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Noahs Arche

Jumiko 26, Teil 2/24
11.01.2026Hebräer 11,7
EVENT - Teil 2 / 24Jugendkonferenz für Weltmission 2026
Wie viel Einsatz bist du bereit zu bringen, um wirklich etwas zu verändern – in deinem Umfeld oder sogar in der Welt? Noah baute 120 Jahre lang die Arche, ohne zu wissen, wann die Flut kommt. Was es bedeutet, Gott zu vertrauen, wenn du das Ende nicht kennst ...

Das Streben nach Veränderung und die Herausforderung des Engagements

Ich finde das Thema sehr, sehr schön, besonders für einen Jugendmissionskongress. Es gibt ja viele hier, wahrscheinlich die meisten sind zu irgendetwas committed. Ich habe das Vorrecht, sehr viele Menschen kennenzulernen, sei es am Taunhof oder wenn ich unterwegs bin bei Reisendiensten oder Predigtdiensten.

Ich merke, dass viele junge Menschen vor allem wirklich etwas verändern wollen in dieser Welt. Und das ist schön. Ich hoffe, dass wir alle hier sind, weil wir irgendwie etwas verändern wollen.

Es ist auch Zeit, und ich glaube, da sind wir uns alle einig, dass bestimmte Dinge verändert werden müssen. Sei es in der Wirtschaft, in der Regierung oder natürlich auch generell in den Gemeinden und in der Welt.

Es ist schön, wenn Menschen sich berufen fühlen, auch in die Mission zu gehen, um Veränderung zu schaffen.

Ich treffe allerdings auch immer wieder Menschen, die zwar die Welt retten wollen, aber irgendwie habe ich den Eindruck, dass es Menschen gibt, die weniger arbeiten, mehr verdienen und mit weniger Leistung die Welt retten wollen. Weniger arbeiten, mehr verdienen und mit weniger Leistung die Welt retten.

Jetzt bin ich zwar kein Mathe-Genie, aber ich habe den Eindruck, diese Rechnung kann nicht aufgehen.

Trotzdem ist es wichtig, dass wir uns überlegen: Welchen Einsatz bin ich bereit zu geben, um Veränderung in dieser Welt zu schaffen? Was bin ich bereit zu geben, um Veränderung zu schaffen, vielleicht sogar bei meinem Freund, meiner Freundin, Menschen in meiner Familie oder Menschen, die mir etwas wert sind?

Noahs Glaubensweg als Beispiel für Vertrauen und Ausdauer

Ich möchte euch einen Vers aus Hebräer 11 vorlesen. Dort geht es um Noah und die Geschichte, wie Gott Noah berufen hat, die Arche zu bauen. Gott sagt zu Noah, dass ein Gericht kommen wird, eine Zeit, in der eine Flut kommen wird.

Wir kennen diese Geschichte vielleicht alle aus dem Kindergottesdienst, aus der Bibellese oder anderen Quellen. Letztendlich hat Gott wirklich diese Flut geschickt. Diese Sintflut ist auch sinnbildlich zu verstehen. Sie zeigt, dass Gott die Welt wieder einmal richten wird.

Gott spricht zu Noah und sagt: Bau dir dieses Schiff. Geh mit deiner Familie und je einem Paar von den Tieren auf das Schiff, damit ihr diesem Gericht entkommt. Im Hebräerbrief, der diese Geschichte zusammenfasst, steht im Vers 7: "Auch Noah glaubte Gott." Er vertraute darauf, dass das, was Gott sagt, tatsächlich eintreffen wird. Gehorsam befolgte er die Anweisung und baute ein großes Schiff, obwohl weit und breit keine Gefahr zu sehen war.

Deshalb wurde Noah mit seiner ganzen Familie gerettet. Durch seinen Glauben wurde der Unglaube der anderen Menschen erst richtig deutlich. Und durch diesen Glauben fand Noah Gottes Anerkennung. Das ist eine kleine Zusammenfassung dessen, was Noah erlebt hat.

Wenn es einen sogenannten biblischen Walk of Fame gäbe – ähnlich dem Hollywood Walk of Fame, wo Sterne für berühmte Filmschauspieler stehen – dann wäre es wohl Hebräer Kapitel 11. Dort werden viele Menschen genannt, vor allem aus dem Alten Testament, die von Gott berufen wurden und bereit waren, mit Gott ein Abenteuer einzugehen.

Diese Menschen wussten oft nicht, was am Ende passieren würde. Trotzdem waren sie aufgrund ihres Glaubens und Gehorsams engagiert und gingen ihren Weg mit Gott. In dieser Liste finden wir Namen wie Abel, Noah, Abraham, Sarah und viele weitere, bis hin zu Mose und sogar einer Prostituierten namens Rahab.

Rahab rettete aufgrund ihres Glaubens an Gott letztendlich Menschenleben. Jede einzelne Geschichte und jede Person, die hier genannt wird, ist ein großes Zeugnis dafür, wie Gott durch einfache Menschen – Menschen wie du und ich – wirkt und Menschenleben verändert.

Noah war einer dieser Glaubenshelden.

Die Herausforderung der Ungewissheit und die Bedeutung von Geduld

Nachdem Gott die Bosheit der Menschen sah, heißt es im Ersten Buch Mose, dass er Noah beauftragte, ein Schiff zu bauen. Interessant ist, dass Noah eine detaillierte Bauanleitung erhielt, wie er diese Arche, dieses große Holzschiff, errichten sollte. Die Maße waren etwa 150 Meter lang, 25 Meter breit und 15 Meter hoch. Außerdem wurde ihm genau erklärt, wie er das Schiff versiegeln sollte und wie alles funktionieren sollte.

Als die Arche fertig war, sollte Noah gemeinsam mit seiner Familie und je einem Paar von jedem Tier an Bord gehen. So sollten sie von der Flut verschont und gerettet werden, die Gott vorhergesagt hatte.

Das Spannende daran ist Folgendes: Noah erhielt zwar einen klaren Auftrag, was zu tun war, und eine sehr detaillierte Bauanleitung. Doch Gott sagte ihm nicht, wann die Flut kommen würde. Noah hörte Gottes Stimme, wie auch immer das geschah, und vertraute darauf, dass Gottes Wort sich erfüllen würde.

Was Noah jedoch nicht wusste, weil Gott es ihm nicht mitteilte, war, wie viel Zeit er hatte, um die Arche fertigzustellen, und wann der erste Regentropfen fallen würde.

Dieses Geschehen ist ein Sinnbild, ein Vorschatten auf das kommende Gericht Gottes, das noch bevorsteht: das zweite Kommen Jesu. Die Bibel, vor allem das Neue Testament und das Evangelium, spricht davon. Jesus selbst kündigt an, dass er wiederkommen wird. An diesem Tag wird er alles neu machen, die Welt richten und die Gemeinde Jesu mit sich nehmen.

So wie bei der Flut werden Menschen, die nicht an Gott geglaubt haben, nicht gerettet sein. Dagegen werden diejenigen, die mit Jesus unterwegs sind – so wie Noah auf der Arche –, gerettet werden.

Die lange Wartezeit als Prüfung des Glaubens

Und so ein Schiff braucht man ja nicht über Nacht. Ein Schiff von dieser Größe – 150 Meter lang, also länger als ein Fußballfeld – lässt sich nicht von heute auf morgen bauen.

Niemand weiß genau, wie lange es gedauert hat, bis der erste Regentropfen fiel. Manche Bibelkommentatoren schätzen die Bauzeit auf etwa 100 bis 120 Jahre. Das bedeutet, von dem Moment an, als Gott es Noah mitteilte, bis zum Beginn des Regens vergingen möglicherweise 100 bis 120 Jahre.

120 Jahre sind eine lange Zeit, auch wenn Noah sehr alt wurde. Damals wurden Menschen generell sehr alt – acht-, neunhundert Jahre und mehr. Trotzdem sind 120 Jahre eine lange Zeitspanne. In dieser Zeit kann sich viel verändern.

Die Familiensituation änderte sich: Noah bekam Kinder, alle wurden älter. Auch die Menschen selbst veränderten sich, und die Umstände wurden immer schlimmer. Die Menschen wurden immer böser.

Wir wissen, wie viel sich schon in wenigen Jahren verändern kann. Das erlebt jeder von uns. Es scheint, als könne sich allein in einem Jahr sehr viel verändern. Stell dir vor, was sich in fünf Jahren alles in deinem Leben verändern kann – in der Schule, im Studium oder im Job.

Die Mietpreise steigen, die wirtschaftliche Lage wird schlechter, unsicherer oder irgendwie merkwürdiger. Familiensituationen ändern sich, alles verändert sich schnell und oft unerwartet.

Jetzt stell dir vor, was in 120 Jahren alles passieren könnte.

Die Herausforderung des Glaubens in der Ungewissheit

Und wenn man bedenkt, dass Noah so viel Zeit hatte, obwohl er es nicht wusste – stell dir mal vor, Gott sagt dir heute bei der Predigt etwas. Du bist ja hier, um vielleicht Gottes Stimme zu hören und einen klaren Auftrag zu bekommen. Vielleicht wäre es schön, wenn das so ist.

Stell dir nun vor, Gott sagt zu dir: „Nun geh, studiere Medizin und bereite dich darauf vor. In einhundertzwanzig Jahren schicke ich dir dann den ersten Patienten.“ Wie motiviert wärst du, dein Studium fertigzumachen, angesichts dessen, dass manche im zweiten Semester schon die Nase voll haben, meistens, oder?

Oder stell dir vor, Gott sagt: „Ach, du wünschst dir eine Familie eines Tages, vielleicht sogar Kinder. Kannst du haben. Kannst mal dein Zimmer herrichten, das Kinderzimmer anmalen. Aber es wird noch ungefähr 25 Jahre dauern, bis deine Frau schwanger wird – oder du, sofern du die Frau bist.“ Wie viel Zeit, Geduld und vor allem wie viel Geld würdest du heute aufwenden, um dich darauf vorzubereiten, vielleicht in den nächsten zwanzig Jahren dein Kinderzimmer herzurichten, wenn es sowieso noch so lange dauern würde?

Oder was, wenn Gott sagen würde: „Geh in die Mission nach Paraguay, nach Afrika, nach Österreich oder nach Stuttgart. Erzähl den Menschen von Jesus, aber mach dir keine großen Hoffnungen, denn es wird sowieso kaum jemand auf dich hören, vielleicht ein, zwei, drei Menschen.“ Wie motiviert wärst du, dich wirklich berufen zu fühlen, wenn du nicht genau weißt, was das Resultat sein wird?

So war es auch bei Abraham, zum Beispiel, wo Gott sagt: „Du wirst ein Kind bekommen.“ Und dann dauert es noch 25 Jahre, bis endlich seine Frau schwanger wurde und ein Kind bekam. Mit welcher Motivation würdest du dich für die Mission vorbereiten, wenn das dein Auftrag wäre?

Aber wir sehen: Noah musste einhundertzwanzig Jahre warten, bis es endlich zu regnen begann. Das heißt, und so lesen wir es auch im Vers 7, er baute ein großes Schiff, obwohl weit und breit keine Gefahr zu sehen war. Leute, das nenne ich mal Commitment!

Denn wenn du so gestrickt bist wie ich, dann geht es dir meistens so: Wenn Gott dir irgendwie etwas sagt, willst du meistens schon wissen, was dabei herauskommt. Wie soll ich wissen, welchen Weg ich einschlagen soll, wenn ich nicht weiß, was das Ende dieses Weges bedeutet? Wie soll ich wissen, dass ich diesem Gott wirklich vertrauen kann, wenn ich nicht weiß, was am Ende dabei herauskommt?

Mir ging es ja damals schon so, als ich 17 Jahre alt war und mich zu Jesus bekehrt habe. Da hatte ich regelrecht Angst, mich Jesus hinzugeben, mein Leben Jesus anzuvertrauen. Ich dachte: Was ist, wenn ich mein ganzes Leben Gott anvertraue? Was wird Jesus in meinem Leben verändern – und will ich das überhaupt?

Ich tat mir so schwer. Ich kann mich noch sehr gut erinnern, als ich damals im Kinderzimmer in meinem Elternhaus lag und einfach spürte, wie Gott an die Tür meines Herzens klopfte. Ich wusste, es wäre richtig, mein ganzes Leben Gott anzuvertrauen. Aber ich dachte: „Gott, was wirst du tun? Bin ich überhaupt bereit dazu?“

Und heute geht es uns manchmal noch genauso. Vielleicht spüren wir, dass Gott uns beruft. Vielleicht spüren wir, dass wir etwas sagen, etwas tun und etwas verändern sollten in unserem Leben. Aber was kommt dabei heraus? Wir haben manchmal Angst, Gott unser ganzes Leben anzuvertrauen. Wir haben manchmal Angst, diesen Vertrauensschritt zu gehen, vielleicht sogar in die Mission zu gehen, weil wir nicht wissen, was Gott tun wird.

Und ich bin auch so gestrickt, dass ich immer gerne das Ende der Geschichte sehen möchte, bevor ich überhaupt in diese Geschichte eintrete.

Vertrauen trotz Unsicherheit – Noah als Vorbild

Als wir noch jung waren – ich bin auf einem kleinen Bauernhof aufgewachsen – kamen meine Freunde oft zu Besuch. Hinter unserem Kuhstall war eine Mauer, und vor dieser Mauer lag immer der Misthaufen von unseren Kühen. Wir sind dann oft auf der Mauer herumgeklettert. Manchmal habe ich zu meinem Freund gesagt: „Ich gebe dir zwanzig Schilling“, damals hatten wir noch Schilling, „wenn du dich traust, in diesen Misthaufen zu springen.“

Was denkst du, was mein Freund geantwortet hat? Er sagte: „Zeig mir zuerst die zwanzig Schilling, denn ich weiß genau, dass du das Geld gar nicht hast.“ Und er hatte natürlich Recht – ich hatte das Geld nicht. Ganz ehrlich gesagt, ich hätte es ihm auch nicht gegeben. Aber so sind wir eben gestrickt: „Gott, zeig mir zuerst die zwanzig Schilling, und dann bin ich bereit, den Weg mit dir zu gehen.“

Noah war da ganz anders gestrickt. Er hat nicht gesagt: „Ich fange erst an zu bauen, wenn es zu regnen beginnt.“ Er wollte auch nicht erst wissen, wie die Geschichte am Ende ausgeht, um all die Mühsal, den Scham und die Plage auf sich zu nehmen, ohne zu wissen, ob es überhaupt regnen wird.

Weißt du, was ich an seiner Stelle wahrscheinlich gesagt hätte? Wahrscheinlich: „Dann kaufe ich mir lieber ein Gummiboot und einen Regenschirm, und wenn es dann so weit ist, bin ich zumindest gerüstet. Aber ich baue doch nicht 120 Jahre lang an so einer Holzkiste herum.“

Doch Noah hat es gemacht. Und es gab andere Menschen, die Ähnliches getan haben.

Beispiele für langanhaltendes Engagement in der Bibel und Mission

Jakob im Alten Testament, der sich unsterblich in seine Rahel verliebt hatte, musste insgesamt 14 Jahre für seine geliebte Rahel arbeiten. Manche von uns würden vielleicht eher ins Kloster gehen, als 14 Jahre lang für eine Frau oder einen Mann zu arbeiten. Jakob war jedoch sehr engagiert.

So sehr war er in Rahel verliebt, dass er sie unbedingt haben wollte – koste es, was es wolle. Das bedeutet, wirklich engagiert zu sein.

Der englische Missionar und Pfarrer William Carey arbeitete sieben Jahre als Missionar, bevor sich der erste Hindu in Indien zum Glauben bekehrte. Sieben Jahre ohne Früchte, und erst dann langsam zeigten sich erste Erfolge.

Der US-amerikanische Missionar und Bibelübersetzer Adoniram Judson predigte ebenfalls sieben Jahre, bevor sein Dienst Früchte trug und sich die erste Person durch seine Predigt bekehrte.

In Neuseeland dauerte es neun Jahre, und in Tahiti sogar sechzehn Jahre, bis die ersten Menschen durch die frohe Botschaft von Jesus Christus zum Glauben an Jesus fanden.

Wenn man diese Berichte hört, fällt eines auf: In diesen Geschichten hört man nicht, dass jemand sagt: „Na ja, ich schaue mal, wie lange ich Lust dazu habe“ oder „Ich mache das nur so lange, wie ich einen Nutzen davon habe“.

Die Bedeutung von Verbindlichkeit und Ausdauer im Dienst

Ich weiß noch genau, als jemand zum Tauernhof kam und sich für die Küchenstelle beworben hat. Das ist eigentlich eine große Verantwortung, wenn man so eine Großküche leitet. Wir haben doch fast täglich etwa 120 Gäste zu versorgen. Und das ist dann schon eine große Aufgabe.

Da kam eine liebe Person, die sich für die Kochstelle beworben hat. Im Bewerbungsgespräch sagte sie mir dann: „Weißt du, ich habe noch nie länger als ein Jahr mein Leben geplant.“ Ich hatte ihr zuvor gesagt, dass es schön wäre, wenn sie sich zumindest für drei Jahre verpflichten könnte, um die Stelle anzunehmen, weil es eben auch Verantwortung bedeutet.

Sie antwortete: „Das ist aber nicht gut, weil ich habe noch nie länger als ein Jahr mein Leben geplant.“ Ich sagte: „Ja, das kann ich schon nachvollziehen, aber jetzt brauchst du schon mal ein Jahr, bis du ankommst, die Mitarbeiter kennenlernst und die Arbeit verstehst. Wenn du nach einem halben Jahr schon wieder überlegst, wie es weitergeht, kann ich dir diese Stelle nicht geben.“

Viele gehen in die Ministry, in die Mission oder in den Dienst, um mal zu schauen, wie es wird – oft für etwa ein Jahr. Das ist zwar alles gut und schön, und ich kann das auch irgendwie nachvollziehen. Aber was kannst du wirklich in einem Jahr erreichen?

Stell dir vor, Gott hätte zu Noah gesagt: „Baue eine Arche.“ Die Bauphase dauert circa 120 Jahre. Danach kommt das Gericht, und alle, die nicht dabei sind, werden vernichtet. Noah hätte vielleicht gesagt: „Okay, passt, ich kann ja mal anfangen, aber Gott, nur dass du es weißt: Ich habe noch nie länger als ein Jahr mein Leben geplant. Ich weiß nicht, ob ich so lange Lust dazu habe.“

Möglicherweise hätte Gott gesagt: „Ja, spielt auch nicht so eine Rolle, hängt ja eh nur das Leben der gesamten Menschheit davon ab. Also ist das nicht so tragisch.“

Die Bedeutung jedes einzelnen Lebens im Engagement

Jetzt könnte man natürlich argumentieren, dass von meinem oder deinem Engagement ja nicht das Überleben der ganzen Menschheit abhängt, so wie es bei Noah war – Gott sei Dank.

Stell dir mal vor, der gesamte Großraum Stuttgart käme zum Erliegen, wenn der Tauernhof plötzlich nicht mehr existieren würde. Wir haben ja sehr viele Gäste aus dem Großraum Stuttgart. Es wäre gleichermaßen dramatisch wie hochmütig – natürlich wird das nicht passieren.

Selbstverständlich hängt das Überleben der Menschheit nicht von mir oder von dir oder vom Tauernhof oder von sonst irgendeinem Werk ab. Aber lass mich dir heute Morgen eine Frage stellen: Was wäre, wenn das Leben von ein paar Menschen davon abhängt, ob es den Tauernhof gibt oder nicht, oder ein Missionswerk gibt oder nicht, oder die Coworkers gibt oder nicht, oder die Yumiko gibt oder nicht?

Was, wenn durch meinen Dienst am Tauernhof ein paar wenige zum Glauben an Jesus finden würden? Was wäre mir dieses mein Commitment wert für diese paar Menschen?

Viele von euch kennen vielleicht die Geschichte von Sodom und Gomorra im Alten Testament. Gott sagt zu Abraham, dass er Sodom und Gomorra vernichten wird, weil die Menschen dort böse sind. Abraham geht mit Gott in Verhandlung und sagt: „Du kannst doch nicht! Was ist, wenn dort in dieser großen Stadt von Sodom fünfzig gerechte Menschen leben? Du kannst doch nicht eine ganze Stadt ausrotten, wenn es da fünfzig gerechte Menschen gibt.“

Gott antwortet: „Okay, wenn fünfzig da sind, dann werde ich kein Gericht halten.“

Abraham fragt weiter: „Ja, aber was, wenn nur fünfundvierzig Gerechte da sind?“

Gott sagt: „Wenn 45 Gerechte sind, dann mache ich nichts.“

Abraham fragt weiter: „Ja, was wenn nur 40 oder 30 oder 20? Was, wenn sogar nur zehn gerechte Menschen in Sodom leben? Wirst du dann die ganze Stadt vernichten?“

Gott antwortet: „Wenn nur zehn Menschen dort gerecht sind, werde ich diese Stadt nicht vernichten.“

Liebe Leute, auch wenn du durch deinen Einsatz, durch dein Leben, durch deinen Glauben nicht die ganze Welt retten kannst, sondern vielleicht nur ein einziges Leben – das Leben von deinem Freund oder deiner Freundin, von deinem Schulkollegen, Arbeitskollegen, Bruder oder Schwester, Mama oder Papa – wenn es nur ein einziges Leben wäre, was wäre dir dieses eine Leben wert?

Was, wenn durch dein Commitment ein einziger Mensch zum Glauben an Jesus finden würde und dieser eine Mensch von der Hölle verschont und ins ewige Leben gerettet wird?

Die Dringlichkeit der Botschaft von Gericht und Erlösung

Wisst ihr, was wir manchmal, glaube ich, in unseren christlichen Gemeinschaften und Gemeinden versäumen? Wir verstehen vielleicht nicht immer ausreichend, wie schlecht die schlechte Botschaft ist. Deshalb sehen wir manchmal auch nicht die Notwendigkeit, die gute Botschaft klar und deutlich zu verkünden.

Ich weiß nicht mehr genau, wer es war. Ich glaube, es war Spurgeon, ein alter englischer Prediger, der einmal auf einer Zugfahrt gefragt wurde: Wenn du nur eine Stunde Zeit hättest, einem Menschen, der das Evangelium von Jesus Christus zuvor noch nie gehört hat, das Evangelium zu predigen – wie würdest du das tun?

Ich glaube, Spurgeon antwortete, dass er, wenn er nur eine Stunde Zeit hätte, einem Menschen die gute Botschaft zu verkünden, 45 bis 50 Minuten dafür aufwenden würde, diesem Menschen klarzumachen, wie schlecht die schlechte Botschaft ist. Erst in den letzten zehn bis fünfzehn Minuten würde er erklären, wie gut die gute Botschaft ist.

Denn wenn ein Mensch nicht versteht, wie schlecht die schlechte Botschaft ist – nämlich dass es eine Hölle gibt, dass es ein Leben getrennt von Gott in Ewigkeit gibt und dass es Gericht gibt –, dann wird er auch niemals zu dem Punkt kommen, die gute Botschaft wirklich anzunehmen.

Vielleicht hilft uns dieses Verständnis, dass es auch die schlechte Botschaft gibt, wieder mehr, uns selbst zu fragen: Bin ich bereit, Jesus nachzufolgen und mein Herz ganz an ihn zu vertrauen? Bin ich bereit, committed zu sein, damit ich ewiges Leben haben darf?

Und zweitens: Bin ich auch bereit, mich einzusetzen – sei es nur für ein einziges Menschenleben –, damit auch dieses Leben von der schlechten Botschaft gerettet wird und hin zur guten Botschaft gelangt? Nämlich zu einem ewigen Leben mit Jesus Christus.

Die Realität der Welt und die Hoffnung auf Erneuerung

Was wäre mir dieses Leben wert? Es geht nicht darum, dass wir die Welt retten können. Diese Illusion möchte ich uns gleich nehmen: Wir können die Welt nicht retten.

Bei aller Liebe, bei allem Engagement, bei jedem Einsatz und Verständnis zum Klimaschutz und was auch immer noch – es ist wichtig. Es ist als Kinder Gottes unser Auftrag, Gottes Schöpfung zu bewahren und unser Bestes zu tun. Das, was Gott uns anvertraut hat, sollen wir bewahren, solange wir das können und so gut wir es können.

Aber ich kann euch heute schon sagen: Die Welt retten kannst du nicht. Denn die Bibel ist da ganz klar. Wenn Jesus sagt: „Himmel und Erde werden vergehen“, dann meint er das ernst. Himmel und Erde werden vergehen.

Jesus hat auch nie gesagt, dass er die Welt besser machen wird. Er hat aber immer gesagt, dass er die Welt neu machen wird. Er hat auch nie gesagt, dass er die Menschen besser machen wird. Aber er hat immer gesagt, wer zum Glauben an Christus findet, wird ein neuer Mensch werden – nicht ein besserer Mensch.

Jesus hat nie gesagt, dass er die Welt retten wird, aber er hat immer gesagt, dass er gekommen ist, um die Menschen zu retten, zu retten, was verloren ist. Und dafür war er bereit, alles zu geben – alles.

Denn als Jesus im Garten Gethsemane blutverschwitzt betete, sprach er zu seinem Vater angesichts des Kreuzes, das vor ihm lag. Er kniete nieder und bat: „Vater, wenn es dein Wille ist, dann lass diesen Kelch an mir vorübergehen. Aber nicht mein Wille geschehe, sondern dein Wille.“

Und dann war er bereit, aufzustehen und den Weg bis zum Kreuz bis zum Ende zu gehen. Jesus wusste nicht, wie viele Menschen aufgrund seines Opfers am Kreuz letztendlich ihm nachfolgen würden. Als Mensch bin ich überzeugt, dass Jesus das nicht wusste. Trotzdem war er bereit, den Weg bis zum Kreuz und darüber hinaus zu gehen.

Denn so heißt es, sagt Gott, sagt Jesus: „Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.“ (Johannes 3,16)

Die Bedeutung des Einzelnen im Erlösungsplan Gottes

Seht ihr, Jesus geht es nie um die Gesamtheit, sondern immer um den Einzelnen. Es geht ihm nie um die Masse, sondern vor allem um den Einzelnen.

Natürlich würde Gott am liebsten die ganze Welt, alle Menschen erlösen. Aber Gott weiß, dass sich nicht jeder zu ihm bekennen wird. Jesus wusste das auch. Trotzdem war er bereit, sein Leben für den Einzelnen, für das Individuum, für dich und für mich zu geben.

Liebe Leute, so wie ich Jesus in den letzten vielen Jahren kennengelernt habe, in denen ich mit ihm unterwegs bin, bin ich davon überzeugt, dass er den Weg am Kreuz selbst dann zu Ende gegangen wäre, wenn er gewusst hätte, dass dadurch nur eine einzige Menschenseele von der Hölle gerettet würde und ewiges Leben bekommen würde.

So einen Jesus haben wir. An so einen Jesus glauben wir. An so einen Gott haben wir, der sein Leben gibt – nicht für alle, aber vor allem für den Einzelnen. Selbst wenn es nur eine Person gewesen wäre, davon bin ich überzeugt, wäre Jesus am Kreuz für diese eine Person gestorben.

Denn wir sind es ihm wert – so wie das eine verlorene Schaf, so wie die eine verlorene Münze, so wie der eine verlorene Sohn. Weil wir es ihm wert sind.

Das Engagement am Tauernhof als Beispiel für nachhaltige Wirkung

Am Tauernhof begrüßen wir im Jahr circa 2.500 Menschen, mehr oder weniger. Sehr viele Menschen kommen Woche für Woche – sei es zur Bibelschule, zu Skifahrzeiten oder zu Sommerbergsportfreizeiten, ganz gleich was.

Die meisten kommen und gehen, und man weiß eigentlich nicht, was Gott in ihrem Leben tut. Bei manchen weiß ich es, manche sitzen auch hier drinnen, was mich sehr freut. Aber vielen Menschen begegnet man, und von diesen 2.500 weiß man vielleicht nur bei wenigen, was Gott wirklich in ihrem Leben verändert hat.

Von einigen wenigen weiß man das, und das ist natürlich schön. Aber seht, der Grund, warum ich nach 28 Jahren immer noch am Tauernhof bin und das tue, was ich tue, ist nicht wegen der 2.500 Menschen, sondern wegen der einzelnen Personen, von denen ich weiß, dass Gott in ihrem Leben etwas Großes getan hat. Das ist aufgrund dessen, was sie dort erlebt oder gehört haben, der Gemeinschaft, die sie erfahren haben, oder was auch immer.

Was ist unser Commitment wert? Wozu sind wir bereit, wenn wir verstehen, wie schlecht die schlechte Botschaft ist, aber auch wissen, wie gut die gute Botschaft ist – und wir uns eigentlich nichts sehnlicher wünschen, als dass Menschen, die Jesus noch nicht kennen, genau diese gute Botschaft auch erleben dürfen?

Was wäre uns dieses Commitment wert? Ein einziges Leben.

Die Geschichte vom Seestern – Die Bedeutung einzelner Rettungen

Ich möchte mit einer kleinen Geschichte schließen.

Es war einmal ein alter Mann, der ging zum Strand, um einen Spaziergang zu machen. Eines Tages, als er so unterwegs war, sah er einen kleinen Jungen, der Seesterne vom Boden aufhob. Der Junge warf diese Seesterne zurück ins Meer – einen nach dem anderen.

Der alte Mann beobachtete den Jungen dabei und fragte ihn schließlich: „Kleiner Junge, was machst du da?“ Der Junge antwortete: „Ich werfe diese Seesterne zurück ins Meer.“ Daraufhin fragte der alte Mann: „Warum machst du das?“ Der Junge erklärte: „Weil die Sonne so brennt und das Wasser sich zurückgezogen hat. Wenn ich sie nicht zurückwerfe, würden die Seesterne sterben.“

Da sagte der alte Mann: „Aber schau dir doch den Strand an – kilometerweit voller Sand. Du kannst doch nicht all diese Seesterne retten. Das macht doch überhaupt keinen Unterschied.“

Der kleine Junge hielt kurz inne, hob einen weiteren Seestern auf, betrachtete ihn und sagte: „Für diesen einen macht es einen Unterschied.“

Jesus Christus hat sich entschieden, den Weg bis zum Ende zu gehen und sein Leben für dich und für mich zu geben. Welche Art von Commitment sind wir bereit einzugehen – auch wenn es nur für ein einziges Leben ist?

Vielleicht darf uns diese Frage heute ein wenig bewegen. Vielleicht dürfen wir Gott in der Stille kurz fragen. Vielleicht dürfen wir ihn auch fragen: Herr Jesus, wer könnte dieses eine Leben sein? Oder was könnte dieser Auftrag bedeuten? Und was hindert mich vielleicht daran, dieses Commitment einzugehen – auch wenn es nur für ein einziges Leben ist?

Abschlussgebet: Bitte um Mut und Ausdauer im Glauben

Vielleicht halten wir kurz inne, und dann schließe ich mit einem Gebet ab.

Lieber Herr Jesus Christus, wir danken dir, dass du den Weg am Kreuz zu Ende gegangen bist – für mein Leben, für unser Leben. Wir danken dir, dass du es nicht gescheut hast, die Schmach auf dich zu nehmen, um uns zu erlösen. Obwohl du als Mensch nicht wusstest, wie viele letztendlich dir treu nachfolgen oder ihr Leben dir geben würden, hast du es trotzdem nicht gescheut, dein Leben zu geben.

Das, Herr Jesus, soll uns auch eine Ermutigung sein, wenn wir auf die Geschichten hören und sehen, wie Menschen ihr Leben für dich hingegeben haben. Sie haben es getan, um anderen Menschen wirklich die gute Botschaft weiterzugeben. Auch wir wollen uns bereit machen, uns einsetzen und gebrauchen lassen, Herr Jesus.

Dabei geht es nie darum, die Welt zu retten. Aber ich danke dir, Herr Jesus, dass durch mein Leben und unser Leben, durch unseren Glauben, vielleicht Menschen auf dich aufmerksam werden. Hilf uns, Herr Jesus, diese Menschen zu dir hinzuführen. Hilf uns, sie darauf aufmerksam zu machen, dass es im Leben um etwas geht – um Leben und Tod, um Leben in Fülle.

Ich danke dir, Jesus, dass du uns alle so gebrauchen kannst und möchtest, wie wir sind. Vielleicht kannst du uns heute einen Menschen zeigen, für den es sich lohnt, alles zu geben. Vielleicht dürfen wir dich auch ganz konkret fragen, Herr Jesus: Wo kannst du uns gebrauchen? Wo kannst du uns einsetzen? Welches Commitment sind wir bereit zu geben? Was hindert uns?

Egal wie lange es dauert, Herr Jesus, schenke uns Ausdauer und Geduld. Danke, dass du durch deinen Heiligen Geist auch durch uns wirken kannst. So bete ich, Herr Jesus, nicht nur, dass du uns segnest, sondern dass du jeden von uns zum Segen für diese Welt machst.

Ich danke dir dafür, in Jesu Namen, Amen.