Rückblick
Liebe Geschwister, wir fahren heute Abend weiter mit dem begonnenen
Thema, die Gemeinde als Leib Christi. Wir haben uns am letzten Sonntag die
fünf Hauptthemen, die man in Verbindung mit dem Leib im Neuen Testament
findet, kurz in der Übersicht angesehen. Dann haben wir uns mit dem
beschäftigt, was ein Geheimnis ist im Neuen Testament, weil der Leib
Christi als ein Geheimnis vorgestellt wird, das heißt eine Wahrheit, die im
Alten Testament völlig unbekannt war und erst im Neuen Testament
geoffenbart worden ist. Und zwar wird dieses Geheimnis insbesondere das
Geheimnis des Christus genannt. Und wir haben gesehen, dass der Ausdruck
Christus dann bedeutet, der Herr Jesus verbunden mit allen Erlösten der
Gemeinde. Wir haben uns auch mit geistlichen Bedeutung des Begriffes Leib
im Alten Testament beschäftigt und dann auch mit der Taufe mit Heiligen
Geist und dabei gesehen, dass es nicht ein mystisches Erlebnis ist, sondern
die wunderbare, aber nüchterne Heilstat Gottes, wenn ein Mensch als Glied
eingefügt wird in den Leib Christi. Und dann haben wir schließlich auch
noch unterschieden, was die Bibel über den Leib Christi sagt und was sie
sagt über den wahren Weinstock in Johannes 15.
Schließlich haben wir begonnen uns der Reihe nach mit allen Stellen im
Neuen Testament über den Leib Christi zu befassen. Das ist Hauptpunkt 2
vorne auf dem Blatt. Wir haben uns beschäftigt mit Römer 12, wo
interessanterweise das Thema vom Leib behandelt wird, nachdem gerade vorher
im Römerbrief gezeigt wird, wie ein Mensch allein durch den persönlichen
Glauben gerettet wird. Also das ist nicht etwas, das andere für ihn tun
können, es ist auch nicht etwas, das eine Heilsinstitution, ein Kollektiv,
vermitteln könnte, sondern der Mensch steht allein, persönlich vor Gott.
Aber dann vervollständigt eben Römer 12, nun als Erlöster ist man nicht
allein, sondern ist in die Verantwortung gestellt, den anderen Erlösten zu
dienen. Wir sind Glieder voneinander. Dann haben wir die Verse in 1.
Korinther 6, 12-20 angesehen und dort festgestellt, dass der Begriff Glied
am Leib Christi den ganzen Menschen umfasst, gewissermaßen mit Haut und
Haaren. Denn der Körper des Erlösten wird dort als ein Glied Christi
bezeichnet.
Die Bedeutung von "Leib des Christus"
Obwohl ich schon etwas zu 1. Korinther 10, 17 gesagt habe, möchte ich
noch etwas dazu ergänzen. Es geht im Zusammenhang um das Abendmahl und den
Tisch des Herrn. Ich lese 1. Korinther 10 ab Vers 15: Ich rede als zu
Verständigen; beurteilet ihr, was ich sage. Der Kelch der Segnung, den wir
segnen, ist er nicht die Gemeinschaft des Blutes des Christus? Das Brot,
das wir brechen, ist es nicht die Gemeinschaft des Leibes des Christus?
Denn ein Brot, ein Leib sind wir, die Vielen, denn wir alle nehmen teil an
dem einen Brote." Hier gibt es eine Verständnisschwierigkeit. Und zwar wird
in Vers 17 über den einen Leib gesprochen: Wir sind ein Leib. Das ist also
klar, da geht es um den Leib Christi, die Gemeinde, bestehend aus dem Herrn
Jesus, das Haupt, und den Erlösten als Glieder des Leibes. Aber die Frage
ist, wenn in Vers 16 über das Brot gesprochen wird, das wir brechen, und es
heißt dort: Ist es nicht die Gemeinschaft des Leibes des Christus?, was
bedeutet hier Leib des Christus? Ist das der menschliche Körper des
Erlösers oder ist hier die Gemeinde gemeint? Man könnte nämlich denken, das
muss die Gemeinde sein, denn Vers 17 wird ja angeschlossen mit denn, als
Begründung. Denn ein Brot, ein Leib sind wir, die Vielen. Das ist ein
Auslegungsproblem, das man vom Deutschen her nicht klären kann.
Und zwar ist es so, dass mit «denn» übersetzte griechische Wort kann
begründend sein, aber es wird im Neuen Testament auch des Öfteren
verwendet, um etwas Neues einzuführen, einen neuen Gedanken. Und das passt
hier auch viel besser. Denn Vers 16 sagt zuerst: Den Kelch, den wir segnen,
ist er nicht die Gemeinschaft des Blutes des Christus? Das ist klar, das
Blut des Christus, ist wirklich das Blut des Herrn Jesus, das am Kreuz
geflossen ist. Und dann kommt: Das Brot, das wir brechen, ist es nicht die
Gemeinschaft des Leibes des Christus? Dann ist es doch logisch, dass es
hier jetzt um den Leib, den menschlichen Leib des Herrn geht und nicht
plötzlich um die Gemeinde als Leib Christi. Also, aber Vers 17 führt dann
zusätzlich etwas Neues ein: Denn ein Brot, ein Leib sind wir, die Vielen,
denn wir alle nehmen teil an dem einen Brote. Dadurch, dass alle Erlösten
beim Abendmahl vom Brot nehmen, drücken sie aus, wir alle haben Anteil an
dem Opfer des Herrn Jesus auf Golgatha. Und das ist uns allen gemeinsam.
Wir alle haben in dem Opfer des Herrn Jesus unser Heil. Und nun erklärt
Vers 17, und diese Einheit, dieses gemeinsame Teil, ist so eng, dass wir
selber zusammen eben auch einen Leib bilden. Und es wird nicht nur gesagt
ein Leib, sondern auch ein Brot. Und so wird quasi erklärt, dass das Brot
beim Abendmahl noch eine zusätzliche Bedeutung hat, denn es weist nun nicht
allein auf den Leib Christi am Kreuz hin, sondern auch auf uns als Leib, da
wir, die wir alle an diesem Opfer teilhaben, eine so enge organische
Verbindung bilden. Und darum ist es eben richtig, dass wir beim Abendmahl
beide Bedeutungen im Brot erkennen. Aber die erste Bedeutung ist wirklich
der menschliche Leib des Herrn, den er für uns am Kreuz geopfert hat.
Die Wirkungen des Geistes Gottes
Wir gehen weiter zu 1. Korinther 12. Da wird über den Leib Christi
gesprochen, aber wir müssen beachten in welchem Zusammenhang. In Kapitel
12, 1 beginnt es mit: Was aber die geistlichen Gaben betrifft, Brüder, so
will ich nicht, dass ihr unkundig seid." Diese Satz gibt schon die
Übersicht. Es geht im Folgenden um die Wirkungen des Geistes Gottes. Und
zwar gehören Kapitel 12-14 zusammen. In Kapitel 12 wird nun gezeigt, dass
der Heilige Geist auf ganz verschiedene Weise durch die Erlösten wirkt. In
diesem Zusammenhang wird über den Leib Christi gesprochen und es wird
erklärt, dass jeder Erlöste ein Glied am Leib ist, es aber ganz
verschiedene Glieder gibt und das erklärt diese Vielfalt, die es unter den
Erlösten gibt im Dienst und in der Begabung. Es wird auch erklärt, dass
alle notwendig sind und man auf keines der Glieder verzichten kann. Und es
gibt keinen Grund für Minderwertigkeitskomplexe und keinen Grund für
Überlegenheitskomplexe.
Um das zu verdeutlichen, diese Vielfalt und Notwendigkeit jedes
Einzelnen, wird hier über den Leib gesprochen. Der Vollständigkeit halber,
in Kapitel 13 geht das Thema von den geistlichen Wirkungen weiter, aber es
wird dabei betont, dass es die Liebe braucht, um wirklich anderen zum Segen
dienen zu können. Und Vers 14 zeigt uns, dass man auch Besonnenheit,
gesunden Menschenverstand braucht, um nützlich zu dienen. Diese drei
Kapitel entsprechen übrigens den drei Namen des Heiligen Geistes in 2.
Timotheus 1, 7. Dort wird uns erklärt: Denn Gott hat uns nicht einen Geist
der Furchtsamkeit gegeben, sondern der Kraft und der Liebe und der
Besonnenheit." Also der Geist der Kraft, 1. Korinther 12, er wirkt in Kraft
und auf ganz verschiedene Weise. Ein Geist der Liebe, 1. Korinther 13, es
braucht die Liebe um zu dienen. Ein Geist der Besonnenheit und der
Selbstbeherrschung, 1. Korinther 14, wir müssen uns wirklich auch Gedanken
machen, dass unser Dienst vernünftig ist, in dem Sinn, dass wir wirklich
das, was wir sagen, auch hinüberbringen, so dass es verstanden wird und
Nutzen bringt.
Gehen wir zu 1. Korinther 12 und lesen dort ein paar Verse. Vers 11f:
Alles dieses aber wirkt ein und derselbe Geist, einem jeden insbesondere
austeilend, wie er will. Denn gleichwie der Leib einer ist und viele
Glieder hat, alle Glieder des Leibes aber, obgleich viele, ein Leib sind:
also auch der Christus. Denn auch in einem Geiste sind wir alle zu einem
Leibe getauft worden, es seien Juden oder Griechen, es seien Sklaven oder
Freie, und sind alle mit einem Geiste getränkt worden. Denn auch der Leib
ist nicht ein Glied, sondern viele. Wenn der Fuß spräche: Weil ich nicht
Hand bin, so bin ich nicht von dem Leibe; ist er deswegen nicht von dem
Leibe? Und wenn das Ohr spräche: Weil ich nicht Auge bin, so bin ich nicht
von dem Leibe; ist es deswegen nicht von dem Leibe?"
Die Notwendigkeit der einzelnen Glieder
Also jetzt geht es um
die Notwendigkeit der einzelnen Glieder. Und da könnte jemand sagen: Ich
bin so und so, also gehöre ich nicht dazu. Das geht nicht. Es ist nicht
jemand so und so begabt, dass er irgendwie nicht dazu passt. Der Fuß kann
auch nicht sagen, weil ich keine Hand bin, darum passe ich nicht dazu.
Nein, er gehört dazu, weil er einfach zum Leib gehört. Und dann wird das
begründet, Vers 17-18: Wenn der ganze Leib Auge wäre, wo wäre das Gehör?
wenn ganz Gehör, wo der Geruch? Nun aber hat Gott die Glieder gesetzt,
jedes einzelne von ihnen an dem Leibe, wie es ihm gefallen hat." Also der
Apostel Paulus wird drastisch und sagt: Schaut mal, wenn der ganze Leib ein
Auge wäre, sagen wir 60-80 kg Auge, das wäre schrecklich und man hätte
allen Grund zu flüchten. Also das wäre ein Monster. Und genau so, wenn ich
mehr als 60 kg Ohr wäre, dann wäre ich ein Monster. Aber das Ohr an seinem
Platz erfüllt seine wunderbare Aufgabe. Und das zeigt gerade die
Problematik, die immer wieder unter den Gläubigen aufgekommen ist, dass man
alles uniformieren wollte, so dass alles genau in ein Schema passt und alle
sollten die gleiche Art haben. Und das ist völlig unbiblisch. Es ist
letztlich ein Monster, was dabei herauskommt. Also das wird hier deutlich
gemacht.
Und es braucht niemand Minderwertigkeitskomplexe haben und sagen: Ja, ich
bin so und so und da bin ich nicht so nützlich. Aber auf der anderen Seite
gibt es auch keinen Grund für einen Überlegenheitskomplex, denn das kommt
grad nachher in Vers 19f: Wenn aber alle ein Glied wären, wo wäre der
Leib? Nun aber sind der Glieder zwar viele, der Leib aber ist einer. Das
Auge kann nicht zu der Hand sagen: Ich bedarf deiner nicht; oder wiederum
das Haupt zu den Füßen: Ich bedarf euer nicht; sondern vielmehr die Glieder
des Leibes, die schwächer zu sein scheinen, sind notwendig; und die uns die
unehrbareren des Leibes zu sein dünken, diese umgeben wir mit reichlicherer
Ehre; und unsere nichtanständigen haben desto reichlichere
Wohlanständigkeit." Also da haben wir das andere Extrem, dass jemand
findet, er sei so wichtig, dass er sagt: Den brauche ich nicht. Und so
verdeutlicht eben hier der Leib unsere Wichtigkeit, aber auch die
Begrenztheit, dass wir uns immer wieder bewusst sind, wie notwendig wir
angewiesen sind auf die anderen Gläubigen. Und erst, wenn die Glieder
zusammenwirken, füreinander Sorge tragen, wie das in Vers 25 steht, dann
entsteht wirklich Segen.
Alle und Jeder sind gefragt
Und in diesem Zusammenhang möchte ich noch etwas zu den Versen 4-7 sagen:
Es sind aber Verschiedenheiten von Gnadengaben, aber derselbe Geist; und
es sind Verschiedenheiten von Diensten, und derselbe Herr; und es sind
Verschiedenheiten von Wirkungen, aber derselbe Gott, der alles in allen
wirkt. Einem jeden aber wird die Offenbarung des Geistes zum Nutzen
gegeben." Die Vielfalt besteht nicht nur in einer Fülle von verschiedenen
Gnadengaben, sondern es wird hier unterschieden: Verschiedenheiten von
Gaben, Verschiedenheiten von Diensten und Verschiedenheiten von Wirkungen.
Und dann wird betont, dass das in allen gewirkt wird. Ich habe das in
meiner Bibel speziell angestrichen: In allen. Das versetzt dem Denken des
Einmannsystems den Todesstoß. Und Vers 7 betont auch: Eine. Jedem wird
die Offenbarung des Geistes zum Nutzen gegeben. Alle und Jeder sind
gefragt. Und da gibt es eben verschiedene Gnadengaben. Die Gnadengaben
werden nachher aufgelistet, das heißt, nicht vollständig, sondern
beispielsweise, um zu zeigen, wie vielfältig das sein kann. Es gibt noch
andere Stellen, Römer 12 listet zum Beispiel noch andere Gaben auf. Dann
Epheser 4 nochmals andere Gaben, dort wird zum Beispiel von Evangelisten,
Hirten und Lehrern gesprochen. Aber es wird auf jeden Fall deutlich, dass
jeder mindestens eine Gnadengabe bekommen hat. Das ist ganz wichtig.
Und wer das nicht aufgrund dieser Stelle glaubt, der sei auf 1. Petrus 4verwiesen, wo dies noch ausdrücklicher gesagt wird. 1. Petrus 4, 10: Je
nachdem ein jeder eine Gnadengabe empfangen hat, dienet einander damit als
gute Verwalter der mancherlei Gnade Gottes." Ein jeder eine Gnadengabe,
also jeder hat das und es gibt ganz verschiedene. Aber weiter wird erklärt,
es gibt auch ganz verschiedene Dienste. Nun kann man das gut erklären. Ein
Seelsorger, ein Hirte, kann ganz verschiedene Dienste tun, mit der gleichen
Gabe. Er kann zum Beispiel jemanden besuchen, der in Not ist, und ihm Mut
zusprechen. Aber er kann auch einen Vortrag halten, der zur Ermutigung ist
und der wirklich seelsorgerlichen Bedürfnis entspricht. Und das ist nicht
der gleiche Dienst. Also es gibt verschiedene Gaben, aber innerhalb der
Gaben gibt es auch ganz verschiedene Arten von Diensten. Und damit nicht
genug. Nämlich ein Seelsorger, der sagen wir, eine schwer kranke Person
besucht, wird das anders angehen, als jemand, der auch die Gabe als Hirte
hat, und zur gleichen Person geht. Also auch wie der Heilige Geist durch
diejenigen, die die gleiche Gabe und den gleichen Dienst haben, wirkt, ist
entscheidend. Er wirkt nicht immer gleich. Also haben wir auf drei Ebenen
diese Vielfalt.
Und das muss sein und das bewahrt uns vor so strengen schematischen
Vorstellungen, wie alles zu geschehen hat. Es ist also völlig individuell.
Und man kann auch behaupten, es hat noch nie in den fast 2000 Jahren
Kirchengeschichte ein Glied gegeben, das gleich war wie ein anderes. Also
bei jedem war die Gabe immer wieder verschieden, auch wenn es die gleiche
Gabe war, sagen wir die Gabe als Lehrer oder die Gabe als Evangelist. Jede
Person hat ihre spezielle Gabe bekommen und auch die Dienste und Wirkungen
sind immer wieder ganz anders. Das zeigt uns eben die Vielfalt, wie Gott
wirkt. Und Gott liebt die Vielfalt. Das ist doch eigentlich auch ganz klar,
wenn man nur die Natur anschaut. Gott liebt das Übermaß an Vielfalt, wenn
man die Pflanzen und Tiere betrachtet, und eben auch bei den Menschen und
eben ganz speziell in der Gemeinde, in der Versammlung Gottes. Und so wird
also hier mit dem Leib betont, wie jeder gefordert ist. Es ist also nicht
so, wie beim Fußballspiel, wo zweimal elf Personen die ganze Arbeit machen
und ein paar tausend Menschen sitzen da und tun nichts, außer schreien und
anfeuern. Das gibt es nicht, diese zwei Gruppen, in der Gemeinde Gottes.
Aber in der Praxis hat es das sehr oft gegeben. Ein paar Leute springen
dauernd herum und die anderen feuern nur an oder kritisieren oder schießen
mit Tomaten oder was auch immer. Aber das soll eben nicht sein. In dieser
Hinsicht hat die Gemeinde überhaupt gar nichts mit Fußball zu tun. Gott,
der alles in allen wirkt. Und wir müssen auf die beiden Gefahren achten,
die in jeder örtlichen Gemeinde sind, das Problem des Minderwertigkeits-
oder Überlegenheitskomplexes. Und beides ist falsch und wird hier
verurteilt.
Das Haupt der Gemeinde
Dann gehen wir weiter zu Epheser 1, 22. Dort ist es nur ein Vers. Es geht
um den Auferstandenen, den Herrn Jesus Christus, zur Rechten Gottes. Und da
heißt es in Vers 20 am Ende und folgende: Und er setzte ihn zu seiner
Rechten in den himmlischen Örtern, über jedes Fürstentum und jede Gewalt
und Kraft und Herrschaft und jeden Namen, der genannt wird, nicht allein in
diesem Zeitalter, sondern auch in dem zukünftigen, und hat alles seinen
Füßen unterworfen und ihn als Haupt über alles der Versammlung gegeben,
welche sein Leib ist, die Fülle dessen, der alles in allem erfüllt." Das
ist eine ganz eigentümliche Stelle. Es wird uns gezeigt, wie der Mensch
Jesus Christus, der Auferstandene, heute im Himmel alle Autorität hat und
damit auch über die Erde. Aber als solcher, der den höchsten Platz hat, ist
er als Haupt der Gemeinde gegeben. Und dann wird die Gemeinde sein Leib
genannt, die Fülle dessen, der alles in allem erfüllt. Und man wagt fast
nicht das zu sagen, was hier ausgedrückt wird. Denn der Herr Jesus, der
Sohn Gottes, braucht uns Menschen überhaupt nicht. Gott brauchte uns
Menschen überhaupt nicht. Er war vollgenügsam in sich selbst. Und der Herr
Jesus ist Mensch geworden und es war Gottes Ratschluss, dass er sich als
Mensch mit erlösten Menschen verbindet. Und er ist das Haupt. Aber das
Haupt braucht einen Leib. Ich meine, wenn nur mein Kopf da wäre, wäre das
erschreckend. Ein Kopf ohne Körper ist etwas Schreckliches. Und insofern
ist also die Ergänzung, der Leib, die Erlösten, absolut notwendig. Und
darum nennt die Bibel uns, die Erlösten, die Fülle des Christus. Das ist
schon gewaltig und wir haben ja letztes Mal gesehen, dass wirklich das
Ganze, das Haupt und der Leib, der Christus genannt wird. Also das ist ein
ganz sonderbarer Adel, der uns hier in dieser Stelle zugesprochen wird.
Dann kommen wir zu Epheser Kapitel 2, 11-12: Deshalb seid eingedenk,
dass ihr, einst die Nationen im Fleische, welche Vorhaut genannt werden von
der sogenannten Beschneidung, die im Fleische mit Händen geschieht, dass
ihr zu jener Zeit ohne Christum waret, entfremdet dem Bürgerrecht Israels,
und Fremdlinge betreffs der Bündnisse der Verheißung, keine Hoffnung
habend, und ohne Gott in der Welt." Also diese Verse sagen: Ihr Epheser
seid keine Juden und hattet darum überhaupt keinen Anteil an all diesen
Bündnissen im Alten Testament, sondern ihr lebtet ohne den wahren Gott,
ohne Christus, ohne den verheißenen Erlöser. Und jetzt ist alles ganz
anders geworden. Vers 13ff: Jetzt aber, in Christo Jesu, seid ihr, die ihr
einst fern waret, durch das Blut des Christus nahe geworden. Denn er ist
unser Friede, der aus beiden eines gemacht und abgebrochen hat die
Zwischenwand der Umzäunung, nachdem er in seinem Fleische die Feindschaft,
das Gesetz der Gebote in Satzungen, hinweggetan hatte, auf dass er die
zwei, Frieden stiftend, in sich selbst zu einem neuen Menschen schüfe, und
die beiden in einem Leibe mit Gott versöhnte durch das Kreuz, nachdem er
durch dasselbe die Feindschaft getötet hatte." Nun finden wir zwei, die
zusammen gefügt worden sind, nämlich die gläubigen Heiden und die gläubigen
Israeliten. Und die sind jetzt zusammen gefügt worden und zwar zu einem
neuen Menschen. Und da haben wir den Leib Christi, er wird genannt: ein
neuer Mensch.
Ein Bild vom Tempel
Und hier wird ein Bild vom Tempel in Jerusalem genommen, der damals noch
stand. Es war nämlich so, die Heiden konnten ja auch nach Jerusalem kommen,
in den Vorhof der Heiden. Und wenn sie sich da mehr und mehr dem
eigentlichen Tempelgebäude, zum großen Teil mit Gold überzogen, näherten,
kam plötzlich eine Abschrankung. Diese war in regelmäßigen Abständen mit
Aufschriften versehen, die besagten: Wer jetzt als Nichtjude weitergeht,
wird die Todesstrafe erleiden. Und diese Abschrankung nannte man «die
Zwischenwand der Umzäunung», diesen Ausdruck haben wir hier in Vers 14. Das
war nämlich eine kleine Mauer von ungefähr 50 cm Höhe und darauf ein
Holzzaun von etwa einem Meter. Also nicht sehr hoch, sondern nur so hoch,
dass die Heiden noch einen guten Blick darüber hinweg hatten auf das
eigentliche Tempelhaus, dem Zeugnis für den einen wahren Gott. Und diese
Zwischenwand der Umzäunung machte die Trennung zwischen Heiden und Juden
total. Auch zwischen gläubigen Heiden, denn wenn ein Gläubiger nach
Jerusalem kam, durfte er nicht weiter gehen als bis zur Umzäunung. Aber die
gläubigen Juden in der Apostelgeschichte konnten dauernd über die
Zwischenwand der Umzäunung gehen. Es war eine Trennung zwischen gläubigen
Juden und gläubigen Heiden.
Und jetzt sagt der Apostel Paulus, diese Zwischenwand ist durch Christus
abgebrochen worden. Das war natürlich skandalös, was er hier sagte, für die
damalige Zeit. Die Zwischenwand war immer noch da, denn der Epheserbrief
wurde im Jahr 62 nach Christus geschrieben. Da war die Zwischenwand immer
noch da und voll in Betrieb. Aber acht Jahre nach dem Epheserbrief haben
die Römer Jerusalem und den Tempel zerstört und der Tempel konnte nie mehr
aufgebaut werden und somit auch nicht die Zwischenwand der Umzäunung. Das
ist bis zum heutigen Tag so, obwohl man tagtäglich im Judentum um die
Wiedererrichtung des Tempels betet. Und genau in diesen 2000 Jahren hat
Gott sich ein neues Volk aus gläubigen Heiden und gläubigen Juden gesammelt
und hat sie zusammengefügt, organisch verbunden, in sich selbst zu einem
neuen Menschen. Und die beiden sind quasi in einem Leib mit Gott versöhnt.
Und das ist total neu. Von diesem Gedanken findet man im Alten Testament
überhaupt nichts, von dieser Zusammenfügung. Und sie war auch total
skandalös, ein Ärgernis für die Juden.
Und übrigens, wegen dem kam Paulus ins Gefängnis nach Rom. Er war doch in
Jerusalem, Apostelgeschichte 21, und dann hat man ihn verleumdet: Der Mann
hat Griechen in den Tempel hineingeführt und ihn so verunreinigt! Und Lukas
erklärt, dass man ihn mit einem Griechen in der Stadt gesehen hatte, aber
nicht im Tempel. Das war eine Verleumdung. Aber man sagte, er hätte
Nichtjuden, in der Mehrzahl, über die verbotene Abschrankung hinausgeführt.
Und wegen dieser Verleumdung kam dann die Gefangenschaft von Paulus und der
ganze Leidensweg bis nach Rom. Aber warum hat man ihn so verleumdet? Weil
genau das das Ärgernis war, dass der Apostel Paulus in der ganzen Welt
umherging, das Evangelium predigte und die Menschen, die an den Gott der
Juden zu glauben begannen, nicht zu Proselyten machte und sie nicht
beschneiden ließ. Er verbot sogar mit dem Galaterbrief ganz massiv, sich
beschneiden zu lassen. Und das war das große Ärgernis damals. Aber der
Apostel Paulus erklärt, dass das eine Offenbarung ist, eine ganz neue. Und
davon kann man im Alten Testament nichts lesen.
Unterschiedliche Nationen - ein Leib
Das führt uns zu Epheser Kapitel 3, 1-7: Deshalb sage ich, Paulus, der
Gefangene Christi Jesu für euch, die Nationen." Jetzt betont er: Seht ihr,
ich bin im Gefängnis und genau wegen diesem Punkt, für euch, die Nationen.
Weil ich euch als vollwertig betrachte, obwohl ihr keine Juden geworden
seid, keine Proselyten. Und da sagt er: Wenn ihr anders gehört habt von
der Verwaltung der Gnade Gottes, die mir in Bezug auf euch gegeben ist,
dass mir durch Offenbarung das Geheimnis kundgetan worden – wie ich es
zuvor in kurzem beschrieben habe, woran ihr im Lesen merken könnt mein
Verständnis in dem Geheimnis des Christus – welches in anderen
Geschlechtern den Söhnen der Menschen nicht kundgetan worden, wie es jetzt
geoffenbart worden ist seinen heiligen Aposteln und Propheten im Geiste."
Und jetzt kommt der Inhalt: Dass die aus den Nationen Miterben seien und
Miteinverleibte und Mitteilhaber seiner Verheißung in Christus Jesus durch
das Evangelium, dessen Diener ich geworden bin nach der Gabe der Gnade
Gottes, die mir gegeben ist nach der Wirksamkeit seiner Kraft." In der
alten Elberfelder gibt es bei Miteinverleibte eine Fußnote und die erklärt:
wörtlich: Mit-Leib. Das bedeutet, dass also die Gläubigen aus den Heiden,
aus den Nationen, mit zu dem einen Leib gehören. Und das ist das Geheimnis.
Und das war für die Juden so skandalös, weil sie im Alten Testament keinen
Hinweis hatten, dass Gott so etwas tun würde. Aber Gott hat sich dazu
gestellt und darum erlaubte Gott vom Jahr 70 an bis heute nicht, dass man
dieses Mäuerchen mit dem Zaun darauf wieder aufrichten konnte. Das ist
gewaltig, 2000 Jahre Geschichte und ein Volk, das Tag für Tag diese
Zwischenwand der Umzäunung wieder aufrichten wollte, konnte es nicht mehr.
Das ist für den dritten Tempel geplant, da will man das wieder einführen.
Davon gibt es Pläne, aber man hat es nie ausführen können. Und so hat Gott
dieses Geheimnis eben ganz eindrücklich bestätigt. Und acht Jahre nach dem
Epheserbrief ist diese Zwischenwand abgebrochen worden und hat bestätigt,
was hier steht, dass Christus durch seinen Tod am Kreuz die Zwischenwand
abgebrochen hat. Aber wenn man sich das jetzt gut überlegt, wie gerade das
Thema von der Zwischenwand und dem Leib eng zusammengehört, wie oft haben
die Gläubigen in der Vergangenheit eben doch wieder Zäune aufgerichtet
zwischen wahren, treuen Kindern Gottes. Ich sage nicht, zwischen
Ungläubigen und Gläubigen, denn da lehrt die Bibel die Absonderung. Ich
sage auch nicht zwischen solchen, die in Sünde leben und solchen, die dem
Herrn nachfolgen. Nein, zwischen solchen, die wirklich von Herzen dem Herrn
nachfolgen wollen. Und was man hier sieht, ist eigentlich ein Angriff auf
das Kreuz Christi. Denn Christus hat die Zwischenwand abgebrochen durch
seinen Tod am Kreuz. Das macht das Ganze eigentlich sehr feierlich. Wenn
wir uns noch auf Kapitel 3, 8 anschauen, dann sehen wir die Problematik:
Mir, dem Allergeringsten von allen Heiligen, ist diese Gnade gegeben
worden, [unter] den Nationen den unausforschlichen Reichtum des Christus zu
verkündigen, und alle zu erleuchten, welches die Verwaltung des
Geheimnisses sei, das von den Zeitaltern her verborgen war in Gott, der
alle Dinge geschaffen hat." Es wird hier genannt, ein unausforschlicher
Reichtum, von Chrisus. Aber da meint der Christus wieder, das Haupt und der
Leib zusammen. Ein unausforschlicher Reichtum. Das zeigt also wirklich, wie
wir immer ein bisschen Rahm abnehmen von dem Thema. Aber dieses Thema muss
uns das ganze Leben hindurch beschäftigen. denn es ist ein unerforschlicher
Reichtum darin verborgen.
Der Leib wächst
Gehen wir zu Epheser 4. Da finden wir ganz besonders das Thema vom
Wachstum ausgedrückt. Und ich möchte ab Vers 10 lesen: Der hinabgestiegen
ist, ist derselbe, der auch hinaufgestiegen ist über alle Himmel, auf dass
er alles erfüllte. Und er hat die einen gegeben als Apostel und andere als
Propheten und andere als Evangelisten und andere als Hirten und Lehrer, zur
Vollendung der Heiligen, für das Werk des Dienstes, für die Auferbauung des
Leibes Christi, bis wir alle hingelangen zu der Einheit des Glaubens und
zur Erkenntnis des Sohnes Gottes, zu dem erwachsenen Manne, zu dem Maße des
vollen Wuchses der Fülle des Christus; auf dass wir nicht mehr Unmündige
seien, hin- und hergeworfen und umhergetrieben von jedem Winde der Lehre,
die da kommt durch die Betrügerei der Menschen, durch ihre Verschlagenheit
zu listig ersonnenem Irrtum; sondern die Wahrheit festhaltend in Liebe,
lasst uns in allem heranwachsen zu ihm hin, der das Haupt ist, der
Christus, aus welchem der ganze Leib, wohl zusammengefügt und verbunden
durch jedes Gelenk der Darreichung, nach der Wirksamkeit in dem Maße jedes
einzelnen Teiles, für sich das Wachstum des Leibes bewirkt zu seiner
Selbstauferbauung in Liebe."
Also wir merken sofort, auch beim flüssigen Durchlesen, dass es hier um
Wachstum geht. Diese Begriffe werden hier wiederholt verwendet. Und das ist
eben auch ein Thema in Verbindung mit dem Leib. Der Leib ist etwas
Organisches, etwas Lebendiges, und es bleibt nicht irgendwie stehen,
sondern es wächst. Und so sehen wir, Glaubensleben ist nie Stillstand, ist
nie irgendwie ein Status Quo, der einmal erreicht wird und dann so bleibt,
sondern es ist ein ständiges Wachsen. Und das beinhaltet auch die
Möglichkeit, dass es in einer örtlichen Gemeinde Veränderung gibt. Nicht
Revolutionen und so weiter, aber Veränderung, indem jedes einzelne Glied im
Glauben wächst. Und das Ziel ist ganz klar vorgegeben, nämlich dass man in
allem zu ihm hin wächst, der das Haupt ist, der Christus. Also die
Zielrichtung ist ganz klar vorgegeben. Man kann sich entwickeln, indem man
sich auseinander entwickelt. Aber dann hat man auch verschiedene Ziele.
Aber wenn wir alle ganz klar das Haupt als Ziel in unserer Entwicklung
haben, dann werden wir vor Fehlentwicklungen bewahrt. Dann ist es gesundes
Wachstum. Und das ist es, was wir brauchen. Und dieser Abschnitt erklärt
uns auch, dass die verschiedenen Gaben gegeben sind, damit gerade dieses
Ziel, das Wachstum, das Erwachsenwerden, das Hinkommen zum Haupt, erreicht
werden kann. Und es zeigt uns auch, wie notwendig es ist, dass wir eben
zusammenhalten und nicht ein Solochristentum für uns leben wollen. Denn
dann können wir nicht wirklich wachsen. Wir brauchen die anderen Glieder
und die Darreichung und die Wirksamkeit der anderen Glieder, um im Glauben
überhaupt gesund wachsen zu können.
Wie wir als Christen leben - Wahrheit reden
Dann ist in den Versen 17-32 das Thema immer noch nicht abgeschlossen.
Denn da wird auch plötzlich über den neuen Menschen gesprochen und es wird
davon gesprochen, dass wir Glieder daran sind. Aber das Thema ist hier
nicht mehr das Wachstum, sondern es ist die Frage: Wie leben wir als
Christen? Ich möchte nur die Verse 25-28 herausgreifen: Deshalb, da ihr
die Lüge abgelegt habt, redet Wahrheit, ein jeder mit seinem Nächsten, denn
wir sind Glieder voneinander. Zürnet, und sündiget nicht. Die Sonne gehe
nicht unter über eurem Zorn, und gebet nicht Raum dem Teufel. Wer gestohlen
hat, stehle nicht mehr, sondern arbeite vielmehr und wirke mit seinen
Händen das Gute, auf dass er dem Dürftigen mitzuteilen habe." Und so
weiter. Also hier geht es darum, wie wir leben. Das Thema Lüge. Ist das ein
Thema? Es ist leider ein Thema. Und das wird auch im Epheserbrief ganz klar
behandelt. Es wird gesagt, als Erlöste müssen wir die Lüge ablegen und
miteinander die Wahrheit reden. Das ist die Begründung. Also wenn wir schon
Glieder am Leib sind, eine organische Einheit bilden, wie kann man sich da
gegenseitig belügen? Und es werden in diesen Versen noch andere Dinge über
das Verhalten, über das gegenseitige Verhalten, angesprochen. Das zeigt uns
nun eben, wie das Thema vom Leib, nicht irgendwie etwas Abstraktes ist,
sondern einen ganz direkten Bezug zum Leben hat. Denn es geht um das
Verhalten, ein gottgemäßes, gerechtes, wahrhaftiges, liebevolles Verhalten
dem anderen gegenüber. Und da möchte ich noch grad den Vers 32 dazu
anführen: Seid aber gegeneinander gütig, mitleidig, einander vergebend,
gleichwie auch Gott in Christo euch vergeben hat." Das gegeneinander kommt
wieder daraus hervor, wir sind Glieder voneinander.
Der Ehestand und der Leib
Und dann zu Epheser 5. Da möchte ich nur auf die besondere Verbindung
hier zwischen zwei verschiedenen Geheimnissen hinweisen. In Epheser 5 geht
es nämlich um ein ganz anderes Thema. Christus, der Mann, die Gemeinde,
seine Frau. Es geht übrigens nicht um den Bräutigam und die Braut, sondern
es geht hier um den Ehestand. Wir finden beides im Neuen Testament. Wir
werden in 2. Korinther 11 als mit dem Herrn verlobt gesehen. Aber hier in
Epheser 5 werden wir als verheiratet gesehen. Das sind zwei Seiten der
Medaille. Wenn man verlobt ist, dann darf man nach der Bibel nicht zusammen
leben, also man ist getrennt. Und so ist der Herr Jesus als Mensch im
Himmel und wir sind auf der Erde. Das ist der Zustand der Verlobung und das
Warten auf die Hochzeit, wo wir dann in den Himmel eingeführt werden. Aber
es ist auf der anderen Seite so, dass, obwohl der Herr Jesus als Mensch im
Himmel ist, er ja der Sohn Gottes ist. Er ist Gott, er ist Allgegenwärtig
und hat auch verheißen in Matthäus 28: Siehe, ich bin bei euch alle Tage
bis zur Vollendung des Zeitalters. Und sein Hiersein, seine Nähe, ist so
wirklich, dass die Bibel eben auch unsere Beziehung zum Herrn als Ehestand
beschreibt, er der Mann, wir die Frau.
Nun ist das Interessante, dass es dann in Vers 29ff heißt: Denn niemand
hat jemals sein eigenes Fleisch gehasst, sondern er nährt und pflegt es,
gleichwie auch der Christus die Versammlung. Denn wir sind Glieder seines
Leibes, [von seinem Fleische und von seinen Gebeinen]. "Deswegen wird ein
Mensch seinen Vater und seine Mutter verlassen und seinem Weibe anhangen,
und die zwei werden ein Fleisch sein". {1. Mose 2, 24} Dieses Geheimnis ist
groß; ich aber sage es in Bezug auf Christum und auf die Versammlung."
Jetzt plötzlich in Verbindung mit dem Ehestand, wird das Thema vom Leib
wieder aufgenommen. Und zwar wird es hier verknüpft: Denn so, wie Mann und
Frau in der Ehe ein Fleisch werden, ein Körper. Und da merken wir: Aha, da
sind wir wieder auf der gleichen Stufe wie beim Leib, eine organische
Einheit zwischen Haupt und Leib. Und so wird erklärt, wie eben diese
verschiedenen Aspekte letztlich alle eine Einheit bilden. Und darum
bedeutet es auch, wir können nicht die verschiedenen Aspekte, wie die Bibel
die Versammlung beschreibt, haarscharf voneinander trennen, so wie: Das ist
ja das Thema vom Haus, das ist das Thema vom Leib und das das Thema von der
Braut. Das geht nicht. Jetzt haben wir gesehen, dass das Thema von Ehestand
und Leib zusammengehören. Aber auch das Haus, denn in 1. Mose 2 macht Gott
Eva und da heißt es: Und der Herr baute aus der Rippe eine Frau. Da wird
das Wort bauen gebraucht, was sonst für Häuserbau benutzt wird. Und da
sehen wir, wie das Thema vom Haus Gottes ebenfalls verbunden ist mit dem
Thema von Mann und Frau. Und das Thema von Mann und Frau ist mit dem Thema
vom Leib verbunden. Das ist eben alles eine Einheit; es werden nur jeweils
verschiedene Seiten beleuchtet.
Die Stellung des Herrn: Das Haupt der Gemeinde
Jetzt gehen wir noch weiter zu Kolosser 1. Im Kolosserbrief wird die
Einzigartigkeit des Sohnes Gottes vorgestellt. Während im Epheserbrief mehr
der Leib behandelt wird, wird im Kolosserbrief mehr das Haupt behandelt.
Und ich lese ab Vers 17: Und er ist vor allen, und alle Dinge bestehen
zusammen durch ihn. Und er ist das Haupt des Leibes, der Versammlung, (Das
Wort ER ist im Grundtext besonders betont. Es heißt nicht: Er ist das Haupt
des Leibes, sondern: Und ER ist das Haupt des Leibes der Versammlung, und
kein anderer.) welcher der Anfang ist, der Erstgeborene aus den Toten, auf
dass er in allem den Vorrang habe." Auch hier wieder das betonte ER. Also
hier wird wirklich gezeigt, ER und kein anderer. Und ich habe das am
Sonntag bereits angetönt, wie in der Geschichte der Kirche die Stellung des
Herrn als Haupt ihm immer wieder streitig gemacht wurde.
Es begann schon im 2. Jahrhundert, dass man einen Bischof an die Spitze
einer örtlichen Gemeinde setzte. Ein Bischof, das Episkopat hat da
begonnen. Und zwar in guter Meinung, denn es war zur Abwehr von Irrlehren,
gerade von der Irrlehre, die die Gottheit und Menschheit Christi leugnete.
Da hat man sich gesagt, wenn einer die Führung übernimmt, ein starker Mann,
dann kann man das draußen halten. Und so hat man eben die Macht
konzentriert. Wenn es zum Beispiel eine Demokratie gibt, dann können da
alle reinschwatzen und dann kommt alles Böse rein. Und so hat man das so
heraushalten wollen. Und der nächste Schritt war dann, dass man Bischöfe
nicht nur über eine Gemeinde gesetzt hat, sondern über eine Gruppe von
Gemeinden. Und so ging die Entwicklung stufenweise bis zum Jahr 440 nach
Christus und da wurde dann der Bischof von Rom zum Papst, Leo I. Das war
der direkte Weg nach Rom. Aber das geschah in bester Absicht, nämlich um
das Böse abzuhalten. Aber der Kolosserbrief sagt: ER ist das Haupt des
Leibes und kein anderer. Und ich habe jetzt nur bis zum Jahr 440 erzählt,
wir könnten weitergehen bis 1998. Das Problem steckt im Menschen
schlechthin.
Verbindung zum Haupt
Dann noch zu Kolosser 1, 24 und folgende. Da betont der Apostel Paulus,
dass er ein Diener ist für den Leib Christi. Und er beschreibt, wie er
dient. Und das ist so eindrücklich, ein Diener für den Leib. Und das sieht
bei ihm praktisch so aus, Vers 28: Den wir verkündigen, indem wir jeden
Menschen ermahnen und jeden Menschen lehren in aller Weisheit, auf dass wir
jeden Menschen vollkommen in Christo darstellen; wozu ich mich auch bemühe,
indem ich kämpfend ringe gemäß seiner Wirksamkeit, die in mir wirkt in
Kraft." Also er nennt sich in Vers 25 Diener der Versammlung, Diener des
Leibes. Und hier erklärt er, dass er förmlich dafür kämpft, dass wirklich
jeder Einzelne, der als Glied zu diesem Leib gehört, im Glauben
Fortschritte macht und wächst. Und da können wir nur noch an 1. Korinther
11, 1 denken: Seid meine Nachahmer, gleichwie auch ich Christi."
Und dann wird in Kolosser 2, 6ff über das Problem von Irrlehre
gesprochen, zerstörender, zersetzender Irrlehre die die Gemeinde in Kolossä
damals bedrohte. Und dann wird einfach so eingefügt in Vers 18: Lasst
niemand euch um den Kampfpreis bringen, der seinen eigenen Willen tut in
Demut und Anbetung der Engel, indem er auf Dinge eingeht, die er nicht
gesehen hat, eitler Weise aufgeblasen von dem Sinne seines Fleisches, und
nicht festhaltend das Haupt, aus welchem der ganze Leib, durch die Gelenke
und Bande Darreichung empfangend und zusammengefügt, das Wachstum Gottes
wächst." Also in dieser Abhandlung über Irrlehre und ihre Gefahr,
Philosophie, die von Christus wegführt, wird plötzlich gesagt, wie man
verführt wird von diesen Dingen und wie es letztlich ein inneres
Aufgeblasensein ist, in eitler Weise aufgeblasen von dem Sinne seines
Fleisches, nicht festhaltend das Haupt. Das heißt also, wenn jedes einzelne
Glied in einer ganz direkten Verbindung mit dem Haupt lebt, dann kann man
vor Irrlehre bewahrt werden. Jedes Glied an unserem Körper ist direkt mit
dem Haupt verbunden und das wissen wir heute noch besser als die aus
Kolossä damals. Die ganzen Nervenbahnen sind da, und wenn jedes Glied so in
lebendiger Weise mit dem Haupt verbunden, dann können wir bewahrt werden.
Aber was geschieht, wenn man den Kontakt der Nervenbahnen durch Anästhesie
unterbricht? Dann spürt man nichts mehr. Und das ist sehr gefährlich. Dann
spürt man auch nicht mehr, wenn man sich irgendwie verletzt, denn dann ist
ja kein Gefühl mehr da. Und so ist es, wenn diese Verbindung durch
Anästhesie unterbrochen wird, also wenn diese Gebetsverbindung mit dem
Haupt nicht mehr tagtäglich da ist. Dann stehen wir in der Gefahr, sehr
verletzt zu werden und zu Schaden zu kommen. Und das wird uns auch so
eindrücklich mit der Lehre des Hauptes und des Leibes dargelegt.
Und so kommen wir schon zum Schluss. In Kolosser 3, 5-17 wird auch wieder
auf das Verhältnis der Erlösten untereinander in Verbindung mit dem Leib
eingegangen. Und da möchte ich auszugsweise die Verse 14-15 lesen: Zu
diesem allen aber ziehet die Liebe an, welche das Band der Vollkommenheit
ist. Und der Friede des Christus regiere in euren Herzen, zu welchem ihr
auch berufen worden seid in einem Leibe; und seid dankbar." Es geht im
ganzen Abschnitt um das gegenseitige Verhältnis. Und da wird gesagt, der
Friede des Christus soll in unseren Herzen regieren. Es steht nicht: Der
Friede des Christus regiert. Im tausendjährigen Reich werden wir einmal
sagen können: Christus regiert in Frieden. Und es wird so sein und wer sich
dagegen auflehnt, wird die Konsequenzen tragen müssen. Aber heute ist es
nicht so. Es ist eine Aufforderung.
Seine Friedensherrschaft in unseren Herzen
Wir müssen dem Herrn in unseren Herzen wirklich das Regiment ganz bewusst
und jeden Tag neu übergeben. Und dann kann es so sein, dass er regiert.
Aber dann wird sich diese Friedensherrschaft in unserem Herzen auswirken.
Denn es bezieht sich nicht auf uns allein. Wir sind berufen worden in einem
Leib. Das heißt, dass unzählige erlöste Menschen auf dieser Erde der Welt
zeigen: Übrigens es kommt noch eine ganz wunderbare Zeit, wenn Christus
einmal in Frieden regieren wird. Und wir geben euch schon einen
Vorgeschmack davon ab. Und was haben wir gemacht? Merken die Menschen, dass
das einmal ganz wunderbar sein wird, wenn Christus regiert? Es gibt nämlich
ganz viele Menschen auf dieser Erde heute schon, in deren Herzen Christus
regiert und wenn man die anschaut, wie die miteinander umgehen, das ist
wunderbar. Also die Botschaft vom tausendjährigen Reich ist etwas ganz
wunderbares. Aber was haben wir damit gemacht? Haben wir die Menschen
wirklich verlangend gemacht nach dem tausendjährigen Reich, nach der
Herrschaft Christi? Oder haben wir sie abgestoßen, indem wir davon nichts
oder zumindest zu wenig gezeigt haben? Und darum, es ist an die
Verantwortung appelliert: Und der Friede des Christus regiere in euren
Herzen, zu welchem ihr auch berufen worden seid in einem Leibe und seid
dankbar.
Also so sehen wir, dass das Thema vom Leib ein gewaltiges Projekt
Gottes ist, mit dem er der Welt etwas zeigen wollte und noch zeigen will.
Und wir sind berufen, das Thema zu studieren, aber uns dann auch im
Einzelnen zu fragen: Was bedeutet das jetzt konkret für mich? Was muss ich
in meinem Leben ändern? Was müssen wir in unserem gegenseitigen Verhältnis
ändern, damit wir wirklich etwas von dieser Demonstration, die Gott damit
in dieser Welt abgeben wollte, besser und mehr zur Ehre Gottes
verwirklichen können?
