Serie•Teil 4 / 9Bibelseminar: Vollkommener Diener – der Herr Jesus im Markusevangelium
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Guten Abend, wir stehen immer noch in Markus 1 und kommen jetzt zu Markus 1,14.
Nachdem aber Johannes überliefert worden war, kam Jesus nach Galiläa, predigte das Evangelium des Reiches Gottes und sprach: Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist nahegekommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium.
Und als er am See von Galiläa entlangging, sah er Simon und Andreas, den Bruder Simons, die in dem See Netze auswarfen; denn sie waren Fischer. Und Jesus sprach zu ihnen: Kommt, folgt mir nach, und ich werde euch zu Menschenfischern machen. Und sogleich verließen sie die Netze und folgten ihm nach.
Und als er ein wenig weitergegangen war, sah er Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und Johannes, seinen Bruder, auch sie in dem Schiff, wie sie die Netze ausbesserten. Und sogleich rief er sie, und sie ließen ihren Vater Zebedäus mit den Tagelöhnern in dem Schiff und gingen weg ihm nach.
Und sie gehen nach Kapernaum hinein, und sogleich ging er am Sabbat in die Synagoge und lehrte. Und sie erstaunten sehr über seine Lehre; denn er lehrte sie wie einer, der Vollmacht hat, und nicht wie die Schriftgelehrten.
Zunächst einmal bis hierhin. Wir haben eine ganz kurze Einleitung von dreizehn Versen gesehen, und schon beginnt hier in Vers 14 der öffentliche Dienst des Herrn Jesus. Das ist ganz anders als in Matthäus, auch in Lukas und ebenso in Johannes.
Hier wird aber, wie wir wissen, der Herr Jesus vorgestellt als der vollkommene Diener, der Knecht Gottes. Genau darum liegt der Fokus auf seinem Dienst. Und er beginnt ebenfalls nach einer ganz kurzen Einleitung, in der es sehr stark um Johannes den Täufer ging, den Vorläufer des Messias, und um seinen Dienst, also den Diener des Messias. Und jetzt kommt der Messias, der dient.
Aber schon ab Vers 16 haben wir gesehen: Der Diener beruft Diener zum Dienst. Die ersten Apostel werden hier berufen, nämlich, wenn wir gerade zusammentragen, welche Apostel? Jawohl, Simon, später Petrus, und Andreas, genau. Und also bereits vier der zwölf Apostel werden hier berufen zum Dienst.
Der Beginn des öffentlichen Wirkens
Zunächst etwas ganz Wichtiges: In Vers 14 und 15 haben wir eine kurze Zusammenfassung des öffentlichen Dienstes des Herrn Jesus. Also das, was er, man kann sagen, während dreier Jahre gepredigt hat, wird hier kurz zusammengefasst. Und zwar: Die Zeit ist erfüllt, das heißt, die Zeit, da der Messias kommen sollte, und das Reich Gottes ist nahegekommen, das verheißene Königreich des Messias. Das ist jetzt unmittelbar herangekommen. Und dann die Predigt gegenüber den Menschen: Tut Buße und glaubt an das Evangelium.
Das ist wirklich eine Totalzusammenfassung von drei Jahren Predigt. Jetzt schauen wir uns das im Detail an: Die Zeit ist erfüllt. Wir können etwas dazu lesen aus Galater 4,4: Als aber die Fülle der Zeit gekommen war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau, geboren unter Gesetz, damit er die, die unter Gesetz waren, loskaufte.
Dieser Ausdruck ist sehr interessant: Die Fülle der Zeit war gekommen. Das heißt also, die ganze Zeit der Heilsgeschichte, ab der Erschaffung der Welt, hat sich auf ein Ziel hin entwickelt, und jetzt ist das Ziel erreicht, die Fülle. Der Messias ist da. Und das zeigt uns also: Gott hat einen bestimmten Zeitplan gehabt. Der Messias sollte nicht irgendwann kommen, sondern das war von Anfang an festgelegt.
Und wir können dabei auch noch denken an die Prophetie mit einer ganz genauen Zeitrechnung im Alten Testament, Daniel 9, die Prophetie der 70 Jahrwochen. Die geht ja eigentlich bis zum Tausendjährigen Reich. Aber dort wird erklärt: Bis auf den Messias, der dann sterben sollte, da vergehen 69 Jahrwochen ab dem Moment des Erlasses, Jerusalem wieder aufzubauen, was sich ja bei Nehemia erfüllt hat, 445 vor Christus. Und von dort aus konnte man 69 mal sieben Jahre rechnen. Die prophetischen Jahre sind immer Jahre von 360 Tagen, und da kommt man schließlich genau auf Palmsonntag, als der Jesus als Fürst auftritt.
Das war in Daniel 9 so eindrücklich vorausgesagt. Man kann es nachrechnen. Und damit war also klar: Gottes Zeitplan. Dort geht es um das Kommen als König an Palmsonntag, aber drei Jahre zuvor war der Zeitpunkt, da sollte er seinen öffentlichen Dienst beginnen, wie wir gelesen haben: Die Zeit ist erfüllt.
Und in Galater 4,4 haben wir gesehen: Der Zeitpunkt der Geburt war auch genau festgelegt in Gottes Plan. Die Fülle der Zeit gekommen, da ist Jesus Christus geboren worden. Also Gott hat einen genauen Zeitplan, und das ist sehr wichtig. Das gilt auch für unser Leben.
Wo sehen wir das, dass unsere Zeiten in Gottes Hand sind? Eine sehr wichtige Stelle schlagen wir gerade auf: Prediger 3 zeigt, dass Gott einen Plan hat, dass eben die Weltgeschichte und auch unser persönliches Leben kein Zufall ist. Prediger 3,1: Alles hat seine Zeit, und jedes Vorhaben unter dem Himmel hat seine Zeit. Geboren werden hat seine Zeit und sterben hat seine Zeit, pflanzen hat seine Zeit und ausreißen des Gepflanzten hat seine Zeit usw. usf.
Den ganzen Zeitplan in der Hand. Und jetzt in Bezug auf unser persönliches Leben noch zusätzlich Psalm 31, genau Psalm 31,16: In deiner Hand sind meine Zeiten. Oder man kann das Wort auch übersetzen mit Geschicke. Zeiten, Geschicke. Gott hat alles in seiner Hand. Er hat einen genauen Zeitplan. Und das hilft uns vielleicht auch, eben in Zeiten, in denen man warten muss, geduldiger zu werden, wenn wir uns wieder vergegenwärtigen, dass es einen Zeitplan gibt.
Das kommende Reich und seine verschiedenen Phasen
Und jetzt eben das Reich Gottes. Auf Griechisch, weiss jemand, wie das heisst, das Wort für Reich? Ja, Basileia, genau. Und da steckt ja ein Wort drin: Basileia hängt zusammen mit einem anderen Hauptwort, König. Wie heisst das? Basileus. Wie? Ja, genau, Basileus. Also, da steckt das Wort König drin. Reich, das Reich Gottes, ist vielleicht nicht so deutlich, aber besser wäre eben Königreich Gottes. Und im Englischen haben wir ja das Wort Kingdom, da ist wirklich König drin, genau.
Und gemeint ist natürlich aus alttestamentlicher Sicht das Königreich, wenn der Messias kommen wird, um die ganze Welt im Frieden zu beherrschen. Wir können dazu Daniel 7 aufschlagen. Das hat man vor Augen gehabt, wenn man damals im Judentum über das Reich Gottes und über das Kommen des Messias sprach: Daniel 7,13-14.
Ich schaute in Gesichten der Nacht, und siehe, mit den Wolken des Himmels kam einer wie eines Menschensohn, und er kam zu dem Alten an Tagen und wurde vor ihn gebracht. Und ihm wurde Herrschaft und Herrlichkeit und Königtum gegeben, und alle Völker, Völkerschaften und Sprachen dienten ihm. Seine Herrschaft ist eine ewige Herrschaft, die nicht vergehen wird, und sein Königtum ein solches, das nie zerstört werden wird.
Nun, das hat man vor sich gehabt. Also, wenn der König kommt, damit ist das Reich Gottes nahegekommen, dann ist auch seine Weltherrschaft eben nahegekommen. Und trotzdem werden wir im weiteren Markus-Evangelium sehen: Der Messias wird von der Masse abgelehnt, und dadurch wird diese Ankündigung des Friedensreiches eben verschoben, auf später.
So ist es ganz wichtig, wenn man in der Bibel über das Reich Gottes liest, muss man sich immer fragen: Welche Phase von drei Phasen haben wir vor uns? Also, Phase eins wäre der Messias hier auf Erden. Und dazu können wir noch einen Vers lesen aus dem Lukasevangelium, damit man das so richtig festmachen kann, aufhängen kann: Lukas 17,20-21.
Als er aber von den Pharisäern gefragt wurde, wann das Reich Gottes komme, antwortete er ihnen und sprach: Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man es beobachten könnte. Doch wird man sagen: Siehe hier, oder dort! Denn siehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch.
Da sind wir also in Lukas 17 schon etwas weiter als zur Zeit von Markus 1. Der Herr sagte: Das Reich Gottes ist nahegekommen. Und jetzt kommt die Frage: Ja, aber wann kommt es jetzt, dass es nicht nur nahe ist, sondern wirklich aufgerichtet wird? Wann kommt das Reich Gottes? Er antwortete ihnen und sprach: Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man es beobachten könnte. Doch wird man sagen: Siehe hier, oder dort! Denn siehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch.
In der Person des Königs war das Reich da, Phase eins. Aber der König wurde verworfen, und dadurch nahm das Reich eine andere Form an. Das werden wir später im Markusevangelium sehen, wenn Jesus dann diese neue Form, Phase zwei, mit verschiedenen Gleichnissen beschreibt. Und da ist es wichtig: Da geht es um Folgendes. Der König geht weg, wieder in den Himmel, und er übergibt das Reich seinen Knechten.
Es wird aber so sein, dass da eben nicht nur gute Knechte sind. Genauso haben wir gesehen, wie der Herr schon Knechte berufen hat: Simon, Andreas, Jakobus, Johannes. Aber später wird er zum Beispiel auch einen Judas berufen, und dieser Mann hatte sich nie bekehrt, er war nie wiedergeboren worden. So wird da schon vorgezeichnet: Diese Phase zwei ist eine Phase, wo es eben gute Knechte gibt und auch falsche Knechte, also Christen und Namenschristen.
Aber wir werden dann sehen: Der Herr zeigt mit diesen Gleichnissen und seinen Belehrungen, dass er schliesslich wiederkommen wird in Macht und Herrlichkeit, und dann wird er Phase drei aufrichten. Und so ist es wichtig zu sehen: Heute, wenn wir vom Reich Gottes sprechen, dann meinen wir diese Zwischenphase. Und da kann man unterscheiden: Äusserlich, so sichtbar, ist das Reich Gottes, kann man sagen, die Christenheit, da, wo man sich zu Christus bekennt. Aber wie echt das ist, ist eine zweite Frage.
Und dann ist aber zu unterscheiden: Gleichzeitig gibt es das Reich Gottes echt in den Herzen der Gläubigen. Und so können wir vielleicht noch einen Vers lesen zum Reich Gottes, so wie es jetzt in den Herzen der Gläubigen da ist. Also, die Herzen der Gläubigen sind gewissermassen besetzte Gebiete, wo der König schon regiert, vom Himmel her. Römer 14,17:
Denn das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit und Friede und Freude im Heiligen Geist.
Und vielleicht noch eine Stelle, die das so schön zeigt, in Kolosser 3,15-17:
Und der Friede des Christus regiere in euren Herzen, zu dem ihr auch berufen worden seid in einem Leib, und seid dankbar. Lasst das Wort des Christus reichlich in euch wohnen, indem ihr in aller Weisheit euch gegenseitig lehrt und ermahnt mit Psalmen, Lobliedern und geistlichen Liedern, Gott singend in euren Herzen in Gnade.
Also, da, wo der Herr Jesus regieren kann, da ist das Reich Gottes in seiner inneren Form. Interessant ist eben zu sehen: Es heisst hier nicht, der Friede des Christus regiert in euren Herzen, sondern regiere. Das hängt von uns ab, wie sehr wir die Herrschaft wirklich überlassen. Darum ist das mit unserer Verantwortung verbunden. Der Friede des Christus regiere, so soll das sein. Und das ist dann eben auch der Ort, wo das Wort des Christus reichlich in unseren Herzen wohnt, und das verbunden eben mit Dank und Ermutigung und Anbetung. Darum wird hier von Psalmen, Lobliedern und geistlichen Liedern gesprochen. Das gehört alles zu dieser inneren Form des Reiches Gottes.
Also, es gibt eine innere, schöne Form und eine äussere, wo eben die ganze Vermischung und der ganze Niedergang der Christenheit eine Rolle spielt. Aber das war alles vorausgesagt, und darum eigentlich keine Überraschung, wie die Christenheit heute ist. Das ist Phase zwei.
Aber jetzt wollen wir noch etwas anschauen. Der Herr Jesus predigt das Evangelium, indem er sagt: Tut Busse und glaubt an das Evangelium. Was bedeutet tut Busse? Können wir das miteinander genau definieren? Sünden bereuen, sehr gut. Und kommt vielleicht noch etwas dazu? Genau, also Sünden bereuen, Sünden bekennen, Gott gegenüber bekennen und überhaupt umkehren, sagt man. Das alte Leben aufgeben.
Umkehr, Glaube und die Frage nach echter Buße
Jetzt ist es so: Das Wort Busse ist das Hauptwort. Wie heißt das? Meta, neuer. Meta heißt nach oder bezeichnet eine Veränderung. Ganz wörtlich nach, aber im Sinn von eben, dass da etwas verändert wird, dass es nicht mehr so ist wie vorher. Und neuer heißt Verstand, Denken. Von Nous genau, Nous ist das Wort wie Verstand. Und in Metanoia haben wir diese Kombination.
Und nun gibt es wirklich Leute, die sagen, Busse bedeutet einfach umdenken. Das ist aber nicht unbedingt mit dem Empfinden von Reue verbunden, sondern einfach: Man denkt anders. Früher hat man so gedacht, jetzt denkt man anders. Ich werde das gleich noch ausführen. Das ist die sogenannte Free Grace Theology, die Theologie der freien Gnade, und die breitet sich immer mehr aus. Da müssen wir auf der Hut sein und gleich auch die Argumente haben, um sie von vornherein widerlegen zu können.
Ja, Daniel, genau. Also in der Reihenfolge: Sünden erkennen geht der Busse voraus, sonst ist es gar nicht möglich. Sünden erkennen, und dann haben wir gesagt, gehört: Sünden bereuen, ja, und eben bekennen und sich davon abwenden. Das wurde verschiedentlich gesagt.
Diese Free Grace Theology will behaupten, man müsse einfach an Jesus Christus glauben, und damit sei man gerettet und bekomme ewiges Leben. Beweis: Johannes 3,16. Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er einen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe. Und da wird behauptet: Ja, sieht man, hier steht, man muss an den Sohn Gottes glauben. Da steht gar nichts von Sünden bereuen und Sünden bekennen. Das ist alles auch richtig, das kommt nachher. Aber mit dem Glauben ist man quasi errettet, man hat ewiges Leben und kann nicht mehr verloren gehen.
Ja, dann wird weiter argumentiert: Im Johannesevangelium haben wir das ja nicht nur in Johannes 3,16, sondern dutzende Male wird von Glauben gesprochen, Glauben, Glauben, Glauben. Und dann wird argumentiert: Nie steht im Johannesevangelium, dass man zuerst Busse tun muss. Aber hier lernt man gerade auch, wie falsche Lehrer verführen. Das ist eine richtige Feststellung: Ja, im Johannesevangelium steht immer Glauben. Und die Busse wird so im Zusammenhang mit dem Glauben gar nicht erwähnt. Aber im Markusevangelium sagt der Herr Jesus ganz klar: Tut Busse und glaubt an das Evangelium. Und der Punkt ist also wichtig: Diese Reihenfolge. Zuerst kommt die Busse und dann der Glaube. Und das Johannesevangelium konzentriert sich ganz stark auf den Glauben, aber das setzt immer die Busse voraus.
Und da sehen wir eben auch in der Verkündigung des Apostels Paulus: Er fasst seine jahrelange Bibelverkündigung so zusammen. In Apostelgeschichte 20 können wir kurz aufschlagen. Apostelgeschichte 20,21. Da erklärt der Apostel Paulus, wie er gewirkt hat. Das sagt er zu den Ältesten von Ephesus. Indem ich, oder vielleicht schon Vers 20: Wie ich nichts zurückgehalten habe von dem, was nützlich ist, dass ich es euch nicht verkündigt und euch gelehrt hätte, öffentlich und in den Häusern, indem ich sowohl Juden als auch Griechen die Busse zu Gott und den Glauben an unseren Herrn Jesus Christus bezeuge.
Sieht man: Diese Reihenfolge ist wieder wichtig. Das Erste, was er verkündigt hat, ist die Busse zu Gott und dann der Glaube an unseren Herrn Jesus Christus. Und das Zweite wird eben ganz stark ausgeführt im Johannesevangelium, aber mit Selbstverständlichkeit vorausgesetzt, dass zuerst die Busse erfolgt.
Und derselbe Johannes, der das Johannesevangelium geschrieben hat, hat ja auch den ersten Johannesbrief geschrieben. Schlagen wir auf: 1. Johannes 1,9. Wenn wir unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit.
Hier kann man noch hinzufügen: Das Verb „bekennen“ ist im Griechischen ein Durativ, also eine Handlung, die beschrieben wird in ihrem Verlauf oder in ihrer Wiederholung. Der Sinn ist also: Wenn wir unsere Sünden immer wieder bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit. Also jedes Mal, wenn wir unsere Sünden bekennen, das beginnt bei der Bekehrung das erste Mal und nachher als Erretteter immer wieder, wenn wir gesündigt haben, ist es wichtig, dass wir das in Ordnung bringen, sofort dem Herrn Jesus bekennen, dem Vater bekennen. Und dann haben wir die Zusage als logische Folge: So ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit.
Dieses Prinzip, das Johannes hier zeigt, ist ein allgemeingültiges Prinzip. Es gilt also in Bezug auf die Bekehrung und in Bezug auf das Glaubensleben. Aber das macht klar, was Johannes meint: nicht einfach glauben ohne Sündenbekenntnis. Und aber was macht man? Wir hatten das Problem vor wenigen Jahren. Wollte jemand das in die Gemeinde einschleusen, diese neue Lehre. Das erleben wir einfach immer wieder, dass der Feind versucht, andere Lehren, falsche Lehren hineinzubringen. Da hat mir eine Person einen Brief geschrieben, zehn Seiten, um das zu verteidigen: Es braucht keine Reue für die Rettung. Das geht doch einfach überhaupt nicht. Aber darum muss man die Argumente haben.
Was macht man jetzt? Jemand sagt: Metanoia, das heißt Veränderung des Denkens. Es ist einfach ein anderes Denken, aber das braucht nicht bei der Bekehrung Reue über die Sünde. Das kommt dann nachher, das sollte schon kommen. Ja, wie argumentiert man? Jetzt müssen wir beweisen, dass Busse wirklich mit Reue verbunden ist. Das wurde ja gerade am Anfang gesagt, nicht wahr? Busse bedeutet Reue über die Sünden. Ja, aber bitte belegt das sehr gut. Ja, also ich wiederhole das gerade für den Livestream.
Nein, das ist eine gute Grundlage, um dann die Antwort zu finden. Also 2. Petrus 1,21 sagt ja, dass keine Weissagung der Schrift, also kein Abschnitt der Schrift, von eigener Auslegung ist. Also wenn man einfach einen Abschnitt nimmt und den so Vers für Vers gründlich durchgeht, dann kann man nicht meinen: Nachher habe ich wirklich die Bedeutung dieses Abschnitts verstanden. Denn eine Bibelstelle erklärt die andere. Wir brauchen die ganze Bibel. Nur das gesamte Bild von der ganzen Heiligen Schrift gibt Klarheit über die Aussage von einem Abschnitt.
Und darum sagst du eben sehr hilfreich, dass das Johannesevangelium, das eben den Glauben betont, man nicht nehmen kann, um zu sagen: Das ist es. Sondern wir müssen die ganze Schrift nehmen. Und wir haben gesehen: Markus 1,15 sagt: Tut Busse und glaubt an das Evangelium. Und nicht nur da. Wie hat Petrus gepredigt in Apostelgeschichte 2 an Pfingsten? Was war der Aufruf an das Volk? Tut Busse! Und dann sagt er, sie sollen sich dann auch taufen lassen, und er sagt, damit eure Sünden vergeben werden. Das heißt also: Ohne Busse gibt es gar keine Sündenvergebung.
Ja, die Free-Grace-Anhänger, die sagen: Doch, glauben! Wir bekommen das ewige Leben. Ja, aber bitte: ewiges Leben ohne Vergebung? Das geht gar nicht. Und die Vergebung hängt ja von der Busse und der Reue ab und von dem Sündenbekenntnis. Wenn wir unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns vergibt.
Ja, Daniel, sehr gut. 1. Johannes 1,8. Also wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, dann kann die Wahrheit gar nicht in uns sein. Kann man gar nicht bekehrt sein. Ja, bitte? Aber doch, richtig, ich war froh, dass du das noch hinzufügst. Vers 10: Also wenn wir sagen, dass wir nicht gesündigt haben, also nur glauben, aber nicht unsere Sünde wirklich erkannt haben, dann machen wir ihn zum Lügner, sein Wort ist nicht in uns.
Übrigens bedeutet 1,8, dass wir keine Sünde haben, eigentlich, dass wir keine sündige Natur haben. Die Sünde wird in Römer 5 ab Vers 12 speziell benutzt, nicht für eine einzelne Sünde, sondern die sündige Natur in uns, die wir von Adam geerbt haben. Und wenn man das abstreitet, wir haben keinen sündigen Kern, dann betrügen wir uns selbst, die Wahrheit ist nicht in uns. Dann wäre der Tod Christi ja gar nicht nötig gewesen. Genau.
Dann heißt es aber: Wenn wir sagen, dass wir nicht gesündigt haben, also nicht Tatsünden getan haben, dann ist das Wort auch nicht in uns. Nun, die Free-Grace-Leute würden sagen: Ja, natürlich, bei dem Umdenken sagt man schon, früher war ich ein Sünder und jetzt nicht. Aber das braucht nicht unbedingt eben das Gefühl von Reue, das sei gar nicht nötig.
Ja, sehr gut, Jakobus 2, das ist ja der Punkt. Der ganze Jakobusbrief wird damit ignoriert, denn der betont ja, dass der Glaube nur dann echt ist, wenn man danach auch Auswirkungen sieht. Und die Dämonen glauben auch, dass Gott existiert, klar, und sie zittern. Aber das ist ein dämonischer Glaube, genau. Aber eben, wir müssen so all diese Elemente zusammenfügen.
Und jetzt noch der Beweis, dass Busse verbunden ist mit dem Empfinden von Reue über die Sünde: Lukas 22. Petrus, als er seine Sünde gesehen hat, da hat er bitterlich geweint. Genau.
Und jetzt noch dazu 2. Korinther 7,10: Die Busse von Petrus ist gerade die praktische Illustration von dem, was 2. Korinther 7,10 lehrmäßig sagt. Denn die Betrübnis, gottgemäß, bewirkt eine nie zu bereuende Busse zum Heil. Die Betrübnis der Welt aber bewirkt den Tod. Judas hat schon gesehen, dass er gesündigt hat, und er ist zu den Priestern gegangen und hat gesagt: Ich habe gesündigt, unschuldiges Blut vergossen. Aber das ist der falsche Ort. Man muss nicht zu den Priestern gehen, um die Sünden zu bekennen und Vergebung zu bekommen. Man muss zu Gott gehen. Und das war eben die Betrübnis der Welt bei Judas, die nicht zu Gott geht mit den Sünden, sondern zu Mittlern oder was auch immer. Und da wird gesagt: Die Betrübnis der Welt bewirkt den Tod. Und wirklich, kurz darauf hat er Selbstmord begangen.
Aber die Aussage ist so klar und grundsätzlich: Die Betrübnis gottgemäß bewirkt eine nie zu bereuende Busse zum Heil. Also die Betrübnis ist mit der Busse verbunden. So gibt es keine Busse ohne die Reue, denn die Reue, die Trauer über die Sünde, die führt ja überhaupt zur Busse und hier, wie gesagt, zur Busse zum Heil, zur Rettung heißt das.
Also das macht klar, dass es die Busse braucht, um überhaupt gerettet zu werden. Und so ist es eine wirkliche Irrlehre. Aber man muss sich im Klaren sein: Das breitet sich aus unter Evangelikalen, diese Lehre, mehr und mehr. Und darum muss man sie sofort eben als Irrlehre erkennen und auch klar abweisen.
Die Berufung der ersten Jünger
Gut, dann gehen wir weiter. Vers 16 haben wir gesehen: Der Jesus ist am See Genezareth, oder am See von Galiläa, das ist dasselbe. Er geht dort entlang und sieht Simon und Andreas, danach Jakobus und Johannes, wie sie bei der Arbeit mit den Fischen waren.
Wir können ganz genau wissen, wo das war, um es zu lokalisieren. Wo nämlich? Tabka sagt man auf Arabisch, Tabcha. Das ist aber ein Wort, das unverständlich ist. Auf Hebräisch heisst es Ein Sheva, Quelle der sieben. Oder sieben Quellen heisst das eigentlich. Und Tabcha heisst ursprünglich auch sieben Quellen. Aber nicht einmal die Araber verstehen das Wort, denn es ist aus dem Griechischen übernommen und in der Aussprache abgewandelt.
Ja, aber das bedeutet ein Ort mit sieben Quellen, und das war der Schiff- und Fischereihafen von Kapernaum. Der war also seitlich versetzt. Man kann sagen, westlich von der Stadt war der Fischereihafen. Und es war eben damals so: Man durfte nicht irgendwo rund um den See Genezareth fischen. Das hätte also riesige Probleme gegeben, also kriegerische Ereignisse hätten das ausgelöst. Also war ganz genau festgelegt, wer wo wohnte und wo man fischen durfte.
Und das macht es uns eben so einfach, dass wir all diese Berichte über das Fischen der Jünger ganz genau lokalisieren können. Das war dort in Sheva, bei den sieben warmen Quellen also. So 28 Grad sind diese Quellen dort, die in den See münden.
Das führt übrigens auch dazu, dass sich ein Fisch, der eigentlich naturgemäss gar nicht in diesen See gehörte, dort so wohlfühlt: der Petrusfisch, ja, oder wissenschaftlich Tilapia galilea. Tilapia ist ein Fisch, den man, wenn man in Thailand ist, im Restaurant bestellen kann. Das ist ein tropischer Fisch. Und was sucht der im See Genezareth? Da sind wir nicht in den Tropen. Aber der ist irgendwie dahingekommen und da geblieben. Gerade im Winterhalbjahr sammelt er sich dann in dem Gebiet von Kapernaum. Und das ist auch der Grund, warum es dann möglich war, eben dort diesen grossen Fischfang, mit grossen Fischen ausdrücklich, wie die Evangelien sagen, zu fangen.
Das ist der einzige grosse Fisch im See Genezareth, der in Schwärmen schwimmt und sich eben gerade im Frühjahr dort sogar noch konzentriert. Also, wir wissen genau, wo das war, diese Berufung.
Und jetzt die Frage: Wird hier die Bekehrung von Simon und Andreas beschrieben, oder wie sollen wir das einstufen? Ihre Berufung? Nicht die Bekehrung, das ist eben nicht dasselbe: Bekehrung und Berufung zum Dienst.
Wo finden wir denn die Bekehrung? Ah, Johannes 1. Und dort sind wir eben nicht bei Kapernaum, sondern unten in der jüdischen Wüste beim Jordan, da, wo Johannes der Täufer taufte. Das haben wir ja die vergangenen Male besprochen und auch gesehen, wo das war. Dieses Betanien beziehungsweise Betabara, gegenüber von Jericho, also ganz nahe bei der Mündung des Jordans in das Tote Meer, auf der jordanischen Seite. Dort hat Johannes getauft.
Und dann in Vers 28 heisst es: Dies geschah in Betanien jenseits des Jordan, wo Johannes taufte. Am folgenden Tag sieht er Jesus zu sich kommen und spricht: Siehe, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegnimmt.
Und später, in Vers 35, am folgenden Tag stand Johannes wieder da und zwei von seinen Jüngern. Und als sie auf Jesus hinblickten, der da wandelte, spricht er: Siehe, das Lamm Gottes. Und die zwei Jünger hörten ihn reden und folgten Jesus nach. Jesus aber wandte sich um und sah sie nachfolgen und spricht zu ihnen: Was sucht ihr? Sie aber sagten zu ihm: Rabbi, was übersetzt heisst Lehrer, wo hältst du dich auf? Er spricht zu ihnen: Kommt und seht! Sie kamen und sahen, wo er sich aufhielt, und blieben jenen Tag bei ihm. Es war um die zehnte Stunde.
Andreas, der Bruder von Simon Petrus, war einer von den Zweien, die es von Johannes gehört hatten und ihm nachgefolgt waren. Dieser findet zuerst seinen eigenen Bruder Simon und spricht zu ihm: Wir haben den Messias gefunden, was übersetzt ist: Christus. Er führte ihn zu Jesus. Jesus blickte ihn an und sprach: Du bist Simon, der Sohn Jonas; du wirst, oder man kann auch übersetzen: du sollst Kephas heissen, was übersetzt wird: Stein.
Das ist alles ganz kurz beschrieben. Man könnte sagen: wie eine Federzeichnung, nicht ein Ölgemälde. Nur die wichtigsten Linien werden gezeigt. Aber da sehen wir: Andreas hat den Herrn wirklich klar erkannt als das Lamm Gottes, belehrt durch Johannes: Siehe, das Lamm Gottes. Und ihm war es ein Anliegen, dass sein Bruder Simon auch dazukommt. So konnte er bezeugen: Wir haben den Messias gefunden. Ganz knapp beschrieben: Er führte ihn zu Jesus.
Das ist die Zeit der Bekehrung, und der Herr Jesus gibt ihm da einen neuen Namen, der sein neues Leben beschreibt. Du wirst Kephas heissen, Stein, denn er sollte ein Stein werden an dem künftigen geistlichen Tempel der Gemeinde.
Also ganz knapp wird das hier beschrieben, aber wie gesagt: Das war unten bei Jericho in der jüdischen Wüste. Später sind diese Jünger alle wieder nach Hause gereist nach Galiläa, eine grosse Reise in den Norden Israels. Und da sehen wir, wie der Herr Jesus kommt und sie zum Dienst beruft.
Und das macht eben klar, die Frage kam bei Bibellesern immer wieder auf: Der Herr sagt, folgt mir nach, Vers 17, und Vers 18 sagt, und sogleich verliessen sie die Netze und folgten ihm nach.
Man muss sich vorstellen: Das war ein Unternehmer. Petrus war ein Grossunternehmer, das wissen wir, weil sein Haus in Kapernaum ja gefunden wurde, archäologisch ausgegraben in den 1960er Jahren. Es wurde entdeckt, und man konnte es klar identifizieren, wegen Inschriften. Da wurde klar: Das war nicht ein übliches Haus, sondern das war ein ansehnliches Haus. Das heisst, er war ein reicher Fischereiunternehmer.
Und jetzt kommt der Herr und sagt: Folgt mir nach. Das braucht ja ein bisschen Zeit, sich zu entscheiden. Soll ich meinen Betrieb jetzt quasi in andere Hände übergeben, und ich mache jetzt eine ganz andere Berufung? Ja, wie geht es so schnell? Das war eben vorbereitet.
Und wie Lukas gesagt hat: In Johannes 1 finden wir die Bekehrung von Petrus, und hier finden wir seine Berufung. Da war eine Zeit dazwischen, und da konnte auch viel in seinen Gedanken sich entwickeln, so dass er und auch sein Bruder Andreas, der ihn ja zum Herrn geführt hatte, sich so schnell entscheiden konnten: Jawohl, dann gehen wir.
Ganz wichtig also: Wenn jemand nach der Bekehrung denkt, wo ist jetzt meine grosse Missionsaufgabe? Piano, piano, also mal ruhig. Da braucht es jetzt Zubereitung, und der Moment kommt, wo der Herr dann ruft und klar macht, was eine besondere Lebensaufgabe ist. Aber eben, das ist unterschiedlich.
Genauso ist das zu sehen im Leben von Paulus. In der Apostelgeschichte war er sich bekehrt, und dann hat er Zeugnis gegeben in den Synagogen von Damaskus. Aber nachher ist er zuerst nach Arabien gegangen. Der Herr hat ihn in der Stille zubereitet. Später ist er dann auch nach Jerusalem gegangen, aber auch nicht für eine lange Zeit. Er wurde dann wieder entlassen und ging nach Tarsus, und zwar jahrelang. Da, wo er aufgewachsen war, dort sollte er zuerst ein Zeugnis sein. Und die Berufung zum Dienst, zu den Missionsreisen, die kam viele Jahre später.
Also, das sehen wir hier auch: Hier beruft der Herr zur Nachfolge. Und zwar sagt er: Kommt, folgt mir nach, Lechu Acherei. Das ist der Ruf eines Rabbis, um Studenten zu sammeln. Oder persönlich: Wir finden ja hier folgt mir nach. An anderer Stelle werden wir sehen: Folge mir nach, Lech Acherei. So beruft ein Rabbi. Und hier werden sie quasi in die Schulung eingeladen. Und der Herr sagt: Ich werde euch zu Menschenfischern machen.
Also, es ist die Berufung zur Schulung und damit auch die Berufung: Ihr werdet dann Menschenfischer werden. Aber auch das nicht ganz sofort, sondern ihr wollt sie zudem machen.
Also können wir nochmals unterscheiden zwischen Bekehrung und Berufung, aber mit einer Anlaufzeit, wo der Herr einen formt und ausbildet, um dann diesen Dienst voll tun zu können. Und so haben sie dann in diesen drei Jahren mit dem Herrn zusammen gedient, gelernt und gedient.
Und das Gleiche sehen wir eben mit Jakobus und Johannes. Auch die werden so sofort berufen in den Dienst, aber auch das war für sie etwas, was schon vorbereitet war.
Die Frage nach der Anrede des Herrn
Wir gehen weiter zu Vers 21, oder gibt es bis hierhin noch eine Frage?
Noch eine Frage zum Reich Gottes: Ist es so, dass die Gläubigen der Gemeinde in der heutigen Zeit, also in der Phase 2 des Reiches Gottes, den Herrn Jesus König nennen können oder nicht? Das ist die Frage.
Es gibt diese Lehre, die besagt: Nein, für die Gläubigen der Gemeinde ist der Herr nicht der König, weil die Gemeinde ja die Braut Christi ist. Ja, aber der Punkt ist: Wie nennt Batseba ihren Mann David, als sie zu ihm kommt in 1. Könige 1? Weiß das jemand gerade auswendig? Mein Herr, König. Also, sie spricht ihn als den König an, ist aber seine Ehefrau.
Und natürlich ist die Gemeinde eben gewissermaßen die Braut des Messias, aber sie hat eine ganz besondere Stellung. Sie ist nicht einfach jemand von den Untertanen im Reich. Trotzdem ist diese Anrede nicht falsch.
Darum ist es ja interessant, was Christus heißt. Jedes Mal, wenn wir sagen: Jesus Christus oder sogar umgekehrt Christus Jesus, finden wir an verschiedenen Stellen im Neuen Testament: Christus heißt Messias. Griechisch für Messias, das heißt Gesalbter, und das bedeutet König. Das ist ein anderer Ausdruck für König.
Nicht wahr, es gibt einen Prinzen, den nennt man den Sohn des Schahs, alle sprechen von dem Schah. Was heißt Schah? Das ist ein anderes Wort für König, ja, ein persisches Wort für König. Und Messias, das ist einfach das hebräische Wort, eine Alternative zu dem Wort Melech, König. Also, da bezeugen wir ihn ja als König.
Und natürlich haben wir ein spezielles Verhältnis, weil die Gemeinde eben die Braut Christi ist. Aber es kommt dazu, das ist ein Aspekt, die Braut. Die Gemeinde ist auch das Haus Gottes, der Tempel. Sie ist auch der Leib Christi. Und so gibt es ganz, ganz viele verschiedene Aspekte der Gemeinde.
Und einer ist Matthäus 25: Nach dem Gleichnis von den zehn Jungfrauen kommt das Gleichnis der guten Knechte und des bösen Knechtes. Und ihr Herr übergibt ihnen den Auftrag: Handelt, bis ich komme. Er geht in ein anderes Land und kommt später wieder zurück und rechnet ab. Ja, also da werden die Gläubigen als die Knechte vorgestellt im Reich Gottes. Und das ist wieder ein anderer Aspekt.
Also, die Gläubigen der Gemeinde werden nicht nur gesehen als die Braut, sondern auch als Knechte. Und der, der ihnen den Auftrag gibt, das ist ihr Herr.
Und jetzt ganz wichtig: In 1. Korinther 12 am Anfang sagt der Apostel Paulus, nur in der Kraft des Heiligen Geistes kann man sagen, eben von Herzen: Herr Jesus, Kyrios Jesus. Jetzt muss man wissen: Kyrios ist vor 2000 Jahren im Griechischen ein anderer Ausdruck gewesen, um zum Beispiel einen König oder den Kaiser in Rom anzusprechen. Der wurde Kyrios genannt.
Also, wenn wir sagen Herr Jesus, dann sprechen wir ihn an als den, der eben der König, Kaiser ist, der König der Könige, der Könige König ist. Und so ist das Neue Testament voll von dieser Anrede des Herrn Jesus, die eben seine königliche Majestät mit beinhaltet.
Hält das so als Antwort?
Die Vollmacht des Lehrens und die Macht über das Dunkle
Gut, wir gehen weiter mit Markus 1,21. Der Herr geht mit den Jüngern in die Synagoge in Kapernaum. Diese Synagoge ist ja ausgegraben worden, und zwar 1838 von Robinson. Das war ein englischer Gelehrter, der noch andere großartige Entdeckungen gemacht hat. Er hat Schilo entdeckt, er hat den Robinson-Bogen des Zweiten Tempels in Jerusalem entdeckt, und er hat diese Ruinen der Synagoge in Kapernaum entdeckt.
1838, aber nur entdeckt, er hat sie noch nicht identifizieren können. Das kam dann später mit einem weiteren englischen Gelehrten. 1866 hat Charles Wilson diese Ruine als eine Synagoge identifizieren können. Erst 1905 begannen die Ausgrabungen, und das waren Heinrich Kohl und der berühmte Archäologe Karl Watzinger. Also Deutsche haben da begonnen auszugraben. Und dann in der Folge, von 1905 bis 1926, haben die Benediktiner die Ausgrabung weitergeführt. Und dann 1968, das habe ich ja schon angedeutet, haben die Benediktiner dann auch das Haus des Petrus innerhalb all der Ruinen entdecken können.
Nun, man hat diese Synagoge etwas restauriert. Sie besteht aus Kalkstein, das ist etwas verwunderlich, weil Kalkstein in der Gegend gar nicht vorkommt. Man musste ihn importieren. Der typische Stein ist Basalt, ein schwarzer vulkanischer Stein. Und diese Synagoge aus Kalk hat man dann datieren können auf etwa das dritte, vierte Jahrhundert nach Christus, ein bisschen eine Enttäuschung. Es kann also nicht die Synagoge aus den Evangelien sein. Aber die Fundamente bestehen aus Basalt, und so hat man dann auch erkennen können: Diese teure Synagoge aus Kalkstein mit importiertem Stein wurde eben auf den Fundamenten einer früheren Synagoge gebaut, und die stammt aus dem ersten Jahrhundert.
In Lukas 7 wird sogar gesagt, wer der Erbauer war. Wer hat das gesponsert? Doch, doch, ein römischer Hauptmann, ein Zenturio, also ein Befehlshaber über hundert Soldaten. Und von ihm wird gesagt, dass er die Nation Israel liebte. Antisemitismus war im Römischen Reich sehr, sehr verbreitet. Also das waren wir heute. Europa ist auch so antisemitisch, aber das gab es schon im Römischen Reich. Das ist aber nicht zu verallgemeinern. Dieser Hauptmann hat Israel geliebt und hat deswegen die Synagoge gespendet. Und das ist diese Synagoge, in der der Herr gelehrt hat. So konkret kann man auf den Spuren Jesu nach zweitausend Jahren gehen.
Und eben zum Beispiel ein Philosoph der Aufklärungszeit, Lessing, der auch die Ringparabel geschrieben hat in seinem Theaterstück Nathan der Weise, wollte er sagen: Man kann gar nicht wissen, was die Wahrheit ist, ob Islam oder Judentum oder Christentum, ist auch nicht wichtig. Es kommt nur darauf an, dass man gut lebt. Das ist so seine Lehre gewesen. Und er hat gesagt, uns trennt ein garstiger Graben von den biblischen Ereignissen. Damit wollte er sagen: In der Aufklärungszeit, im 18. Jahrhundert, da sind wir so weit von den Ereignissen entfernt, dass man sowieso nicht sagen kann, das hat sich ereignet und das nicht, das wissen wir gar nicht. Damit wollte er auch alles Mögliche in Zweifel ziehen.
Ja gut, im 18. Jahrhundert war da ein garstiger Graben, aber dieser garstige Graben ist schon längst ausgefüllt. Wir können in die Synagoge gehen, wo der Herr Jesus gepredigt hat, und können dort lesen: Johannes 6 beinhaltet eine lange Predigt. Wir können sehen, was der Herr wörtlich gesagt hat in dieser Synagoge, wir können uns das dort vor Ort nochmals vergegenwärtigen und so viele, viele Dinge dazu. Also, wir sind total privilegiert, zweitausend Jahre später, weil wir so konkret an die religiösen Ereignisse herankommen.
Zum Beispiel: Wer von uns war schon auf der Toilette, sagen wir, bei Monsieur Macron oder Präsident Trump? Aber einige von uns waren schon im Badezimmer von König Herodes, dem Kindermörder von Bethlehem. Das ist alles heute möglich, eben weil es keinen solchen garstigen Graben gibt.
Und nun, da hat der Herr Jesus gepredigt, Verse 21 und 22, und die Leute staunen. Sie erstaunten sehr über seine Lehre, denn er lehrte sie wie einer, der Vollmacht hat, und nicht wie die Schriftgelehrten. Wie sieht dieser Unterschied jetzt ganz konkret aus? Wie konnte man merken, er hat Vollmacht und die Rabbiner haben das nicht?
Man muss nur im Talmud lesen. Der Talmud ist das wichtigste theologische Werk des Judentums. Er wurde geschrieben in der Zeit vom zweiten bis etwa sechsten Jahrhundert nach Christus. Und da ist es üblich: Wenn ein Rabbi irgendetwas sagt, das Gewicht haben sollte, dann sagt er es dem Rabbi im Namen von Rabbi sowieso. Also irgendein früherer Rabbi wird zitiert, und dann hat das Gewicht. Und es ist grundsätzlich so: Je weiter zurück ein Rabbi, desto mehr Autorität. Ja, das ist so eine Tendenz. Also man hat ständig zitiert: Im Namen Rabbi sowieso hat gesagt, Rabbi sowieso hat so gesagt.
Und der Jesus zitiert keine Rabbis, er predigt. Und wir sehen zum Beispiel in der Bergpredigt, Matthäus 5 bis 7, wie er sagt: Ihr habt gehört, dass gesagt ist, ich aber sage euch. Ja, wie kann jemand sagen: Ich sage euch? Wo ist der Rabbi vor zweihundert Jahren oder dreihundert Jahren, der das gesagt hat? Nichts davon. Ich sage euch. Und nur schon an der Form haben Sie gemerkt: Er spricht wie einer, der Autorität hat.
Aber das wäre wirklich flach, wenn man sagen würde, das war so der deutliche Unterschied. Wenn wir in Johannes 7 aufschlagen: Der Herr war im Tempel in Jerusalem, und der Sanhedrin, der oberste Gerichtshof, hat Tempelpolizisten angewiesen, ihn zu verhaften. Und die haben das versucht, aber sie haben es nicht gemacht. Johannes 7, ich lese ab Vers 44: Einige aber von ihnen wollten ihn greifen, aber keiner legte die Hände an ihn. Die Diener, das sind jetzt eben die Tempelpolizisten, levitische Tempelpolizisten, die Diener kamen nun zu den führenden Priestern und Pharisäern, und diese sprachen zu ihnen: Warum habt ihr ihn nicht gebracht? Johannes 7, jetzt Vers 45 am Schluss: Warum habt ihr ihn nicht gebracht? Die Diener antworteten: Niemals hat ein Mensch so geredet wie dieser Mensch.
Also wenn man diesem Wort des Herrn zuhörte, das Wort hatte eine solche Kraft, das merkte man. Und die haben gesagt: Noch nie haben wir einen Menschen gehört, der mit einer solchen Autorität gesprochen hat wie dieser. Das hat die Polizisten gelähmt. So muss man sich vor Augen führen, was das bedeutet. Er hat sie gelehrt wie einer, der Vollmacht hat, und nicht wie die Schriftgelehrten.
Das macht auch klar: Die Predigten waren flach. Das gibt es heute auch, flache Predigten, heute keine Kraft. Aber bei dem Herrn Jesus war das so vollkommen. Niemals hat ein Mensch so geredet wie dieser Mensch. Und dann wird das noch weiter illustriert ab Vers 23: Und sogleich war in ihrer Synagoge ein Mensch mit einem unreinen Geist. Und er schrie auf und sprach: Was haben wir mit dir zu schaffen, Jesus Nazarener? Bist du gekommen, um uns zu verderben? Ich kenne dich, wer du bist, der Heilige Gottes. Und Jesus gebot ihm ernstlich und sprach: Verstumme und fahre von ihm aus. Und der unreine Geist zerrte ihn hin und her und rief mit lauter Stimme und fuhr von ihm aus, so dass sie sich untereinander befragten und sprachen: Was ist dies? Was ist dies für eine neue Lehre? Denn mit Vollmacht gebietet er sogar den unreinen Geistern, und sie gehorchen ihm. Und die Kunde von ihm ging sogleich aus in das ganze Gebiet von Galiläa.
Also die Autorität des Herrn Jesus zeigt sich in der Predigt, in der Verkündigung des Wortes, aber hier auch in seiner Autorität über die Dämonen, die bösen Geister. Da war also so ein Besessenheitsfall, und schrecklich, wenn man das erlebt, wie ein Mensch plötzlich so gezerrt wird, wie es da in Vers 26 heißt, also einen richtigen Anfallsmoment. Bei Besessenheit kann das so sein, dass zwischendurch wieder Ruhephasen kommen, und plötzlich kommt das Zerren wieder. Ich habe das einmal erlebt. Ich war eingeladen bei einem Eingeborenenstamm in Indien, in der Nähe von Hyderabad. Und dann, während wir da beieinander waren, um das Wort zu hören, ist eine Frau genau so besessen, hat sich die Besessenheit gezeigt, und es war furchtbar. Das ist so beengend, das so zu erleben.
Und nun sehen wir: Der Jesus ruft mit lauter Stimme, und der Dämon muss gehen. Und wieder merken die Menschen: Der hat Autorität. Jetzt muss man wissen, im Judentum hat man damals versucht, Dämonen auszutreiben. Der Jesus spricht davon in Matthäus 12. Er hat selber da einen Dämon ausgetrieben, der stumm war, und dann wurde er gelästert, er würde das tun in der Kraft des Teufels. Und dann sagt der Herr in Matthäus 12, Vers 27: Und wenn ich durch Beelzebul, einen anderen Namen für den Satan, die Dämonen austreibe, durch wen treiben eure Söhne sie aus?
Also die Söhne der Pharisäer, das ist ein Ausdruck für Mitglieder der Pharisäer. Das waren Söhne der Pharisäer. So im Alten Testament bei Elija und Elisa findet man diese Söhne der Propheten. Das waren Mitglieder der Prophetenschule. Also hier wird von dem Herrn ausdrücklich gesagt, dass eben die Pharisäer, dass die sich mit Exorzismus beschäftigten. Und wir wissen das aus der rabbinischen Literatur, auch bei Josephus Flavius wird das beschrieben, ein jüdischer Geschichtsschreiber aus dem ersten Jahrhundert, dass eben diese Versuche gemacht wurden. Und typischerweise wurde zuerst der Name ermittelt. Wie heißt der Dämon? Da haben sie gefragt, er soll den Namen sagen. Das machte der Herr Jesus nur einmal in den Evangelien, nicht wahr? Bei dem Gerasener sagt er: Was ist dein Name? Und dann sagt er: Legion, denn es waren viele, eben Tausende. Aber sonst fragt er nicht nach dem Namen, aber das war ganz typisch im Judentum, zuerst den Namen fragen.
Und dann wurden auch Rituale gemacht. Zum Beispiel hat man Bibelverse hingehalten in der Meinung, dass das den Geist vertreibt, oder man hat einen Ring genommen und eine besondere Wurzel, von der man glaubte, die würde Dämonen vertreiben, also wieder abergläubische Rituale. Und dann wurde im Namen Gottes geboten oder im Namen von Salomo. Ja, also Autoritätspersonen, aber nicht in eigener Autorität, das war nicht das Normale.
Und wir sehen noch ein Beispiel von solchen Exorzisten in Apostelgeschichte 19. Können wir kurz aufschlagen: Apostelgeschichte 19, Vers 13: Aber auch einige von den umherziehenden jüdischen Beschwörern unternahmen es, über die, die böse Geister hatten, den Namen des Herrn Jesus anzurufen. Plötzlich haben sie versucht, im Namen von Jeshua, jetzt nicht von Salomo, sondern sie dachten: Im Namen von diesem Jeshua versuchen wir mal, einen Dämon auszutreiben, indem sie sagten: Wir beschwören euch bei dem Jesus, den Paulus predigt. Es waren aber sieben Söhne eines gewissen jüdischen führenden Priesters, Sceva. Sie sollten nicht heißen Hohenpriester, sondern führende Priester, die dies taten. Der böse Geist aber antwortete und sprach zu ihnen: Jesus zwar kenne ich, und von Paulus weiß ich; ihr aber, wer seid ihr? Und der Mensch, in dem der böse Geist war, sprang auf sie los und bemächtigte sich ihrer und überwältigte sie, so dass sie nackt und verwundet aus ihrem Haus flohen.
Also das ging ziemlich schief. Aber jetzt ist ganz wichtig, damit wollen wir zum Schluss kommen: Der Jesus, wenn er ausgetrieben hat, wie hat er das genau gemacht? Ja, wie in Vers 25: Und Jesus gebot ihm ernstlich und sprach: Verstumme und fahre von ihm aus. Er sagt das nicht im Namen Gottes, im Namen des Vaters, er tat es in eigener Autorität. Und die mussten gehen. Da haben die Menschen gefragt: Wer ist das? Das ist der Diener Gottes, der Diener, der Autorität hat über alle Geister, ja, er ist eben der ewige Gott. Und die Dämonen kannten ihn. Er ist Mensch geworden, hat sich erniedrigt, ist Knecht geworden, wie das Philipper 2,5 so schön beschreibt, so eindrücklich beschreibt, und er hat aber seine Autorität nie verloren.
Und darum sehen wir ihn eben als den Diener. Er dient und tut Gutes und predigt, und er hat Autorität über die Welt der Finsternis. Und die Menschen realisieren das. Er ist ganz anders. Wer ist das? Und diese Frage wird immer mehr beantwortet in den weiteren Versen und Kapiteln. Dann wollen wir hier für heute schließen.
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