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Festhalten an den Belehrungen

Lasst euch nicht verwirren!
2. Thessalonicher 2,13-3,502.12.2023
SerieTeil 4 / 42. Thessalonicher
Paulus drückt seine Dankbarkeit für die Thessalonicher aus, weil sie trotz Verfolgung standhaft geblieben sind. Er sagt, dass Gott sie auserwählt hat. Wie ist das mit der Auserwählung? Bin ich gewollt von Gott?

Einordnung des Abschnitts und Rückblick auf den bisherigen Brief

Wir kommen heute Nachmittag zu 2. Thessalonicher 2 und lesen ab Vers 13:
Wir aber sind schuldig, Gott alle Zeit für euch zu danken, vom Herrn, geliebte Brüder, dass Gott euch von Anfang an erwählt hat zur Errettung, in Heiligung des Geistes und im Glauben an die Wahrheit, wozu er euch berufen hat durch unser Evangelium zur Erlangung der Herrlichkeit unseres Herrn Jesus Christus. Also nun, Brüder, steht fest und haltet die Überlieferungen, die ihr gelehrt worden seid, sei es durch Wort oder durch unseren Brief. Er selbst aber, unser Herr Jesus Christus, und Gott, unser Vater, der uns geliebt und uns ewigen Trost und gute Hoffnung gegeben hat durch die Gnade, tröste eure Herzen und befestige euch in jedem guten Werk und Wort.
Für die, die über den Livestream zugeschaltet sind, können hier unten rechts das Skript für das heutige Thema herunterladen.
Wir haben nun den zweiten Thessalonicherbrief betrachtet, von Kapitel 1,1 bis 2, Vers 12, und wir haben gesehen, dass die Thessalonicher noch nicht lange zuvor durch die Evangeliumsverkündigung von Paulus in Apostelgeschichte 17 zum Glauben gekommen waren. Zahlreiche Thessalonicher hatten sich bekehrt, waren zum Glauben gekommen, und es war eine neue Gemeinde entstanden. Es gab dann aber Verfolgung, und sie war so schlimm, dass Paulus und seine Mitarbeiter fliehen mussten und Thessalonich verlassen mussten.
Das hat Paulus in tiefe Nöte gebracht, weil er sich fragte: Wie ist es mit den Thessalonichern? Haben sie sich wirklich echt bekehrt, und werden sie jetzt auch durchhalten, wenn es nach der Bekehrung mit ihnen schlechter geht als vor der Bekehrung? Er hat dann in seiner Unruhe Timotheus geschickt, der unbemerkt nach Thessalonich zurückgehen konnte. Er kam zurück und brachte Paulus die gute Nachricht: Die Thessalonicher sind treu geblieben. Sie sind wirklich klar auf dem Weg.
Dann hat der Apostel den ersten Thessalonicherbrief geschrieben und sie sehr im Glauben ermutigt. In jedem Kapitel schreibt er über die Wiederkunft Christi, je nachdem über die Entrückung oder über das Kommen, das zweite Kommen auf die Erde als König und Herr der Welt. Das Thema Prophetie war also sehr, sehr wichtig für die Thessalonicher, und das hat Paulus mit diesem ersten Brief nochmals richtig vertieft.
Dann gab es Besuch von falschen Lehrern, und die wollten Paulus korrigieren. Sie haben den Thessalonichern erklärt: Ja, wisst ihr, ihr seid jetzt eigentlich schon in der Zeit der Gerichte. Der Beweis ist die Verfolgung. Ihr leidet, ihr seid in der Drangsal. Sie wollten ihnen gewissermaßen klarmachen: Ihr seid schon in der großen Drangsal.
Da hat der Apostel Paulus dann den zweiten Thessalonicherbrief geschrieben, und er hat das geklärt: Das stimmt überhaupt nicht. Ihr seid nicht in der großen Drangsal, und das ist auch gar nicht möglich. Der Tag des Herrn oder der Tag Christi – das ist der Tag des Messias. Christus heißt Messias auf Hebräisch. Der Tag des Messias, also die Zeit der großen Drangsal und dann am Ende davon das Wiederkommen des Herrn Jesus in Macht und Herrlichkeit, das kann gar nicht jetzt sein.
Wir haben gesehen, wie er ihnen klargemacht hat, dass der Heilige Geist, der in der Gemeinde wohnt, zuerst weggehen muss. Pfingsten soll durch die Entrückung umgekehrt werden. Erst dann kann überhaupt der Antichrist offenbar werden, und erst dann kommt die große Drangsal, der Tag des Herrn beziehungsweise der Tag des Messias.
Das hat der Apostel also mit diesem Brief geklärt, und da sind wir gekommen bis Kapitel 2, Vers 12. Und jetzt geht es eben weiter, wo wir gelesen haben in Vers 13. Paulus drückt seine Dankbarkeit für die Thessalonicher aus. Das macht also auch klar, dass er innerlich überzeugt war, dass sie auf diese Korrekturen hören werden, dass sie also nicht durch diese Irrlehre ganz in die falsche Richtung gelenkt werden.
In Vers 13 sagt er darum: Wir danken Gott für euch allezeit. Ich war im ersten Brief offen, aber hier dankt er jetzt eben, nachdem er diese Korrekturen angebracht hat, und drückt damit aus, wie sehr er Vertrauen in die Thessalonicher hat, dass sie sich da wirklich auch korrigieren lassen und sich befreien lassen von diesen falschen Lehren.

Auserwählung, Bekehrung und die Frage nach Gottes Vorherwissen

Und dann sagt er: Wir aber sind schuldig, Gott allezeit für euch zu danken, vom Herrn geliebte Brüder, dass Gott euch von Anfang erwählt hat zur Errettung in Heiligung des Geistes.
Wie kommt er jetzt plötzlich auf das Thema Auserwählung zu sprechen? Hat Paulus jetzt nachschauen können in den himmlischen Büchern, ob die Namen der Thessalonicher dort verzeichnet sind, unter den Auserwählten? Wie kommt er darauf, dass er dankt, dass sie von Anfang an erwählt worden sind zur Rettung?
Der Punkt ist eigentlich eine Wiederholung. Das war schon geschehen im ersten Brief. Schlagen wir mal auf: 1. Thessalonicher 1. Also nochmals: Das ist der Brief, den Paulus gerade danach geschrieben hat, nachdem die Thessalonicher so schwere Verfolgung erlebt haben und Timotheus schliesslich ihm mitteilen konnte: Paulus, die Thessalonicher sind standfest geblieben, sind treu geblieben, im Glauben haben sie festgehalten an dem Herrn, unabhängig davon, wie es ihnen äusserlich geht, trotz Prüfung.
Und da schreibt der Apostel in Kapitel 1, 1. Thessalonicher 1, und spricht davon, dass sie eben erwählt worden sind. Ich lese Kapitel 1, Vers 3: Gedenkend eures Werkes des Glaubens und der Bemühung der Liebe und des Ausharrens der Hoffnung auf unseren Herrn Jesus Christus vor unserem Gott und Vater, wissend, von Gott geliebte Brüder, eure Auserwählung.
Warum sagt er: Wir wissen, dass ihr auserwählt seid? Der Grund war der: Die sind treu geblieben trotz Verfolgung, und das war ein Beweis, dass sie sich echt bekehrt haben. Wenn jemand wissen will, ob er auserwählt ist, dann muss er nur wissen, ob er sich echt bekehrt hat. Denn die Menschen, die in der Bibel genannt werden, die Auserwählten, das sind die wirklich Bekehrten und die dann auch wiedergeboren sind durch Glauben.
Und weil wir eben in den Büchern nicht nachschauen können, müssen wir eben darauf achten, was die Auswirkungen der Bekehrung sind. Und wenn man jemanden sieht, der durch eine schwere Zeit nach der Bekehrung hindurchgeht, gerade weil er sich bekehrt hat und trotzdem beim Herrn bleiben will und niemals von dem Herrn weg möchte, dann weiss man: Der hat sich echt bekehrt. Das ist folglich ein Auserwählter.
Und so war also diese Prüfung wichtig für die Thessalonicher. Gott wusste, dass sie echt bekehrt waren. Aber wir Gläubige müssen auch Bestätigungen haben von unserem echten Glauben. Und diese schlimme Erfahrung der Thessalonicher: Es ging ihnen schlechter nach der Bekehrung als vorher, aber sie blieben treu. Das hat ihnen die Heilsgewissheit noch vertieft. Ich sage nicht erst gegeben, aber man kann Heilsgewissheit haben, und sie kann einem noch mehr vertieft werden, weil man sich sagt: Ja, wirklich, ich bin beim Herrn geblieben, und ich wollte immer seine Gemeinschaft.
Und dieses Verlangen und dieser Wunsch ist Ausdruck des neuen Lebens, Beweis der Wiedergeburt. Und nun hier im zweiten Brief sehen wir also zu dieser Verfolgung: Kommt jetzt auch noch ihre Lehre dazu. Und da bestätigt der Apostel Paulus nochmals ihnen gegenüber: Wir danken für euch, und wir danken, dass ihr eben solche seid, die auserwählt sind, wahre, echte Gläubige seid. Dieses Zeichen hat er bei ihnen so klar gesehen.

Vorherwissen Gottes und die Ablehnung einer bedingungslosen Erwählung

Es stellt sich aber natürlich die Frage: Hat auch schon jemand gesagt: Ich kann mich nicht bekehren. Warum? Weil ich nicht aus der Welt bin.
Okay, das scheint eine sehr clevere Ausrede zu sein, um sich nicht zu bekehren. Aber es ist eben genau umgekehrt. Jemand, der sich nicht bekehren will, der ist nicht auserwählt, weil er sich nicht bekehren will. Er kann sich nicht bekehren, weil er nicht auserwählt ist. Das ist sehr missverständlich. Darum will ich das gerade erklären, und wir schlagen dazu 1. Petrus 1,1-2 auf.
Das ist ein Rundschreiben an Juden in der Diaspora, also in der Zerstreuung, die außerhalb von Israel lebten, in verschiedenen Provinzen der heutigen Türkei. Und da schreibt Petrus in Vers 1:
Petrus, Apostel Jesu Christi, den Fremdlingen von der Zerstreuung, von Pontus, Galatien, Kappadokien, Asien und Bithynien, auserwählt nach Vorkenntnis Gottes, des Vaters, durch Heiligung des Geistes, zum Gehorsam und zur Blutbesprengung Jesu Christi. Gnade und Friede sei euch vermehrt.
Also, da spricht er sie an als Auserwählte. Aber sehen wir: auserwählt nach Vorkenntnis Gottes, das ist noch ganz wichtig. Und dass er bei diesen Juden davon ausging, dass sie wirklich wiedergeboren waren, das sieht man in Vers 3:
Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der nach seiner großen Barmherzigkeit uns wiedergezeugt hat, oder, Fußnote der Elberfelder, wiedergeboren hat, zu einer lebendigen Hoffnung.
Also, er spricht da über sich. Er sagt „uns“ und schließt sich zusammen mit all diesen Juden aus diesen Provinzen ein und sagt: Gott hat uns wiedergeboren zu einer lebendigen Hoffnung. Also, es geht um wahre Gläubige. Und von denen sagt er nicht nur in Vers 2, sie seien auserwählt, sondern auserwählt nach Vorkenntnis Gottes.
Und das Wort Vorkenntnis, griechisch Prognosis, kennen wir von der Wetterprognose. Wenn die von der Wetterprognose sagen: Morgen wird es nochmals schneien, dann machen die das Wetter nicht von morgen. Die können nicht sagen: Morgen schneit es, und dann schneit es. Also, ihre Prognose hat überhaupt keinen Einfluss auf die Natur. Ich sage jetzt nicht auf den freien Willen der Natur, Natur hat keinen Willen, aber auf den freien Lauf der Natur. Aber Sie erkennen, wie es morgen mit dem Wetter kommt. Es ist ein Vorherwissen, wie es kommt.
Und so ist es mit der Auserwählung. Sie sind auserwählt nach Prognosis Gottes. Gott wusste von Ewigkeit her, wer, wenn Gott einmal rufen wird, durch das Evangelium, „Tut Buße“, also bereut eure Sünden und bekennt sie Gott, tut Buße und bekehrt euch, so wie das Petrus in Apostelgeschichte 3 aufruft: Tut Buße und bekehrt euch. Das heißt 180-Grad-Drehung. Gott wusste, wer einmal, wenn er die Menschen ruft, auf diesen Ruf auch antworten wird. Und er wusste genau, wer bis zum Schluss störrisch durch seinen eigenen Willen dem widerstehen würde.
Gott wusste das im Voraus, aber durch sein Vorherwissen hat er sie nicht beeinflusst. Sie sollen nicht hören und die sollen hören, sondern er wusste, was sie wollen, eines Tages, wenn er sie ruft. Und so hat Gott aufgrund dieses Vorherwissens gesagt: Und die, die das Evangelium annehmen, die will ich retten.
Hier steht nämlich: auserwählt nach Vorkenntnis Gottes des Vaters, durch Heiligung des Geistes, zum Gehorsam und zur Blutbesprengung Jesu Christi. Dazu, dass das Blut des Erlösers auf sie angewendet wird, ihnen zugutekommt, das reinigende und erlösende Blut des Sohnes. Dazu sind sie auserwählt, aber nicht einfach so, sondern nach Vorkenntnis.
Und es ist wirklich so: Calvin, und ich kann das zeigen in seiner Institution, hat geschrieben, dass Gott gewisse Menschen in seiner Allmacht, Souveränität, bestimmt hat, dass sie verloren gehen. Die gehen einfach verloren. Es ist eine furchtbare Lehre, und sie widerspricht vollkommen dem Evangelium.
Gott wollte immer die ganze Welt retten. Und darum heißt Johannes 3,16 nicht: Also hat Gott die Auserwählten geliebt, dass er einen einzigen Sohn gab, sondern: Also hat Gott die Welt geliebt, dass er einen einzigen Sohn gab. Und das macht klar, dass der Retterwille Gottes der ganzen Menschheit gilt. Welt ist ein anderes Wort für Menschheit.
Und sagt, können wir da offen lassen. Zweiter Timotheus, Erster Petrus, und jetzt einfach noch dazu öffnen: Erster Timotheus 2,4. Ab Vers 3 beginnt der Satz:
Denn dies ist gut und angenehm vor unserem Heilandgott, oder Rettergott. Heiland bedeutet Retter. Vor unserem Rettergott, der will, dass alle Menschen errettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.
Das ist Klartext. In Johannes 3,16 die Welt und hier ein anderer Ausdruck für Welt: alle Menschen. Also Gott will, dass alle Menschen errettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Das ist ein Liebeswille. Und zu sagen, Gott hätte einen Teil der Menschheit nicht gewollt, das geht gar nicht. Aber der klassische Calvinismus lehrt das, dass Gott also einen Teil von Anfang an nicht wollte und nur einen Teil der Menschheit wollte er retten. Aber es ist im direkten Widerspruch zur Aussage der Schrift.
Und noch etwas dazu: Jetzt kann man 1. Timotheus wieder zumachen und 2. Petrus dazu öffnen, 2. Petrus 3,9:
Der Herr zögert die Verheißung nicht hinaus, die Verheißung der Wiederkunft Christi, wie es einige für ein Hinauszögern halten, sondern er ist langmütig gegen euch.
Da kann man eine kleine Korrektur anbringen: Bei der Elberfelder, der Mehrheitstext hat hier nicht „euch“, sondern „uns“. Also die Masse der 2. Petrus-Handschriften hat klar: Er ist langmütig gegen uns, da er nicht will, dass irgendwelche verloren gehen, sondern dass alle zur Buße kommen.
Merken wir: Das ist die gleiche Aussage von 1. Timotheus 2, aber extra nochmals anders formuliert, damit es verständlicher wird. Ja, weil es gibt dann eben Calvinisten, die sagen: Ja, was heißt alle Menschen? Ja, alle Menschen ist nicht so schwierig, oder? Das ist einfach jeder Mensch, und keiner ist ausgeschlossen. Jeder eingeschlossen und keiner ausgeschlossen, das heißt alle Menschen.
Ja, nein, alle Menschen könnte doch auch heißen alle Typen von Menschen, also Thailänder, Schweizer, Italiener, Chinesen oder auch verschiedene soziale Schichten, Arbeitnehmer, Arbeitgeber und so weiter. Ja, jetzt steht in 2. Petrus 3,9: sondern ist langmütig gegen uns, der nicht will, dass irgendwelche verloren gehen, sondern dass alle zur Buße kommen. Also alle heißt eben, dass nicht irgendjemand dabei ausgeschlossen ist. Ist das klar?
Also der Retterwille Gottes ist so wunderbar, das ist klares Evangelium. Und trotzdem wissen wir, sagt jetzt die Bibel klar, Offenbarung 20, letzter Abschnitt, dass Menschen ewig verloren gehen werden. Warum werden die verloren gehen? Nicht weil Gott nicht wollte, sondern weil sie nicht wollten. Das ist der Punkt.

Gottes Ziehen, menschlicher Widerstand und das Bild der drei Gleichnisse

Und darum machte Jesus ja einen Vorwurf in Matthäus 23. Das können wir auch noch aufschlagen. In Matthäus 23 spricht er zu Jerusalem, und zwar am Dienstag vor Karfreitag, also gerade vor diesem grossen Moment, wo der Messias schliesslich ganz abgelehnt wurde und vor den Toren Jerusalems gekreuzigt wurde.
Vers 37: Jerusalem, Jerusalem, die da tötet die Propheten und steinigt, die zu ihr gesandt sind! Wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne ihre Küken versammelt unter ihre Flügel, und ihr habt nicht gewollt.
Also sagt der Herr ganz klar: Nicht nur ist er nach Jerusalem gekommen und hat hier gepredigt und die Menschen aufgerufen zu kommen, sondern er sagt, schon früher sind Propheten hierher geschickt worden, aber ihr habt sie abgelehnt. Und der Jesus sagt: Ich habe wie eine Henne versucht, die Flügel auszubreiten und euch als kleine Küken unter den Flügeln in Schutz zu nehmen.
Denken wir daran: Das haben wir vielleicht in vergleichender Anatomie in der Schule gelernt, die Übereinstimmung von Vögeln mit Menschen. Die Knochen in den Flügeln entsprechen nämlich unseren Armknochen. Und wenn die Henne ihre Flügel ausbreitet, dann ist das wie Arme ausbreiten. Und das erinnert genau an das, was dann in derselben Woche am Freitag geschah, als der Herr Jesus seine Hände ausbreitete und so ans Kreuz genagelt wurde, um eben alle Verlorenen schützend, wie die Henne die Küken schützend bewahrt, zu retten.
Übrigens ist der Fall dokumentiert von einer Henne, die durch Feuersbrunst, also durch einen Feuerausbruch, getötet wurde, verbrannt wurde. Und unter ihren Flügeln hat man noch die Küken retten können. Er hat sich wirklich hingegeben für die Jungen.
Aber es ging um den Punkt Matthäus 23: Der Jesus macht Jerusalem einen Vorwurf und sagt: Ihr habt nicht gewollt. Er sagt nicht: Ihr habt nicht gekonnt. Denn ihr wart ja nie aus der Welt, Gott wollte euch nie. Und merkt man, wie diese Lehre wirklich unakzeptabel ist.
Ich mache es also sehr wenig, dass ich bestimmte Namen erwähne. Ich habe zwar Calvin erwähnt, aber er ist schon lange gestorben. Aber es ist so: Die Dogmatik von John MacArthur, so rund tausend Seiten, ist jetzt auf Deutsch herausgekommen. Dort drin lehrt er also wirklich schwarz auf weiss ganz klar, dass Gott gewisse Menschen von Anfang an nicht wollte. Es gibt viele, die sagen das anders. Ja, wir bringen das nicht zusammen. Natürlich gibt es die Verantwortung des Menschen und dann auch eben die Souveränität Gottes, und das ist geheimnisvoll. Aber er sagt es klar.
Und das muss man einfach wissen und eben auch sehen. Aber das widerspricht wirklich dem, was Gottes Wort sagt. Also wir verkündigen den Gott, der wirklich Liebe ist, und diese Liebe, diese Retterliebe, meint die ganze Menschheit.
Und es ist wichtig für uns: Wie kann man mit jemandem einfach so reden und ihm sagen, der Herr Jesus liebt dich und er möchte wirklich, dass du gerettet wirst? Ich habe gestern mit einer Frau gesprochen. Sie hat gesagt, ja, irgendwie sind wir auf ihre Geburt zu sprechen gekommen, und dann sagt sie: Ja, also meine Mutter, die wollte mich. Es gibt wirklich Leute, die können sagen: Mein Vater wollte mich nie. Schrecklich.
Aber solchen Menschen kann man sagen: Aber Gott wollte dich von jeher. Menschen können sich so versündigen an anderen Menschen, aber das bleibt immer, dass man wirklich von Gott geliebt, gewollt ist. Und das kann man mit gutem Gewissen jedem Menschen sagen. Da muss man nicht eben in den Büchern Gottes vorher nachschauen: Ist diese Person auserwählt oder nicht? Nein, das können wir wissen, der Liebeswille Gottes gilt allen Menschen. Und da muss man nicht als Calvinist immer denken: Vielleicht ist er auserwählt, vielleicht nicht. Das gibt ein ganz komisches Gefühl.
Aber wenn man das Evangelium so klar verkündigt, dann kann man ganz offen sagen: Wirklich, der Herr wollte dich. Und kann so jemandem auch helfen. Ich meine, das gibt Wunden fürs ganze Leben, wenn man sagt: Ja, mein Vater oder meine Eltern wollten mich gar nicht. Dann kann man sagen: Aber Gott wollte dich, unbedingt. Und darum hat er seinen Sohn gegeben.
Aber er hat uns die Verantwortung gegeben, dass wir uns entscheiden müssen. Da ist die Möglichkeit, dass jemand nein sagt, und es ist die Möglichkeit, dass jemand ja sagt. Das wusste Gott im Voraus in seiner Prognosis, aber diese Prognosis hat nie Einfluss gehabt.
Darum können wir also jetzt zu dem Punkt kommen: Die Auserwählung, die Paulus in, jetzt gehen wir zurück zum Zweiten Thessalonicher, hier erwähnt, ist eine Auserwählung, die an eine Bedingung geknüpft ist. Also Gott hat sie auserwählt, die Thessalonicher, zur Rettung, weil er im Voraus gewusst hat, wenn er sie einmal rufen wird und sie auch ziehen wird, zu sich ziehen wird, dann werden sie schliesslich von Herzen Ja sagen. Also, es ist an eine Bedingung geknüpft.
Und übrigens: Der dreieine Gott wirkt, dass ein Mensch sich bekehrt. Wir schlagen zuerst auf Römer 2, Vers 4, um noch einen Punkt zu klären. Man merkt ja, es geht mir nicht darum, irgendwie auf anderen zu hacken. Aber es geht mir darum, dass man klar sieht, wie das Evangelium wirklich geht mit der Auserwählung, denn das kann ein grosses Bedrängnis bringen.
Also ich weiss von einer Frau, die hat geweint, weil sie 1. Petrus 1,2 gelesen hat. Und ein Bruder, der das mitbekommen hat, hat ihr dann erklärt, dass sie gar nicht weinen muss. Und zwar hatte sie nämlich die Zürcher Bibel, die alte Zürcher Bibel, und dort steht: „Auserwählt nach Zuvorbestimmung Gottes.“ Das geht natürlich gar nicht. Prognosis ist nicht Zuvorbestimmung, das ist wirklich eine falsche Übersetzung. Es heisst dort: „Auserwählt nach Vorkenntnis.“ Da konnte ihr diese Schwester helfen und zeigen, damit ist gemeint, dass Gott das im Voraus wusste. Aber nicht einfach Schicksal: Gott hat bestimmt, die will ich und quasi die will ich nicht.
Jetzt Römer 2,4: Da sieht man auch wieder Gottes Heilswillen für alle Menschen, denn der Apostel sagt dort, und er spricht dort den einzelnen Menschen an, schon ab Vers 1: Deshalb bist du nicht zu entschuldigen, o Mensch, jeder, der da richtet. Er spricht also zu Ungläubigen. Vers 3: Denkst du an dies, o Mensch, der du richtest? Und dann sagt er in Vers 4 an diesen einen: O Mensch, ja, oder verachtest du den Reichtum seiner Güte und Geduld und Langmut und weisst nicht, dass die Güte Gottes dich zur Busse leitet?
Also damit ein Mensch Busse tun kann, braucht er das Wirken Gottes. In Römer 3,11 heisst es: Da ist keiner, der Gott sucht. Also, wir wären nie auf die Idee gekommen, Gott zu suchen. Da ist keiner, der Gott sucht, das kommt nicht von uns aus. Wenn also ein Mensch beginnt, Gott zu suchen und wirklich Offenheit zeigt für das Evangelium, dann ist das, weil der Herr an ihm wirkt.
Und jetzt nochmals Römer 2,4: Oder verachtest du den Reichtum seiner Güte und Geduld und Langmut und weisst nicht, dass die Güte Gottes dich zur Busse leitet? Also in dem Reichtum der Güte Gottes, im Reichtum seiner Geduld, im Reichtum seiner Langmut leitet Gott einen Menschen zur Busse. Er zieht ihn. Wie oft habe ich dich versammeln wollen, wie eine Henne ihre Küken unter ihre Flügel.
Und dann lesen wir aber in Vers 5: Nach deinem Starrsinn und deinem unbusfertigen Herzen aber häufst du dir selbst Zorn auf am Tag des Zorns und der Offenbarung des gerechten Gerichtes Gottes, der jedem vergelten wird nach seinen Werken.
Also jetzt sehen wir: Da wird gesprochen, dass jemand diesem Zug Gottes widersteht, in seinem eigenen Starrsinn. Nach deinem Starrsinn, nicht den Starrsinn, den Gott ihm ins Herz gegeben hätte, sondern nach deinem Starrsinn und nach deinem unbusfertigen Herzen, weil er einfach nicht Sünden bereuen will, häufst du dir selbst Zorn auf am Tag des Zornes. Das heisst, hier geht es um jemanden, der schliesslich verloren geht, weil er widerstanden hat.
Aber jetzt kommt die Schlussfolgerung: Also in dem Fall zieht Gott auch solche Menschen und leitet sie zur Busse, die einmal verloren gehen werden. Ja, nicht wahr, Gott zieht sie, und sie widerstehen. Er hat sie also gezogen.
Warum betone ich das so? Weil nach kalvinistischer Lehre gesagt wird, dass Gott nur die Auserwählten zieht und die anderen nicht. Und es stimmt nicht. Es ist auch gegen die direkte Aussage der Schrift. Und das sage ich auch wieder nicht, um zu hacken, sondern damit man es anhand der Schrift sieht. Ja, Gott zieht auch solche, die verloren gehen, und sie gehen nur verloren, weil sie nicht wollten. Aber Gott wollte.
Um dem noch eine Perle darauf zu setzen: Der Jesus sagt in Lukas 19,10 in der Geschichte von Zachäus: Der Sohn des Menschen ist gekommen, zu suchen und zu erretten, was verloren ist. Also der Jesus sucht den verlorenen Menschen.
In Johannes 6,44 heisst es: Niemand kann zu mir kommen, es sei denn, dass der Vater ihn ziehe. Eben, wir hätten ja Gott nicht gesucht. Und der Vater zieht, aber er zieht eben nicht nur die Auserwählten, sondern er zieht alle. Aber ohne sein Ziehen könnte man gar nicht zu Gott kommen, weil wir nie auf die Idee gekommen wären, von uns aus Gott zu suchen.
Also der Sohn sucht, der Vater zieht, und in Johannes 16,8 sagt der Herr Jesus: Der Heilige Geist, wenn er kommen wird, wird er die Welt überführen von Sünde. Das Wort überführen ist das gleiche Wort, das man braucht für einen Richter, der einen Angeklagten anhand von Fakten zu dem Punkt bringt, bis er sagt: Ja, ich habe es gemacht. Er wird überführt.
Und der Heilige Geist wirkt so, dass der Mensch überführt wird: Ja, ich bin ein Sünder. Also der dreieine Gott ist gemeint in Römer 2,4: Oder verachtest du den Reichtum seiner Güte und Geduld und Langmut und weisst nicht, dass die Güte Gottes dich zur Busse leitet? Dass die Güte von Gott dem Sohn, von Gott dem Vater, von Gott dem Heiligen Geist. Der dreieine Gott wirkt ganz genau so, wie das eigentlich von dem Herrn Jesus umschrieben ist in Lukas 15 in diesem Gleichnis, das aus drei Gleichnissen besteht.
In Lukas 15 steht nämlich: Der Herr Jesus sagte ihnen ein Gleichnis. Und dann kommt das Gleichnis mit dem verlorenen Schaf, mit der verlorenen Drachme und mit dem verlorenen Sohn. Das ist ein Gleichnis, aber in drei Teilen.
Der gute Hirte, der das eine verlorene Schaf sucht und ihm nachgeht, bis er es findet und dann auf seinen Schultern heimträgt, das ist der Herr Jesus. Die Lampe, die dazu führt, dass die Frau, die nach der verlorenen Drachme sucht, sie schliesslich findet, ist ein Bild des Heiligen Geistes, der Licht in die Dunkelheit gibt und überführt. Und der Vater, der bereitsteht und immer wieder sieht: Kommt er? Und eines Tages kommt er, der Zerlumpte von den Schweinetrögen nach Hause, und er umarmte ihn, bevor er sich waschen und neu einkleiden konnte. Das ist der Vater, der zieht.
Und das konnte der verlorene Sohn im tiefsten wissen, als er dachte: Ich will zu meinem Vater zurückkehren und will sagen: Ich habe gesündigt vor dem Himmel und vor dir. Ich bin nicht mehr würdig, dein Sohn zu heissen. Aber er wusste im tiefsten, dass der Vater so einer ist, der wartet, bis er ihn in die Arme schliessen kann.
Und so haben wir in diesem Gleichnis diese drei Wahrheiten: Der Sohn sucht, der Heilige Geist überführt und der Vater zieht. Und damit ist jetzt eben klar aus dem Wort gezeigt, dass die Auserwählung nicht eine bedingungslose Auserwählung ist, sondern sie ist geknüpft an die Prognosis, die Vorkenntnis.

Die Bedeutung von „von Anfang an“ und der Blick auf Epheser und Titus

Und jetzt ist ganz wichtig zu wissen: Um den Calvinismus so anschaulich zu machen, wird er oft so gelehrt, dass man von den fünf Säulen des Calvinismus spricht. Das sind quasi fünf Punkte. Und wer ein Fünf-Punkte-Calvinist ist, der ist ein waschechter Calvinist. Es gibt danach Vier-Punkte-Calvinisten und Drei-Punkte-Calvinisten, aber ich will jetzt nur einen davon erwähnen.
Eine Bedingung heißt im Englischen unconditional election, bedingungslose Erwählung. Und damit will man sagen, Gott habe einfach von Ewigkeit her beschlossen: Die will ich, und die will ich nicht. Das hat nichts mit der Person zu tun, gar nichts. Ja, aber Gott wusste doch, dass die sich bekehrt. Nein, das ist souverän, sagt man, das ist keine Bedingung geknüpft. Gott hat einfach souverän die erwählt und die nicht. Wirklich calvinistische Lehre: von Anfang an für die Hölle bestimmt. Aber es ist nicht der Gott der Bibel.
Aber Allah wird so beschrieben, völlig mutwillig. Einige gehen ins Paradies, ins islamische Paradies, es ist nicht dasselbe wie das biblische Paradies, und die anderen gehen in die Gehenna, in die Hölle. Und sogar so im Islam, dass jemand eben nach dem Islam leben kann, streng leben kann, aber er weiß nie, ob er errettet wird. Und nach islamischer Lehre kann Allah im letzten Moment sagen: Gehenna. Dann fällt er auf diesem Weg auf Messers Schneide runter in die Gehenna. Mutwillig. Aber so ist der Gott der Bibel nicht, nicht mutwillig.
Darum ist also diese Säule ganz eindeutig gegen die direkte Aussage der Schrift: nicht eine bedingungslose Erwählung, sondern eine bedingte Erwählung, bedingt nämlich durch die Vorkenntnis, bedingt davon, ob dieser Mensch, wenn Gott zieht, nachgeben oder nicht nachgeben wird, wie beim Seilziehen. Man ist vielleicht am Anfang so motiviert, dass man die anderen über den Rasen zieht. Und dann merkt man plötzlich: Die sind aber erstaunlich stark. Und der Wille ist immer noch da, zu gewinnen. Und dann kommt der Moment, wo irgendwie der Wille ein bisschen geschwächt wird. Und das ist das Schlimmste, wenn man nicht mehr überzeugt ist. Und dann ist man schon dran, und schließlich merkt man: Da kommt der Punkt, da wird der Wille keine Chance haben, da geht man nach. Das ist eine Bekehrung.
Also nicht etwa, dass man sich rühmen könnte: Wow, ich habe das geschafft, ich habe mich bekehrt. Nein, es ist die Gnade Gottes, die uns dahin führt, aber es ist dann doch die eigene Entscheidung. Man merkt: Jetzt gebe ich nach. Da entscheidet man sich in jedem Moment. Aber es ist nicht gerade eine rühmliche Entscheidung, wo man sagen kann: Wow, wie ein Held. Nein, wir sind keine Helden durch die Bekehrung. Aber es ist einfach wunderbar, dass Gott uns so gezogen hat.
Und das steht jetzt hier vor uns in 2. Thessalonicher 2,13. Jetzt lese ich nochmals, und vielleicht klingt das dann eben noch schöner, wenn man diese Bezüge im Wort gesehen hat: Wir aber sind schuldig, Gott allezeit für euch zu danken, vom Herrn geliebte Brüder, dass Gott euch von Anfang erwählt hat zur Errettung, in Heiligung des Geistes und im Glauben an die Wahrheit.
Was ist das von Anfang an? Nun, ich habe auf dem Skript geschrieben über die Vorkenntnis Gottes zu Vers 13 und dann noch zu Vers 14, wo es dann weitergeht. Die Auserwählung war Gottes Werk vor Grundlegung der Welt, Epheser 1,4, vor ewigen Zeiten, Titus 1,2. Und dann der griechische Ausdruck ab archēs, wörtlich von Anfang, wie wir das hier haben, bedeutet hier „von je her“. Vergleiche griechisches Wörterbuch von Hermann Menge.
Es ist irgendwie schwierig zu verstehen, was heißt „von Anfang“? Was ist jetzt da gemeint? Ist das der Anfang in Johannes 1, im Anfang war das Wort, das übrigens derselbe Anfang ist wie 1. Mose 1,1: Im Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde. Und damals, als Gott überhaupt Raum, Himmel als Weltall und Zeit da war, den Anfang geschaffen hat, Raum und Zeit gehören ja zusammen, da sagt Johannes 1,1: Im Anfang war das Wort, nicht wurde. Ἦν auf Griechisch ist ein Durativ in der Vergangenheit, er war einfach von Ewigkeit zu Ewigkeit. Und als dieser Anfang des Geschaffenen eintrat und überhaupt Raum und Zeit entstand, da war der Logos, das Wort, weil der Jesus ewig ist.
Aber was ist jetzt gemeint mit ap archēs hier? Nun, Epheser 1,4 sagt, das ist geschehen vor Grundlegung der Welt. Können wir das kurz aufschlagen? Epheser 1,4. Aus Zusammenhangsgründen ab Vers 3. Das beginnt wie 1. Petrus 1,3, wo wir vorhin gelesen haben, und übrigens 2. Korinther 1,3. Drei Briefe, die so am Anfang mit einem Gebet beginnen: Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns gesegnet hat mit jeder geistlichen Segnung in den himmlischen Örtern in Christus, wie er uns auserwählt hat in ihm vor Grundlegung der Welt, dass wir heilig und untadelig sein vor ihm in Liebe, und uns zuvorbestimmt hat zur Sohnschaft durch Jesus Christus für sich selbst nach dem Wohlgefallen seines Willens, zum Preise der Herrlichkeit seiner Gnade, womit er uns begnadigt oder, Fußnote, angenehm gemacht hat in dem Geliebten, indem wir die Erlösung haben durch sein Blut, die Vergebung der Vergehungen nach dem Reichtum seiner Gnade.
Jetzt Vers 4: Auserwählt vor Grundlegung der Welt. Da merkt man: Also ist nicht der Anfang gemeint von 1. Mose 1,1, im Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde. Und das ist ja, wie gesagt, derselbe Anfang in Johannes 1,1: Im Anfang war das Wort. Und im Kontrast wird dann nach wie vor gesagt: Und das Wort hat alles erschaffen, was es gibt. Vers 3: Das ist alles das, was ab 1. Mose 1,1 erschaffen worden ist. Aber die Erwählung geschah vor Grundlegung der Welt. Und Welt, kosmos, meint hier das Universum, in dem wir leben.
Und es ist doch wunderbar, dass wir daran denken dürfen, dass Gott uns geliebt hat, bevor es irgendetwas in diesem Universum gab, als es noch keine Erde gab, keine Sonne, kein Mond, keine Galaxien. Es gab das Weltall gar nicht. Nicht wahr! Ein Bekannter von mir hat als Student einmal die Frage gestellt, seinem Professor, in Holland war das: Herr Professor, was war vor dem Urknall? Ja, weil die Atheisten, die sind überzeugt, alles hat begonnen mit einem Knall. Aber wenigstens glauben sie daran, dass es einen Anfang gab. Aber am Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde, da hat es nicht geknallt. Aber es war ein Anfang. Und das war eigentlich schon ein Fortschritt. Im Atheismus hat man nämlich bis ins zwanzigste Jahrhundert zuvor noch geglaubt, das Universum hat keinen Anfang, es ist ewig. Und da hat man gesehen, aufgrund der Physik, das geht gar nicht, es muss einen Anfang geben. Ja, das war schon ein Fortschritt.
Und dann der Student: Herr Professor, was war vor dem Urknall? Also bevor es Zeit gab. Vernünftigerweise kann man ja nicht sprechen von vorher und nachher. Es wird ein bisschen kompliziert. Und dann hat der Professor gesagt: Ein Tor kann mehr fragen, als ein Weiser beantworten kann. Aber eben, wir dürfen wissen: Vor Erschaffung aller Dinge hat Gott uns auserwählt, um einmal heilig und tadellos zu werden, alle Sünden weg, gerechtfertigt durch Glauben und vor ihm in Liebe, in einer Beziehung der Liebe zu ihm als Abba, lieber Vater.
Und dann haben wir gesehen, in Epheser 1 wird noch hinzugefügt, und dazu hat Gott uns auch zuvor bestimmt. Also etwas Ähnliches wie auszuwählen: zuvor bestimmen zur Sohnschaft, für sich selbst. Hyothesia dort im Griechischen, wörtlich Hyo, Sohn, Thessia, Sohnesstellung, das ist im Altgriechischen der Ausdruck für Adoption. Also jemand, der vorher nicht zur Familie gehörte, wird durch eine Entscheidung zur Familie hinzugefügt. Das ist Adoption, das Wunderbare. Wir waren einmal ohne Beziehung zu Gott, und dann kam die Bekehrung und damit die Adoption. Aber das hat Gott vor Grundlegung der Welt so beschlossen: Diese Menschen möchte ich adoptieren.
Einmal musste ich Seelsorge machen an Kindern. Es ist ziemlich schwierig, ja, weil Kinder wie beim Arzt sind: Der Arzt drückt, macht das weh? Ja, und das? Ja, ja, auch. Ja, und es ist eigentlich nachher klar, es hat nur hier wehgetan. Und so ist es natürlich schwierig mit Kindern, um wirklich an die Sache heranzukommen. Denn in der Seelsorge muss man ja Sachen erklären, und dann muss man das irgendwie kombinieren und verstehen können. Ja, aber ich habe das doch versucht, und es ging um zwei adoptierte Kinder, die so Mühe damit hatten. Ich habe ihnen versucht zu erklären, das ist etwas ganz Wunderbares, Thema Adoption. Im Alten Testament haben wir einen Mordechai, der Esther adoptiert. Er hat sich so für diese erwachsene Cousine, aber das war so eine Generationenverschiebung, hat sich dann voll für diese Esther eingesetzt. Adoption. Und eben Gott hat uns adoptiert. Ein wunderbarer Gedanke.
Und ja, so habe ich versucht, dass die über das Problem, ich bin nur adoptiert, hinwegkommen. Nein, das ist etwas, was Gott geplant hat, schon vor Erschaffung der Welt: Adoption. Und der Herr Jesus sagte in Matthäus 18, wer ein kleines Kind aufnimmt in seinem Namen, nimmt ihn auf. Ich habe jemanden gekannt, die haben ein Kind adoptiert, und die haben sich ganz bewusst orientiert an Matthäus 18: Wer ein Kind aufnimmt in meinem Namen, nimmt mich auf. Ja, so viel zu dem Thema Adoption eben vor Grundlegung der Welt.
Und jetzt, was heißt vor Grundlegung der Welt? Heißt das tausend Jahre vor 1. Mose 1,1? Ja, wie will man sagen: tausend Jahre? Es gab die Zeit noch nicht. Merken wir, da sind wir in einem Bereich, der göttlich ist, und darum entzieht sich das unserem Verstand. Aber das Problem haben die Atheisten auch. Die müssen ja immer mit der Frage konfrontiert werden: Was war vor dem Urknall? Und die denken darüber nach, aber sie müssen sich im Klaren sein: Zeit gab es noch nicht. Und wir können ja eigentlich nur richtig denken im Rahmen von Zeit, und darum verstehen wir Gott nicht. Im Letzten können wir einfach das aus der Schrift lernen und uns daran freuen, was die Schrift uns über Gott sagt.
Und jetzt noch Titus 1,2. Dort heißt es von der Wahrheit des Evangeliums und von der Hoffnung des ewigen Lebens, in der Hoffnung des ewigen Lebens, dass Gott, der nicht lügen kann, verheißt hat vor ewigen Zeiten, zu seiner Zeit aber hat er sein Wort offenbar durch die Predigt und so weiter. Vor ewigen Zeiten, das macht also klar: nicht eben so ein bisschen vor 1. Mose 1,1, sondern vor Ewigkeit. Und das ist auch etwas, worüber wir mit unserem Verstand sprechen können, aber niemand muss sagen, er hat das verstanden. Ja, und jetzt wird klar: Also „von Anfang“ in 2. Thessalonicher 2 bedeutet nicht den Anfang von 1. Mose 1, sondern vor Grundlegung der Welt, und nach Titus 1 heißt das „vor ewigen Zeiten“.
Ja, aber hier steht doch „von Anfang“. Und gut, darum habe ich geschrieben, dass der Ausdruck ap archēs eben auch den Sinn haben kann von je her. Und das findet man zum Beispiel in dem griechischen Wörterbuch von Hermann Menge. Das war ein Gymnasiallehrer in Deutschland, blitzgescheit, und er hat sich ein Leben lang in die griechische Sprache vertieft. Und er glaubte eigentlich von seiner Jugend an, dass er ein Christ sei, und hat auch so versucht zu leben. Und erst im Alter, in seinen Sechzigern, hat er sich bekehrt. Da hat er gemerkt: Ich habe mich gar nie bekehrt.
Das ist also derselbe Hermann Menge, der auch eine Bibelübersetzung gemacht hat, nach seinem Namen. Und ich empfehle jetzt nicht seine Übersetzung, sondern ich empfehle sein Wörterbuch, und zwar das ausführliche. Das ist effektiv ein Geheimtipp. Es gibt so viele griechische Wörterbücher, und manchmal werde ich gefragt: Was soll ich kaufen? Nun, Hermann Menge ist ein Wörterbuch, das hat enorm viele Bedeutungen für ein Wort. Es gibt so schlechte Bücher, die ich hasse, die haben so ein, zwei Erklärungen zu einem Wort. Aber bei Menge: zehn Bedeutungen, zwanzig Bedeutungen, verschiedenste Nuancen, je nach Zusammenhang, wo das Wort vorkommt. Also wirklich eine Fundgrube. Ich würde das auch nicht jetzt allein benutzen, mit anderen in Verbindung, aber so eine Fülle. Und er gibt dann hier auch die Erklärung: ap archēs kann effektiv bedeuten „von je her“. Und das stimmt dann überein mit vor Grundlegung der Welt und mit vor ewigen Zeiten.
Also: Er wählt zur Rettung, und dann wird hinzugefügt: in Heiligung des Geistes und im Glauben an die Wahrheit. Schwierig, nicht wahr? Was bedeutet das? Das bedeutet: Die Rettung hat dann eben zur Folge, dass man durch den Heiligen Geist dazu geführt wird, immer mehr in seinem Leben aufzuräumen. Das ist die praktische Heiligung. Das ist ein Prozess das ganze Leben hindurch, wenn es um unser praktisches Verhalten geht. Vor Gott sind wir vollkommen gemacht seit der Bekehrung, in der Stellung, Hebräer 10,14. Dort heißt es, er hat auf immerdar vollkommen gemacht, die geheiligt werden. Das ist ein Durativ, die fortdauernd geheiligt werden.
Und so ist es, wenn man errettet wird bei der Bekehrung, dann ist es so, dass man dann diese Heiligung erfährt, die der Heilige Geist bewirkt, indem er uns das Wort aufschließt und uns hilft, die Bibelferse auf unser Leben zu übertragen und zu sehen, was das jetzt bei mir bedeutet, wo muss sich etwas ändern. Und so geht die Heiligung in einem Prozess vorwärts.
Und dann zweitens: im Glauben an die Wahrheit. Also Gott schenkt uns dann auch ab der Bekehrung die Fähigkeit, das, was die Wahrheit des Wortes Gottes ausmacht, zu glauben. Der Herr Jesus sagte in Johannes 17,17: Dein Wort ist Wahrheit. Dass wir auch wirklich alles, was die Schrift uns sagt, glauben können, auch dann, wenn wir etwas nicht verstehen. Ich weiß: Gott hat Recht. Und das ehrt Gott. Wenn wir irgendeine Schwierigkeit haben beim Bibellesen und nicht denken: Oh, vielleicht ist das falsch in der Bibel, sondern dass man sich bewusst ist: Ja, jetzt muss ich herausfinden, wo das bei mir falsch ist im Denken, im Kopf.
Ja, und da denke ich gern an das Beispiel mit den Zahlen der Könige in den Büchern der Könige und der Chronika. Die haben riesige Probleme, wenn man sie einfach so zusammenzählt, weil beim Zusammenzählen der Zahlen der Könige im Nordreich der zehn Stämme und im Südreich der zwei Stämme das geht einfach nicht auf, wenn man es einfach zusammenzählt. Und natürlich viele Kritische haben die Antwort sofort gehabt für sich: Die Bibel hat viele Fehler, und diese Zahlen sind voller Fehler, weil durch all die Königsreihen hindurch es geht einfach nicht auf, wenn man es nur zusammenzählt.
Und da hat Kenneth Kitchen, und der galt wirklich als einer der größten Ägyptologen im zwanzigsten Jahrhundert, er lebt noch, ein alter Mann, geschrieben, vor vielen Jahren, und eben als ich das gelesen habe bei ihm, das hat mich schon so gefreut, so beeindruckt. Er hat gesagt: Vielleicht steckt hinter diesen Zahlen ein Zählsystem, das wir heute nicht mehr kennen. Da gibt es Leute, die so ein Halbwissen haben und die wissen sofort, dass die Bibel falsch ist, ja, und einer, der so belesen war, also so viele Zehntausende von Seiten verarbeitet hat in seinem Leben, und er sagt: Vielleicht ist da ein Zählsystem, das wir heute einfach nicht mehr kennen. Und es hat sich bestätigt, es war genau das. Es sind zwei Zählweisen mit Thronbesteigungsjahr und ohne Thronbesteigungsjahr, muss ich jetzt nicht erklären, das habe ich anderswo gemacht. Und wenn man das berücksichtigt, gehen alle Zahlen auf. Wunderbar.
Aber eben: Der, der an Gottes Wort zweifelt, der sagt so: Ja, fehle ich. Gerade vor kurzem hat mir jemand eine E-Mail geschrieben, das kommt so ab und an mal vor, ja, und hat gefragt: Der Pierre Vogel hat gesagt, die Listen in Nehemia 2, in Esra 2 und in Nehemia 7, die stimmen überhaupt nicht miteinander überein, da widersprechen sich so viele Zahlen. Herr Vogler ist ja dieser Vorkämpfer der Islamisten in Deutschland und selber nicht arabischstämmig. Das sind oft die Gefährlichsten, die aus einer Entscheidung heraus so eine Extremposition annehmen wollten. Ja, und der Kampf gegen die Christen und der Pierre Vogel hat gesagt, das ist ein Fehler.
Ich habe jetzt noch nicht geantwortet. Aber in Esra 2, das ist eine Liste aus der Zeit, gerade nachdem König Chores den Juden die Erlaubnis gegeben hat, sie dürfen wieder zurück ins Land, und die Liste in Nehemia 7, die ist über hundert Jahre später. Das ist gar nicht die gleiche Liste. Und dann war die erste Liste eben, bevor die Juden dann gegangen sind, und die zweite Liste ist geschrieben worden, lange nachdem sie gegangen waren. Und es ist eben so, wenn man irgendein Projekt angeht, da kann man eine Liste schreiben. Und das hat man ja hier auch gemacht: Unter bibelstudientag.ch musste man sich anmelden, da gibt es eine Liste, und wenn ich jetzt die Liste nochmals schreiben würde, wer dann wirklich gekommen ist, hat es ein paar Mutationen gegeben, infolge Schnee. Also die Liste vorher und die Liste nachher, die stimmen nicht überein. Ja, und wenn der Pierre Vogel sagt, die Listen stimmen nicht überein, die Bibel ist falsch. Okay, man muss sagen: Es gibt eine Liste vorher, eine Liste nachher, und da gibt es Mutationen. Und da ist kein Fehler passiert.
Aber hier haben wir es: im Glauben an die Wahrheit. Das bewirkt Gott in den Erlösten, dass sie eben ein Vertrauen haben zu der Wahrheit des Wortes Gottes.

Berufung, Herrlichkeit und die Antwort des Glaubens

Und dann Vers 14: wozu er euch berufen hat durch unser Evangelium, zur Erlangung der Herrlichkeit unseres Herrn Jesus Christus.
Also, Gott hat uns von jeher auserwählt. Dann hat er uns schließlich berufen, und das ist in der Zeit geschehen. Jemand kann sagen: Ja, das war an diesem Datum; bei mir war das an diesem Datum, bei einem anderen nicht mit ganz genauem Datum. Aber wichtig ist, dass es geschehen ist.
Berufen durch unser Evangelium – was ist das Ziel? Hier: zur Erlangung der Herrlichkeit unseres Herrn Jesus Christus. Also, diese Rettung hat verschiedene Ziele. Wir haben doch gelesen, in Epheser 1, dass er uns vor Grundlegung der Welt auserwählt hat, damit wir heilig und tadellos seien vor ihm in Liebe. Und er hat uns zuvor bestimmt zur Sohnschaft für sich selbst.
Das übersieht man so schnell: für sich selbst. Das heißt also, er wollte uns adoptieren, damit er Freude haben kann an uns als Söhnen und Töchtern.
Übrigens: Wenn dort steht, dass wir Söhne Gottes genannt werden, dann müssen Frauen immer mitdenken. Das ist inklusiv; das bedeutet auch die Töchter. Früher musste man das nicht extra sagen, das war klar, weil man wusste, wie Sprache funktioniert. Aber heute ist es so, dass viele das gar nicht mehr verstehen, dass Sprache selbstverständlich inklusiv ist. Und dann müssen sie immer sagen: alle Lehrer und Lehrerinnen, alle ... Dabei sind mit allen Lehrern auch die Lehrerinnen gemeint. So war das immer in der Sprache. Zwischendurch hat der Apostel Paulus dann aber doch das ausgeschrieben, in 2. Korinther 6, wie Gott uns aufnimmt als Söhne und Töchter. Wunderbar.
Also, es ist nicht so, dass Gott uns geschaffen hat als Personen und dann hat er uns noch einfach so angehängt, xx oder xy, in den Genen. Dann sind wir also noch angehängt, sind wir halt ein Mann und eine Frau. Nein, das gehört zu unserer Identität. Und das werden wir nie verlieren in Ewigkeit. Also, wir werden in Ewigkeit, wenn wir als Mann erschaffen worden sind, ein Mann bleiben, und als Frau erschaffen, eine Frau bleiben. Das ist nicht dasselbe wie Persönlichkeit, das gehört wirklich zu unserem Wesen.
Also, eben: Gott hat uns auserwählt zur Sohnschaft. Das bedeutet, um Söhne und Töchter zu sein, für sich selbst. Nicht nur einfach, dass wir uns in Ewigkeit freuen können, wie Psalm 5,12 sagt: Ewig werden sie jubeln, werden sie sich in dir erfreuen. Ja, das war auch Gottes Plan. Aber es war auch so, dass Gott Freude haben könnte an uns. Und so etwas würden wir ja nie wagen, von uns aus zu sagen. Aber es steht so direkt in der Schrift.
Und hier steht noch etwas anderes zusätzlich: dass wir eben berufen worden sind als Auserwählte zur Erlangung der Herrlichkeit unseres Herrn Jesus Christus. Dass wir also hineingehen werden in die ewige Herrlichkeit, und das ist die Herrlichkeit des Herrn Jesus.
Und da denke ich so gerne zurück an diesen Moment vor ein paar Tagen, als meine Schwiegermutter starb. Gerade vorher waren meine Frau, meine Tochter und ich bei ihrem Sterbebett, und dann haben wir gesehen: Jetzt ist es so weit. Und dann hatte sie ja schon am Morgen dieses Mosaik, das ist so eine Verfärbung am Körper. Dann ist klar: Jetzt kommt’s.
Und dann haben wir mit ihr gebetet: Danke, Herr Jesus, dass sie jetzt in deine Herrlichkeit gehen darf. Amen. Und gleich danach ist sie gegangen in die Herrlichkeit.
Also, das ist ein Ziel, dass wir alle, die wir uns bekehrt haben und wiedergeboren worden sind, diese Herrlichkeit unseres Herrn Jesus erlangen werden.

Festigkeit im Glauben und die Bedeutung von Überlieferung und Gewohnheit

Und dann geht der Apostel weiter in Vers 15 und sagt: Also nun, Brüder, steht fest und haltet die Überlieferungen, die ihr gelehrt worden seid, sei es durch Wort oder durch unseren Brief.
Jetzt sehen wir: Dieses „also“ ist wie eine Schlussfolgerung. Gott hat so wunderbare Dinge für uns getan. Und jetzt ist doch eigentlich die logische Schlussfolgerung, dass wir ihm auch gehorchen.
Und er sagt: „Steht fest.“ Das macht also klar, dass auch ein echter Gläubiger wankend werden kann. Sonst müsste er nicht sagen: „Steht fest.“ Es ist ein Befehl, und wir müssen uns also auch dafür einsetzen, dass unser Glaube Festigkeit bekommt, eben im Vertrauen auf das Wort.
Und dann nochmals ein Befehl: „Haltet die Überlieferungen, die ihr gelehrt worden seid!“ Und damit meint der Apostel all das, was er als Apostel den Thessalonichern mündlich, als er bei ihnen war, verkündigt und erklärt hat. Das sind Gebote des Herrn. Und er sagt: Das, was ich euch mündlich durch Wort beigebracht habe, und das, was ich euch eben im ersten Thessalonicherbrief und jetzt im zweiten Thessalonicherbrief erklärt habe. Gehorsam gegen sein Wort.
Aber hier haben wir ein Reizwort, wenigstens für gewisse Menschen: das Wort „Überlieferungen“. Wenn wir das zurückübersetzen oder ins Lateinische übersetzen, was ist das? Überlieferung, traditio. Und davon haben wir das Wort Tradition. Es geht hier um Tradition. Das wäre für manche ein Reizwort. Also nichts Schlimmeres, als irgendwelche Traditionen zu halten. Das klingt nach dicker Staubschicht und veraltetem Formalismus, der nur einengt. Aber hier steht: „Haltet die Überlieferungen, die ihr gelehrt worden seid.“
Was sagt die Bibel zum Thema Tradition? Ein richtiges Wort für Tradition wäre auch Gewohnheit. Ja, schlagen wir mal auf. Im Lukasevangelium kommt das Wort Gewohnheit mehrmals vor. Ich schlage auf Lukas 4,16: Und er kam nach Nazareth, wo er auferzogen worden war, und er ging nach seiner Gewohnheit am Tag des Schabbats in die Synagoge und stand auf, um vorzulesen. Da wurde ihm das Buch des Propheten Jesaja gereicht, und als er das Buch aufgerollt hatte, fand er die Stelle, wo geschrieben war: Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat usw.
Da steht wirklich, dass der Herr Jesus nach seiner Gewohnheit am Sabbat in die Synagoge ging. Was sollen wir davon halten? Der Herr Jesus hat sich an Gewohnheiten gehalten. Aber Gewohnheiten sind doch ein bisschen ein Problem. Kommt darauf an. Es gibt gute Gewohnheiten, und es gibt schlechte Gewohnheiten. Und schlechte Gewohnheiten sind immer ein Problem. Da muss man dagegen vorgehen.
Aber gute Gewohnheiten? Es gibt vor allem junge Leute, aber manchmal auch jung Gebliebene. Ich habe schon Junggebliebene mit 70 erlebt. Wirklich, die sind so fit geblieben und gelenkig im Denken, und die haben noch im Alter mit dem, was sie immer gewohnt waren, brechen können. Wirklich! Also wie junge Leute. Aber ich habe das auch gesehen, wie gerade auch solche Älteren, die so jung geblieben waren, dass sie auch gute Gewohnheiten über Bord geworfen haben. Das ist schade.
Also man kann nicht einfach gegen Gewohnheit sein, sondern man muss kritisch sein zum Thema Gewohnheit. Ist es gut, ist es schlecht? Und Jesus ging nach seiner Gewohnheit am Sabbat in die Synagoge. Ist das eine schlechte Gewohnheit? Nein, natürlich nicht.
Ja, steht das irgendwo in der Bibel? Nein. Im Gesetz Mose hat Gott nie ein Gebot gegeben, dass man Synagogen bauen müsse und dass man am Sabbat in die Synagoge gehen müsse. Das steht nirgends im Gesetz. Und warum hat man denn damit angefangen? Ja, das war nach der babylonischen Gefangenschaft, als das jüdische Volk heimgekehrt war. Da hat man sich überlegt: Warum mussten wir nach Babel und all das Schreckliche erleiden, diesen Krieg der Babylonier gegen uns ab 606 vor Christus, und dann diese vielen Toten und diese Wegführung nach Babylon, der Tempel zerstört, alles kaputt, am Boden? Das war, weil wir nicht auf Gottes Wort gehört haben. Das war das Problem. Wir sind von dem Wort und vom Gesetz weggegangen.
Was könnten wir tun, damit sich so etwas nie mehr wiederholt? Ja, wir müssen das Wort Gottes lehren. Wie könnte man das machen, dass das überall und ständig gemacht wird? Ja, wir könnten so Häuser bauen, Gebetshäuser, wo man das Wort Gottes vorliest und wo man betet, dass der Herr uns hilft, auch nach diesem Wort zu leben und voranzugehen. Und so entstanden die Synagogen.
Und als der Jesus eben kam, war es ganz normal im ganzen Land und sogar in diesem Nest, wenn ich das so sagen darf, Nazareth. Nazareth war wirklich nichts Besonderes. Eine Ortschaft, die nicht einmal im Alten Testament vorkam, eben auch relativ spät entstanden war. Und da lebten wirklich Leute, die nicht gerade berühmt waren. Es gab Leute, die lebten in Höhlen. Merkt man: Höhlenmenschen gibt es zu allen Zeiten.
Ja, und darum hat ja auch Nathanael gesagt in Johannes 1: Kann aus Nazareth etwas Gutes kommen? Ja, man denkt an irgendein verschlafenes Nest, da kommt nichts Gutes. Aber es hat gar nichts damit zu tun. Da kann man in irgendeinem Nest wohnen, und da können ganz wertvolle Leute dort sein. Ja, also dieses Nazareth war nichts Besonderes, aber auch dort gab es eine Synagoge. Und der Herr Jesus ging auf seinen Missionsreisen in den letzten drei Jahren nach der Gewohnheit am Sabbat in die Synagoge, und da hat er selber die Prophetenlesung am Sabbat durchgeführt, Jesaja 61.
Ja, also eine gute Gewohnheit, die zwar nicht in der Bibel so steht, aber durch gute biblische Überlegungen kam man dazu, Synagogen zu bauen. Und der Herr hat diese Gewohnheit nicht einfach verworfen. Das steht nicht ausdrücklich in der Bibel, sondern es war eine gute Ableitung aus der Bibel. Zwar werden im prophetischen Wort der Psalmen die Gebetsstätten im Land erwähnt. Das heißt also, lange bevor es Synagogen gab, wurde in den Psalmen schon vorausgesagt, dass es sie einmal geben werde. Aber eben, sie waren nicht vorgeschrieben durch das Gesetz.
Und nun noch etwas anderes: Lukas. Dort in Vers 9 wird Gewohnheit erwähnt im Zusammenhang mit Zacharias. Es geschah aber, als er in der Ordnung, Vers 8, seine Abteilung, den priesterlichen Dienst vor Gott erfüllte, dass ihn nach der Gewohnheit des Priestertums das Los traf, in den Tempel des Herrn zu gehen und zu räuchern.
David hat in 1. Chronik 24 alle Tausenden von Priestern, die es gab, eingeteilt in 24 Abteilungen, und jede dieser Abteilungen hatte unterschiedliche Dienste. Aber es wird auch nicht in der Bibel vorgeschrieben, dass diese 24 Abteilungen so funktionieren müssen. Das hat man dann später eben so umgesetzt, oder in der Folge umgesetzt. Immer eine Abteilung von Sabbat bis Sabbat hatte den Dienst, dann konnten sie wieder nach Hause gehen. Nächste Abteilung, von Sabbat bis Sabbat, nächste Abteilung, von Sabbat bis Sabbat. Und das zweimal im Jahr. So hat man schon 48 Wochen abdecken können. Und weil es für die obligatorischen Feste Passa, Pfingsten und Laubhütten so viel Arbeit gab, weil ja alle nach dem Gesetz nach Jerusalem kommen mussten zum Tempel, da brauchte man an diesen Momenten alle 24 Abteilungen. Und so hat man dann schließlich das ganze Jahr abgedeckt.
Aber das steht in der Bibel jetzt auch nicht so. Es steht, das sollte sein mit den 24 Abteilungen, aber dass es genau so geht, man muss dann auch bestimmen, welche Aufgabe jeder in der Abteilung übernimmt. Das mit dem Los war in der Bibel nicht so vorausgesagt. Aber bei Zacharias war das so. Die waren versammelt in der Quaderhalle. Wenn man auf dem Tempelplatz ist und von der El-Aqsa-Moschee nach Norden geht zum Felsendom, muss man da über die Treppe hoch und dann rechts geht man dort bis in die Ecke von dieser erhöhten Plattform, wo der Felsendom drauf ist. Dort in der Ecke war die Quaderhalle.
Und da waren die Priester im Halbkreis versammelt, und der leitende Priester an diesem Tag konnte irgendeine Zahl sagen, 576. Da mussten alle Finger aufstrecken. Ich habe jetzt sieben, aber man hätte auch so machen können, das wäre zwei oder sechs, zehn, und dann wurden die Finger durchgezählt, und der, der dann bei 576 war, der durfte in den Tempel gehen, um zu räuchern. Oder der durfte die Aufgaben am Brandopferaltar vollziehen. Oder der durfte ... Das ist alles in der Bibel nicht so vorgeschrieben, aber man hat das so gemacht. Und man hat extra Finger gezählt und nicht Personen, damit man nicht in den Verdacht kommt, die Sünde von David zu begehen, der unerlaubterweise das Volk zählen wollte. Das war am Schluss von 2. Samuel.
Und zwar war es bei ihm eben so: Das war mit einem Stolz verbunden. „Wow, über so viele Menschen regiere ich.“ Man kann zählen eben auch aus falschen Gründen. Und darum hat man Finger gezählt und nicht Personen. Das ist nicht so in der Bibel vorgeschrieben, aber das war die Gewohnheit des Priestertums, und so hat das Zacharias auch mitgemacht. War das eine schlechte Gewohnheit? Nein, gute Ableitungen.
Aber dann gehen wir gleich in die Pause.
 Lukas 2: Maria und Joseph. Etwas mehr als einen Monat nach der Entbindung in Bethlehem gehen sie zusammen zum Tempel mit dem Kind, dem Herrn Jesus, und Maria musste nach der Entbindung ganz bestimmte Opfer darbringen. Und da lesen wir in Lukas 2, wie sie das ab Vers 22 tun, und dann in Vers 27: Und er kam durch den Geist in den Tempel, Simeon, und als die Eltern das Kind Jesus hereinbrachten, um mit ihm nach der Gewohnheit des Gesetzes zu tun, dann nahm auch er es auf die Arme und lobte Gott und sprach.
Also, sie wollten 4. Mose 18 erfüllen, denn die erstgeborenen Kinder musste man ganz speziell dem Herrn weihen und dafür etwas bezahlen fürs Priestertum. Das war in der Bibel so vorgeschrieben. Im Tempel war das so. Ich habe gesagt: Wenn man von der El-Aqsa-Moschee kommt nach Norden, Treppe hoch zum Felsendom, wenn man gerade oben ist, bitte ein bisschen nach links gehen, ein paar Meter, und dann ist man genau an der Stelle, wo das Tor der Erstgeborenen war. Da musste man eintreten mit dem Kind, und da musste ein Priester, also Simeon war offensichtlich ein Priester, das Kind in die Arme nehmen und das Kind segnen und die Eltern segnen. Aber Simeon wusste, es ist der Messias, er ist größer, ich kann ihn nicht segnen. Er muss mich segnen. Darum hat er nur die Eltern gesegnet.
Aber darum heißt es: Sie haben ihn hereingebracht, um mit ihm nach der Gewohnheit des Gesetzes zu tun. Und das ist nicht eine menschliche Erfindung. Sie wollten 4. Mose 18 erfüllen. Also, auch wenn wir etwas machen, das in der Bibel direkt steht und das immer wieder machen, dann ist es nach der Gewohnheit der Bibel. Und das sind immer gute Gewohnheiten. Und es gibt manche, die denken, das gibt auch gewisse falsche Gewohnheiten. Nein, da ist es immer eine gute Gewohnheit.
Da fahren wir weiter nach der Pause.

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