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Wie ist Jesus aufgewachsen?

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07.11.2020

Einleitung: Umgang mit dem zweiten Corona-Lockdown und innere Freiheit

Um Nachfolge zu leben, mach dich hashtag paperfit.

Sag mal, wie geht es dir denn gerade? Wir nehmen das Jahr auf zum Beginn des zweiten Corona-Lockdowns, und die Reaktionen darauf sind sehr unterschiedlich.

Es gibt manche Leute, die sagen: „Das ist genau richtig, das ist genau das, was unser Land braucht.“ Dann gibt es ein paar andere, die sehen das ganz anders. Und schließlich gibt es eine große Gruppe in der Mitte, die sagt: „Markus, es ist egal, ob wir das jetzt brauchen oder nicht – was soll ich denn jetzt machen?“

Einige von dir und von anderen haben gesagt: „Na ja, ist ja alles schön und gut, aber ich habe drei Kinder zu ernähren, und jetzt bin ich in Kurzarbeit.“ Wieder andere haben gesagt: „Ich habe mich vor zwei Jahren selbständig gemacht, und jetzt muss ich vielleicht mein Geschäft schließen.“

Da ist eine Menge Stress dabei. Vielleicht nimmst du es anders wahr, aber meine Beobachtung ist, dass wir jetzt beim zweiten Lockdown noch wesentlich gestresster, gereizter und dünnhäutiger sind als beim ersten Mal. Das hat sicherlich Gründe.

Deswegen möchte ich jetzt gern etwas Außergewöhnliches machen. Ich würde gerne kurz mit dir über das Thema innere Freiheit sprechen. Innere Freiheit – warum sie etwas Gutes und Gesundes ist und warum wir als Christen, die wir Nachfolge in unserem Alltag leben, mehr innere Freiheit gewinnen können.

Dabei geht es darum, wie wir mehr innere Freiheit gegenüber materiellen Dingen und Sachzwängen erlangen können und uns nicht so sehr von den Umständen treiben lassen.

Dazu möchte ich Folgendes machen: Ich werde eine Predigt einspielen lassen, die ich vor kurzem gehalten habe. Sie basiert auf einem Andachtsbuch, das ich geschrieben habe.

Du kannst dir das Andachtsbuch gerne kostenlos über den Link in der Videobeschreibung herunterladen. Dort findest du auch komplette Hörbücher, mit denen du einige Inhalte noch einmal in deinem Alltag durchgehen kannst. Ich hoffe, das hilft dir als Alltagsbegleiter.

Wenn du das machen möchtest, würde ich mich freuen, wenn du hier einmal kurz die Glocke drückst. Das ist ein technisches Signal, das hilft, dass solche Inhalte in den sozialen Netzwerken nicht verborgen bleiben.

Vielen Dank für alles und viel Spaß beim Input!

Herbstliche Gedanken und Männerstress vor Weihnachten

Ja, liebe Geschwister, das Erntedankfest ist da, die Blätter fallen schon, es wird Herbst und kälter. Heute Morgen musste ich zum ersten Mal die Fahrradhandschuhe, also die Winterhandschuhe, aus dem Schrank holen, als ich hierher gefahren bin. Es wird langsam Winter, und das bedeutet für Männer oft eine sehr stressreiche Jahreszeit.

Wenn wir jetzt daran denken, sind es nur noch 78 Tage bis Weihnachten. Das ist für Männer besonders schwierig. Wir müssen uns nämlich jetzt überlegen, was wir der wichtigsten Frau in unserem Leben dieses Jahr schenken können. Das ist gar nicht so einfach, wie es vielleicht aussieht. Deshalb bitte ich euch, liebe Damen, ein bisschen Mitgefühl zu haben. Wir geben uns wirklich große Mühe, auch wenn das nicht immer so wirkt.

Ich verrate euch ein kleines Geheimnis: Es gibt eine Sache, die wir als unkreative Männer jedes Jahr wieder tun. Ich hoffe, ich werde dafür nicht exkommuniziert, aber ich möchte diese Verschwörungstheorie einmal aufdecken. Ganz häufig ist es nämlich so, dass wir unsere Frauen sehr, sehr mögen und lieben. Gleichzeitig gibt es andere Dinge in unserem Leben, die wir auch toll finden, zum Beispiel Sport oder Musik.

Manchmal passiert uns Männern dann ein genialer gedanklicher Kurzschluss: Wir denken uns, Moment mal, ich mag Sport, zum Beispiel Joggen, und ich mag meine Frau. Vielleicht kann ich das ja kombinieren und schenke ihr einfach ein paar Joggingschuhe. Die Reaktionen darauf kennen wir ja schon, da geht das ein oder andere Aha hoch.

Das heißt, es ist total lieb gemeint, dass wir etwas auswählen, mit dem wir zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen wollen. Aber oft trifft das Geschenk dann leider nicht den Geschmack.

Jesus und die Vermischung von Vorstellungen

Und so ungefähr geht es uns als Christen ganz häufig mit Jesus. Wir finden Jesus klasse, und es gibt noch andere Dinge, die wir ebenfalls für klasse halten. Häufig vermischen wir diese beiden Aspekte miteinander.

Dann entstehen ganz spannende Predigten. Dabei kommen zum Beispiel Aussagen heraus wie: Jesus war der erste große Sozialkritiker. Oder es wird behauptet, Jesus sei der größte Umweltschützer, den es je gegeben hat. Solche Dinge habe ich schon live in Predigten erlebt.

Ich habe einmal die häufigsten Darstellungen gesammelt, in denen Jesus als Freigeist dargestellt wird – als Poet, als Hippie, als Demonstrant gegen Atomkraft. Andererseits wird er auch als Vorgänger von Blockierern und als antikapitalistischer Autonomer der ersten Stunde beschrieben, der gegen die Bourgeoisie kämpft.

Ähnlich verhält es sich auch mit dem Thema Geld. Geld ist ein hochemotionales Thema. In meiner Beratungsstelle steht immer eine Taschentuchbox am Fenster. Diese muss ich alle paar Wochen austauschen – und nicht, weil die Leute Heuschnupfen haben.

Wir übertragen sehr schnell Dinge, die wir für richtig halten, oft in bester Absicht, und finden sie dann manchmal zufällig in der Bibel wieder. Mit ein bisschen Geduld und Ausdauer klappt das schon.

Dann entstehen interessante Aussagen. Zum Beispiel das sogenannte Prosperity Gospel, das in den 1950er bis 1980er Jahren in den Vereinigten Staaten verbreitet war. Es ist total unbiblisch und besagt: „Gott segnet dich nur durch Geld, und wenn du nicht genug Geld hast, dann bist du wohl verflucht.“

Umgekehrt gibt es in Lateinamerika, vor allem in Südamerika, Gemeinden, in denen das Armutsevangelium gepredigt wird. Das ist eine 180-Grad-Wende. Jesus ist dort der Vertreter der Armen, er liebt nur die Armen, er hasst die Reichen. Wenn du nicht arm bist, kannst du dir überlegen, wie das am Jüngsten Gericht aussehen wird.

Das ist alles menschlich total verständlich, aber wir müssen nicht die Bibel neu schreiben, wenn wir vorher schon wissen, was drinsteht. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht unsere eigenen Vorstellungen in die Bibel hineinschreiben.

Wir reden hier nicht von einer Neuauflage des Dudens, in der einfach die Rechtschreibfehler des letzten Jahres angepasst werden. Übrigens ist dieser Vergleich nicht von mir.

Warum wir als Christen bessere Argumente brauchen

Und ich habe ganz häufig das Gefühl, wenn ich mich mit Christen unterhalte und sie frage: „Warum seid ihr denn Christen?“, bekomme ich häufig die gleichen vier Antworten. Das ist faszinierend. Ich nenne euch mal die Top vier Antworten.

Die erste Antwort ist: „Ja, ich bin so aufgewachsen.“
Die zweite Antwort lautet: „Okay, ich habe mal eine Erfahrung gemacht, ich habe mal etwas gefühlt.“
Die dritthäufigste Antwort ist: „Okay, ich war früher mal ein ganz, ganz, ganz mieser Kerl, aber jetzt benehme ich mich besser.“
Und die vierthäufigste Antwort ist: „Na ja, ganz ehrlich, die Leute sind einfach so nett. Ich finde die Leute in meiner Gemeinde so toll.“

Okay, fairer Punkt. Aber überlegt doch mal: „Ich bin so aufgewachsen“ – das könnten Scientologen auch sagen. „Ich habe eine Erfahrung gemacht“ – das könnten Zeugen Jehovas ebenfalls sagen. „Ich benehme mich jetzt besser“ – das könnten Buddhisten auch sagen. Und zu guter Letzt: „Ich finde die Leute so nett“ – das könnten die Mormonen auch sagen.

Sollten wir nicht bessere Argumente haben? Ist es nicht bemerkenswert, dass das Christentum die einzige Weltanschauung ist, die sich tatsächlich auch säkular belegen lässt? Die einzige Weltanschauung, für die es überprüfbare Beweise gibt – und nicht nur Gefühle und Erfahrungen? Das finde ich spannend.

Jesus und sein Umgang mit Geld und materiellen Dingen

Was können wir aus der Bibel lernen, wenn es darum geht, welche Berührungspunkte Jesus mit Geld und materiellen Dingen hatte? Das ist ein sehr großes Thema. Es gibt dazu auch ein sehr gutes Buch – nein, nur Spaß. Es ist tatsächlich ein wichtiges Thema.

Lasst uns vier Punkte skizzieren, vier Lebensbereiche, durch die Jesus gegangen ist. Vier Stationen in seinem Leben, bei denen wir ungefähr den Finger darauflegen können und sagen: Was war dort die Umgebung? Was hat unser Herr, unser Erlöser, tatsächlich gesehen und vor Augen gehabt? Wer waren die Menschen, zu denen er die Dinge gesagt hat, die wir alle seit Jahren und Jahrzehnten kennen?

Jesus hat einiges gegen Materialismus zu sagen. Materialismus ist die Weltanschauung, dass wir materielle Dinge anbeten und für besonders wichtig halten. Menschen, die dem Materialismus verfallen sind, setzen Dinge an die Stelle Gottes. Das bezeichnet die Bibel als Abgötterei. Das ist nicht gut.

Das gibt es in beide Richtungen: Einerseits beten wir an, dass wir viel haben. Andererseits kann es auch sein, dass wir anbeten, dass wir wenig haben. Beides ist nicht gut. Dadurch verfehlen wir häufig als Nächste unsere Mitmenschen und auch uns selbst. Wir verfehlen unsere Bestimmung im Leben.

Das ist eine Art lebensbedrohlicher Egoismus. Das ist nicht gut. Davon sind wir bedroht, wenn wir satt sind, und ebenso, wenn wir hungrig sind. Das müssen wir uns bewusst machen.

In Sprüche 4 heißt es: "Der Mensch, also achte auf dein Herz." Jetzt müssen wir wissen: Wer Hebräisch gelernt hat, weiß, dass mit "Herz" in der Bibel die Gedanken gemeint sind, nicht die Gefühle. Die Gefühle sind in der Bibel in den Nieren – das ist sozusagen eine Etage tiefer. Wenn also in der Bibel steht: "Bewahre dein Herz", dann heißt das in Wahrheit: Achte auf deine Gedanken. Achte auf deine Gedanken.

Schauen wir uns das einmal an. Ich habe dazu eine Karte. Wäre es möglich, dass wir diese einmal einblenden könnten? Genau, so ungefähr sieht das wesentliche Lebensumfeld von Jesus aus, in dem er unterwegs war. Man erkennt auch einige Überlappungen mit heutigen Karten, sodass man sich das Ganze gut vorstellen kann.

Station 1: Jesus’ Herkunft und Familie

Und Jesus wurde geboren in Bethlehem, einem Vorort von Jerusalem. Jerusalem liegt ungefähr beim Toten Meer. Wenn du vom Toten Meer etwa ein Drittel nach links gehst, siehst du Jerusalem, und direkt darunter liegt Bethlehem. Man kann also mit dem Fahrrad dorthin fahren, und wenn man sportlich ist, sogar rüberjoggen.

Jesus floh mit seiner Familie nach Ägypten. Schauen wir uns zuerst seinen Vater an: Joseph. In der Bibel wird Joseph an mehreren Stellen als sogenannter Tekton bezeichnet. Was ist ein Tekton? Im griechischen Text steht dieses Wort. Früher wurde es häufig mit „Zimmermann“ übersetzt. In manchen Bibelübersetzungen findet sich auch „Klempner“ oder „Handwerker“. Das ist möglich, doch der archäologische Befund bestätigt das nicht ganz.

Man darf sich darunter nicht jemanden vorstellen, der einfach einen Türrahmen anbringt oder Fliesen im Bad verlegt. Das würde nicht ganz passen. Ein Tekton ist eher so etwas wie ein Baumeister, daher auch der Begriff Architekt. Was bedeutet das genau? In jeder größeren Familie gab es damals eine Gruppe von Tektons. Das war eine kleine, hoch spezialisierte Familie, die genau dafür da war, Bauarbeiten zu koordinieren.

Diese Tektons koordinierten größere Gebäude, Gebäudekomplexe oder mehrstöckige Häuser. Es gab nur wenige Tektons, und sie hatten üblicherweise Angestellte. Das heißt, es gab eine hohe Nachfrage, aber nur wenige Spezialisten, die diese erfüllen konnten. Daraus resultierte in der Regel ein hohes Einkommen. Das ist, glaube ich, leicht vorstellbar, da es wenig Konkurrenz gab.

Wir dürfen uns Jesus und seine Familie daher nicht als Lohnarbeiter bei einer Zeitarbeitsfirma vorstellen. Ich übertreibe jetzt ein wenig, aber man könnte sich vorstellen, dass sie auf dem Küchenboden sitzen, hoffen, dass jemand sie anruft, und beten, dass sie den nächsten Auftrag bekommen. Das wäre eine Geschichtsverfälschung und trifft nicht die Realität.

Sie sind nach Ägypten gegangen. Damals bedeutete eine Reise nach Ägypten zu 95 Prozent, ins Nildelta zu fahren, genauer gesagt ins nordwestliche Nildelta nach Alexandria. Wir können also mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass Jesus und seine Familie in Alexandria lebten. Dort gab es eine jüdische Enklave und Gemeinschaft.

Dort haben sie sich als Tektons niedergelassen. Das passt gut, denn Alexandria war eine Großstadt. Alles klar. Station zwei.

Station 2: Rückkehr nach Galiläa und Leben in Nazareth

Einige Jahre später, ungefähr in der Zeit, in der Jesus heute in der zweiten bis vierten Grundschulklasse gewesen wäre, wenn wir das in unsere Zeit übersetzen, kehren sie zurück. Allerdings kehren sie nicht nach Bethlehem zurück, sondern gehen ironischerweise nach Galiläa, also in den Norden Israels. Dort leben sie in der Taborgegend, genauer gesagt in Nazareth.

Nazareth ist ein sehr kleiner Ort, damals ein Dorf mit etwa 400 Einwohnern. Es spricht viel dafür, dass Joseph bald nach der Rückkehr gestorben ist und Maria die mindestens fünf Kinder, die sie hatten, selbst großgezogen hat. Neben Jesus waren das seine Brüder Jakobus, Joseph junior – was immer etwas kreativ ist, wenn Väter ihre Kinder nach sich selbst benennen –, Judas und Simon. Maria zog sie also ohne Joseph groß.

Wir wissen auch, dass Jesus’ Brüder später in engem Kontakt mit Maria standen. Die Bibelstellen implizieren, dass sie das Familiengeschäft ein Stück weit weiterführten, während Jesus sich ausgeklinkt hatte. Interessant ist, dass sie ausgerechnet nach Nazareth gingen. Warum gerade Nazareth? Damals kannte fast niemand diesen kleinen Ort.

Wenn die Familie oder Großfamilie dort ankam, machten sie fast zehn Prozent der Einwohner aus. Das veränderte die Demografie völlig – ein Riesending.

Der entscheidende Punkt ist: Warum sollte man nach Nazareth ziehen? Dafür gibt es eine ganz einfache, historisch einwandfreie Begründung. Direkt gegenüber von Nazareth, oben links davon, liegt Sephoris.

Was ist Sephoris? Sephoris war eine Metropole, eine riesige Großstadt, die im Alten Testament erwähnt wird und in vielen historischen Texten der damaligen Zeit auftaucht. Der Vergleich hinkt ein wenig, aber man kann es sich ungefähr so vorstellen wie die Beziehung zwischen Stadroda und Jena heute. In Stadroda kennt jeder jeden, man weiß schon, wer einen am Donnerstag besuchen kommt. Viele pendeln aber nach Jena, um dort zu arbeiten, und kehren dann zurück. Die Entfernung ist buchstäblich nur ein Berg dazwischen – alles ergibt Sinn.

Was hat es mit Sephoris auf sich, und warum ist das so wichtig? Sephoris war über viele Jahrzehnte der römische Hauptsitz in der Region. Von dort wurde die komplette Gegend gesteuert; es war so etwas wie die Landeshauptstadt.

Das Spannende ist, dass zu der Zeit, als Jesus in Ägypten war, etwas Unbeschreibliches passierte, von dem noch Jahrhunderte später die Geschichtsbücher und zeitgenössische Quellen berichten. Es gab einen unbeschreiblichen Bürgerkrieg, bei dem die komplette Stadt Sephoris praktisch niedergebrannt und vollständig vernichtet wurde.

Flavius Josephus, der große jüdische Historiker dieser Zeit, berichtet, dass die weiblichen und minderjährigen Einwohner von den Römern versklavt wurden. Diese Versklavung war eine harte römische Versklavung, nicht vergleichbar mit der jüdischen Sklaverei, die eher eine Leibeigenschaft auf Zeit war. Fast jeder Volljährige wurde gekreuzigt – Tausende von Menschen. Es muss eine Hinrichtungsorgie gewesen sein, begleitet von Schreien und Blut, die wochenlang von den Straßen Sephoris bis nach Nazareth zu hören war.

Die Leichen der Gefolterten hingen wochenlang an den Bäumen, bis sie schließlich entfernt wurden. Das war ein zutiefst traumatisches Ereignis, das sich unauslöschlich in das Bewusstsein der Einwohner Israels, besonders in Galiläa und Umgebung, eingebrannt hat.

Man kann sich überlegen, wer das damals alles miterlebt hat: Jesus war weg, aber die Menschen, die später in Galiläa lebten, darunter die Apostel und Jünger, hatten diese Ereignisse als Kinder live miterlebt. Jesus rekrutierte die meisten von ihnen in Galiläa.

Das erklärt vieles: Die tiefe Abscheu gegenüber der römischen Besatzungsmacht und den innigen Wunsch vieler Menschen, dass der Messias kommen möge, um das größte Leid zu beenden – nämlich die römische Herrschaft.

Jetzt wird auch verständlich, warum so viele Leute heftige politische Erwartungen an Jesus hatten. Sie hatten als Kinder die Gewalt und das Leid durch die Römer direkt erlebt.

In der Folge gab es den Sohn von Herodes, Herodes Antipas, nicht zu verwechseln mit dem Kindermörder Herodes, der vorangegangen war. Herodes Antipas entschied sich, Sephoris wieder aufzubauen – und zwar ein bis zwei Jahre bevor Jesus aus Ägypten zurückkehrte.

Wenn man einen solchen Sitz wieder aufbauen und zur Landeshauptstadt machen will, braucht man natürlich Material, Baumeister und viele Tektons. Doch diese Fachkräfte gab es kaum, weil zehntausende Männer entweder geflohen, getötet oder versklavt worden waren. Die wohlhabenden Spezialisten waren meist die ersten, die flohen.

Zwei Dinge sind dabei wichtig: Erstens kann man sich vorstellen, was Jesus als Kind miterlebt haben muss, wenn er von Ägypten zurück nach Galiläa kam, wenige Monate oder Wochen nach diesen Ereignissen.

Zweitens war das Bauvorhaben rein finanziell betrachtet eines der größten in der Region über hundert Jahre hinweg. Für eine Familie von hochspezialisierten Tektons war es ein riesiger Glücksfall, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.

Das ist nachvollziehbar.

Station 3: Jesus in Kapernaum und seine Ausbildung

Station drei von vier: Jesus in Kapernaum

Jesus in Kapernaum – aber wo genau liegt Kapernaum? Oben rechts auf der Karte, nahe beim Segen in Nazareth, sieht man es gut. Je nachdem, wie schnell man geht und wie viel Gepäck man dabei hat, braucht man mit einem Esel etwa ein bis zwei Tage von Nazareth bis nach Kapernaum.

Kapernaum liegt also weit genug entfernt von der Familie, sodass es als Ausziehen gilt. Es gibt ja Menschen, die sagen: „Ich bin ausgezogen, ich wohne nur noch jeden zweiten Tag bei meinen Eltern.“ Das hat Jesus nicht gemacht. Für ihn war das ein klarer Schnitt. Mit etwa achtzehn Jahren hat er gesagt: „Ich bin weg.“ Natürlich wissen wir das genaue Datum nicht. Jesus ist später weggezogen und hat nicht den elterlichen Betrieb übernommen. Das ist spannend und sehr ungewöhnlich. Nach allem, was wir wissen, war er der älteste Sohn, und trotzdem hat er den Betrieb nicht übernommen. Das hat sicherlich für Diskussionen gesorgt.

Über die Zeit, in der Jesus nicht mehr bei seinen Eltern lebte, aber noch in Kapernaum war, bevor er zu predigen und Wunder zu wirken begann, wissen wir am allerwenigsten – fast nichts. Wir wissen nur, dass er als Single dort lebte und sogar ein eigenes Haus am See hatte, was schon bemerkenswert ist.

Das wissen wir. Einige nicken jetzt sicher, denn das muss man erst einmal können. Wir wissen auch, dass Jesus hochgebildet war und mehrere Sprachen sprach. Das kann ich euch anhand von Stellen im Neuen Testament zeigen. Er sprach Aramäisch, den Koine-Dialekt, also das damalige Altgriechisch, das er sicherlich auch in Ägypten gelernt hat. Wahrscheinlich sprach er sogar den einen oder anderen Brocken Latein. Das lässt sich ebenfalls aus den Texten herauslesen.

Überlegt mal, wie teuer eine solche Ausbildung damals gewesen sein muss. Wir wissen, dass er Experte in biblischer Literatur war. Na gut, er war ja der Sohn Gottes – das darf man erwarten. Außerdem wissen wir, dass er selbstständig und spezialisiert war.

Das heißt, wir haben jetzt ein realistisches Bild davon, aus welchem sozioökonomischen Hintergrund Jesus eigentlich kam. Soweit wir wissen, wären Jesus und seine Familie, also die Familie Bar Josef, nicht auf der Forbes-400-Liste der reichsten Israelis zu finden gewesen. Sie hätten auch nicht im Manager Magazin als die 500 reichsten Galiläer gestanden. Das nicht.

Aber sie haben auch nicht am Hungertuch genagt. Ihnen ging es gut, davon können wir ausgehen.

Station 4: Jesus auf Wanderschaft mit Jüngern und Frauen

Station vier von vier: Jesus auf Wanderschaft, die Jünger und die Frauen.

Wir wissen, dass Jesus in verschiedenen großen Gruppen unterwegs war. Mal waren es fünf, mal dreizehn, mal siebzig oder zweiundsiebzig Leute, die er ausgeschickt hatte. Manchmal waren es fünfhundert Leute, zum Beispiel bei der Speisung der Viertausend oder der Speisung der Fünftausend. Es handelte sich also um große Gruppen, die Jesus gefolgt sind.

Wir wissen auch, dass sie eine Gemeinschaftskasse hatten. Das können wir in Johannes 12 lesen. Judas war derjenige, der diese Kasse verwaltete. Mit dieser Kasse haben sie sich finanziert, während sie wochenlang durch die Länder zogen.

Johannes der Täufer lebte sehr asketisch, so sehr, dass die Leute dachten, er sei verrückt, und ihn für besessen erklärten (Matthäus 11). Jesus hingegen bewegte sich auf Feiern. Er war in Gesellschaften, nahm Einladungen zum Mittag- oder Abendessen an und ließ es sich gut gehen.

Wir lesen sogar in Johannes 2, dass das erste Wunder, das Jesus jemals tat, auf einer Hochzeit in Kanaan stattfand – also auf einer Party. Dort verwandelte er Wasser in Wein. Wichtig ist zu wissen, dass Wein damals nicht mit unserem heutigen, oft verdünnten Wein vergleichbar war. Wein damals war ein hochprozentiges Getränk.

Wenn man sich anschaut, wie viel Wein es war, waren das ungefähr 450 Liter Alkohol, die Jesus dort auf einer Party bereitstellte. Diese Großveranstaltung dauerte mehrere Tage. Man kann sich vorstellen, was damit passiert ist. Die Behauptung, Jesus sei ein weltverneinender Asket gewesen, wie manche es manchmal darstellen, trifft also nicht ganz zu.

Die ersten vier Jünger, die Jesus berief, waren zwei Brüder: Simon Petrus und Andreas sowie Jakobus und Johannes. Eine ganze Zeit lang war Jesus nur mit diesen vier Leuten unterwegs. Es gab also diese Fünfergruppe.

Wer waren diese Leute? Was wissen wir über Simon Petrus und Andreas? Wir wissen, dass Simon Petrus verheiratet war. Er hatte eine Schwiegermutter, die bei ihm wohnte. Außerdem musste er ein ausreichendes Einkommen haben, um für sie sorgen zu können. Damals war es nämlich nicht ohne Weiteres möglich, zu heiraten oder zusammenzuleben, ohne finanziell abgesichert zu sein.

Simon Petrus besaß ein eigenes Haus, auch am See in Kapernaum. Außerdem hatte er Netze und mehrere eigene Boote. Das heißt, die Aussage, Jesus habe die ersten Jünger aus den Ärmsten der Armen berufen, stimmt nicht.

Über Jakobus und Johannes wissen wir etwas weniger. Wir wissen aber, dass sie Netze, eine Flotte und eigene Angestellte hatten. Das bedeutet, sie besaßen ein eigenes Fischereiunternehmen – das steht so im Text.

Spannend ist, dass die Kerngruppe, und da muss ich etwas schmunzeln, wenn ich manche Predigten über Gott und Geld höre, definitiv keine antimaterialistischen Hippies waren.

Das ist seltsam, weil Jesus sich in seinen Reden meist an Menschen wandte, die von der Gesellschaft ausgestoßen waren: Benachteiligte, Frauen, Prostituierte, Kinder, Kranke und vor allem Arme. Das ist interessant, denn er hätte es nicht tun müssen.

Er bewegte sich selbst in der oberen Gesellschaftsschicht, hatte also keinen Grund, das nicht zu tun. Er hätte all diese Dinge hinter sich lassen und ein materielles Leben ohne Sorgen führen können. Das wollte er aber nicht, das war nicht sein Ziel.

Die Kerngruppe, mit der er am Anfang unterwegs war, waren Kleinunternehmer und Besitzer von mittelständischen Familienbetrieben. Bald darauf kam ein Steuereintreiber aus der römischen Besatzungsmacht hinzu.

Wir wissen außerdem, dass Simon ein ehemaliger Terrorist war, der auf der Seite der Zeloten stand. Die Abendgespräche in dieser Runde wären sicherlich unterhaltsam gewesen.

Jesus hatte reiche Verbindungen. Er kannte mehrere Leute, die Immobilienbesitz in der Hauptstadt hatten, wo später das letzte Abendmahl stattfand. Er war immer wieder zu Gast bei Menschen, die es sich leisten konnten, ihn und sein Gefolge zu bewirten.

Interessanterweise gab es viele reiche Frauen, die die Gruppe finanzierten. Jesus wurde auch von Joseph von Arimathäa begraben, einem sehr reichen Mitglied des Hohen Rates, des Synhedrions – dem gleichen Gremium, das Jesus zum Tode verurteilte.

Und doch tritt Jesus in Lukas 4 in seiner ersten Predigt eindeutig an, um das Evangelium den Armen und Ausgestoßenen zu bringen. Das finde ich besonders bemerkenswert.

Die Balance im Umgang mit Geld und Besitz

Was heißt das?

Das bedeutet, dass wir einen Spagat machen müssen, wenn es um Jesus und die Bibel geht. Einerseits verteufelt die Bibel Geld nicht. Wir dürfen dankbar sein für alles, was wir an Ernten und Gaben haben. Das ist klar. Andererseits warnt die Bibel streng vor Versuchungen, die auftreten können, wenn uns Geld oder Armut umgeben.

Es heißt definitiv nicht, dass Geld die Wurzel allen Übels ist, sondern die Gier nach Geld. Ganz klar. Es gibt kein einfaches Richtig oder Falsch im Umgang mit Geld, kein Schwarz-Weiß-Denken. Die Bibel sagt nicht, dass du dich zum Multimillionär hochsparen musst, aber auch nicht, dass du dich in Sozialhilfe stürzen sollst. Du musst nicht alles verkaufen, was du hast, und auch nicht jeden Cent spenden oder sparen. Vielmehr geht es darum, ein Gleichgewicht zu finden.

Ist das Grund zum Feiern, zum Danken oder zum Klagen? Je nachdem, wie du es betrachtest, ist das Glas entweder halb voll oder halb leer. Du kannst über die karge Ernte nach vielen Jahren harter Arbeit klagen und jammern – dafür findest du Gründe. Oder du kannst demütig und dankbar sein für den Segen, den wir genießen dürfen. Viele Dinge, die heute selbstverständlich sind, waren vor Jahrhunderten undenkbar. Ich nenne nur fließendes, warmes Wasser. Das hatten vor 300 Jahren nicht einmal die reichsten Könige der Welt. Für uns ist das heute beim Zähneputzen und Duschen das Normalste der Welt.

Du kannst dein Geld entweder horten oder spenden. Beides lässt sich begründen. Was sagt Jesus dazu?

Es gibt eine Stelle in der Bibel, die ich faszinierend finde, in Lukas 12. Ich übersetze frei: Ein Mann aus der Volksmenge bittet Jesus: „Meister, bitte sag meinem Bruder, dass er das Erbe mit mir teilen soll, das unser Vater uns hinterlassen hat.“ Jesus antwortet: „Guter Mann, wer hat mich denn als Richter für Erbstreitigkeiten eingesetzt?“

Das heißt: Seit wann ist es Jesu Aufgabe, uns zu sagen, was wir mit unserem Geld tun sollen? Jesus ist gekommen, um das ewige Leben zu bringen, nicht eine ewige Rente. Als er am Kreuz hing, rief er: „Es ist vollbracht“, nicht „Es ist gespart“. Jesus ist gekommen, um uns aus der Kriegsgefangenschaft der Hölle zu befreien, nicht vor Altersarmut. Das ist ein großer Unterschied.

Jesus will den Weg zum Vater frei machen, nicht den Weg in die Karibik. Das zeigt sich auch in der Bergpredigt, als er seinen Jüngern das Beten beibringt. Zuerst beten wir: „Dein Name werde geheiligt, dein Reich komme, dein Wille geschehe.“ Das ist das Erste, was wir beten, und das ist richtig so. Erst danach beten wir: „Gib uns unser tägliches Brot.“ Gott steht an erster Stelle. Was Gott zusteht, kommt zuerst, unser Teil später. Das ist die richtige Grundhaltung.

Eines der ältesten Gebete der Welt, das Schema Israel, das jüdische Glaubensbekenntnis aus dem Deuteronomium, macht das ganz deutlich: „Höre, Israel, der Herr ist unser Gott, der Herr allein. Du sollst dem Herrn, deinem Gott, dienen und dich nach ihm strecken mit deinem ganzen Herzen, deiner ganzen Seele und deiner ganzen Kraft.“ Auch bei Überfluss von Geld soll der Herr über dich sein. Es geht um die Grundhaltung.

Lerne, dich innerlich davon frei zu machen. Jesus sagt, dass du dich von allem trennen sollst, was dich davon abhält, ihm nachzufolgen. Wer sich nicht lossagt von allem, was er hat, kann nicht sein Jünger sein (Lukas 14).

Heißt das, wir sollen jetzt wie Franz von Assisi leben und alle unsere Kleider dem Magistrat abgeben? Nein, das heißt es nicht. Es geht um die innere Haltung, dich innerlich loszusagen. Diese Haltung wollen wir einüben.

In 1. Korinther 7 sagt Paulus, wir sollen lernen, zu besitzen, als würden wir nicht besitzen, materielle Dinge gebrauchen, als bräuchten wir sie nicht, und haben, als hätten wir sie nicht. Es ist ohnehin nicht unser ewiges Eigentum, ganz bestimmt nicht (siehe Hebräer 3). Wir haben es nur geliehen.

Wir sollen ein Segen sein. Ein Segen werden wir nur sehr eingeschränkt sein, solange wir uns ständig um unsere eigene Achse drehen. Solange unser Denken, Fühlen, Streben und Alltag nur darum kreisen, Euro, Dollar oder Yuan anzusammeln, kann das nicht richtig sein.

Paulus schreibt, wir sollen als Lichter der Welt scheinen. Das werden wir nicht mit einem Armutsfetisch. Das wären wir auch nicht als Workaholic. Es geht um die Grundhaltung, und die muss stimmen.

Gedanken zum Weihnachtsgeschenk und zur Beziehung

Und, liebe Männer, mit Blick auf Weihnachten: Das hat etwas Beruhigendes, etwas sehr Beruhigendes.

Wenn die Frau, die du versuchst, für dich zu gewinnen, sich nicht für dich interessiert, dann wird das Geschenk das auch nicht ändern. Von daher kannst du ganz entspannt sein.

Wenn deine Frau dich aber vorher schon wirklich liebt und ihr eine gute Beziehung habt, und es wirklich funktioniert, dann kann ein schlechtes Geschenk, selbst wenn es Turnschuhe sind, das auch nicht ruinieren.

Liebe Damen, habt Nachsicht! Es geht nicht um ein Geschenk mehr oder weniger, sondern um die Grundhaltung. Amen!

Schlussgedanken: Wertvolleres als Geld

Hey, willkommen zurück! Du siehst also, es gibt Dinge auf der Welt, die viel wertvoller sind als Geld. Ein Lächeln kostet nichts, ein bisschen Zuneigung zu zeigen kostet nichts, Liebe zu zeigen kostet nichts. Jesus hat sich all das für uns kosten lassen.

Für uns ist es manchmal so viel einfacher, im kleinen Maß jemandem ein bisschen Zuneigung zu schenken.

Wenn du möchtest, kannst du dir das Andachtenbuch, auf dem das basiert oder das, was du gerade gehört hast, hier gratis über den Link in der Videobeschreibung mitnehmen. Dort gibt es das komplette E-Book und das komplette Hörbuch dazu. Außerdem sind ein paar praktische Tipps enthalten, wie du mit Alltagsschwierigkeiten, Stress, Beziehungsproblemen und Geldproblemen auf biblischer Grundlage in deiner Nachfolge umgehen kannst.

Wir sehen uns im nächsten Video. Ich freue mich auf dich.