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Das Leben des jungen Königs Josaphats: Schemaja, Asaël, Ahab, Isebel

24.02.19592. Chronik 17,8-18,3

Einführung in das Leben Josaphats und seine geistliche Bedeutung

Ist das das Lied „Zum China verloren“, Herr Cech? Für diejenigen, die das letzte Mal nicht dabei waren, wollten wir eine kurze Erklärung zum Leben des jungen Königs Josaphat geben. Dieser junge Mann, der „wutig wach“ heißt, geht so schön in den Wegen des Herrn.

Würden Sie bitte hinten die Tür schließen, damit wir nicht wegfliegen? Ja, danke. Am Sonntag führen wir im Gottesdienst ganz feierlich einen neuen Hausmeister ein. Dann wird alles noch einmal so schön.

Wir haben von Josaphat gehört, wie der Herr ihn segnete. Gott lässt sich nichts schenken. Wir waren an dem Punkt, dass Josaphat fünf Fürsten, neun Küster und zwei Priester durchs Land schickt. Sie sollten hier vorne herkommen, denn hier vorne ist alles leer. Kommen Sie bitte nach vorne! Diese Männer sollen Schuld vergeben, nicht mehr Speckchen. Sie sollten Gottes Wort verkündigen.

Dann hatten wir gehört, wie er Leute in der Ordnung des Verses 14 ihrer Vatershäuser bestellt: die Obersten über Tausend und über Zehntausende. Da sind wir stehen geblieben und haben uns gefragt: Warum erzählt die Bibel so ausführlich all diese Namen? Die interessieren uns doch nicht – ob Herr Mayr, Herr Schulze, Herr Krause, Herr Busch oder Herr Wagner, die Obersten über Tausende waren oder gepredigt haben.

Da habe ich gesagt, ich glaube, wir dürfen uns diese Namen übersetzen. Sie haben alle eine erstaunliche geistliche Bedeutung. Wenn ich mal pensioniert bin, werde ich mich ein ganzes Jahr lang nur damit beschäftigen, die Namen der Bibel zu übersetzen und zu überlegen, was sie bedeuten.

Ich kann Ihnen jetzt trotzdem das Herzstück nicht vorenthalten – nicht alle Namen, die im siebzehnten Kapitel genannt sind, aber zum Beispiel Vers 7: „Im dritten Jahr seines Königsreichs sandte er seine Fürsten Benha'il, Obadja, Zacharja, Nathanael.“ Obadja heißt „Knecht Jesu Christi“, Benha'il heißt „Sohn der Kraft“. Das sind herrliche Namen, nicht wahr? Ich kann Ihnen nicht alle Namen übersetzen, sonst fürchte ich, würde Sie das auf die Dauer ermüden.

Die Bedeutung ausgewählter Namen und ihre geistliche Botschaft

Aber zwei dieser Namen möchte ich Ihnen doch noch sagen. Unter den Leviten, die ausgesandt wurden, ist ein Mann in Vers acht genannt, der ausgesandt war, Gottes Wort zu verkündigen. Sein Name ist Semaja. Dieser Name ist mir besonders aufgefallen. Semaja bedeutet „Der Herr erhöht“.

Ich denke, er hat sich diesen Namen selbst zugelegt, nachdem er eine wundervolle Gebetserhörung erlebt hat. Es ist ja so, dass unsere Namen uns von unseren Eltern gegeben werden, und wir werden nicht gefragt. Wenn ich nicht gefragt worden wäre, hätte ich vielleicht auf den Namen Wilhelm Kusch verzichtet. Aber da der Name im Standesamt eingetragen ist, kann ich ihn nicht mehr ändern.

In der damaligen Zeit konnten die Leute jedoch nach Belieben ihren Namen ändern. Paulus hieß früher Saulus, und als er sich bekehrte, nannte er sich Paulus, was „der Geringe“ bedeutet, also „der geringste aller Knechte Jesu Christi“. Ich denke, so hat auch Semaja eines Tages eine herrliche Gebetserhörung erlebt, wie sie David im 34. Psalm beschreibt.

Dort heißt es, dass der Herr hörte, als David in seiner Not rief, und ihm half aus allen seinen Ängsten. Das ist eine ganz schlichte Erfahrung: „Da ich den Herrn anrief, hörte er mich.“ Zweimal steht es so im 34. Psalm. Mein Eindruck ist, dass es eine fast primitive Erkenntnis ist: Ich rief, und er hörte. Er rettete mich nicht sofort aus der Not, sondern zunächst aus meinen Ängsten. Er gab mir Frieden mitten in der Angst. Danach heißt es, er rettete mich aus der Not.

In der Gemeinde Jesu Christi wird es immer solche Semajas geben, Leute, die bezeugen können: „Der Herr hat mich gehört, als ich rief.“ Vielleicht sind es Menschen, die keine große Kenntnis von Theologie haben. Wenn ich sie fragen würde, wie der zweite Artikel von Luthers Glaubensbekenntnis lautet, würden sie vielleicht nicht antworten können. Aber das ist nicht tragisch.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie Semajas sind, die einfach erfahren: Ich habe gebetet, und er hat mich gehört. Er hat mir vielleicht nicht genau so geholfen, wie ich gebetet habe, aber er hat mir geholfen. Hier haben wir Platz für Sie reserviert, hier vorne. Er rettete mich aus meinen Ängsten.

Mir wird das einfach deutlich, wenn ich diese Namen zusammenstelle, die hier genannt werden, den Leviten und den Fürsten. Dann bekomme ich ein Bild der Gemeinde Jesu Christi. Darum sind diese Namen nicht überflüssig. Wenn Ihnen jemand erzählt, die Bibel sei nur trockener Quatsch, liegt das daran, dass wir uns zu wenig Mühe geben, die Dinge uns deutlich zu machen.

Ein anderer Name, den ich nicht alle übersetzen möchte, weil ich Sie nicht ermüden will, ist in Vers acht ein Mann namens Asael. Asael bedeutet „Von Gott geschaffen“. Zuerst könnte man denken, das sei kein so wichtiger Name.

In einer Welt, die überzeugt ist, vom Affen abzustammen, ist der Name Asael meiner Meinung nach furchtbar wichtig. „Von Gott geschaffen“ – was meinen Sie, wenn so jemand in der DDR auftaucht, wo die ganze Meute vom Großen bis zum letzten Lehrer im Dorf behauptete, wir stammen vom Affen ab? Und dann sagt jemand: Ich bin Asael, ein Gedanke und Werk des lebendigen Gottes. Das ist eine große Sache, nicht wahr?

Die Gemeinde Jesu wird immer wieder „Asaels“ hervorbringen, die rufen: Wir sind von Gott geschaffen! Er hat uns ins Leben gehoben, wir sind kein Zufallsprodukt oder eine bloße Entwicklung. Aber ich glaube, dass im Namen Asael noch viel mehr steckt.

Die Gemeinde des Herrn im Alten und Neuen Bund hat immer wieder betont: Wir sind sein Volk, nicht weil wir besonders tüchtig sind oder gute Menschen, sondern weil er uns erwählt und erlöst hat. Psalm 100 sagt: „Nur von Israel, denn er hat uns gemacht und nicht wir selbst zu seinem Volk und zu Schafen seiner Weide.“ Er hat uns gemacht.

Paulus sagt im Epheserbrief – den ich in meinem Gefängnis auswendig gelernt habe, auch wenn ich ihn nicht mehr vollständig kann – dass wir nicht aus Werken Gemeinde des Herrn sind, damit sich niemand rühme. Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Jesus Christus zu guten Werken, damit wir darin wandeln sollen.

Die persönliche Erfahrung der Wiedergeburt und das Zeugnis von Asael

Liebe Freunde, sind hier wiedergeborene Christen. Wie kam es, dass sie zum Glauben kamen? Um sie herum sind doch tausende Menschen, die noch nie über ihre Sünde nachgedacht haben. Wie kamen sie dazu, traurig über sich selbst zu sein? Wie kam es, dass sie den Mann von Golgatha als ihren Heiland erkannten? Ja, wie kam es, warum nur, dass sie heute Abend hier sitzen?

Es sind doch etwa hundert, die hier sitzen. Was für eine Welt, in der wir leben – das habe ich eben wieder so gemerkt. Da haben zwei italienische Fremdarbeiter, also zwei Mädels aus unserem Kreis, hier angesprochen. Sie konnten kein Deutsch, und die Mädels dachten, die wollten ihnen die Bibel bringen. Doch als die Italiener näherkamen, stellte sich heraus, dass sie die beiden Mädchen von der Straße wegführen wollten. Selbst auf so gottseligen Wegen ist ein Mädchen nicht seines Lebens sicher, nicht wahr?

Hier in der Homburgstraße habe ich gedacht: Was ist das für ein Dreck in so einer Stadt? Da ist ein wunderbares Mädchen für jeden, der hier sitzt. Wie kommt es? Wie kommt es, dass ich hier stehe und predige, voll Freude von der Gnade Gottes in Jesus? Das hat er getan, er hat alles getan. Er hat an uns gezogen, er hat an uns gearbeitet. Wir sind Asaels von Gott gemacht. Er hat an uns, nachdem er uns einmal natürlich zur Welt gebracht hatte, auch neu geboren. So heißt es vom Heiligen Geist: Nicht hier du, da ich geboren, mich neugeboren, dass ich sein werde. Das ist von Asael gesagt.

Mit diesem Wort rühmt die Gemeinde, was Gott an ihr getan hat: Er hat mir die Augen geöffnet, er hat mich zum Glauben geführt, er hat mich neu geschaffen. Sehen Sie, in der Gemeinde wird es immer Asaels geben, solche, denen das besonders wichtig ist, wie mein alter, lieber Bruder Gottlieb Schwarz aus Hülben auf der Schwäbischen Alb.

Gottlieb Schwarz war in vieler Hinsicht ein Reminiszenz. Er war mir ein väterlicher Freund, Klempner von Beruf – in Württemberg sagt man Flaschner. Und er war mir schon lieb, als ich ein Junge war. Ich habe immer Weinbergschnecken gesammelt, und er hatte große Weinbergschnecken-Gärten, die nach Wien verkauft wurden. Dort werden sie gegessen, nicht nur in Paris. Für zehn Stück bekam ich ein paar Pfennige, und dort gibt es so viele Weinbergschnecken. Das war mein erstes selbstverdientes Geld, nicht wahr? So war der Gottlieb Schwarz mir immer besonders lieb.

Später habe ich dann gelernt, was für ein geistlicher Mann er war, ein Vater in Christo. Er ist jetzt auch in der Ewigkeit, der Gottlieb Schwarz. Und ich vergesse nicht, welchen Eindruck er auf mich gemacht hat. Es war in der Zeit, als ich mich bekehrt hatte und sehr, sehr gesetzlich war und predigte: „Jetzt müsst ihr, ihr, los, tut was!“ Da hat der Gottlieb Schwarz mal in einer Stunde erzählt: Jemand hatte ihn gefragt: „Was hast du getan, Gottlieb, dass du so weit im Glauben gekommen bist?“ Und er hat einfach geantwortet: „Ich habe bloß widerstrebt, ich habe bloß widerstrebt.“

Alles Übel hat er getan – das ist ja überspitzt ausgedrückt, nicht wahr? Aber es ist wohl richtig so: Er hat nur widerstrebt. Und er gab keine Ruhe. Und er weckte manchen Herzog bis zum Heiland auf. Vielleicht ist manch einer hier, der widerstrebt, auch so. Und der Herr Jesus ist dann doch nicht zur Ruhe gekommen. Das ist herrlich, Asael!

Vielleicht meint er doch gar nicht, dass du im Glauben stehst, hier aus unserer Mitte. Ich möchte schon Asael nennen: Wenn du hier sitzt, sei dir gewiss, dass der Herr dich zu sich ziehen will.

Die Freude an Gottes Güte und das Lob der Tob Adonai

Und noch einen dritten Namen, der so schön ist, möchte ich nennen – unter den Leviten. Das ist der Tob Adonai. Das heißt also ein bisschen, dass er tobt, aber es hat nichts mit Toben im Sinne von wildem Verhalten zu tun.

In 1. Chronik 17,8 heißt es: „Unter diesen Leviten ist der Mann Tob Adonai.“ Adonai bedeutet „der Herr“ und Tob heißt „gut“. Also: „Gut ist der Herr.“ Das ist auch eine Gruppe, die zur Gemeinde des Herrn gehört und einfach erfüllt ist von der Erkenntnis: Gott, ja Gott ist gut.

Sehen Sie, meine Mutter war so eine Tob Adonai. Eines ihrer Lieblingslieder, das sie so gern singen ließ, war ein Lied, dessen Refrain immer lautet: „Gott, ja Gott ist gut.“ Sie hatte die Augen für das Schöne in der Welt.

Wie fängt das an? „Sieh, wie doch der Himmel strahlet schön in Abendglut, der so schön gemalt.“ Dann folgt der Refrain: „Gott, ja Gott ist gut.“ Haben Sie beim Anblick des Abendrots schon einmal an Gott gedacht? Dass die Tob Adonai in Abendrot sagen: „Wie schön, Gott, ja Gott ist gut!“

„Sieh doch Felsenquelle, silberhelle Flut, ruft nicht jede Welle: Gott, ja Gott ist gut!“ Das war bei Ferien auf dem Berg. Da saß die Mutter oben mit den Kleinen, und wir rannten das tiefe Tal gerade am Meter tiefer entlang. Dann sangen sie da oben:

„Und doch Hirtenknabe, schön wie Milch und Blut, sinkgestützt vom Stab um mir, gab’s ein Echo: Gott, ja Gott ist gut!“

Ich staunte in meinem Zweiten, bis das Unterkafel wieder aufkam: „Gott, ja Gott ist gut!“ Von uns Menschen allen soll mit frohem Mut stets das Lob erschallen: „Gott, ja Gott ist gut!“

Es gibt so viele Christen, die so geführt werden, dass sie eigentlich immer nur Kreuzträger sind. Und dann dürfen sie auch wissen: „Der hat mich ja gekauft.“ Und in allem Zerbrechen bleibt er mein Heiland.

Aber es gibt auch solche, die der Herr freundlich führt – doch sie merken es nicht. Sie merken es nicht, nicht wahr? Wenn sie 220 Fahrer sagen und sie brauchen 300, so merken sie es nicht.

Und das ist eine besondere Sorte von Christen, die Augen haben für die Güte Gottes überall. Wenn ich nachts schlafen darf und aufwache, dann erfreue ich mich daran. Aber sie haben schlaflose Nächte, ja?

Liebes junges Volk, für das es kein Problem ist, ob man schlafen kann, singt morgens: „Gott, ja Gott ist gut!“ Ich weiß, was schlaflose Nächte sind, wenn man in meinem Alter ist oder wenn man gesund ist, nicht? Oder wie es bei mir ist, wenn man Familienfeste feiern darf oder so: „Gott, ja Gott ist gut!“

Das sind die Tob Adonai. Und zu diesem Loblied kommen sie am meisten im Anblick Jesu:

„So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen Sohn gab.“ Gott – da ist Überschwang, da tritt das Meer über die Ufer, da wird man tot vor Freude: Adonai, Gott, ja Gott ist gut.

Sehen Sie, das sind die eigentlichen fröhlichen Leute in der Gemeinde Jesu Christi. Sie reden nicht nur von ihrem Kreuz und Leiden, sondern auch von der Freundlichkeit Gottes.

Welche Lieder singen Sie gerne: die Kreuz- und Trostlieder oder die Loblieder? Die Loblieder – das sind die Tob Adonai.

Ja, ich muss mir einen Ruck geben, ich muss mir einen Ruck geben, dass ich bei den Namen nicht weitermache. Aber ich will mir den Ruck geben.

Josaphats Reichtum und die gefährliche Freundschaft mit Ahab

Wir kommen zu Kapitel achtzehn. Es spielt herrlich im Reich Josaphats. Lesen Sie bitte auch zu Hause die Kapitel 17 und 18 im Buch der Chronik durch.

Josaphat hatte große Reichtümer und Ehre. Nun möchte ich hier einen Punkt setzen, denn es folgt kein Komma, sondern der Text geht im selben Atemzug weiter: Er befreundete sich mit Ahab.

Nach einigen Jahren zog Josaphat hinab zu Ahab nach Samaria. Ahab ließ für ihn und das Volk, das bei ihm war, viele Schafe und Ochsen schlachten. Er überredete ihn, nach Ramoth-Gilead zu ziehen.

Ahab, der König Israels, fragte Josaphat, den König Judas: „Willst du mit mir nach Ramoth-Gilead ziehen?“ Josaphat antwortete: „Ich bin wie du, und mein Volk ist wie dein Volk. Wir wollen mit dir in den Streit ziehen.“

Doch Josaphat sagte zum König Ahab, dem König Israels: „Frage heute den Herrn nach dem Wort des Herrn.“

Ich weiß nicht, ob sie beim ersten Lesen gleich verstehen, worum es hier geht. Josaphat hatte große Reichtümer und Ehre. Aber nun zeigt sich das erste, was man ihm deutlich machen muss: Er betritt einen gefährlichen Weg.

Er befreundet sich mit Ahab. Von Ahab wissen wir aus den Königsbüchern viel. Er war der große Widersacher des Propheten – ach, Gott sei Dank, dass Sie das wissen. Das ist herrlich und tröstet mich immer, wenn ich ein bisschen Bibelkenntnis finde.

Ahab war der Gegner des Propheten Elija. Er war ein schwacher Mann – ach, diese Schwachmänner! Er hatte eine Frau, die das Sagen hatte. Sie hieß Isebel und war eine heidnische Königstochter. Sie wollte auf ihre Götzen nicht verzichten.

Ahab war so verliebt in sie, dass er ihr alles durchgehen ließ. „Mein Träubchen, was du willst, sollst du haben.“ So durfte sie einen Götzentempel errichten.

Weil das Mode wurde, sagten alle jungen Mädchen: „Die Königin hat so eine Frisur.“ Damit war gemeint: „Sie hat so einen Gott, nun müssen wir auch so einen Gott haben.“

Ahab wehrte sich nicht. Als die Propheten dagegen auftraten, stellte sich der starke Mann auf die Seite der Götzen. Er sagte: „Das ist jetzt wahr, hier habe ich das Sagen, hier regieren die Götzen.“

So wurde er in der Gemeinde Jesu Christi zu einem Verfolger der Propheten. Man musste die Propheten vor ihm in Sicherheit bringen.

Er war der Mann, der, verführt von seiner Königin, den gerechten Naboth steinigen ließ, um dessen Weinberg zu erben.

Wenn Sie diese Geschichte nicht kennen, lesen Sie bitte zuerst das Königsbuch. Es lohnt sich.

Soll ich sagen: Ein Freund Jesu Christi? Nein, ein Feind der Gerechtigkeit, ein böser Mensch – und mit ihm befreundet sich Josaphat.

Die Herausforderung der Nachfolge und die Gefahr der Verstrickung

Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir sind im Grunde an dem Punkt, an dem wir am Sonntag im Gottesdienst standen. Da habe ich gesagt: Was hat Petrus zwischen den Sklaven und Dienern am Feuer verloren? Hier muss es zu einem Fall kommen, und beim Josaphat kommt es auch zu einem Fall.

Sie sehen, es waren ein paar Pfarrer aus einer anderen Synode am Sonntag zu Besuch. Mit ihnen hatte ich nachher gesprochen. Sie waren gekommen, um hier am Sonntag einmal zu lernen. Sie sagten: Gut, es geht überhaupt um Leute und junge Wölfe. Nun waren sie aber an dem Teil der Predigt in Fahrt geraten: Wir müssen doch in die Welt hinein.

Sehen Sie, wir haben unsere Gemeinde in der Karnevalszeit alle Karnevalsgesellschaften eingeladen. Dann wurde mit Heinrich Giessen vom Kirchentag eine Diskussion über Karneval geführt. Einige engstirnige Gemeinschaftsleute sagten, der Teufel sei in dem Saal. Das ist doch Wahnsinn! Wir hatten doch endlich mal diese Leute da. Die sagen dann Wort Gottes? Nein, aber über die Diskussion über Karneval.

Er befreundete sich mit Ahab. Es ist wie verhext, dass die Verkündigung des Evangeliums von Kausel an unsere Jugendkreise, an Alte und Junge heute heißt: Befreunde dich mit Ahab. Mensch, du kannst deinem Ahab doch nicht helfen, wenn du in Jerusalem bleibst. Du musst nach Jerusalem, da liegt am Wege der arme Ahab. Du musst mit ihm nach Ramoth in Gilead ziehen, auch wenn es dein Leben kostet – das ewige Leben.

Verstehen Sie, man weiß nichts mehr davon, dass die Bibel sehr ernsthaft spricht: Zwischen der Gemeinde des Herrn und der Welt besteht ein verachtlicher Unterschied. Natürlich sagt Paulus: Wir leben unter den Weltmenschen, wir müssen mit ihnen Geschäfte machen, wir leben mit ihnen im Haus. Ich kann mit ihnen kein Klar haben, aber viele Weltleute in meinem Hause wohnen. Da wohnen eine ganze Menge Familien, mit denen habe ich ein reizendes Beihilfnis. Aber es gibt eine Grenze, wo Schluss ist, nicht?

Ich freue mich, dass eine ganze Reihe unserer Kreise an der Karnevalsfrage in Not geraten sind und Entscheidungen fällen mussten, die zum Teil durch die Familien hineingingen, nicht? Das ist gut! Am Sonntag wurde mir gesagt: Das ist doch wahnsinnig wuschig. Fragen Sie die Bibel, es geht nicht um meine Theorie. Was meinen Sie, wie schreit es auch oft, mit allen Vieren in die Welt hineinzuspringen, nicht?

Ich weiß auch etwas von Fleisch und Blut, aber ich weiß, dass der Herr aus der Welt heraus berufen hat, dass er nicht einfach hemmungslos mit den Ahabs gemeinsame Sache machen kann. Er konnte nicht mehr, er befreundete sich – steht hier. Natürlich musste der kleine Josaphat als König mit anderen Königen verkehren. Da gab es Staatsbesuche, aber es war viel mehr. Er befreundete sich, er lieferte sich dem Geist dieses Ahab und seiner sehr gefährlichen Isebel aus.

Die Isebel bleibt hier im Hintergrund bei der Geschichte. Wenn Sie 1. Könige 18 und 19 lesen, dann wissen Sie, dass sie bei allen Arten von Geschichten im Hintergrund gestanden hat, nicht? Die Franzosen pflegen in solchen Fällen zu sagen: cherche la femme, nicht? Und gar nicht so dumm – Weltmenschen wissen auch manchmal etwas ganz Bescheid.

Sehen Sie, jetzt zieht er also hin, mit großem Trara, und Ahab ließ für ihn, für das Volk, das bei ihm war, viele Schafe und Ochsen schlachten. Er beriet ihn, dass er mit ihm nach Ramoth in Gilead ziehe. Das ist das Zweite, was ich zeigen möchte.

Jetzt wird Josaphat verwickelt, jetzt wird Josaphat verwickelt in die fragwürdigen Geschäfte des Ahab. Man befreundet sich nicht ungestraft mit einem Ahab. So ein Ahab genieß sich nicht mit ein bisschen Sympathie, und die Welt auch nicht, und der Teufel auch nicht. Sie können der Welt entgegenkommen, solange sie wollen – da gibt es doch keine Ruhe, bis sie von Jesus abgefallen sind.

Meinen Sie, sie könnten mit dem Teufel spielen? Der will doch eine ganz klare Sache: dass sie dem Herrn absagen und nicht mehr herkommen. Darum geht es doch, nicht? Da können Sie bei der Welt noch so viel Liebkind machen – das liebt alles nichts, solange Sie bei Jesus bleiben. Sie sind Fremdkörper, nicht?

Oh, der gute, gute kleine Josaphat, was hat er in so einem Pastor gehört, der gesagt hat, das Salz gehöre nicht in die Suppe, und nun also geht dieses Salz in die Suppe. Nun wird er verwickelt in das dunkle Geschäft. Das fängt an mit diesem großen Fest. Es wird ausdrücklich gesagt, er ließ viele Schafe und Ochsen schlachten für ihn und sein Volk.

Das würde man nicht so ausdrücklich verstehen, wenn die Bibel nicht an etwas ganz Bestimmtes dächte und etwas ganz Bestimmtes meinte. Sehen Sie, es ist schon im Volk Gottes so, erst recht im Heidentum, dass mit dem Schlachten der Tiere Opfer verbunden sind. Wenn Ahab viele Tiere schlachten lässt, dann wird ein Teil geopfert.

Ja, wem hat denn Ahab wohl die Opfer bei diesem großen Fest gebracht? In der damaligen Zeit gab es kein Fest ohne Religion. Wissen Sie, das haben Sie heute noch in der katholischen Kirche, lieber im Kirmes: Morgens Messe und abends Augenbar oder Brückeneinweihung oder irgendwas. Das muss ja freundlich Messe sein, diese geistliche Begleitung und so.

So ist es überall im Eigentum so. Und wen opfert nun Ahab und der Art? Denken Sie an Isebel im Hintergrund! Die Dame wird schwer aufgepasst haben, dass ihre Aschera und ihr Baal hier beide in der Geschichte nicht unterschlagen werden, nicht? Da wird allerhand heidnischer Zinnober dabei gewesen sein. Da haben die Baalspriester, mit denen Elija zusammenkam, eine gewichtige Rolle gespielt.

Ich kann mir denken, wie es dem armen Josaphat dabei zu muten war. Das war nicht der Geist, in dem er zuhause war. Was wollte man nun viel machen? Man war ja befreundet, man konnte jetzt keinen Knall herbeiführen, konnte nicht aufstehen und sagen: Das ist für mich nichts. Das wäre ja ein Christvoll gewesen.

Also bleibt man dazwischen und schluckt es, schluckt es, wie der arme Herodes, der beraten war von Johannes dem Täufer, den Tanz der Herodias schluckte und schließlich noch das Haupt des Johannes gab. Bei diesen heidnischen Festen ist immer viel Erotik dabei, da geht es über die Grenze hinüber.

Wissen Sie, ich weiß nicht, ob Sie es schon erlebt oder empfunden haben, dass ein Mensch, der den Heiligen Geist hat, der Jesus liebt, in einer Gesellschaft auf einmal Atemnot bekommt, weil die Reden geführt werden, nicht zweideutig, nicht sehr dreckig, vielleicht ganz geistig, aber man spürt: Das kann ich nicht lachen, das kann ich einfach nicht. Da ist die Atmosphäre, da passe ich mir rein.

Ich weiß wohl, warum ich einfach keinen gesellschaftlichen Verkehr mehr unterhalte. Ich komme immer wieder in Atemnot bei der Geschichte. Verstehen Sie, was ich meine?

Es wird oft gefragt: Kann ein Christ das mitmachen oder kann ein Christ das nicht mitmachen? Da möchte ich oft sagen: Wer erst der richtige Christ ist, der probiere aus, wo du noch atmen kannst. Try it out, wo es dir schlecht wird, ja?

In dieser Atmosphäre des heidnischen Götzendienstes und dieser – ich hätte beinahe gesagt – dieser Aschera-Baal-Feier müsste der arme Jehova dabei sitzen. Es gab Tempeldirnen bei der Aschera, Tempelprostitution, das gehört zum Gottesdienst, nicht? Das hat die Isebel also wieder reingebracht nach Israel.

Und nicht davon bekommt Josaphat wahrscheinlich eine anständige Stange voll mit. So, oh Josaphat, du gleichst aufs Haar dem Petrus, wie er vom Feuer angezogen sich zwischen die Diener und Knechte mischt. Genau dasselbe im Neuen Testament.

Aber das war ja noch harmlos. Da konnte er wieder abreisen und sagen: Gott sei Dank, mir ist bei den Festen meines Gottes wohler. Aber so schnell lässt der Teufel seine Opfer nicht los. Ist dieser harmlose Josaphat schon mal den Weg gegangen, dann kommt doch sofort die nächste Verwicklung hinein.

Können Sie sich vorstellen, wie das so kalt tafelt, nicht wahr? Und Ahab dann anfängt zu sagen: Also, ich bin gerade am Vorabend des Kriegszuges, da haben die Syrer mir die Stadt Ramoth in Gilead genommen. Das ist eine ganz unverschämte Sache.

Dabei war das politisch sehr fragwürdig. Ramoth in Gilead gehörte höchstwahrscheinlich nicht zu Israel und war eine umstrittene Stadt, verstehen Sie? Man sagte, das Elsass war zwar deutsch, bald war es französisch. So etwas mit Ramoth in Gilead.

Und jetzt, jetzt denn ist das der Art, muss sich der Gerechtigkeit zum Sieger behelfen. Es ist noch nie ein Krieg geführt worden, ohne dass von der Gerechtigkeit zum Sieger geholfen wurde. Oder haben sie mal einen anderen geführt? Hitler und Napoleon wollten andere Gerechtigkeit zum Sieger behalten, und Abendkirchend auch. Und jetzt werde ich mir Ramoth in Gilead holen.

Schön, sagt der Josaphat, du bist doch männlich! Den Siebellen guckt ihn an und denkt: Ja, er ist doch ein Mann, nicht? Das habe ich gedacht. Und dann kommt die verständliche Frage Josaphats, dann gerade hier, bis mit aller am Kriegsvolk, du machst doch mit.

Jetzt frage ich mich, was in aller Welt hatte der Friedenskönig, der gesegnete Josaphat, von dem wir gehört haben – erinnern Sie sich, wie Gott ihn gesegnet hat und wie er aufgebaut hat und wie er Frieden hatte mit aller Welt – was wollte der Täubling Josaphat in diesem gottlosen Kriegzug des Ahab verwehren?

Sie sagen, das ist eine alte Geschichte. Das ist genau die Geschichte, die heute dort passiert ist. Verstehen Sie, das ist merkwürdig, wenn ich das Leben gewähre, Jugendpfarrer hauptsächlich mit Jungs, aber ich habe auch mit Mädchen zu tun. Und wenn ich das Leben dieser jungen Menschen ansehe, wie sie plötzlich in ganz elende und schmutzige Geschichten verwickelt sind, und sie können sagen, wie Gretchen im Faust, und alles, was sie dazu trieb: Ach, war so gut, Gott war so lieb, es fing so harmlos an. Ich wollte nur ein bisschen Salz in die Suppe spielen. Wir müssen doch schließlich nicht.

Und dann sitzt man drin und führt die Kriege des Teufels mit und steht auf Seiten derer, die Unrecht tun und Blut vergießen wollen.

Verzeihen Sie, wenn ich Sie etwas ausführlich erzählt habe. Mir scheint es so furchtbar wichtig zu sein für unser eigenes Leben. Es sind so viele hier, die haben den Anfang nicht jährlich gemacht, den Anfang. Und nun verdeutlicht die Nachfolge Jesu jeden Tag Entscheidungen für uns.

Verstehen Sie, Sie sehen mit ihrem Beruf, sie kommen ja doch dauernd im Grunde vor Entscheidungen. Und da bin ich sehr froh, dass die Bibel mit solcher Klarheit spricht. Sagt mal Mann im Psalm 119: Ich trage meine Seele immer in meinen Händen. Wundervoll so. Das ist das Wort eines Christen.

Ich trage meine Seele immer in meinen Händen. Ein Weltmensch hat Seele und Gewissen längst kaputtgeschlagen, und ein Christ hat es neu geschenkt bekommen. Ich trage sie in meinen Händen. Ich kann nicht darauf losleben. Ich bin von einem Herrn abhängig. Ich habe einen Heiligen Geist bekommen, der mein Herz froh macht. Ich weiß, dass er betrübt werden kann, wenn ich mit Ahab hier seine schmutzigen Geschäfte treibe. Ich kann es nicht.

Und das Unheimliche ist, wie der gute Josaphat gar nicht merkt, wie er hier in böse Geschichten verstrickt ist. Er gibt hier eine Erklärung ab, die einem die Haare zu Berge treibt, solange man überhaupt noch so weit Haare hat. Ich kann da nicht mitsprechen, aber er erklärt bitte in Vers 3: Er sprach zu Ahab: Ich bin wie du.

So hat Mussolini zu Hitler gesagt, nicht? Deine Einheit ist meine Einheit und so. Ich bin wie du und mein Volk ist dein Volk. Wir wollen mit dir den Krieg führen. Wahnsinnig, irrsinnig!

Es ist ja doll, ist ja doll, das ist eine Erklärung, so haben Sie am Brenner miteinander gesprochen, die zwei, nicht? Es ist ja unheimlich, wie die Welt sich nicht verändert. Ich bin wie du und mein Volk ist wie dein Volk.

Mein Gott, wie kann ein Josaphat, der mutig geworden ist in den Wegen des Herrn, der jetzt gerade so ein Schlachterfest widerlebt hat am Hof des Ahab, wie kann er sagen: Ich bin wie du? Musste er nicht sagen: Nein, mein Lieber, ach, für deine schmutzigen Gewaltkriege für dich alleine, ob du es nun auf privatem Sektor machst, wie mit dem Mann, den du den Weinberg da geklaut hast, den Nabot, oder ob du es im Großen machst mit deinem ganzen Volk, ich will darin nicht verflochten werden.

Wir haben einen anderen Herrn, mein lieber Ahab, und wir haben einen anderen Geist, mein lieber Ahab, und wir haben andere Gebote, mein lieber Ahab, und wir haben andere Ideale, mein lieber Ahab. Nicht davon, sondern ich bin wie du.

Wie kann der Mann das sein? Denn das ist genau dieselbe Situation wie der Petrus, als er sich verschwor und sagte: Ich kenne Jesus. Alles wie ausgelöscht.

Wie? Wie ein Selbstmörder stürzt er sich hinein, der Petrus in dieser Situation, in die Verleugnung Jesu, und genau dieselbe Lage, wie ein Selbstmörder auf einmal, also geistlicher Selbstmörder, nimmt allem Absagen, was man bisher gewesen ist und getan hat.

Wie kommt das? Meine Freunde, hier hört jede psychologische Erklärung auf. Das kann man nur verstehen, wenn man begriffen hat, dass der Gott dieser Welt Satan heißt. Und wenn man versteht, was Luther sagt: Groß macht und viel ist sein grausam Rüstung, mit unserer Macht ist nichts getan.

Man muss verstehen, dass Gott seine Leute, wenn sie zu unvorsichtig sind, auch mal laufen lässt. Ich schade, dass jetzt die Zeit abgelaufen ist, bis ich das nicht zu Ende besprechen kann, die ganze Geschichte. Aber wir werden uns noch viele Diensttage damit beschäftigen.

Lesen Sie mal für sich, in welcher Not Josaphat kommt, wie er betrogen wird, dumm gemacht wird. In der Schlacht nachher hat der Arzt ihm gesagt: Zieh du Königskleider an, ich will mich verkleiden als ein gewöhnlicher Kriegsmann. Auf so einen Leim ist er reingefahren, nicht?

Dann geht alles abends auf ihn geschont, und der arme Josaphat, den die ganze Sache überhaupt nicht angeht, ist dumm gemacht, wo der Strich umfahren. Sie müssen die Geschichte für sich mal durchlesen, um schon das Auf einmal mitzukriegen: Gott lässt seine Knechte manchmal so laufen, bis sie endlich merken, wie sie, wo sie stark sein wollten, schwach sind, wo sie dachten, sie könnten hoch einhergehen, von ihm verlassen sind.

Es ist natürlich etwas schrecklich, wenn ich hiermit aufhören müsste. Aber ich darf jetzt schon vorweg sagen: Der Herr hat auch am Ende seinen Josaphat nicht losgelassen. Und es ist mir eigentlich sehr tröstlich, dass all die Großen im Reich Gottes ihre dunklen Stunden und Niederlagen haben.

Denn es ist ja keiner von uns hier, der nicht seine dunklen Stunden und seine Anfechtungen und seine Niederlagen hat, nicht? Und da lernt man zu verstehen, dass unser Heil nicht darauf beruht, was wir können. Das ist kein tragender Grund.

Mein Heil beruht am Ende darauf, was er für mich getan hat, dass er mich erkauft hat. Am Ende meines Lebens möchte ich an nichts denken, was ich getan habe – das wird lauter Versagen sein –, aber ich weiß, dass das Kreuz Jesu noch dasteht und jeden Tag dasteht.

Ich kann dahin blicken und glauben: Du hast mich erkauft, du Mann von Golgata. Darum bin ich ein Kind Gottes, darum Gott sei Dank!