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Einführung in Herkunft und Einordnung der Sprache
Wir wollen uns also mit der Herkunft der hebräischen Sprache, ihrer Bedeutung und ihrer Geschichte beschäftigen. Zunächst einmal die Frage: Was ist überhaupt Hebräisch?
Hebräisch gehört zum Sprachstamm der semitischen Sprachen, so wie Arabisch, Akkadisch mit den Dialekten Babylonisch und Assyrisch oder Ugaritisch, Äthiopisch usw. Deutsch gehört zum Sprachstamm der indogermanischen Sprachen. Dazu gehören die meisten europäischen Sprachen, aber, wie der Name sagt, auch Sprachen bis nach Indien. Sie bilden zusammen eine Familie, in der man deutliche Verwandtschaftsbeziehungen nachweisen kann. Zwischen verschiedenen Sprachstämmen gibt es überhaupt keine abstammungsmäßige Verwandtschaft. Insofern ist Hebräisch abstammungsmäßig überhaupt nicht mit Deutsch, Französisch oder Englisch verwandt. Hebräisch gehört eben zum Sprachstamm der semitischen Sprachen.
Weltweit gibt es vielleicht etwa sechzig bis hundert verschiedene Sprachstämme. Diese kann man dann auf die Ursprachen von Babel zurückführen, beziehungsweise auf einige Grundtypen pro Sprachstamm, die in Babel erschaffen worden sind.
Hebräisch ist, wie Phönizisch-Punisch, also die Sprache der Phönizier im Libanon, Moabitisch, Ammonitisch, Edomitisch und Philistäisch, ein kanaanäischer Dialekt. Das werden wir noch deutlicher sehen. Darum wird Hebräisch in Jesaja 19,18 die Sprache Kanaans genannt. Das Kanaanäische beziehungsweise Hebräische kann über einen Zeitraum von circa dreitausendfünfhundert Jahren hinweg anhand außerbiblischer Dokumente untersucht werden. Wir kennen die Sprachgeschichte also sehr weit zurück.
In der Bibel wird diese Sprache folgendermaßen genannt: Im Alten Testament a) die Sprache Kanaans, wie schon gesagt, Jesaja 19,18, Leschon Kanaan auf Hebräisch; dann b) Jüdisch. Sie sehen eine ganze Reihe von Stellen im Alten Testament, in 2. Könige, 2. Chronika, Nehemia und auch Jesaja 36. Dort wird es auf Hebräisch „Jehudit“, also jüdisch, genannt. Und nun finden wir im Neuen Testament den Ausdruck, der uns vertrauter ist: Hebräisch, griechisch Hebraisti. Ich habe hier auch eine ganze Reihe neutestamentlicher Stellen aufgeführt.
Nun zunächst einmal ein Textbeispiel, damit wir auch sehen, wie Hebräisch geschrieben wird und wie Hebräisch sich anhört. Das ist der erste Schöpfungstag, 1. Mose 1,1-5, der hier auf dem Blatt wiedergegeben ist. Ich habe auch gleich die Umschrift darunter gesetzt, eine ganz einfache Umschrift. So können Sie das zu Hause ein bisschen üben und nachvollziehen.
Mit einem modernhebräischen Akzent klingt das etwa so: Bereshit bara Elohim et ha-schamajim we-et ha-aretz. Weha-aretz hajta tohu wa-bohu, wechoschech al-penê tehom, weruach Elohim merachefet al-penê hamajim. We-jomer Elohim: jehi or! We-ji or. We-jar Elohim et ha-or ki-tov, we-javdel Elohim bein ha-or u-vein ha-choschech. We-jikra Elohim la-or jom, we-la-choschech kara lajla. We-ji erev, we-ji voqer, jom echad.
Sprachstufen und historische Entwicklung
In der hebräischen Sprachwissenschaft teilt man die hebräische Sprache in verschiedene Perioden ein. Wir können also diese Sprachgeschichte in vier Perioden teilen.
Zunächst haben wir das Althebräische, also die Zeit von Mose, also die Mosebücher, bis zum letzten Buch des Alten Testaments, Maleachi, um 400 vor Christus. Das ist die Periode des Althebräischen und entspricht damit der Abfassungszeit der Schriften des Alten Testaments.
Dann kommt das Mittelhebräische, also nach den Schriftpropheten Sacharja, Haggai und Maleachi, nämlich ab 400 v. Chr. bis circa 500 n. Chr. Ein wichtiges Dokument im Mittelhebräischen ist die Mischna, das ist der Grundstock des Talmud. Die Mischna ist auf Hebräisch abgefasst, eben in diesem mittelhebräischen Sprachstadium, das sich also bereits vom alttestamentlichen unterscheidet. So haben die Rabbiner gesprochen. Mittelhebräisch hat der Herr Jesus Christus gesprochen.
Dann kommt das mittelalterliche Hebräisch ab circa 500 nach Christus. Das wurde gepflegt in den mittelalterlichen Bibelkommentaren der Rabbiner wie Raschi, Abrabanel, Mosche ben Maimon und so weiter und so fort. Die haben mittelalterliches Hebräisch geschrieben. Obwohl die Sprache damals schon tot war, hat man es eben als Kommentarsprache weiterhin gepflegt.
Und dann, Periode vier: modernes Hebräisch, Ivrit. Ivrit ist einfach Hebräisch, bedeutet einfach Hebräisch auf Hebräisch, ja, das ist also nichts irgendwie etwas völlig Neues. Aber es ist so üblich, diese moderne Sprachstufe einfach als „Ivrit“ zu bezeichnen, hebräisch ausgesprochen. Ab 1922 ist das eine offizielle Sprache in Israel, nebst Englisch und Arabisch.
Nun, wir haben mit Mose begonnen, aber es ist uns klar, dass Hebräisch nicht erst dann entstanden ist. Es stellt sich nämlich die Frage: Welches war die Ursprache vor der Sprachenverwirrung von Babel? Das beschäftigt ja immer wieder. Nun, wir können einige Schlüsse ziehen aus den ersten Kapiteln der Bibel.
Und zwar ist es so: Die Namen der vorsintflutlichen Menschen, also sagen wir Adam, Eva, Kain, Abel, aber auch die ganze Linie der Geschlechter von Adam bis Noah, diese zehn Generationen, oder die Linie, die aufgezeichnet ist in 1. Mose 4 von Kain bis Lamech, sind allesamt semitisch. Also die haben mit europäischen Sprachen nichts zu tun. Und sie lassen sich am besten innerhalb des Semitischen durch das Hebräische erklären. Das ist einfach mal eine Feststellung beim Bibellesen.
Es kommen dazu Wortspiele, wie wir sie finden in 1. Mose 2,7, 23 oder 3,20, die sind hebräisch. Also 1. Mose 2,7: „Und der Herr, Gott, bildete den Menschen Staub von dem Erdboden und hauchte in seine Nase den Odem des Lebens, und der Mensch wurde eine lebendige Seele.“ Nun haben wir hier den Namen für Mensch, den Begriff Adam im Grundtext. Der Herrgott bildete Adam, den Adam, den Menschen, und für Erdboden steht hier Adama. Da haben wir ein schönes Wortspiel, eben Adam wurde genommen von dem Adama, und darum heißt er Adam. Aber dieses Wortspiel, das geht natürlich nur auf Hebräisch, nicht auf Deutsch. Es geht nur auf Hebräisch und gibt damit die Erklärung für den Namen Adam.
Oder weiter 1. Mose 2,23, nachdem Eva erschaffen worden war und Adam sie zum ersten Mal sieht, wird er gleich poetisch, romantisch, und der Mensch sprach: „Diese ist einmal Gebein von meinem Gebein und Fleisch von meinem Fleisch; diese soll Männin heißen, denn von dem Mann ist diese genommen.“ Mann heißt hier Isch auf Hebräisch, und Ischa, Männin, klingt damit wie die weibliche Form von Isch, ja? Aber auf Deutsch geht das nicht, das ist gekünstelt, nicht wahr? Männin, aber Ischa ist im Hebräischen das normale Wort für Frau, und es ist nicht mal ganz klar, ob es effektiv abstammungsmäßig auf Isch zurückgeht. Aber vom Klang her gibt sich diese Analogie. Ischa klingt wie die weibliche Form von Isch. Dieses Wortspiel funktioniert natürlich nur auf Hebräisch.
Und dann weiter 1. Mose 3,20: „Und der Mensch gab seiner Frau den Namen Eva“, hebräisch ausgesprochen Chawa, „denn sie war die Mutter aller Lebendigen.“ Nun, Chawa heißt auf Hebräisch Leben und ist auch hier wieder ein Wortspiel, denn sie war die Mutter aller Lebendigen. Es war ja so: Gott sagte Adam, an dem Tag, da du von der verbotenen Frucht isst, wirst du sterben. Aber dann kündigte Gott in 1. Mose 3,15 an, dass einmal der Nachkomme von Eva erscheinen wird. Er soll der Schlange, Satan, den Kopf zertreten, das heißt, er soll die Macht des Bösen einmal brechen. Und darauf gibt Adam seiner Frau den Namen Chawa.
Naheliegend wäre es gewesen, er hätte sie Mawet genannt, tot. Aber er gibt ihr ausgerechnet den Namen Chawa, obwohl Gottes Urteil fest war: „Du wirst sterben.“ Aber er glaubte der Verheißung, dass Eva noch Nachkommen haben würde und nicht vorher sterben würde und dass dieser Nachkomme schließlich das Leben bringen würde. Und darum nannte er sie Chawa. Aber eben auch dieses Wortspiel mit dem Namen ist innerhalb des Hebräischen möglich.
Urgeschichte, Namensdeutung und Sprachkontinuität
Die vorsintflutlichen Namen wurden bestimmt nicht nachträglich von Mose ins Hebräische übersetzt. Man könnte das zwar vermuten: Diese Namen seien ursprünglich in einer anderen Sprache, also in der Ursprache, gewesen, und Mose habe sie dann ins Hebräische übertragen, damit sie für die Leser verständlich wären. Das ist jedoch bestimmt nicht so.
Die nichthebräischen Namen im Rest der Genesis, also im ersten Buch Mose, wurden ebenfalls nicht ins Hebräische übertragen. So finden wir zum Beispiel Eigennamen aus dem Elamitischen, etwa den König Kedorlaomer in 1. Mose 14,1. Das ist elamitisch. In der Fussnote habe ich noch hingeschrieben: Kudur ist das elamitische Wort für Sklave. Lagamar war eine Hauptgöttin in der Götterversammlung, im Pantheon der Elamiter. Also heisst Kedorlaomer nichts anderes als „Knecht der Lagamar“. Er wurde also nicht von Mose ins Hebräische übertragen.
Dann haben wir den hethitischen Namen Tidal, ebenfalls einer dieser Könige in 1. Mose 14,1. Und später finden wir ägyptische Namen wie Potiphar in 1. Mose 37,36 oder Asnat und Zafnatpaneach, den ägyptischen Namen für Joseph in 1. Mose 41,45. Diese Namen sind alle nicht übersetzt worden, sondern so gelassen, wie sie waren. Auch in den anderen Büchern, also von Exodus bis Deuteronomium, Zweiter Mose bis Fünfter Mose, ist es im ganzen Rest der Bibel ganz normal, dass Eigennamen und geographische Bezeichnungen aus anderen Sprachen lediglich transkribiert, das heisst umgeschrieben, werden, und zwar in hebräischen Buchstaben und in hebräischer Aussprache, aber nicht durch eine Übersetzung ersetzt.
Man denke zum Beispiel an die akkadischen und persischen Königsnamen wie Osnapar, Sanherib, Nebukadnezar, Evilmerodach, Belsazar, Kores, Artasasta, Darius, Ahasveros usw. usf. Sie sind alle in ihren Sprachen belassen, einfach in der Umschrift dem Hebräischen angepasst. Zum Beispiel sprach man Nebukadnezar auf Babylonisch „Nabuchodonosor“, und das hat man dann hebräisch wiedergegeben als Nebukadnezar. Das ist aber keine Übersetzung, sondern einfach eine Umschrift. Genauso wie Jesus im Französischen „Jesu“ heisst, aber es ist keine Übersetzung, sondern nur die Transkription ins Französische. Jesu auf Italienisch oder Jesu auf Spanisch usw.
Es ist also sehr schwierig, Ausnahmen von dieser Regel zu finden. Eine habe ich hier in der Fussnote noch angegeben: Eine ganz spezielle Ausnahme stellt der aramäische Name Kephas dar. So wurde Petrus auf Aramäisch genannt, und dieser Name wird parallel zur griechischen Übersetzung Petros, Peter, wiedergegeben, was ebenfalls „Stein“ heisst, wie Kephas, in Johannes 1 und Matthäus 16. Aber das ist eine ganz aussergewöhnliche Ausnahme, wenn ein Name so übersetzt wird.
Daraus können wir nun schliessen: Wir haben allen Grund, davon auszugehen, dass die hebräischen Namen in Genesis 1. Mose 1-11 ursprünglich sind. Daraus können wir den Schluss ziehen, dass es sich bei der Ursprache bis zur babylonischen Verwirrung um ein Urhebräisch gehandelt haben muss. So erklären sich auch die vielen Wortspiele in der Urgeschichte der Genesis auf natürliche Weise. Sie brauchen überhaupt nicht als gekünstelte Übertragungen angesehen zu werden.
Es ist sogar so, dass die Namen von Adam bis Noah eigentlich zusammen die ganze Botschaft des Evangeliums ausmachen. Adam heisst doch Mensch, so wie er aus der Hand Gottes hervorgekommen ist. Seth kommt vom Hebräischen shid, setzen, stellen, legen. Dann ist Enosh der Dritte; er heisst auch Mensch, aber mit dem Nebenbegriff „sündig, sterblich, verdorben“. Das gibt schon den Gedanken: Der Mensch kam in die Stellung eines sündigen Menschen.
Die nächste Generation, Kenaan, kann man vom Hebräischen her erklären als weinend, wehklagend. Und Mahalalel heisst schlicht auf Hebräisch „der gelobte Gott“. Jered kommt von jarad, herabsteigen, also: Der gelobte Gott stieg herab. Henoch bedeutet auf Hebräisch geweiht; er war geweiht. Und Methuselach, also Methuselah, kann man auf verschiedene Weise übersetzen, aber vom Hebräischen her auch im Sinn von: Ist der Tod, so schickt er es. Also sein Tod bewirkt, schickt. Lamech, den wilden Mann. Noah heisst Ruhe.
Also da gibt es die Botschaft: Der Mensch kam in die Stellung eines sterblichen Sünders, er wehklagte, der gelobte Gott stieg herab, er war geweiht, sein Tod bewirkt dem wilden Menschen Ruhe. Auch wenn die Namen einfach übersetzt wären, weist das vielmehr auf ein ursprüngliches, gewolltes, eine gewollte Botschaft hin, die eben mit den hebräischen Wortwurzeln zusammenhängt, die darin verborgen sind.
Also das wären ein paar Argumente, die darauf hinweisen, dass Hebräisch effektiv die Ursprache vor Babel gewesen sein muss.
Von Babel bis zur Rückkehr aus dem Exil
Nun gehen wir aber weiter nach Babel zur Geschichte des Hebräischen. Zog Abraham aus Ur im Südirak, in Babylonien, weg nach Kanaan, das wird ja beschrieben in 1. Mose 12, ab Vers 1 und folgende.
In Ur sprach Abraham Babylonisch, das ist ein Dialekt des Akkadischen. Sumerisch hatte man ja früher auch in dieser Gegend des Südiraks gesprochen, das ist ja das Land der Sumerer. Aber Sumerisch war damals wohl bereits eine tote Sprache, also bereits so wie Latein für uns.
Seine Verwandten in Harran: Abraham ging ja von Ur dem Euphratlauf entlang nach Norden und kam bis nach Harran, das befindet sich ganz im Süden der heutigen Türkei. Also seine Verwandten dort in Harran, die sprachen Aramäisch. Man sieht ja zum Beispiel in 1. Mose 31,47, nachdem Jakob später von seinem Onkel Laban geflohen war. Der jagte ihm hinterher, und dann kam es zu einer Auseinandersetzung, und die haben ein Bündnis geschlossen. Laban hat so einen Haufen aufgestellt als Symbol für das Bündnis und hat das genannt Jegar Sahaduta, Fußnote neun. Das ist Aramäisch für „Haufe des Zeugnisses“, und Jakob nannte das dann mit dem hebräischen Wort Galed, was auch „Haufe“ bedeutet auf Hebräisch. Das macht deutlich, dass Labans Familie in Harran Aramäisch gesprochen hat.
Darum wird auch in 5. Mose 26,5 in diesem Gebet gesprochen, dass die Israeliten im Tempel immer wieder beten sollten, wenn sie die Erstlingsfrüchte brachten: „Mein Vater war ein umherirrender Aramäer“ mit Bezug auf Jakob, der so viele Irrwege in seinem Leben ging und eben eine gute Zeit seines Lebens in dem aramäischsprachigen Harran-Gebiet verbrachte.
Nun lernte Abraham in Kanaan eine weitere semitische Sprache, nämlich die Sprache dieser Ureinwohner, Kanaaneisch, und damit begann Abraham Hebräisch zu sprechen. Wieso wissen wir, dass die Kanaaniter eben diese Sprache gesprochen haben? Ganz einfach aus den Inschriften. Es gibt eine ganze Menge von Inschriften, kanaanitischen Inschriften, die also nicht von Israel stammen, und die sind recht leicht zu entziffern, wenn man Hebräisch kann. Es ist dieselbe Sprache, die Sprache der Kanaaniter.
Und so sprach also Abraham kanaanäisch beziehungsweise Hebräisch. Seine Nachkommen pflegten diese Sprache weiter. Wir kennen die Geschichte, wie die Großfamilie von Jakob nach Ägypten hinabging und dort überleben konnte. Dort wurden sie ein Volk, und diese Sprache wurde auch in Ägypten weiterhin gepflegt.
Nach dem Auszug aus Ägypten, circa 1500 v. Chr., schrieb Mose seine fünf Bücher in hebräischer Sprache auf, also in der Sprache, die in der Familie Abrahams nun bereits über Jahrhunderte hinweg gepflegt worden war.
Später, viel später, nachdem die Königszeit zum Ende kam und die Juden durch die Babylonier in die Verbannung weggeführt wurden, in den Jahren 605 bis 539 v. Chr., erlernten die Juden die damalige Weltsprache. Das war Aramäisch. Das war also das Englische damals. Selbstverständlich sprach man immer noch Akkadisch, Babylonisch in Babylon, aber die Weltsprache, mit der man sich über verschiedene Völker hinweg verständigte, die Handelssprache, die politische Sprache im Reich, war Aramäisch. Diese Sprache ist näher verwandt mit Hebräisch als Akkadisch, als Babylonisch. So haben die Juden natürlich ein Leichtes gehabt, in dieser Zeit das Aramäische zu lernen. Vielleicht vom Abstand her wäre das so wie, sagen wir, Deutsch und Holländisch. Also als Deutschsprachiger hat man es wirklich leicht, Holländisch zu lernen. Aber man muss wollen, sonst lernt man es nie. Aber es ist leicht.
Mehrsprachigkeit in Bibel und Judentum
Nun, hier haben wir die Erklärung, warum gewisse Teile im Alten Testament auf Aramäisch und nicht auf Hebräisch geschrieben worden sind.
Zum Beispiel ist in Jeremia 10 plötzlich ein Vers auf Aramäisch geschrieben. Jeremia war ja der Prophet, der das Volk gewarnt hat: Wenn sie nicht umkehren, müssen sie nach Babylon verschleppt werden. Und schliesslich hatte er das Gericht ganz deutlich auszusprechen: Es wird so kommen, ihr werdet nach Babylon gehen. Da hat er ihnen einen Vers mitgegeben, den sie auswendig lernen sollten, auf Aramäisch, um das dann dort gleich bezeugen zu können.
Das ist also Jeremia 10,11. Plötzlich wechselt die Sprache. Vers 10 ist noch hebräisch, und dann kommt: „kidna demrun le hom, elahaja di shemaja bearka la avadou je vadu me'a'a u'mintohom umintohot shemaja elle.“ Das heisst nichts anderes als: „So sollt ihr zu ihnen sprechen: Die Götter, welche den Himmel und die Erde nicht geschaffen haben, sollen zugrunde gehen, von der Erde hinweg und unter diesem Himmel hinweg.“
Das war also eine Botschaft für das von Götzen nur so strotzende Babylon, als die Juden dahin kamen: Eure Götter werden einmal alle verschwinden.
Und nun haben wir in Daniel Kapitel 2 bis 7, genauer gesagt in Daniel 2,4 bis 7 am Schluss, ebenfalls aramäische Abschnitte. Da kommen doch die Weisen vor Nebukadnezzar, die sollten ihm den Traum deuten. Da heisst es im Text: Und sie sprachen auf Aramäisch. Das ist immer noch hebräisch geschrieben, und alles Weitere ist Aramäisch. Sie sprachen auf Aramäisch, und das Weitere ist dann wirklich aramäisch.
Warum? In Daniel 2 bis 7 haben wir die grossartigen Prophezeiungen über die Weltreiche der Heidenvölker, über die Zukunft Babylons, Persiens, Griechenlands und Roms. Und das sollten die Heiden auch kennen, nicht nur die Juden. Darum hat Daniel das aufgeschrieben in der Weltsprache von damals, sodass die Heiden auch Zugang hätten zu diesen gewaltigen weltgeschichtlichen Prophezeiungen.
Ich habe weiter noch notiert: Esra 4,9-18 und 7,12-26. Auch diese Abschnitte sind plötzlich auf Aramäisch. Und zwar aus folgendem Grund: Esra beschreibt, wie die Juden zurückgekehrt waren aus der Gefangenschaft in Babylon. Sie waren Untertanen der Perser, die das babylonische Reich abgelöst haben. Und immer noch war Aramäisch die Weltsprache. Esra gibt in diesen Kapiteln originale persische Königsbriefe wieder, natürlich im originalen aramäischen Wortlaut. Und in Verbindung mit der Kopie dieser Briefe, die er da zitiert, hat er auch gleich die Sprache in seinem Buch an diesen Stellen gewechselt. Also nicht nur die Briefe, sondern auch das Rundherum, genau wie die Verse angegeben sind, sind da aramäisch.
Nach der Rückkehr aus Babylonien wurden beide Sprachen nebeneinander gesprochen. Für diejenigen, die Mühe mit Hebräisch hatten, musste man beim Vorlesen der Bibel auf Aramäisch Erklärungen abgeben. In Nehemia 8,8 lesen wir etwas über diese Erweckung, die es unter den Zurückgekehrten gegeben hatte. Esra hatte sie wieder neu in das Wort Gottes, in das Gesetz Mose, eingeführt. Und ich lese Nehemia 8,5: „Und Esra öffnete das Buch vor den Augen des ganzen Volkes, denn er ragte über dem ganzen Volk empor. Und als er es öffnete, stand das ganze Volk auf.“ Vers 8: „Und sie lasen in dem Buch, im Gesetz Gottes, deutlich und gaben den Sinn an, so dass man das Gelesene verstand.“
Die haben also sehr sorgfältig gelesen, weil die grosse Masse, die neue Generation, nicht mehr so fest im Hebräischen war. Und dann hat man das nicht nur einfach ausgelegt. „So gab man den Sinn an, so dass man das Gelesene verstand“ – sondern da muss man darunter auch verstehen, dass man es in Aramäisch erklärt hat.
Und das ist dann auch in der folgenden Zeit im Judentum so geblieben. Denn auch in den Synagogen hat man aus der Bibel vorgelesen auf Hebräisch, und dann hat man das Ganze auf Aramäisch übersetzt. Und wir haben eine ganze Reihe von sogenannten Targumim. Targumim heisst Übersetzungen, also aramäische Übersetzungen des Alten Testaments. Man hat sogar zum Beispiel ein Targum von dem Buch Hiob in Qumran in den Höhlen gefunden. Das zeigt, wie das bereits in vorchristlicher Zeit üblich war, das Hebräische auf Aramäisch zum besseren Verständnis zu übertragen.
Aber wichtig: Zur Zeit Jesu waren beide Sprachen nebeneinander in Gebrauch. Und es kam auch auf die Gegend an. Zum Beispiel war Jerusalem ganz deutlich hebräisch dominiert, und dann gab es andere Gegenden, wohl Galiläa, wo das Aramäische vorherrschte. Aber noch eine dritte Sprache war zur Zeit Jesu üblich, nämlich Griechisch. Das war ja zur Zeit der Römer die Weltsprache. Also nicht Lateinisch. Lateinisch war nicht die Weltsprache, sondern Griechisch, auch unter den Römern.
Man kam mit Griechisch zur Zeit Jesu durch in ganz Nordafrika, dann eben im Nahen Osten und in den europäischen Mittelmeergebieten von der Türkei über Europa bis nach Spanien. In Spanien musste man Lateinisch können. Da kam man mit Griechisch nicht durch. Aber man bedenke zum Beispiel: Der Römerbrief ist ja von Paulus nicht auf Lateinisch verfasst worden, sondern auf Griechisch. Also selbst die Gemeinde in Rom war in der Lage, einen griechisch geschriebenen Brief zu verstehen. Der wurde da auf Griechisch vorgelesen. Das zeigt etwas von der Universalität der Sprache damals, also wie Englisch heute.
Und so war also in Israel selbst, das haben wir durch viele Beweise, durch Inschriften, alle drei Sprachen waren im Gebrauch. Wir können auch davon ausgehen, dass der Herr Jesus original in den Evangelien alle drei Sprachen gesprochen hat. Also wenn er zum Beispiel mit Pontius Pilatus gesprochen hat, dann hat er wohl Griechisch gesprochen. Und man kann davon ausgehen: Wenn er in Galiläa gesprochen hat, am See Genezareth wohl Aramäisch. Aber zum Beispiel all die vielen Tempelreden in Jerusalem, da gibt es kapitelweise solche Reden, besonders im Johannesevangelium, aber auch in den anderen drei Evangelien, da muss man davon ausgehen, dass das Original hebräisch war.
Zerstreuung, Sprachverlust und Diaspora-Dialekte
In der Folge der Zerstörung des zweiten Tempels im Jahr 70, als Jerusalem unterging und die Juden in alle Völker zerstreut wurden, lese ich dazu aus 5. Mose 28,64. Mose hatte das bereits vorausgesehen, diese Zerstreuung, also um 1520 v. Chr. hatte er das aufgeschrieben.
Und der Herr wird dich unter alle Völker zerstreuen, von einem Ende der Erde bis zum anderen Ende der Erde. Du wirst dort selbst anderen Göttern dienen, die du nicht gekannt hast, du noch deine Väter, Holz und Stein. Und unter jenen Nationen wirst du nicht rasten, und deine Fußsohle wird keine Ruhestätte finden. Und der Herr wird dir dort ein zitterndes Herz, erlöschende Augen und verschmachtende Seele geben. Dein Leben wird schwebend vor dir hangen, und du wirst dich fürchten Nacht und Tag und deinem Leben nicht trauen. Am Morgen wirst du sagen: Wäre es doch Abend! Und am Abend wirst du sagen: Wäre es doch morgen! Wegen der Furcht deines Herzens, womit du dich fürchten wirst, und wegen des Anblicks deiner Augen, den du erblicken wirst.
Das ist die Prophetie über diese zweitausend Jahre dauernde jüdische Zerstreuung in alle fünf Kontinente ab dem Jahr 70. Durch die Jahrhunderte hindurch wurde das jüdische Volk vertrieben, verfolgt und abgeschlachtet. Das Total von 70 nach Christus bis heute sind 13 Millionen Tote.
Dieser weltweiten Zerstreuung wurde Hebräisch eine tote Sprache. Sie fand aber weiter Verwendung als religiöse Sprache. Dazu kann man die Gebetsbücher im Judentum vergleichen, die vielen, dann der Talmud, wobei übrigens im Talmud die Mischna Hebräisch heißt, aber die Gemara, das ist im Talmud der Kommentar über die Mischna, also über den Grundstock, ist meistens aramäisch. Da sieht man diese zwei Sprachen nebeneinander. Und dann die Midraschim: Ein Midrasch sind Auslegungen, Predigten, so eine Art Predigt. Und dann die mittelalterlichen Bibelkommentare, die sind auf Hebräisch. So wurde die Sprache weiter gepflegt.
Aber man muss sagen: Doch in der Zeit nach der Zerstörung, nach 70 nach Christus, da wurde Hebräisch mehr und mehr eine tote Sprache. In der weltweiten Zerstreuung übernahmen die Juden die jeweiligen Landessprachen, also Schweizerdeutsch, in Zürich Enge und so. Zum Teil entstanden durch den Gebrauch im Ghetto-Dasein eigene Dialekte, zum Beispiel das Jiddische.
Jiddisch ist ein mittelhochdeutscher Dialekt, und den haben sie quasi so erhalten bis heute. Sie sprechen also noch ein Mittelhochdeutsch. Aber das wurde massiv angereichert durch hebräische Wörter, und dadurch, dass das eine große Rolle spielte, sind in Osteuropa auch viele slawische Wörter darin. Aber die Struktur der Sprache ist deutsch, und darum ist Jiddisch eigentlich ganz einfach zu verstehen für uns. Wir können uns mit jiddisch sprechenden Juden unterhalten und sie verstehen, auch wenn man nicht Jiddisch gelernt hat.
Ich habe hier, man kann dann mal anschauen, aufgelegt auf dem Tisch, ein jiddisches Neues Testament. Das heißt der Brit Hadascha. Von drei Wörtern sind zwei Hebräisch: der Brit Chadascha, das Neue Testament auf Jiddisch. Und wenn Sie dann versuchen zu lesen, dann sind Sie erstaunt: Das sind alles hebräische Buchstaben. Also man schreibt das mit hebräischen Buchstaben, obwohl es verständlich ist für uns, weil es deutsch ist. Aber zum Beispiel in den Briefen von Paulus und so weiter im Neuen Testament, da wünscht Paulus Schalom und Chesed von Gott, dem Vater: Gnade und Friede, Chesed und Schalom, Chesed und Schalom.
Und im spanischen Bereich hat sich auch so ein jüdischer Dialekt entwickelt, das Ladino, und es gibt noch weitere. Auch im Arabischen hat sich so ein typischer arabisch-jüdischer Dialekt entwickelt. Einfach dadurch, dass sie die Sprache für sich abgekapselt verwendet haben, ist das mit der Zeit ein Dialekt geworden, den die anderen dann nicht mehr mitsprechen konnten.
Die Wiederbelebung durch Eliezer ben Yehuda
Die Frage ist: Wie ist denn Hebräisch wieder eine lebendige Sprache geworden, nachdem es über so lange Zeit, durchs Mittelalter bis in die Neuzeit, eine tote Sprache war? Das führt uns auf Eliezer ben Yehuda und seine Pionierarbeit. Durch diese Arbeit wurde Hebräisch, das eine tote Sprache war, wieder zum Leben erweckt.
Es gibt ein wunderbares Buch, das diese Geschichte beschreibt: von Robert St. John, Die Sprache der Propheten. Ich habe die genauen Angaben noch unten im Literaturhinweis angegeben, also Die Sprache der Propheten, die Lebensgeschichte des Eliezer Ben Yehuda, des Schöpfers der neuhebräischen Sprache, 1985 in Gerlingen erschienen. Ich habe zwei Exemplare hier aufliegen, die kann man sich einmal ansehen. Das liest sich wie ein Roman. Das ist ein ganz tolles Buch. Also wer gerne einfach auch mal etwas Flüssiges liest, der soll das Buch lesen, das ist also ganz, ganz mitreißend. Auch eine wunderbare Liebesgeschichte. Ja, Eliezer Ben Yehuda hat dann geheiratet, wie wir noch sehen werden, und auch die Ehezeit war sehr interessant. Lohnt sich also zu lesen. Nur schon deswegen.
Diese Wiederbelebung einer Totensprache ist ohne Parallele in der gesamten Weltgeschichte. Das hat es noch nie gegeben. Das wäre, wie wenn man Lateinisch heute wieder einführen würde, in Italien oder eben, sagen wir, in der EU, die sich ja sowieso als Fortsetzung des Römischen Reiches versteht. Jetzt sollte man Lateinisch wieder einführen. Ich glaube, diejenigen, die Latein in der Schule gehabt haben, würden am lautesten protestieren: Wie sollen wir das schaffen, was uns sechseinhalb Jahre so Mühe gemacht hat? Das soll man quasi als Alltagssprache lernen.
Und es ist so: Wenn man in der Schule sechseinhalb Jahre Latein gemacht hat und dann sollte man an den Bahnhofschalter gehen und ein Ticket lösen? Das kann keiner. Man kann Julius Caesar lesen, den Gallischen Krieg: Gallia est omnis divisa in partes tres, quorum unam Belgien kolund, also Gallien war in drei Teile geteilt, und eine davon wurde von den Belgiern bewohnt. Das kann man übersetzen. Aber man kann kein Ticket lösen. Und man kann auch nicht, man weiss auch nicht, wie man der Mutter sagen soll, ob sie heute Wäsche hat und ob man die Unterwäsche abgeben kann. Das kann keiner sagen. Aber eben einfach so alte Texte, die kann man übersetzen.
Endzeitliche Verheißung und die Sprache Kanaans
Gemäss dem Propheten Jesaja sollte Hebräisch die Sprache Kanaans sein. In der Endzeit, das ist in der Bibel immer die Zeit, in der das jüdische Volk aus dem weltweiten Exil ins Land der Väter zurückkehrt, sollte es aber eine lebendige, gesprochene Sprache sein.
Jesaja 19 schlagen wir auf. Es ist eine Prophetie über Ägypten. Vers 1: Ausspruch über Ägypten. Und der erste Vers spricht gleich über die Wiederkunft Christi: Siehe, der Herr fährt auf schneller Wolke und kommt nach Ägypten. Der Menschensohn wird ja nach Matthäus 24,30 auf der Wolke, auf den Wolken, erscheinen, zum Gericht. Und hier haben wir: Siehe, der Herr fährt auf schneller Wolke und kommt nach Ägypten.
Es wird also eine Intervention in Ägypten geben. Dort wird beschrieben, was mit den Ägyptern in dieser Endzeit geschehen wird. Man sieht auch: Die Juden sind wieder im Land. Zum Beispiel Vers 17: Und das Land Juda wird für Ägypten zum Schrecken sein. Also wird die Militärmacht in Israel für Ägypten ein Schrecken sein.
Dann heisst es aber so schön in Vers 21: Und der Herr wird sich den Ägyptern kundgeben, und die Ägypter werden den Herrn erkennen an jenem Tag. Und sie werden dienend mit Schlachtopfern und Speisopfern, und werden dem Herrn Gelübde tun und bezahlen. Und der Herr wird die Ägypter schlagen, schlagen und heilen, und sie werden sich zu dem Herrn wenden. Und er wird sich von ihnen erbitten lassen und sie heilen.
In weiteren Versen wird Gott Ägypten sogar nennen: Mein Volk Ägypten. Das ist ein Text, den die ägyptischen Christen ganz besonders lieben. Wir verstehen das gut: Ägypten, mein Volk. Aber hier lesen wir, dass in der Zeit der Wiederkunft Christi Ägypten eine ganz besondere Chance zur Umkehr haben wird. Und sie werden den Herrn erkennen, im hebräischen Text Yahweh. Das ist der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. Das ist nicht Allah. Im Islam wird Allah nie mit diesem Ausdruck Yahweh, dem typischen Eigennamen Gottes in der Bibel, benannt. Allah ist nicht Yahweh. Aber hier wird gesagt: Und Yahweh, Vers 21, wird sich den Ägyptern kundgeben, und sie werden sich zu Yahweh wenden. Vers 22: eine grossartige Erweckung aus dem Islam heraus.
Und Ägypten wird dann sehr eng mit Israel verbunden sein, auch mit Assyrien. Es wird eine Strasse geben, also von Ägypten durch Israel nach Assyrien, Syrien usw.
Und nun, worauf ich hinaus will: Vers 18: An jenem Tag werden fünf Städte im Land Ägypten sein, welche die Sprache Kanaans reden und bei dem Herrn der Heerscharen schwören werden. Also es wird sogar in Ägypten fünf Städte geben, wo man Hebräisch sprechen wird.
Nun, damit diese Prophetie in Erfüllung gehen könnte, musste Hebräisch wieder eine lebendige, gesprochene Sprache werden. Aber das war sie nicht mehr. Und es schien absolut unmöglich, dass eine tote Sprache je wieder zum Leben erweckt werden sollte. Aber darüber mehr nach der Pause.
Wir machen jetzt eine Viertelstunde Pause. Wir fahren weiter. Wir kommen jetzt zu: Zum Leben von Eliezer Ben Yehuda und zur Geschichte der Wiederbelebung des Hebräischen.
Eliezer ben Yehuda: Herkunft, Jugend und erste Schritte
1858 wurde Eliezer Jitzchak Perlmann geboren, so hiess er ursprünglich, in Luschki, Litauen. Er war der Sohn jiddisch sprechender Eltern, und sein Umfeld war die Welt der Rebbes, so sagt man auf Jiddisch: Rabbi, die Welt der Rebbes, der Bethäuser, der Jeschiwot. Eine Jeschiwa ist eine jüdische Bibelschule, auf Jiddisch eben Jeschiwes. Kaftane, das sind diese grossen Hüte. Osteuropa, Seitenlocken, es ist die Welt des ausgegrenzten osteuropäischen Judentums. Kurz: die Welt des Stettl, jiddisch für Städtchen, das typische jüdische osteuropäische Städtchen, das ist das Stettl. In dieser Welt ist Eliezer aufgewachsen.
Noch zum Jiddischen: Ich habe ja das jiddische Neue Testament hier aufgelegt, mal ganz kurz aus dem ersten Korintherbrief, dem ersten Brief an die Korinther: Paulus, berufen zu sein ein Schliach von Jeshua Hamashiach durch den Razon von Gott, und Sosthenes, unser Bruder, zu der Kehilla, Versammlung, Gemeinde, zu der Kehilla von Gott, die in Korinth ist, und so weiter und so fort. Und dann kommt der Gruss in Vers 3: Chesed zu euch und Schalom von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jeschua Hamashiach. Ja, also das ist die Welt von Eliezer gewesen.
Als Fünfjähriger starb bereits sein Vater. Er war ein Chassid, so nennt man die Pietisten, die jüdischen Pietisten, das sind die Chassidim, also ein orthodoxer Jude, der sehr viel Wert auf ein frommes Leben gelegt hat. Er wurde dann versetzt nach Polotzk zu einem Onkel, und dort konnte er die Jeschiwa, die jüdische Schule, besuchen. Aber der Leiter dieser Jeschiwa war ein versteckter Anhänger der Haskalah. Die Haskalah ist hebräisch für die Aufklärungszeit. Er war also bereits beeinflusst von diesem gottlosen Denken der Aufklärung, und er gab ihm das Buch Robinson Crusoe zum Lesen. Das hat er auf Hebräisch gelesen, und als dann sein Onkel das erfuhr, war das ein Schock für ihn, sich mit solch weltlichem Tand abzugeben. Das hat dazu geführt, dass Eliezer weggeschickt wurde.
Er kam so nach Globo Koye, und ein Rabbi dort hat es ihm dann ermöglicht, dass er aufs Gymnasium in Dünaburg gehen konnte, was dann 1877 zu seinem Schulabschluss geführt hat. Das war die Zeit des Nationalismus auf dem Balkan damals, und der junge Gymnasiast hat das so lebendig miterlebt: damals diese Aufstände gegen die zarischen Russen und gegen die Habsburger usw. Dadurch bekam er die Idee, die Juden müssten eigentlich auch eine eigene Heimat haben und ebenso eine eigene Sprache. Also durch die Ereignisse auf dem Balkan kam er auf diese Idee.
1878 ging er nach Paris. Er überlegte sich: Wenn ich dann im Land der Väter auch ein bisschen nützlich sein möchte, um dieser Idee zu helfen, von einer eigenen Sprache im Land der Väter, dann sollte ich doch vielleicht auch Medizin studieren. So ging er gleich an die Sorbonne in Paris, also gerade an eine der besten Universitäten der Welt.
1879 hatte er zum ersten Mal einen Artikel veröffentlichen können, in einer Zeitung. Ein leidenschaftlicher Artikel, muss man sich vorstellen: Ein junger Bursche, 21 Jahre alt, schreibt den Artikel She'ella Lohada, eine brennende Frage. Das wurde dann veröffentlicht im Haschachar, das ist eine jüdische Zeitung in Wien gewesen, will sagen: Die Morgenröte. Er hat dann diesen Artikel unterzeichnet mit E. Ben Jehuda, Eliezer Ben Jehuda, und von da an war er nicht mehr Eliezer Perlmann, sondern Eliezer Ben Jehuda, Sohn Judas heisst das. Das Thema in diesem Artikel war: Die Wiedergeburt des jüdischen Volkes braucht auch die Wiedergeburt der Sprache. Das war die Idee, die er eben verfechten wollte.
1880 schrieb er zwei weitere Artikel, die veröffentlicht wurden, und da setzte er sich ein für Hebräisch als Unterrichtssprache im Land Israel. Das war eine revolutionäre Idee, so etwas gab es schlicht einfach nicht. Und da, während seines Medizinstudiums, bekam er TB, Tuberkulose. Die Ärzte machten ihm keine grossen Hoffnungen, sie gaben ihm noch einige Jahre. Das führte dazu, dass er das Studium abbrach, und bereits 1881 brach er dann auf nach damals Palästina. Aber es war eine sehr bewegte Reise.
Er ging nach Wien, und dort traf er sich mit einer alten Bekannten aus der Jugendzeit, mit Deborah Jonas. Schon in früheren Jahren hatte sie ihm Sprachunterricht gegeben, dem kleinen Eliezer. Jetzt flammte es zwischen den beiden auf, und so wollten sie heiraten. Sie war übrigens vier Jahre älter als er. Es war aber schwierig für sie, die Heirat arrangieren zu können, und schliesslich haben sie es dann geschafft, in Kairo miteinander verheiratet zu werden. Und von dort aus, von Ägypten aus, gingen sie dann mit dem Dampfer nach Jaffa, was heute südlich von Tel Aviv ist. Tel Aviv gab es damals noch nicht, das wurde ja erst 1909 auf den Sanddünen erbaut.
Etwas später kamen sie dann in Jerusalem an, das sollte ihr Wohnsitz werden. Und da muss man sich nicht das Jerusalem von heute vorstellen, das war eine schmutzige Stadt des osmanischen türkischen Weltreiches, eine völlig herabgekommene Stadt. Es gab dort eine jüdische Kolonie, aber unter diesen Juden dort sprach natürlich niemand Hebräisch, dafür Französisch, Englisch, Russisch, Polnisch, Türkisch, Jiddisch, Deutsch, Arabisch, alles Mögliche konnte man hören, nur nicht Hebräisch.
Und da wollte er nun seine Idee verwirklichen. Diese Lebensidee, die ihm ja als Gymnasiast gekommen ist, die hat er später schön formuliert, und zwar in seinem Wörterbuch im Vorwort. Ich zitiere mal da wörtlich daraus: Damals war es mir, als wäre plötzlich über mir der Himmel aufgegangen und wäre ein blendendes, klares Licht vor meinen Augen aufgeblitzt, während eine gewaltige innere Stimme in meinen Ohren hallte: die Wiedergeburt Israels auf dem angestammten väterlichen Boden. Das war seine Idee, die ihn nun alle weiteren Jahre begleiten sollte.
Er konnte Schulunterricht geben an der Alliance Israélite in Jerusalem, und da hat er begonnen, den Unterricht auf Hebräisch zu halten. Und das hat ihm natürlich eine tiefe Feindschaft der Orthodoxen in Jerusalem entgegengebracht. Auf seinem Gang in die Schule haben sie ihn mit Steinen beworfen. Das war also überhaupt nicht in ihrem Sinn, dass man die heilige Sprache für alltägliche Belange missbrauchen würde. Also es war überhaupt nicht so, dass die Judenheit damals irgendwie offen war für diese Idee. Das war vielmehr ein Skandal, das muss man sich ganz klar vor Augen halten. Und die Orthodoxen, die eigentlich von der Bibel hätten wissen sollen, dass die Sprache gesprochen wird in der Endzeit, die waren das deutlichste Hindernis.
1881 gründete er die Gesellschaft der Chiat Israel, was so viel heisst wie Wiederbelebung oder Auferstehung Israels. Man denkt ja an die wunderbare Prophetie in Hesekiel 37, wo das jüdische Volk beschrieben wird, zerstreut unter den Völkern als Totengebeine, die völlig verdorrt auf einer grossen, breiten Ebene liegen. Und sie sagen: Unsere Hoffnung ist dahin, ist dahin. Aber dann geschieht in der Prophetie ein Wunder, ein grosser, furchtbarer Lärm. Und die Knochen beginnen zusammenzurücken, Knochen an Knochen. Darauf kommen Sehnen darüber und Fleisch und Muskeln, schliesslich Haut oben darüber, und dann in einer noch späteren Phase kommt der Lebensatem aus Gott in sie, und sie stehen auf und leben. Und in diesem Kapitel wird erklärt, dass Gott das Volk Israel, das zerstreut ist und meint, es gibt keine Hoffnung auf Wiederherstellung, eben zeigt, dass dieser Plan in der Endzeit zustande kommen soll. Also diesen Bezug Wiederbelebung Israels sollte man mit Hesekiel 37 verbinden.
Das Ziel dieser Gesellschaft war die Schaffung eines jüdischen Nationalstaates. Da muss man sich im Klaren sein. Das war zur Zeit, als die Osmanen, die Türken, über den ganzen Nahen Osten herrschten, ein islamisches Reich. Und da, auf islamischem Boden, entwickelt er diese Idee der Schaffung eines jüdischen Nationalstaates. Diese Gesellschaft sollte auch hebräische Literatur und Wissenschaft in nationalem Geist fördern.
Nun wurde Deborah schwanger, und da musste die Frau ihm ein Versprechen ablegen. Deborah, unser Kind, sagte er, wird das erste Kind in der Weltgeschichte sein, das nur Hebräisch spricht und keine andere Sprache hören wird. Und so musste sie also versprechen, dass sie mit dem Kind nie ein Wort in irgendeiner anderen Sprache sprechen würde. Die arme Deborah musste also in allen freien Stunden während der Schwangerschaft Hebräisch büffeln. Und er meinte es also wirklich ernst. Er sagte auch: Keine andere Sprache darf im Haus Ben Jehudas je gesprochen werden. Also wenn Leute zu Besuch kommen, die dürfen nicht Jiddisch sprechen, nicht Russisch, nichts, nur Hebräisch. Selbst die Frauen, die bei der Geburt helfen würden, müssen alles auf Hebräisch sagen, und wenn sie es nicht können, dann sollen sie schweigen. Das meinte er also wirklich ganz ernst, und das hat er über Jahre konsequent durchgezogen. Es ist eine Sturheit in diesem Mann gewesen, Deborah nannte sie liebevoll eine heilige Sturheit.
Und so kam es dann 1882 zur Geburt von Ben Zion, Sohn von Zion, Sohn Zions. Bei der Geburt wurde nichts anderes gesprochen als nur Hebräisch. Und er wurde effektiv das erste Kind der Weltgeschichte, dessen Muttersprache rein hebräisch war.
1884 gab er eine eigene hebräische Wochenzeitschrift heraus, sie hiess Hatzwi, die Zirde. Das ist eine Bezeichnung für das Land Israel in Daniel 8,9. Es kam zur Gründung des Komitees der hebräischen Sprache, wa'at ha-lashon ha-ivrit. Aus diesem Komitee erwuchs später, 1953, die von der Knesset begründete Akademie der hebräischen Sprache. Die Akademie der hebräischen Sprache wacht über die hebräische Sprache und macht also auch sprachliche Entscheide: Darf man das hineinnehmen in die Sprache oder nicht? Das ist gewissermassen so, wie es etwas Entsprechendes auch im Französischen gibt. Die Akademie für französische Sprache entscheidet ganz klar, was ist französisch und was ist nicht französisch, was ist richtig in Französisch und was ist falsch.
Ab 1890 begann er mit seiner Arbeit an einem modernen hebräischen Lexikon. Aber bereits 1891 starb dann Deborah. Er heiratete darauf ihre Schwester Chemda, die war vierzehn Jahre jünger als er. Der Kosename für Chemda war jeweils Bitti, er nannte sie immer Bitti, das heisst: meine Tochter. Aber das ist der Kosename aus dem Buch Ruth, Boas nennt doch Ruth: Meine Tochter. Also selbst die Kosenamen hat er aus der Bibel geholt. Ja, wir sehen, wie weit die Beeinflussung der Bibel gehen kann.
1894 kam er für ein Jahr ins Gefängnis, und zwar haben die Orthodoxen ihm ja dauernd Schlingen zu legen versucht. Da hat er in der Zeitung mal den Satz geschrieben: Lasst uns sammeln und vorangehen! Und die haben ihm dann den Vorwurf gemacht, der wolle sagen, lasst uns sammeln im Sinne von Waffen sammeln und vorangehen, das heisst nach Osten schreiten, weil Kadima auf Hebräisch ist, verwandt mit Kedem, im Osten. Also voran haben sie dann gedeutet, er sagt, wir wollen nach Osten schreiten, quasi einen Aufstand gegen die türkischen Herrscher unternehmen. Dadurch haben die Türken ihn dann eingekerkert für ein Jahr. Übrigens, er wurde auch mehr als einmal aus der Synagoge ausgeschlossen und unter Bann gestellt. Aber eben diese Sturheit half ihm da, weiterzumachen.
1908 wird seine Wochenzeitschrift Hatzwi eine Tageszeitung, und das war eine ganz wichtige Arbeit. Die Zeitung war eben auf Hebräisch. Er hat dauernd neue hebräische Wörter, die er erfunden hat, eingeführt, um den Leuten eben zu erklären, wie sie welchen Dingen im alltäglichen Leben sagen sollen. Dadurch trainierte er die Leute in Jerusalem eben im Hebräischen und gerade auch in der Umgangssprache. Bis 1914 schaffte er fünf Bände seines Wörterbuches. Aber es war ein Problem, das zu veröffentlichen. Es war so schwierig, jemanden zu finden, der interessiert war, dieses Werk zu veröffentlichen. Und schliesslich, wer hat es doch gewagt? Das war Langenscheidt, also ein Plus für Langenscheidt.
1914 kam es zum Ersten Weltkrieg, das hat ja niemand erwartet. Und während des Krieges haben dann die Türken, die Osmanen, sich auf die Seite Deutschlands gestellt, und dadurch wurden die Alliierten, die Franzosen und Engländer, herausgefordert, und sie haben das osmanische Reich zerstört. Sir Alan B. of Harmageddon ist in Jerusalem einmarschiert, und so kam Palästina unter englische Oberherrschaft. Man kann sich kaum vorstellen, was das für die Juden damals in Palästina war, denn niemand hätte mit dieser Wende gerechnet. Palästina war seit 1517 Teil des islamischen Osmanischen Reiches. Und der Islam hat natürlich überhaupt, aus ideologischen Gründen, kein Interesse, auch keine Möglichkeit, einen Judenstaat auf islamisiertem Boden zu erlauben. Also das war unglaublich, was das für eine Euphorie unter den Siedlern in Palästina ausgelöst hatte.
Und 1917, während des Ersten Weltkrieges, hat Lord Balfour seine Erklärung herausgegeben, die besagt, dass die königliche Regierung Englands sich einsetzen werde für die Schaffung eines Judenstaates in Palästina. Unglaublich, was das eben für die Leute damals war. Und eben gerade für diesen Ben Jehuda, der als Gymnasiast die Idee hatte, ein Nationalstaat im Land der Väter und die Sprache, die wieder lebt. Und ausgerechnet in diesen Jahren gibt es einen Weltkrieg? Bisher hat es in der Menschheitsgeschichte noch keinen Weltkrieg gegeben. Darum haben wir in der Schule gelernt: Das war der erste Weltkrieg, also ein Phänomen, das es in der Weltgeschichte gar noch nie gab. Ein Weltkrieg macht Palästina frei für die Juden.
1921, nach dem Krieg, konnte Ben Jehuda den britischen High Commissioner Herbert Samuel dazu bewegen, Hebräisch zur dritten offiziellen Sprache in Palästina zu erheben, neben Arabisch und Englisch. Jetzt offiziell Hebräisch als gesprochene Sprache. Es war übrigens so, dass man in den Kindergärten in dieser Zeit begonnen hat, Hebräisch zu gestalten. Die Kinder können ja sehr schnell Sprachen lernen, viel schneller als Erwachsene, und ohne dass sie eine Grammatik büffeln müssen. Und über die Kinder hat man dann wieder die Eltern beeinflusst, die haben ihr Hebräisch aus dem Kindergarten nach Hause gebracht. Auf diese Art wurde Hebräisch mehr und mehr eine gesprochene, lebendige Sprache.
Am 15. Dezember 1922 starb Eliezer Ben Jehuda. 30 Leute kamen zu seiner Abdankung, und es wurde drei Tage offizielle Staatstrauer in Palästina angeordnet. Und er hat das Ziel erreicht und auch selber noch erlebt: Die Gassen Jerusalems erschallten wieder von der warmkehligen Sprache der alten hebräischen Propheten. Nach seinem Tode wurden seine unzähligen Notizen für sein Wörterbuch dann veröffentlicht, und so kam es zur Schaffung der Bände sechs bis siebzehn, je 600 Seiten zum Modernhebräisch, das er dann das Lexikon der gesamten Hebraizität nannte, das also das Bibelhebräisch, das Mittelhebräisch, alle Perioden des Hebräischen bis zum modernen umfasste. Er hat nicht nur einfach die Wörter so eingetragen, sondern er hat ein Wort angegeben und dazu die verwandten Wörter, die in das gleiche Umfeld hinein gehören. Eigentlich eine sehr moderne Methode, die man in der Linguistik später so viel mehr aufgenommen hat; das hatte er bereits dafür verwendet.
Dieser Realisierung dieses Wunders wurde auch die Grundlage dafür gelegt, dass Jesaja 19,18 in Erfüllung gehen kann: Die Sprache Kanaans wird gesprochen werden.
Aufbau, Wurzeln und Grammatik des Hebräischen
Nun möchte ich noch einige Erklärungen zum Aufbau des Hebräischen abgeben. Also keine Angst: Es ist nicht so, dass man danach Hebräisch sprechen kann. Aber man sollte doch eine gewisse Ahnung haben, was Hebräisch überhaupt ist und wie es funktioniert.
Den Klang haben Sie bereits gehört, aber das kann man nicht einfach vom Hören her merken. Die Basis dieser Sprache sind dreikonsonantige Wurzeln. Das heißt: Man kann fast alle Wörter auf Wurzeln zurückführen, die aus drei Konsonanten bestehen. Ein Beispiel, nicht gerade ein schönes Wort, aber aus linguistischen, also sprachwissenschaftlichen Gründen ein praktisches Wort: Q-T-L, Katal. Diese Wurzel Q-T-L hat irgendetwas mit töten zu tun. Aber durch Änderung der Vokale und durch Zusätze werden Bedeutungsnuancen erzeugt.
Im Hebräischen spielen hauptsächlich sieben Verbalstämme eine Rolle: Kal, Nif'al, Piel, Pu'al, Hif'il, Hof'al und Hit'pa'el. Ich will das jetzt einmal an einem Beispiel durchdeklinieren. Nehmen wir diese Wurzel Q-T-L. Im Kal, also im ersten Verbalstamm, heißt das Katal, ausgesprochen mit a-a. Das heißt: er tötete.
Im Nif'al-Stamm wird das so geändert: Man setzt ein N davor und spricht das nun nicht mehr als Katal aus, sondern als Niktal. Die Vokale werden ja nicht geschrieben, nur die Konsonanten, also N-Q-T-L. Das heißt: er wurde getötet. Das ist jetzt passiv.
Dann kann man einen dritten Stamm nehmen, den Piel-Stamm. Da werden die Vokale I-E eingesetzt, und der mittlere Konsonant, das T, wird verstärkt, also verdoppelt ausgesprochen: Kittel. Dadurch wird die Handlungsweise intensiver. Das müsste man also übersetzen mit: er mordete, nicht nur: er tötete.
Dazu gibt es wieder ein Passiv, den Passivstamm Pu'al. Da setzt man die Vokale Ua ein: Kuttal. Das heißt dann: er wurde ermordet. Es ist nicht so, dass man das T doppelt schreibt, man spricht es nur intensiver aus. Auf Hebräisch schreibt man immer noch Q-T-L, ganz genau gleich, aber man spricht es aus als Kuttal: er wurde ermordet.
Dann macht man ein H vorne hin und schiebt noch ein J vor das L hinein, und so spricht man das Ganze aus: hiktil. Und das heißt: er veranlasste zu morden, also jemand veranlasst jemand anderen, etwas zu tun. Zum Beispiel aus dem Königsbuch ist vielleicht ein so bekanntes Beispiel vom Lesen: Da heißt es doch von König Jerobeam, er machte das Volk sündigen mit dem goldenen Kalb da in Dan und Bethel. Er machte das Volk sündigen – das ist überhaupt nicht deutsch, oder? Wir verstehen es, aber es ist überhaupt nicht deutsch. Das ist die wörtliche Übersetzung von diesem Hif'il-Stamm. Also „sündigen“ im Hif'il-Stamm hat dann den Sinn: er veranlasst das.
Oder zum Beispiel in Psalm 23 heißt es in der King James Version so schön: He causeth me to lay down in green pastures. Er veranlasst mich, mich hinzulegen auf grünen Auen. Auf Deutsch: Er lagert mich. Aber es ist wieder diese Hif'il-Form: Er veranlasst mich, dass ich mich hinlege. Das hat keine schöne praktische Bedeutung. Es gibt Leute, die sind so hyperaktiv, die muss der Herr manchmal zur Ruhe veranlassen.
Ja, und dann gibt es weiter ein Passiv dazu. Da schreibt man einfach nur ein H vor die drei Konsonanten Q, T, L hin, und schon ist es Hocktal: er wurde veranlasst zu morden. Und dann kann man einfach noch ein H und ein T davor hinschreiben, dann gibt es Hidkatel: er tötete sich selbst, also die Handlung wird an sich selber reflexiv vollzogen.
Das sind die sieben hauptsächlichen Verbalstämme im Hebräischen. Und wir merken: Das ist etwas völlig anderes als das, was wir auf Deutsch haben. Das kennen wir nicht. Gut, man kann vielleicht so erklären: Es gibt das Wort schneiden, dann gibt es das Wort schnitzen, dann gibt es das Wort schneiteln. Durch kleine Änderungen können wir so verschiedene Aktionsarten auslösen. Das ist bei gewissen Wörtern der Fall, aber im Hebräischen ist das einfach konsequent so. Schneiden, schnitzen, schnitteln und so weiter und so fort – das sind diese Stämme.
Und dann kann man aus diesen Wurzeln natürlich auch Hauptwörter ableiten, zum Beispiel indem man I und A einfügt und am Schluss ein H anhängt. Dann gibt es Ketila, das ist das Hauptwort für Töten. Also Haketila heißt das Töten.
Jetzt will ich einfach ein bisschen zeigen, wie man die Wörter verändert. Zum Beispiel haben wir jetzt gelernt: Katal, er tötete, das ist die Kal-Form. Und jetzt gibt es für alle verschiedenen Personen, wie auf Deutsch, ein bisschen eine Abwandlung. Katal heißt: er tötete. Katla heißt: sie tötete. Also für die Frauen eine spezielle Form – ladies first. Das kennen wir im Deutschen nicht. Da sagt man ja immer Schüler, alle Schüler, Schülerinnen und Schüler und so weiter. Da versucht man dauernd auf künstliche Art und Weise, dass ja nicht einige vergessen gehen. Aber im Hebräischen gehört das zur normalen Grammatik, dass man eben zwischen er und sie im Verbal-System unterscheidet. Denn auch Katalt, das heißt: du tötetest, und zwar du als Frau, das wird unterschieden. Und Katalta: du tötetest, wenn man ein Mann ist. Katalti: ich tötete. Katlu: sie töteten. Kataltem: ihr tötetet, wenn es Männer sind oder Männer und Frauen gemischt. Katalten: ihr tötetet, wenn es nur Frauen sind. Und Katalnu: wir töteten.
Aber man sieht da, wie dann nur durch kleine Änderungen am Stamm die verschiedenen Formen hergestellt werden. Und jetzt leuchtet uns das vielleicht ein, dass dadurch eine enorme Durchsichtigkeit der Wortherkunft entsteht. Wenn man die Wörter immer auf diese Wurzel zurückführen kann, ist es zum Beispiel ganz einfach herauszufinden, warum der Stier Stier heißt. Also niemand von uns würde auf Anhieb erklären können, woher das Wort Stier kommt und wieso es so heißt, oder? Aber im Hebräischen heißt Stier Par, und das kommt von der Wurzel Parar, P-R-R, und das heißt niedertreten, niederstampfen. Also der Par ist der Niedertreter, oder: Abschaffer, annullieren, abschaffen, niedertreten – parar.
Und dann ist es doch interessant: In Hebräer 9 spricht Paulus, oder der Schreiber des Hebräerbriefes, der von mir heute Nachmittag, über den großen Versöhnungstag, wo ja der Hohepriester unter anderem einen Stier für seine Familie opferte. Und da finden wir den schönen Vers, dass Christus gekommen ist zur Abschaffung der Sünde durch sein Opfer. Die Abschaffung der Sünde durch sein Opfer – das steht hier. Der Parar ist der Abschaffer.
Dadurch werden die Wörter so durchsichtig. Zum Beispiel das Wort Brandopfer heißt auf Hebräisch Olah. Da weiß man sofort: Aha, das ist von der Wurzel Allah. Das heißt aufsteigen. Also Olah ist schlicht das Aufsteigende, das Opfer, das zur Freude, zur Ehre Gottes aufsteigt.
Oder Adama, das haben wir heute schon einmal gehabt: Erdboden, 1. Mose 2,17. Aber dieses Wort kommt von einer Wurzel, die heißt Adam, nicht Adam, sondern Adam, ein bisschen anders ausgesprochen. Man schreibt es aber gleich. Es heißt: rot sein. Also Adama ist die rote Ackererde, die eisenhaltige Terra rossa, die rote Erde. Aber das ist sofort so einsichtig, weil die Struktur der Sprache durchsichtig ist.
Im Bibelhebräischen sprechen wir nicht vom modernen Hebräischen. Da hat man die Möglichkeit, Handlungen ohne Zeitbezug auszudrücken. Gerade diese Form Katal drückt speziell das Punktuelle aus, also eine Handlung als Momentaufnahme. Aber das kann im Bibeltext für eine vergangene Handlung gebraucht werden, dann übersetzt man: er tötete. Oder für etwas Gegenwärtiges, dann heißt es: er tötet. Es kann aber besonders in der Prophetie auch etwas Zukünftiges sein: er wird töten. Denn ausgedrückt wird nicht die Zeitstufe, sondern die Art und Weise, dass es etwas Momentanes in der Handlung ist.
Dagegen gibt es die Form Jigtol. Das sieht man: Das ist auch wieder Q-T-L geschrieben, aber einfach mit einem J davor. Und das drückt aus, dass diese Handlung dauernd geschieht oder wiederholt, also im Sinne von: er tötete dauernd, oder er tötet dauernd, oder er wird dauernd töten.
Da erklärt sich nun manchmal das Erstaunen, wenn man die Psalmen liest und verschiedene Übersetzungen vergleicht. Da steht in der einen Übersetzung: „Ich habe auf den Herrn vertraut“, in der anderen steht ganz anders: „Ich vertraue auf den Herrn.“ Ja, was haben die Übersetzer hier angerichtet? Wieso kann der eine das als vergangen beschreiben, der andere als gegenwärtig? Ja, das ist, weil die hebräische Verbform nicht die Zeitstufe ausdrückt, sondern nur die Art und Weise der Handlung. Darum kann man das als vergangen oder als gegenwärtig, unter Umständen sogar als zukünftig ausdrücken.
Dadurch ist diese Sprache ideal, um zeitlos gültige Wahrheiten auszudrücken. Ich kann die Psalmen doch lesen, viele Psalmen als Erfahrungen, die David gemacht hat in der Wüste, verfolgt von Saul. Und er sagt, je nachdem, wie er zurückblickt auf das, was er da erlebt hat, und wie er auf den Herrn vertraut hat. Aber die gleichen Worte sprechen uns doch so direkt an, dass wir sie ganz für uns nehmen können, in unseren Situationen, die Davids Not gleichen. Und da können wir es in Gegenwartsform ausdrücken.
Also das macht eben gerade besonders die poetischen Texte dermaßen zeitlos. Sie sind gültig für die Gläubigen im Alten Testament, sie sind gültig für die Gläubigen heute und durch all die Jahrhunderte der Kirchengeschichte hindurch. Aber sie werden auch gültig sein für die gläubigen Juden, die in der Zukunft durch die große Drangsal gehen werden. Aber das könnte man mit Deutsch nicht so machen.
Und das ist ein bisschen eine Erklärung, warum Gott eben Hebräisch gebraucht hat, um den größten Teil seiner schriftlichen Offenbarung an uns Menschen mitzuteilen. Und gerade auch durch diese Durchsichtigkeit der Wortherkunft ist Hebräisch eine ideale Sprache, um bildliche, symbolische und typologische Botschaften zu überliefern.
Nicht wahr, wenn man zum Beispiel die Opfer liest in 3. Mose 1-7, da steht doch, da muss man die Nieren speziell abtrennen, und dann wird auch gesprochen über den Leberlappen. Und so verschiedene Teile oder auch die Schenkel haben eine besondere Bedeutung bei der priesterlichen Darbringung. Nun, das Wort für Nieren kommt im Hebräischen von einer Wurzel, die klar macht: Das bedeutet Vollkommenheit. Und der Leberlappen ist sprachlich verwandt mit Herrlichkeit. Und die Schenkel sind verwandt mit Vertrauen. Ja, und wenn wir wissen, dass die Opfer in allen ihren Details Hinweise sind auf Jesus Christus, dann sehen wir eben die Vollkommenheit Christi in seinem Opfer, wir sehen seine Herrlichkeit darin, wir sehen sein Vertrauen auf Gott bis in den Tod hinein. Das sind Dinge, die eben durch diese Durchsichtigkeit erst so richtig zum Tragen kommen.
Es wäre dann einmal ein anderes Thema zu erklären, warum Gott für das Neue Testament das Griechische gebraucht hat. Auch das ist ganz eindeutig, weil die Struktur des Griechischen vollkommen anders ist als Hebräisch, aber sie ist ideal für das Neue Testament, um die Realität zu beschreiben. Denn Griechisch ist eine Sprache, mit der man unwahrscheinlich präzis und genau sich ausdrücken kann. So war das wirklich in Gottes Vorsehung die Sprache, die beim Neuen Testament zur Anwendung kommen sollte.
Aber eben, das ist ja gekommen durch den Lauf der Weltgeschichte. Alexander der Große hatte die ganze Welt bis nach Indien erobert, hatte seine Sprache zur Weltsprache erhoben, und dadurch wurde Griechisch eben zum Englisch der Zeit Jesu und der Apostel. Und so konnte man im Griechischen am besten missionieren, so wurde das Neue Testament griechisch geschrieben. Aber es ist genau die Sprache, die wirklich ideal war für die Erfüllung der Wahrheiten des Neuen Testaments.
Rückfragen, Schriftentwicklung und abschließende Hinweise
Ja, wir sind am Ende und haben noch ein paar Minuten Zeit für Fragen. Ja, bitte.
Versteht jemand, der Modernhebräisch spricht, auch das alte Hebräisch? Ich wiederhole die Frage, damit alle das gut verstehen: Versteht jemand, der Modernhebräisch spricht, auch das alte Hebräisch?
Es ist so, dass fast alle Wörter des Alten Testaments auch in der modernen Sprache vorkommen. Das heißt, sie sind also verständlich. Aber manchmal haben sich die Bedeutungen gewandelt. Zum Beispiel musste man ja ein Wort haben für Violine. Das gab es ja zur Zeit des Alten Testaments noch nicht, und man hat das Wort kinnor genommen, die Harfe oder Laute, die David spielte. Und das Wort kinnor ist nun das Wort für die Violine. Oder für Klavier musste man ja auch ein Wort haben, das gab es ja noch nicht. Aber im aramäischen Text von Daniel wird ein Saiteninstrument erwähnt, das heißt pesanter, und so hat man das gewählt für Klavier: pesanter. Und der Pianist ist der pesantran. Da hat man einfach die Endung angehängt für jemanden, der das als Beruf ausübt, dann gibt es den pesantran.
Also da muss man ein bisschen aufpassen, dass man dann, wenn man als modernsprachiger Mensch das Alte Testament liest, nicht meint, David hätte Violine gespielt und am Hof von Nebukadnezzar hätte da ein Pianist gearbeitet. Aber im Prinzip sind die Wörter in die neue Sprache aufgenommen worden. Weiter sind die Formen der Wörter genau gleich. Also was ich da vorhin erklärt habe, wie man konjugiert: katal, katla, katalt, katalta, katalti, katlu, kataltem, katalten, katalnu, genau gleich im Althebräischen wie im Neuhebräischen.
Was sich geändert hat, ist eher die Grammatik. Das ist aber bereits im Mittelhebräischen gekommen, das sieht man schon in der Mischna, dass die Zeitstufen da etwas einfacher geworden sind, also dieses Zeitlose. Was ich vorhin erwähnt habe, das spielt in der modernen Sprache keine Rolle mehr. So hat man zum Beispiel katal im Modernhebräischen immer in der Vergangenheit: er hat getötet oder er tötete. Und dann das, was das Durative ausdrückt, yigdol, heißt immer Zukunft: er wird töten. Und für die Gegenwart nimmt man ganz einfach das Partizip, also ich und plus Partizip: ani kotel, ich töte; hu kotel, er tötet. So hat man also diese drei absoluten Zeitstufen in der modernen Sprache.
Grammatikalisch ist die Sprache also einfacher geworden gegenüber dem Bibelhebräischen. Aber es ist so: Wenn man Modernhebräisch kann, ist es ein Leichtes, große Teile des Alten Testaments zu verstehen. Die poetischen Texte sind dann auch für modernsprachige Menschen schwierig, aber die erzählenden Texte, Abrahams Geschichte usw., das ist kein Problem.
Aber was Theologen erleben, das ist natürlich ein Frust. Die lernen biblisches Hebräisch, und dann gehen sie nach Israel, und die verstehen überhaupt nichts. Und zwar sind natürlich all die Wörter, die man braucht im modernen Leben, die haben sie gar nicht gelernt. Und dann sind manchmal Wörter, die im Alten Testament vorkommen und die man gar nicht gelernt hat, weil sie nur einmal vorkommen, plötzlich in der modernen Sprache Wörter, die jedes Kind kennt. Das sind ganz häufige Wörter. Es gibt ja im Alten Testament etwa 1500 Wörter, die kommen nur ein einziges Mal vor, sogenannte Hapax-Wörter. Das sind die ganz schwierigen Wörter, und plötzlich sind solche Wörter ganz übliche Wörter in der modernen Sprache.
Also, man hat es viel schwieriger, vom Althebräischen herkommend zur neuen Sprache hinüberzugelangen, als wenn man von der neuen Sprache her zum alten kommt. Mit dem Modernhebräischen kommt man sehr schnell ins Bibelhebräische hinein, auch ins Mittelhebräische, so dass man den Talmud lesen kann und auch die mittelalterlichen Kommentare. Das geht einfach. Die Theologen können das normalerweise nicht.
Ja, weitere Fragen? Vor langer Zeit habe ich einen Bildschultag gemacht, das war noch in Aarau, über die Entwicklung der Schrift, und ganz kurz: In der Zeit vor Mose gab es ja die Hieroglyphenschrift und die Keilschrift in Babylon, die Hieroglyphenschrift in Ägypten. Für beide Schriften musste man etwa 800 Zeichen kennen, um Texte zu lesen. Das war also nur für Berufsschreiber möglich. Im Ägyptischen hat man Zeichen, die ganze Wörter oder Silben oder einzelne Konsonanten bezeichnen. Und im Text sind diese verschiedenen Zeichen gemischt. Und in der Keilschrift, in der babylonischen, da hat man ein Zeichen pro Silbe. Also das macht das Ganze so schwierig.
Und genau in der Zeit von Mose herum ist für die Archäologie greifbar ein Alphabet mit etwas mehr als zwanzig Zeichen, wo jeder Konsonantenlaut ein anderes Zeichen bekommt. Und zwar sind das Bilder. Zum Beispiel für den Laut Aleph, diesen Knacklaut Aleph, hat man einen Rinderkopf gemalt, weil Aleph Rind heißt, und der erste Konsonant bei diesem Wort, eben dieser Knacklaut, wird durch diesen Rinderkopf bezeichnet. Dann Haus heißt bayit, also hat man ein Häuschen gezeichnet, das war das Zeichen für B, und so weiter. Etwas mehr als zwanzig Zeichen, und plötzlich kann man alles schreiben. Das war eine Revolution wie die Erfindung der Buchdruckkunst. Plötzlich ist es möglich, auch für einfache Leute schreiben zu können.
Im Buch der Richter sieht man das: Da hat Gideon einen Jungen auf dem Feld getroffen, dann sagt er: Schreib uns die Namen der Ältesten in der Stadt auf. Er hat alles aufgeschrieben. Hebräisch zu schreiben war dann plötzlich möglich, auch für ungebildete Leute. Man nennt es in der Archäologie die protokanaanäische Schrift. Die älteste Inschrift, die man gefunden hat, stammt aus der Zeit um etwa 1700 vor Christus. Gut, das könnte ja etwas vor Mose sein oder eben auch gerade etwa die Zeit von Mose. Man kann das lesen, es sind nur drei Buchstaben drauf, als Kaleb kann man das lesen, das ist der Geser-Scherben. Und man hat Inschriften im Sinai, in der Wüste, kanaanitische Inschriften, die sogenannten protokanaanäischen Inschriften von Serabit el-Chadim.
Aber in dieser Zeit von Mose kommt diese Erfindung auf, und dieses Alphabet hat Mose verwendet. Durch die weiteren Jahrhunderte hat sich die Schrift immer mehr abgewandelt, und die früher ganz deutlich bildlichen Zeichen wurden immer abstrakter. Aber in dieser Schrift wurde die Bibel weiterhin überliefert, und die moderne hebräische Schrift geht auf diese zurück. Übrigens auch das griechische Alphabet, denn aus dem Nahen Osten wurde diese Erfindung den Griechen weitergegeben. Die haben das ein bisschen angepasst für ihre Sprache, wollten auch Vokale schreiben, und das hat Griechisch gegeben. Und die Griechen haben das weitergegeben an die Römer, und die Römer haben es weitergegeben an uns. Übrigens auch die arabische Schrift geht auf diese zurück. Praktisch alle Alphabetschriften der Welt gehen auf die urhebräische Alphabetschrift zurück.
Ja, noch eine Frage? Ja, bitte?
Wie hat Mose geschrieben? Also wie hat Mose geschrieben? Wie heißt das Land, von dem die Siphone sind? Das war das alte Himmel. Ach so, woher hatte Mose seine Informationen? Das ist die Frage, oder? Über die Schöpfung, über Noah, über Abraham. Da ist die Frage eigentlich: Wie ist das erste Buch Mose entstanden?
Es gibt ein interessantes Buch von einem Archäologen, Weismann: Die Entstehung der Genesis. Er war Spezialist für assyrische Inschriften, also Keilschrift, Tafeln. Und er hat festgestellt: Im ersten Buch Mose gibt es so gewisse Schreibermethoden, die genau übereinstimmen mit dem, was man auf Tafeln hat. Und aufgrund dieser Angaben, zum Beispiel: Dies ist die Geschichte von ..., das entspricht gewissermaßen solchen Angaben am Schluss einer Tafel. Und aufgrund solcher Angaben und auch Stichwortverbindungen vom Text vorher zum nächsten hat er dann das erste Buch Mose in verschiedene Tafeln eingeteilt. Es ist also wunderbar aufgegangen, so dass er die Theorie aufstellte, dass bereits die Patriarchen geschrieben haben, selbst schon Adam, und dass das wohl eben als Tafeln weitergegeben wurde an Noah, und Noah weiter. Aus dieser Linie kommt ja Abraham, und Abraham an seine Nachkommen, so dass Mose schließlich diese Vorlagen verwenden konnte und sie unter Inspiration des Heiligen Geistes dann zum ersten Buch Mose verarbeitet.
Übrigens noch etwas: Die Aussprache hat sich ja im Lauf der Zeit verändert. Also Mose hat ganz anders ausgesprochen, als wir das heute aussprechen. Und es ist auch so, dass man davon ausgehen muss, dass er zum Beispiel noch Fälle gehabt hat. Wir sagen im Modernhebräischen nur erez für Erde, ob das nun Nominativ ist oder Genitiv, Dativ oder Akkusativ, es ist immer erez. Aber im Hebräischen zur Zeit von Mose gab es noch die Fälle. So war die Erde arzu, der Erde arzi, die Erde, Akkusativ arza. Und so hat Mose das anders ausgesprochen. Aber diese Endungen, die hat man nicht geschrieben, weil man ja nur die Konsonanten geschrieben hat. Diese kurzen Vokale am Schluss hat man nicht geschrieben.
So hat sich also die Schrift sehr einheitlich, recht einheitlich gehalten durch die Jahrhunderte hindurch, aber die Aussprache hat sich geändert. Und darum war es dann zur Zeit von Maleachi kein Problem, das 1100 Jahre ältere Buch der Bücher Mose zu lesen. Und auch heute noch, nach 3500 Jahren, ist es kein Problem, die Bücher Mose zu lesen. Einfach die Aussprache ist moderner, aber die Schrift hat sich sehr einheitlich gehalten durch die Jahrhunderte und Jahrtausende hindurch. Auch da ist wieder die Weisheit Gottes, dass er eine solche Sprache gewählt hat, die eben über so lange Zeit verständlich geblieben ist.
Wenn wir die ältesten deutschen Dinge nehmen, das Nibelungenlied um 700 nach Christus, damit haben wir Mühe, diese Sprache zu verstehen, sehr, sehr Mühe. Aber beim Hebräischen ist es einfacher. Durch die Schreibweise konnte die Verständlichkeit bleiben bei ändernder Aussprache. Und wie gesagt, für die moderne Sprache hat man dann halt neue Wörter kreiert, möglichst aus dem Hebräischen heraus, und hat ausgehend von den Wurzeln neue Bildungen gemacht. Oder wenn das nicht gegangen ist, hat man zum Beispiel auch Lehnübersetzungen gemacht.
Zum Beispiel Orange: Wie sollte man Orange sagen? Auf Jiddisch sagt man Pomeranze, was ja nichts anderes ist als lateinisch pomma aurantia, Goldapfel. Ja, dann hat Jehuda, wenn Jehuda hat gemacht tapuach, hebräisch Apfel, sahaw, Gold, Goldapfel. Also wenn Sie in Jerusalem auf dem Markt Orangen bestellen, dann sagen Sie haji tirotze tabuchei sahaw, Goldäpfel.
Oder wie sollte man sagen telefonieren oder galvanisieren? Ja gut, da hat man Telefon hat ja die Wurzel, hat ja die Konsonanten T-L-P oder F-N, und da hat man daraus gemacht eine Pi’el-Form: tilpen, er telefonierte. Oder galvanisieren: Ja, da haben wir G-L-V-N, das ist eine vierkonsonantige Wurzel, aber mit der kommt man auch zum Ziel, dann macht man eben I-E hinein, da gibt es gilwen, er galvanisierte, eine Pi’el-Form. Und so hat man die modernen Wörter ganz einfach übernehmen können und sie richtig in die hebräische Struktur eingießen können.
Ja, wir müssen bald zum Schluss kommen. Der Herr Jesus sprach drei Sprachen im Land: Hebräisch, Aramäisch und Griechisch, was ja sehr üblich war für die Bevölkerung.
Ja, gut, dann kommen wir zum Mittagessen.
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