
Begrüßung und Einführung in das Thema
Ich bin sehr gesegnet, auch durch den gestrigen Abend, dass die Berichte von unserem Bruder aus dem praktischen Dienst mir ganz bewusst noch einmal neu vor Augen geführt haben, was für einen wertvollen und wichtigen Dienst ihr leistet. Und wie das auch so eins zu eins an den Herzen der Menschen geschieht.
Dafür bete ich sehr, dass ihr allesamt ganz viel Segen, Kraft, Weisheit und Kühnheit bekommt, aber auch einen kühlen Kopf bewahrt. Ich glaube, ihr braucht wirklich immer wieder Verstärkung von Gott, Hilfe von ihm.
Heute Morgen, in unserer Reihe des Gestärktwerdens von Gott, nun das Thema: gestärkt durch das Wort. Damit ist die Bibel gemeint.
Ich weiß nicht, inwiefern ihr mit den Entwicklungen in der evangelikalen Szene in unserem Land vertraut seid. Aber es ist wohl kaum unübersehbar, dass ein immer stärkerer Einfluss geltend wird, der dem Wort, der Bibel, nicht mehr den Rang zumisst, den sie hat.
Gemeinden und Kirchen leiden darunter, dass die Bibel nicht mehr als das Wort Gottes anerkannt wird, sondern in Zweifel gezogen wird. Wie können wir erwarten, von dem Wort Gottes gestärkt zu werden, wenn wir zugleich der Meinung sind, es ist eigentlich nur ein Buch?
Er zeigt rot, er hat ein rotes Lämpchen hier. Kann es sein, dass der Akku leer ist? Ich vermute, der Akku ist leer, oder? Das müsste, okay gut, das müsste an sein, das hat kein rotes Lämpchen.
Wo war ich stehen geblieben? Bei dem Wort. Wie können wir erwarten, dass das Wort Gottes uns stärkt oder die Bibel uns stärkt, wenn wir gleichzeitig der Meinung sind, es ist ein Buch wie jedes andere auch?
Deswegen heute Morgen vielleicht etwas, ja, jetzt nicht so unbedingt emotional Aufpeitschendes, sondern etwas Fundamentales, was, glaube ich, aber wichtig ist – auch für unseren Glauben und für die Diskussion, in der wir auch in unserem Land hinsichtlich der Gültigkeit des Wortes Gottes stehen.
Und letztlich auch ein Zuspruch für dich persönlich und für mich: Jawohl, das Wort Gottes ist die Wahrheit. Es kommt von Gott und es ist das Wort Gottes. Es ist nicht Menschenwort, sondern es ist Gottes Wort.
Der biblische Ausgangstext und seine Bedeutung
Heute Morgen wurde der zweite Timotheusbrief, Kapitel 3, gelesen. Ich begann ab Vers 14 und las bis Vers 17, um den Zusammenhang besser zu verstehen. Es geht dabei um das Festhalten an der von Gott eingegebenen Heiligen Schrift.
In 2. Timotheus 3,14 schreibt Paulus an seinen Zögling Timotheus:
„Du aber bleibe in dem, was du gelernt hast und was dir zur Gewissheit geworden ist, da du weißt, von wem du es gelernt hast. Denn du kennst von Kindheit an die Heiligen Schriften, die dich weise machen können zur Errettung durch den Glauben, der in Christus Jesus ist.“
Weiter heißt es:
„Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Belehrung, zur Überführung, zur Zurechtweisung und zur Erziehung in der Gerechtigkeit. Damit der Mensch Gottes ganz zubereitet sei, zu jedem guten Werk völlig ausgerüstet.“
Warum benutzt Gott ein Buch zur Offenbarung?
Die erste Frage, die ich heute Morgen stellen möchte, ist: Warum benutzt Gott ein Buch, um sich uns mitzuteilen? Es wird immer wieder gefragt, warum Gott seine Heilsoffenbarung zu Papier bringen ließ und in sechsundsechzig abgeschlossene Bücher fasste.
Manche meinen, dass Gott doch, wie in alten Zeiten, auch heute noch durch Engelerscheinungen reden könnte, durch direkte Stimmen, durch Propheten, durch gewaltige Zeichen und Wunder sein Heil offenbaren sollte. Warum bindet Gott sich an ein Buch? Warum ist seine Offenbarung nicht viel dynamischer, beweglicher, fließender, also nicht starr in Formen gegossen? Ein Buch – wer mag sich schon gerne darauf festlegen? Das wird ja häufig auch so negativ dargestellt: eine Buchreligion, das sei so negativ.
Wäre es nicht viel besser, wenn wir auch heute einen Mose oder Elija oder einen Samuel oder Jesaja hätten? Oder auch einen Briefe schreibenden Paulus und Johannes – solche Idole, zu denen wir aufblicken, solche Gurus, solche Führer?
Das Glaubensbekenntnis der Baptisten aus dem Jahr 1689 sagt dazu etwas sehr, sehr Treffendes und Hilfreiches:
„Deshalb gefiel es dem Herrn, sich zu verschiedenen Zeiten und auf unterschiedliche Art und Weise zu offenbaren, eben durch zum Beispiel Mose und Elija und Samuel und Paulus und Johannes, und dies als seinen Willen für seine Gemeinde bekannt zu machen und ihn, seinen Willen, anschließend vollständig schriftlich abfassen zu lassen.“
Das ist die Begründung: Damit die Wahrheit besser bewahrt und verbreitet wird und die Gemeinde gegen die fleischliche Verdorbenheit sowie die Bosheiten Satans und der Welt besser gegründet und gestärkt ist. Daher ist die Heilige Schrift völlig unentbehrlich.
So fest, sicher und unwandelbar, wie Gott selbst ist, so steht auch die Heilige Schrift da – wie ein Fels in der Brandung. Sie hat Kriege überlebt, sie hat Katastrophen überdauert, Zeitepochen kamen und gingen. Sie hat Angriffe aller Art überstanden. Gelobt sei Gott, wir haben heute immer noch das heilige, unfehlbare Wort Gottes in unseren Händen.
Der ewige Allerherr, der König aller Könige, der Schöpfer des Universums hat in seiner Gnade bestimmt, uns ein Buch zu geben, in dem er uns seinen Willen offenbart hat. Dieses Buch hat alle Zeitepochen überstanden, und, liebe Geschwister, es wird auch alle Zeitepochen überstehen, die noch kommen werden.
Alle Krisen, die noch auf uns warten, werden es nicht schaffen, dieses Buch zu vernichten. Jesus hat es gesagt: „Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.“
Was für eine Macht, was für eine Wucht, auch was für eine Kraft liegt darin verborgen für unser Glaubensalter! Deswegen sagt der Psalmist: „Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Weg.“
Die Frage nach der göttlichen Autorität der Bibel
Nächste Frage: Also, die erste Frage war: Warum ein Buch?
Die weitere Frage lautet: Woher wissen wir, dass die Bibel Gottes Wort ist? Das ist eine entscheidende Frage. „Welche Beweise habt ihr?“ werden wir oft gefragt. Was antwortest du dann? Was ist der Beweis?
Nun, ein wichtiger Vers gibt uns die Antwort, den wir eben gelesen haben, neben vielen anderen Versen. Er vermittelt uns die Botschaft, dass die Bibel zunächst einmal selbst beansprucht, Gottes Wort zu sein. Das ist ganz wichtig.
Nochmal unser Vers aus Kapitel 3, Vers 16: „Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit.“
Also: Alle Schrift, das heißt alle Schriften von den Propheten bis zu den Briefen und bis zur Offenbarung, ist von Gott eingegeben. Das bedeutet, die Bibel ist selbst der Auffassung, dass das Heranziehen äußerer Beweise zu ihrer Beglaubigung nicht notwendig ist.
Das ist etwas, was Menschen heute immer verlangen: Wer beglaubigt denn die Gültigkeit der Heiligen Schrift? Die Bibel sagt: „Weißt du was? Gott sagt, ich brauche keine Beglaubigung von außen.“ Sondern das Wort beglaubigt sich zunächst einmal selbst.
Der Reformator Johannes Calvin sagte einmal sinngemäß: „Wer soll denn beweisen, ob eine Farbe weiß oder schwarz ist, wenn die Farbe es nicht selbst tut? Dann kommt der eine und sagt: Das ist grün, der nächste sagt: Das ist rot, der nächste sagt: Das ist lila.“ Die Beglaubigung einer Farbe kommt von der Farbe selbst und nicht von dem Eindruck, den jeder über diese Farbe hat.
Es hat in der Kirchengeschichte immer wieder die Idee gegeben, dass eine unfehlbare Kirche die Schrift beglaubigen müsse. Heute meint man gern, dass das historische Experten tun müssen. Das ist dann so dieser sogenannte wissenschaftliche Ansatz. Die Wissenschaft hat einen ganz hohen Stellenwert.
Also müssen wir schauen: Beglaubige ich denn die Wissenschaft, dass die Bibel das Wort Gottes ist? Aus folgenden Gründen ist das ganz und gar unsinnig:
Erstens: Welcher sterbliche Mensch will sich aufschwingen zu behaupten, er könne Gott und sein Wort beglaubigen oder auch nicht beglaubigen? Das muss man sich mal vor Augen halten. Wer kann so vermessen sein und sagen: Ich beurteile das? Welche irdische Instanz will sich über den Allerhöchsten setzen? Welcher Universitätsabschluss genügt denn dann?
Und zweitens: Wenn dem so wäre, dann würde ich sofort eine Beglaubigung über die Beglaubigung fordern, verstehen wir? Denn wer weiß, wie glaubwürdig das Urteil ist, das Menschen über die Bibel sprechen? Dann zeig mal her deine Beglaubigung! Wer hat dich denn zu beglaubigen, dass die Bibel das Wort Gottes ist?
Wenn die Bibel als Gottes Stimme aus dem Himmel sich nicht selbst legitimieren könnte, dann könnte es auch kein Sterblicher. Gott kann bei keinem Höheren schwören als bei sich selbst. Das sehen wir bei dem Bund, den er mit Abraham schloss. Er schwor bei sich selbst, weil es kein höheres Wesen als ihn selbst gibt.
Und es kann auch niemand Gottes heilige Schrift beglaubigen als nur er allein, denn Gott wäre nicht Gott, wenn er die Legitimation von Menschen bräuchte. Göttliches kann eben nur von Göttlichem bestätigt werden.
Das innere Zeugnis des Heiligen Geistes
Nun führt uns das zum Beweis des Geistes, und damit kommen wir einen Schritt weiter. Es gibt also keine von Menschen stammenden äußeren Beweise für die göttliche Autorität der Bibel. Aber es gibt von Gott selbst stammende innere Beweise. Diese sind das Zeugnis des Heiligen Geistes, das diejenigen empfangen, die der Schrift vertrauen.
Das bedeutet, Menschen werden durch den Heiligen Geist von neuem geboren. Sie erkennen durch göttliches, äußeres Eingreifen in ihr Leben – wie es im Epheserbrief heißt, dass sie zuvor geistlich tot waren – dass sie vom Geist lebendig gemacht werden. Sie erkennen: Ich bin ein Sünder, was sie vorher nicht erkannt hatten, und ich brauche Jesus Christus zur Vergebung meiner Sünden.
In dem Moment der Wiedergeburt zieht der Heilige Geist in das Herz eines Menschen ein. Wenn er dies tut, empfangen die Menschen auch das Zeugnis des Heiligen Geistes, dass sie der Schrift als Gottes Wort vertrauen können.
Darum schreibt Paulus im 1. Korinther 2,12: „Wir aber haben nicht den Geist der Welt empfangen, sondern den Geist aus Gott, so dass wir wissen können, was uns von Gott gegeben ist.“
Wir verstehen also: Die Schrift kann nicht von menschlicher Instanz beglaubigt werden. Vielmehr beglaubigt Gott selbst sein Wort. Er beweist die Wahrhaftigkeit der Schrift in deinem Herzen – nicht durch äußere Beglaubigung, sondern durch die Kraft des Heiligen Geistes.
In dem Moment, als du Jesus Christus in dein Leben aufgenommen hast und dein Herz neu wurde, bekam die Bibel einen anderen Stellenwert in deinem Leben. Auf einmal wurde sie dir zu einem Schatz. Du hast gemerkt: Da redet Gott zu mir. Wie kommt das? Nicht, weil ein Professor gesagt hat: „Guck da mal rein.“ Sondern weil der Heilige Geist deinem Herzen bezeugt hat: Das ist die Wahrheit.
Zeugnis von Billy Graham zum inneren Beweis
Von Billy Graham wissen wir, und es wird in dem Buch „Das sagt die Bibel“ berichtet, dass er 1949 von großen Zweifeln an der Bibel geplagt war. Er schreibt: „Ich meinte, offensichtliche Widersprüche in der Heiligen Schrift zu erkennen. So manches konnte ich mit meiner beschränkten Vorstellung von Gott nicht in Einklang bringen. Wenn ich aufstand zu predigen, fehlte einfach die Vollmacht, die so charakteristisch für alle großen Prediger der Vergangenheit war. Wie so viele Hunderte von anderen jungen Studenten erlebte ich den intellektuellen Kampf meines Lebens.“
Im August desselben Jahres befand sich der junge Graham oben auf den Bergen in der Nähe von Los Angeles. Er durchstreifte den Wald und kämpfte innerlich mit Gott. Seine Seele war voller Zweifel, er befand sich in einem schweren inneren Kreuzfeuer. Später schrieb er darüber: „Schließlich lieferte ich in meiner Verzweiflung meinen Willen dem sich in der Bibel offenbarenden lebendigen Gott aus. Ich kniete vor der aufgeschlagenen Bibel nieder und betete: ‚Herr, vieles verstehe ich in diesem Buch nicht, aber du hast gesagt, der Gerechte wird durch Glauben leben. Hier in diesem Augenblick akzeptiere ich die Bibel als dein Wort. Ich akzeptiere sie ganz, ich akzeptiere sie ohne Vorbehalt. Wenn es Dinge gibt, die ich nicht verstehe, will ich warten, bis ich mehr Licht erhalte. Wenn dir das wohlgefällig ist, dann gib mir Vollmacht, dein Wort zu verkündigen, und überführe mich durch diese Vollmacht selbst von der Sünde und führe Sünder zum Heiland.‘“
Billy Graham schreibt weiter, dass er seit diesem Erlebnis aufgehört hat, beweisen zu wollen, dass die Bibel wahr ist. Er entdeckte vielmehr, dass er eine Stimme der Schrift geworden war, die durch den Heiligen Geist ertönte. Wir wissen, ein besonderes Kennzeichen seiner Predigten war immer „The Bible says“, könnt ihr euch das erinnern? „Die Bibel sagt.“ Wie konnte er so vollmächtig immer wieder wiederholen „Die Bibel sagt, die Bibel sagt“? Warum? Weil der Heilige Geist ihm einen inneren Beweis gegeben hat, dass dies die absolute, unumstößliche Wahrheit ist.
Tausende, Zehntausende – ich weiß nicht, wie viele Menschen – sind durch den Dienst dieses Mannes zum Glauben gekommen. Was wir also aus diesem Umstand lernen, ist: Man kann die ganze Bibel durchlesen, aber wenn der Heilige Geist sie uns nicht als Gottes Wort in unserem Herzen bestätigt, dann ist und bleibt sie nichts anderes als eine Ansammlung von Worten und abstrakten Ideen.
Wer sich jedoch der Autorität der Heiligen Schrift unterstellt, wird sehr schnell herausfinden, dass sie nichts anderes als Gottes lebendiges Wort ist – das Wort, das unser Leben verändert. Darum heute Morgen auch mein Appell an euch, an uns, an mich: Lasst uns die Bibel nicht im Regal verstauben lassen, sondern lasst uns auch ganz bewusst unsere Knie vor Gott beugen und seinem Wort.
Wenn wir wollen, können wir mit Billy Graham beten: „Herr, ich verstehe nicht alles, aber offenbare du mir immer wieder neu die Wahrhaftigkeit, Klarheit und Vertrauenswürdigkeit der Heiligen Schrift. Ich will mich ihrer Autorität unterstellen.“
Weitere Argumente für die göttliche Herkunft der Bibel
Ein weiterer Aspekt dieser Beglaubigung ist, dass es mit Sicherheit hervorragende Argumente gibt, warum die Bibel Gottes Wort ist. Es gibt auch wunderbare Bücher, die uns auf logische Weise vor Augen führen, dass die Bibel wirklich ein besonderes Buch ist.
Wenn wir uns zum Beispiel die Wunder anschauen, die während der etwa 1600 Jahre andauernden Entstehung der Bibel geschahen, wenn wir uns die Erhaltung der Bibel betrachten – was wir schon kurz angerissen haben – und die Verbreitung der Bibel über all die Jahrhunderte und Jahrtausende trotz zahlreicher Ausrottungsversuche, dann sind das gute Argumente.
Auch die prophetischen Aussagen, die im Alten Testament getroffen wurden und sich später erfüllten, sind ein starkes Indiz. Wenn wir zudem den durchschlagenden Einfluss betrachten, den die Bibel über die Jahrtausende in vielen Gebieten dieser Welt hatte, dann sprechen all diese Punkte für die besondere Bedeutung der Bibel.
Trotzdem kommt unsere volle Überzeugung und Gewissheit, dass die Bibel das Wort Gottes ist, von Gott selbst. Er hat gesagt in Jesaja 45,23: „Ich habe bei mir selbst geschworen, und Gerechtigkeit ist ausgegangen aus meinem Munde, ein Wort, bei dem es bleiben soll.“
Sein Wort beglaubigt er durch den Heiligen Geist an den Herzen der Glaubenden. Das ist das alles entscheidende innere Zeugnis des Heiligen Geistes. Deshalb sagt Jesus diese bekannten Worte: „Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir.“
Er sagt auch: „Ihr sucht in der Schrift, und sie ist es, die von mir zeugt.“ Das ist also das Werk des Heiligen Geistes in unserem Inneren.
Dankbarkeit für das Geschenk der Heiligen Schrift
Und hier an dieser Stelle, ihr Lieben, dürfen wir heute Morgen einfach mal innehalten und sagen: Gott, ich danke dir. Ich danke dir, dass du mir deinen Geist geschenkt hast, der mir dieses Zeugnis von der Wahrhaftigkeit und Glaubwürdigkeit der Heiligen Schrift gegeben hat.
Jesus hat einmal vom Geheimnis der Auserwählung gesprochen, als er zu seinen Jüngern sagte in Markus 4: „Euch ist das Geheimnis des Reiches Gottes gegeben. Denen aber draußen widerfährt es alles in Gleichnissen, damit sie es mit sehenden Augen sehen und doch nicht erkennen, und mit hörenden Ohren hören und doch nicht verstehen. Damit sie sich nicht etwa bekehren und ihnen vergeben wird.“
Also die draußen sehen und doch nicht sehen, hören und doch nicht hören. Euch aber, sagt Jesus, auch zu uns heute Morgen, ist das Geheimnis des Reiches Gottes gegeben worden.
Und das können wir auf die Heilige Schrift genauso anwenden. Wir können heute Morgen von ganzem Herzen Gott danken, dass es uns gegeben wurde, die Heilige Schrift als Gottes Wort verstehen zu können. Dass wir sie als die Botschaft vom Himmel kommend erkennen.
Das ist ein unbeschreibliches, ein unverdientes Geschenk, das eben nicht allen Menschen auf dieser Erde zuteil geworden ist. Deswegen können wir heute Morgen von Herzen sagen: Danke, Gott, danke für dein Wort, danke, dass du es uns geoffenbart hast.
Die göttliche Inspiration der Heiligen Schrift
Ein weiterer Aspekt in diesem Text ist die Inspiration der Heiligen Schrift. Schauen wir noch einmal in Vers 16: Alle Schrift ist von Gott eingegeben. Wer eine Bibel mit Fußnoten hat, findet hoffentlich auch eine gute Fußnote zu diesem Vers. In der Schlacht der Zweitausend zum Beispiel steht dort, dass das Wort „eingegeben“ auch mit „Gott gehaucht“ übersetzt werden kann.
Die Theologen sprechen an dieser Stelle von der göttlichen Inspiration der Heiligen Schrift. Heutzutage wird das Wort Inspiration manchmal missverstanden. Man spricht zum Beispiel von einem Künstler, der inspiriert ist, oder einem Musiker, einem Sänger, einem Architekten – einem inspirierten Architekten. Aber das ist nicht das, was die Bibel mit Inspiration meint.
Wie ich eben schon sagte, heißt die griechische Übersetzung eigentlich „Gott gehaucht“. Das bedeutet, alle Schrift ist von Gott gehaucht. Gott hat seine Gedanken und Worte durch seinen Geist in die menschlichen Schreiber hineingehaucht oder hineingeatmet. Das bedeutet, nichts von dem, was sie geschrieben haben, stammt von ihnen selbst, sondern alles ist von Gott gegeben.
Darum betont der Apostel Petrus ausdrücklich in 2. Petrus 1,20: „Und das sollt ihr vor allem wissen, dass keine Weissagung in der Schrift eine Sache eigener Auslegung ist, denn es ist noch nie eine Weissagung aus menschlichem Willen hervorgebracht worden, sondern getrieben von dem Heiligen Geist haben Menschen im Namen Gottes geredet.“
Dieses Aushauchen Gottes, des Heiligen Geistes, in die Autoren der Heiligen Schrift bedeutet nicht, dass über sie ein Geist kam, sie in Trance verfielen und dann einfach in Abwesenheit ihres eigenen Verstandes wie Maschinen etwas aufschrieben. Nein, Gott hat die Eigenarten der jeweiligen Autoren berücksichtigt. Er überging nicht ihr Temperament, auch nicht ihre Persönlichkeit, ihren Lebenshintergrund, ihre Bildung oder ihre Kultur. All das floss voll mit in die Texte ein.
Gott schaltete die Schreiber der Bibel nicht aus, sondern sie schrieben auf, was in ihrem Herzen war, was sie selbst erlebt hatten, was sie historisch recherchiert hatten und was andere ihnen berichtet hatten. Sie schrieben wie normale Schriftsteller ihr Menschenwort. Dennoch ist das Ergebnis von A bis Z Gottes Wort.
Denn was sie auf so übernatürliche Weise zu Papier brachten, unterstand der geheimen Lenkung und Überwachung Gottes. Es war seine Vorsehung, die die Herzen und Hände aller Beteiligten so führte, dass als Ergebnis ganz genau das herauskam, was Gott wollte.
Deshalb ist es absolut richtig, von der Irrtumslosigkeit und der Unfehlbarkeit der Heiligen Schrift zu sprechen. Sie ist voll und ganz das Wort Gottes.
Die Allgenügsamkeit der Heiligen Schrift
Was uns dann noch zu einem weiteren Punkt bringt, und das ist die Allgenügsamkeit der Schrift. Lesen wir unseren Text noch einmal ab Vers 15:
„Weil du von Kindheit an die heiligen Schriften kennst, welche die Kraft haben, dich weise zu machen zur Errettung durch den Glauben, der in Christus Jesus ist. Alle Schrift ist von Gott eingegeben, also gottgehaucht, und jetzt nützlich zur Belehrung, zur Überführung, zur Zurechtweisung und zur Erziehung in der Gerechtigkeit.“
Das heißt, die Bibel ist vollkommen. Wenn wir noch weiter lesen, steht dort: „damit der Mensch Gottes ganz zubereitet sei zu jedem guten Werk völlig ausgerüstet.“
Mit anderen Worten: Mit der Bibel haben wir alles, was wir zu einem gottwohlgefälligen Leben brauchen. Oder nicht? Der Text sagt: „damit der Mensch Gottes ganz zubereitet sei, zu jedem guten Werk völlig ausgerüstet.“
Das bedeutet, die Bibel ist hinlänglich, sie ist allgenügsam, sie ist allumfassend. Sie deckt alles ab, was zu einem gottwohlgefälligen Leben und zu unserem ewigen Heil nötig ist.
Der Apostel stellt mit diesen Worten fest, dass die Heilige Schrift uns weise machen kann zum Heil. Das heißt: Die Bibel reicht aus zum ewigen Leben. Wer sie liest, wer sich bemüht, sie zu verstehen, wer ihr glaubt und ihr gehorcht, der wird den rechten Weg zu seiner Seligkeit finden.
Aber Gottes Wort ist nicht nur ausreichend für die Frage unseres Seelenheils, sondern auch für ein gesegnetes irdisches Leben – und zwar zu allen Zeiten. Denn es belehrt uns, zeigt uns unsere Sünde, weist uns zurecht und erzieht uns, damit wir zu jedem guten Werk ausgerüstet sind.
Auch in unserer modernen Zeit braucht die Bibel von niemandem Nachhilfeunterricht. Sie bringt alles mit, was erforderlich ist. Etwas über sie Hinausgehendes ist nicht nötig.
Deswegen heißt es in Psalm 119,9: „Wie kann ein junger Mann seinen Weg unsträflich gehen? Wenn er sich an Gottes Wort hält.“
Die Bibel und praktische Lebensfragen
Nun, die Frage ist natürlich, wie es mit den alltäglichen Fragen aussieht, mit denen wir so zu tun haben. Spricht die Bibel auch über gesunde Ernährung oder allgemeine Weisheitsfragen? Grundsätzlich können wir sagen: Ja, schon. Seit Jahrtausenden lernen wir aus der Bibel, dass übermäßiges Trinken und Essen ungesund ist, oder? Es ist also der beste Diätplan, wenn du dich an die Bibel hältst.
Natürlich schreibt sie nichts über Vitamine oder Nahrungsergänzungsmittel – genau das ist das Stichwort, von denen es ja zuhauf gibt. Wir erfahren auch nichts über Kalorien oder Cholesterinwerte. Der Body-Mass-Index wird nicht erwähnt, ich habe ihn jedenfalls noch nicht gefunden. Auch unser Idealgewicht wird nicht genannt. Die Bibel nimmt auch keine Stellung zum Genuss von Kaffee oder Cola. Aber sie lehrt uns Grundlegendes, oder?
Wer fleißig ist, arbeitet und sich bewegt, wer sich mäßigt und auch Verzicht übt, der wird gesegnet sein. Das ist die allgemeine Aussage der Schrift. Zuallererst geht es um unser Seelenheil, absolut. Die Bibel ist vollkommen genugsam, damit du die Rettung durch Jesus Christus findest. Du brauchst kein Additiv. Aber nicht allein darüber redet sie, sondern auch über dein alltägliches Leben – nicht im Konkreten, aber im Prinzipiellen.
Wir lesen in der Bibel auch nicht von Aids oder anderen Geschlechtskrankheiten, aber wir lernen, dass wir uns sexuell gemäß dem heiligen Wort Gottes verhalten sollen. Wenn sich die ganze Welt daran halten würde, hätten wir viele Krankheiten auf diesem Gebiet nicht. Das heißt: Die Bibel ist nicht in der Weise allumfassend und allgenügend, dass wir nicht trotzdem auch noch Gesundheitsbücher bräuchten. Auch Gesangbücher brauchen wir, Geschichtsbücher und weitere nützliche Literatur – absolut, natürlich brauchen wir das.
Wenn du dir ein neues Auto kaufen willst und etwas über PS, Hubraum und Benzinverbrauch wissen möchtest – oder inzwischen über Kilowatt, Akkuleistung, Reifenverhalten oder was weiß ich –, dann brauchst du eine Fachzeitschrift. Da wird dir die Bibel nicht viel zu sagen haben. Aber verlasse dich nicht allein auf die Fachzeitschrift und auf YouTube-Testvideos, sondern lies auch die Bibel.
Warum? Weil sie auch etwas darüber zu sagen hat, nämlich in grundsätzlicher Weise. Die Bibel fragt dich dann nämlich, ob du alles, was du tust, wirklich zur Ehre Gottes tust. Muss es der Neun-Elfer mit superbreiten Schlappen sein, damit die Nachbarschaft dich auch sieht? Das sage ich jetzt mal übertrieben. Sie fragt: „Alles, was ihr tut, tut es zur Ehre Gottes, oder?“ Damit ist auch der Autokauf mit eingeschlossen.
Wenn du mit deinem neuen Auto protzen willst, deinen Stolz befriedigen möchtest, dann nimm Gottes Wort beim Wort: Kaufe das Fahrzeug nicht, sondern bleib bescheiden. Die Bibel informiert dich auch nicht über Katalysatoren und Abgaswerte, aber sie redet zu dir über – in einem gewissen Sinne – auch über die Bewahrung der Schöpfung. Du musst jetzt nicht extra einen Trecker zulegen, nur um den Dampf hinten rauszulassen.
Das heißt: Die Bibel hilft uns auch, gut durchs Leben zu kommen – gesundheitlich und materiell, auch mit den Dingen, die uns im Alltag begegnen. Sie ist nicht allumfassend, was die Details unserer Lebensführung betrifft. Sie weiß nichts von der chemischen Zusammensetzung deiner Kopfschmerztabletten. Da frag besser deinen Arzt oder Apotheker.
Aber die Bibel ist Grundlage und Ausgangspunkt für alles rechte Denken, Reden und Handeln. Sie ist ausreichend für alle Lebensbereiche. Die notwendigen ethischen Voraussetzungen schafft sie, damit wir insgesamt tugendhaft und rechtschaffen vor Gott und unseren Mitmenschen leben können – vor allen Dingen, damit wir heil und ewiges Leben finden.
Zweifel an der Allgenügsamkeit der Bibel und Warnung vor Ergänzungen
Nun gibt es immer wieder Menschen, die meinen, die Bibel komme ohne moderne Erkenntnisse nicht aus. Sie sagen, das reiche nicht aus. Sie glauben nicht wirklich an das, was hier steht: dass die Bibel uns zu jedem guten Werk völlig ausrüstet. Sie sagen nein.
Vielleicht sind heute Morgen auch einige unter uns, die dieses Vertrauen nicht haben. Wir erleben es immer wieder, dass wir sagen: Nein, ich möchte gerne noch mehr Hilfe in Anspruch nehmen. Nicht in einer gesunden Weise, sondern in einem Abhängigkeitsverhältnis.
So gibt es zum Beispiel Menschen, die sagen, auch in der Seelsorge reiche das Wort Gottes nicht wirklich aus. Diese sogenannte biblische Seelsorge sei nicht ausreichend. Wir bräuchten noch mehr Erkenntnis aus der Wissenschaft, um den Menschen wirklich zu verstehen. Dabei hat Gott uns geschaffen, und niemand versteht uns so wie er.
Andere glauben, dass zur Bibel unbedingt noch die kirchliche Tradition dazugehört. Wieder andere behaupten, neue Offenbarungen seien nötig, zum Beispiel das Buch Mormon oder die Schriften von irgendwelchen Philosophen.
Auch gibt es selbst in christlichen Bereichen Menschen, die sagen: Das Wort allein reicht nicht. Ich brauche besondere Gottesoffenbarung, ich brauche eine Stimme, ich brauche ein Gefühl, ich brauche Wärme oder Kälte, damit ich weiß, wie ich mich entscheiden soll.
Aber Gott sagt: Nein, mein Wort ist deines Fußes Leuchte und ein Licht auf deinem Weg. Es ist ausreichend, damit wir zu jedem guten Werk völlig ausgerüstet sind.
Die Bibel allein ist Gottes unfehlbares Wort. Sie ist die Niederschrift der einen wahren Heilsoffenbarung Gottes und in ihren 66 Büchern absolut vollständig und auch endgültig.
Darum heißt es warnend auf der letzten Seite der Heiligen Schrift, Offenbarung 22: Ich bezeuge allen, die da hören, die Worte der Weissagung in diesem Buch: Wenn jemand etwas hinzufügt, so wird Gott ihm die Plagen zufügen, die in diesem Buch geschrieben stehen. Wenn jemand etwas wegnimmt von den Worten des Buches dieser Weissagung, so wird Gott ihm seinen Anteil wegnehmen am Baum des Lebens und an der heiligen Stadt, von denen in diesem Buch geschrieben steht.
Also bleiben wir bei Gottes Wort. Lasst uns auch heute Morgen wieder neu schätzen lernen, dass Gott es ist, der uns durch seinen Geist sein Wort offenbart hat. Dass du ein inneres Zeugnis hast – jawohl, das ist die Wahrheit.
Schlussappell und Gebet
Ich wünsche uns allen, dass wir Kraft aus der Bibel schöpfen – in unserem Alltag, in unserem polizeilichen oder feuerwehrlichen Dienst, wo immer wir stehen. Mögen wir sagen: Herr, dein Wort ist genug. Es bereitet mich vor und hilft mir nicht nur, den Weg des Heils zu finden, sondern auch im Alltag ein Leben zu führen, das dir wohlgefällig ist.
Das Wort Gottes ist die Wahrheit und bleibt die Wahrheit. Mögen wir durch die Bibel immer wieder neu gestärkt werden. Lasst uns sie mehr lieben, mehr lesen und mehr leben. Amen!
Vater im Himmel, wir danken dir, dass du dich uns offenbart hast. Wir wüssten überhaupt nicht, wer du bist, wenn du dich uns nur allgemein in der Schöpfung gezeigt hättest. Das hast du getan. An dem Geschaffenen können wir erkennen, dass es einen Gott gibt. Deshalb hat niemand eine Entschuldigung.
Doch die allgemeine Offenbarung reicht nicht aus. Du hast uns auch eine besondere Offenbarung gegeben: dein Wort, in dem du dich zeigst und offenlegst, wer du bist.
Du siehst unser Land, in dem der Wert der Heiligen Schrift zerrissen wird. Du siehst auch viele Kirchen und Gemeinden, in denen nicht mehr geglaubt wird, was in der Bibel steht. Deshalb wollen wir heute Morgen auch für einen erwecklichen Aufbruch in unserem Land beten.
In den Dörfern und Städten gibt es unzählige Kirchtürme, doch am Sonntag sind die Hallen der Gemeinden überwiegend leer. Wir bitten dich, Herr, dass wieder Pfarrer und Pastoren aufstehen und den ganzen Ratschluss Gottes verkündigen, so wie Paulus es dem Timotheus zugerufen hat: Predige das Wort, sei es zur Zeit oder zur Unzeit.
Wir können das Wort nur predigen, wenn wir auch glauben, dass es dein Wort ist – und zwar nicht nur von den Kanzeln, sondern auch im Alltag. Wir können als Polizisten und Feuerwehrleute dein Wort nur weitergeben, wenn wir glauben, dass es dein Wort ist.
So bitten wir dich: Bewahre uns vor allem Zweifel. Wir bekennen, dass wir hier nie alles verstehen werden, aber wir danken dir für das innere Zeugnis deines Geistes, das du uns geschenkt hast. Dein Wort ist die Wahrheit.
Lass uns durch dein Wort gestärkt sein. Das erbitte ich besonders für meine Brüder und Schwestern und auch für mich. Hilf uns, dass wir treu deinem Wort gegenüber leben. Amen.