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Einführung und die Taufe des Messias

Markus 1,9-1303.11.2026
SerieTeil 3 / 9Bibelseminar: Vollkommener Diener – der Herr Jesus im Markusevangelium

Begrüssung und Einstieg in den Text

Guten Abend. Ich möchte alle herzlich begrüssen, die hier sind, und auch alle, die über den Livestream zugeschaltet sind.
Wir stehen heute Abend in Markus 1, ab Vers 9. Wir haben die Einleitungsverse genau angeschaut, Verse 1 bis 8. Vers 8 hat uns das letzte Mal einen ganzen Abend beschäftigt. Aber ich verspreche, dass wir heute Abend weiterkommen als bis Vers 9.
Ich lese ab Vers 9:
Und es geschah in jenen Tagen: Jesus von Nazaret in Galiläa kam und wurde von Johannes im Jordan getauft. Und sogleich, als er aus dem Wasser heraufstieg, sah er die Himmel sich teilen und den Geist wie eine Taube auf ihn herniederfahren. Und eine Stimme erging aus den Himmeln: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden. Und sogleich treibt der Geist ihn hinaus in die Wüste. Und er war vierzig Tage in der Wüste und wurde von dem Satan versucht. Und er war unter den wilden Tieren, und die Engel dienten ihm.
Nachdem aber Johannes überliefert worden war, kam Jesus nach Galiläa, predigte das Evangelium des Reiches Gottes und sprach: Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist nahegekommen. Tut Busse und glaubt an das Evangelium.
Und als er am See von Galiläa entlangging, sah er Simon und Andreas, den Bruder Simons, die in dem See Netze auswarfen, denn sie waren Fischer. Und Jesus sprach zu ihnen: Kommt, folgt mir nach, und ich werde euch zu Menschenfischern machen. Und sogleich verliessen sie die Netze und folgten ihm nach. Und als er ein wenig weitergegangen war, sah er Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und Johannes, seinen Bruder, auch sie in dem Schiff, wie sie die Netze ausbesserten. Und sogleich rief er sie, und sie liessen ihren Vater Zebedäus mit den Tagelöhnern in dem Schiff und gingen weg, ihm nach.
Und sie gehen nach Kapernaum hinein, und sogleich am Sabbat ging er in die Synagoge und lehrte. Und sie erstaunten sehr über seine Lehre, denn er lehrte sie wie einer, der Vollmacht hat, und nicht wie die Schriftgelehrten.
Zunächst einmal bis hierhin.
Wir haben bisher den Dienst von Johannes dem Täufer gesehen, der die Aufgabe hatte, den Messias in Israel einzuführen. Und jetzt kommt das Entscheidende: Jesus von Nazaret wird von ihm getauft im Jordan, und erst danach beginnt dann der öffentliche Dienst, wie wir hier beschrieben haben, ab Vers 14.
Und nun gibt es einige Dinge, die zu beachten sind. Wo fand diese Taufe im Jordan statt? Hier wird einfach gesagt, Johannes hat im Jordan getauft. Im Johannesevangelium haben wir eine zusätzliche Ortsangabe. Und zwar, hilfst du uns, Kamine? Jawohl, Johannes 1,28. Dort heisst es: Dies geschah in Bethanien, jenseits des Jordan, wo Johannes taufte.
Dieses Bethanien, ich weiss nicht, hat jemand eine Bibelübersetzung, wo es Betabara heisst? Ja, also es ist so: In verschiedenen Manuskripten kommt Bethanien oder Betabara vor. Bethanien ist korrekt, denn das entspricht dem Mehrheitstext. Die Masse der Handschriften bezeugt Bethanien. Aber Betabara hat eben schon seine Bedeutung, denn dieser Ort, Bethanien, war im Altertum auch bekannt unter dem Namen Betabara.
Und wir wissen ganz genau, wo das war. Und das glücklicherweise, weil wir eine Karte haben aus einer byzantinischen Kirche, das ist also eine Kirche aus den frühen Jahrhunderten, in Madeba. Madeba liegt gerade hinter dem Berg Nebo, im heutigen Jordanien, nicht so weit von Amman, der Hauptstadt Jordaniens, entfernt. Und dieses Bodenmosaik ist fantastisch, denn das ist eine Karte von dem Land Israel. Und da sind verschiedene Details drauf, die man in den frühen Jahrhunderten eben noch wusste, später aber verloren gegangen sind. Dieses Betabara, die Taufstelle von Johannes dem Täufer, ist eingezeichnet, gerade Jericho gegenüber, auf der anderen Seite des Jordans, also heute Jordanien. Dort hat er getauft.
Das heisst, alle, die da von Johannes getauft wurden, die haben das Land Israel verlassen, so wie einst Elia und Elisa. Die sind über den Jordan gegangen, da bei Jericho, und dann wurde Elia entrückt, und Elisa ging dann wieder über den Jordan ins verheissene Land zurück. Und das hat natürlich eine besondere Bedeutung, denn dort war ja auch einst der Eintritt ins verheissene Land. In Josua ging das Volk Israel dort bei Jericho über den Jordan. Und die erste Stadt, die im verheissenen Land in Besitz genommen wurde, war diese unglaubliche Festung Jericho.
Und nun geht Johannes also aus dem Land hinaus und predigte Busse, wie wir das hatten in Markus 1,4: Johannes der Täufer trat in der Wüste auf und predigte die Taufe der Busse zur Vergebung der Sünden. Und das ganze jüdische Land ging zu ihm hinaus und alle Bewohner von Jerusalem. Und sie wurden im Jordanfluss von ihm getauft, indem sie ihre Sünden bekannten.
Damit drückten sie eigentlich symbolisch aus: Durch unsere Schuld haben wir das Anrecht auf das verheissene Land verloren. Es ist ja so, das Gesetz Mose hat auch gesagt: Wenn Israel sich von dem Wort Gottes entfernt, dann wird es das verheissene Land verlieren. 5. Mose 28,64. Und nun haben sie eigentlich damit ausgedrückt: Wir haben durch unsere Schuld das verheissene Land verloren. Aber sie haben ihre Schuld Gott bekannt und kehrten zurück. Und damit sagten sie: Auf der Grundlage von Vergebung und Gnade dürfen wir wieder ins verheissene Land zurück.
Und das hat natürlich auch damals mit Elia und Elisa diese besondere Bedeutung, denn Israel, die zehn Stämme, die waren ja völlig von dem Herrn abgefallen. Und indem sie eben so hinübergingen über den Jordan, drückten sie aus: Eigentlich hat Israel das Recht auf das Land verloren. Und als Elisa zurückging, dann drückte das aus: Aber auf der Grundlage von Gnade kann Gott das Land wieder zurückgeben.
Und ganz wichtig: Elia war ja der Prophet des Gerichts. Seine Wundertaten, sein Dienst betonte sehr stark das Gericht Gottes. Und im Kontrast dazu Elisa ganz stark die Gnade. Und so kehrt Elisa zurück. Auf der Grundlage der Gnade und der Vergebung kann Gott Israel das Land geben. Und das war eigentlich hier ausgedrückt, indem Johannes eben auf der anderen Seite des Jordans getauft hat.
Und nun haben wir gesehen: Jesus von Nazaret kommt, Markus 1,9. Und er wird auch getauft. Warum liess sich Jesus Christus taufen? Alle, die sich von Johannes taufen liessen, die haben ja ihre Schuld bekannt. Und Jesus Christus war ja vollkommen, er hatte keine Schuld. Er konnte sogar sagen in Johannes 8 zu den jüdischen Führern: Wer von euch überführt mich der Sünde? Und niemand konnte ihm irgendetwas vorwerfen.
Wieso liess er sich taufen? Ja, er identifizierte sich mit den Sündern, und zwar muss man sagen: mit den Sündern, die Busse taten. Also Jesus Christus macht sich mit dem Überrest Israels eins, denn alle, die Busse taten, die gehörten gewissermassen zum Überrest Israels. Mit ihnen identifizierte er sich. Er hat keine einzige Sünde bekannt, das ist klar.
Und das hat eine ganz interessante Bedeutung, wenn man die Psalmen studiert. Die Psalmen sind ja typischerweise prophetisch. Und sogar da, wo David persönliche Erfahrungen beschreibt – das ist längst nicht in allen seinen Psalmen so – haben die Psalmen auch eine prophetische Bedeutung im Blick auf Israel in der Zukunft.
Und jetzt das Erstaunliche ist: Sehr oft in den Psalmen hört man den Überrest Israels beten, den Überrest Israels der Endzeit. Und dann plötzlich sind einzelne Verse Prophezeiungen auf den Messias hin. Und manchmal ist es so, dass es ganz schwierig ist zu unterscheiden. Es ist irgendwie wie fliessend im Übergang. Und das hängt damit zusammen, weil der Messias sich mit dem Überrest Israels identifiziert. Das kommt in den Psalmen sehr eindrücklich literarisch zum Ausdruck, und hier geschah das eben durch die Taufe.
Aber dann geschieht etwas ganz, ganz Spezielles: eine Stimme aus dem Himmel. Im Judentum nennt man das, weiss das gerade jemand? Eine Bat Kol, genau. Wörtlich: Bat heisst Tochter und Kol Stimme. Also eine Tochter der Stimme, und das ist der Ausdruck für ein Phänomen, das Israel eben zu seltenen Gelegenheiten erlebt hatte nach Maleachi. Nicht wahr, der letzte Prophet im Alten Testament war Maleachi. Damit endet das Alte Testament, er wirkte um 400 vor Christus, und dann begannen diese Jahrhunderte des Schweigens. Gott sprach nicht mehr durch Schriftpropheten zu Israel.
Aber zu ganz seltenen Gelegenheiten kannte man das Phänomen, dass eine Stimme aus dem Himmel kam, eine Bat Kol. Übrigens, das finden wir im Neuen Testament auch anderswo. Zum Beispiel bei der Gelegenheit dort bei der Taufe. Im Johannesevangelium, wo? Ja, in Johannes 12, nicht wahr? Im Zusammenhang mit der Auferweckung von Lazarus, da kommt eine Stimme aus dem Himmel. Johannes 12, Verzeihung. In Johannes 11 haben wir eben die Auferweckung von Lazarus, die dann aber eine wichtige Bedeutung hat für die weitere Geschichte. Nämlich in Johannes 12 findet man den Herrn Jesus auf dem Tempelplatz. In Johannes 12,27 sagt er: Jetzt ist meine Seele bestürzt, und was soll ich sagen? Vater, rette mich aus dieser Stunde! Doch darum bin ich in diese Stunde gekommen. Vater, verherrliche deinen Namen! Da kam eine Stimme aus dem Himmel: Ich habe ihn verherrlicht und werde ihn auch wiederum verherrlichen.
Jetzt eine ganz interessante Reaktion des Volkes: Die Volksmenge nun, die da stand und zuhörte, sagte, es habe gedonnert. Andere sagten, ein Engel hat mit ihm geredet. Jesus antwortete und sprach: Nicht um meinetwillen ist diese Stimme ergangen, sondern um euretwillen usw. Also genau wieder dieses Phänomen.
Und wo noch? Ja, sag grad, worum geht es dort, Markus 9? Berg der Verklärung, Markus 9 oder Matthäus 17 oder Lukas 9, das sind die Parallelstellen. Und auch dort kommt eine Stimme aus dem Himmel, die sagt: Dieser ist mein geliebter Sohn. Ganz entsprechend. Also auch da wieder dieses Phänomen.
Und jetzt noch eine kleine Hausaufgabe: Offenbarung durchlesen. Und immer wieder heisst es von einer Stimme, die Johannes hört, aus dem Himmel. Regelmässig kommt das vor, eine Bat Kol, dieses spezielle Phänomen. Und eben nicht etwas, das ständig passierte, sondern zu ganz aussergewöhnlichen Gelegenheiten. Und da eben in einer Zeit, als es gar keine Schriftpropheten mehr gab.
Interessant übrigens im Talmud, das ist das wichtigste theologische Werk im Judentum nach der Bibel, dort steht im Traktat Sanhedrin: Nach dem Tod der Propheten Sacharja, Haggai und Maleachi wich der Heilige Geist von Israel. Also in Israel war dieses Wissen allgemein verbreitet: Nach Maleachi gab es keine Schriftpropheten mehr, also keine Propheten, die noch etwas der Bibel hinzufügen konnten.
Übrigens, in diesen 400 Jahren des Schweigens bis dann zum Neuen Testament wurden natürlich auch Bücher geschrieben, wie zum Beispiel 1. und 2. Makkabäer oder Judith oder Jesus Sirach und so weiter. Diese Bücher kennen wir unter dem Namen Apokryphen. Und es gibt noch mehr Bücher, die geschrieben wurden, die kennen wir unter dem Namen Pseudepigraphen, zum Beispiel das Testament der Patriarchen oder das Buch Henoch und so weiter. Pseudepigraphen heisst: Schriften unter falschem Namen. Also es gab falsche Propheten, und die haben auch Bücher geschrieben. Und um sie eben so als glaubwürdig zu verkaufen, haben sie Namen benutzt wie Henoch oder die zwölf Patriarchen und so weiter, aber natürlich gefälschte Namen. Und alle diese Bücher wurden im Judentum verworfen, nicht akzeptiert.
Es ist traurig: Die katholische Kirche hat im Konzil von Trient, das war in der Gegenreformation im 16. Jahrhundert, dann diese Erklärung gemacht. Auf dem Konzil wurde verflucht, wer diese apokryphen Bücher, die in den katholischen Bibeln zwischen dem Alten und Neuen Testament eingereiht sind, nicht als Gottes Wort anerkennt. Aber damit haben sie übrigens auch ihren heiligen Hieronymus verflucht.
Hieronymus war ja Bibelübersetzer. Er hat welche Bibel übersetzt? Ja, die katholische lateinische Bibelübersetzung, die Vulgata genau. Vulgata heisst die übliche, die gewöhnliche. Und er hat die Apokryphen auch übersetzt, aber klar gesagt, dass die nicht zur Heiligen Schrift gehören. Nun hat das Konzil von Trient einen Fluch ausgesprochen über die, die die Apokryphen nicht als Gottes Wort anerkennen, und damit haben sie Hieronymus, den sie als heiligen Hieronymus bezeichnen, verflucht. Da merkt man den inneren totalen Widerspruch.
Aber eben, Römer 3 sagt ja, dass Israel von Gott auserwählt wurde, indem ihnen die Aussprüche Gottes anvertraut worden sind. Das Alte Testament wurde nicht der katholischen Kirche anvertraut, sondern Israel. Und Israel hat eben von Anfang an erkannt, dass die Bücher 1. Mose bis Maleachi inspiriert sind, und alle späteren Bücher sind nicht inspiriert. Die gehören eben in diese Zeit des Schweigens Gottes. Aber eben: Bat Kol als Ausnahme war möglich. Und so haben wir das auch hier.
Und jetzt die Frage: Warum war das so wichtig, dass es bei der Taufe am Jordan diese Stimme aus dem Himmel gab? Also als sich Jesus taufen liess, damit die Leute nicht denken: Ja, er ist auch ein Sünder und bekennt seine Sünden. Ja, nicht wahr, die Leute waren ja in Riesenmengen da. Wir haben gelesen Markus 1,5: Das ganze jüdische Land ging zu ihm hinaus und alle Bewohner von Jerusalem. Also diese riesigen Volksmengen, und man sah: Jesus von Nazaret wird von Johannes getauft. Ja, alle haben ja ihre Sünden bekannt. Und dann wäre der Schluss natürlich sehr naheliegend: Ja, in dem Fall hat Jesus von Nazaret auch seine Sünden bekannt.
Das konnte man ja nicht mitbekommen, das war ja so quasi zwischen dem Täufer und dem Täufling. Dieses Sündenbekenntnis war nicht ein öffentliches Sündenbekenntnis, wo alle sich vor allem quasi entblösst hätten, nein, sondern das war so etwas Persönliches. Und damit dieser Gedanke nicht aufkäme, hat Gott vom Himmel eben das Schweigen gebrochen und gesagt: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden.
Und alle, die die Heilige Schrift kannten, wurden damit erinnert an welche Bibelstelle? Jesaja. Schlagen wir auf. Es gibt in Jesaja fünf Gottesknechtlieder, wo der Messias prophezeit wird und eben vorgestellt wird als Knecht Gottes. Und eines dieser fünf Gottesknechtlieder ist Kapitel 42, auch 53, wo beschrieben wird, wie der Gottesknecht vollkommen gerecht, ohne Sünde, für unsere Sünden stirbt, als Stellvertreter.
Und nun lesen wir nicht Jesaja 53, sondern Jesaja 42,1: Siehe, mein Knecht, den ich stütze, mein Auserwählter, an dem meine Seele Wohlgefallen hat. Ich habe meinen Geist auf ihn gelegt; er wird den Nationen das Recht kundtun.
Da spricht also Gott über den Messias und nennt ihn mein Knecht und sagt eben: mein Auserwählter, an dem meine Seele Wohlgefallen hat. Und hier haben wir gelesen: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden.
Vielleicht im Zusammenhang ist es wichtig, daran zu denken: Der Herr Jesus wird im Markus-Evangelium ganz besonders vorgestellt als Dienender, als der Knecht, genau im Gegensatz zu Matthäus, wo der König betont wird, und im Gegensatz zu Lukas, wo seine Menschheit betont wird, der vollkommene Mensch, und in Johannes seine Gottheit, der ewige Gott. Hier der Knecht. Und darum ist es natürlich wichtig in dieser Einleitung. Markus stellt den vollkommenen Knecht vor und stellt hier diese Verbindung her zu Jesaja 42, natürlich die anderen Evangelisten auch. Aber bei ihm hat es mit dem Thema schon noch eine ganz besondere Bewandtnis: der Knecht.
Interessant ist aber, wenn wir schon in Jesaja 42 sind, wenn wir noch ein bisschen weiter lesen. Also nochmals in Vers 1: Gott sagt: Ich habe meinen Geist auf ihn gelegt. Und wir haben in Markus gelesen, als der Jesus aus dem Wasser heraufstieg, Vers 10, sah er die Himmel sich teilen und den Geist wie eine Taube auf ihn herniederfahren. Das ist genau dieser Zusammenhang: mein Geist auf ihn gelegt. Und zwar ist das die Salbung zum Dienst, denn in Jesaja 42 heisst es weiter: Er wird den Nationen das Recht kundtun. Er wird nicht schreien und nicht rufen und seine Stimme nicht hören lassen auf der Strasse.
Was bedeutet das? Warum heisst es von diesem Gottesknecht, er wird nicht schreien und nicht auf der Strasse herumrufen? Wie? Er ist kein Revolutionär, kein Volksaufrührer. Da denke ich an Lenin. Er war in der Schweiz, Schande über uns. Und dann, das war ja während des Ersten Weltkrieges, fuhr er mit der deutschen Bahn durch ganz Deutschland und weiter bis nach Sankt Petersburg, später Leningrad. Da war ja die bürgerliche Revolution ausgebrochen, die Februarrevolution 1917, also während des Ersten Weltkrieges, 14. bis 18. Februar 17. Und dann hat er die Leute in den Strassen angeheizt. Das ist ein Aufrührer. Die schreien auf der Strasse und hetzen das Volk auf. Wichtig ist, dass das Volk nicht denkt, sondern sich einfach hetzen lässt. Und dann kam es eben zur Oktoberrevolution. Das war die kommunistische Machtübernahme. Zuerst war das eine bürgerliche Revolution, Lenin dann eben umgewandelt im Oktober in diese kommunistische Revolution. Daraus ist dann die Sowjetunion entstanden, der erste Staat, der in seinem Staatsprogramm festgeschrieben hat, die Vernichtung des Christentums.
Das ist so ein Kontrast: der Gottesknecht, der Messias, er wird nicht schreien und nicht rufen und eine Stimme nicht hören lassen auf der Strasse.
Und dann ist sein Charakter weiter beschrieben, und das ist gut, so wird das hier gelesen, weil das uns helfen wird für die nächsten Verse im Markus-Evangelium. In Vers 3 heisst es: Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen. Er wird der Wahrheit gemäss das Recht kundtun. Er wird nicht verglimmen und nicht knicken, bis er das Recht auf der Erde gegründet hat, und die Inseln werden auf seine Lehre harren.
Man kann den Charakter eines Menschen erkennen nur durch Beobachtung. Wenn er zum Beispiel da am Schilf, am See spaziert, und dann gibt es halt ab und an so ein Schilf, das da geknickt ist. Es gibt Leute, deren spontane Reaktion ist: Das geknickte Rohr reissen sie gerade noch ganz ab. Wenn man jemanden beobachtet, der so etwas sieht und dann dieses geknickte Rohr wieder aufrichtet in der Hoffnung, es könnte dann wieder neu aufleben. Nun, der Herr Jesus war genau so: Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen. Das heisst, Menschen, die eigentlich geknickt und gebrochen sind, die konnten bei ihm auf Mitgefühl rechnen und damit rechnen, dass er ihnen wieder aufhilft. Das werden wir sehen durch das ganze Markus-Evangelium hindurch, durch alle Evangelien hindurch.
Und dann heisst es: Den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen. Auch das gibt Leute, wenn sie so ein Kerzchen sehen, das am Verglimmen ist, dann automatisch und dann ist ganz weg. Aber der Jesus, wenn er sieht, da ist noch etwas da, nur ein glimmender Docht, dann schaut er, dass da das Feuer wiederkommt. So ist er mit den Menschen umgegangen. So war Lenin nicht.
Und dann von ihm selbst heisst es dann, das ist ein Wortspiel: Er wird nicht knicken, er knickt nicht. Er hat zwar Verständnis für die, die geknickt sind, aber er selber knickt nicht und wird nicht verglimmen. In der Elberfelder ist das übersetzt mit: Er wird nicht ermatten und nicht niedersinken. Aber in der Fussnote wird erklärt: eigentlich nicht verglimmen und nicht knicken. Also diese beiden Ausdrücke – ich habe es vorhin umgekehrt gelesen – also in der reinen Folge: Er wird nicht glimmen und nicht knicken. Mit Bezug gerade auf das, was vorhergesagt wurde: den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen. Er selber wird nicht verglimmen und nicht knicken, mit Bezug auf das erstgenannte: das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen. Er ging seinen Weg entschieden, niemand konnte ihn aufhalten bis zu dem Moment, wo er dann schliesslich in den Tod gehen sollte, nach Gottes Ratschluss, aber nicht vorher.
Das ist das Schöne: Wir dürfen wissen, wir müssen nicht vorhergehen, vor der Zeit. Wenn wir dem Herrn nachfolgen und ihm dienen, dann lässt er uns das, was Gott geplant hat mit unserem Leben, auch vollenden. So hat das der Herr Jesus gemacht. Er wird nicht verglimmen, nicht knicken, bis er das Recht auf der Erde gegründet hat, also bis er den Auftrag erfüllt hat. Und dann heisst es: Und die Inseln werden auf seine Lehre harren.
Und jetzt eine Erklärung zu dem Wort Inseln. Was steht da im Hebräischen? Iyim, ja. I heisst auf Hebräisch Insel, und Iyim Inseln. Aber es ist ein ganz interessantes Wort, weil dieses Wort im Alten Testament, also im Althebräischen, speziell für die Inseln des Mittelmeers gebraucht wird. Also Patmos vor der Küste der Türkei und all diese vielen griechischen Inseln, die werden bezeichnet in der Bibel mit Iyim. Und die ganzen Landstriche von Kleinasien, also heute ist das die Türkei, über ehemaliges Jugoslawien, Griechenland, Italien, Südfrankreich bis nach Spanien, das wird mit Iyim bezeichnet.
Also man kann sagen: Iyim, und das Wort kommt so viele Male vor im Alten Testament, ist das typische alttestamentliche Wort für Europa, ganz speziell für Europa. Und darum sollte man eigentlich immer noch eine Fussnote haben, wenn dieser Ausdruck Inseln vorkommt.
Übrigens, in 1. Mose 10, in der Völkertafel, wird gesagt, wie die Nachkommen von Jafet, einem Sohn von Noah, ausgewandert sind auf die Iyim. Die sind dann eben nach Europa ausgewandert und haben Europa früh besiedelt, während Hamiten wie Mizrajim Ägypten besiedelt haben, dann Kusch, heutiger Sudan, also Schwarzafrika usw. Iyim in 1. Mose 10 bezeichnet Europa.
Und interessant: In dem zehnbändigen Kommentar von Keil und Delitzsch – das waren zwei der grössten Hebräischspezialisten im 19. Jahrhundert – erklärt Delitzsch übrigens das Neue Testament damals übersetzt auf Althebräisch, also wirklich in ein super schönes Hebräisch, und das alles noch bevor Hebräisch wieder neu belebt wurde ab 1881 durch Eliezer ben Jehuda. Und mit dieser Übersetzung kann man orthodoxe Juden gut erreichen. Wenn die das Neue Testament lesen, diese vertraute Sprache, und sie merken: Das Neue Testament ist gar nicht, wie uns immer erzählt wurde, ein heidnisches Buch. Das beginnt ja mit dem Geschlechtsregister: Abraham zeugte Isaak, Isaak zeugte Jakob und so weiter bis auf König David und so weiter durch die Königslinie. Es ist ein jüdisches Buch. Ja, es ist auch durch und durch jüdisch. Und gerade eben durch diese Übersetzung von Keil und Delitzsch kann man sie sehr, sehr gut erreichen.
Aber das war jetzt nur ein kleiner Exkurs. Es ging mir darum, um den Kommentar von Keil und Delitzsch in Band 1 zu 1. Mose 10. Dort erklären sie: Iyim ist das typische Wort für eben die Inselwelt, die griechische im Mittelmeer und auf der europäischen Seite und das ganze Gebiet von der Türkei bis nach Spanien.
Interessant ist: Im Neuen Testament, in der Apostelgeschichte und in den Briefen sehen wir, dass Paulus genau dieses Gebiet missioniert hat. In der heutigen Türkei hat er sehr ausgeprägt missioniert, und dann ging er hinüber nach Griechenland, zunächst nach Philippi, extensiv missioniert. Aber im Zweiten Timotheusbrief und auch in Römer 15 sieht man, dass er auch im ehemaligen Jugoslawien, dort wird Dalmatien und Illyrien erwähnt, gewirkt hat. Dort hat der Apostel Paulus auch gewirkt und natürlich auch in Italien, ging bis nach Rom, und in Römer 15 sagt er, dass er den Wunsch hat, bis nach Spanien zu gehen. Und tatsächlich, ausserbiblisch aus der Frühzeit, etwa ums Jahrhundert, haben wir eine Schrift, die bezeugt, dass Paulus tatsächlich bis nach Spanien gegangen ist. Die ganzen Iyim.
Und darum ist es so interessant, hier zu lesen, dass Europa auf seine Lehre harren wird. Nicht wahr, wenn man so in Markus 1 liest, wie der Knecht Gottes hier kommt und beginnt zu dienen. Damals konnte man nicht wissen, wer wird eigentlich mal ganz besonders offen sein für diese frohe Nachricht. Es war die Frage: Asien? Israel gehört ja zu Asien. Es ist zwar die Landbrücke der drei Kontinente Europa, Asien, Afrika, aber effektiv ist Israel in Asien. Oder sollte es Afrika sein? Oder Europa?
Auch in der Apostelgeschichte ist das noch nicht so klar, denn wir sehen, wie das Evangelium alle drei Kontinente erreicht, von Anfang an: Asien, Europa, Afrika. Aber wir wissen, die weitere Geschichte hat gezeigt: Europa war der Kontinent, der mit offenen Armen das Evangelium aufgenommen hat. Nur das Traurige ist: Heute, zweitausend Jahre später, sehen wir, wie gerade Europa der Kontinent ist, der alles auf wirklich üble Art und Weise heute über Bord wirft. Und darum haben wir auch die Offenbarung, die übrigens den Fokus ganz besonders auf Europa richtet und das Gericht Gottes, das über diesen Kontinent, der einst so offen war, dass die Propheten sagten: Die Iyim werden auf seine Lehre harren, aber der dann alles so traurig verwirft heute.
Ja, das wollte ich einfach noch ergänzen als kleiner Exkurs. Jetzt gehen wir zurück zu Markus 1.
Und da noch etwas: Er sah die Himmel sich teilen. Gibt es noch mehr Stellen, wo darüber gesprochen wird, wie der Himmel geöffnet wird? Klar, man muss sich das richtig so vorstellen: Er sah den Himmel sich teilen und damit öffnen, und dann kam diese Bat Kol. Wo wird weiter gesprochen von einem Himmel, der geöffnet wird? Ja, aber wurde er dort geöffnet oder hat er ihn geöffnet gesehen? Was würdest du sagen auf dem Gedächtnis? Dass er ihn geöffnet gesehen hat, bedeutet eigentlich schon fast, dass er geöffnet wurde. Ja, klar, aber schlagen wir das auf. Das ist also sehr bestechend logisch, danke Kurt, und diese Logik werden wir weiterverfolgen, die hilft uns.
Also Apostelgeschichte 7, die Steinigung von Stephanus wird beschrieben, und dann heisst es dort in Vers 55: Als er aber voll heiligen Geistes unverwandt zum Himmel schaute, sah er die Herrlichkeit Gottes und Jesus zur Rechten Gottes stehen, und er sprach: Siehe, ich sehe die Himmel geöffnet und den Sohn des Menschen zur Rechten Gottes stehen.
Also, wie du sagst, der Himmel, er sieht ihn geöffnet. Aber er sieht nicht den Moment, wo der Himmel geöffnet wird, sondern er sieht ihn offen. Und hier sehen wir aber: Der Himmel wurde geöffnet. Wo gibt es noch mehr Stellen, wo er geöffnet wird, im Moment? Nein? Ja, natürlich sieht er da den Himmel, aber nicht den Moment der Öffnung. Wird jetzt dort nicht erwähnt, aber gut, der Hinweis.
Aber jetzt so ausdrücklich: Hesekiel 1,1. Ja, und es geschah im dreissigsten Jahr – es war übrigens das dreissigste Lebensjahr von Hesekiel –, im vierten Monat, am fünften des Monats, als ich inmitten der Weggeführten am Fluss Kebar war, da öffneten sich die Himmel, und ich sah Gesicht Gottes.
Warum betone ich das so? Man kann sich merken: Hesekiel 1, Markus 1 und auch die Parallelstellen in Matthäus 3 und Lukas 3. Jedes Mal geht es darum, der Himmel wird geöffnet. Aber jetzt bei Stephanus sehen wir den Himmel offen. Und noch weiter in Apostelgeschichte 10, in der Vision von Petrus, das wäre Vers 11: Er war auf dem Dach in Joppe, also heutigem Jaffa, Tel Aviv, und er sieht den Himmel geöffnet und ein gewisses Gefäss, gleich einem grossen Leintuch, herabkommend, an vier Zipfeln gebunden, auf die Erde herabgelassen. Also auch da wird der Himmel als geöffnet gesehen, nicht er wurde geteilt oder geöffnet, sondern er sieht den Himmel geöffnet.
Und das Gleiche ist eben wahr in Offenbarung 4,1: Nach diesem sah ich, und siehe, eine Tür war geöffnet in dem Himmel, und die erste Stimme, die ich wie die einer Posaune mit mir hatte reden hören, sprach: Komm hier herauf, und ich werde dir zeigen, was nach diesem geschehen muss. Das war also eine Bat Kol. Aber er sieht: Eine Tür geöffnet, nicht: sie wird geöffnet.
Und schliesslich Offenbarung 19, da wird die Wiederkunft Christi in Macht und Herrlichkeit in der Zukunft beschrieben, und zwar Vers 11: Und ich sah den Himmel geöffnet, und siehe, ein weisses Pferd, und der darauf sass, genannt treu und wahrhaftig, und er richtet und führt Krieg in Gerechtigkeit.
Jetzt sehen wir also, da gibt es irgendwie einen Wechsel. Zuerst wird der Himmel geöffnet, und dann ist er offen. Wo war der Wendepunkt? Golgatha. Nicht wahr, Matthäus? Da wird ja von dem Scheidevorhang im Tempel, der ein irdisches Abbild ist, von dem Scheidevorhang des Tempels im Himmel gesprochen. Offenbarung 11,19 spricht von diesem Tempel im Himmel. Und da steht: Matthäus 27,50: Jesus aber schrie wieder mit lauter Stimme und gab den Geist auf. Und siehe, der Vorhang des Tempels zerriss von oben bis unten in zwei Stücke. Und das sollte zeigen: Jetzt ist der Zugang zu Gott offen, zerrissen, nicht mehr diese Trennung durch den Scheidevorhang, der deutlich machte, es gibt eine Trennung zwischen Gott und Mensch.
Und darum sehen wir dann neutestamentlich: Der Himmel steht offen. Und jetzt müssen wir noch auf die Stelle zurückkommen, 1. Mose 28 mit der Himmelsleiter. Der Herr Jesus nimmt nämlich Bezug darauf in Johannes 1 und erklärt, was dieser prophetische Traum von Jakob zu bedeuten hatte. Johannes 1,51: Da sagt er zu Nathanael, und er, Jesus, spricht zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, ihr werdet den Himmel geöffnet sehen und die Engel Gottes auf und niedersteigen auf den Sohn des Menschen. Das ist genau ein Rückbezug auf diesen prophetischen Traum von Jakob.
Und der Jesus sagt hier nicht: Das war jetzt so, das war ja noch vor dem Kreuz. Sondern er sagt: Das wird einmal so sein. Und das ist nämlich eine Prophetie in Bezug auf das tausendjährige Friedensreich. Dann werden Himmel und Erde unter seiner Herrschaft als Sohn des Menschen vereinigt sein, und Engel werden auf und niedersteigen. Aber dann wird der Himmel offen sein. Und die Wende war eben Golgatha.
Und wir singen doch in einem Lied: Der Himmel steht offen. Herz, weisst du warum? Weil Jesus gekämpft und geblutet darum. Aber eben, es lohnt sich, sich durch all diese Stellen durchzukämpfen und dann Ordnung hineinzubringen. Und dann sehen wir: Ah, da ist es wird geöffnet, da ist es offen. Und das ist der Himmel für uns heute: ein offener Himmel, ein freier Zugang zu Gott durch Jesus Christus.
Aber eben, damals war das Erlösungswerk noch nicht vollbracht, und darum lesen wir: Die Himmel wurden so geteilt.
Jetzt gehen wir weiter, Vers 12 in Markus 1. Oder gibt es noch keine Frage bis dahin?
Also Markus 1,12: Doch! Es steht jetzt: Du bist mein geliebter Sohn. Also spricht die Stimme direkt zu ihm als Sohn. Und in Lukas, ich glaube auch, und in Matthäus ist es: Dies ist mein geliebter Sohn, also etwas Allgemeines. Hat das jetzt eine Bedeutung, dass es in den einen Stellen einfach so eine allgemeine Aussage ist, Dies ist mein Sohn, und hier diese persönliche Aussage?
Ja, natürlich hat das etwas zu bedeuten. Dieser Unterschied, warum in Matthäus 3: Dieser ist mein geliebter Sohn, also eine, kann man sagen, eine Erklärung gegenüber allen Zuhörern. Und in Markus ganz persönlich auf den Messias bezogen. Diese Unterschiede gibt es immer wieder, und da muss man eben daran denken, dass die Berichterstattung in den Evangelien immer wieder zusammenfassend ist. Gott hat mehr gesagt als nur einen Satz. Und das war einerseits eine Erklärung an alle Zuhörer: Dieser ist mein geliebter Sohn, und gleichzeitig auch eine ganz persönliche Erklärung des Vaters an den Sohn: Du bist mein geliebter Sohn. Und das macht den Unterschied aus.
Also für die Menschen war das ganz wichtig, diese Erklärung, weil sie hätten leicht denken können: Er ist auch ein Sünder. Das Auftreten des Propheten Johannes und die Verklärung, also die Stimme aus dem Himmel, die wird ja, das ist eine Erfüllung von Jesaja 40,5, die Herrlichkeit des Herrn wird sich offenbaren, als sich ja der Himmel geöffnet hat. Da war ja Gott, der sprach, da war der Geist, der kam, und der Sohn Gottes, der wirklich der Herr.
Ja, genau. Und zwar in Jesaja 40,5, wie du sagst, das ist ja gerade im Zusammenhang mit der Prophetie über den Dienst von Johannes dem Täufer. Jesaja 40,3: Stimme eines Rufenden: In der Wüste bahnt den Weg des Herrn, ebnet in der Steppe eine Strasse für unseren Gott. Da haben wir ja gesehen, Markus 1 am Anfang wird diese Stelle auf Johannes den Täufer gezogen. Und dann, wie du sagst, in Vers 5 heisst es: Und die Herrlichkeit des Herrn wird sich offenbaren, und alles Fleisch miteinander wird sie sehen.
Die Herrlichkeit Gottes hat sich gezeigt, indem der Jesus gekommen ist als Mensch, sich dort taufen liess, und indem Gott, der Vater, sich vom Himmel offenbarte durch diese Stimme, und indem Gott, der Heilige Geist, auf ihn kam. Und so hat sich da der dreieine Gott in einer ganz besonderen Weise offenbart und, wie du sagst, so seine Herrlichkeit gezeigt. Wie der Erfindung von Gott, dem Vater, Ehre und Herrlichkeit in diesem Ort.
Genau. In 2. Petrus 1 wird ja welches Ereignis genau dort erwähnt? Petrus nochmals das Ereignis vom Berg der Verklärung und sagt eben auch dort, dass die Herrlichkeit Gottes da eben sich offenbart hatte, auf dem Berg, nicht wahr? Das willst du sagen, ob ich das richtig bitte?
Und damit wird klar, wie oft haben wir jetzt in der Bibel dieses Zeugnis: Das ist mein geliebter Sohn, du bist mein geliebter Sohn. Ja, wir haben es viermal in den Evangelien im Zusammenhang mit der Taufe: Matthäus 3, Markus 1, Lukas 3. Johannes 1? Ah, was sage ich? Nein, Johannes 1 dort eben nicht. Dort wird zwar die Taufe von Johannes beschrieben, aber dieses Wort aus dem Himmel wird dort nicht erwähnt. Also nochmals: Matthäus 3, Markus 1, Lukas 3. Und dann auf dem Berg der Verklärung nochmals: Markus 9, Matthäus 17, Lukas 9. Jetzt haben wir es sechsmal. Und dann wird es noch einmal erwähnt in 2. Petrus 1. Siebenmal, kein Zufall, dieses besondere Wort. Sollte siebenmal die Zahl der Vollkommenheit bezeugt sein in der Schrift.
Ja, und jetzt gehen wir gleich weiter zu der Versuchung. Der Jesus wurde in die Wüste geführt und von Satan versucht. Warum ist das geschehen? Der Jesus wurde getestet. Und du sagst, er musste getestet werden. Könntest du das noch mehr begründen?
Ah, der Messias wird der bewährte, der getestete Stein genannt in Jesaja 28. Übrigens auch die Rabbiner in der rabbinischen Literatur, die beziehen Jesaja 28 auf den Messias. Und in 1. Petrus 2 wird diese Stelle von Petrus im Neuen Testament direkt auf den Herrn Jesus bezogen. Nämlich Jesaja 28,16: Darum, so spricht der Herr, der Ewige: Siehe, ich gründe einen Stein in Zion, einen bewährten Stein, also einen getesteten Stein, einen kostbaren Eckstein, aufs Festeste gegründet. Wer glaubt, wird nicht ängstlich eilen.
Also der Messias wird hier bezeichnet mit diesem Eckstein auf dem Tempelberg Zion. Und er wird genannt: ein bewährter Stein, ein getesteter Stein. Also der Messias sollte getestet werden. Und das sehen wir hier: Er wurde vom Teufel versucht.
Und dieser Stein, oder Petrus nennt diesen Stein dann auch Fels, in 1. Petrus 2, Vers 9, Petra, nicht nur Stein, sondern wirklich Fels. Da müssen wir noch denken an diesen Zahlenspruch von Agur ben Jake. In Sprüche 30,18-19: Drei sind es, die zu wunderbar für mich sind, und vier, die ich nicht erkenne und nicht begreife: der Weg des Adlers am Himmel, der Weg einer Schlange auf dem Felsen, der Weg eines Schiffes im Herzen des Meeres und der Weg eines Mannes mit oder zu einer Jungfrau.
Intelligenztest: Was verbindet diese vier Dinge, die für Agur so wunderbar sind?
Diese Gelegenheit macht Spuren, Interestspuren.
Ah, es geht immer darum, dass hier letztlich keine Spuren hinterlassen werden. Sehr gut. Und noch eine einfachere Entdeckung, das ist schon sehr versteckt, aber wichtig: Was verbindet es noch?
Weg.
Es sind ja vier Wege, aber eben vier Wege, die letztlich keine Spuren hinterlassen. Nicht wahr? Der Adler am Himmel, der hinterlässt keine solchen weissen Streifen am Himmel. Ja, und auch die verschwinden wieder. Und dann der Weg einer Schlange auf dem Felsen, die keine Spur zurücklässt. Und der Weg eines Schiffes im Herzen des Meeres, also auf offener See: Ja, für kurze Zeit wird das Wasser da verdrängt, und dann könnte man nicht später gehen und schauen, wo das Schiff durchgegangen ist. Keine Spuren. Und dann ist es so: der Weg einer Frau zu einer Jungfrau, der Weg, wie Gott einen Mann und eine Frau zusammenführt, ist verschlungen und vieles versteckt. Manchmal an einer Hochzeit erfährt man noch ein paar Dinge, die man sonst nicht gewusst hat, aber die erzählen auch nicht alles.
Jetzt ist es so, es sind alles erstaunliche Wege. Ein Adler, der hat so ein Gewicht, und trotzdem kann er fliegen. Und ein Schiff ist auch eigentlich so schwer, und trotzdem kann es auf dem Wasser schwimmen. Das ist erstaunlich. Natürlich wissen wir, das hat zu tun mit Auftrieb, und wir können das physikalisch erklären. Und trotzdem, jedes Mal, wenn wir ein grosses Schiff sehen auf dem Meer, ist es erstaunlich, dass das funktioniert.
Der Weg, dass ein Mann das Herz einer ganz bestimmten Frau erreicht. Warum? Woran liegt das genau? Ja, manchmal kann man sagen: Ja gut, der ist so reich, das versteht man. Oder ja, aber ich meine oft: Wieso genau diese zwei? Ja, es ist etwas Geheimnisvolles.
Und jetzt: Aber ich möchte ja nicht auf alle vier Wege eingehen, sondern der Weg einer Schlange auf dem Felsen. Das ist erstaunlich. Eine Schlange hat keine Beine, und trotzdem kann sie sich auf dem Felsen fortbewegen. Das hängt nämlich damit zusammen: Schlangen haben vier Fortbewegungstechniken. Es gibt die Bewegung des Schlängelns, Muskeln drücken sich beidseitig von kleinen Gegenständen, das können Steinchen oder Ästchen sein, ab. Das ist die Art und Weise, wie Schlangen sich im Dschungel zum Beispiel fortbewegen. Das ist Schlängeln.
Und dann gibt es das gerade Kriechen. Das ist ein periodischer Verlauf von Wellen von Muskelkontraktionen, und da können Schlangen sich in Röhren, ganz engen Röhren, trotzdem fortbewegen. Da können sie nicht schlängeln. Aber das ist eben dieses gerade Kriechen oder in Felsspalten ist das so.
Und dann gibt es das Seitenwinden, das ist die Art, wie sich Schlangen in Sandwüsten fortbewegen. Da gibt es ganz wenig Berührungsstellen, und trotzdem können sie sich so im Tempo fortbewegen.
Und dann gibt es eben die Ziehharmonika-Bewegung. Schlangen ziehen den hinteren Teil an sich in engen Schleifen, und dann wird der vordere Teil wieder ausgestreckt, dann wieder so. Und so bewegen sie sich auf dem Felsen. Also ein erstaunlicher Weg, dass die ohne sich eindrücken zu können, ohne Beine, dass sie sich trotzdem auf dem Felsen vorbewegen können.
Nun wichtig: In der Bildsprache der Bibel ist der Fels ein Bild von Christus. 1. Korinther 10,4: Der Fels aber war der Christus. Und der Satan wird in Offenbarung 12 genannt die alte Schlange. Und es ist einfach erstaunlich: Wieso hat Gott das zugelassen, dass diese alte Schlange, die einst schon Eva verführt hatte und dann die Nationen durch die ganze Weltgeschichte hindurch, warum hat Gott das zugelassen, dass der Satan sich an diesen geliebten Sohn – man muss sich vorstellen, was das war – bei der Taufe, alle Menschen in der ganzen Weltgeschichte haben Gott durch ihr Leben verunehrt, und plötzlich kommt ein Mensch, und er kam da von Galiläa zu Johannes dem Täufer da in der Wüste jenseits des Jordans, ein Mensch, der Gott in allem verherrlicht hatte, in allem, was er gesagt hat, in allem, was er getan oder nicht getan hat. Und das war so etwas Gewaltiges, dass diese Bat Kol vom Himmel kam: Dieser ist mein geliebter Sohn.
Und wie kann es sein, dass Gott es zulässt, dass diese alte böse Schlange den Sohn Gottes versuchen durfte? Eben, Carmen hat die Antwort gegeben: Er musste getestet werden, damit allen offenbar wird, er kann der Sündenträger werden für uns. Denn es musste jemand sein, der absolut vollkommen und sündlos war. Nur der konnte für uns in den Riss treten und fremde Schuld auf sich nehmen. Und das wurde durch die Versuchung eben klargemacht.
Und genauso wie die Schlange auf dem Felsen keine Spuren hinterlässt, konnte der Teufel nichts bewirken. Der Herr Jesus war vollkommen, der Teufel konnte ihn nicht zur Sünde verleiten.
Können wir dazu noch Johannes 14,3 berichten? Genau die Stelle hätte ich noch erwähnen wollen, danke. Johannes 14,30, dort sagt der Herr Jesus am Vorabend der Kreuzigung: Ich werde nicht mehr vieles mit euch reden, denn der Fürst der Welt kommt und hat nichts in mir.
Was willst du damit sagen, Kamine, kannst du das noch erklären?
Ja, Herr Jesus ist ja der, der von keiner Sünde wusste, in ihm war keine Sünde, ja eben. Eben, der Herr Jesus hatte keine Sünde in sich, 1. Johannes 3, wie du sagst, er kannte Sünde nicht, 2. Korinther 5,21, und er tat keine Sünde, 1. Petrus 2. Und der Teufel hat keine Spuren hinterlassen, er hat keinen Ansatzpunkt gefunden, wo die Schlange sich in den Felsen hätte eindrücken können.
Und so war das also wichtig, und gleich in Vers 14 beginnt dann der öffentliche Dienst des Herrn Jesus: Nachdem aber Johannes überliefert worden war, sein Dienst war abgeschlossen, kam Jesus nach Galiläa, predigte das Evangelium des Reiches Gottes und sprach: Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist nahegekommen. Tut Busse, das heisst, bereut eure Schuld, das heisst das Wort Busse, Metanoia im Griechischen, nicht nur ein intellektuelles Umdenken, sondern wirklich ein Umdenken, wo man das bereut, was man falsch gemacht hat in seinem Leben, und es Gott bekennt. Tut Busse und glaubt an das Evangelium.
So wird seine Verkündigung quasi auf den Punkt gebracht in einem Satz mit zwei Imperativen. Und ist es nicht eindrücklich: Im Markus-Evangelium haben wir nichts gefunden von einer Geburtsgeschichte, so ausführlich im Lukas-Evangelium von dem Arzt Lukas beschrieben. In Lukas geht es darum zu zeigen, dass der Herr Jesus ein richtiger Mensch ist, der richtig als Mensch von einer Mutter geboren worden ist. Es gibt auch nicht diese Geburtsgeschichte wie in Matthäus, wo betont wird, er wurde als König geboren in Bethlehem. Und da sind Leute, von woher sind die gekommen, diese Waisen aus dem Morgenland? Wie? Also Morgenland, das heisst aus Osten. Aber wo aus dem Osten? Aus Babylon.
Es ist so, die heissen ja im griechischen Text Magoi, da hat die Elberfelder nicht Weise, sondern Magier. Und das Wort Magoi ist ursprünglich ja ein persisches Wort, ein iranisches Wort. Ja, die kamen aus Persien, das ist grandios, während andere alles verschlafen haben im Land Israel. Diese Perser haben den neuen Stern gesehen und sind gekommen, um den König zu verehren.
Ja, aber das steht alles nicht in Markus. Warum? Ja, hier wird der Diener vorgestellt, und es ist uns klar: Wenn man eine Firma hat und jemanden neu einstellen muss, macht man ein Gespräch. Das ist sehr wichtig. Man sollte entspannt sein, aber man achtet auf jede Bewegung, auf jedes Augenzwinkern, auf die Sprache und wie die Hände sind, so oder die Nase so. Ja, alles ist wichtig.
Und dabei ist es aber, wenn wirklich jemand gesucht wird, der praktisch arbeiten soll in der Firma, dann ist es nicht wichtig, dass er sagen kann: Übrigens, ich kann meinen Stammbaum zurückverfolgen auf eine Adelsfamilie aus Europa. Das bringt nichts. Und wenn jemand eben erzählen kann: Also soll ich ihm mal meine Geburtsgeschichte erzählen, wie das war, das ist eigentlich nicht so relevant. Wichtig ist, dass jemand wirklich arbeiten kann und bei der Arbeit auch nicht zu viel redet. Das ist wichtig.
Darum findet man im Markus-Evangelium am wenigsten Reden. Natürlich könnte man sagen, ja, das Markus-Evangelium ist das kürzeste Evangelium, nur sechzehn Kapitel, das ist alles prozentual aufgerechnet gegenüber, wenn man alle Verse auszählt und prozentual, wo der Jesus spricht, ist ganz klar: Im Markus-Evangelium spricht er am wenigsten. Die Betonung wird auf seine Taten gelegt.
Und darum haben wir als Schlüsselvers, damit wollen wir schliessen heute, in Markus 7 einen Abschnitt, der nur in dem Markus-Evangelium vorkommt. Das meiste in Markus findet man allerdings in anderer Reihenfolge bei Matthäus, bei Lukas und bei Johannes. Es sind nur sechs Prozent, die man nur im Markus-Evangelium findet. Und darum muss man besonders achten auf diese sechs Prozent, und dazu gehört eben diese Geschichte in Markus 7. Und da heisst es in Vers 37, nachdem der Herr Jesus gehandelt hat: Und sie waren überaus erstaunt und sprachen: Er hat alles wohlgemacht. Er macht sowohl die Tauben hören als auch die Stummen reden.
Das ist der Schlüsselvers des ganzen Markus-Evangeliums: Er hat alles wohlgemacht. Und darum eine kurze Einleitung von dem Dienst von Johannes, und dann beginnt der Dienst, und es wird gezeigt, was er tut. Der Akzent ist ganz klar auf seinen Taten.
Und es kommt dazu: Markus hat das Evangelium wo geschrieben? In Rom. Das wissen wir aus frühchristlicher Überlieferung: in Rom. Und das hat schon seine Bedeutung. Matthäus zum Beispiel hat ganz speziell für Juden geschrieben, und darum zitiert er so oft aus dem Alten Testament, wie sich die Prophetie des Alten Testaments erfüllt hat, um Juden zu zeigen: Er ist der Messias, der König.
Aber Markus hat für Römer geschrieben, und die Römer, die waren Menschen der Tat. Die Römer, die haben sich auch in allem gefragt: Was nützt das praktisch? Die waren nicht die Theoretiker wie die Griechen, sondern die haben sich vielmehr gefragt: Was nützt etwas? Das waren die Amerikaner von damals, nicht wahr? Amerikaner sind nicht so wie Europäer, oft so gedanklich alles gedanklich-theoretisch durchdringen bis zum Spinnen. Es gibt alles, alle Abstufungen. Amerikaner, die wollen wissen, was bringt das praktisch. So waren die alten Römer.
Darum schreibt Markus speziell für die Römer, und er zeigt sie, wie der Herr Jesus gehandelt hat. In allem sieht man, was er getan hat, und er hat alles wohlgemacht.
Ja, dann wollen wir nächstes Mal bei Vers 16 weiterfahren, wo der Herr Jesus beginnt, Diener zu berufen, die nach seinem Beispiel eben auch lernen sollen zu dienen, so wie er es in Vollkommenheit getan hat. Wollen wir hier schliessen?

Vielen Dank an Roger Liebi, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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