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Die Gegenstände der Passion: der Wein des Herrn Jesus

27.03.1960Matthäus 27,34

Gnade sei mit uns und Friede von dem, der da ist, der da war und der da kommt. Amen.

Wir sprechen über die Gegenstände der Passion, also die Gegenstände, die in der Leidensgeschichte eine Rolle gespielt haben.

Da heißt es: „Und da sie an die Stätte kamen“ (Matthäus 27,34). „Da sie an die Stätte kamen mit Namen Golgatha, gaben sie ihm Essig zu trinken, mit Galle vermischt. Da es schmeckte, wollte er es nicht trinken.“

Verheilige uns in deiner Wahrheit! Dein Wort ist die Wahrheit. Amen!

Einführung und persönliche Eindrücke zur Leidensgeschichte

Nach heutigem Wetter sind alle nass, die Luft ist feucht, und alle müssen husten. Viele bleiben deshalb stundenlang drinnen. Das ist ja wirklich ungewöhnlich, denn niemand verlässt den Ort.

Zunächst wollen wir die grüßen, die oben im Übertragungssaal angeschlossen sind. Auch sie gehören zu uns.

Meine Freunde, in dieser Woche fuhr ich ganz allein mit meinem Wagen von Frankfurt auf der Autobahn nach Köln. Dabei hatte ich Zeit, über diese eintönige Fahrt nachzudenken. So bewegte ich in meinem Herzen unseren heutigen Text, den wunderlichen Wein, den der Herr Jesus angeboten bekam und den er auf das Kreuz legte.

Im Siebengebirge – die Autofahrer kennen das Gebiet vielleicht nicht – bin ich von der Autobahn abgefahren und ein Stück ins Gebirge hineingefahren, nach Jettenburg, wie das da oben heißt. Dort suchte ich mir ein Hotel und bestellte Mittagessen. Ich war noch früh dran und hatte deshalb im Guckstopp noch einmal das Siebengebirge vor Augen.

Im Hotel saß am Nebentisch eine größere Gesellschaft. Gerade als ich Platz nahm, rief einer der Herren: „Herr Ober, die Weinkarte!“ Der Ober brachte ein in Leder gebundenes Buch, ungefähr in diesem Format. Während der Herr anfing zu blättern, sagte er immer wieder: „Also bitte nicht mehr den Wein, lassen Sie mich aussuchen.“

Ich dachte dabei immer an das Bild: Sie gaben ihm Essig mit Galle zu trinken – das Bild von dem Wein, den Jesus trank. Der Herr hatte nun endlos gesucht, und es begann eine fachmännische Beratung mit dem Ober über Kenamine, ja, nicht einmal dreiundfünfzig Spätlesen und Ähnliches, was es da alles gibt.

Und ich dachte immer wieder: „Sie gaben ihm Essig zu trinken mit Galle.“ Für mich war das Bild lebendig. Jesus bekam auch Wein. Aber da gab es keine in Leder gebundene Weinkarte, keine Auswahl, keinen Ober im Restaurant. Stattdessen waren es ein paar rohe Kriegsknechte mit einem unappetitlichen Bäckersackring.

Plötzlich musste ich daran denken, dass diese Gesellschaft, die dort sitzt, vielleicht ganz gut daran täte, wenn sie für einen Moment von ihrer Weinkarte wegschaut und sich den Wein des Herrn Jesus anschaut, den er am Karfreitag zu trinken bekam.

Nun, ich konnte den Leuten das nicht direkt sagen. Sie hätten mich wahrscheinlich nicht verstanden, oder? Aber wir wollen es trotzdem tun. Wir wollen uns diesen Wein des Herrn Jesus ansehen. Den Wein des Herrn Jesus, von dem im Text steht, dass sie ihm Essig zu trinken gaben, mit Galle vermischt. Und als er ihn trank, schmeckte er ihm nicht.

Ich möchte drei Dinge zu diesem Wein des Herrn Jesus sagen.

Die Qualität des Weins und seine symbolische Bedeutung

Das Erste: Es war ein sehr schlechter, übler Wein – ein miserabler Wein. Ich möchte Ihnen zeigen, was das bedeutet, und dabei etwas weiter ausholen.

Sehen Sie, wenn wir Freizeiten im Weiglerhaus haben – bald beginnt die Helferfreizeit – dann fängt jeder Tag mit einer Bibelarbeit an. Wer nicht teilnimmt, hat selbst die Schuld. Viele beginnen eine Freizeit mit einer Bibelarbeit, und ich kann Ihnen sagen: Wir haben schöne, gesegnete und herrliche Stunden bei unserer Bibelarbeit erlebt. Morgens, wenn alles frisch ist und man noch nicht ausgeschlafen ist, tauchen wir in ein Gotteswort ein.

Dennoch denke ich oft in meinem Herzen nach so einer Bibelarbeit: Wie armselig sind all unsere Bibelarbeiten im Vergleich zu der einen Bibelarbeit, die Jesus gehalten hat. Wissen Sie, wo der Herr Jesus eine Bibelarbeit gehalten hat? Das war eine Bibelarbeit in Berchbredig, in Sichers. Ja, Sie haben richtig gehört: Berchbredig. Vielleicht denken Sie jetzt an die Emmausjünger.

Kennen Sie die Geschichte, als Jesus von den Toten auferstanden war? Zwei Jünger gingen traurig von ihm weg. Jesus gesellte sich unerkannt zu ihnen und hielt eine Bibelarbeit mit ihnen. Er zeigte ihnen am Alten Testament, wie sein Leiden und Sterben dort ganz genau geschildert und vorausgesagt ist. Da staunten sie sehr.

Sehen Sie, das ist wirklich etwas zum Staunen. Das Alte Testament wurde lange vor Jesus geschrieben, und der kleinste Zug der Leidensgeschichte ist dort beschrieben. Auch die Sache mit diesem komischen Wein steht im Alten Bund. Da ist der Psalm 69, der in unserer Bibel überschrieben ist mit „Der Knecht des Herrn im tiefsten Leiden“. Dort heißt es: Es ist ein Klagelied vom Knecht des Herrn im tiefsten Leiden, und es heißt: „Sie geben mir Galle zu essen und Essig zu trinken in meinem großen Durst.“

Sehen Sie, hier haben Sie alles beieinander: die Galle und den Essig im messianischen Klagelied im Psalm 69 – lange bevor Jesus kam. Wenn man diesen Psalm 69 liest, wird ganz deutlich, dass der Psalmist diese Galle und den Essig als einen Trank der Verachtung verstand.

Sehen Sie, wenn ein lieber Gast kommt, den ich ehren will, dann gebe ich ihm etwas Gutes zu trinken. Wenn ich in die DDR komme und Marianne besuche, dann stellen sie mir einen Eiskaffee hin. Sie haben keinen Kaffee, aber sie tun es, um den lieben Gast zu ehren. So machen wir das.

Aber hier heißt es: „Sie geben mir Essig zu trinken und Galle zu essen.“ Das bedeutet, sie verachten mich. Sie geben mir das Schändliche, das Schäbige, das Gemeine, das Bitterste.

Und nun sehen Sie, wie Jesus erfüllt, was im Alten Testament steht: Er bekommt auf Golgatha diesen Trank der Verachtung dargereicht. Und das ist, glaube ich, etwas, was wir sehen müssen. Sie gaben ihm Essig zu trinken, mit Galle vermischt. Das war ein Ausdruck der Verachtung.

Der Sohn des lebendigen Gottes, der König aller Könige, wird von armseligen Menschen, von kümmerlichen Analphabeten hier verachtet. Und so ist es bis zum heutigen Tage, wenn man Jesus kennengelernt hat, wie verachtet dieser herrliche Heiland, dieser Sohn Gottes, ist.

Ich war vor ein paar Tagen in einem Kreis von Herren zusammen, und man sprach so über die Probleme des persönlichen Lebens. Da sagte ich: „Ja, meine Herren, Sie haben ein gnadenloses Leben. Sie sollten die Gnade Gottes in Jesus ernsthaft suchen. Jeden Sonntag wartet trotz Gedränges ein Stuhl auf Sie in meinem Gottesdienst.“

Da herrschte plötzlich eine Stille, als hätte ich einen Fauxpas begangen, eine Taktlosigkeit. So, junger Junge, dieser Pastor. Dann besann sich einer, der gesellschaftlich gewandt genug war, und sprach schnell über etwas anderes. Ich kam mir vor wie jemand, der einen unanständigen Witz in der Habengesellschaft erzählt hat.

So verachtet ist Jesus, dass man ihn nicht in Dennem, in Bredeney oder in Altenessen peinlich ansprechen darf. Das kannst du in der Kirche tun, aber hier nicht, wenn man gemütlich zusammensitzt. So verachtet ist Jesus: Sie geben ihm Essig zu trinken mit Galle.

Verschiedene biblische Berichte zum Wein und seine Zusammensetzung

Meine Freunde, wir müssen diesen Tag noch etwas genauer betrachten.

Das Interessante ist, dass die Evangelien unterschiedlich über diesen eigenartigen Wein berichten. Im Matthäusevangelium heißt es Essig mit Galle. Sie wissen, dass das Evangelium über Jahrhunderte hinweg abgeschrieben wurde. Dabei gibt es Handschriften, in denen statt Essig Wein mit Galle steht. Im Markusevangelium heißt es Wein mit Myrrhe.

Natürlich gibt es Leute, die sofort sagen: „Ah, Widersprüche, Achtung!“ Wenn man diese Berichte zusammenhält, kann man leicht ins Schwanken geraten. Doch Gott ist wortgewandt und viel klüger, als wir alle zusammen. Wenn wir alles zusammennehmen, was die Bibel über diesen merkwürdigen Trunk Jesu sagt, ergibt sich folgendes Bild: Es war ein ganz billiger, saurer Wein, so ein Durstlöscher, den die Knechte tranken. Wahrscheinlich wurde er ihnen von der Kammer geliefert, nicht vom Kommichso.

Damit der Wein etwas besser schmeckte, wurde ein Gewürz mit Myrrhe hinzugefügt. Dem Heiland aber fügten sie bittere Galläpfel bei. Der große Schriftausleger Bengel sagt in seinem Gnomon: Die Myrrhe war üblich, um den Wein aufzubessern, die Galle aber war eine Mutwilligkeit gegenüber Jesus. Diese Galle machte den Wein zu einem scheußlichen und bitteren Trank.

Dieses ekelhafte Gebräu – diesen sauren Wein, aufgepeppt mit Myrrhe und verdorben durch Galläpfel – gaben sie Jesus zu trinken, der bereits Erfahrung mit Wein hatte. Er hatte ihn ja schon bei der Hochzeit zu Kana gekostet. Doch dort gab Jesus den Wein, der so köstlich war, dass der Speisemeister sich verwunderte.

Meine Freunde, ich muss an dieser Stelle kurz innehalten. Ist das nicht typisch? Jesus schenkt den Menschen köstlichen Wein, und die Menschen schenken ihrem Heiland Essig mit Galle. So ist es immer. So ist es bei Ihnen, und so ist es bei mir. Er schenkt köstlichen Wein, und wir schenken Essig mit Galle.

Die Bedeutung des Weins als Symbol für das Evangelium und menschliche Reaktion

Möchten das ein wenig ausführen: Unsere Väter im Glauben haben verstanden, dass das köstliche Evangelium in der Bibel oft mit gutem Wein verglichen wird. Es heißt in einem Lied: „Dein Freudenwein, erquicke mich.“ Paul Gerr singt in einem unbekannten Lied von der Liebe Jesu. So habe ich gestern mit Freude noch einmal gelesen. Dort heißt es, nicht kaum bekannt, von der Liebe Jesu: Sie ist mein süßer Wein, sie ist mein köstlicher Balsam, sie ist mein süßer Wein, die Liebe des Herrn Jesus.

Wenn ich einen Wunsch für Sie habe, dann ist es der, dass Sie von diesem Freudenwein des Evangeliums schon gekostet haben. Ich habe nichts davon, wenn ich höre, dass es ein Heil in Jesus gibt. Ich wünsche Ihnen, dass Sie in Ihrem Leben, wenn Sie müde waren oder am Rande des Zweifelns standen, erquickt wurden mit dem Freudenwein der Liebe Jesu Christi und seiner herrlichen Gnade.

Er schenkt uns köstlichen Wein. Und was geben wir ihm? Sie gaben ihm Essig mit Galle zu trinken. Meine Freunde, es sind viele Jahrzehnte vergangen, seitdem ich Jesus kennengelernt habe und er mich fand. Ich möchte ihm dienen und ihm geben, was ich habe. Doch wenn ich auf mein Leben zurückblicke, dann war es immer nur Essig mit Galle, das ich ihm geben konnte. Das ist eine sehr bittere Erkenntnis.

Gott schenke uns, dass wir verstehen, dass unser Heiland nichts von uns hat als Essig und Galle. Nur da sagt es doch unser Tun sei umsonst, auch im besten Leben. Es kommt nur Essig mit Galle heraus. Und wenn mal mehr und Besseres da war, dann hat er es verworfen, denn es war sein eigenes, und er hat es verworfen.

Ich wundere mich, wenn ich Menschen treffe, die sich rühmen, sie seien gut und nicht schlecht. Zu Recht scheue niemand sich, denn sie ahnen gar nicht, wie das alles nur Essig mit Galle ist. Meine Freunde, wer das begriffen hat, der weiß: Wir können vor Gott nur von der Gnade Jesu Christi leben, von dem Gnaden- und Freudenwein, den er schenkt.

Je verdächtiger wir uns selbst werden – und Gott helfe uns zu solcher geistlichen Klugheit, dass wir uns selbst verdächtig werden – desto mehr lernen wir, uns am Freuden- und Gnadenwein Jesu Christi zu erfreuen. Je älter ein Christ wird, desto mehr lernt er einfach das Bitten: „Dein Freudenwein erquicke mich.“

Der betäubende Charakter des Weins und Jesu Ablehnung

Ich muss noch ein zweites sagen: Der Wein Jesu Christi — ich sage, es war ein übler Wein. Und das zweite: Es war ein betäubender Trank, ein betäubender Drang. Meine Freunde, wir dürfen den Christknechten jetzt doch nicht unrecht tun. Sind sie nicht dabei? Also, zweiter Teil: Es war nicht so eine dumpfe Luft. Die Leute haben gesagt, sie hätten nie so gut geschlafen wie im Gottesdienst. Das ist natürlich schrecklich, das können sie nie ertragen — der betäubende Drang.

Sehen Sie, wir dürfen den Christknechten nun doch nicht unrecht tun. Fachleute, die Gelehrten sagen, es sei nicht nur, wie es im Psalm 69 steht, ein Verachtungsdrang, ein verächtlicher Spott, sondern es sei ein betäubender Drang gewesen. Also sei in dem Trank, in diesem Übel, doch ein bisschen Mitleid enthalten gewesen. Dieser Essig mit Myrrhe und Galle habe eine betäubende Wirkung gehabt und man habe ihn einem Delinquenten angeboten, mit dem man Mitleid hatte, um ihm die Schmerzen des Kreuzigens ein wenig zu lindern.

Wenn die klugen Leute das sagen, muss ich es glauben. Ich kann das nicht beurteilen, ich habe so etwas noch nicht getrunken, nicht wahr? Man muss nur sehen, wie ulkig das Menschenherz ist. Man quält einen Menschen, und damit er es nicht so schrecklich merkt, gibt man ihm vorher einen betäubenden Trank. So sind wir, nicht wahr? Ach ja, wir haben Mitleid mit Kassen und bringen sieben Millionen Juden um. So sind wir eben — ein betäubender Trank.

Meine Freunde, damit wird die Sache ja hochmodern und aktuell. Denn nichts ist für die Menschen von heute so interessant wie Betäubung. Dieses Jahrhundert ist das Jahrhundert des Schlafbildens und anderer Medikamente, um Schmerz zu betäuben. Und was hat unser Jahrhundert erreicht? Menschen zu betäuben.

Als junger Soldat habe ich das zuerst kennengelernt. Da sollte man Krieg ... Ich singe an wie Militärmusik. Oh, da war ein Betäubungsmittel Militärmusik. Hören Sie mal eine halbe Stunde Militärmusik! Da ist man zu jedem heroischen Unsinn bereit, nicht wahr? So betäubt waren wir. Und an der Front, als das nicht mehr klappte, als keine Musik mehr gespielt werden konnte, das war das Erschütterndste: Da wurde in Korbflaschen Schnaps ausgegeben. Es hat mich nicht so ernüchtert, was den Heroismus anging, sondern die Tatsache, dass vor dem Sturm in Korbflaschen der Schnaps ankam.

Und wie hat unsere Zeit das Betäuben gelernt? Es stirbt doch kein Mensch mehr, klar? Nein, das hätte doch jeder rechtzeitig mit seiner Spritze sterben leicht gemacht. Da kann man nichts dagegen sagen. Man wird eine Großmutter gehabt haben, die dem Arzt am Morgen von jedem Wort abgelehnt hat und gesagt hat: „Ich möchte klar in die Ewigkeit gehen.“ Ich werde es nicht tun, ich habe Angst davor.

Aber wir sind eine betäubungssüchtige Welt geworden. Man sagt, der Mensch hat heute mehr Angst vor dem Leben als vor dem Sterben. Das ist richtig. Und darum haben wir auch fürs Leben eine Menge Betäubungsmittel: Alkohol, Zerstreuung, Tabletten und Arbeitshitze — fünf Stunden Tag, aber kein Mensch hat Zeit für vier Stunden Tag, noch weniger für drei Stunden. Überhaupt keine Zeit mehr, nicht wahr? Hitze — das ist Betäubung, meine Freunde. Und Radio und Fernsehen: Es muss ja immer Krach in der Bude sein, wenn man heimkommt. Nachdem man den Eselsmantel abgelegt hat, dreht man das Radio an. Es muss Krach in der Bude sein, man könnte ja mal über die Predigt nachdenken — das darf nicht sein. Also drehen wir es an, nicht wahr? Es muss Krach und Unruhe im Zimmer sein: Betäubung!

Und nun denken Sie: Jesus lehnt den betäubenden Trank ab. Das ist eine ganz wichtige Stelle, denn da kommen wir wieder zum rechten Verständnis seines Leidens. Sehen Sie, es gibt viele Leute, die meinen, der Herr Jesus sei ein gescheiterter Idealist gewesen. Ich las neulich den Satz: Sokrates musste den Schierlingsbecher trinken, Van Gogh hat sich selbst das Leben genommen — und so weiter, aufgezählt alle Idealisten, die gescheitert sind. Und Jesus wurde gekreuzigt.

Da habe ich gelacht. Meine Freunde, in die Reihe der gescheiterten Idealisten gehört Jesus nicht. Dann hätte er einen Betäubungstrank gebraucht. Gescheiterte Idealisten, die von verruchten Buben umgebracht werden, die brauchen Betäubungstrank. Liebe Freunde, in diese Reihe gehört Jesus nicht.

Was ist denn Jesus? Jesus schickt uns an, das größte Werk zu tun. Er ist der Hohepriester der Welt, der einer Welt, die durch keine Religion, durch kein Opfer, durch keinen Kult Frieden finden konnte, die Versöhnung mit Gott schenken will. Und dazu bringt er ein herrliches und gültiges Opfer dar — ein Opfer, das gilt, ein Opfer, das Sünde wegnimmt, ein Opfer, das versöhnt und heiligt, nämlich sich selbst. Er ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde wegträgt.

In dem Augenblick ist Jesus der Hohepriester der Welt und das Lamm zugleich. Er opfert auf dem Altar des Kreuzes, und diese herrliche Tat kann kein berauschter Mann tun. Darum lehnt er diesen Betäubungstrank ab. Der Hohepriester geht klar und hell in seinem Versöhnungswerk. Ich möchte niederfallen vor dem Kreuz und anbeten vor diesem Heiland, der mir Frieden mit Gott und alles geschenkt hat durch dieses Sterben.

Meine Freunde, diese Tat, diese größte Tat kann nur ein nüchterner Mann tun. Darum lehnt er den Trank ab. Aber jetzt möchte ich Ihnen noch etwas sagen: Jesus lehnte den Betäubungstrank ab. Sehen Sie, damit macht er deutlich: Wer zu Jesus kommt, der kommt in die Zone der Nüchternheit.

Es gibt Christen, die sind ekstatisch und sagen: „Oh!“ — also das hat mit Jesus nichts zu tun. Wer zu Jesus kommt, der kommt in die Zone der Nüchternheit, wo die Berauschungstränke abgelehnt werden. Die Welt ist besoffen von sich selbst und ihren blöden Ideologien. Bei Jesus wird man nüchtern, ganz nüchtern.

Und es ist wichtig, das jetzt zu sagen. Sehen Sie, ich erlebe es immer wieder: Wenn sich so ein junger Mann bekehrt zum Herrn Jesus, von einem Leben der Sünde, oder ein Alter, wenn er auch von seinem Sündenleben umkehrt und sich diesem Mann von Golgatha ergibt und von jetzt an vor Gott nach seinem Gewissen lebt, nach seinem an Gott gebundenen Gewissen, dann sagen die Leute: „Mensch, das ist doch überspannt, Sie sind doch verrückt geworden!“

Wie oft höre ich dann den spießigen Satz: „Herr Pastor, man muss doch mit beiden Beinen auf dem Boden bleiben.“ Nun, ich möchte Ihnen sagen: Ich kam mit beiden Beinen erst da auf den Boden, als ich meinen verlorenen Zustand erkannte und das schreckliche Gericht Gottes fürchten lernte und mein Heil in dem gekreuzigten Heiland fand. Da sah ich endlich, was Wirklichkeit war. Da kam ich mit beiden Beinen auf den Boden.

Und ich wünsche Ihnen, dass Sie zu Jesus in diese Zone der Nüchternheit kommen, wo die Phrasen aufhören und man das lernt, was in einem Lied steht: „Wenn ich mich selbst betrachte, wird mir Angst und Weh; wenn ich auf Jesus schaue, dann steige ich in die Höhe.“

Die Ablehnung des Weins und die Bedeutung des Kelches Gottes

Ich muss noch kurz etwas Letztes sagen: Der Wein Jesu war ein schlechter Wein. Es war ein betäubender Wein, den Jesus ablehnte. Dabei möchte ich bei diesem letzten Punkt bleiben – dem verschmähten Wein. Ich muss noch einmal betonen, dass Jesus diesen Wein tatsächlich verschmäht hat.

Nun möchte ich vorwegnehmen, meine Freunde, dass ich in den letzten fünf Minuten eine merkwürdige biblische Entdeckung mit Ihnen teilen möchte. Ich hoffe, ich kann deutlich machen, wie ungewöhnlich diese Entdeckung ist.

Sehen Sie, Jesus lehnt den Becher mit dem Wein ab. Die Christknechte wunderten sich darüber. Sie hatten doch gut gemeint, und da sagt er „nein“. Sie wussten nicht, dass Jesus in diesem Moment einen anderen Kelch nahm und trinken wollte. Deshalb konnte er diesen Becher nicht gebrauchen.

Welchen Kelch? Ein paar Stunden vorher hat er im Garten Gethsemane gesagt: „Mein Vater, ist es möglich, dass dieser Leidenskelch vorübergeht?“ Und dann: „Ist es nicht möglich, dann trinke ich ihn.“ Er will den Kelch des Vaters trinken. Deshalb kann er den Becher der Soldaten nicht annehmen.

Damit macht Jesus deutlich: Ihr habt doch gut gemeint, eine kleine Erquickung und Betäubung zu geben. Jesus zeigt aber, dass eine größere Erquickung als alles, was die Welt geben kann, darin besteht, im Kelch Gottes zu trinken, das heißt Gott zu gehorchen.

Mir ist aufgegangen, dass der Herr Jesus mehrmals Erfrischungen abgelehnt hat. Er sagte: „Ich will diese Erfrischung jetzt nicht“, um uns klarzumachen, dass es besser ist, Gott gehorsam zu sein als alle Erfrischungen der Welt.

Wo steht das? Zum Beispiel in der Geschichte, wie Jesus in Samaria an einem Brunnen sitzt und mit der Frau spricht. Die Frau geht weg, und die Jünger bringen Essen. Jesus nimmt nichts. Die Jünger streichen sich das Essen auf die Brote, aber Jesus isst nichts. Die Jünger sagen mit vollem Mund – ich sehe es förmlich vor mir: „Es schmeckt gut, Herr Jesus, iss doch!“

In Johannes 4,34 sagt Jesus: „Meine Speise ist, den Willen dessen zu tun, der mich gesandt hat.“ Besser als eure Erfrischungen ist es, Gottes Willen zu tun. Ihr bekommt etwas Besseres als euren Becher – es ist Gottes Gehorsam.

Oder denken Sie an die Geschichte der Versuchung. Kennt ihr die Geschichte? Jesus hungert, und der Teufel sagt: „Da ist der Stein, du brauchst nur ein Wort sagen, und daraus wird Brot.“ Jesus antwortet: „Nein, der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort Gottes.“

Hören Sie das? Ich möchte Ihnen diese Entdeckung mitgeben: Jesus macht mit seinem Leben immer wieder deutlich, dass mehr als alle Erfrischungen der Welt gilt, Gott gehorsam zu sein.

Meine Freunde, wollen wir glücklich werden? Dann fangen wir jetzt an, Gott gehorsam zu sein. Es gibt viele Dinge, mit denen wir brechen müssen. Sie wissen ganz genau, was zu tun ist. Und wenn Sie sagen, Sie wüssten es nicht, dann lesen Sie die Bibel. Jesus sagt ja: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort Gottes.“

Fangen Sie an, die Bibel zu lesen, und tun Sie, was dort steht. Es mag Ihnen übertrieben vorkommen, dass es besser ist als ein gutes Frühstück, den Willen Gottes zu tun. Es mag Ihnen übertrieben erscheinen, aber sehen Sie sich die Welt an: Die Welt hat gute Frühstücke, aber sie ist hungrig und leer. Warum? Weil sie nicht den Willen Gottes tut.

Wir wollen unseren Blick auf Jesus gerichtet halten, der den Becher wegwirft, weil er den Kelch des Vaters trinkt. Je mehr wir dieses Bild betrachten, desto mehr verstehen wir, dass das Leiden Jesu ganz praktisch unser ganzes Leben neu orientieren wird.

Schlussgebet

Nun wollen wir beten.

Herr, unser Heiland, gib uns die Neuorientierung unseres Lebens an deinem Kreuz. Lass uns keine Theoriechristen sein. Liebe, zieh uns in dein Sterben hinein. Lass uns mit dir gekreuzigt sein, damit das, was dein Reich nicht erben kann, überwunden wird. Führe uns ins Paradies ein! Amen.