Serie•Teil 2 / 5Jesus, wir warten auf dich!
Generierte Mitschrift
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Einleitung und biblische Grundlage
Wir schlagen miteinander auf Johannes 14, Verse 2 und 3: Und wenn ich hingehe und euch eine Stätte bereite, so komme ich wieder und werde euch zu mir nehmen, damit auch ihr seid, wo ich bin.
Dann Markus Kapitel 13, die Verse 33 bis 37, Markus 13, die Verse 33 bis 37: Seht zu, wachet und betet, denn ihr wisst nicht, wann die Zeit ist! Gleich wie ein Mensch, der außer Landes reiste, sein Haus verließ und seinen Knechten die Gewalt gab, und einem jeden sein Werk, und dem Türhüter einschärfte, dass er wache, so wachet nun; denn ihr wisst nicht, wann der Herr des Hauses kommt, des Abends oder um Mitternacht oder um den Hahnenschrei oder frühmorgens, damit er nicht plötzlich kommend euch schlafend finde. Was ich aber euch sage, sage ich allen: Wachet!
Lukas 12,34-36: Denn wo euer Schatz ist, da wird auch euer Herz sein. Es seien eure Lenden umgürtet und die Lampen brennend, und ihr seid Menschen gleich, die auf ihren Herrn warten, wann er aufbrechen mag von der Hochzeit, auf dass, wenn er kommt und anklopft, sie ihm sogleich aufmachen. Glückselig jene Knechte, die der Herr, wenn er kommt, wachend finden wird.
Das sind ganz einfache Wahrheiten. Der Herr hat seinen Jüngern gesagt, dass er wiederkommt. Er hat den Jüngern befohlen, zu wachen. Er hat uns Arbeit gegeben, bis er kommt, und er hat gesagt, dass wir glückselig sind, wenn er uns wachend und bereit findet, wenn er kommt.
Nun, diese einfachen Aussagen des Herrn haben uns das Thema für diese Tage gegeben: Wir warten auf den Herrn. Und wir wollen ganz sicher bereit sein, wenn er kommt. Wir wollen nicht theologisieren, wir wollen uns in diesen Tagen nicht mit Gedanken auseinandersetzen. Das hat an seinem Ort seinen Platz, aber hier wollen wir uns bereit halten für den kommenden Herrn.
Wir warten auf ihn, und er sagt, glückselig sind wir, wenn er uns als Wachende antrifft. Das habe ich aus Lukas 12 gelesen, Lukas 12,37. Dort steht das Wort glückselig fünfzehnmal im Lukasevangelium, makarios, fünfzehnmal, elfmal davon direkt im Zusammenhang mit der Zukunft. Und darum kann es kein Zufall sein, dass Paulus, wenn er von der Zukunft redet, diesen Ausdruck verwendet: die glückselige Hoffnung.
Oder auf Italienisch könnte man das so schön sagen: la beata speranza, wirklich die glückselige Hoffnung seines Kommens. Und auf dieses Kommen wollen wir uns bereiten, und dem sollen jetzt diese Stunden auch dienen, dass wir unsere Herzen auf den Herrn ausrichten.
Orientierung an einem Brief und einer Gemeinde
Nun, es ist nicht leicht, über so ein Thema zu reden. Es ist vor allem nicht leicht, zu wissen, wo man anfangen, welchen Weg man einschlagen und wohin man gehen soll.
So halte ich mich an folgenden Rat: Nun, ich war vor Jahren öfters in der DDR, als sie noch DDR hieß. Seitdem bin ich zwar auch wieder dort gewesen, aber sehr viel weniger. Und die DDR hatte ja, wie man heute sagt, auch ihre guten Seiten, und das stimmt auch. Und eines Guten hatte die DDR: Man bekam dort sehr billig Bücher. Man bekam dort teilweise Bücher, die man hier im Westen gar nicht oder nicht mehr bekam.
Dort habe ich mir ein Buch gekauft, für einen Pappenstil, von einem gewissen Viktor Klemperer, einem Berliner Juden. Dieser Berliner Jude machte eine Untersuchung über die Sprache des Dritten Reiches. Und er hat dort unter anderem in der Einleitung zu seinem Buch folgende altberliner Anekdote festgehalten:
Vater fragt ein Junge im Zirkus: Was macht denn der Mann auf dem Seil mit der Stange? Dummer Junge, das ist die Balancierstange, an der hält er sich fest. Au, Vater, wenn er sie aber fallen lässt? Dummer Junge, er hält ihr ja fest.
Ja, das ist eben, woran er sich festhält: an der Balancierstange. Und ich brauche auch etwas, um mich festzuhalten, damit ich irgendwie das Ziel erreiche und wir gemeinsam ans Ziel kommen und uns nicht verlaufen im Meer der Möglichkeiten über dieses Thema.
Ich habe mir als Balancierstange eine Gemeinde genommen und einen Brief an eine Gemeinde. An diesem Brief wollen wir uns halten und versuchen, anhand dieses Briefes und dieser Gemeinde dieses Thema miteinander zu bedenken. Ja, ich denke an die Gemeinde in Thessalonich und an den ersten Thessalonicherbrief.
So schlagen wir jetzt auf den ersten Thessalonicherbrief und lesen miteinander das Kapitel 1.
1. Thessalonicher 1
Paulus und Silvanus und Timotheus, der Versammlung der Thessalonicher, in Gott dem Vater und dem Herrn Jesus Christus: Gnade euch und Friede.
Wir danken Gott allezeit für euch alle und erwähnen euch in unseren Gebeten unablässig, eingedenk eures Werkes des Glaubens und der Bemühungen der Liebe und des Ausharrens der Hoffnung auf unseren Herrn Jesus Christus vor unserem Gott und Vater, wissend, von Gott geliebte Brüder, eure Auserwählung.
Denn unser Evangelium war nicht bei euch im Wort allein, sondern auch in Kraft und im Heiligen Geist und in großer Gewissheit, wie ihr wisst, was wir unter euch waren um euretwillen. Und ihr seid unsere Nachahmer geworden und des Herrn, indem ihr das Wort aufgenommen habt in vieler Drangsal mit Freude des Heiligen Geistes, so dass ihr allen Gläubigen in Mazedonien und in Achaia zu Vorbildern geworden seid.
Denn von euch aus ist das Wort des Herrn erschollen, nicht allein in Mazedonien und in Achaia, sondern an jedem Ort ist euer Glaube an Gott ausgebreitet worden, so dass wir nicht nötig haben, etwas zu sagen. Denn sie selbst verkündigen von uns, welchen Eingang wir bei euch hatten und wie ihr euch von den Götzenbildern zu Gott bekehrt habt, dem lebendigen und wahren Gott zu dienen und seinen Sohn aus dem Himmel zu erwarten, den er aus den Toten auferweckt hat, Jesus, der uns errettet von dem kommenden Zorn.
Die Hoffnung als Antrieb im Leben des Apostels
Hier wird also diese Aussage, dass die Gläubigen auf den Herrn warten, in einen ganz bestimmten Zusammenhang, in eine ganz bestimmte Situation eingebunden. Und wie hängt das alles mit der Situation zusammen?
Denken wir an den Apostel, denken wir an die Empfänger dieses Briefes. Wie war diese Gemeinde entstanden? Paulus erinnert in diesem Brief selbst daran, in Kapitel 2. Wir wissen auch sehr viel darüber aus der Apostelgeschichte. Ich rufe das nur kurz in Erinnerung, wir lesen das jetzt nicht nach.
In Apostelgeschichte 16 kommt Paulus erstmals nach Europa. Er verkündigt dort das Evangelium, es gibt Widerstand, es gibt Nöte, er wird zusammen mit Silas ins Gefängnis geworfen, nachdem er zuerst geschlagen worden war. Dann wird er aus der Stadt gewiesen. Und was macht er dann? Er geht einfach weiter, und zwar in westlicher Richtung, von Philippi nach Thessalonich.
Wir müssen uns einmal in seine Lage hineinversetzen. Wir lesen diese Berichte in der Apostelgeschichte mit dem Wissen, was alles daraus wurde. Darum haben wir es sehr schwer, uns in die Lage dessen hineinzuversetzen, der mittendrin war. Er sah die Ergebnisse nicht. Er ging einfach diesen Weg vorwärts, sieht vor sich eine Stadt, in der er noch nie gewesen war, kommt näher an diese Stadt Thessalonich heran, sieht die Dächer der Stadt in der Sonne leuchten, geht hinein und hat keine Ahnung, was da auf ihn wartet.
Und er verkündigt auch dort das Evangelium. Es gibt wieder Schwierigkeiten, er muss flüchten, man setzt ihm dahin nach, wo er flüchtet, nach Beröa. Er muss sich wieder absetzen, die ganze Zeit sind Leute hinter ihm her. Ja, und wir fragen uns: Was trieb diesen Mann voran? Etwas muss es gewesen sein. Er sah die Ergebnisse nicht, er sah den Erfolg nicht, aber etwas muss ihn vorangetrieben haben. Natürlich verschiedene Dinge, aber zu den stärksten Triebfedern gehörte ganz sicher dieses Wissen: Der Herr, den ich verkündige, der Herr, dem ich diene, kommt wieder.
Das ist ein Ziel, das uns bekannt ist. Manches wissen wir nicht, wie vieles in unserem Leben herauskommt, aber das wissen wir: Auf dieses Ziel gehen wir zu, der Herr kommt. Und was ich in seinem Namen und im Interesse seiner Sache mache, was auch die kurzfristigen Ergebnisse sein mögen, es muss lohnend, wertvoll, gut, ja, das Beste sein, was man überhaupt tun kann, wenn Jesus, mein Herr, wiederkommt.
Denken wir an den Apostel Paulus. Wer macht ihm denn am meisten Schwierigkeiten? In Ausnahmefällen ein paarmal Heiden, manchmal haben die auch auf den Putz gehauen und Rabatz gemacht, aber meistens waren es die Juden. Wenn wir in Schwierigkeiten geraten, dann müssen wir manchmal ganz einfach weitermachen, weil wir keine andere Wahl haben. Wenn du Schwierigkeiten hast am Arbeitsplatz, ein ekelhafter Chef usw., dann musst du einfach weitermachen. Du hast keine Wahl, du kannst nicht aussteigen, du musst Geld verdienen, du musst einfach da durch, und das hält dich irgendwie bei der Stange.
Bei Paulus war es nicht so. Er hätte ganz gut aufhören können mit diesem ganzen Geschäft, das, was die weltlichen Interessen betrifft, war nur nachteilig. Es brachte ihm nur Schwierigkeiten. Er war Jude, und das haben ihm die Juden nicht verziehen, dass er als Jude Jesus von Nazaret als den Messias verkündigte. Er hätte nur aufhören müssen, sich mit den Juden anfreunden können, hätte eine Karriere vor sich gehabt. Aber er wählte es, nicht umzukehren. Er wählte es, den Weg weiterzugehen. Und was ihn vorantrieb, das war diese glückselige Hoffnung.
Nun, er redet in diesem Brief auch von seiner Freude an den Thessalonichern, und das hat ihn auch vorangetrieben. Wir werden das in Kapitel 2 sehen, aber auch das hängt zusammen mit dem Kommen des Herrn. Diese glückselige Hoffnung, das nennen wir als das Ziel. Das wirkliche Ziel, das Ziel aller Ziele, das Ziel aller Dinge, auf das wir zugehen.
Ziel, Sinn und die Kritik an einer diesseitigen Lebenshaltung
Es gibt eine Auslegung zum Buch der Offenbarung, die so heißt: Das Ziel aller Dinge von Helmut Frey. Ich habe es nie gelesen, aber der Titel ist gut. Ja, er ist wirklich gut: Das Ziel aller Dinge.
Nun, wir nehmen das einfach so für selbstverständlich hin. Aber das ist allein schon eine frohe Botschaft: Es gibt ein Ziel. Unser Leben, unsere Existenz, diese Welt ist nicht ziellos. Diese Welt hat einen Anfang und sie hat ein Ende. Und so hat auch unser Leben einen Anfang und ein Ende. Auch unsere Erlösung hat einen Anfang und ein Ende, ein Ziel. Das hängt alles zusammen, und Paulus verknüpft diese beiden Dinge miteinander. In Vers 3 ist von Erwählung die Rede, in Vers 4 steht, dass wir wissen, eure Erwählung. Nein, Vers 4, das ist der Anfang der Errettung. Und dann redet er am Ende des Kapitels vom Kommen des Herrn, das ist das Ziel.
Es gibt ein Ziel. Das Ziel ist von Gott gesetzt, das Ziel wird ganz sicher erreicht, das Ziel ist bekannt. Und wenn wir vernünftige, verständige Menschen sind, dann ordnen wir alles, was wir in unserem Leben tun, Tag für Tag diesem Ziel zu. Sonst sind wir Narren. Wir beziehen alles, was wir tun, auf dieses Ziel. Und dabei sind wir wirklich glückselige Menschen, allein schon, dass wir ein Ziel kennen, um ein Zielwissen.
Wahrscheinlich war der abendländische Mensch, und zu denen zählen wir uns, noch nie so einseitig diesseitsorientiert wie in diesem Jahrhundert. Ja, man muss sagen, dass der diesseitige, heutige abendländische Mensch sich ins Diesseits verbeißt wie ein Hund in einen Knochen. Er hält nur dieses eine fest und sieht nichts anderes mehr. Ja, er will gar nichts anderes mehr gelten lassen. Man kann geradezu von einer pathologischen Beschränktheit reden. Ja, es ist wirklich so: eine Beschränktheit, und zwar pathologisch, in dieser Ausschließlichkeit nur auf das Diesseits beschränkt.
Ich nenne hier ein Beispiel. Man könnte es beliebig herausgreifen, ein Beispiel dafür, wie der moderne Mensch ziellos lebt oder eben das Ziel nur im Diesseits sucht. Ich beziehe von Zeit zu Zeit hier einen Katalog aus einem ziemlich nützlichen Bücherverlag, und da wurde ein Buch vorgestellt von einer gewissen Marianne Gronemeier. Sie ist Dozentin für Erziehungswissenschaften in Wiesbaden. Sie hat ein Buch geschrieben mit folgendem Titel: Das Leben als letzte Gelegenheit. Sicherheitsbedürfnis und Zeitknappheit. Und jetzt zum Klappentext:
Mit der Entdeckung des Lebens als biologische Zeitspanne entstand ein stärkeres Bedürfnis nach der Absicherung des Lebens und der effektiven Nutzung der Lebenszeit.
Das ist ja so öde, man könnte weinen. Die Entdeckung des Lebens als biologische Zeitspanne – und was ergibt sich daraus? Die Angst, etwas zu versäumen, wurde zum Motor, das Lebenstempo zu beschleunigen und die Erlebnismöglichkeiten zu vervielfachen. Wir leben unter sehr, sehr armen Menschen. Das ist ja entsetzlich: so getrieben sein, beständig immer Angst haben, etwas zu verpassen, in dieses eine Leben, das das einzige Leben ist, alles hineinzupacken, was man nur hineinpacken kann. Furchtbar.
Gut, wir können sagen, das sei gar nicht so neu. Heinrich Heine sagte schon: Der Sinn des Lebens ist das Leben. Vor zweihundert Jahren schon. Aber Heine war damals ein Vordenker, er war in jeder Beziehung eine elitäre Gestalt. Das heißt, er gehörte zu einer kleinen Elite, die so dachte. Damals dachten auch die allermeisten Menschen sehr vernünftig und sehr richtig: Der Sinn des Lebens ist die Vorbereitung auf ein anderes, auf ein wirklicheres Leben. Aber was damals nur einige wenige dachten, eben einige Vordenker und besonders Verrückte, das denken heute alle.
Früher, als die Menschen wenigstens mit diesem Wissen lebten, dieses Leben ist nicht das einzige und der Sinn des Lebens kann nicht nur hier gesucht werden, da hatten sie auch ein schwieriges Leben und mussten auch Schläge einstecken, die das Leben austeilt. Aber sie nahmen diese Schläge doch ein bisschen anders, vor allem weniger hysterisch als der moderne Mensch. Ja, wir wissen um ein Ziel. Ein wunderbares Ziel, ein herrliches Ziel.
Nun, die alten Heiden, unter denen Paulus und die Thessalonicher sich dort bewegten, die glaubten an einen nie endenden Kreislauf der Geschichte. Sie glaubten daran, dass ein gewisser Kreislauf von Aufwärts- und Abwärtsentwicklung, von einem goldenen Zeitalter zu einem silbernen, dann zu einem bronzenen, dann zu einem eisernen, wieder zu einem goldenen führt. Und so läuft die Geschichte einfach in einem beständigen Kreislauf. Von einem Anfang wissen wir nichts zu sagen, und von einem Ziel auch nicht.
Und unter diesen Heiden verkündigten die Christen die Gewissheit vom Ziel aller Dinge. Das muss eine gewaltige Botschaft gewesen sein für die damaligen Menschen. Und die modernen Heiden, die glauben auch an keinen Anfang, die glauben auch an kein Ende. Sie glauben auch an kein Ziel. Oder wenn, dann muss es ein Ziel sein, das in dieser Welt irgendwie erreicht wird. Ob man es erreicht, weiß man auch nicht.
Nun, kein Geringerer als der Königsberger Philosoph Kant schrieb 1795 seine berühmte, bis heute immer wieder zitierte Abhandlung Zum ewigen Frieden. Da wird ein Ziel doch angemaßt: ewiger Friede. Wo und wie? In dieser Welt und zwar mit den Mitteln dieser Welt. Und so ist das wahrscheinlich das Höchste, wozu sich der moderne Heide emporschwingen kann, wenn er es überhaupt tut. Aber die meisten, die leben ja ganz einfach irgendwie dahin.
Wir aber wissen um ein Ziel. Wir kennen das Ziel aller Dinge. Und damit haben wir eine großartige Botschaft. Und es ist eben nicht so, nun, wir wissen es ja auch, aber wir sollten es uns immer wieder sagen, dass die Menschen, die keinen Kummer haben müssen über Sünde und Heiligkeit und Gericht, dass sie so fein, lustig und fröhlich seien. Das ist nicht wahr. Es ist ganz einfach eine brutale Lüge, dass der Mensch, der sein Gewissen abtötet und so lebt, als gäbe es nur dieses Leben, damit frei und froh wäre.
Nun, man hat so dieses Idealbild vom fröhlichen Griechen gepflegt und geliebt während Jahrhunderten. Eigentlich seit der Aufklärung wurde dieses falsche Bild vom fröhlichen Griechen verbreitet, und damit bereitete man ja auch dieses Denken vor, das heute vorherrscht, dass das Christentum eigentlich ein Unglück sei, das die Kultur heimgesucht hat. Es habe den Menschen düster gemacht. Es ist umgekehrt.
Ich habe jetzt Gelegenheit, einen wirklich genialen Schweizer zu zitieren, einen gewissen Jakob Burckhardt. Er ist leider zu wenig bekannt. Nun, die Althistoriker kennen ihn, auch die Kulturgeschichtler. Jakob Burckhardt hat ganz richtig gesehen, dass das dominierende Lebensgefühl des Griechen der Pessimismus war, der Pessimismus. Also eine resignierte Haltung, eine tragische Düsternis lag eben über dem antiken Menschen. Die Griechen waren nicht diese fröhlichen Leute, für die man sie hält, lange gehalten hat.
Und einer ihrer vornehmsten Denker, ja, der vornehmste überhaupt, der so wichtig ist, dass man die ganze Geschichte der Philosophie nach ihm einteilt: Es gibt Vorsokratiker und Nachsokratiker, und in der Mitte steht wie eine Wendemarke eben Sokrates. Und dieser Sokrates hat einmal Folgendes gesagt: Ich sehe kein Licht, ich glaube, dass es die Inseln der Seligen gibt. Aber ich wünschte, wir hätten eine sichere Kunde, an die wir uns halten könnten, um wie auf einem Floß die stürmischen Meere von Zeit und Ewigkeit überqueren zu können.
Ja, es muss doch irgendetwas geben, das über dieses Leben hinausweist. Und diese Insel der Glückseligen, ich denke, das muss es geben, aber wir haben keine sichere Kunde davon. Der Mann leidet darunter, ist doch mit Händen zu greifen. Diese Düsternis, die über dem Menschen lastet, der keine Hoffnung hat, der das Ziel nicht kennt, der keine sichere Kunde hat von jenem Ort der Glückseligkeit.
Aber wir haben diese sichere Kunde, wir kennen sie. Und wir wissen, dass die Insel der Glückseligen, sie heißt natürlich anders, dass das nicht ein Traum ist, ein öder oder schnöder Traum, sondern Wirklichkeit. Wenigstens bekennen wir das zu glauben. Aber ich frage mich einfach, ich frage dich, ich frage mich: Merken das die Leute? Ich meine jetzt nicht nur, hören sie es, dass wir es ab und zu sagen, sondern merken sie das, sehen die das? Sehen die das, dass wir wirklich glauben, die Gestalt dieser Welt vergeht? Sehen sie das an unserer ganzen Art, wie wir leben, dass wir es glauben: Die Welt vergeht und ihre Lust?
Die Bewohner von Agrigent, einer griechischen Stadt im heutigen Süditalien, die damals aber griechisch war, von den Bewohnern von Agrigent sagte man Folgendes: Sie bauen sich Häuser, als lebten sie ewig, und essen, als müssten sie morgen sterben. Ja, das Lachen könnte uns manchmal im Halse stecken bleiben, wenn wir uns einmal ansehen: Was bauen wir denn für Häuser? Und oft bekommt man den Eindruck, dass Christen glauben, dass diese Welt ewig bleibt. Die richten sich so ein in dieser Welt, bauen sich Häuser für Jahrhunderte. Wie lange willst du denn leben auf dieser Erde?
Ja, was sagen die Leute von dir, wenn sie deinen Lebensstil sehen? Ja, sie wissen, du hast gesagt, du bist Christ. Ich hörte einmal, und das hat mich sehr betroffen gemacht: Ein Bruder erzählt uns von einer Gemeinde, einer großen Gemeinde, und diese Gemeinde hieß im Volksmund Blechengelgemeinde. Wisst ihr, wieso? Das war damals noch, als die Autos entsprechend aussahen, weil dort der Parkplatz die teuersten und schönsten Autos hatte vor diesem Gemeindehaus. Das blieb als Eindruck bei den Leuten haften. Und dann hat man doch den Eindruck: Die wissen ganz genau, wie man leben muss und wie man Geld machen muss und wie man gut leben muss. Das haben die Leute gesehen, die haben nicht gehört, was sie gepredigt haben.
Man muss es unserem Lebensstil ansehen, dass wir Christen sind, oder wie Paulus sagt: Auserwählte sind, und wie er am Schluss des Kapitels sagt: solche sind, die Gott dienen und auf seinen Sohn warten. Paulus wusste, wie er sagt, dass die Thessalonicher von Gott aus erwählt waren. Warum wusste er es? Er nennt sechs Dinge, tun wir sie schnell ab: Das Evangelium kam in Kraft nach Thessalonich, das ist das Erste. Dann sieht er zweitens, die Thessalonicher wurden Nachahmer der Apostel und veränderten ihr Leben. Dann hat er drittens gesehen, von den Thessalonichern ging dieses Zeugnis aus, blieb also bei ihnen nicht stehen. Viertens, und dabei wollen wir ein wenig verweilen, die Thessalonicher bekehrten sich von den Götzen. Fünftens, die Thessalonicher dienten dem lebendigen Gott. Sechstens, die Thessalonicher warteten auf den Sohn Gottes.
Auf den Sohn Gottes warten hängt offensichtlich sehr eng damit zusammen, dass man sich von den Götzen abkehrt, von den Götzenbildern. Nun, ich will dazu jetzt eine Stelle aufschlagen aus dem Lukasevangelium: die Wiederkunft Jesu Christi und die Abkehr von anderen Dingen. Lukas 17,31-32:
An jenem Tag, wer auf dem Dache sein wird und sein Gerät im Hause hat, der steige nicht hinab, um es zu holen. Und wer auf dem Felde ist, wende sich gleicherweise nicht zurück. Gedenket an Lots Weib.
Wer irgend sein Leben zu retten sucht, wird es verlieren; wer irgend es verliert, wird es erhalten.
Der Zusammenhang ist doch sehr bemerkenswert. Der Herr redet hier von seinem Kommen. Und dann kommt ein Augenblick, wir wollen uns jetzt nicht mit Heilszeitaltern und mit Dispensationen aufhalten, sondern diese Grundwahrheit festhalten: Wenn der Herr kommt und wenn das stimmt, dann musst du bereit sein, im entscheidenden Augenblick alles liegen zu lassen. Die Arbeit, das Feld, das Haus, alles liegen lassen.
Denkt an Lots Weib, was war denn mit ihr? Die hat zurückgeschaut. Warum hat sie zurückgeschaut? Weil ihr Herz eben dort war. Man schaut dahin, wo das Herz ist. Ihr Herz war in Sodom, in der Stadt. Da war ihr Haus, da war ihre Wohnung, da waren die Topfpflanzen, da waren die Teppiche und der Garten. Und an diesen Dingen hing ihr Herz, und darum schaute sie zurück.
Oder das Haus: Steig nicht ins Haus hinab, deine Sachen holen, die Briefmarkensammlung oder was auch immer, oder deinen Laptop, den du so liebst, oder die Autoschlüssel. Ja, ich frage mich wirklich: Würden wir das vom Herrn einfach annehmen, von heute auf morgen alles verlieren, alles verlieren, all diese Dinge? Wenn wir jetzt nicht wirklich losgelassen haben, diese Dinge wirklich losgelassen haben, dann werden solche Augenblicke in unserem Leben kommen, wo wir eigentlich frei sein müssen, und dann sind wir nicht frei. Dann hängen wir an den Dingen, die halten uns dann zurück.
Und jetzt sage ich noch etwas, auch wenn das provozierend ist: Wenn wir nicht frei sind von unserem Besitz, frei sind von unseren irdischen Ambitionen und Möglichkeiten, von Feldern, Häusern, Karriere, Geldmachen können usw., wenn wir davon nicht frei sind, ich frage mich einfach: Bist du dann ein Erwählter? Das ist meine Frage.
Einen Thessalonichern sah man es an, von Gott auserwählt, denn sie hatten sich von den Götzen abgekehrt. Ihre Herzen hingen an Gott und an seinem Sohn und sonst an nichts. Und zudem werden wir ja an den Menschen schuldig, wenn sie wissen, was wir bekennen, und unser Leben anders aussieht. Alles, was sie von uns gehört haben, die ganze Botschaft wird für sie unglaubwürdig. Sie glauben das nicht mehr.
Wenn du sagst, dass du ein Christ bist und glaubst, du hast ein Erbe im Himmel, ein ewiges, unverwelkliches Erbe, und du lässt dich auf Erbstreitigkeiten ein, hast du dein Bekenntnis verleugnet. Wenn du wirklich ein Erbe im Himmel hast, dann kannst du auf jedes irdische Erbe verzichten. Aber das sehen die Leute. Aha, wenn es ums Geld, um Grundbesitz, Immobilien, Erbe geht, dann sind die genau gleich. Das ist tragisch, wenn die Leute das an uns ablesen würden.
Wir sind es den Leuten schuldig, mit einem Leben und auch mit einem Bekenntnis.
Zeugnis, Glaubwürdigkeit und die Frage nach der Erwählung
Vor vielen Jahren, ich war damals vielleicht erst drei oder vier Jahre gläubig, wenn ich es genau ausrechne, war es im Sommer 1975. Ja, da war ich zweieinhalb Jahre gläubig.
Damals machte ich mit bei einem Missionseinsatz in einem Missionswerk, das es heute nicht mehr gibt. Es war das Missionswerk New Life in der Schweiz. Ich war damals auch auf der Bibelschule dieses Missionswerks, und wir hatten dort gute Lehre empfangen. Wir waren ja noch Schüler und empfingen noch Unterweisungen. Uns wurde auch gelehrt und unterwiesen, dass die Allversöhnung eine ganz üble, gefährliche Irrlehre ist. Das ist sie auch.
In diesem Sommereinsatz lernte ich einen jungen Mann kennen, der irgendwie auffiel. Er war sehr ernsthaft und kannte sich im Wort gut aus. Ich habe ziemlich viel mit ihm gesprochen, und dann stellte sich heraus, dass er ein Allversöhner war. Ich versuchte, ihm das auszureden. Es ist mir nicht gelungen. Aber etwas ist bei ihm, oder durch diesen jungen Mann, bei mir gelungen: Er hat einen Pfeil abgeschossen, und der sitzt tief. Manchmal schmerzt mich die Wunde noch, aber in guter Weise, in heilsamer Weise.
Wisst ihr, was er mich gefragt hat? Er sagte herausfordernd: Wenn ihr das wirklich glaubt, dass die Menschen, die an Jesus Christus nicht glauben, ewig verdammt sind und niemals herauskommen, dann würdet ihr ganz anders leben.
Das sagt man dann. Es war eine richtige Beobachtung seinerseits, aber eine falsche Schlussfolgerung. Folglich kann die Lehre nicht wahr sein, so lautete sein Schluss. Das ist eine falsche Schlussfolgerung.
Aber dieser Pfeil sitzt. Wenn wir das wirklich glauben, dass sich im Leben hier und jetzt die Ewigkeit entscheidet, wenn wir wirklich glauben, dass der Herr kommt und dass er sich dann alles unterwerfen wird, und dass alle, die ihm widerstanden haben, er auf ewig mit unwiderstehlicher Macht niederwerfen wird, dann muss das irgendwie sichtbar werden. Unser Leben muss es beweisen.
Gut, soviel zum Ziel aller Dinge im Zusammenhang mit dem ersten Kapitel des ersten Thessalonicherbriefes.
Das Gewicht der Wiederkunftshoffnung im Neuen Testament
Wir wollen uns jetzt einmal das Gewicht dieser Lehre von der Wiederkunft vor Augen stellen, also welches Gewicht das Neue Testament dieser Lehre gibt.
Nun, ich habe letzte Woche, oder vorletzte Woche, das Neue Testament daraufhin durchrastert. Wir gingen spazieren, da habe ich das zu meiner Frau gesagt. Dann sagte sie: Ja, ja, während dieser letzten Woche. Dann sagt man: Nein, zwei Stunden. Nein, zwei Stunden. Doch, man kann das. Natürlich kann man nicht in zwei Stunden das Neue Testament lesen, aber man kann in zwei Stunden Kapitel für Kapitel einfach so durchgehen, überfliegen und alle Stellen herausholen. Und das habe ich einfach gemacht.
Und ich bin zu folgendem Ergebnis gekommen: Im Neuen Testament sagen etwa 400 Verse etwas über die Wiederkunft des Herrn oder über das kommende Gericht und die kommende Herrlichkeit. Dabei habe ich nicht mitgezählt die Endzeitreden des Herrn in Matthäus 24 und 25, all jene Verse nicht gezählt, Markus 13 nicht gezählt, Lukas 21 nicht gezählt und das ganze Buch der Offenbarung nicht gezählt. Ohne all das sagen etwa 400 Verse, der Herr habe hundertmal gesagt, er komme wieder, hundertmal: Es wird ein ewiges Gericht sein, ewige Herrlichkeit steht euch bevor, ewiger Lohn, ewiger Verlust, hundertmal oder sogar eben einige hundertmal.
Das gibt uns doch einen Eindruck davon, dass diese Wahrheit in Gottes Gedanken, in der Lehre des Herrn und der Apostel ein ungeheures Gewicht hat. Der Herr redet selbst häufig davon. Wir haben einige Verse ja daraus gelesen, aus seinen Reden in den Evangelien. Er hat eine ganze Reihe von Gleichnissen gelehrt, die sein zweites Kommen zum Thema haben. Die Apostel reden alle davon in ihren Briefen, sie reden auch davon in der Apostelgeschichte. Petrus redet davon, Paulus redet davon in der Apostelgeschichte. Auch der Hebräerbrief redet davon, schon in Kapitel eins davon, dass dieses Universum sich auflösen wird, und in Kapitel zwei vom zukünftigen Erdkreis, der den Erlösten unterworfen wird, und so weiter. Fast in jedem Kapitel sogar. Der Jakobusbrief redet davon in Kapitel eins, in Kapitel zwei. Auch in Kapitel 5. Der Judasbrief redet davon.
Und hieraus kann man eine bibelkundliche Frage stellen: Wer war denn der Erste, den die Bibel nennt, der die Wiederkunft, das zweite Kommen Jesu Christi, weissagte? Nun, die allererste Weissagung in der Bibel stammt von Gott selbst. Er hat Adam und seiner Frau geweissagt das Kommen des Samens der Frau. Aber die erste Weissagung über die Wiederkunft, das zweite Kommen Christi, stammt von Henoch. Vor der Sintflut schon ließ Gott das verkündigen, dass es ein kommendes Gericht geben wird. Das steht ja im Judasbrief.
Ganze Kapitel haben die Wiederkunft des Herrn zum Thema. Eben die Endzeitreden des Herrn. Wir können auch sagen: 1. Korinther 15, das ganze Thema ist die Zukunft, die Auferstehung zur Herrlichkeit. Die Entrückung wird dort auch erwähnt, nur nicht mit diesem Wort. Und ganze Bücher haben das zum Thema: das Buch der Offenbarung. Und wir können ruhig auch sagen, die beiden Thessalonicherbriefe haben die Wiederkunft des Herrn zum Thema.
Ja, und die beiden symbolischen Handlungen, die wir wiederholt als Christen vornehmen, reden beide von der Zukunft. Taufe ist jedes Mal auch eine Verkündigung der Hoffnung der Auferstehung zur Herrlichkeit. Jedes Mal werden wir daran erinnert: Diese Welt wird in Gottes Gerichten untergehen, wir werden zur Herrlichkeit auferstehen. Und an jedem ersten Tag der Woche, wenn wir zusammenkommen, um das Brot zu brechen, dann tun wir es im Wissen, dass wir es so lange tun, bis der Herr kommt und bis der Herr neu mit uns dieses Mahl im Reiche des Vaters feiern wird.
So also ist das Gewicht dieser Lehre. Und darum erstaunt es uns nicht, hier zu hören, anhand der Thessalonicher, was Paulus dort lehrte, wie er der Wiederkunft des Herrn großes Gewicht gab. So großes Gewicht, dass die Thessalonicher von dem Tag an auf das Kommen des Herrn warteten. Oder im allerletzten Buch des Neuen Testaments, im allerletzten Kapitel, wiederholte Ankündigungen des Herrn zu finden: Ich komme bald.
Und das hat die Christen ergriffen. Natürlich hat sie das ergriffen, sonst wären sie ja keine Gläubigen gewesen. Aber weil sie glaubten, hat das ihr Leben bestimmt. So war es ganz sicher im ersten Jahrhundert. Wir dürfen annehmen, auch im zweiten noch. Aber das begann sich langsam zu ändern.
Und jetzt ein Blick in die Kirchengeschichte, nur ein kurzer Blick: Die ersten Christen und in den ersten zwei Jahrhunderten können wir annehmen, dass alle Christen an eine persönliche Wiederkunft des Herrn glaubten und darauf warteten. Und dann kann man einen Meilenstein nennen. Solche Meilensteine sind ja nur Notbehelfe, aber dieser Meilenstein hilft uns, die Sache einfach einzuordnen, zeitlich.
Im Jahr 313 hat ein römischer Kaiser das Christentum zur erlaubten Religion erklärt. Er selbst hatte das Christentum angenommen, und von dem Tag an können wir sagen, wurde alles anders. Vom vierten Jahrhundert an glaubten die Christen, wenigstens die, von denen wir Kunde haben, die damals offiziell Rang und Namen hatten, nicht mehr an ein buchstäbliches tausendjähriges Reich, an ein persönliches kommendes Reich des Herrn, das wir hier und jetzt zu erwarten haben.
Nun, wie hängt das zusammen? Solange die Christen eine Minderheit waren, beargwöhnt und verfolgt wurden, war die Hoffnung, die lebendige Hoffnung auf das Kommen des Herrn, ihre Triebfeder, voranzugehen. Und dann wurde das Christentum zuerst zur anerkannten Religion und nachher zur Staatsreligion. Und mit einem Mal war es gar nicht mehr der Karriere hinderlich, Christ zu sein, sondern im Gegenteil förderlich. Man kam bei Anstellungsgesprächen besser weg, wenn man sich als Christ bekannte und sagen konnte: Ich bin dort in dieser Kirche, wo jener Bischof predigt. So hatte man mit einem Mal Vorteile, wenn man Christ war, und mit ihm ließ sich als Christ in der Welt sehr gut leben.
Und so gewann dieses Wissen um das Kommen des Herrn immer weniger Kraft über die Herzen, wurde zudem immer unwichtiger und dann auch theologisch irgendwie so zurechtgelegt, dass man sagte: Ja, das Kommen des Herrn ist ganz einfach, wenn alle Menschen gläubig geworden sind. Und damit hat man die Hoffnung in diese Welt hinein verlegt. Eigentlich ein ganz heidnischer Gedanke. Die Hoffnung ist eben nicht in dieser Welt. Die Hoffnung ist das Kommen des Herrn. Die Hoffnung ist wirklich jenseitig, einer jenseitigen Welt. Diese Welt vergeht, die Welt vergeht und ihre lustige Gestalt dieser Welt vergeht.
Moody, der Evangelist D. L. Moody, sagt einmal Folgendes: Der Teufel will nicht, dass wir die Wahrheit vom Kommen des Herrn sehen, denn nichts kann die Gemeinde so erwecken wie dieses Wissen. Sobald jemand die Wahrheit ergreift, dass Jesus Christus kommt, um seine Freunde zu sich zu nehmen, verliert die Welt ihre Macht über ihn. Aktien, Bankkonto und Vorsorge für das Alter verlieren ihre bisherige Bedeutung. Das Herz wird frei für die glückselige Hoffnung, frei Ausschau zu halten nach dem kommenden Herrn, der uns in sein himmlisches Reich einführen wird.
Was die glückselige Hoffnung im Herzen bewirkt
Warum heißt diese Hoffnung glückselig? Was bedeutet denn glückselig? Ich versuche es mit einigen unbeholfenen Ausdrücken: ein bisschen zum Schreiben voller Glück, könnte man sagen, voll ungetrübten Glücks, voll nie endenden Glücks, voll vollkommenen Glücks. Ja, wir können nur zu Superlativen greifen.
Die glückselige Hoffnung – worin ist sie denn glückselig? Ich nenne hier eine Reihe von Aussagen, ich liste sie einfach auf, in der Hoffnung, in der Erwartung, dass diese Wahrheiten sich in unser Herz, in unser Gemüt senken und beginnen, unser Leben zu regieren.
Ja, worin ist diese Hoffnung glückselig? Erstens: Wir werden beim Herrn sein, 1. Thessalonicher 4,17. Wir werden beim Herrn sein. Das ist die Seligkeit der Seligen: bei Gott sein, sein Angesicht sehen, nicht seinen Rücken, sein Angesicht. Und wir wissen: Das Angesicht eines Menschen, ja, das ist ja die Person. Wenn ich eine Person liebe, dann wäre ich nie damit zufrieden, nur ihre Hand zu sehen. Ich will ihr Gesicht sehen, von Angesicht zu Angesicht mit ihr reden, ihr in die Augen schauen. Wir werden sein Angesicht sehen, offenbar.
Und wir werden den Bräutigam sehen, dem wir so lange nachgetrauert haben, Matthäus 9,15. Wenn der Bräutigam von ihnen genommen sein wird, dann werden sie fasten, weil sie ihn doch lieben und so lange nicht wirklich glücklich sein können, solange sie ihn nicht sehen. Ja, wir werden glückselig sein, weil wir den Bräutigam sehen werden, Matthäus 9,15.
Wir werden glückselig sein, denn wir werden ihm gleich sein, 1. Johannes 3,2. Und dann werden wir auch glückselig sein, weil wir alle vereint sein werden. Ja, Leute, auch das: alle vereint. Jede Träne, die wir geweint haben wegen Entfremdung und Zerwürfnis unter Kindern Gottes, wird weggewischt werden. Alle vereint – das wird auch Glückseligkeit sein. 2. Thessalonicher 2,1: Werden alle zu ihm versammelt.
Wir werden im himmlischen Jerusalem sein, Offenbarung 22,14. Wir werden vom Baum des Lebens essen, das ist vollkommener Genuss, Offenbarung 22,14. Und schließlich: Wir werden keine Sünde mehr kennen, nichts mehr, das trennt, zerstört, verdüstert, hindert. Keine Sünde mehr kennen.
Ja, und weil das alles wahr ist, hat das eben Auswirkungen bei dem, der glaubt. Und von diesen Auswirkungen wollen wir uns im Folgenden Gedanken machen. Ich habe eine ganze Reihe davon aufgeschrieben. Es bleiben mir noch fünf Minuten, und so nehme ich eine erste Auswirkung: Ansporn zum fleißigen Arbeiten. Erste Auswirkung der glückseligen Hoffnung: Ansporn zum fleißigen Arbeiten.
Lesen wir jetzt noch einmal einen Vers, den wir schon gelesen haben: 1. Thessalonicher 1,2-3. Wir danken Gott allezeit für euch alle, indem wir euch erwähnen in unseren Gebeten unablässig, eingedenk eures Werkes des Glaubens, der Bemühung der Liebe und des Ausharrens der Hoffnung auf unseren Herrn Jesus Christus.
Da war Arbeit: Werke des Glaubens, Arbeit der Liebe. Weil die Thessalonicher diese Hoffnung vor Augen hatten: Der Herr kommt. Paulus muss beständig an das kommende Kommen des Herrn gedacht haben. Ich bin sicher, es zeigt sich an seinen Briefen. Er redet so oft davon, im ersten Thessalonicherbrief, am Schluss jedes Kapitels und dazwischen auch ein paar Mal, kommt immer wieder darauf zurück.
Und ich denke, Paulus hat ganz einfach gut gerechnet. Wir sollen ja gut rechnen, am Verstand sollen wir ja nicht Tölpel bleiben, sagt Paulus. Sie sollen am Verstand erwachsen werden. Und ein Erwachsener, der weiß, wie man auf Englisch sagt, how to put two and two together, das ist eine einfache Rechnung. Paulus hat einfach gut gerechnet.
Zum Beispiel hat er so gerechnet: Ja, Leiden sind da, Nöte, und einmal muss er sogar die ganze Liste aufschreiben seiner Leiden. Es war ihm ein ziemlich verdrießliches Geschäft, aber er muss es halt einmal tun. Sind schon Leiden da, das stimmt. Aber Leute, jetzt legen wir einmal diese beiden Dinge auf die Waage: die Frustrationen und Enttäuschungen, die wir erleben, und die kommende Herrlichkeit. Und Paulus hat geschaut, auf die Waage geschaut: Die kommende Herrlichkeit ist viel schwerer. Ja, ich bin doch nicht so dumm und halte mich bei diesen Dingen auf, die eben schwierig und unangenehm sind, und lasse mich davon abhalten, das Gewichtige festzuhalten, das bleibt. Römer 8,18: Alles Leiden, das Sie jetzt durchmachen, kann niemals mit der kommenden Herrlichkeit aufgewogen werden. Eine einfache Kaufmannsrechnung.
Dann sagt er an einer anderen Stelle: Alle Drangsal sei leicht. Nein, er ist kein Zyniker. Setzte er hier einen Punkt, wäre er ein Zyniker. Drangsal ist leicht? Nein, Paulus weint mit den Weinenden, empfindet Schmerz mit denen, die Schmerz haben. Aber er setzt keinen Punkt, sondern erklärt, wie er das meint: Es ist verhältnismäßig leicht. 2. Korinther 4,17-18: Das schnell vorübergehende Leichte unserer Drangsal bewirkt uns ein über die Maßen überschwängliches ewiges Gewicht von Herrlichkeit.
Und das hat ihn doch immer wieder angesprochen. Es ging ihm wahrscheinlich mit jenem alten Brauer Ross oder der Brauerei Ross, das schon ziemlich abgezehrt war, schon ein Klepper. Und er musste täglich noch seine Runden drehen, und am Schluss jeden Tages konnte der arme Gaul nicht mehr, da nützten auch keine Zückerlein etwas. Der Kutscher flüsterte dem Pferd ins Ohr: Jetzt geht’s heim! Und dann ging wie ein Ruck durch diesen Klepper, und dann kommt er wieder, denn er wusste: Bald heim in den Stall, wo es Hafer gibt und wo ich ruhen kann.
Es geht heim, Geschwister, es geht heim. Das ist unsere wunderbare, unsere glückselige Hoffnung.

