquila gesprochen. Aber dann in Vers 14 heißt es: Grüßt Asynkritus, Phlegon, Hermes, Patrobas, Hermas und die Brüder bei ihnen. Das ist offensichtlich wieder eine Gemeinde in Rom. Und dann gleich im Anschluss: Grüßt Philologus und Julia, Nereus und seine Schwester und Olympas und alle Heiligen bei ihnen. Das ist offensichtlich wieder eine Hausgemeinde, die da so erwähnt wird.
Mit anderen Worten: Offensichtlich kamen die Christen in Rom nicht an einem Ort zusammen, sondern in dieser damals bereits Millionenstadt. Es gab eben an verschiedenen Orten, man kann auch sagen in verschiedenen Quartieren, verschiedene Gemeinden. Wenn man zum Beispiel heute nach Kairo gehen würde und dann wollte man die Gemeinde in Kairo finden, ja, gut, was wäre das? Die Gemeinde? Da gibt es die koptische Kirche, die ist so tot und götzendienerisch wie die katholische Kirche, lassen wir das mal auf der Seite. Aber zum Beispiel würde man dort die sogenannten Brüdergemeinden aufsuchen, da findet man mindestens etwa sechzehn. Welche könnte jetzt sagen: Das ist die Gemeinde in Kairo? Das kann man nicht sagen. Man kann sprechen von den Heiligen in Kairo, und dann gibt es eben verschiedene Gemeinden am Ort.
Aber nun wichtig: Im Römerbrief war das natürlich nicht so. Bei Priska und Aquila, da war die eine Gemeinde, und dann bei Asynkritus, dort haben wir die Baptisten beieinander und so als abgetrennte Versammlungen. Nein, das waren einfach verschiedene Versammlungen, so wie es eben im ersten Jahrhundert eine Gemeinde gab in Ephesus, in Smyrna, in Thyatira. Aber die hatten auch untereinander Gemeinschaft und waren nicht irgendwie abgetrennt, sondern jede Gemeinde war gewissermaßen der Ausdruck des Leibes Christi an einem bestimmten Ort.
Aber wie ist das nun eben in großen Städten? Da geht es dann je nachdem eben nicht, dass alle Gläubigen an einem Ort zusammenkamen. Und deshalb gab es verschiedene Gemeinden. Aber wieder wichtig: Jede Gemeinde war für sich eine Ortsgemeinde, und es gab nicht quasi in Rom ein Zentralgremium aller Gemeinden, und die haben dann quasi die überörtlichen Belange beschlossen. Nein, in der Bibel ist immer jede Ortsgemeinde für sich verantwortlich, sagen wir zum Binden und Lösen nach Matthäus 18,15 und folgende. Da geht es im Zusammenhang um die Verantwortung des Ausschlusses aus der Gemeinde. Das ist nicht etwas, das übergemeindlich geregelt wird, sondern jede Gemeinde steht vor Gott und hat Autorität als Versammlung Gottes.
Nur das als Erklärung, warum ich nicht geschrieben habe: Adressaten die Gemeinde in Rom, sondern die Gemeinden. Ebenso, dass diese Gemeinden eben miteinander in voller Gemeinschaft standen. Genauso wie wir sehen, dass im Neuen Testament überhaupt die verschiedenen Ortsgemeinden eine Gemeinschaft untereinander hatten. So sagt der Apostel Paulus zum Beispiel im Kolosserbrief, dass sie auch diesen Brief aus Laodizea lesen sollten. Das war eine Nachbargemeinde. Übrigens sagt er nicht den Brief an Laodizea, sondern den Brief aus Laodizea. Und das war wohl der Epheserbrief, der von Ephesus nach Laodizea ging, und dann sollte er später eben auch zu den Ephesern kommen.
Aber das macht schon einmal klar, dass eben unter diesen Gemeinden eine Gemeinschaft und ein Austausch da war, obwohl dann jede Gemeinde ihre Verantwortung am Ort wahrnehmen musste.

Herkunft, Überbringung und Abfassungsort des Briefes

Nun, Frage nach Ort und Zeit der Abfassung.
Den Ort können wir schon aus dem Hinweis in Kapitel 16, Vers 1 erraten. Dort beginnt dieses ungewöhnliche, feierliche Grußkapitel mit: „Ich empfehle euch aber Phoebe, unsere Schwester, welche eine Dienerin der Gemeinde in Kenchreä ist, auf dass ihr sie in dem Herrn der Heiligen würdig aufnehmt und ihr beisteht in welcher Sache irgend sie euer bedarf; denn auch sie ist vielen ein Beistand gewesen, auch mir selbst.“
Hier empfiehlt Phoebe der Aufnahme in Rom. Sie wollte also offensichtlich von Kenchreä, einer Stadt in der Nachbarschaft von Korinth, aus Griechenland nach Italien, nach Rom, reisen. Paulus gibt einen Empfehlungsbrief mit. Damit macht er den Gläubigen in Rom klar: Wenn diese Frau kommt, dann ist das eine wirklich Gläubige, die treu dem Herrn dient, und ihr könnt sie wirklich aufnehmen. Es war also nicht so, dass Phoebe nach Rom ging und sagte: Hallo, ich bin da, wer bist du? Nein, die sollten wissen, wer das ist. Und sie sollten wissen: Diese Frau vertritt keine Irrlehren, diese Frau kann wirklich empfohlen werden und darf so aufgenommen werden.
Da sehen wir auch: Dieser Kontakt der Gemeinden vollzog sich auch in Empfehlungsschreiben. Wir haben übrigens noch ein weiteres Beispiel in der Apostelgeschichte. Da war Apollos in der Gemeinde in Ephesus, aber er wollte schließlich aufbrechen nach Korinth. Dann liest man in Apostelgeschichte 18,27: „Als er aber nach Achaia reisen wollte, schrieben die Brüder den Jüngern und ermahnten sie, ihn aufzunehmen; welcher, als er hinkam, den Glaubenden durch die Gnade sehr behilflich war, denn kräftig widerlegte er die Juden öffentlich, indem er durch die Schriften bewies, dass Jesus der Christus ist.“
Also: Die Brüder in Ephesus schrieben einen Empfehlungsbrief an Korinth, und dann kam Apollos. Er sagte nicht: Also, ich bin ein treuer Christ und ein sehr begabter Bibellehrer. Nein, die haben ihn empfohlen und auch zum Dienst empfohlen. Aber wie hätten die Korinther wissen sollen, wenn Apollos kam, dass das nicht ein Irrlehrer war? Sie hatten eine Garantie dadurch, dass die Epheser, die den Mann kannten, ihn empfehlen konnten. So galt für sie nicht einfach der Grundsatz: „Ein jeder prüfe sich selbst.“ Das ist selbstverständlich, jeder Gläubige muss sich selber prüfen, sagt uns 1. Korinther 11. Aber es gehört eben auch die Verantwortung der Gemeinde dazu, und darum haben sie Empfehlungsbriefe geschrieben.
So finden wir noch mehr Beispiele. Vielleicht möchte ich noch auf 2. Korinther 3 hinweisen. Da sagt der Apostel Paulus, der einige Kritiker in Korinth hatte, obwohl sie ja durch ihn zum Glauben gekommen waren und ihn ganz genau kannten. Er hat sie ja belehrt. Aber da gab es solche, die wollten eigentlich am liebsten, Paulus würde auch einen Empfehlungsbrief haben. Dann schreibt er in 2. Korinther 3,1: „Fangen wir wiederum an, uns selbst zu empfehlen? Oder bedürfen wir etwa, wie etliche, Empfehlungsbriefe an euch oder Empfehlungsbriefe von euch? Ihr seid unser Brief, eingeschrieben in unsere Herzen, gekannt und gelesen von allen Menschen, die ihr offenbar geworden seid, dass ihr ein Brief Christi seid, angefertigt durch unseren Dienst, geschrieben nicht mit Tinte, sondern mit dem Geist des lebendigen Gottes.“
Paulus sagt also: Wir brauchen doch keine Empfehlungsbriefe, ihr kennt uns. Und ich meine, ihr seid ja die Frucht unseres Werkes, also ihr seid quasi unsere Empfehlung. Ihr seid ein Brief Christi als Empfehlung, dass wir Diener des Herrn sind. Wir brauchen das nicht, wie andere das brauchen, die eben nicht bekannt waren wie der Apostel Paulus.
So erfahren wir noch mehr darüber, wie dieser Kontakt unter den Gemeinden eben über Empfehlungsbriefe auch zum Ausdruck kam, die Verbindung.
Nun, Paulus schreibt also im Römerbrief gerade einen Empfehlungsbrief für Phoebe an Rom. Das macht klar: Paulus muss also dort in dieser Gegend gewesen sein, denn Kenchreä ist da bei Korinth. Und wir erfahren dann noch mehr aus dem Römerbrief, Kapitel 16, Vers 23. Ich lese schon von Vers 22 an: „Ich, Tertius, der ich den Brief geschrieben habe, grüße euch im Herrn. Es grüßt euch Gajus, mein und der ganzen Gemeinde Wirt, es grüßen euch Erastus, der Stadtrentmeister, und der Bruder Quartus. Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus sei mit euch allen. Amen.“
Hier wird Gajus erwähnt, und das ist wohl derselbe Gajus, den Paulus schon in 1. Korinther 1,14 erwähnt. Dort sagt er, dass er niemanden von ihnen getauft habe, außer Christus und Gajus. Das war einmal in Korinth. So können wir ableiten, dass Paulus da in der Gegend von Korinth war, als er den Römerbrief schrieb. Darum konnte er gleich noch eine Empfehlung schreiben für die Frau aus Kenchreä, aus der Nachbargemeinde.
Das macht übrigens jetzt noch klar, dass wohl eben diese Phoebe auch die Überbringerin des Römerbriefs war, weil sie gerade sowieso nach Italien ging. Also: Diese Schwester Phoebe hat den Römerbrief nach Rom gebracht. Jetzt wissen wir auch gleich, wer unter dem Diktat des Paulus den Römerbrief verfasst hatte. Das war Tertius, wie wir in 16,22 gelesen haben. Paulus hat diktiert, das war üblich, und jemand hat geschrieben. Aber immer die Schlussworte in jedem Brief, die hat er eigenhändig geschrieben. Das möchte ich noch kurz zeigen aus dem Zweiten Thessalonicherbrief. 2. Thessalonicher 3,17, ganz am Schluss des Briefes, da sagt Paulus: „Der Gruß mit meiner, des Paulus, Hand, welches das Zeichen in jedem Briefe ist; so schreibe ich: Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus sei mit euch allen.“
Also: Während Paulus normalerweise diktiert hat, hat er immer in jedem Brief die Schlussworte eigenhändig geschrieben. Das war das Zeichen dafür, dass der Brief echt war, denn es gab schon damals Fälschungen. Das sehen wir aus 2. Thessalonicher 2. Da sagt Paulus den Thessalonichern, sie sollen sich nicht durcheinanderbringen lassen durch gefälschte Briefe. In Vers 2 steht, „dass ihr nicht schnell erschüttert werdet in der Gesinnung, noch erschreckt, weder durch Geist, noch durch Wort, noch durch Brief, als durch uns“.
Also: Sie sollen sich durch einen gefälschten Brief nicht durcheinanderbringen lassen. Und so war das natürlich ganz toll: Der Apostel Paulus hatte kurz nach der Bekehrung der Thessalonicher den ersten Thessalonicherbrief geschrieben, und dann kam ein Angriff von Irrlehrern auf die junge Gemeinde, und da haben sie mindestens einen gefälschten Brief bekommen. Jetzt schreibt Paulus den zweiten Thessalonicherbrief, und er sagt am Schluss: Das ist das Zeichen in jedem meiner Briefe, so schreibe ich. Jetzt konnten sie den ersten Thessalonicherbrief wieder hervorholen: Wow, es ist genau die gleiche Schrift. Also: Der erste Brief war echt, und der jetzt ist echt, und das zwischendurch war eine satanische Fälschung.
Von diesem gefälschten Brief ist bis heute nichts geblieben, nur die echten Paulusbriefe sind uns erhalten geblieben, weil man die nachweislich eben bestätigen konnte mit der Handschrift des Paulus. Es ist natürlich so: Diese Briefe waren wohl die Originale, alle auf Papyrus geschrieben worden. Zum Beispiel sagt Johannes im zweiten Johannesbrief, dass er mit Tinte und Papyrus schreibt. Papyrus ist weniger haltbar als zum Beispiel die Lederrolle, das Pergament. Und das Klima im Gebiet der heutigen Türkei, Griechenland, Italien ist zu wenig trocken, als dass man erwarten könnte, dass Papyrushandschriften zweitausend Jahre überleben würden. So sind diese Originale in den folgenden Jahrhunderten verloren gegangen, kaputtgegangen. Darum haben wir sie nicht mehr.
In Ägypten wäre es sehr gut möglich, dass Papyrushandschriften zweitausend Jahre und sogar viel mehr erhalten bleiben. Es gibt ja sogar von den alten Ägyptern noch Papyrusdokumente, die dreieinhalbtausend Jahre alt sind. Weil Ägypten so heiß und trocken ist, ist das möglich. Aber kein Originalbuch des Neuen Testaments wurde je nach Ägypten geschrieben oder geschickt. Darum muss man eben auch nicht erwarten, dass man in Ägypten die allerbesten Bibelhandschriften, Abschriften, finden würde, nicht wahr? Weil dorthin nie Originale kamen.
Wo man erwarten könnte, dass man ganz gute Abschriften findet, das sind schon Türkei, Griechenland, Italien. Interessant ist diese ganze Diskussion heute um Nestle-Aland-Text oder Mehrheitstext. Das ist ja eigentlich nichts anderes. Die Nestle-Aland-Leute, und das ist die Mehrheit an Bibelschulen und theologischen Ausbildungsstätten, sagen, der beste neutestamentliche Text ist eigentlich der Text, der auf diese alten ägyptischen Handschriften zurückgeht, die wir haben, wie die alten Papyri, die aus Ägypten erhalten sind. Man muss sagen: Das ist echt problematisch. In Ägypten hatte man nie Originale.
Aber der Mehrheitstext kommt eben aus den Gebieten von Türkei, Griechenland, Italien. Dort hatte man während Jahrhunderten wohl noch diese originalen Handschriften. Darum ist auch wichtig: Wenn man zum Beispiel heute noch ein Manuskript hat, sagen wir aus dem fünften Jahrhundert, wo man denkt: Oh, halbes Jahrtausend! Nein, ein Manuskript aus dem fünften Jahrhundert kann die direkte Abschrift sein vom Original, das damals noch vorhanden war unter den Gemeinden eben in der Türkei, in Griechenland oder eben beim Römerbrief in Italien. Man muss also nicht denken, ein Manuskript aus dem fünften Jahrhundert sei, sagen wir, zehnte oder zwanzigste Generation von Abschriften. Es kann sogar zweite Generation sein. Aber eben: In diesen Gebieten hatte man noch während Jahrhunderten die Originale als Korrektur. Wenn man eine Abschrift hatte, konnte man wieder einmal zu der Gemeinde gehen, sagen wir in Rom, wo sie noch den originalen Römerbrief hatten, und wieder einmal nachkontrollieren. Darum hat sich in diesen Gebieten ein so einheitlicher Text erhalten, der in manchen Details abweicht von dem Text, der so typisch ist für Ägypten.
Also: Das war ein kleiner Seitenhieb gegen diese ganze Nestle-Aland-Geschichte, aber nicht um zu stecheln, sondern um zu zeigen: Das sind natürlich Dinge, die man sich gut überlegen muss. Eben wenn es um diese Originale geht, die haben wir heute nicht mehr, weil zweitausend Jahre geht das nicht. Aber die waren, und das ist zu erwarten, während Jahrhunderten in diesen Ländern noch vorhanden und waren ständig ein Korrektiv. Und das erklärt, warum die große Masse der Handschriften, die wir haben, eine so klare Übereinstimmung bildet. Das ist der Mehrheitstext, also die große Mehrheit dieser Tausenden von griechischen Handschriften, die wir heute noch haben, im Gegensatz eben zu diesem Minderheitstext, auf den sich Nestle-Aland abstützt.
Ja, also das zu dem Schlusswort, jeweils von Paulus selbst geschrieben, nachdem das meiste diktiert war. Aber wir haben eine Ausnahme: Der Galaterbrief war ganz eigenhändig von Paulus geschrieben worden. Und zwar hatte er offensichtlich dort keinen Schreiber zur Verfügung, und das war ein Notruf, ein Notfallbrief, weil Paulus von der Gefahr hörte, dass die galatischen Christen vom wahren Glauben wegkommen durch Irrlehrer. Da musste er schnell den Galaterbrief schreiben. Das schreibt er tatsächlich in Galater 6,11: „Seht, mit welch großen Buchstaben ich euch geschrieben habe mit eigener Hand!“ Es gibt auch Übersetzungen, die haben hier: „Seht, welch einen langen Brief ich euch geschrieben habe mit eigener Hand!“ Sechs Kapitel sind ja nicht gerade lang im Vergleich zu den sechzehn Kapiteln des Römerbriefes. Es geht also nicht um die Länge. Der Galaterbrief ist ja im Vergleich zu den anderen Briefen nicht eben auffallend lang, aber er hat offensichtlich mit großen Buchstaben geschrieben, weil Paulus ein Augenproblem hatte. Davon schreibt er ja auch im Galaterbrief. Er sagt, wenn es möglich gewesen wäre, eine Transplantation mit den Augen zu machen, wärt ihr bereit gewesen, eure Augen mir zu geben. Das sagt er in Galater 4,15: „Was war denn eure Glückseligkeit? Denn ich gebe euch Zeugnis, dass ihr, wenn möglich, eure Augen ausgerissen und mir gegeben hättet.“
Also sagt er, wie früher, wie sie so eine positive Haltung zu ihm hatten. Und jetzt, seit die Irrlehrer gekommen sind, ist alles kaputtgegangen. Früher wären sie sogar bereit gewesen, ihm ihre Augen zu geben. Das zeigt: Er hatte ein Augenproblem. Darum war es wichtig, dass er eben Leute hatte, denen er diktieren konnte wie Tertius. Am Schluss hat er selbst geschrieben als Zeichen der Echtheit des Briefes, mit eigener Hand. Aber den Galaterbrief hat er mit großen Buchstaben wegen seiner Augen eigenhändig geschrieben. Das gibt diesem Brief noch ein besonderes Gepräge, also mit welcher Anstrengung Paulus diesen Brief geschrieben hat.
Übrigens, Tertius war das dritte Kind in der Familie. Die Römer waren ja nicht sehr fantasievoll, oft beim Namengeben. Es gab Kinder, die hießen Primus, das war der, der zuerst auf die Welt gekommen ist, dann kam der Secundus und dann der Tertius. Die hatten schon auch noch andere Namen, aber das war gar nicht so unüblich. Tertius war Nummer drei. Es gibt ja so psychologische Theorien, nicht wahr? Je nachdem, welches Kind man in der Familie ist, ist man ein ganz anderer Typ. Das erste Kind ist der Führer-Typ, der sich durchsetzt, und das ist auch dort, wo die Eltern am meisten Fehler machen. Die trainieren ja mit dem. Dann kommt der Secundus, der muss sich oft ein bisschen ducken, und vielleicht später beginnt er dann plötzlich so selbstbewusst zu werden. Und der Tertius, das ist ja sowieso der, der läuft so nebenbei. Dann gibt es eben solche psychologischen Richtungen, die sehr betonen: Ja, das prägt den Menschen. Und darum auch, wenn man dann erwachsen ist und immer das jüngste Kind der Familie war, ist man halt auch noch mit 70 immer noch ein bisschen das Kleine gegenüber den Geschwistern.
Ja, gut, solche Dinge spielen schon ein bisschen mit, aber das ist alles nicht wichtig. Jeder ist von Gott da hineingestellt worden, wie Gott es geplant hat. Und der Tertius, das war eben der Dritte. Aber Gott hat ihn gebraucht, um den Römerbrief zu schreiben. Wunderbar, er braucht kein Primus zu sein.
Und noch weiter erfahren wir über den Zeitpunkt der Abfassung, dass Paulus diesen Römerbrief offensichtlich auf dem Weg nach Jerusalem geschrieben hatte. Da wollte er die Kollekte, ich müsste besser sagen die Gabe, überbringen. Kollekte, das ist ja, wenn man zwanzig Rappen einwirft, oder? Das ist das, was nicht wehtut. Diese Gemeinden hatten dort gesammelt, umfangreich für die armen Gläubigen in Israel, in Judäa. Paulus sollte dann diese große Sammlung von den Gemeinden aus Achaia, also auch Korinth gehörte zur Provinz Achaia, und Mazedonien überbringen. Davon schreibt Paulus in Römer 15,25 und folgende: „Jetzt aber reise ich nach Jerusalem im Dienste für die Heiligen, denn es hat Mazedonien und Achaia wohlgefallen, eine gewisse Beisteuer zu leisten für die Dürftigen unter den Heiligen, die in Jerusalem sind“ usw.
Diese Sammlung wird ja schon in 1. Korinther 16,1-4 behandelt, da erklärt Paulus, wie sie das machen sollen mit Sammlungen. Und in 2. Korinther 8,9 kommt er wieder auf diese wichtige Sammlung zu sprechen und erklärt alles, in welchem Sinn und Geist das geschehen soll, eben nicht nach Prozentzahlen. Er sagt: Einen fröhlichen Geber hat Gott lieb. Das ist das neutestamentliche Prinzip.
Und übrigens das mit den zehn Prozent, das finden wir im Alten Testament, im Gesetz Mose. Aber wir finden das nirgends im Neuen Testament für die Gemeinden. Und dann ist es sowieso noch ein Missverständnis. Im Alten Testament gibt es nämlich nicht nur den Zehnten, es gibt verschiedene Zehntenabgaben, und die muss man zusammennehmen. Und dann gibt es noch zusätzliche Abgaben, wie zum Beispiel die Schurwollenabgabe, dann gibt es noch die Abgabe der Erstlingsfrüchte usw. Wenn man alle Abgaben im Gesetz Mose zusammenrechnet, kommt man für die ländliche Bevölkerung auf etwa 40 Prozent. Es ist deutlich mehr. Die haben nicht den Zehnten gegeben, die haben 40 gegeben.
Natürlich muss man verstehen: Der Staat Israel im Alten Testament stand unter der Herrschaft Gottes und unter der Herrschaft der Tora, des Gesetzes Mose. So entsprachen eigentlich alle diese Abgaben auch für die Leviten im Tempel und so gleichzeitig der Steuer für den Staat Israel, aber den Gottesstaat Israel. Und wenn wir natürlich alles zusammenrechnen, was wir an Steuern bezahlen müssen und an Sozialabgaben, und bei diesen Abgaben im Alten Testament handelt es sich eben zum Teil auch um Sozialabgaben für den Fremdling, für die Witwe usw., dann kommen wir eben auch in solche Größenordnungen, je nach Land oder Steueroase, ja. Aber eben, das ist dann schon vergleichbar. Wichtig ist zu wissen: Wir haben nicht diesen Hinweis auf die zehn Prozent. Also dürfen es ruhig auch mehr sein. Aber eben, das Prinzip ist: Einen fröhlichen Geber hat Gott lieb, so wie er sich im Herzen vornimmt, nicht aus Verdruss, sagt Paulus in 2. Korinther 8,9.
So haben eben diese Versammlungen gesammelt, und Paulus bringt das dann nach Jerusalem. Das wird beschrieben in Apostelgeschichte 19,12-22, über diese Reise dann nach Jerusalem, und in Apostelgeschichte 24,17 spricht Paulus dann davon, wie er eben dieses Geld ins Land Israel gebracht habe. Wenn wir diese Stellen zusammennehmen, dann wird klar: Das geschah also auf der dritten Missionsreise, und offensichtlich während des Aufenthalts von drei Monaten in Griechenland, dass er dann auf dieser Reise den Römerbrief schreiben konnte. Und in Griechenland, da ist eben auch Korinth. Also müssen wir den Römerbrief auf die Zeit von Apostelgeschichte 20,2 und folgende ansetzen. Paulus ist drei Monate in Griechenland, da war er in Korinth, hatte Kontakt mit Kenchreä, und von dort aus hat er dann den Römerbrief geschrieben, das heißt circa 57 nach Christus.
Es ist eigentlich ganz wunderbar, wie die Apostelgeschichte und die Briefe im Neuen Testament, wie die so wie verschiedene Räder in einer Maschine ineinandergreifen und sich vervollständigen zu einem Gesamtbild.
Jetzt haben wir soweit Klarheit über diese Einleitungsfragen, und nun kommen wir zur Grobstruktur, wobei wir sie schon behandelt haben, also drei Hauptteile, die ganz klar inhaltlich abgegrenzt sind. Jetzt hier nochmals in der Übersicht mit einem kurzen Titel:
Römisch 1: Die Lehre des Heils in Christus Römisch 2: Israels Stellung im Heilsplan, Kapitel 9-11 Römisch 3: Praktische Konsequenzen aus der Lehre des Heils, Kapitel 12-16
Nun ist noch Folgendes zu beachten: Der Apostel Paulus hat die Gemeinde in Rom nicht gegründet. Korinth: Die Gemeinde wurde durch ihn gegründet, und er hat die zwei Korintherbriefe dorthin geschickt. Ephesus: Die Gemeinde ist durch ihn entstanden, er hat dorthin den Epheserbrief geschrieben. Thessalonich: Er hat sie gegründet, und er hat die zwei Thessalonicherbriefe dorthin geschrieben usw. Aber die Gemeinde in Rom hat er nicht gegründet, und er war nicht einmal dort in Rom. Das ist also ein ganz spezielles Verhältnis.
Darum lese ich aus Römer 1 weiter, Vers 8: „Aufs Erste danke ich meinem Gott durch Jesus Christus euer allerhalben, dass euer Glaube verkündigt wird in der ganzen Welt. Denn Gott ist mein Zeuge, welchem ich diene in meinem Geist in dem Evangelium seines Sohnes, wie unablässig ich euer erwähne, allezeit flehend in meinen Gebeten, ob ich nun endlich einmal durch den Willen Gottes so glücklich sein möchte, zu euch zu kommen. Denn mich verlangt sehr, euch zu sehen, auf dass ich euch etwas geistliche Gnadengabe mitteile, um euch zu befestigen, das heißt aber mit euch getröstet zu werden in eurer Mitte, ein jeder durch den Glauben, der in dem anderen ist, sowohl euren als meinen. Ich will aber nicht, dass euch unbekannt sei, Brüder, dass ich mir oft vorgesetzt habe, zu euch zu kommen und bis jetzt verhindert worden bin, damit ich auch unter euch einige Frucht haben möchte, gleich wie auch unter den übrigen Nationen, sowohl Griechen als Barbaren, sowohl Weisen als Unverständigen. Ich bin ein Schuldner, ebenso bin ich so viel an mir ist bereitwillig auch euch, die ihr in Rom seid, das Evangelium zu verkündigen. Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht, denn es ist Gottes Kraft zum Heil jedem Glaubenden, sowohl dem Juden zuerst als auch dem Griechen. Denn Gottes Gerechtigkeit wird darin geoffenbart aus Glauben zu Glauben, wie geschrieben steht: Der Gerechte aber wird aus Glauben leben.“
Hier wird ganz klar gemacht, dass Paulus eben nie in Rom war. Er wollte zwar immer wieder nach Rom gehen, und das war bis dahin nicht möglich. Es wird auch nicht gesagt, wer die römische Gemeinde oder die römischen Gemeinden, muss ich sagen, gegründet hat. Auch in den Grußkapiteln 16 wird nicht jemand herausgehoben als Gemeindegründer. Wie sind diese Gemeinden wohl entstanden?
Nun, interessant ist ja Folgendes: Am Pfingsttag, Apostelgeschichte 2, da waren ja Juden auf Besuch in Jerusalem aus der ganzen damaligen Welt. Aus dem heutigen Irak sind sie gekommen, aus persischen und arabischen Gebieten. Dann wird aber auch gesagt, dass sie aus Rom gekommen waren. Da waren also Juden aus Rom, die die Reise gemacht hatten zu dem großen Fest in Jerusalem. Es gab ja nach dem Gesetz Mose drei Feste, wo eigentlich alle Männer in Israel unbedingt jedes Jahr hingehen sollten, wenn sie im Land waren. Das war das Passafest, das Pfingstfest oder hebräisch Schawuot, das Wochenfest, und schließlich Sukkot, das Laubhüttenfest im Herbst. Diese drei Pilgerfeste, da mussten obligatorisch alle gehen. Frauen durften auch, aber sie waren nicht verpflichtet. Das hängt zusammen mit den Kindern und den Umständen, die es geben kann.
Ja, und darum habe ich eigentlich nicht so ein Problem, wenn eine Frau in die Gemeinde ein bisschen zu spät kommt, und das war einfach noch, weil sie das Jüngste ins Bett bringen musste. Ja, aber wenigstens kommt sie. Und andere kommen zu spät und dann sagen: Oh nein, jetzt dürfen wir uns nicht verzeigen, und dann fahren sie wieder nach Hause, weil sie schon vor der Gemeinde lokal waren. Schade. Also, das nur so als kleiner Einschub.
Ich wollte sagen: Eben alle mussten da hingehen, aber die im Ausland waren nicht verpflichtet. Aber es gab viele Juden, die eben auch aus dem Ausland immer wieder zu diesen großen Festen hingingen. Und es war so: Im Mittelmeerraum gab es ja überall Juden rund ums Mittelmeerbecken. Die günstigste Zeit, um solche Weltreisen zu machen, war eben Juli. Im Herbst war es schon wieder gefährlich wegen der Winterstürme auf dem Mittelmeer, und im Frühjahr war es auch noch nicht so sicher. Aber Juni war ideal, Juno, und da fällt eben das Wochenfest, das Pfingstfest, hinein. Das war also das ideale Fest, wo die meisten Auslandjuden mit denen aus dem ganzen Land Israel nach Jerusalem kamen, und dann geschah doch das Pfingstereignis.
Mit dem Sprachenreden. Also: Die haben nicht gelallt, sondern die haben wirkliche Sprachen, die Gott ihnen neu eingegeben hatte, zur Beherrschung gesprochen. Und diese Auslandsjuden haben das verstanden. Das Zeichen sollte bedeuten: Von jetzt an will Gott nicht mehr nur in einer Sprache zu einem Volk sprechen, im Hebräischen zu dem jüdischen Volk, sondern von jetzt an mit dem Missionsbefehl geht Gottes Botschaft zu allen Völkern in allen Sprachen.
So sind eben auch Juden gekommen aus Rom, und da haben sich ja am Pfingsttag insgesamt 3000 bekehrt. So war die Möglichkeit durchaus gegeben, dass eben gewisse Juden dann wieder zurückgingen, auch solche wieder nach Rom. So entstand die Gemeinde beziehungsweise die Gemeinden in Rom, ohne dass ein Apostel dahingekommen war. Aber der Apostel Paulus wollte nun ebenso gerne auch einmal nach Rom gehen, ihnen das Evangelium verkündigen. Bis jetzt war es nicht möglich, und als Ersatz dafür schreibt er ihnen einen Brief. Das gibt nun dem Römerbrief ein besonderes Gepräge.
Paulus war nicht verantwortlich in dem Sinn für diese Gemeinde, wie er das war für die Korinther. Da hat er von Anfang an alles aufgebaut und musste immer wieder korrigieren, was sie ganz falsch machten, weil noch viele Sachen aus dem alten Leben hineinspielten. Aber bei Rom war da gewissermaßen eine objektivere Distanz, und jetzt wollte er ihnen aber einfach einen geistlichen Beitrag geben. So hat er nicht speziell einen Brief geschrieben, um Missstände in den römischen Gemeinden zu korrigieren, sondern es ging ihm darum, ihnen einmal systematisch zu erklären, was die frohe Botschaft ist.
Das Evangelium verkündigen, das brauchen die Gläubigen. Ja, das Evangelium umfasst nicht nur gerade die Mitteilung, dass man jemandem erklärt, wie er sich bekehrt, damit er nicht ewig verloren geht. Das Evangelium, die frohe Botschaft, umfasst den gesamten Ratschluss Gottes zur Rettung mit uns Menschen. Und das wollte er jetzt den Gläubigen als Evangelium systematisch darstellen. Darum ist dieser Brief eben so stark und ganz speziell ausgerichtet auf die Lehre und auf den Zusammenhang des Ratschlusses Gottes in Verbindung mit der Rettung der Menschen.
Jetzt verstehen wir auch, warum dieser Brief so ausgesprochen, so auffällig systematisch ist. Ja, so hat eben jeder Brief seine Besonderheiten, und es gilt eben, diese Besonderheiten auch zu wertschätzen. Der Korintherbrief hat einen ganz anderen Charakter, aber da geht es eben darum, auch viele Missstände zu behandeln als Beispiel für alle späteren Gemeinden, wie man mit solchen Problemen umgehen soll. Das ist eben auch so wertvoll.
Aber es ist manchmal eben auch gut, dass wir einfach die Lehre des Wortes Gottes hören können, jetzt mal ganz unabhängig von all den Problemen, die es an bestimmten Orten in den Gemeinden gibt. In dem Sinne ist eigentlich der Bibelstudietag auch so eine Gelegenheit. Da geht es jetzt nicht darum, irgendwelche Probleme da und dort und dort zu besprechen, und da haben noch zwei Schwestern miteinander Krach und dort zwei Brüder, nein. Es geht einfach darum: Was sagt das Wort Gottes? Was sagt der Römerbrief und so weiter?
Es ist so, dass Paulus dann diesen Wunsch doch später erfüllt bekommen hatte, dass er nach Rom gehen durfte. Er hatte so einen tiefen Wunsch, nach Rom zu gehen, aber das kam dann eben einige Jahre später erst, drei Jahre später, aber nicht unter so glücklichen Umständen. Paulus kam als Gefangener nach Rom.
Aber es ist noch schön, wenn wir da ganz kurz schauen, wie er dann die Römer zum ersten Mal, also drei Jahre nach dem Römerbrief, so persönlich kennenlernt. Er hat ja in der Zwischenzeit diesen Schiffbruch auf dem Mittelmeer erlebt und ist dann wieder weitergeführt worden mit einem neuen Schiff. Jetzt lese ich mal da Apostelgeschichte 28,11: „Nach drei Monaten aber fuhren wir ab in einem alexandrinischen Schiff, das auf der Insel überwintert hatte, mit dem Zeichen der Dioskuren. Und als wir in Syrakus gelandet waren, also in Sizilien, blieben wir drei Tage. Von dort fuhren wir herum und kamen nach Regium. Und da, nach einem Tag sich ein Südwind erhob, kamen wir den zweiten Tag nach Puteoli, wo wir Brüder fanden und gebeten wurden, sieben Tage bei ihnen zu bleiben.“
Interessant: Offensichtlich kannte er nicht die Gemeinde in Puteoli. Er kam dahin, und sie fanden Brüder, Gläubige. Das war eine Überraschung. Und dann sollten sie da sieben Tage bleiben. Und so kamen wir nach Rom. Und von dort kamen die Brüder, als sie von uns gehört hatten, uns bis Api Forum und Tres Tabernae entgegen. Also: Die eine Ortschaft ist 49 Kilometer von Rom entfernt, und Tres Tabernae etwa 66 Kilometer. Die einen kamen bis Api Forum, und die schnelleren bis Tres Tabernae entgegen. Das zeigt schon auch eine Herzensverbindung. Die haben sich nicht gesagt: Ja gut, früher oder später kommt er ja schon noch. Die haben gleich noch diese riesige Reise auf sich genommen, um möglichst schnell Bruder Paulus zu treffen, der ihnen da vor drei Jahren den schönen Römerbrief geschrieben hatte.
Dann heißt es so schön: „Und als Paulus sie sah, dankte er Gott und fasste Mut.“ Ist doch schön. Man denkt, der Apostel Paulus war so eine Art Übermensch, und er war es nicht. Er hat zwar viel kämpfen und leiden müssen für den Herrn, er hat vieles erlitten, auch von den Gläubigen, aber er war offensichtlich niedergeschlagen, als er da als Gefangener kam und als er dann diese Brüder sah, die von Rom ihm entgegenkamen. Das hat ihm richtig Mut gemacht. Er hat Gott gedankt und Mut gefasst.
Genau diese Haltung hatte er auch in diesen Versen von Römer 1, die wir gelesen haben, zum Ausdruck gebracht. Er sagt nicht: Ich komme nach Rom, und dann werde ich euch einen phantastischen Vortrag halten über das Evangelium, dann wisst ihr endlich mal, woran ihr seid. Natürlich wäre es so gewesen. Ich meine, das war ja phantastisch, wenn man Apostel Paulus hören konnte. Er sagt zum Beispiel in Apostelgeschichte 20 den Ältesten von Ephesus: „Ich habe nicht zurückgehalten, euch den ganzen Ratschluss Gottes zu verkündigen.“ Das muss grandios gewesen sein, wenn man so etwas erlebt hat.
Aber er sagt: Ich komme zu euch, ich möchte das Evangelium verkündigen, und ich möchte euch etwas geistliche Gnadengabe mitteilen, und ich möchte eben von euch getröstet werden. Ein jeder wird durch den Glauben, der in dem anderen ist, getröstet. Er war Bruder unter Brüdern, und es war für ihn wirklich wichtig, von den anderen auch etwas geistlich zu profitieren und ermutigt zu werden, allein schon durch den persönlichen Glauben, den der andere in sich hatte.
So war das echt. Da kamen auf italienischem Boden die Römerbrüder, und er fasst Mut, einfach weil er sieht: Das sind auch solche, die auf dem gleichen Weg sind, auf dem Weg zur Herrlichkeit.
Ja, und jetzt schauen wir uns mal den Schluss des Skripts an. Man kann den Römerbrief sehen als eine Prozessakte gegen die Menschheit. Nach dieser Einleitung, die wir jetzt im Römerbrief gelesen haben, da beginnt dann der eigentliche Lehrteil ab Kapitel 1, Vers 18, und zwar so: „Denn es wird geoffenbart Gottes Zorn vom Himmel her über alle Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen, welche die Wahrheit in Ungerechtigkeit besitzen.“
Also: Die Erklärung des Evangeliums beginnt mit dem zornigen, gerechten Gott. Gott ist erzürnt über die ganze Welt. So beginnt das Evangelium. Es beginnt nicht mit der Tatsache, dass Gott Liebe ist, sondern Gott ist zornig. Und so wird gewissermaßen am Anfang dieser Gesamtdarstellung des Evangeliums Gott der Richter aller vorgestellt. Diesen Namen Gottes finden wir so in Hebräer 11,23. Oder man könnte sagen: Der Richter der ganzen Erde, so nennt sich Gott selbst Abraham gegenüber in 1. Mose 18,25.
Man kann den Römerbrief sehen als eine Prozessakte, die wird hier in Kapitel 1, Vers 18 eröffnet: Der zornige Richter auf seinem Thron eröffnet die Anklage gegen die ganze Menschheit. Und das ist ja schon etwas Interessantes: Der Römerbrief ging eben nicht nach Korinth, einer Stadt, die bekannt war für ihre Unmoral. Er ging nicht nach Ephesus, einer Stadt, die bekannt war für den schlimmsten Okkultismus, schwarze Magie. Er ging nach Rom, und Rom war so eine Stadt, die besonders stolz sein konnte auf das römische Recht. Die Römer sahen sich ja als die führenden Leute, die wussten, was Recht und Unrecht ist. Und die Römer hatten ein Sendungsbewusstsein. Sie sahen sich wirklich als römisches Reich so: Wir müssen die Welt nach und nach erobern, ein Volk nach dem anderen unterwerfen, und diesen armen Barbaren müssen wir Zivilisation, Recht und Ordnung beibringen.
Jetzt hat man damals alle Menschen, die nicht zum römischen Reich gehörten, als Barbaren bezeichnet. Das Wort Barbar ist auch interessant, woher das kommt. Das ist so ein klangmalerisches Wort. So hat man sich vorgestellt, sprechen die Barbaren, so unzivilisierte Menschen, die da herlallen, die für römische Ohren unverständliche Sprachen redeten. Und jetzt kommen die Römer und bringen ihnen eben Zivilisation. Denn wirklich, ein solches Sendungsbewusstsein und das Zentrum dieses Sendungsbewusstseins im Zusammenhang mit römischem Recht und Recht und Ordnung, das war eben die Stadt Rom.
Und ausgerechnet nach Rom schickt nun Paulus einen Brief, wo er das Evangelium darstellt als eine Prozessakte gegen die Menschheit. Die ganze Menschheit ist gewissermaßen im Gerichtssaal anwesend, und da in diesen ersten Versen spricht Gott über die Völker der Welt im Allgemeinen, die die Bibel nicht haben. Aber das waren ja praktisch alle Völker, denn nur das Volk Israel hat ja die Bibel bekommen. Und da erklärt Paulus: Gott hat sich geoffenbart durch seine Schöpfung. Gott ist zwar unsichtbar, aber durch die Schöpfung kann der Mensch mit seinem Verstand wahrnehmen, dass Gott existiert, der Schöpfer existiert.
Vers 20: „Denn das Unsichtbare von ihm, sowohl seine ewige Kraft als auch seine Göttlichkeit, die von Erschaffung der Welt an in dem Gemachten mit dem Verstand so im Griechischen wahrgenommen werden, wird geschaut, damit sie ohne Entschuldigung seien.“
Paulus sagt: Durch die Verstandeskraft kann der Mensch erkennen, an der Ordnung in der ganzen Natur, im Sternenhimmel, in der Pflanzenwelt, in der Tierwelt, in allen Dingen kann er erkennen, da muss ein wunderbarer, allmächtiger Schöpfergott dahinterstehen. Denn alle Menschen wissen: Nur durch Denken und durch Planung entsteht Ordnung. Höhere Ordnung entsteht nie zufällig. Aber Paulus sagt, die Völker wissen eigentlich aus dem Zeugnis der Schöpfung, dass Gott existiert, aber im Allgemeinen wollten sie ihn gar nicht kennen und wollten ihm nicht Verehrung bringen. Sondern sie haben sich von Gott abgewandt.
Ich lese weiter, Vers 21: „Weil sie, Gott kennend, ihn weder als Gott verherrlichten noch ihm Dank darbrachten, sondern in ihren Überlegungen in Torheit verfielen und ihr unverständiges Herz verfinstert wurde, indem sie sich für weise ausgaben, sind sie zu Narren geworden und haben die Herrlichkeit des unverweslichen Gottes ausgetauscht in die Gleichheit eines Bildes von einem verweslichen Menschen und von Vögeln und von vierfüßigen und kriechenden Tieren.“
Darum hat Gott sie auch dahingegeben in den Gelüsten ihrer Herzen in Unreinigkeit, ihre Leiber untereinander zu schänden, welche die Wahrheit Gottes in Lüge ausgetauscht und dem Geschöpf mehr Verehrung und Dienst dargebracht haben als dem Schöpfer, welcher gepriesen ist in Ewigkeit. Amen.
Also: Paulus sagt, die Völker sind von Gott abgefallen. Sie wollten lieber die Natur und Naturgötter verehren. Sie haben also Gott, den wahren Gott, den unsichtbaren Gott, ausgetauscht gegen ein Bild von einem verweslichen Menschen. Sehr typisch für die griechisch-römische Religion sind ja alles so schöne Männer und Frauen dargestellt in Bildhauerkunst höchsten Ranges. Aber für sie, für die Griechen und Römer, waren die Götter eben so menschenähnliche Wesen, und die lebten unmoralisch und sündig, genauso wie die Menschen. Paulus sagt: Sie haben die Herrlichkeit des unverweslichen Gottes ausgetauscht gegen solche Götzen und dann auch ausgetauscht in ein Bild von vierfüßigen, Vögeln, vierfüßigen und kriechenden Tieren.
Da sieht man es so ganz besonders beeindruckend in Ägypten. Die meisten ägyptischen Götter sind ja so Menschengestalten mit Tierköpfen: Anubis, der Gott der Unterwelt mit dem Schakalkopf, und dann Horus, der Falkengott mit eben einem Falkenkopf usw. Sie haben die Natur verehrt anstatt den Schöpfer. Und darum hat Gott sie in unmoralische Sünden und Laster hineinfallen lassen.
So wird also die Menschheit dargestellt: Sie könnten Gott kennen, aber sie wollen ihn nicht. Und so wird hier erklärt: Die ganze Menschheit hat sich an Gott verschuldet. Die ganze Menschheit ist da im Gerichtssaal gewissermaßen anwesend, und die Anklage wird jetzt vorgebracht, und sie wird durch den Apostel Paulus unter Inspiration des Geistes Gottes meisterhaft formuliert, Kapitel 1, Vers 18 bis 23.
Da wird also zuerst gesprochen gegen die Menschen ohne schriftliche Gottesoffenbarung, gegen die Menschen, die keine Bibel haben, bis Kapitel 2, Vers 16. Jetzt muss man sich vorstellen: Jetzt steht plötzlich im Gerichtssaal ein Mann auf, und zwar ziemlich arrogant, wie man sich das vorstellen kann, so mit verschränkten Armen, ein Ethiker, ein Philosoph aus dem Heidentum, und er sagt: Ich weiß dank meiner philosophischen Untersuchungen ganz genau, dass die Menschen böse handeln. Der Richter erteilt ihm einen scharfen, vernichtenden Verweis.
Schauen wir in Kapitel 2, Vers 1: „Deshalb bist du nicht zu entschuldigen, o Mensch, jeder, der da richtet; denn worin du den anderen richtest, verdammst du dich selbst, denn du, der du richtest, tust dasselbe. Wir wissen aber, dass das Gericht Gottes nach der Wahrheit ist über die, welche solches tun. Denkst du aber dies, o Mensch, der du richtest, die solches tun und verübst dasselbe, dass du dem Gericht Gottes entfliehen wirst? Oder verachtest du den Reichtum seiner Gütigkeit und Geduld und Langmut, nicht wissend, dass die Güte Gottes dich zur Buße leitet?“
Also: Wenn da ein Ethiker sagt, ich weiß durch meine philosophischen Überlegungen ganz genau, was falsch ist, was böse ist, sagt der Apostel Paulus: Das nützt dir überhaupt nichts. Dabei zeigst du genau, dass du verdammenswürdig bist, denn diese Ethiker lebten auch in der Sünde. Also: Ihr philosophisches Denken, dass sie erkennen konnten, ja, eigentlich ist es nicht richtig, wenn man jemanden tötet, weil man die Rechte des anderen auch achten soll – gut, ihr habt das Richtige herausgefunden, jetzt habt ihr euch selber verurteilt. Warum macht ihr diese und diese Sünden genau so, obwohl ihr ja wüsstet, dass es nicht richtig ist?
Jetzt kommt plötzlich etwas Weiteres. Unter zweitens habe ich geschrieben: Die Anklage gegen die Juden, die Gottes schriftliche Offenbarung besitzen. Das kommt jetzt ab Kapitel 2,17 bis 3,4. Man könnte sagen: Jetzt steht ein Jude im Gerichtssaal auf und er sagt: Ich bin ein orthodoxer Jude und kenne die Bibel durch und durch, ich bin beschnitten und gehöre zum ausgewählten Volk. Der Richter antwortet: Umso schlimmer für dich, du weißt so viel und bist dennoch ein so ungerechter Mensch.
Jetzt sehen wir Kapitel 2, Vers 17: „Wenn du aber ein Jude genannt wirst und dich auf das Gesetz stützt und dich Gottes rühmst und den Willen kennst und das Vorzüglichere unterscheidest, indem du aus dem Gesetz, das heißt aus der Tora, unterrichtet bist, und getraust dir, ein Leiter der Blinden zu sein, ein Licht derer, die in Finsternis sind, ein Erzieher der Törichten, ein Lehrer der Unmündigen, der die Form der Erkenntnis und der Wahrheit im Gesetz hat, der du nun einen anderen lehrst, du lehrst dich selbst nicht; der du predigst, man solle nicht stehlen, du stiehlst; der du sagst, man solle nicht Ehe brechen, du begehst Ehebruch; der du die Götzenbilder für Gräuel hältst, du begehst Tempelraub; der du dich des Gesetzes rühmst, du verunehrst Gott durch die Übertretung des Gesetzes; denn der Name Gottes wird eurethalben gelästert unter den Nationen, wie geschrieben steht.“
Da macht Paulus einen Verweis auf Hesekiel 36,20-23, wo Gott zu seinem Volk Israel sagt: Ihr habt meinen Namen unter den Heiden verunehrt durch euer Verhalten. Da sagt Paulus: Also es ist gar kein Vorteil, Jude zu sein. Ihr wisst zwar viel, viel mehr, weil ihr die Bibel kennt, aber das ist noch verheerender für euch. Ihr seid umso verantwortlicher, denn ihr habt euch alle verschuldet, ihr habt das Gesetz gebrochen.
Dann kommt in den weiteren Versen schließlich das vernichtende Urteil über die Menschheit. Man könnte sagen: In Kapitel 3, Vers 5 und folgende, da steht nun wieder einer im Saal auf und der meint, er sei sehr schlau. Indem der Mensch sündigt, wird doch umso deutlicher, wie gerecht Gott ist. Es ist gar nicht so schlimm, wenn der Mensch sündigt, denn das dient ja letztlich zur Ehre Gottes, weil der Kontrast wird umso klarer. Der Kontrast lässt Gottes Herrlichkeit erst recht aufleuchten. Deshalb sollte eigentlich kein Mensch gerichtet werden.
Der Richter wird sehr scharf. Jemand, der so widerliches Zeug redet, hat das unbarmherzige Gericht verdient. Ich lese jetzt Kapitel 3, Vers 5: „Wenn aber unsere Ungerechtigkeit Gottes Gerechtigkeit erweist, was sollen wir sagen? Ist Gott etwa ungerecht, der Zorn auferlegt? Ich rede nach Menschenweise. Das sei ferne! Wie könnte sonst Gott die Welt richten? Denn wenn die Wahrheit Gottes durch meine Lüge überströmend geworden ist zu seiner Herrlichkeit, warum werde ich noch als Sünder gerichtet? Und warum nicht, wie wir gelästert werden und wie etliche sagen, dass wir sprechen: Lasst uns das Böse tun, damit das Gute komme? Deren Gericht gerecht ist!“
Also: Es gibt Leute, die sagen, wir sündigen darauf los, und dann dient das der Ehre Gottes. Und da sagt der Römerbrief nur noch: Solche Menschen, die kommen unter das gerechte Gericht Gottes. Er sagt hier noch: Wir Christen werden auch gelästert, als würden wir solche Dinge erzählen, aber das tun wir nicht, und wer solches Zeug spricht, der verdient gerechterweise das Gericht.
Nun, gehen wir weiter im Skript, dann Verse 9 bis 31. Ich kann diese Phase so beschreiben: Nun wird es ganz still im Saal. Keiner hat mehr etwas vorzubringen. Das vernichtende Urteil wird über die ganze Menschheit verkündigt.
Ich lese jetzt Kapitel 3, Vers 9 oder Vers 10: Anhand von sieben Zitaten aus dem Alten Testament wird bewiesen, dass alle Menschen, Juden und Nichtjuden, vor Gott schuldig sind. Zuerst aus Psalm 14: „Da ist kein Gerechter, auch nicht einer, da ist keiner, der verständig sei, da ist keiner, der Gott suche; alle sind abgewichen, sie sind allesamt untauglich geworden, da ist keiner, der Gutes tue, da ist auch nicht einer. Ihr Schlund ist ein offenes Grab“, also der Schlund ist der Mund, ein offenes Grab. „Mit ihren Zungen handelten sie trüglich, Otterngift ist unter ihren Lippen; ihr Mund ist voll Fluchens und Bitterkeit; ihre Füße sind schnell, Blut zu vergießen; Verwüstung und Elend ist auf ihren Wegen, und den Weg des Friedens haben sie nicht erkannt; es ist keine Furcht Gottes vor ihren Augen.“
Das sind diese sieben Zitate gewesen. Und jetzt heißt es: „Wir wissen aber, dass alles, was das Gesetz sagt, es denen sagt, die unter Gesetz sind, auf dass jeder Mund verstopft werde und die ganze Welt dem Gericht Gottes verfallen sei. Darum wird aus Gesetzeswerken kein Fleisch vor ihm gerechtfertigt werden, denn durch das Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde.“
Also da wird die Welt stumm, die ganze Welt. Das ist vernichtend, und es ist genau so. Diese Verse beschreiben so eindrücklich die ganze Menschheitsgeschichte bis heute: Bitterkeit, Blut, den Weg des Friedens haben sie nicht erkannt, keine Furcht Gottes. Aber der Apostel Paulus erklärt: Das Gesetz beweist genau, dass der Mensch schuldig ist, denn wenn er versucht, nach diesen Geboten zu leben, merkt er: Ich bin genau so ein Bösewicht, wie das in diesen Versen hier dargelegt wird. Er sagt aber: Durch das Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde.
Jetzt ist es so eindrücklich, ich habe auf dem Skript da vermerkt: Das vernichtende Urteil wird über die ganze Menschheit verkündigt. Drei Punkte. Doch im gleichen Atemzug wird der Weg zur Rechtfertigung vorgestellt. Jetzt kommen wir an den entscheidenden Wendepunkt. Ich lese Kapitel 3, Vers 21: „Jetzt aber ist ohne Gesetz Gottes Gerechtigkeit geoffenbart worden, bezeugt durch das Gesetz und die Propheten, Gottes Gerechtigkeit aber durch Glauben an Jesus Christus gegen alle und auf alle, die da glauben; denn es ist kein Unterschied, denn alle haben gesündigt und erreichen nicht die Herrlichkeit Gottes und werden umsonst gerechtfertigt durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Christus Jesus ist, welchen Gott dargestellt hat zu einem Gnadenstuhl durch den Glauben an sein Blut.“
Also hier kommt dieser zentrale evangelistische Vers, den wir den Menschen immer wieder groß machen müssen. Die Bibel sagt: Es ist kein Unterschied, alle haben gesündigt. Natürlich haben gewisse Menschen noch mehr gesündigt als die anderen, aber alle haben gesündigt und können sich nicht hinaufarbeiten zur Herrlichkeit Gottes, so genau übersetzt, und erreichen nicht die Herrlichkeit Gottes. Und der Satz ist nicht fertig, sondern: und werden umsonst gerechtfertigt durch seine Gnade.
Jetzt hat die ganze Menschheit im Gerichtssaal vernommen: Gott ist zornig, und wir sind überführt, wir haben alle das Gericht Gottes verdient. Und nun wird diese Prozessakte auf den Höhepunkt gebracht: Alle Menschen sind schuldig, haben das Gericht verdient, und im gleichen Atemzug wird der Weg zur Rechtfertigung vorgestellt. Und so kann man sich jetzt vorstellen, dass die Menschen alle betroffen sind. Der Richter, der uns verdammen sollte, zeigt uns: Es gibt einen Ausweg, wie wir gerecht gesprochen werden können.
Viertens: Die Begründung der Rechtfertigung anhand des Alten Testaments. Im nächsten Kapitel, Kapitel 4, da erklärt nun Paulus, warum Gott eben Menschen durch Glauben rechtfertigen kann, und begründet das mit dem Alten Testament. Aber ich komme darauf zurück. Ich muss ja jetzt gleich auch einmal erklären, was Rechtfertigung bedeutet, und dann schließlich eben in diesem Kapitel 4, da wird das Prinzip der Rechtfertigung aus Glauben so dargestellt. Das ist nicht etwas Neues, das ist nicht eine neutestamentliche Neuerfindung, sondern das findet sich bereits im Alten Testament, zum Beispiel bei Abraham, bei David. Das ist nicht eine neue Lehre.
Und dann fünftens: Gott wird gerühmt für seine Rechtfertigung, Kapitel 5,1-11. Das könnte man so umschreiben: Nach der Verkündigung des Urteils brechen Millionen von Menschen im Gerichtssaal in Jubel aus, sie können das Wunder der Rechtfertigung kaum fassen.
Kapitel 5, Vers 1: „Da wir nun gerechtfertigt worden sind aus Glauben, so haben wir Frieden mit Gott.“ Den Begriff der Rechtfertigung habe ich unter charakteristische Ausdrücke und Besonderheiten kurz behandelt. Sieht man, Seite 1, der letzte Punkt zur Rechtfertigung. Das ist ja ein Begriff, der heute für viele Gläubige verlorengegangen ist. Also wenn man gerade junge Leute in den Gemeinden fragen würde, was ist Rechtfertigung? Da würde man schon ziemlich enttäuscht sein, da kommt nicht viel, oder? Man kann es mal ausprobieren, vielleicht kommt auch etwas, wunderbar, umso besser. Aber das war ja ein zentraler Begriff, als die Reformation als einer der größten Erweckungen in der Kirchengeschichte ausgebrochen war.
Dieser Begriff, und es ist traurig: In modernen Übersetzungen muss man mal schauen, wo der Begriff Rechtfertigung noch gebraucht wird. Der wird aufgelöst durch Umschreibungen, und ob die Umschreibungen dann wirklich das meinen, was Rechtfertigung meint, ist eine andere Frage.
Nun, ich will erklären, was heißt rechtfertigen als Verb. Das heißt, jemanden als gerecht erklären. Also nicht gerecht machen, sondern jemanden, der gerecht ist, als solchen hinstellen. Wenn jemand vor Gericht steht, er ist angeklagt, und nun kann eindeutig dargelegt werden, er ist in allen Punkten freizusprechen, dann wird er durch den Richter gerechtfertigt. Der Richter macht ihn nicht gerecht, sondern er sagt: Dieser Mensch ist gerecht. Das heißt rechtfertigen.
Wir verstehen das vielleicht besser in ganz anderem Zusammenhang. Wenn jemand irgendwo mit Vorwürfen überschüttet wird, was macht er? Oft rechtfertigt er sich selbst. Das heißt nicht, er macht sich jetzt gerecht, sondern er begründet, warum er gar nicht schuldig ist, warum die Vorwürfe gar nicht zutreffen. Das heißt, sich rechtfertigen gegen falsche Anschuldigungen.
Nun geht es also darum: Gott rechtfertigt Menschen, das heißt, er sagt, diese Menschen sind freizusprechen, sie sind gerecht. Ja, aber jetzt wurde ja gerade erklärt, alle Menschen sind ungerecht und stehen unter dem Zorn Gottes. Wie kann ein sündiger Mensch gerechtfertigt werden? Nun, das ist genau der entscheidende Punkt.
Der Apostel Paulus zeigt jetzt: Nachdem er dargelegt hat, wie schuldig die Menschheit ist, da zeigt er, dass der Herr Jesus am Kreuz alles gut gemacht hat. Da spricht er in Römer 3,24 über die Gnade Gottes, die Erlösung in Christus Jesus, und er spricht über sein Blut. Der Herr Jesus ist in diese Welt gekommen als Mensch, als vollkommener Mensch, und er war bereit, unsere Schuld auf sich zu nehmen. Der Gerechte wollte die Schuld der Ungerechten auf sich nehmen, und am Kreuz hat Gott ihn mit fremder Schuld identifiziert. Also Gott hat ihn am Kreuz betrachtet, wie wenn er der gewesen wäre, der alle unsere Sünden begangen hat.
Darum heißt es in Jesaja 53,10: „Es gefiel dem Herrn, ihn zu zerschlagen, er hat ihn leiden lassen.“ Das ist nicht das Gleiche wie die Tatsache, dass die Menschen den Herrn Jesus gehasst haben, ihn gegeißelt und geschlagen und angespuckt haben und schließlich an ein Kreuz genagelt haben. Nein, das war der Ausbruch, der größte Ausbruch der Bosheit des Menschen überhaupt. Aber dann war der Herr Jesus am Kreuz, und dann kam nach drei Stunden diese Finsternis. Und in den Stunden der Finsternis, da hat Gott den Herrn Jesus mit unserer Schuld beladen, und Gott hat ihn dort geschlagen für unsere Sünde.
So lesen wir auch in Psalm 88, in prophetischen Kreuzespsalmen, wie der Herr Jesus darüber klagt, dass die Glut des Zornes Gottes ihn getroffen hat in dieser Finsternis. Und so hat Gott alle Sünden an den Herrn Jesus gerichtet. Und jetzt sagt der Römerbrief: Es ist kein Unterschied, alle haben gesündigt, erreichen nicht die Herrlichkeit Gottes, aber sie werden gratis, ohne dass sie etwas leisten, gerechtgesprochen durch die Erlösung, die in Christus Jesus ist. Weil der Herr Jesus alle Schuld auf sich genommen hat und jede Sünde von Gott bestraft worden ist, dann darf der, der an sein Blut glaubt – wir haben gelesen: durch den Glauben an sein Blut –, wissen, es sei bezahlt worden, Gott kann mich gar nicht mehr richten. Denn Gott ist gerecht, er bestraft Sünden nicht zweimal.
Das wäre ja ein Riesenproblem, wenn ich ein Kind in der Erziehung für die gleiche Sache zweimal gestraft hätte. Dann kriege ich ein Problem, das kann ich sagen. Ich kriege auch Probleme, wenn es anders ist schon mal. Aber das gibt Aufstand, und da muss man sagen, natürlich zu Recht, das wäre ungerecht. Zweimal für das Gleiche strafen, das geht nicht. Nun, der Jesus hat meine Schuld getragen. Ich habe an sein Blut geglaubt, dass das alles gut gemacht hat, und darum kann es der Richter sagen: Dieser Mensch ist gerecht. Warum? Ja, wenn jede Sünde in meinem Leben weggenommen ist, was bleibt dann noch übrig? Ja, dann bleibt ja nur noch Gerechtigkeit übrig, wenn alle Ungerechtigkeit weg ist.
Und so hat Gott das gemacht. Und das Gewaltige ist ja: Weil Gott in seiner Allwissenheit alles im Voraus wusste, was ich je an Tatsünden begehen würde, hat er schon damals, als der Jesus am Kreuz war, im Jahr 32, jede Sünde auf ihn gelegt, so wie es in 1. Petrus 2 steht. Da steht am Schluss, dass der Herr Jesus unsere Sünden an seinem Leib getragen hat auf dem Holz.
Und das Gewaltige ist jetzt: Wenn ich verstehe, was das bedeutet, dann frage ich mich: Ja, welche Sünden hat der Herr Jesus getragen? Ja, sicher mal alle bis zur Bekehrung, oder? Alle aus dem alten Leben. Ja, aber jetzt sind ja schon einige Zeit vergangen, seit ich mich bekehrt habe. Einig als bewusste Entscheidung mit zehn Jahren. Aber dann kam dann schon in der Pubertät noch Wichtiges dazu, eine ganz bewusste Entscheidung: Ich möchte auch wirklich mit dem Herrn leben. Also alles bis zur Bekehrung, aber auch alle Sünden von damals, diese vierzig Jahre bis jetzt. Und jetzt, heute: Ich habe die Zukunft nicht in der Hand. Was ist jetzt? Ja, auch Sünden in der Zukunft hat der Herr Jesus schon damals getragen, weil sein Werk ja vollendet ist. Das kann ja nicht später mal wieder ergänzt werden. Er hat am Schluss gesagt: Tetelestai, es ist vollbracht.
Also: Er hat die Sünden von meinem ganzen Leben getragen. Und wenn man diese Tragweite erkennt, der Herr Jesus hat jede Sünde getragen von meinem ganzen Leben, dann bekommt man Heilsgewissheit. Ja, dann gibt es auch nichts in der Zukunft, was mich je wieder von Gottes Liebe scheiden könnte. Nein, es ist gerechtfertigt. Ja, aber ich habe ja nichts geleistet, ich muss doch mir jetzt meine Treue beweisen. Gerechtfertigt aus Glauben allein, ohne Werke.
Und jetzt verstehen wir auch, warum dann dieser ganze Teil bis Römer 8 abschließt mit diesen Versen, Römer 8,37: „Aber in diesem allen sind wir mehr als Überwinder durch den, der uns geliebt hat, denn ich bin überzeugt, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstentümer, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, noch Gewalten, weder Höhe noch Tiefe noch irgendein anderes Geschöpf uns zu scheiden vermögen wird von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.“
Noch irgendein anderes Geschöpf – diese ganze Aufzählung, zehn Punkte. Und wenn jetzt nicht alles schon erwähnt ist, dann sagt er noch: noch irgendein anderes Geschöpf. Also der Satan ist auch ein Geschöpf, kann mich nicht trennen, wird ihm ja auch in der Zukunft nicht gelingen. Und ja, du könntest ja vielleicht dann plötzlich ... Wer kann die Garantie geben, dass ich in zwei Jahren nicht beginne zu spinnen, oder? Wer kann eine Garantie geben für sich, für die Zukunft? Ich habe schon ganz Schlimmes gesehen, Leute, die wirklich ein treues Leben geführt haben, und unverständlich, auf welche Abwege so jemand kommen kann. Und dann steht hier: noch irgendein anderes Geschöpf, uns zu scheiden vermögen wird von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.
Kapitel 8, Vers 1 beginnt ja schon: „Also ist jetzt keine Verdammnis für die, welche in Christus Jesus sind“ usw. Gewaltig, das ist Rechtfertigung aus Glauben allein, unabhängig von dem, was wir leisten, allein durch Gnade, unverdientes Geschenk. Und jetzt merkt man, warum diese Rechtfertigung so wichtig ist. Also Gott spricht einem Menschen, der ganz ehrlich seine Schuld bekennt und an das Blut des Herrn Jesus als vollkommen genügend glaubt, der sagt Gott: Du bist gerecht.
Und da sagt die katholische Kirche: Genau, das ist wunderbar, Rechtfertigung, das lehren wir auch. Und darum haben sie ja vor ein paar Jahren sogar noch ein Übereinstimmungsverfahren unterzeichnet zusammen mit den Lutheranern in Deutschland: Wir sind uns eigentlich einig in der Rechtfertigung. Was, jetzt war die Reformation alles für nichts? Die waren ja schon immer gleicher Meinung. Ja natürlich, wir glauben auch an die Rechtfertigung aus Glauben. Ja, was ist denn noch der Unterschied?
Ganz einfach, ich habe das hier unten aufgeführt, den letzten Punkt auf Blatt eins: Die Behauptung der römisch-katholischen Kirche, dass die Rechtfertigung ein Prozess sei, durch das ganze Leben hindurch bis über den Tod hinaus im Fegefeuer, ist eine Irrlehre. Also die katholische Kirche sagt, wir glauben an Rechtfertigung aus Glauben, aber das ist nicht ein Moment. Jemand kommt zum Glauben und dann wird er gerechtfertigt. Nein, nein, nein, so geht das nicht. Solche Sachen hat Luther erzählt, nein, nein, so geht das nicht, sondern das ist ein Prozess durch das ganze Leben hindurch, und die Gnade Gottes wird quasi eingetröpfelt. Und wenn jemand ein gutes Werk tut, dann ist das schon wieder ein Tropfen der Gnade. Wenn er an der Messe teilnimmt, ein Tropfen der Gnade. Wenn er das und das macht, ein Tropfen der Gnade. Und dann plötzlich eine schlimme Sünde, alles gelöscht, dann kann er wieder anfangen. Und dann wird wieder der Prozess weitergeführt, der Prozess weitergeführt, aber man ist nie sicher. Und dann vor dem Tod letzte Ölung und so weiter, und jetzt, na ja, es geht weiter, dann kommen wir ins Fegefeuer, und der Prozess der Rechtfertigung geht weiter, und schließlich kommt dann der Moment, wo dann jemand eben selig werden kann.
Nun können wir diese Irrlehre so schön widerlegen mit Römer 5,1: „Da wir nun gerechtfertigt worden sind aus Glauben, so haben wir Frieden mit Gott.“ Mit diesem gehen wir dann Pause.
Jetzt möchte ich aber noch betonen: Im Griechischen ist der Ausdruck „da wir gerechtfertigt worden sind“ ein Wort, dikaiōthentes, das ist Partizip Aorist. Warum ist es so wichtig, das zu wissen? Aorist ist eine Zeitform im Griechischen, die drückt aus eine punktuelle Handlung, nicht etwas Fortdauerndes. Nicht wahr, wenn ich sagen würde: Ich ging in den Wald und schlug eine Buche. Dann sind das punktuelle Handlungen. Ich ging einmal in den Wald und dann habe ich an einem bestimmten Punkt eine Buche umgeschlagen. Das würde man im Griechischen umschreiben mit Aorist, im Deutschen macht man das in der Zeitform im Präteritum.
Französisch könnte man sagen: J'allais à la forêt. Ich ging in den Wald, aber dann wüsste jeder, der wirklich Französisch kann, der weiß, das heißt im Perfekt. Im Französischen heißt es: ich ging immer wieder in den Wald. Stimmt's? Ja, also nur, dass man das auch bestätigt hat. Das ist dann eben eine durative Form, die es im Französischen dort gibt. Und dikaiōthentes heißt punktuell, das heißt: In einem Akt hat Gott gerechtfertigt, nicht als ein Prozess. Da müsste man Partizip Präsens schreiben. Aorist. Und mit diesem einen Wörtchen dikaiōthentes können wir die ganze Rechtfertigungslehre der katholischen Kirche zerschlagen als Irrlehre in einem Moment.
Der Mensch, der an das Blut des Herrn Jesus glaubt, das Opfer für sich in Anspruch nimmt, seine Schuld im Gebet bekennt, dann spricht Gott ihn gerecht, und jetzt ist er ein Gerechter.
So, jetzt haben wir Pause vor uns, eine halbe Stunde. Wir haben den Römerbrief angeschaut als eine Art Prozessakte gegen die Menschheit, ein Prozess, der geführt wird von Gott dem Richter. Die ganze Menschheit wird verurteilt, und dann die Überraschung: Es gibt einen Ausweg. Der Mensch kann von Gott gerechtfertigt werden aus Gnade durch das Erlösungswerk, durch das erlösende Blut des Herrn Jesus.
So geht also dieser ganze erste Teil von Römer 1, Vers 18 bis Kapitel 5, Vers 11, wo das Problem der Sünden der Menschen behandelt wird und wie Gott das durch die Rechtfertigung aus Glauben allein lösen konnte. Und ich habe ja gesagt: Kapitel 5,1-11 ist gewissermaßen Folgendes: Nach der Verkündigung des Urteils brechen Millionen von Menschen im Gerichtssaal in Jubel aus, sie können das Wunder der Rechtfertigung kaum fassen.
 Römer 5,1: „Da wir nun gerechtfertigt worden sind aus Glauben, so haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus, durch welchen wir mittels des Glaubens auch Zugang haben zu dieser Gnade, in welcher wir stehen, und rühmen uns in der Hoffnung der Herrlichkeit Gottes.“ Dann wird erklärt: Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch der Trübsale. Da wird gezeigt: Auch wenn der Gläubige durch schwierige Dinge im Leben hindurchgehen muss, das ändert nichts an der Tatsache dieser feststehenden Erlösung und Rechtfertigung.
Nun muss ich noch anhängen: Wenn wir diese Rechtfertigung so wieder ganz neu groß vor uns sehen im Römerbrief, wie bedeutsam das war eben in der Kirchengeschichte. Luther war ja ein Mönch bei den Augustinern dort im Orden, und er war ein sehr, sehr guter, sehr feinfühliger Mensch und hatte ständig ein Problem mit der Schuld in seinem Leben. Sein Beichtvater sagte ihm gewissermaßen: Du übertreibst ein bisschen, weißt du, die anderen sind viel schlimmer. Das, was du so getan hast, das ist gar nicht so schlimm. Aber das hat ihn überhaupt nicht getröstet. Und er hat sich immer gefragt: Wie ist das möglich? Wie kann ein gerechter Gott mir gnädig sein? Darum ist er auch dazu gekommen, sich selber zu plagen und zu kasteien. Ihm war das Problem: Gott ist ein gerechter Gott, ein zorniger Gott, und vor dem kann ich nicht bestehen.
Und dann kam dieses berühmte Turmerlebnis. Da hat er im Römerbrief gelesen, und wir haben diesen Vers ja eigentlich schon gelesen, Kapitel 1, Vers 17: „Gottes Gerechtigkeit wird darin geoffenbart aus Glauben zu Glauben, wie geschrieben steht: Der Gerechte aber wird aus Glauben leben.“ Das hat bei ihm so eingeschlagen. Hier steht ja gar nicht, der Gerechte wird durch seine Werke leben, sondern durch den Glauben. Das war das Turmerlebnis. Plötzlich hat er realisiert: Es geht gar nicht um das, was ich leiste, weil ich schaffe es ja nicht, das war ihm klar. Ich schaffe es nicht. Es geht darum, dass ich glaube an das, was der Herr Jesus am Kreuz getan hat. Und das war wie ein Blitzschlag, plötzlich nach Jahren der Ungewissheit und des inneren Unfriedens und Geplagtseins. Dieser Vers löst die ganze Spannung. Und das war eigentlich der Auslöser für die Reformation.
Ich war so frustriert ab dem Luther-Film. Hat er gute Sachen gehört darüber, und genau die Sachen, wo es wirklich drauf ankam, die kommen gar nicht raus. Dieses Turmerlebnis, dass man wirklich versteht, was da geschehen ist, das kommt doch gar nicht raus. Und dann auch, wie er die Studenten unterweist, und immer mehr durch seine Vorlesungen über den Galaterbrief wachsen diese Dinge in ihm: durch Glauben allein, Rechtfertigung Gottes durch Glauben allein. Das hat so Wachstum angenommen, aber wie das dort dargestellt wird, das ist so widerlich. So ein lustiger Professor, der da seine Sprüche reißt und so überhaupt nicht wie Luther war. Ich war so enttäuscht von diesem Film, weil gerade das, worauf es wirklich ankommt und was man in so einem Film hätte darstellen können, das kommt gar nicht heraus.
Also man kann das nicht zu hoch einschätzen, was dieser Vers Römer 1,17 ausgelöst hat. Dadurch ist diese ganze Bewegung der Reformation aufgebrochen. Tausende von Mönchen und Nonnen sind aus den Klöstern ausgetreten und haben erkannt: Allein durch die Gnade Gottes, nicht durch unsere Leistung und nicht dadurch, dass wir da unser Leben im Kloster fristen, allein durch das, was Jesus Christus getan hat. Und so ist diese Bewegung in ganz Europa um sich gegriffen, und unsere ganze evangelische Freiheit, die wir heute haben, all die Freikirchen, die das eigentlich als selbstverständlich festhalten, durch den Glauben an den Herrn Jesus werden wir gerettet ohne unsere Leistung, das ist alles aus diesem Turmerlebnis herausgekommen.
Er war ja der erste Reformator, all die anderen, Martin Bucer, Farel in Neuchâtel oder Calvin und so weiter, die kamen alle später. Das war bei ihm das Turmerlebnis, und dann die 95 Thesen, die er öffentlich angeschlagen hat, dann ging es los, auch bei den anderen. Und alles aus diesem Vers: Der Gerechte aber wird aus Glauben leben. Ein Zitat übrigens aus Habakuk 2,4. Ein ganz kleines Büchlein im Alten Testament, und das ist die Grundlage, kann man sagen, für diese ganze Belehrung im Römerbrief, der Prophet Habakuk um 600 vor Christus geschrieben, und dann eben der Römerbrief und aus dem Römerbrief dann später die Reformation, und dadurch ist diese ganze Freiheit von der römischen Kirche weggekommen, die wir haben.
Und ich meine wirklich Freiheit, denn das, was wir heute machen, das wäre vor der Reformation meinen Kopf gekostet. Ja, ein Nichtordinierter darf nicht öffentlich predigen. Und ich habe mich nie ordinieren lassen und würde mich weigern, das je zu tun, aber es war nicht möglich. Und wir sind uns so völlig daran gewöhnt, da braucht man gar keine Ordination, man kann auch ohne Ordination predigen. Das sind alles Freiheiten, die uns durch diese Reformation schließlich geworden sind.
Aber ich habe ja da unter charakteristischen Ausdrücken und Besonderheiten nicht nur das mit Martin Luther erwähnt. Sehen wir dort den Römerbrief in der Kirchengeschichte. Punkt fünf habe ich noch andere Dinge hinzugefügt. Zu Luther möchte ich noch sagen: 1483 bis 1546 lebte er. Er sagte von dem Römerbrief: „Das ist das Handbuch des Neuen Testaments“, weil es eben ganz speziell systematisch das Evangelium darlegt. Und Calvin, 1509, also er war deutlich jünger als Luther, bis 1564, er hat vom Römerbrief gesagt, er öffne die Tür zu allen Schätzen der Heiligen Schrift. Sehr schön.
Dann möchte ich noch zurückgreifen auf Chrysostomos, einen Prediger, um 349 oder 344 ist er geboren, das weiß man nicht genau, bis 407. Von ihm wird überliefert, dass er jede Woche einmal den Römerbrief durchgelesen hat. Das ist auch noch eine schöne Gewohnheit, oder? Das prägt die Gnade Gottes aus Glauben allein durch Gottes Gnade.
Und jetzt noch ein Beispiel aus der Kirchengeschichte: Aurelius Augustinus, um 386 nach Christus, der berühmte Kirchenlehrer. Aber dieser Augustinus, das war ein ganz schlimmer, der hat ein wüstes Leben geführt, und seine gläubige Mutter Monika hat viel, viel gelitten und gebetet für diesen Augustinus, aber er hat in Unmoral gelebt, Konkubinat, und hat aber eine akademische Karriere gemacht als Philosoph, also wirklich ein erfolgreicher Mann.
Und eines Tages sitzt er in einem Garten, auf den Knien hat er ein Manuskript vom Römerbrief. Und dann hört er da in der Nachbarschaft ein Kind, das spielt und das sagt dauernd: tolle lege, tolle lege, tolle lege, tolle lege, tolle lege. So wie Kinder eben manchmal singen und irgendetwas babbeln, oder? Tolle lege, nimm und lies, nimm und lies, nimm und lies. Und er sagt sich: Ja, könnte ich ja mal, oder? Und er nimmt den Römerbrief zur Hand und liest, und das führt dann wirklich zu seiner Bekehrung. Der Römerbrief zeigt ihm seine Verlorenheit, seine Sündhaftigkeit, und so erkennt er die Gnade Gottes.
Also das sind so Zeugnisse eben durch die Kirchengeschichte hindurch. Aber wie viele Tausende könnte man auch aufzählen, nur sind sie nicht mehr bekannt. Oder man hat sie noch nicht weiter erzählt, die sagen könnten, was der Römerbrief in ihrem Leben gewirkt hat bis heute.
Ja, der Römerbrief gibt eben Antworten auf die alte, alte Frage der Menschheit, die schon in Hiob 9,2 in den Jahrhunderten nach der Sintflut so gestellt wird: „Und wie könnte ein Mensch gerecht sein vor Gott?“ Eine jahrtausendealte Frage!
Und nochmals, ich lese noch Hiob 25,4: „Und wie könnte ein Mensch gerecht sein vor Gott? Und wie könnte rein sein ein von der Frau Geborener? Siehe, sogar der Mond scheint nicht hell, und die Sterne sind nicht rein in seinen Augen, wie viel weniger der Mensch, der Wurm und das Menschenkind.“ Wir wissen ja wohl, wo die Maden sich wohlfühlen. Also das muss ich gar nicht sagen, so hässlich. Und das ist die große Frage: Der Mensch, der verdorbene Mensch, wie könnte er vor Gott gerecht sein? Und der Römerbrief behandelt das ganz ausführlich, wie das möglich ist, dass Gott alle Sünden hinwegtut und den Schuldigen rechtfertigt.
Nun habe ich bei der Prozessakte noch etwas weggelassen. Wir sind ja eigentlich erst bis Kapitel 5, Vers 11 gekommen im Römerbrief, so in der Übersicht. Jetzt folgt nämlich noch eine zweite Gerichtssitzung. Ja, weil überhaupt der erste zusammenhängende Teil des Römerbriefes geht ja bis Kapitel 8. Wir sind jetzt bei Kapitel 5, Vers 11, aber das Jubeln hat bereits begonnen in Kapitel 5,1-11.
Jetzt folgt eine zweite Gerichtssitzung, in der das Problem der sündigen Natur des Menschen behandelt wird, 5,12 bis 8,39. Ich lese mal 5,12: „Darum, gleich wie durch einen Menschen die Sünde in die Welt gekommen und durch die Sünde der Tod, und also der Tod zu allen Menschen durchgedrungen ist, weil sie alle gesündigt haben; denn bis zu dem Gesetz war Sünde in der Welt, Sünde aber wird nicht zugerechnet, wenn kein Gesetz ist. Aber der Tod herrschte von Adam bis auf Moses, selbst über die, welche nicht gesündigt hatten, in der Gleichheit der Übertretung Adams, der Vorbild des Zukünftigen ist. Ist aber nicht wie die Übertretung, also auch die Gnadengabe; denn wenn durch des einen Übertretung die vielen gestorben sind, so ist vielmehr die Gnade Gottes und die Gabe in Gnade, die durch einen Menschen, Jesus Christus, ist, gegen die vielen überströmend geworden. Und ist nicht wie durch einen, der gesündigt hat, so auch die Gabe; denn das Urteil war von einem zur Verdammnis, die Gnadengabe aber von vielen Übertretungen zur Gerechtigkeit. Denn wenn durch die Übertretung des einen der Tod durch den einen geherrscht hat, so werden vielmehr die, welche die Überschwänglichkeit der Gnade und der Gabe der Gerechtigkeit empfangen, im Leben herrschen durch den einen Jesus Christus. Also nun, wie es durch eine Übertretung gegen alle Menschen zur Verdammnis gereichte, so auch durch eine Gerechtigkeit gegen alle Menschen zur Rechtfertigung des Lebens. Denn gleich wie durch des einen Menschen Ungehorsam die vielen in die Stellung von Sündern gesetzt worden sind, so werden auch durch den Gehorsam des einen die vielen in die Stellung von Gerechten gesetzt werden.“
Sehr schwierig, aber das ist ja nichts Neues. Der Römerbrief ist schwierig, und der Apostel Petrus hat ja auch geschrieben am Ende von 2. Petrus 3, dass die Briefe des Apostels Paulus schwer zu verstehen sind. Aber das soll uns nie entmutigen. Wir sollen immer denken: Es heißt in den Sprüchen, es ist Gottes Ehre, eine Sache zu verbergen, und der Könige Ehre, eine Sache zu erforschen. Und die Gläubigen sind ja Könige, nach Offenbarung 1,5 hat uns gemacht zu einem Priestertum, zu Königen, seinem Gott und Vater. Ja, also wir sollen das erforschen.
Nun, hier in dieser zweiten Gerichtssitzung wird ein neues Problem vorgebracht: das Problem der sündigen Natur des Menschen. Wir haben da gelesen: „Darum gleich wie durch einen Menschen die Sünde in die Welt gekommen.“ Was ist die Sünde? Nun, wenn wir weiterlesen, auch durch das Kapitel 6 und 7 hindurch, auch Kapitel 8, dann kommt dieser Ausdruck „die Sünde“ immer wieder vor. Und da wird klar: Damit ist hier nicht gemeint eine bestimmte böse Tat, sondern die Sünde wird beschrieben als etwas, das im Menschen drin ist, eine Macht, eine Kraft in uns, eine Natur, die den Menschen eben dazu drängt, sündige Taten zu vollbringen.
Also man könnte sagen, wie beim Bild eines Baumes: Es ist die Wurzel im Gegensatz zu den Früchten, das sind die Sünden, die Tatsünden. In Römer 1,18 bis 5,11 wird das Problem der Früchte behandelt, die sündigen Früchte, die wir hervorgebracht haben. Wie kann das hinweggetan werden? Und wir haben gelesen: Durch die Rechtfertigung.
Und jetzt kommt das Problem: Ja, durch einen Menschen, das war Adam, kam die Sünde in die Welt. Das Problem, dass wir Menschen eine sündige Natur haben, ein Wesen, das uns von klein an drängt, immer zum Bösen hin, eine Kraft in uns. Und wir haben gelesen, ich möchte das wiederholen, Vers 19: „Denn gleich wie durch des einen Menschen Ungehorsam die vielen in die Stellung von Sündern gesetzt worden sind.“ Also durch den Sündenfall Adams, der Gottes Bund bewusst gebrochen hat, Hosea 6,3, sind alle Nachkommen von Adam in die Stellung von Sündern versetzt worden.
Also das, was hier mit „die Sünde“ beschrieben wird, das hat man auch oft bezeichnet als „die Erbsünde“. Aber dieser Ausdruck kommt so in der Bibel nicht vor. Aber sinngemäß ist es eben korrekt: Das ist die sündige Natur, die wir Menschen geerbt haben von Adam. Denn vom Sündenfall an war Adam nicht mehr ein Mensch nach Gottes Gedanken. Da war ein Gottesbild erschaffen worden. In Prediger 7 steht: Gott hat den Menschen gerade erschaffen, sie aber haben viele Ränke gesucht. Der Mensch wurde ein Sünder, und wir lesen dann etwas Interessantes in 1. Mose 5,3, das ist also nach dem Sündenfall. Da steht: „Und Adam lebte hundertunddreißig Jahre und zeugte einen Sohn in seinem Gleichnis, nach seinem Bild, und gab ihm den Namen Seth.“
Nun, dieser Seth war ein Sünder, und Adam hat ihn gezeugt in seinem Bild, in seinem Gleichnis, dass er war seit dem Sündenfall ein Sünder. Und so kam also durch den einen Menschen die Sünde in die Welt, und als Folge davon auch der Tod, also etwas ganz Neues, ein neues Phänomen kam der Tod in die Welt. Und nun ist diese sündige Natur eben von Generation zu Generation weitergegeben worden.
Ich habe auf dem Skript Seite 2 oben geschrieben: „Die Sünde“ – eben ab Römer 5,12 – das ist die von Adam an alle Nachkommen vererbte sündige Natur, die sich als Hang und Trieb zum Bösen äußert und zum Sündigen anreizt. Dann haben wir aber auch noch einen anderen Ausdruck, der immer wieder kommt: das Fleisch, zum Beispiel Römer 7,5.18, Römer 7,25, Römer 8,3 usw. Auch dieser Ausdruck bezeichnet die von Adam an alle Nachkommen vererbte sündige Natur, die sich als Hang und Trieb zum Bösen äußert und zum Sündigen anreizt.
Und nun eine wichtige Erklärung: Sie kennzeichnet die gesamte Menschheit im Alten Testament schon als alles Fleisch genannt. Wenn Gott die Menschheit anschaut, 1. Mose 6, sagt er: „Alles Fleisch hat seinen Weg verderbt.“ Das kennzeichnet den Menschen äußerlich, das Fleisch des Körpers, das sieht man. Und so ist das Fleisch im Alten Testament einfach ein Begriff für die Menschheit. Aber weil die gesamte Menschheit eben gekennzeichnet ist durch diesen Hang zum Bösen, wird die sündige Natur im Menschen schlicht bezeichnet als das Fleisch. Wenn über das böse Fleisch im Neuen Testament gesprochen wird, ist damit nie gemeint der Körper, denn der Körper ist ja Gottes Werk. Gott hat uns diesen Körper gegeben, er hat Adam als Schöpfer seinen Körper gegeben. Der Mensch ist eine Einheit aus Geist, Seele und Körper, das ist nicht das Negative. Aber diese böse Natur im Fleisch, und die wird darum einfach genannt das Fleisch oder die Sünde, weil sie nichts anderes kann als nur sündigen und zum Sündigen treiben.
Also ganz wichtig: Die Sünde ist nicht zu verwechseln mit die Sünden in der Mehrzahl, das wären dann eindeutig sündige Taten. Und in Römer 5,12 da ist die Sünde und auch das Fleisch ein wichtiger Schlüsselbegriff, den wir uns eben aneignen müssen, damit man das dann auch gut verstehen kann.
Zu diesem Fleisch möchte ich noch als Beispiel Römer 7,18 lesen: „Denn ich weiß, dass in mir, das ist in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt; denn das Wollen ist bei mir vorhanden, aber das Vollbringen dessen, was recht ist, finde ich nicht.“ Und dann sehen wir diese böse Natur auch beschrieben in Vers 23: „Ich sehe ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das dem Gesetz meines Sinnes widerstreitet und mich in Gefangenschaft bringt unter das Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern ist.“
Also Paulus sagt: Ich sehe in meinem Körper drin ein Prinzip, eine Gesetzmäßigkeit, und diese Gesetzmäßigkeit widerspricht dem Gesetz meines Sinnes, meines Denkens. Wenn ich mir überlege, muss ich sagen: Also jemandem etwas wegnehmen, etwas mitlaufen lassen, wie man salopp sagt, das ist doch nicht recht. Ich möchte schließlich auch nicht, dass der andere bei mir etwas mitlaufen lässt. Also das Denken des Menschen kann ihm zeigen: Das ist nicht recht. Paulus sagt: Ich habe in meinen Gliedern drin, spüre ich ein Gesetz, das genau diesem logischen Denken über Recht und Unrecht widerspricht, und das führt mich in Gefangenschaft, widerstreitet und mich in Gefangenschaft bringt unter das Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern ist. Also diese sündige Natur hat eine Gesetzmäßigkeit, und die versklavt den Menschen.
Nun, eben in dieser zweiten Gerichtssitzung geht es jetzt um das Problem der sündigen Natur des Menschen, und auch hier weist der Richter den Ausweg. Es gibt auch da Rechtfertigung und Befreiung von der Macht der Sünde, Kapitel 6, Vers 7 und Vers 18. Und schließlich endet dann eben die zweite Sitzung ebenfalls mit, und zwar mit einem noch gewaltigeren Jubel von Millionen von Angeklagten. Diesen Jubel finden wir dann in Römer 8,1 bis zum Schluss. Es gibt auch da eine Lösung für diese böse Natur in uns.
Nun, es wird ja hier in Römer 5 erklärt: Durch den Ungehorsam des Menschen sind wir in die Stellung von Sündern gekommen. Jedes Kind hat von Anfang an in sich dieses Gesetz der Sünde, und darum wird das Kind als Sünder geboren. Noch bevor es etwas Sündiges getan hat, ist es bereits ein Sünder, weil es das sündige Wesen in sich hat. Also durch den Ungehorsam des einen Menschen, Adam, sind wir in die Stellung von Sündern gesetzt worden.
Und das möchte ich noch ein bisschen unterstreichen, auch mit dem Alten Testament. Denn es ist nun wichtig, dass man das vielleicht auch weiß: Im Judentum wird diese Wahrheit, also im orthodoxen Judentum wird diese Wahrheit geleugnet. Bis auf den heutigen Tag wird im rabbinischen Judentum gesagt, der Mensch ist nicht ein Sünder in dem Sinn, dass er eine sündige Natur hat, sondern man sagt, er hat in sich eigentlich beide Möglichkeiten. Der Mensch habe den Jezer Ra, die Neigung zum Bösen, und Jezer Tov, die Neigung zum Guten. Und da haben auch aber nicht alle. Gewisse Rabbiner früher haben gelehrt: Wenn bei einem Menschen schon im Mutterleib der Jezer Ra stärker ist als Jezer Tov, dann wird er behindert geboren.
Und dann versteht man auch, warum in Johannes 9 die Jünger mit dem Herrn an einem Blindgeborenen vorbeigehen und sie sagen: Wer hat gesündigt, dass er blind geboren ist, dieser oder seine Eltern? Da gibt es so eigenartige Leute, die sagen: Ha, seht ihr, die haben an Reinkarnation geglaubt. Nein, es geht um die Frage: Ist er schuld, eben weil der Jezer Ra, wie gewisse Rabbiner sagen, überwogen hat, dass er behindert geboren ist? Und der Herr sagt: Nein, sondern das ist damit die Herrlichkeit Gottes an diesem Menschen offenbar werden sollte.
Aber die Bibel lehrt im Alten Testament schon diese Verdorbenheit von Anfang an, und zwar Psalm 51, da sagt König David in seinem Bußgebet wegen Batseba, wegen dem Ehebruch, Psalm 51, Vers 6, oder Vers 5, je nach Bibelausgabe: „Siehe, in Ungerechtigkeit bin ich geboren, und in Sünde hat mich empfangen meine Mutter.“ Da wird doch ganz klar schon alttestamentlich bezeugt, dass der Mensch eben im sündigen Zustand geboren wird. Dann noch Psalm 58,3 als Ergänzung: „Abgewichen sind die Gesetzlosen von Mutterschoß an, es irren von Mutterleib an die Lügenredner.“ Vielleicht könnte man noch ergänzen Psalm 116: Alle Menschen sind Lügner. Es irren von Mutterleib an die Lügenredner.
Nun, hier wird wirklich jetzt die Wurzel des Problems behandelt im Römerbrief, und das ist ein Problem bis heute, das oft auch in der Verkündigung nur das Problem der Tatsünden in den Vordergrund gestellt wird, aber das Problem der Verdorbenheit, das wird oft nicht behandelt. Aber das müsste mit zu dieser Gesamtdarstellung des Heils im Römerbrief gehören.
Und so kommt es eben: Jemand kommt zum Glauben, er jubelt über die Rechtfertigung aus Glauben wegen der Tatsünden, und dann als Gläubiger merkt er: Oh, wir haben das Problem immer noch in mir drin. Was ist jetzt? Und schauen wir mal diese Erfahrung, die beschrieben wird in Römer 7,14: „Denn wir wissen, dass das Gesetz geistlich ist; ich aber bin fleischlich, unter die Sünde verkauft. Denn was ich vollbringe, anerkenne ich nicht; denn nicht was ich will, das tue ich, sondern das, was ich hasse, das übe ich aus. Wenn ich aber das, was ich nicht will, ausübe, so stimme ich dem Gesetz bei, dass es recht ist. Nun aber vollbringe nicht mehr ich dasselbe, sondern die in mir wohnende Sünde. Da sehen wir wieder, diese Kraft wohnt im Menschen drin, denn ich weiß, dass in mir, das ist in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt; denn das Wollen ist bei mir vorhanden, aber das Vollbringen dessen, was recht ist, finde ich nicht. Denn das Gute, das ich will, übe ich nicht aus, sondern das Böse, das ich nicht will, dieses tue ich. Wenn ich aber dieses, was ich nicht will, ausübe, so vollbringe nicht mehr ich dasselbe, sondern die in mir wohnende Sünde. Also finde ich das Gesetz für mich, in dem ich das Rechte ausüben will, dass das Böse bei mir vorhanden ist. Denn ich habe Wohlgefallen an dem Gesetz Gottes nach dem inneren Menschen, aber ich sehe ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das dem Gesetz meines Sinnes widerstreitet und mich in Gefangenschaft bringt unter das Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern ist. Ich elender Mensch, wer wird mich retten von diesem Leib des Todes?“
Viele Menschen, die zum Glauben gekommen sind, haben genau diese Erfahrung danach gemacht. Sie haben gewusst, das Problem der Tatsünden ist erledigt, und plötzlich stellen sie fest: Aber ich habe ein Problem mit mir selber. Ich möchte wirklich so leben, wie der Herr das will, und ich schaffe es ständig nicht. Da sehen wir: Das ist jemand, der ganz aufrichtig ist. Ich habe Wohlgefallen am Gesetz Gottes, aber ich merke, ich tue genau das, was ich gar nicht will, was ich eigentlich hasse, das tue ich. Und es kommt so zu einer Steigerung, dass er schließlich sagt: Ich elender Mensch, wer wird mich retten von diesem Leib des Todes?
Aber diese Erfahrung kann dann sehr heilsam sein, indem er merkt: Die ganze Blickrichtung ist ja eigentlich falsch. Ich lese mal ein bisschen übertrieben, und da merkt man, wo das Problem ganz besonders liegt. Ich lese nochmals Römer 7,14 in der Mitte: „Ich aber bin fleischlich, unter die Sünde verkauft; denn was ich vollbringe, anerkenne ich nicht; denn nicht was ich will, das tue ich, sondern was ich hasse, das übe ich aus. Wenn ich aber das, was ich nicht will, ausübe, so stimme ich dem Gesetz bei, dass es recht ist. Nun aber vollbringe nicht mehr ich dasselbe, sondern die in mir wohnende Sünde; denn ich weiß, dass in mir, das ist in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt; denn das Wollen ist bei mir vorhanden usw.“ Es dreht sich alles nur um einen selbst. Und so verzweifelt der Mann in Römer 7.
Und dann kommt die Blickänderung ab Vers 25: „Ich danke Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn.“ Jetzt geht der Blick plötzlich von sich selber weg auf den Herrn. Es ist so: Wenn wir dauernd in unserem Glaubensleben auf uns selbst schauen und in uns hineinblicken, dann erleben wir diese Enttäuschung. Wir müssen nie denken, dass wir glücklich werden, wenn wir in uns hineinschauen. Das ist so Hinduismus, oder? Du musst in dich selber hineinhören und so. Solches Zeug wird doch erzählt von Esoterikern bei uns. Nein, das macht uns nur unglücklich. Wir müssen eben von uns weg auf den Herrn und sehen: Er hat auch das Problem, die Wurzel, gelöst.
Und jetzt versteht man auch, warum Paulus in Römer 6 über die Taufe spricht. Ich möchte da lesen: Römer 6,1: „Was sollen wir nun sagen? Sollen wir in der Sünde verharren, damit die Gnade überströme? Das sei ferne! Wir, die wir der Sünde gestorben sind, wie sollen wir noch in derselben leben? Oder wisst ihr nicht, dass wir, so viele auf Christus Jesus getauft worden, auf seinen Tod getauft worden sind? So sind wir nun mit ihm begraben worden durch die Taufe auf den Tod, auf dass, gleich wie Christus aus den Toten auferweckt worden ist durch die Herrlichkeit des Vaters, also auch wir in Neuheit des Lebens wandeln. Denn wenn wir mit ihm eins gemacht worden sind in der Gleichheit seines Todes, so werden wir es auch in der seiner Auferstehung sein, indem wir dieses wissen, dass unser alter Mensch mitgekreuzigt worden ist, auf dass der Leib der Sünde abgetan sei, dass wir der Sünde nicht mehr dienen; denn wer gestorben ist, ist gerechtfertigt, wörtlich freigesprochen, von der Sünde.“
Nun erklärt der Apostel Paulus: Es ist ja so, in der Taufe haben wir bezeugt, unser altes Leben ist begraben. Die Taufe ist quasi die bildliche Darstellung eines Begräbnisses. Das versteht man ja gut, wenn man denkt, wie man früher mit Schiffen nach Amerika gegangen ist, und dann ist jemand unterwegs gestorben. Was hat man gemacht? Er hatte keine Kühltruhe oder so etwas, und dann hat man ihn über Bord geworfen, dann wurde das Meer sein Grab. Ja, und in der Taufe wird genau das ausgedrückt: Der Täufling sagt, mein altes Leben ist vorbei, der Herr Jesus ist für meine Sünden gestorben, nicht nur das, er ist auch für das gestorben, was ich bin, was ich war, ein Sünder. Und so wird der Täufling untergetaucht. Das ist natürlich nur symbolisch, darum macht man das nicht zu lange. Und dann kommt er wieder herauf, und das ist dann auch ein Hinweis darauf, dass der Herr Jesus auferstanden ist, und das bedeutet für uns einen neuen Lebenswandel.
 Römer 6,4, am Schluss haben wir gelesen: „Also auch wir in Neuheit des Lebens wandeln.“ Es ist ganz falsch, wenn jemand sagt, Römer 7, da wo wir gelesen haben über diesen elenden Menschen, das sei so die normale Beschreibung des Christen. Das ist nicht richtig, das ist nicht der normale Christ, sondern Paulus erklärt hier, dass das Ziel Gottes ist, dass wir in Neuheit des Lebens wandeln. Aber eben, das kann eine Phase sein, wo man diese Erfahrung macht, dass das Böse immer noch da ist.
Und es ist eben oft so, dass Menschen bei der Bekehrung sich zwar bewusst sind, was sie getan haben, also nicht mehr alles, aber wichtige Dinge schon, und andere kommen dann auch nachher noch wieder in Erinnerung, dann kann man sie auch wieder Gott bekennen. Aber wenige sind sich bewusst: Ich bin von Natur aus ein völlig verdorbener Mensch. Und darum kommt dann oft eben in der Zeit nach der Bekehrung das immer mehr zum Bewusstsein. Und vielleicht gerade Teenager, wenn sie so durchgedreht sind manchmal in der Pubertät, können sie dann eben gerade auch dadurch diese Erfahrung machen: Ich bin eigentlich ein völlig verdorbener Mensch. Ich habe mich zwar mit dreizehn bekehrt, aber was jetzt da wieder abgegangen ist, ist ja eigentlich ... Eigentlich möchte ich ja gar nicht so mit meiner Mutter umgehen. Ja, dann lernen sie das verdorbene Fleisch, die verdorbene Sünde kennen. Und das sollte sie dazu führen, dass sie schließlich sagen: Ich elender Mensch, wer will mich retten von diesem Leib des Todes? Und dann kommt der Blick auf den Herrn Jesus. Er ist ja auch gestorben dafür.
Und jetzt haben wir gelesen, ich wiederhole Römer 6,2: „Wir, die wir der Sünde gestorben sind, wie sollen wir noch in derselben leben?“ Also hier steht nicht: Die Sünde ist gestorben. Das sagen manche oft: Ja, der alte Mensch und die Sünde, und das wird alles durcheinandergeworfen, das ist gestorben. Nein, wir sind der Sünde gestorben. Ja, und jetzt, was hat das für Konsequenzen? Ja, also unser Leben ist vorbei, wir haben mit der Sünde eigentlich nichts mehr zu tun. Ich war auf einem Grab von einem Alkoholiker, Whisky-Flasche hinstellt, der reagiert nicht mehr. Und wenn wir uns bewusst sind, also unser altes Leben ist vorbei, wir sind gestorben mit Christus, also es ist vorbei im Blick auf diese sündige Natur, dann heißt das nicht, diese sündige Natur sei nicht mehr da, aber wir haben nichts mehr zu tun mit ihr. Und wenn wir sie spüren, und wir spüren sie jeden Tag auf ganz unterschiedliche Art, das kann von Eifersucht gehen bis zu unmoralischen Gedanken. Aber wir müssen gar nicht mehr reagieren, so wie ein Toter nicht reagiert auf die Versuchung.
Und so steht dann in Römer 6: Es ist alles viel einfacher, wenn man das erklärt, als dann in der Praxis, aber man muss es eben mal theoretisch vor sich haben, und dann kommt das Praktische auch. Danach Römer 6,12: „So herrsche denn nicht die Sünde in eurem sterblichen Leib, um seinen Lüsten zu gehorchen; stellt auch nicht eure Glieder der Sünde dar zu Werkzeugen der Ungerechtigkeit.“
Vers 11 hätte ich noch dazulesen sollen: „Also auch ihr haltet oder betrachtet euch in Bezug auf die Sünde für tot, Gott aber lebend in Christus Jesus.“ Also er sagt: Macht euch das klar, in Bezug auf die sündige Natur seid ihr tote Menschen, der Taufe untergetaucht, in Bezug auf Gott seid ihr lebendige Menschen, wieder auferstanden. Also wir sollen uns mit Gott, mit dem Herrn Jesus beschäftigen. Ich danke Gott durch Jesus Christus, den Blick auf ihn richten. Und wir sollen im Blick auf die Sünde nicht mehr reagieren, also auf die schlechten Gedanken, die kommen, einfach nicht darauf eingehen, sich nicht damit beschäftigen, also gar nicht überrascht sein, dass die Gedanken überhaupt kommen. Die kommen, aber dann dreht man auf Durchzug, oder? Oder so wie der TGV in Frankreich, der fährt einfach durch, oder? In großem Tempo. Und so sollen wir darauf nicht eingehen, aber unsere Glieder, Hände, Füße usw. sollen wir Gott zur Verfügung stellen und nicht mehr der sündigen Natur. Wir sollen eben Gott dienen damit.
Und dann wird die Verheißung gemacht in Vers 14: „Denn die Sünde wird nicht über euch herrschen, denn ihr seid nicht unter Gesetz, sondern unter Gnade.“ Das ist doch wunderbar. Hier wird also klar gemacht: Wir sind nicht mehr unter dem Zwang, dass wir dieser Natur gehorchen müssen. Also ganz krass gesagt, es ist dann sehr übertrieben, aber dann versteht man wirklich, was gemeint ist: Als Ungläubige haben wir fahrplanmäßig gesündigt, und als Gläubiger ist es Entzückung, Glück. Damit will ich noch nicht irgendwie gesagt haben, wir erreichen so knapp die Perfektion oder so, aber einfach um klarzumachen: Früher war das gesetzmäßig, fahrplanmäßig, und jetzt erkennt der Gläubige: Nein, ich muss gar nicht mehr, denn der Herr ist auch dafür gestorben.
Und nun eben die Rechtfertigung bezieht sich nicht nur auf die Sünden, sondern Römer 6,7 sagt: „Denn wer gestorben ist, ist gerechtfertigt von der Sünde.“ Gott betrachtet mich nicht mehr als einen Menschen, der unter der Herrschaft der sündigen Natur, die ich immer noch spüre, steht. Gott sieht mich wirklich als Gerechten, freigesprochen von der Sünde. Alles weg, alles weg. Gott sieht jeden Erlösten also als einen wirklichen Gerechten.
Und das führt dann eben in Römer 8 zu diesem noch größeren Jubel. Römer 8 beschreibt nun so ausführlich den Reichtum unserer Erlösung durch Jesus Christus. Ich greife nur heraus, zum Beispiel Römer 8,14: „Denn so viele durch den Geist Gottes geleitet werden, diese sind Söhne Gottes. Denn ihr habt nicht einen Geist der Knechtschaft empfangen wiederum zur Furcht, sondern einen Geist der Sohnschaft habt ihr empfangen, in welchem wir rufen: Abba, Vater! Der Geist selbst bezeugt unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind. Wenn aber Kinder, so auch Erben, Erben Gottes und Miterben Christi, wenn wir anders mitleiden, damit wir auch mitverherrlicht werden.“
Da werden uns so großartige Perspektiven aufgezeigt, unsere Erlösung, unsere Beziehung zu Gott als „Abba, Vater“ – eine Beziehung, die alles übersteigt, was im Alten Testament überhaupt denkbar war. Und so sehen wir: Der Zustand von Römer 7, das ist nicht das Normale. Die Wende kommt mit 7,25: „Ich danke Gott durch Jesus Christus.“ Es kann sein, dass wir dann eine Zeit plötzlich wieder das Gefühl haben, es ist wieder so wie in Römer 7. Dann müssen wir wieder diesen Wendepunkt ganz bewusst vollziehen. Und das Schöne ist dann in Römer 8: Das ganze Kapitel am Anfang und am Schluss ist eingerahmt durch die Heilsgewissheit. Und eben der Geist Gottes wirkt so: Der Geist bezeugt unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind. Der Heilige Geist bewirkt bei dem Gläubigen, der sich wirklich aus diesem Zustand von Römer 7 wegwendet, gibt er dann auch diese innere Gewissheit der Gotteskindschaft.
Es kann sein, dass jemand eben bekehrt ist, aber in dem Zustand von Römer 7, und er hat keine Heilsgewissheit. Das heißt nicht, dass er jetzt nicht bekehrt ist. Da muss man ihn belehren und ihm zeigen: Die Erlösung umfasst eben die Tatsünden und auch das Problem der sündigen Natur in uns. Ja, und so wird eben mit Römer 8 das so herrlich abgerundet, diese Übersicht über die gesamte Erlösung.
Übrigens ist noch interessant: Wenn wir uns bedenken, das ist so eine Gesamtschau der Erlösung des Evangeliums, haben wir irgendwie etwas gelesen von einem speziellen Befreiungsdienst, speziellen Sitzungen und so und genealogischer Nachforschung über die Vorfahren, was die alles getrieben haben? Echt, manchmal wirkt die Bibel nur schon, wenn man überlegt, was da eigentlich nicht steht. Nicht nur das, was da steht, ist wunderbar, sondern auch das, was nicht steht. Solche Dinge werden gar nicht behandelt. Es wird gezeigt: Wenn der Mensch eben die Rechtfertigung im Glauben erfasst und auch diese Befreiung von der sündigen Natur im Glauben erfasst, dann sind diese Probleme ... Da muss man nicht Angst haben, der Teufel hat irgendwie noch ein Anrecht usw. Nein, hat er sowieso nicht. Gerechtfertigt aus Glauben, also freigesprochen.
Und darum sagt der Apostel Paulus in Römer 8,31: „Was sollen wir nun hierzu sagen? Wenn Gott für uns ist, wer wider uns? Er, der doch seines eigenen Sohnes nicht geschont, sondern ihn für uns alle hingegeben hat, wie wird er uns mit ihm nicht auch alles schenken? Wer wird wider Gottes Auserwählte Anklage erheben? Gott ist es, der rechtfertigt; wer ist der Verdamme? Die Sache ist erledigt. Gott hat in der Gerichtssitzung gerecht gesprochen, jetzt kann niemand mehr Ansprüche geltend machen. Und wenn jemand das Gefühl hat, ja, aber Satan doch irgendwelche Ansprüche, dann muss man sagen: Dann hast du aber nicht richtig geglaubt, dass diese Rechtfertigung gilt. Man muss nachholen, schleunigst, und dann muss man überhaupt nicht mehr von solchen Ansprüchen Angst haben, das ist vorbei. Wer wird von Gottes Liebe trennen? Ich bin überzeugt, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstentümer – das sind Engelgewalten, da gehört der Satan auch dazu –, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges und so weiter noch irgendein Geschöpf uns je zu scheiden vermögen wird von der Liebe Gottes.“
Ja, und so wird das abgeschlossen, und jetzt kommen Römer 9 bis 11, diese Abteilung über die Bedeutung Israels. Da wird erklärt, dass die Masse des Volkes Israel, des jüdischen Volkes, den Messias verworfen hat. Jetzt stellt sich die Frage: Hat jetzt Gott sein irdisches Volk aufgegeben? Dann erklärt der Apostel Paulus: Das sei ferne, unmöglich. Und so macht er in diesen Kapiteln klar: Natürlich habe ich ja früher gesagt, es ist kein Unterschied, alle haben gesündigt, es ist kein Vorrecht, ein Jude zu sein, denn Juden sind genauso unter dem Zorn Gottes wie die Nichtjuden. Aber es ist natürlich nicht so, dass jetzt die Auserwählung des irdischen Volkes Gottes nichts bedeutet. Natürlich bedeutet das etwas für diese Erde. Gott hat dieses Volk auserwählt, hat Abraham, Isaak und Jakob Verheißungen gemacht, und die sind jetzt nicht hinfällig geworden.
Und so erklärt er in diesem Kapitel: Aber das jüdische Volk als irdisches Volk ist jetzt auf der Wartebank, und nun haben die Heidenvölker die große Chance, den Messias, den Erlöser, kennenzulernen. Und tatsächlich, wenn wir denken: Paulus hat das geschrieben im Jahr 57 nach Christus, also noch 13 Jahre vor dem Untergang Jerusalems und des Tempels im Jahr 70, und dann kam ja die Zerstreuung der Juden über die ganze Welt. Und er sagt schon im Jahr 57: Gott hat sein Volk auf die Seite gestellt. Und jetzt kommt die frohe Botschaft zu den Völkern dieser Welt. Also hat Gott die Katastrophe, dass die Masse seines Volkes den Erlöser abgelehnt hat, benutzt, um nun den anderen Völkern eine Chance zu geben. Da staunt man über die Pläne Gottes. Und genau jetzt in den vergangenen zweitausend Jahren, als die Juden zerstreut waren, ist die frohe Botschaft unter allen fünf Kontinenten verkündigt worden.
Aber dann erklärt der Apostel Paulus: Das Volk Israel, ausgehend von Abraham, Isaak und Jakob, kann man vergleichen mit einem Ölbaum. Die Erzväter sind diese Wurzel, es geht um die Verheißung Gottes. Und nun hat Gott einige Zweige ausbrechen müssen, aber die wird er wieder einfügen, wieder einfügen. Und wieso nimmt er das Bild vom Ölbaum? Viele Israelreisende lernen das besonders dort kennen. Der Ölbaum ist ein immergrüner Baum, der verliert die Blätter nicht, und so ist das eben ein Symbol dafür, dass Gottes Zusagen und Verheißungen an Abraham für sein Nachkommen nicht hinfällig geworden sind durch das, was geschehen ist mit der Kreuzigung.
Und so erklärt Paulus in Römer 11,29: „Denn die Gnadengaben und die Berufung Gottes sind unberäubar.“ Die gelten immer noch. Und so wird dann erklärt in Römer 11,25: „Denn ich will nicht, Brüder, dass euch dieses Geheimnis unbekannt sei, auf dass ihr nicht euch selbst klug dünkt, dass Verstockung Israel zum Teil widerfahren ist, bis die Vollzahl der Nationen eingegangen sein wird, und alsdann wird ganz Israel gerettet werden.“
Ein Geheimnis ist im Neuen Testament immer eine Wahrheit, die im Alten Testament verborgen war. Jetzt erklärt Paulus: Es ist ein Geheimnis, Israel ist zum Teil verstockt worden, dadurch, dass die Masse den Messias verworfen hat. Übrigens nicht alle, zum Teil, allerdings kann man sagen, es war dann wirklich ein sehr großer Teil. Nun sagt der Apostel Paulus: Aber das ist, bis die Vollzahl der Nationen eingegangen ist. Gott hat also eine ganz bestimmte Zahl von Menschen unter den Heidenvölkern festgelegt, die werden zum Glauben kommen, und dann wird Israel wieder auf den Plan gestellt, als irdisches Volk Gottes. Und natürlich, wir wissen nicht, welche Zahl das ist. Und selbst wenn wir die Zahl wüssten, wir wissen ja nicht mal, wie viele sich echt bekehrt haben in den vergangenen zweitausend Jahren. Aber es ist eine bestimmte Zahl, die Gott festgelegt hat, und wenn die voll ist, dann heißt das: Dann wird ganz Israel gerettet werden.
Eigenartig: In Kapitel 9 sagt Paulus, wenn die Zahl der Kinder Israel wäre wie das Andmeer, nur ein Überrest wird gerettet werden. Wie bringt man das zusammen? Ganz einfach. In Sacharja 13,8 steht, dass in der großen Drangsal, dreieinhalb Jahre vor dem Kommen des Herrn Jesus als Richter der Welt, da werden zwei Drittel der Juden im Land umkommen, und ein Drittel wird sich bekehren, und dieser Drittel ist dann der Überrest. Aber wenn der allein überlebt, dann ist er dann ganz Israel. Und darum steht: Dann wird ganz Israel errettet werden.
Also wunderbar diese Pläne Gottes, wie Israel auf die Seite gestellt wird, die Chance der Heiden, und so viele Millionen sind zum Glauben gekommen, richtig zum Glauben gekommen in den vergangenen zweitausend Jahren. Und dann steht eben als Abschluss dieses Teils in Römer 11,33: „O Tiefe des Reichtums, sowohl der Weisheit als auch der Erkenntnis Gottes! Wie unausforschlich sind seine Gerichte und unausspürbar seine Wege usw.“ Also eine Anbetung schließt dieses Kapitel ab. Man kann nur staunen, wie Gott, obwohl der Mensch störrisch ist und eigenwillig seine Wege führt, auf wunderbare Weise und zum Ziel kommt mit Heidenvölkern, zum Ziel kommt mit dem irdischen Volk Israel.
Dann kommt Kapitel 12, und zwar wichtig ist nun, wie das einsetzt: „Ich ermahne euch nun, Brüder, durch die Erbarmungen Gottes, eure Leiber darzustellen als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Schlachtopfer.“ Dieses Wort nun habe ich in meiner Bibel speziell gekennzeichnet, denn das heißt: Das ist nun die Schlussfolgerung aus allen elf Kapiteln. Wenn Gott so Großartiges für uns getan hat und das schon vor Erschaffung der Welt geplant hat, dann gibt es doch nur noch eine Konsequenz, dass wir ihm unser Leben als Opfer ganz zur Verfügung stellen. Alle unsere Begabungen, alles, was wir sind. Darum sagt er: eure Leiber darstellen als lebendiges Schlachtopfer.
Nicht wahr? Im Tempel in Jerusalem musste man immer, bevor das Opfertier geschlachtet wurde, geschächtet wurde, musste man es mit dem Kopf gegen das Tempelhaus ausrichten. Das war die Darstellung des Opfers. Damit wurde durch die Ausrichtung auf das Tempelhaus gegen das Allerheiligste hin das Opfer quasi ganz Gott geweiht. Es war ein lebendiges Opfer, ja, weil es war noch nicht geschlachtet. Und das wird jetzt hier aufgenommen: Wir sollen uns als lebendige Schlachtopfer Gott darstellen. Das heißt, alles, was wir sind und haben, diesem Gott, der diese Erlösung geschenkt hat, zur Verfügung stellen.
Und dann wird erklärt in den weiteren Versen unser Verhältnis gegenüber dieser Welt, dass Gott nicht will, dass wir uns dieser Welt anpassen, sondern dass unser Denken ständig mehr verändert wird. Dann wird erklärt das Verhältnis gegenüber den anderen Gläubigen. Dann wird erklärt in Kapitel 13 das Verhältnis gegenüber dem Staat, dann in Kapitel 14 das Verhältnis gegenüber schwachen Gläubigen usw. In allen möglichen Situationen wird gezeigt, was das nun für praktische Konsequenzen für das Leben hat.
Es ist sehr wichtig, dass man die Reihenfolge sieht. Zuerst wird im Römerbrief die zusammenhängende Lehre über die Rettung gezeigt und erst dann die Praxis. Es gibt viele Christen, die sagen: Ich habe ein bisschen Mühe mit Lehre, und ich liebe es, wenn man ganz praktische Dinge erzählt. Ist gut, aber das reicht nicht. Wir brauchen die Lehre, um dann die Praxis richtig zu haben, sonst gibt es auch einen Krampf. Dann meint man wieder – gerade gestern in einer Jugendgruppe gesagt – gut, er war noch nicht bekehrt, aber dann gesagt: Ja eben, dann geht es darum, dass wir lieb sind. Nein, es geht nicht darum, dass wir uns Mühe geben, lieb zu sein, sondern wir müssen eben unsere persönliche Schuld Gott bekennen. Das ist die Voraussetzung, nicht wir strengen uns an. Und dann habe ich erklärt: Aber wenn wir das mal wirklich so geordnet haben, dann ist es dann das normale Bedürfnis, dann möchten wir auch so leben, wie Gott das will. Aber nicht eben: Wir wollen uns Mühe geben, lieb zu sein, und dann nimmt uns Gott vielleicht an.
Und so zeigt der Römerbrief: Nun, das ist die Schlussfolgerung, wir müssen zuerst sehen, was Gott für uns getan hat, und das gibt dann die richtige Motivation, um von uns als Dank für den Herrn zu leben.
Ja, und ich möchte vielleicht noch einen Punkt hervorheben, es gibt so vieles, aber es ist nur eine Einführung in den Römerbrief, aber vielleicht noch einen Punkt: Der letzte Punkt bei charakteristischen Ausdrücken, Kapitel 14. Gläubige Juden und gläubige Nichtjuden sollen zusammen in einer Versammlung miteinander zurechtkommen. In Kapitel 14 werden Probleme behandelt, die entstehen automatisch, wenn gläubige Juden und gläubige Nichtjuden in der gleichen Gemeinde sind. Es gibt Probleme. Es gibt auch Probleme, wenn Schweizer und Deutsche in der gleichen Gemeinde zusammen sind, oder Schweizer und Franzosen, es gibt Probleme, klar. Aber hier geht es darum, eben Juden und Nichtjuden, und hier wird geklärt, wie man miteinander umgehen soll.
Aber das ist ein ganz interessanter Punkt. Dann heißt es also, die hatten nicht eine messianische Gemeinde in Rom und dann noch eine andere, so ebenso irgendeine Kirche, oder? Nein, das zeigt uns, dass das Neue Testament gegen eine Abschottung von messianisch-jüdischen Gemeinden von den übrigen Gemeinden Gottes ist. Es ist nicht ein Sonderzug, sondern wenn ein Jude sich bekehrt, dann gehört er zur Gemeinde Gottes und ist nach Römer, nach Galater 3, nicht mehr Jude, da sind nicht Jude noch Grieche. Aber das jüdische Volk wird eine Sonderstellung wieder bekommen nach der Entrückung der Gemeinde, wenn die Vollzahl der Nationen eingegangen ist. Aber jetzt soll das nicht so eine Separation sein.
Da sagt einer: Ja, aber da können wir doch nicht andere Juden zu uns einladen, und die werden sagen, ja, das ist für uns ganz fremd, wir müssen doch irgendwie das so machen, dass auch da ungläubige Juden angesprochen werden. Ja, dann muss man eben spezielle Veranstaltungen machen, die auf diese Gruppe ausgerichtet ist. Es gibt ja auch spezielle Veranstaltungen für Töffahrer, oder? Gläubige Töfffahrer für ungläubige Töfffahrer. Aber das ist nicht eine Gemeinde, das ist eine spezielle Veranstaltung für Töfffahrer, ja? Oder es gibt eine spezielle Veranstaltung für Studenten. Es ist tatsächlich so, dass Studenten leichter Studenten zum Glauben führen als, sagen wir jetzt, Garagisten Studenten. Irgendein Beispiel könnte etwas anderes sagen. Garagisten führen besser Garagisten zum Glauben.
Das soll uns natürlich nicht zu dieser üblen Auffassung bringen, dass wir denken, wir konzentrieren uns nur auf bestimmte Gruppen. Nein, wir müssen alle evangelisieren, die der Herr uns über den Weg führt, wo wir Zeugnis sein können. Aber es gibt schon gewisse Gruppen, die wir leichter ansprechen, und Geschäftsleute können Geschäftsleute ansprechen. Aber eine Geschäftsleute-Gemeinde gründen ist ein völliger unbiblischer Widersinn.
Und so zeigt uns Römer 14: Nein, Gott will, dass sie zusammen sind, aber Probleme sind dann doch noch vorprogrammiert, ja natürlich, und noch viele mehr sind vorprogrammiert. Aber das ist ja gerade das, was Gott will, dass gezeigt wird, wie durch die Erlösung es möglich ist, wie man miteinander zurechtkommt in der Gemeinde. Es geht nicht um die Gemeinde, die keine Probleme hat, sondern es geht um die Gemeinde, die gottgemäß die Dinge mit der Hilfe des Herrn versucht zu lösen.
Und jetzt schließlich noch vor ganz am Schluss: „Dem aber, der euch zu befestigen vermag, nach meinem Evangelium und der Predigt von Jesus Christus, nach der Offenbarung des Geheimnisses, das in den Zeiten der Zeitalter verschwiegen war, jetzt aber geoffenbart und durch prophetische Schriften nach Befehl des ewigen Gottes zum Glaubensgehorsam aller Nationen kundgetan worden ist, dem allein weisen Gott, durch Jesus Christus, ihm sei die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.“
Also auch hier eine Anbetung des Apostels Paulus. Er ist überwältigt, wie Gott eben durch den Herrn Jesus so etwas Großartiges, Neues gebildet hat, was wir jetzt als Gläubige kennen dürfen und wertschätzen dürfen. Und auch da sehen wir den Blick weg von uns, einfach hin zu dem allein weisen Gott, durch Jesus Christus, die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

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