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Katholischer Glaube - einfach erklärt

Was glauben Katholiken?
09.07.2021
Was ist katholischer Glaube - einfach erklärt? - und was ist der Unterschied zwischen Katholisch und Evangelisch? Hier geht es also um die Katholische Kirche und auch deren Missbräuche. Einige wollten wissen, ob Katholizismus Christentum oder Heidentum ist, aber so einfach ist das nicht ...

Einführung und Überblick zur Bibel-Community

Um Nachfolge zu verstehen, mach dich Hashtag Bibelfit. Heute machen wir etwas ganz Besonderes. Du kannst endlich die Früchte von etwas ernten, woran viele aus dieser Community hier und ich seit Wochen zusammengearbeitet haben.

Es geht um einen schnellen, praktischen Überblick darüber, was die großen Gruppen von Christen in Deutschland glauben, welche Glaubensrichtungen es gibt und wie diese Konfessionen kurz erklärt werden. Das heißt, wir schauen uns an, was ihre Autoritäten sind – also Dinge, die sie wertschätzen und solche, die sie weniger schätzen. Außerdem betrachten wir, was viele Gläubige dort über die Bibel denken und wie sie mit ihrer Bibel umgehen.

Weiterhin erfährst du, was sie über Jesus denken und fühlen, wie ihr Glaube im Alltag aussieht und woran du das erkennen kannst. Wir sprechen auch darüber, was sie darüber denken, anderen Menschen von ihrem Glauben weiterzuerzählen.

Am Schluss gehen du und ich kurz, aber ehrlich auf die echten Gefahren ein, die es bei jeder Konfession gibt. Wir werden den Finger in die Wunde legen, denn nur wenn wir Dinge ehrlich aussprechen und sehen, können wir als Christen diese Probleme angehen und wirklich besser werden.

Deshalb schau dieses Video bis zum Ende. Am Ende gehen wir auf diese Themen ein, und du kannst dir das Material auch herunterladen und weitergeben. Zum Abschluss beenden wir diesen Input mit dem schlechten Witz der Woche.

Bevor wir starten, kannst du ganz kurz der Community hier helfen, damit solche christlichen Inhalte in sozialen Medien nicht verborgen bleiben. Bist du gerade auf Instagram, dann doppeltippe doch mal rasch auf dein Handy. Und bist du auf YouTube, wissen viele Leute nicht, dass du, indem du die Glocke unter diesem Video drückst, YouTube ein Signal gibst. So zeigt YouTube auch nichtchristlichen Nutzern mehr christliche Inhalte an, die sie ansprechen können.

Ziemlich gut, oder? Also drück doch mal kurz die Glocke – das hilft mehr, als du denkst. Vielen Dank.

Hintergrund zur Community und Entstehung der Übersicht

Wir gehen nun gemeinsam diesen Überblick über die Konfessionen durch. Er ist kostenlos über den Link unter diesem Video verfügbar, dazu gleich mehr.

Dieser Überblick entstand aus dem Austausch mit der Community hier. Zum Hintergrund: Ich habe das große Privileg, Teil dieser Online-Community zu sein, die aus Christen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz besteht. Über Instagram und YouTube sprechen wir miteinander. Derzeit sind es über elftausend Christen, Tendenz steigend. Dazu kommen noch einmal etwa doppelt so viele auf Facebook. Ob das repräsentativ ist oder nicht, müssen andere beurteilen.

Ich kann jedoch sagen, dass ich im wöchentlichen Austausch mit euch bin und mehrere hundert Nachrichten pro Monat erhalte. Viele, die hier schreiben, sind neu im Glauben und suchen Orientierung. Andere sind seit Jahren oder Jahrzehnten Christen, sei es in Freikirchen, evangelischen Landeskirchen oder der römisch-katholischen Kirche.

In den vergangenen Wochen habe ich Umfragen in dieser Community durchgeführt. Vielleicht erinnerst du dich daran – sie wurden von Tausenden hier gesehen. Mit mehreren Hundert von euch habe ich zusammengearbeitet, um diese Übersicht zu erstellen, die du hier kostenlos über den Link in der Videobeschreibung herunterladen kannst.

Du kannst sie für deine Jugendstunden, für den Rallyeunterricht oder einfach zur eigenen Orientierung und zum Überblick nutzen. Dazu gleich mehr.

Vorgehensweise und persönliche Einordnung

Jetzt wollen wir endlich ins Thema starten. Deshalb überspringe ich mal diese ganzen selbstverständlichen Disclaimer: dass das alles jetzt extrem stark vereinfacht ist, dass es ums Praktische hier und jetzt geht, nicht um irgendwelche historischen großen Hintergründe, dass man das differenziert betrachten muss und dass das alles von jedem Christen und in jeder Gemeinde etwas anders ausgelebt wird, dass ich das alles durch meine eigene subjektive Brille sehe und bewerte usw.

All das ist ja logisch und findest du auch in der Übersicht. Deshalb sage ich jetzt nicht bei jedem zweiten Satz, es kommt immer darauf an, weil wir sonst nie zu Potte kommen. Ich blende das jetzt auch nicht dauerhaft ein, weil das wäre irgendwie albern.

Das heißt, ich gehe auch auf meine persönliche Geschichte mit dieser Konfession ein, um meine eigene Voreingenommenheit für dich transparent zu machen. Denn ich bin voreingenommen, ich habe eine sehr deutliche Position, und das will ich gar nicht verheimlichen. Ich kann also nicht versprechen, dass es dir gefällt, aber ich verspreche, ehrlich zu sein.

Also, ich habe der Community im Lauf der letzten Wochen ein paar Fragen gestellt und dann aus aberhundert Antworten ganz subjektiv ein paar Best-of-Antworten ausgewählt, die am besten auf den Punkt bringen, worum es in dieser Glaubensrichtung geht.

So, und jetzt legen wir los und gucken uns bei der heutigen Konfession an: Wer oder was hat eigentlich das Sagen? Was viele Gläubige da über die Bibel denken und wie sie mit ihrer Bibel umgehen, was sie über Jesus denken und fühlen, wie ihr Glaube im Alltag aussieht und woran du das erkennen kannst.

Was denken sie darüber, anderen von ihrem Glauben zu erzählen? Und am Schluss gehen du und ich gleich ausführlich und ehrlich auf die echten Gefahren hierbei ein.

Persönliche Sympathien und erste Einschätzung zum Katholizismus

Okay, zur römisch-katholischen Kirche, also zu meiner Voreingenommenheit: Ich persönlich habe viele Sympathien für den Katholizismus. Das klingt jetzt vielleicht seltsam angesichts der sachlichen Kritik, die ich gleich anbringen werde. Deshalb möchte ich das kurz begründen.

Weißt du, abgesehen von positiven biografischen Erlebnissen, die ich selbst gemacht habe, denk mal ganz kurz darüber nach – jetzt mal for real: Stell dir einfach vor, es kommen Marsmenschen, die es nicht gibt, und landen hier auf der Erde. Sie wollen sich ein Bild davon machen, was eigentlich das Christentum ist und wie das Christentum aussieht. Die würden mit sehr großer Wahrscheinlichkeit zu dem Schluss kommen: Aha, das muss wahrscheinlich einfach die römisch-katholische Kirche sein.

Die römisch-katholische Kirche ist die zahlenmäßig größte Organisation der Welt. Sie hat es wirklich geschafft – das musst du dir erst mal auf der Zunge zergehen lassen – im einundzwanzigsten Jahrhundert eine weitgehende Einheitlichkeit, eine weitgehende Corporate Identity, wenn du so willst, zu wahren. Trotz allem, was in der Vergangenheit und Gegenwart schief lief und läuft, trotz aller „Übel“, steht die Kirche heute im einundzwanzigsten Jahrhundert da.

Und sie rettet mit ihrer Diakonie und den sozialen Missionen buchstäblich jeden Tag Menschenleben. Das wollen wir auch immer anerkennen. Und auch wenn du persönlich mit den Ergebnissen der römisch-katholischen Kirche nicht immer einverstanden bist – ich bin es auch nicht – ist trotzdem spürbar, dass es ein echtes Ringen darum gibt, wie sie die Grundlagen ihres Glaubens mit der Welt da draußen zusammenbringen können und wollen.

Eigene theologische Erfahrungen mit dem Katholizismus

Als ich persönlich viele Jahre meines Lebens evangelische Theologie studiert habe, besuchte ich deutlich weniger Lehrveranstaltungen an der katholischen Fakultät, als ich eigentlich wollte. Mein Privatleben war ein völliges Chaos, wie ich im vorletzten Buch beschrieben habe. Zudem funktionierte das Pendeln zur katholischen Fakultät, also das Hin- und Herfahren, in der Praxis einfach nicht gut.

Was ich stattdessen tat, war katholische Literatur zu lesen – nicht Kitschromane, sondern Lehrbücher der katholischen Theologie. Ich las diese von vorne bis hinten, dann das nächste Buch, und das im Dutzenderpack. Das geschah über Jahre hinweg zusätzlich zu meinem normalen Lesepensum.

Das bedeutet, eine ganze Reihe der Bücher, die du hier hinter mir im Regal siehst – in dem Regal, in dem da unten und da vorne usw. – sind tatsächlich katholische Fachbücher. Falls du ein katholischer Doktorand wärst und dich in diesem Zimmer aufhalten würdest, würdest du dich sehr wohl fühlen.

Zum einen hat mich das persönlich massiv interessiert. Zum anderen habe ich dadurch erst so richtig klar meine eigene Konfession verstanden. Warum? Weil ich Gemeinsamkeiten und Unterschiede zum Katholizismus deutlicher und klarer sehen konnte.

Zum Dritten hatte ich damals selbst fest vor, in katholischer Konziliengeschichte zu promovieren und meine Doktorarbeit zu schreiben. Für religionsphilosophische Untersuchungen zu dieser Konziliengeschichte erhielt ich damals meinen ersten bundesweiten Forschungspreis.

Katholische Theologie, Geschichte und Gegenwart waren also damals ein großes Steckenpferd von mir. Gerade deswegen sind mir die Kritikpunkte auch so deutlich vor Augen, dazu gleich mehr.

Nur eine Sache: In manchen christlichen Kreisen ist das Wort „Katholik“ manchmal regelrecht zum Schimpfwort geworden. Ich glaube, das geht gar nicht. Das ist etwas, was wir als Christen uns wirklich massiv abgewöhnen sollten.

Autoritäten im Katholizismus: Bibel und Tradition

Autoritäten, also die Frage, wer oder was eigentlich das Sagen hat, ist tatsächlich die Knackfrage im Katholizismus. Beginnen wir also damit, jetzt tief durchatmen.

Einmal gibt es im Katholizismus natürlich die Bibel. Allerdings ist das möglicherweise eine andere Bibel, als du sie kennst. Denn die Bibel in der römisch-katholischen Kirche hat einen anderen Umfang. Sie ist deutlich dicker als die Bibel zum Beispiel in der evangelischen Landeskirche und mit Sicherheit in den meisten evangelischen Freikirchen. Das ist also ein Thema für sich, auf das wir gleich noch zurückkommen.

Mindestens neben der Bibel gibt es auch die römisch-katholische Überlieferung, die römisch-katholische Tradition, das sogenannte Depositum Fidei. Diese wird mindestens gleichwertig mit der Bibel angesehen. Das heißt, und das ist jetzt ernst gemeint, ich begründe das gleich: Wenn die Bibel das eine sagen würde und die als gültig anerkannte römische Überlieferung etwas anderes, dann würde man sich im Katholizismus an die Überlieferung halten – über der Bibel.

Jetzt denkst du vielleicht: Tief durchatmen, das ist ein wichtiges Thema. Hysterie hilft jetzt nicht, sondern wir brauchen einen kühlen Kopf. Also pass auf: Nachdem Martin Luther, Melanchthon und die anderen Reformatoren vor 500 Jahren die europäische Geisteslandschaft für immer verändert hatten, musste die römische Kirche damals irgendeine Antwort darauf finden.

Das haben sie schließlich getan, als sie das einberufen haben, was wir heute kennen als das Konzil von Trient. Das Konzil von Trient war eine Zusammenkunft von Bischöfen in der norditalienischen Stadt Trient. Übrigens ist Trient eine superschöne Stadt – falls du da mal Pause machen kannst, gibt es dort richtig leckere Donuts, wie auch immer.

Das ist eine sehr, sehr wichtige Sache. Dieses Konzil von Trient zählt zu den Top 30 einflussreichsten und folgenschwersten Momenten der Weltgeschichte. Was hier passiert ist, ist mein Ernst: Die römische Kirche hat festgelegt, wie sie ab dann sein möchte, was sie für wahr hält, was sie für falsch hält und wie sich die Gläubigen und Angehörigen der römischen Kirche zu verhalten haben.

Klar, du und ich könnten jetzt noch bis nachts um drei diskutieren, ob davon nicht einiges später im Zweiten Vatikanum relativiert wurde. Aber der Punkt ist: Die Entscheidungen, die dort getroffen wurden, haben das Leben von Abermillionen und Milliarden Menschen für Jahrhunderte bis heute beeinflusst – zum Guten wie zum Schlechten. Vom ewigen Schicksal der Menschen ganz zu schweigen.

Das ist also eine ganz große Sache. Wenn du heute wissen willst, was der römische Katholizismus lehrt, dann kommst du an zwei Büchern nicht vorbei.

Das eine ist hier der sogenannte Denzinger, manchmal abgekürzt mit D-H. Das ist das Kompendium der Glaubensbekenntnisse und kirchlichen Lehrentscheidungen. Darin sind ganz frühe antike Texte enthalten, die teilweise auf Griechisch und Deutsch nebeneinander stehen. Hier haben wir mal so ein Beispiel.

Dann sind natürlich viele Texte aus späteren Konzilien dabei, außerdem Texte von Päpsten oder Bischöfen von Rom, manche Edikte, Rundbriefe usw. usf. Das ist nun das eine.

Daneben gibt es noch ganz praktisch für die Westentasche den sogenannten "Katholizismus der katholischen Kirche". Der ist deutlich kleiner und nicht so wissenschaftlich. Dort stehen keine riesigen Wörter in anderen Sprachen, jetzt mal vereinfacht gesprochen. Dieses Buch nimmt die wichtigsten Texte aus dem Denzinger heraus, also die wichtigsten Texte, die heute gültig sind, und erklärt noch ein bisschen was drumherum sozusagen.

Das heißt, das ist das Buch für die Westentasche, die Grundlage, die wissenschaftliche Grundlage, das, was heute unbedingt gilt.

Das bedeutet also, dass die römische Kirche zwei Quellen anerkennt, aus denen sie denkt, dass Gott durch sie zu uns spricht. Das ist einmal die Bibel selbst, mit Jesus darin, und einmal die Institution der römischen Kirche selbst.

Um fair zu bleiben, sagen sie: „Obwohl die Offenbarung abgeschlossen ist, das heißt, obwohl das, was Gott der Menschheit mitteilen wollte, abgeschlossen ist, ist ihr Inhalt nicht vollständig ausgeschöpft.“ Aber das kommt auf dasselbe hinaus.

Das würde jetzt zu weit führen, weil das mit dem leider unhistorischen Mythos der sogenannten apostolischen Sukzession zu tun hat. Dieser Mythos besagt, dass die zwölf Apostel von Jesus persönlich die ersten Gemeindeleiter in der Christenheit eingesetzt hätten. Dass sie damals schon als Bischöfe für eine spätere Weltkirche gedacht waren und dass angeblich seitdem diese ersten Gemeindeleiter alle späteren Gemeindeleiter eingesetzt hätten, die wiederum andere eingesetzt haben – und so weiter, ohne Unterbrechung bis zu den heutigen römisch-katholischen Bischöfen und natürlich ganz wichtig bis zum Bischof von Rom, den du heute als Papst kennst.

Das ist leider Geschichtsverfälschung, tut mir leid. Aber darum geht es gerade nicht.

Der entscheidende Punkt ist, was die römische Kirche zu dieser Überlieferung behauptet, also zu dem, was Jesus sozusagen den Aposteln gesagt hat, was aber nicht in der Bibel steht und heute weitergegeben wird. Also das, was die Kirche früher selbst und heute sagt.

Hören wir rein: „Die heilige Überlieferung, das ist das, worum es jetzt geht, also das, was Gott angeblich der Menschheit sagt, was nicht in der Bibel steht, sondern was Gott der katholischen Kirche und durch die katholische Kirche sagt. Die heilige Überlieferung gibt das Wort Gottes, das von Christus dem Herrn und vom Heiligen Geist den Aposteln anvertraut wurde, unversehrt an deren Nachfolger weiter.“

Es heißt weiter: „Damit sind beide mit dem gleichen Gefühl der Dankbarkeit und dem gleichen Gefühl der Ehrfurcht anzunehmen und zu verehren, die Bibel und die katholische Tradition.“ Das wäre beides.

Hier heißt es dann in der katholischen Tradition: Beide sind mit dem gleichen Gefühl der Dankbarkeit und der gleichen Ehrfurcht anzunehmen und zu verehren.

Dann heißt es weiter: „Die heilige Überlieferung und die heilige Schrift bilden die eine der Kirche anvertraute heilige Hinterlassenschaft des Wortes Gottes.“ Heilige Hinterlassenschaft steht im lateinischen Text als „Depositum fidei“. Damit ist gemeint, was Gottes Offenbarung ist, die nicht in der Bibel steht.

Merkst du was? Die Idee dahinter ist einfach, dass es angeblich Glaubenswahrheiten gibt, die nicht in der Bibel stehen. Weil Jesus sie angeblich nur den Aposteln anvertraut hat und die Apostel das heimlich den Gemeindeleitern weitergegeben haben, die ihren Nachfolgern bis heute.

Hören wir rein, was es dazu heißt: „Wir glauben“, heißt es dort, „dass diese Wahrheit und Lehre, also überhaupt Glaubenswahrheiten, in geschriebenen Büchern – damit ist die Bibel gemeint – und in ungeschriebenen Überlieferungen enthalten sind, die von den Aposteln aus dem Munde Christi selbst empfangen oder von den Aposteln selbst auf Diktat des Heiligen Geistes gleichsam von Hand zu Hand weitergegeben bis auf uns gekommen sind.“

Also gibt es laut katholischer Lehre eine nicht niedergeschriebene Bibel, die aber genauso, mindestens genauso verbal inspiriert wäre wie unsere Bibel.

Dann geht es weiter: Das Konzil folgt dem Beispiel der rechtgläubigen Väter und nimmt an und verehrt mit dem gleichen Gefühl der Dankbarkeit und der gleichen Ehrfurcht – was wir gerade schon hatten – alle Bücher sowohl des Alten als auch des Neuen Testaments, da der eine Gott Urheber von beiden ist.

Sowie, und jetzt kommt der entscheidende Satz, einer der wichtigsten Sätze der Menschheitsgeschichte, auch die Überlieferungen, also das Depositum fidei, die Tradition, das, was unausgesprochen ist, was nicht in der Bibel steht, sowohl die, welche zum Glauben als auch die, welche zu den Sitten gehören, als entweder wörtlich von Christus oder vom Heiligen Geist diktiert und in beständiger Folge in der katholischen Kirche bewahrt.

Der eine oder andere, der das jetzt mit dir zusammen hört, wird Schnappatmung kriegen. Bleib mal ganz cool.

Das, was wir gerade gelesen haben, ist leider eine unhistorische Behauptung. Es gibt herzlich wenig Gründe, davon auszugehen, dass das so stimmt.

Aber wenn es stimmen würde und wenn Gott wirklich auf diese zwei Weisen mit der Menschheit sprechen würde und das im Zweifelsfall in der römisch-katholischen Kirche bewahrt wäre und nur dort, dann will ich mal kurz die Lanze dafür brechen: Da ist schon eine gewisse Logik dahinter.

Guck mal, was das heißt: „Wir verehren mit dem gleichen Gefühl der Dankbarkeit und der gleichen Ehrfurcht alle Bücher der Bibel sowie auch die Überlieferungen als entweder wörtlich von Christus oder vom Heiligen Geist diktiert und in beständiger Folge in der katholischen Kirche bewahrt.“

Wenn du dich also wirklich darauf einlässt – und das ist einer der wichtigsten Sätze der Menschheitsgeschichte – wenn du dich wirklich darauf einlassen würdest, dann ergibt eine unglaubliche Menge von Dingen im Katholizismus auf einmal enorm Sinn.

Du hättest ein ganz anderes Mitgefühl und eine ganz andere Empathie für viele Probleme unserer katholischen Freunde.

Weitere Autoritäten und die Rolle des Papstes

In der Praxis gibt es eine weitere, dritte Autorität: die römische Kurie. Diese sieht man manchmal in YouTube-Dokumentationen und ähnlichen Formaten. Die Kurie ist der Machtapparat, der dem Papst vorsteht.

Der Papst gilt als die oberste irdische Autorität und als Stellvertreter Gottes auf Erden. Das ist die grundlegende Überlegung dahinter.

Wo steht das? In der Überlieferung.

Katholische Sicht auf die Bibel und deren Auslegung

Viele katholische Kirchenchristen denken, dass die Bibel einer von zwei Wegen ist, auf denen Gott sich bindend mitteilt. Das bedeutet, dass das, was in der Bibel steht, durch die Überlieferung ausgelegt werden muss. Damit ist die Bibel de facto der kirchlichen Autorität unterstellt. Denn wenn die kirchliche Autorität das letzte Wort hat, ist das klar.

Es heißt dazu, dass die Aufgabe, das geschriebene oder überlieferte Wort Gottes authentisch auszulegen – also damit auch die Bibel – allein dem kirchlichen Lehramt der Kirche anvertraut ist. Dessen Vollmacht wird im Namen Jesu Christi ausgeübt. Das bedeutet, nur das kirchliche Lehramt, also die Kurie, der römisch-katholische Machtapparat, hat die Autorität und die Macht, die Bibel gültig auszulegen. Das heißt, was sie sagen, was in der Bibel steht, gilt dann auch und steht in der Bibel.

Dazu ergänzt noch einmal der Katechismus: Die Aufgabe, das geschriebene oder überlieferte Wort Gottes authentisch auszulegen, ist allein dem lebendigen Lehramt der Kirche anvertraut. Das heißt den Bischöfen in Gemeinschaft mit dem Nachfolger Petri, dem Bischof von Rom, dem Papst.

Damit ist noch einmal ganz deutlich klar: Es sind die Bischöfe in Gemeinschaft mit dem Bischof von Rom. Weil Gott heute angeblich hauptsächlich mit der römischen Kirche sprechen würde, die angeblich Gottes wahre Stellvertretung auf Erden ist, kann angeblich nur die römische Kirche sagen, was richtig und falsch ist. Sie soll angeblich das letzte Wort bei der Bibelauslegung haben.

Nochmal: Ich sage nicht, dass das stimmt, und ich denke nicht, dass es stimmt, weil es nachweislich auf widerlegten Dingen aufbaut. Aber ich sage, dass es in sich gesprochen irgendwie logisch ist.

Unterschiede in der Bibel und Umgang mit der Bibel

Das eine ist also, dass katholische Christen eine andere Bibel haben als die meisten anderen Christen auf der Welt. Die meisten christlichen Bibeln bestehen aus 66 Büchern, während die römisch-katholische Bibel aus 73 Büchern besteht.

Eine normale evangelische, freikirchliche oder auch die meisten Bibeln weltweit umfassen 189 Kapitel. Die römisch-katholische Bibel hingegen hat mehrere hundert Seiten mehr. Auch das wurde im Konzil von Trient festgelegt.

Das andere ist, dass die Bibel unterschiedlich stark gelesen wird und häufig auch gar nicht. Ich möchte dazu etwas sagen. Ich halte das für einen großen Fehler.

Klar, dieser Kanal hier heißt „Mach dich Hashtag Bibelfilm“, was hast du denn sonst erwartet? Aber es hat eine gewisse Logik. Weißt du, wenn die Bibel nur bruchstückhaft abbilden würde, was Gott sagt – und mal ganz ehrlich: Der Denzinger und auch der Katechismus der katholischen Kirche sind ja sowieso umfangreicher als die Bibel –, und am Ende sowieso das gilt, was die Kurie sagt, warum soll ich mich dann als Gläubiger so stark auf die Bibel fixieren? Weißt du, was ich meine?

Viele haben hier das Hauptproblem der römisch-katholischen Lehre identifiziert, und dem stimme ich in großem Teil zu: In der römisch-katholischen Theologie wird häufig so viel zur Botschaft hinzugefügt, dass sie überlagert wird. Während in der evangelischen liberalen Theologie im Gegenteil oft so viel weggenommen wird, dass wesentliche Bestandteile gar nicht mehr da sind.

Mehr zur evangelischen Kirche und den evangelischen Landeskirchen gibt es in drei Wochen. Drücke dazu einfach gern die Glocke unter diesem Video, dann wird dir das auch angezeigt.

Katholische Sicht auf Jesus und Maria

Was denken viele katholische Kirchenchristen über Jesus? Das ist kompliziert.

In der katholischen Theologie liegt der Fokus stärker auf der Göttlichkeit Jesu. Jesus wird hauptsächlich als Gott gesehen. Dabei geht es mehr darum, wie Jesus als Gott ist. Das ist wichtiger als sein historisches Auftreten und was Jesus tatsächlich in der Realität mit seiner Rede und seinem Wirken auf diesem Planeten bewirkt hat.

Häufig wird Jesus ein großes Thema zugeschrieben, nämlich seine Mutter Maria. Ihr wird oft eine besondere Rolle zur Seite gestellt. Maria wird dabei häufig als Trägerin positiver menschlicher Eigenschaften gesehen. Das bedeutet, Jesus wird oft mit seinen göttlichen Attributen dargestellt und erscheint vielen unerreichbar. Er ist sozusagen der jenseitige Gott im Himmel.

Maria hingegen wird als menschlich wahrgenommen. Mit ihr können sich viele Menschen eher identifizieren. Dadurch entsteht eine Bindung zu ihr. In der katholischen Theologie ist das ein sehr feiner Unterschied, aber in der Realität wird Maria oft tatsächlich verehrt.

Manchmal wird Maria sogar angebetet. Falls Interesse besteht, kann ich gerne ein Video nur über die Marienverehrung machen. Dann einfach die Glocke klicken und einen Kommentar unter diesem Video schreiben. Das mache ich sehr gerne.

Auch wenn die Marienverehrung aus theologischer Sicht falsch ist, haben viele Katholiken in der Community selbst gesagt, dass die Hintergründe hinter der Marienverehrung deutlich spektakulärer sind, als man vielleicht denkt.

Alltag und Rituale im katholischen Glauben

Wie viele katholische Christen ihr Christsein im Alltag leben, hängt stark von den Traditionen der jeweiligen Umgebung ab und davon, wie intensiv diese gelebt werden.

Dazu gehören zum Beispiel bestimmte Liturgien, also festgelegte Gottesdienstabläufe, bestimmte Hymnen und ähnliche Elemente. Auch feste Gebetsrituale wie der Rosenkranz oder das Ave Maria spielen eine Rolle. Ebenso ist die Teilnahme an der Beichte ein wichtiger Bestandteil.

Häufig spielt auch die Heiligenverehrung eine Rolle, die je nach Landstrich unterschiedlich stark ausgeprägt ist. Zudem variiert die Bindung an die Institution Kirche selbst sowie an deren Repräsentanten je nach Region.

Übertritte zum Katholizismus, also wenn sich ein Mensch entscheidet, katholisch zu werden, kommen sehr selten vor. Es ist äußerst ungewöhnlich, dass ein Atheist einfach Christ wird und dann ausgerechnet katholisch wird.

Das bedeutet, dass der katholische Glaube meist durch das Umfeld und durch Rituale in der Kindheit vermittelt wird. Man wird in der Regel in eine katholische Familie hineingeboren, und der Glaube wird auf diese Weise weitergegeben.

Weitergabe des Glaubens und Missionsverständnis

Was denken viele katholische Christen darüber, anderen von ihrem Glauben weiterzuerzählen?

Ich persönlich erinnere mich an ein Interview mit einem großen katholischen Radiosender, das schon eine Weile zurückliegt. Im Vorgespräch, bevor wir auf Sendung gingen, fragte mich die Moderatorin: „Herr Voss, warum glauben Sie eigentlich, dass es so wichtig ist, anderen Menschen vom Glauben weiterzuerzählen?“

Ich dachte dabei: Das ist jetzt für viele Leute hier sicherlich ähnlich. Für mich war die Frage so offensichtlich, dass ich erst einmal wirklich überlegen musste, wie ich darauf antworten sollte. Das war wirklich ein ganz, ganz großes Thema für mich.

Im Nachgang habe ich viel über diese Frage nachgedacht. Viele von euch, die katholisch sind und hier in dieser Community schreiben, haben Ähnliches beobachtet.

Viele Katholiken – und es gibt sicherlich eine Menge Ausnahmen – scheinen im 21. Jahrhundert in Mitteleuropa oft zu denken, dass es unnötig ist, anderen von ihrem Glauben zu erzählen. Der Katholizismus ist ja sowieso irgendwie allgegenwärtig. Man wird katholisch durch die Familie. Warum sollte man das überhaupt tun? Das erscheint vielen überflüssig.

Das heißt, ganz häufig wird Mission, Aktivismus und das Weitergeben des Glaubens als unnötig angesehen.

Echte Gefahren und Herausforderungen in der römisch-katholischen Kirche

Und damit kommen wir zum abschließenden Teil, auf den viele Leute hier gewartet haben: Was sind die Gefahren in der römisch-katholischen Kirche?

Ein gewisses elitäres Denken ist vorhanden, bei dem man selbst glaubt, die Gemeinschaft zu sein, die der Wahrheit am nächsten ist. Gleichzeitig denkt man, dass andere Gemeinschaften etwas besser machen müssten. Dieses Phänomen gibt es in jeder Gemeinschaft. Das können wir aus der Gleichung herausnehmen. Ich selbst bin davon keineswegs frei und möchte das auch nicht verheimlichen.

Was die römisch-katholische Kirche aber ganz besonders betrifft, sind strukturelle Probleme, und zwar folgendes: Erstens sexuelle und emotionale Missbrauchsfälle von Schutzbefohlenen. Damit du ein Gefühl für die Größenordnungen bekommst: Allein die Liste der Bistümer – nicht der Einzelfälle, sondern der Bistümer, in denen sexueller Missbrauch in Deutschland in den letzten Jahrzehnten vorkam – passt nicht auf eine A4-Seite. Diese Liste wurde erst letzte Woche mal wieder ergänzt.

Das heißt, im deutschen Katholizismus, im Katholizismus in Mitteleuropa, haben wir ein absolut flächendeckendes Problem schwerster Kriminalität. Die katholische Kirche selbst gibt in einem halbherzigen Statement zu, dass bis zu einer von zwanzig Priestern nach ihrem Kenntnisstand pädophil tätig war oder ist. Das bedeutet, dass diese Priester sexuelle Erfahrungen mit Minderjährigen hatten oder haben – ohne Dunkelziffer.

Eine spätere Studie, die das beschwichtigen sollte und behauptete, dass nicht mehr als einer von zwanzig Priestern betroffen sei, stellte sich später als von der katholischen Kirche bezahlt heraus. Zudem basierte sie auf freiwilligen Eigenangaben der katholischen Kirche.

Da sehr viele katholische Priester in sogenannten Entwicklungsländern tätig sind, wo das Machtgefälle zwischen Amtsträgern und Laien – also denjenigen, die kein Amt in der Kirche innehaben – noch viel stärker ist als bei uns, und wo Verbrechen noch viel leichter zu verbergen sind, befürchten viele Experten eine katastrophale Dunkelziffer. Diese könnte weltweit deutlich über einem von zwanzig Priestern liegen.

In der Vergangenheit hat die katholische Kirche eine Art Paralleljustiz eingerichtet. Das heißt, sie hat Fälle sexuellen Missbrauchs nicht zur Anzeige gebracht, sondern aktiv vertuscht. Es gab Strafvereitelung, Justizbehinderung und Täter wurden geschützt. Nachweislich Täter wurden wieder in ähnliche Situationen eingesetzt, in denen sie Schutzbefohlene erreichen konnten. Oft planten und führten Kollegen diese Straftaten gemeinsam durch, häufig auch Vorgesetzte mit Untergebenen.

Es tut mir leid, aber das ist schlicht organisiertes Verbrechen.

Wenn ich eine abschließende persönliche Bemerkung machen darf, die ich nicht verstehe, dann ist es Folgendes: Du hast eine Organisation in Deutschland, deren Mitarbeiter größtenteils unschuldige oder schuldig handelnde Bürger sind, wie alle anderen auch. Diese Organisation hat aber eine jahrzehntelange Vorgeschichte von schweren Verbrechen gegen die Menschheit. Bis in die jüngste Zeit ist sie flächendeckend in organisierte Kriminalität mit Abertausenden von Fällen verwickelt.

Was immer die Ursache dafür ist: Bei jeder anderen Organisation, Partei oder Firma, die eine derart enorme Prävalenz für flächendeckende organisierte Kriminalität aufweist, hätte man längst versucht, Spitzel und V-Männer einzuschleusen. Ziel wäre es, die wenigen Gewalttäter so früh wie möglich zu identifizieren, zu isolieren und der Sache auf den Grund zu gehen.

Mein Wissen hierzu ist unvollständig, und ich gebe zu, dass das nicht mein Spezialthema ist. Aber hast du schon einmal von einem einzigen Fall gehört, in dem versucht wurde, Spitzel oder V-Männer in katholische Kinderheime, katholische Orden oder katholische Schulen einzuschleusen, um diesen Missbrauch aufzuklären?

Ich verstehe es nicht. Warum haben wir Hunderte von V-Männern in der kleinen Partei NPD? Warum gibt es Dutzende von Spitzeln bei der albanischen Mafia und den Hells Angels? Aber scheinbar, wenn du es besser weißt, dann sag es mir gerne in den Kommentaren, gibt es keinen einzigen Undercover-Ermittler, der in solche Hotspots von Kindsmissbrauch eingeschleust wurde.

Ich verstehe es nicht.

Weitere strukturelle Probleme und Kritikpunkte

Gefahr zwei, die ihr seht, ist ein großer Problemfall: die Kleriker, also die Personen in Amt und Würden der römisch-katholischen Kirche, haben außerhalb ihres Standes häufig keine richtigen Kontrollstrukturen. Es gibt oft keine externen Kontrollinstanzen.

In Demokratien wie Deutschland gibt es beispielsweise die Gewaltenteilung – Judikative, Legislative, Exekutive –, die sich gegenseitig kontrollieren. Das ist etwas, das in vielen Hierarchiestufen der römisch-katholischen Kirche massiv ausbaufähig ist.

Drittens haben viele von euch geschrieben – und hier könnte man auf zahlreiche Beispiele eingehen, die ich aber überspringe. Schreibt gerne Kommentare, wenn ihr etwas beitragen möchtet – dass es in weiten Teilen der katholischen Kirche eine überzeichnete Autoritätshörigkeit gibt. Das bedeutet, dass man sehr folgsam gegenüber Obrigkeiten ist. Dies begünstigt oder verschlimmert natürlich die Probleme mit den Kontrollstrukturen und die Missbrauchsfälle.

Viertens, unabhängig von der Kriminalität: Wir haben hier nicht nur mit Korruption zu tun, sondern auch mit Günstlingswirtschaft, die in vielen Fällen in der römischen Kurie vorherrscht. Das heißt, wer wem einen Gefallen schuldet, eine Hand wäscht die andere usw. Dazu kommt schlicht und einfach Missmanagement. Man muss festhalten, dass die römisch-katholische Kirche in sehr weiten Bereichen, besonders auf den oberen Managementebenen, schlecht und ineffizient geführt wird.

Das ist ein Problem, das wie eine Wellenbewegung Auswirkungen auf alle anderen Bereiche hat. Dieses Phänomen kann man auch bei jedem DAX-Konzern beobachten. Also, schwierig.

Das Fünfte, was ihr angesprochen habt, betrifft berechtigte Fragen zur Kritikfähigkeit, Reformbereitschaft und zum Bezug zur Lebensrealität der Mitglieder der katholischen Kirche. Ihr habt immer wieder gefragt, inwieweit die katholische Kirche und ihre oberen Hierarchieebenen kritikfähig sind und bereit, Kritik anzunehmen.

Ich würde ergänzen: Inwieweit kommt Kritik überhaupt bis zu den oberen römischen Hierarchieebenen durch? Wie bei vielen mächtigen Institutionen, Staatslenkern oder Konzernchefs sind diese oft abgeschirmt und leben in einer Blase ohne richtigen Bezug zur Außenwelt. Das ist ein Problem.

Inwieweit ist die katholische Kirche reformbereit, auch in Fragen, die aus ihrer Sicht nicht heilsrelevant sind, sondern eher "nice to have"? Und inwieweit hat sie Bezug zur Lebenswelt ihrer Mitglieder?

Ein Beispiel: das Kondomverbot. Während Millionen Menschen in Südafrika, Botswana und Simbabwe an den Folgen des HIV-Virus sterben, bestand die katholische Kirche beziehungsweise die Kurie lange Zeit auf einem absoluten Kondomverbot. Dieses wurde zwar inzwischen etwas relativiert, aber jahrzehntelang war es unverrückbar.

Was glaubt ihr, was das zur Folge hatte? Aufgrund dieses Kondomverbots sind nicht nur deswegen, aber sicherlich begünstigt und verschlimmert, Abermillionen Menschen in diesen drei Ländern gestorben. Versteht mich richtig: Ich bin auch für Selbstbeherrschung, und auf biblischer Grundlage sollten Unverheiratete Enthaltsamkeit üben – das sage ich selbst als unverheirateter Mann.

Aber das Kondomverbot im Zusammenhang mit dem HI-Virus in Afrika, das jahrzehntelang unverändert blieb, hat die Situation massiv verschärft. Das ist völlig außer Kontrolle geraten.

Sechstens: In der katholischen Kirche kann es häufig zu einem Problemfall werden, wie sehr sie um eine zeitgemäße Form ringt. Dabei geht es nicht unbedingt um die Inhalte selbst, sondern eher darum, wie diese zeitgemäß ausgedrückt werden sollen.

Das wird je nach Leiter der jeweiligen Hierarchieebene und der jeweiligen Phase völlig unterschiedlich beantwortet.

Falls Interesse besteht, könnte ich ein Video zur Rolle der Frauen in der katholischen Kirche und zur Zölibatssache machen. Schreibt gerne Kommentare dazu, denn das Thema ist sehr umfangreich und würde für dieses Video zu viel sein.

Punkt sieben: Es gibt Personalmangel in der katholischen Kirche, vor allem in Mitteleuropa. Es gibt zu viele Stellen, die von zu wenigen Mitgliedern oder Priesteramtsanwärtern besetzt werden können.

Das führt dazu – wie man es vielleicht aus Firmen oder Institutionen kennt –, dass am Ende Leute eingestellt werden, die nicht gut qualifiziert sind. Wenn man einfach jeden einstellt, weil man an allen Ecken jemanden braucht, führt das dazu, dass man Personen einstellt, die man unter normalen Bedingungen nicht einstellen würde. Das hat Folgen für Jahre und Jahrzehnte.

Punkt acht: In der römisch-katholischen Kirche gibt es leider ein tiefgreifendes Imageproblem. Das ist ein ernstes Thema, das meiner Ansicht nach ernster genommen werden sollte, als es aktuell der Fall ist.

Dieses Problem resultiert aus der schwer kriminellen Vergangenheit der Kirche vom Mittelalter bis heute. Außerdem spielt die große Komplexität der Glaubensinhalte eine Rolle.

Allein die allerwichtigsten Glaubensinhalte sind im Katechismus der römisch-katholischen Kirche zusammengefasst. Dieses Buch hat etwa 700 Seiten und ist als Kurzfassung für die Westentasche gedacht.

Ohne Theologiestudium ist es schwer verständlich. Dort findet man Begriffe wie Professor Fidei, Valdensibus Prescripta, Weihe, Sakramente, sakramentale Gnade, Mysterium und viele weitere, die ein normaler Mensch kaum versteht.

Das ist nur die Kurzfassung. Vom umfangreicheren Denzinger, der mehr wiegt als die meisten Bibeln, ganz zu schweigen.

Auch die Rituale sind komplex. Allein die Frage, was in der Eucharistie, in der Firmung oder bei der Priesterweihe geschieht, welche Sakramente es gibt und warum, ist schwierig verständlich – selbst für die Mitglieder der Kirche, geschweige denn für Außenstehende.

Viele von euch in der Community haben geschrieben, dass ihr nicht wirklich wisst, was im Katholizismus eigentlich passiert, was die Glaubensinhalte sind und warum, und wie die Rituale funktionieren.

Ich glaube, das kann man niemandem zum Vorwurf machen. Für ein Gemeindemitglied ist das schon sehr schwer verständlich, für Außenstehende fast unmöglich.

Ich selbst als Theologe habe Jahre gebraucht, um die Basics zu verstehen, und es gibt immer noch viele Dinge im römischen Katholizismus, bei denen ich mich auf Glatteis begebe.

Das macht es nicht einfacher und trägt ebenfalls zum Imageproblem bei, weil niemand wirklich versteht, was die römisch-katholische Kirche tut und warum.

Es gibt einen großen Unterschied zwischen dem, was im Glauben gelebt wird, und dem, was bei der Gemeinschaft und der Gesellschaft ankommt. Das führt zu einer Art Entfremdung. Schwierig.

Mitgliederverlust und Ausblick

Und Punkt neun: Du hast es schon geahnt – jetzt kommt, was kommen muss. Das neunte große Problem in der römisch-katholischen Kirche in Deutschland ist der tägliche Mitgliederverlust.

Täglich verlieren die Gemeinden teilweise tausend, zweitausend oder sogar dreitausend Mitglieder. Ursache dafür ist vor allem die Überalterung. Viele römisch-katholische Kirchenmitglieder sterben einfach, ohne dass neue nachkommen.

Hinzu kommen natürlich die Kirchenskandale, die zusätzlich viele Menschen abschrecken.

All das zeigt deutlich: Es gibt eine Menge zu tun. Es gibt wirklich viel zu tun.

Abschluss und Ausblick auf weitere Inhalte

Ich erzähle euch noch den schlechten Witz der Woche, dann beenden wir dieses Video. Aber nimm dir gern vorher kostenlos mit, worüber wir die ganze Zeit gesprochen haben: die Übersicht über die großen christlichen Glaubensrichtungen in Deutschland. Diese Übersicht ist ein Gemeinschaftswerk von hunderten Menschen hier in dieser Community.

Eine ergänzende Anmerkung dazu: Was sowohl in dieser Videoreihe als auch in der Übersicht fehlt, sind die orthodoxen Christen in Deutschland. Wir überspringen sie nicht, weil sie zahlenmäßig unbedeutend wären – das sind sie keineswegs. Je nach Statistik sprechen wir hier von bis zu anderthalb Millionen Menschen in Deutschland.

Der Punkt ist aber, dass ich, Markus, derzeit einfach nicht genug Kenntnisse habe, um die Orthodoxie in Deutschland angemessen zu behandeln oder deine Fragen dazu hier in den Kommentaren oder im Video zu beantworten. Deshalb konzentriere ich mich auf die drei anderen großen christlichen Glaubensrichtungen: römisch-katholisch, evangelisch-landeskirchlich und evangelisch-freikirchlich. Zu diesen kann ich gerne deine Fragen unter diesem Video beantworten.

In jedem Fall danke ich den Hunderten, die hier mitgemacht haben. Dank euch kann ich das hier kostenfrei zur Verfügung stellen. Ein Dank geht auch an all die Spender, die das finanziell überhaupt erst ermöglicht haben. Deshalb kannst du dir das gern kostenlos mitnehmen. Klicke dafür einfach auf den Link hier unter diesem Input.

Ich erzähle jetzt noch den schlechten Witz der Woche. Schreibe aber gern unter diesem Video, was du aus diesem Input mitgenommen hast und was dir gerade im Kopf und auf dem Herzen liegt. Ich lese alles davon, auch wenn viele das eher nicht wissen.

Ich bin Markus Voss, und das war ein Input zum Nachfolgeverstehen – um auch Nachfolge zu leben und Nachfolge zu verteidigen. Mach dich Hashtag Bibelfit.

Dafür lade ich dich ein, jetzt zusammen mit den anderen diese schöne Glocke zu drücken. Damit kannst du deine konfessionsübergreifende Liebe ausdrücken. Und das ist ernst gemeint: Je mehr Nichtchristen in sozialen Medien christliche Inhalte angezeigt bekommen, die sie ansprechen können, desto besser.

Während du das tust, beenden wir jetzt das Video mit dem schlechten Witz der Woche.

Schluss mit dem schlechten Witz

Sagt ein katholischer Priester zum anderen: „Meinst du, wir werden das Ende des Zölibats noch erleben?“
Der andere antwortet: „Wir nicht, aber unsere Kinder vielleicht.“

Denk mal darüber nach.

Wir sehen uns im nächsten Input. Ich freue mich auf dich.