Gott wird Mensch – Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist.
Episode 531: Regen, Hitze und Heuchelei
Die Bedeutung der Vorbereitung im christlichen Leben
Der Herr Jesus erklärt seinen Jüngern, warum es so wichtig ist, vorbereitet zu sein. Das Leben als Christ ist ein Leben im Heute.
Heute geht es darum, dass wir uns nicht in den Alltagssorgen verlieren. Es geht darum, dass uns nicht die Furcht lähmt. Heute geht es darum, dass wir leidenschaftlich unsere Berufung leben.
Das gilt auch dann, wenn unser Leben mit Gott das Zusammenleben mit anderen Menschen erschwert. So viel an Informationen für die Jünger.
Jesus und die Volksmengen: Ein anderes Problem
Jetzt wendet sich Jesus wieder den Volksmengen zu. Diese haben nämlich ein ganz anderes Problem: Heuchelei.
Wetterphänomene als Beispiel für Erkenntnisfähigkeit
Lukas 12,54-55. Er sprach aber auch zu den Volksmengen: Wenn ihr eine Wolke vom Westen aufsteigen seht, so sagt ihr sogleich, es kommt ein Regenguss, und es geschieht. Wenn ihr den Südwind wehen seht, so sagt ihr, es wird heiß, und es geschieht.
Eine Wolke vom Westen, also vom Mittelmeer herkommend, verheißt Regen. Ein Wind aus dem Süden, also aus der Wüste, bringt Hitze. Diese Phänomene waren gut bekannt, jeder in Israel wusste, wie man sie deutet.
Die geistliche Blindheit der Volksmengen
Und jetzt geht Jesus einen Schritt weiter. Der Umgang mit Wetterphänomenen zeigt, dass die Volksmengen in der Lage waren, eins und eins zusammenzuzählen – zumindest beim Wetter.
In Lukas 12,56 sagt er: „Heuchler, das Aussehen der Erde und des Himmels wisst ihr zu beurteilen. Wie aber kommt es, dass ihr diese Zeit nicht zu beurteilen wisst?“
Das ist also ihr Problem: Heuchelei. Ein Heuchler ist ein Schauspieler, also jemand, der anderen etwas vormacht. Ein Heuchler spielt eine Rolle.
In diesem Fall spielen die Volksmengen und vor allem ihre geistlichen Führer die Rolle des Unwissenden. Sie tun so, als könnten sie die Wahrheit nicht erkennen. Doch in Wirklichkeit haben sie genügend Hinweise, um Jesus als den Messias erkennen zu können.
Noch einmal heißt es in Lukas 12,56: „Heuchler, das Aussehen der Erde und des Himmels wisst ihr zu beurteilen. Wie aber kommt es, dass ihr diese Zeit nicht zu beurteilen wisst?“
Die Ursachen der Weigerung zur Erkenntnis
Ja, wie kommt das? Ganz einfach: Sie wollen nicht. Dieser Jesus ist in mehrfacher Hinsicht eine Bedrohung für ihren Lebensstil.
Das beginnt mit ihrer Liebe zum Geld. Es geht weiter über das Thema Selbstbestimmung und reicht bis hin zum Wunsch, von allen gemocht zu werden. Das sind auch die Themen, die bis heute viele Menschen davon abhalten, Christ zu werden.
Götzendienst, Eigenwilligkeit und der Wunsch nach Anerkennung – genau diese Dinge sind es, auf die Jesus seine Jünger hinweist. Er zeigt die Gefahr auf, dass Geld, Sorgen und Freunde mich vom Weg mit Gott abbringen können. Mindestens rauben sie mir den Fokus.
Die geistliche Blindheit trotz offensichtlicher Zeichen
Die Frage lautet, wie es möglich ist, dass die Volksmengen das Aussehen der Erde und des Himmels, also Naturphänomene, beurteilen können. Sie erkennen zum Beispiel, wenn sich das Wetter ändert.
Doch im Blick auf geistliche Phänomene, wie einen Mann, der Blinde sehend macht und Aussätzige reinigt, der in nie dagewesener Vollmacht das Wort Gottes erklärt und Sünde aufdeckt, gelingt ihnen diese Erkenntnis nicht.
Genauer gesagt: Warum können sie im Hinblick auf das geistliche Phänomen namens „Jesus aus Nazareth“ nicht eins und eins zusammenzählen?
Die Antwort lautet: Sie wollen es nicht. Es fehlt ihnen nicht an intellektueller Kompetenz. Vielmehr sind sie Heuchler. Sie spielen die Rolle des Unwissenden.
Aufforderung zur gerechten Beurteilung
Lukas 12,57: Warum richtet ihr aber auch von euch selbst aus nicht, was Recht ist?
Diese Frage ist zugleich eine Aufforderung. Die Menschen tun es nicht, obwohl sie es könnten. Und es wäre mehr als sinnvoll, es zu tun.
Gerade der Ungläubige muss die Zeit auskaufen, die Gott ihm gibt. Zeit ist hier zu verstehen als gute Gelegenheit.
Wir Menschen haben nicht unendlich viele Chancen, um Gott zu erkennen. Deshalb müssen wir die Chancen nutzen, die wir haben.
Die Dringlichkeit der Buße vor dem Gericht
Das ist vor allem deshalb wichtig, weil es ein Zuspät gibt (Lukas 12,58-59):
„Denn wenn du mit deinem Gegner vor die Obrigkeit gehst, so gib dir auf dem Weg Mühe, um von ihm loszukommen, damit er dich nicht etwa zu dem Richter hinschleppt. Der Richter wird dich dem Gerichtsdiener überliefern, und der Gerichtsdiener wird dich ins Gefängnis werfen. Ich sage dir: Du wirst nicht von dort herauskommen, bis du auch die letzte Münze bezahlt hast.“
Diese zwei Verse illustrieren das zuvor Gesagte. Das Bild beschreibt den Angesprochenen als einen Schuldner, der mit seinem Gegner auf dem Weg zum Richter ist.
Ich habe Schulden und befinde mich auf dem Weg zum Gericht. Diese Zeit, die ich mit meinem Prozessgegner gemeinsam unterwegs bin, muss ich für eine gütliche Einigung nutzen. Es ist meine einzige und letzte Chance.
Denn wenn ich erst einmal vor dem Richter stehe, bleibt nur noch die Strafe, das Gefängnis. Der Richter wird dich dem Gerichtsdiener überliefern, und der Gerichtsdiener wird dich ins Gefängnis werfen – das wäre fatal.
Die Bedeutung des Bildes für die Zuhörer Jesu
Übertragen wir das Bild auf die Zuhörer Jesu: Sie sind diejenigen mit den Schulden, der Gegner ist Gott.
Der Weg zum Gericht beschreibt die Zeit, in der sie sich befinden. Diese Zeit ist eine gute Gelegenheit, um mit Gott ins Reine zu kommen.
Jetzt ist die Zeit, Buße zu tun, an das Evangelium zu glauben und ein Jünger Jesu zu werden. Für sie gibt es keine bessere Zeit als genau jetzt.
Parallele zum Hebräerbrief: Die Dringlichkeit des Handelns
Mich erinnert dieser Vers an das Prinzip, das an Christen im Hebräerbrief 3,7-8 gerichtet ist. Dort heißt es: „Deshalb, wie der Heilige Geist spricht: Heute, wenn ihr seine Stimme hört, verhärtet eure Herzen nicht.“
Wir müssen die Momente nutzen, die Gott uns gibt. Wenn wir diese Gelegenheiten ungenutzt verstreichen lassen, werden wir die Konsequenzen tragen müssen. Bleiben wir im Bild, werden wir ins Gefängnis geworfen und...
Die letzte Münze: Symbolik und Bedeutung
Lukas 12,59: „Ich sage dir, du wirst nicht von dort herauskommen, bis du auch die letzte Münze bezahlt hast.“
Bei der Münze handelt es sich sprachlich gesehen um die kleinste damals verwendete Münze, das Lepton. Ihr Wert betrug etwa ein Hundertachtundzwanzigstel eines Denars.
Man könnte sagen: Der Schuldner bleibt im Gefängnis, bis er auch den letzten Heller bezahlt hat.
Klärung einer theologischen Frage: Fegefeuer oder nicht?
Frage: Spricht Jesus hier vom Fegefeuer? Kann ich meine Schulden bei Gott im Gefängnis, also in der Hölle, irgendwie ableisten?
Antwort: Leider eher nicht. Ich verstehe, warum der Gedanke eines Fegefeuers attraktiv ist. Aber der Schwerpunkt des Bildes liegt hier nicht auf der Möglichkeit, dass der Schuldner irgendwann wieder herauskommt. Vielmehr geht es um die Notwendigkeit, die ganze Schuld zu begleichen – eben bis zum letzten Lepton.
Dieser Teil des Gleichnisses will keine Hoffnung darauf machen, doch irgendwann aus der Hölle wieder herauszukommen. Vielmehr möchte Jesus die ganze Hoffnungslosigkeit der Menschen herausstellen, die in diesem Leben keine Buße getan haben.
Es ist aussichtslos, darauf zu hoffen, dass man nach dem Gericht noch einmal freikommt. Deshalb gilt es, in diesem Leben die Zeichen der Zeit richtig zu deuten, die Gelegenheiten, die Gott einem gibt, zu nutzen und Buße zu tun, bevor das jüngste Gericht eintritt.
Praktische Anwendung und Abschluss
Was könntest du jetzt tun? Überlege, für wen du beten könntest, damit diese Person bald die Entscheidung trifft, Buße zu tun.
Das war es für heute. Bete in dieser Woche viel für Politiker und für die Entwicklung unseres Landes.
Der Herr segne dich, lasse dich seine Gnade erfahren und lebe in seinem Frieden. Amen.
