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Wie ist Jesus aufgewachsen?

07.11.2020

Einleitung: Unterschiedliche Reaktionen auf den zweiten Lockdown

Um Nachfolge zu leben, mach dich Hashtag paperfit.

Sag mal, wie geht es dir denn gerade? Wir nehmen das hier auf zum Beginn des zweiten Corona-Lockdowns. Die Reaktionen darauf sind sehr unterschiedlich. Es gibt manche Leute, die sagen: „Das ist genau richtig, das ist genau das, was unser Land braucht.“ Dann gibt es andere, die das ganz anders sehen.

Und dazwischen gibt es eine große Gruppe, die sagt: „Markus, es ist egal, ob wir das jetzt brauchen oder nicht, was soll ich denn jetzt machen?“ Einige von euch und anderen haben gesagt: „Naja, ist ja alles schön und gut, aber ich habe drei Kinder zu ernähren und jetzt bin ich in Kurzarbeit.“ Wieder andere haben gesagt: „Ich habe mich vor zwei Jahren selbstständig gemacht, und jetzt muss ich vielleicht mein Geschäft schließen.“

Da ist eine Menge Stress dabei. Vielleicht nimmst du das anders wahr, aber meine Beobachtung ist, dass wir beim zweiten Lockdown noch wesentlich gestresster, gereizter und dünnhäutiger sind als beim ersten Mal. Und das hat sicherlich Gründe.

Deshalb würde ich jetzt gern etwas Außergewöhnliches machen. Ich möchte kurz mit dir über das Thema innere Freiheit sprechen. Innere Freiheit ist etwas Gutes und Gesundes. Als Christen, die wir Nachfolge im Alltag leben, können wir lernen, mehr innere Freiheit zu gewinnen – gegenüber materiellen Dingen und Sachzwängen. So können wir uns weniger von den Umständen treiben lassen.

Dazu möchte ich Folgendes machen: Ich werde eine Predigt einspielen, die ich vor kurzem gehalten habe. Sie basiert auf einem Andachtsbuch, das ich geschrieben habe. Du kannst dir das Andachtsbuch gerne kostenlos über den Link in der Videobeschreibung herunterladen. Dort findest du auch komplette Hörbücher, mit denen du einige Themen noch einmal in deinem Alltag durchgehen kannst.

Ich hoffe, das hilft dir als Begleiter in deinem Alltag. Wenn du das machen möchtest, würde ich mich freuen, wenn du hier einmal kurz die Glocke drückst. Das ist ein technisches Signal, das hilft, dass solche Inhalte in den sozialen Netzwerken nicht untergehen.

Vielen Dank für alles und viel Spaß beim Input!

Die Herausforderung der Weihnachtszeit für Männer

Ja, liebe Geschwister, das Erntedankfest ist da. Die Blätter fallen schon, es wird Herbst, es wird kälter. Heute Morgen musste ich zum ersten Mal die Fahrradhandschuhe, die Winterhandschuhe, aus dem Schrank holen, als ich hierher gefahren bin. Es wird langsam Winter.

Das heißt, für Männer ist das oft eine sehr stressreiche Jahreszeit. Wenn wir jetzt daran denken: Es sind nur noch 78 Tage bis Weihnachten. Das ist für Männer besonders schwierig. Wir müssen uns jetzt etwas einfallen lassen, was wir der wichtigsten Frau in unserem Leben dieses Jahr schenken können.

Das ist gar nicht so leicht, wie es aussieht. Deshalb bitte ich euch, liebe Damen, ein bisschen Mitgefühl zu haben. Wir geben uns wirklich herzliche Mühe, auch wenn es nicht immer so aussieht.

Ich verrate euch ein kleines Geheimnis: Es gibt nämlich eine Sache, die wir als unkreative Männer jedes Jahr wieder machen. Ich hoffe, dass ich jetzt nicht exkommuniziert werde, weil ich diese Verschwörungstheorie einmal lüfte. Ganz häufig ist es nämlich so, dass wir unsere Frauen sehr, sehr mögen und lieben. Gleichzeitig gibt es andere Dinge in unserem Leben, die wir auch toll finden, zum Beispiel Sport oder Musik oder Ähnliches.

Manchmal passiert uns Männern dann ein genialer gedanklicher Kurzschluss: Wir denken, Moment mal, ich mag Sport, zum Beispiel Joggen, und ich mag meine Frau. Vielleicht kann ich das ja kombinieren und schenke ihr einfach ein paar Joggingschuhe.

Okay, die Reaktion darauf kennen wir schon, da geht das ein oder andere Aha hoch. Das heißt, es ist total lieb gemeint, wenn wir etwas auswählen, von dem wir denken, dass wir damit zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Aber das trifft es ja häufig nicht unbedingt.

Die Gefahr von Vermischungen in der Nachfolge

Und so ungefähr geht es uns als Christen ganz, ganz häufig mit Jesus. Wir finden Jesus klasse. Es gibt aber auch noch andere Dinge, die wir für klasse halten. Häufig vermischen wir diese beiden Dinge miteinander.

Dann entstehen ganz spannende Predigten. Da hört man zum Beispiel, dass Jesus der erste große Sozialkritiker war. Oder dass Jesus der größte Umweltschützer ist, den es je gegeben hat. Solche Sachen habe ich schon live in Predigten erlebt.

Ich habe einmal die häufigsten Vorstellungen gesammelt, in denen Jesus als Freigeist dargestellt wird: als Poet, als Hippie, als Demonstrant gegen Atomkraft. Andererseits wird er auch als Vorgänger von Blockierern und als antikapitalistischer Autonomer der ersten Stunde beschrieben, der gegen die Bourgeoisie kämpft.

So ähnlich ist es auch bei Geld. Geld ist ein emotionales Thema, hochemotional. In meiner Beratungsstelle steht immer eine Taschentuchbox am Fenster. Diese muss ich alle paar Wochen austauschen – und das nicht, weil die Leute Heuschnupfen haben.

Wir übertragen ganz schnell Dinge, die wir für richtig halten, oft in bester Absicht. Dann entdecken wir sie manchmal zufällig in der Bibel wieder. Mit ein bisschen Geduld und Ausdauer geht das schon.

Dabei kommen interessante Dinge heraus. Zum Beispiel gab es in den 1950er und 1980er Jahren in den Vereinigten Staaten das sogenannte Prosperity Gospel. Das ist total unbiblisch. Die Botschaft lautet: Gott segnet dich nur durch Geld. Wenn du nicht genug Geld hast, bist du wohl verflucht.

Ganz anders sieht es in Lateinamerika aus. Dort predigen manche Gemeinden das Armutsevangelium. Das ist eine 180-Grad-Wende. Jesus ist dort der Vertreter der Armen. Er liebt nur die Armen und hasst die Reichen. Wenn du nicht arm bist, kannst du dir überlegen, wie das am Jüngsten Gericht aussieht.

Das ist alles menschlich total verständlich. Aber dann müssen wir nicht die Bibel umschreiben, wenn wir vorher schon wissen, was drinsteht. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht unsere eigenen Vorstellungen in die Bibel hineinlesen.

Die Bibel ist nicht die Neuauflage des Dudens, bei der man einfach die Rechtschreibfehler des letzten Jahres nimmt und anpasst. Übrigens stammt dieser Vergleich nicht von mir.

Warum wir bessere Argumente für den Glauben brauchen

Ich habe häufig das Gefühl, wenn ich mich mit Christen unterhalte und sie frage: „Warum seid ihr denn Christen?“, dass ich oft die gleichen vier Antworten bekomme. Das finde ich faszinierend. Ich möchte euch die vier häufigsten Antworten nennen.

Die erste Antwort lautet: „Ich bin so aufgewachsen.“ Die zweite Antwort ist: „Ich habe eine Erfahrung gemacht, ich habe etwas gefühlt.“ Die dritte häufigste Antwort lautet: „Früher war ich ein ganz, ganz mieser Kerl, aber jetzt benehme ich mich besser.“ Und die vierthäufigste Antwort ist: „Ganz ehrlich, die Leute sind einfach so nett. Ich finde die Menschen in meiner Gemeinde so toll.“ Ein fairer Punkt.

Doch überlege mal: „Ich bin so aufgewachsen“ – das könnten auch Scientologen sagen. „Ich habe eine Erfahrung gemacht“ – das könnten Zeugen Jehovas ebenfalls sagen. „Ich benehme mich jetzt besser“ – das könnten Buddhisten ebenso behaupten. Und zu guter Letzt: „Ich finde die Leute so nett“ – das könnten auch die Mormonen sagen.

Sollten wir nicht bessere Argumente haben? Ist es nicht bemerkenswert, dass das Christentum die einzige Weltanschauung ist, die sich tatsächlich auch säkular belegen lässt? Es ist die einzige Weltanschauung, für die es überprüfbare Beweise gibt – und nicht nur Gefühle und Erfahrungen.

Das finde ich spannend.

Vier Lebensstationen Jesu im Umgang mit Geld und Besitz

Also, was können wir aus der Bibel lernen, wenn es um Jesus und seine Berührungspunkte mit Geld und materiellen Dingen geht? Das ist ein sehr großes Thema. Es gibt sogar ein sehr gutes Buch dazu – nein, nur Spaß. Es ist wirklich ein sehr wichtiges Thema.

Lasst uns vier Punkte skizzieren, vier Lebensbereiche, durch die Jesus gegangen ist. Vier Stationen in seinem Leben, bei denen wir ungefähr den Finger darauflegen können und sagen: Okay, was war dort die Umgebung? Was hat unser Herr, unser Erlöser, tatsächlich gesehen und vor Augen gehabt? Was für Menschen waren das, zu denen er die Dinge gesagt hat, die wir alle schon seit Jahren und Jahrzehnten kennen?

Jesus hat einiges gegen Materialismus zu sagen. Materialismus ist die Weltanschauung, dass wir materielle Dinge anbeten und für besonders wichtig halten. Menschen, die dem Materialismus verfallen, setzen Dinge an die Stelle Gottes. Das nennt die Bibel Abgötterei. Das ist nicht gut.

Diese Abgötterei gibt es in beide Richtungen: Einerseits beten wir an, dass wir viel haben, andererseits auch, dass wir wenig haben. Beides ist nicht gut. Dadurch verfehlen wir oft unsere Mitmenschen als Nächste, und auch uns selbst. Wir verfehlen unsere Bestimmung im Leben. Das ist eine Art lebensbedrohlicher Egoismus – und das ist nicht gut.

Davon sind wir bedroht, egal ob wir satt oder hungrig sind. Das müssen wir uns bewusst machen. In Sprüche 4 heißt es: „Achte auf dein Herz.“ Wer Hebräisch gelernt hat, weiß, dass in der Bibel, wenn vom Herz die Rede ist, damit die Gedanken gemeint sind – nicht die Gefühle. Die Gefühle sind in der Bibel in den Nieren, also eine Ebene tiefer.

Wenn also in der Bibel steht „Bewahre dein Herz“, dann heißt das in Wahrheit: Achte auf deine Gedanken, achte auf deine Gedanken.

Lass uns das mal anschauen, die Faktation. Es gibt dazu eine Karte. Ist es möglich, dass wir die einmal einblenden könnten? Genau, so ungefähr war das wesentliche Lebensumfeld von Jesus, wo er unterwegs war. Man sieht einige Überlappungen mit einer heutigen Karte, sodass man sich das Ganze gut vorstellen kann.

Station 1: Herkunft und Beruf der Familie Jesu

Und Jesus wurde in Bethlehem geboren, einem Vorort von Jerusalem. Jerusalem liegt ungefähr beim Toten Meer. Wenn man vom Toten Meer etwa ein Drittel nach links geht, erreicht man Jerusalem. Direkt unterhalb davon liegt Bethlehem. Man könnte also mit dem Fahrrad dorthin fahren oder, wenn man sportlich ist, sogar hinüberjoggen.

Jesus floh mit seiner Familie nach Ägypten. Schauen wir uns zuerst seinen Vater an. Sein Vater Joseph wird in der Bibel an mehreren Stellen als „Tekton“ bezeichnet. Was ist ein Tekton? Im griechischen Text bedeutet Tekton Zimmermann. Früher wurde das häufig mit Zimmermann übersetzt. In manchen Bibelübersetzungen steht auch Handwerker oder Klempner. Das ist möglich, aber der archäologische Befund bestätigt das nicht ganz.

Man darf sich nicht vorstellen, dass ein Tekton jemand war, der einfach einen Türrahmen anbringt oder Fliesen im Bad verlegt. Das würde nicht ganz passen. Ein Tekton war eher so etwas wie ein Baumeister, daher auch der Begriff Architekt.

In jeder größeren Familie gab es damals eine Gruppe von Tektons. Das war eine kleine, hoch spezialisierte Familie, die genau dafür zuständig war, Bauarbeiten zu koordinieren. Sie organisierten größere Gebäude, Gebäudekomplexe oder mehrstöckige Häuser. Es gab nur wenige Tektons, und sie hatten üblicherweise Angestellte. Das bedeutet, es gab eine hohe Nachfrage, aber wenige Spezialisten, die diese Arbeiten ausführen konnten. Daraus resultierte in der Regel ein hohes Einkommen.

Das ist leicht vorstellbar, denn es gab wenig Konkurrenz. Deshalb sollten wir uns Jesus und seine Familie nicht als Lohnarbeiter bei einer Zeitarbeitsfirma vorstellen, die auf dem Küchenboden sitzen und hoffen, dass jemand sie anruft oder ihnen einen Auftrag gibt. Das wäre eine falsche Darstellung der Geschichte und entspricht nicht der Realität.

Als Jesus und seine Familie nach Ägypten gingen, reisten sie mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ins Nildelta, genauer gesagt ins nordwestliche Nildelta nach Alexandria. Dort lebten sie vermutlich in einer jüdischen Enklave, also einer jüdischen Gemeinschaft, und ließen sich als Tektons nieder. Das passt gut, denn Alexandria war eine Großstadt.

Damit kommen wir zur nächsten Station.

Station 2: Rückkehr nach Galiläa und sozioökonomische Lage

Einige Jahre später, etwa in der Zeit, in der Jesus ungefähr in der zweiten bis vierten Grundschulklasse gewesen sein dürfte, wenn man die historischen Daten betrachtet – also in der heutigen Zeit etwa zwischen der zweiten und vierten Klasse –, kehrte die Familie zurück. Allerdings nicht nach Bethlehem, sondern ironischerweise nach Galiläa, genauer gesagt in die Taborgegend und dort nach Nazaret.

Nazaret, ausgerechnet! Man kann auf einer Karte gut sehen, dass über dem „G“ von Galiläa ein Stück weiter oben das Jesreeltal liegt und darüber bereits Nazareth verzeichnet ist. Es spricht vieles dafür, dass Joseph bald gestorben war und Maria die mindestens fünf Kinder, die sie hatten, selbst großgezogen hat. Dazu gehörten Jesus und seine Brüder Jakobus, Joseph junior – immer wieder kreativ, wenn Väter ihre Kinder nach sich selbst benennen –, Judas und Simon. Maria zog sie also ohne Joseph groß.

Wir wissen auch, dass Jesus’ Brüder später in engem Kontakt mit Maria standen. Die Bibelstellen implizieren, dass sie das Familiengeschäft so ein bisschen weiterführten, während Jesus sich ausgeklinkt hatte. Interessant ist, dass sie ausgerechnet nach Nazareth gingen. Nazareth war damals fast unbekannt und ein kleines Dorf mit etwa 400 Einwohnern. Das heißt, wenn sie als Familie oder Großfamilie dort ankamen, machten sie schon fast über zehn Prozent der Bevölkerung aus. Das veränderte die Demografie erheblich – allerdings nicht die Probleme wie in Zeitz, sondern es war ein großes Ereignis.

Die Frage ist: Warum ausgerechnet Nazareth? Dafür gibt es eine ganz einfache, historisch einwandfreie Erklärung. Direkt gegenüber von Nazareth, etwas oberhalb links davon, lag Sephoris. Was ist Sephoris? Sephoris war eine Metropole, eine riesige Großstadt, die im Alten Testament erwähnt wird und in vielen historischen Texten aus der damaligen Zeit auftaucht. Ein Vergleich könnte sein wie zwischen Stadroda und Jena heute: In Stadroda kennt jeder jeden, man weiß schon, wer einen am Donnerstag besucht, aber viele pendeln nach Jena zur Arbeit und zurück – es ist buchstäblich über den Berg, das ergibt Sinn.

Warum ist Sephoris so wichtig? Sephoris war über viele Jahrzehnte der römische Hauptsitz. Von dort aus wurde die gesamte Region gesteuert; es war so etwas wie die Landeshauptstadt. Das Spannende ist, dass zu der Zeit, als Jesus in Ägypten war, etwas Unbeschreibliches geschah, von dem noch Jahrhunderte später die Geschichtsbücher und zeitgenössische Quellen berichten. Es gab einen unbeschreiblichen Bürgerkrieg, bei dem die komplette Stadt Sephoris praktisch niedergebrannt und vollständig vernichtet wurde.

Flavius Josephus, der große jüdische Historiker jener Zeit, berichtet, dass die weiblichen und minderjährigen Einwohner versklavt wurden – von den Römern versklavt, nicht wie wir es aus der Bibel kennen, wo jüdische Sklaverei eher eine zeitlich begrenzte Leibeigenschaft war, sondern wirklich römische Versklavung. Fast jeder volljährige Mann wurde gekreuzigt – Tausende. Es muss eine Hinrichtungsorgie gewesen sein, mit Schreien und Blut, die sich von den Straßen Sephoris bis nach Nazareth über Wochen hinzog. Die Leichen der Gefolterten hingen an den Bäumen, bis sie nicht mehr da waren.

Das heißt, es muss ein zutiefst traumatisches Ereignis gewesen sein, das sich unauslöschlich in den Erinnerungen der Einwohner Israels, besonders Galiläas und der Umgebung, eingebrannt hat. Überlege mal, wer das damals alles miterlebt hat: Jesus war weg, aber die Leute, die später in Galiläa lebten, darunter die Apostel und Jünger, haben es als Kinder live mitbekommen. Jesus rekrutierte die meisten von ihnen ja aus Galiläa. Das macht vieles verständlicher: Warum sie eine abgrundtiefe Abscheu gegenüber der römischen Besatzungsmacht hatten und warum so viele den innigen Wunsch hegten, dass der Messias endlich kommen möge, um das größte Leid zu beenden, das sie kannten – die römische Besatzung.

Jetzt verstehen wir auch, warum so viele Leute so heftige politische Erwartungen an Jesus stellten. Sie hatten das Grauen als Kinder live erlebt.

Dann gab es den Sohn von Herodes, Herodes Antipas, nicht den Kindermörder, sondern seinen Nachfolger. Er entschied sich, Sephoris wieder aufzubauen – genau ein bis zwei Jahre bevor Jesus aus Ägypten zurückkehrte. Wenn man einen solchen Sitz wiederaufbaut und zur Landeshauptstadt macht, braucht man natürlich Material, Baumeister und Tektōns ohne Ende.

Diese Fachkräfte gab es jedoch kaum, weil zehntausende Männer entweder geflohen, getötet oder versklavt worden waren. Die wohlhabenden und spezialisierten Arbeiter fliehen in der Regel zuerst. Zwei Dinge sind hier wichtig: Erstens kannst du dir vorstellen, was Jesus als Kind miterlebt haben muss, selbst wenn es nur vom Hörensagen war, als er von Ägypten zurückkam und wenige Monate oder Wochen später nach Galiläa ging.

Zweitens, rein finanziell betrachtet, war dieses Bauvorhaben eines der größten der Region in über hundert Jahren. Für eine Familie von hochspezialisierten Tektōns war es ein riesiger Glücksfall, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein – zumindest aus finanzieller Sicht. Das ist gut nachvollziehbar.

Station 3: Jesus in Kapernaum und seine Ausbildung

Station drei von vier: Jesus in Kapernaum.

Wo liegt Kapernaum? Oben rechts auf der Karte, gut zu sehen beim Segenizareth. Je nach Tempo und Gepäck braucht man mit einem Esel ein bis zwei Tage von Nazaret bis nach Kapernaum. Das ist weit genug weg von der Familie, um als Ausziehen zu gelten.

Es gibt ja Spezialisten, die sagen: „Ich bin ausgezogen, ich bin ja nur noch jeden zweiten Tag bei meinen Eltern.“ So hat Jesus das nicht gemacht. Für ihn war es ein klarer Schnitt: Achtzehnter Geburtstag, ich bin weg. Natürlich wissen wir das genaue Datum nicht. Jesus ist später weggezogen und hat nicht den elterlichen Betrieb übernommen. Das ist spannend und sehr ungewöhnlich. Nach allem, was wir wissen, war er der älteste Sohn, und dennoch hat er den Betrieb nicht übernommen. Das gab sicherlich Diskussionen.

Über die Zeit, in der Jesus nicht mehr bei seinen Eltern lebte, sondern in Kapernaum war, bevor er zu predigen und Wunder zu wirken begann, wissen wir fast nichts. Wir wissen nur, dass er als Single dort war und ein eigenes Haus am See hatte. Das ist bemerkenswert, denn das hatte man nicht immer.

Im Hintergrund sieht man schon ein paar Leute. Das muss man können.

Wir wissen, dass Jesus hochgebildet war und mehrere Sprachen sprach. Im Neuen Testament können wir das belegen. Er sprach Aramäisch, den Koine-Dialekt – das damalige Altgriechisch – sicherlich auch, da er Zeit in Ägypten verbrachte. Wahrscheinlich sprach er sogar ein bisschen Latein, was man ebenfalls aus den Texten herauslesen kann.

Überlege mal, wie teuer diese Ausbildung gewesen sein muss. Wir wissen, dass er ein Experte in biblischer Literatur war. Nun gut, er war ja auch der Sohn Gottes, das darf man erwarten. Außerdem wissen wir, dass er selbstständig und spezialisiert war.

So erhalten wir ein realistisches Bild vom sozioökonomischen Hintergrund, aus dem Jesus stammte. Soweit wir wissen, wären Jesus und seine Familie, also die Familie Bar Josef, nicht auf der Forbes-400-Liste der reichsten Israelis aufgetaucht. Sie würden auch nicht im Manager Magazin unter den 500 reichsten Galiläern stehen. Aber sie haben auch nicht am Hungertuch genagt. Es ging ihnen gut, davon können wir ausgehen.

Station 4: Jesus auf Wanderschaft mit Jüngern und Frauen

Station vier von vier: Jesus auf Wanderschaft – Die Jünger und die Frauen.

Wir wissen, dass Jesus in verschiedenen großen Gruppen unterwegs war. Mal waren es fünf, mal dreizehn, mal siebzig oder zweiundsiebzig Personen, die er ausgesandt hatte. Manchmal waren es auch fünfhundert Leute. Beispiele dafür sind die Speisung der Viertausend und die Speisung der Fünftausend – also große Gruppen, die Jesus gefolgt sind.

Wir wissen auch, dass sie eine Gemeinschaftskasse hatten. Das können wir in Johannes 12 lesen. Diese Kasse wurde ausgerechnet von Judas verwaltet. Mit dieser Kasse finanzierten sie sich, während sie wochenlang durch die Länder zogen.

Johannes der Täufer lebte sehr asketisch. Die Leute dachten sogar, er sei verrückt, und erklärten ihn für besessen (Matthäus 11). Jesus dagegen bewegte sich auf Feiern. Er war in Gesellschaften, nahm Einladungen zum Mittag- oder Abendessen an und ließ es sich gut gehen.

Wir lesen sogar in Johannes 2, dass das erste Wunder, das Jesus je vollbrachte, auf einer Hochzeit in Kana geschah – also auf einer Party. Dort verwandelte er Wasser in Wein.

Damals war Wein nicht wie heute unser verdünnter Chianti aus dem Supermarkt. Nein, Wein damals war ein hochprozentiges Getränk. Wenn man sich anschaut, wie viel es war, waren das ungefähr 450 Liter Alkohol, die Jesus dort auf einer mehrtägigen Großveranstaltung bereitgestellt hat. Überlege mal, was das bedeutet.

Zu sagen, Jesus sei ein weltverleugnender Asket gewesen, wie manche es manchmal behaupten, trifft also nicht ganz zu.

Die ersten vier Jünger, die Jesus berief, waren zwei Brüderpaare: Simon Petrus und Andreas sowie Jakobus und Johannes. Eine Zeit lang war Jesus nur mit diesen vier Leuten unterwegs, also in einer kleinen Fünfergruppe.

Wer waren diese Leute? Was wissen wir über Simon Petrus und Andreas? Wir wissen, dass Simon Petrus verheiratet war und eine Schwiegermutter hatte, die bei ihm wohnte. Er musste also ein Einkommen haben, um für sie sorgen zu können. Damals war es nicht einfach, zu heiraten oder zusammenzuwohnen, ohne für den Lebensunterhalt zu sorgen.

Simon Petrus hatte ein eigenes Haus am See in Kapernaum. Außerdem besaß er Netze und mehrere Boote. Das heißt, die Behauptung, Jesus habe die Ärmsten der Armen berufen, stimmt so nicht.

Über Jakobus und Johannes wissen wir etwas weniger. Wir wissen jedoch, dass sie Netze, eine Flotte und eigene Angestellte hatten. Sie besaßen also ein eigenes Fischereiunternehmen – das steht sogar im Text.

Das heißt, die Kerngruppe, mit der Jesus unterwegs war, waren keine antimaterialistischen Hippies. Definitiv nicht.

Das ist interessant, denn die meisten Menschen, an die sich Jesus richtete, waren Ausgestoßene der Gesellschaft: Benachteiligte, Frauen, Prostituierte, Kinder, Kranke und vor allem Arme.

Er hätte sich auch in der oberen Gesellschaft bewegen können. Das hätte er gar nicht tun müssen. Er hätte ein materielles Leben ohne Sorgen führen können, wollte es aber nicht. Das war nicht sein Ziel.

Die Kerngruppe, mit der er am Anfang reiste, waren Kleinunternehmer und Besitzer mittelständischer Familienbetriebe. Bald darauf kam ein Steuereintreiber aus der römischen Besatzungsmacht dazu.

Wir wissen zudem, dass Simon ein ehemaliger Terrorist war, der auf Seiten der Zeloten stand. Die Abendgespräche mit ihm wären sicherlich unterhaltsam gewesen.

Jesus hatte reiche Kontakte. Er kannte mehrere Leute, die Immobilienbesitz in der Hauptstadt hatten – dort, wo später das letzte Abendmahl stattfand. Er war immer wieder zu Gast bei Menschen, die es sich leisten konnten, ihn und sein Gefolge zu bewirten.

Es gab viele reiche Frauen, die die Gruppe finanzierten. Jesus wurde schließlich von Joseph von Arimathäa begraben, einem sehr reichen Mitglied des Hohen Rates, des Synhedrions – dem gleichen Gremium, das Jesus zum Tode verurteilte.

Und doch tritt Jesus in Lukas 4 in seiner ersten Predigt eindeutig an, um das Evangelium den Armen und Ausgestoßenen zu bringen. Das macht die Sache noch bemerkenswerter.

Die richtige Haltung zu Geld und Besitz

Was heißt das? Jesus und die Bibel verlangen von uns einen Spagat. Einerseits verteufeln sie Geld nicht. Wir dürfen dankbar sein für alles, was wir an Ernten und Gaben erhalten. Das ist klar.

Andererseits warnt die Bibel streng vor Versuchungen, die auftreten können, wenn uns Geld oder Armut umgeben. Definitiv. Es heißt nicht, dass Geld die Wurzel allen Übels ist, sondern die Gier nach Geld. Ganz klar.

Das bedeutet, es gibt kein einfaches Richtig oder Falsch im Umgang mit Geld. Es gibt kein Schwarz-Weiß. In der Bibel steht nicht, dass du dich zum Multimillionär hochsparen musst. Aber es steht auch nicht, dass du dich in die Sozialhilfe stürzen sollst. Du musst nicht alles, was du hast, verkaufen, und du musst auch nicht jeden Cent spenden. Ebenso wenig musst du jeden Cent sparen. Vielmehr solltest du versuchen, ein Gleichgewicht zu finden.

Ist das Grund zum Feiern, zum Danken oder zum Klagen? Je nachdem, wie du es betrachtest, ist das Glas entweder halb voll oder halb leer. Du kannst klagen und jammern über die karge Ernte nach vielen Jahren harter Arbeit. Dafür findest du Gründe. Oder du kannst demütig und dankbar sein für den ganzen Segen, den wir genießen dürfen – Segen, der vor so vielen Menschen vor vielen Jahren undenkbar gewesen wäre.

Das nehmen wir heute als selbstverständlich hin. Ich nenne nur mal fließendes, warmes Wasser. Das hatten vor dreihundert Jahren die reichsten Könige der Welt nicht. Für uns heute ist das jeden Morgen beim Zähneputzen und Duschen das Normalste der Welt.

Du kannst dein Geld entweder horten oder spenden. Beides lässt sich begründen. Was sagt Jesus dazu? Es gibt eine Stelle in der Bibel, die ich faszinierend finde. In Lukas 12 heißt es, frei übersetzt: Ein Mann aus der Volksmenge spricht Jesus an: „Meister, bitte sag meinem Bruder, dass er das Erbe mit mir teilen soll, das unser Vater uns hinterlassen hat.“

Jesus antwortet: „Guter Mann, wer hat mich denn als Richter für Erbstreitigkeiten eingesetzt?“ (Lukas 12). Ich übersetze das frei: „Ja, aber seit wann ist das mein Job?“ Seit wann ist es Jesu Aufgabe, uns zu sagen, was wir mit unserem Geld tun sollen?

Jesus ist gekommen, um das ewige Leben zu bringen, nicht eine ewige Rente. Als er am Kreuz hing, rief er: „Es ist vollbracht“, nicht „Es ist gespart“. Jesus ist gekommen, um dich aus der Kriegsgefangenschaft der Hölle zu befreien – nicht von der Altersarmut. Das ist ein riesiger Unterschied.

Jesus ist gekommen, damit der Weg zum Vater frei ist – nicht der Weg in die Karibik. Das zeigte Jesus in der Bergpredigt, als er seinen Jüngern das Beten beibrachte. Zuerst beten wir: „Dein Name werde geheiligt, dein Reich komme, dein Wille geschehe.“ Das ist das Erste, was wir beten, und das ist richtig so.

Erst danach beten wir: „Bitte gib uns unser tägliches Brot.“ Gott kommt an erster Stelle, und was Gott zusteht, das kommt zuerst, unseres später. Das ist die richtige Grundhaltung.

Eines der ältesten Gebete der Welt, das Schema Israel, das jüdische Glaubensbekenntnis aus dem Deuteronomium, macht das ganz deutlich. Dort heißt es: „Höre, Israel, der Herr ist unser Gott, der Herr allein, und du sollst dem Herrn, deinem Gott, dienen und nach ihm streben mit deinem ganzen Herzen, mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Kraft.“ (5. Mose 6,4-5)

Das heißt: Weder Mangel noch Überfluss von Geld dürfen der Herr über dich sein. Es geht um die Grundhaltung. Also lerne, dich innerlich davon frei zu machen.

Jesus spricht uns das zu. Du siehst es daran, dass er sagt: Alles, was dich davon abhält, in seiner Nachfolge zu leben, davon sollst du dich trennen. Er sagt: Wer sich nicht lossagt von allem, was er hat, der kann nicht mein Jünger sein (Lukas 14).

Heißt das, wir sollen jetzt wie Franz von Assisi leben und alle unsere Kleider dem Magistrat übergeben? Das heißt es nicht. Aber es geht um die Grundhaltung. Die Grundhaltung ist, dich innerlich loszusagen. Diese Haltung wollen wir einüben.

In 1. Korinther 7 sagt Paulus, wir müssen lernen, zu besitzen, als würden wir nicht besitzen; materielle Dinge zu gebrauchen, als bräuchten wir sie nicht; zu haben, als hätten wir sie nicht. Es ist ohnehin nicht unser ewiges Eigentum, definitiv nicht (Hebräer 3). Wir haben es nur geborgt.

Wir sollen ein Segen sein. Du sollst ein Segen sein. Ein Segen werden wir aber nur sehr eingeschränkt sein, solange wir uns ständig um die eigene Achse drehen. Solange unser Denken, Fühlen, Streben und Alltag nur darum kreist, Euro, Dollar oder Yuan anzusammeln, kann das nicht sein.

Paulus schreibt, wir sollen als Lichter der Welt scheinen. Das werden wir nicht mit einem Armutsfetisch. Das werden wir auch nicht als Workaholic. Es geht um die Grundhaltung, und die Grundhaltung muss stimmen.

Beruhigung für Männer in der Weihnachtszeit

Und liebe Männer, mit Blick auf Weihnachten hat das etwas Beruhigendes, etwas sehr Beruhigendes.

Wenn die Frau, die du versuchst, für dich zu gewinnen, sich nicht für dich interessiert, dann wird das Geschenk das auch nicht ändern. Von daher kannst du ganz entspannt sein.

Wenn deine Frau dich aber vorher schon wirklich liebt und ihr eine gute Beziehung habt, und es wirklich funktioniert, dann kann ein schlechtes Geschenk – selbst wenn es Turnschuhe sind – das auch nicht verderben.

Liebe Damen, habt Nachsicht! Es geht nicht um ein Geschenk mehr oder weniger, sondern um die Grundhaltung. Amen!

Schlusswort: Wertvolleres als Geld

Hey, willkommen zurück! Du siehst also, es gibt manche Dinge auf der Welt, die viel wertvoller sind als Geld. Ein Lächeln kostet nichts, ein bisschen Zuneigung zu zeigen kostet nichts, Liebe zu zeigen kostet nichts.

Jesus hat sich all das für uns kosten lassen. Für uns ist es manchmal so viel einfacher, in einem kleinen Maß einfach jemandem ein bisschen Zuneigung zu schenken.

Wenn du möchtest, kannst du dir das Andachtenbuch, auf dem das basiert, was du gerade gehört hast, hier gratis mitnehmen – über den Link in der Videobeschreibung. Dort findest du das komplette E-Book und das komplette Hörbuch dazu. Außerdem sind ein paar praktische Tipps enthalten, wie du mit Alltagsschwierigkeiten, Stress, Beziehungsproblemen und Geldproblemen auf biblischer Grundlage in deiner Nachfolge umgehen kannst.

Wir sehen uns im nächsten Video. Ich freue mich auf dich.