Serie•Teil 4 / 41. Timotheus
Generierte Mitschrift
Die nachfolgende Mitschrift wurde automatisch mit KI-Technologie erstellt und kann Fehler enthalten. Im Zweifel gilt das gesprochene Wort.
Rückblick auf das Gebet und die Ordnung in der Gemeinde
Gestern haben wir uns mit dem ersten Timotheusbrief, Kapitel 2, beschäftigt. Dabei ging es in erster Linie um das Beten. Paulus hat versucht, uns zu erklären, und natürlich auch dem Timotheus und der Gemeinde in Ephesus, wie wichtig das Gebet ist.
Es soll nicht nur irgendwann einmal so ein bisschen am Rande stattfinden, um damit eine Pflicht abzugelten. Vielmehr ist das Gebet etwas, das den ganzen Alltag durchziehen soll. Dabei wurde auch aufgezählt, dass es verschiedene Formen des Gebets geben kann und dass all diese Formen auch in unseren Gebeten vorkommen sollen. Das heißt: Bitte, Fürbitte, Dank und auch das Lob Gott gegenüber sollen darin enthalten sein.
Und wir sollen daran denken, nicht nur für uns selbst zu bitten, sondern für die ganze Welt. Insbesondere sagt Paulus dann, dass wir für diejenigen beten sollen, die an der Regierung beteiligt sind, von deren Leben wir ja auch abhängig sind, was das Irdische angeht. Da sollen wir Gott ganz besonders darum bitten, dass er diese Leute richtig führt. Denn deren Entscheidungen haben wieder Einfluss auf unser eigenes Leben und auch auf das Leben unserer Gemeinde.
Daran sollen wir immer wieder denken: an die wichtige Verantwortung, die wir haben. Dann wurde ja gesagt, dass Paulus das deshalb sagt, damit wir ein stilles und ruhiges Leben führen können, damit wir uns auf das konzentrieren können, was geistlich wirklich wichtig ist, und uns nicht in erster Linie in persönliche Vorlieben oder politische Details verstricken.
Unterschiedliche Rollen von Männern und Frauen
Und dann ging es im zweiten Kapitel des Ersten Timotheusbriefes um das richtige Verhalten von Männern und von Frauen in der Gemeinde, aber auch darüber hinaus. Dabei wurden die Männer ganz besonders aufgefordert: Ihr Männer, denkt daran, auch was das Gebet angeht, sollt ihr Vorbilder sein. Ihr sollt im Gebet vorangehen, ihr sollt überall bereit sein zum Gebet, aber ohne Zorn und Zweifel, mit heiligen Händen. Also nicht das Leben fern von Gott führen und dann beten; dann ist das so ein Doppelleben, so eine Heuchelei. Das soll nicht da sein, sondern ihr sollt in der Nähe Gottes leben und dann eben überall auch zum Gebet bereit sein.
Und ihr Frauen, setzt euch auch dafür ein, dass ihr geistlich wachst. Paulus sagt ja sogar, ihr sollt lernen. Die Männer sollen auch lernen, klar, aber das Besondere ist ja, dass die Frauen eben auch lernen, obwohl das damals nicht so üblich gewesen war. Und dann setzt euch für das Reich Gottes in der Gemeinde ein. Aber denkt daran, dass ihr nicht zu viel Aufmerksamkeit dem Äußeren widmet, also dem Aussehen oder dem Schmuck oder sonst irgendetwas.
Und auch, dass ihr euch in die Familie hinein investiert. Ihr sollt da lehren, ihr sollt auch da Vorbild sein. Und Gott hat uns unterschiedlich geschaffen als Männer und als Frauen. Obwohl uns die Gesellschaft sagt, das gelte so alles gar nicht und da gäbe es diese Unterschiede so nicht, können wir dann sagen: Doch, die gibt es. Gott hat sie in uns als Menschen hineingelegt. Das ist durchaus aus der Sicht Gottes auch gut so. Und damit verbunden gibt es unterschiedliche Aufgaben, die Gott gegeben hat.
Der Übergang zu den Leitungsfragen in Kapitel drei
Heute ist ein ganz anderes Thema dran. Wenn ihr eure Bibel dabei habt, dann schlagt doch mit mir auf den ersten Timotheusbrief, Kapitel drei.
Wir hören wieder auf Paulus, der seinem engen Mitarbeiter, seinem geistlichen Kind, wie er es ausdrückt, Timotheus, etwas mitzugeben hat. Diesmal geht es um die richtige Leitung in der Gemeinde. Da beginnt er in Vers 1: Glaubwürdig ist das Wort: Wer nach einem Aufseherdienst trachtet, der begehrt eine vortreffliche Tätigkeit.
Ich verstehe das einmal so: Nach einem Aufseheramt, das heißt nach einer Leitungsposition in der Gemeinde, und hier geht es ja um Gemeinde, also sich danach auszustrecken und das gerne ausfüllen zu wollen, ist grundsätzlich etwas Positives. Also man kann das machen, man soll das auch machen. Paulus sagt ja: Das ist eine vortreffliche Tätigkeit, das ist etwas ganz Tolles. Eigentlich sollte jeder danach streben: Ich möchte auch gerne Leitungsverantwortung in der Gemeinde einnehmen.
Die gibt es dann auf verschiedenen Stufen. Im folgenden Text werden ja insbesondere die Ältesten genannt und danach die Diakone. Aber es gibt in der Gemeinde ja auch noch verschiedene andere Leitungsebenen, also tiefere, da, wo man sagt: Jetzt ist man in einer kleineren Gruppe, hat man Verantwortung. Da ist jemand verantwortlich für die Kinderarbeit oder für den Chor oder für die Jugendarbeit. Der hat ja auch schon Leitungsverantwortung, aber eben nicht für die Gesamtgemeinde, sondern für eben einen Teil.
Diese Sache anzustreben, ist gut. Da sagt er vermutlich deshalb, weil das nicht erst heute der Fall ist, sondern auch schon damals der Fall gewesen war, dass Leitungsverantwortung, wenn man sie wirklich ernst nimmt, nicht unbedingt immer mit viel Dankbarkeit verbunden ist, also zumindest in der Gemeinde. Denn wenn irgendetwas schiefgeht, dann hat bestimmt derjenige, der leitet, die Verantwortung, der ist schuld. Und wenn derjenige, der leitet, eine Entscheidung trifft, gibt es fast immer in einer Gemeinde einige, die sagen: Nee, also da ist er ja vollkommen falsch.
Wenn die Gemeindeleitung plötzlich entscheiden würde, wir machen den Gottesdienst am Abend, dann würden gleich einige sagen: Nein, das geht ja gar nicht, was fällt euch hier alles ein und so. Oder wenn man sagt, wir verschieben das um eine Stunde, das geht auch nicht. Also jede Entscheidung trifft meistens in der Gemeinde auch auf Leute, die damit nicht zufrieden sind. Und meistens melden sich die, die nicht zufrieden sind, viel eher als die, die zufrieden sind.
Das ist nicht nur in der Gemeinde so, das ist überall so. In den Medien rechnet man damit, wenn sich jemand meldet, der einen Leserbrief schreibt oder sonst etwas, das ist fast immer, wenn sich jemand ärgert. Also zum Positiven zu schreiben, das ist ja super, das ist ja toll, das kommt relativ selten vor. Meistens melden sich Menschen eher, wenn sie mit etwas unzufrieden sind.
Das gab es damals in der Gemeinde, und das gibt es heute auch in der Gemeinde. Und deshalb sind nicht immer wirklich so viele Leute darauf bestrebt zu sagen: Ich will auch gerne. Darüber hinaus hängt das ja auch mit viel Verantwortung zusammen, denn über die Entscheidungen, die ich treffe, muss ich ja hinterher gerade stehen, und zwar vor der Gemeinde und dann auch vor Gott. Wenn ich irgendetwas falsch entscheide, bin ich ja auch vor Gott verantwortlich, und das kann ja Konsequenzen haben für die gesamte Gemeinde, wenn ich entscheide.
Manche scheuen auch davor zurück, solche Verantwortung anzunehmen, also da vor Gott und den Menschen dazustehen. Manche heute sagen auch einfach: Ach, warum soll ich mir das antun, neben meiner Arbeit und meiner Familie jetzt auch noch in der Gemeinde eine Leitungsverantwortung anzunehmen? Das kostet mich ja so viel Zeit und Energie, da habe ich keine Lust dazu. Lieber nutze ich die Zeit für meinen Garten oder für mein Haus oder für meine Familie oder für meine Freunde oder für sonst irgendetwas.
Denn wenn jemand so Leitungsverantwortung wirklich ernst nimmt, dann kostet das eine ganze Menge Zeit. Eine ganze Menge Zeit, um mit Menschen zu sprechen und alles zu durchdenken und mit vielen Seelsorgern zu reden und für die Gemeinde zu beten und alles. Also wenn man es ernst nimmt, kostet die Sache viel Zeit. Und das ist ein Grund, warum manche Leute das auch nicht gerne machen wollen.
Und hier muss Paulus deshalb sagen: Das ist an sich etwas Gutes. Auch wenn es nicht immer viel Dankbarkeit gibt, auch wenn es mit viel Verantwortung verbunden ist und auch wenn es häufig Zeit kostet, die woanders dann fehlt, ist das eine erstrebenswerte Sache. Und das gilt ja für euch in der Gemeinde ganz genauso.
Also das heißt, dass da Leute sind, die Gott eigentlich berufen will, die er auch befähigt hat, die das tun könnten, aber die sich dann zurückhalten aus vielleicht nicht immer wirklich geistlichen Gründen. Da müsste man sagen: Überleg dir das vor Gott. Denn wenn Gott will, dass du das tust, und du tust es nicht, dann nimmst du der Gemeinde Energie und Kraft weg. Dann ist es auch so, dass die Sachen in der Gemeinde halt nicht so gut laufen, wie sie laufen könnten. Und vor allem bist du Gott ungehorsam, denn wenn Gott dich da haben will, dann solltest du das auch anstreben.
Es gibt jetzt, und das ist auf der anderen Seite ein Problem, manchmal Menschen, die unbedingt ein Leitungsamt wollen, aber sie sind dafür gar nicht berufen und auch nicht fähig. Das ist dann schlimm. Da gibt es die einen, die sind von Gott befähigt, und sie könnten, aber sie wollen nicht, weil zu viel Stress, zu viel Undankbarkeit. Und auf der anderen Seite gibt es Leute, die wollen gerne. Die haben zwar nicht die Fähigkeit dafür, aber sie finden das toll: Jetzt stehe ich auch vorne, jetzt bin ich auch mal derjenige, der zu sagen hat, was zu geschehen hat.
Unsere Kinder haben früher das manchmal dann so genannt: Ich möchte auch gerne der Bestimmer sein. Also das heißt, wenn wir gesagt haben: So, jetzt ins Bett, jetzt zur Arbeit, dann irgendwann haben sie mal gesagt: So, ich möchte auch gern mal Bestimmer sein. Den Durchblick dafür hatten sie nicht immer in diesem Alter, aber so, jetzt diese Macht zu haben, zu bestimmen, das reizt manche. Und so gab es das in der kirchlichen Geschichte immer wieder auf kleineren oder größeren Positionen, dass dann da Menschen waren, die gar nicht dafür befähigt waren und die dann die Leitungsverantwortung missbraucht haben für ihren eigenen Vorteil oder für ihr eigenes Ansehen. Die eben nicht die Gemeinde vorangebracht haben, sondern ihre Interessen vorangebracht haben.
Diese Leute sollen natürlich keine große Verantwortung in der Gemeinde haben, und da muss man auch darauf schauen, dass eben die geeigneten Personen dafür motiviert und gefördert werden. Das fängt ja schon an als Jugendlicher, wenn du erkennst: Da ist einer als Jugendlicher, Gott hat den dafür vorbereitet. Dass du den förderst, dass er vielleicht dann in fünf oder zehn Jahren so weit ist, dass er auch eine größere Verantwortung in der Gemeinde einnehmen kann. Denn die Leute, die die Gesamtverantwortung für die Gemeinde tragen, die fallen ja nicht von den Bäumen, das heißt, die sind nicht plötzlich irgendwo da, sondern das sind ja Leute, die dafür vorbereitet werden müssen, die sich bewähren müssen auf verschiedenen Stufen. Das erzählt ja Paulus später auch noch als eines der wichtigen Kriterien. Die Bewährung spielt eine ganz große Rolle.
Also danach zu streben, ist gut. Und jetzt sollte jeder, wenn wir nachher durchgehen, der nur in etwa denkt, diese Kriterien, die hier genannt werden, könnten auch für mich eine Rolle spielen, darüber nachdenken: Will Gott mich auch, will Gott dich irgendwie in einer Leitungsposition haben, auch in der Gemeinde? Und das heißt ja nicht gleich Gemeindeleiter sein, sondern das heißt meinetwegen mal im Hauskreis oder mal in der Bibelstunde oder mal in der Kinderarbeit oder mal im Bauteam oder was weiß ich, was es da noch für Leitungsaufgaben gibt, Verantwortung übernehmen, geistliche Verantwortung übernehmen, noch mal ein bisschen mehr Zeit investieren, um da andere anzuleiten, zu ermutigen, weiterzubringen, zu betreuen oder so etwas.
Dafür braucht Gott Leute, und das ist etwas Gutes. Und deshalb wird das hier erst einmal erwähnt.
Maßstäbe für Älteste und der Unterschied zu weltlichen Kriterien
Im Folgenden werden dann einige Kriterien genannt, die aus Gottes Sicht Kriterien für das besondere Leitungsamt des Ältesten sind. Der Älteste war in der Gemeinde damals die höchste Leitungsfunktion. Er sollte den Überblick über alles haben, insbesondere, was die Seelsorge und was die Lehre anging. Das war seine besondere Verantwortung, aber eben auch in einigen anderen Fragen. Die Diakone waren ja mehr für einige praktische Aufgaben zuständig. In der Apostelgeschichte lesen wir das: Die Diakone wurden angestellt, wie Stephanus, um zum Beispiel dafür zu sorgen, dass die Leute zu essen bekamen, dass man sich um die Witwen und Waisen gekümmert hat und so weiter.
Ich lese jetzt mal in den nächsten Versen, was hier für Kriterien von Paulus aufgezählt werden. Nun muss aber ein Aufseher, oder manche Bibelübersetzungen sagen auch hier Ältester, das ist eben derselbe Begriff, der da steht, untadelig sein, Mann einer Frau, nüchtern, besonnen, anständig, gastfreundlich, fähig zu lehren; nicht der Trunkenheit ergeben, nicht gewalttätig, nicht nach schändlichem Gewinn strebend, sondern gütig, nicht streitsüchtig, nicht geldgierig; einer, der seinem eigenen Haus gut vorsteht und die Kinder mit aller Ehrbarkeit in Unterordnung hält. Wenn aber jemand seinem eigenen Haus nicht vorzustehen weiß, wie wird er für die Gemeinde Gottes sorgen? Erst mal so weit. Es geht ja nachher noch ein bisschen weiter.
Wenn ihr das mal vergleicht mit einer Stellenausschreibung, die ihr irgendwo aus der Industrie, aus der Wirtschaft, Wissenschaft oder Politik lest, dann würdet ihr wahrscheinlich schon merken: Diese Kriterien sind solche, die kommen bei normalen Stellenbeschreibungen gar nicht vor. Wenn jetzt irgendein Leiter eines Betriebs gesucht werden würde, was stünde denn da so drin? Ihr könnt das mal durchlesen und vergleichen, dann werdet ihr merken: Ja gut, so ein paar Punkte vielleicht kommen darin vor, aber die meisten gar nicht.
Habt ihr jemals eine Stellenausschreibung gesehen: Wir suchen einen neuen Manager für unsere Verkaufsabteilung, zum Beispiel. Und dann steht da drin: Ja, der sollte verheiratet sein, und der sollte seine Kinder gut erziehen, und der sollte auch nicht geldgierig sein. Nein, steht da gar nicht drin. Das ist auch vollkommen egal, denn für Leitungspositionen in der Welt, also außerhalb der Gemeinde, spielt das alles keine Rolle. Für viele Manager ist Geldgier ja sogar eine Tugend. Manager untereinander vergleichen: Wie viel verdienst du? 200 im Jahr? Oh, ich habe 500 im Jahr. Noch besser.
Oder kennt ihr irgendeinen Manager, der bescheiden auftritt? Nein, ich brauche nicht so viel, ich mache die Arbeit auch für weniger. Also ich nicht. Sondern unseren Managern ist es eher so, das ist ein Ausweis ihrer Wichtigkeit, dass sie da auch richtig fett Geld bekommen dafür. Also geldgierig zu sein ist bei vielen Managern heute gar nicht so, dass es ausgeschlossen wird.
Auch zu trinken, also Alkohol im Übermaß zu trinken, je nachdem, in welcher Abteilung du bist, sieht man das auch nicht als negativ an. Ist irgendein Verkaufsabschluss, dann triffst du dich nachher irgendwie zu einem richtigen Feiern, und dann wird einer drauf gemacht und noch was getrunken. Und wenn du nicht mittrinkst, dann wirkst du für manche eher komisch. Also wenn du mittrinkst, ach, du bist ein richtig cooler Kerl, du kannst mit Geschäfte aushandeln.
Bei Managern wird es auch viel wichtiger: Du musst dich durchsetzen können. Natürlich, du musst auch Personalführung beherrschen. Also Personalführung heißt Ziele setzen und hinterher das Ganze besprechen, auch wenn die Leute es nicht mehr so bringen, sie rauszuwerfen. Also man nennt das ja für den Arbeitsmarkt freisetzen, weil sie eigentlich dann rausgeworfen werden, weil sie nicht mehr so viel bringen. Oder so ein bisschen Streitschlichten gibt es dann dabei auch. Solche Sachen werden da gefragt. Gefragt sind natürlich auch wichtige Abschlüsse. Wenn du dich irgendwo bewirbst und du hast dann Betriebswirtschaft studiert, das gibt erst mal einen guten Punkt plus. Betriebswirtschaft studiert, dann kannst du den Job auch machen.
Jetzt könnt ihr das hier mal durchlesen, und ihr werdet feststellen: Das hier sind total andere Kriterien. Und das müssen wir erst mal wahrnehmen. Wenn wir es nicht wahrnehmen, und manche Christen in Gemeinden tun das auch nicht, dann organisieren sie Gemeinde genau so, als ob es irgendein Betrieb wäre. Und dann ist das wichtigste Kriterium: Welchen theologischen Abschluss hat denn jetzt der Leiter? Also am besten ist es, wenn er einen Doktor in Theologie hat. Boah, super, den nehmen wir. Oder wenn er vielleicht in seinem Betrieb richtig erfolgreich war, der hat sich mit Ellenbogen nach oben gearbeitet, der ist jetzt Richter geworden oder Betriebsleiter geworden, der ist richtig.
Seht ihr irgendeines dieser Kriterien hier in der Bibel genannt? Nicht. Da steht nichts von hoher gesellschaftlicher Stellung oder von hohem akademischem Grad oder von besonders erfolgreichem Geschäft. Da steht alles nicht. Weil aus der Sicht Gottes eben gerade diese Eigenschaften, die in unserer Umwelt sehr hoch geschätzt werden, gerade nicht das Entscheidende sind.
Sind sie ein Ausschlusskriterium? Also darf jemand, der einen Doktor in Theologie hat, eben nicht Ältester werden? Nein, das gilt auch nicht. Es ist nur nicht das Entscheidende. Und tatsächlich kann ich euch eine ganze Menge Leute nennen, die weltlich gesehen hoch qualifiziert sind, denen ich aber nie eine besondere Stellung in der Gemeinde geben würde, weil ihnen ganz andere Sachen fehlen, die nämlich viel eher auf geistliche oder charakterliche Sachen ausgerichtet sind. Und die spielen hier bei der Aufzählung von Paulus eine viel, viel größere Rolle.
Das bedeutet auch: Wenn du denkst, ich will ein Leitungsamt haben, nicht für mich, sondern zum Wohl der Gemeinde und Gottes, dann solltest du auch darauf achten, welche Fähigkeiten und Eigenschaften du dafür trainieren solltest, nach welchen du dich sehnen solltest, wonach du suchen solltest. Oder bei den Leuten, die schon in der Gemeinde sind: Was solltest du oder darfst du von ihnen denn eben erwarten? Und da müssen wir deutlich sehen: Diese Kriterien sind andere als die, die in irgendeinem Betrieb gelten oder an der Universität gelten. Wir können sie mal im Einzelnen durchgehen.
Nun muss ein Aufseher untadelig sein. Also dieser Begriff „untadelig“ heißt eigentlich: Niemand sollte gegen ihn irgendetwas Negatives vorzubringen haben. Das ist so ein Anfangsbegriff, so ein Sammelbegriff, der, na ja, eigentlich müssten wir sagen, ja, unerfüllbar ist. Denn welchen Menschen haben wir, gegen den nicht irgendjemand auch etwas haben könnte, der nicht irgendwo auch mal einen Fehler gemacht hat? Also erst mal merken wir: hoher moralischer Standard. Hier nicht irgendeiner, der sich durchgesetzt hat, sondern wenn der ein paar Leichen im Keller hat, das geht so nicht.
Nächstes: Mann einer Frau. Seitdem es christliche Theologie gibt, hat man heftig darüber diskutiert, was ist denn damit gemeint? Die einen haben das ausgelegt: Na ja, er darf nicht mehrere Frauen haben. Dann käme natürlich die Rückfrage: Aha, und der Rest der Gemeinde, die dürfen mehrere Frauen haben, nur der Älteste nicht? Irgendwie komisch, nicht?
Oder die orthodoxe Kirche hat es dann so ausgelegt, sie hat gesagt: Ja, der darf nur einmal heiraten, und wenn seine Frau gestorben ist, darf er auch nicht wieder heiraten. Deshalb eine Frau, kann man ja auch so lesen. Man kann es aber auch so lesen: Er soll eine Frau haben. Also eine ist ja selbstverständlich, denn das sagt ja Jesus schon, dass am Anfang Gott einen Mann und eine Frau geschaffen hat, und die sollen heiraten. In der Christenheit war es nie eine Diskussion, ob man mehrere Frauen haben dürfte, deshalb ist das eine seltsame Qualifikation.
Ich würde mal sagen, auch aus dem, was noch folgt, ist eine wichtige Sache: Er sollte verheiratet sein. Und natürlich mit einer Frau, das ist ja klar. Mit wem denn sonst? Also mit einem Mann sollte er nicht heiraten, klar, und er sollte auch nicht mehrere Frauen haben, auch das ist klar für jeden in der Gemeinde. Aber er sollte verheiratet sein, und das wird im Folgenden ja auch erklärt, weil nämlich die Ebene der Familie und der Ehe sozusagen die Basis ist, die Ebene, auf der er sich bewähren soll, auf der er erst mal zeigen soll: Kann er denn auch so eine kleine Einheit in der richtigen Art und Weise anleiten? Und nur wer in dem kleinen Bereich treu ist, der kann dann auch in der größeren Gruppe von Gott Verantwortung bekommen.
Ich verstehe es so: Er soll verheiratet sein, er soll eine Frau haben. Und das ist ja übrigens auch alles, was dann folgt, oder vieles von dem, was folgt, ist dann überhaupt erst nur möglich oder denkbar. Also jemand, der nicht heiratet, eigentlich eher nicht. Es mag sein, dass es da ganz besondere Berufungen gibt, wie bei Paulus zum Beispiel, der ja nicht verheiratet war. Aber im Normalfall sollte der Älteste verheiratet sein.
Wir merken ja auch ganz klar: Wie willst du als Ältester Seelsorge in Ehefragen geben, wenn du keine Ahnung von Ehe hast? Wie willst du Ratschläge geben in Erziehungsfragen, wenn du nie Kinder erzogen hast? Das geht ja alles gar nicht. Also schon allein darüber gibt es dann ja Probleme. Und da merken wir: Das ist ganz wichtig, denn in der Gemeinde hat vieles, was mit Seelsorge zu tun hat, auch mit Beziehung zu tun, mit Ehe zu tun, mit Verliebtheit zu tun, mit Untreue zu tun, mit Erziehung zu tun. Also viele Sachen haben damit zu tun, und dann sollte man das eben auch wissen.
Okay, als Nächstes: Er sollte nüchtern sein. Nüchtern verstehen wir im Deutschen ja so viel wie: Er sollte halt nicht betrunken sein. Wobei das ja nur eine punktuelle Sache ist. Das, was auch im Wort nüchtern drinsteht und was hiermit gemeint ist, das hat nichts mit Alkohol zu tun. Das sollte kein Träumer sein, kein Spinner, der immer irgendwelche großen Visionen hat, also wir haben zwar nichts, aber wir machen was ganz Tolles, wie ja, keine Ahnung, und dann geht es immer schief. Sondern es sollte einer sein, der nüchtern ist, auf den du dich verlassen kannst, der nicht herumträumt oder so.
Das bedeutet nicht, dass ein Ältester keine Ziele haben kann, aber die Ziele sollten realistisch sein, mit dem Eingreifen Gottes auch rechnen, aber jemand, der nüchtern ist. Besonnen geht in eine ganz ähnliche Richtung. Anständig bezieht sich auf das Verhältnis zu anderen Menschen. Also das heißt: Jemand, der immer irgendwelche anzüglichen Witze macht oder immer irgendwie nur Scherze macht mit anderen Leuten oder sie nicht ernst nimmt, der ist ebenfalls ungeeignet. Also das heißt, anständig anderen Menschen gegenüber, insbesondere gilt das natürlich auch für das Verhältnis von Mann und Frau. Da sollte ganz klar sein: keine falsche Annäherung oder so etwas, sondern da anständig.
Gastfreundlich: Wir werden bei vielen dieser Begriffe, die hier aufgezählt sind, unter anderem auch bei gastfreundlich, merken, da ist keine bestimmte Größe festgemacht, sondern es geht um die allgemeine Bereitschaft zur Gastfreundschaft. Da steht nicht: Wer einmal in der Woche einen Fremden einlädt, der ist geeignet. Dann würde wahrscheinlich mancher, der sagt: Okay, ich will jetzt gerne Ältester werden, sagen: Okay, jetzt lade ich jemanden ein, wie viel? Zehn Minuten, dann werfe ich den wieder raus. Das ist ja nicht gastfreundlich.
Man kann gastfreundlich sein und seltener Leute einladen, man kann gastfreundlich sein und viele Leute einladen oder lange mit ihnen zusammen sein. Gastfreundlich meint aber immer auch nicht nur das Treffen mit der eigenen Familie, also mit Schwestern oder Cousinen, Cousins oder sonst was, sondern das meint auch mit Fremden. Auch mit den Menschen in der Gemeinde, zu denen man sonst kein besonderes Freundschaftsverhältnis hat. Also dass man sich mit Freunden und Familienangehörigen trifft, das war damals in der Zeit, wo Paulus lebt, normal, das hat ja jeder gemacht. Aber dass man sich jetzt auch mit Leuten trifft, mit denen man sonst kein besonderes Interesse hätte, die einen vielleicht gar nicht so gefallen, weil man nicht dieselben Interessen hat, das ist dann besonders Gastfreundschaft. Also ich tue das, weil ich dem anderen etwas Gutes tun will. Und wie ich ihm dann entgegenkomme, wie ich auf ihn eingehe, welche Zeit ich mir für denjenigen nehme oder auch wie ich ihn bewirte, ist dann eine Frage von Gastfreundschaft.
Also jemanden einfach nur da zu haben und mit ihm zu sprechen, ist noch nicht Gastfreundschaft, sondern hier ist mehr mit gemeint. Und angesprochen ist die generelle Motivation. Es wird nicht gezählt, genau wie viele Leute man eingeladen hat, weshalb Gastfreundschaft, wie auch die anderen Kriterien, die hier stehen, immer noch steigerungsfähig sind. Denn auch der Älteste ist ja nicht durch sein Amt an einem Höchstpunkt angelangt, und jetzt gibt es keine Steigerung mehr, sondern wir alle sollten in unserem geistlichen Leben danach sehen, dass wir das auch noch steigern können, dass wir sagen können: Oh, wir können noch wachsen, in diesen Bereichen nüchtern zu sein, besonnen zu sein, gastfreundlich zu sein.
Da sollten wir nicht stehenbleiben an einer Stufe und, wie gesagt, immer darauf achten, nicht nur Leute einzuladen, die unsere guten Freunde sind oder aus der Verwandtschaft oder aus Pflicht, sondern gerade die Türen öffnen für Menschen, die das besonders brauchen, weil sie vielleicht in der Gemeinde oder in der Umwelt, in der wir leben, wenige haben, die sich wirklich um sie kümmern. Und hier soll der Älteste ein Vorbild sein.
Er soll fähig sein zu lehren. Da steht nicht unbedingt, dass er Pädagogik studiert haben soll oder Lehrer in der Schule ist, da steht nicht einmal deutlich, dass er auch in der Gemeinde immer für die Lehre verantwortlich sein muss. Später lesen wir dann noch, dass die Ältesten, die in der Lehre tätig sind, doppelter Ehre würdig sind. Das bedeutet ja im Umkehrschluss: Nicht alle der Ältesten haben die Hauptaufgabe, in der Gemeinde Lehre zu machen. Wenn es mehrere Älteste in der Gemeinde gibt, vielleicht der eine sorgt sich mehr um die Seelsorge, und der andere kümmert sich mehr um die Lehre. Also es kann sein, dass da auch Schwerpunkte gesetzt werden. Aber der Älteste sollte zumindest in der Lage sein, den christlichen Glauben vernünftig und verständlich anderen Menschen erklären zu können. Denn das ist ein Teil seiner Aufgabe als Ältester.
Wenn jemand in Seelsorge zu jemandem kommt, dann soll er ja die Bibel gut kennen, denn er soll den Menschen in ihren Lebensproblemen ja weiterhelfen, nicht auf der Grundlage von Psychologie, sondern auf der Grundlage der Aussagen der Bibel. Also muss er sie ja gut kennen. Oder wenn er einen Ungläubigen trifft, der neu in die Gemeinde kommt, dann sollte er in der Lage sein, ihm zu erklären, was es mit dem christlichen Glauben auf sich hat und warum wir an Jesus Christus glauben oder wer Gott ist oder wie das Leben nach dem Tod weitergeht. Und er sollte gute Gründe und Argumente dafür vorbringen können. Also lehrfähig, das gehört auch zu den Kernkompetenzen eines Ältesten in der Leitung der Gemeinde.
Weitere Anforderungen an den Ältesten
Dann steht da, dass er nicht der Trunkenheit ergeben sein soll. Heute würden wir sagen: Er soll nicht dauernd Party machen, also nicht ständig trinken. Wir könnten vielleicht auch sagen: kein Alkoholiker. Aber das ist schwieriger zu fassen, denn wann ist jemand Alkoholiker?
Ich habe einige Alkoholiker kennengelernt. Die deutschen Krankenkassen sagen, dass etwa zehn Prozent der Deutschen alkoholkrank sind. Nur wissen die meisten das nicht und wollen es auch nicht wissen. Sie sagen: Ich kann jederzeit aufhören, ich weiß genau, wie viel ich vertrage. Aber sie wissen es eben nicht, weshalb sich ja regelmäßig Menschen ans Steuer setzen und meinen, sie hätten alles noch unter Kontrolle. Und es ist eben nicht so.
Nach Auskünften der Polizei rechnet man damit, dass etwa die Hälfte aller Autounfälle unter Alkoholabsturz passieren. Also jemand, der Alkohol gerne mal trinkt, der gerne mal feiert, das sollte der Älteste nicht sein. Er sollte nicht unbedingt immer nur traurig und sauertöpfisch sein. Aber in Verbindung mit Feiern, also jetzt Party machen, ordentlich was trinken oder so, nein, das eher nicht. Sondern auch hier sollte er Vorbild in Nüchternheit sein, also mit Alkohol ordentlich umgehen.
Trunkenheit war zu allen Zeiten, das heißt: Alkoholgenuss war zu allen Zeiten in fast allen Kulturen, die wir in Europa kennen, weit verbreitet. Heute in Deutschland ist es eben auch eine der häufigsten Abhängigkeiten, in die Leute kommen. Ich glaube, dass Paulus das hier auch als Beispiel für andere Abhängigkeiten aufzählt. Also wenn jetzt ein Ältestenkandidat kommt und sagt: Nein, nein, Alkohol rühre ich ja gar nicht an, aber willst du auch mal einen Joint mit mir rauchen? Dann würde ich sagen: Das ist damit auch nicht gemeint. Ob du das eine Suchtmittel nimmst oder das andere Suchtmittel, das ist dann egal. Ob da jemand Rauschgift nimmt oder einen Joint raucht oder ob er Alkohol trinkt, das kommt auch auf dasselbe raus. Hier ist nicht nur gesagt: Joint okay, also Kiffen ist okay, aber Trinken ist verboten. Sondern generell: Du sollst nicht in Abhängigkeit von irgendwelchen Suchtmitteln sein, sondern sollst sie entweder ganz meiden oder zumindest ordentlich mit ihnen umgehen. Also meinetwegen beim Abendmahl, da hast du deinen Wein. Oder damals gab es häufig Wein auch zum normalen Essen dazu, aber wenig und meistens verdünnt, so dass beim normalen Essen damals keiner betrunken wurde. Also mit Suchtmitteln ordentlich umgehen.
Nicht gewalttätig. Immer wieder, wenn ich das lese, dann stelle ich mir die Frage: Ja, warum musste Paulus das denn wohl aufnehmen? Ich weiß ja nicht, wie das bei euch in der Gemeinde üblich ist. Aber mir wäre das ja nun wirklich sehr befremdlich, wenn du dann im Kreis der Gemeinde bist und über irgendein geistliches Thema diskutierst und dann kommt plötzlich einer raus, holt seinen Knüppel und sagt: Was, wenn du jetzt nicht meiner Meinung bist, dann ziehe ich dir aber einen über. Oder im Leitungskreis der Gemeinde: Jetzt will man sich darüber einigen, wann wir unseren Ostergottesdienst machen, und dann holt einer seine Faust raus und sagt: Was, nicht meine Meinung? Und dann zack, haut er dem anderen eine rein. Immer noch nicht meine Meinung, zack, noch mal eine rein, jetzt meine Meinung. Ja, also ich hoffe, dass das bei euch nicht so läuft. Bei uns in der Gemeinde glücklicherweise nicht.
Aber Paulus musste das offensichtlich sagen, weil es durchaus Menschen gibt und scheinbar durchaus auch Christen, die zum Jähzorn neigen oder zur Gewalt neigen. Das kann manchmal verbale Gewalt sein, also dass einer einen anderen richtig fertig macht und beschimpft. Und man sagt: Nein, das ist nicht geeignet als Leiter einer Gemeinde. Du solltest sehr wohl auch mal ein deutliches Wort sagen können, aber auch in Liebe. Wer da nur herumschreit, jähzornig ist oder gar noch andere schlägt, der ist nicht geeignet als Leitungsinstanz in einer Gemeinde. Das muss er hier deutlich sagen. Und scheinbar war das damals notwendig. Ich hoffe heute nicht, aber eben: Paulus weiß das, Gott weiß es auch, vielleicht eben heute ja auch.
Nicht nach schändlichem Gewinn strebend. Das heißt: Schändlicher Gewinn heißt, auf unrechtmäßige Art und Weise an Geld kommen wollen. Das sollte er nicht tun, natürlich gar nicht, was die Gemeinde betrifft. Also nicht die Gemeinde ausquetschen, um dann möglichst viel für mich dabei herauszuholen, das sollte nicht so sein. Er sollte auch außerhalb der Gemeinde so sein. Nehmen wir mal an, da ist einer der Ältesten, der ist irgendwie im Geschäft tätig, der hat einen Betrieb. Und in dem Betrieb wissen dann alle: Der schaut so sehr aufs Geld. Und die ganzen Kunden, die zieht er auch über den Tisch, da versucht er, die auch zu übervorteilen. Also Geldliebe wird ja sowohl bei Jesus als auch bei Paulus als schweres Defizit betrachtet, und hier wird es ebenfalls gesagt: Wer geldliebend ist, wer schändlich dem Gewinn nachgeht, also versucht, auf unrechtmäßige Weise Geld zu bekommen, der ist für die Gemeinde nicht geeignet.
Jesus sagt ja auch: Du kannst nur einem Herrn dienen, entweder dem Mammon oder Gott. Das heißt, wer hier auf schändlichen Gewinn ausgeht, der dient dem Mammon und dient nicht Gott und ist deshalb für die Gemeinde ungeeignet. Er ist in diesem Fall kein Vorbild.
Dann steht als Nächstes: Er soll gütig sein. Das ist ja genau das Gegenteil von gewalttätig. Gütig bedeutet, wenn du etwas zu ermahnen hast, dann machst du es auch mit einer gewissen Liebe dem anderen gegenüber. Denn das Ziel ist ja nicht, dem anderen die Meinung gesagt zu haben, sondern das Ziel ist, den anderen wieder auf den richtigen Weg gebracht zu haben. Und dann weißt du: Wenn jetzt ein Ältester auf dich zukommt, dann musst du nicht schon zittern und denken: Oh, was kommt jetzt gleich? Sondern dann weißt du: Okay, der hat vielleicht etwas Unangenehmes zu sagen, aber er macht es eben gütig.
Oder als Nächstes kommt hier: nicht streitsüchtig. Ich erinnere mich an ein christliches Werk, in dem ich lange Zeit im Vorstand gewesen war. Da hatten wir eine Zeit lang jemanden, der war mit mir auch im Vorstand, und das war tatsächlich jemand, der war gläubig, zweifellos, aber streitsüchtig. Jedes Mal, wenn wir zusammensaßen, hat er irgendeinen Streit vom Zaun gebrochen. Irgendetwas in den Statuten des Vereins hat ihm da nicht gepasst, irgendeine Entscheidung. Also jedes Mal. Und dann ist er auch noch laut geworden, hat rumgeschrien und so. Ich war froh, als er dann nicht mehr im Vorstand gewesen war. Das hat die Arbeit viel, viel, viel erleichtert.
Es gibt Leute, die sind streitsüchtig. Ständig haben sie irgendetwas zu meckern, egal ob ... Manchmal fragst du dich: Woher holen die das? Also streitsüchtig nicht. Und der Älteste, der seine Aufgabe ernst nimmt, weiß sowieso: In der Gemeinde gibt es genügend unterschiedliche Meinungen. Dafür muss man nicht noch selbst Streit in die Gemeinde hineinbringen.
Nicht geldgierig, das ist noch mal ähnlich wie nicht nach falschen Gewinnen strebend. Einer, der seinem eigenen Haus gut vorsteht. Hier knüpft das wieder an. Er soll Mann einer Frau sein, denn bitte sehr: Wie will jemand das Kriterium erfüllen, seinem eigenen Haus gut vorzustehen, wenn du nicht verheiratet bist? Geht ja gar nicht. Das heißt, wenn du gar kein Haus hast in dem Sinne, also Leute, für die du Verantwortung trägst, wie willst du das erfüllen?
Also hier steht: Du sollst deinem eigenen Haus oder Haushalt, könnte man jetzt sagen, gut vorstehen. Hier steckt ja wieder dahinter: Es geht hier um einen Mann, ist ja klar. Aber auch nur der Mann kann ja Mann einer Frau sein, wird ja auch deutlich gesagt. Und der Mann soll ja dem Haushalt vorstehen. Also er soll die letzte Verantwortung vor Gott und vor der Welt tragen für die Familie, und das soll er gut machen.
Und er soll die Kinder in Unterordnung halten, mit aller Ehrbarkeit. Hier steht nicht automatisch, dass er die Kinder dazu bringen muss, dass sie sich bekehren, denn Bekehrung ist ja eine Entscheidung, das müssen die Kinder treffen. Wir können ja keine Kinder dazu zwingen. Also sagen: Ich will jetzt Ältester werden, jetzt komme ich zu den Kindern und sage: Bekehr dich, bekehr dich. Das geht ja nicht.
Aber hier steht drin, du sollst sie dazu bringen, dass sie ordentlich sind. Wenn deine Kinder bekannt sind, dass sie dauernd nur die Schule schwänzen oder dass sie unfreundlich sind oder andere bestehlen oder so etwas, dann ist da irgendetwas falsch gelaufen. Du kannst deine Kinder erziehen zu Ehrlichkeit, du kannst deine Kinder auch zu Freundlichkeit erziehen, dass sie andere grüßen oder was weiß ich jetzt machen. Dazu kann man sie erziehen. Dass sie sich bekehren, dazu nicht.
Du kannst dich schon zu einer gewissen Frömmigkeit erziehen, das geht auch. Also dass sie jetzt meinetwegen Gott achten oder so, das geht auch noch. Zur Bekehrung kannst du Kinder nicht erziehen, das müssen sie selbst machen. Aber natürlich freuen sich gläubige Eltern ja, wenn ihre Kinder sich bekehren.
Das bedeutet also, er sollte normalerweise auch Kinder haben, sofern Gott Kinder schenkt. Wenn du jetzt ein Ehepaar hast, die wollen durchaus Kinder, aber sie bekommen keine, ja dann ist klar, dann können sie die auch nicht in aller Ehrbarkeit hier erziehen, können trotzdem Älteste werden, der Mann dabei. Wenn sich aber ein Paar entscheidet: Wir heiraten und wir wollen gar keine Kinder, wäre das auch eine Disqualifikation für das Ältestenamt, weil ja die Ordnung Gottes ist, Gott möchte Kinder für die Ehe. Und wenn du schon in dieser grundlegenden Frage nicht nach dem Willen Gottes fragst, bist du auch nicht geeignet, Vorbild zu sein für Leitungsfunktionen der Gemeinde.
Das gibt es ja bei manchen Leuten. Unter vielen Deutschen, besonders Akademikern, ist das heute weit verbreitet. Die sagen nämlich einfach: Kinder nerven, Kinder nerven, deshalb am besten gar keine. Jeder kann seiner Karriere nachgehen. Wenn du so entscheidest, ist es deine Sache. Du kannst ja auch Christ sein, ist ja nicht die Frage. Aber dann bist du nicht geeignet für ein Leitungsamt in der Gemeinde, sondern da solltest du auch in diesem Punkt nämlich sagen: Ich will auch offen sein für Kinder, für Gott bereit sein und die jetzt auch gut anzuleiten, also die da voranzubringen.
Wenn jemand seinem eigenen Haus nicht gut vorzustehen weiß, wie wird das mit der Gemeinde Gottes? Das ist genau das, was ich sage. Hier ist die Übung auf einfacher Ebene. Das heißt: Erst mal in einem kleinen Kreis, deine Familie, was weiß ich, mit zwei, drei, vier, fünf Personen, da sollst du Verantwortung tragen und die Leute anleiten. Wenn du dich da bewährt hast, dann hast du eine gewisse Qualifikation, das auch auf einer höheren Ebene tun zu können, nämlich jetzt für einen größeren Kreis von der Gemeinde, entweder eine Gruppe in der Gemeinde oder für die ganze Gemeinde.
Reife, Bewährung und das Zeugnis nach außen
Und dann kommt Paulus noch zu einem nächsten Punkt. Wir lesen das ab Vers 6: Kein Neubekehrter, damit er sich nicht aufbläst und in das Gericht des Teufels verfällt. Er muss aber auch ein gutes Zeugnis haben von denen, die außerhalb der Gemeinde sind, damit er nicht in üble Nachrede und allerlei Fallstricke des Teufels gerät.
Also erst einmal: kein Neuling. Manchmal ist es ja so, da kommt einer neu zum Glauben, gar nicht aus einem christlichen Hintergrund. Und ich freue mich ja über viele dieser Leute. Einige von ihnen sind dann richtig motiviert, lesen viel in der Bibel, sind wahnsinnig missionarisch, besuchen jede Gemeindeveranstaltung. Und ich finde das toll.
Es gibt da manchmal in der Gemeinde Leute, die bremsen denjenigen schon aus und sagen: „Ach, komm doch mal ein bisschen runter, werd doch mal normaler.“ Dabei müssten wir eigentlich umgekehrt erst einmal sagen: Der sollte uns motivieren, es auch so zu machen wie er es macht, auch genauso begeistert von der Bibel zu sein oder vom Missionieren oder so. So herum sollte es eher sein.
Aber das, was die Bibel eben auch weiß, ist, dass diese erste Liebe bei vielen irgendwann abflaut. Und diese erste Liebe zu Jesus und zur Bibel ist noch nicht Stabilität. Da ist jemand wahnsinnig begabt und ganz eifrig, der hat aber noch nicht die Stabilität. Der kann auch noch gar nicht das tiefe Wissen im Wort Gottes haben, selbst wenn er es dauernd liest. Denn tiefes Wissen im Wort Gottes braucht Zeit. Das braucht Reife, dass du immer wieder darin liest, immer wieder darüber nachdenkst, dass sich das auch in deinem Leben umsetzt. Und deshalb: kein Neuling.
Hast du einen Neuling, der so richtig motiviert ist und so richtig vorangeht, dann gib ihm auch eine Aufgabe, wie die Gemeinde das erwachsen kann. Aber der soll noch nicht die Leitungsaufgabe bekommen. Denn früher oder später wird dann auch die Anfechtung vom Teufel kommen, steht hier. Da muss erst gezeigt werden, ob er diese Anfechtung eben auch besteht. Ist er auch da noch stabil, oder ist er nur stabil, solange er die rosarote Brille im Glauben aufhat, solange alles glattläuft und alles super ist? Oder ist er auch dann, wenn es schwierig wird, noch bereit, Jesus nachzufolgen?
Erst dann hat er diese Fähigkeit von Stabilität, von Ausdauer, von Treue. Die braucht er nämlich auch als Ältester, und die kann jemand als Neuling eben noch gar nicht haben. Also deshalb: Neulinge mit einbinden, auch motivieren, aber du musst die Neulinge an die Hand nehmen, damit sie geistlich auch wachsen und vorankommen und dass sie vielleicht dann irgendwann in der Zukunft stärker werden und dann auch eine höhere Verantwortung in der Gemeinde übernehmen können.
Und dann wird noch gesagt: Die Leute, die Älteste werden, die sollen ein gutes Zeugnis haben von all denen, die draußen sind. Also hier spielt es wieder eine Rolle: Wenn alle deine Nachbarn sagen, du bist ein Streithammel, oder wenn alle deine Nachbarn sagen, du bist unzuverlässig bei der Arbeit, und das ist bekannt, dann schadest du erst einmal der Gemeinde, wenn du mit diesem Ruf Vertreter der Gemeinde bist. Dann denken sie: „Ah, so einer ist das.“
Und es ist so: Das ist hier auch relevant, wie du dich nicht nur den Gläubigen gegenüber verhältst, sondern auch wie du dich den Ungläubigen gegenüber verhältst. Also hier einige wichtige Punkte, so sollte eine Person sein, die Leitungsverantwortung in der Gemeinde trägt. Und da merken wir: Das sind ganz andere Kriterien, als das irgendwo in einer Stellenbeschreibung für eine Managementstelle in der Industrie oder irgendwo im Arbeitsleben ist. Und das ist richtig so, das soll auch so sein.
Denkt nicht zu viel von dem, was ihr aus eurem Arbeitsleben gewohnt seid. Das ist auch das, was wir in der Gemeinde tun müssen. Manche Dinge, wenn man da lernt, die können auch in der Gemeinde hilfreich sein, manche Dinge aber eben gar nicht, weil in der Gemeinde andere Prinzipien laufen.
Zum Beispiel geht es in den meisten Betrieben um Gewinnmaximierung. Sehr klar: Du sollst Dinge so billig wie möglich produzieren und so teuer wie möglich verkaufen. Geht das in der Gemeinde auch so? Ja, es gibt manche amerikanische Fernsehprediger, die machen das auch so. Die verkaufen das Evangelium richtig teuer, und wenn sie ihren Privatjet haben und ihre große Villa haben, dann ist es richtig gelaufen. Aber das ist ja gar nicht ihr Prinzip, Jesu. Das ist ja vollkommen falsch. Hier steht doch gerade: nicht geldliebend sein. Da merken wir: total daneben.
Oder eben die, die sich durchsetzen, durchkämpfen, um an die Spitze zu kommen, das auch nicht. Denn du sollst ja demütig sein und so weiter. Das heißt schon, dass das Anstreben erlaubt ist. Aber andere Kriterien spielen in der Gemeinde eine Rolle als in unserer Umwelt, und das sollten wir deutlich im Kopf haben.
Diese Kriterien kann man ja zusammenfassen als: Na ja, es soll ein Diener sein. Wenn ihr jetzt wirklich mal ernst in euch hineinhört, dann müsste wahrscheinlich jeder von euch sagen: „Also so ein Mann bin ich nicht.“ Also wenn einer sagt: „Doch, das bin ich“, dann würde ich schon sagen: Na ja, jetzt schau mal ganz genau hin.
Allerdings ist auch nicht gemeint, dass du jedes dieser Kriterien vollkommen erfüllst, weil dir alle diese Kriterien noch Wachstumspotenzial haben. Aber du solltest sie zumindest im Ansatz haben, so dass sie sich noch weiter entwickeln können.
Also meinetwegen: Wenn deine Kinder ja noch nicht erwachsen sind, weiß ja auch keiner, wie sie sich jetzt weiterentwickeln werden. Oder bei der Gastfreundschaft, das kannst du ja auch steigern. Oder die Güte oder eben die Lehrfähigkeit. Du kannst ja noch weiter lernen, dass du neue Sachen dazulernst und nach Möglichkeit im nächsten Jahr noch mehr lehrfähig bist.
Also das heißt: Auch Älteste sollten Wachstum haben und das Anstreben, also noch näherkommen. Sie sind noch nicht am Ziel angekommen. Aber es sollte zumindest ansatzweise vorhanden sein, und wenn es gar nicht vorhanden ist, dann ist es ein Ausschlusskriterium.
Bist du ein Trinker, bist du jemand, der nur dem Geld nachläuft, hast du deine Ehe kaputt gemacht, dann bist du disqualifiziert. Du kannst zwar Christ sein, aber du kannst nicht Leitung in der Gemeinde einnehmen.
Die zweite Gruppe: Diakone und ihre Familien
Dann geht es auch gleich noch ein bisschen weiter, und zwar mit der nächsten Gruppe, nämlich der der Diakone. Da sind dann, wenn wir es genau vergleichen, ähnliche Punkte drin. In den Details unterscheidet es sich ein bisschen, aber im Großen und Ganzen ist das durchaus ähnlich.
Ab Vers 8, gleicherweise, also so wie auch bei den Ältesten, sollen auch die Diakone ehrbar sein, nicht doppelzüngig, nicht viel Weingenuss ergeben, nicht nach schändlichem Gewinn strebend. Sie sollen das Geheimnis des Glaubens in einem reinen Gewissen bewahren. Und diese sollen zuerst erprobt werden, und dann sollen sie dienen. Einen Moment, dann sollen sie dienen, wenn sie untadelig sind.
Die Frauen sollen ebenfalls ehrbar sein, nicht verleumderisch, sondern nüchtern, treu in allem. Die Diakone sollen jeder Mann einer Frau sein, ihren Kindern und ihrem Haus gut vorstehen. Denn wenn sie ihren Dienst gut versehen, erwerben sie sich selbst eine gute Stufe und viel Freimütigkeit im Glauben in Jesus Christus.
Hier merken wir eigentlich, dass es relativ ähnlich ist. Das, was hier beispielsweise fehlt, sind dann solche Sachen wie Güte. Das wird hier nicht speziell erwähnt, auch Lehrfähigkeit wird nicht erwähnt. Also bestimmte Dinge, die besonders noch mit dem Leitungsamt zu tun haben, also dass man jetzt andere Leute anleitet oder auch mal korrigieren muss und das in Liebe und Güte tut, das ist hier weniger, weil die Arbeit der Diakone schwerpunktmäßig mehr praktisch ausgerichtet war. Das heißt nicht, dass sie dabei nicht auch vom Glauben erzählen sollen. Von Stephanus wird zum Beispiel in der Apostelgeschichte berichtet, dass er voll Heiligen Geistes gewesen war und dass er dann die Leute von der Wahrheit des Evangeliums überzeugt hat. Das konnte der also auch, obwohl er nicht Ältester in der Gemeinde gewesen ist.
Wenn wir das jetzt noch mal durchgehen: Diakon, ehrbar, alles klar. Doppelzüngig heißt, die Wahrheit sagen und nicht dem das sagen und dem anderen etwas anderes sagen. Er soll nicht gerne trinken. Ich habe ja auch gesagt, also Wein trinken, und ich habe ja gesagt, dass es sich nicht nur auf den Alkoholismus bezieht, sondern überhaupt darauf, wie man mit Suchtmitteln umgeht. Also bist du fernsehsüchtig, bist du spielsüchtig, bist du drogensüchtig, bist du sonst irgendwas süchtig, dann Vorsicht, da musst du erst mal etwas verändern.
Übrigens, wenn wir diese ganzen Kriterien lesen, jetzt könnte ja der eine oder andere von euch sagen: Ja, ich will doch gar nicht Ältester werden. Oder manche von euch sagen sowieso: Ja, ich bin doch eine Frau, mich geht das doch alles gar nichts an. Diese Kriterien, die hier drinstehen, sollten ja Kriterien sein, die auf jeden Christen zutreffen. Es ist ja nicht nur so, dass die Ältesten das haben sollen. Jeder Christ sollte Gastfreundschaft üben, jeder Christ sollte gütig sein, jeder Christ sollte nicht geldgierig sein, jeder Christ sollte gütig sein und so weiter. Also all diese Kriterien sind ja nicht nur dafür da, dass wir sagen: Wir haben einen Ältesten, der macht das alles, und wir anderen leben halt, wie wir das gerade wollen oder wie unsere Umgebung das macht. Das stimmt ja nicht.
Das heißt, wenn wir diese Kriterien durchlesen, dann sollte jeder von euch sich auch fragen: Inwiefern gibt es bei mir Steigerungspotenzial? Wie kann ich das noch ausbauen? Wo fehlt da noch etwas? Selbst wenn du nie Ältester werden solltest? Es sind Maßstäbe und Eigenschaften, die jeden Menschen prägen sollen. Und etwas Leitungsverantwortung hat ja jeder von euch auch. Also meinetwegen: Wenn du jetzt Mutter bist, dann hast du ja auch Leitungsverantwortung, nämlich für deine Kinder. Die sollst du ja zu Hause auch anleiten, und so gilt das auf dieser Ebene ja ebenfalls als Kriterium: So und so sollst du dich verhalten und Vorbild sein.
Also insofern hört jetzt nicht nur zu, wenn ihr vorhabt, mal Ältester zu werden, dann ganz besonders, sondern auch, wenn du normales Gemeindeglied bist. Aber wenn du Jesus nachfolgen willst und wenn du siehst, wo Gott dir möglicherweise Verantwortung gegeben hat. Also: Sie sollen mit dem Weingenuss, da sollen sie nicht viel machen. Schändlichen Gewinn, das hatten wir auch bei den Ältesten schon, also nicht auf krummen Wegen irgendwo noch an Geld zu kommen, sondern das sollte auch transparent sein, das sollte ehrlich sein. Das sollten auch die Leute außerhalb wissen, in deinem Geschäft, in deinem Beruf, dass sie da diesen Eindruck haben, dass es auch genau so ist.
Sie sollen das Geheimnis des Glaubens in einem reinen Gewissen haben. Das heißt, selbst wenn ein anderer nicht sieht, was du falsch machst, dein Gewissen sollte rein sein. Also der Heilige Geist, der in dir ist, der sollte nicht dauernd sagen: falsch, falsch. Sondern da solltest du merken: Ja, eigentlich bemühe ich mich zumindest, Jesus ernsthaft nachzufolgen. Und wenn dann Schuld ist, räume ich sie auch gleich aus, und dann ist sie ja weg, und dann ist sie ja vergeben. Und dann kann dein Gewissen rein sein.
Und sie sollen erprobt werden. Genau, was wir vorher haben. Keiner sollte einfach sagen: Ab heute, bisher hast du nie etwas gemacht, jetzt bist du Ältester, jetzt bist du Diakon. Sondern erst einmal ausprobieren, bewähren. Das ist in der Bibel ganz wichtig. Also jemand hat erst mal eine einfache Aufgabe, dann bekommt er noch mehr anvertraut, dann bekommt er noch mehr anvertraut. Und wenn er sich da bewährt und das auch im Sinne Gottes durchführt, dann bekommt er mehr Verantwortung auf einer höheren Ebene.
Also so erinnere ich mich auch gut daran: Als ich gläubig geworden bin, dann war mir eigentlich relativ bald klar: Ja, ich will auch eine Aufgabe in der Gemeinde übernehmen, erst mal eine. Habe ich dann die Gemeindeleitung gefragt, und die haben mir dann gesagt: Okay, hier in der Jugendarbeit, da brauchen wir jemanden. Also habe ich dann eine Zeit lang in der Jugendarbeit gearbeitet, dann eine Zeit lang habe ich in der Kinderarbeit gearbeitet, weil da jemand gebraucht wurde, dann habe ich eine Zeit lang am Büchertisch gearbeitet, und dann wurde irgendwann auch mal gefragt: Wir haben eine Bibelstunde zu halten. Also das heißt, immer so im Gespräch mit der Gemeindeleitung zu sehen, was ist jetzt dran und inwiefern mache ich die Aufgabe denn jetzt im Sinne Gottes und auch so, dass es der Gemeinde gut tut, und dann eben mit mehr Verantwortung.
Und genauso würde ich sagen, braucht ihr das auch. So versuche ich das auch mit meinen Schülern an der Bibelschule zu machen, dass sie sich dann erst mal ausprobieren können und dann sehen können, sind sie da von Gott auch befähigt. Sie sollen also erprobt werden, und dann sollen sie dienen, wenn sie untadelig sind.
Die Frauen, also hier ist nicht gemeint die Frauen unter den Diakonen, das steht hier nicht, sondern hier ist genau das gesagt, was schon bei den Ältesten steht. Hier ist gemeint: die Frauen der Diakone. Also die Frauen der Diakone sollen ehrbar sein, nicht verleumderisch. Was heißt verleumderisch?
Also in der Vergangenheit war es häufig so, dass wenn einer der Pfarrer war, zum Beispiel in der Kirche, dann war die Frau automatisch Frau Pfarrer. Dann wohnte man im Pfarrhaus, und wenn dann irgendwelche Bettler vorbeigekommen sind, dann klopften sie da, und dann hat Frau Pfarrer aufgemacht, hat ihnen etwas zu essen gegeben oder sonst irgendwie eine Spende mitgegeben. Also früher war das eigentlich, wenn man Pfarrer war, dann war das Mann und Frau arbeiteten zusammen, und die Frau war im Dienst mit drin. Das war früher eigentlich auch so gedacht, auch zu biblischen Zeiten, ebenfalls beim Ältestendienst.
Da kann der Mann nicht sagen: Ich bin Ältester oder ich bin Diakon, aber deine Frau zu Hause, die macht die ganze Zeit genau das Gegenteil. Wenn da jemand vorbeikommt, dann ist sie zickig mit den Leuten oder hilft da keinem. Sondern hier: Mann und Frau sind ein Team. Also wenn in der Bibel steht: Die beiden werden ein Fleisch sein, dann kann man nicht sagen, das kann man voneinander trennen. Und deshalb wird hier auch gesagt: Wenn du Diakon sein sollst und sein willst oder Ältester, dann muss auch deine Frau, wie es hier steht, nicht verleumderisch sein, sondern nüchtern in allem. Das heißt, sie muss den Dienst und die Aufgabe damit unterstützen, sie muss auch geistlich gesonnen sein.
Grundsätzlich: Der Diakon soll jeder Mann einer Frau sein, das hatten wir auch schon beim Ältesten, also verheiratet sein, auch nur einmal, also nicht geschieden, wieder verheiratet, mehrere Frauen haben oder so etwas, ihren Kindern und ihrem Haus gut vorstehen. Das hatten wir auch schon, also sollte einigermaßen laufen, nicht drunter und drüber. Auch die Kinder sollten sich ordentlich verhalten. Denn wenn sie einen Dienst gut versehen, erwerben sie sich selbst eine gute Stufe und viel Freimütigkeit im Glauben in Jesus Christus.
Also hier soll am Ende noch mal gesagt werden, was Paulus uns schon am Anfang gesagt hat: Wenn du Diakon in der Gemeinde bist, wenn du Ältester in der Gemeinde bist, das ist ein ganz tolles Amt, das ist von Gott gesegnet, und wenn du die Verantwortung annimmst, dann wird Gott dir auch die Kraft geben, dich unterstützen. Und Gemeinde braucht Leute, die mit geistlicher Motivation Leitungsverantwortungen ausüben.
Und wenn du das tust, dann steht hier auch: Und Gott wird es segnen. Auch wenn es Zeit kostet, auch wenn es nicht immer in derselben Weise entlohnt wird, wie das vielleicht in der Wirtschaft der Fall ist, freu dich darüber.
Das war jetzt der Teil Kapitel drei, Qualifikation von Leitung. Das, was ja auch den Titel für den heutigen Abend gegeben hat: Diener sein, nicht Manager. Ich habe darauf hingewiesen: Manager sein, das sind manche gute Eigenschaften, manche Strategien, die kann man sich mal anschauen. Man muss aber immer wieder im Kopf haben: Gemeinde funktioniert nicht wie irgendein Betrieb, Gemeinde funktioniert nach anderen Kriterien, und die haben wir uns jetzt gerade angeschaut.
Gemeinde als Haus Gottes und Trägerin der Wahrheit
Der Paulus kommt am Ende seines Kapitels noch einmal auf eine theologische Sache zu sprechen, und die möchte ich gerade lesen. Das sind ja die letzten Verse dieses Kapitels.
Dies schreibe ich dir, also dir, Timotheus, und damit uns ja auch. Dies schreibe ich dir in der Hoffnung, recht bald zu dir zu kommen, damit du aber, falls sich mein Kommen verzögern sollte, weißt, wie man wandeln soll im Haus Gottes, welches die Gemeinde des lebendigen Gottes ist, der Pfeiler und die Grundfeste der Wahrheit.
Also hier sagt er noch einmal: Ich komme bald nach Ephesus, aber in der Zwischenzeit sorg schon dafür, dass die Leitungsverantwortung gut verteilt wird, dass die Leute an dem richtigen Platz sind, die diese Kriterien zumindest ansatzweise erfüllen, und dass alle anderen danach streben, auch so zu werden, auch da voranzukommen. Besonders die Männer, aber eben auch die Frauen, dass sie sich ebenfalls so verhalten, wie ich dir das gerade genannt habe.
Und dann begründet er das auch noch einmal. Da sagt er nämlich: Die Gemeinde, das ist das Haus Gottes. Haus Gottes ist ja eigentlich bei den Juden der Tempel gewesen. Und wir sehen ja im Neuen Testament, auch Jesus sagt das dann schon, als er mit der samaritischen Frau spricht. Da sagt er eben: Ja, den Tempel, den gibt es bald nicht mehr. Bald werdet ihr anbeten können im Geist und in der Wahrheit, egal wo ihr seid.
Und heute wohnt Gott in der Gemeinde, also nicht in diesen Steinen, nicht in den Häusern, sondern er wohnt in den Gläubigen. Und da, wo Gläubige zusammen die Gemeinde bilden, da will Gott Wohnung nehmen, in dir und in mir und in der Gemeinde als Gemeinde, als Gemeinschaft der Gläubigen. Da wird ihr gesagt: Ihr seid lebendige Steine, aufgebaut worden zum Haus Gottes, sagt Paulus an einer anderen Stelle.
Also ihr seid alle Teile dieser Gemeinde, und in dieser Gemeinde gibt es verschiedene Aufgaben. Und eine der Aufgaben ist eben Leitungsaufgabe, andere Aufgaben haben mit anderen Sachen zu tun, je nachdem, wie Gott Menschen begabt hat, wo er sie eingesetzt hat.
Wir sind also Gemeinde des lebendigen Gottes, und damit sind wir auch das Zeugnis für die Wahrheit in dieser Welt. Wie Gemeinde funktioniert, ist es nicht nur, dass wir uns ärgern oder denken, das tut uns gut oder nicht. Es geht auch nicht darum, dass du Gemeinde danach beurteilst: Ist sie eine gute Dienstleistung für meine Familie? Also haben wir dann eine ordentliche Frauenstunde, haben wir eine schöne Kinderstunde, haben wir einen schönen Gesangskreis? Das kann man danach fragen, das ist aber nicht das erste Ziel von Gemeinde.
Sondern Gemeinde soll Gott hier auf der Erde verherrlichen, soll ihn repräsentieren vor den anderen Menschen, soll auch Christen die Möglichkeit bieten, ihre geistlichen Gaben einzusetzen, zu trainieren und darin zu wachsen oder denjenigen, die schwach sind, sie auferbauen.
Also Gemeinde ist nicht einfach nur ein Verein von Leuten mit ähnlichem Interesse, die sich ab und zu treffen, wie das bei vielen anderen Vereinen der Fall ist, sondern hier steht: das ist Pfeiler und Grundfeste der Wahrheit, Pfeiler der Wahrheit, Haus Gottes. Da will Gott wohnen, und dementsprechend sollen wir uns dann auch verhalten.
Das Geheimnis der Gottesfurcht und die Heilsgeschichte Christi
Und dann sagt er: „Unerkannt groß ist das Geheimnis der Gottesfurcht: Gott ist geoffenbart worden im Fleisch, gerechtfertigt im Geist, gesehen von den Engeln, verkündigt unter den Heiden, geglaubt in der Welt, aufgenommen in die Herrlichkeit.“
Was damit gemeint ist, wenn hier steht: „Groß ist das Geheimnis, Gott ist geoffenbart im Fleisch“? Hier ist natürlich gemeint: Gott in der Form von Jesus Christus. Also Gott ist Fleisch geworden, Gott ist Mensch geworden. So lesen wir das im ersten Kapitel des Johannesevangeliums: „Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns.“ Das heißt also: Gott ist Mensch geworden in Jesus Christus. Und das ist dieses Geheimnis Gottes.
Wie kann das denn sein, dass Gott Mensch wird? Gott ist doch so ganz andersartig, dass er die Begrenztheit eines irdischen Menschen annimmt. Und dann ist er gerechtfertigt worden im Geist. Aha, als er getauft worden ist, ist der Heilige Geist auf ihn gekommen, und er hat ihn auch befähigt, die Wunder zu tun und all so etwas. Der Heilige Geist war mit ihm.
Gesehen von den Engeln. Ja, wann ist er denn von Engeln gesehen worden? Ja, an mehreren Stellen. Da lesen wir zum Beispiel im Garten Gethsemane. Da ist er von den Engeln gestärkt worden. Die Engel waren da, als Jesus auferstanden ist. Die Engel hatten ihn auch begleitet während seines Dienstes. Also er hat auch vor den Engeln, vor dem Angesicht der Engel, gehandelt, und die haben ihn bezeugt. Und dann natürlich auch, als er in der Unterwelt war und so, da waren ja auch die Engel, haben ihn gesehen.
Dann verkündigt unter den Heiden. Das ist genau das, was Paulus ja macht: dass er all denen, die keine Juden sind, erklärt, was es mit Gott auf sich hat. Und dann geglaubt in der Welt, also in der ganzen Welt. Und heute ist es ja noch mehr so als damals, als Paulus das schreibt, dass es fast kein Land der Welt gibt, wo nicht irgendwo auch Christen leben. Also in der ganzen Welt verkündigt und geglaubt. Die Gemeinde Jesu Christi ist eine weltweite, internationale Angelegenheit.
Und aufgenommen in die Herrlichkeit. Das ist die Himmelfahrt Jesu. Jesus fährt in den Himmel, bereitet uns Wohnungen dort, in die wir einmal einziehen dürfen, wenn wir in der Ewigkeit bei ihm sind. Und hier fasst der Paulus mit solchen Worten ja diese ganze Heilsgeschichte Gottes durch Jesus Christus noch einmal zusammen. Gott wird Mensch, er handelt durch den Heiligen Geist und predigt und heilt hier auf der Erde, vor den Engeln, die ihn bezeugen können, die manchmal sogar auftauchen in seiner Gegenwart. Und dann verkündigt unter der ganzen Welt, auch geglaubt in der ganzen Welt, und jetzt zur Rechten Gottes in der Herrlichkeit sitzend.
Zusammenfassung und Anwendung für die Gemeinde
Das war heute Kapitel 3. Wir haben uns erst einmal Gedanken darüber gemacht, Leitungsämter in der Gemeinde anzustreben. Kleine und große Ämter sind gut, jeder sollte danach streben. Nicht erst denken: Ach, das kostet mir zu viel Zeit, das ist mir zu viel Mühe, zu wenig Dankbarkeit. Wir sollten danach streben, und zwar besonders dann, wenn wir merken, dass Gott uns Fähigkeiten dazu gegeben hat. Nicht diejenigen, die nur Macht wollen, die sollen lieber die Finger davonlassen. Das ist eine gute Sache.
Aber es gibt dann Kriterien. Und diese Kriterien sind nicht in erster Linie Managementkriterien, sondern in erster Linie Bewährungskriterien, Glaubenskriterien und Charakterkriterien. Das ist Gott viel, viel wichtiger. Das Einzige Akademische, was darin vorkommt, ist dann die Lehrfähigkeit. Also man soll etwas erklären können, das ist auch wichtig. Aber sonst ist der Charakter wichtig, das Vorbild wichtig, die Bewährung wichtig. Das sind hier einige Punkte, die erwähnt werden, und die sind wir ja im Detail durchgegangen. Und die sollten für euch alle gelten, dass ihr alle danach strebt und dann selbst überlegt: Wo muss ich da vielleicht noch etwas verändern?
Muss ich bei der Gastfreundschaft etwas verändern, sodass ich vielleicht bisher nur Leute einlade, die meine guten Freunde sind, und dann gar nicht so daran denke? Oder fahre ich zu schnell aus der Haut und muss jetzt etwas mehr diese Gütigkeit lernen? Oder bin ich zu träumerisch und muss ein bisschen nüchterner werden? Oder ist es so, dass ich zu sehr auf das Geld und Geldverdienen achte und mich da ein bisschen bremsen muss, weil das mich sonst eher von Gott wegzieht? Oder achte ich zu wenig darauf, dass mein Haus, das heißt meine Familie, einigermaßen in Ordnung ist? Muss ich da mehr Zeit investieren?
Also all diese Sachen sollte sich jeder fragen, auch wenn du heute nicht Ältester bist und morgen vielleicht auch nicht. Und dann eben: neu bekehrter, bewähre dich und wachse daran. Denke, in der Versuchung sollst du stabil sein. Genau dasselbe gilt für die Diakone auch.
Und dann sei dir bewusst: Du bist in der Gemeinde nicht nur als Verein oder Organisation, sondern du bist Teil der Gemeinde und damit Teil des Tempels Gottes. Du repräsentierst Gott hier auf der Erde, vor den Ungläubigen, vor der unsichtbaren Welt der Engel und der Dämonen und natürlich hier in der Gemeinde. Du sollst auch mit dazu beitragen, dass die Gemeinde wächst, und als jeder gemeint und jeder gebraucht wird. Nicht nur der, der die Leitungsämter hat, sondern nur wenn jeder die Begabung, die er von Gott bekommen hat, einsetzt, dann kann die Gemeinde wachsen. Und dann geht es geistlich voran.
Sonst sind einige wenige, die arbeiten, überlastet, und ständig müssen sie irgendetwas machen. Wenn alle sich einbringen, dann gedeiht die Gemeinde, und dann ist es auch ein Bau, wie Gott ihn sich ursprünglich vorgestellt hat. Amen!

